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B978-3-437-42385-7.00012-8

10.1016/B978-3-437-42385-7.00012-8

978-3-437-42385-7

Otitis Otitis:mediamedia mit Komplikationen (Ausbreitung des Entzündungsprozesses).

CholesteatomCholesteatom. Die von verhorntem Plattenepithel ausgekleidete und mit Hornlamellen angefüllte ZysteZyste:Cholesteatom (rechte Bildhälfte) hat eine Entzündung der angrenzenden Mittelohrschleimhaut hervorgerufen (linke Bildhälfte). HE, Vergr. 40-fach.

Ohr

S. Ihrler

In der Vorauflage unter Mitarbeit von H. Denk

  • 12.1

    Normale Struktur und Funktion291

  • 12.2

    Äußeres Ohr291

    • 12.2.1

      Entzündliche Erkrankungen291

    • 12.2.2

      Nichtinfektiöse Erkrankungen292

    • 12.2.3

      Tumoren292

  • 12.3

    Mittelohr292

    • 12.3.1

      Entzündliche Erkrankungen292

    • 12.3.2

      Nichtinfektiöse Erkrankungen292

    • 12.3.3

      Tumoren294

  • 12.4

    Innenohr294

    • 12.4.1

      Toxische Schädigung294

    • 12.4.2

      Infektiöse Schädigung294

    • 12.4.3

      Traumatische Schädigung294

    • 12.4.4

      Morbus Menière294

    • 12.4.5

      Tinnitus294

Zur Orientierung

Entzündliche Erkrankungen des äußeren Ohrs und des Mittelohrs sind häufig, insbesondere bei Kindern. Erkrankungen des Innenohrs, insbesondere Hörstörungen, sind bei Erwachsenen häufig.

Normale Struktur und Funktion

Das äußere Ohr:äußeresOhr besteht aus der Ohrmuschel (Auricula) und dem äußeren Gehörgang (Meatus acusticus Meatus:acusticus externusexternus). Es dient der Schallaufnahme und Schallzuleitung zum Mittelohr. Der äußere Gehörgang wird durch das Trommelfell (Membrana tympanica) vom Mittelohr getrennt. Er wird von Haut ausgekleidet.
Das MittelohrMittelohr besteht aus mit Schleimhaut ausgekleideten, luftgefüllten Kammern. Sein Zentrum ist die PaukenhöhlePaukenhöhle (Cavum Cavum:tympanitympani), die über die Ohrtrompete (Tuba Tuba:auditivaauditiva) mit dem Nasopharynx verbunden ist. Über das Antrum mastoideum steht sie mit den Cellulae mastoideae in Verbindung. Die 3 Gehörknöchelchen Hammer (Malleus), Amboss (Incus) und Steigbügel (Stapes) werden von der Paukenhöhlenmukosa umschlossen. Die Gehörknöchelchen sind gelenkig miteinander verbunden und übertragen die Bewegungen des Trommelfells mechanisch über die Fenestra vestibuli (ovales Fenster) auf die Flüssigkeit des Innenohrs.
Das InnenohrInnenohr (LabyrinthLabyrinth) besteht aus einer knöchernen Kapsel (knöchernes Labyrinth), worin das häutige Labyrinth eingelagert ist. Der zwischen knöchernem und häutigem Labyrinth liegende Raum ist mit einer Flüssigkeit (PerilymphePerilymphe), das häutige Labyrinth selbst mit Endolymphe gefüllt. Das Zentrum des knöchernen Labyrinths ist das Vestibulum, in das die 3 Bogengänge, der Aqueductus vestibuli und die Schnecke (Cochlea) einmünden. Das häutige Labyrinth enthält die beiden Sinnesorgane, das Gehörorgan (Cochlea) und das Gleichgewichts- oder Vestibularorgan. Dieses wird von der Pars vestibularis des N. vestibulocochlearis innerviert.

Äußeres Ohr

Entzündliche Erkrankungen

Ohr:äußeresInfektiöse Entzündungen des äußeren Ohrs werden Otitis externa genannt. Nichtinfektiöse Entzündungen können im Rahmen von Kontaktekzemen auftreten (z.B. durch Inhaltsstoffe von Kosmetika, Parfüms, Ohrringen).
Otitis externa
Otitis:externaÄtiologieDie Otitis externa ist eine häufige Erkrankung und wird hervorgerufen durch:
  • Bakterien (Staphylokokken, Streptokokken, Proteus vulgaris, Pseudomonas aeruginosa)

  • Viren (Herpesviren)

  • Pilze (Candida, Aspergillus)

Ihre Entstehung wird durch Hautverletzung bzw. Mazeration durch Feuchtigkeit (z.B. Baden) begünstigt.
FormenBei der diffusen Otitis kommt es nach der Infektion im gesamten äußeren Gehörgang zu Rötung und Ödem der Haut sowie zu einem übel riechenden entzündlichen Exsudat. Bei der umschriebenen Otitis externa handelt es sich dagegen um eine abszedierte Entzündung von Haarfollikeln nach Infektion durch Staphylokokken (sog. Gehörgangsfurunkel). Bei älteren Patienten mit Diabetes mellitus oder herabgesetzter Immunabwehr kann eine Infektion mit Pseudomonas Pseudomonas aeruginosa:Otitis externaaeruginosa oder anaeroben Bakterien eine phlegmonös-eitrige Entzündung des Gehörgangs verursachen, die auf Knorpel, Knochen und Weichgewebe übergreift, z.T. auch auf den 9., 10., 11. und 12. Hirnnerv bis hin zu Meningitis, Abszessen und Sepsis.
Perichondritis
PerichondritisNach Infektion mit Bakterien (z.B. Pseudomonas aeruginosa) tritt eine eitrige Entzündung zwischen Perichondrium und Knorpel der Pinna auf. Dadurch kann die Blutversorgung des Knorpels so eingeschränkt werden, dass er nekrotisch wird.

Nichtinfektiöse Erkrankungen

Chondrodermatitis nodularis chronica helicis
Chondrodermatitis:nodularis chronica helicisDiese knotige Veränderung der Anthelix unbekannter Ätiologie geht mit degenerativen und entzündlichen Veränderungen von Haut, Subkutis und Knorpel einher. Die Epidermis ist oft ulzeriert. Im Bindegewebe findet sich fibrinoides Material, umgeben von Granulationsgewebe und Entzündungsinfiltraten mit Übergreifen auf das Perichondrium. Der Ohrknorpel ist durch degenerative Veränderungen bis zu Zysten- und Spaltbildung gekennzeichnet.
Keloid
Keloid:OhrTypischerweise am Ohrläppchen nach vorangegangenem Trauma (z.B. Ohrringe) lokalisierte umschriebene, überschießende Narbenbildung.
Histologisch steht dabei das Auftreten breiter, eosinophiler Bündel hyalinisierten Kollagens im Vordergrund.
Gicht
Gicht:OhrUmschriebene Ablagerung von Uratkristallen in Subkutis und Knorpel des äußeren Ohrs infolge einer Hyperurikämie. Die Kristalle bilden weißliche Massen, die von Fremdkörperriesenzellen, Histiozyten und Bindegewebe umgeben sind (sog. Gichttophi:OhrGichttophi).

Tumoren

Die Tumoren sind am häufigsten an der Ohrmuschel lokalisiert und entsprechen meist UVB-assoziierten aktinischen Keratosen, Keratoakanthomen, Plattenepithelkarzinomen, Basalzellkarzinomen („Basaliomen“, Kap. 43.10.1) und seltener malignen Melanomen.

Mittelohr

Entzündliche Erkrankungen

Otitis media
Otitis:mediaÄtiologieDie Otitis media (MittelohrentzündungMittelohrentzündung) ist eine der häufigsten Erkrankungen des Kindesalters mit bevorzugtem Auftreten im Winter und Frühling und wird hervorgerufen durch:
  • Bakterien (z.B. Streptokokken, Pneumokokken, Haemophilus, Proteus, Staphylokokken)

  • Viren (z.B. Influenza-, Entero-, Rhino-, Adenoviren)

Die Erreger gelangen meist während einer Infektion des Nasopharynx über die Tuba auditiva, seltener nach Trommelfellperforation oder hämatogen ins Mittelohr.
FormenBei der serösen Otitis mediaOtitis:media sammelt sich wässrige (seröse) oder visköse (seromuköse) Flüssigkeit im Mittelohr, weil der Abfluss in die Tuba auditiva behindert ist – meist zu Beginn einer viralen oder bakteriellen Otitis media, chronischen Rhinosinusitis oder bei Allergien. Die Komplikationen bestehen hauptsächlich in Superinfektionen und Fibrosen. Die akute Otitis mediaOtitis:media ist durch Schleimhautrötung, ödem und Eiterbildung gekennzeichnet. Da der Eiter durch entzündungsassoziierte Tubenblockade nicht abfließt, kann die Entzündung auf die Umgebung übergreifen und schwerwiegende Komplikationen wie Mastoiditis, Labyrinthitis, Hirnabszess, Meningitis oder Thrombophlebitis nach sich ziehen (Abb. 12.1). Die chronische Otitis mediaOtitis:media entsteht entweder sekundär infolge einer akuten Otitis media oder als primär chronische Entzündung mit Ausbildung von Granulationsgewebe (sog. entzündlicher Ohrpolyp). Häufig findet sich eine Perforation des Trommelfells, durch die sich mukopurulente Flüssigkeit nach außen entleert. Durch narbige Umwandlung des Granulationsgewebes kann es zu einer Fibrose in der Paukenhöhle mit nachfolgender Höreinschränkung kommen.

Nichtinfektiöse Erkrankungen

Cholesteatom
CholesteatomDas Cholesteatom ist eine zystenartige Läsion im Mittelohr, die von geschichtetem, verhorntem Plattenepithel ausgekleidet und mit Hornmassen angefüllt ist. Es entsteht meist als Komplikation einer Otitis media und ist gewöhnlich im Recessus epitympanicus oder Antrum des Mastoids zu finden. Eine häufige Zystenruptur ruft chronische Entzündung, Blutung, Granulombildung und manchmal Knochenarrosion hervor (Abb. 12.2).
Otosklerose
OtoskleroseDie Otosklerose ist eine Erkrankung unbekannter Ätiologie, die im knöchernen Labyrinth und im Bereich der Fußplatte des Steigbügels auftritt und zu einem zunehmenden, meist beidseitigen Hörverlust führt. Die Betroffenen sind zwischen 10 und 40 Jahre alt.

Morphologie

Histologisch wird perivaskulär resorbierter Knochen durch ein zellreiches fibrovaskuläres Gewebe mit irregulär strukturiertem, neu gebildetem Knochen ersetzt.

Tumoren

Neoplasien des Mittelohrs sind Raritäten, unter denen vom Glomus jugulare und Glomus tympanicum ausgehende Paragangliome erwähnenswert sind (Kap. 16.2.2).

Innenohr

Toxische Schädigung

Durch eine Reihe unterschiedlicher Medikamente wie Aminoglykosid-Antibiotika, Schleifendiuretika, Salizylate, Chinin und Zytostatika kann eine toxische Schädigung des Innenohrs mit Hör- und Gleichgewichtsstörungen ausgelöst werden.

Infektiöse Schädigung

Infektionen des Innenohrs werden meist durch Viren und Bakterien verursacht. Viren (Zytomegalie-, Masern-, Mumps-, Röteln- und Herpesviren) erreichen das Innenohr hämatogen, entlang des 7. und 8. Hirnnervs oder vom Mittelohr ausgehend. Eine bakterielle Infektion tritt meist als Folge einer Otitis media auf, durch Übergreifen einer Osteomyelitis oder entlang von Nerven und Gefäßen. Die Infektionen führen zu Gleichgewichtsstörungen, Drehschwindel sowie Schwerhörigkeit bis zum kompletten Hörverlust sowie Meningitis.

Traumatische Schädigung

Häufigste Ursachen sind Frakturen des Os temporale, Schallbelastungen (Explosionen und Schüsse), intensive Lärmbelastung (z.B. Motorlärm, Musiklärm in Diskotheken u.Ä.) und Barotraumen (z.B. in Flugzeugen, beim Tauchen).

Morbus Menière

Morbus:MenièreDer Morbus Menière ist eine Erkrankung des Hör- und Gleichgewichtsorgans, die sich durch episodenartige Gleichgewichtsstörungen, Gehörverlust und Tinnitus äußert. Die genaue Ursache ist unbekannt, eine vorangegangene subklinisch verlaufene virale Labyrinthitis kommt infrage.
Histologisch liegt eine Ausweitung des endolymphatischen Raums aufgrund vermehrter Flüssigkeit („Hydrops“) vor.

Tinnitus

EsTinnitus handelt sich um eine rein subjektive Geräuschwahrnehmung bei fehlendem akustischem Reiz. Das Geräusch kann z.B. pfeifend, zischend, summend, klingelnd oder rauschend sein und permanent oder temporär auftreten. Tinnitus tritt als Symptom bei unterschiedlichen Erkrankungen des Ohrs, Herz-Gefäß-Erkrankungen, Anämie oder Hypothyreose auf.

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