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B978-3-437-42385-7.00036-0

10.1016/B978-3-437-42385-7.00036-0

978-3-437-42385-7

Fibrinös-eitrige Peritonitis:fibrinös-eitrigePeritonitis. Auf Darmschlingen und Mesenterium sind fibrinös-eitrige Beläge aufgelagert. Das Peritoneum ist durch aktive Hyperämie gerötet.

Carcinosis PeritonealkarzinoseCarcinosis peritoneiperitonei. Das Peritoneum viscerale (Darmschlingen und Mesenterium) ist übersät von grauweißen Tumorauflagerungen mit gerötetem (hämorrhagischem) Randsaum.

Pseudomyxoma Pseudomyxoma:peritoneiperitonei.a Durchsetzung des Omentum majus durch Schleimseen. b Schleimmassen (Pfeil) und schleimbildende Epithelzellen (Sterne) aus einer rupturierten Mukozele der Appendix ersetzen das Fettgewebe.

LeistenhernieLeistenbruchInguinalhernieLeistenhernien; B = Bruchsack, H = Hoden, NH = Nebenhoden, S = Samenstrang, P = Peritoneum, R = M. rectus abdominis, C = M. cremaster, CS = Cavum serosum testis, A = A. epigastrica inferior, M = Mm. transversus und obliquus internus mit Faszie (grün). a Angeborene Form einer indirekten Leistenhernie. b Erworbene Form einer indirekten Leistenhernie. c Direkte Leistenhernie.

Hernia accreta. Eine in den Bruchsack eingetretene Darmschlinge ist durch Narbengewebe an der Wand des Bruchsacks fixiert (Pfeile). Der durch den Bruchring abgeschnürte Darmabschnitt (Doppelpfeile) ist hämorrhagisch infarziert. Dies äußert sich in einer dunkel-blauroten Verfärbung dieses Bereichs. BS = eröffneter Bruchsack, D = resezierte Darmschlinge.

Peritoneum

C. Langner

F.A. Offner

  • 36.1

    Normale Struktur und Funktion685

  • 36.2

    Peritonitis686

    • 36.2.1

      Akute Peritonitis686

    • 36.2.2

      Chronische Peritonitis686

    • 36.2.3

      Tuberkulöse Peritonitis687

  • 36.3

    Tumoren687

    • 36.3.1

      Malignes Mesotheliom687

    • 36.3.2

      Primäres Karzinom des Peritoneums687

    • 36.3.3

      Tumormetastasen im Peritoneum687

    • 36.3.4

      Pseudomyxoma peritonei687

    • 36.3.5

      Mesenchymale Tumoren688

  • 36.4

    Tumorähnliche Läsionen688

    • 36.4.1

      Papilläre mesotheliale Hyperplasie688

    • 36.4.2

      Zysten688

    • 36.4.3

      Retroperitoneale Fibrose688

  • 36.5

    Abnormer Inhalt der Bauchhöhle688

    • 36.5.1

      Aszites688

    • 36.5.2

      Hämaskos689

    • 36.5.3

      Pneumoperitoneum689

  • 36.6

    Hernien689

    • 36.6.1

      Äußere Hernien689

    • 36.6.2

      Innere Hernien690

    • 36.6.3

      Komplikationen der Hernien690

Zur Orientierung

PeritoneumDas große Netz mit seinem Peritonealüberzug spielt eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Infektionen, z.B. durch Abdeckung von perforierten Hohlorganen (Gallenblase, Gastrointestinaltrakt) und damit lokale Begrenzung von Entzündungsprozessen. Durch Sekretion und Resorption von Flüssigkeit ist das Peritoneum in den Flüssigkeitshaushalt des Organismus, aber auch in die Abwehr von Erregern aus dem Magen-Darm-Trakt eingeschaltet. Entzündliche Erkrankungen des Peritoneums (Peritonitis) verursachen sehr intensive Schmerzen und oft ein akutes Abdomen. Sie sind häufig Folge fortgeleiteter Entzündungen im Gastrointestinaltrakt und können nach narbiger Abheilung Verwachsungen der Abdominalorgane (Adhäsionen) nach sich ziehen, welche ihrerseits Komplikationen wie beispielsweise einen mechanischen Ileus verursachen können. Tumoren können primär im Peritoneum entstehen, wesentlich häufiger greifen sie aber von Organen der Bauchhöhle auf das Peritoneum über. Gesteigerte Flüssigkeitssekretion bzw. verminderte Resorption führt zu abnormer Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle (Aszites). Häufig und daher besonders relevant sind die verschiedenen Formen der Hernien. Die morphologische Diagnostik umfasst vornehmlich die zytologische Analyse von Punktatflüssigkeiten und die histologische Beurteilung von Gewebeproben bei klinischem Tumorverdacht. Besondere differenzialdiagnostische Bedeutung kommt verschiedenen benignen Erkrankungen zu, die disseminiert die peritoneale Oberfläche betreffen können, wie z.B. die Endometriose.

Normale Struktur und Funktion

Das Peritoneum (Bauchfell) besteht aus dem parietalen (Peritoneum parietale) und dem viszeralen Anteil (Peritoneum viscerale). Das Peritoneum Peritoneum:parietaleparietale kleidet die Bauchhöhle (Peritonealhöhle) aus, das Peritoneum Peritoneum:visceraleviscerale überzieht die in der Bauchhöhle (intraperitoneal) gelegenen Bauch- und Beckenorgane. Das Peritoneum besteht aus einer bindegewebigen, an Gefäßen, Nerven und elastischen Fasern reichen Verschiebeschicht (Tela subserosa) und der darüber liegenden Serosa (Tunica serosa), die sich aus einer dünnen, feinfaserigen Bindegewebsunterlage (Lamina propria serosae) und einem einschichtigen Epithel (Mesothel) zusammensetzt. Durch die Mesothelüberkleidung ist das Peritoneum glatt und glänzend. Durch eine geringe Menge seröser Flüssigkeit wird die Gleitfähigkeit der intraperitonealen Organe erleichtert. Über das Peritoneum (Oberfläche ca. 2 m2) können große Mengen von Flüssigkeit resorbiert und ausgeschieden werden, wobei auch ein Elektrolytaustausch erfolgt (Bedeutung bei der Peritonealdialyse).

Peritonitis

DefinitionUnter Peritonitis werden entzündliche Veränderungen des Peritoneums verstanden, die auf belebte (Bakterien, Viren, Pilze) oder unbelebte (z.B. mechanische, chemische, physikalische) Ursachen zurückgehen. Nach der Ausdehnung des Prozesses lassen sich lokalisierte und diffuse Peritonitiden, nach Morphologie und klinischem Bild akute und chronische Peritonitiden unterscheiden.PeritonitisPeritoneum:EntzündungEntzündung:Peritoneum

Akute Peritonitis

Peritonitis:akuteDie akute Peritonitis ist eine relativ häufige Erkrankung. Sie kann lokalisiert oder diffus sein. Bei der lokalisierten Form ist der entzündliche Herd durch das große Netz oder durch Darmschlingen abgedeckt.
ÄtiologieÜberwiegend wird die akute Peritonitis durch Bakterien (z.B. gramnegative Bakterien wie E. coli, Proteus, Enterokokken, Clostridien) hervorgerufen. Häufig handelt es sich um eine Mischinfektion, an der sich auch Streptokokken und andere Bakterien beteiligen. Bakterien gelangen bei einer Perforation (Durchbruch) oder durch Penetration (Durchwanderung) der Wand von Hohlorganen (Appendizitis, peptische Ulzera, Cholezystitis, Divertikulitis, Darminfarkt) sowie als Folge von Verletzungen durch direkte Keimeinbringung in die Bauchhöhle. Gelangt dabei Darminhalt in die Bauchhöhle, spricht man von einer sterkoralen Peritonitis:sterkoralePeritonitis (lat.: stercus, Kot). Eine hämatogene Entstehung ist selten. Bei Kindern kann es selten zu einer hämatogenen primären Peritonitis durch Pneumokokken kommen. Bei Erwachsenen mit Leberzirrhose und Aszites ist die primäre spontane bakterielle Peritonitis eine gefürchtete Komplikation.
Abakterielle („chemische“) Peritonitis:abakteriellePeritonitiden entstehen durch ausgetretenen Magensaft, Pankreassaft, Galle, Blut, Fremdkörper (z.B. Talkum mit granulomatöser Fremdkörperreaktion) oder andere chemische Noxen (z.B. bei Urämie). In diesen Fällen kommt es nicht selten zu einer sekundären bakteriellen Besiedlung.

Morphologie

Im Frühstadium der akuten Peritonitis kommt es zu einer Gefäßerweiterung in der Subserosa (Rötung). In der Folge kommt es zur Ausbildung eines Exsudats, das zuerst serös, später fibrinös (fibrinöse Peritonitis; Abb. 36.1), aber auch von neutrophilen Granulozyten (eitrige Peritonitis) durchsetzt ist. Bei ausgeprägter Erkrankung kann durch Gefäßschädigung mit Blutaustritt auch eine hämorrhagische Komponente hinzutreten (hämorrhagische Peritonitis). Bei Überleben kommt es zu einer Organisation des Exsudats durch Granulationsgewebe und schließlich zur Entwicklung von Narbengewebe (Fibrose, Adhäsionen).Peritonitis:hämorrhagischePeritonitis:fibrinösePeritonitis:eitrige

KomplikationenDie akute diffuse Peritonitis ist bei Fehlen einer adäquaten Behandlung mit hoher Letalität verbunden. Komplikationen sind:
  • Darmparalyse (paralytischer Ileus): Ileus:PeritonitisDer paralytische Ileus kann eine Störung des Wasser- und Elektrolythaushalts verursachen. Der zusätzliche Bakterienaustritt aus dem Darm wiederum verstärkt die Peritonitis. Auf diese Weise kommt ein Circulus vitiosus in Gang.

  • (Endo-)Toxinämie (Kap. 48.3.5)

  • Peritonealer Schock: Schock:peritonealerUrsachen sind Endotoxinämie und Sepsis. Die Endotoxinämie entsteht durch Resorption bakterieller Endotoxine über das Peritoneum und die Sepsis durch Eindringen von Bakterien in die Zirkulation (Kap. 7.10).

Bei lokalisierten Formen der Peritonitis (Abdeckung durch Darmschlingen oder das große Netz) können Peritonealabszesse Peritonealabszessresultieren (z.B. subphrenischer Abszess Abszess:subphrenischernach Perforation von Magen oder Gallenblase; Abszessbildung im Douglas-Raum des Beckens nach Perforation von Pseudodivertikeln des Colon sigmoideum = sog. Douglas-Abszess; Douglas-Abszess:Peritonitisperityphlitischer AbszessAbszess:perityphlitischer nach Perforation der Appendix).
Strangförmige fibröse Adhäsionen (sog. Briden) durch Organisation von Exsudat können zu mechanischem Ileus mit Obstruktion und Strangulation von Darmschlingen führen (Kap. 30.4.1).
Klinische RelevanzEs handelt sich um ein schweres Krankheitsbild mit Schmerzen, Fieber, Leukozytose und „brettharter“ Bauchdeckenspannung („akutes Abdomen“).Abdomen, akutes:Peritonitis

Chronische Peritonitis

DiePeritonitis:chronische chronische Peritonitis kann aus einer akuten bakteriellen Peritonitis hervorgehen oder auch abakteriell (z.B. durch Fremdkörper) bedingt sein. Eine Sonderform ist die sklerosierende (Peritonitis:sklerosierendeobstruktive) Peritonitis. Dabei kommt es zu einer Hyperplasie des Mesothels und zur Fibrose. Fibrose:PeritonitisDie in der Bauchhöhle gelegenen Organe (Darm, Leber, Milz) werden von einem verdickten weißen Peritoneum überkleidet („Zuckerguss“), das aus Myofibroblasten und kollagenem Bindegewebe besteht. Es kann dabei zur Einengung des Darmlumens (Obstruktion) kommen. Derartige Veränderungen finden sich z.B. bei lang dauernder Peritonealdialyse oder als Folge von Fremdkörperreizen oder Medikamenten.

Tuberkulöse Peritonitis

Tuberkulose:PeritonitisPeritonitis:tuberkulöseDiese Erkrankung ist heute selten. Sie entsteht entweder durch Fortleitung aus einem tuberkulös veränderten mesenterialen Lymphknoten, der Tube oder dem Darm. Auch eine hämatogene Aussaat in das Peritoneum ist möglich.

Morphologie

Wie generell bei der Tuberkulose lassen sich eine produktive und eine exsudative Form unterscheiden (Kap. 48.3.6).

Tumoren

Malignes Mesotheliom

Es Tumor:PeritoneumPeritoneum:TumorenPeritoneum:MesotheliomMesotheliom:Peritoneumhandelt sich um eine vom Mesothel ausgehende maligne Neoplasie, die morphologisch jener in der Pleura (Kap. 25.4.2) entspricht, aber wesentlich seltener ist. Betroffen sind Patienten (häufiger Männer als Frauen) im mittleren und höheren Lebensalter. Der Tumor ist mit Asbestexposition assoziiert.

Morphologie

Die neoplastischen Veränderungen können sehr ausgedehnt sein. Unterschiedliche histologische Typen lassen sich abgrenzen:

  • epithelialer Typ (häufig papillär)

  • mesenchymaler (sarkomatöser) Typ

  • gemischter (biphasischer) Typ (Kombination)

Der epitheliale Typ überwiegt.

Primäres Karzinom des Peritoneums

Es handelt Karzinom:Peritoneumsich um seltene Karzinome, die morphologisch und molekulargenetisch weitgehend den Karzinomen des Ovars entsprechen, aber nicht von der Oberfläche des Ovars, sondern primär von der Oberfläche des Peritoneums ausgehen. Meistens sind es seröse Karzinome mit hohem Malignitätsgrad. Neuere Studien gehen davon aus, dass sie durch peritoneale Implantation von Tumorzellen entstehen, die von winzigen, nur mikroskopisch fassbaren, intraepithelialen Karzinomen der Tuben (insbesondere der Fimbrien) stammen.

Tumormetastasen im Peritoneum

Syn.: Peritoneum:MetastasenMetastase:PeritoneumCarcinosis peritonei (Carcinosis peritoneiPeritonealkarzinose)
PeritonealkarzinoseMetastatische Tumoren sind die häufigsten (malignen) Tumoren, die das Peritoneum betreffen. Der Befall des Peritoneums erfolgt durch kontinuierliche Ausbreitung von Organtumoren des Bauchraums oder durch lymphogene (Lymphangiosis carcinomatosa), seltener durch hämatogene Ausbreitung (z.B. malignes Melanom). Eine Peritonealkarzinose durch kontinuierliche Tumorausbreitung findet sich vor allem bei Karzinomen des Gastrointestinaltrakts und des Ovars. Die Folge sind meist ausgedehnte kavitäre Metastasierungen, die häufig mit einer abnormen Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle einhergehen (Kap. 36.5.1).

Morphologie

Die Karzinose des Peritoneums kann sich einerseits in Form multipler, unterschiedlich großer Knötchen und umschriebener Platten (Abb. 36.2), andererseits in Form einer diffusen grauweißen Verdickung großer Peritonealabschnitte äußern. Die letztgenannten Veränderungen finden sich vor allem bei Karzinomen des Ovars und bei Magenkarzinomen vom diffusen Typ.

Pseudomyxoma peritonei

Es handelt sich Pseudomyxoma:peritoneiPeritoneum:Pseudomyxomum eine tumorbedingte Ansammlung von Schleim in der Bauchhöhle. Ausgangspunkt sind schleimbildende Tumoren zumeist der Appendix, seltener anderer Abschnitte des Kolorektums, der Gallenblase, des Pankreas oder des Ovars. Der Schleim und/oder die Tumorzellen können dabei unmittelbar (z.B. durch tumorbedingte Perforation der Serosa), aber auch durch chirurgische Tumoreröffnung in die Bauchhöhle gelangen. Dort produzieren die Tumorzellen extensiv Schleim (Abb. 36.3). Die WHO empfiehlt neuerdings eine zweistufige Klassifikation des Pseudomyxoma peritonei: Das niedrig gradige (low grade) Pseudomyxom wird zumeist durch niedrig gradige muzinöse Tumoren der Appendix („low grade appendiceal mucinous neoplasm“ bzw. LAMN, Kap. 31.6) verursacht, wobei dieser Begriff die früher sog. disseminierte peritoneale Adenomuzinose (DPAM) einschließt. Das hochgradige (high grade) Pseudomyxom entsteht durch peritoneale Ausbreitung von Zellen eines muzinösen Adenokarzinoms und ist synonym der früher sog. peritonealen muzinösen Karzinomatose (PMCA). Letzteres hat eine wesentlich schlechtere Prognose.

Mesenchymale Tumoren

Tumor:mesenchymalerIm Peritoneum können verschiedene gutartige oder auch bösartige mesenchymale Tumoren (Lipome, Fibrome, Fibromatosen, Leiomyome, Liposarkome) entstehen. Sie sind selten und haben daher nur eine geringe praktische Bedeutung. Die Fibromatosen des Peritoneums können ein lokal aggressives Wachstum zeigen und zur Darmobstruktion und damit zu einem mechanischen Ileus führen. Bei der diffusen peritonealen Leiomyomatose (Leiomyomatosis peritonealis disseminata) ist das Peritoneum von Leiomyomknötchen übersät.

Tumorähnliche Läsionen

Papilläre mesotheliale Hyperplasie

Läsion:tumorähnlicheDie Hyperplasie:papilläre mesothelialehyperplastischen Mesothelveränderungen äußern sich meist in Form fingerförmiger Stromafortsätze, die von regelrechten, zum Teil aktivierten Mesothelzellen überkleidet sind. Hierbei handelt es sich um eine benigne reaktive Läsion als Folge lokaler Irritationen (Entzündung, Aszites, Tumor), die vom malignen Mesotheliom abzugrenzen ist.

Zysten

Zyste:PeritoneumZysten im Peritoneum:ZystenBereich des Peritoneums (Mesenterium, Omentum) können auf ausgeweitete Lymphgefäße, Entwicklungsanomalien oder mesotheliale Einschlüsse zurückgehen. Gelegentlich lassen sich im Peritoneum auch Endometriosezysten nachweisen. Auch Endosalpingeoseherde (tubale Metaplasie des Mesothels) können als zystische Läsionen klinisch in Erscheinung treten.

Retroperitoneale Fibrose

Es handelt sichFibrose:retroperitonealePeritoneum:retroperitoneale Fibrose um eine Fibrosierung des Retroperitoneums, die zu Einengung der Ureteren führen kann. Histologisch zeigt sich die Fibrose mit unterschiedlich ausgeprägter chronischer Entzündung. Die Erkrankung ist häufig mit sklerosierenden Entzündungen in anderen Bereichen (u.a. sklerosierende Cholangitis, Autoimmunpankreatitis, Speicheldrüse, Lunge, Niere) verbunden. Die Ätiologie ist weitgehend unklar, Medikamente können in einigen Fällen eine Rolle spielen. Im Gewebe können vermehrt IgG4-positive Plasmazellen nachweisbar sein („IgG4-related sclerosing disease“).

Abnormer Inhalt der Bauchhöhle

Aszites

Syn.: AszitesBauchwassersucht
Unter Aszites Bauchwassersuchtversteht man die Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle. Er entsteht als eiweiß- und zellarmes Transsudat (klare Transsudat:AszitesFlüssigkeit) bei erhöhtem hydrostatischem Druck (Blutabflussstörung, portale Hypertonie, kardiale Stauung) oder bei erniedrigtem onkotischem Druck (Kap. 7.4). Ein eiweiß- und zellreicheres Exsudat (trübe Exsudat:AszitesFlüssigkeit) bildet sich bei Entzündungen (Infektionen) und auch bei malignen Tumoren immer dann, wenn die Flüssigkeitssekretion die Resorptionskapazität des Peritoneums überschreitet. Bei einem chylösen Aszites tritt als FolgeAszites:chylöser der Obstruktion größerer Lymphgefäße oder des Ductus thoracicus (häufig bedingt durch Tumoren) milchig-trübe (fetthaltige) Lymphflüssigkeit in die Bauchhöhle aus. Hämorrhagischer Aszites ist durch Aszites:hämorrhagischerBlutbeimengung charakterisiert.
Klinische RelevanzAusgeprägte Flüssigkeitsansammlungen bewirken eine Zunahme des Abdominalumfangs. Bei der klinischen Untersuchung fällt eine lagerungsabhängige Klopfschalldämpfung auf.

Hämaskos

Dies ist eine HämaskosBlutansammlung in der Bauchhöhle als Folge von Traumen, Spontanruptur (z.B. Ruptur gutartiger Lebertumoren, Ruptur der Milz im Rahmen von Infektionen) oder Extrauterin-(Tubar-)Gravidität. Der Blutaustritt führt zu einer peritonealen Reizung mit abakterieller Peritonitis.

Pneumoperitoneum

Unter diesem PneumoperitoneumBegriff wird eine Ansammlung von Luft oder Gas in der Peritonealhöhle verstanden. Dazu kommt es, wenn Luft oder Gas aus dem Gastrointestinaltrakt übertritt (durch Perforation oder Trauma), direkt eingebracht (z.B. iatrogen im Rahmen einer Laparoskopie) oder lokal (durch Gas bildende Bakterien) gebildet wird.

Hernien

DefinitionUnterHernie echten Hernien wird die Hernie:echteVerlagerung von Baucheingeweiden in Ausstülpungen des Peritoneums verstanden. Komponenten einer echten Hernie sind der Bruchring (Bruchpforte), der vom Peritoneum ausgekleidete Bruchsack und der Bruchinhalt (z.B. Eingeweide, großes Netz).
Wenn anstelle einer Ausstülpung ein Defekt des Peritoneums besteht, wird von falschen Hernien oder Hernie:falscheEingeweideprolaps gesprochen.
Es Eingeweideprolapslassen sich angeborene und erworbene sowie – nach anatomischen Gesichtspunkten – äußere und innere Hernien unterscheiden. Äußere Hernien sind unter der äußeren Haut sicht- oder tastbar. Innere Hernien entstehen durch Verlagerung von Eingeweiden in die Brusthöhle (durch das Zwerchfell) oder in den Retroperitonealraum.

Äußere Hernien

Inguinalhernie
Syn.: Hernia InguinalhernieHernie:äußereinguinalis, Leistenbruch,Hernia:inguinalis LeistenbruchLeistenhernie
EpidemiologieLeistenhernieDie Inguinalhernie ist die häufigste echte Hernie (90%). Zwei Drittel der Fälle sind indirekte (Hernia inguinalis lateralis), ein Drittel direkte (Hernia inguinalis medialis) Hernien. Die Prävalenz liegt bei etwa 0,5%. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. In ca. 10% treten die Hernien bilateral auf.
Klinische RelevanzEin Leistenbruch ist „reponibel“, wenn der Bruchinhalt durch Manipulation von außen (ohne chirurgischen Eingriff) zurückverlagert werden kann. Unter drei Bedingungen wird er „irreponibel“: bei Riesenhernien, Verwachsungen zwischen Bruchinhalt und Bruchsack (Hernia accreta) sowie bei Inkarzeration.
Hernia inguinalis lateralis
Hernia:inguinalisSyn.: indirekter Leistenbruch, indirekte Leistenbruch:indirekterLeistenhernie
Bei der Leistenhernie:indirekteangeborenen Form ist der Bruchsack der offene Processus vaginalis peritonei. Voraussetzung ist somit die fehlende Verödung des Processus vaginalis peritonei. Die Hernie kann unter dem Leistenband bis in das Skrotum (bzw. Labium majus) reichen. Eintrittspforte ist der innere Leistenring (Anulus inguinalis profundus) in der Fossa inguinalis lateralis, Austrittspforte der äußere Leistenring (Anulus inguinalis superficialis). Die Bruchpforte liegt lateral von den Vasa epigastrica. Der Bruchsack durchsetzt somit die Bauchwand schräg („indirekte Hernie“). Der Bruchinhalt liegt innerhalb einer einzigen, von Peritoneum ausgekleideten Höhle, in unmittelbarer Nachbarschaft des Hodens. Es fehlt somit ein Bruchsack im strengen Sinne (Abb. 36.4a).
Bei der erworbenen („indirekten“) Inguinalhernie ist der Processus vaginalis peritonei obliteriert. Die Hernie folgt dem Ductus deferens (Samenstrang). Hoden und Bruchinhalt liegen in getrennten Höhlen (Abb. 36.4b). Große Hernien können beim Mann bis tief in das Skrotum reichen (Skrotalhernie). Begünstigend Skrotalherniewirken erhöhter intraabdomineller Druck und höheres Lebensalter.
Hernia inguinalis medialis
Hernia:inguinalisSyn.: direkter Leistenbruch, direkte Leistenbruch:direkterLeistenhernie
Der direkte Leistenhernie:direkteLeistenbruch durchsetzt die Bauchwand gerade („direkt“). Eintrittspforte ist die Fossa inguinalis medialis, Austrittspforte der äußere Leistenring. Die Bruchpforte liegt medial der Vasa epigastrica. Es handelt sich dabei stets um erworbene Hernien (Abb. 36.4c). Begünstigend wirken (wie bei der indirekten Leistenhernie) erhöhter intraabdomineller Druck und höheres Lebensalter.
Femoralhernie
Syn.: Hernia Femoralherniefemoralis, SchenkelbruchHernia:femoralis, SchenkelbruchSchenkelhernie
Diese Hernie Schenkelhernieist wesentlich seltener als die Inguinalhernie. Sie ist bei Frauen häufiger als bei Männern und stets erworben. Der Bruchsack tritt durch den medialen Anteil der unter dem Leistenband gelegenen Lacuna vasorum und wird in der Fossa ovalis sichtbar. Gelegentlich liegt als Bruchinhalt nur ein Teil der Darmwand vor (Darmwandbruch; Littré-HernieDarmwandbruch, Richter-Littré-HernieHernie).
Hernia umbilicalis
Syn.: Richter-HernieHernia:umbilicalisNabelbruch, Nabelhernie
NabelbruchDiese Hernien Nabelherniekommen häufig bei Säuglingen, Kleinkindern und bei Multiparae vor. Anatomisch lassen sich eine direkte, angeborene und eine indirekte, erworbene Hernie unterscheiden. Die direkte Hernie folgt der Peritonealausstülpung innerhalb des Nabelrings. Sie bildet sich häufig zwischen dem 3. und 13. Lebensjahr spontan zurück. Die indirekte Hernie beruht auf einer Schwächung des Bindegewebes in der Nabelregion (häufiger bei Frauen nach wiederholten Schwangerschaften).
Nabelschnurbruch
Syn.: Hernia Nabelschnurbruchfuniculi umbilicalis, Hernia:funiculi umbilicalisNabelschnurhernie
Dabei handelt Nabelschnurherniees sich um eine Hemmungsfehlbildung im Sinne mangelhaft verschlossener Bauchwand der Leibesmitte.
Weitere Hernienarten
Bei der Hernia obturatoria handelt es sichHernia:obturatoria um den Durchtritt von Bruchinhalt durch den Canalis obturatorius.
Bei der Hernia ischiadica liegt die Hernia:ischiadicaBruchpforte im Bereich des Foramen ischiadicum majus oder minus.
Zu den abdominellen Hernien gehören Hernie:abdominelleHerniationen im Bereich der Linea alba, am Rande des M. rectus abdominis (Hernia ventralis lateralis), die epigastrischen Hernien (oberhalb des Nabels) und die Lumbalhernien. Ursachen sind häufig Überdehnung (bei Schwangerschaft) oder Schwächung der Bauchwand durch Operationen (Operationsnarben).

Innere Hernien

Hiatushernie
Syn.: Hernia Hernie:innerediaphragmatica
Kap. 27.5
Intraabdominelle Hernien
Es handelt sich Hernie:intraabdominelledabei um Verlagerung von Bauchinhalt in anatomisch präformierte Recessus (Recessus duodenalis superior), durch Mesenterialdefekte oder in das Foramen epiploicum (Bursa omentalis).

Komplikationen der Hernien

Die wichtigste Hernie:Komplikationenund schwerwiegendste Komplikation der Hernien ist die Einklemmung (Inkarzeration). Dabei lassenEinklemmung:HernieInkarzeration:Hernie sich eine elastische Einklemmung und eine Koteinklemmung unterscheiden.
  • Bei der elastischen Einklemmung wird die Bruchpforte (Bruchring) durch Erhöhung des intraabdominellen Drucks (Bauchpresse, Husten) erweitert, sodass Eingeweide in den Bruchsack eintreten. Nach Abnahme des intraabdominellen Drucks und dadurch bedingter Verengung der Bruchpforte werden die Eingeweide im Bruchsack zurückgehalten.

  • Bei der Koteinklemmung führt die Koteinklemmung:HernieFüllung der zuführenden Darmschlinge mit Darminhalt zu einer Kompression der abführenden Schlinge, sodass der Darminhalt nicht abfließen kann und stagniert.

Folgen der Einklemmung sind mechanischer Ileus und hämorrhagische Infarzierung des Darms durch Kompression der Venen mit folgender Darmwandnekrose und Entzündung. Durch Perforation und Fistelbildung kann eine zunächst lokale, dann diffuse eitrige Peritonitis entstehen. Als Folge lokaler Entzündungsprozesse kann der Bruchinhalt in der Hernie fixiert werden: Hernia accreta (lat.: accretusHernia:accreta = angewachsen) (Abb. 36.5).

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