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B978-3-437-21833-0.00036-X

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Indikationsbereiche der Psychoedukation TinnitusPsychoedukationSchlafstörungenPsychoedukationSchizophreniePsychoedukationPsychische StörungenPsychoedukationPosttraumatische Belastungsstörung (PTBS)PsychoedukationPersönlichkeitsstörung(en)PsychoedukationOrgantransplantationPsychoedukationNeurodermitisPsychoedukationHypertoniePsychoedukationEssstörungenPsychoedukationDepression/depressive StörungenPsychoedukationAsthma bronchialePsychoedukationAngst(störungen)PsychoedukationSchmerzenchronischeSoziale PhobiePsychoedukationZwangsstörungenPsychoedukation

Tab. 36.1
Indikationsbereich Weiterführende Literatur
Prävention von psychischen Störungen bei Risikogruppen
(z. B. Essstörungen bei jungen Frauen)
Rocco et al. (2001)
Gesundheitsförderung Schliehe et al. (2000)
Chronischer Schmerz Basler und Kröner-Herwig (1998), von Wachter und Hendrischke (2016)
Chronisch komplexer Tinnitus D'Amelio et al. (2005)
Essstörungen Vogelgesang (2005)
Schlafstörungen Spiegelhalder et al. (2011); Riemann (2016)
Posttraumatische Belastungsstörung Liedl et al. (2013)
Therapie und Unterstützung bei der Verarbeitung körperlicher Erkrankungen, z. B.:
  • Onkologie

  • Organtransplantation

  • Arterielle Hypertonie

  • Asthma bronchiale und Neurodermitis

  • Gündel et al. (2007)

  • Köllner und Archonti (2003)

  • Köllner et al. (2010)

  • Krischke (2005)

Therapie und Unterstützung bei der Verarbeitung psychischer Störungen:
  • Depression

  • Angststörung und Panik

  • Soziale Phobie

  • Generalisierte Angststörung

  • Schizophrenie

  • Zwangsstörungen

  • Persönlichkeitsstörungen

  • Schaub et al. (2013)

  • Alsleben et al. (2003)

  • Stangier et al. (2009)

  • Hoyer et al. (2007)

  • Bäuml et al. (2015)

  • Oelkers und Hautzinger (2013)

  • Schuhler und Schmitz (2005)

Psychoedukation

Kathrin Bernardy

Volker Köllner

  • 36.1

    Einleitung425

    • 36.1.1

      Begriffsbestimmung425

    • 36.1.2

      Hintergrund und Methoden425

    • 36.1.3

      Abgrenzung zur Psychotherapie426

    • 36.1.4

      Indikationen und Anwendungsmöglichkeiten426

    • 36.1.5

      Kontraindikation427

  • 36.2

    Psychoedukation bei psychosomatischen Erkrankungen und Störungen427

    • 36.2.1

      Bedeutung der Edukation bei psychosomatischen Krankheitsbildern427

    • 36.2.2

      Chronischer Schmerz428

    • 36.2.3

      Angst428

  • 36.3

    Psychoedukation (Patientenschulung) bei somatischen Erkrankungen429

  • 36.4

    Psychoedukation in der Prävention430

  • 36.5

    Der Stellenwert der Psychoedukation im psychotherapeutischen Prozess430

Einleitung

PsychoedukationPatienten wollen wissen, woher ihre Symptome kommen, wie sie interpretiert werden können, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und was sie selbst tun können, um ihre Gesundheit zu verbessern oder wiederherzustellen. Noch immer bleibt dieses Informationsbedürfnis häufig unbefriedigt, oder Information wird auf eine Weise verabreicht, die an den Bedürfnissen der PatientenPatientenInformationsbedürfnis vorbeigeht (Langewitz 2005). Immer häufiger greifen Patienten daher zur SelbsthilfeSelbsthilfeprogramme, internetbasierte. Bereits im Jahr 2000 konsultierten bis zu ein Drittel der niederländischen Patienten das Internet, bevor sie einen Arzt aufsuchten. Gerade angesichts der herausragenden Bedeutung chronischer Erkrankungen, bei denen es sinnvoll ist, dem Patienten zu helfen, „Experte in eigener Sache“ zu werden, ist dieses Informationsbedürfnis eine wichtige Ressource. Dies gilt sowohl für den Aufbau von Psychotherapiemotivation bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen als auch für die Unterstützung der Verarbeitung chronischer körperlicher Krankheiten. Psychoedukation stellt eine Möglichkeit dar, Patienten medizinisches Wissen in einer für sie verwertbaren Form zur Verfügung zu stellen.

Begriffsbestimmung

PsychoedukationDefinitionDer Begriff Psychoedukation wurde erstmals von Anderson et al. (1980) im Zusammenhang mit einem familientherapeutischen Programm für Patienten mit Schizophrenie verwendet. Bäuml und Pitschel-Walz (2008:3) geben folgende Definition:

„Unter Psychoedukation werden systematische didaktisch-psychotherapeutische Interventionen zusammengefasst, um die Patienten und ihre Angehörigen über die Hintergründe der Erkrankung und die erforderlichen Behandlungsmaßnahmen zu informieren, das Krankheitsverständnis und den selbstverantwortlichen Umgang mit der Krankheit zu fördern und sie bei der Krankheitsbewältigung zu unterstützen.“

Neben einer Verbesserung des Wissens des Patienten über seine Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten werden eine emotionale Entlastung, die Förderung der langfristigen Behandlungsbereitschaft und die Entwicklung von Bewältigungsstrategien angestrebt (Rabovsky und Stoppe 2006).

Hintergrund und Methoden

PsychoedukationMethodenPsychoedukation ist eng mit dem Empowerment-PsychoedukationEmpowermentEmpowermentPsychoedukationGedanken (Faller 2003) verknüpft und hat zum Ziel, den PatientenPatientenEmpowerment „zum Experten in eigener Sache zu machen“. Dies beinhaltet:
  • Vermittlung des Basiswissens über Krankheitsbild und Behandlungsmethoden, um einen Informed Consent herstellen zu können. PsychoedukationInformed ConsentInformed ConsentPsychoedukation

  • Vermittlung der Rationale der vorgeschlagenen Therapie, um die Möglichkeit des Patienten zur aktiven Mitarbeit zu verbessern. So soll die PsychoedukationAdhärenzAdhärenzDefinitionAdhärenz (adherence) (statt Compliance) des Patienten optimiert werden. Die Adhärenz bezeichnet das Ausmaß, in dem das Verhalten einer Person hinsichtlich Medikamenteneinnahme, Diätbefolgung und/oder Lebensstiländerungen mit den vereinbarten Empfehlungen eines medizinischen Behandlers übereinstimmt. Der Hauptunterschied zur ComplianceComplianceDefinition ist, dass Patienten im AdhärenzkonzeptAdhärenzPsychoedukation als aktive Partner in dieser Vereinbarung gesehen werden, deren Zustimmung zu den Empfehlungen der Behandler nötig ist (WHO 2003). Dieser Aspekt ist nicht nur bei psychischen Störungen von Bedeutung, sondern auch bei chronischen somatischen Krankheitsbildern, die langwierige und komplexe Behandlungen erfordern, z. B. in der Onkologie (Gündel et al. 2007) oder Transplantationsmedizin (Köllner et al. 2004).

  • Förderung des Erlebens von SelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeit(serfahrungen)

Psychoedukation geht somit über patient education, die durch einen überwiegend expertenzentrierten Frontalunterricht gekennzeichnet ist, hinaus. Notwendig ist, dass zur reinen Wissensvermittlung auch die Förderung von individuellen Bewältigungsfähigkeiten und Selbsthilfekompetenzen hinzukommt (Schaub und Behrendt 2004).

Hier besteht eine enge Beziehung zum Selbstmanagement-Ansatz in der Verhaltenstherapie. Psychoedukation ist heute integraler Bestandteil verhaltenstherapeutischer Konzepte. Umgekehrt werden in modernen psychoedukativen Gruppenkonzepten zunehmend psychologisch und didaktisch fundierte Medien und Methoden eingesetzt, z. B.:
  • Unterschiedliche Informationsmedien (Handouts)

  • Kleingruppenarbeit

  • Microteaching Microteaching

  • Verhaltensexperimente

  • Beteiligung von geeigneten Patienten (z. B. aus Selbsthilfegruppen) als Co-Patientenals Co-TherapeutenTherapeuten

  • Selbstbeobachtung

  • Transfer-, Übungs- und Hausaufgaben

Seit Ende der 1990er-Jahre hat das E-PsychoedukationE-LearningE-LearningLearning (elektronisch unterstütztes Lernen) starke Verbreitung gefunden.

Unter E-Learning werden alle Formen des Lernens verstanden, bei denen digitale Medien für die Präsentation und Distribution von Lernmaterialien zum Einsatz kommen (de.wikipedia.org/wiki/E-Learning).

Diese Lernformen werden mehr und mehr auch für Patienten eingesetzt. Beispiel ist das Projekt eHospital (www.ehospital-project.net), dessen Idee es ist, stationären Patienten Kurse anzubieten, bei denen sie Wissen und Fähigkeiten erwerben, die auch nach der Entlassung noch von Bedeutung sind. Angesichts der Fülle von Informationen im Internet, deren Qualität für die Patienten nur selten überprüfbar ist, sind solche strukturierten und evidenzbasierten Angebote im Hinblick auf die Zugänglichkeit und Sicherheit der Information ein Zugewinn. Hier leistet auch das „Zentrum Patientenschulung“ (www.zentrum-patientenschulung.de) mit einer Datenbank mit 146 Schulungsprogrammen Unterstützung für die Behandler.
Bei schwerwiegenden Erkrankungen (z. B. Krebs) konnte jedoch nachgewiesen werden, dass das Internet als alleinige Informationsquelle nicht hilfreich ist, weil es den emotionalen Aspekt der Unterstützung ausblendet (Hardyman et al. 2005). Auch vor einem herzchirurgischen Eingriff wurde das Gespräch mit einem Arzt im Vergleich zur Informationssuche im Internet als hilfreicher erlebt (Schmied et al. 2015).

Abgrenzung zur Psychotherapie

PsychoedukationAbgrenzung zur PsychotherapiePsychoedukation ist nicht mit reiner Wissensvermittlung gleichzusetzen, sondern beinhaltet auch die persönliche Auseinandersetzung mit der Erkrankung als einem schwierigen und emotional belasteten Lebensthema (Klingenberg 2003). Selbsthilferessourcen werden durch das Gruppensetting aktiviert; häufig sind auch die Familien einbezogen. Hieraus ergibt sich, dass sich Psychotherapie und Psychoedukation nicht scharf voneinander abgrenzen lassen. Insbesondere in der Verhaltenstherapie gibt es fließende Übergänge, die nicht zuletzt durch den zeitlichen Umfang und die Themen der Intervention bestimmt werden.
Psychotherapie vermittelt in stärkerem Maße Problemlösefähigkeiten auf der Metaebene und geht mit einer stärkeren Aktivierung von Emotionen einher als Psychoedukation. Ebenso ist die Therapeut-Patient-Beziehung in der Psychotherapie intensiver als bei einem rein psychoedukativen Vorgehen. Psychoedukative Methoden wie z. B. die Vermittlung eines glaubwürdigen Störungsmodells können aber die therapeutische Beziehung anbahnen und so die Basis einer tragfähigen Beziehung schaffen (Margraf 2009)

Indikationen und Anwendungsmöglichkeiten

PsychoedukationIndikationsbereichePsychoedukation kann sowohl in der Prävention und Therapie als auch im Bereich der Rehabilitation eingesetzt werden (Übersicht und Konzepte bei Schaub und Behrendt 2004 sowie unter www.zentrum-patientenschulung.de).
Tab. 36.1 zeigt neben den Indikationen und Anwendungsbereichen weiterführende Literatur zu den einzelnen Bereichen.
Psychoedukation ist Bestandteil einer multimodalen Psychotherapie und Therapiemodul innerhalb der stationären/teilstationären RehabilitationRehabilitationPsychoedukation. Sie wird meist im einzel- oder häufiger im gruppentherapeutischen Setting angewendet. Darüber hinaus erlangen neue Anwendungsfelder Bedeutung, die der Tendenz zur interdisziplinären Psychoedukationinterdisziplinäre VernetzungVernetzung und zum Einsatz neuer Medien Psychoedukationneue MedienRechnung tragen:
  • Schulung von Hausärzten, die dann psychoedukative Elemente in ihre Sprechstunde integrieren (Maercker et al. 1998)

  • Multiprofessionell geleitete Gruppen in der Organmedizin (Köllner et al. 2004)

  • Störungsspezifische strukturierte Programme mit evaluiertem Curriculum und definierter Qualifikation der Trainer in der Rehabilitation (Mühlig 2007)

  • Psychoedukation mittels Internet (Christensen et al. 2004)

Der Umfang schwankt von wiederholten kurzen (wenige Minuten dauernden) psychoedukativen Anteilen in der Sprechstundensituation bin hin zu standardisierten Gruppenprogrammen mit 10–20 Doppelstunden.
Eine umfassende Übersicht über Programme zur Patientenschulung, die bei der Rehabilitation körperlicher Erkrankungen eingesetzt werden, findet sich auch in der Internet-Datenbank des Zentrums für Patientenschulungen: www.zentrum-patientenschulung.de/datenbank (Küffner et al. 2007).

Kontraindikation

PsychoedukationInformed ConsentInformed ConsentPsychoedukationDa der Informed Consent die PsychoedukationKontraindikationenGrundlage jeder therapeutischen Tätigkeit darstellt, fällt es schwer, absolute Kontraindikationen gegen Psychoedukation zu formulieren. Relative Kontraindikationen können psychische Ausnahmezustände und Krisensituationen darstellen, in denen Patienten nicht in der Lage sind, adäquat in einem psychoedukativen Setting zu partizipieren und zu profitieren.

Psychoedukation bei psychosomatischen Erkrankungen und Störungen

Bedeutung der Edukation bei psychosomatischen Krankheitsbildern

Psychosomatische ErkrankungenPsychoedukation, StellenwertPsychoedukationpsychosomatische ErkrankungenStudien zeigen, dass jeder vierte bis fünfte Besuch beim Hausarzt aufgrund von Beschwerden erfolgt, für die auch im weiteren Verlauf kein ausreichendes organisches Korrelat auffindbar ist. Zu den häufigsten Beschwerden gehören hierbei multiple somatoforme Syndrome eines oder mehrerer Organsysteme, die mit erheblichem Leidensdruck einhergehen. Diese Störungen haben eine hohe Komorbiditätsrate, insbesondere depressiveDepression/depressive StörungenPsychoedukation und PsychoedukationAngststörungenAngst(störungen)PsychoedukationAngststörungen treten häufig auf (Schaefert et al. 2012).
Leidet eine Person nun unter körperlichen Beschwerden (z. B. Schmerzen), sucht sie gewöhnlich Hilfe bei der somatischen Medizin. Welche Wissenschaftstheorie bzw. welches Schmerzmodell erwartet sie dort? Das im Medizinstudium implizit vermittelte Modell vom Aufbau und Funktionieren des menschlichen Körpers entspricht dem Reiz-Reaktions-Prinzip der Mechanik (Egle und Hoffmann 2003). Dieses „Modell der Maschine“ (Kap. 1) des menschlichen Körpers, in dem nach dem Kausalitätsprinzip der gleichen Ursache immer die gleiche Wirkung folgt, ist nicht nur in den Köpfen vieler Ärzte nach wie vor virulent – es stellt auch das häufigste Erklärungsmodell dar, das die Betroffenen selbst für ihre Beschwerden haben.
Vor dem Hintergrund dieses mechanistischen Modells wird der Patient z. B. einfordern, dass der Mediziner mittels bildgebender Verfahren die Ursache suchen und beheben soll, woraufhin auch der Schmerz beseitigt ist. Dieses Modell mag für den Akutfall oft zutreffend sein; bei chronischen und vor allem psychosomatischen Beschwerden jedoch versagt es häufiger. Der Patient ist enttäuscht und fühlt sich im Stich gelassen, worauf die behandelnden Ärzte häufig die Suche nach der Ursache und somit auch die somatische Fixierung des Patienten verstärken. Der Arzt kann so schnell in die Rolle des Mitverursachers für die Chronifizierung geraten. Neben den impliziten Krankheitsmodellen hat die Beziehungsgestaltung vonseiten der Patienten einen wichtigen Einfluss. Die Befunde zum Arzt-Patient-Verhältnis z. B. bei chronischen SchmerzTherapeutische Beziehungchronische Schmerzpatientenpatienten unterstreichen, dass eine Quelle der frustranen Beziehungen mechanistische Krankheitsvorstellungen sind (vgl. Bernardy 2006).
Aufgrund dieser eminenten Bedeutung von Krankheitstheorien kommt der PsychoedukationPsychoedukationKrankheitstheorien gerade bei psychosomatischen Erkrankungen eine wichtige Rolle zu. Schrittweise kann der Zusammenhang zwischen körperlichen und seelischen Vorgängen erläutert und demonstriert werden, um so auch die Voraussetzungen und die Motivation für indizierte psychotherapeutische Therapieelemente zu schaffen.
Die Erarbeitung eines psychosomatischen KrankheitsmodellsKrankheitsmodellpsychosomatisches wird durch die aktive Einbeziehung des Patienten gefördert. Eine besonders effektive Methode besteht im Einsatz eines PsychoedukationBiofeedbackBiofeedbackPsychoedukationBiofeedbackgerätes. Bei dieser Methode wird ein autonomer physiologischer Prozess (z. B. Muskelaktivität mittels EMG), der normalerweise nicht oder kaum wahrnehmbar ist, mithilfe von Geräten kontingent wahrnehmbar gemacht und rückgemeldet (Derra 2003). Psychosomatische Zusammenhänge wie z. B. der Anstieg der Muskelspannung beim Bericht eines belastenden Ereignisses können so direkt demonstriert und vermittelt werden. Auch ein Beschwerdetagebuch, das Stimmungen, Ereignisse und Aktivitäten umfasst, kann bei der Entdeckung diverser Einflussfaktoren auf das Krankheitsgeschehen sehr hilfreich sein.
Im Folgenden werden nun exemplarisch zwei Krankheitsbilder ausführlich dargestellt: chronischer Schmerz und Angst. Literaturhinweise zu psychoedukativen Programmen für andere Krankheitsbilder finden sich in Tab. 36.1.

Chronischer Schmerz

Ca. 18 % der Patienten in deutschen hausärztlichen Praxen berichten von chronischen Schmerzen (Hensler et al. 2009). Chronische SchmerzenSchmerzenchronischePsychoedukation stellen zudem eine hohe finanzielle Belastung für das Gesundheitssystem dar: Laut Auskunft der Bundesregierung (2013) finden Arztkonsultationen zu 42 % aufgrund von Schmerzen statt, weitere 40 % dieser Patienten litten unter chronischen Schmerzen.
Während akute SchmerzenSchmerzenakute eine wichtige Warnfunktion als Krankheitssymptom haben, sind chronische Schmerzen Ausdruck einer Fehlfunktion des nozizeptiven Systems und haben sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickelt.

Eine Chronifizierung ist ein sehr individueller Prozess, der nicht zwangsläufig mit dem Ausmaß der Schädigung bzw. der Dauer des Schmerzes korreliert. Neben organischen Schmerzursachen (die vorhanden sein können, aber nicht müssen!) spielen soziale, emotionale und kognitive Faktoren und deren wechselseitige Beeinflussung mit dem Schmerz eine große Rolle.

Demzufolge ist die moderne Schmerztherapie auch interdisziplinär und multimodal ausgerichtet, wobei psychoedukative Verfahren einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Nur wenigen Patienten ist das Konzept zum SchmerzgedächtnisSchmerzgedächtnis auf zentralnervöser Ebene und den entsprechenden Einflussfaktoren geläufig. Die Vermittlung dieser Erkenntnisse entlastet die Patienten, haben doch viele ihre Schmerzen lange nicht verstehen und nosologisch einordnen können. Diese Theorie bietet den Patienten zudem eine Alternative zu der Dichotomie „organisch begründeter vs. eingebildeter Schmerz“, das ihr Denken bisher bestimmte. Hier kann ein erster entscheidender Schritt in Richtung Therapierbarkeit und (auch psychotherapeutischer) Zugänglichkeit bei diesen häufig somatisch fixierten Patienten gelingen.
Ziel der Psychoedukation bei chronischen Schmerzen ist vor allem der Aufbau eines biopsychosozialen Krankheitsmodells sowie das Wissen um multimodale Therapiestrategien.
Günstig und effizient ist die Vermittlung im Gruppensetting. Hierbei sollten die Patienten aktiv einbezogen werden, z. B. durch kleine Experimente zur Aufmerksamkeitslenkung.
Studien zur Wirksamkeit von Psychoedukation zeigen z. B. bei der FibromyalgieFibromyalgie(-Syndrom)Psychoedukation, dass die Wirksamkeit der Edukation als alleinige Maßnahme nicht gegeben ist (Bernardy et al. 2013). Studien zur Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT), bei der die Psychoedukation essenzieller Therapiebaustein ist, zeigen bei chronischen Schmerzen aber eine höhere Wirksamkeit als Programme ohne Psychoedukation (vgl. Bennett und Nelson 2006; Koulil et al. 2007). Auch in die psychodynamische Einzel- und Gruppentherapie somatoformer SchmerzstörungenSomatoforme SchmerzstörungPsychoedukation hat die Psychoedukation inzwischen Einzug gehalten (Programm zu Gruppentherapie bei Nickel und Egle 2003; Manual zur psychoanalytischen Einzeltherapie bei Scheidt 2003) und erleichtert es den Betroffenen, einen Zugang zu dieser für sie sehr hilfreichen Behandlungsmöglichkeit zu finden.

Angst

Angst(störungen)PsychoedukationBereits die Mitteilung der Untersuchungsergebnisse und der Diagnose ist bei Angstpatienten von entscheidender Bedeutung und bereits wesentlicher Teil der Therapie. Die Erarbeitung eines Krankheitsmodells, das dem Patienten eine Erklärung für seine Beschwerden bietet und die weiteren Behandlungsschritte verständlich macht, kann an dieser Stelle entscheidend für den weiteren Verlauf und somit für den Therapieerfolg sein. Das praktische Vorgehen der Erläuterung eines Krankheitsmodells kann bei einem Patienten mit einer PanikstörungPanikstörungenPsychoedukation z. B. wie folgt aussehen (Köllner 2005: 134):

Patientengeschichte

Teufelskreis der AngstAngst(störungen)Teufelskreismodell

A:„Die Untersuchungen sind gut ausgefallen. Es gibt im Belastungs- und im Langzeit-EKG keinen Hinweis darauf, dass Teile des Herzmuskels zu wenig Sauerstoff erhalten. Ihre gesunde Lebensweise hat sich also gelohnt, und Sie brauchen keine Angst vor einem drohenden Herzinfarkt zu haben.“
P:„Aber woher kommen dann meine Beschwerden?“
A:„Zum Glück haben Sie während des Langzeit-EKGs sehr sorgfältig Protokoll geführt. Um 18 Uhr haben Sie Schmerzen im Brustkorb, Herzklopfen und Angstgefühl angegeben. Außerdem haben Sie Blutdruck gemessen und einen Wert von 170/90 mmHg notiert. Das Langzeit-EKG zeigt zu dieser Zeit nichts Bedrohliches, lediglich einen Anstieg der Herzfrequenz von 72 auf 88/min. Puls- und Blutdruckanstieg lassen sich gut durch eine Reaktion des vegetativen Nervensystems auf die Angst, die in einer solchen Situation oft auftritt, erklären. Das vegetative Nervensystem gibt in Situationen, die wir als Bedrohung erleben, ‚Vollgas‘. Diese Reaktion hatte bei unseren Vorfahren, die vor wilden Tieren fliehen, kämpfen oder schnell auf Bäume klettern mussten, eine lebenswichtige Funktion. Heute läuft sie dagegen mangels wilder Tiere und ähnlicher Feinde meist ins Leere. Die Folgen der ausgeschütteten Stresshormone spüren Sie als körperliche Symptome wie Herzklopfen, Schwitzen oder kalte Hände. Wenn sich zusätzlich noch die Atmung beschleunigt, kommen Schwindel, Flimmern vor den Augen und Gefühlsstörungen hinzu. Diese Symptome werden dann wiederum als Zeichen einer gefährlichen Situation am Herzen bewertet und steigern die Angst. So kommt es zu einem Teufelskreis, der schließlich die Symptome so stark werden ließ, dass Sie den Notarzt gerufen haben.“
P:„Können denn diese Anfälle auf die Dauer dem Herzen nicht schaden?“
A:„Sie haben bei sich selbst gesehen, dass Puls und Blutdruck nur im normalen Rahmen ansteigen, auch wenn es sich für Sie anders angefühlt hat. Die Panikreaktion ist ja wie gesagt eine normale menschliche Reaktion, nur dass sie bei Ihnen zur falschen Zeit und zu oft abläuft. Bei vielen Panikpatienten wurden die entsprechenden Veränderungen schon im Panikanfall gemessen, und es blieb immer im ‚grünen Bereich‘. Können Sie diese Erklärung Ihrer Beschwerden nachvollziehen? Sicher werden Sie hierzu einige Fragen haben …“

Zusammenfassend sind folgende Strategien bei der Vermittlung der Diagnose „Panikanfall“ sinnvoll:
  • Zunächst sachliche Information über die unauffälligen Untersuchungsbefunde geben.

  • Dann ausdrücklich die Existenz der Beschwerden bestätigen und selbst die Frage nach ihrer Ursache aufwerfen. Nie sagen: „Sie haben nichts!“

  • Teufelskreis-Modell des PanikanfallsPanikattackenTeufelskreis-Modell einführen und ausdrücklich auf die Wechselwirkung von körperlichen und seelischen Faktoren hinweisen. Zentrale Botschaft: Die Beschwerden sind weder eingebildet noch unerklärbar, sondern Teil eines gut bekannten, häufigen und erfolgreich behandelbaren Krankheitsbildes!

  • Körperliche Beschwerden und ggf. auch Messwerte mit diesem Modell erklären. Mit dem Patienten seinen eigenen Teufelskreis mit spezifischen Beschwerden und angstverstärkenden Gedanken nachzeichnen.

  • Hierbei ist es besser, die einzelnen Stationen des Teufelskreises durch gezieltes Nachfragen zu erarbeiten als einen längeren Vortrag zu halten.

  • Den Patienten fragen, ob dieses Modell für ihn nachvollziehbar ist oder ob starke Zweifel bleiben. Wenn ja, auf diese Zweifel eingehen.

  • Behandlungsstrategie erläutern.

  • Literatur zum Nachlesen empfehlen/mitgeben.

Psychoedukative Interventionen sind also wesentlich, um dem Patienten ein Verständnis seiner Ängste zu ermöglichen. Sie stehen daher am Beginn einer KVT und sind auch wesentlicher Bestandteil multimodaler stationärer Konzepte in der Angsttherapie (Bandelow et al. 2014). Neben der Vermittlung eines Erklärungsmodells sind Erläuterungen zum Teufelskreis der Angst ebenso notwendig wie die Korrektur der Fehleinschätzungen körperlicher Beschwerden (z. B. Herzrasen, Schwitzen) im Rahmen von Angstreaktionen. Auch die Rückfallvorbeugung und der Umgang mit Rückfällen ist wichtiger Bestandteil der Aufklärung. Solche psychoedukativen Interventionen können nicht nur im Einzel- oder Gruppensetting realisiert werden; hilfreich sind auch Patientenratgeber für die Betroffenen und ihre Angehörigen (vgl. hier z. B. Schmidt-Traub 2013 oder Hoyer et al. 2007; weitere Quellen in Joraschky und Köllner 2005).

Psychoedukation (Patientenschulung) bei somatischen Erkrankungen

Während der Begriff „Psychoedukation“ eher Somatische ErkrankungenPsychoedukationPsychoedukationsomatische Erkrankungenfür psychische Erkrankungen verwendet wird, werden Begriffe wie „Patientenschulung“ und Patientenschulung„Gesundheitsbildung“ Gesundheitsbildungüberwiegend bei chronischen körperlichen Erkrankungen angewandt.

Ziel dieser Programme ist es auch, über eine Verbesserung der Compliance bzw. der Adhärenz das Gesundheitsverhalten zu fördern, die Lebensqualität des chronisch Kranken zu verbessern und damit die Kosten für das Gesundheitssystem zu senken (Behrendt und Krischke 2005).

Patientenschulungsprogramme stehen in enger Verbindung zur Gesundheitspsychologie und helfen, die Qualität und Effektivität bei der Behandlung chronischer Erkrankungen zu verbessern. In den letzten 10 Jahren wurden solche Schulungen bei vielen chronischen Krankheiten als Behandlungsstandard fest in den interdisziplinären Therapierichtlinien verankert (Krischke 2005); es existieren Programme für Patienten mit Herz-, Krebs- und gastrointestinalen Erkrankungen, Diabetes, Asthma, Schmerz, Dialyse- und Hochdruckerkrankungen (Behrendt und Krischke 2005).
Gut etabliert sind Patientenschulungen z. B. in der Therapie des Diabetes mellitusDiabetes mellitusPatientenschulungen, da die Betroffenen die Therapiemaßnahmen im Alltag eigenverantwortlich durchführen müssen. Die strukturierte Patientenschulung hat daher bei diesem Krankheitsbild einen festen Platz im Rahmen des Behandlungskonzepts und wird mittlerweile weltweit als eine sehr bedeutsame und unverzichtbare Therapiemaßnahme für Patienten mit Diabetes angesehen (vgl. Kulzer 2005). Inzwischen existieren eine Reihe von Schulungsprogrammen und auch eigene Weiterbildungsgänge zum Berufsbild des Diabetesberaters oder Diabetesassistenten. Auch wurde 1991 die ambulante Schulung und Betreuung von nichtinsulinpflichtigen Typ-2-Diabetikern für niedergelassene Ärzte als abrechnungsfähige Leistung bewertet, was national wie international eine Innovation darstellte (ebd.). Inzwischen liegen auch zahlreiche Studien vor, welche die Effizienz von Schulungsprogrammen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes belegen (vgl. ebd.).1

1

Eine ausführliche Darstellung von „Mehr Diabetes Selbstmanagement für Typ-2-Diabetes“ (MEDIAS 2), das im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMFT) entwickelt wurde, findet sich bei Kulzer (2005).

Psychoedukation hat auch einen hohen Stellenwert bei Patienten, die sich langwierigen und häufig die gewohnte Lebensweise verändernden Behandlungsmaßnahmen unterziehen müssen, wie etwa in der TransplantationsmedizinTransplantationsmedizinPsychoedukation (Köllner et al. 2004) oder der OnkologieOnkologiePsychoedukation (Gündel et al. 2007). Hier ist es eine besondere Aufgabe der Konsil- und Liaisonpsychosomatik, entsprechende Konzepte gemeinsam mit den organmedizinischen Kollegen zu entwickeln und im interdisziplinären Team umzusetzen. Eine interdisziplinär geleitete psychoedukative Gruppe führt dazu, dass Patienten und Angehörige die Psychosomatik als integralen Bestandteil des Behandlungsteams kennen lernen und ggf. leichter auf entsprechende Angebote zur Bewältigung belastender Situationen zurückgreifen können.

Psychoedukation in der Prävention

PräventionPsychoedukationPsychoedukationPräventionPrävention versucht, Risikofaktoren zu identifizieren, welche die Wahrscheinlichkeit für gesundheitliches Risikoverhalten erhöhen, und ihnen durch die Stärkung von Schutzfaktoren (life skills) entgegenzuwirken. Der Begriff der GesundheitsförderungPsychoedukationGesundheitsförderung wurde im Rahmen der Ottawa-Konferenz (WHO 1986) proklamiert und ist definiert als Prozess, der für gesundheitliche Zusammenhänge sensibilisiert und bei der Förderung der Ressourcen ansetzt.

Partizipation als PsychoedukationPartizipationPartizipationPsychoedukationdie bewusste Entscheidung, Betroffene in relevante, das Zusammenleben betreffende Ereignisse und Entscheidungsprozesse einzubinden, ist im Rahmen von Prävention und Gesundheitsförderung eine wesentliche Umsetzungsstrategie (Reimer 2007).

Nach wie vor besteht in unserer Gesellschaft ein großer Bedarf an Maßnahmen zur Prävention chronischer Krankheiten. Heutige Ansätze orientieren sich konzeptuell an einem positiven, biopsychosozialen Gesundheitsverständnis und an der Salutogenese, d. h. an der Genese und Erhaltung von Gesundheit (Schüffel et al. 1998). Gesundheitspsychologie und GesundheitsbildungGesundheitsbildung sind als psychologischer, sozialer und pädagogischer Teil einer breiten Bewegung zur Gesundheitsförderung und als Teil der interdisziplinär orientierten Gesundheitswissenschaften (Public HealthPublic Health) zu sehen. Gesundheitspsychologische Praxisansätze zielen vor allem auf die Förderung von Gesundheit und salutogenen Ressourcen, von subjektiven Kompetenzen sowie gesunden Lebensweisen und Lebenswelten. Ein weiteres Ziel ist der angemessene Umgang mit gesundheitlichen Risiken und (chronischen) Krankheiten (www.uni-flensburg.de/psychologie).
Der größte Anbieter in Deutschland sind mit bundesweit jährlich rund 182 000 Gesundheitskursen die Volkshochschulen. Die Angebote liegen schwerpunktmäßig in den Bereichen Bewegung, Entspannung, Ernährung, Erkrankungen, psychische Stabilität, Gesundheitspolitik, Gesundheitsförderung im Betrieb und bei Fortbildungen für Lehrkräfte in der Gesundheitsförderung. Volkshochschulen machen auch Angebote zur Prävention (z. T. in Kooperation mit Krankenkassen nach § 20 Abs. 1 und 2 SGB V), wobei Bewegung mit über 1 Mio. Teilnehmenden der größte Angebotsbereich ist, gefolgt von fast 550 000 Teilnehmenden in Stressreduktion/Entspannung (Voigt 2010).
PräventionPsychoedukationPsychoedukationPräventionPsychoedukation ist essenzieller Bestandteil der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Neben unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten sind bei den bisher evaluierten Programmansätzen auch unterschiedliche Vermittlungsstile kennzeichnend: Während ältere Programme gemäß der klassischen Wissensvermittlung via Frontalunterricht nicht interaktiv ausgerichtet sind, werden bei interaktiv ausgerichteten Programmen die Teilnehmer stärker aktiv einbezogen. Verschiedene Studien zur SuchtpräventionSuchtprävention, interaktive Psychopedukatiomn belegen inzwischen z. B., dass reine Wissensvermittlung zwar zu einem Wissenszuwachs, nicht jedoch zu einer Veränderung des Verhaltens und der Einstellungen führte. Dies gelingt eher interaktiven Programmen, bei denen gruppendynamische Prozesse und Modell-Lernen genutzt werden (Sittinger 2005).
Das im deutschsprachigen Raum am weitesten verbreitete und am besten qualitätsgesicherte curricular gegliederte Programm zur Gesundheitsbildung ist das Gesundheitstraining der Deutschen Rentenversicherung Bund (vormals BfA), das vor allem in der somatischen RehabilitationRehabilitationGesundheitsbildung zur Verbesserung des Gesundheitsverhaltens und zur Aktivierung von Selbsthilferessourcen eingesetzt wird (Worringen und Korsukéwitz 2003; Worringen und Beckmann 2007).

Der Stellenwert der Psychoedukation im psychotherapeutischen Prozess

In den vorangegangenen Abschnitten wurde ein breiter Überblick über die Indikationsbereiche und Anwendungsfelder der Psychoedukation Psychoedukationim psychotherapeutischen Prozessgegeben. Hierbei wurde deutlich, dass Psychoedukation wichtiger, wenn nicht sogar notwendiger Einstieg in eine Psychotherapie ist. Dies gilt insbesondere bei Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen, die häufig aufgrund ihres somatischen Krankheitsmodells wenig Motivation für psychotherapeutische Interventionen aufweisen. Der Behandlungsauftrag ist somit (zumindest initial) eingeschränkt, da er sich häufig nur auf die Reduktion der körperlichen Beschwerden bezieht. In dieser Phase ist zum Aufbau von Motivation Psychoedukation sehr gut geeignet.
Auch in der Konsil- und Liaisonpsychosomatik sind psychoedukative Elemente beim Aufbau von TherapiemotivationTherapiemotivationPsychoedukation hilfreich. Der Patient kann hierdurch den Therapeuten als kompetent und empathisch erleben und sich mit seinen Beschwerden ernst genommen fühlen. Dieses „Ernstnehmen“ ist gerade bei Patienten mit somatoformen Störungen in der Anfangsphase der wichtigste Wirkfaktor und sorgt für den Aufbau einer tragfähigen Beziehung, deren Wert für den therapeutischen Erfolg vielfach belegt ist.
Ein Problem der Psychoedukation ist, dass sie gerade diejenigen nur schwer erreicht, die eigentlich am meisten von ihr profitieren könnten: Menschen mit vergleichsweise geringer Schulbildung (Gündel 2007). Hier ist es Aufgabe vor allem für die Entwicklung von Programmen und die Ausbildung von Gruppenleitern, Psychoedukation so zu gestalten, dass alle sozialen Schichten von entsprechenden Angeboten profitieren können.

Literaturauswahl

Bäuml et al., 2015

J. Bäuml G. Pitschel-Walz H. Berger Arbeitsbuch PsychoEdukation bei Schizophrenie (APES): Mit Manual für die Gruppenleitung 2015 Schattauer Stuttgart

Behrendt and Krischke, 2005

B. Behrendt N.R. Krischke Psychoedukative Interventionen und Patientenschulungen zur Förderung von Compliance, Coping und Empowerment B. Behrendt A. Schaub Handbuch Psychoedukation und Selbstmanagement: Verhaltenstherapeutische Ansätze für die klinische Praxis 2005 dgvt Tübingen 15 29

Faller, 2003

H. Faller Empowerment als Ziel der Patientenschulung Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation 16 2003 353 357 (Themenheft Patientenschulung)

Klingenberg, 2003

S. Klingenberg Psychotherapeutische Dimension von Psychoedukation J. Bäuml G. Pitschel-Walz Psychoedukation bei schizophrenen Erkrankungen 2003 Schattauer Stuttgart 165 172

Köllner et al., 2010

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