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B978-3-437-44073-1.50009-6

10.1016/B978-3-437-44073-1.50009-6

978-3-437-44073-1

Das Ohr – winzig und doch komplex wie ein Labyrinth

Das Ohr (Auris) enthält die Sinnes- und Nervenzellen zweier Sinnes-systeme, die zwar aus einer gemeinsamen embryonalen Anlage (der Ohrplakode) hervorgehen, aber ganz unterschiedlichen Zwecken dienen: dem Hören und dem Gleichgewichtssinn. Die kleinen, zarten, membranösen, verschlungenen Organe, die die Sinneszellen beider Modalitäten tragen, liegen im häutigen Labyrinth (s. u.). Das Labyrinth liegt seinerseits im Innern des Felsenbeins (Pars petrosa ossis temporalis), der knöchernen Pyramide, die die hintere von der mittleren Schädelgrube trennt. Diesen Teil des Ohrs, aus dem sein Sinnesnerv, der N. vestibulocochlearis [VIII], hervorgeht, nennt man das Innenohr.

Beim Menschen (wie bei landlebenden Wirbeltieren) ist eine ehemalige Kiemenspalte (und zwar die erste) samt der sie umgebenden Knochen und Muskeln in die Konstruktion des akustischen Teils des Ohrs einbezogen worden – und zwar als schallleitender Apparat, als Mittelohr und als äußeres Ohr. Eine Kiemenspalte ist die für Fische typische Atemöffnung, durch die hindurch das über den Mund eingeatmete Wasser aus dem Schlund (Pharynx) über die Kiemen wieder ins Freie befördert wird. Die Ohrkiemenspalte der Landtiere öffnet sich aber nicht mehr – sie ist durch eine sehr dünne Membran, das Trommelfell (Membrana tympanica), verschlossen. Sollte das Trommelfell jedoch ein Loch haben, könnte man tatsächlich durch die Ohren atmen, denn dann bestünde eine offene Verbindung vom äußeren Gehörgang zum Schlund. Praktisch ist dies nicht möglich, weil die Gänge zu eng sind – aber für Taucher mit defekten Trommelfellen kann das auf diesem Weg in den Pharynx eindringende Wasser zum Problem werden.

Äußeres Ohr (Auris externa)

Das äußere Ohr umfasst die Ohrmuschel (Auricula) und den äußeren Gehörgang (Meatus acusticus externus) bis hin zum Trommelfell. Es ist, mit anderen Worten, der Außenteil der ehemaligen Kiemenspalte.
Ohrmuscheln von Kaninchen oder Pferd sind beweglich, in sich faltbar und dienen dem Richtungshören. Von der Beweglichkeit ist dem Menschen nur sehr wenig geblieben, von der Faltbarkeit gar nichts, selbst wenn es in der Ohrmuschel noch Reste der Muskeln gibt, die sie einst knickten. Dennoch dient die von elastischem Knorpel gestützte Concha auch bei uns noch dem Richtungshören.
Der äußere Gehörgang ist ein etwa 3–4 cm langer, s-förmig gekrümmter Gang. Er besteht aus einem distalen, knorpeligen Teil, der sich in einen knöchernen Gang im Felsenbein fortsetzt. Der knöcherne Gang ist schließlich an seinem Ende vom Trommelfell verschlossen. Gleich unter und vor dem äußeren Gehörgang liegt das Kiefergelenk und man kann beim Kauen spüren, wie es den knorpeligen Teil des Gangs verformt, besonders, wenn man den kleinen Finger in den äußeren Gehörgang steckt.

Mittelohr (Auris media)

Das Trommelfell markiert die laterale Grenze des Mittelohrs, das im Inneren des Felsenbeins liegt. Das Mittelohr ist ein verwinkelter, mit Schleimhaut ausgekleideter Raum mit Nebenräumen, in dessen Wänden und durch dessen Höhle verschiedene Nerven verlaufen und in dessen Innerem die drei Gehörknöchelchen aufgehängt sind. Es ist der Innenteil der o. g. ehemaligen Kiemenspalte, der über die Ohrtrompete (Tuba auditiva, EUSTACHIUS-Röhre) mit dem Pharynx verbunden ist.
Die Ohrtrompete ist ein von Schleimhaut ausgekleidetes Röhrchen, das aus der Unter- und Vorderseite der Paukenhöhle nach vorne und unten absteigt. Im Felsenbein liegt die Tuba auditiva in einem knöchernen Gang, zum Pharynx hin wird sie von elastischem Knorpel gestützt, der schlundseitig wie eine Trompetenmündung aussieht – daher der Name. Über die Tuba auditiva passt sich der Luftdruck des Mittelohrs dem der Umwelt an, was jeder, der schon einmal geflogen oder auf einen Berg gestiegen ist, bestätigen wird.
Die eigentliche Mittelohrhöhle (Cavitas tympani, Paukenhöhle) im Felsenbein beherbergt die drei Gehörknöchelchen (Ossicula auditus), Hammer (Malleus), Amboss (Incus) und Steigbügel (Stapes). Sie bilden einen durch Gelenke beweglich verbundenen, durch Bänder an der Wand der Paukenhöhle befestigten v-fömigen Hebel, der die Schwingungen des Trommelfells (an dem der Hammer befestigt ist) auf das ovale Fenster (s. u., auf das der Steigbügel wirkt) überträgt. Außerdem greifen am Hammer und am Steigbügel zwei Muskeln an (M. tensor tympani, M. stapedius), die den Verspannungsgrad der Knochenkette – und damit die Effizienz der Schallleitung – regulieren können. In den Wänden der Paukenhöhle verlaufen unter der Schleimhaut Äste des N. facialis [VII] und des N. glossopharyngeus [IX], zweier Hirnnerven, durch die Paukenhöhle zieht die Chorda tympani, ebenfalls ein Ast des N. facialis [VII]. Mit dem Hören und dem Gleichgewicht haben diese Nervenäste direkt nichts zu tun – sie streben via Paukenhöhle und Felsenbein anderen Zielen zu. Ein Ast des N. facialis [VII] innerviert allerdings den M. stapedius (s. o.), die Äste des N. glossopharyngeus [IX] (Plexus tympanicus) versorgen die Schleimhäute der Paukenhöhle.
Die luftgefüllte Paukenhöhle setzt sich nach hinten und unten in die vielkammerigen, gleichfalls luftgefüllten Cellulae mastoideae im Warzenfortsatz des Hinterhauptsbeins (der gleich hinter und unter der Ohrmuschel tastbar ist) fort.

Innenohr (Auris interna)

Das auch als Labyrinth bezeichnete Innenohr liegt ebenfalls im Felsenbein, gleich oberhalb (statisches Organ) und medial (akustisches Organ) der Paukenhöhle. Man unterscheidet das häutige und das knöcherne Labyrinth.
Das häutige Labyrinth ist ein in sich geschlossenes Schlauchsystem. Es ist mit einer Flüssigkeit, der Endolymphe, gefüllt und enthält die Sinnesorgane. Zu seinem komplexen Aufbau gehören drei Bogengänge (Canales semicirculares), die die Sinnesfelder tragen, mit denen (beschleunigte) Rotationsbewegungen registriert werden. In der Gegend des Vestibulums (Vorhof) liegen die Felder (Sacculus und Utriculus) des Sinnes für Linearbeschleunigung und statische Lage.
Das knöcherne Labyrinth ist ein Hohlraum im Felsenbein. Er umgibt das häutige Labyrinth und hat die gleiche Form wie dieses, ist aber größer. Somit bleibt zwischen beiden noch ein Spalt, der mit Flüssigkeit, der Perilymphe, gefüllt ist. Dieser perilymphatische Spalt öffnet sich über zwei membranbespannte Fenster zum Mittelohr: die Fenestra vestibuli (ovalis) und die Fenestra cochleae (rotunda). In das ovale Fenster ist der Steigbügel eingelassen, der so die Perilymphe in Schwingungen versetzen kann.
Die Schnecke (Cochlea) registriert die Schwingungen der Lymphe, die ihr vom schallleitenden Apparat des Ohrs übertragen werden. Sie ist also das eigentliche Hörorgan. Die Aktionspotenziale, die in den Sinnesfeldern des Gleichgewichts- und des Hörorgans entstehen, werden vom N. vestibulocochlearis [VIII] weitergeleitet, der von der hinteren Schädelgrube aus – über den inneren Gehörgang (Meatus acusticus internus) – in das Labyrinth eindringt.

Klinik

Die häufigsten akuten Ohrerkrankungen betreffen das Innenohr. Etwa 10–20 der Bevölkerung sind dauerhaft von Ohrgeräuschen (Tinnitus) betroffen. Ein Hörsturz ist eine idiopathische, plötzlich auftretende, meist einseitige Schallempfindungsstörung unterschiedlicher Ausprägung. Die meisten Hörstürze bilden sich spontan zurück. Eine häufige Erkrankung ist die Altersschwerhörigkeit nach langjähriger Lärmexposition (Presbyakusis). Generell versteht man unter Schwerhörigkeit (Hypakusis) eine Minderung des Hörvermögens. In Deutschland haben etwa 19 der über 14-Jährigen keine völlig normale Hörschwelle mehr. Die Ausprägung der Störung kann von leichter Schwerhörigkeit bis zur Gehörlosigkeit reichen. Man unterscheidet Schallleitungsschwerhörigkeit und Schallempfindungsschwerhörigkeit. Häufige Ursachen einer Schallleitungsschwerhörigkeit sind Cerumen (Ohrenschmalzpfropf, S. 141), Fremdkörper im Gehörgang, Entzündungen des äußeren Gehörgangs ( S. 138), Tubenverschluss ( S. 143), Tubenkatarrh ( S. 149), Mittelohrentzündung ( S. 144), Cholesteatom ( S. 147) oder Otosklerose ( S. 142). Schallempfindungsstörungen sind häufig durch Altersveränderungen (s. o.), genetische Veränderungen ( S. 137), Infektionskrankheiten, Schädeltraumen, Tumoren ( S. 152) und einen Hörsturz (s. o.) bedingt. Schwindel ist eine wahrgenommene Scheinbewegung zwischen sich und der Umwelt. Er entsteht meist aus widersprüchlichen Informationen der am Gleichgewichtsempfinden beteiligten Sinnesorgane. Man unterscheidet vestibuläre (Innenohr, N. vestibulocochlearis, Gehirn) und nichtvestibuläre Ursachen (z. B. niedriger Blutdruck).

präplink
Ohrmuschel, äußerer Gehörgang und Trommelfell werden meist nicht präpariert. Vorderer und hinterer Bogengang werden durch Abschlagen des Knochens mit einem Meißel eröffnet. Beide Bogengänge liegen teilweise tief im Knochen. Der horizontale Bogengang wird meist nur demonstriert. Der Meatus acusticus externus wird im Verlauf der Nn. facialis [VI] und vestibulocochlearis [VIII] bis zum Ganglion geniculi, zur Einmündung in die Cochlea bzw. in das Vestibulum freigelegt. Dann erfolgt die Freilegung des Abgangs des N. petrosus major vom Ganglion geniculi. Zur Darstellung der Cochlea wird der medial vom Meatus acusticus internus liegende Teil der Felsenbeinvorderfläche etwa 1–2 mm parallel zur Knochenoberfläche mit einem Meißel abgeschlagen. Das Paukenhöhlendach wird nun eröffnet. Man sieht den Hammerkopf und Ambosskörper, der Steigbügel kann nur durch Spezialpräparationen freigelegt werden (meist nur demonstriert). Vom Ganglion geniculi wird der N. facialis [VII] in die Tiefe verfolgt, wobei auf die rückläufig zwischen Hammer und Amboss ziehende Chorda tympani geachtet werden muss.

IMPP-CHECKLISTE

• Ohrentwicklung • Auricula auris • Meatus acusticus externus • Glandulae ceruminosae • Blutversorgung • Lymphabflüsse • Innervation • Zoster oticus • Auris media mit Membrana tympani und Ossicula auditus • Wände der Cavum tympani • topographische Beziehungen • klinische Bezüge • Cholesteatom • Os temporale • Muskeln: Funktion und Innervation • Plexus tympanicus • Chorda tympani • N. facialis [VII] und N. vestibulocochlearis [VIII] mit Kerngebieten • Tubenfunktion • Cochlea • Labyrinthus vestibularis • Ductus semicircularis mit Ausrichtung • Topographie: Auris interna zu N. facialis [VII] und N. vestibulocochlearis [VIII] • Meatus acusticus internus • Akustikusneurinom • Pars petrosa • Längs- und Querfrakturen des Pars petrosa • Verlauf der Nn. petrosi major und minor • Ganglion geniculi • Blutgefäßversorgung • A. labyrinthi

Entwicklung

Entwicklung der Ohrmuschel aus den sechs Aurikularhöckerchen, rechts. [21]

Die Verschmelzung der Aurikularhöckerchen (1–6) ist ein komplizierter Vorgang, daher sind Entwicklungsstörungen nicht selten. Die Anlage erfolgt ursprünglich in der unteren Halsregion. Mit der Entwicklung des Unterkiefers kommt es zu einer Kranialverlagerung, so dass die Ohrmuscheln schließlich auf Höhe der Augen liegen. Tiefer liegende Ohrmuscheln sind sehr häufig mit anderen (oftmals chromosomalen) Fehlbildungen assoziiert. Der äußere Gehörgang entwickelt sich aus dem hinteren Anteil der ersten Kiemenfurche, die als trichterförmige Röhre nach innen wächst, bis sie die entodermale Auskleidung der Paukenhöhle (Recessus tubotympanicus) erreicht. Zu Beginn der 9. Woche proliferieren die Epithelzellen des Gehörgangbodens und bilden eine Gehörgangsplatte. Diese löst sich im 7. Monat wieder auf. Persistiert die Gehörgangsplatte, kommt es zu einer angeborenen Taubheit.

Differenzierung der Gehörknöchelchen, Ossicula auditus. [21]

Zu Anfang der 5. Woche beginnen sich im Mesenchym des ersten und zweiten Kiemenbogens die Gehörknöchelchen zu differenzieren. Aus dem ersten Kiemenbogen gehen Hammer und Amboss als Derivate des MECKEL-Knorpels hervor sowie der M. tensor tympani, der vom ersten Kiemenbogennerv, dem N. mandibularis [V/3], innerviert wird. Der zweite Kiemenbogen bringt den Steigbügel als Derivat des REICHERT-Knorpels hervor. Er kann durch den M. stapedius bewegt werden, der vom zweiten Kiemenbogennerv, dem N. facialis [VII], innerviert wird.

Ohrentwicklung

Etwa am 22. Tag kommt es beiderseits des Rautenhirns zu einer Verdickung des Oberflächenektoderms. Die als Ohrplakode bezeichnete Verdickung stülpt sich in der Folge zum Ohrgrübchen ein und bildet das Ohrbläschen (Ohrzyste). Jedes Bläschen teilt sich in einen vorderen (rostralen) Anteil, aus dem Sacculus sowie Ductus cochlearis hervorgehen und in einen hinteren (okzipitalen) Anteil, aus dem Utriculus, Bogengänge und Ductus endolymphaticus hervorgehen. Rostraler und okzipitaler Anteil bleiben über einen schmalen Gang verbunden. Die so entstandenen Strukturen werden in ihrer Gesamtheit als häutiges Labyrinth bezeichnet.

Erste Kiemenfurche und erste Kiementasche wachsen aufeinander zu. Aus dem Ektoderm der ersten Kiemenfurche geht der äußere Gehörgang hervor; aus dem Entoderm der ersten Kiementasche ent-steht das Mittelohr. Proximal verengt sich Letztere zur Ohrtrompete (EUSTACHIUS-Röhre), über die eine sehr schmale Verbindung zum Vorderdarm, dem späteren Nasopharynx, bestehen bleibt Distal erweitert sich die erste Kiementasche zur Paukenhöhle.

An der lateralen Paukenhöhlenwand bildet sich der Recessus tubotympanicus, der auf die vordringende Kiemenfurche zuwächst. An der Kontaktstelle bleibt nur noch eine dünne Membran übrig – das Trommelfell.

Im Mesenchym von erstem und zweitem Kiemenbogen entstehen am Anfang der 5. Woche die Gehörknöchelchen. Am äußeren Rand der ersten Kiemenfurche bilden sich am Anfang der 6. Woche sechs Aurikularhöckerchen, die auf komplexe Weise bis zur Geburt miteinander zur Ohrmuschel verschmelzen.

Strukturen des inneren, mittleren und äußeren Ohrs zur Zeit der Geburt. [21]

Die zunächst knorpelig angelegten Gehörknöchelchen sind bis zum 8. Monat in Mesenchym eingebettet. Dieses bildet sich nach und nach zurück und wird durch einen entodermalen Schleimhautüberzug ersetzt, der die gesamte Paukenhöhle auskleidet.

Kind mit einem präaurikulären Hautanhängsel. [20]

Kind mit einer verkleinerten, rudimentären Ohrmuschel (Mikrotie). [20]

Ohrmuscheldysplasie zweiten Grades. Die Ohrmuschel ist verkleinert und stark fehlgebildet. Dies betrifft häufig auch den äußeren Gehörgang.

Klinik

2 : 1000 Kinder kommen mit einer angeborenen Taubheit auf die Welt. Bei etwa einem Drittel liegt ein genetischer Defekt zugrunde. Andere Ursachen sind Infektionen während der Schwangerschaft, chronische Erkrankungen der Mutter, Medikamente, Alkohol und Nikotin. Durch die Unfähigkeit zu hören sind der Spracherwerb sowie ein strukturiertes Denken und Kommunizieren stark eingeschränkt. Früherkennung und somit frühzeitig einsetzende Therapie sind daher von immenser Wichtigkeit. Ohrmuschelfehlbildungen sind häufig. Sie werden in Dysplasien Grad 1 bis 3 eingeteilt ( Abb. 10.4 und 10.5). Ein Beispiel, das häufig mit einem Grad 3 einhergeht, ist das dominant erbliche FRANCESCHETTI-Syndrom (Dysostosis mandibulofacialis), bei dem es zu einer Fehlentwicklung von erstem Kiemenbogen und erster Kiemenfurche mit fehlgebildeten Ohren und Jochbeinen, fliehendem Kinn und Gaumenspalte kommt.

Ohr, Übersicht

Teile des Ohrs, Auris, rechts; Längsschnitt durch Gehörgang, Mittelohr und Ohrtrompete; Ansicht von vorne.

Darstellung mit Ohrmuschel (Auricula), äußerem Gehörgang (Meatus acusticus externus), Trommelfell (Membrana tympanica), Paukenhöhle (Cavitas tympani), Gehörknöchelchen (Ossicula auditus), Hörorgan (Labyrinthus cochlearis) und Gleichgewichtsorgan (Labyrinthus vestibularis).

Schallwellen bringen das Trommelfell zum Schwingen (Luftleitung). Über die Gehörknöchelchen werden die Schwingungen bis zum ovalen Fenster des Innenohrs ( Abb. 10.27) weitergeleitet. Dabei wird der niedrige Schallwellenwiderstand (Schallimpedanz; Abb. 10.17) der Luft an die hohe Impedanz des flüssigkeitsgefüllten Innenohrs angepasst. Darüber hinaus kann das Innenohr auch Schwingungen der Schädelknochen verarbeiten (Knochenleitung). Im Innenohr läuft die Schallenergie als Welle (Wanderwelle) weiter. Die Sinneszellen des Innenohrs wandeln die Schallenergie in elektrische Impulse um, die über den N. cochlearis an das Gehirn weitergegeben werden. Das Gleichgewichtsorgan dient der Wahrnehmung von Dreh- und Linearbeschleunigungen. Bewegungen der Endolymphe im Gleichgewichtsorgan führen zur Auslenkung von Sinneszellfortsätzen, die synaptisch mit afferenten Fasern des N. vestibularis verbunden sind.

Mittel- und Innenohr, Auris media und interna, rechts; Ausschnitt aus Abbildung 10.6; Ansicht von vorne.

Man sieht außer dem Trommelfell die drei Gehörknöchelchen in der Paukenhöhle (Cavitas tympani): Hammer (Malleus), Amboss (Incus) und Steigbügel (Stapes) sowie Teile des häutigen Labyrinths (Labyrinthus membranaceus, blau).

Klinik

Mechanische Manipulationen (z. B. Reinigen des Gehörgangs mit einem Wattestäbchen) oder Schädigungen führen nicht selten zur Entzündung im Bereich der Ohrmuschel und des äußeren Gehörgangs (Otitis externa).

Ohrmuschel

Ohrmuschel, Auricula, rechts; Ansicht von lateral.

Die Ohrmuschel besteht aus einem Grundgerüst aus elastischem Knorpel. Die Haut über der lateralen Fläche ist unverschieblich mit dem Perichondrium verbunden; auf der Rückseite der Ohrmuschel ist sie verschieblich. Subkutanes Fettgewebe fehlt. Das Ohrläppchen (Lobulus auriculae) ist knorpelfrei.

Arterien der Ohrmuschel, Auricula, rechts; Ansicht von lateral. [8]

Die Ohrmuschel ist aufgrund ihrer exponierten Lage (Kälteschutz, Wärmeabgabe) sehr gut durchblutet. Die Gefäße sind Äste der A. carotis externa (A. auricularis posterior, A. temporalis superficialis).

Sensible Innervation der Ohrmuschel, Auricula, rechts; Ansicht von lateral. [8]

Die Ohrmuschelinnervation erfolgt vor dem Ohr über den N. auriculotemporalis (aus dem N. mandibularis [V/3]), hinter und unterhalb des Ohrs aus dem Plexus cervicalis (N. auricularis magnus, N. occipitalis minor), an der Ohrmuschel selbst über den N. facialis [VII] (welchen Teil der N. facialis [VII] genau versorgt, ist nicht abschließend geklärt) und am Eingang in den äußeren Gehörgang über den N. vagus [X].

Ohrmuskeln und äußerer Gehörgang

Muskeln, Mm. auriculares, und Knorpel der Ohrmuschel, Auricula, rechts.

a Ansicht von lateral

b Ansicht von dorsal

An der Ohrmuschel findet man häufig noch rudimentäre Muskeln (einige Menschen können mit den Ohren wackeln). Es handelt sich dabei um mimische Muskulatur (Innervation durch N. auricularis posterior des N. facialis [VII]), die zu einem rudimentären Sphinktersystem gehört, das bei vielen Tieren noch gut ausgeprägt ist. So dreht das Pferd seine Ohrmuscheln in Richtung auf den Schall zu. Igel und Bär verschließen während des Winterschlafs den äußeren Gehörgang, um durch Außengeräusche nicht gestört zu werden.

T 1b

Äußerer Gehörgang, Meatus acusticus externus, rechts; schematische Darstellung.

a Frontalschnitt

b Horizontalschnitt

Der äußere Gehörgang hat einen s-förmigen Verlauf und wird von der Pars tympanica des Os temporale gebildet. Um das Trommelfell mit einem Ohrspiegel oder einem Mikroskop inspizieren zu können (Otoskopie), muss die Ohrmuschel nach hinten oben gezogen werden. Dadurch wird der knorpelige Anteil des Gehörgangs gestreckt und der Blick auf das Trommelfell wird (zumindest teilweise) frei. Die Innervation des äußeren Gehörgangs (nicht dargestellt) erfolgt über den N. meatus acustici externi des N. auriculotemporalis (vordere und obere Wand), den R. auricularis des N. vagus [X] (hintere und z. T. untere Wand) und über die Rr. auriculares des N. facialis [VII] und des N. glossopharyngeus [IX] (hintere Wand und Trommelfell).

Pfeile: Zugrichtung des Untersuchers an der Ohrmuschel, um den Gehörgang zu strecken und so Einblick auf das Trommelfell zu erhalten.

Klinik

  • Nach Verletzungen oder Insektenstichen in die Ohrmuschel kann es zu einer Entzündung des elastischen Knorpels kommen (Ohrmuschelperichondritis). Die Behandlung erfolgt durch Alkoholumschläge sowie lokale und systemische Verabreichung von Glukokortikoiden und Antibiotika.

  • Da das Ohrläppchen gut durchblutet und sehr gut zugänglich ist und keinen elastischen Knorpel besitzt, wird es gerne zur Gewinnung von Blut herangezogen, z. B. bei Diabetikern zur Bestimmung des Blutglukosespiegels.

  • Ohrmuschelveränderungen machen häufig plastisch-rekonstruktive Eingriffe nötig.

  • Aufgrund der sensiblen Innervation des äußeren Gehörgangs durch den N. vagus [X] wird durch Manipulationen im Gehörgang (z. B. Entfernung von Ohrschmalz oder in den Gehörgang eingedrungene Fremdkörper) bei der jeweiligen Person fast immer ein Hustenreiz ausgelöst. Im schlimmsten Fall kann es durch die Manipulation zu Erbrechen oder zum Kollaps kommen.

Trommelfell

Trommelfell, Membrana tympanica, rechts; Ansicht von lateral; Ohrspiegelbild.

Die Pars tympanica des Os temporale begrenzt den Meatus acusticus externus von vorne, unten und hinten. Oben ist der knöcherne Ring durch die Incisura tympanica unterbrochen (Befestigungsort der Pars flaccida des Trommelfells). Mit Ausnahme der Incisura tympanica verläuft zirkulär der Sulcus tympanicus in der Pars tympanica (hier ist die Pars tensa des Trommelfells über einen faserknorpeligen Anulus fibrocartilagineus befestigt).

klin.: SHRAPNELL-Membran

typisch gelegener Lichtreflex

Trommelfell, Membrana tympanica, rechts, mit Ein-teilung in vier Quadranten. Ansicht von lateral.

Bei Beleuchtung des perlmuttglänzenden Trommelfells entsteht normalerweise im vorderen unteren Quadranten ein dreieckiger Lichtreflex, der Rückschlüsse auf die Trommelfellspannung zulässt.

Trommelfell, Membrana tympanica, und Recessus der Paukenhöhle, Cavitas tympani, rechts, mit Einteilung in vier Quadranten; Ansicht von lateral; schematische Darstellung.

Die Einteilung in Quadranten hat praktisch-klinische Bedeutung. In den oberen Quadranten liegen die Gehörknöchelchen. Außerdem verlaufen hier die Chorda tympani und die Ansatzsehne des M. tensor tympani ( Abb. 12.148)

Paukenröhrchen im vorderen unteren Quadranten.

Um die Mittelohrstrukturen im Rahmen einer Parazentese (Schnitt durch das Trommelfell) nicht zu gefährden, wird diese im vorderen unteren oder im hinteren unteren Quadranten durchgeführt. Anschließend kann zur längerfristigen Belüftung durch den Schnitt ein Paukenröhrchen eingelegt werden.

Paukenröhrchen

Klinik

Die Pars flaccida des Trommelfels ist dünner als die Pars tensa und deshalb bei eitriger Mittelohrentzündung (Otitis media) der bevorzugte Ort einer Spontanperforation. Durch das Trommelfell hindurch können Paukenhöhlenergüsse gesehen und drainiert werden. Zur längerfristigen Drainage und Belüftung werden Paukenröhrchen eingelegt ( Abb. 10.16). Bei übermäßiger Bildung von Cerumen (Ohrschmalz) entsteht häufig ein Zeruminalpfropf, der den äußeren Gehörgang verschließen kann (Cerumen obturans) und zur Schallleitungsschwerhörigkeit führt. Die im Cerumen enthaltenen Bitterstoffe dienen normalerweise dazu, Mikroorganismen, Fliegen, kleine Käfer etc. fernzuhalten.

Gehörknöchelchen

Gehörknöchelchen, Ossicula auditus, rechts; Ansicht von medial oben.

Die Knochen sind hintereinandergeschaltet und durch echte Gelenke (Articulatio incudomallearis – ein Sattelgelenk – und Art. incudostapedialis – ein Kugelgelenk) miteinander verbunden. Die Gehörknöchelchenkette dient der Übertragung der über das Trommelfell übermittelten Schallwellen auf die Perilymphe des Innenohrs. Dabei muss der niedrige Luftwiderstand auf den wesentlich höheren Widerstand der Innenohrflüssigkeit übertragen werden. Hierzu ist eine Verstärkung der Schallwellen nötig (Impedanzanpassung), die durch den Größenunterschied zwischen Trommelfellfläche (55 mm2) zu Fläche des ovalen Fensters (3,2 mm2; 17-fach) und Hebelwirkung der Gehörknöchelchenkette (1,3-fach) erfolgt. Der Schalldruck wird dadurch um das 22-Fache verstärkt.

Hammer, Malleus, rechts; Ansicht von vorne.

Hammer, Malleus, rechts; Ansicht von hinten.

Amboss, Incus, rechts; Ansicht von lateral.

Amboss, Incus, rechts; Ansicht von medial.

Steigbügel, Stapes, rechts; Ansicht von oben.

Klinik

Störungen in der Transformationskette (Trommelfell, Gehörknöchelchen) führen zu einer Schallleitungsschwerhörigkeit. Bei komplettem Ausfall der Schalldruck-Transformation kommt es zu einem Hörverlust von ca. 20 dB. Eine typische Erkrankung, die zu einer solchen Störung führt, ist die Otosklerose. Es handelt sich dabei um eine lokalisierte Erkrankung des Felsenbeins. Sie führt durch eine Fixierung der Steigbügelfußplatte (Verknöcherung des Lig. anulare stapediale) im ovalen Fenster zu einer langsam zunehmenden Schallleitungsschwerhörigkeit. Erkrankungsherde im Bereich der Schnecke können zusätzlich eine Innenohrschwerhörigkeit verursachen. Frauen im Alter zwischen 20 und 40 sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. In 70 der Fälle tritt die Otosklerose in beiden Ohren auf.

Paukenhöhle

Etagen der Paukenhöhle, Cavitas tympani, rechts; Ansicht von vorne.

Die Paukenhöhle wird in Bezug auf die Lage ihrer Abschnitte zum Trommelfell aus klinischer Sicht in drei Abschnitte eingeteilt:

• Das Epitympanon (rot; Recessus epitympanicus, Kuppelraum, Attikus), beherbergt den Aufhängeapparat und den größten Anteil der Gehörknöchelchen und steht über das Antrum mastoideum mit den Mastoidzellen in Verbindung.

• Das Mesotympanon (blau) umfasst das Manubrium mallei, den Proc. lenticularis des Amboss und die Sehne des M. tensor tympani.

• Das in die Tuba auditiva [auditoria] übergehende Hypotympanon (grün; Recessus hypotympanicus).

Gelenke und Bänder der Gehörknöchelchen, Articulationes und Ligg. ossiculorum auditus, rechts; Ansicht von medial oben.

Hammer und Amboss sind über Bänder im Epitympanon fixiert und stehen untereinander gelenkig über die Art. incudomallearis (Sattelgelenk) in Verbindung. Der Steigbügel hat über die Art. incudostapedialis (Kugelgelenk) Kontakt zum Amboss. Seine Basis (Basis stapedis) ist über das Lig. anulare stapediale im ovalen Fenster fixiert (Syndesmose). Alle Strukturen in der Paukenhöhle einschließlich der Chorda tympani sind von Mittelohrschleimhaut überzogen.

Klinik

Eine der häufigsten Ursachen für eine Schallleitungsschwerhörigkeit im Kindesalter ist eine Verlegung der Tubenöffnung (Tubenverschluss) durch einen Tubenkatarrh oder durch eingeschränkte Nasenatmung im Rahmen von vergrößerten Rachenmandeln (Adenoide). Besteht die Tubenfunktionsstörung über einen längeren Zeitraum, kommt es zu Umbauprozessen der Mittelohrschleimhaut. Dabei entsteht ein aktiv sezernierendes Epithel mit Ausbildung einer Flüssigkeitsansammlung in der Paukenhöhle (Seromukotympanon).

Paukenhöhle, Cavitas tympani, rechts; Frontalschnitt; Ansicht von vorne.

Die Paukenhöhle ist ein luftgefüllter Hohlraum des Mittelohrs, in dem sich die Gehörknöchelchen befinden. Sie liegt direkt hinter dem Trommelfell und wird über die Tuba auditiva [auditoria] (EUSTACHIUS-Röhre) belüftet, die dem Druckausgleich dient. Die Ausdehnung zwischen Paukenkuppel (Epitympanon) und Paukenkeller (Hypotympanon) beträgt etwa 12–15 mm bei einer Tiefe von 3–7 mm. Das Binnenvolumen beträgt nur etwa 1 cm3.

Topographische Beziehungen der Paukenhöhle, Cavitas tympani, zu den Nachbarstrukturen, rechts; Ansicht von lateral; schematische Darstellung.

Das Epitympanon ist nach oben durch eine dünne Knochenplatte (Tegmen tympani, Paries tegmentalis) von der mittleren Schädelgrube abgegrenzt. Die Vorderwand des Mesotympanons (Paries caroticus) hat Beziehung zur A. carotis interna. Die laterale Wand (Paries membranaceus) wird fast ausschließlich vom Trommelfell gebildet. Im unteren Wandabschnitt mündet die Ohrtrompete (Tuba auditiva [auditoria]) in die Paukenhöhle. Die Hinterwand (Paries mastoideus) grenzt an den Warzenfortsatz (Proc. mastoideus). Hinten oben besteht eine direkte Verbindung zu den pneumatisierten Räumen des Mastoids (Aditus ad antrum). Die mediale Wand (Paries labyrinthicus; Abb. 10.27 und 10.28) trennt die Schnecke (Cochlea) von der Paukenhöhle. Die untere Wand der Paukenhöhle (Paries jugularis) gehört zum Hypotympanon. Sie grenzt die Paukenhöhle von der V. jugularis interna ab. Der Knochen ist an dieser Stelle sehr dünn und teilweise pneumatisiert.

Paukenhöhle (Cavitas tympani)

Mastoid (Paries mastoideus) posterior, hintere Wand (Proc. mastoideus)
V. jugularis (Paries jugularis) inferior, untere Wand (Fossa jugularis)
A. carotis interna (Paries caroticus) anterior, vordere Wand (Karotiskanal)
Mittlere Schädel grube (Paries tegmentalis) superior, obere Wand (mittlere Schädelgrube)
Ovales Fenster (Paries labyrinthicus) medial, mediale Wand (Labyrinth)
Trommelfell (Paries membranaceus) ateral, laterale Wand (Trommelfell)

Klinik

Die akute Mittelohrentzündung (Otitis media) stellt eine der häufigsten Erkrankungen im Kindesalter dar. Ursächlich sind meist Bakterien und Viren, die im Rahmen oder nach einer Infektion des Nasopharynx über die Ohrtrompete (Tuba auditiva [auditoria]) in das Mittelohr gelangen. Die Entzündung ist durch Schleimhautrötung, -ödem, granulozytäre Infiltration und Eiterbildung gekennzeichnet. Da der Eiter durch die entzündungsbedingte Tubenblockade nicht abfließt, kann die Entzündung durch Übergreifen auf die Umgebung schwerwiegende Komplikationen auslösen wie z. B.:

  • Trommelfellperforation (häufigster Fall, via Paries membranaceus)

  • Mastoiditis (via Paries mastoideus, Antrum mastoideum, S. 134)

  • Thrombophlebitis und Jugularisthrombose (via Paries jugularis)

  • Sepsis (Keimverstreuung über das Blut via Paries caroticus)

  • Hirnabszess und/oder Meningitis (via Paries tegmentalis)

  • Labyrinthitis (mit Schwindel und Hörminderung via Paries labyrinthicus)

Mediale Wand, Paries labyrinthicus, der Paukenhöhle, Cavitas tympani, rechts; vertikaler Schnitt in der Längsachse des Felsenbeins; Ansicht von lateral vorne.

Oberhalb des ovalen Fensters ist die Wand durch den lateralen Bogengang zur Prominentia canalis semicircularis lateralis vorgewölbt. Durch die mediale Wand verläuft der N. facialis [VII] im Canalis nervi facialis. Der Kanal wölbt die mediale Wand zur horizontal verlaufenden Prominentia canalis nervi facialis vor. Die Tuba auditiva [auditoria] beginnt am Ostium tympanicum tubae auditivae und wird nach oben durch das Septum canalis musculotubarii vom Semicanalis musculi tensoris tympani abgegrenzt. Der Warzenfortsatz (Proc. mastoideus) ist normalerweise pneumatisiert (Cellulae mastoideae) und hat über das Antrum mastoideum Beziehung zur Paukenhöhle.

Mediale Wand, Paries labyrinthicus, der Paukenhöhle, Cavitas tympani, rechts; Ansicht von lateral vorne; nach Abtragung der lateralen Wand und der angrenzenden Teile der vorderen und der oberen Wand; Canalis nervi facialis und Canalis caroticus eröffnet.

Die mediale Paukenhöhlenwand bildet die Grenze zum Innenohr (Labyrinth). Sie besitzt zwei Öffnungen:

• das ovale Fenster (Fenestra vestibuli), in dem die Steigbügelfußplatte sitzt, die über das Lig. anulare stapediale im ovalen Fenster fixiert ist

• das weiter unten lokalisierte runde Fenster (Fenestra cochleae), das durch die Membrana tympanica secundaria verschlossen ist

Zwischen ovalem und rundem Fenster wird die mediale Paukenhöhlenwand durch die basale Schneckenwindung zum Promontorium vorgewölbt.

Klinik

Eine Entzündung der Cellulae mastoideae (Mastoiditis) ist meist eine fortgeleitete Entzündung aus der Paukenhöhle. Sie zählt zu den häufigsten Komplikationen einer Mittelohrentzündung. Vom Mastoid kann sich die Entzündung auf die Weichteile hinter und vor dem Ohr, den M. sternocleidomastoideus, das Innenohr, den Sinus sigmoideus, die Meningen und den N. facialis [VII] fortpflanzen.

Paukenhöhle, Topographie

N. facialis [VII], Paukenhöhle, Cavitas tympani, und Ohrtrompete, Tuba auditiva [auditoria], rechts; vertikaler Schnitt in Längsachse des Felsenbeins; Ansicht von vorne; Fazialiskanal eröffnet. Der N. facialis [VII] hat zwei Stämme, den eigentlichen N. facialis und den N. intermedius. Beide vereinigen sich in der Tiefe des Fazialiskanals (Canalis nervi facialis) zum N. intermediofacialis (allgemein weiter als N. facialis [VII] bezeichnet). In seinem Verlauf zieht er bogenförmig um die Paukenhöhle und wirft in der medialen Paukenhöhlenwand die Prominentia canalis nervi facialis auf. Unterhalb davon wölbt sich die Eminentia pyramidalis vor, in der der vom N. facialis [VII] innervierte M. stapedius sitzt ( Abb. 12.152). Seine Sehne tritt aus der Eminentia pyramidalis aus und inseriert von seitlich unten am Steigbügelköpfchen.

Funktion des M. stapedius: Dämpfung der Schwingungen am ovalen Fenster durch Verkippung des Steigbügels, Verschlechterung der Schallübertragung, Schutz vor lauten Geräuschen.

Laterale Wand, Paries membranaceus, der Pauken- höhle, Cavitas tympani, rechts; Ansicht von medial.

Von vorne gelangt der Canalis musculotubarius in die Paukenhöhle. Er enthält zwei knöcherne Halbkanäle (Semicanales), die durch ein knöchernes Septum getrennt sind. In ihnen verlaufen der M. tensor tympani und die Tuba auditiva [auditoria]. Die Sehne des M. tensor tympani biegt am Proc. cochleariformis rechtwinklig um und zieht zum Manubrium mallei.

Funktion des M. tensor tympani: Anspannung des Trommelfells durch Zug am Manubrium mallei. Dadurch kommt es zur Versteifung der Gehörknöchelchenkette mit verbesserter Übertragung hoher Tonfrequenzen. Die kurz vor Ende des Canalis nervi facialis abgehende und rückläufig durch einen eigenen Knochenkanal verlaufende Chorda tympani gelangt wieder in die Paukenhöhle und verläuft hier, eingebettet in Schleimhaut, zwischen Hammer und Crus longum des Amboss mitten durch die Paukenhöhle, um die Schädelbasis über die Fissura sphenopetrosa (oder Fissura petrotympanica) zu verlassen.

Klinik

Kommt es im Rahmen einer Fazialisparese zu einer Mitbeteiligung des N. stapedius und damit zu einer Lähmung des M. stapedius, resultiert daraus auf der betroffenen Seite eine gestörte Hörempfindung. Laute Geräusche werden aufgrund mangelnder Dämpfung (durch die Verkippung der Steigbügelfußplatte im ovalen Fenster) als unangenehm laut empfunden (Hyperakusis).

N. facialis [VII], Topographie

Paukenhöhle, Cavitas tympani, rechts; Ansicht von lateral; nach Entfernung des Trommelfells und der Schleimhaut um die Chorda tympani.

Man blickt auf die von Schleimhaut umgebenen Strukturen in der Paukenhöhle.

N. facialis [VII] im Felsenbein, Os temporale, Pars petrosa, rechts; Ansicht von hinten; Felsenbein teilweise ausgesägt; Fazialiskanal und Paukenhöhle eröffnet.

Durch Abtragung des Proc. mastoideus mit Eröffnung des Fazialiskanals und der Paukenhöhle wird der gesamte Verlauf des N. facialis [VII] in seinem knöchernen Kanal mit Abgang seiner Äste ( Abb. 12.148) sichtbar.

Klinik

Der N. facialis [VII] kann im Rahmen von Felsenbeinfrakturen, Mittelohr- oder Warzenfortsatzentzündungen sowie sich häufig daraus ergebenden Operationen geschädigt werden. Zur Fazialisdiagnostik (Auf welcher Höhe sitzt die Schädigung?) und zur Verlaufskontrolle nach Fazialisparese werden verschiedene Testverfahren eingesetzt: SCHIRMER-Test (Tränendrüsenfunktion), Stapediusreflexprüfung, Geschmackstest und manchmal auch eine Sialometrie (Testung der Speicheldrüsenfunktion) zur Testung der Chorda tympani sowie Elektromyographie (EMG) und Elektroneuronographie (ENoG) zur Überprüfung der mimischen Muskulatur.

Die Chorda tympani ist aufgrund ihres Verlaufs bei Operationen im Mittelohr gefährdet. Bei Mittelohrentzündung kommt es häufig zu einem isolierten Ausfall der Chorda tympani mit Mundtrockenheit und Verlust der Geschmacksempfindung auf der betroffenen Seite.

N. facialis [VII], N. glossopharyngeus [IX] und N. vagus [X], rechts; Ansicht von vorne; Felsenbein teilweise ausgeschnitten; Nerven durchscheinend dargestellt.

Am Ganglion geniculi gibt der N. facialis [VII] als ersten Ast den N. petrosus major ab. Er verläuft im Os temporale nach vorne medial und tritt am Hiatus nervi petrosi majoris auf der Facies anterior der Pars petrosa ossis temporalis unterhalb der Dura aus. Der Nerv führt für die Innervation von Tränen- und Nasendrüsen präganglionäre parasympathische Fasern zum Ganglion pterygopalatinum. Kurz nach Durchtritt des N. facialis [VII] durch das Foramen stylomastoideum geht der N. auricularis posterior zur Innervation der Ohrmuskeln ab. Dargestellt sind ferner der R. auricularis des N. vagus [X] zur sensiblen Innervation der äußeren Gehörgangswand sowie der N. tympanicus, der kurz vor Durchtritt durch das Foramen jugulare aus dem N. glossopharyngeus [IX] hervorgeht. In der Schleimhaut des Promontoriums des Mittelohrs bildet er gemeinsam mit Ästen aus dem die A. carotis interna umgebenden sympathischen Nervengeflecht (Plexus caroticus internus, Nn. caroticotympanici) den Plexus tympanicus, der der Innervation der Mittelohrschleimhaut einschließlich der Schleimhaut von Tuba auditiva [auditoria] und Mastoid dient.

Schläfenbein, Os temporale, mit Mittel- und Innenohr, linkes Ohr; computertomographischer Querschnitt (CT), Ansicht von unten. [10]

Mittels hochauflösender CT lassen sich heute sämtliche Mittelohr- und Innenohrstrukturen visualisieren. So können beispielsweise der innere Gehörgang, die Pneumatisation des Warzenfortsatzes, die Stellung der Gehörknöchelchen sowie das Labyrinth beurteilt werden.

Klinik

Der N. facialis [VII] kann durch den Proc. mastoideus hindurch operativ freigelegt werden, um beispielsweise eine Entlastung im Rahmen einer entzündlichen Schwellung des Nervs zu schaffen. Dabei wird der knöcherne Kanal von hinten eröffnet bzw. abgetragen.

Ohrtrompete

Tubenknorpel, Cartilago tubae auditivae, rechts; Ansicht von unten; an der Schädelbasis freipräpariert.

Die ca. 4 cm lange Ohrtrompete (Tuba auditiva [auditoria], EUSTACHIUS-Röhre, Tuba EUSTACHII) verläuft schräg von seitlich hinten oben nach medial vorne unten und verbindet die Paukenhöhle mit dem Nasopharynx (Nasenrachenraum). Sie dient funktionell dem Druckausgleich. Zur optimalen Schallleitung muss in der Paukenhöhle (das Trommelfell ist luftundurchlässig) der gleiche Luftdruck wie im äußeren Gehörgang herrschen. Ist dies nicht der Fall, z. B. während des Steig- oder Sinkflugs im Flugzeug, kommt es zu Höreinbußen.

M. levator veli palatini, M. tensor veli palatini und Tubenknorpel, Cartilago tubae auditivae; Ansicht von unten.

Die Tuba auditiva [auditoria] (knöcherner Anteil nicht sichtbar) beginnt in der Vorderwand der Paukenhöhle (Paries caroticus) mit dem Ostium tympanicum tubae auditivae und mündet am Ostium pharyngeum tubae auditivae, das sich seitlich hinten in den Nasopharynx vorwölbt. Man unterscheidet einen knöchernen Abschnitt (Pars ossea) und einen etwa doppelt so langen knorpeligen Abschnitt (Pars cartilaginea). Letzterer besteht aus einer Rinne aus elastischem Knorpel (Cartilago tubae auditivae). Die auf dem Kopf stehende Knorpelrinne wird medial von Bindegewebe (Lamina membranacea) zu einem schlitzförmigen Kanal geschlossen. Die Tuba auditiva [auditoria] wird bei Kontraktion der Mm. tensor und levator veli palatini im Rahmen des Schluckakts geöffnet.

T 3

Klinik

Die Tuba auditiva [auditoria] ist von respiratorischem Flimmerepithel mit Becherzellen ausgekleidet. Der Flimmerschlag ist in Richtung Nasopharynx gerichtet. Bei Versagen der Schutzmechanismen in der Tube kann es zu aufsteigenden Entzündungen mit Ausbildung eines Tubenkatarrhs bis hin zur Mittelohrenzündung kommen. Durch Lufteinblasung über die Nase können Tubenverklebungen und -verschlüsse gelöst werden (z. B. Schlucken bei Druckproblemen).

Ohrtrompete, Tuba auditiva [auditoria], rechts; Querschnitt auf Höhe der Pars ossea durch den Canalis musculotubarius; Ansicht von lateral.

Der knöcherne Abschnitt der Tuba auditiva [auditoria] liegt in einem dreieckigen Knochenkanal (Semicanalis tubae auditivae des Canalis musculotubarius) der Pars petrosa ossis temporalis. Durch eine dünne knöcherne Wand davon getrennt verläuft der M. tensor tympani im Semicanalis musculi tensoris tympani des Canalis musculotubarius.

Ohrtrompete, Tuba auditiva [auditoria], rechts; Querschnitte auf Höhe des lateralen Anteils der Pars cartilaginea; Ansicht von lateral.

a geschlossene Tube

b offene Tube, die Wirkung der Muskeln auf die Tube ist durch Pfeile verdeutlicht

Im Rahmen des Schluckakts kommt es zur Kontraktion der Mm. tensor und levator veli palatini. Die Kontraktion des M. tensor veli palatini führt zum Zug an der Pars membranacea und am Oberrand des Tubenknorpels mit resultierender Erweiterung des Tubenlumens. Die Kontraktion des M. levator veli palatini führt durch Ausbildung des Muskelbauchs zum Druck von unten gegen den Tubenknorpel. Dabei wird die Rinne aufgebogen und das Tubenlumen erweitert sich. Beim Verschluss der Tube wirkt der M. salpingopharyngeus mit (nicht eingezeichnet).

Klinik

Gaumenspalten gehen mit einer Funktionslosigkeit der Mm. tensor und levator veli palatini einher, da das Punctum fixum der Muskeln fehlt und sie ins Leere kontrahieren. Dabei ist die Tubenfunktion aufgehoben. Unbehandelt kommt es im Mittelohr zur Ausbildung eines Adhäsivprozesses aufgrund der fehlenden Mittelohrbelüftung. Die Kinder hören sehr schlecht und lernen auch meist nicht zu sprechen.

Knöchernes Labyrinth

Innenohr, Auris interna, und N. vestibulocochlearis [VIII]; Ansicht von oben; Innenohr in seiner natürlichen Position auf das Felsenbein projiziert.

Die Spitze der Schnecke (Cochlea) ist nach lateral vorne gerichtet. Die Bogengänge (Canales semicirculares) sind in einem Winkel von 45 in Bezug auf die Hauptebenen des Schädels (Frontal-, Sagittal- und Horizontalebene) ausgerichtet. Dies spielt bei der Beurteilung von CT-Aufnahmen des Schädels eine Rolle.

Innenohr, Auris interna, mit N. facialis [VII] und N. vestibulocochlearis [VIII], rechts; Ansicht von oben auf das Felsenbein.

Beim Eintritt in den Porus acusticus internus liegen der N. facialis [VII] und sein Intermediusanteil auf den zum N. vestibulocochlearis [VIII] (in der Klinik häufig auch N. statoacusticus) zusammengefassten Nn. cochlearis und vestibularis. Die Nerven teilen sich im Felsenbein auf. Der N. cochlearis verläuft leicht bogenförmig nach vorne zur Cochlea, der N. vestibularis leicht bogenförmig nach hinten. Kurz vor Erreichen des Labyrinths teilt er sich in eine Pars superior zu vorderem und lateralem Bogengang sowie zum Sacculus auf und in eine Pars inferior zu Utriculus und hinterem Bogengang. Die Perikarya der Neurone beider Anteile werden zum Ganglion vestibulare zusammengefasst. Der N. facialis [VII] verläuft oberhalb und zwischen Cochlea und Gleichgewichtsorgan im Fazialiskanal. Der Hauptstamm biegt am äußeren Fazialisknie nach unten rechtwinkelig ab. Am Ganglion geniculi verlässt der N. petrosus major den N. facialis [VII]. Er verläuft in einer Duratasche auf dem Felsenbein in Richtung auf das Foramen lacerum zu und enthält parasympathische Fasern für die Innervation von Tränen- und Nasendrüsen.

Knöchernes Labyrinth, Labyrinthus osseus, rechts; aus dem Felsenbein herausgefräst; Ansicht von hinten oben (a), Ansicht von oben (b).

Das Innenohr (Auris interna) ist ein Komplex aus knöchernen Kanälen und Erweiterungen in der Pars petrosa des Os temporale (knöchernes Labyrinth). In ihnen befindet sich ein System aus Membranschläuchen und -säcken, das als häutiges Labyrinth bezeichnet wird. Es beherbergt das Gleichgewichts- und Hörorgan (Organum vestibulocochleare).

Öffnung des Canaliculus posterior

Schneckengang, Canalis spiralis cochleae, rechts; Ansicht von oben; in der Achse des Modiolus aufgefräst.

Die Cochlea besteht aus einem Kanal (Canalis spiralis cochleae), der in 2 Windungen um die Schneckenspindel (Modiolus cochleae) gewunden ist. In den Canales spiralis und longitudinalis modioli sitzt das Ganglion spirale cochleae mit den Perikarya der bipolaren Nervenzellen des N. cochlearis. Vom Modiolus springt die Lamina spiralis ossea in den Schneckenkanal vor.

Innerer Gehörgang, Meatus acusticus internus, und Boden des inneren Gehörgangs, Fundus meatus acustici interni, rechts; Ansicht von medial; nach teilweiser Abtragung der Hinterwand.

Der innere Gehörgang beginnt am Porus acusticus internus und setzt sich etwa 1 cm nach lateral fort. Hier endet er in einer löchrigen Knochenplatte. In dem 1 cm langen Segment verlaufen N. facialis [VII] und N. vestibulocochlearis [VIII].

Klinik

Das Akustikusneurinom (Vestibularis-Schwannom) ist ein gutartiger Tumor der SCHWANN-Zellen, der besonders häufig den N. vestibularis betrifft. Es entsteht im Meatus acusticus internus und wächst verdrängend in die hintere Schädelgrube (Kleinhirn-Brückenwinkel-Tumor). Frühsymptome sind Hörminderung und Gleichgewichtsstörungen.

Knöchernes Labyrinth, Labyrinthus osseus, rechts; Ansicht von schräg hinten; knöcherne Umhüllung des häutigen Labyrinths aus dem Felsenbein herausgefräst.

Knöchernes Labyrinth, Labyrinthus osseus, rechts; Ansicht von lateral; knöcherne Umhüllung des häutigen Labyrinths aus dem Felsenbein herausgefräst.

Knöchernes Labyrinth, Labyrinthus osseus, rechts; Ansicht von lateral vorne; Hohlräume aufgefräst.

Das knöcherne Labyrinth besteht aus dem Vestibulum, drei knöchernen Bogengängen (Canales semicirculares ossei), der knöchernen Schnecke (Cochlea) und dem inneren Gehörgang (Meatus acusticus internus). Das Vestibulum ist Ausgangspunkt für Cochlea und Bogengänge. Es steht über das ovale Fenster mit der Paukenhöhle in Verbindung.

Häutiges Labyrinth

Häutiges Labyrinth, Labyrinthus membranaceus, rechts; Längsschnitt durch das Felsenbein; Ansicht von vorne, schematische Darstellung. [8]

Das häutige Labyrinth ist mit kaliumreicher und natriumarmer Endolymphe gefüllt. Es liegt dem knöchernen Labyrinth nicht unmittelbar an, sondern ist durch den mit Perilymphe gefüllten perilymphatischen Raum von diesem getrennt. Nach der Funktion unterteilt man das häutige Labyrinth in einen vestibulären und in einen kochleären Anteil. Das vestibuläre Labyrinth umfasst die im Vestibulum lokalisierten Strukturen Sacculus und Utriculus, den Ductus utriculosaccularis, die drei Bogengänge und den Ductus endolymphaticus mit dem Saccus endolymphaticus. Letzterer stellt eine an der Felsenbein-Hinterfläche gelegene epidurale Aussackung dar, in der die Endolymphe resorbiert wird. Das kochleäre Labyrinth wird vom Ductus cochlearis gebildet. Vestibuläres und kochleäres Labyrinth kommunizieren über den Ductus reuniens.

N. vestibulocochlearis [VIII] und häutiges Labyrinth, Labyrinthus membranaceus; halbschematische Übersicht, Ansicht von dorsal.

Das häutige Labyrinth umfasst den Ductus cochlearis, den Sacculus, den Utriculus sowie die drei häutigen Bogengänge (Ductus semicircu- lares). Letztere stehen mit dem Utriculus in Verbindung. Jeder Bogengang bildet am Übergang zum Utriculus eine Erweiterung (Ampulla membranacea). Oberer und hinterer Bogengang vereinigen sich zu einem gemeinsamen Schenkel (Crus commune). Jede Ampulle enthält Sinnesepithel (Crista ampullaris, nicht dargestellt).

Blutversorgung und Innervation des häutigen Labyrinths

Innervation des Innenohrs, Auricula interna, rechts;

Längsschnitt durch das Felsenbein; Ansicht von vorne, schematische Darstellung. [8]

Das Innenohr gliedert sich in das vom kompakten Knochen des Felsenbeins umgebene knöcherne Labyrinth (Labyrinthus osseus) und das darin enthaltene häutige Labyrinth (Labyrinthus membranaceus), ein System aus Membranschläuchen.

Blutversorgung und Innervation des Innenohrs, Auris interna, der rechten Seite; Ansicht von medial. (nach [2])

Die gesamte Blutversorgung des Innenohrs erfolgt aus Ästen der A. labyrinthi ( Abb. 12.96); der Blutabfluss über Vv. labyrinthi. A. und V. inferior anterior cerebelli schlingen sich meist wenige Millimeter in den inneren Gehörgang hinein (nicht dargestellt) und geben hier die A. und Vv. labyrinthi zur Blutversorgung des Labyrinths ab (Cave: Endarterie).

Klinik

Thrombotische Verschlüsse der A. labyrinthi oder ihrer zuführenden Äste gehen mit Gleichgewichtsstörungen und Hörausfall einher, da die A. labyrinthi eine Endarterie ist.

Die Trias aus anfallsartigen Schwindelattacken, einseitigem Hörverlust sowie einseitigem Tinnitus wird als Morbus Menire bezeichnet. Als Ursache wird eine Rückresorptionsstörung der Endolymphe mit Aufblähung des häutigen Labyrinths (Hydrops cochleae) diskutiert. Daraus resultieren pathologische Veränderungen an den Sinneszellen.

Schnecke

Schnecke, Cochlea; Querschnitt; schematische Darstel-lung. [8]

Der Canalis spiralis cochleae wird durch die REISSNER-Membran und durch die Basilarmembran in drei Räume unterteilt:

• die mit Perilymphe gefüllte Scala vestibuli (Vorhoftreppe), die vom Vestibulum bis zum Helicotrema reicht

• den mit Endolymphe gefüllten Ductus cochlearis

• die mit Perilymphe gefüllte Scala tympani (Paukentreppe), die vom Helicotrema bis zum runden Fenster in der medialen Pauken-höhlenwand reicht. Am Helicotrema stehen Scala vestibuli und Scala tympani miteinander in Verbindung.

Schnecke, Cochlea. Querschnitt durch eine Windung; schematische Darstellung. [8]

Der Boden des Ductus cochlearis ist die Basilarmembran (Lamina basilaris), die das Hörorgan (CORTI-Organ) trägt. Die Endolymphe wird von der Stria vascularis an der lateralen knöchernen Wand der Cochlea gebildet.

REISSNER-Membran

Organum spirale (Corti-Organ); schematische Darstellung. [24]

Die komplexe afferente und efferente Innervation der Haarzellen ist hier sehr vereinfacht dargestellt.

Das CORTI-Organ stellt das eigentliche Hörorgan dar. Hier sitzen Hörsinneszellen (Haarzellen) gemeinsam mit Stützzellen auf der Basilarmembran und werden von einer gallertigen Membran (Membrana tectoria) überdeckt. Das CORTI-Organ erstreckt sich über die gesamte Länge des Ductus cochlearis.

Klinik

Schädigungen der Haarzellen gehen z. B. nach zu lautem Musik hören oder nach einer Explosion (Knalltrauma) sehr häufig mit Tinnitus einher. Dabei bezeichnet der Begriff Tinnitus aurium (Klingeln der Ohren) oder kurz Tinnitus ein Symptom, bei dem der Betroffene Geräusche wahrnimmt, die keine äußere, für andere Personen wahrnehmbare Ursache besitzen.

Schallleitung und Gleichgewichtsorgan

Schallleitung. [8]

Die Schallleitung erfolgt über Schallwellen, die über das äußere Ohr (Ohrmuschel und äußerer Gehörgang) aufgenommen und über das Trommelfell und die Gehörknöchelchenkette via Steigbügelfußplatte auf die Perilymphe übertragen werden. Dies ruft Wellenbewegungen hervor, die entlang den Wänden des Ductus cochlearis (insbesondere der Basilarmembran) wandern (Wanderwellen). Hierdurch kommt es zu Scherbewegungen am CORTI-Organ. Die Stereozilien der inneren Haarzellen werden abgeknickt (Deflexion). Diese biomechanischen Ereignisse werden von den Sinneszellen in Rezeptorpotenziale umgewandelt (mechanoelektrische Transduktion).

Struktur der Crista ampullaris. (nach [25])

Das mit Endolymphe gefüllte vestibuläre Labyrinth besteht aus Sacculus (Macula sacculi – senkrechte Linearbeschleunigungen), Utriculus (Macula utriculi – waagerechte Linearbeschleunigungen) und den drei Bogengängen (Cristae ampullares mit ihren Cupulae – Drehbeschleunigungen). Die Sinneszellen der Vestibularorgane besitzen ein langes Kinozilium sowie Stereozilien, die in eine gallertige Masse (Cupula) hineinragen. Bewegungen der Cupula führen zum Abknicken der Sinneszellfortsätze. Dieser Reiz führt zur synaptischen Aktivierung afferenter Fasern des N. vestibularis.

Klinik

Bei Cholesteatom (Syn.: Perlgeschwulst des Ohrs; eine Einwucherung von mehrschichtig verhornendem Plattenepithel in das Mittelohr mit nachfolgender chronisch-eitriger Entzündung des Mittelohrs), akuter Otitis media, Mastoiditis und nach Schädeltraumata kann es zu einer Labyrinthitis mit Schwindel, Reiz- oder Ausfallnystagmus kommen. Infektionswege sind rundes und ovales Fenster, Lücken im knöchernen Labyrinth (nach Verletzung und Knochenarrosion von infizierten pneumatischen Räumen) oder fortgeleitete Entzündungen über Nerven und Gefäße, Canaliculus cochleae oder Canaliculus vestibuli zu den Hirnhäuten. Folgen sind Schallempfindungsschwerhörigkeit bis Hörverlust und Zerstörung des Gleichgewichtsapparats.

Hören und Gleichgewicht

Hören.

Primäre Kerne (violett): Nuclei cochlearis anteriores und posteriores; übrige Kerne (braun): oberer Olivenkomplex, Nuclei lemnisci, Colliculi inferiores, Corpora geniculata medialia.

Die Verschaltung der primären und sekundären Kerne wird als Hörbahn bezeichnet und ist in Abbildung 10.58 dargestellt. Die Kette der Gehörknöchelchen im Mittelohr verstärkt physikalisch die Amplitude der Schallwellen.

Kontrolle des Gleichgewichts und Stabilisierung des Gesichtsfelds.

Afferenzen kommen aus den Augenmuskeln, vom Gleichgewichtsorgan und aus den Halsmuskeln; Efferenzen beeinflussen die Augen- und Körpermuskeln. Das Kleinhirn ist an der Koordination wesentlich beteiligt.

Klinik

Zur Objektivierung eines vom Patienten empfundenen Schwindels und zur Lokalisation einer Läsion muss das Vestibularorgan getestet werden. Verbreitete Tests sind der Romberg-Versuch (Patient steht mit geschlossenen Augen und vorgehaltenen Armen) und der Unterberger-Tretversuch (Patient marschiert mit geschlossenen Augen auf der Stelle), um eine Fallneigung auszuschließen. Ein weiterer Test ist die Nystagmusprüfung (Nystagmus = Augenzittern) mittels Lupenbrille (FRENZEL-Brille). Rasches Schütteln des Patientenkopfs durch den Untersucher testet die Auslösbarkeit eines Provokationsnystagmus. Der Provokationsnystagmus wird in verschiedenen Positionen vom Untersucher ausgelöst. So kommt auch ein evtl. bestehender latenter Nystagmus zum Vorschein. Die kalorische Nystagmusprüfung dient der Testung des Labyrinths jeweils einer Seite. Hierzu wird dem liegenden Patienten im abgedunkelten Raum mit angehobenem Kopf jeweils mit kaltem und warmem Wasser das Ohr gespült. Kaltes Wasser löst dabei physiologisch einen Nystagmus zur Gegenseite, warmes Wasser zur gleichen Seite aus. Eine pathologische Unter- oder Unerregbarkeit einer Seite weist auf eine periphere Funktionsstörung hin.

Hörbahn

Hörbahn; Übersicht.

Funktion der aufsteigenden Hörbahn ist, akustische Signale an das Gehirn weiterzuleiten, dort zu verarbeiten und zum Bewusstsein zu bringen.

1. Neuron: bipolare Zellen des Ganglion spirale cochleae.

• Nach Austritt aus den kleinen Öffnungen des Tractus spiralis foraminosus in der Tiefe des inneren Gehörgangs schließen sich die Fasern als N. cochlearis dem N. vestibularis an und bilden mit ihm den auf dem Boden des inneren Gehörgangs verlaufenden N. vestibulocochlearis [VIII].

• Die Fasern aus den basalen Anteilen der Schnecke ziehen zum Nucleus cochlearis posterior, die Fasern aus den apikalen Anteilen zum Nucleus cochlearis anterior.

2. Neuron: multipolare Zellen der Nuclei cochleares.

• Die Fasern aus dem Nucleus cochlearis anterior ziehen größtenteils zum gleichseitigen oder gegenseitigen Olivenkomplex.

• Ein Teil der Fasern kreuzt zur Gegenseite und gelangt ohne Umschaltung über den Lemniscus lateralis bis in den Colliculus inferior.

• Die Fasern, die den gleichseitigen Olivenkomplex erreicht haben, steigen entweder zum Nucleus lemnisci lateralis auf, werden umgeschaltet und kreuzen zur Gegenseite, werden wieder umgeschaltet und erreichen ebenfalls den Colliculus inferior oder steigen direkt im Lemniscus lateralis zum Colliculs inferior auf.

3. oder 4. Neuron: Vom Colliculus inferior aus werden Verbindungen zum Corpus geniculatum mediale hergestellt.

4. oder 5. Neuron: Die Radiatio acustica verbindet das Corpus geniculatum mediale mit der HESCHL-Querwindung und dem WERNICKE-Zentrum des Schläfenlappens.

Gleichgewichtsbahn

Gleichgewichtsbahn; Übersicht.

Durch die Verbindungen der Gleichgewichtsbahn werden Augenbewegungen und Bewegungen von Rumpf, Hals und Extremitäten koordiniert.

1. Neuron:

• Die Afferenzen des Ganglion vestibulare projizieren zum größten Teil in den Nucleus vestibularis medicalis (SCHWALBE), den Nucleus vestibularis superior (BECHTEREW) und den Nucleus vestibularis inferior (ROLLER).

• Afferenzen der Cristae ampullares der Bogengangorgane enden hauptsächlich in den Nuclei BECHTEREW und SCHWALBE sowie über die direkte sensorische Kleinhirnbahn im Vestibulocerebellum.

• Afferenzen des Utriculus ziehen zum medialen Vestibulariskern, Afferenzen des Sacculus projizieren zum lateralen Vestibulariskern.

• Der laterale Vestibulariskern (DEITERS) erhält ebenfalls Kollateralender Vestibularisbahn, besonders aber Verbindungen aus dem Kleinhirn.

2. Neuron:

• von den Vestibulariskernen führen Efferenzen

• zum Kleinhirn (Tractus vestibulocerebellaris)

• zum Rückenmark (Tractus vestibulospinalis)

• zu den Augenmuskelkernen (Fasciculus longitudinalis medialis)

• und zum Thalamus (über den Tractus vestibulothalamicus zum Nucleus ventralis posterior inferior und von dort über die Radiatio thalami zum Gyrus postcentralis)

SCHWALBE

ROLLER

DEITERS

BECHTEREW

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