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B978-3-437-44073-1.50007-2

10.1016/B978-3-437-44073-1.50007-2

978-3-437-44073-1

Der Kopf – die Hauptsache am Menschen

Das Skelett des Kopfs (Caput/Kephalon), der Schädel (Cranium), besteht aus zwei Teilen: dem Gesichtsschädel (Viscerocranium) und dem Hirnschädel (Neurocranium). Die Grenze zwischen beiden – des einen Dach und des anderen Boden – ist die Schädelbasis (Basis cranii), die etwa in der schrägen Ebene liegt, die von den Augenbrauen, der äußeren Öffnung des Gehörgangs und der Basis des Hinterhaupts definiert wird.

Schädelkalotte und Kopfschwarte

Die stark gewölbte Schädelkalotte (Schädeldach, Calvaria) bildet eine längsovale Kuppel über der Schädelbasis und beschirmt so die Schädelhöhle (Cavitas cranii), in der das Gehirn (Cerebrum), umgeben von harten und weichen Hirnhäuten (Meninges), im Hirnwasser (Liquor) schwimmt. An der Kalotte können eine Stirn-, eine Scheitel-, eine Schläfen- und eine Hinterhauptgegend unterschieden werden, unter denen sich die kalottenbildenden Teile der gleichnamigen Knochen (Os frontale, parietale, temporale und occipitale) befinden.
Die Haut über der Kalotte ist derb (Kopfschwarte) und fest mit einer platten Sehne verwachsen, die sich unter ihr von der Stirn bis zum Hinterhaupt ausspannt. Diese Sehne (Galea aponeurotica) gehört zum M. occipitofrontalis (dem Stirnrunzler), einem mimischen Muskel. Gegenüber der Kalotte sind Haut und Sehne gut verschieblich, weswegen man sie als Skalp relativ leicht abheben kann. Verletzungen der gefäßreichen Kopfschwarte können zu starken, aber meist nicht lebensbedrohlichen Blutungen führen.

Schädelbasis

Die Schädelbasis bildet das Dach der beiden Augen- (Orbitae) und der Nasenhöhle (Cavitas nasi), aber auch das Dach des Schlunds (Pharynx, der bis zur Schädelbasis hinaufreicht) und die Basis des Hinterhaupts, die am großen Hinterhauptsloch (Foramen magnum) mit dem obersten Halswirbel artikuliert. Durch die Basis cranii verlaufen viele Nerven und Gefäße, sie ist von Knochenspalten durchsetzt und – an ihrer Unterseite, die zum Viscerocranium hinweist – von zahlreichen Fortsätzen, Dornen und Einschnitten (Processus/Spinae/Incisurae) übersät, an denen Muskeln und Bänder befestigt sind. Ihre Oberseite, der Boden des Neurocraniums, ist weniger unregelmäßig gestaltet und ähnelt einer Terrassenanlage auf drei Etagen: Die oberste Etage, die vordere Schädelgrube (Fossa cranii anterior), liegt über den Orbitae, eine Treppenstufe abwärts, auf der Höhe der Schläfenbeine, liegt die mittlere Schädelgrube, Fossa cranii media, und der letzte Schritt führt hinab in die hintere Schädelgrube, die Fossa cranii posterior mit dem Foramen magnum.

Gesichtsschädel und Höhlungen

Im Zentrum des Gesichtsschädels sitzt der größte Gesichtsknochen, der Oberkieferknochen (Maxilla), der die Böden der Orbitae, den größten Teil der Seitenwände der Nasenhöhle und den vorderen Teil des Gaumens bildet und außerdem noch die Zahnreihe des Oberkiefers trägt. Wie viele andere Knochen des Schädels ist die Maxilla pneumatisiert, d. h., sie ist hohl und mit Luft gefüllt, wobei sie diese Luft aus der Nasenhöhle bezieht (Sinus maxillaris, Kieferhöhle, eine Nasennebenhöhle). Außer der Maxilla sind noch ein halbes Dutzend anderer, kleinerer Knochen am Aufbau des Viscerocraniums beteiligt.
Atmen, Riechen, Schmecken, Kauen, Schlucken, Sprechen, Sehen und Gesehenwerden – das sind die Aufgaben der Organe, die vom Viscerocranium gestützt und geschützt werden.
Für das Sehen sind die Augen und ihr Hilfsapparat (Organum visus, S. 98) zuständig. Gesehenwerden ist die Sache der mimischen Muskulatur. Die meisten dieser Muskeln wirken nicht auf Knochen, sondern auf die Gesichtshaut, die unter der Daueraktion dieser Muskeln auch zur Faltenbildung neigt.
Das Riechen ist Sache der Nase (Nasus), auch wenn sie es nur mit ihrem kleinsten Teil, dem Riechepithel am Dach der Nasenhöhle, unter der Schädelbasis, tut. Der äußere, von Knorpeln umrahmte Vorhof der Nase (Vestibulum nasi) und die weit geräumigere, knöcherne innere Nasenhöhle (Cavitas nasalis ossea) dienen der Atmung: Über die inneren Nasenöffnungen (Choanae) öffnet sich die Nasenhöhle hinten zum Schlund (Pharynx), der seinerseits – viel weiter kaudal, mit dem Kehlkopf und über diesen mit der Luftröhre (Trachea) kommuniziert.
Beißen, Kauen, Sprechen, Schmecken und Schlucken sind die Aufgaben der Mundhöhle (Cavitas oris) und der Organe, die sie flankieren. Wie die Nase besitzt auch die Mundhöhle einen Vorhof (Vestibulum oris), den Raum zwischen Lippen (Labiae) und Wangen (Buccae) einerseits und den Zähnen (Dentes) andererseits.
Hinter den Zahnreihen liegt der größere, eigentliche Teil der Mundhöhle (Cavitas oris propria). Bei geschlossenen Kiefern wird er fast vollständig von der Zunge (Lingua) ausgefüllt. Auch die Mundhöhle öffnet sich nach dorsal hin zum Pharynx, in dem sich – um den Preis des Verschluckens – Luft- und Speiseweg kreuzen. Das Dach der Mundhöhle, der Gaumen (Palatum), bildet zugleich den Boden der Nasenhöhle. Der Gaumen ist vorne starr und knöchern, zum Pharynx, nach dorsal hin, weich, beweglich und muskulös. Das Zäpfchen (Uvula) hängt vom weichen Teil des Gaumens herab. Der Boden der Mundhöhle, der vom beweglichen Unterkiefer (Mandibula) umrahmt wird und auf dem die Zunge liegt, wird von Muskelplatten gebildet. Beim Sprechen wirken fast alle diese Strukturen (gemeinsam mit vielen anderen) zusammen, wobei die Nase als zusätzlicher Resonanzraum dient.
Zwei Gruben des Gesichtsschädels sind von Bedeutung: Entfernt man (im Geiste, im Präparierkurs dann auch realiter) den aufsteigenden knöchernen Ast der Mandibula (Ramus mandibulae), der zum Kiefergelenk (Articulatio temporomandibularis) führt, kann man hinter der Backe von der Seite her in die Weichteile des Kopfs eindringen und gelangt in einen Raum, den man als Unterschläfengrube (Fossa infratemporalis) bezeichnet. Hier liegen Kaumuskeln (Mm. pterygoidei medialis und lateralis) und Nervenäste. Außerdem führen die Endäste der großen äußeren Kopfschlagader (A. carotis externa) in das Zentrum des Gesichtsschädels.
Die Fossa infratemporalis setzt sich innen und oben, zur Orbita hin, in einen weiteren Raum fort, den man die Flügelgaumengrube (Fossa pterygopalatina) nennt. Diesen Raum sollte man im Präparierkurs in jedem Fall finden und seinen Inhalt und seine vielfältigen Verbindungswege kennen. Er ist eine Art zentraler Verteiler für Gefäße und Nerven des Gesichtsschädels. Und eben weil er so versteckt und seine Anatomie so komplex ist, lieben ihn alle Anatomen – und fragen gerne danach.

Klinik

Erkrankungen und Verletzungen des Kopfs sind häufig; Erkrankungen im Bereich der Schädelbasis kommen dagegen selten vor. Allen gemeinsam ist, dass sie sehr oft lebensbedrohlich sind. Da der Kopf ein anatomisch komplexes Gebiet darstellt, ist meist die Beteiligung mehrerer Fachdisziplinen notwendig, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Dabei arbeiten Spezialisten aus den Fachgebieten Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten, Kopf- und Halschirurgie, Neurochirurgie, Mund-, Kiefer- und Gesich tschirurgie / plastische Chirurgie, Augenheilkunde, Strahlentherapie sowie Diagnostische Radiologie und Neuroradiologie eng zusammen. Menschen mit schweren Kopferkrankungen (z. B. unklaren Kopfschmerzen oder einer Durchblutungsstörung im Bereich des Hirnstamms, die mit Schwindel, Erbrechen und Gleichgewichtsstörungen einhergeht) irren oftmals lange von einem Arzt zum nächsten, bis sie den oder besser die richtigen medizinischen Experten für ihr gesundheitliches Problem finden. An manchen Universitäten gibt es deshalb große Zentren, in denen in Abstimmung mit allen beteiligten Fachdisziplinen eine qualifizierte Therapie- und Behandlungsempfehlung für betroffene Patienten ausgesprochen wird. In gemeinsamen Konferenzen der betroffenen Fachgebiete kann eine Therapie abgestimmt werden und somit die Behandlung und ein möglichst ungestörter Genesungsprozess erleichtert und beschleunigt werden.

präplink

Die Präparation der oberflächlichen Gesichtsregion am sagittalisierten Kopf (Kopf lateral) erfolgt mit Darstellung der Gesichtsarterien und -venen, der mimischen Muskeln, sämtlicher Fazialisäste und der peripheren Trigeminusäste.
Die Präparation der tiefen Gesichtsregion umfasst die Entfernung der Glandula parotidea, die Darstellung des Plexus parotideus (N. facialis [VII]), die Auspräparation der Fossa retromandibularis, die Darstellung aller vier Kaumuskeln und des Verlaufs der A. maxillaris bis in die Endäste sowie die Präparation des Kiefergelenks mit Darstellung des Discus articularis und Aufsuchen der Chorda tympani.
Präparation von medial am sagittalisierten Kopf (Kopf medial): Nach Darstellung des Nasenseptums mit seinen knorpeligen und knöchernen Anteilen sowie der Fila olfactoria und des N. nasopalatinus folgen die Entfernung des Nasenseptums und die Darstellung der lateralen Nasenwand mit Mündungen der Nasennebenhöhlen und des Ductus nasolacrimalis. Die Fossa pterygopalatina wird eröffnet und ihr Inhalt dargestellt. Schließlich erfolgen das Aufsuchen der A. sphenopalatina am Foramen sphenopalatinum, die Durchpräparation der Mundhöhle mit Darstellung von Glandulae submandibularis und sublingualis, Nn. lingualis, hypoglossus und glossopharyngeus sowie die Präparation der Gaumenmuskulatur unter dem Tubenknorpel und die Präparation des Tonsillenbetts.

IMPP-CHECKLISTE

• Entwicklung: Neurocranium, Viscerocranium, Nn. craniales, Sinnesorgane, Facies, Cranium mit Calvaria, Basis cranii, Durchtrittsstellen mit durchtretenden Strukturen, Viscerocranium, Articulatio temporomandibularis und Fossa infratemporalis • Kopf- und Halsmuskeln, Faszien mit Gesichtsmuskulatur, Kaumuskulatur, Faszien am Kopf, Os hyoideum und suprahyaler Muskulatur • Kopfeingeweide: Cavum nasi (mit Mündungen), Sinus paranasales, topographische Beziehungen, Cavum oris, Dentes, Lingua, Glandulae oris, Palatum und Funktion des Palatum molle (Spaltbildungen), Isthmus faucium, WALDEYER-Rachenring, Tonsillae, Pharynx, Fossa pterygopalatina, Innervation und Versorgung sämtlicher Strukturen, Fazialisparese und Verlauf der Nn. craniales [V, VII–XII]

Regionen von Kopf und Hals

Regionen von Kopf und Hals, Regiones capitis und colli; Ansicht von vorne.

Am Kopf unterscheidet man folgende topographische Regionen:

  • Regio frontalis

  • Regio temporalis

  • Regio orbitalis

  • Regio nasalis

  • Regio infraorbitalis

  • Regio zygomatica

  • Regio oralis

  • Regio buccalis

  • Regio mentalis

  • Regio parietalis

  • Regio occipitalis

  • Regio parotideomasseterica

Am Hals unterscheidet man folgende topographische Regionen:

  • Regio cervicalis anterior, bestehend aus Trigonum submentale, Trigonum submandibulare, Trigonum caroticum und Trigonum musculare (omotracheale)

  • Regio sternocleidomastoidea mit Fossa supraclavicularis minor

  • Regio cervicalis lateralis mit Trigonum omoclaviculare

  • Regio cervicalis posterior

Regionen von Kopf und Hals, Regiones capitis und colli; Ansicht von lateral.

Schädel

Schädel, Cranium; Ansicht von vorne.

Von unten nach oben sieht man Unterkiefer (Mandibula), die beiden Oberkiefer (Maxillae), die Nasenbeine (Ossa nasalia) zwischen Oberkiefer und Augenhöhle (Orbita) sowie oberhalb der Orbita das Stirnbein (Os frontale).

Das Stirnbein (Os frontale) besteht aus vier Anteilen ( Abb. 8.23). Oberhalb des Orbitarands (Margo supraorbitalis) wölbt sich beidseits ein Arcus superciliaris vor. Ein Fortsatz des Os frontale ragt medial nach unten und formt einen Teil des medialen Orbitarands. Lateral steht der Proc. zygomaticus mit dem Proc. frontalis des Os zygomaticum in Kontakt. Beide bilden gemeinsam den lateralen Orbitarand.

Das Jochbein (Os zygomaticum) bildet den größten Teil des lateralen und des unteren Orbitarands.

Die beiden Nasenbeine (Os nasale) stehen über die Sutura frontonasalis mit dem Os frontale und über die Sutura internasalis untereinander in Kontakt.

LE-FORT-Frakturen.

Klinik

Zentrale Mittelgesichtsfrakturen treten am häufigsten als Folge von Verkehrsunfällen auf. Sie werden nach LE FORT eingeteilt ( Abb. 8.4) in:

  • LE FORT I: isolierte Absprengung des Alveolarfortsatzes

  • LE FORT II: Absprengung der Maxilla im Bereich des mittleren Orbitabodens, Beteiligung von Siebbein, vorderer Schädelbasis und Nasenbein möglich

  • LE FORT III: Abriss des gesamten Gesichtsschädels vom Gehirnschädel

Schädelknochen

Schädelknochen, Ossa cranii; Ansicht von vorne; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Zwischen Augenhöhle und Mundhöhle liegt beidseits der Oberkieferknochen (Maxilla). Die Maxilla bildet Teile des unteren und des medialen Orbitarands und grenzt lateral an das Os zygomaticum. Der Proc. frontalis der Maxilla steht mit dem Os frontale in Verbindung. Im Corpus maxillae liegt unterhalb des unteren Orbitarands das Foramen infraorbitale. In der Mittellinie wölbt sich die Spina nasalis anterior vor. Unten befindet sich der Proc. alveolaris, der den Oberkieferunterrand bildet und die Zähne trägt. Die Maxilla begrenzt in der Orbita unten die Fissura orbitalis inferior und bildet zusammen mit dem Os zygomaticum deren lateralen Rand.

Der Unterkiefer (Mandibula) besteht aus Corpus und Rami mandibulae, die am Angulus mandibulae ineinander übergehen. Das Corpus mandibulae besteht aus der die Zähne tragenden Pars alveolaris und der darunter liegenden Basis mandibulae. Letztere springt in der Mittellinie als Protuberantia mentalis vor. Ferner sieht man das Foramen mentale.

Klinik

Frakturen des Nasenbeins oder des Nasengerüsts gehören zu den häufigsten Frakturen im Gesichtsbereich. Man unterscheidet geschlossene sowie offene Nasenfrakturen, bei denen infolge von Haut- und Weichteilverletzungen Knochen frei liegt. Zusätzlich können das Nasenseptum und die Conchae nasales mit verletzt sein. Nasengerüstfrakturen sind typisch bei tätlichen Auseinandersetzungen, Verkehrsunfällen, Kampfsportarten, wie Karate, Boxen, und bei zahlreichen Mannschaftssportarten.

Schädelknochen, Ossa cranii; Ansicht von lateral; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Die Seitansicht zeigt Teile der Ossa frontale, parietale, occipitale, sphenoidale und temporale, Teile des Gesichtsschädels (Os nasale, Os lacrimale, Maxilla und Os zygomaticum) sowie die laterale Seite des Unterkiefers (Mandibula).

Im Bereich des Viscerocraniums grenzt das Os nasale oben an das Os frontale und hinten an die Maxilla. Zwischen Maxilla und Os ethmoidale bildet der obere Abschnitt des Tränenbeins (Os lacrimale) die Fossa sacci lacrimalis. Der Proc. alveolaris der Maxilla trägt die Oberkieferzähne. Medial steht die Maxilla mit dem Os frontale in Verbindung, lateral mit dem Os zygomaticum. Vorne wölbt sich die Spina nasalis anterior vor. Das Os zygomaticum ist für die Kontur der Wangenregion verantwortlich.

Das Mandibulaköpfchen (Caput mandibulae) artikuliert mit dem Os tem- porale im Kiefergelenk (Articulatio temporomandibularis).

Vorne oben steht das Os frontale über die Sutura coronalis mit dem Scheitelbein (Os parietale) und mit dem Keilbein (Os sphenoidale) in Verbindung. Das Os parietale grenzt über die Sutura lambdoidea an das Hinterhauptsbein (Os occipitale) und über die Sutura sphenoparietalis an das Os sphenoidale. Dieses und das Schläfenbein (Os temporale) stehen über die Sutura sphenosquamosa miteinander in Verbindung. Os temporale und Os occipitale stehen hinten unten über die Sutura occipitomastoidea in Verbindung. Den größten Teil der lateralen Schädelwand bildet die Pars squamosa des Os temporale.

Os temporale und Os zygomaticum bilden den Jochbogen (Arcus zygomaticus), der die Fossa temporalis überbrückt. Die Pars tympanica des Os temporale schließt sich unterhalb der Wurzel des Proc. zygomaticus an die Pars squamosa an. An ihrer Oberfläche liegt der Porus acusticus externus.

Bezugsebenen des Gebisses.

Schädelknochen, Ossa cranii; Ansicht von oben; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Beim Blick auf das Schädeldach (Schädelkalotte, Calvaria) erkennt man das Os frontale, die Ossa parietalia und das Os occipitale. Os frontale und Ossa parietalia sind durch die Kranznaht (Sutura coronalis) voneinander getrennt. Die beiden Ossa parietalia grenzen über die Pfeilnaht (Sutura sagittalis) aneinander. Das Os occipitale ist von den beiden Ossa parietalia über die Lambdanaht (Sutura lambdoidea) verbunden. Die Kontaktstelle der Suturae coronalis und sagittalis heißt Bregma, die Kontaktstelle von Suturae sagittalis und lambdoidea Lambda. Im dorsalen Anteil der Ossa parietalia befinden sich unmittelbar lateral der Sutura sagittalis paarige Foramina parietalia für den Durchtritt von Vv. emissariae.

Klinik

Nach größerer Gewalteinwirkung von außen kann es häufig zu Schädelfrakturen kommen. Man unterscheidet dabei Linearfrakturen mit deutlicher Bruchlinie, Berstungsfrakturen mit multiplen Fragmenten (Impressionsfraktur, falls nach innen gekippt, mit Kompression oder Riss der Dura mater und Verletzung des Hirngewebes), Diastasen (Nahtsprengungen) und Schädelbasisfrakturen. Jede Fraktur, die mit einer Rissplatzwunde der Kopfhaut einhergeht oder mit den Nasennebenhöhlen oder dem Mittelohr in Verbindung steht, gilt als offene Fraktur, die einer operativen Behandlung bedarf, da sie potenziell infiziert sein kann.

Schädelknochen, Ossa cranii; Ansicht von hinten; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Der Blick von hinten zeigt die Ossa temporalia, parietalia und das Os occipitale. Lateral erkennt man auf beiden Seiten das Os temporale mit dem Proc. mastoideus. Am unteren medialen Rand des Proc. mastoideus liegt die Incisura mastoidea, eine Einkerbung, die dem Venter posterior des M. digastricus als Ansatz dient.

Von hinten sieht man die beiden Ossa parietalia, die in der Mittellinie über die Sutura sagittalis aneinanderstoßen, hinten über die Sutura lambdoidea an das Os occipitale und seitlich außen über die Suturae parietomastoideae an die Ossa temporalia grenzen.

Ein Großteil der Schädelrückseite wird vom Os occipitale gebildet. Die zentrale Struktur ist die Squama occipitalis. Häufig können als Variante im Bereich der Sutura lambdoidea Nahtknochen (Ossa suturalia) eingelagert sein. Das Os occipitale besitzt als knöchernen Orientierungspunkt die meist sehr gut tastbare Protuberantia occipitalis externa. Ihr am weitesten nach hinten vorspringender Punkt ist das Inion. Seitlich setzt sich die Protuberantia auf beiden Seiten bogenförmig als Linea nuchalis superior fort, eine knöcherne Leiste, die dem Ansatz autochthoner Rückenmuskulatur dient. Unten verlaufen ebenfalls bogenförmig, ca. 2–2,5 cm unterhalb der Protuberantia occipitalis externa die beiden Lineae nuchales inferiores, die ebenfalls als Muskelansätze fungieren.

Schädelknochen, Ossa cranii, rechts; Ansicht von medial; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Die Schädelhöhle umfasst das Schädeldach (Calvaria) sowie die aus vorderer, mittlerer und hinterer Schädelgrube bestehende Basis. Sie umgibt das Gehirn mit den Hirnhäuten, den proximalen Anteilen der Hirnnerven, den Blutgefäßen und den venösen Sinus. Auf der Innenseite der Schädelkapsel sieht man die durch den Puls der A. meningea media hervorgerufenen Sulci arteriosi. Am Übergang zum Gesichtsschädel schließen sich die Lamina perpendicularis des Os ethmoidale und der Vomer als Teile des knöchernen Nasenseptums an. Der harte Gaumen wird vom Proc. palatinus der Maxilla und vom Os palatinum gebildet.

Schädeldach, Calvaria; Ansicht von innen; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

An der Innenseite des Schädeldachs sieht man die Sutura coronalis zwischen Os frontale und Ossa parietalia und die Sutura lambdoidea zwischen Ossa parietalia und Os occipitale. Ferner ist die Crista frontalis auf der Innenseite des Os frontale sichtbar, die der Anheftung der Falx cerebri (Duraduplikatur aus straffem Bindegewebe; trennt die Großhirnhemisphären voneinander) dient. Die Crista frontalis geht in den Sulcus sinus sagittalis superioris (Lage des Sinus sagittalis superior) über, der nach hinten breiter und tiefer wird. Er erstreckt sich über die Sutura lambdoidea bis auf das Os occipitale.

Lateral des Sulcus sinus sagittalis superioris befinden sich auf dessen gesamter Länge unregelmäßig angeordnete kleine Vertiefungen (Foveolae granulares, Lage der blumenkohlartigen Granulationes arachnoideae [PACCHIONI-Granulationen]). Im lateralen Abschnitt der Schädelkalotte sind zahlreiche Furchen (Sulci arteriosi et venosi) erkennbar.

Die Knochen der Calvaria besitzen einen besonderen Aufbau. Sie bestehen aus einer dicken äußeren und einer dünnen inneren Kompakta, die als Lamina externa und Lamina interna (Lamina vitrea) bezeichnet werden, sowie aus einer schmalen Schicht Spongiosa, die man Diplo nennt.

Klinik

Da die Lamina interna der Schädelkalotte sehr dünn ist, wird sie im Rahmen von Biegebrüchen häufig verletzt. Werden dabei im Sulcus arteriae meningeae mediae der Lamina interna verlaufende Äste der A. meningea media mit verletzt, kann es zur Ausbildung eines epiduralen Hämatoms kommen ( Abb. 12.11).

Innere Schädelbasis

Innere Schädelbasis, Basis cranii interna; Ansicht von oben; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Vordere (Fossa cranii anterior), mittlere (Fossa cranii media) und hintere Schädelgrube (Fossa cranii posterior) bilden die innere Schädelbasis.

Ossa frontale, ethmoidalia und sphenoidale sind am Aufbau der vorderen Schädelgrube beteiligt. Sie liegt über der Nasenhöhle und den Augenhöhlen. In der vorderen Schädelgrube befinden sich das Foramen caecum, die Crista galli (Anheftungsstelle der Falx cerebri) und beidseits davon die Lamina cribrosa. Hinter den Ossa frontale und ethmoidalia bilden das Corpus und die Alae minores des Os sphenoidale den Boden der vorderen Schädelgrube. Das Corpus bildet außerdem die Grenze zur mittleren Schädelgrube.

Die mittlere Schädelgrube wird von den Ossa sphenoidale und temporalia gebildet. Ihr Boden ist in der Mittellinie erhöht und wird hier Teil des Corpus des Os sphenoidale. Die lateralen Abschnitte bilden Gruben und sind Bestandteile der Ala major des Os sphenoidale und der Pars squamosa des Os temporale. In der mittleren Schädelgrube befinden sich auf jeder Seite der Canalis opticus, der Türkensattel (Sella turcica) mit der Fossa hypophysialis, die Fissura orbitalis superior und die Foramina rotundum, ovale, spinosum und lacerum. Hinten wird die mittlere Schädelgrube durch die Facies anterior partis petrosae gebildet.

Innere Schädelbasis, Basis cranii interna; Ansicht von oben.

Von den drei Schädelgruben ist die hintere Schädelgrube die größte. Sie wird hauptsächlich von den Ossa temporalia, dem Os occipitale und zu geringen Anteilen vom Os sphenoidale und von den Ossa parietalia gebildet.

Ihre Vordergrenze bilden in der Mittellinie das Dorsum sellae und der Clivus. Der Clivus ist eine schräge Knochenfläche, die vom Dorsum sellae schräg zum Foramen magnum abfällt. Er besteht aus Anteilen des Corpus des Os sphenoidale und der Pars basilaris des Os occipitale. Hinten wird die Grenze der hinteren Schädelgrube hauptsächlich vom Sulcus sinus transversi gebildet. Die größte Durchtrittsstelle der hinteren Schädelgrube ist das Foramen magnum.

Weitere Strukturen der hinteren Schädelgrube sind der Canalis nervi hypoglossi, der Porus acusticus internus und das Foramen jugulare. Zum Foramen jugulare führt von lateral der Sulcus sinus sigmoidei. Zentrale Vertiefung der hinteren Schädelgrube ist die Fossa cerebellaris.

Äußere Schädelbasis

Äußere Schädelbasis, Basis cranii externa; Ansicht von unten.

Die Schädelbasis reicht vorne bis zu den mittleren Schneidezähnen, seitlich bis zu den Procc. mastoidei und zu den Arcus zygomatici sowie hinten bis zu den Lineae nuchales superiores. Die Schädelbasis wird in drei Abschnitte geteilt:

  • vorderer Teil mit Oberkieferzähnen und Gaumen

  • mittlerer Teil hinter dem Gaumen bis zum Vorderrand des Foramen magnum

  • hinterer Teil vom Vorderrand des Foramen magnum bis zu den Lineae nuchales superiores

Vordere Schädelbasis: Sie umfasst den harten Gaumen ( Abb. 8.26).

Mittlere Schädelbasis: Der vordere Anteil des mittleren Abschnitts besteht aus Vomer und Os sphenoidale; den hinteren Abschnitt bilden die Ossa temporalia und das Os occipitale. Der vorne in der Mittellinie liegende Vomer sitzt dem Os sphenoidale oben auf und trägt zum hinteren Anteil des knöchernen Nasenseptums bei.

Das Os sphenoidale besteht aus einem zentralen Corpus, den paarigen Alae majores und den Alae minores (von unten nicht sichtbar).

Unmittelbar hinter dem Corpus des Os sphenoidale beginnt mit der Pars basilaris des Os occipitale der hintere Teil der mittleren Schädelbasis. Die Pars basilaris erstreckt sich bis an das Foramen magnum. Hier wölbt sich das Tuberculum pharyngeum vor. Dabei handelt es sich um einen Vorsprung, an dem Teile des Pharynx an der Schädelbasis befestigt sind. (Fortsetzung Abb. 8.15)

Äußere Schädelbasis, Basis cranii externa; Ansicht von unten.

Mittlere Schädelbasis (Fortsetzung von Abb. 8.14): An der Grenze zwischen Ala major des Os sphenoidale und Pars petrosa des Os temporale liegt der Sulcus tubae auditivae, der den Eingang in den knöchernen Anteil der Tuba auditiva bildet ( S. 145). Der knöcherne Kanal setzt sich durch die Pars petrosa des Os temporale zur Paukenhöhle fort. Seitlich liegt die Pars squamosa des Os temporale, die an der Bildung des Kiefergelenks (Articulatio temporomandibularis) beteiligt ist. Die Fossa mandibularis ist Teil der Gelenkfläche des Kiefergelenks ( S. 36–39). Am Vorderrand der Fossa mandibularis befindet sich das Tuberculum articulare.

Hintere Schädelbasis: Der hintere Abschnitt erstreckt sich vom Vorderrand des Foramen magnum bis zu den Lineae nuchales superiores und besteht aus Teilen des Os occipitale und der Ossa temporalia. Die paarige Pars lateralis trägt je einen Condylus occipitalis zur Artikulation mit dem Atlas. Hinten befindet sich hinter dem Kondylus die Fossa condylaris, die den Canalis condylaris enthält; oberhalb verläuft der Canalis nervi hypoglossi. Unmittelbar lateral davon liegt das Foramen jugulare.

Durchtrittsstellen der äußeren Schädelbasis

Äußere Schädelbasis, Basis cranii externa, mit Foramina; Ansicht von unten; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Foramina der äußeren Schädelbasis und deren Inhalt

Foramen Inhalt
Foramen incisivum
  • N. nasopalatinus (N. maxillaris [V/2])

Foramen palatinum majus
  • N. palatinus major (N. maxillaris [V/2])

  • A. palatina major (A. palatina descen dens)

Foramina palatina minora
  • Nn. palatini minores (N. maxillaris [V/2])

  • Aa. palatinae minores (A. palatina descendens)

Fissura orbitalis inferior
  • A. infraorbitalis (A. maxillaris)

  • V. ophthalmica inferior

  • N. infraorbitalis (N. maxillaris [V/2])

  • N. zygomaticus (N. maxillaris [V/2])

Foramen rotundum ( S. 12)
  • N. maxillaris [V/2]

Foramen ovale
  • N. mandibularis [V/3]

  • Plexus venosus foraminis ovalis

Foramen spinosum
  • R. meningeus (N. mandibularis [V/3])

  • A. meningea media (A. maxillaris)

Fissura sphenopetrosa, Foramen lacerum
  • N. petrosus minor (N. glossopharyngeus [IX])

  • N. petrosus major (N. facialis [VII])

  • N. petrosus profundus (Plexus caroticus internus)

Apertura externa canalis carotici und Canalis caroticus
  • A. carotis interna, Pars petrosa

  • Plexus venosus caroticus internus

  • Plexus caroticus internus (Truncus sympathicus, Ganglion cervicale superius)

Foramen stylomastoideum
  • N. facialis [VII]

Foramen jugulare vorderer Bereich:
  • Sinus petrosus inferior

  • N. glossopharyngeus [IX] hinterer Bereich:

  • A. meningea posterior (A. pharyngea ascendens)

  • Sinus sigmoideus (Bulbus superior venae jugularis)

  • N. vagus [X]

  • R. meningeus (N. vagus [X])

  • N. accessorius [XI]

Canaliculus mastoideus
  • R. auricularis nervi vagi (N. vagus [X])

Canalis nervi hypoglossi
  • N. hypoglossus [XII]

  • Plexus venosus canalis nervi hypoglossi

Canalis condylaris
  • V. emissaria condylaris

Foramen magnum
  • Meninges

  • Plexus venosus vertebralis internus (Sinus marginalis)

  • Aa. vertebrales (Aa. subclaviae)

  • A. spinalis anterior (Aa. vertebrales)

  • Medulla oblongata/Medulla spinalis

  • Radices spinales (N. accessorius [XI])

Klinik

Bei Schädelbasisfrakturen verlaufen die Bruchspalten durch die Öffnungen der Schädelbasis. Die durchtretenden Nerven und Gefäße können dabei verletzt werden. Nervenausfälle und Blutungen sind daher häufig. Ebenso ist eine Eröffnung der Stirn- und Keilbeinhöhlen sowie der Siebbeinzellen möglich (Austritt von Liquor aus der Nase). Bei lateralen Frakturen ist häufig das Felsenbein mit betroffen (Austritt von Liquor aus dem Ohr).

Foramina der inneren Schädelbasis und deren Inhalt

Foramen nhalt
Lamina cribrosa
  • Nn. olfactorii [I]

  • A. ethmoidalis anterior (A. ophthalmica)

Canalis opticus
  • N. opticus [II]

  • A. ophthalmica (A. carotis interna)

  • Meninges; Vaginae nervi optic

Fissura orbitalis superior medialer Bereich:
  • N. nasociliaris (N. ophthalmicus [V/1])

  • N. oculomotorius [III]

  • N. abducens [VI]

lateraler Bereich:
  • N. trochlearis [IV]

    gemeinsamer Stamm von

    • N. frontalis (N. ophthalmicus [V/1])

    • N. lacrimalis (N. ophthalmicus [V/1])

  • R. orbitalis (A. meningea media)

  • V. ophthalmica superior

Foramen rotundum
  • N. maxillaris [V/2]

Foramen ovale
  • N. mandibularis [V/3]

  • Plexus venosus foraminis ovalis

Foramen spinosum
  • R. meningeus (N. mandibularis [V/3])

  • A. meningea media (A. maxillaris)

Fissura spheno- petrosa, Foramen lacerum
  • N. petrosus minor (N. glossopharyngeus [IX])

  • N. petrosus major (N. facialis [VII])

  • N. petrosus profundus (Plexus caroticus internus)

Apertura interna canalis carotici und Canalis caroticus
  • A. carotis interna, Pars petrosa

  • Plexus venosus caroticus internus

  • Plexus caroticus internus (Truncus sympathicus, Ganglion cervicale superius)

Porus und Meatus acusticus internus
  • N. facialis [VII]

  • N. vestibulocochlearis [VIII]

  • A. labyrinthi (A. basilaris)

  • Vv. labyrinthi

Foramen jugulare vorderer Bereich:
  • Sinus petrosus inferior

  • N. glossopharyngeus [IX]

hinterer Bereich:
  • A. meningea posterior (A. pharyngea ascendens)

  • Sinus sigmoideus (Bulbus superior venae jugularis)

  • N. vagus [X]

  • N. accessorius [XI]

  • R. meningeus (N. vagus [X])

Canalis nervi hypoglossi
  • N. hypoglossus [XII]

  • Plexus venosus canalis nervi hypoglossi

Canalis condylaris V. emissaria condylaris
Foramen magnum
  • Meninges

  • Plexus venosus vertebralis internus (Sinus marginalis)

  • Aa. vertebrales (Aa. subclaviae)

  • A. spinalis anterior (Aa. vertebrales)

  • Medulla oblongata/Medulla spinalis

  • Radices spinales (N. accessorius [XI])

Innere Schädelbasis, Basis cranii interna, mit Foramina; Ansicht von unten; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Entwicklung des Schädels

Schädel, Cranium, eines Neugeborenen; Ansicht von vorne ( Abb. 8.18) und von lateral ( Abb. 8.19); Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Bei der Geburt besitzt das Neugeborene sechs Fontanellen, zwei unpaare (Fonticuli anterior und posterior) und zwei paarige (Fonticuli sphenoidales und mastoidei). Unter der Geburt dienen Schädelnähte und Fontanellen als Orientierungsstrukturen bei der Beurteilung von Lage und Stand des kindlichen Kopfs. Der Fonticulus posterior ist führender Teil des Kopfs bei der normalen Hinterhauptlage.

Gemeinsam mit den Schädelnähten (Suturen) ermöglichen die Fontanellen dem Schädel, sich in begrenztem Maße während des Geburtsvorgangs zu verformen. Das rasche Wachstum nach der Geburt führt zu einer schnellen Verkleinerung der Fontanellen, die sich bis zum Ende des 3. Lebensjahres vollständig verschließen.

Schädel, Cranium, eines Neugeborenen; Ansicht von oben; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Bei der Geburt sind die Deckknochen des Schädeldachs (Calvaria) in den Schädelnähten (Suturae) noch durch Bindegewebe voneinander getrennt. In Bereichen, in denen mehr als zwei Knochen aufeinander- treffen, sind die Suturen zu Fontanellen (Fonticuli) erweitert. Im Laufe des Lebens verknöchern die meisten Suturen, Fonticuli und Synchondrosen. Wichtige Suturen sind die Suturae lambdoidea (Lambdanaht), frontalis (Stirnnaht), sagittalis (Pfeilnaht) und coronalis (Kranznaht), die sich bis zum 50. Lebensjahr verschließen (die Stirnnaht bereits zwischen dem 1. und 2. Lebensjahr).

Fontanellen

Fontanelle Anzahl Verschluss [Lebensmonat]
Fonticulus anterior (große Fontanelle) 1 ca. 36.
Fonticulus posterior (kleine Fontanelle) 1 ca. 3.
Fonticulus sphenoidalis (vordere Seitenfontanelle) paarig ca. 6.
Fonticulus mastoideus (hintere Seitenfontanelle) paarig ca. 18.

Schädel, Cranium, eines Neugeborenen; Ansicht von hinten unten; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Die Schädelentwicklung folgt teilweise einem desmalen, teilweise einem chondralen Osteogenesemodus ( Tabelle). Als Anlagematerial dient das Kopfmesenchym, das aus dem paraxialen Kopfmesenchym, dem prächordalen Mesoderm, den okzipitalen Somiten und der Neuralleiste stammt. Zwischen manchen Schädelknochen bestehen zur Zeit der Geburt Knorpelgelenke (Articulationes cartilagineae; Synchondroses cranii).

Verknöcherungsmodus der Schädelknochen

Viscerocranium Neurocranium Gehörknöchelchen
desmal Mandibula bis auf Proc. condylaris, Maxilla, Os zygomaticum, Os palatinum, Os nasale, Vomer, Os lacrimale Lamina medialis des Proc. ptery goideus des Os sphenoidale, Pars squamosa des Os temporale, Squama occipitalis, Os frontale, Os parietale
chondral Proc. condylaris der Mandibula, Os ethmoidale, Concha nasalis inferior Os sphenoidale bis auf die Lamina medialis des Proc. pterygoideus, Pars petrosa und Pars tympanica des Os temporale, Pars lateralis und Pars basilaris des Os occipitale
MECKEL-Knorpel Malleus, Incus
RE CHERT-Knorpel Proc. styloideus des Os temporale Stapes

Kraniostenosen

Kraniostenosen; Kind mit Skaphozephalus. [20]

Dieses Krankheitsbild entsteht bei vorzeitigem Verschluss der Sagittalnaht. Die Schädelkalotte ist übermäßig lang.

  • a

    Ansicht von oben

  • b

    Ansicht von rechts

Klinik

Störungen des Knochenwachstums werden als Dysostosen bezeichnet. Kraniosynostosen sind Fehlbildungen, bei denen es zum vorzeitigen Schluss einer oder mehrerer Suturen kommt. Der vorzeitige Schluss der Sutura sagittalis führt zur Ausdehnung des Schädels in der Frontal- und in der Okzipitalregion. Der Schädel verlängert und verschmälert sich (Skaphozephalie). Der vorzeitige Schluss der Kranznaht führt zur Ausbildung eines Turmschädels (Akrozephalie). Schließen sich Suturae coronalis und lambdoidea nur auf einer Seite vorzeitig, resultiert eine asymmetrische Kraniosynostose (Plagiozephalie). Bei einer Mikrozephalie bleibt das Hirnwachstum aus. Da sich das Schädelwachstum dem Hirnwachstum anpasst, bleibt das gesamte Neurocranium klein. Kinder mit Mikrozephalie bleiben in ihrer geistigen Entwicklung zurück.

Stirnbein und Siebbein

Stirnbein, Os frontale; Ansicht von vorne; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Das Stirnbein ist der vorderste Knochen des Schädeldachs. Er bildet Teile der Wände von Augen- und Nasenhöhle. Man unterscheidet am unpaaren Os frontale vier Anteile:

  • die unpaare Schuppe (Squama frontalis)

  • die paarigen Partes orbitales und

  • die unpaare Pars nasalis

Oberhalb des Orbitarands (Margo supraorbitalis) wölbt sich beidseits ein prominenter Arcus superciliaris vor, der bei Männern meist stärker als bei Frauen ausgeprägt ist. Zwischen den beiden Arcus ist der Knochen in der Mittellinie abgeflacht und bildet die Glabella (Bereich zwischen den Augenbrauen). Am medialen Orbitaoberand ist meist ein Foramen supraorbitale, seltener eine Incisura frontalis ausgebildet.

Stirnbein, Os frontale, Siebbein, Os ethmoidale, und Nasenbeine, Ossa nasalia; Ansicht von unten; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Medial vorne und unten bilden die mit dem Os frontale in Verbindung stehenden Os ethmoidale und Ossa nasalia Teile des Nasenskeletts. Im Stirnbein liegt der Sinus frontalis.

Oberkiefer und Gaumenbein

Oberkiefer, Maxilla, rechts; Ansicht von lateral.

Der Oberkiefer lässt sich in Oberkieferkörper (Corpus maxillae) sowie Stirnfortsatz (Proc. frontalis, steht mit dem Os frontale in Verbindung), Jochfortsatz (Proc. zygomaticus, bildet mit Os zygomaticum den Jochbogen), Gaumenfortsatz (Proc. palatinus, vorderer Anteil des knöchernen Gaumens, Abb. 8.26) und Alveolarfortsatz (Proc. alveolaris) unterteilen. Letzterer bildet den Oberkieferunterrand und enthält die Zahnfächer (Alveoli dentales), die die Zahnwurzeln beinhalten. Die vorgewölbten vorderen Ränder der Zahnfächer werden als Juga alveolaria bezeichnet. Im Corpus maxillae liegt knapp unterhalb des unteren Orbitarands das Foramen infraorbitale.

Oberkiefer, Maxilla, und Gaumenbein, Os palatinum, rechts; Ansicht von medial mit Blick in den Sinus maxillaris; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Dem Oberkiefer folgt nach hinten das Gaumenbein, das sich aus zwei Platten zusammensetzt: Die Lamina horizontalis bildet den hinteren Anteil des knöchernen Gaumens (Palatum osseum), die Lamina perpendicularis verläuft vertikal nach oben und begrenzt den Sinus maxillaris hinten medial.

Nasenhöhle

Knöcherne Nasenscheidewand, Septum nasi osseum; Ansicht von lateral; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Das knöcherne Nasenseptum wird von der Lamina perpendicularis des Siebbeins (Os ethmoidale) und vom Pflugscharbein (Vomer gebildet.

Das Os ethmoidale sitzt zwischen Os frontale und Maxilla und steht außerdem mit den Ossa nasalia, lacrimalia, sphenoidale und palatina in Verbindung. Oben bildet es die Crista galli. Die von zahlreichen Löchern durchsetzte Lamina cribrosa bildet das Dach der Nasenhöhle und einen Teil des Bodens der vorderen Schädelhöhle. Unten schließt sich an die Crista galli die Lamina perpendicularis des Os ethmoidale an, die das knöcherne Labyrinth des Siebbeins in eine rechte und eine linke Hälfte teilt und den oberen Anteil des knöchernen Nasenseptums bildet.

Der Vomer bildet den größten Teil des knöchernen Nasenscheidewandskeletts. Der platte, trapezförmige Knochen steht oben mit der Lamina perpendicularis des Os ethmoidale und hinten über die Ala vomeris mit dem Os sphenoidale in Kontakt, unten grenzt er mit der Pars cuneiformis vomeris an den Proc. palatinus der Maxilla sowie an die Lamina horizontalis des Os palatinum.

Klinik

Eine Nasenscheidewandverkrümmung (Septumdeviation) kann traumatisch bedingt sein durch Schläge oder Stürze auf die Nase oder durch ein Fehlwachstum der Mittelgesichtsknochen entstehen. Mehr als 60 der Bevölkerung weisen zumindest eine leichte Verkrümmung des Nasenseptums auf. Nasenscheidewandverkrümmungen behindern in erster Linie die Nasenatmung. Ist dies der Fall, kann die eingeatmete Luft nicht gewärmt, gereinigt und befeuchtet werden. Die Nasenatmungsbehinderung führt zu vermehrter Mundatmung mit Schnarchen und/oder gesteigerter Entzündungsneigung. Die Nasennebenhöhlen werden nicht mehr ausreichend belüftet, was zu Nasennebenhöhlenentzündungen mit postnasalem Sekretfluss und zu Entzündungen des Kehlkopfs und der Bronchien führen kann. Im höheren Lebensalter können durch den Sauerstoffmangel Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen.

Laterale Wand der Nasenhöhle, Cavitas nasi; rechts; Ansicht von links; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Der Blick auf die laterale Nasenwand zeigt oben als Dach die Lamina cribrosa des Siebbeins (Os ethmoidale), das auch die obere (Concha nasalis superior) und die mittlere Nasenmuschel (Concha nasalis media) bildet. Zwischen den beiden Muscheln verläuft der obere Nasengang (Meatus nasi superior). Darunter sitzt die untere Nasenmuschel (Concha nasalis inferior) als eigenständiger Knochen.

Laterale Wand der Nasenhöhle, Cavitas nasi; rechts; Ansicht von links nach Abtragung der mittleren Nasenmuschel; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Unterhalb der mittleren Nasenmuschel gehört eine dünne Knochenlamelle, der Proc. uncinatus, zum Siebbein. Dieser verschließt die mediale Kieferhöhlenwand nur unvollständig. Es verbleiben zahlreiche Öffnungen über und unter dem Proc. uncinatus. Eine davon ist der Hiatus maxillaris.

Der Boden und Teile der Seitenwand werden von der Maxilla und dem Os palatinum (Boden: Lamina horizontalis; Seitenwand: Lamina perpendicularis) gebildet. In der Seitenwand sitzt ferner das Os lacrimale, das einen Teil der vorderen Begrenzung der Kieferhöhle bildet. Die Concha nasalis inferior ist an den drei letztgenannten Knochen befestigt und teilt die laterale Nasenwand in einen über ihr liegenden mittleren Nasengang (Meatus nasi medius) und einen unter ihr liegenden unteren Nasengang (Meatus nasi inferius).

Harter Gaumen

Harter Gaumen, Palatum durum; Kieferhöhle, Sinus maxillaris, und untere Nasenmuschel, Concha nasalis inferior; Ansicht von oben; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Der harte Gaumen ist eine horizontale Knochenplatte, die von der Maxilla und vom Os palatinum gebildet wird. Er trennt Mund- und Nasenhöhle voneinander. Eine Verbindung besteht über die Foramina incisiva. In der dargestellten Ansicht blickt man auf den Boden der Nasenhöhle. Seitlich liegen die Sinus maxillares.

Harter Gaumen, Palatum durum; Ansicht von unten; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Der harte Gaumen gehört zur vorderen Schädelbasis. Die Zähne sind in den beiden Alveolarbögen der Maxilla befestigt. Die Bögen umschließen den harten Gaumen vorne und seitlich. Er besteht rostral aus den Procc. palatini der beiden Maxillae und hinten aus den Laminae horizontales der Ossa palatina. Die Procc. palatini stehen in der Mittellinie über die Sutura palatina mediana in Verbindung, dorsal grenzen sie über die Sutura palatina transversa an die beiden Ossa palatina. Die Laminae horizontales der Ossa palatina haben in der Mittellinie über die Sutura interpalatina (Fortsetzung der Sutura palatina mediana) Kontakt zueinander.

Vorne hinter den Schneidezähnen befindet sich in der Mittellinie die Fossa incisiva, die in das Foramen incisivum und die Canales incisivi übergeht. Nahe dem lateralen Hinterrand des harten Gaumens liegen auf beiden Seiten je ein Foramen palatinum majus, das in den Canalis palatinus majus übergeht sowie die Foramina palatina minora. Sie liegen im Proc. pyramidalis des Os palatinum und gehen in die Canales palatini minores über. In der Mittellinie wölbt sich die Spina nasalis posterior als spitzer Fortsatz des harten Gaumens nach hinten vor.

Augenhöhle und Flögelgaumengrube

Boden der Augenhöhle, Paries inferior orbitae, links; Ansicht von oben; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Der Orbitaboden bildet das Dach der Kieferhöhle. In ihm liegt der Sulcus infraorbitalis, der vorne in einen knöchernen Kanal unterhalb des Orbitabodens übergeht und am Foramen infraorbitale mündet. Hier verlaufen der N. infraorbitalis und die gleichnamigen Gefäße. Lateral wird der Orbitaboden vom Os zygomaticum gebildet, medial beteiligen sich der Proc. orbitalis des Os palatinum, die Lamina orbitalis des Os ethmoidale und das Os lacrimale. Letzteres bildet gemeinsam mit der Maxilla die Fossa sacci lacrimalis, in der der Tränensack liegt. Zur Augenhöhle Abbildung 9.9 bis 9.13

Flügelgaumengrube, Fossa pterygopalatina, links; Ansicht von lateral; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Die Fossa pterygopalatina liegt in medialer Fortsetzung der Fossa infratemporalis. Sie wird von Maxilla, Os palatinum und Os sphenoidale begrenzt. Die Grube bildet eine Schaltstelle zwischen mittlerer Schädelgrube sowie Augenhöhle und Nase. Durch sie ziehen zahlreiche Nerven und Gefäße zu den in diesen Räumen liegenden Strukturen ( S. 78 und 79).

Der Zugang von lateral zur Flügelgaumengrube stellt einen gängigen Weg im Rahmen von Tumoroperationen dieser Region dar, z. B. bei einem Nasen-Rachen-Fibrom.

Augenhöhle

Augenhöhle, Orbita, links; Ansicht von vorne; Sonde im Canalis infraorbitalis; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Die Orbita wird von den Ossa frontale, ethmoidale, lacrimale, palatinum, sphenoidale, zygomaticum und der Maxilla begrenzt. Öffnungen zur Orbita gibt es über die Fissurae orbitales superior und inferior, den Canalis opticus sowie die Foramina ethmoidalia anterius und posterius. Im Boden der Orbita liegt im hinteren Teil der Sulcus infraorbitalis, der sich vorne in den Canalis infraorbitalis fortsetzt und unterhalb des unteren Orbitarands als Foramen infraorbitale mündet. Lateral kommt im Os zygomaticum regelmäßig ein Foramen zygomaticofaciale vor. Zur Augenhöhle Abbildung 9.9 bis 9.13.

Gesichtsschädel, Viscerocranium; frontaler Sägeschnitt auf Höhe der beiden Orbitae; Ansicht von vorne; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Das unpaare Siebbein (Os ethmoidale) beherbergt die vorderen und hinteren Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales). Direkt unterhalb der Crista galli schließt sich die Lamina perpendicularis des Os ethmoidale an, die das knöcherne Labyrinth des Siebbeins in eine rechte und eine linke Hälfte teilt und den oberen Anteil des knöchernen Nasenseptums bildet. Hinten schließt sich der Vomer an. Die lateralen Wände der Cellulae ethmoidales werden von der dünnen Lamina orbitalis gebildet, die einen Großteil der medialen Orbitawand bildet und als Lamina papyracea bezeichnet wird. Direkt unterhalb der Orbita liegt der Sinus maxillaris. In seinem Dach, der gleichzeitig Boden der Orbita ist, liegt der Canalis infraorbitalis. Das Niveau der Lamina cribrosa liegt deutlich unterhalb des Orbitadachs. Zur Augenhöhle Abbildung 9.9 bis 9.13.

Klinik

Aufgrund der papierdünnen Lamina orbitalis (papyracea) des Os ethmoidale zwischen Orbita und Siebbeinzellen können Entzündungen der Siebbeinzellen leicht auf die Orbita übergreifen und zu einer Orbitaphlegmone führen. In Abbildung 8.35 ist die besonders nahe Beziehung der Molarenzahnwurzel zum Sinus maxillaris zu sehen. Entzündungen des zweiten Prämolaren oder des ersten Molaren können zu einer odontogenen Kieferhöhlenentzündung (Sinusitis maxillaris) führen.

Laterale Wand der Augenhöhle, Paries lateralis orbitae, rechts; Ansicht von medial; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Die laterale Orbitawand wird von den Ossa zygomaticum, frontale, sphenoidale und der Maxilla gebildet. Man erkennt im Schnitt sehr gut den Canalis infraorbitalis im vorderen Drittel des Orbitabodens sowie die sehr dünne Knochendecke zum Sinus maxillaris. Hinten schließt sich an den Sinus maxillaris die Fossa pterygopalatina an, die lateral Verbindung zur Fossa infratemporalis hat, oben zur Orbita und unten über den Canalis palatinus major mit der Mundhöhle in Verbindung steht. Hinten oben mündet der Canalis pterygoideus in die Fossa pterygopalatina.

Mediale Wand der Augenhöhle, Paries medialis orbitae, links; Ansicht von lateral; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Die mediale Orbitawand wird vorne vom Os lacrimale, von der Maxilla und dem Os frontale gebildet, hinten befinden sich zwischen dem Os frontale und der Maxilla die Lamina orbitalis des Os ethmoidale (Lamina papyracea), der Proc. orbitalis des Os palatinum sowie das Os sphenoidale. Die Crista lacrimalis anterior der Maxilla und die Crista lacrimalis posterior des Os lacrimale begrenzen gemeinsam eine Vertiefung (Fossa sacci lacrimalis) für den Tränensack. In der medialen Orbitawand liegen die Foramina ethmoidalia anterius und posterius und der Canalis opticus. Knapp oberhalb der Fossa pterygopalatina befindet sich das Foramen sphenopalatinum.

Keilbein

Keilbein, Os sphenoidale; Ansicht von vorne.

Das unpaare Os sphenoidale ist ein Verbindungsknochen zwischen Viscerocranium und Neurocranium. Vom Keilbeinkörper (Corpus) gehen seitlich zwei Flügelpaare (Alae) ab. Oben liegen die Alae minores, unten die Alae majores. Nach unten schließen sich die Flügelgaumenfortsätze (Proc. pterygoidei) an. Im Zentrum des Keilbeins liegen die Keilbeinhöhlen (Sinus sphenoidales). Die vordere Fläche des Corpus wird durch eine Crista sphenoidalis in zwei Hälften geteilt.

Keilbein, Os sphenoidale; Ansicht von hinten.

Ala minor und Ala major des Os sphenoidale begrenzen die Fissura orbitalis superior. Der Proc. pterygoideus teilt sich auf jeder Seite in eine kleinere Lamina medialis und eine größere Lamina lateralis auf, die zwischen sich die Fossa pterygoidea einschließen und durch die Incisura (Fissura) pterygoidea getrennt sind. Die Lamina medialis geht am kaudalen Ende in den Hamulus pterygoideus über. An ihrer Basis durchbohrt der Canalis pterygoideus das Os sphenoidale und mündet in die Fossa pterygopalatina.

Keilbein und Hinterhauptsbein

Keilbein, Os sphenoidale, und Hinterhauptsbein, Os occipitale; Ansicht von oben; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Das Zentrum des Os sphenoidale bildet der Türkensattel (Sella turcica) mit der Fossa hypophysialis. Das Tuberculum sellae, das sich seitlich jeweils in den Proc. clinoideus medius fortsetzt, bildet den Vorderrand der Fossa hypophysialis. Vor dem Tuberculum sellae liegen der Sulcus prechiasmaticus sowie das Jugum sphenoidale. Der Clivus bildet den hinteren Sattelanteil, dessen Oberkante sich lateral jeweils zum Proc. clinoideus posterior erhebt. Die Ala minor wird im Bereich der Sella turcica an ihrem Vorderrand vom Canalis opticus durchbohrt. In die Ala major sind auf beiden Seiten von vorne oben nach hinten unten die Foramina rotundum, ovale und spinosum eingelassen.

Das unpaare Os occipitale besteht aus der Squama occipitalis, zwei Partes laterales und einer Pars basilaris. Die vier Anteile begrenzen das Foramen magnum. An der Innenfläche der Squama occipitalis treffen sich der Sulcus sinus sagittalis superioris und die Sulci der Sinus transversi an der Protuberantia occipitalis interna. Ferner erkennt man an der Innenfläche rechts und links den Sulcus sinus sigmoidei sowie den Sulcus sinus occipitalis. Die Squama occipitalis ist auf der Innenseite oberhalb der Protuberantia occipitalis interna zur Fossa cerebralis, unterhalb davon zur Fossa cerebellaris vertieft. Gemeinsam mit dem Corpus des Os sphenoidale bildet die Pars basilaris des Os occipitale den Clivus.

Schläfenbein

Schläfenbein, Os temporale, rechts; Ansicht von lateral.

Das paarige Os temporale gehört sowohl dem Gesichts- als auch dem Hirnschädel an. Es ist an der Bildung der Schädelseitenwand und der Schädelbasis beteiligt. Man unterscheidet die Pars squamosa, die Pars tympanica und die Pars petrosa (Felsenbein).

Die als Schuppe ausgebildete Pars squamosa grenzt über den Margo parietalis an das Os parietale. Vorne und oberhalb vom Meatus wölbt sich der Proc. zygomaticus vor und zieht nach vorne.

Die Pars petrosa grenzt hinten an die Ossa parietale und occipitale. Zentrale äußere Öffnung ist der Meatus acusticus externus. Nach hinten unten schließt sich der Proc. mastoideus an. In der Pars petrosa liegen Mittelohr und Innenohr (nicht sichtbar). Als Zugänge dienen der innere Gehörgang (Meatus acusticus internus, S. 17), das Foramen stylomastoideum ( S. 16) und der Canalis musculotubarius ( Abb. 10.30 und 10.37).

Die Pars tympanica bildet die knöcherne Wand des äußeren Gehörgangs. Sie liegt ringförmig an den Partes squamosa und petrosa. Sie begrenzt den Meatus acusticus externus (knöcherner Gehörgang) von vorne, unten und hinten und reicht bis zum Trommelfell ( Abb. 10.15 und 10.25).

Schläfenbein, Os temporale, eines Neugeborenen, rechts; Ansicht von lateral; schematische Darstellung; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen.

Die Darstellung zeigt die verschiedenen Anteile des Schläfenbeins: Pars squamosa, Pars petrosa und Pars tympanica.

Schläfenbein, Os temporale, rechts; Ansicht von innen.

Die Pars petrosa hat die Form einer Pyramide, deren Spitze (Apex partis petrosae) nach vorne medial ausgerichtet ist und deren Basis auf den Proc. mastoideus zeigt. Die zur mittleren Schädelgrube gerichtete Facies anterior wölbt sich zur Eminentia arcuata vor; in der Facies posterior liegt der Porus acusticus internus als Eingang in den Meatus acusticus internus. Die Hinterfläche der Pars petrosa wird durch den Sulcus sinus sigmoidei vertieft. Hier befindet sich auch das Foramen mastoideum. Auf der Innenseite (Facies cerebralis) der Pars squamosa sieht man die Sulci arteriosi der A. meningea media.

Schläfenbein, Os temporale, rechts; Ansicht von unten.

Die Facies inferior des Os temporale vertieft sich zur Fossa jugularis, die das Foramen jugulare gemeinsam mit dem Os occipitale begrenzt. Am Einschnitt zwischen Pars squamosa und Pars petrosa beginnt der Canalis musculotubarius. Außerdem sieht man die Apertura externa canalis carotici und den Proc. styloideus. Seitlich hinten öffnet sich das Foramen stylomastoideum. Direkt vor dem äußeren Gehörgang bildet die Pars squamosa die Fossa mandibularis, die rostral vom Tuberculum articulare umrandet wird.

Unterkiefer

Unterkiefer, Mandibula; Ansicht von vorne.

Die unpaare Mandibula besteht aus einem Körper (Corpus mandibulae) und zwei Ästen (Rami mandibulae). Jeder Ramus teilt sich in einen Proc. coronoideus und einen Proc. condylaris. Das Corpus besteht aus Basis und Pars alveolaris, die durch die schräg nach vorne vom Proc. coronoideus absteigende Linea obliqua getrennt sind. Vorne sitzt an der Pars alveolaris das Kinn (Mentum) mit der Protuberantia mentalis, den Kinnhöckern (Tubercula mentalia) und den Foramina mentalia.

Unterkiefer; Mandibula; Ansicht von lateral. Corpus mandibulae und Ramus mandibulae gehen am Angulus ineinander über.

Der Proc. condylaris trägt das Caput mandibulare.

Unterkiefer, Mandibula; Ansicht der Innenseite eines Mandibularbogens.

Auf der Innenseite des Ramus mandibulae befindet sich das Foramen mandibulae. Davor bildet die Linea mylohyoidea eine stufenförmige Leiste, die dem Ansatz des M. mylohyoideus dient und die Ebene des Mundbodens markiert.

Unterkiefer, Mandibula; Ansicht von unten.

Auf der Innenseite der Mandibula befindet sich nahe der Mittellinie die Spina mentalis. Lateral und unterhalb davon vertieft sich der Knochen jeweils zur Fossa digastrica, oberhalb der Spina mentalis zur Fovea sublingualis und zur Fovea submandibularis. Auf der Innenseite des Angulus mandibulae befindet sich die Tuberositas pterygoidea.

Unterkiefer, Mandibula, eines Greises.

Zahnverlust – besonders im fortgeschrittenen Lebensalter – führt zur Rückbildung der Pars alveolaris der Mandibula. Diese kann so weit fortschreiten, dass das Foramen mentale beim zahnlosen Unterkiefer frei an dessen Oberrand liegt. Der Angulus mandibulae weist einen wesentlich größeren Winkel als beim bezahnten Unterkiefer auf.

Unterkiefer, Mandibula, eines Neugeborenen.

Beim Neugeborenen stehen die beiden Unterkiefersegmente noch über die Symphysis mandibulae in Verbindung. Der Winkel zwischen Corpus und Ramus mandibulae ist noch sehr groß.

Klinik

Frakturen der Mandibula treten nach Nasenbeinfrakturen aufgrund ihrer exponierten Lage häufig auf. Die u-förmige Gestalt erklärt die sehr verschiedenen Frakturen, besonders im Schneidezahnbereich und auf Höhe des dritten Molaren. Aus der Mandibula austretendes Blut sammelt sich im lockeren Gewebe des Mundbodens, führt zu einer kleinflächigen, fleckförmigen Blutung der Haut (Ekchymose) und ist für eine Fraktur kennzeichnend. Wenn kein Zahnersatz geschaffen wird, führt Zahnverlust zur Rückbildung der Pars alveolaris mandibulae im Bereich der fehlenden Zähne. Die Anpassung einer Zahnprothese ist bei stark rückgebildeter Pars alveolaris sehr schwierig und gelingt oft erst nach rekonstruktivem Knochenaufbau.

Kiefergelenk

Kiefergelenk, Articulatio temporomandibularis, rechts; Ansicht von lateral.

Das Kiefergelenk wird von einer weiten Gelenkkapsel (Capsula articularis) umschlossen, die vom Schläfenbein trichterförmig zum Proc. condylaris zieht. Lateral und vorne wird die Gelenkkapsel durch das Lig. laterale verstärkt, das vom Jochbogen schräg nach hinten unten zum Collum mandibulae zieht. Variabel ist auf der Gelenkinnenseite (nicht dargestellt) das als Lig. mediale bezeichnete Bindegewebe ausgebildet. Lig. laterale und Lig. mediale (sofern ausgebildet) sind an der Gelenkführung beteiligt und hemmen Randbewegungen vor allem nach hinten. Das Lig. laterale stabilisiert außerdem den Kondylus auf der Arbeitsseite. Vom Proc. styloideus zieht das Lig. stylomandibulare zum Hinterrand des Ramus mandibulae. Es ist meist nur schwach ausgebildet und wirkt gemeinsam mit dem Lig. sphenomandibulare bei der Hemmung der Mundöffnungsbewegung nahe der Endstellung mit ( Abb. 8.52).

Lig. stylomandibulare und Lig. sphenomandibulare, rechts; Ansicht von medial.

Die beiden Bänder haben Einfluss auf die Kinematik des Kiefergelenks, haben aber keine Beziehung zur Gelenkkapsel.

Das kräftige Lig. sphenomandibulare entspringt an der Spina ossis sphenoidalis und zieht zwischen Mm. pterygoidei lateralis und medialis zur Lingula mandibulae. Hier inseriert es fächerförmig über dem Foramen mandibulae. Das vom Proc. styloideus kommende Lig. stylomandibulare zieht zum Angulus mandibulae. Gemeinsam hemmen beide Bänder die Mundöffnungsbewegung nahe der Endstellung.

Ohne Beziehung zum Kiefergelenk und ohne Einfluss auf dessen Kinematik verläuft das Lig. pterygospinale von der Spina ossis sphenoidalis zur Lamina lateralis des Proc. pterygoideus. Das Band hat eine stabilisierende Funktion.

Kiefergelenk, Articulatio temporomandibularis, links; Sagittalschnitt; Ansicht von lateral; Mund fast geschlossen.

Im Kiefergelenk artikulieren Caput mandibulae sowie Fossa mandibularis und Tuberculum articulare des Schläfenbeins miteinander. Die beiden Gelenkkörper werden durch eine Gelenkscheibe (Discus articularis) getrennt. Das Kiefergelenk liegt vor dem knöchernen Anteil des äußeren Gehörgangs (Porus acusticus externus).

Kiefergelenk, Articulatio temporomandibularis, links; Sagittalschnitt; Ansicht von lateral; Mund geöffnet. [8]

Das Kiefergelenk wird von einem Discus articularis vollständig in zwei Kammern getrennt (dithalamisches Gelenk):

  • Die untere Kammer lässt schanierähnliche Öffnungs- und Schließbewegungen der Mandibula zu.

  • Die obere Kammer ermöglicht dem Caput mandibulae, vorwärts auf das Tuberculum articulare (Protrusion) zu gleiten. Dabei ist besonders der M. pterygoideus lateralis aktiv. Die Rückbewegung in die Fossa mandibularis wird als Retraktion (Retrusion) bezeichnet.

Bewegungen des Kiefergelenks, Articulatio temporomandibularis, links; Ansicht von lateral. [8]

Eigenständige Bewegungen in einem Kiefergelenk sind nicht möglich, da beide Kiefergelenke durch den knöchernden Bogen der Mandibula mechanisch gekoppelt sind. Die Kiefergelenke erlauben beim Kauen zwei Hauptfunktionen: Heben (Adduktion) und Senken (Abduktion) des Unterkiefers sowie Mahlbewegungen. Außer Ab- und Adduktion gehören das Vorschieben (Protrusion), das Zurückschieben (Retrusion) sowie Zermahlen (Seitwärtsschieben – Laterotrusion und Mediotrusion) zum Bewegungsmuster des Kiefergelenks. An den Bewegungen sind die Kaumuskeln unterschiedlich beteiligt.

Gelenkgrube und Gelenkhöcker des Kiefergelenks, Articulatio temporomandibularis, rechts; Ansicht von unten.

Man blickt in die normalerweise von hyalinem Gelenkknorpel überzogene Facies articularis der Fossa mandibularis. Vorne liegt das ebenfalls von hyalinem Knorpel überzogene Tuberculum articulare (Tuberculumabhang). Im hinteren Drittel der Fossa mandibularis verbindet sich die Pars squamosa mit der Pars petrosa des Os temporale, medial liegt das Os temporale an dieser Stelle dem Os sphenoidale an. Dadurch existieren in diesem Bereich drei Fissuren:

  • Lateral außen erkennt man die Fissura tympanosquamosa.

  • In der Mitte liegt die Fissura petrotympanica ( GLASER-Spalte).

  • Medial verläuft die Fissura sphenopetrosa, durch die die Chorda tympani die Schädelbasis verlässt.

Gelenkfortsatz, Proc. condylaris, des Unterkiefers, rechts; Ansicht von vorne.

Der Proc. condylaris besteht aus Caput und Collum mandibulae. An der Vorderseite ist er zur Fovea pterygoidea vertieft. Hier setzt der M. pterygoideus lateralis mit seinem Caput inferius an.

Gelenkscheibe, Discus articularis, des Kiefergelenks, Articulatio temporomandibularis.

  • a

    Ansicht von oben

  • b

    Ansicht von lateral

Der Discus articularis besteht von vorne nach hinten aus einem vorderen Band (Bindegewebe), einer Intermediärzone (Faserknorpel), einem hinteren Band (Bindegewebe) und einer bilaminären Zone (Bindegewebe). Die Intermediärzone ist besonders im lateralen Anteil dünn.

Kiefergelenk, Articulatio temporomandibularis; Sagittalschnitt durch die Kiefergelenkgegend mit injizierten Venen; Ansicht von lateral. [1]

Man erkennt die bilaminäre Zone zwischen Tuberculum articulare und Caput mandibulae. Der Knochen zwischen mittlerer Schädelgrube und Fossa mandibularis ist dünn. Zwischen den Bindegewebezügen der bilaminären Zone liegt ein ausgeprägtes retroartikuläres Venenpolster. Zum äußeren Gehörgang (Meatus acusticus externus) besteht eine enge Beziehung.

Klinik

Stärkere Gewalteinwirkungen auf die Mandibula führen nicht selten zu Frakturen des Collum mandibulae (Kollumfraktur). Sie können intra- oder extrakapsulär liegen und mit oder ohne Dislokation auftreten. Daneben können Blutungen aus dem retroartikulären Venenpolster ( Abb. 8.59) auftreten und zu einer Schmerzsymptomatik im äußeren Gehörgang beitragen.

Da das Kiefergelenk eine Diarthrose ist, können alle Erkrankungen vorkommen, die auch in den großen Extremitätengelenken auftreten, wie z. B. Arthrose oder rheumatoide Arthritis. Im Rahmen einer Arthrose des Kiefergelenks kommt es bevorzugt im lateralen Teil des Discus articularis zu Defekten.

Kiefergelenk, Röntgen

Kiefergelenk, Articulatio temporomandibularis; Röntgenschichtbild im lateralen Strahlengang; Mund geschlossen.

Bei geschlossenem Mund und entspannter Kaumuskulatur liegt der Proc. condylaris in der Fossa mandibulae.

Kiefergelenk, Articulatio temporomandibularis; Röntgenschichtbild im lateralen Strahlengang; Mund geöffnet.

Bei geöffnetem Mund verschieben sich der Discus articularis und der Proc. condylaris nach vorne auf das Tuberculum articulare.

Gesichtsmuskeln

Gesichtsmuskeln, Mm. faciei, und Kaumuskeln, Mm. masticatorii; Ansicht von vorne.

Die mimischen Muskeln sind, wie der Name sagt, für die Mimik des Gesichts sowie den individuellen Gesichtsausdruck des Menschen (Physiognomie) verantwortlich. Die Muskeln um das Auge haben wichtige Schutzfunktionen, die Muskeln im Bereich des Mundes stehen im Dienst der Nahrungsaufnahme und der Artikulation.

Man sieht auf jeder Seite den Venter frontalis des M. occipitofrontalis (M. epicranius), die Partes orbitalis und palpebralis des M. orbicularis oculi (Pars lacrimalis Abb. 9.19), den M. corrugator supercilii, den M. procerus, die Mm. nasalis, depressor septi nasi, levator labii superioris alaeque nasi, den M. orbicularis oris mit Pars labialis und Pars marginalis, den M. buccinator, die Mm. zygomatici major und minor, die Mm. risorius, levator labii superioris, levator anguli oris, depressor anguli oris, depressor labii inferioris und mentalis sowie das in den Hals ausstrahlende Platysma.

Von den Kaumuskeln sieht man in der linken Gesichtshälfte nur den M. masseter, über den der Ductus parotideus (STENON-Gang) von der Glandula parotidea nach vorne zieht und an dessen Vorderrand nahezu rechtwinklig umbiegt, um in den M. buccinator einzutreten.

Zwischen M. masseter und M. buccinator liegt der Wangenfettkörper (Corpus adiposum buccae, BICHAT-Fettpfropf), der an der Konturbildung der Wangenregion beteiligt ist. Mit Ausnahme des M. buccinator besitzen die mimischen Muskeln keine Faszie. Die Faszien auf dem M. buccinator, dem M. masseter und der Glandula parotidea sind entfernt.

T 1a, c–f, 4

Gesichtsmuskeln, Mm. faciei, links; Ansicht von lateral.

Der Blick von der Seite zeigt außer den in Abbildung 8.62 erwähnten Muskeln zusätzlich den Venter occipitalis des M. occipitofrontalis (M. epicranius) mit der sich zwischen Venter frontalis und Venter occipitalis ausspannenden Galea aponeurotica. Über dem Ohr sitzt der ebenfalls in die Galea aponeurotica einstrahlende M. temporoparietalis (ebenfalls Teil des M. epicranius), der von der Fascia temporalis entspringt. Außerdem sieht man als weitere mimische Muskeln die Mm. auriculares anterior, superior und posterior. Im Nackenbereich sind Anteile des M. sternocleidomastoideus, des M. trapezius und einige autochthone Muskeln sichtbar.

T 1

Klinik

Lähmungen des M. orbicularis oculi im Rahmen einer Parese des N. facialis [VII] (Fazialisparese) führen dazu, dass das Augenlid nicht mehr aktiv geschlossen werden kann und auch im Schlaf offen steht (paralytischer Lagophthalmus, Abb. 12.151). Das Unterlid besitzt keine Spannung und hängt schlaff herab (Ektropion paralyticum). Die Tränenflüssigkeit kann nicht mehr über den Canaliculus inferior abgeführt werden und fließt über den ektropionierten Lidunterrand ab (Tränenträufeln, Epiphora). Der fehlende Lidschlag führt zur Austrocknung der Hornhaut mit Hornhautentzündung (Keratitis) und Hornhauttrübung.

Eine altersbedingte Erschlaffung des Unterlids wird als Ektropium senile bezeichnet.

Lähmungen des M. orbicularis oris (ebenfalls im Rahmen einer Fazialisparese) gehen mit Artikulationsstörungen beim Sprechen einher. Der Mundwinkel hängt herab, so dass unwillkürlich Speichel aus dem Mund fließt.

Gesichts- und Kaumuskeln

Klinik

Schwellungen der Glandula parotidea (z. B. im Rahmen einer Parotitis epidemica [Mumps, Ziegenpeter], S. 90) sind bei Kaubewegungen aufgrund der engen Nachbarschaft zu den Kaumuskeln und wegen des gemeinsamen Faszienblatts (Fascia parotideomasseterica) mit dem M. masseter oft sehr schmerzhaft. Die Schmerzen werden oft in den äußeren Gehörgang fortgeleitet (Tragusdruckschmerz).

Bei starker Abmagerung, z. B. im Endstadium von bösartigen Tumorerkrankungen (Tumorkachexie) oder in einem fortgeschrittenen Stadium einer HIV-Infektion, wird der der Wange ihre Kontur gebende BICHAT-Wangenfettkörper abgebaut; der Patient hat dann eingefallene Wangen.

Gesichtsmuskeln, Mm. faciei, und Kaumuskeln, Mm. masticatorii; Ansicht von schräg lateral.

Die Faszien auf dem M. buccinator und dem M. masseter sowie die Fascia parotidea und teilweise das oberflächliche Blatt der Halsfaszie sind entfernt. Dadurch sieht man die entsprechenden Muskeln, die Glandula parotidea, die bis zum Hals reicht, sowie die Glandula submandibularis.

Der Hauptausführungsgang der Glandula parotidea, Ductus parotideus (STENON-Gang), tritt am vorderen Pol aus der Drüse aus, verläuft horizontal von hinten über den M. masseter nach vorne und biegt dann nahezu rechtwinkelig am Vorderrand des M. masseter nach innen, um den M. buccinator zu penetrieren. Zwischen M. buccinator und M. masseter liegt das Corpus adiposum buccae (BICHAT-Fettpfropf). Am Ductus parotideus sitzt akzessorisches Drüsengewebe (Glandula parotidea accessoria).

Im Schläfenbereich wurde der M. parietoparietalis des M. epicranius entfernt. Dadurch wird der Blick auf das oberflächliche Blatt (Lamina superficialis) der Fascia temporalis frei.

Oberhalb des Jochbogens (Arcus zygomaticus) ist ein Teil der Lamina superficialis gemeinsam mit dem darunterliegenden Schläfenfettkörper (Corpus adiposum temporalis) entfernt, so dass man das tiefe Blatt (Lamina profunda) der Fascia temporalis mit dem darunter durchschimmernden M. temporalis sehen kann.

T 1, 4

Gesichtsmuskeln, Mm. faciei, und Kaumuskeln, Mm. masticatorii, links; Ansicht von lateral.

Nach Entfernung des oberflächlichen und des tiefen Blatts der Temporalisfaszie sowie nach teilweiser Entfernung des Jochbogens mit Anteilen des M. masseter wird der Blick auf den M. temporalis frei.

Dargestellt ist der Ursprungsbereich des M. temporalis entlang der Linea temporalis inferior der Facies externa des Os parietale und der Linea temporalis des Os frontale. Die konvergierenden Muskelfasern gehen in eine platte Sehne über, die hinter dem Jochbogen in der Fossa infratemporalis verschwindet und bis zum Proc. coronoideus zieht.

Ursprünge des M. temporalis:

  • Linea temporalis inferior der Facies externa des Os parietale

  • Facies temporalis des Os frontale

  • Facies temporalis, Pars squamosa des Os temporale

  • Facies temporalis des Os zygomaticum

  • Facies temporalis des Os sphenoidale bis zur Crista infratemporalis

Die Abbildung zeigt ferner einige suprahyale Muskeln (M. digastricus mit Venter anterior und Venter posterior, M. stylohyoideus).

T 1, 4

Kaumuskeln

M. masseter und M. temporalis, links; Ansicht von lateral.

Der M. masseter besteht aus einer Pars superficialis und einer Pars profunda.

T 4

Kiefergelenk, Articulatio temporomandibularis, M. pterygoideus medialis und M. pterygoideus lateralis, links; Ansicht von lateral.

Der M. pterygoideus medialis besitzt eine Pars medialis und eine Pars lateralis.

T 4

Kiefergelenk, Articulatio temporomandibularis, und Beziehung zum M. pterygoideus lateralis, links; Ansicht von lateral.

Der M. pterygoideus lateralis besitzt ein Caput superius und ein Caput inferius ( Abb. 8.67).

Kaumuskulatur, Mm. masticatorii; Frontalschnitt im Bereich des Kiefergelenks und Horizontalschnitt des Schädeldachs; Ansicht von hinten.

Man sieht die Insertionen der Mm. masseter und pterygoideus medialis jeweils auf beiden Seiten des Angulus mandibulae. Die Mandibula ist zwischen den Muskeln wie eine Schaukel aufgehängt. Auf der rechten Seite erkennt man ferner das Lig. sphenomandibulare zwischen M. pterygoideus lateralis und M. pterygoideus medialis sowie u. a. den N. lingualis.

Klinik

Eine Kieferklemme äußert sich als Unvermögen, den Mund zu öffnen. Sie wird durch Abszesse in den Faszienlogen der Kaumuskeln verursacht. Von der Kieferklemme wird die Kiefersperre abgegrenzt (Unvermögen, den Mund zu schließen), die meist zufällig durch sehr starkes Gähnen oder eine extreme Mundöffnung ausgelöst wird, aber auch Folge eines Unfalls sein kann.

Gefäße und Nerven von Kopf und Hals

Gefäße und Nerven von Kopf und Hals, seitliche oberflächliche Regionen, rechts; Ansicht von lateral.

Im Gesichtsbereich sind oberflächliche Arterien die A. facialis und ihre Äste, in der seitlichen Kopfregion die aus der A. carotis externa hervorgehende A. temporalis superficialis mit einem R. parietalis und einem R. frontalis. Das Blut fließt über gleichnamige Venen ab, die in die V. jugularis externa drainieren.

Oberflächliche Nerven sind die Endäste des N. facialis [VII], die aus dem in der Glandula parotidea liegenden Plexus intraparotideus hervorgehen (Rr. temporales, Rr. zygomatici, Rr. buccales, Rr. marginalis mandibulae, R. colli mandibulae). Vor der Ohrmuschel steigt der aus dem N. trigeminus [V] hervorgehende N. auriculotemporalis auf. Aus der Orbita kommt der den M. orbicularis oculi penetrierende N. supraorbitalis, der ebenfalls ein Ast des N. trigeminus [V] ist.

Der Hals und das Hinterhaupt werden von Ästen des Plexus cervicalis sensorisch innerviert, die größtenteils aus dem Punctum nervosum (ERB-Punkt) auf der Rückseite des M. sternocleidomastoideus hervorgehen: N. transversus colli, N. auricularis magnus, N. occipitalis minor und Nn. supraclaviculares.

Gefäße und Nerven von Kopf und Hals, seitliche tiefe Regionen, rechts; Ansicht von lateral.

Nach teilweiser Entfernung der mimischen Muskeln und des oberflächlichen Anteils der Glandula parotidea werden der Gefäßverlauf der A. facialis sowie der Ursprung der Fazialisendäste, die aus dem Plexus intraparotideus hervorgehen, deutlich. Ferner erkennt man die sensorischen Endäste des N. trigeminus [V], die jeweils aus seinen drei Anteilen hervorgehen:

  • Nn. supraorbitalis und supratrochlearis (aus N. ophthalmicus [V/1])

  • N. infraorbitalis (aus N. maxillaris [V/2])

  • N. mentalis (aus N. mandibularis [V/3])

Im lateralen Halsdreieck sind auf der Rückseite des M. sternocleidomastoideus die vier am ERB-Punkt austretenden Halsäste zu erkennen:

  • N. transversus colli

  • N. auricularis magnus

  • N. occipitalis minor

  • Nn. supraclaviculares

Der N. transversus colli erhält aus dem R. colli des N. facialis [VII] motorische Fasern für entferntere Anteile des Platysmas. Im lateralen Halsdreieck verläuft außerdem der N. accessorius [XI] vom Hinterrand des M. sternocleidomastoideus zum Vorderrand des M. trapezius. Das Hinterhaupt wird sensorisch vom N. occipitalis major (Ast des Plexus cervicalis) innerviert und über A. und V. occipitalis mit Blut gespeist.

Klinik

Lymphknotenexstirpationen im seitlichen Halsdreieck können zu einer Verletzung des N. accessorius [XI] mit Teillähmung des M. trapezius (der M. trapezius wird fast immer zusätzlich aus dem Plexus cervicalis innerviert – in 6,4 der Fälle sogar ausschließlich) und daraus resultierenden Schulterfunktionsstörungen führen.

Gefäße und Nerven der seitlichen Gesichtsregion

Gefäße und Nerven des Kopfs, seitliche tiefe Regio- nen, rechts; Ansicht von lateral.

Nach Entfernung des größten Teils der Glandula parotidea zeigt der Blick in die tiefe seitliche Kopfregion die Strukturen in der Fossa retromandibularis.

Der N. facialis [VII] ist unterhalb der Ohrmuschel noch als Nervenstamm erkennbar. Er gibt kurz nach seinem Austritt aus dem Foramen stylomastoideum Äste zum M. digastricus, Venter posterior (R. digastricus) und zum M. stylohyoideus (R. stylohyoideus) sowie zu den mimischen Ohrmuskeln (N. auricularis posterior) ab.

Unter den Mm. digastricus und stylohyoideus steigen Aa. carotis interna und externa auf. Die A. carotis externa verläuft gemeinsam mit der V. retromandibularis und dem N. auriculotemporalis in der Fossa retromandibularis und verzweigt sich in Aa. occipitalis, auricularis posterior, maxillaris und temporalis superficialis sowie zahlreiche kleine Äste. Der durchtrennte und hochgeklappte M. masseter gibt auf seiner Rückseite den Blick auf die ihn versorgenden Strukturen (N. massetericus – Ast des N. mandibularis [V/3]; A. masseterica – Ast aus der A. maxillaris) frei. Die Strukturen erreichen den Muskel durch die Incisura mandibulae.

Im unteren Gesichtsbereich sind alle mimischen Muskeln auf der Mandibula entfernt, der Canalis mandibularis, der intraossär vom Foramen mandibulae zum Foramen mentale verläuft, ist eröffnet und zeigt den darin verlaufenden N. alveolaris inferior und die gleichnamige Arterie. Am Foramen mentale wird der Nerv zum N. mentalis.

Unterhalb der Orbita ist ein Teil der A. facialis entfernt. Sie setzt sich knapp unterhalb des Auges in die A. angularis fort, die mit den Ästen der A. ophthalmica in der Orbita anastomosiert. Auf dem M. buccinator ist der sensorische N. buccalis sichtbar, ein Ast des N. mandibularis [V/3].

A. maxillaris

Arterien und Nerven des Kopfs, seitliche tiefere Regionen, rechts; Ansicht von lateral.

Die A. maxillaris verläuft in den meisten Fällen hinter dem Ramus mandibulae und nur selten lateral davon. Sie zieht weiter zwischen den Kaumuskeln, versorgt sie mit Blut, gibt Äste zum M. buccinator und zur Mandibula ab und erreicht mit ihren Endästen Orbita, Nase, Maxilla und Gaumen. Die A. carotis externa verläuft mit den aus ihr hervorgehenden Ästen durch die Fossa retromandibularis. Die A. facialis ist über dem eröffneten Corpus mandibulae entfernt. An der Stelle, wo sie um die Kante der Mandibula biegt, kann normalerweise ihr Puls getastet werden.

Äste der A. maxillaris

Pars retromandibularis
  • A. auricularis profunda

  • A. tympanica anterior

  • A. alveoloaris inferior

    • Rr. dentales

    • Rr. peridentales

    • R. mentalis

    • R. mylohyoideus

  • A. meningea media

  • A. pterygomeningea

Pars intermuscularis
  • A. masseterica

  • A. temporalis profunda anterior

  • A. temporalis profunda posterior

  • Rr. pterygoidei

  • A. buccalis

Pars sphenopalatina
  • A. alveolaris superior posterior

    • Rr. dentales

    • Rr. peridentales

  • A. infraorbitalis

    • Aa. alveolares superiores anteriores

      • Rr. dentales

      • Rr. peridentales

  • A. canalis pterygoidei

  • A. palatina descendens

  • A. sphenopalatina

Varianten des Verlaufs der A. maxillaris.

  • a

    Verlauf der A. maxillaris medial des M. pterygoideus lateralis und medial von N. lingualis und N. alveolaris inferior

  • b

    Verlauf der A. maxillaris zwischen N. lingualis und N. alveolaris inferior

  • c

    Verlauf der A. maxillaris durch eine Schlinge des N. alveolaris inferior

  • d

    Abzweigung der A. meningea media distal des Abgangs der A. alveo- laris inferior

Plexus pterygoideus

Gefäße und Nerven des Kopfs, seitliche tiefere Regionen, rechts; Ansicht von lateral.

Venöses Blut im Bereich der Kaumuskeln wird über den Plexus pterygoideus drainiert und größtenteils in die V. maxillaris geleitet. Der Plexus pterygoideus steht ferner über die V. profunda faciei mit der V. facialis in Verbindung sowie über die V. ophthalmica inferior mit dem Sinus cavernosus.

Aufzweigung des N. mandibularis [V/3], rechts; Ansicht von vorne. [9]

Die Aufzweigung des N. mandibularis [V/3] ( Abb. 12.144) in N. lingualis und N. alveolaris inferior erfolgt normalerweise zwischen dem Lig. sphenomandibulare und dem M. pterygoideus medialis, Pars medialis. Der N. alveolaris inferior verläuft dann nach lateral und tritt lateral vom Lig. sphenomandibulare in den Canalis mandibulae ein.

N. mandibularis [V/3]

Arterien und Nerven des Kopfs, seitliche tiefste Regionen, rechts; Ansicht von lateral.

Der N. mandibularis [V/3] teilt sich nach Durchtritt durch das Foramen ovale in N. lingualis, N. alveolaris inferior, N. buccalis und N. auriculo-temporalis auf und sendet Äste zu den Kaumuskeln.

Aufzweigung des N. mandibularis [V/3], rechts; Ansicht von vorne links. [9]

Der aus dem N. mandibularis [V/3] abzweigende N. lingualis gelangt von lateral zur Zunge. Kurz nach seinem Abgang aus dem N. mandibularis [V/3] legt sich ihm die Chorda tympani an, die im Canalis facialis aus dem N. facialis [VII] abzweigt und parasympathische Fasern zum Ganglion submandibulare sowie gustatorische Fasern von den vorderen zwei Dritteln der Zunge führt.

Arterien des Kopfs

A. carotis externa ( S. 53).

Äußere Halsschlagader, A. carotis externa, links; Ansicht von lateral ( S. 52).

Die A. carotis externa gibt nach ihrem Abgang aus der A. carotis communis Äste entsprechend der in der Tabelle ( S. 52) erwähnten Reihenfolge ab.

Venen des Kopfs

Innere Drosselvene, V. jugularis interna, links; Ansicht von lateral.

Die V. jugularis interna beginnt als erweiterte Fortsetzung des Sinus sigmoideus an der Schädelbasis. Sie drainiert das Blut aus Schädel, Gehirn, Gesichtsregion und Bereichen des Halses. Zuflüsse erhält sie aus der äußeren Kopfregion über Vv. facialis, lingualis, pharyngea, occipitalis, thyroidea superior, thyroidea media und über Vv. emissariae.

Klinik

Der Puls der V. jugularis (Jugularis-Puls) gibt Hinweise auf den venösen Blutdruck und lässt auf die Funktion des rechten Herzens schließen. Die Wellenform des Jugularis-Pulses gibt ferner Anhaltspunkte auf die Funktion des rechten Herzens.

Entzündungen im Gesichtsbereich können in seltenen Fällen über die klappenlose V. angularis zu intraorbitalen Venen (V. ophthalmica superior) und weiter bis zum Sinus cavernosus fortgeleitet werden. Hier können sie eine lebensbedrohliche Sinusphlebitis bis hin zur Sinusthrombose auslösen.

N. facialis [VII]

Endäste des N. facialis [VII] im Gesicht, links; Ansicht von lateral. [8]

Innerhalb der Glandula parotidea bildet der N. facialis [VII] ( Abb. 12.149)

den Plexus intraparotideus, der aus praktisch klinischen Gründen in einen R. temporofacialis (Pars temporofacialis) und einen R. cervicofacialis (Pars cervicofacialis) aufgegliedert wird. Aus den beiden Anteilen gehen die Endäste des N. facialis [VII] hervor: Rr. temporales, zygomatici, buccales, marginales mandibulae und colli. Dorsalwärts hinter die Ohrmuschel zieht der ebenfalls als Endast aus dem N. facialis [VII] abgehende N. auricularis posterior.

P eriphere Parese des N. facialis [VII], links.

  • a

    Nach Aufforderung, die Augenbrauen hochzuziehen, legt sich nur die linke Stirnseite in Falten (Ausfall des M. occipitofrontalis, Hinweis auf eine periphere Fazialisparese).

  • b

    Nach Aufforderung, beide Augen fest zu verschließen, gelingt dies auf der geschädigten Seite nicht (Lagophthalmus). Der Augenbulbus dreht sich beim Schluss der Augen automatisch nach oben. Da das Augenlid nicht mehr schließt, sieht man die weiße Sclera auf der betroffenen Seite (BELL-Phänomen).

Klinik

Bei einer peripheren Fazialisparese ( Abb. 12.151) ist das motorische 2. Neuron dieser Nervenbahn betroffen; der Ort der Schädigung kann überall zwischen Nucleus nervi facialis und seinen peripheren Ästen liegen. Ursachen können insbesondere virale Entzündungen sein oder Verletzungen der Nerven bei Parotisoperationen. Die sog. zentrale (supranukleäre) Schädigung des N. facialis [VII] (zentrale Fazialisparese) beruht auf einer Schädigung des motorischen 1. Neurons. Ursächlich sind meist Blutungen oder Infarkte im Bereich des Tractus corticonuclearis der inneren Kapsel der kontralateralen Seite. Da das Kerngebiet für die Rr. temporales des N. facialis [VII] sowohl kontra- als auch ipsilaterale Zuflüsse erhält, können die Stirnmuskeln und der M. orbicularis oculi im Oberlidbereich weiterhin beidseits kontrahiert werden. Auf der kontralateralen Seite fallen jedoch die von den Rr. zygomatici, buccales, marginales mandibulae und colli innervierten Muskeln aus (sog. untere Fazialisparese).

Hautinnervation

Äste des N. trigeminus [V], links; Ansicht von lateral. [8]

Die drei großen, aus dem N. trigeminus [V] hervorgehenden Äste, N. ophthalmicus [V/1], N. maxillaris [V/2] und N. mandibularis [V/3], zweigen sich nach Austritt aus dem Schädel topographisch gegliedert in weitere Äste auf. Sichtbare Äste des N. ophthalmicus [V/1] sind die Nn. supraorbitalis, supratrochlearis, lacrimalis, infratrochlearis und R. nasalis externus. Vom N. maxillaris [V/2] gehen als sichtbare Äste in der Abbildung die Nn. infraorbitalis und zygomaticus mit seinen Rr. zygomaticotemporalis und zygomaticofacialis hervor und vom N. mandibularis [V/3] spalten sich die Nn. buccalis, lingualis, alveolaris inferior und auriculotemporalis ab. Endast des N. alveolaris inferior ist nach Verlassen des Canalis mandibulae der N. mentalis.

Hautinnervation von Kopf und Hals, rechts; Ansicht von lateral.

Die Ansicht von ventral ist in Abbildung 12.146 dargestellt.

Klinik

Im Rahmen einer klinischen Untersuchung der Hirnnerven wird der N. trigeminus [V] durch manuellen Druck auf seine drei Austrittsstellen (Trigeminusdruckpunkte) überprüft, die normalerweise nicht druckschmerzhaft sein sollen: an Foramen supraorbitale/Incisura supraorbitalis, Foramen infraorbitale und Foramen mentale.

Eine Trigeminusneuralgie (Tic douloureux) ist eine komplexe sensorische Störung der sensorischen Trigeminuswurzel mit ausgeprägter Schmerzsymptomatik. Typischerweise tritt der Schmerz im Innervationsgebiet von N. mandibularis [V/3] und N. maxillaris [V/2] plötzlich auf und kann extrem stark ausgeprägt sein. Oft wird er bereits durch Berührung der entsprechenden Hautareale im Gesicht ausgelöst.

Lymphgefäße und Lymphknoten des Kopfs

Oberflächliche Lymphgefäße, Vasa lymphatica superficialia, und Lymphknoten, Nodi lymphoidei, von Kopf und Hals eines Kindes, links; Ansicht von lateral.

Die Lymphe von Gesicht, Kopfschwarte und Hinterhaupt wird regional zu den Nodi lymphoidei submentales, submandibulares, parotidei, mastoidei und occipitales drainiert. Von hier erfolgt der weitere Lymphabstrom in die oberflächlichen (Nodi lymphoidei cervicales laterales superficiales) und in die tiefen Halslymphknoten (Nodi lymphoidei cervicales laterales profundi superiores und inferiores, Abb. 11.75).

Ein wichtiger tiefer Halslymphknoten ist der Nodus lymphoideus jugulodigastricus zwischen Vorderrand des M. sternocleidomastoideus und Kieferwinkel am Unterrand der Glandula parotidea.

Die Nodi lymphoidei parotidei werden in oberflächliche (Nodi lymphoidei parotidei superficiales) und tiefe Lymphknoten (Nodi lymphoidei parotidei profundi) gegliedert. Letztere umfassen die Nodi lymphoidei preauriculares, infraauriculares und intraglandulares. Ferner kommen einzelne Gesichtslymphknoten (Nodi lymphoidei faciales) vor (Nodi lymphoidei buccinatorius, nasolabialis, mandibularis, malaris) sowie Lymphknoten an der Zunge (Nodi lymphoidei linguales).

Lymphknoten des Kopfs (Nodi lymphoidei capitis)

  • Nodi lymphoidei occipitales

  • Nodi lymphoidei mastoidei

  • Nodi lymphoidei parotidei superficiales

  • Nodi lymphoidei parotidei profundi

    • Nodi lymphoidei preauriculares

    • Nodi lymphoidei infraauriculares

    • Nodi lymphoidei intraglandulares

  • Nodi lymphoidei faciales

    • Nodus lymphoideus buccinatorius

    • Nodus lymphoideus nasolabialis

    • Nodus lymphoideus malaris

    • Nodus lymphoideus mandibularis

  • Nodi lymphoidei submentales

  • Nodi lymphoidei submandibulares

  • Nodi lymphoidei linguales

Tiefe Lymphgefäße des Halses

Tiefe Lymphknoten des Halses, Nodi lymphoidei cervi- cales profundi, rechts; Ansicht von lateral.

Sowohl die vorne liegenden Halslymphknoten (Nodi lymphoidei cervicales anteriores) als auch die seitlich liegenden Halslymphknoten (Nodi lymphoidei cervicales laterales) gliedern sich in oberflächliche und tiefe Lymphknoten.

Zu den vorderen tiefen Halslymphknoten (Nodi lymphoidei cervicales anteriores profundi) gehören die Nodi lymphoidei infrahyoidei mit Nodi lymphoidei prelaryngei, die Nodi lymphoidei thyreoidei, Nodi lymphoidei pretracheales, Nodi lymphoidei paratracheales und Nodi lymphoidei retropharyngeales.

Zu den seitlichen tiefen Halslymphknoten (Nodi lymphoidei cervicales laterales profundi) zählen eine obere Gruppe (Nodi lymphoidei profundi superiores), bestehend aus Nodus lymphoideus jugulodigastricus, Nodus lymphoideus lateralis und Nodus lymphoideus anterior, sowie eine untere Gruppe (Nodi lymphoidei profundi inferiores), bestehend aus Nodus lymphoideus juguloomohyoideus, Nodus lymphoideus lateralis und Nodi lymphoidei anteriores. Ferner gibt es Nodi lymphoidei supraclaviculares und Nodi lymphoidei accessorii (am N. accessorius [XI]) mit Nodi lymphoidei retropharyngeales.

Nasenskelett

Nasenskelett; Ansicht von vorne.

Das Nasenskelett setzt sich aus einem knöchernen und einem knorpeligen Anteil zusammen. Der knorpelige Anteil ist an der Apertura piriformis, bestehend aus Os nasale und Maxilla, befestigt und über Bindegewebe mit ihr verbunden. Die einzelnen Elemente bestehen aus hyalinem Knorpelgewebe und sind auch untereinander durch Bindegewebe verbunden. Das Dach bildet der Seiten- oder Dreiecksknorpel (Cartilago nasi lateralis, Cartilago triangularis); der Nasenflügel wird vom Nasenspitzen- oder großen Flügelknorpel (Cartilago alaris major) mit einem Crus laterale und einem Crus mediale gebildet. Daneben gibt es auf jeder Seite meist zwei kleinere Flügelknorpel (Cartilagines alares minores). Unten und zentral wird das Nasenskelett vom knorpeligen Anteil des Nasenseptums (Cartilago septi nasi) gestützt.

Knorpel der Nase, Cartilagines nasi; Ansicht von unten.

Der Blick von unten zeigt die Nasenlöcher (Nares), die von den beiden Schenkeln des großen Flügelknorpels (Crus mediale und Crus laterale der Cartilago alaris major) begrenzt werden. Zentral unten sieht man das knorpelige Nasenseptum (Cartilago septi nasi).

Nasenskelett; Ansicht von vorne rechts.

Das knorpelige Nasenskelett ist über Bindegewebe an der Apertura piriformis fixiert. Man sieht die Cartilagines nasi laterales, alares majores, alares minores und die Cartilago septi nasi. In knorpelfreien Bereichen befindet sich Bindegewebe.

Klinik

Im klinischen Sprachgebrauch sind gängige Ausdrücke: die Kolumella (vorderer Abschnitt des Septums zwischen Nasenspitze und Philtrum), die keystone area (Überlappung der Seitenknorpel durch das Os nasale), das weiche Dreieck (ein Hautareal am Oberrand des Nasenlochs, in dessen Nähe das Crus mediale in das Crus laterale umbiegt; knorpelfreies Feld, besteht nur aus einer Hauptduplikatur), die supratip area (Nasenrücken knapp oberhalb der Nasenspitze), schwaches Dreieck (entspricht der supratip area, da hier der Nasenrücken knapp oberhalb der Nasenspitze nur durch das Septum gebildet wird). Diese Bereiche gelten in der plastischen Chirurgie als Gefahrenpunkte.

Bei einem Septumhämatom (z. B. nach Nasenfraktur) ist eine sofortige Entlastung durch Punktion sowie ggf. Inzision und Nasentamponade erforderlich, da sonst der Septumknorpel unterzugehen droht.

Nasenscheidewand

Nasenscheidewand, Septum nasi; Ansicht von rechts.

Das Nasenseptum wird vorne von der Cartilago septi nasi gebildet, die sich mit einem langen Proc. posterior zwischen dem knöchernen Nasenseptum (oben), bestehend aus der Lamina perpendicularis des Os ethmoidale, und Vomer (unten) erstreckt.

Untere Nasenmuschel, Concha nasalis inferior, links; Frontalschnitt auf Höhe des Anfangsteils des Proc. posterior der Cartilago septi nasi; Ansicht von vorne.

Der Schnitt zeigt das dünne knöcherne Skelett der unteren Nasenmuschel (Concha nasalis inferior), das von Schwellkörpergewebe (Plexus cavernosus), einem Geflecht aus spezialisierten Arterien und Venen, überzogen ist. An der Oberfläche der Nasenmuschel befindet sich Flimmerepithel mit darunter eingelagerten serösen Drüsen (Glandulae nasales).

Klinik

Charakteristikum der Nasenschleimhaut ist der ausgeprägte Plexus venöser Kapazitätsgefäße. Abhängig vom Schwellungszustand bestehen ca. 35 des nasalen Schleimhautvolumens aus vaskulä- ren Plexus. Das Schwellkörpergewebe ist an der unteren und der mittleren Nasenmuschel sowie auf dem Nasenseptum am Locus KIESSELBACHI am stärksten ausgeprägt.

Bei ca. 80 aller Menschen ist ein sog. Nasenzyklus nachweisbar: Es kommt zu einem wechselseitigen An- und Abschwellen der Nasenschleimhaut beider Nasenseiten für 2–7 Stunden mit alternierendem Verhältnis des Nasenwiderstandes bei der Atmung im Verhältnis 1 : 3 bei jedoch gleichbleibendem Gesamtwiderstand.

Nasenhöhle

Laterale Wand der Nasenhöhle, Cavitas nasi, links; Ansicht von rechts.

Die laterale Nasenwand wird größtenteils von der unteren (Concha nasalis inferior) und der mittleren (Concha nasalis media) Nasenmuschel eingenommen. Die obere Nasenmuschel (Concha nasalis superior) ist klein. Sie hat Beziehung zum Riechfeld am Nasendach. Hier treten die Fila olfactoria vom Bulbus olfactorius durch die Lamina cribrosa und ziehen bis in die benachbarte Schleimhaut, auch die der oberen Nasenmuschel.

Das Vestibulum nasi ist von verhorntem Plattenepithel ausgekleidet, das am Limen nasi über unverhorntes Plattenepithel in Flimmerepithel übergeht. Die Verlängerung der unteren Nasenmuschel führt auf das Ostium pharyngeum der Tuba auditiva zu. Oberhalb davon sitzt am Rachendach die Tonsilla pharyngea.

Nasenhöhle, Cavitas nasi, und Zugänge zu den Nasennebenhöhlen, Sinus paranasales, links; Ansicht von rechts.

Unter dem vorderen Drittel der unteren Nasenmuschel mündet der Ductus nasolacrimalis in den unteren Nasengang (violette Sonde). Unter der mittleren Nasenmuschel befinden sich die Einmündungen des Sinus frontalis (grüne Sonde), des Sinus maxillaris (rote Sonde) und der Cellulae ethmoidales anteriores (blaue Sonde). Unter und hinter der oberen Nasenmuschel münden die Cellulae ethmoidales posteriores (gelbe Sonde) und der Sinus sphenoidalis (dunkelblaue Sonde) in die Nasenhöhle ein.

Nasennebenhöhlen

Projektion der Nasennebenhöhlen auf den Schädel; Ansicht von vorne. [8]

Man sieht die Projektion der Sinus frontales und maxillares sowie der Cellulae ethmoidales.

Lage von Sinus frontalis und Sinus sphenoidalis im Schädel, rechts; Ansicht von links. [8]

Der Sinus sphenoidalis hat eine enge topographische Beziehung zur Hypophyse (Glandula pituitaria).

Klinik

Der Sinus sphenoidalis kann sich in große Teile des Keilbeins ausbreiten. Bei operativen Eingriffen im Sinus sphenodalis sind bei ausgedehnter Pneumatisation die A. carotis interna (Tuberculum arteriae carotidis internae) und der N. opticus [II] (Tuberculum nervi optici) aufgrund der engen Beziehung zur seitlichen Sinuswand gefährdet.

Nasennebenhöhlen, Röntgen

Nasennebenhöhlen, Sinus paranasales; Röntgenbild des Schädels im postero-anterioren (pa) Strahlengang bei geöffnetem Mund.

Klinik

Konventionelle Röntgenaufnahmen sind zur raschen Orientierung über das Nasennebenhöhlensystem sinnvoll, werden aber zunehmend seltener durchgeführt. Zur Stellung einer Operationsindikation sind sie von der Computer- und Magnetresonanztomographie abgelöst worden.

Sinusitiden sind eine häufige Erkrankung. Beim Kind kommt es besonders oft zur Entzündung der Siebbeinzellen, beim Erwachsenen ist die Kieferhöhle am häufigsten betroffen. Entzündungen der Siebbeinzellen können durch die dünne Lamina orbitalis (papyracea) des Os ethmoidale in die Orbita durchbrechen oder im hinteren Bereich der Siebbeinzellen oder der Keilbeinhöhle auf den Canalis opticus übergreifen und zur Schädigung des Sehnervs führen.

Frontalschnitt durch den Kopf auf Höhe des zweiten oberen Mahlzahns; Ansicht von vorne.

Der Schnitt zeigt die individuellen seitendifferenten Ausprägungen der angeschnittenen Nasennebenhöhlen. Die Sinus maxillares beider Seiten sind unterschiedlich ausgeprägt und variabel gekammert. Das Nasenseptum ist nach links verlagert (Septumdeviation). Dadurch sind untere und mittlere Nasenmuschel rechts kräftiger ausgebildet als links. Die Siebbeinzellen zeigen rechts und links eine unterschiedliche Ausbildung. Auf der linken Seite erkennt man supraorbital noch einen Anschnitt des Sinus frontalis.

Klinik

Bei Septumdeviation kann die Nasenatmung so stark behindert sein, dass es zu Kopfschmerzen, Hyposmie oder sogar Anosmie kommt. Die Ausbildung der Nasennebenhöhlen ist äußerst variabel. Dies betrifft interindividuelle und Seitenunterschiede bis hin zu einer Nichtanlage einzelner Höhlen (Aplasie).

Allerdings können einzelne Höhlen auch sehr stark ausgebildet sein. Ist der Sinus frontalis nach okzipital über das Orbitadach weit ausgebildet (Recessus supraorbitalis), spricht der Kliniker von einer gefährlichen Stirnhöhle. Im Rahmen einer Stirnhöhlenentzündung kann es über die dünne knöcherne Wand in der vorderen Schädelgrube zu Meningitiden, Epiduralabzessen oder sogar zu Hirnabszessen kommen.

Entwicklung und Klinik der Nasennebenhöhlen

Entwicklung der Kiefer- und der Stirnhöhle. LJ: Lebensjahr.

Die Ausbildung der Stirnhöhle erreicht etwa um das 5. Lebensjahr den Orbitaoberrand.

Chronische Sinusitis; koronale Computertomographie (CT) der Nasennebenhöhlen; entzündliche Schleimhautschwellung der rechten Kieferhöhle und des Ostiums durch weiße Pfeile, die Schwellung der Siebbeinzellen durch weiße Pfeilspitzen gekennzeichnet. [17]

Klinik

In der endonasalen Nasennebenhöhlenchirurgie ist der mittlere Nasengang der Zugangsweg für die Behandlung chronischer Sinusitiden von Stirnhöhle, Kieferhöhle und vorderen Siebbeinzellen. Einseitige Kieferhöhlenentzündungen sind häufig odontogen bedingt (odontogene Sinusitis maxillaris). Meist geht die Entzündung vom zweiten Prämolaren oder vom ersten Molaren aus ( Abb. 8.35).

Laterale Nasenwand, rechts; Ansicht von links; Nasenmuscheln am Ansatz der Wand abgetrennt. [8]

Der Ductus nasolacrimalis öffnet sich über die Plica lacrimalis (HASNER-Klappe) in den unteren Nasengang. Unterhalb der mittleren Nasenmuschel sieht man den Hiatus semilunaris. Darüber liegt die Bulla ethmoidalis, darunter der Proc. uncinatus. Hinter der oberen Nasenmuschel liegt der Recessus sphenoethmoidalis mit der Mündung des Sinus sphenoidalis (Apertura sinus sphenoidalis, blauer Pfeil).

HASNER-Klappe

Nasennebenhöhlen – in der Klinik gebräuchliche Begriffe

Agger nasi eine vordere Siebbeinzelle vor und oberhalb des Ansatzes der mittleren Nasenmuschel
Hiatus semilunaris ein sichelförmiger, bis zu 3 mm breiter Spalt zwischen Bulla ethmoidalis und dem oberen, freien Rand des Proc. uncinatus; über den Hiatus semilunaris gelangt man in das Infundibulum ethmoidale
Ifundibulum ethmoidale Raum, der vom Proc. uncinatus, von der Lamina papyracea und der Bulla ethmoidalis begrenzt wird
Bulla ethmoidalis vordere Siebbeinzelle oberhalb des Hiatus semilunaris, die sehr regelmäßig ausgebildet ist, aber auch fehlen kann
Proc. uncinatus eine dünne Knochenlamelle des Os ethmoidale, die einen Teil der medialen Wand des Sinus maxillaris bildet und den Hiatus semilunaris von vorne unten begrenzt
Grundlamellen
  • Lamellen, die als embryologische Residuen das Siebbein durchziehen.

  • Es werden vier Grundlamellen (GL) unterschieden:

  • 1. GL: Proc. uncinatus

  • 2. GL: Bulla ethmoidalis

  • 3. GL: Concha nasalis media

  • 4. GL: Concha nasalis superior

Fontanelle akzessorische Öffnung in der medialen Kieferhöhlenwan d
osteomeataler Komplex ein Oberbegriff für die komplizierte Anatomie am Hiatus semilunaris und seine Umgebung
Recessus frontalis ein Spaltraum, der die Verbindung zwischen Stirnhöhle und Nase nhaupthöhle herstellt (Ductus nasofrontalis, Canalis nasofrontalis)
HALLER-Zelle eine Siebbeinzelle, die die untere Orbitawand pneumatisiert (Infraorbitalzelle)
NODI-GRÜNWALD-Zell e eine hintere Siebbeinzelle, die sich über den Sinus sphenoidalis nach hinten vorwölbt

Arterien der Nasenhöhle

Nasenhöhle, Cavitas nasi, links; transnasale Lupenendoskopie mit einer 30-Optik.

Der Untersucher blickt direkt auf den Kopf der mittleren Nasenmuschel (Concha nasalis media).

Antriumlöffel

Arterien der Nasenhöhle. [8]

  • a

    laterale Wand der rechten Nasenhöhle

  • b

    Nasenseptum der rechten Nasenhöhle

Die arterielle Versorgung der Nase erfolgt über Äste der A. carotis externa. Aus der A. ophthalmica verlaufen die Aa. ethmoidales anterior und posterior durch vorderes und hinteres Siebbein und erreichen die laterale Nasenwand und das Nasenseptum. Als Endast der A. maxillaris erreicht die A. sphenopalatina die Nasenhöhle über das Foramen sphenopalatinum. Anastomosen bestehen über die Blutgefäße der Lippe zur A. facialis. Am Nasenseptum geht aus der A. sphenopalatina die A. nasopalatina hervor, die durch den Canalis incisivus die Mundhöhle erreicht und hier mit der A. palatina major anastomosiert. Die A. nasopalatina speist gemeinsam mit den Aa. ethmoidales anterior und posterior den Locus KIESSELBACHI, ein arteriovenöses Gefäßgeflecht.

Klinik

Häufigster Ort von Nasenbluten (Epistaxis) ist der Locus KIESSELBACHI am Nasenseptum.

Schädelbasisfrakturen im Bereich der Lamina cribrosa können zu Zerreißungen der Aa. ethmoidales anterior und/oder posterior mit konsekutivem Nasenbluten führen.

Wenn bei lebensbedrohlichen Blutungen eine Nasentamponade nicht zum Erfolg führt, muss die A. sphenopalatina unterbunden werden.

Venen und Nerven der Nasenhöhle

Venen der Nasenhöhle, rechts; Aufsicht auf die laterale Nasenwand. [8]

Das Blut wird über die Vv. ethmoidales anterior und posterior zum Sinus cavernosus in der Schädelhöhle, über die V. sphenopalatina zum Plexus pterygoideus in der Fossa infratemporalis und über die Verbindung zu den Vv. labiales zur V. facialis drainiert.

Verbindungsvene zum Sinus sagittalis superior über das Foramen caecum (nur im Kindesalter ausgeprägt)

Innervation der Nasenhöhle. [8]

  • a

    laterale Wand der rechten Nasenhöhle

  • b

    Nasenseptum der rechten Nasenhöhle

Die sensorische Innervation der Nasenschleimhaut erfolgt über Äste des N. trigeminus [V]: N. ophthalmicus [V/1] N. ethmoidalis anterior und N. maxillaris [V/2] Rr. nasales, N. nasopalatinus. Das Riechfeld wird vom N. olfactorius [I] innerviert. Am Nasenseptum verläuft der N. nasopalatinus, der durch den Canalis incisivus zieht und die Schleimhaut des harten Gaumens im Bereich der Rückseite der Schneidezähne bis zum Eckzahn innerviert.

Klinik

Die Nasenschleimhaut ist außerordentlich gut sensorisch innerviert. Jede Manipulation in der Nase kann daher äußerst schmerzhaft sein.

Kommt es im Rahmen eines Schädel-Hirn-Traumas zum Abriss der Fila olfactoria, kann eine Anosmie (der Patient kann nicht mehr riechen) resultieren.

Zerreißt die Dura mater, kann es zur Rhinoliquorrhö kommen. Dem Patienten tropft eine klare, durchsichtige Flüssigkeit (Liquor) aus der Nase. Die Diagnose erfolgt durch Nachweis von Glukose mittels Glukose-Teststreifen. Aufgrund der Infektionsgefahr ist eine operative Versorgung zwingend erforderlich.

Mundhöhle

Mundhöhle, Cavitas oris, rechts; Ansicht von links.

Vorne wird die Mundhöhle von den Lippen, seitlich von den Wangen, unten durch den muskulären Mundboden und oben durch den Gaumen begrenzt.

Mundhöhle, Cavitas oris; Ansicht von vorne; Mund geöffnet.

Die Mundöffnung (Rima oris) bildet den Eingang in den Verdauungstrakt und in die Mundhöhle. Diese gliedert sich in den Mundvorhof (Vestibulum oris) und in die eigentliche Mundhöhle (Cavitas oris propria). Das Vestibulum oris wird außen von Lippen und Wangen und innen von Alveolarfortsätzen und Zähnen begrenzt. Bei geschlossener Zahnreihe besteht jeweils hinter dem letzten Zahn eine Verbindung zur Mundhöhle (Spatium retromolare). Im Bereich der Schlundenge (Isthmus faucium) geht die Mundhöhle in die Pars oralis des Pharynx (Oropharynx) über. In das Vestibulum oris und in die Cavitas oris propria münden die Ausführungsgänge zahlreicher kleiner und der drei paarigen großen Speicheldrüsen. Das Innere der Mundhöhle wird zum größten Teil vom Zungenkörper (Corpus linguae) ausgefüllt.

Zahnbögen

Zahnbogen des Oberkiefers, Arcus dentalis maxillaris [superior].

Die Zähne (Dentes) sind in zwei Zahnreihen, dem oberen (Arcus dentalis maxillaris oder superior) und dem unteren Zahnbogen (Arcus dentalis mandibularis oder inferior), im Ober- und Unterkiefer verankert und bilden das Gebiss. Es ist beim Menschen heterodont; die Zähne sind als Schneide- (Incisivi), Eck- (Canini), Backen- (Premolares) und Mahlzähne (Molares) unverwechselbar unterschiedlich geformt.

Schneide- und Eckzähne werden auch als Frontzähne, Backen- und Mahlzähne als Seitenzähne bezeichnet.

Zahnbogen des Unterkiefers, Arcus dentalis mandibularis [inferior].

Die Lagebezeichnungen der Zähne am unteren Zahnbogen unterscheiden sich nur mit einer Ausnahme von denen des oberen Zahnbogens. Für die Lagebezeichnung oral wird im Oberkiefer palatinal, im Unterkiefer lingual verwendet. Die Gingiva ist Teil der Mundschleimhaut, bedeckt die Alveolarfortsätze und überzieht den Alveolarknochen sowie die interdentalen Knochensepten. Ferner umschließt sie den Zahnhals und geht am Margo gingivalis in die Mundschleimhaut über. Sie trägt zur Verankerung der Zähne und zur Stabilisierung ihrer Position im Alveolarknochen bei (Pars fixa gingivae), als Bestandteil der Mundschleimhaut bildet sie das Saumepithel, das sich der Zahnoberfläche anheftet.

Zähne, Aufbau

Schneidezahn, Dens incisivus.

An jedem Zahn unterscheidet man Zahnkrone (Corona dentis), Zahnhals (Cervix dentis) und Zahnwurzel (Radix dentis). Die Zahnkrone ist der sichtbare Teil des Zahns. Sie überragt das Zahnfleisch (Gingiva) und wird von Schmelz (Enamelum) überzogen.

Die Zahnwurzel steckt in der Alveole (Alveolus dentalis), dem Wurzelfach, einer Vertiefung im Proc. alveolaris der Maxilla oder der Mandibula und ist von Zement (Cementum) überzogen. Über das Periodontium (Wurzelhaut, Desmodontium) ist sie im Alveolarknochen verankert. Der Zahnhals ist der Bereich, an dem Schmelz und Zement aneinandergrenzen. Hier ist die Gingiva am Zahn befestigt.

Der tiefste Punkt der Zahnwurzel ist die Wurzelspitze (Apex radicis dentis). Die Wurzelpapille (Papilla dentis) wird am Foramen apicis dentis vom Wurzelkanal (Canalis radicis dentis) durchbohrt, durch den Gefäße und Nerven in die Pulpahöhle (Cavitas dentis), bestehend aus Cavitas pulparis (Wurzelbereich) und Cavitas coronae (Kronenbereich), ein- und austreten.

Innerhalb der Pulpahöhle liegen die Zahnpulpa (Pulpa dentis), ein Blutgefäß, Lymphgefäße und Nerven enthaltendes Bindegewebe, das den Zahn ernährt. Auch hier unterscheidet man zwischen Wurzelbereich (Pulpa radicularis) und Kronenbereich (Pulpa coronalis). Zement, Wurzelhaut, Alveolarknochen und Teile der Gingiva werden gemeinsam als Parodontium bezeichnet.

Bleibender unterer Eckzahn, Dens caninus permanens; Beispiel für einen einwurzeligen Zahn.

Zweiter Milchmahlzahn, Dens molaris deciduus; Beispiel für einen zweiwurzeligen Zahn.

Erster oberer bleibender Mahlzahn, Dens molaris primus; Kaufläche eines Mahlzahns mit Bezeichnung der einzelnen Kauflächen.

Klinik

Form, Lagebezeichnungen und Orientierungsregeln

Bei der Benennung der Oberflächen des Zahns geht man von der Mittellinie aus. Der der Mittellinie näher gelegene Teil wird als mesial, der entfernter gelegene als distal bezeichnet. Die Beziehungen zur Nachbarschaft werden bei Zähnen als Flächen, Facies, dargestellt. Die Anzahl, Stärke und Form der Wurzeln (Radices) ist funktionell auf die Zahnkrone abgestimmt. Dabei ist die Morphologie der Wurzeln der einzelnen Zähne des Milchgebisses und des bleibenden Gebisses recht unterschiedlich und variabel. Einwurzelige Zähne sind die Incisivi, Canini und Prämolaren. Zweiwurzelige Zähne sind der erste obere Prämolar und die unteren Molaren. Dreiwurzelige Zähne sind die oberen Molaren.

Milchzähne

Milchzähne, Dentes decidui, eines dreijährigen Kindes; Ansicht von vestibular.

Mit 30 Monaten ist das Milchgebiss normalerweise vollständig.

Milchzähne, Dentes decidui, eines zweijährigen Kindes; obere Reihe Ansicht von vestibular, untere Reihe Ansicht von schräg unten.

Die medialen Schneidezähne sind nicht mit dargestellt. Man sieht an den Zähnen des zweijährigen Kindes, dass die Wurzelbildung bei vielen Zähnen noch nicht abgeschlossen ist. Diese erfolgt größtenteils erst nach dem Zahndurchbruch.

Klinik

Zahnformel

International wird in der zahnmedizinischen Praxis eine Zahnformel verwendet. Dabei werden die Kieferhälften (Quadranten) mit einer Zahl versehen. Die Zähne des bleibenden und des Milchgebisses werden, von der Mittellinie ausgehend, nach hinten fortlaufend von eins bis acht (bleibendes Gebiss) bzw. von eins bis fünf (Milchgebiss) durchnummeriert. Die Ziffer des Quadranten wird vorangesetzt, es folgt die Ziffer des Zahns. So bezeichnet z. B. die Angabe 11 (sprich: eins eins) den ersten Schneidezahn im rechten Oberkiefer des bleibenden Gebisses; die Ziffer 52 (sprich: fünf zwei) den zweiten Schneidezahn im rechten Oberkiefer des Milchgebisses.

Bleibende Zähne

Bleibende Zähne, Dentes permanentes; Ansicht von oral.

Bleibende Zähne, Dentes permanentes; Ansicht von distal.

Klinik

Die Backenzähne werden im klinischen Sprachgebrauch als Molaren und die Vor-Backenzähne als Prämolaren bezeichnet. Da die Zähne die widerstandsfähigsten Organe des Körpers und damit besonders dauerhaft sind, spielen sie in der forensischen Medizin bei der Identifikation von Opfern eine wichtige Rolle.

Bleibende Zähne, Dentes permanentes; Ansicht von vestibular.

Bleibende Zähne, Dentes permanentes; Ansicht von mesial.

Klinik

  • Umwelt- und genetische Faktoren können die Zahnentwicklung beeinflussen. Resultierende Zahnanomalien betreffen Größe, Form und Anzahl der Zähne.

  • Die Verabreichung von Tetrazyklinen (Antibiotikafamilie) während der Zahnentwicklung kann zu Farbablagerungen und zu Schmelzdefekten führen.

  • Von Bedeutung sind auch Schmelzverfärbungen und -defekte, die durch zu hohe Fluoridgaben in Form von Fluoridtabletten entstehen können (Dentalfluorose).

  • Schmelzdefekte können auch durch Vitamin-D-Mangel (Rachitis) verursacht sein.

  • Reste der Zahnleiste können als SERRE-Körper, Überbleibsel der epithelialen Wurzelscheide als MALASSEZ-Epithelreste erhalten bleiben, aus denen sich Zysten bilden können.

Durchbruchszeiten der Zähne

Oberkiefer, Maxilla, mit Milchzähnen, Dentes decidui, und dem ersten bleibenden Zahn; links: mittlere Durchbruchszeit in Monaten (LM); rechts: Reihenfolge des Durchbruchs.

Bleibende Zähne (Ersatzzähne) und Milchzähne unterliegen den gleichen Entstehungsmechanismen, sie bilden sich nur in einem unterschiedlichen Zeitintervall. Dabei sind die Durchbruchszeiten und die Reihenfolge, in der die Milchzähne in der Mundhöhle erscheinen, individuell sehr verschieden. Mit 30 Monaten ist das Milchgebiss normalerweise vollständig.

Oberkiefer, Maxilla, mit bleibenden Zähnen, Dentes permanentes; links: mittlere Durchbruchszeit in Jahren (LJ); rechts: Reihenfolge des Durchbruchs.

Das Milchgebiss (erste Dentition mit 20 Zähnen) gleicht mit Ausnahme der Molaren dem Dauergebiss (zweite Dentition mit 32 Zähnen). Die bleibenden Molaren brechen stets in gleicher Reihenfolge durch; erste Molaren mit sechs (6-Jahres-Molar), zweite mit zwölf und dritte mit 18 Jahren oder später.

Klinik

Als Parodontopathien bezeichnet man Erkrankungen des Zahnhalteapparats. Eine chronisch degenerative Form, bei der es zu einem Schwund des Zahnhalteapparats mit Zahnlockerung und späterem Zahnverlust mit Atrophie des Alveolarfortsatzes kommt, ist dabei die Parodontose. Die systemische Gabe von Fluoridionen während der Hartsubstanzbildung der Ersatzzähne führt teilweise zur Bildung von Fluorapatit anstelle von Hydroxylapatit. Fluorapatit ist in Säuren schwerer löslich und erhöht dadurch die Kariesresistenz.

Entwicklung der Zähne

Oberkiefer, Maxilla, und Unterkiefer, Mandibula, eines fünfjährigen Kindes; Milchzähne und Anlagen der bleibenden Zähne.

Das Gebiss des Menschen ist diphydont; es tritt in zwei Dentitionen auf, als Milch- und als Dauergebiss. Zunächst entwickeln sich beim Kind 20 Milchzähne (Dentes decidui). Entwicklung und Durchbruch der ersten und zweiten Dentition sind zeitlich auf das Körperwachstum abgestimmt. Zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfolgt die Resorption der Milchzahnwurzel.

Oberkiefer, Maxilla, und Unterkiefer, Mandibula, eines 20-Jährigen.

Nach dem Zahnwechsel besteht das Gebiss aus bis zu 32 bleibenden Zähnen (Dentes permanentes). Der dritte Molar (Dens molaris tertius, Weisheitszahn, Dens serotinus) ist im Unterkiefer noch nicht durchgebrochen. Er kann sich zurückbilden oder gar nicht angelegt sein (Aplasie). Die Mahlzähne erscheinen bei Mädchen durchschnittlich ca. sieben Monate früher als bei Jungen. Bei beiden Geschlechtern brechen die Molaren des Unterkiefers früher durch als die des Oberkiefers. Milchzahnwurzeln benötigen weitere 16 bis 26 Monate; die Wurzeln bleibender Zähne sind erst nach weiteren 1,7 bis 3,5 Jahren voll ausgebildet.

Oberkiefer, Röntgen und Gefäßversorgung der Zähne

Oberkiefer, Maxilla, und Unterkiefer, Mandibula, ohne Weisheitszähne; Panoramaröntgenaufnahme.

Gefäßversorgung der Zähne. [8]

Die arterielle Versorgung der oberen Seitenzähne erfolgt aus der A. maxillaris über die A. alveolaris superior posterior, die der oberen Frontzähne über die A. infraorbitalis. Zähne und Gingiva des Unterkiefers werden von der A. alveolaris inferior, die im Canalis mandibulae verläuft, mit Blut versorgt. Die in Begleitung der Arterien verlaufenden Venen leiten das Blut in den Plexus pterygoideus.

Innervation der Zähne und Ganglion pterygopalatinum

Innervation der Zähne, links; Ansicht von lateral.

Die sensorische Innervation der Zähne erfolgt über den N. maxillaris [V/2] und den N. mandibularis [V/3] des N. trigeminus [V]. Die Oberkieferzähne werden vom Plexus dentalis superior sensorisch innerviert, der sich aus den Rr. alveolares superiores posteriores, medii und anteriores der Nn. alveolares superiores des N. infraorbitalis zusammensetzt. Die Zähne des Unterkiefers werden vom Plexus dentalis inferior innerviert, der aus dem N. alveolaris inferior gebildet wird und sich in Rr. dentales inferiores aufteilt. Zusätzlich wird das Frontzahngebiet am Unterkiefer vom N. mentalis erreicht. Die Innervation der Gingiva ist noch komplexer als die Innervation der Zähne. Hier ist für den Oberkiefer auch der N. ophthalmicus [V/1] beteiligt.

Ganglion pterygopalatinum.

Über die Rr. ganglionares des N. maxillaris [V/2] verlaufen sensorische Nervenfasern durch das Ganglion pterygopalatinum zum weichen und zum harten Gaumen. Über den N. facialis [VII] (N. intermedius), den N. petrosus major und den N. canalis pterygoidei erreichen parasympathische Fasern aus dem Nucleus salivatorius superior das Ganglion pterygopalatinum und werden hier von prä- auf postganglionär umgeschaltet. Die postganglionären Fasern innervieren die Tränen-, Nasen- und Gaumendrüsen parasympathisch. Postganglionäre sympathische Fasern kommen vom N. caroticus internus (Plexus caroticus internus), formieren sich zum N. petrosus profundus und ziehen durch das Ganglion pterygopalatinum sowie zu Tränen-, Nasen- und Gaumendrüsen.

Klinik

Aufgrund der unterschiedlichen Innervation der Zähne und der Gingiva im Oberkiefer muss zur Lokalanästhesie der zu betäubende Zahn einzeln umspritzt werden (Infiltrationsanästhesie). Zur Betäubung der Zähne des Unterkiefers führt man eine Leitungsanästhesie durch. Dabei wird der N. alveolaris inferior kurz vor seinem Eintritt in den Canalis mandibulae betäubt. Durch Mitbetäubung des N. lingualis kommt es zu sensorischen Störungen im Bereich der jeweiligen Zungenhälfte mit Ausnahme der Zungenspitze. Auch der Endast des N. alveolaris inferior ist mit betroffen, so dass die Kinnregion und Teile der Unterlippe keine Sensorik mehr aufweisen.

Fossa pterygopalatina und Ganglion pterygopalatinum

Fossa pterygopalatina, links; Ansicht von lateral; Farbtafel siehe hinterer Buchdeckel innen. [8]

  • a

    Übersicht

  • b

    Vergrößerung

Die Fossa pterygopalatina ist ein nervaler Schaltbereich zwischen mittlerer Schädelgrube, Augenhöhle und Nase. Maxilla, Os palatinum und Os sphenoidale beteiligen sich an der Begrenzung der Grube. Sie wird vorne vom Tuber maxillae, hinten vom Proc. pterygoideus, medial von der Lamina perpendicularis des Os palatinum und oben von der Ala major des Os sphenoidale begrenzt. Nach oben erfolgt der Übergang in die Fissura orbitalis inferior. Hinten öffnet sich die Grube in den Retropharyngealraum; lateral öffnet sie sich weit in die Fossa infratemporalis.

VIDIANUS-Kanal

N. maxillaris [V/2], links; Ansicht von lateral. [8]

  • a

    Endäste

  • b

    räumliche Beziehung zum Ganglion pterygopalatinum

Der N. maxillaris [V/2] tritt über das Foramen rotundum durch die Schädelbasis in die Fossa pterygopalatina ein und verlässt sie über die Fissura infraorbitalis. In der Fossa pterygopalatina gehen Rr. orbitales, der N. zygomaticus, der N. alveolaris superior posterior sowie Rr. ganglionares zum Ganglion pterygopalatinum ab.

Fossa pterygopalatina

N. canalis pterygoidei, links; Ansicht von lateral. [8]

  • a

    Übersicht

  • b

    Nerven in der Fossa pterygopalatina

Parasympathische Fasern des N. facialis [VII], die den N. petrosus major bilden, gelangen zum Ganglion pterygopalatinum, werden hier von prä- auf postganglionär umgeschaltet und ziehen dann weiter zu Tränen-, Nasen- und Gaumendrüsen. Postganglionäre sympathische Fasern kommen vom Plexus caroticus internus, lagern sich zum N. petrosus profundus zusammen und ziehen ohne Umschaltung durch das Ganglion pterygopalatinum. Sie gelangen ebenfalls zu Tränen-, Nasen- und Gaumendrüsen.

A. maxillaris in der Fossa pterygopalatina, links; Ansicht von lateral. [8]

In der Fossa pterygopalatina zweigt sich die A. maxillaris in ihre Endäste auf: Aa. infraorbitalis, sphenopalatina, alveolaris superior posterior, palatina descendens und R. pharyngeus.

Venen der Fossa pterygopalatina, links; Ansicht von lateral. [8]

Der venöse Abfluss aus Vv. infraorbitalis, sphenopalatina, alveolaris superior posterior, palatina descendens erfolgt in den Plexus pterygoideus, der in der Fossa infratemporalis liegt.

Klinik

Eine Läsion der parasympathischen Fasern, die das Gehirn als Teil des N. facialis [VII] verlassen und schließlich mit Ästen des N. ophthalmicus [V/I] zur Tränendrüse ziehen, kann zu einer verminderten Tränenflüssigkeitsproduktion der Tränendrüse und damit zu einem trockenen Auge führen.

Gaumen und Gaumenmuskeln

Harter Gaumen, Palatum durum, und weicher Gaumen, Palatum molle; Ansicht von unten.

Der Gaumen (Palatum) bildet das Dach der Mundhöhle und den Boden der Nasenhöhle. Er grenzt damit Mundhöhle und Nasenhöhle voneinander ab. Vorne besteht er aus dem harten Gaumen (Palatum durum), hinten aus dem weichen Gaumen (Palatum molle).

Der harte Gaumen ist an der Lautbildung von Konsonanten beteiligt und dient der Zunge beim Zerquetschen von Nahrung als Widerlager. Hierzu befinden sich beidseits der Mittellinie mehrere flache Schleimhautquerleisten (Plicae palatinae transversae, Rugae palatinae). Sie dienen dem Zerreiben und dem Halten von Nahrung.

Der weiche Gaumen ist nachgiebig und trennt den Nasopharynx beim Schluckakt vom Speiseweg, indem er sich der Rachenhinterwand anlegt.

Mundhöhle, Cavitas oris, und Gaumenmuskeln, Mm. palati; Ansicht von vorne.

Der Gaumen ist von einer dicken Schleimhaut überzogen, die unverschiebbar mit dem Periost verwachsen ist. Subepithelial liegen am Gaumen Pakete kleiner Speicheldrüsen (Glandulae palatinae). Der bewegliche weiche Gaumen schließt nach hinten an und geht an seinem Ende in das Zäpfchen (Uvula) über. Die Uvula besteht aus Muskulatur (M. uvulae) und Speicheldrüsen.

Lateral strahlen jeweils die Gaumenbögen (Arcus palatoglossus und Arcus palatopharyngeus), deren Grundlage gleichnamige Muskeln sind (Mm. palatoglossus und palatopharyngeus), in den weichen Gaumen und die Uvula ein. Die Gaumenbögen einer Seite umrahmen die Gaumenmandel (Tonsilla palatina). Durch die Gaumenbögen entsteht die Rachenenge (Isthmus faucium); sie ist der muskulär verschließbare Eingang zum Pharynx.

T 3

Klinik

Spaltbildungen von Gaumen, Kiefer und Gesicht können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Sie gehen auf eine unzureichende Mesenchymproliferation und daraus resultierend auf die Nichtverschmelzung von Kiefer- und Nasenwülsten zurück. Die im Volksmund als Hasenscharte bekannte Form ist eine ein- oder beidseitige Spaltbildung der Oberlippe. Schwere Formen setzen sich als Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte weiter nach hinten fort, kommen mit einer Häufigkeit von 1: 2500 Geburten vor und betreffen Mädchen öfter. Isolierte Gaumenspalten entstehen, wenn die beiden Hälften des sekundären Gaumens nicht miteinander oder nicht mit dem primären Gaumen verschmelzen. Die leichteste Form ist eine gespaltene Uvula (Uvula bifida). Diese Spalten sind nicht genetisch bedingt, sondern lassen sich auf einen Folsäuremangel in der Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft zurückführen Klinikkasten S. 84.

Entwicklung des Gaumens und Gaumenmuskeln

Entwicklung des Gaumens, Trennung von Nasen- und Rachenraum. [20]

Aus den medialen Nasenwülsten geht in der Tiefe das Zwischenkiefersegment hervor, aus dem das Philtrum der Oberlippe, ein Oberkieferanteil (mit den vier Schneidezähnen) und ein Gaumenanteil (bildet den primären Gaumen) hervorgehen. Der primäre Gaumen ragt von vorne in den Nasenrachenraum hinein. Der Hauptanteil des definitiven knöchernen Gaumens wird von den Gaumenfortsätzen, die sich aus den Oberkieferfortsätzen entwickeln, gebildet. In der 7. Woche verlagert sich die Zunge nach unten, die Gaumenfortsätze richten sich horizontal aus, wachsen zwischen Nasenhöhle und Mundhöhle aufeinander zu und vereinigen sich in der Mittellinie zum sekundären Gaumen. Vorne verschmelzen die Gaumenfortsätze mit dem primären Gaumen.

M. levator veli palatini, M. tensor veli palatini und Tubenknorpel, Cartilago tubae auditivae; Ansicht von unten.

Außer den in Abbildung 8.137 dargestellten Mm. palatoglossus und palatopharyngeus, die dem Senken/Herabziehen des weichen Gaumens dienen, sowie dem M. uvulae, der dem Auspressen der mukösen Speicheldrüsen der Uvula dient, strahlen der M. tensor veli palatini und der M. levator veli palatini in die Aponeurosis palatina ein. Beide Muskeln sind an der Schädelbasis befestigt. Der M. tensor veli palatini nutzt den Hamulus pterygoideus als Hypomochlion (Gleitlager). Die Muskeln ziehen den weichen Gaumen bei Kontraktion nach hinten oben und dienen im Rahmen des Schluckvorgangs dem Verschluss zwischen Naso- und Oropharynx. Außerdem sind sie an der Öffnung der Tuba auditiva [auditoria] beteiligt ( S. 149 und 150).

T 3

Zunge, Lingua, in der Mundhöhle; Ansicht von hinten lateral.

Hinter dem Sulcus terminalis schließt sich die Zungenwurzel mit der Zungenmandel (Tonsilla lingualis) an. Die Tonsilla lingualis ist Teil des WALDEYER-Rachenrings zu dem auch die zwischen den beiden Gaumenbögen (Arcus palatoglossus und palatopharyngeus) sitzende Tonsilla palatina gehört.

Zunge

Zunge, Lingua; Ansicht von oben.

Auf dem Zungenrücken (Dorsum linguae) trennt der Sulcus medianus linguae die Zunge in eine rechte und eine linke Zungenhälfte. Der Sulcus terminalis linguae (eine v-förmige Furche), bildet die Grenze zwischen Corpus linguae und Radix linguae und teilt die Zunge in eine Pars anterior sowie in eine Pars posterior. An der Spitze des Sulcus terminalis linguae senkt sich das Oberfächenepithel zum Foramen caecum linguae ein. Dieses Foramen kennzeichnet den Ort, an dem sich die Schilddrüse aus dem Mundboden-Ektoderm auf dem Weg in ihre endgültige Position vor dem Larynx abgesenkt hat (Abgangsstelle des Ductus thyroglossalis).

Die Schleimhaut der Pars anterior ist rau, da sie zahlreiche kleine, teils makroskopisch sichtbare Papillen (Papillae linguales, Papillae filiformes, foliatae, fungiformes und vallatae) trägt, die der Tast- und der Geschmacksempfindung dienen.

Die Zungenwurzel (Radix linguae) wird von der Tonsilla lingualis bedeckt, die seitlich von den beiden Gaumenbögen, Arcus palatoglossus und palatopharyngeus und hinten vom Kehldeckel (Epiglottis) umrahmt wird. Von der Zungenwurzel ziehen die unpaare Plica glossoepiglottica mediana und die paarigen Plicae glossoepiglotticae laterales zum Kehldeckel und begrenzen die Valleculae epiglotticae.

Innervation und Geschmacksqualitäten des Zungenrückens.

Die sensorische Innervation erfolgt im vorderen Abschnitt über den N. lingualis, einen Ast des N. mandibularis [V/3], im Bereich des Sulcus terminalis linguae durch die Rr. linguales des N. glossopharyngeus [IX] und am Zungengrund durch den N. laryngeus superior, einen Ast des N. vagus [X].

Geschmackseindrücke der vorderen zwei Drittel der Zunge gelangen über Äste des N. facialis [VII] (Chorda tympani, N. intermedius) zum oberen Teil des Tractus solitarius im Hirnstamm; die Perikarya dieser Nervenfasern liegen im Ganglion geniculi. Geschmackseindrücke des hinteren Drittels der Zunge werden über den N. glossopharyngeus [IX] und N. vagus [X] zum unteren Teil des Tractus solitarius im Hirnstamm übermittelt. Die Perikarya dieser Nervenfasern liegen im Ganglion inferius des N. glossopharyngeus [IX] oder des N. vagus [X].

In allen Bereichen der vorderen zwei Drittel der Zunge können alle fünf Geschmacksqualitäten wahrgenommen werden, allerdings mit unterschiedlicher Intensität. So schmeckt man an der Zungenspitze mehr süß, am Zungengrund mehr bitter.

Zungenmuskeln

Zunge, Lingua, und Zungenmuskeln, Mm. linguae; Medianschnitt.

Die Zunge ist ein Muskelkörper mit großer Verformbarkeit. Sie ist wesentlich am Kau- und am Schluckakt beteiligt und ermöglicht das Saugen und Sprechen. Außerdem ist sie wichtiges Tastinstrument und Sitz des Geschmacksorgans. Man unterscheidet Binnenmuskeln (Eigenmuskulatur) und Außenmuskeln, die am Skelett entspringen und in den Zungenkörper einstrahlen. Die äußeren Zungenmuskeln verändern die Lage der Zunge, die inneren Zungenmuskeln verändern ihre Form. Die Zungenmuskulatur inseriert zum größten Teil an der Aponeurosis linguae, einer derben Bindegewebsplatte unter der Schleimhaut des Zungenrückens.

T 2a

Zunge, Lingua, und innere Zungenmuskeln, Mm. linguae interni; Querschnitt durch die Zungenspitze.

Die inneren Zungenmuskeln durchflechten sich in den Ebenen des Raums. In der Medianebene trennt das Septum linguae die Zunge unvollständig in zwei Hälften. Die Bewegungsvielfalt der Zunge entsteht durch agonistische und antagonistische Muskelkräfte. Im Bereich der Zungenspitze liegt beidseits eine Speicheldrüse (Glandula lingualis, BLANDIN-NUHN-Drüse).

T 2a

Zunge, Lingua, und innere Zungenmuskeln, Mm. linguae interni; Querschnitt auf Höhe des mittleren Abschnitts.

Die inneren Zungenmuskeln haben Ursprung und Ansatz in der Zunge. Man unterscheidet Mm. longitudinalis superior, longitudinalis inferior, transversus linguae und verticalis linguae. Die Muskeln stehen in den drei Raumebenen senkrecht aufeinander und durchflechten sich. Die starke Verformbarkeit der Zunge ermöglicht Funktionen wie Kauen, Saugen, Singen, Sprechen und Pfeifen. Der M. genioglossus gehört zu den äußeren Zungenmuskeln.

Zungenbein und Zungenbeinmuskulatur

Zungenbein, Os hyoideum; Ansicht von vorne oben.

Das hufeisenförmige Zungenbein besteht aus einem Körper (Corpus), der die paarigen großen und kleinen Hörner (Cornua majora und minora) trägt.

Zungenbein, Os hyoideum; Ansicht von lateral.

Mundregion; Ansicht von seitlich unten.

Den Boden der Mundhöhle bildet das muskuläre Diaphragma oris, das aus den beiden Mm. mylohyoidei besteht. Außerdem beteiligen sich die Mm. geniohyoidei (nicht sichtbar) und digastrici am Aufbau des Mundbodens. Da alle Muskeln direkt oder indirekt mit dem Zungenbein in Verbindung stehen, werden sie gemeinsam mit den Mm. stylohyoidei als Mm. suprahyoidei (suprahyale Muskeln) bezeichnet. Funktionell stellt der Mundboden ein verstellbares Widerlager der Zunge dar.

T 2b, 9

Klinik

Berühren des Zungengrundes, der Gaumenbögen oder der Rachenhinterwand führt zum Auslösen des Schluck- oder des Würgereflexes. An den Reflexen ist die Muskulatur der Zunge, des Pharynx, des Larynx und des Ösophagus beteiligt.

Allergische Reaktionen können am weichen Gaumen zu lebensbedrohlichen Schwellungen der Schleimhaut führen.

Entzündungen der Gaumenschleimhaut, insbesondere am weichen Gaumen führen typischerweise zu starken Schluckbeschwerden.

Durchblutungsstörungen des Hirnstamms gehen häufig mit Lähmungen der Gaumenmuskulatur einher, in deren Folge es zu Schluck- und Tubenventilationsstörungen kommt. Bei den betroffenen Patienten kann eine Gaumensegelparese auftreten (Schädigung der Kerngebiete von N. glossopharyngeus [IX] und N. vagus [X]). Aufgrund der Lähmung des M. levator veli palatini hängt das Gaumensegel auf der betroffenen Seite herab. Die Uvula weicht zur gesunden Seite aus.

Die Zunge ist oftmals erster Schädigungsort bei Verätzungen und Verbrühungen. Am Zungenrand treten potenzielle Präkanzerosen als Hyperkeratosen oder Leukoplakien auf.

Mundboden und Mundbodenmuskeln

Unterkiefer, Mandibula, und Mundbodenmuskeln, Mm. suprahyoidei; Ansicht von vorne.

Der Mundboden (Diaphragma oris) wird von Muskeln gebildet, die zur suprahyalen Muskulatur gehören. Zentraler Muskel des Mundbodens ist der M. mylohyoideus, der sich beidseits bis vorne zwischen den beiden Rami mandibulae ausspannt und in der Mittellinie über die Raphe mylohyoidea verbunden ist. Darunter liegt der paarige Venter anterior des M. digastricus, der über eine Zwischensehne mit dem Venter posterior des M. digastricus in Verbindung steht. Die Zwischensehne ist über eine Bindegewebeschlaufe am Zungenbein fixiert. Als dritten suprahyalen Muskel sieht man den vom Zungenbein kommenden M. stylohyoideus.

T 9

Unterkiefer, Mandibula, Mundbodenmuskeln, Mm. suprahyoidei, und Zungenbein, Os hyoideum; Ansicht von oben.

Man sieht das von den beiden Mm. mylohyoidei gebildete Diaphragma oris, auf dem der zur suprahyalen Muskulatur gehörende paarige M. geniohyoideus von der Innenfläche der Mandibula zum Zungenbein verläuft. Der darauf liegende M. genioglossus, der zur äußeren Zungenmuskulatur gehört, ist knapp hinter seinem Ursprung an der Spina mentalis superior der Mandibula abgetrennt.

T 9

Zunge, Lingua, und äußere Zungenmuskeln, Mm. linguae externi; Ansicht von links.

Die äußeren Zungenmuskeln strahlen in die Zunge ein. Man unterscheidet Mm. genioglossus, hyoglossus und styloglossus. Außerdem gehört der M. palatoglossus zu den äußeren Zungenmuskeln. Der M. hyoglossus kann funktionell von einem M. chondroglossus unterstützt werden, der vom kleinen Horn des Zungenbeins ausgeht ( Abb. 8.148 und 8.149).

T 2b

Zunge, Lingua, und äußere Zungenmuskeln, Mm. linguae externi; Ansicht von links.

Unter dem entfernten M. hyoglossus sieht man den kleinen M. chondroglossus, der vom kleinen Horn des Zungenbeins ausgeht und funktionell den M. hyoglossus unterstützt. Hinten strahlen außer den äußeren Zungenmuskeln der M. palatoglossus und die Pars glossopharyngea des M. constrictor pharyngis superior in die Zunge ein.

T 2b

Klinik

Die Zunge kann nur bei intaktem M. genioglossus herausgestreckt werden. Bei tiefer Bewusstlosigkeit erschlafft der M. genioglossus. In Rückenlage rutscht die Zunge dabei in den Pharynx und kann den Atemweg verlegen. Daher müssen Bewusstlose vorsichtshalber immer in eine stabile Seitenlage gebracht werden.

Zungen- und Rachenmuskeln

Zungenmuskeln, Mm. linguae; Ansicht von unten.

Der M. genioglossus ist an seinem Ursprung von der Mandibula abgetrennt worden. Auch die Mm. styloglossus und palatoglossus sind abgetrennt. Seitlich sieht man an weiteren äußeren Zungenmuskeln die Mm. hyoglossus (an der rechten Zungenseite durchtrennt) und chondroglossus. Unten verläuft in der Zunge der M. longitudinalis inferior (Zungenbinnenmuskulatur).

T 2b

Äußere Zungenmuskeln, Mm. linguae externi, und Schlundschnürer, Mm. constrictores pharyngis; Ansicht von lateral; Mandibularbogen entfernt.

Zwischen M. styloglossus und M. stylopharyngeus spannt sich das Lig. stylohyoideum aus. Unterhalb davon schließen sich die Rachenmuskeln an, der M. constrictor pharyngis superior mit der Pars glossopharyngea sowie der M. constrictor pharyngis medius mit den Partes chondropharyngea und ceratopharyngea. Unterhalb des Zungenbeins sitzt der M. constrictor pharyngis inferior mit der Pars thyropharyngea.

T 2b, 5

Gefäße und Nerven der Zunge

Gefäße und Nerven der Zunge, Lingua; Ansicht von vorne unten.

Die arterielle Versorgung der Zunge erfolgt durch die A. lingualis aus der A. carotis externa. Als Äste zweigen die A. profunda linguae, die tief in die Muskulatur der Zunge eindringt und hauptsächlich den mittleren und vorderen Zungenabschnitt versorgt, und die A. sublingualis zur Unterzungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis) und zum Mundboden ab. Die nach hinten abzweigenden Äste, Rr. dorsales linguae, können miteinander in Verbindung stehen, alle anderen Äste werden durch das Septum linguae voneinander getrennt und versorgen nur eine Zungenhälfte.

Der venöse Blutabfluss erfolgt über die V. lingualis. Sie liegt dem M. hyoglossus außen auf und leitet das Blut der Zunge in die V. jugularis interna. Die V. lingualis drainiert Blut aus den Vv. sublingualis, profunda linguae und dorsales linguae sowie aus der V. comitans nervi hypoglossi.

Die motorische Innervation der Zunge erfolgt mit Ausnahme des M. palatoglossus, der aus dem Plexus pharyngeus versorgt wird, über den N. hypoglossus [XII]. Die sensorische Innervation erfolgt in den vorderen zwei Dritteln, über den N. lingualis, einen Ast des N. mandibularis [V/3], im Bereich des Sulcus terminalis durch den N. glossopharyngeus [IX] und am Zungengrund durch den N. laryngeus superior (Ast des N. vagus [X]).

Äste der A. lingualis:

  • (R. hyoideus)

  • Rr. dorsales linguae

  • R. suprahyoideus

  • A. sublingualis

  • A. profunda linguae

Klinik

In der Schleimhaut unter der Zunge befindet sich ein subepitheliales Venennetz. Daher werden sublingual verabreichte Medikamente schnell resorbiert.

Bei Verletzungen des N. hypoglossus [XII] einer Seite weicht die Zunge beim Herausstrecken zur betroffenen Seite ab; es kommt auf der gelähmten Seite zur Muskelatrophie.

Gefäße und Nerven der Zunge, Mandeln

Gefäße und Nerven der Zunge, Lingua; Ansicht von lateral; Mandibularbogen entfernt. [10]

Lymphatischer Rachenring (WALDEYER-Rachenring)

Definition Es handelt sich um eine Gruppe lymphoepithe lialer Gewebe, die am Übergang von Mund- und Nasenhöhle zum Rachen lokalisiert sind. Sie bilden in ihrer Gesamtheit einen Ring. Der lymphatische Rachenring steht im Dienst der mmunabwehr und gehört zum mukosa - assoziierten lymphatischen Gewebe (MALT).
Bestandteile
  • Rachenmandel (Tonsilla pharyngea)

S. 60, 68
  • Tubenmandeln (Tonsillae tubariae)

  • Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae)

S. 80, 82
  • Zungenmandel (Tonsilla lingualis)

S. 81, 82
  • sog. Seitenstränge

Blut- und Nervenversorgung der Gaumenmandel, Tonsilla palatina, rechts; Ansicht von medial.

An der Blutversorgung der Tonsilla palatina sind die Rr. tonsillares der A. palatina ascendens, die Rr. pharyngeales von A. palatina descendens und A. pharyngea ascendens sowie die Rr. dorsales linguae der A. lingualis beteiligt. Die Innervation des Tonsillenbetts erfolgt über die Rr. tonsillares der Nn. palatini minores und des N. glossopharyngeus [IX].

Klinik

Häufige rezidivierende Entzündungen der Gaumenmandeln sind eine Indikation zur chirurgischen Entfernung (Tonsillektomie), einem der häufigsten operativen Eingriffe im HNO-Bereich. Nachblutungen im Anschluss an eine Tonsillektomie sind bis zu drei Wochen nach OP möglich (in seltenen Fällen sogar noch länger) und daher sehr gefürchtet.

Ohrspeicheldrüse

Ohrspeicheldrüse, Glandula parotidea, rechts; Ansicht von lateral.

Die rein seröse Glandula parotidea ist die größte Mundspeicheldrüse. Größe und Ausdehnung sind sehr variabel. Der oberflächliche Drüsenteil liegt unmittelbar vor dem äußeren Ohr. Er ist von einer derben Bindegewebefaszie (Fascia parotidea) umgeben (Schnittränder dargestellt).

Die Fascia parotidea ist die Fortsetzung der Lamina superficialis der Fascia cervicalis. Der Ductus parotideus tritt am Vorderrand der Drüse aus, verläuft horizontal über die obere Hälfte des M. masseter hinweg nach vorne zum M. buccinator, durchbohrt den Muskel und mündet gegenüber dem 2. oberen Molaren auf der Papilla ductus parotidei in das Vestibulum oris. Am Ausführungsgang sitzt häufig akzessorisches Drüsengewebe (Glandula parotidea accessoria).

Klinik

Operative Behandlungen von Parotistumoren können zum gustatorischen Schwitzen (FREY-Syndrom) führen. Im Rahmen der Operation werden sympathische und parasympathische Fasern im Drüsenparenchym durchtrennt. Bei der postoperativen Regeneration der Fasern finden parasympathische Fasern Anschluss an ehemals sympathisch innervierte Schweißdrüsen der Haut. Da der Neurotransmitter des Sympathikus zur Innervation der Schweißdrüsen Acetylcholin ist (ebenso wie beim Parasympathikus), werden nun ehemals sympathisch innervierte Schweißdrüsen parasympathisch innerviert. Bei einer Parasympathikusaktivierung (z. B. wenn die Person Hunger hat und etwas Leckeres zu essen sieht) kommt es zur Schweißdrüsenaktivierung. Es bilden sich Schweißperlen auf der Wange (daher gustatorisches Schwitzen).

Eine Parotitis epidemica, Mumps oder Ziegenpeter, ist sehr schmerzhaft, da sich das Drüsengewebe bei Schwellung innerhalb der Organfaszie nicht ausdehnen kann.

Bösartige Parotistumoren können zur peripheren Fazialisschädigung führen; im Gegensatz hierzu zerstören gutartige Tumoren der Parotis den N. facialis [VII] üblicherweise nicht.

Ohrspeicheldrüse, Horizontalschnitt

Ohrspeicheldrüse, Glandula parotidea, und Kaumuskulatur, Mm. masticatorii; Horizontalschnitt; Ansicht von unten.

Die Glandula parotidea besteht aus zwei Anteilen. Der oberflächliche Teil (Pars superficialis) liegt unmittelbar vor dem äußeren Ohr. In der Tiefe setzt sich die Drüse mit dem größeren faszienlosen Teil (Pars profunda) in die Fossa retromandibularis fort. Im Anschnitt sieht man zwischen Glandula parotidea und Sinus maxillaris Teile der Mm. temporalis und pterygoideus lateralis.

Speicheldrüsen (Glandulae salivariae oris)

In der Mundhöhle kommen beidseits je drei große Speicheldrüsen (Glandulae salivariae majores) und zahlreiche kleine Speicheldrü sen (Glandulae salivariae minores) vor
große Speicheldrüsen
  • Ohrspeicheldrüse (Glandula parotidea)

S. 40, 42, 46, 54, 90, 96
  • Unterkieferspeicheldrüse (Glandula submandibularis)

S. 42, 92–96
  • Unterzungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis)

S. 63, 88, 93–96
kleine Speicheldrüsen
  • Lippen (Glandulae labiales)

S. 68
  • Wangen (Glandulae buccales)

  • Zunge (Glandulae linguales)

S. 83, 95, 96
  • Gaumen (Glandulae palatinae)

S. 80, 96
  • um Molaren (Glandulae molares)

Mündungen der Speicheldrüsen

Mündung des Ausführungsgangs der Ohrspeicheldrüse, Papilla ductus parotidei, rechts; Ansicht von schräg unten.

Der Drüsenausführungsgang der Glandula parotidea (Ductus parotideus, STENON-Gang) mündet gegenüber dem zweiten oberen Molaren auf der Papilla ductus parotidei in das Vestibulum oris.

Mündung des Ausführungsgangs der Unterkieferspeicheldrüse, Caruncula sublingualis; Ansicht von vorne oben.

Der Drüsenausführungsgang der Glandula submandibularis (Ductus submandibularis, WHARTON-Gang) verläuft auf dem Mundboden ( Abb. 8.160 und 8.161), vereinigt sich mit dem Hauptausführungsgang der Glandula sublingualis (Ductus sublingualis major) und mündet auf der Caruncula sublingualis neben dem Frenulum linguae und hinter den Schneidezähnen in die Cavitas oris propria.

Klinik

Fehlbildungen im Ausführungsgangsystem, besonders des Ductus submandibularis, können zum Bild der Ranula (mit Speichel gefüllte Retentionszyste) führen.

Bei Nierenerkrankungen können harnpflichtige Stoffe im Speichel ausgeschieden werden. Kalkabscheidungen aus dem Speichel können zur Bildung von Zahnstein, besonders an der lingualen Seite der unteren Schneidezähne, oder zu Speichelsteinen (Sialolithen) in den Ausführungsgängen der Speicheldrüsen mit Speichelsteinkolik, Obstruktion des Speichelgangs, Schwellung der Drüse als sog. Tumor salivaris führen.

Therapeutische Bestrahlung im Rahmen von Tumoren der Kopf-Hals-Region oder radioaktive Strahlung kann zum Syndrom des trockenen Mundes mit Schluck- und Sprachschwierigkeiten führen. Entzündungen der Speicheldrüsen können akut oder chronisch verlaufen.

Unterkieferspeicheldrüse

Unterkieferspeicheldrüse, Glandula submandibularis, links; Ansicht von schräg lateral unten.

Die Glandula submandibularis liegt im Trigonum submandibulare. Sie besitzt eine eigene Faszie, die innerhalb der Loge der Lamina superficialis der Fascia cervicalis eingebettet ist ( S. 169). Die Drüse hat direkte topographische Beziehung zur A. und V. facialis.

Unterkieferspeicheldrüse, Glandula submandibularis, und Unterzungenspeicheldrüse, Glandula sublingualis, links; Ansicht von lateral unten.

Der oberflächliche Drüsenanteil der Glandula submandibularis ist nach hinten verlagert, der M. mylohyoideus ist an der Mandibula durchtrennt und nach medial geschlagen. Unter dem entfernten Muskel erkennt man den tiefen Drüsenanteil der Glandula submandibularis und die parallel zum Corpus mandibulae liegende Glandula sublingualis.

Die arterielle Versorgung der Drüsen erfolgt über die Aa. facialis, submentalis und lingualis. Das venöse Blut fließt über die V. sublingualis und die V. submentalis in die V. facialis oder direkt in die V. jugularis interna. Regionale Lymphknoten sind die Nodi lymphoidei submentales und submandibulares.

Unterkiefer- und Unterzungenspeicheldrüse

Klinik

Das Ausführungsgangsystem der Glandula submandibularis ist am häufigsten von Speichelsteinen (Sialolithen) betroffen. Salze im eingedickten Speichel lagern sich dabei zu kristallinen Strukturen zusammen und können als Sialolith den Ausführungsgang der Speicheldrüse verlegen. Beim Essen schwillt die Drüse dann rasch an und schmerzt ( S. 92).

Unterkieferspeicheldrüse, Glandula submandibularis, und Unterzungenspeicheldrüse, Glandula sublingualis, rechts; Ansicht von medial.

Die Glandula sublingualis liegt auf dem M. mylohyoideus lateral vom M. genioglossus. Sie durchbricht manchmal den Mundboden. Der Drüsenkörper wölbt die Mundbodenschleimhaut als Plica sublingualis vor, auf der zahlreiche kleinere Ausführungsgänge (Ductus sublinguales minores) des hinteren Drüsenabschnitts münden. Der untere Drüsenanteil der Glandula submandibularis umgreift hakenförmig den Hinterrand des M. mylohyoideus und setzt sich oberhalb des Muskels in den Ductus submandibularis fort. Der N. lingualis zieht zwischen Glandula submandibularis und Glandula sublingualis unterhalb des Ductus submandibularis zur Zunge.

Unterzungenspeicheldrüse, Glandula sublingualis, und Unterkieferspeicheldrüse, Glandula submandibularis; Ansicht von oben.

Der vordere Drüsenabschnitt der Glandula sublingualis besitzt einen einzelnen größeren Ausführungsgang (Ductus sublingualis major), der sich auf dem M. hyoglossus mit dem Ductus submandibularis vereinigt und gemeinsam auf der Caruncula sublingualis mündet. Der N. hypoglossus [XII] erreicht die Zunge zwischen M. hyoglossus und M. genioglossus.

Gefäße und Nerven der Zunge, Lingua, große Speicheldrüsen, Glandulae salivariae majores; Ansicht von vorne unten.

Der Blick von vorne auf die angehobene Zunge zeigt ein unter der Zunge liegendes subepitheliales Venennetz. Rechts ist die Glandula sublingualis hochgeschlagen und gibt den Blick auf den darunter verlaufenden N. lingualis und den Ductus submandibularis (WHARTON-Gang) frei. Der N. hypoglossus [XII] tritt etwas tiefer in die Zunge ein. Als häufiges Residuum der Schilddrüsenentwicklung ist vor dem Kehlkopf ein Lobus pyramidalis sichtbar, der bis zum Zungenbein reichen kann.

Innervation der Speicheldrüsen

Innervation der Drüsen des Kopfs mit vegetativen Kopfganglien; schematische Darstellung.

Parasympathische Fasern nehmen ihren Ausgang vom oberen und vom unteren Speicheldrüsenkern (Nucleus salivatorius superior und Nucleus salivatorius inferior). Präganglionäre parasympathische Fasern verlaufen mit verschiedenen Nerven zu den Kopfganglien (Ganglia oticum, submandibulare, sublinguale, pterygopalatinum, ciliare). Hier werden die Fasern auf postganglionär umgeschaltet und erreichen über kurze Anschlusswege ihre Zielstrukturen (Drüsen). Präganglionäre sympathische Fasern für den Kopf entstammen dem Seitenhorn des Rückenmarks und werden größtenteils im Ganglion cervicale superius (oberes Grenzstangganglion) auf postganglionär umgeschaltet. Die postganglionären Fasern bilden um die Arterien (z. B. A. carotis interna) Plexus und erreichen mit den Blutgefäßen ihre Zielstrukturen oder sie schließen sich lokalen Nerven an.

Tränendrüsenanastomose
EDINGER-WESTPHAL-Kern
JACOBSON-Nerv
BLANDIN-NUHN-Drüse

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