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B978-3-437-44080-9.00010-6

10.1016/B978-3-437-44080-9.00010-6

978-3-437-44080-9

Vordere (blau) und seitliche (grün) Halsregion von links lateral (Schema). Die 4 Abschnitte des vorderen Halsdreiecks sind mit den sie begrenzenden Strukturen ebenfalls dargestellt.

[E402]

Zungenbein (Os hyoideum). Ansicht von vorne oben.

Bandverbindungen zwischen dem Zungenbein (Os hyoideum) und dem Schildknorpel (Cartilago thyroidea) des Kehlkopfes.

Oberflächliche Muskulatur des Halses in der vorderen und seitlichen Halsregion. Ansicht von links, lateral.

Verschiedene Anteile der Halsmuskulatur und Halseingeweide. Ansicht von ventral.

Mundbodenregion mit suprahyaler Muskulatur. Ansicht von seitlich unten.

Darstellung der Halsmuskulatur von lateral. Sämtliche Muskelfaszien, das Platysma und der mittlere Anteil des M. sternocleidomastoideus wurden entfernt.

Prävertebrale Muskulatur und M. longus capitis. Ansicht von ventral.

Transversalschnitt durch den Hals auf Höhe der Schilddrüse (Schema). Die jeweiligen Verläufe der Muskelfaszien, der Leitungsbahnenfaszien und der Eingeweidefaszien sind mit ihren jeweiligen Inhaltsstrukturen farbig markiert. Lamina superficialis (blau), Lamina pretrachealis (grün), Lamina prevertebralis (rot), Karotisscheide (violett), allgemeine Organfaszie (gelb), spezielle Organfaszie (braun).

[E402]

Muskelfaszien des Halses. HalsfaszienMuskelfaszieAnsicht von ventral. Das Platysma ist auf beiden Seiten entfernt. Links ist das oberflächliche Faszienblatt (Lamina superficialis) intakt und umscheidet den M. sternocleidomastoideus. Rechts ist der mediale Anteil des Muskels und der größte Teil der Lamina superficialis entfernt. Man kann dadurch den Verlauf der mittleren und tiefen Halsfaszie sowie die Karotisscheide erkennen. Der medial fenestrierte Abschnitt in der Lamina pretrachealis erlaubt den Blick auf den sonst von ihr und der allgemeinen Organfaszie bedeckten Schildknorpel des Kehlkopfs und den M. sternohyoideus. Lamina superficialis (grau), Lamina pretrachealis (braun), Lamina prevertebralis (grün), Vagina caroticaVagina(-ae)carotica (rot).

Lage der Halsfaszien und der daraus resultierenden Bindegewebsräume im Sagittalschnitt (Schema). Lamina superficialis (blau), Lamina pretrachealis (grün), Lamina prevertebralis (rot), allgemeine Organfaszie (gelb), spezielle Organfaszie (braun).

Gefäße und Nervenverläufe im dorsalen Kompartiment des Spatium lateropharyngeum nach Entfernung sämtlicher bindegewebiger Strukturen. Linke Bildhälfte: Verlauf der Nervenstraße nach Entfernung der großen Halsgefäße mit aufliegenden Nervengeflechten; Ansicht von dorsal.

Abzweigungen der A. subclavia mit Truncus thyrocervicalis und Truncus costocervicalis. Truncus(-i) thyrocervicalis Truncus(-i) costocervicalis

Varianten der Eintrittshöhe der A. vertebralis in die Foramina transversaria der Halswirbelsäule.

Regio cervicalis lateralis mit Varianten der Gefäßabgänge.Regio(-nes)cervicalislateralis a Gefäße und Nerven der Regio cervicalis lateralis, tiefe Schicht. Ansicht von lateral links nach Entfernung der V. jugularis interna. b–g Varianten der Gefäßabgänge aus der A. subclavia und aus dem Truncus thyrocervicalis.

Nerven und Gefäße der tiefen seitlichen Hals- und Achselregion HalsregionseitlichetiefeAchselregionnach Entfernung des M. sternocleidomastoideus, der großen Halsgefäße und der vorderen zwei Drittel der Clavicula. Die römischen Ziffern V–VIII bezeichnen die entsprechenden Zervikalnerven.

Verlauf von A. subclavia und A. carotis communis. Ansicht von lateral.

Venen des Halses nach Entfernung sämtlicher Halsfaszien. Auf der linken Seite wurde der M. sternocleidomastoideus größtenteils entfernt. Ansicht von ventral.

Gefäße und Nerven des Halses und der oberen Thoraxapertur nach Entfernung von Sternum, Teilen der Claviculae und Teilen der Mm. sternocleidomastoidei und infrahyalen Musulatur. Ansicht von ventral.

Gefäße und Nerven der seitlichen Halsregion Halsregionseitlichenach Entfernung der Lamina superficialis der Halsfaszie. Das Platysma wurde nach oben geklappt. Ansicht von lateral links.

Sensible Innervation der Haut von Kopf und Hals mit segmentaler Zuordnung der HautarealeKopfInnervationHalsInnervation (Schema).

[E402]

Sensible Innervation der Haut von Hals und Kopf durch die Nerven des Plexus cervicalis und der Nn. occipitalis major und tertius.

Sensible und motorische Äste des Plexus cervicalis PlexuscervicalisÄste(Schema). a Anatomische Situation. b Funktionelle Unterscheidung der Äste.

Gefäße und Nerven der seitlichen Halsregion nach Entfernung des M. sternocleidomastoideus.

Gefäße und Nerven am Übergang von Hals und Thorax zur oberen Extremität (Schema).

Gefäße und Nerven im oberen Bereich des TrigonumcaroticumTrigonum caroticum und des Trigonum submandibulare nach Entfernung aller Faszien. Ansicht von rechts lateral unten.

Lymphgefäße mit oberflächlichen und tiefen Nodi lymphoidei der seitlichen Kopf- und Halsregion. Kind, Ansicht von links lateral nach Entfernung von Haut und Faszien.

Lymphabfluss der Halsorgane und der oberen luftleitenden Wege zu den tiefen seitlichen Halslymphknoten (Schema).

[E460]

Einteilung der Kopf/Hals Lymphdrainagegebiete in 6 Kompartimente (AJAC).

Lage der Schilddrüse unterhalb des Kehlkopfes. Ansicht von ventral.

Entwicklung der Schilddrüse. a Ausbildung der Schilddrüsenknospe als Epithelverdickung am Boden der ektodermalen Mundbucht in der 4. Embryonalwoche. b Absinken der Schilddrüsenknospe nach kaudal und Ausbildung des Ductus thyroglossus mit persistierender Verbindung zum Zungengrund. Auswachsen der beiden Seitenlappen der Schilddrüse bis zum Ende der 7. Embryonalwoche.

[E838]

Deutlich ausgebildeter Lobus pyramidalis der Schilddrüse mit Verbindung zum Zungenbein (Os hyoideum). Ansicht von ventral.

Zysten und Halsfisteln. a Mögliche Lokalisationsorte von Zysten des Ductus thyroglossus. Die Pfeile deuten den Verlauf des Deszensus der Schilddrüsenknospe vom Foramen caecum bis unter den Schildknorpel des Kehlkopfs an. b Laterale Halsfisteln perforieren meist am vorderen Rand des M. sternocleidomastoideus durch die Haut.

[E581]

Versorgungsgebiete und Verlauf der Arterien der Schilddrüse. Ansicht von ventral.

Aa. thyroideae superior et inferior sowie Nn. laryngei recurrentes sinister et dexter. Ansicht von dorsal.

[E402]

Drainagegebiete und Verlauf der Venen der Schilddrüse. Ansicht von ventral.

[E402]

Kehlkopfskelett und Bandapparat. a Ansicht von ventral. b Ansicht von medial am sagittalisierten Kehlkopf.

Kehlkopfskelett (ohne Epiglottis) mit Conus elasticus. ConuselasticusAnsicht von kranial.

Äußere Kehlkopfmuskeln, M. cricothyroideus. Ansicht von medial auf einen sagittalisierten Kehlkopf. Die Kontraktion des M. cricothyroideus kippt den Ringknorpel durch synchrone Bewegungen in den Krikothyroidgelenken. Das Stimmband verlängert sich und wird grob gespannt, da der auf dem Ringknorpel sitzende Stellknorpel mit nach dorsal gekippt wird.

Innere Kehlkopfmuskeln, Mm. laryngis. Musculus(-i)laryngisAnsicht von oben.

[L238]

Innere Kehlkopfmuskeln, Mm. laryngis. Ansicht von schräg dorsal. Schildknorpel teilweise reseziert.

[L238]

Frontalschnitt durch einen sagittal halbierten Kehlkopf (Schema).

[L126]

Innere Kehlkopfmuskeln, Mm. laryngis. Ansicht von dorsal.

Direkte Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie). a Respirationsstellung. b Phonationsstellung.Kehlkopfspiegelung, direkteLaryngoskopie, direkte Plica interarytenoidea

[T719]

Randkantenverschiebungen der Stimmlippenschleimhaut während der Öffnungs- und Schließungsphase. a StimmlippenRandkantenverschiebungenRandkantenverschiebungenStimmlippenAusgangsposition, die Stimmlippen sind geschlossen. b–d Durch den Aufbau eines subglottalen Drucks wird ein Schwellenwert erreicht, der die Stimmlippen auseinander drängt. Dabei trennen sich zunächst die unteren Ränder. Die Trennung setzt sich weiter nach oben fort, bis beide Stimmlippen komplett voneinander getrennt sind. e–h Nun kann die Atemluft wie durch eine Düse in die Supraglottis und den Pharynx durchtreten. Der Luftstrom führt seitlich zu einer Sogwirkung (bernoulli-Effekt), der die Randkantenverschiebung zur Folge hat. Dabei werden das Epithel und das lockere Bindegewebe im reinke-Raum der Stimmlippen angesaugt und zusammengezogen. Die unteren Ränder schließen sich und die oberen Ränder folgen, sobald der sublottische Luftstrom abgeschnitten ist. Das sieht insgesamt wie ein Rollen des Epithels auf der Unterlage (Lig. vocale und M. vocalis) von unten nach oben aus. i Die Stimmlippen liegen dicht aneinander und sind geschlossen. Als Folge wird erneut ein subglottischer Druck aufgebaut, der den Phonationszyklus erneut beginnen lässt. Wiederholte Zyklen führen zu regelmäßigen Vibrationen.

[L126]

Etagen (Kompartimente) des Kehlkopfs.

Arterien und Nerven des Kehlkopfs. Ansicht von dorsal.

Übersicht über die Gliederung des Pharynx und des Larynx.

Übersicht der Konstriktoren des Pharynx. killian-Dreieck, laimer-Dreieck

Schlundheber am eröffneten Pharynx sowie Gefäße und Nerven von Rachen, Pharynx, und Parapharyngealraum, Spatium lateropharyngeum. Ansicht von dorsal.

Sensible Innervation des Rachens.

Leicht tastbare Strukturen und KnochenpunkteHalsregiontastbare Strukturen in der Halsregion.

Tab. 10.1
Anatomische Struktur Palpierbarer Anteil
Unterkiefer (Mandibula)
  • Unterrand

Os temporale
  • Proc. mastoideus

Os occipitale
  • Protuberantia occipitalis externa

Brustbein (Sternum)
  • Oberrand

Schlüsselbein (Clavicula)
  • Oberrand

Schulterblatt (Scapula)
  • Acromion

Os hyoideum
  • Corpus

  • Cornu majus ossis hyoidei

Kehlkopf (Larynx)
  • Cartilago thyroidea

  • Cartilago cricothyroidea

Luftröhre (Trachea)
  • Ringknorpel

Drosselgrube (Fossa jugularis)
VII. Halswirbel; Vertebra prominens
  • Proc. spinosus

Unterteilung der Regio cervicalis anterior in ihre Trigona mit deren jeweiligen Begrenzungen.TrigonumsubmandibulareTrigonumsubmentaleTrigonumcaroticumTrigonummusculare

Tab. 10.2
Unterteilung Begrenzung
Trigonum submandibulare (paarig)
  • Unterrand der Mandibula

  • Venter anterior und Venter posterior des M. digastricus

Trigonum submentale (unpaar)
  • Venter anterior des M. digastricus

  • Os hyoideum

Trigonum caroticum (paarig)
  • Venter posterior des M. digastricus

  • M. stylohyoideus

  • Venter superior des M. omohyoideus

  • Vorderrand des M. sternocleidomastoideus

Trigonum musculare (paarig)
  • Os hyoideum

  • Venter superior des M. omohyoideus

  • Vorderrand des M. sternocleidomastoideus

  • Mittellinie des Halses

Schichtengliederung der Halsmuskulatur.

Tab. 10.3
Oberflächliche Muskelschicht Mittlere Muskelschicht Tiefe Muskelschicht
  • Platysma

  • M. sternocleidomastoideus

  • suprahyale Muskeln

  • infrahyale Muskeln

  • Mm. scaleni

  • prävertebrale Muskeln

M. sternocleidomastoideus.

Tab. 10.4
Innervation Ursprung Ansatz Funktion
M. sternocleidomastoideus
N. accessorius [XI])
  • Caput sternale: Oberrand des Manubrium sterni

  • Caput claviculare: mediales Drittel der Clavicula

Proc. mastoideus; Linea nuchalis superior
  • bei einseitiger Aktivität: Seitärtsneigung des Kopfes zur ipsilateralen Seite und Drehbewegung zur kontralateralen Seite

  • bei beidseitiger Aktivität: Dorsalextension des Kopfes

  • bei fixiertem Kopf: Atemhilfsmuskel

Suprahyale und infrahyale Muskelninfrahyale Muskulatursuprahyale Muskulatur.Musculus(-i)stylohyoideusMusculus(-i)digastricusVenteranterior (M. digastricus)Venterposterior (M. digastricus)Musculus(-i)geniohyoideusMusculus(-i)sternohyoideusMusculus(-i)omohyoideusVentersuperior (M. omohyoideus)Venterinferior (M. omohyoideus)Musculus(-i)thyrohyoideusMusculus(-i)sternothyroideus

Tab. 10.5
Suprahyale Muskulatur Infrahyale Muskulatur
  • M. stylohyoideus

  • M. digastricus

    • Venter anterior

    • Venter posterior

  • M. mylohyoideus

  • M. geniohyoideus

  • M. sternohyoideus

  • M. omohyoideus

    • Venter superior

    • Venter inferior

  • M. thyrohyoideus

  • M. sternothyroideus

Suprahyale Muskulatursuprahyale Muskulatur.Musculus(-i)stylohyoideusMusculus(-i)digastricusVenteranterior (M. digastricus)Venterposterior (M. digastricus)Nervus(-i)mylohyoideusMusculus(-i)mylohyoideusMusculus(-i)geniohyoideusNervus(-i)hypoglossus [XII]

Tab. 10.6
Innervation Ursprung Ansatz Funktion
M. stylohyoideus
R. stylohyoideus des N. facialis [VII] Proc. styloideus des Os temporale Corpus und Cornu majus ossis hyoidei zieht das Zungenbein bei beidseitiger Aktivität nach hinten oben
M. digastricus, Venter anterior und Venter posterior
  • Venter anterior: N. mylohyoideus aus [V/3]

  • Venter posterior: R. digastricus des N. facialis [VII]

  • Venter anterior: Fossa digastrica mandibulae

  • Venter posterior: Incisura mastoidea

Zwischensehne über Bindegewebsschlinge am Cornu majus des Zungenbeins
  • Zungenbein fixiert und beidseitige Aktivität: Senken (Abduktion) der Mandibula = Mundöffnung

  • Zungenbein fixiert und einseitige Aktivität: Mahlbewegung

  • Unterkiefer fixiert: Heben des Zungenbeins beim Schluckakt

M. mylohyoideus
N. mylohyoideus des N. mandibularis [V/3] Linea mylohyoidea der Mandibula Raphe mylohyoidea, Corpus ossis hyoidei
  • hebt den Mundboden, Mundöffnung (senkt den Unterkiefer bei beidseitiger Aktivität und fixiertem Zungenbein)

  • bei einseitiger Aktivität und fixiertem Zungenbein: Mahlbewegung

  • bei beidseitiger Aktivität und fixiertem Unterkiefer: Anheben des Zungenbeins beim Schluckakt

M. geniohyoideus
Rr. musculares (C1–C2), die mit dem N. hypoglossus [XII] verlaufen Spina mentalis der Mandibula Corpus ossis hyoidei
  • hebt den Mundboden, Mundöffnung (senkt den Unterkiefer bei beidseitiger Aktivität und fixiertem Zungenbein)

  • bei einseitiger Aktivität und fixiertem Zungenbein: Mahlbewegung

  • bei beidseitiger Aktivität und fixiertem Unterkiefer: Anheben des Zungenbeins beim Schluckakt

Infrahyale Muskulatur.Musculus(-i)sternohyoideusMusculus(-i)omohyoideusMusculus(-i)thyrohyoideusMusculus(-i)sternothyroideus

Tab. 10.7
Innervation Ursprung Ansatz Funktion
M. sternohyoideus
Plexus cervicalis, Ansa cervicalis (profunda) Innenfläche des Manubrium sterni Corpus ossis hyoidei zieht das Zungenbein nach kaudal, fixiert das Zungenbein für die Kieferöffnung und Mahlbewegung
M. omohyoideus
Plexus cervicalis, Ansa cervicalis (profunda) Margo superior der Scapula Venter superior des Corpus ossis hyoidei zieht das Zungenbein nach unten, fixiert das Zungenbein; spannt die mittlere Halsfaszie, fördert den venösen Rückfluss aus dem Kopf-Hals-Bereich durch Offenhalten der V. jugularis
M. thyrohyoideus
Plexus cervicalis, Ansa cervicalis (profunda) Außenfläche der Lamina der Cartilago
thyroidea
Corpus ossis hyoidei
  • bei fixiertem Zungenbein: Anheben des Kehlkopfs für den Schluckakt

  • bei fixiertem Kehlkopf: Senken des Zungenbeins, Einfluss auf die Phonation

M. sternothyroideus
Plexus cervicalis, Ansa cervicalis (profunda) Innenfläche des Manubrium sterni Linea obliqua der Lamina der Cartilago thyroidea zieht den Kehlkopf nach kaudal, fixiert den Kehlkopf bei der Phonation

Mm. scaleni.Musculus(-i)scalenusanteriorMusculus(-i)scalenusmediusMusculus(-i)scalenusposteriorMusculus(-i)scalenusminimus

Tab. 10.8
Innervation Ursprung Ansatz Funktion
M. scalenus anterior
Plexus cervicalis (Rr. anteriores der Nn. cervicales IV–VII) Halswirbel III–VI (Tubercula anteriora) I. Rippe (Tuberculum musculi scaleni)
  • beidseitige Aktivität: Vorwärtsneigung der Halswirbelsäule

  • einseitige Aktivität: Seitwärtsneigen und Drehen der Halswirbelsäule zur ipsilateralen Seite

  • bei fixierter HWS: Heben der I. Rippe, Unterstützung der Inspiration

M. scalenus medius
Plexus cervicalis (Rr. anteriores der Nn. cervicales III–VIII) Halswirbel III–VII (Tubercula anteriora) I. Rippe dorsolateral des Sulcus arteriae subclaviae
  • beidseitige Aktivität: Vorwärtsneigung der Halswirbelsäule

  • einseitige Aktivität: Seitwärtsneigen und Drehen der Halswirbelsäule zur ipsilateralen Seite

  • bei fixierter HWS: Heben der I. Rippe, Unterstützung der Inspiration

M. scalenus posterior
Plexus cervicalis (Rr. anteriores der Nn. cervicales VII–VIII) Querfortsätze Halswirbel V–VI (Tubercula posteriora) II. Rippe (Außenfläche), manchmal auch III. Rippe
  • einseitige Aktivität: Seitwärtsneigen und Drehen der Halswirbelsäule zur ipsilateralen Seite

  • bei fixierter HWS: Heben der II. Rippe, Unterstützung der Inspiration

M. scalenus minimus
Plexus cervicalis (Rr. anteriores des N. cervicalis VIII) VII. Halswirbel (Tuberculum anterius) I. Rippe (Hinterrand, dorsal des M. scalenus anterior)
  • einseitige Aktivität: Seitwärtsneigen und Drehen der Halswirbelsäule zur ipsilateralen Seite

  • bei fixierter HWS: Heben der I. Rippe, Unterstützung der Inspiration

Prävertebrale Muskeln.Musculus(-i)rectuscapitis anteriorMusculus(-i)rectuscapitis lateralisMusculus(-i)longuscapitisMusculus(-i)longuscolli

Tab. 10.9
Innervation Ursprung Ansatz Funktion
M. rectus capitis anterior
Plexus cervicalis (R. anterior des N. cervicalis I) Massa lateralis des Atlas Pars basilaris des Os occipitale Feineinstellung des Kopfes in den Kopfgelenken, beugen den Kopf nach vorne
M. rectus capitis lateralis
Plexus cervicalis (R. anterior des N. cervicalis I) Proc. transversus des Atlas Proc. jugularis des Os occipitale Feineinstellung des Kopfes in den Kopfgelenken, beugt den Kopf nach lateral
M. longus capitis
Plexus cervicalis (Rr. anteriores der Nn. cervicales I–III) Tubercula anteriora der Procc. transversi des III.–VI. Halswirbels Pars basilaris des Os occipitale
  • beidseitige Aktivität: Vorwärtsneigung des Kopfes

  • einseitige Aktivität: Seitwärtsneigen des Kopfes

M. longus colli
Plexus cervicalis (Rr. anteriores der Nn. cervicales II–IV) Corpus des V.–VII. Halswirbels sowie des
I.–III. Brustwirbels; Tubercula anteriora der Procc. transversi des II.–V. Halswirbels
Procc. transversi des V. bis VI. Halswirbels, Corpus des II. bis IV. Halswirbels, Tuberculum anterius des Atlas
  • beidseitige Aktivität: Unterstützung der Vorwärtsneigung der Halswirbelsäule

  • einseitige Aktivität: Seitwärtsneigen und Drehen der Halswirbelsäule zur ipsilateralen Seite

Halsfaszien.Lamina(-ae)superficialis (Fascia cervicalis)Lamina(-ae)pretrachealis (Fascia cervicalis)Lamina(-ae)prevertebralis (Fascia cervicalis)HalsfaszienLeitungsbahnfaszieVagina(-ae)caroticaKarotisscheideHalsfaszienOrganfaszie

Tab. 10.10
Faszien Umhüllte/umscheidete Strukturen
Muskelfaszie (Fascia cervicalis)
  • Lamina superficialis (oberflächliches Blatt)

  • gesamter Hals (im Nacken auch als Fascia nuchae bezeichnet)

  • M. sternocleidomastoideus

  • M. trapezius

  • Lamina pretrachealis (mittleres Blatt)

  • infrahyale Muskeln

  • Lamina prevertebralis (tiefes Blatt)

  • Mm. scaleni

  • prävertebrale Muskeln

  • M. levator scapulae

  • geht über in Faszie der autochthonen Rückenmuskulatur

  • Truncus sympathicus, Pars cervicalis

Leitungsbahnenfaszie
  • Vagina carotica (Karotisscheide)

  • Aa. carotis communis, carotis interna und carotis externa

  • V. jugularis interna

  • N. vagus [X]

Organfaszien
  • allgemeine Organfaszie

alle Halseingeweide zusammen (Pharynx, Larynx, Schilddrüse, Nebenschilddrüsen, oberer Abschnitt der Trachea, Pars cervicalis des Oesophagus)
  • spezielle Organfaszie = Organkapsel

jedes einzelne Halseingeweideorgan, z. B. Fascia oesophagea

Strukturen innerhalb der beiden großen Gefäß-Nerven-Straßen des Halses.Arteria(-ae)subclaviaVena(-ae)subclaviaArteria(-ae)carotiscommunisArteria(-ae)carotisexternaArteria(-ae)carotisinternaVena(-ae)carotisinterna

Tab. 10.11
Gefäße Nerven Lymphe
Laterale Halsregion
  • A. subclavia

  • V. subclavia

  • Plexus brachialis

  • Truncus subclavius

Dorsolaterale Halsregion
  • A. carotis communis

  • A. carotis externa

  • A. carotis interna

  • V. jugularis interna

  • N. vagus

  • Truncus sympathicus

  • Truncus jugularis

Äste und Abzweigungen aus der A. subclavia.Arteria(-ae)subclaviaÄsteTruncus(-i)thyrocervicalisTruncus(-i)costocervicalis

Tab. 10.12
Arterien Äste
A. vertebralis
A. thoracica interna
Truncus thyrocervicalis
  • A. thyroidea inferior

  • A. cervicalis ascendens

  • A. suprascapularis

  • A. transversa cervicis (colli)

Truncus costocervicalis
  • A. cervicalis profunda

  • A. intercostalis suprema

Rr. posteriores der Halsspinalnerven mit Ursprung, Faserqualität und Innervationsgebiet.Nervus(-i)suboccipitalisNervus(-i)occipitalismajorNervus(-i)occipitalistertius

Tab. 10.13
Nerv Ursprung Qualität Versorgungsgebiete
R. posterior (N. suboccipitalis) C1 rein motorisch
  • tiefe Nackenmuskulatur

  • M. longus capitis

  • M. semispinalis capitis

R. posterior
  • lateraler Ast

  • medialer Ast (N. occipitalis major)

C2 gemischt
  • M. semispinalis capitis

  • M. longissimus capitis

  • M. splenius capitis

  • Nackenhaut bis zum Scheitel

R. posterior
  • lateraler Ast

  • medialer Ast (N. occipitalis tertius)

C3 gemischt
  • autochthone Rückenmuskulatur

  • Innervation der Nackenhaut

Rr. posteriores
  • lateraler Ast

  • medialer Ast

C4–C8 gemischt
  • autochthone Rückenmuskulatur

  • darüber liegende Hautareale

Sensible Hautäste des Plexus cervicalis aus dem Punctum nervosum (erb-Punkt) mit ihren Aufzweigungen.Nervus(-i)occipitalisminorNervus(-i)auricularismagnusNervus(-i)transversus colliNervus(-i)supraclaviculares

Tab. 10.14
Nerv Ursprung
N. occipitalis minor C2–C3
N. auricularis magnus
  • R. anterior

  • R. posterior

C2–C3
N. transversus colli
  • Rr. superiores

  • Rr. inferiores

C2–C3
Nn. supraclaviculares
  • mediales

  • intermedii

  • laterales

C3–C4

Zusammensetzung und Ursprünge derPlexusbrachialisPrimärstränge Primärstränge des Plexus brachialis.Truncus(-i)superior (Plexus brachialis)Truncus(-i)medius (Plexus brachialis)Truncus(-i)inferior (Plexus brachialis)

Tab. 10.15
Rr. anteriores aus Primärstrang des Plexus brachialis
C5–C6 Truncus superior
C7 Truncus medius
C8–T1 Truncus inferior

Hirnnerven IX–XII mit Abzweigungen und Innervationsgebieten im Verlauf des Halses.Nervus(-i)glossopharyngeus [IX]ÄsteNervus(-i)vagus [X]ÄsteNervus(-i)laryngeussuperiorNervus(-i)laryngeusrecurrensRamus(-i)cardiacicervicales superiores et inferiores (N. vagus)Nervus(-i)accessorius [XI]Nervus(-i)hypoglossus [XII]

Tab. 10.16
Hirnnerven Innervationsgebiete
N. glossopharyngeus [IX]
  • R. musculi stylopharyngei

  • Rr. pharyngei

  • R. sinus carotici

  • M. stylopharyngeus

  • Plexus pharyngeus

  • M. constrictor pharyngis superior

  • Wand des Sinus caroticus/Glomus caroticum

N. vagus [X]
  • R. pharyngeus

  • N. laryngeus superior

    • R. externus

    • R. internus

  • N. laryngeus recurrens

  • Rr. cardiaci cervicales superiores/inferiores

  • Plexus pharyngeus

  • M. cricothyroideus

  • M. constrictor pharyngis inferior

  • Schleimhaut der oberen Kehlkopfhälfte

  • innere Kehlkopfmuskulatur

  • Schleimhaut der unteren Kehlkopfhälfte

  • Plexus cardiacus

N. accessorius [XI]
  • M. sternocleidomastoideus

  • M. trapezius

N. hypoglossus [XII]
  • innere und äußere Zungenmuskulatur

Lymphknoten des Halses mit Verlauf und Zuflussgebieten.Nodus(-i) lymphoideus(-i)cervicalesanterioresNodus(-i) lymphoideus(-i)submentalesNodus(-i) lymphoideus(-i)cervicalesanteriores profundiNodus(-i) lymphoideus(-i)infrahyoideiNodus(-i) lymphoideus(-i)prelaryngei (Delphi-Lymphknoten)Delphi-Lymphknoten (Nodi lymphoidei prelaryngei)Nodus(-i) lymphoideus(-i)thyroideiNodus(-i) lymphoideus(-i)pretrachealesNodus(-i) lymphoideus(-i)paratrachealesNodus(-i) lymphoideus(-i)retropharyngealesNodus(-i) lymphoideus(-i)cervicaleslaterales superficialesNodus(-i) lymphoideus(-i)cervicaleslaterales profundi superioresNodus(-i) lymphoideus(-i)jugulodigastricusNodus(-i) lymphoideus(-i)cervicaleslaterales profundi inferioresNodus(-i) lymphoideus(-i)juguloomohyoideiNodus(-i) lymphoideus(-i)supraclaviculares

Tab. 10.17
Lymphknoten Verlauf Lymphzufluss
Nodi lymphoidei cervicales anteriores
  • Nodi lymphoidei cervicales anteriores superficiales

    • Nodi lymphoidei submentales

entlang der V. jugularis anterior
  • Haut der vorderen Halsregion; Drainage weiter zu den tiefen vorderen Lymphknoten

  • Unterlippe, Mundboden, Zähne, Zunge, Mundschleimhaut

  • Nodi lymphoidei cervicales anteriores profundi

entlang der unteren Atemwege; sowohl Sammel- als auch Regionärlymphknoten
  • Nodi lymphoidei infrahyoidei

  • obere Kehlkopfhälfte

  • Nodi lymphoidei prelaryngei

  • untere Kehlkopfhälfte

  • Nodi lymphoidei thyroidei

  • Schilddrüse

  • Nodi lymphoidei pre- und paratracheales

  • Luftröhre und Kehlkopf

  • Nodi lymphoidei retropharyngeales

  • Hypopharynx, Tuba auditiva, hintere Abschnitte der Nasenhöhle

Nodi lymphoidei cervicales laterales
  • Nodi lymphoidei cervicales laterales superficiales

auf dem M. sternocleidomastoideus, entlang der V. jugularis externa
  • regionäre Lymphknoten für: Ohrläppchen, Boden des äußeren Gehörgangs, Haut über dem Kieferwinkel und dem unteren Teil der Glandula parotidea

  • Drainage zu den tiefen seitlichen Lymphknoten

  • Nodi lymphoidei cervicales laterales profundi superiores

    • Nodus lymphoideus jugulodigastricus cervicalis

    • Nodus lymphoideus lateralis

    • Nodus lymphoideus anterior

  • Kreuzung von V. jugularis interna und M. digastricus, Venter posterior

  • regionäre Lymphknoten für:

    • Tonsilla palatina

    • Zungengrund

    • Zunge

    • Nodi lymphoidei submentales

    • Nodi lymphoidei submandibulares

    • anterolaterale Halshaut

    • Thoraxwand (Brustdrüse)

    • Nacken, Schulter, Haut des lateralen Halses

    • retroaurikuläre Lymphknoten

    • okzipitale Lymphknoten

  • Nodi lymphoidei cervicales laterales profundi inferiores

    • Nodi lymphoidei juguloomohyoidei

    • Nodus lymphoideus lateralis

    • Nodi lymphoidei anteriores

  • Kreuzung der Zwischensehne des M. omohyoideus mit der V. jugularis interna

  • Nodi lymphoidei supraclaviculares

  • entlang der A. transversa cervicis

  • Nodi lymphoidei accessorii

  • Nackenregion

Knorpel des Kehlkopfskeletts.KehldeckelknorpelCartilago(-ines)epiglotticaSchildknorpelCartilago(-ines)thyroideaRingknorpelCartilago(-ines)cricoideaStellknorpelCartilago(-ines)arytenoideaSpitzenknorpelCartilago(-ines)corniculata (Santorini-Knorpel)Santorini-Knorpel (Cartilago corniculata)Cartilago(-ines)cuneiformis (Wrisberg-Knorpel)Wrisberg-Knorpel (Cartilago cuneiformis)

Tab. 10.18
Knorpel Anzahl Knorpelhistologie Vorkommen
Kehldeckelknorpel (Cartilago epiglottica) unpaar elastisch regelmäßig
Schildknorpel (Cartilago thyroidea) unpaar hyalin regelmäßig
Ringknorpel (Cartilago cricoidea) unpaar hyalin regelmäßig
Stellknorpel (Cartilago arytenoidea) paarig hyalin (Ausnahme: Spitze des Proc. vocalis – elastisch) regelmäßig
Spitzenknorpel (Cartilago corniculata, santorini-Knorpel) paarig elastisch variabel
Keilknorpel (Cartilago cuneiformis, wrisberg-Knorpel) paarig elastisch variabel

Äußere KehlkopfbänderKehlkopfbänderäußere.MembranathyrohyoideaLigamentum(-a)thyrohyoideummedianumLigamentum(-a)thyrohyoideumlateraleLigamentum(-a)cricotrachealeLigamentum(-a)cricopharyngeum

Tab. 10.19
Band/Membran Verbindet Bemerkungen
Membrana
thyrohyoidea
Zungenbein und Schildknorpel
Lig. thyrohyoideum medianum Zungenbein und Schildknorpel in der Medianebene Verstärkung der Membrana thyrohyoidea
Lig. thyrohyoideum
laterale
Zungenbein und Schildknorpel am Hinterrand der Membrana thyrohyoidea Verstärkung der Membrana thyrohyoidea
Lig. cricotracheale Ringknorpel und Luftröhre fixiert Ringknorpel an der Luftröhre
Lig. cricopharyngeum Ringknorpel und unteren Teil der Pharynxvorderwand fixiert Ringknorpel am Pharynx

Innere KehlkopfbänderKehlkopfbänderinnere.Ligamentum(-a)thyroepiglotticumLigamentum(-a)cricothyroideumLigamentum(-a)cricothyroideummedianum (Lig. conicum)Ligamentum(-a)conicum (Lig. cricothyroideum medianum)Ligamentum(-a)ceratocricoideumLigamentum(-a)cricoarytenoideum (posterius)MembranafibroelasticaConuselasticusLigamentum(-a)vocaleMembranaquadrangularisLigamentum(-a)vestibulare

Tab. 10.20
Band/Membran Verbindet Bemerkungen
Lig. thyroepiglotticum Schildknorpel und Epiglottisstiel fixiert die Epiglottis am Schildknorpel
Lig. cricothyroideum Schildknorpel und Ringknorpel
Lig. cricothyroideum medianum (Lig. conicum) Schildknorpel und Ringknorpel Verstärkung des Lig. cricothyroideum
Lig. ceratocricoideum Cornu inferius des Schildknorpels und Ringknorpelaußenfläche verstärkt die Gelenkkapsel der Articulatio cricothyroidea
Lig. cricoarytenoideum (posterius) Rückseite des Stellknorpels und laterale Rückseite des Ringknorpels enthält viel elastisches Material und dient der Rückstellung des Stellknorpels in die Ausgangsposition
Membrana fibroelastica zieht innerhalb der Wand des supra- und subglottischen Raums und umfasst Stimmbänder und Taschenbänder hierzu gehören Conus elasticus, Ligg. vocalia, Membrana quadrangularis und Ligg. vestibularia
Conus elasticus (Abb. 10.38) Oberrand der Ringknorpelseiten und Lig. vocale kräftige elastische Membran in der Wand des subglottischen Raums, der Oberrand des Conus elasticus verdickt sich zu den Ligg. vocalia, seine Weite hängt von der Stimmfaltenstellung ab, er bündelt und fokussiert bei der Phonation den Luftstrahl auf die Stimmfalten
Lig. vocale Schildknorpel (über Stimmbandsehne und Nodulus elasticus anterior) und Proc. vocalis (über Nodulus elasticus posterior) des Stellknorpels verdickter Oberrand des Conus elasticus in der Glottis
Membrana quadrangularis innerhalb der Wand des supraglottischen Raums zieht sie von den Rändern der Epiglottis zu den Taschenbändern dünnere elastische Membran in der Wand des supraglottischen Raums
Lig. vestibulare verbindet Schildknorpel mit dem jeweiligen Stellknorpel, kranial der Stimmbänder verdickter Unterrand der Membrana quadrangularis in den Taschenfalten

Äußere Kehlkopfmuskeln.Nervus(-i)laryngeussuperiorMusculus(-i)cricothyroideusMusculus(-i)cricothyroideusParsexterna (M. cricothyroideus)ParsobliquaM. cricothyroideusParsrecta(M. cricothyroideus)Parsthyropharyngea (M. constrictor pharyngis inferior)Musculus(-i)constrictor(es) pharyngisinferiorParscricopharyngea (M. constrictor pharyngis inferior)Musculus(-i)thyrohyoideus

Tab. 10.21
Innervation Ursprung Ansatz Funktion
M. cricothyroideus, Pars interna (Abb. 10.39)
N. laryngeus superior, R. externus vordere Innenfläche des Ringknorpels Innenseite des Schildknorpels und Conus elasticus spannt durch Kippen des Ringknorpels die Stimmfalten (Grobspannung)
M. cricothyroideus, Pars externa mit einer Pars recta und einer Pars obliqua (Abb. 10.39)
N. laryngeus superior, R. externus vordere Innenfläche des Ringknorpels Unterrand der Schildknorpelplatte (Pars recta), Cornu inferius des Schildknorpels (Pars obliqua) spannt durch Kippen des Ringknorpels die Stimmfalten (Grobspannung)
M. constrictor pharyngis inferior, Pars thyropharyngea
N. laryngeus superior, R. externus, Plexus pharyngeus äußerer Schildknorpelrand Pharynxwand hebt den Kehlkopf beim Schluckakt, wirkt bei der Stimmfaltenspannung mit
M. constrictor pharyngis inferior, Pars cricopharyngea
N. laryngeus superior, R. externus, Plexus pharyngeus hinterer Anteil der Ringknorpelaußenfläche Pharynxwand am Kehlkopf unklar
M. thyrohyoideus
Radix superior der Ansa cervicalis (profunda) des Plexus cervicalis unterer Schildknorpelrand, Außenfläche des Schildknorpels Zungenbeinkörper, Cornu majus ossis hyoidei hebt den Kehlkopf beim Schluckakt, fixiert den Kehlkopf bei der Phonation

Innere Kehlkopfmuskeln.Nervus(-i)laryngeusinferiorMusculus(-i)thyroarytenoideusParsinterna (M. thyroarytenoideus)Musculus(-i)vocalisMusculus(-i)thyroarytenoideusMusculus(-i)arytenoideustransversusMusculus(-i)arytenoideusobliquusParsaryepiglottica (M. arytenoideus obliquus)Musculus(-i)cricoarytenoideuslateralisMusculus(-i)cricoarytenoideusposterior (Postikus)Postikus (M. cricoarytenoideus posterior)

Tab. 10.22
Innervation Ursprung Ansatz Funktion
M. thyroarytenoideus, Pars interna (M. vocalis) (Abb. 10.40, Abb. 10.41, Abb. 10.42)
N. laryngeus inferior unteres Drittel des Schildknorpelwinkels (strahlt über Stimmbandsehne in Schildknorpel ein) Proc. vocalis, seitlich von Lig. vocale und Nodulus elasticus posterior, Fovea oblonga des Aryknorpels schließt die Pars intermembranacea der Stimmritze (Verkürzen oder Verlängern der Stimmfalten, isotonische Kontraktion), reguliert Stimmfaltenspannung (schwingenden Anteil der Stimmfalte, isometrische Kontraktion)
M. thyroarytenoideus, Pars externa (Abb. 10.40, Abb. 10.41, Abb. 10.42)
N. laryngeus inferior unteres Drittel des Schildknorpelwinkels, seitlich von der Stimmbandsehne Crista arcuata des Aryknorpels schließt die Pars intermembranacea der Stimmritze durch Adduktion und Senkung des Proc. vocalis
M. arytenoideus transversus (Abb. 10.40, Abb. 10.41, Abb. 10.43)
N. laryngeus inferior laterale Kante und Hinterfläche des Stellknorpels laterale Kante und Hinterfläche des Stellknorpels der Gegenseite schließt durch Zusammenführen beider Stellknorpel die Pars intercartilaginea der Stimmritze
M. arytenoideus obliquus (Abb. 10.41)
N. laryngeus inferior Basis der Hinterfläche des Stellknorpels Spitze des Stellknorpels der
Gegenseite
schließt die Pars intercartilaginea durch Adduktion der Stellknorpel, geringgradige Außenrotation des Proc. vocalis mit leichter Öffnung der Pars intermembranacea
M. arytenoideus obliquus, Pars aryepiglottica (Abb. 10.43)
N. laryngeus inferior Stellknorpelspitze Seitenrand der Epiglottis senkt geringgradig die Epiglottis
M. cricoarytenoideus lateralis (Abb. 10.40, Abb. 10.41)
N. laryngeus inferior seitlicher Oberrand zwischen Arcus und Lamina des Ringknorpels Proc. muscularis des Stellknorpels schließt durch Adduktion und Hebung des Proc. vocalis des Stellknorpels die Pars intermembranacea der Stimmritze, öffnet die Pars intercartilaginea (Flüsterdreieck)
M. cricoarytenoideus posterior (Postikus) (Abb. 10.40, Abb. 10.41, Abb. 10.43)
N. laryngeus inferior Hinterfläche der Lamina des Ringknorpels Proc. muscularis des Stellknorpels öffnet die Stimmritze zur Abduktion und Hebung des Proc. vocalis (bis maximale Öffnung) zur Inspiration

SchlundschnürerSchlundschnürer.Parspterygopharyngea (M. constrictor pharyngis superior)Musculus(-i)constrictor(es) pharyngissuperiorParsbuccopharyngea (M. constrictor pharyngis superior)Parsmylopharyngea (M. constrictor pharyngis superior)Parsglossopharyngea (M. constrictor pharyngis superior)Parschondropharyngea (M. constrictor pharyngis medius)Parsceratopharyngea (M. constrictor pharyngis medius)Musculus(-i)constrictor(es) pharyngismediusParsthyropharyngea (M. constrictor pharyngis inferior)Musculus(-i)constrictor(es) pharyngisinferiorParscricopharyngea (M. constrictor pharyngis inferior)

Tab. 10.23
Innervation Ursprung Ansatz Funktion
M. constrictor pharyngis superior
Rr. pharyngeales des
N. glossopharyngeus [IX]
(= Plexus pharyngeus)
  • Pars pterygopharyngea:

Lamina medialis des Proc. pterygoideus und Hamulus pterygoideus Membrana pharyngobasilaris, Raphe pharyngeus zusammen mit den M. palatopharyngeus entsteht bei seiner Kontraktion ein Wulst, der beim Schluckakt den Nasen-Rachen-Raum verschließt (passavant-Ringwulst)
  • Pars buccopharyngea:

Raphe pterygomandibularis Membrana pharyngobasilaris, Raphe pharyngeus Einschnürung des Rachens, Transport des Speisebolus
  • Pars mylopharyngea:

Linea mylohyoidea der Mandibula
  • Pars glossopharyngea:

Zungenbinnenmuskulatur
M. constrictor pharyngis medius
Rr. pharyngeales des
N. glossopharyngeus [IX] und des N. vagus [X]
(= Plexus pharyngeus)
  • Pars chondropharyngea:

Cornu minus ossis hyoidei Raphe pharyngeus Einschnürung des Rachens, Transport des Speisebolus
  • Pars ceratopharyngea:

Cornu majus ossis hyoidei
M. constrictor pharyngis inferior
Rr. pharyngeales des
N. vagus [X] (= Plexus pharyngeus)
  • Pars thyropharyngea:

Linea obliqua des Schildknorpels Raphe pharyngeus Einschnürung des Rachens, Transport des Speisebolus
  • Pars cricopharyngea:

    • Pars obliqua

    • Pars transversa

Cartilago cricoidea

Schlundheber.Musculus(-i)stylopharyngeusMusculus(-i)palatopharyngeusMusculus(-i)salpingopharyngeus

Tab. 10.24
Innervation Ursprung Ansatz Funktion
M. stylopharyngeus
Rr. pharyngeales des
N. glossopharyngeus [IX]
(= Plexus pharyngeus)
Proc. styloideus Cartilago thyroidea, strahlt in die Seitenwand des Pharynx ein Anheben des Pharynx während des Schluckaktes
M. palatopharyngeus
R. musculi stylopharyngei des N. glossopharyngeus [IX] Aponeurosis palatinae, Hamulus pterygoideus Cartilago thyroidea, strahlt in die Seitenwand des Pharynx ein Anheben des Pharynx während des Schluckaktes
M. salpingopharyngeus
Rr. pharyngeales des
N. glossopharyngeus [IX]
(= Plexus pharyngeus)
Hinterrand des Ostium tubae auditivae strahlt in die Seitenwand des
Pharynx ein
Anheben des Pharynx während des Schluckaktes, öffnet die Tuba auditiva

Übersicht der arteriellen Blutversorgung des Pharynx.

Tab. 10.25
Arterienstamm Endast Versorgungsgebiet
A. carotis externa A. pharyngea ascendens seitliche und hintere Pharynxwand
A. maxillaris A. sphenopalatina oberer vorderer Abschnitt des Pharynx
A. facialis A. palatina ascendens mittlerer vorderer Abschnitt des Pharynx
A. subclavia A. thyroidea inferior unterer Abschnitt des Pharynx

Hals

  • 10.1

    Überblick Michael Scholz543

    • 10.1.1

      Oberflächenanatomie des Halses543

    • 10.1.2

      Regionen des Halses und Halsdreiecke544

  • 10.2

    Bewegungsapparat des Halses Michael Scholz544

    • 10.2.1

      Passive Anteile544

    • 10.2.2

      Aktive Anteile – Halsmuskulatur545

  • 10.3

    Halsfaszien und Bindegewebsräume Michael Scholz551

    • 10.3.1

      Halsfaszien552

    • 10.3.2

      Bindegewebsräume des Halses553

  • 10.4

    Leitungsbahnen des Halses Michael Scholz555

    • 10.4.1

      Arterien des Halses555

    • 10.4.2

      Venen des Halses558

    • 10.4.3

      Nerven des Halses560

    • 10.4.4

      Lymphknoten des Halses567

  • 10.5

    Schilddrüse und Nebenschilddrüsen Michael Scholz569

    • 10.5.1

      Lage und Funktion569

    • 10.5.2

      Entwicklung570

    • 10.5.3

      Leitungsbahnen571

  • 10.6

    Larynx Friedrich Paulsen572

    • 10.6.1

      Überblick573

    • 10.6.2

      Entwicklung573

    • 10.6.3

      Kehlkopfskelett574

    • 10.6.4

      Kehlkopfetagen581

    • 10.6.5

      Aufbau der Plicae vocales und Plicae vestibulares582

    • 10.6.6

      Leitungsbahnen583

  • 10.7

    Pharynx Wolfgang H. Arnold584

    • 10.7.1

      Entwicklung585

    • 10.7.2

      Etagen des Pharynx585

    • 10.7.3

      Rachenwand586

    • 10.7.4

      Pharynxmuskulatur586

    • 10.7.5

      Leitungsbahnen587

    • 10.7.6

      Schluckakt590

    • 10.7.7

      Lymphatischer Rachenring590

Klinischer Fall

Halszyste

Anamnese

Ein Vater stellt sich mit seiner 12-jährigen Tochter Halszystenlateralebeim Kinderarzt vor. Die Tochter klagt schon seit einiger Zeit über eine immer wiederkehrende Schwellung mit Druckgefühl an der linken Halsseite. Bislang war diese Schwellung immer ohne ärztliche Behandlung zurückgegangen. Seit über einer Woche besteht die Schwellung nun aber permanent und geht mit zunehmenden Schmerzen, einer deutlichen Hautrötung an dieser Stelle und erhöhter Temperatur einher.

Weitere Diagnostik und Diagnose

Zur Abklärung der Verdachtsdiagnose laterale Halszyste überweist der Kinderarzt das Mädchen zu einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt, der eine Ultraschalluntersuchung durchführt und eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Halses veranlasst. Dabei kann eine laterale Halszyste am Vorderrand des linken M. sternocleidomastoideus zweifelsfrei dargestellt und von anderen möglichen Schwellungen abgegrenzt werden. Halszysten (geschlossen) bzw. Halsfisteln (die Haut perforierend) entstehen durch angeborene Fehlentwicklungen der Halseingeweide. Man unterscheidet dabei mittig gelegene (mediane) Halszysten von seitlichen (lateralen) Halszysten. Eine laterale Halszyste ist das Ergebnis einer fehlerhaften Rückbildung der embryonalen Schlundbogenanlage in diesem Bereich (Sinus cervicalis). In den meisten Fällen liegen laterale Halszysten deshalb am seitlichen Hals oberhalb des M. sternocleidomastoideus.

Therapie

Die akute Entzündung wird zunächst mit einem Antibiotikum sowie schmerz- und fiebersenkenden Medikamenten behandelt. Weil die Infektion aber wahrscheinlich erneut auftreten wird oder sich eine Fistel bilden kann, sollte die Halszyste operativ entfernt werden. Normalerweise handelt es sich bei dieser Operation um einen komplikationsarmen Routineeingriff. Allerdings muss sehr genau darauf geachtet werden, das gesamte Zystengewebe vollständig zu entfernen, damit es keine Rezidive gibt. Nachdem sich die Eltern zur Operation entschlossen hatten, wurde das Mädchen kurze Zeit später operiert. Nach der Operation blieb sie über Nacht zur Beobachtung auf Station und wurde am nächsten Tag nach Hause entlassen. Seitdem ist die Wunde gut verheilt und es sind keine weiteren Beschwerden mehr aufgetreten.

Der Hals (Collum, Cervix) CollumCervixHalsist das röhrenförmige und bewegliche Verbindungsstück zwischen Kopf und Oberkörper. Knöcherne Grundlage ist die Halswirbelsäule, auf welcher der Kopf sitzt. Die Anordnung und Struktur der Kopfgelenke ermöglicht die freie Drehung des Kopfes gegenüber dem Rumpf um nahezu 90° auf jeder Seite. Entwicklungsgeschichtlich ist dies erst seit etwa 370 Millionen Jahren möglich, zu einer Zeit, als die ersten Amphibien den festen Erdboden eroberten. Im Vergleich dazu sind Kopf und Wirbelsäule bei den Fischen auch heute noch gegeneinander unbeweglich. Allerdings ist der Hals mit seinen Strukturen in seiner Phylogenese nicht als grundlegend neue Idee zu verstehen. Tatsächlich drückt das Bild einer quasi in die Länge gezogenen Kopf-Rumpf-Grenze diesen Teil des Körpers am verständlichsten aus. Unter diesem Gesichtspunkt erklärt sich auch, warum beispielsweise Nerven des Kopfes auch an der Innervation von Schultermuskeln beteiligt sind und wie es sein kann, dass die obere Extremität von Nerven versorgt wird, die aus der Halswirbelsäule austreten. Der Hals ist aber nicht nur reines Verbindungsstück, sondern enthält auch Organe wie die Schilddrüse, die Nebenschilddrüsen und den Kehlkopf.

Klinik

Verletzungen im HalsbereichHalsregionVerletzungen sind grundsätzlich als sehr gefährlich anzusehen, da neben der Halswirbelsäule in den Weichteilen viele wichtige Strukturen verlaufen, wie große Blutgefäße und Nervenbahnen sowie der Luft- und der Speiseweg.

Überblick

Michael Scholz

Kompetenzen

Nach Bearbeitung dieses Lehrbuchkapitels sollten Sie in der Lage sein:

  • den anatomischen Aufbau des Halses zu beschreiben und dessen Inhaltsstrukturen zu benennen

  • die verschiedenen Regionen des Halses topografisch korrekt zu beschreiben und ihre Begrenzungen klar zu definieren

Oberflächenanatomie des Halses

Form und Aussehen des HalsesHalsOberflächenanatomie werden in erster Linie von der mehr oder weniger stark ausgeprägten Halsmuskulatur, der Größe und Form von Schilddrüse (Glandula thyroidea) und Kehlkopf (Larynx) sowie der Verteilung des subkutanen Fettgewebes bestimmt. Kranial zeigt sich ein längsovaler, kaudal ein eher querovaler Halsquerschnitt. Beim Mann ist der SchildknorpelSchildknorpel (Cartilago thyroidea) Cartilago(-ines)thyroideades Kehlkopfes als AdamsapfelAdamsapfel (Prominentia laryngea) Prominentialaryngeadeutlich zu erkennen und tastbar (Tab. 10.1). Bei Frauen und Kindern hebt sich diese Struktur hingegen kaum vom Halsrelief ab. Die Position des ZungenbeinsZungenbeinOs(-sa)hyoideum (Os hyoideum) kann durch eine quer verlaufende Hautfalte oberhalb des Kehlkopfs bestimmt werden, die auch die äußerlich sichtbare Grenze zwischen Mundboden und Hals darstellt.
Die knöchernen Begrenzungen des HalsesHalsregionknöcherne Begrenzungen sind nach kranial der Unterkiefer (Mandibula) und das Hinterhauptsbein (Os occipitale), nach kaudal die Schlüsselbeine (Claviculae) und die Oberkante der Schulterblätter (Scapulae). Durch die obere Thoraxapertur, einen gelenkig miteinander verbundenen knöchernen Ring aus Brustbein (Sternum), erstem Rippenpaar und erstem Brustwirbel, geht der Hals kaudal per Definition in das Mediastinum des Thorax über. An der Basis der vorderen Halsregion, gleich über dem Brustbein, befindet sich als deutlich erkennbare Vertiefung dieDrosselgrubeFossajugularis Drosselgrube (Fossa jugularis). Durch leichten Druck in diesem Bereich kann man direkt unter der Haut gut die oberen Knorpelspangen der Luftröhre (Trachea) tasten. Dorsal der luftleitenden Wege (Larynx, Trachea) liegen im Hals die zervikalen Abschnitte des Verdauungstrakts (Pharynx, Oesophagus) und dahinter die Halswirbelsäule.

Regionen des Halses und Halsdreiecke

Der Hals kann grundsätzlich in 4 große RegionenRegio(-nes)cervicalisanterior (Regiones cervicales) eingeteilt werden:
  • Regio cervicalis anterior

  • Regio sternocleidomastoideaRegio(-nes)sternocleidomastoidea

  • Regio cervicalis lateralisRegio(-nes)cervicalislateralis

  • Regio cervicalis posteriorRegio(-nes)cervicalisposterior

Zusätzlich können mehrere die jeweiligen Regionen einzeln unterteilende Halsdreiecke (Trigona cervicis) definiert werden (Abb. 10.1, Tab. 10.2). DerMusculus(-i)sternocleidomastoideus M. sternocleidomastoideus, der sich im seitlichen Halsbereich als deutlicher Wulst unter der Haut darstellt, ist die prominente Struktur für die Einteilung der Halsregionen. Der Muskel entspringt am Manubrium sterni (Caput sternale) und am sternalen Ende der Clavicula (Caput claviculare) und zieht nach kranial hinten zum Proc. mastoideus des Os temporale und der Linea nuchalis superior. Der seitliche Halsbereich, der von diesem Muskel geprägt wird, wird alsRegio(-nes)sternocleidomastoidea Regio sternocleidomastoidea bezeichnet. Medial der beiden Mm. sternocleidomastoidei befindet sich dasHalsdreieckvorderesHalsdreiecklaterales vordere Halsdreieck (Regio cervicalis anterior; Trigonum cervicale anterius).Trigonumcervicale anterius/posterius Regio(-nes)cervicalisanteriorDiese Region (Abb. 10.1, blau) lässt sich topografisch aufgrund der tiefer liegenden Strukturen in weitere kleinere Halsdreiecke unterteilen (Tab. 10.2). Lateral des M. sternocleidomastoideus und zusätzlich nach hinten durch den Vorderrand des M. trapezius und nach kaudal durch das mittlere Drittel der Clavicula begrenzt, liegt das laterale HalsdreieckHalsdreiecklaterales (Regio cervicalis lateralis; Trigonum cervicale posterius). Hier (Abb. 10.1, grün) Regio(-nes)cervicalislateralisverläuft im unteren Bereich der Venter inferior musculi omohyoidei, wodurch ein weiteres Dreieck, das TrigonumomoclaviculareTrigonum omoclaviculare (Fossa supraclavicularis major), Fossasupraclavicularismajorentsteht (Abb. 10.1). HalsregionhintereDie hintere Halsregion schließlich (Regio cervicalis posterior) Regio(-nes)cervicalisposteriorwird vornehmlich durch die kompakte und kräftig ausgebildete Nackenmuskulatur geprägt.

Bewegungsapparat des Halses

Michael Scholz

Kompetenzen

Nach Bearbeitung diesesHalsBewegungsapparat Lehrbuchkapitels sollten Sie in der Lage sein:

  • den aktiven und passiven Bewegungsapparat des Halses im Einzelnen zu benennen und deren Strukturen sowie Funktionen einander zuzuordnen

Auch am Hals kann man die Anteile des Bewegungsapparats in passive und aktive Elemente einteilen.

Passive Anteile

Zu den passiven Anteilen zählen die Halswirbelsäule mit ihren gelenkigen Verbindungen, den Zwischenwirbelscheiben und Bändern (Kap. 3.3.2) und das ZungenbeinZungenbein (Os hyoideum)Os(-sa)hyoideum mit seinen Bandverbindungen. Das Zungenbein ist ein hufeisenförmig gebogener, etwa 3–5 cm großer Knochen, der aus einem Körper (Corpus ossis hyoidei) sowie 2 großen (Cornua majora) und 2 kleineren Höckern (Cornua minora) besteht (Abb. 10.2). Der Zungenbeinkörper und die Cornua majora sind normalerweise leicht von außen tastbar.
An ihnen setzt der mittlere Schlundschnürer (M. constrictor pharyngis medius) Musculus(-i)constrictor(es) pharyngismediusan. Das Zungenbein hat keine Verbindung zu anderen knöchernen Strukturen und ist zwischen der Mundbodenmuskulatur (suprahyale Muskulatur) und der infrahyalen Muskulatur eingespannt. Dadurch ist es innerhalb dieser Muskelschlinge beweglich aufgehängt. Durch das Lig. stylohyoideum Ligamentum(-a)stylohyoideumist das Zungenbein mit der Schädelbasis (Os temporale) verbunden. Das Band verhindert, dass das Os hyoideum unter die Ebene des IV. Halswirbels gezogen wird, und kann mit zunehmendem Alter ganz oder teilweise verknöchern. Über die Membrana thyrohyoideaMembranathyrohyoidea ist das Zungenbein mit dem Schildknorpel (Cartilago thyroidea) des Kehlkopfs verbunden (Abb. 10.3, auch Kap. 10.6.3). Die Membran wird mittig durch das Lig. thyrohyoideum medianum Ligamentum(-a)thyrohyoideummedianumverstärkt, das von der Incisura thyroidea superior zum Corpus ossis hyoidei zieht. Der verstärkte Hinterrand der Membrana thyrohyoidea wird als Lig. thyrohyoideum laterale Ligamentum(-a)thyrohyoideumlateralebezeichnet und umschließt in seinem Verlauf vom Cornu majus ossis hyoidei zum Cornu superius des Schildknorpels ein kleines, wenige Millimeter großes elastisches KnorpelstückCartilago(-ines)triticea (Cartilago triticea).

Klinik

Bei einer Fraktur des Zungenbeins ZungenbeinFrakturendurch Gewalteinwirkung (z. B. Würgegriff) können Teile des Zungenbeins auf den Kehlkopf absinken und den Schluckakt behindern (Aspirationsgefahr).

Aktive Anteile – Halsmuskulatur

Der aktive HalsmuskulaturBewegungsapparat wird durch die Hals- und Nackenmuskulatur gebildet. Topografisch betrachtet gehören die Nackenmuskulatur und auch der M. trapezius zur Halsmuskulatur. Funktionell ist der M. trapezius aber Teil der Schultergürtelmuskulatur und die Nackenmuskulatur ist als Teil der autochthonen Rückenmuskulatur (M. erector spinae) anzusehen.
Die Halsmuskulatur lässt sich in eine oberflächliche, eine mittlere und eine tiefe Muskelschicht gliedern (Tab. 10.3).
Oberflächliche Schicht der Halsmuskulatur
Zu den oberflächlichenHalsmuskulaturoberflächliche Schicht Halsmuskeln zählen das Platysma und der M. sternocleidomastoideus.
Platysma
Das Platysma Platysmabefindet sich als dünne und breitflächige Muskelplatte direkt unter der Haut. Es gehört zur mimischen Muskulatur und hat keine Faszie. Es entspringt variabel mit seinen Fasern in der Haut unterhalb der Clavicula im oberen Brustbereich und inseriert am Unterrand der Mandibula. In seinem Verlauf bedeckt es die oberflächlichen Halsvenen und einen großen Teil des M. sternocleidomastoideus. Zwischen Platysma und M. sternocleidomastoideus ist der untere Pol der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotidea) lokalisiert (Abb. 10.4). Die Ausprägung des Platysmas variiert individuell stark, selten reicht es nur bis zur Halsmitte oder fehlt ganz. Das Platysma wird vom R. colli des N. facialis [VII] Ramus(-i)colli (N. facialis)innerviert. Dieser Nervenast geht in der Regel aus den Aufzweigungen des N. facialis [VII] innerhalb der Ohrspeicheldrüse hervor und bildet eine Nervenschlinge mit dem R. superior des N. transversus colliNervus(-i)transversus colli (aus dem Punctum nervosum cervicis, erb-PunktPunctumnervosum (Erb-Punkt)Erb-Punkt (Punctum nervosum); Plexus cervicalis) (Abb. 10.20). Über diese Verbindung gelangen motorische Nervenfasern über den N. transversus colli zu den weiter entfernt liegenden Abschnitten des Platysmas. Aufgrund seines Verlaufs spannt das Platysma bei Kontraktion die Haut des Halses und hat Einfluss auf die Mimik (Drohgebärde).

Merke

Der N. transversus colli verläuft direkt transversal über den M. sternocleidomastoideus und unterhalb des Platysmas.

M. sternocleidomastoideus
Der M. sternocleidomastoideus (Tab. 10.4)Musculus(-i)sternocleidomastoideus bildet die Grenze zwischen vorderer (Regio cervicalis anterius) und seitlicher (Regio cervicalis lateralis) Halsregion. Er entspringt mit jeweils einem Kopf am Oberrand des Manubrium sterni (Caput sternale) Caputsternale (M. sternocleidomastoideus)und am sternalen Ende der Clavicula (Caput claviculare). Caputclaviculare (M. sternocleidomastoideus)Zwischen beiden Ursprungsköpfen liegt die Fossa supraclavicularis minor (Abb. 10.5). FossasupraclavicularisminorCaput sternale und Caput claviculare vereinigen sich in ihrem Verlauf zu einem breiten Muskelbauch, der schräg vom Brustkorb zum Kopf aufsteigt und mit einer kräftigen Sehne am Proc. mastoideus und an der Linea nuchalis superior Linea(-ae)nuchalis superiorinseriert. Zwischen den beiden sternalen Köpfen des rechten und linken Muskels befindet sich die oberflächlich gut sichtbare Fossa jugularis (FossajugularisJugulum). Der M. sternocleidomastoideus wird gemeinsam mit dem M. trapezius vom N. accessorius [XI] motorischNervus(-i)accessorius [XI] innerviert, weil beide Muskeln embryonal aus einer gemeinsamen Anlage hervorgegangen und Abkömmlinge ehemaliger Schlundbogenmuskeln sind. Bei einseitiger Kontraktion des Muskels wird eine Seitwärtsneigung des Kopfes zur ipsilateralen und eine Drehbewegung zur kontralateralen Seite bewirkt („Kopfwender-Muskel“). Gleichzeitige Kontraktion beider Mm. sternocleidomastoidei führt zur Dorsalextension des Kopfes.
Bei fixiertem Kopf fungiert der M. sternocleidomastoideus als Atemhilfsmuskel.

Klinik

Eine einseitige Verkürzung des M. sternocleidomastoideus kann zum Bild des muskulären Schiefhalses (Torticollis muscularis) Schiefhals (Torticollis)muskulärer (muscularis)Torticollis (Schiefhals)muscularisführen. Ursache ist meist eine angeborene Fehlentwicklung des Muskels. Allerdings können auch traumatische oder entzündliche Prozesse (Myositis) zu Vernarbungen und Verkürzungen im Muskel führen. Folge der Muskelverkürzung und der damit verbundenen Schiefstellung des Kopfes können Gesichts- und Schädelasymmetrien sein.

Mittlere Schicht der Halsmuskulatur
Die mittlere Schicht der HalsmuskulaturHalsmuskulaturmittlere Schicht bilden die supra- und infrahyalen Muskeln (Tab. 10.5). Beide Muskelgruppen setzen am Zungenbein an und bestimmen durch ihr Zusammenspiel die Position des Zungenbeins. Sie sind funktionell am Schluckakt und an der Sprachbildung beteiligt.
Suprahyale Muskeln
Die unter dem Begriff suprahyale Muskulatursuprahyale Muskulatur zusammengefassten Muskeln gehen aus verschiedenen embryonalen Strukturen hervor:
  • Der M. mylohyoideus Musculus(-i)mylohyoideusund der Venter anterior des M. digastricus Venteranterior (M. digastricus)Venterposterior (M. digastricus)bilden sich aus dem 1. Schlundbogen.

  • Der Venter posterior des M. digastricus und der M. stylohyoideus Musculus(-i)stylohyoideusentstammen dem 2. Schlundbogen.

  • Der M. geniohyoideus Musculus(-i)geniohyoideusist Teil des Rektussystems des Halses. Er entsteht ursprünglich aus den Halssomiten.

Die unterschiedliche Herkunft der einzelnen oberen Zungenbeinmuskeln erklärt auch, warum sie von verschiedenen Nerven innerviert werden.
M. stylohyideus
Der M. stylohyoideus (Tab. 10.5) entspringt mit einer dünnen Sehne an der Basis des Proc. stylohyoideus und zieht ventrokaudal an die laterale Wand der Corpus ossis hyoidei. Unmittelbar vor seinem Ansatz am Zungenbein teilt er sich in 2 Sehnenstränge auf und umfasst die Zwischensehne des M. digastricus (Ansa tendinis), die er auf diese Weise fixiert (Abb. 10.6). Während des Schluckakts zieht er das Zungenbein nach hinten oben. Er wird vom N. facialis [VII] innerviert.
M. digastricus
Der M. digastricusMusculus(-i)digastricus (Tab. 10.6) hat 2 Bäuche, einen kürzeren Venter anterior und einen längeren Venter posterior, die durch eine Sehne miteinander verbunden sind. Diese wiederum ist über eine bindegewebige Schlinge (Ansa tendinis) am Corpus ossis hyoidei fixiert (Abb. 10.6). Der Venter anterior Venteranterior (M. digastricus)hat seinen Ursprung in der Fossa digastrica an der Innenseite der Mandibula und wird als oberflächliche Abspaltung des M. mylohyoideus genau wie dieser vom N. mylohyoideus (N. mandibularis [V/3]) innerviert. Der Venter posterior Venterposterior (M. digastricus)entspringt an der Incisura mastoidea der medialen Seite des Proc. mastoideus (Os temporale). Dieser geht aus derselben Anlage wie der M. stylohyoideus hervor und wird demzufolge ebenfalls vom N. facialis [VII] innerviert (R. digastricus). Bei fixierter Mandibula hebt der M. digastricus das Zungenbein an (Schluckakt); bei fixiertem Zungenbein öffnet er den Mund (Senken der Mandibula).
M. mylohyoideus
Der M. mylohyoideusMusculus(-i)mylohyoideus (Tab. 10.6) entspringt an der Linea mylohyoidea der Mandibula und liegt oberhalb des Venter anterior des M. digastricus. Die breiten Muskelplatten beider Seiten vereinigen sich entlang der Mittellinie in der etwa 4–5 cm langen Raphe mylohyoidea. Die hinteren Muskelfasern inserieren am Corpus ossis hyoidei (Abb. 10.5). Der M. mylohyoideus wird vom N. mylohyoideusNervus(-i)mylohyoideus (N. mandibularis [V/3]) innerviert und unterstützt und hebt den Mundboden.
M. geniohyoideus
Der M. geniohyoideusMusculus(-i)geniohyoideus (Tab. 10.6) liegt dem M. mylohyoideus kranial auf und zieht von der Spina mentalis des Corpus mandibulae zum Corpus ossis hyoidei. Er ist ein schmaler, paarig angelegter Muskel, dessen mediale Seiten sich in ihrem Verlauf fast berühren. Der Muskel entstammt dem Rektussystem des Halses und wird deshalb über einen Ast des Plexus cervicalis (C1) innerviert. Er hebt bei fixierter Mandibula das Zungenbein an und unterstützt bei fixiertem Os hyoideum die Mundöffnung.
Infrahyale Muskeln
Die 4 flachen Muskelpaare der infrahyalen Muskulaturinfrahyale Muskulatur setzen das Rektussystem des Rumpfes nach kranial fort. Alle liegen im Trigonum musculare der Regio cervicalis anterius, spannen sich zwischen Brustbein, Schildknorpel und Zungenbein aus und überdecken in ihrem Verlauf die Trachea, die Schilddrüse und einen großen Teil des Kehlkopfs. Sie sind in 2 Schichten gegliedert, wobei die obere Schicht vom M. sternohyoideus Musculus(-i)sternohyoideusMusculus(-i)omohyoideusund vom M. omohyoideus und die untere Schicht vom M. sternothyroideus Musculus(-i)sternothyroideusund vom M. thyrohyoideus Musculus(-i)thyrohyoideusgebildet wird (Abb. 10.5). Alle infrahyalen Muskeln werden von Nervenästen des Plexus cervicalis (C1–C4) innerviert, die sich zu einer Nervenschlinge, der Ansa cervicalis (profunda), zusammenlagern. Im Zusammenspiel mit den suprahyalen Muskeln bestimmt die infrahyale Muskulatur die Stellung von Zungenbein und Kehlkopf und spielt somit eine wichtige Rolle beim Schlucken und bei der Stimmbildung (Phonation).

Merke

Die früheren Begriffe Ansa cervicalis superficialis (Anastomose des N. transversus colli mit dem R. colli des N. facialis [VII]) und Ansa cervicalis profunda (motorische Innervation der infrahyalen Muskulatur) führten häufig zu Verwechslungen. Daher spricht man nur noch von Ansa cervicalis Ansacervicalisund meint damit die Nervenschlinge um die V. jugularis interna, die der Innervation der infrahyalen Muskulatur dient. Da allerdings kein Begriff für die ehemalige Ansa cervicalis superficialis vorgeschlagen wurde und der Begriff nach wie vor geläufig ist, wurden die früheren Bezeichnungen in den Abbildungen beibehalten.

M. sternohyoideus
Der M. sternohyoideusMusculus(-i)sternohyoideus (Tab. 10.7) ist ein langer flacher Muskel, der von der dorsalen Seite des Manubrium sterni und am dorsalen Anteil der Articulatio sternoclavicularis entspringt und zum Unterrand des Corpus ossis hyoidei zieht. In seinem Verlauf nach kranial nähern sich die Muskeln beider Seiten bis zum Zungenbein immer weiter an, wobei die Prominentia laryngea (Adamsapfel) des Schildknorpels unbedeckt bleibt (Abb. 10.5). In seinem Ursprungsbereich kann im M. sternohyoideus individuell eine Zwischensehne vorkommen.
M. omohyoideus
Der M. omohyoideusMusculus(-i)omohyoideus (Tab. 10.7) entspringt vom Oberrand der Scapula im Bereich des Lig. transversum scapulae und setzt am Zungenbein an (Abb. 10.5). Sein Ursprung ist auch der Grund für seinen Namen, der sich von der alten anatomischen Bezeichnung „Omoplata“ für das Schulterblatt ableitet. Durch eine Zwischensehne gliedert sich der Muskel in 2 Muskelbäuche, einen Venter superior und einen Venter inferior. Der Venter inferior Venterinferior (M. omohyoideus)Ventersuperior (M. omohyoideus)entspringt medial der Incisura suprascapularis an der Margo superior des Schulterblatts. In seinem Verlauf zieht er als obere Begrenzung des Trigonum omoclaviculareTrigonumomoclaviculare (Fossa supraclavicularis major)Fossasupraclavicularismajor durch das laterale Halsdreieck nach vorn und setzt mit seiner Zwischensehne direkt an der Karotisscheide (Vagina carotica) an. Der Venter superior hat seinen Ursprung an der Zwischensehne und zieht nach oben zum Corpus ossis hyoidei. Hier setzt er direkt lateral der Ansatzstelle des M. sternohyoideus an (Abb. 10.5).

Merke

Die Zwischensehne des M. omohyoideus Musculus(-i)omohyoideusZwischensehneliegt hinter dem M. sternocleidomastoideus und überkreuzt die Karotisscheide. An der Kreuzungsstelle sind Zwischensehne und Vagina carotica miteinander verschmolzen. Durch die Grundspannung des M. omohyoideus wird die Karotisscheide an dieser Stelle dauerhaft gespannt. Daher ist das Lumen der V. jugularis interna erweitert und der venöse Rückstrom zum Herz besser als ohne diese Spannung. Die in Höhe des Ringknorpels liegende Überkreuzungsstelle bietet sich dadurch auch als Punktionsort für einen intravenösen Zugang an.

M. thyrohyoideus
Der M. thyrohyoideusMusculus(-i)thyrohyoideus (Tab. 10.7) zieht von der Linea obliqua des Schildknorpels (Cartilago thyroidea) zum Cornu majus des Zungenbeins (Abb. 10.7). Er liegt in seinem Verlauf unterhalb des Venter superior des M. omohyoideus und unterhalb des M. sternohyoideus (Abb. 10.5). Er senkt das Zungenbein und fixiert es. Beim Schluckvorgang hebt er den Kehlkopf an.
M. sternothyroideus
In kaudaler Fortsetzung des M. thyrohyoideus und unterhalb des M. sternohyoideus verläuft der M. sternothyroideusMusculus(-i)sternothyroideus (Tab. 10.7). Er hat seinen Ursprung an der Hinterfläche des Manubrium sterni und zieht nach oben zur Linea obliqua des Schildknorpels. Lateral ist die Trennung des M. sternothyroideus und des M. thyroideus unvollständig, da die lateralen Muskelfasern ineinander übergehen und gemeinsam zum Zungenbein verlaufen. In seinem Verlauf überlagert der Muskel die Seitenlappen der Schilddrüse. Der M. sternothyroideus zieht den Kehlkopf nach kaudal und fixiert den Kehlkopf bei isometrischer Kontraktion während der Phonation.
Tiefe Schicht der Halsmuskulatur
Zur tiefen Schicht der HalsmuskulaturHalsmuskulaturtiefe Schicht gehören ebenfalls 2 Muskelgruppen:
  • die seitlich in der Tiefe verlaufenden Mm. scaleni

  • die vor der Halswirbelsäule verlaufenden prävertebralen Muskeln

Die beiden Muskelgruppen ziehen an die Halswirbelsäule oder von ventral zur Schädelbasis. Sie sind Antagonisten der Nackenmuskeln.
Mm. scaleni
Die SkalenusmuskelnSkalenusmuskelnMusculus(-i)scaleni sind die Fortsetzung der Interkostalmuskulatur des Thorax im Halsbereich (Abb. 10.7). Es gibt in aller Regel 3 Skalenusmuskeln (Tab. 10.8), die alle von direkten Ästen der Halsspinalnerven (C3–C8) innerviert werden. Der kräftigste dieser Muskeln ist der M. scalenus medius, dessen Ursprung mit einigen Fasern auch an Atlas und Axis liegen kann. Gelegentlich (etwa bei einem Drittel der Bevölkerung) kann auch ein 4. Skalenusmuskel (M. scalenus minimus)Musculus(-i)scalenusminimus vorhanden sein.

Merke

M. scalenus anterior und M. scalenus medius bilden gemeinsam mit dem Oberrand der I. Rippe ein Dreieck, die Skalenuslücke,Skalenuslücke durch die die A. subclavia und der Plexus brachialis hindurchtreten. Manche Autoren unterscheiden zwischen vorderer und hinterer Skalenuslücke. Die vordere Skalenuslücke ist in diesem Fall aber keine eigentliche Lücke, sondern beschreibt den Verlauf der V. subclavia vor dem M. scalenus anterior über die I. Rippe, während die hintere Skalenuslücke den oben dargestellten topografischen Verlauf beschreibt.

Klinik

Anatomische Varianten im Bereich der Skalenuslücke (Halsrippe, verengte Skalenuslücke, akzessorischer M. scalenus minimus, aberrierende Muskelfasern) können mit einem Skalenusengpasssyndrom Skalenusengpasssyndromeinhergehen. Dabei kommt es häufig zu einer Kompression des Plexus brachialis und/oder der A. subclavia mit entsprechenden Ausfallerscheinungen.

Prävertebrale Muskeln
Die prävertebralen Muskeln (Abb. 10.8) prävertebrale Muskelnsind:
  • M. rectus capitis anterior

  • M. rectus capitis lateralis

  • M. longus capitis

  • M. longus colli

Die Muskeln verlaufen auf beiden Seiten zwischen den Querfortsätzen (Proc. transversi) und den Corpora vertebrae der Halswirbel und der oberen 3 Brustwirbel. Die Muskelfaserzüge des M. longus capitis und des M. longus colli sind meist nicht eindeutig voneinander zu trennen und bilden einen Muskelkomplex, der aus longitudinal und schräg verlaufenden Faserzügen besteht. Die prävertebralen Muskeln werden von Rr. anteriores der zervikalen Spinalnerven innerviert.
M. rectus capitis anterior
Der M. rectus capitis anteriorMusculus(-i)rectuscapitis anterior (Tab. 10.9) hat seinen Ursprung an der Massa lateralis des Atlas und zieht zur Pars basilaris des Os occipitale. Er unterstützt durch seine Kontraktion die Neigung des Kopfes nach vorne (Inklination) und stabilisiert die Articulatio atlantooccipitalis.
M. rectus capitis lateralis
Der M. rectus capitis lateralisMusculus(-i)rectuscapitis lateralis (Tab. 10.9) ist ein kurzer flacher Muskel, der vom Proc. transversus atlantis zum Proc. jugularis des Os occipitale zieht (Abb. 10.8). Er unterstützt die Seitwärtsneigung des Kopfes.
M. longus capitis
Der M. longus capitisMusculus(-i)longuscapitis (Tab. 10.9) entspringt von den Tubercula anteriora der Querfortsätze der Halswirbel III–VI und zieht von kaudal lateral nach kranial medial an die Pars basilaris des Os occipitale (Abb. 10.8). Eine bilaterale Kontraktion des M. longus capitis führt zur Beugung der Halswirbelsäule und des Kopfes nach vorne. Eine unilaterale Kontraktion des Muskels bewirkt eine Neigung und Drehung des Kopfes zur ipsilateralen Seite.
M. longus colli
Der M. longus colliMusculus(-i)longuscolli besteht aus 3 Anteilen, die dem Muskel als Ganzes seine typische dreieckige Form geben (Abb. 10.8). EineParsobliquainferior/superior (M. longus colli) Pars obliqua superior, die von den Querfortsätzen der oberen Halswirbel III–V zum Tuberculum anterius des Atlas ziehen, eine Pars recta,Parsrecta(M. longus colli) die von der Vorderseite der unteren Hals- und oberen Brustwirbelkörper entspringt und an der Vorderseite der Halswirbelkörper II–IV ansetzt, und eine Pars obliqua inferior mit ihrem Ursprung an der Vorderseite der Brustwirbelkörper I–III und den Ansätzen an den Tubercula anteriora der Querfortsätze der Halswirbel V–VII. Bei unilateraler Kontraktion führt dies zu einer Neigung und Drehung des Kopfes zur ipsilateralen Seite. Eine beidseitige Kontraktion unterstützt die Beugung der Halswirbelsäule und des Kopfes nach vorne.

Halsfaszien und Bindegewebsräume

Michael Scholz

Kompetenzen

Nach Bearbeitung dieses HalsfaszienLehrbuchkapitels sollten Sie in der Lage sein:

  • die verschiedenen Faszien und Spatien des Halses zu benennen und ihre Grenzen wiederzugeben

Das Bindegewebe der Halsfaszie (Fascia cervicalis)Fasciacervicalis umhüllt und verbindet die Muskeln, Leitungsbahnen und Eingeweide des Halses miteinander. Sie verdichtet sich regional zu 3 unterschiedlich kräftig ausgebildeten Blättern. Die jeweiligen Faszienblätter grenzen in ihrem Verlauf verschiedene Verschieberäume (Spatien) voneinander ab. Diese mit lockerem Bindegewebe ausgefüllten Räume umgeben die Eingeweide und Leitungsbahnen und sichern so ihre Beweglichkeit gegeneinander. Dies ist notwendig, da die Halseingeweide den natürlichen Bewegungen der Halswirbelsäule und den entsprechenden Lageveränderungen beim Schluckakt reibungsarm folgen müssen. Die Halseingeweide selbst sind ebenso wie die großen Leitungsbahnen von eigenen Bindegewebshüllen umgeben.

Merke

Die durch die Faszien entstehenden Räume (Spatien) des Halses reichen kranial bis an die Schädelbasis und gehen kaudal kontinuierlich in das Mediastinum über. Entzündliche Prozesse oder Blutungen können sich deshalb nahezu ungehindert bis an die Schädelbasis und in das Mediastinum ausbreiten.

Halsfaszien

Man teilt die HalsfaszienHalsfaszien in eine Muskelfaszie (Fascia cervicalis)Fasciacervicalis mit 3 Blättern, eine Leitungsbahnenfaszie und in eine allgemeine Organfaszie sowie spezielle Organfaszien ein (Abb. 10.9, Tab. 10.10).
Muskelfaszie
Das in seinem HalsfaszienMuskelfaszieVerlauf uneinheitlich strukturierte oberflächliche Blatt der Halsfaszie (Lamina superficialis)Lamina(-ae)superficialis (Fascia cervicalis) liegt unter dem subkutanen Fettgewebe und unter dem Platysma. Die Lamina superficialis umgibt den gesamten Umfang des Halses und scheidet die Mm. sternocleidomastoidei und die oberen Anteile der Mm. trapezii (Partes descendentes) ein (Abb. 10.10). Kaudal ist die Lamina superficialis an der Vorderfläche des Manubrium sterni sowie an den Claviculae befestigt und setzt sich in die Fascia pectoralis fort. Kranial ist das Blatt am Unterrand der Mandibula fixiert und steht seitlich mit der Fascia parotidea in Verbindung. Zusätzlich ist die Lamina superficialis am Zungenbein fixiert (Abb. 10.11). Oberhalb des Zungenbeins bedeckt die Lamina superficialis das Trigonum submandibulare und die Glandula submandibularis, die ihrerseits von einer eigenen Organkapsel (speziellen Organfaszie) umgeben ist. Auf der Oberfläche der Lamina superficialis verlaufen die Hautäste des Plexus cervicalis und die oberflächlichen Halsvenen (Vv. jugulares externae und anteriores).
Im Vergleich zur oberflächlichen Halsfaszie ist das mittlere Blatt der Halsfaszie (Lamina pretrachealis) Lamina(-ae)pretrachealis (Fascia cervicalis)von einer deutlich derberen und somit klar definierten Struktur. Sie wird lateral beidseitig durch die Mm. omohyoidei verspannt und liegt schützend vor den Halsorganen. Von ihr werden alle infrahyalen Muskeln umhüllt (Abb. 10.9, Abb. 10.10), ein direkter Bezug zur Trachea besteht allerdings nicht. Das Faszienblatt spannt sich zwischen dem Zungenbein und der Hinterseite des Manubrium sterni sowie der Clavicula auf (Abb. 10.11). An der Überkreuzungsstelle der Zwischensehne des M. omohyoideus mit der Karotisscheide sind Lamina pretrachealis und Vagina carotica verwachsen.
Das tiefe Blatt der Halsfaszie (Lamina prevertebralis) Lamina(-ae)prevertebralis (Fascia cervicalis)ist am Lig. longitudinale anterius entlang der medialen Halswirbelsäule fixiert. Sie umhüllt sowohl die prävertebralen Muskeln als auch die Mm. scaleni und den M. levator scapulae und geht im Nacken in die Faszie der autochthonen Rückenmuskulatur über (Abb. 10.9). Kranial reicht die Lamina prevertebralis bis an die Schädelbasis, kaudal geht sie in die Fascia endothoracica über. Der Truncus sympathicus ist im unteren Halsabschnitt bis auf Höhe von C4 von der Lamina prevertebralis eingeschlossen. Die Lamina prevertebralis bedeckt darüber hinaus die Primärstränge des Plexus brachialis, den N. phrenicus und die A. subclavia.
Leitungsbahnenfaszie
Die bindegewebigeHalsfaszienLeitungsbahnfaszie Umhüllung der Leitungsbahnen, die den seitlich der Halseingeweide liegenden Gefäß-Nerven-Strang umscheidet, ist die Vagina carotica (Karotisscheide; Abb. 10.10). Vagina(-ae)caroticaKarotisscheideSie reicht von der oberen Thoraxapertur bis zur Schädelbasis. In ihr verlaufen von kaudal nach kranial im Bereich der Regio sternocleidomastoidea zunächst die A. carotis communis, die V. jugularis interna mit den ihr anliegenden tiefen seitlichen Halslymphknoten und der N. vagus [X]. Im Trigonum caroticumTrigonumcaroticum spaltet sich die A. carotis communis in die A. carotis interna und die A. carotis externa auf, wobei die A. carotis interna den Verlauf der A. carotis communis fortsetzt und gemeinsam mit der V. jugularis interna und dem N. vagus [X] innerhalb der Vagina carotica zur Schädelbasis zieht.

Merke

Die Lagebeziehung zwischen Arterie, Vene und Nerv innerhalb der KarotisscheideKarotisscheideLagebeziehungen ändert sich im Verlauf von kaudal nach kranial. Zunächst befinden sich in der Regio sternocleidomastoidea Vene und Nerv lateral der Arterie, dann wandern beide im Verlauf zur Schädelbasis nach dorsal. Im Trigonum caroticum verläuft die Vene laterodorsal der Arterie; der N. vagus [X] verläuft dorsal zwischen den Gefäßen.

In der Karotisbifurkation liegen das Glomus caroticum und der Sinus caroticus:

  • Das Glomus caroticum Glomus caroticumist ein kleines knötchenförmiges Paraganglion, das aus Hüll- und Hauptzellen besteht. Es hat einen Durchmesser von ca. 3 mm. Außer Blutgefäßen verlassen afferente Nervenfasern das Paraganglion, die sich dem N. glossopharyngeus [IX] anschließenRamus(-i)sinus carotici (N. glossopharyngeus) (R. sinus carotici nervi glossopharyngei). Die Hauptzellen sind Chemorezeptoren, die den Sauerstoff- und den Kohlendioxidpartialdruck sowie den pH-Wert im Blut messen.

  • Der Sinus caroticus Sinuscaroticusbeherbergt in seiner Wand Pressorezeptoren (Barorezeptoren), die den Blutdruck im Blutgefäßsystem messen und Änderungen des arteriellen Blutdrucks registrieren. Über den N. glossopharyngeus [IX] werden die Informationen aus beiden Systemen zum Kreislauf- und Atemzentrum in der Medulla oblongata geleitet. Atemfrequenz und -tiefe sowie Herzfrequenz werden reflektorisch angepasst. Weitere Glomerula und Sinus mit ähnlicher Funktion kommen z. B. in der Aortenwand vor.

Organfaszien
Die OrganfaszienHalsfaszienOrganfaszie werden in eine allgemeine und in spezielle Organfaszien gegliedert (Abb. 10.9). Das Bindegewebe der allgemeinen Organfaszie umscheidet alle Halsorgane wie Pharynx, Larynx, Schilddrüse, Nebenschilddrüsen, den oberen Abschnitt der Trachea und die Pars cervicalis des Oesophagus; die speziellen Organfaszien umhüllen im Sinne einer bindegewebigen Organkapsel jeweils jedes einzelne Halsorgan (z. B. Fascia oesophagea).

Bindegewebsräume des Halses

Durch die räumliche Gliederung der HalsBindegewebsräumeeinzelnen Faszienblätter der Fascia cervicalis in ein oberflächliches, mittleres und tiefes Blatt entstehen gegeneinander verschiebliche Bindegewebsräume (Spatien). Außer ihrer anatomisch/physiologischen Funktion, die freie Verschieblichkeit der Halseingeweide beim Schluckakt, bei der Atmung und Bewegungen in der Halswirbelsäule zu gewährleisten, sind diese Spatien auch klinisch relevant, da sich entlang dieser Räume entzündliche Prozesse ausbreiten können.
Spatium suprasternale
Zwischen der Lamina superficialis und der Lamina pretrachealis entsteht, bedingt durch die verschiedenen Ansatzstellen dieser beiden Blätter der Fascia cervicalis am Manubrium sterni und der Clavicula, das Spatium suprasternaleSpatiumsuprasternale (Abb. 10.11). Dieser mit Fettgewebe ausgefüllte Verschiebespalt wird kaudal durch das die beiden Sternoklavikulargelenke verbindende und über das Manubrium sterni ziehende Lig. interclaviculare begrenzt.

Merke

Innerhalb des Spatium suprasternale verläuft in unterschiedlicher Höhe der Arcus venosus jugularis, die Verbindung der beiden Vv. jugulares anteriores (Abb. 10.18). Hier besteht bei einer unter klinischen Bedingungen vorzunehmenden Tracheotomie eine potenzielle Verletzungsgefahr der Gefäßverbindung.

Spatium periviscerale
Das Spatium periviscerale (previscerale)Spatiumperiviscerale (previscerale) kann als Verschieberaum definiert werden, der sich zwischen der Lamina pretrachealis und der allgemeinen Organfaszie aufspannt (Abb. 10.11). Er erstreckt sich vom Os hyoideum bis in das vordere Mediastinum, wo er etwa in Höhe der Herzbasis endet.
Spatium peripharyngeum
Das Spatium peripharyngeumSpatiumperipharyngeum umgibt dorsolateral den Rachen (Pharynx) und wird in 2 Anteile gegliedert:
  • das Spatium retropharyngeum (Spatium retroviscerale)

  • das Spatium lateropharyngeum (Spatium parapharyngeum)Spatiumparapharyngeum

Spatium retropharyngeum
Das Spatium retropharyngeumSpatiumretropharyngeum (retroviscerale) (Abb. 10.11) ist der dünne spaltartige Bindegewebsraum zwischen der dorsalen Pharynxwand bzw. dem zervikalen Abschnitt der Speiseröhre und dem tiefen Blatt der Halsfaszie (Lamina prevertebralis). Das Spatium retropharyngeum beginnt an der Schädelbasis und geht kaudal kontinuierlich in das hintere Mediastinum über. Die Abgrenzung zum benachbarten Spatium lateropharyngeum wird durch eine kräftige, von kranial nach kaudal verlaufende Bindegewebsplatte (Septum sagittale) vollzogen.

Klinik

Durch die Verbindung des Spatium retropharyngeum mit dem hinteren Mediastinum besteht auch hier die Gefahr einer Fortleitung entzündlicher Prozesse innerhalb des Halses in den Brustraum (Retropharyngealabszess).RetropharyngealabszessAbszessRetropharyngealraum

Spatium lateropharyngeum
Das Spatium lateropharyngeumSpatiumlateropharyngeum reicht wie das Spatium retropharyngeum von der Schädelbasis bis ins Mediastinum hinein. Es lässt sich durch den Verlauf der Fascia stylopharyngea, die vom Proc. styloideus zur lateralen Pharynxwand zieht, in ein vorderes und ein hinteres Kompartiment aufteilen. Der vordere Anteil des Bindegewebsraums erstreckt sich vorne bis in die dem M. buccinator aufliegende Subcutis und enthält lediglich die zur Tonsilla palatina führenden Gefäße (Rr. tonsillares der A. und V. pharyngea ascendens). Der dorsal der Fascia stylopharyngea gelegene Anteil enthält die großen Leitungsbahnen des Halses, wie die A. carotis interna, die V. jugularis interna und den N. vagus [X], die weiter kaudal von der Vagina carotica (Karotisscheide) umhüllt werden. Außerdem verlaufen hier der Truncus sympathicus, der N. glossopharyngeus [IX], der N. accessorius [XI] und der N. hypoglossus [XII] (Abb. 10.12).

Leitungsbahnen des Halses

Michael Scholz

Kompetenzen

Nach HalsLeitungsbahnenBearbeitung dieses Lehrbuchkapitels sollten Sie in der Lage sein:

  • den Verlauf der Leitungsbahnen im Hals zu klassifizieren und deren unterschiedliche Versorgungs- und Innervationsgebiete strukturiert nachzuvollziehen

Im Hals verlaufen 2 große Gefäß-Nerven-Straßen, die in ihrem weiteren Verlauf zu den oberen Extremitäten und zum Kopf ziehen (Tab. 10.11). Die HalslympheHalslymphe wird durch oberflächlichen und tiefen Lymphknoten (Nodi lymphoidei cervicales) Nodus(-i) lymphoideus(-i)cervicalesgeleitet und am Ende über die Ductus lymphaticus dexterDuctuslymphaticus dexter und Ductus thoracicusDuctusthoracicus in den jeweiligen Venenwinkel drainiert. Die Innervation der Halsmuskulatur und der Muskulatur von Pharynx und Larynx erfolgt über die Halsspinalnerven (Plexus cervicalis und brachialis) sowie über die Hirnnerven [V, VII, IX, X, XI]. Die sensible Innervation des Halses wird durch Äste des Plexus cervicalisPlexuscervicalis und dorsale Äste der Halsspinalnerven gewährleistet. Außerdem ziehen der N. hypoglossus [XII] und der N. phrenicus (C3–C5) in ihrem Verlauf zu ihren jeweiligen Innervationsgebieten durch verschiedene Regionen des Halses.

Arterien des Halses

Durch den HalsHalsArterien verlaufen 2 große Arterien (A. subclavia und A. carotica communis), die in ihrem weiteren Verlauf mit ihren Ab- und Aufzweigungen der Blutversorgung verschiedener Bereiche des Halses, der Brust- und Bauchwand und des Kopfes dienen.
A. subclavia
Die A. subclaviaArteria(-ae)subclavia entspringt auf der rechten Seite aus dem Truncus brachiocephalicus und auf der linken Seite als letzter Ast aus dem Aortenbogen. Auf beiden Seiten zieht die Arterie im Bogen über die Pleurakuppel nach lateral und durchdringt zusammen mit den Primärsträngen des Plexus brachialis die Skalenuslücke. In ihrem weiteren Verlauf zieht sie im Sulcus arteriae subclaviae über die I. Rippe und setzt sich anschließend am Unterrand der I. Rippe verlaufend per definitionem als A. axillaris fort (Abb. 10.13). Aus der A. subclavia gehen in ihrem Verlauf zahlreiche Äste ab, die bis auf die A. thoracica interna und die A. intercostalis profunda alle an der Blutversorgung des Halses beteiligt sind (Tab. 10.12).

Klinik

Der atypische Abgang einer A. subclavia dextra, die statt aus dem Truncus brachiocephalicus als letzter Ast aus dem Aortenbogen entspringt, wird als Arteria(-ae)lusoriaA. lusoria bezeichnet. Dabei verläuft die Arterie auf ihrem Weg zum rechten Arm entweder hinter dem Oesophagus oder zwischen Luft- und Speiseröhre. Dadurch kann die Speiseröhrenfunktion in Form von Schluckschwierigkeiten beeinträchtigt werden (Dysphagia lusoria) (auch Kap. 10.6.6).Dysphagia lusoria

Eine hochgradige Stenose im Abgangsbereich der A. subclavia sinistra (seltener der A. subclavia dextra) kann bei starker körperlicher Betätigung und Belastung des Arms zu einer Strömungsumkehr in der A. vertebralis der betroffenen Seite führen (Subclavian-steal-Syndrom). Dadurch Subclavian-steal-Syndromkann eine Minderperfusion des Gehirns mit Schwindel und Kopfschmerzen resultieren.

A. vertebralis
Die A. vertebralisArteria(-ae)vertebralis entspringt als erster Ast aus dem im ersten Abschnitt bogenförmigen Verlauf der A. subclavia. Sie verläuft nahezu senkrecht nach kranial und tritt in 90 % aller Fälle (Abb. 10.14) unter dem VI. Halswirbel in das Foramen transversale des VI. Halswirbels über. Von hier verläuft sie durch die Querfortsätze der Halswirbel bis zum Atlas. Sie versorgt in ihrem weiteren kranialen Verlauf zusammen mit der A. carotis interna das Gehirn und weitere Strukturen des ZNS. Im Halsverlauf gehen aus ihr kleine segmentale Äste zur Versorgung der tiefen Halsmuskulatur, der Wirbelkörper, des Rückenmarks und der Rückenmarksmeningen hervor.
A. thoracica interna
Die A. thoracica internaArteria(-ae)thoracicainterna entspringt kaudal aus der A. subclavia und zieht in ihrem Verlauf seitlich vom Sternum durch die obere Thoraxapertur. Sie verläuft parallel zum Sternum kaudalwärts zum Zwerchfell.
Truncus thyrocervicalis
Der Truncus thyrocervicalisTruncus(-i)thyrocervicalis entspringt am medialen Rand des M. scalenus anterior (Abb. 10.15a). Aus dem kurzen Arterienstamm gehen in der Regel 4 Arterien hervor, wobei aufgrund einer hohen individuellen Variabilität alle Arterien auch als eigenständige Gefäße aus der A. subclavia entspringen können (Abb. 10.15b–g). Die 4 Gefäße sind:
  • A. thyroidea inferior: Arteria(-ae)thyroideainferiorSie steigt zur Schilddrüse (Glandula thyroidea) auf und versorgt diese gemeinsam mit der aus der A. carotis externa abgehenden A. thyroidea superior. Zusätzlich versorgt die A. thyroidea inferior in ihrem Verlauf auch die Nebenschilddrüsen (Glandulae parathyroideae), den Larynx, Pharynx, Oesophagus und die Trachea.

  • A. cervicalis ascendens: Arteria(-ae)cervicalisascendensSie verläuft etwas medial vom N. phrenicus auf dem M. scalenus anterior aufliegend nach kranial und versorgt die tiefe Halsmuskulatur (Abb. 10.16).

  • A. suprascapularis: Arteria(-ae)suprascapularisSie läuft zur dorsalen Seite der Scapula und bildet dort gemeinsam mit der aus der A. axillaris hervorgehenden A. circumflexa scapulae das Rete scapulare.

  • A. transversa cervicis (colli): Arteria(-ae)transversacervicis (colli)Sie teilt sich in ihrem Verlauf in der lateralen Halsregion in 2 Äste auf, einen R. superficialis und einen R. profundus (Abb. 10.15a, Abb. 10.16). Der R. superficialis verläuft gemeinsam mit dem N. accessorius [XI] zum M. trapezius. Der R. profundus zieht tiefer in der seitlichen Halsregion zusammen mit dem N. dorsalis scapulae zu den Mm. rhomboidei und dem M. latissimus dorsi.

A. carotis communis
Die A. carotis communis dextra Arteria(-ae)carotiscommunisentspringt direkt hinter dem rechten Sternoklavikulargelenk aus dem Truncus brachiocephalicus. Die A. carotis communis sinistra geht unmittelbar aus dem Aortenbogen hervor und zieht kranial hinter dem linken Sternoklavikulargelenk in den Hals (Abb. 10.8). Die A. carotis communis verläuft auf jeder Seite gemeinsam mit der V. jugularis interna und dem N. vagus [X] umhüllt von der Karotisscheide (Vagina carotica) und gibt in ihrem Verlauf durch den Hals normalerweise keine weiteren Äste ab. Im Trigonum caroticum, auf Höhe des Oberrandes der Cartilago thyroidea, teilt sich die A. carotis communis jeweils in ihre 2 Endäste, die A. carotis externa und die A. carotis interna (Abb. 10.17).
Die A. carotis interna Arteria(-ae)carotisinternasetzt den Verlauf der A. carotis communis direkt und ohne Abgabe von weiteren Ästen vom Trigonum caroticum durch den Parapharyngealraum in Richtung Schädelbasis fort. Über den Canalis caroticus des Felsenbeins (Pars petrosa ossis temporalis) zieht sie ins Schädelinnere, um dort ihre Versorgungsgebiete zu erreichen.
Die A. carotis externa Arteria(-ae)carotisexternagibt direkt nach ihrem Abgang aus der A. carotis communis Äste zur Versorgung der Halsorgane, der Zunge, des Gesichts und der Kopfschwarte ab (Abb. 10.17):
  • A. thyroidea superior

  • A. pharyngea ascendens

  • A. lingualis

  • A. facialis

  • A. occipitalis

  • A. auricularis posterior

  • A. temporalis superficialis

  • A. maxillaris

A. thyroidea superior
Die A. thyroidea superiorArteria(-ae)thyroideasuperior entspringt als erster Ast der A. carotis externa an deren Vorderseite kurz oberhalb der Karotisbifurkation. Sie zieht nach vorn kaudal und versorgt den jeweils rechten bzw. linken Schilddrüsenlappen. Im Verlauf zur Schilddrüse gibt die A. thyroidea superior die A. laryngea superior Arteria(-ae)laryngeasuperiorzum Kehlkopf ab. Die Schilddrüse wird zusätzlich auch von der A. thyroidea inferior versorgt, einem Ast der A. subclavia.
A. pharyngea ascendens
Die A. pharyngea ascendensArteria(-ae)pharyngea ascendens zieht als zweiter und kleinster Ast der A. carotis externa im hinteren Kompartiment des Lateropharyngealraums zwischen A. carotis interna und Pharynx zur Schädelbasis. Sie versorgt auf ihrem Weg den Pharynx und die Tonsilla palatina und erreicht mit ihrem EndastArteria(-ae)meningeaposterior (A. meningea posterior) Teile der Hirnhäute.
A. lingualis
Direkt Arteria(-ae)lingualisoberhalb des Abgangs der A. thyroidea superior geht die A. lingualis etwa in Höhe des Zungenbeins an der Vorderseite der A. carotis externa ab (Abb. 10.17). Sie zieht hinter dem M. stylohyoideus und dem Venter posterior des M. digastricus ins Trigonum submandibulare und dann weiter in die Regio sublingualis. Sie gibt Äste zur Blutversorgung der Zunge und anderer Strukturen innerhalb der Regio sublingualis ab.
A. facialis
Die A. facialisArteria(-ae)facialis verlässt die A. carotis externa in der Regel direkt oberhalb des Abgangs der A. lingualis. Beide Gefäße können als Variante aber auch aus einem gemeinsamen Stamm (Truncus linguofacialis) aus der A. carotis externa abgehen. Die A. facialis zieht unter dem M. stylohyoideus und unter dem Venter posterior des M. digastricus entlang, verläuft weiter zwischen Glandula submandibularis und der Mandibula und überschreitet am Vorderrand des M. masseter den Unterkieferrand, um nach schräg vorne ins Gesicht zu ziehen (Abb. 10.17). In ihrem Verlauf im Trigonum submandibulare gibt sie weitere Äste zur Versorgung der Tonsilla palatina (R. tonsillaris der A. palatina ascendens), Ramus(-i)tonsillaris (A. palatina ascendens)der Unterkinnregion (A. submentalis)Arteria(-ae)submentalis und verschiedene kleinere Äste zur Versorgung der Glandula submandibularis (Rr. glandulares) ab.
A. occipitalis
Die A. occipitalisArteria(-ae)occipitalis entspringt im Trigonum submandibulare oft gegenüber der A. facialis. Sie zieht nach dorsal zum Os occipitale, wo sie mit ihren Verzweigungen ein dichtes Gefäßnetz ausbildet.
A. auricularis posterior
Die A. auricularis posteriorArteria(-ae)auricularisposterior ist ein kleiner Ast der A. carotis externa, der ebenfalls an deren Dorsalseite entspringt und in dorsokranialer Richtung zur Ohrmuschel zieht. Diese versorgt sie mit kleineren Ästen (Rr. auriculares). Ramus(-i)auriculares(A. auricularis posterior)Zusätzlich gibt sie Äste zum Mittel- und Innenohr und zur Dura mater ab.
A. temporalis superficialis und A. maxillaris
Die A. temporalis superficialisArteria(-ae)temporalissuperficialis und die A. maxillaris sind die beiden Endäste der A. carotica externa. Die A. temporalis superficialis beginnt dorsal des Collum mandibulae und zieht zwischen Hinterrand der Mandibula und vor dem Porus acusticus externus nach kranial zur Schläfe. Hier teilt sie sich in einen R. frontalis und einen R. parietalis zur Versorgung dieser Region (Abb. 10.17).
Die A. maxillaris Arteria(-ae)maxillariszieht als größerer der beiden Endäste normalerweise dorsal des Collum mandibulae in die Fossa infratemporalis und verzweigt sich dort in ihre Endäste (Kap. 9.2.5).

Venen des Halses

Überblick
Das venöse HalsVenenBlut aus der Kopf-Hals-Region wird zum größten Teil über das Jugularissystem drainiert,Jugularissystem das aus folgenden paarigen Venen besteht:
  • V. jugularis interna Vena(-ae) jugularis interna

  • V. jugularis externa Vena(-ae) jugularis externa

  • V. jugularis anterior Vena(-ae) jugularis anterior

Zu einem kleineren Teil wird das Blut auch über die paarige V. Venal(-ae)subclaviasubclavia abgeleitet. Das Venennetz des Halses ist dabei individuell außerordentlich variabel und die Venen sind über diverse Anastomosen untereinander verbunden.
Die V. jugularis interna und die V. subclavia vereinigen sich jeweils im rechten und im linken Venenwinkel zur Vena(-ae)brachiocephalicaV. brachiocephalica (Abb. 10.19). In den Venenwinkel münden auf beiden Seiten auch die großen Lymphstämme ein; auf der rechten Seite der Ductus lymphaticus dexter Ductuslymphaticus dexterund auf der linken Seite der Ductus thoracicus. DuctusthoracicusRechte und linke V. brachiocephalica bilden die V. cava superior (Abb. 10.19), die schließlich in den rechten Vorhof des Herzens mündet.

Klinik

Das Legen eines intravenösen Zugangs ist die in der präklinischen Notfallversorgung am häufigsten angewendete Technik. Bei schlechten Venenverhältnissen kann der Zugang auch über die V. jugularis externa eine gute Alternative bieten (Reanimationsrichtlinien). Für einen zentralen Venenkatheter (ZVK) zentraler Venenkatheter (ZVK)ZVK (zentraler Venenkatheter)wird unter klinischen Bedingungen ein dünner Kunststoffschlauch über eine größere Vene eingeführt und bis zum rechten Vorhof des Herzens über die V. cava superior oder die V. cava inferior vorgeschoben. Auf diese Weise ist es möglich, Medikamente und hochkonzentrierte Nährstofflösungen zu applizieren und den ZVD (zentralvenöser Druck)zentralvenöser Druck (ZVD)zentralvenösen Druck (ZVD) zu bestimmen. Für das Legen eines ZVK wird aufgrund der anatomisch und sonografisch guten Lokalisierbarkeit der Zugang über die V. jugularis interna oder die V. subclavia bevorzugt. Allerdings ist auch der Zugang über andere Venen möglich.

Venenverläufe
V. jugularis interna
Die paarige V. jugularis internaVena(-ae)jugularisinterna beginnt am Foramen jugulare an der Schädelbasis mit dem Bulbus superior venae jugularis, Bulbussuperior venae jugularisder erweiterten Fortsetzung des Sinus sigmoideus. Sie tritt gemeinsam mit dem N. glossopharyngeus [IX], dem N. vagus [X] und dem N. accessorius [XI] durch das Foramen jugulare und verläuft dann innerhalb der Karotisscheide gemeinsam mit der A. carotis interna und dem N. vagus [X] nach kaudal durch das Spatium lateropharyngeum und das Trigonum caroticum. In der Regio sternocleidomastoidea wird sie von der A. carotis communis und dem N. vagus [X] begleitet. Die V. jugularis interna erweitert sich kurz vor ihrer Einmündung in die V. subclavia zum Bulbus inferior venae jugularis (Abb. 10.18, Abb. 10.19).Bulbusinferior venae jugularis

Merke

Die V. jugularis interna sammelt und drainiert das venöse Blut aus Gehirn, Kopfschwarte, Gesichtsregion und Schilddrüse.

V. jugularis externa
Die paarige V. jugularis externaVena(-ae)jugularisexterna entsteht durch die Vereinigung von V. occipitalis Vena(-ae)occipitalisund V. auricularis posterior Vena(-ae)auricularis posteriorund verläuft epifaszial auf dem M. sternocleidomastoideus kaudalwärts zur V. subclavia (Abb. 10.18, Abb. 10.20). Sie führt Blut aus dem oberflächlichen Kopf- und Ohrbereich.
V. jugularis anterior
Die Vena(-ae)jugularisanteriorebenfalls paarig und epifaszial verlaufende V. jugularis anterior beginnt im Bereich des Zungenbeins und drainiert das venöse Blut der Mundbodenregion und der Vorderwand des Halses. Sie mündet jeweils kurz vor dem Venenwinkel (Angulus venosus) in die V. jugularis externa ein. Im Spatium suprasternale (Abb. 10.11, Abb. 10.18) sind beide Vv. jugulares anteriores über den Arcus venosus jugularis Arcusvenosusjugularismiteinander verbunden.
V. subclavia
Die V. subclaviaVena(-ae)subclavia sammelt das venöse Blut von Halswirbelsäule, Arm und Schultergürtel, einem Teil der Brustwand und der tiefen Halsmuskulatur. Dabei deckt sich das Einzugsgebiet der Vene größtenteils mit dem Versorgungsgebiet der Arterie (A. subclavia). Die Vene verläuft als Fortsetzung der V. axillaris Vena(-ae)axillariszwischen der I. Rippe und dem Schlüsselbein (Clavicula) und zwischen M. scalenus anterior und dem klavikulären Ursprung des M. sternocleidomastoideus. Sie wird in diesem Bereich von der Fascia pretrachealis bedeckt und ist mit den umgebenden Strukturen bindegewebig verbunden. Im Venenwinkel vereinigt sie sich mit der V. jugularis interna zur V. brachiocephalica.
V. brachiocephalica
Die V. brachiocephalicaVena(-ae)brachiocephalica erhält auch direkte Zuflüsse aus der Halsregion (Abb. 10.19). Die V. thyroidea inferior Vena(-ae)thyroideainferiormündet als Einzelvene oder als Plexus thyroideus impar in die V. brachiocephalica sinistra. Die V. vertebralis, Vena(-ae)vertebralisdie zuvor meist noch venöses Blut aus der V. cervicalis profunda aufnimmt, mündet ebenfalls in die V. brachiocephalica.

Nerven des Halses

Die Innervation HalsNervender Haut des Halses erfolgt aus Ästen des Plexus cervicalis (ventrolateraler Hautbereich) und durch Rr. dorsales der Spinalnerven C2–C8. An der motorischen Innervation der Halsmuskulatur sind sowohl zervikale Spinalnerven (Plexus cervicalis; Plexus brachialis; Rr. dorsales von C1–C8) als auch verschiedene Hirnnerven (N. trigeminus [V], N. facialis [VII], N. glossopharyngeus [IX], N. vagus [X] und N. accessorius [XI]) beteiligt. Vegetative Nervenfasern des Halses kommen aus dem Halsgrenzstrang (Truncus sympathicus, Pars cervicalis) und dem N. vagus [X]. Der N. hypoglossus [XII] verläuft auf seinem Weg zur Zunge, die er motorisch versorgt, ebenfalls durch den Hals.
Halsspinalnerven
Wie alle SpinalnervenSpinalnervenHalsHalsSpinalnerven besitzen auch die Spinalnerven des Halses je einen R. anterior und einen R. posterior Ramus(-i)posterior(N. spinalis)zur Innervation unterschiedlicher Zielgebiete:
  • Die Rr. anteriores verbinden sich zu 2 Ramus(-i)anterior(N. spinalis)großen Nervengeflechten, dem Plexus cervicalis Plexuscervicalisund dem Plexus brachialis. In den PlexusPlexusbrachialis verbinden sich Nervenfasern aus mehreren Rückenmarkssegmenten.

  • Die im Vergleich zu den Rr. anteriores dünneren Rr. dorsales (C2–C8) behalten im Gegensatz dazu ihren segmentalen Verlauf bei. Sie teilen sich kurz nach dem Abgang aus den Halsspinalnerven in jeweils einen lateralen (R. lateralis) Ramus(-i)lateralis (N. spinalis)und einen medialen (R. medialis) Ramus(-i)medialis (N. spinalis)Ast auf (Tab. 10.13) und innervieren motorisch die Nackenmuskulatur, Teile der autochthonen Rückenmuskulatur sowie die Haut des Nackens und der Hinterhauptsregion, die sie bis zum Übergang des Versorgungsgebiets des N. trigeminus [V] sensibel innervieren (Abb. 10.21).

Plexus cervicalis
Der Plexus cervicalis wird von den Rr. anteriores der Spinalnerven C1–C4 gebildet. Die aus diesem Plexus hervorgehenden Nerven innervieren die Haut im vorderen und seitlichen Halsbereich, die infrahyalen Muskeln sowie das Zwerchfell und Teile der serösen Häute wie die Pleura parietalis und das Perikard im Thorax und das Peritoneum im Abdomen. Umgeben von der Lamina pretrachealis, werden die Äste aus dem Plexus cervicalis in Haut- (Rr. cutanei) und Muskeläste (Rr. musculares) unterteilt.
Rr. cutanei
Die sensiblen Hautäste des Plexus cervicalis treten alle am Hinterrand des M. sternocleidomastoideus etwa auf halber Höhe des Muskelverlaufs durch die Lamina superficialis an die Oberfläche. Die Stelle wird als Punctum nervosum (Erb-Punkt) bezeichnet (Tab. 10.14; Abb. 10.20).Punctumnervosum (Erb-Punkt)Erb-Punkt (Punctum nervosum)
Der N. occipitalis minor Nervus(-i)occipitalisminorverläuft am Hinterrand des M. sternocleidomastoideus nach kranial und überkreuzt dabei den N. accessorius [XI]. Er innerviert sensibel die Haut des Halses und des Kopfes hinter der Ohrmuschel (Abb. 10.22).
Der N. auricularis magnus Nervus(-i)auricularismagnusist in der Regel der kräftigste Ast aus dem Punctum nervosum. Er verläuft vom Hinterrand des M. sternocleidomastoideus schräg über den Muskel aufwärts auf das Ohrläppchen zu. Mit seinem R. anterior versorgt er sensibel die Haut auf der Vorderfläche der Ohrmuschel und am Kieferwinkel (Abb. 10.22). Die Haut auf der Rückseite der Ohrmuschel wird vom R. posterior innerviert.
Der N. transversus colli Nervus(-i)transversus colliverläuft etwa in Höhe der Mitte des M. sternocleidomastoideus horizontal über den Muskel nach medial in die vordere Halsregion. Er wird dabei vom Platysma bedeckt und teilt sich in die Rr. superiores (sensible Innervation der Haut oberhalb des Os hyoideum) und die Rr. inferiores (Haut des Halses unterhalb des Zungenbeins) auf. Einer der Rr. superiores bildet mit dem R. colli des N. facialis [VII] eine Anastomose (früher: Ansa cervicalis superficialis) und führt deshalb in einem kurzen Abschnitt des Faserverlaufs auch motorische Fasern zur Unterseite des Platysmas (Abb. 10.20).
Die Nn. supraclaviculares Nervus(-i)supraclavicularessind eine Gruppe von Hautnerven, die fächerförmig ins laterale Halsdreieck einstrahlen und erst im Bereich des Trigonum omoclaviculare die Lamina superficialis und das Platysma durchbrechen. Man unterscheidet (Abb. 10.20, Abb. 10.22):
  • Nn. supraclaviculares mediales: Nervus(-i)supraclavicularesmedialessensible Innervation der Haut im vorderen Bereich der Clavicula mit angrenzender Brusthaut

  • Nn. supraclaviculares intermedii: Nervus(-i)supraclavicularesintermediisensible Innervation der Haut im medialen Abschnitt der Clavicula mit Brusthaut bis zur IV. Rippe

  • Nn. supraclaviculares laterales: Nervus(-i)supraclaviculareslateralessensible Innervation der Haut über dem Acromion der Scapula und über dem M. deltoideus

Rr. musculares
Die Rr. musculares des Plexus cervicalis innervieren unterschiedliche Muskelgruppen (Abb. 10.23).
Ein motorischer Hauptast ist der N. phrenicus (C3–C5), Nervus(-i)phrenicusder das Zwerchfell (Diaphragma) innerviert, aber auch angrenzende Abschnitte des Perikards sowie des Peritoneums sensibel versorgt. Er verläuft schräg über den M. scalenus anterior nach kaudal und tritt zwischen A. und V. subclavia durch die obere Thoraxapertur in das Mediastinum ein (Abb. 10.16, Abb. 10.24). In seinem Verlauf auf dem M. scalenus anterior in Richtung Mediastinum wird der N. phrenicus von 2 Arterien, der A. transversa colli und der A. suprascapularis, überkreuzt (Abb. 10.16).
Die Ansa cervicalis Ansacervicalis(früher: Ansa cervicalis profunda) ist eine Nervenschlinge der Zervikalnerven C1–C3. Sie besteht aus einer Radix superior (C1–C2) und einer Radix inferior (C2–C3), die sich um die V. jugularis legt und in der Karotisscheide befindet (Abb. 10.23):
  • Die Radix superior Radix(-ces)superior (Ansa cervicalis)schließt sich in ihrem Verlauf vorübergehend dem Verlauf des N. hypoglossus [XII] an. Dort, wo der N. hypoglossus [XII] die Aa. carotides internae und externae überquert, verlassen ihn einige der angelagerten Nervenfasern und ziehen zwischen den großen Halsgefäßen abwärts. Die Radix superior innerviert den Venter superior des M. omohyoideus und die oberen Anteile des M. sternohyoideus und des M. sternothyroideus.

  • Die Radix inferior Radix(-ces)inferior (Ansa cervicalis)vervollständigt die Nervenschlinge und zieht als direkter Ast aus dem Plexus cervicalis entweder medial oder lateral der V. jugularis interna nach kaudal.

Beide Wurzeln der Ansa cervicalis vereinigen sich in individuell unterschiedlicher Höhe ventral der A. carotis communis und der V. jugularis interna (Abb. 10.24). Von hier ziehen Äste der Ansa cervicalis zum Venter inferior des M. omohyoideus und zu den unteren Anteilen des M. sternohyoideus und des M. sternothyroideus.
Plexus brachialis
Der Plexus brachialisPlexusbrachialis entsteht durch die Vereinigung der Rr. anteriores der Spinalnerven C5–C8 sowie des 1. Thorakalnervs (T1). Die Rr. anteriores treten zwischen den Ursprüngen von M. scalenus anterior und M. scalenus medius hervor und sind die Wurzeln des Plexus brachialis. Am Ausgang der Skalenuslücke lagern sich die Rr. anteriores zu den 3 Primärsträngen des Plexus brachialis (Trunci) zusammen (Tab. 10.15, Abb. 10.25).
Vor Eintritt in die Axilla entlang der Aa. subclavia et axillaris teilen sich die 3 Trunci (Trunci superior, medius et inferior) jeweils in einen ventralen und einen dorsalen Ast auf und verflechten sich erneut zu 3 Sekundärsträngen PlexusbrachialisSekundärstränge(Fasciculi lateralis, medialis et posterior) (auch Kap. 4.6.2). Aus den Fasciculi gehen die peripheren Nerven zur Innervation der oberen Extremitäten und von Teilen der Brustwand hervor. Sie besitzen durch den Faseraustausch im Plexus brachialis immer Anteile von mindestens 2 Spinalnerven.

Klinik

Zur Lokalanästhesie und Analgesie des Arms kann in der Klinik eine Blockade des Plexus brachialis (axilläre Blockade, axilläre Plexus-brachialis-Blockade, axilläre Plexusanästhesie) durchgeführt werden.axilläre Blockade Plexus-brachialis-BlockadePlexusanästhesie, axilläreEs handelt sich um ein einfaches und nebenwirkungsarmes Regionalanästhesieverfahren. Dabei wird meist in Höhe von C6 ein Lokalanästhetikum in das perineurale Bindegewebe zwischen M. scalenus anterior und M. scalenus medius injiziert. Ein Nachteil gegenüber der infraklavikulären Plexusblockade ist die teilweise ungenügende Ausschaltung des Innervationsgebietes des N. radialis. Allerdings besteht so nicht die Gefahr, einen Pneumothorax durch Verletzung der unmittelbar topografisch benachbarten Pleurakuppel (Abb. 10.25, rechte Seite) zu setzen.

Die Pars supraclavicularis des Plexus brachialisParssupraclavicularis (Plexus brachialis) umfasst die direkten motorischen Äste, die aus den 3 Trunci hervorgehen. Sie verlassen den Plexus brachialis alle im lateralen Halsdreieck. Zu ihnen gehören:
  • N. dorsalis scapulae (C3–C5), Nervus(-i)dorsalisscapulaeder den M. scalenus medius durchbohrt und zu seinem Zielgebiet, dem M. levator scapulae und den Mm. rhomboidei zieht

  • N. thoracicus longus (C5–C7), Nervus(-i)thoracicus longusder weiter kaudal den M. scalenus medius durchbohrt und über die I. Rippe zum M. serratus anterior zieht, den er innerviert (Abb. 10.16)

  • N. subclavius (C5–C6), Nervus(-i)subclaviusder zum M. subclavius zieht und zusätzlich Fasern an den N. phrenicus abgeben kann (Nn. phrenici accessorii)

  • N. suprascapularis (C4–C6), Nervus(-i)suprascapularisder zur Scapula zieht und unterhalb des Lig. transversum scapulae superius (im Gegensatz zur A. suprascapularis, die normalerweise oberhalb des Bandes verläuft) durch die Incisura scapulae verläuft, um die Mm. supraspinatus et infraspinatus zu innervieren (Abb. 10.16)

Hirnnerven
Durch die HalsregionHalsregionHirnnervenHirnnervenHalsregion verlaufen Äste des N. trigeminus [V], N. facialis [VII], N. glossopharyngeus [IX], N. vagus [X], N. accessorius [XI] und N. hypoglossus [XII] (Tab. 10.16). Die Hirnnerven IX–XI und der N. hypoglossus [XII] ziehen nach Austritt aus der Schädelbasis durch das Spatium lateropharyngeum in enger Lagebeziehung zur A. carotis interna (Abb. 10.12).
Als einer der Endäste des N. mandibularis [V/3] Nervus(-i)mandibularis [V/3]verläuft der N. mylohyoideus Nervus(-i)mylohyoideusim Sulcus mylohyoideus der Mandibula nach vorne in das TrigonumsubmandibulareTrigonum submandibulare und innerviert motorisch den M. mylohyoideus und den Venter anterior des M. digastricus (Abb. 10.15a, Abb. 10.16). Der Venter posterior des M. digastricus und der M. stylohyoideus werden beide von Ästen des N. facialis [VII] Nervus(-i)facialis [VII]innerviert. Am Unterrand der Glandula parotidea tritt der R. colli nervi facialis aus dem Drüsengewebe aus und verläuft schräg nach vorne unten, um das Platysma zu innervieren (Abb. 10.20).
Der N. glossopharyngeus [IX] Nervus(-i)glossopharyngeus [IX]zieht in seinem Verlauf kaudalwärts zwischen A. carotis interna und V. jugularis interna durch das Spatium lateropharyngeum. Er liegt von dorsal dem M. stylopharyngeus auf und verläuft weiter zwischen ihm und dem M. styloglossus zur Zungenwurzel und seinen weiteren Innervationsgebieten (Tab. 10.16).
Der N. vagus [X] Nervus(-i)vagus [X]ist der Hauptnerv des Parasympathikus und enthält außerdem viszeromotorische und viszerosensible Fasern (Kap. 9.3.10). Im Halsbereich verläuft er innerhalb der Karotisscheide als Bestandteil des Gefäß-Nerven-Strangs durch das Spatium lateropharyngeum (Abb. 10.12) in Richtung Mediastinum. Aus dem Halsabschnitt des N. vagus [X] gehen Nervenfasern zur Innervation von Pharynx (Rr. pharyngei), Larynx (N. laryngeus superiorNervus(-i)laryngeussuperior, N. laryngeus recurrensNervus(-i)laryngeusrecurrens [der Endast des N. laryngeus recurrensNervus(-i)laryngeusinferior wird auch als N. laryngeus inferior bezeichnet]) und des Herzens (Rr. cardiaci cervicales superiores et inferiores) ab (Tab. 10.16).
Der N. accessorius [XI] Nervus(-i)accessorius [XI]zieht ebenfalls durch das Spatium lateropharyngeum und tritt im oberen Winkel des Trigonum caroticum meist vor der V. jugularis interna unter den M. sternocleidomastoideus, um diesen und im weiteren Verlauf den M. trapezius motorisch zu innervieren (Abb. 10.24).
Der N. hypoglossus [XII] Nervus(-i)hypoglossus [XII]verläuft durch das Spatium lateropharyngeum nach vorne ins Trigonum caroticum. Hier überkreuzt er bogenförmig die A. carotis externa und A. carotis interna und zieht in seinem weiteren Verlauf durch das Trigonum submandibulare. Von hier gelangt er zwischen M. hyoglossus und M. mylohyoideus zur Zunge (Abb. 10.26).

Klinik

Eine Schädigung des N. hypoglossus [XII] Nervus(-i)hypoglossus [XII]Schädigungbeispielsweise durch Tumorinfiltration einer Halslymphknotenmetastase kann leicht diagnostiziert werden: Die Zunge weicht beim Herausstrecken zur erkrankten Seite ab, da die Zungenmuskulatur auf der gesunden Seite die Bewegung ausführen kann, auf der erkrankten Seite aber nicht.

Truncus sympathicus (Pars cervicalis)
Der GrenzstrangGrenzstrang (Truncus sympathicus) Truncus(-i)sympathicusbesteht aus 2 parallel angeordneten und auf jeder Seite paravertebral verlaufenden Nervensträngen. Sie erstrecken sich von der Halswirbelsäule bis zum Steißbein. Jeder der beiden Grenzstränge ist durch Ansammlungen von Neuronen (Ganglien) charakterisiert, die ihn in segmentaler Abfolge verdickt erscheinen lassen. Man unterscheidet:
  • Pars cervicalisParscervicalis(Truncus sympathicus)

  • Pars thoracicaParsthoracica(Truncus sympathicus)

  • Pars lumbalisParslumbalis(Truncus sympathicus)

  • Pars sacralisParssacralis(Truncus sympathicus)

Die Pars thoracica bildet im oberen Abschnitt ein auf dem Rippenköpfchen gelegenes Ganglion, das jeweils von der Fascia endothoracica bedeckt ist. Dieses erste Brustganglion ist meist mit dem unteren Halsganglion zu einem großen Ganglion cervicothoracicum (stellatum) Ganglion(-ia)cervicothoracicum [stellatum]mit einer Länge von bis zu 2 cm verschmolzen. Es liegt über der Pleurakuppel hinter der A. subclavia in Höhe des Abgangs der A. vertebralis. Die Pars cervicalis trunci sympathici Parscervicalis(Truncus sympathicus)setzt sich von hier eingebettet in das tiefe Blatt (Lamina profunda) der Fascia cervicalis vor den Mm. longus colli und capitis und hinter der Karotisscheide nach kranial fort (Abb. 10.12, Abb. 10.16). Etwa in Höhe des IV. Halswirbels durchbricht der Grenzstrang das tiefe Blatt der Halsfaszie und verläuft nun auf ihr liegend hinter der Karotisscheide nach kranial. In Höhe des III. Halswirbels verdickt sich der Grenzstrang erneut auf beiden Seiten zum Ganglion(-ia)cervicalesuperiusGanglion cervicale superius. Zwischen Ganglion stellatum und Ganglion cervicale superius ist unregelmäßig ein Ganglion cervicale medium Ganglion(-ia)cervicalemedium(in Höhe des VI. Halswirbels) ausgebildet. Verbindungen zwischen Spinalnerven und dem Grenzstrang laufen in der Regel über die Rr. communicantes albi zum Grenzstrang und über die Rr. communicantes grisei vom Grenzstrang zurück zum jeweiligen Spinalnerv. Rr. communicantes albi kommen allerdings nur in der Pars thoracica und der Pars lumbalis vor. In der Pars cervicalis fehlen sie! In den Ganglien werden aufsteigende präganglionäre sympathische Fasern verschaltet, die dann als postganglionäre Fasern zu verschiedenen Zielgebieten in Thorax, Hals und Kopf weiterziehen.
Ganglion cervicale superius
Das Ganglion cervicale superius Ganglion(-ia)cervicalesuperiusliegt vor den Querfortsätzen des II. und III. Halswirbels und ist mit ca. 3 cm das größte sympathische Halsganglion. Es ist gleichzeitig die letzte Umschaltstation auf postganglionäre sympathische Fasern, die von hier aus zu ihren Versorgungsgebieten in den Kopf ziehen. Aus dem Ganglion cervicale superius ziehen Rr. communicantes grisei zu den Spinalnerven C1–C4. Außerdem bilden die Fasern um die Aa. carotis interna und externa Plexus und erreichen mit ihren Ästen die parasympathischen Kopfganglien (Ganglia ciliare, pterygopalatinum, submandibulare, oticum), Ganglion(-ia)ciliareGanglion(-ia)pterygopalatinumGanglion(-ia)submandibulareGanglion(-ia)oticumdurch die sie ohne Umschaltung zu den Endorganen hindurchziehen. Weitere Fasern ziehen nach unten zum Herz.
Ganglion cervicale medium
Das Ganglion cervicale mediumGanglion(-ia)cervicalemedium ist häufig nur schwach ausgebildet und kann als individuelle Variabilität entweder ganz fehlen, durch mehrere kleinere Ganglien ersetzt oder mit dem Ganglion cervicale inferius verschmolzen sein. Wenn vorhanden, ist es in Höhe des VI. Halswirbels in enger Lagebeziehung zur A. thyroidea inferior auffindbar. Aus dem Ganglion ziehen Rr. communicantes grisei für die Spinalnerven C5–C6 sowie Äste zur Schilddrüse und Nebenschilddrüse und zum Herz.
Ganglion cervicale inferius
Das Ganglion cervicale inferius ist meist mit Ganglion(-ia)cervicaleinferiusdem ersten Brustganglion des Truncus sympathicus zum Ganglion(-ia)cervicothoracicum [stellatum]Ganglion cervicothoracicum (Ganglion stellatum) verschmolzen. Das Ganglion liegt beidseits ventral auf dem Köpfchen der I. Rippe und vor dem Proc. transversus des VII. Halswirbels. Aus dem Ganglion ziehen Rr. communicantes grisei zu den Spinalnerven C7–C8 und T1. Weitere Äste ziehen als N. vertebralis und in die Ansa subclavia zu den Gefäßen sowie als Nn. cardiaci inferiores zum Herz. So erreichen die Fasern die Speiseröhre, die Bronchien, die Luftröhre, den Kehlkopf, den Pharynx und das Herz.

Lymphknoten des Halses

Im HalsHalsLymphknoten gibt es etwa 200–300 Lymphknoten, die vor allem entlang der V. jugularis interna kettenartig aneinandergereiht sind. Die große Zahl (ungefähr 30 % aller Lymphknoten des Körpers) erklärt sich aus der unmittelbaren Nachbarschaft von Mund- und Nasenhöhle, die potenzielle Eintrittspforten für Erreger und Antigene sind. Man findet entlang einer horizontal verlaufenden Linie vom Kinn über den Unterkieferrand bis zum Hinterhaupt eine Reihe von Lymphknotengruppen, die als regionäre Lymphknotenansammlungen für die Lymphe aus den meisten Regionen des Kopfes dienen. Weitere vertikal im Hals verlaufende Lymphknotenstationen aus kettenartig aufgereihten Nodi lymphoidei liegen entlang der Vv. jugulares und den Halsorganen und sind Hauptabflusswege der Lymphe aus dem Kopf und dem Hals (Abb. 10.27). Grundsätzlich werden sie hinsichtlich ihrer Lage in vordere Nodus(-i) lymphoideus(-i)cervicalesanteriores(Nodi lymphoidei cervicales anteriores) und seitliche Halslymphknoten (Nodi lymphoidei cervicales laterales) Nodus(-i) lymphoideus(-i)cervicaleslateraleseingeteilt. In der jeweiligen Region kommen sie sowohl oberflächlich (Nodi lymphoidei superficiales) Nodus(-i) lymphoideus(-i)cervicaleslateralesalsNodus(-i) lymphoideus(-i)cervicaleslaterales superficialesNodus(-i) lymphoideus(-i)cervicaleslaterales profundi auch tief (Nodi lymphoidei profundi) vor (Tab. 10.17).
Die vorderen tiefen Halslymphknoten leiten die von ihnen kontrollierte Lymphe von Kehlkopf, Schilddrüse und Luftröhre zu den seitlichen tiefen Halslymphknoten weiter (Abb. 10.28). Analog zu einer Klassifikation des American Joint Committee of Cancer (AJAC) werden die Halslymphknoten regional auf jeder Seite in 6 Kompartimente (I–VI) (Abb. 10.29) eingeteilt.

Klinik

Der Lymphabfluss des Halses und der Halsorgane ist aus klinischer Sicht kompliziert. Die meisten Lymphknoten des Halses sind allerdings gut tastbar und für eine histologische Gewebediagnose (Biopsie) geeignet. Generell kann eine Vergrößerung mehrerer Halslymphknoten (zervikale Lymphadenopathie) Lymphadenopathie, zervikalesehr unterschiedliche Ursachen haben, die nicht zwangsläufig auf Krankheitsprozesse der Kopf-Hals-Region beschränkt sein müssen (z. B. Lymphome, Virusinfektionen). Bei Verdacht oder bei Vorliegen lymphogener Metastasen maligner Tumoren (z. B. Schilddrüsenkarzinom) wird die Kompartimenteinteilung der AJAC (Abb. 10.29) zur elektiven chirurgischen Ausräumung der Halslymphknoten (Neck-Dissection) genutzt.Neck-Dissection

Aus den von den tiefen Halslymphknoten ausgehenden Lymphgefäßen (Vasa efferentia) entlang der V. jugularis interna gehen die Trunci jugulares dexter und sinister hervor. Über diese Lymphgefäße wird die Lymphe rechts über den Ductus lymphaticus dexter in den rechten Venenwinkel und links über den Ductus thoracicus in den linken Venenwinkel drainiert.

Schilddrüse und Nebenschilddrüsen

Michael Scholz

Kompetenzen

Nach Bearbeitung dieses Lehrbuchkapitels sollten Sie in der Lage sein:

  • die embryologische Entwicklung von Schilddrüse und Nebenschilddrüsen zu erläutern

  • den Aufbau und die Funktion von Schilddrüse und Nebenschilddrüsen zu erklären

Lage und Funktion

Die SchilddrüseSchilddrüse (Glandula thyroidea)Glandula(-ae)thyroidea und die Nebenschilddrüsen (Glandulae parathyroideae, Epithelkörperchen) liegen im vorderen Halsbereich unterhalb des Kehlkopfes (Abb. 10.30).
Die Schilddrüse (Glandula thyroidea) ist eine große, H-förmige, unpaare Drüse (Gewicht beim Erwachsenen 20–25 g). Sie besteht aus 2 Seitenlappen (Lobus dexter und Lobus sinister), die über den unpaaren Isthmus miteinander verbunden sind. Dieser grenzt ventral etwa in Höhe des 2.–3. Trachealknorpels an die Trachea. Die Seitenlappen umfassen die Seitenflächen der Trachea und sind über das Bindegewebe der Organkapsel (Capsula fibrosa) fest mit ihr verbunden. Dadurch folgt die Schilddrüse den Bewegungen von Kehlkopf und Trachea beim Schluckakt. Nach dorsomedial reichen die Seitenlappen der Schilddrüse bis an die Rinne zwischen Trachea und Oesophagus heran, worin der N. laryngeus recurrens verläuft. Dorsolateral grenzt die Schilddrüse an die Karotisscheide (Vagina carotica).

Klinik

In seinem Verlauf hat der N. laryngeus recurrens Nervus(-i)laryngeusrecurrensenge Lagebeziehungen zur A. thyroidea inferior. Dadurch kann er z. B. bei einer SchilddrüsenresektionSchilddrüsenresektionN. laryngeus recurrens, Verletzungen verletzt werden. Geschieht dies (oder wird er auch nur mechanisch gereizt), kann eine postoperative Heiserkeit entstehen oder die Stimm- und Sprachbildung verändert sein. Daher wird bei diesen Operationen heute ein intraoperatives Neuromonitoring eingesetzt, um den Nerv aufzufinden und sicher zu identifizieren. Dies ist besonders wichtig bei einer Vergrößerung der Schilddrüse (z. B. Struma), weil dann die normale Topografie des N. laryngeus recurrens aufgehoben ist (er behält zwar seine engen Beziehungen zur Schilddrüse und zur A. thyroidea inferior, ist aber u. U. nicht mehr so leicht zu lokalisieren). Strumaoperationen sind immer noch die häufigsten Ursachen für Lähmungen der Kehlkopfmuskeln.

Die Nebenschilddrüsen (Epithelkörperchen, Glandulae parathyroideae)Nebenschilddrüsen EpithelkörperchenGlandula(-ae)parathyroideaesind in der Regel 4 linsengroße Einzelorgane (2 obere und 2 untere), die an der Rückseite (allerdings mit außerordentlich großer Variabilität) der Schilddrüse liegen. So können sie auch innerhalb der Schilddrüse oder des Thymus vorkommen (ektope Epithelkörperchen). Das Gewicht eines Epithelkörperchens beträgt ca. 40 mg.
Schilddrüse und Nebenschilddrüsen gehören zu den endokrinen, hormonbildenden Organen. Die hier produzierten Hormone wirken auf den Gesamtstoffwechsel und greifen regulierend in den Jod- und Kalziumhaushalt des Körpers ein:
  • Die SchilddrüsenhormoneSchilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3)Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (Thyroxin, T4)Tetrajodthyronin (Thyroxin, T4) erhöhen den Grundumsatz und regen den Energiestoffwechsel sowie Wachstums- und Differenzierungsvorgänge an.

  • Das von den parafollikulären Zellen (C-Zellen) parafollikuläre Zellen (C-Zellen)C-Zellen (parafollikuläre Zellen)der Schilddrüse produzierte Hormon KalzitoninKalzitonin ist der funktionelle Gegenspieler des ParathormonsParathormon, das in den Nebenschilddrüsen synthetisiert wird. Kalzitonin senkt den Blutkalziumspiegel, der Gegenspieler Parathormon hebt ihn an.

Entwicklung

Schilddrüse
Etwa ab dem 24. Tag nachSchilddrüseEntwicklung der Befruchtung ist die SchilddrüsenanlageSchilddrüsenanlage als mediale Verdickung des Entoderms in Höhe des 2. Schlundbogens am Boden der ektodermalen MundbuchtMundbuchtektodermale zu erkennen (Abb. 10.31a). Die Epithelverdickung, aus der die Schilddrüsenknospe entsteht, sprosst nach kaudal in die Länge und dehnt sich in der weiteren Entwicklung am Zungenbein vorbei aus, um schließlich knapp unterhalb des Schildknorpels ihre endgültige Position zu erreichen (Abb. 10.31b). Das eingewachsene Gewebe formt so einen länglichen, median gelegenen Gang mit engem Lumen (Ductus thyroglossus),Ductusthyroglossus der mit der Zungenoberfläche in Verbindung steht. Der Gang besteht bis zur 6. Woche. Die zu diesem Zeitpunkt noch ungeteilte Schilddrüsenknospe beginnt bereits mit der histologischen Differenzierung, noch bevor sich in der Folge jeweils lateral der Organanlage ein rechter und ein linker Lappen ausbilden. Der mittlere zentrale Abschnitt (die eigentliche Schilddrüsenknospe) bleibt anschließend in ihrem Wachstum zurück und bildet so den späteren Schilddrüsenisthmus, während sich die beiden Seitenlappen etwas nach kranial ausdehnen.
Ungefähr in der 7. Woche der Embryonalentwicklung hat die Schilddrüse ihre endgültige Form ausgebildet und ihre endgültige Lage im Hals erreicht. Der Isthmus und die Unterränder der beiden Seitenlappen liegen vor der 2. und 3. Knorpelspange der späteren Luftröhre. Der Ductus thyroglossus hat sich zu diesem Zeitpunkt schon zurückgebildet; seine proximale Öffnung am Zungengrund bleibt allerdings als kleine mediale Grube (Foramen caecum) Foramen(-ina)caecum linguaehinter dem Sulcus terminalis der Zunge bestehen (Abb. 10.31b).

Merke

Bei fast 50 % der Menschen bilden sich die distalen Rudimente des Ductus thyroglossus nicht vollständig zurück, sondern bleiben als vom Isthmus aus nach kranial verlaufender Lobus pyramidalis Lobus(-i)pyramidalisder Schilddrüse bestehen. Dieser kann sogar über bindegewebige Faserzüge und glatte Muskulatur mit dem Zungenbein verbunden sein (Abb. 10.32).

Klinik

Auf der gesamten Länge des Ductus thyroglossus, vom Foramen caecum am Zungengrund bis zum Isthmus bzw. zum Lobus pyramidalis, kann das Ganglumen persistieren und zur Ausbildung einer medianen Halszyste Halszystenmedianeoder (bei Verbindung an die Halsoberfläche) einer medianen Halsfistel Halsfistelnmedianeführen (Abb. 10.33a). Beide sind ohne klinische Bedeutung, solange sie sich nicht entzünden (können aber kosmetisch stören). Die medianen Halzysten und -fisteln müssen von lateralen Halszysten und -fisteln abgegrenzt werden. Letztere entstehen, wenn die Schlundfurchen oder der Sinus cervicalis (während der Embryogenese auftretender Spaltraum, der die gemeinsame Öffnung der 2.–4. Schlundfurche darstellt) nicht vollständig obliterieren. Laterale HalszystenHalszystenlaterale machen sich als flüssigkeitsgefüllte Vorwölbungen seitlich am Hals bemerkbar; laterale Halsfisteln Halsfistelnlateralemünden meist am Vorderrand des M. sternocleidomastoideus (Abb. 10.33b).

Nebenschilddrüsen
Anders als die Anlage NebenschilddrüsenEntwicklungder Schilddrüse entwickeln sich die Nebenschilddrüsen als Abkömmlinge der 3. und 4. Schlundtasche. Etwa in der 6. Embryonalwoche differenzieren sich jeweils die linken und rechten dorsalen Knospen der 3. und 4. Schlundtasche in ein Epithelkörperchen, die dadurch auf der Dorsalseite der Schilddrüse lokalisiert sind.

Merke

Durch den gemeinsamen Deszensus der oberen Epithelkörperchen (3. Schlundtasche) mit dem Thymus gelangen diese schließlich weiter nach kaudal auf die Rückseite der Schilddrüse als die Epithelkörperchen der 4. Schlundtasche. Die Epithelkörperchen der 4. Schlundtasche sind demzufolge am oberen Schilddrüsenpol, die aus der 3. Schlundtasche am unteren Schilddrüsenpol zu finden. Ihre Lage auf der Schilddrüsenrückseite ist dabei außerordenlich variabel.

Leitungsbahnen

Arterien
Die SchilddrüseSchilddrüseLeitungsbahnen ist als endokrines Organ sehr gut durchblutet (Abb. 10.34, Abb. 10.35). Sie wird auf beiden Seiten mit jeweils 2 Arterien unterschiedlicher Herkunft versorgt:
  • Die A. thyroidea superior Arteria(-ae)thyroideasuperiorzieht als erster Ast der A. carotis externa zum oberen Pol des jeweiligen Schilddrüsenlappens und verzweigt sich auf der Vorderfläche der Schilddrüse.

  • Die A. thyroidea inferior Arteria(-ae)thyroideainferiorentspringt aus dem Truncus thyrocervicalis (Abb. 10.13) und gibt Äste zum unteren Pol und zur Versorgung der Rückseite der Schilddrüse ab (Abb. 10.34). Sie verläuft bogenförmig um den zum Kopf ziehenden Gefäß-Nerven-Strang (A. carotis communis, N. vagus [X], V. jugularis) nach medial zu ihrem Versorgungsgebiet.

Die 4 Nebenschilddrüsen werden aus Ästen der Aa. thyroideae inferiores versorgt.

Klinik

Bei etwa 10 % der Bevölkerung kann eine meist aus dem Truncus brachiocephalicus entspringende und vor der Trachea aufsteigende Arteria(-ae)thyroideaimaA. thyroidea ima auftreten. Ihre Größe kann individuell stark variieren und kann klinisch im Rahmen einer Tracheostomie oder bei einer Thyroidektomie zu Komplikationen führen.

Venen
Das venöse Blut aus der oberen Schilddrüsenhälfte wird auf beiden Seiten über die V. thyroidea superior Vena(-ae)thyroideasuperiorzur V. jugularis interna drainiert (Abb. 10.36). Diese enthält weitere venöse Zuflüsse aus den ebenfalls paarigen Vv. thyroideae mediae. Vena(-ae)thyroideae mediaeDie Gefäße des Plexus venosus thyroideus impar bildenPlexusvenosusthyroideus impar ein Venengeflecht an den unteren Polen der Schilddrüsenlappen und des Isthmus (Abb. 10.36). Sie führen das Blut überVena(-ae)thyroideainferior die Vv. thyroideae inferiores entlang der Vorderseite der Trachea in die V. brachiocephalica sinistra. In ihrem kaudalen Verlauf nehmen diese Venen auch kleinere venöse Gefäße von Trachea und Oesophagus mit auf.

Merke

Die Schilddrüsenhormone verlassen die Schilddrüse und die Nebenschilddrüsen über die Venen!

Lymphgefäße
Die Lymphe aus SchilddrüseSchilddrüseLymphgefäßeNebenschilddrüsenLymphgefäße und Nebenschilddrüsen wird über die Nodi lymphoidei thyroidei Nodus(-i) lymphoideus(-i)thyroideientlang der venösen Gefäße zu den seitlichen tiefen Halslymphknoten drainiert. Aus der oberen Hälfte der Schilddrüse führen Lymphgefäße zu den Nodi lymphoidei prelaryngei. Nodus(-i) lymphoideus(-i)prelaryngei (Delphi-Lymphknoten)Aus der unteren Hälfte führen Lymphbahnen von ventral entweder über die Nodi lymphoidei pretrachealesNodus(-i) lymphoideus(-i)pretracheales oder direkt zu den kaudalenNodus(-i) lymphoideus(-i)cervicaleslaterales profundi Nodi lymphoidei cervicales laterales profundi (Tab. 10.17; Abb. 10.28).
Nerven
SchilddrüseSchilddrüseNerven und NebenschilddrüsenNebenschilddrüsenNerven werden vom vegetativen (autonomen) Nervensystem innerviert. Postganglionäre sympathische Fasern kommen aus den 3 oberen Grenzstrangganglien (Ganglia cervicalia superius, medius et inferius bzw. Ganglion cervicothoracicum = Ganglion stellatum → Verschmelzung von Ganglion cervicale inferius mit dem ersten oder den ersten beiden Thorakalganglien) und ziehen mit den Gefäßen zu ihren Zielorganen. Die parasympathischen Fasern kommen aus dem N. vagus [X] und erreichen Schilddrüse und Nebenschilddrüsen mit dem N. laryngeus superior (Abb. 10.34) und dem N. laryngeus recurrens (Abb. 10.35).

Merke

Die Schilddrüse hat eine enge Lagebeziehung zu den Nn. laryngei recurrentes (Nn. laryngei inferiores). Nach ihrer Schlinge um die arteriellen Gefäße (links: Verlauf um den Aortenbogen, rechts: Verlauf um die A. subclavia dexter) ziehen die Nerven jeweils in der Rinne zwischen Luft- und Speiseröhre nach kranial bis zum Kehlkopf, um dort die innere Kehlkopfmuskulatur zu innervieren.

Larynx

Friedrich Paulsen

Kompetenzen

Nach BearbeitungLarynxKehlkopf dieses Lehrbuchkapitels sollten Sie in der Lage sein:

  • die wesentlichen Kehlkopffunktionen, die Blutversorgung, die Lymphabflüsse und die Innervation zu beschreiben

  • die Skelettelemente und den Bandapparat des Kehlkopfs zu benennen

  • die Kehlkopfgelenke und -muskeln sowie deren Funktion und Innervation darzustellen

  • Begriffe wie Spann- und Stellapparat, eine Unterteilung des Kehlkopfs und Begrenzungen des Kehlkopfeingangs zu erklären

  • den Kehlkopf, seine Blutgefäße und Nerven zu den umgebenden Strukturen in Beziehung zu setzen und wichtige Landmarken zu benennen

  • Grundzüge der Kehlkopfentwicklung wiederzugeben

Klinischer Fall

Larynxkarzinom

Anamnese

Ein 53-jähriger LarynxkarzinomDachdecker wird von einem Allgemeinarzt an einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt überwiesen. Bei der Anamnese erklärt der Mann, seit einiger Zeit heiser zu sein. Wie lange kann er nicht genau sagen. Auf Nachfragen gibt er an, mindestens eine Schachtel Zigaretten täglich zu rauchen, und dies seit ca. 30 Jahren. Sein Alkoholverhalten sei „normal“, ohne hier konkreter zu werden.

Erstuntersuchung

Bei der Kehlkopfspiegelung sieht der HNO-Arzt einen großen supraglottischen Tumor im Bereich der rechten Taschenfalte, der kontinuierlich in die Epiglottis übergeht und die Sicht auf die vordere Kommissur und einen Teil der Glottis verdeckt. Auf der rechten Seite des Halses ertastet er außerdem einen deutlich vergrößerten, nicht druckschmerzhaften, harten Tumor, den er als vergrößerten Lymphknoten einordnet. Er vereinbart daraufhin unmittelbar einen Vorstellungstermin in der benachbarten Universitäts-HNO-Klinik für den Patienten. Den Patienten informiert er, dass man zur weiteren Diagnostik Gewebeproben entnehmen müsse, um auszuschließen, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt. Allerdings müsse er damit rechnen, dass es möglicherweise Kehlkopfkrebs sei.

Weitere Diagnostik

In der Universitätsklinik werden unter Lokalanästhesie mehrere Gewebebiopsien aus verschiedenen oberflächlichen Anteilen des Tumors entnommen und in die Pathologie eingesandt. Der histopathologische Befund ergibt in mehreren der entnommenen Proben die Diagnose eines nicht verhornten Plattenepithelkarzinoms. Nun schließt sich für den Patienten ein umfassendes Tumorstaging an. Dieses ergibt ein supraglottisches Malignom, das bereits in den vor der Epiglottis gelegenen Fettkörper eingewachsen ist und auf der rechten Seite auf die Stimmlippenebene übergegriffen hat. Auch die vordere Kommissur und der Schildknorpel sind bereits infiltriert. Der Tumor ist weiter nach kaudal vorgewachsen, als die Ärzte erwartet hatten. Ipsilateral bestehen bereits außer dem vergrößert tastbaren Lymphknoten weitere Lymphknotenmetastasen. Fernmetastasen sind nicht nachweisbar.

Krankheitsbild

Bösartige Kehlkopftumoren sind mit etwa 40 % die häufigsten Kopf-Hals-Malignome mit einer Inzidenz von 8 auf 100.000 Einwohner/Jahr. Sie kommen 5–10-mal häufiger beim Mann als bei der Frau vor. Der Altersgipfel liegt bei 55 bis 65 Jahren. In 95 % der Fälle handelt es sich um Plattenepithelkarzinome. 60 % der Larynxkarzinome entwickeln sich im Bereich der Glottis; 40 % sind supraglottische Tumoren. Hauptursache sind exogene Noxen, insbesondere Tabak.

Therapie und Verlauf

Aufgrund des ausgedehnten Befundes kann der Kehlkopf bei diesem Patient nicht erhalten werden. Er wird daher über die ausgedehnten Therapiemaßnahmen aufgeklärt und nach seiner Zustimmung am nächsten Tag operiert. Dabei wird der gesamte Kehlkopf entfernt (Laryngektomie). Der Übergang zum Pharynx wird verschlossen, der Patient erhält ein kontinuierliches Tracheostoma im Bereich der Fossa jugularis. Auf der rechten Seite schließt sich eine Neck Dissection (Halslymphknotenausräumung) der Zonen II, III, V und VI entsprechend der Klassifikation der American Academy of Otolaryngology, Head and Neck Surgery an.
Nach der Operation sind engmaschige Kontrollen und eine aufwendige logopädische Behandlung zum Erlernen der Ruktussprache (Rülpssprache) geplant, da der Patient ja keinen Kehlkopf mehr hat.
Allerdings: 5 Tage nach der OP wird der Patient schon wieder mit einer Zigarette in der Hand vor dem Klinikeingang gesichtet. Dieses Mal raucht er nicht über den Mund, sondern über das Tracheostoma.

Überblick

Der Kehlkopf (Larynx) dient funktionell dem reflektorischen Schutz der unteren Atemwege vor eindringenden Fremdkörpern und der Laut- und Stimmbildung (Phonation).Laut- und Stimmbildung (Phonation)Phonation (Laut- und Stimmbildung) Außerdem wirkt er bei der Bauchpresse mit. Als Teil des Luftweges liegt der Kehlkopf zwischen Schlund (Pharynx) und Luftröhre (Trachea). Andere Halseingeweide wie Schilddrüse, Speiseröhre (Oesophagus) und Gefäß-Nerven-Strang haben enge topografische Beziehungen. Der Kehlkopf ist über Bänder und Muskeln im Hals so fixiert, dass seine Lage beim Schlucken und bei der Phonation in den Bindegewebsräumen des Halses verändert werden kann. Dies wird durch seine enge Beziehung zum Zungenbein (Os hyoideum) ermöglicht, mit dem er durch Bänder verbunden ist.

Merke

Die unteren Atemwege Atemwegeuntereumfassen Kehlkopf (Larynx), Luftröhre (Trachea) und Bronchialbaum (Arbor bronchialis).

Aufbau
Der KehlkopfKehlkopfskelettKehlkopfGelenke setzt sich aus einem Knorpelskelett zusammen, das im Laufe des Lebens teilweise verknöchert. Die Skelettelemente stehen untereinander durch echte Gelenke oder durch Bindegewebe in Verbindung und werden durch Muskeln bewegt. Einige Muskeln gehören zum Stellapparat, der die Stimmritze weit stellt, der andere Teil zum Spannapparat, der die Länge und Spannung der Stimmfalten bei der Phonation reguliert (Kap. 10.6.3).
Funktionen
Schutz
Beim Schluckakt sowie beim Husten und Niesen kommt es zur koordinierten Interaktion des Kehlkopfs mit allen ihn umgebenden Strukturen:
  • Beim Schluckakt Schluckaktwird die Stimmritze verschlossen, die darüber liegenden Strukturen verengt, der Kehldeckel über den Kehlkopfeingang bewegt und der Kehlkopf nach vorne und oben gezogen. Der Luftweg durch den Kehlkopf ist damit abgedichtet und vor dem Eindringen von Flüssigkeiten und Speisen geschützt.

  • Beim Husten und Niesen HustenNiesenwerden Stimmritze und die darüber liegenden Strukturen kurzfristig verengt, der Kehlkopf nach vorne und oben gezogen und die Stimmritze durch einen explosionsartigen Atemstoß plötzlich aufgedrückt (Hustenreflex, Kap. 10.6.6).

Phonation
Phonation (Laut- und Stimmbildung)An der Lautbildung Laut- und Stimmbildung (Phonation)Phonation (Laut- und Stimmbildung)sind zahlreiche Mechanismen wie Masse, Spannung und Länge der Stimmlippen sowie der Anblasdruck beteiligt. Dabei hängen die Tonhöhe von der Frequenz der Stimmlippenschwingung und die Lautstärke von der Kraft des Luftstroms ab, die ihrerseits durch die Spannung des Zwerchfells und der Atemhilfsmuskulatur (Anblasdruck) bedingt ist.
Fasst man sich mit dem Zeigefinger auf den Adamsapfel und schluckt, merkt man, wie sich der Kehlkopf nach oben bewegt; genauso kann man tasten, wie der Kehlkopf kranialwärts wandert, wenn man einen Ton erzeugt und diesen immer weiter erhöht.
Atmung
Die Lumenweite des Atemrohrs kann im KehlkopfKehlkopfAtmungAtmungKehlkopf durch Änderung der Stimmfaltenstellung modifiziert werden.

Entwicklung

Pränatal
Die KehlkopfentwicklungKehlkopfEntwicklung ist eng an die Entwicklung von Zungengrund und Schlundbögen gekoppelt und findet in der 4.–10. Woche statt.
Zwischen dem 2. und 4. Schlundbogen differenziert sich am Ende der 4. Woche der Hypobranchialwulst (Eminentia hypobranchialis) aus einer bukkopharyngealen Knospe. Sein unteres Ende wächst auf die in der Mitte zwischen den 4. und 5. Schlundbögen gelegene Laryngotrachealrinne zu und differenziert sich zum Epiglottiswulst.Epiglottiswulst
Seitlich von der Laryngotrachealrinne entwickeln sich durch schnelles Wachstum die Arytenoidwülste Arytenoidwülsteaus einer tracheobronchialen Knospe. Sie engen das sich entwickelnde Lumen der sich gerade von der Speiseröhre trennenden Luftröhre T-förmig ein. In diesem Stadium (6. Woche) grenzen Epiglottis und Arytenoidwülste noch aneinander und sind nur durch einen schmalen Schlitz (Kehlkopfeingang) voneinander getrennt (oberer Strich des T). Zwischen den Arytenoidwülsten verbleibt ein schlitzförmiger Spalt („primitive Glottis“; unterer vertikaler Strich des T). Durch das sehr schnelle Wachstum der Arytenoidwülste kommt es zumKehlkopfLumenverschluss, kurzfristiger kurzfristigen Verschluss des Kehlkopflumens.
In der 10. Woche hat das übrige Kehlkopfwachstum aufgeholt und das Kehlkopflumen wird wieder rekanalisiert. Dabei entstehen auf beiden Seiten die Schleimhauttaschen des Kehlkopfs (Sinus morgagni),SinusMorgagni deren obere und untere Begrenzungen sich zu den Taschen- und zu den Stimmfalten differenzieren.

Klinik

Rückbildungsstörungen des normalerweise kurzfristigen Verschlusses des Kehlkopflumens können zu lebensbedrohlichen partiellen oder vollständigen Verschlüssen führen (kongenitale Stenosen und Diaphragmen).KehlkopfStenosen, kongenitaleKehlkopfDiaphragmen Außerdem sind Fehlbildungen der Epiglottis möglichEpiglottishypoplasieEpiglottisaplasie (Epiglottishypo- oder -aplasie, Epiglottisdoppelungen oder -spalten).Epiglottisdopplungen/-spalten

Aus den Arytenoidwülsten differenzieren sich die Stellknorpel; der Epiglottiswulst wird zur Epiglottis. Seine lateralen Anteile entwickeln sich zu den Plicae aryepiglotticae. Schild- und Ringknorpel gehen aus den 4. und 5. Schlundbögen hervor, die inneren Kehlkopfmuskeln differenzieren sich aus den 6. Schlundbögen. Der Aufhängungsapparat entwickelt sich aus dem umgebenden Mesenchym, das Epithel geht aus dem Entoderm des Vorderdarms hervor.

Merke

Durch die unterschiedliche Herkunft des oberen und unteren Kehlkopfanteils aus einer bukkopharyngealen und einer tracheobronchialen Knospe, die in Höhe des Ventriculus laryngis miteinander verschmelzen, ist die Glottis (Bereich zwischen den Stimmfalten) eine Grenze für Gefäßversorgung, Innervation und Lymphabfluss.

Postnatal
Der Säugling ist in der Lage, gleichzeitig zu trinken und zu atmen, weil der Kehlkopf noch vergleichsweise weit oben sitzt und die Epiglottis dadurch bis an den Nasopharynx reicht. Die Muttermilch fließt durch dieRecessuspiriformisDeszensusKehlkopf Recessus piriformes (Kap. 10.6.3) des Kehlkopfs in die Speiseröhre, gleichzeitig kann geatmet werden. Im Verlauf gelangt der Kehlkopf durch das Längenwachstum immer weiter nach kaudal (Kehlkopfdeszensus). KehlkopfDeszensusDer Luftweg muss jetzt beim Schlucken verschlossen werden, um einer Aspiration vorzubeugen.
Während der Pubertät kommt es zu einem umfangreichen geschlechtsdivergenten Wachstumsschub des gesamten Kehlkopfs. Dabei nimmt die Kehlkopfgröße in verhältnismäßig kurzer Zeit stark zu – bei Jungen wesentlich ausgeprägter als bei Mädchen –, wobei die Kehlkopfstrukturen in unterschiedlichem Ausmaß betroffen sind. So nimmt die Stimmfaltenlänge bei Jungen um durchschnittlich 1 cm zu, bei Mädchen „nur“ um 3–4 mm. Es resultieren Stimmveränderungen, die entsprechend bei Jungen wesentlich stärker ausgeprägt sind als bei Mädchen (Stimmbruch, Stimmwechsel, Mutation). StimmbruchStimmwechselMutationStimmeUrsache für den Stimmbruch sind im Wesentlichen Koordinationsstörungen zwischen den an der Stimmbildung beteiligten unterschiedlich schnell wachsenden Strukturen.

Kehlkopfskelett

Das KehlkopfskelettKehlkopfskelett (Abb. 10.37, Abb. 10.38) setzt sich zusammen aus Kehldeckelknorpel, Schildknorpel, Ringknorpel, Stellknorpel, Spitzenknorpel und Keilknorpel (Tab. 10.18).
Knorpel des Kehlkopfskeletts
Kehldeckel
Grundlage des KehldeckelsEpiglottisKehldeckel (Epiglottis, Abb. 10.37b) ist eine durchlöcherte Platte aus elastischem Knorpel (Cartilago epiglottica).Cartilago(-ines)epiglottica Durch die Löcher ziehen Gefäße, Nerven und die Ausführungsgänge subepithelialer Drüsen. Nach vorne unten geht der Knorpel in den Kehldeckelstiel (Petiolus epiglottidis) Petiolus epiglottidisüber.
Schildknorpel
Der SchildknorpelSchildknorpel (Cartilago thyroidea, Abb. 10.37a) Cartilago(-ines)thyroideabesteht aus 2 Platten, Lamina dextra und Lamina sinistra, die wie ein schützender Schild vor dem stimmbildenden Teil des Kehlkopfs sitzen. Ventral stoßen sie in einem rechten Winkel (beim Mann) und einem etwas größeren Winkel (ca. 120° bei der Frau) zusammen. Kranial ist die Verbindungsstelle zur Incisura thyroidea superior eingezogen, die bis zum am weitesten ventral liegenden Punkt, derProminentialaryngea Prominentia laryngea (Adamsapfel), Adamsapfelreicht. An der Unterkante ist die Verbindungsstelle der beiden Platten zur Incisura thyroidea inferior eingezogen. An der Außenseite wölben sich im hinteren Teil der Schildknorpelplatten jeweils ein Tuberculum thyroideum superius und Tuberculum(-a)thyroideum inferius/superiusein Tuberculum thyroideum inferius vor, die über die Linea obliqua verbunden sind. Alle Vorsprünge dienen als Sehneninsertionszonen. Die Hinterkanten der Seitenplatten gehen kranial jeweils in das etwas längere Oberhorn, Cornu superius, und kaudal in das Unterhorn, Cornu inferius, über. An der Innenseite des Cornu inferiusCornu(-a)superius (Cartilago thyroidea)Cornu(-a)inferius (Cartilago thyroidea) befindet sich die Gelenkfläche, Facies articularis cricoidea, Faciesarticulariscricoideazur Artikulation mit dem Ringknorpel.
Ringknorpel
Der RingknorpelRingknorpel (Cartilago cricoidea, Abb. 10.37)Cartilago(-ines)cricoidea bildet die Basis des Kehlkopfskeletts. Er hat Siegelringform, dabei ist das Siegel als Lamina cartilaginis cricoideae Lamina(-ae)cartilaginis cricoideaenach dorsal gerichtet und trägt rechts und links seitlich und auf der Oberkante Gelenkflächen: oben je eine Facies articularis arytenoidea Faciesarticularisarytenoideazur Artikulation mit dem jeweiligen Stellknorpel und seitlich je eine Facies articularis thyroidea zur Artikulation mit dem Schildknorpel. Vorne bildet der Ring einen schmalen Bogen, Arcus cartilaginis cricoideae.Arcuscartilaginis cricoideae

Merke

Der Ringknorpel liegt beim Erwachsenen auf Höhe des VI. Halswirbels.

Stellknorpel
Die StellknorpelStellknorpel (Aryknorpel, Cartilago arytenoidea, früher auch als Gießbeckenknorpel bezeichnet, Abb. 10.37b) AryknorpelCartilago(-ines)arytenoideasind mit dreiseitigen Pyramiden vergleichbar. Jeder Knorpel besitzt demnach 4 Flächen:
  • eine Facies anterolateralis (mit Colliculus, Crista arcuata, Fovea triangularis und Fovea oblonga)

  • eine Facies medialis

  • eine Facies posterior

  • eine Basis, Basis cartilaginis arytenoideae (mit Facies articularis zur Artikulation mit dem Ringknorpel).

Ferner besitzt jeder Stellknorpel 3 Fortsätze:
  • vorne einen Proc. vocalis, Processusvocalis (Cartilago arytenoidea)der an seiner Spitze aus elastischem Knorpel besteht

  • lateral einen Proc. muscularisProcessusmuscularis (Cartilago arytenoidea)

  • oben eine Spitze, Apex cartilaginis arytenoideaeApexcartilaginis arytenoideae

Spitzen- und Keilknorpel
Der SpitzenknorpelSpitzenknorpel (Cartilago corniculata, santorini-Knorpel) Cartilago(-ines)corniculata (Santorini-Knorpel)Santorini-Knorpel (Cartilago corniculata)hat eine häkchenförmige Gestalt und kann auch fehlen. Er sitzt auf dem Stellknorpel und wölbt sich unter der Schleimhaut als Tuberculum corniculatum vor. Der KeilknorpelKeilknorpel (Cartilago cuneiformis, wrisberg-Knorpel)Cartilago(-ines)cuneiformis (Wrisberg-Knorpel)Wrisberg-Knorpel (Cartilago cuneiformis) kommt ebenfalls variabel vor. Er wölbt sich in der Plica aryepiglottica (s. u.) als Tuberculum cuneiformeTuberculum(-a)cuneiforme vor (Abb. 10.43)

Klinik

Ab etwa dem 20. Lebensjahr beginnen die hyalinen Kehlkopfknorpel (Schild-, Ring- und Stellknorpel) sehr langsam und geschlechtsdifferent zu verknöchern. Beim Mann sind die Knorpel bis auf wenige Ausnahmen nach dem 60. Lebensjahr fast vollständig mineralisiert und verknöchert; bei der Frau verknöchern hingegen nur Teile des Kehlkopfskeletts. Beim Mann sollte daher ab dem 50. Lebensjahr bei den hyalinen Knorpeln von Knochen gesprochen werden. Es kann daher zu Frakturen des Kehlkopfskeletts KehlkopfskelettFrakturenkommen (z. B. nach Verkehrsunfall), die mit lebensbedrohlichen Obstruktionen der Atemwege, Phonationsstörungen und Erstickungsgefahr einhergehen. Aufgrund der Verknöcherung lassen sich bei operativen Exzisionen von Knochengewebe (z. B. bei Hemilaryngektomie aufgrund Larynxkarzinom) oder nach Frakturen die Frakturenden bzw. die verbliebenen Teile durch Osteosynthesematerial schienen.

Selten sind die Kehlkopfknorpel bei Geburt zu weich (Laryngomalazie).Laryngomalazie Dies kann mit Atemstörungen einhergehen.

Bandapparat des Kehlkopfs
Die Kehlkopfknorpel (-knochen) Kehlkopfbändersind durch Gelenke und ein bindegewebiges Aufhängesystem untereinander verbunden. Der aus Bändern und Membranen bestehende Bindegewebsapparat hat gemeinsam mit der Kehlkopfmuskulatur, weiteren Muskeln und den Halsfaszien eine essenzielle Funktion für die Kehlkopfbeweglichkeit bei der Atmung, der Phonation und beim Schluckvorgang. Der Bandapparat kann in äußere und innere Kehlkopfbänder gegliedert werden (Tab. 10.19, Tab. 10.20, Abb. 10.37, Abb. 10.38).
Bänder zwischen Kehlkopf und Zungenbein
Oberkante des Schildknorpels und Unterkante des Zungenbeins sind über die Membrana thyrohyoidea Membranathyrohyoideaverbunden, die im Bereich der Incisura thyroidea superior zum Lig. thyrohyoideum medianum Ligamentum(-a)thyrohyoideummedianumund im Bereich der Cornua majora des Zungenbeins jeweils zumLigamentum(-a)thyrohyoideumlaterale Lig. thyrohyoideum laterale verstärkt sind (Abb. 10.37a). In jedes Lig. thyrohyoideum laterale kann ein aus elastischem Knorpel bestehender DreiecksknorpelDreiecksknorpel (Cartilago triticea) Cartilago(-ines)triticeaeingelagert sein.
Epiglottisaufhängung
Unterhalb der Incisura thyroidea superior entspringt auf der Innenseite des Schildknorpels das Lig. thyroepiglotticum, Ligamentum(-a)thyroepiglotticumdas den Epiglottisstiel (Petiolus epiglottidis) Petiolus epiglottidisam Schildknorpel fixiert (Abb. 10.37b). Die dem Zungenbein zugerichtete Vorderfläche der Epiglottis ist über das Lig. hyoepiglotticum Ligamentum(-a)hyoepiglotticuman der Innenfläche des Zungenbeins fixiert. Zwischen Membrana thyrohyoidea und Epiglottis sowie seitlich der Epiglottis liegt das Corpus adiposum preepiglotticum, Corpus(-ora)adiposumpreepiglotticumein Fettkörper, der für die Verformung der Epiglottis beim Schluckakt eine wichtige Rolle zum Schutz der unteren Atemwege ausübt.
Bänder des Ringknorpels
Im ventralen Abschnitt sind Schild- und Ringknorpel durch dasLigamentum(-a)cricothyroideum Lig. cricothyroideum verbunden. Es handelt sich dabei um eine Syndesmose, deren mittlerer Anteil zum Lig. cricothyroideum medianum (Lig. conicum) Ligamentum(-a)cricothyroideummedianum (Lig. conicum)Ligamentum(-a)conicum (Lig. cricothyroideum medianum)verstärkt ist (Abb. 10.37). Kaudal ist der Ringknorpel über das Lig. cricotracheale Ligamentum(-a)cricotrachealean der ersten Trachealspange befestigt. Dorsal strahlt das Lig. cricopharyngeum Ligamentum(-a)cricopharyngeumin die Pharynxwand ein.

Merke

Oberhalb der Prominentia laryngea (Adamsapfel) sind die Incisura thyroidea superior und die Membrana thyrohyoidea tastbar. Gleitet der tastende Finger des Untersuchers von der Prominentia laryngea entlang des Schildknorpels nach kaudal, gelangt man auf das klinisch beteutsame Lig. conicum.

Klinik

Bei Verlegung der oberen Atemwege mit Luftnot dient das Lig. cricothyroideum medianum (Lig. conicum) als Landmarke. Es kann als Notfallmaßnahme gemeinsam mit dem darunter liegenden Conus elasticus (s. u.) durchtrennt werden (Koniotomie),Koniotomie um den Kehlkopfbinnenraum knapp unterhalb der Stimmfalten zu erreichen.

Kehlkopfgelenke
Schildknorpel undKehlkopfGelenke Ringknorpel stehen über die paarige Articulatio cricothyroidea in Verbindung. Jeder Stellknorpel artikuliert mit dem Ringknorpel über die Articulatio cricoarytenoidea. Articulatio(-nes)cricoarytenoideaBei den Gelenken handelt es sich um Diarthrosen (echte Gelenke). In einem geringeren Prozentsatz kann die Articulatio cricothyroidea aber auch eine Synchondrose sein.
Articulatio cricothyroidea
Die Articulatio cricothyroideaKrikothyroidgelenkArticulatio(-nes)cricothyroidea (Abb. 10.37a) ist ein Kugelgelenk. Dabei artikulieren die konkave Facies articularis thyroidea an der Seitenfläche des Ringknorpels mit der konvexen Facies articularis cricoidea an der unteren Innenseite des Cornu inferius des Schildknorpels miteinander. Die Gelenkkapsel ist straff und wird durch das Lig. ceratocricoideum Ligamentum(-a)ceratocricoideuman der Außenseite verstärkt. Das Gelenk ermöglicht Verschiebebewegungen entlang der Sagittalebene und Rotationsbewegungen um eine Transversalachse. Bei der Rotation wird der Ringknorpel dem Schildknorpel angenähert (Abb. 10.39). Die Kippbewegung führt zu einer Anspannung der Stimmbänder (s. u.; Grobspannung der Stimmbänder).
Articulatio cricoarytenoidea
Im KrikoarytenoidgelenkKrikoarytenoidgelenk Articulatio(-nes)cricoarytenoideaartikuliert die Basis des Stellknorpels mit der hinteren, seitlichen Oberkante des Ringknorpels (Abb. 10.37b). Die Gelenkfläche des Stellknorpels ist mehr rund und konkav gewölbt; die Gelenkflächen auf dem Ringknorpel haben ovale Form und sind konvex gewölbt (zylinderförmig). Parallel zur Zylinderachse können im Krikoarytenoidgelenk Scharnier- und Gleitbewegungen durchgeführt werden, die dem Öffnen und Schließen der Stimmritze und der Stimmfaltenspannung dienen (Abb. 10.37b). Wird der Aryknorpel im Rahmen einer Scharnierbewegung nach außen geführt, kommt es zur Anhebung und Abduktion des Proc. vocalis und damit zur Stimmritzenöffnung. Eine Drehung entlang des Scharniers nach innen in Kombination mit einer Senkung und Adduktion des Proc. vocalis führt zum Stimmritzenschluss. Die Scharnierbewegungen können mit Gleitbewegungen kombiniert werden. Dabei werden die Aryknorpel bei Ab- oder Adduktion nach vorne bzw. nach hinten verschoben. Die Gelenkkapsel (Capsula articularis cricoarytenoideae) ist aufgrund der komplexen Bewegungsmöglichkeiten und des Bewegungsumfangs weit und schlaff und hat keinen Einfluss auf die Gelenkführung. Dorsal wird die Gelenkkapsel allerdings durch das aus sehr viel elastischem Bindegewebe bestehende Lig. cricoarytenoideum (posterius) verstärkt (Abb. 10.37b), Ligamentum(-a)cricoarytenoideum (posterius)das funktionell der Führung des Aryknorpels dient und den elastischen Kräften des Lig. vocale entgegenwirkt.

Klinik

Die vollständige Lähmung aller Kehlkopfmuskeln führt durch den Zug der an den Aryknorpeln angreifenden Kräfte der KehlkopfmuskelnLähmungenLigg. cricoarytenoideae posteriora zur sog. Kadaverstellung der StimmfaltenStimmbänderKadaverstellungKadaverstellungStimmbänder.

Nach endotrachealen In- und Extubationen, Laryngoskopien oder Bronchoskopien können die Aryknorpel in dorsolateraler oder medioventraler Richtung verlagert sein, man spricht von Aryluxation. AryluxationWeil die Stimmlippe auf der betroffenen Seite damit unbeweglich ist, ist der Patient heiser. Ursache sind Einblutungen in die Gelenkhöhle oder die Ausbildung eines Reizergusses nach Verletzung von Synovialmembranen. Durch Muskelkontrakturen können die Gelenkflächen in der Folge verkleben und eine Ankylose entstehen. Die Aryluxation muss von einer Nervenläsion abgegrenzt werden.

Die Krikoarytenoidgelenke sind so aufgebaut wie die großen Extremitätengelenke. Daher sind auch hier degenerative Knorpelveränderungen im fortgeschrittenen Lebensalter möglich (Arthrose), die den Stimmlippenschluss bei der Phonation – und damit die Stimmqualität – verändern, sowie Gelenkinfektionen (Arthritis) oder Rheuma (rheumatoide Arthritis).rheumatoide Arthritis

Kehlkopfmuskeln
Man unterteilt KehlkopfmuskelnKehlkopfmuskelnäußeredie aus den Schlundbögen stammenden Kehlkopfmuskeln nach Herkunft, Lage und Innervation in äußere und innere Kehlkopfmuskeln. Die quergestreiften Muskeln sind außerordentlich dicht innerviert und sehr gut durchblutet. Funktionell dienen sie dem Öffnen und Verschließen der Stimmritze und der Stimmfaltenspannung (durch Verlängern und Verkürzen). Muskeln, die die Form der Stimmritze verändern, gehören zum Stellapparat; Muskeln, die ihre Spannung beeinflussen, werden als Spannapparat zusammengefasst.
Äußere Kehlkopfmuskeln
Außer dem direkt am Kehlkopf sitzenden M. cricothyroideus Musculus(-i)cricothyroideuswerden der zu den Muskeln des Rachens gehörende M. constrictor pharyngis inferior (Pharynxmuskulatur) Musculus(-i)constrictor(es) pharyngisinferiorsowie der zu den unteren Zungenbeinmuskeln (infrahyale Muskulatur) gehörende M. thyrohyoideusMusculus(-i)thyrohyoideus den äußeren Kehlkopfmuskeln zugerechnet (Abb. 10.39, Tab. 10.21).
Innere Kehlkopfmuskeln
Zentrale Schaltstelle der inneren KehlkopfmuskelnKehlkopfmuskelninnere sind die Stellknorpel, an denen alle inneren Kehlkopfmuskeln ansetzen oder entspringen (Abb. 10.40, Abb. 10.41, Abb. 10.42, Abb. 10.43, Tab. 10.22).
Spannapparat
Der SpannapparatKehlkopfSpannapparat umfasst außer den Skelettelementen des Kehlkopfs die Kehlkopfgelenke und die Kehlkopfmuskulatur. Er nimmt auf das Volumen, die Form und die Länge des schwingenden Anteils der Stimmfalten Einfluss. Der M. cricothyroideus Musculus(-i)cricothyroideusreguliert die Länge und Spannung von Lig. vocale und Conus elasticus und führt zur Grobspannung der Stimmfalten (Abb. 10.39). Dabei wirkt die Pars thyropharyngea des M. constrictor pharyngis inferior mit. M. cricoarytenoideus posterior (Postikus) Musculus(-i)cricoarytenoideusposterior (Postikus)Postikus (M. cricoarytenoideus posterior)und Lig. cricoarytenoideum (posterius) stabilisieren Ligamentum(-a)cricoarytenoideum (posterius)den Aryknorpel, sodass er nicht nach vorne kippen kann. Die Feinspannung wird durch den M. vocalis (Pars interna des M. thyroarytenoideus, Abb. 10.40, Abb. 10.42) reguliert.Musculus(-i)vocalis Seine Muskelfasern verlaufen parallel zur Stimmfalte und zum Stimmband (Lig. vocale) und sind am Stimmband teilweise fixiert. Die Spannung kann durch isotonische Kontraktion verstärkt und durch isometrische Kontraktion noch weiter modifiziert werden, sodass der Muskel damit entscheidenden Einfluss auf die Qualität eines Tons bei der Stimmbildung nimmt. Die Pars cricopharyngea des M. constrictor pharyngis inferior (Tab. 10.23) Parscricopharyngea (M. constrictor pharyngis inferior)ist in der Lage, die Stimmfaltenspannung aktiv zu vermindern.

Merke

Spannapparat: Strukturen, die Volumen, Form und Länge des schwingenden Anteils der Stimmfalten beeinflussen: Skelettelemente des Kehlkopfs, Kehlkopfgelenke, Kehlkopfmuskulatur

Klinik

Stimmüberlastung führt zu nachlassender Spannung des M. vocalis. Man spricht von einer Internusschwäche. InternusschwächeKehlkopfStellapparatDie Stimmritze kann nicht mehr richtig verschlossen werden, die Stimme wird heiser. Hieran ist auch eine aus der Stimmüberlastung resultierende Verminderung der Schleimproduktion der Kehlkopfdrüsen (Kap. 10.6.5) beteiligt.

Stellapparat
Der M. cricoarytenoideus posterior (Postikus) Musculus(-i)cricoarytenoideusposterior (Postikus)Postikus (M. cricoarytenoideus posterior)ist der Hauptmuskel des Stellapparats (Abb. 10.39, Abb. 10.40, Abb. 10.43), da er durch Abduktion und Hebung des Proc. vocalis des Aryknorpels die Öffnung der Stimmritze und damit die Inspiration (Abb. 10.44a) ermöglicht. Allerdings kann auch der M. cricoarytenoideus lateralisMusculus(-i)cricoarytenoideuslateralis die Stimmritze begrenzt öffnen: Bei isolierter Kontraktion führt er zur Bildung des Flüsterdreiecks (dreieckiger Spalt im hinteren Stimmritzenbereich). Zur Verbesserung des Gasaustauschs ist die Stimmritze bei ruhiger Exspiration gerade nur so weit geöffnet, dass die Ausatemluft frei entweichen kann. Sie dauert deutlich länger als die kurze Inspirationsphase bei weit geöffneter Glottis. In Ruheatmung verändert sich die Weite der Glottis daher ständig.
Zur Phonation (Abb. 10.44b) werden die Procc. vocales aneinandergebracht und die Stimmritze wird dadurch locker verschlossen. Hierzu kontrahieren die Mm. arytenoidei transversus et obliquus.Musculus(-i)arytenoideustransversusMusculus(-i)arytenoideusobliquus Ferner sind die Mm. cricoarytenoideus lateralis et thyroarytenoideus Musculus(-i)thyroarytenoideussowie die Schleimhaut auf den Aryknorpeln beteiligt. Die für die Phonation essenzielle Feinspannung der StimmfalteStimmfaltenFeinspannung übernimmt die Pars interna des M. thryroarytenoideus (M. vocalis), Musculus(-i)vocalisdie somit nicht nur auf den Spann-, sondern auch auf den Stellapparat wirkt. Die Pars externa des M. thyroarytenoideus wirkt funktionell an der Annäherung der Stimmfalten mit. Alle Muskeln können auch so stark kontrahiert werden, dass sie den festen Verschluss der Glottis für die Bauchpresse (z. B. im Rahmen der Defäkation) oder für einen Hustenstoß ermöglichen.
Für die PhonationPhonation (Laut- und Stimmbildung)Bernoulli-Prinzip ist außerdem der Luftstrom von Bedeutung, der nach dem bernoulli-PrinzipBernoulli-PrinzipPhonation (s. Lehrbücher der Physiologie) auf die Öffnungsweite der Stimmritze wirkt. Da die Stimmritze einen kleineren Durchmesser als die Luftröhre hat, wird die aus der Lunge kommende Luft in Höhe der Glottis beschleunigt und verwirbelt. Hierdurch wird die Schleimhaut auf den Stimmfalten in Bewegung versetzt. Die Schwingung kann mittels Stroboskopie (mittels Lichtblitzen entsteht ein für das Auge des Betrachters virtuelles Zeitlupenbild) sichtbar gemacht werden. Die Stimmlippenschwingungen laufen regelmäßig harmonisch ab. Durch das lockere Bindegewebe des reinke-RaumsReinke-Raum (s. u.)kommt es bei ausreichender Grundspannung der StimmlippenStimmlippenRandkantenverschiebungenRandkantenverschiebungenStimmlippen zu Randkantenverschiebungen, die durch das wellenförmige Abrollen der Schleimhaut am freien Stimmlippenrand zustande kommen (Abb. 10.45). Bei der Rückwanderung einer Schleimhautwelle in Richtung Subglottis treffen die Schleimhäute beider Seiten aufeinander und unterbrechen den Luftstrom kurzfristig vollständig. Der Luftstrom presst sie dann wieder auseinander. So kommt es zu einem ständigen Wechsel von Unterbrechung und Freigabe des Luftstroms (Vibration). Die Stimmfalten schwingen dabei im Luftstrom.

Klinik

Bei isolierter, einseitiger Postikus-Lähmung Postikusparesesteht die Stimmfalte auf der betroffenen Seite in Paramedianstellung; eine doppelseitige Lähmung führt aufgrund des Überwiegens der Stimmritzenschließer zu einer verengten Stimmritze und geht mit Atemnot einher.

Unter Dysphonie Dysphonieversteht man alle erkrankungsbedingten Veränderungen bei der Lautbildung. Hierzu gehört auch die resultierendeHeiserkeit Heiserkeit (Heiserkeit ist eine relativ häufig vorkommende Dysphonie der Stimme, die durch eine raue, unreine, belegte oder tonlose Stimme gekennzeichnet ist) bei einseitiger „Postikusparese“. Vollständige Stimmlosigkeit wird alsAphonie Aphonie bezeichnet.

Besonders bei Frauen kann es zur Schwäche des M. arytenoideus transversus (Transversusschwäche) Transversusschwächemit Flüsterdreieck und resultierender hauchiger Stimme kommen.

Merke

Stellapparat: Strukturen, die die Form der Stimmritze verändern.

Übergang zwischen Kehlkopf und Zungengrund
Der Oberrand der Epiglottis (Margo superior epiglottidis) und der Zungengrund stehen über die Plica glossoepiglottica mediana und die paarigen Plicae glossoepiglotticae laterales miteinander in Verbindung. Zwischen den Falten liegen die paarigen Valleculae epiglotticae (dieser Bereich gehört zur Pars oralis pharyngis, Abb. 10.47).

Klinik

Verschluckte Fremdkörper Fremdkörper, verschlucktekönnen in die Valleculae epiglotticae gelangen und durch Druck auf die Epiglottis den Kehlkopfeingang und damit den Atemweg verlegen oder über einen reflektorischen Herz-Kreislauf-Stillstand durch vagale Reizung des empfindlichen Nervengeflechts von Pharynx und Larynx einen Bolustod Bolustodauslösen, wenn sich beim Schlucken ein großer, schlecht durchgekauter Bissen (Bolus) so im Laryngopharynx verklemmt, dass er auch durch starkes Husten nicht mehr herausgeschleudert werden kann. Gräten und Teile von Geflügelknochen oder andere kleine spitze Fremdkörper bleiben meist in den Tonsillae palatinae stecken.

Kehlkopfeingang
Der KehlkopfeingangAdituslaryngisKehlkopfeingang (Aditus laryngis, Abb. 10.43) wird begrenzt von:
  • Oberrand der Epiglottis (Margo superior epiglottidis; Abb. 10.50): Er ragt in den Oropharynx.

  • Aryepiglottische Falten (Plicae aryepiglotticae): Sie reichen vom lateralen Epiglottisrand bis zu den Stellknorpelspitzen und enthalten je ein Tuberculum corniculatum und ein Tuberculum cuneiforme, die durch die darunter liegenden gleichnamigen Knorpel aufgeworfen werden.

  • Spalt zwischen den beiden Stellknorpeln (Incisura interarytenoidea; Abb. 10.44b): Seine Weite variiert je nach Stellung der Stellknorpel, die Schleimhautfalte zwischen den Stellknorpeln heißt Plica interarytenoidea ; Abb. 10.44a).

Rechts und links vom Kehlkopfeingang vertieft sich die Kehlkopfschleimhaut zwischen den aryepiglottischen Falten auf der medialen Seite sowie zwischen Zungenbein, Membrana thyrohyoidea und Schildknorpel auf der lateralen Seite zum Recessus piriformis. RecessuspiriformisInnerhalb des Recessus erkennt man die durch den N. laryngeus superior hervorgerufene Plica nervi laryngei superioris.

Klinik

Die den Kehlkopf begrenzenden Strukturen dienen bei der Intubation als Orientierung. Verschluckte Fremdkörper Fremdkörper, verschlucktekönnen im Recessus piriformis hängen bleiben.

Kehlkopfetagen

Anatomisch wird der KehlkopfKehlkopfEtagen eingeteilt in
  • Kehlkopfvorhof (Vestibulum laryngis); Vestibulumlaryngisvon der Epiglottisoberkante bis zu den Stimmfalten

  • mittlere Kehlkopfetage (Glottis); Glottisumfasst den Bereich zwischen den Stimmfalten (Stimmritze)

  • untere Kehlkopfetage (Cavitas infraglottica); unterhalb der Stimmfalten bis zur Unterkante des Ringknorpels

Klinisch gliedert man den Kehlkopf in (Abb. 10.46)
  • Supraglottis (supraglottischer Raum); Supraglottis (supraglottischer Raum)von der Epiglottisoberkante bis zu den Taschenfalten

  • transglottischen Raum (glottischen Raum); transglottischer Raum (glottischer Raum)von den Taschenfalten, die Ventriculi laryngis einschließend, bis unterhalb der Stimmfalten

  • Subglottis (subglottischer Raum); Subglottis (subglottischer Raum, Cavitas infraglottica)Cavitas(-tes)infraglottica (Subglottis, subglottischer Raum)von unterhalb der Stimmfalten bis zur Unterkante des Ringknorpels

Supraglottis (supraglottischer Raum)
Sie reicht vom Kehlkopfeingang (Aditus laryngis) bis in Höhe der Taschenfalten (Plicae vestibulares) und umfasst den Epilarynx (laryngeale Fläche der Epiglottis, Plicae aryepiglotticae und Stellknorpelhöcker).

Klinik

Allergische Reaktionen können am KehlkopfeingangKehlkopfeingangallergische Reaktionenallergische ReaktionenKehlkopfeingang zu akuten Ödemen mit ausgeprägter Atemnot führen, da sie sich im lockeren Bindegewebe stark ausdehnen können. Auch akute bakterielle Infektionen der Epiglottis (Epiglottitis), dieEpiglottitis besonders bei Kindern auftreten, können durch Verlegung der Atemwege sehr schnell lebensbedrohlich werden.

Transglottischer Raum (glottischer Raum)
Zum transglottischen Raum gehörentransglottischer Raum (glottischer Raum)
  • die paarigen Taschenfalten (Plicae vestibulares oder Plicae ventriculares)

  • das Tuberculum epiglotticumTuberculum(-a)epiglotticum

  • die Rima vestibuliRimavestibuli (Raum zwischen den Taschenfalten)

  • die paarigen morgagni-Ventrikel (Ventriculi laryngis); Morgagni-Ventrikel (Ventriculi laryngis)Ventriculuslaryngis (Morgagni-Ventrikel)sie enden jeweils in einem individuell großen Sacculus laryngisSacculus(-i)laryngis (Appendix ventriculi laryngis)

  • die paarigen StimmfaltenStimmfalten (Plicae vocales),Plica(-ae)vocalis die auch als Stimmlippen (Labia vocales) StimmlippenLabium(-a)vocalisbezeichnet werden; sie stellen das zentrale Element der Glottis (Stimmritze, Rima glottidis, stimmbildender Teil des Kehlkopfs) dar

Die Stimmfalten ragen beim Blick von oben weiter in das Kehlkopflumen vor als die darüber liegenden Taschenfalten. Aufgrund ihrer Bedeckung mit Plattenepithel erscheinen sie weißlich im Gegensatz zu den mehr rötlich schimmernden Taschenfalten.
Die Glottis Glottisumfasst den Bereich des freien Stimmfaltenrandes. Man stellt sie dem transglottischen Raum gegenüber, der den Raum im Bereich der Glottis, des unteren Anteils der Taschenfalten und der Ventriculi laryngis umfasst. Der vordere Bereich der Glottis mit der vorderen Kommissur (Commissura anterior, s. u.) wird als Pars intermembranacea bezeichnet (macht etwa zwei Drittel der Länge der Stimmfalten aus); der hintere Anteil der Glottis zwischen den Stellknorpeln ist entsprechend die Pars intercartilaginea. Die Stimmfalten enden hinten am Übergang von der Pars intercartilaginea in die Plica interarytenoidea.

Klinik

Eine Erweiterung des Sacculus laryngis wird als Laryngozele Laryngozelebezeichnet. Ist die Erweiterung so ausgeprägt, dass die Membrana thyrohyoidea durchbrochen wird, wird die Laryngozele meist von außen tast- und sichtbar (äußere Laryngozele). Komplikationen sind Infektionen der Laryngozele und Verdrängungserscheinungen der Halseingeweide.

Subglottis (subglottischer Raum, Cavitas infraglottica)
Die Subglottis (subglottischer Raum, Cavitas infraglottica)Cavitas(-tes)infraglottica (Subglottis, subglottischer Raum)Subglottis reicht von unterhalb der Stimmfalten bis zum Unterrand des Ringknorpels. Es handelt sich um einen konisch geformten Raum zwischen freiem Stimmlippenrand, Stimmlippenabhang und Unterrand des Ringknorpels. Obere Grenze ist die mikroskopisch lokalisierbare Linea arcuata inferior der Plica vocalis (Abb. 10.42, Kap. 10.6.5). Die kaudale Grenze liegt am Unterrand des Ringknorpels. Oben seitlich sind der Conus elasticus und weiter kaudal der Ringknorpel die Begrenzungen. Unten hat der subglottische Raum die Form eines Zylinders, der sich nach oben der Form des Conus elasticus entsprechend verjüngt. Die vordere Grenze bildet das Lig. cricothyroideum medianum (Lig. conicum); die hintere ist der Ringknorpel.

Klinik

Das Kehlkopflumen ist zum größten Teil mittels verschiedener Techniken Kehlkopfspiegelung, direkte(Kehlkopfspiegeluntersuchung, direkte Laryngoskopie, indirekte Endolaryngoskopie) Laryngoskopie, direkteeinsehbar und einer Untersuchung damit zugänglich.Endolaryngoskopie, indirekte

Die Einteilung des Kehlkopfs in Etagen macht man sich klinisch bei der Bildgebung zur Ermittlung des Ausmaßes (Staging) einer Tumorerkrankung zunutze. Obwohl die Magnetresonanztomografie (MRT) die höchste Sensitivität aller bildgebenden Verfahren beim Tumorstaging hat, ist das Standardverfahren für die bildgebende Diagnostik des Larynx die Spiral-Computertomografie (CT) in dünner Schichtführung, da die MRT beim sehr gut beweglichen Kehlkopf mit erheblichen Bewegungsartefakten assoziiert sein kann.

Aufbau der Plicae vocales und Plicae vestibulares

Bestandteile
Im zentralen Bereich setzt sich die Plica vocalis (Abb. 10.42) Plica(-ae)vocaliszusammen aus:
  • mehrschichtig unverhorntem Plattenepithel

  • Lamina propria aus lockerem Bindegewebe

  • Lig. vocale (setzt sich kranialwärts in die Membrana quadrangularis und kaudal in den Conus elasticus fort)

  • M. vocalis

Die Plica vestibularis Plica(-ae)vestibularissetzt sich zusammen aus:
  • mehrreihigem respiratorischem Flimmerepithel

  • Lamina propria aus lockerem Bindegewebe, das zahlreiche seromuköse Drüsen und viel lymphatisches Gewebe enthält, das zum mukosaassoziierten lymphatischen Gewebe gehört (LALT = larynxassoziiertes lymphatisches Gewebe)

  • Lig. vestibulareLigamentum(-a)vestibulare (kann als Verdickung der Membrana quadrangularis angesehen werden, in die es eingelagert ist)

  • quergestreifte Muskelfaserbündel

Epithel und Lamina propria
Mehrschichtig unverhorntes Plattenepithel kommt regelmäßig am freien Rand der Stimmlippen, auf den Plicae aryepiglotticae, auf der Plica interarytenoidea sowie am Oberrand der Epiglottis vor. Alle übrigen Kehlkopfabschnitte sind von mehrreihigem respiratorischem Flimmerepithel respiratorisches FlimmerepithelStimmlippenbedeckt.Stimmlippenrespiratorisches Flimmerepithel

Klinik

Im fortgeschrittenen Lebensalter wird immer mehr mehrreihiges respiratorisches Flimmerepithel durch Plattenepithel ersetzt, sodass beim alten Menschen große Teile der Schleimhaut aus Plattenepithel bestehen. Exogene Noxen (besonders Tabakkonsum und Alkohol) tragen dazu bei, dass Plattenepithelkarzinomerespiratorisches FlimmerepithelPlattenepithelkarzinomPlattenepithelkarzinomrespiratorisches Flimmerepithel von hier ihren Ausgang nehmen können.

Die physiologischen Übergänge des Plattenepithels der Plica vocalis in das Flimmerepithel des Ventriculus laryngis und der Subglottis werden als Linea arcuata superior und Linea arcuata inferior Linea(-ae)arcuatainferior/superiorbezeichnet (Abb. 10.42). Unterhalb dieser Epithelübergänge ist die Lamina propria durch festes kollagenes Bindegewebe an den Ausläufern des Lig. vocaleLigamentum(-a)vocale fixiert, sodass das besonders lockere Bindegewebe unterhalb des Plattenepithels der Plica vocalis einen geschlossenen (virtuellen) Raum bildet (reinke-Raum)Reinke-Raum (Abb. 10.42). Jenseits der Linea arcuata superior besteht die Lamina propria wieder aus lockerem Bindegewebe, das viele Abwehrzellen, Lymphfollikel und besonders in der Plica vestibularis zahlreiche seromuköse Drüsen enthält, die ihr Sekret über dünne Ausführungsgänge an die Schleimhautoberfläche leiten. Unterhalb der Linea arcuata inferior liegen in der lockeren Lamina propria ebenfalls zahlreiche kleinere seromuköse Drüsen in der Subglottis.
Ansatzstrukturen der Plica vocalis
Ventral enden die Stimmfalten in der vorderen Kommissur; dorsal geht die Pars intercartilaginea in die Plica interarytenoidea über. Die Ligg. vocalia inserieren im Bereich der vorderen Kommissur über 2 Strukturen (Abb. 10.39, Abb. 10.40, Abb. 10.41):
  • über die Noduli elastici anteriores (sind bei der Kehlkopfuntersuchung als gelbliche Verdickungen sichtbar)Nodulus(-i)elastici anteriores

  • über die im Schildknorpel inserierende Stimmbandsehne (Broyles-Sehne)

Die Insertion des Lig. vocale am Proc. vocalis des Stellknorpels erfolgt über jeweils einen Nodulus elasticus posterior Stimmbandsehne (Broyles-Sehne)Broyles-Sehne (Stimmbandsehne)(ebenfalls bei der Kehlkopfinspektion als gelbliche Verdickungen sichtbar, Abb. 10.39, Abb. 10.40). Dieser geht kontinuierlich in den elastischen Knorpel des Proc. vocalis Processusvocalis (Cartilago arytenoidea)über, der sich dann seinerseits in den hyalinen Knorpel des Proc. vocalis fortsetzt. Die verschiedenen Strukturen im Bereich des Stimmbandansatzes dienen der Dehnungsdämpfung beim Schwingvorgang der Stimmfalten und ermöglichen zusätzlich eine große Beweglichkeit im Rahmen der Phonation und Respiration.

Klinik

Veränderungen im Bereich der StimmfaltenStimmfaltenVeränderungenStimmlippenVeränderungen (gutartig oder bösartig) führen zum unvollständigen Schluss der Stimmritze bei der Phonation und gehen mit Heiserkeit und im fortgeschrittenen Stadium mit Atemnot einher. Gutartige Veränderungen können durch Überbelastung (Sprechberufe) oder Fehlbelastung der Stimme verursacht sein und zur Ausbildung von Schrei- oder Sängerknötchen SängerknötchenSchreiknötchenführen. Sie können aber auch durch mechanische Reizung im Rahmen von Intubationen alsIntubationsgranulome Intubationsgranulome in Erscheinung treten. Die häufigsten gutartigen Tumoren der StimmfalteStimmfaltenPolypenPolypenStimmfalten sind Polypen; die häufigsten bösartigen Plattenepithelkarzinome.

Flüssigkeitsansammlungen im reinke-RaumReinke-Ödem (häufig bei Raucherinnen) gehen mit einer Stimmlippenschwellung und Heiserkeit bis zu Atemnot einher (reinke-Ödem). Flüssigkeitsansammlungen in der Lamina propria der Supraglottis können als Glottis-Ödem GlottisÖdemin Erscheinung treten, z. B. bei allergischen Reaktionen. Auch diese gehen mit Heiserkeit, Atemgeräuschen bis hin zu hochgradiger Atemnot einher.

Leitungsbahnen

Arterien
Hauptblutgefäße desKehlkopfLeitungsbahnen Larynx (Abb. 10.47) sind die:
  • Aa. laryngeae superiores

  • Aa. laryngeae inferiores

  • Rr. cricothyroidei

Die paarige A. laryngea superior Arteria(-ae)laryngeasuperiorgeht meist nahe dem Schildknorpeloberrand aus der A. thyroidea superior (Ast der A. carotis externa) ab (kann aber auch als eigenständiges Gefäß direkt aus der A. carotis interna, der A. lingualis oder der A. facialis abgehen) und penetriert anschließend mit dem R. internus des N. laryngeus superior (s. u.) die Membrana thyrohyoidea. Selten erreicht sie das Kehlkopfinnere auch durch ein Foramen thyroideum in der Schildknorpelplatte. Im Kehlkopf verläuft sie unterhalb der Schleimhaut des Recessus piriformis. Ihre Äste versorgen den Aditus laryngis und das Vestibulum laryngis.
Die Blutversorgung der Glottis übernimmt der paarige R. cricothyroideus, ein Ast der A. laryngea superiorRamus(-i)cricothyroideus (A. thyroidea superior). Er bildet mit dem Ast der Gegenseite eine bogenförmige Arkade vor dem Lig. cricothyroideum und kann in seltenen Fällen die A. laryngea superior völlig ersetzen.
Die paarige A. laryngea inferior Arteria(-ae)laryngeainferiorist ein Ast der A. thyroidea inferior (aus dem Truncus thyreocervicalis) und steigt gemeinsam mit dem N. laryngeus inferior (s. u.) in der Rinne zwischen Speise- und Luftröhre kranialwärts bis zur Articulatio cricothyroidea auf. Hier tritt sie in den Raum zwischen Schild- und Ringknorpel ein und versorgt hauptsächlich die dorsal liegenden Muskeln (M. cricoarytenoideus posterior und M. arytenoideus).
Zwischen allen Kehlkopfarterien bestehen reichlich Anastomosen.
Venen
Die den Kehlkopf drainierenden Venen begleiten die Arterien. Sie bilden ausgedehnte Schleimhautplexus. Das Blut der V. laryngea superior Vena(-ae)laryngeasuperiorVena(-ae)laryngeainferiorgelangt gemeinsam mit dem Blut aus dem venösen R. cricothyroideus in die V. thyroidea superior und von hier in die V. jugularis. Die V. laryngea inferior drainiert in die V. thyroidea inferior, die über den Plexus thyroideus impar meist die linke V. brachiocephalica erreicht.
Lymphe
Die Lamina propria der Kehlkopfschleimhaut ist von einem feinmaschigen dichten Netz aus Lymphkapillaren durchsetzt, die sich zu größeren Lymphkollektoren zusammenschließen. Lymphgefäße oberhalb der Stimmlippen verlaufen mit der A. laryngea superior und gelangen zu Nodi lymphoidei infrahyoidei Nodus(-i) lymphoideus(-i)infrahyoidei(Nodi lymphoidei cervicales profundi). Lymphgefäße unterhalb der Plicae vocales drainieren zu den prälaryngealen (Nodi lymphoidei prelaryngei; delphi-Lymphknoten) Nodus(-i) lymphoideus(-i)prelaryngei (Delphi-Lymphknoten)Delphi-Lymphknoten (Nodi lymphoidei prelaryngei) und zu den Nodus lymphoideuscervicaleslaterales profundi inferioresNodi lymphoidei cervicales profundi superioresNodus lymphoideuscervicaleslaterales profundi superiores und inferiores Nodus(-i) lymphoideus(-i)cervicalesprofundi superioresNodus(-i) lymphoideus(-i)cervicalesprofundi inferioresin der Nähe der A. thyroidea inferior (Abb. 10.27). In der Stimmfalte ist der Lymphabfluss vornehmlich nach dorsal gerichtet. Eine Trennung zwischen supra- und subglottischem Stromgebiet und zwischen rechts und links gibt es aber nicht.
Die regionären Lymphknoten drainieren über zwischengeschaltete Sammellymphknoten in die Trunci jugularis dexter und sinister.
Innervation
Die sensible und die motorische Innervation des Kehlkopfs (Abb. 10.47) erfolgt über 2 Äste des N. vagus [X], den N. laryngeus superiorNervus(-i)laryngeussuperiorNervus(-i)laryngeusinferior und den N. laryngeus inferior.

Merke

Der Hustenreflex Hustenreflexist ein unwillkürlich ablaufender polysynaptischer Schutzreflex, der dazu dient, die unteren Atemwege von Fremdkörpern, Sekretüberschüssen und anderen potenziell schädigenden Reizen (Hustenreiz) zu befreien. Die Rezeptoren für die Auslösung des Reflexes kommen unter anderem zahlreich in der Kehlkopfschleimhaut vor. Die Information wird über viszerosensible Nervenfasern des N. vagus [X] zum Hustenzentrum der Medulla oblongata geleitet. Über Umschaltung im Nucleus ambiguus (motorisches Kerngebiet von N. vagus [X] und N. glossopharyngeus [IX]) wird die Reizantwort auf den efferenten Schenkel umgeschaltet und gelangt zu den Kehlkopfmuskeln und Atemmuskeln, die einen kurzfristigen Stimmritzenschluss und eine explosionsartige Ausatmung bewirken. Hierdurch werden die eingedrungenen Fremdkörper im Idealfall nach außen befördert.

N. laryngeus superior (Abb. 10.47)
Der N. laryngeus superior Nervus(-i)laryngeussuperiorgeht auf Höhe des Ganglion inferius des N. vagus [X] aus diesem ab, verläuft medial von der A. carotis interna und zweigt sich in Höhe des Zungenbeins in einen äußeren (R. externus) und einen inneren (R. internus) Ast auf:
  • Der R. externus des N. laryngeus superior verläuft entlang der Seitenwand des Pharynx nach kaudal bis zum M. constrictor pharyngis inferior. Diesen durchbricht er, innerviert ihn und gelangt weiter nach kaudal und ventral bis zum M. cricothyroideus, den er ebenfalls innerviert.

  • Der R. internus des N. laryngeus superior gelangt gemeinsam mit der A. laryngea superior durch die Membrana thyrohyoidea (Kap. 10.6.3) in den Kehlkopf. Hier verläuft er unter der Schleimhaut des Sinus piriformis (Plica nervi laryngei). Er innerviert die gesamte Schleimhaut des Aditus laryngis, des Vestibulum laryngis und den dorsalen Anteil der Stimmfalten. In den meisten Fällen bildet er unter der Schleimhaut des Sinus piriformis mit dem N. laryngeus inferior eine Anastomose (R. communicans cum nervo laryngeo inferiori; Galen-Anastomose).Galen-Anastomose (R. communicans cum nervo laryngeo inferiori)Ramus(-i)communicanscum nervo laryngeo inferiori (Galen-Anastomose)

N. laryngeus inferior (Abb. 10.47)
Der N. laryngeus inferiorNervus(-i)laryngeusinferior ist der Endast des N. laryngeus recurrensNervus(-i)laryngeusrecurrens. Letzterer zweigt auf der linken Seite in Höhe der Pars decendens des Aortenbogens aus dem N. vagus [X] ab, verläuft unterhalb des Lig. arteriosum (botalli) nach dorsal und steigt in der Rinne zwischen Luft- und Speiseröhre kranialwärts zum Kehlkopf auf (Abb. 9.40). Auf der rechten Seite verlässt er den N. vagus [X] bereits in Höhe der A. subclavia dextra, unterkreuzt diese von vorne nach hinten und gelangt so ebenfalls in die Furche zwischen Luft- und Speiseröhre (Abb. 9.40). In Höhe des Unterhorns der Cartilago thyroidea und des M. cricoarytenoideus posterior teilt er sich in einen vorderen (R. anterior) und einen hinteren (R. posterior) Ast auf:
  • Der R. anterior innerviert den M. thyroarytenoideus und den M. cricoarytenoideus lateralis.

  • Der R. posterior innerviert den M. cricoarytenoideus posterior (Postikus) und die Mm. arytenoidei transversus et obliquus. Außerdem innerviert er sensibel den vorderen Teil der Stimmfalten, die Subglottis sowie Teile des Hypopharynx, der Speise- und der Luftröhre.

Klinik

Schädigungen des N. laryngeus superior führen zur Lähmung des M. cricothyroideus. Die Grobspannung der Stimmfalte ist daher ungenügend und hat einen unvollständigen Glottisschluss mit Heiserkeit und Stimmstörung zur Folge. Außerdem treten Sensibilitätsstörungen am Kehlkopfeingang und in der Supraglottis auf, die zu häufigem Verschlucken führen können.

Unter einer Rekurrensparese Rekurrenspareseversteht man die Schädigung des N. laryngeus recurrens oder des N. laryngeus inferior. Ihre Ursachen sind vielfältig (z. B. bösartige Tumoren, Intubationsschäden, Z. n. Schilddrüsenoperation). Durch die Lähmung der inneren Kehlkopfmuskeln steht die StimmlippeStimmbänderKadaverstellungKadaverstellungStimmbänder auf der betroffenen Seite in Paramedianstellung (Kadaverstellung). Es resultiert Heiserkeit. Eine beidseitige Schädigung kann zu einer lebensbedrohlichen Atemnot führen.

Die mit einer Häufigkeit von 0,4–2,6 % auftretende A. lusoria Arteria(-ae)lusoriaist eine Gefäßvariante, bei der die A. subclavia dextra als letzter Ast aus dem Aortenbogen entspringt und variabel hinter der Speisröhre, zwischen Speise- und Luftröhre oder vor der Luftröhre auf die rechte Körperseite zieht. Kommt eine A. lusoria vor, fehlt der N. laryngeus recurrens auf der rechten Seite. Stattddessen verlässt der N. laryngeus inferior den N. vagus direkt in Höhe des Kehlkopfs und ist bei operativen Eingriffen dieser Region gefährdet.

Pharynx

Wolfgang H. Arnold
Der Rachen (Pharynx) RachenPharynxist ein muskulärer Schlauch, der über die Membrana pharyngobasilaris an der Außenfläche der Schädelbasis des Os occipitale befestigt ist. Er liegt vor der Halswirbelsäule und reicht bis in Höhe des VI. Halswirbels und des Ringknorpels, wo er in den Oesophagus übergeht. Sein Lumen, die Rachenlichtung (Cavitas pharyngis), RachenlichtungCavitas(-tes)pharyngissteht mit der Nasenhöhle, dem Mittelohr, der Mundhöhle, dem Kehlkopf und der Speiseröhre in Verbindung. Innerhalb der Rachenlichtung kreuzen der Luft- und Speiseweg. Funktionell dient der Pharynx der Luftleitung, dem Transport von Nahrung, der Geschmackswahrnehmung und der ImmunabwehrWaldeyer-Rachenring (waldeyer-Rachenring, Kap. 10.7.7).

Entwicklung

Die Muskulatur des Rachens geht aus dem 3.–5. Schlundbogen hervor und steht mit den aus diesen Schlundbögen hervorgegangenen Skelettelementen in Kontakt.

Etagen des Pharynx

Der PharynxPharynxEtagen wird entsprechendRachenEtagen seinen Öffnungen in 3 Etagen gegliedert:
  • Obere Etage (Pars nasalis, Naso- oder Epipharynx): Sie steht über die Choanen mit der Nasenhöhle und über die Tuba auditiva mit dem Mittelohr in Verbindung.

  • Mittlere Etage (Pars oralis, Oro- oder Mesopharynx): Sie ist der Übergang zwischen oberer und unterer Etage und ist über den Isthmus faucium mit der Mundhöhle verbunden.

  • Untere Etage (Pars laryngea, Laryngo- oder Hypopharynx): Sie steht vorne mit dem Kehlkopf über den Aditus laryngis in Verbindung und geht kaudal in die Speiseröhre (Oesophagus) über.

Epipharynx
Die ChoanenChoanen (Choanae nasales) Epipharynxöffnen sich von der Nase aus in den Epipharynx. Der Epipharynx bildet nach oben das Rachengewölbe (Fornix pharyngis).Rachengewölbe FornixpharyngisDie Pharynxwand besteht hier aus straffem Bindegewebe (Fascia pharyngobasilaris),Fasciapharyngobasilaris die an der Schädelbasis fixiert ist. Sie dient dem M. constrictor pharyngis superior als Anheftungszone. Dorsal ist die Faszie am Tuberculum pharyngeum (Abb. 9.5) angeheftet. Von hier setzt sich das Bindegewebe in einem medianen BindegewebsstreifenRaphepharyngis, Raphe pharyngis, fort, der den Schlundschnürern als Ansatzzone dient und bis zur Pars cricopharyngea kaudalwärts reicht. Unter der Schleimhaut (respiratorisches Flimmerepithel) des hinteren Bereichs am Dach des Epipharynx unter der Schädelbasis befindet sich lymphatisches Gewebe, das sich besonders bei Kindern als TonsillapharyngeaTonsilla pharyngea vorwölbt. Vor der Tonsille kann an der Unterfläche des Keilbeins im Bindegewebe als embryologisches Relikt der rathke-TascheRathke-Tasche die Rachendachhypophyse (Hypophysis pharyngealis)RachendachhypophyseHypophysispharyngealis liegen. In der lateralen Wand mündet auf beiden Seiten jeweils die Tuba auditiva, die den Pharynx mit dem Mittelohr verbindet. Das Ostium pharyngeum tubae auditivae Ostium(-a)pharyngeum tubae auditivaewird hinten und oben vom Tubenwulst (Torus tubarius) TubenwulstTorustubariusbegrenzt. Nach unten und hinten wird der Torus tubarius durch die Plica salpingopharyngea Plica(-ae)salpingopharyngeaverlängert (Abb. 10.48). Sie wird durch den M. salpingopharyngeus aufgeworfen (Abb. 9.112). Unterhalb der Mündung der Tuba auditiva befindet sich der Levatorwulst (Torus levatorius), LevatorwulstToruslevatoriusin dem der M. levator veli palatini verläuft (Abb. 10.48). Unter dem Epithel der Tubenöffnung befindet sich lymphatisches Gewebe, das als Tonsilla tubaria Tonsillatubariazusammengefasst wird. Tonsilla pharyngea und Tonsillae tubariae gehören zum lymphatischen Rachenring (waldeyer-Rachenring, Kap. 10.7.7).Waldeyer-Rachenring

Klinik

Im Kindesalter kommt es häufig zu einerRachenmandelHyperplasieAdenoide Hyperplasie der Rachenmandel (Adenoide, adenoide Vegetation, im Volksmund „Polypen“). Dabei kann das Tubenostium verlegt werden und die Belüftung des Mittelohrs eingeschränkt sein. Folge sind rezidivierende Mittelohrentzündungen, die das Hörvermögen einschränken und Entwicklungsverzögerungen nach sich ziehen. Therapie der Wahl ist in diesen Fällen die Entfernung der Rachenmandel (Adenektomie).

Die manchmal an der Unterfläche des Keilbeins im Bindegewebe vor der Tonsilla pharyngea während der Entwicklung zurückgebliebenen Reste der Rachendachhypophyse (Hypophysis pharyngea) können in der Jugend Ausgangspunkt eines KraniopharyngeomKraniopharyngeoms sein.

Unterhalb der Schleimhaut zwischen Tonsilla tubaria und Tonsilla palatina befindet sich lymphatisches Gewebe, das man als Seitenstränge bezeichnet. Besonders nach Entfernung der Tonsillae palatinae (Tonsillektomie) kann es hier zur bakteriellen Infektion kommen, einer Form der Rachenentzündung, die als Seitenstrangangina Seitenstranganginabezeichnet wird. Betroffene leiden besonders häufig an Ohr- und Kopfschmerzen sowie Schluckbeschwerden.

Mesopharynx
Der MesopharynxMesopharynx (Pars oralis pharyngis)Parsoralis pharyngis steht über den Isthmus fauciumIsthmusfaucium mit der Mundhöhle in Verbindung. Der Zungengrund mit der Tonsilla lingualis drückt sich in den Mesopharynx (Abb. 10.48). Die Epiglottis ist über die Plica glossoepiglottica mediana und die Plicae glossoepiglotticae laterales verschieblich mit dem Zungengrund verbunden. Zwischen den Falten liegen 2 Gruben (Valleculae epiglotticae). Beim Schluckakt wird die Pars oralis durch Verlagerung des Gaumensegels an die hintere Pharynxwand von der Pars nasalis getrennt.
Hypopharynx
Der HypopharynxHypopharynx (Pars laryngea pharyngis) istParslaryngea pharyngis der längste Abschnitt des Pharynx. Er hat nach vorne Verbindung zum Kehlkopfeingang (Aditus laryngis) KehlkopfeingangAdituslaryngisund endet kaudal hinter dem Ringknorpel des Larynx, wo er in den Oesophagus übergeht. Hier befindet sich die erste Enge der Speiseröhre (Constrictio pharyngea oesophagealis). Der Kehlkopfeingang wird von der Epiglottis und den Plicae aryepiglotticae eingefasst. Im unteren Bereich zeichnen sich die Rückflächen der Stellknorpel und des Ringknorpels mit ihren Muskeln ab. Zwischen den Stellknorpeln befindet sich die Incisura interarytenoidea. Vom seitlichen Rand der Epiglottis zieht die Plica glossoepiglottica lateralis zur Seitenwand des Larynx. Von den Plicae glossoepiglotticae laterales wölben sich kaudalwärts der N. laryngeus superior und die gleichnamigen Gefäße zur Plica nervi laryngei vor. Zwischen dem Schildknorpel und der Plica aryepiglottica befindet sich derRecessuspiriformis Recessus piriformis, Recessuspiriformisdurch den besonders Flüssigkeiten und flüssige Nahrung vom Zungengrund zum Eingang des Oesophagus gelangen.

Klinik

Verschluckte FremdkörperFremdkörper, verschluckte können das empfindliche Nervengeflecht von Pharynx und Larynx reizen und zu einer vagalen Reaktion mit reflektorischem Herz-Kreislauf-Stillstand (Bolustod) Bolustodführen, wenn sich beim Schlucken ein großer Bissen (Bolus) im Laryngopharynx so verklemmt, dass er auch durch starkes Husten und Würgen nicht mehr gelöst werden kann.

Rachenwand

Die RachenwandRachenwand ist dünn und lässt sich in 4 Schichten unterteilen:
  • Tunica mucosa (Schleimhaut): Sie besteht im Nasopharynx größtenteils aus respiratorischem Flimmerepithel, im Oro- und im Laryngopharynx aus mehrschichtigem unverhorntem Plattenepithel. Sie enthält kleine Speicheldrüsen, Glandulae pharyngeales, und viel lymphatisches Gewebe, das zum mukosaassoziierten lymphatischen Gewebe gehört.

  • Tela submucosa (submuköses Bindegewebe): Sie verbindet sich kranial mit der Tunica adventitia zur Fascia pharyngobasilaris.

  • Tunica muscularis (Muskulatur): Sie umfasst die Schlundschnürer (Mm. constrictores pharyngis) und die Schlundheber (Mm. levatores pharyngis).

  • Tunica adventitia (Adventitia): Sie stellt die Verbindung zur Umgebung her, dorsal zum Spatium retropharyngeum, einem virtuellen Spaltraum, der den Pharynx an der Halswirbelsäule fixiert, seitlich jeweils zum Spatium parapharyngeum, virtuellen Spalträumen, welche die Verbindung zu den seitlichen Strukturen des Halses herstellen. Virtuell bedeutet, dass Bindegewebsfasern die Verbindung zu den Nachbarstrukturen (Halswirbelsäule, Halsstrukturen) herstellen, die aber im Rahmen pathologischer Prozesse aufgelöst werden können und dann Spalträume entstehen lassen, die kranial bis an die Schädelbasis und kaudal bis ins Mediastinum reichen können.

Merke

Die Pharynxwand besitzt im Gegensatz zum Magen-Darm-Trakt keine Lamina muscularis. Im kranialen Abschnitt fehlt auch eine Tunica muscularis; hier schließen sich submuköses Bindegewebe und Adventitia zur Fascia pharyngobasilaris zusammen.

Pharynxmuskulatur

Der PharynxRachenMuskulaturPharynxMuskulatur ist ein lang gestreckter Muskelschlauch, der aus 3 Ringmuskeln (Schlundschnürer, Mm. constrictores pharyngei) und 3 Längsmuskeln (Schlundheber, Mm. levatores pharyngei) besteht.
Schlundschnürer
AlleSchlundschnürer 3 Schlundschnürer (Mm. constrictores pharyngis) entspringen Musculus(-i)constrictor(es) pharyngisim vorderen Bereich an Strukturen der Mundhöhlenwand und des Larynx, umschließen zirkulär das Rachenlumen, überlappen sich dachziegelartig und vereinigen sich dorsal in der Mitte in der bindegewebigen Raphe pharyngis (Abb. 10.49, Tab. 10.23). Die Raphe pharyngisRaphepharyngis zieht vom Tuberculum pharyngeum des Os occipitale zur Speiseröhre. Der unterste Teil (Pars cricopharyngea) des unteren Schlundschnürers (M. constrictor pharyngis inferior)Parscricopharyngea (M. constrictor pharyngis inferior) besteht aus 2 Muskelanteilen (Pars obliqua und Pars transversa = Pars fundiformis = Killian-Schleudermuskel), Killian-Schleudermuskeldie das muskelschwache killian-Dreieck bilden (Abb. 10.49). Unterhalb der Pars transversa ParsobliquaM. constrictor pharyngis inferiorParstransversa (M. constrictor pharyngis inferior)Parsfundiformis (M. constrictor pharyngis inferior)entsteht durch die schräg einstrahlende Speiseröhrenmuskulatur ein weiteres Muskeldreieck (Laimer-Dreieck). Laimer-DreieckEs steht im Verhältnis zum killian-DreieckKillian-Dreieck auf dem Kopf. Die Pars transversa bildet die Basis beider Dreiecke.

Klinik

Im muskelschwachen killian-Dreieck entstehen bei Männern im hohen Alter häufig Pulsionsdivertikel = Hypopharynxdivertikel (Zenker-Divertikel).Pulsionsdivertikel Dabei handelt esHypopharynxdivertikelZenker-Divertikel sich um Ausstülpungen der Pharynxwand in den Retropharyngealraum. Sammelt sich in dem zunehmend größer werdenden Divertikel Speisebrei, kann es zur Regurgitation unverdauter Nahrung kommen. Außerdem können Schluckbeschwerden auftreten. Eine Ruptur kann mit einer lebensbedrohlichen Infektion im Peripharyngealraum PeripharyngealabszessAbszessperipharyngealer(Peripharyngealabszess) einhergehen, die sich bis an die Schädelbasis und in das Mediastinum ausbreiten kann. Entsprechende Ausbreitungswege gelten auch für Entzündungen, die leicht die dünne Pharynxwand penetrieren können.

Schlundheber
Die paarigen SchlundheberSchlundheber (Mm. levatores pharyngis) Musculus(-i)levatorespharyngissind der M. stylopharyngeus (Abb. 10.49), der M. salpingopharyngeus und der M. palatopharyngeus (Abb. 10.50, Tab. 10.24). Sie ziehen zwischen den Schlundschnürern unter die Larynxschleimhaut und haben dort ihren Ansatz.

Leitungsbahnen

Arterien und Venen
Der PharynxPharynxLeitungsbahnen RachenLeitungsbahnenwird über 4 Arterien mit Blut versorgt (Tab. 10.25):
  • Die A. pharyngea ascendens Arteria(-ae)pharyngea ascendensaus der A. carotis externa liegt der seitlichen Pharynxwand an und zieht bis zur Schädelbasis.

  • Die A. palatina ascendens Arteria(-ae)palatinaascendensaus der A. facialis versorgt den vorderen Abschnitt des Pharynx.

  • Die A. sphenopalatina Arteria(-ae)sphenopalatinaaus der A. maxillaris versorgt ebenfalls den vorderen Abschnitt des Pharynx.

  • Die A. thyroidea inferior Arteria(-ae)thyroideainferiorversorgt den unteren Teil des Pharynx (Abb. 10.49).

Unter der Schleimhaut und in der Pharynxmuskulatur befindet sich der venöse Plexus pharyngeus, dessen Blut in die Vv. pharyngeae PlexuspharyngeusVena(-ae)pharyngeaedrainiert wird, die in die V. jugularis interna münden.
Lymphgefäße
Die gesamte Pharynxschleimhaut ist von Lymphfollikeln durchsetzt, die zum mukosaassoziierten lymphatischen Gewebe gehören. Die Lymphe wird von hier über Nodi lymphoidei retropharyngeales in die Nodus(-i) lymphoideus(-i)retropharyngealesNodi lymphoidei cervicales profundi abgeführt.
Innervation
Die Innervation des Pharynx erfolgt hauptsächlich sensibel, motorisch und sekretorisch aus Ästen des N. glossopharyngeus [IX] Nervus(-i)glossopharyngeus [IX]und des N. vagus [X] (N. laryngeus superior). Nervus(-i)vagus [X]Die Äste bilden mit postganglionären sympathischen Fasern des Truncus sympathicus den Plexus pharyngeus. PlexuspharyngeusAußerdem beteiligen sich Fasern aus dem N. maxillaris [V/2] (R. pharyngeus der Nn. pterygopalatini, Abb. 10.51).Nervus(-i)maxillaris [V/2]

Merke

Die afferenten und efferenten Fasern des Plexus pharyngeus sind Teil des Schluck-, Würg- und Abwehrreflexes, SchluckreflexWürgereflexAbwehrreflexder auch im Schlaf erhalten bleibt. Das Koordinationszentrum hierfür sitzt in der Medulla oblongata.

Klinik

Durchblutungsstörungen im Stromgebiet der A. vertebralis, Arteria(-ae)vertebralisDurchblutungsstörungendie den Hirnstamm mit Blut versorgt, gehen häufig mit Schluckstörungen einschließlich salvenartigen Schluckauf einher. Sie können für Betroffene lebensbedrohlich sein, da der Würg- und Abwehrreflex nicht regelrecht funktioniert.

Schluckakt

Beim Säugling reichtSchluckakt die Epiglottis weit nach kranial bis in den Nasopharynx. Die Muttermilch gelangt direkt in den Sinus piriformis. Dadurch muss der Kehlkopf nicht verschlossen und der weiche Gaumen muss nicht an den Pharynx gezogen werden.
Beim Kind und bei Erwachsenen überkreuzen sich Luft- und Speiseweg, weshalb der Luftweg beim Schlucken kurzfristig vom Speiseweg getrennt werden muss. Hierzu wird der weiche Gaumen an die Pharynxwand gezogen und der Kehlkopf kurzfristig verschlossen.

Merke

Der Säugling kann gleichzeitig atmen und trinken.

Der Schluckakt läuft in 3 Phasen ab:
  • Orale Phase: Sie ist die willkürliche Phase der Nahrungszerkleinerung und Einspeichelung innerhalb der Mundhöhle. Die Zunge wird durch die Kontraktion der Mundbodenmuskulatur gegen den Gaumen gepresst, wobei der Speisebolus in Richtung Isthmus faucium befördert wird.

  • Pharyngeale Phase: Sie ist die reflektorische Phase in der die Sicherung der Atemwege und der Transport des Bissens koordiniert werden. In ihr kontrahieren sich zunächst der M. tensor veli palatini und der M. constrictor pharyngis superior und bilden den passavant-RingwulstPassavant-Ringwulst, der den Zugang zum Nasopharynx verschließt. Der Rückweg zur Mundhöhle wird durch das Sphinktersystem der Muskulatur des Isthmus faucium und die Zunge versperrt. Außerdem werden der Aditus laryngis und die Stimmritze verschlossen.

  • Ösophageale Phase: Sie zeichnet sich durch eine peristaltische Kontraktion der Pharynxmuskulatur von kranial nach kaudal aus. Gleichzeitig hebt die Kontraktion der Schlundheber den Kehlkopf an, wodurch der Pharynx gewissermaßen über den Speisebolus gezogen wird. Feste Nahrungsbestandteile werden durch peristaltische Kontraktionswellen transportiert; Flüssigkeiten werden bei aufrechtem Stand durch ruckartige Kontraktion des Mundbodens und des oberen Schlundschnürers als „Spritzschluck“ in den Magen befördert.

Lymphatischer Rachenring

Unter dem lymphatischen Rachenring (Waldeyer-Rachenring) versteht man eine Gruppe lymphoepithelialer Gewebe, die am Übergang von Mund- und Nasenhöhle zum Rachen lokalisiert sind. Sie bilden in ihrer Gesamtheit einen Ring, der im Dienst der Immunabwehr steht und zum mukosaassoziierten lymphatischen Gewebe (MALT) gehört. Bestandteile des waldeyer-RachenringsWaldeyer-Rachenring sind:
  • ZungenmandelZungenmandel (Tonsilla lingualis, unpaar)Tonsillalingualis

  • GaumenmandelnGaumenmandeln (Tonsilla palatina, paarig)Tonsillapalatina

  • SeitenstrangSeitenstrang (paarig)

  • TubenmandelTubenmandel (Tonsilla tubaria, paarig)Tonsillatubaria

  • RachenmandelRachenmandel (Tonsilla pharyngea, unpaar)Tonsillapharyngea

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