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B978-3-437-44080-9.00009-X

10.1016/B978-3-437-44080-9.00009-X

978-3-437-44080-9

Schädel eines Neugeborenen mit Fontanellen. FontanellenDas Viscerocranium SchädelNeugeborenesist noch deutlich kleiner als das Neurocranium; während der Entwicklung zum adulten Schädel werden sich diese Proportionen aufgrund des schnellen Wachstums des Gesichtsschädels ausgleichen bzw. umkehren. a Ansicht von vorne. b Ansicht von lateral.

Schädelknochen mit Suturen. SuturenAnsicht von oben. Die Sutura sagittalis (Pfeilnaht) verbindet Ossa parietalia (Vertex), die Sutura coronalis (Kranznaht) das Os frontale mit den beiden Ossa parietalia, die Sutura lambdoidea (Lambdanaht) die Ossa parietalia mit dem Os occipitale.

Innere Schädelbasis, Basis cranii interna. Ansicht von oben. Auffällige Strukturen der inneren Schädelbasis sind das Foramen magnum (z. B. Durchtritt des verlängerten Marks) innerhalb des Os occipitale, die Fossa hypophysialisFossahypophysialis (Sitz der Hypophyse innerhalb einer Duraduplikatur) sowie das Siebbein (Lamina cribrosa des Os ethmoidale), durch das die Nervenfasern des N. olfactorius [I] hindurchziehen. Außerdem erkennt man insbesondere im Bereich der vorderen Schädelgrube die Impressionen der Gyri des Frontallappens (Impressiones gyrorum lobus frontalis).

Durchtrittsstellen der inneren Schädelbasis. SchädelbasisinnereDurchtrittsstellen und InhalteAnsicht von oben.

Äußere Schädelbasis, Basis cranii externa. Ansicht von unten. Der vordere Teil beinhaltet den Gaumen mit den Oberkieferzähnen, der mittlere Teil reicht vom Hinterrand des harten Gaumens bis zum Vorderrand des Foramen magnum und der hintere Teil entsprechend vom Vorderrand des Foramen magnum bis zur Linea nuchalis superior. Die äußere Schädelbasis beinhaltet vor allem die Durchtrittsstellen der Hirnnerven und Gefäße, aber auch zahlreiche Ansatzstellen für Muskeln und Bänder (z. B. Proc. styloideus oder Proc. mastoideus). Lateral befinden sich auf beiden Seiten des Foramen magnum die Gelenkflächen (Condyli occipitales) für die beiden oberen Kopfgelenke (Articulationes atlantooccipitales).

Durchtrittsstellen der äußeren Schädelbasis. SchädelbasisäußereDurchtrittsstellen und InhalteAnsicht von unten.

Schädelknochen, Ossa cranii. SchädelknochenOs(-sa)craniiAnsicht von rostral. Der vordere Anteil des Os frontaleOs(-sa)frontale, Os nasaleOs(-sa)nasale, Os zygomaticumOs(-sa)zygomaticum, MaxillaMaxilla und Mandibula haben den größten Anteil an der Bildung des Gesichtsreliefs. Maxilla, Os frontale, Os zygomaticum, Os sphenoidaleOs(-sa)sphenoidale, Os lacrimaleOs(-sa)lacrimale und ein kleiner Teil des Os palatinum bilden die Orbita. Foramen supraorbitaleForamen(-ina)supraorbitale (Os frontale), Foramen infraorbitaleForamen(-ina)infraorbitale (Maxilla) und Foramen mentaleForamen(-ina)mentale (Mandibula) stellen die Durchtrittspforten für die sensiblen Anteile des N. trigeminus [V] dar und dienen bei der körperlichen Untersuchung eines Patienten als Trigeminusdruckpunkte. Der Unterrand der Maxilla wird vom Proc. alveolaris gebildet, in dem die Zähne des Oberkiefers sitzen. Die Mandibula besteht aus einem Corpus und den beiden Rami mandibulae, die am Angulus mandibulae ineinander übergehen. Auch der Unterkiefer besitzt eine Pars alveolaris, in der die Zähne verankert sind. Darunter befindet sich die Basis mandibulae, die sich in der Mittellinie zur Protuberantia mentalis vorwölbt.

Schädelknochen (rechts), Ossa cranii. Ansicht von medial. In diesem median-sagittalen Schnitt durch den Schädel erkennt man die knöchernen Anteile des Nasenskeletts (Lamina perpendicularis des Os ethmoidale, Vomer und Os nasale) sowie die Anteile des harten Gaumens (Maxilla und Lamina horizontalis des Os palatinum). Außerdem werden durch den Schnitt die pneumatisierten Anteile des Os frontale (Sinus frontalis) und des Os sphenoidale (Sinus sphenoidalis) sichtbar. Auffällig sind die Impressionen der meningealen Gefäße (Sulci arteriosi), die zwischen der harten Hirnhaut (Dura mater) und der Schädelkalotte verlaufen.

Schädelknochen, Ossa cranii. Ansicht von lateral links. Der Hauptteil des seitlichen Reliefs des Schädels wird von den beiden zum Neurocranium zählenden Ossa parietalia und temporalia (hauptsächlich Pars squamosa) gebildet. Das Os zygomaticum grenzt an den Arcus zygomaticus (Jochbogen) des Os temporale und ist formgebend für die Kontur der Wange. An der vorderen Grenze zum Proc. mastoideus liegt der Porus acusticus externusPorus acusticusexternus, der Teil des äußeren Ohrs ist. Innerhalb des Kiefergelenks artikulieren das Caput mandibulae (Mandibula) mit der Fossa mandibularis (Os temporale) in der Articulatio temporomandibularis.

Schädelknochen, Ossa cranii. Ansicht von dorsal. Der Großteil des Hinterhaupts wird vom Os occipitale gebildet, dessen zentrale Struktur die Squama occipitalis ist. Der am weitesten vorspringende Punkt des Hinterhaupts ist die gut tastbare Protuberantia occipitalis externa (Inion), die sich beidseits in die Linea nuchalis superior fortsetzt (Ansatzstelle für Muskeln der autochthonen Rückenmuskulatur).

Regionen des Kopfes.

[L126]

Aufbau der Kopfschwarte. a SCALP. b Schichten der Kopfschwarte.

[L127]

Äste der A. carotis externa.

Zuflüsse der V. jugularis interna. Vena(-ae) jugularis interna Zuflüsse

Oberflächliche Lymphknoten des Gesichts.

Innervation der Kopfschwarte.

[L126]

Muskeln des Gesichts (Mm. faciei). Ansicht von rostral.

Mimische Muskeln (Mm. faciei) links. Ansicht von lateral. Der M. occipitofrontalis ist durch eine Bindegewebsplatte (Galea aponeurotica) verbunden und wird in einen vorderen (Venter frontalis) und hinteren Anteil (Venter occipitalis) unterteilt. Das Platysma ist in Ausprägung und Größe sehr variabel, ist bei Männern meist stärker entwickelt als bei Frauen und reicht von der Basis der Mandibula bis über die Clavicula (manchmal sogar bis zur Fascia pectoralis).

Gefäße und Nerven in der Fossa retromandibularis. Fossa retromandibularis Gefäße/Nerven

Arterien und Nerven der tiefen Gesichtsregion. Gesichtsregion tiefe Gefäße und Nerven

Venen und Nerven der seitlichen tieferen GesichtsregiontiefeVenen und NervenGesichtsregion.

Endäste des N. facialis [VII]. Nervus(-i) facialis [VII] Äste

[E402]

Gesichtsmuskeln, Mm. faciei, Kaumuskeln und juxtaorales Organ); Chievitz-Organ.

Facelifting.

[L126]

Lage der Mm. pterygoidei in der Fossa infratemporalis.

Arterien und Nerven in der tiefen seitlichen Gesichtsregion.

Knöcherne Begrenzungen der Fossa pterygopalatina.

[E402]

A. maxillaris in der Fossa pterygopalatina.

[E402]

N. maxillaris in der Fossa pterygopalatina. a Endäste; b räumliche Beziehung zum Ganglion pterygopalatinum.

[E402]

Sympathische und parasympathische Fasern in der Fossa pterygopalatina.

[E402]

Hirnnerven, Übersicht. An der Hirnbasis treten 12 Hirnnervenpaare aus (ein), die unterschiedliche Faserqualitäten haben und von frontal nach okzipital mit römischen Ziffern von I–XII nummeriert sind.

N. olfactorius mit Fila olfactoria. Im Dach der Nasenhöhle liegt die Regio olfactoria mit ihren Riechsinneszellen (primäre, bipolare Sinneszellen = olfaktorische Neurone).

N. opticus und Verschaltung in Retina und Sehbahn (stark vereinfacht). SehbahnDie ersten 3 Neurone (Farbsehen) bzw. 4 Neurone (Hell-dunkel-Sehen) der Sehbahn liegen innerhalb der Retina. Sie verlassen den Bulbus oculi als N. opticus [II], später nach teilweiser Faserkreuzung im Chiasma opticum als Tractus opticus und ziehen zum großen Teil zum Corpus geniculatum laterale und nach Umschaltung als Radiatio opticaRadiatiooptica (Gratiolet-Sehstrahlung) zum Sulcus calcarinusSulcus(-i)calcarinus im Bereich des Lobus occipitalis.

Motorische Augennerven und Kerngebiete, Nn. oculomotorius, trochlearis und abducens. AugennervenmotorischeAugennervenkernemotorischeAnsicht von lateral, Orbita eröffnet, retrobulbäres Fettgewebe entfernt, M. rectus lateralis reseziert.

N. trigeminus [V], Kerngebiete und Faserqualitäten. Ansicht von lateral, Arcus zygomaticus und Proc. coronoideus entfernt. Der N. trigeminus [V] teilt sich in 3 Anteile auf und tritt mit jedem Ast durch eine andere Öffnung der Schädelbasis.

Verlauf des N. facialis [VII]. Nervus(-i)facialis [VII]VerlaufVertikaler Schnitt durch den Canalis facialis, Ansicht von links.

N. facialis [VII], Kerne und Faserqualitäten. Ansicht von links.

N. vestibulocochlearis [VIII], Kerne und Faserqualitäten. Ansicht von oben, Pars petrosa eröffnet.

N. glossopharyngeus [IX], Kerne und Faserqualitäten. Schematischer Medianschnitt, Ansicht von links.

N. vagus [X], Kerne und Faserqualitäten, stark vereinfachtes Schema.

N. accessorius [XI], Kerne und Faserqualitäten. Ansicht von ventral, Wirbelkanal und Schädel sind eröffnet.

N. hypoglossus [XII], Kerne und Faserqualitäten. Schematischer Medianschnitt, Ansicht von links.

Vertikalschnitt durch den mittleren Bereich der Orbita. Ansicht von medial. Alle Strukturen innerhalb der Orbita sind in einen Fettkörper eingebettet, der ähnlich einer Füll- bzw. Polstermasse die Inhaltsstrukturen umgibt. Tenon-Kapsel

Phasen der Augenentwicklung AugeEntwicklungin der 5. und 6. Woche (schematische Darstellung). a 5. Woche. b 6. Woche.

[E838]

Mikroskopischer Sagittalschnitt; Augenentwicklung; 5. Woche, 200x. Das Augenbläschen ist bereits zum Augenbecher eingestülpt und hat engen Kontakt zur Linsenplakode. Das innere und äußere Blatt des Augenbechers und der noch vorhandene Sehventrikel können deutlich unterschieden werden.

[E581]

Oberlid, Palpebrae superior. Palpebra(-ae)superior/inferiorFotografie eines mikroskopischen Präparats; Azanfärbung; Sagittalschnitt, Lupenvergrößerung.

[M375]

Augenlider, AugenliderPalpebrae, rechts. Ansicht von hinten; Drüsenschläuche der Glandulae tarsales in aufgehelltem Präparat. Jedes Augenlid enthält etwa 20–30 Einzeldrüsen, die jeweils über einen eigenen Ausführungsgang am Lidrand münden.

Rechter Augenhöhleneingang (Aditus orbitalis)Aditusorbitalis mit Septum orbitale und der dahinter liegenden Tränendrüse (Septum orbitaleSeptumorbitale im temporalen oberen Quadranten eröffnet).

Arterielle Versorgung und nervöse Innervation der Tränendrüse. Ansicht von medial, schematische Darstellung.

Strukturen des Tränenapparats, Apparatus lacrimalis rechts. a Apparatus lacrimalisTränenapparatAnsicht von vorne seitlich. Oberer und unterer Canaliculus, Tränensack und Tränennasengang. Der Tränennasengang ist bis zu seiner Mündung in den Meatus nasi inferior (unterhalb der Concha nasalis inferior) eröffnet. b Horizontalschnitt auf Höhe des Tränensacks.

Tränenapparat, Apparatus lacrimalis, rechts. Horizontalschnitt auf Höhe des Tränensacks (Schema).

[E402]

Knöcherner Aufbau der Orbita. OrbitaKnochenOs frontale (violett), Os ethmoidale (dunkelgelb), Os sphenoidale (grün), Os palatinum (blau), Maxilla (hellgelb), Os lacrimale (dunkelrot), Os zygomaticum (hellrot). a Blick auf die mediale Wand der Orbita. b Blick auf die laterale Wand der Orbita.

Lokalisation und Darstellung der direkten Nachbarregionen der Orbita. OrbitaNachbarregionen

Arterien, Venen und Nerven der Regio orbitalis, rechts. Regio(-nes)orbitalisAnsicht von vorne.

[E460]

Durchtrittsstellen der Leitungsbahnen in die Orbita durch die Fissurae orbitales superior et inferior sowie innerhalb des Anulus tendineus communis (Zinn-Sehnenring).

[E460]

Verlauf der äußeren Augenmuskeln und ihre Lage zum Bulbus oculi (Schema). AugenmuskelnäußereDie Sehachse und die Achse der Orbita differieren um 23°.

Ansicht von oben auf die eröffnete rechte Orbita mit Bulbus oculi und den arteriellen Gefäßabgängen aus der A. carotis interna.

[E460]

Laterale Ansicht auf die venösen Gefäße der Orbita in ihrem Verlauf von rostral nach okzipital. Die laterale Wand der Orbita wurde entfernt.

[E460]

Inhalt der kranial eröffneten Orbita mit Ganglion trigeminale. Durch die eröffnete Fissura orbitalis superior ist der Verlauf des N. ophthalmicus [V/1] und seiner Äste zu erkennen. Außerdem sind die Eintritte in die Orbita von den die äußeren Augenmuskeln innervierenden Hirnnerven III, IV und VI und der Durchtritt des N. opticus [II] durch den Canalis opticus dargestellt.

Orbita von oben nach Wegklappen des M. levator palpebrae superioris und des M. rectus superior. Deutlich sind die in die jeweiligen Muskeln eintretenden Nervenäste der Hirnnerven III, IV und VI zu erkennen. Nach Entfernen des orbitalen Fettgewebes ist das nur etwa 2 mm große Ganglion ciliare sichtbar, dass sich ca. 2 cm hinter dem Bulbus oculi, lateral des N. opticus [II] befindet.

Ansicht auf die Orbita von oben nach Durchtrennung und nach Hochklappen der Mm. levator palpebrae superioris, rectus superior et obliquus superior. Neben dem Ganglion ciliare und Ästen der A. ophthalmica sind der N. opticus [II] und die Äste des N. nasociliaris sichtbar.

Nervenverläufe in der Orbita. Ansicht von lateral nach Entfernung der temporalen Wand und des orbitalen Fettkörpers.

Rechter Bulbus oculi im mittigen Horizontalschnitt mit Anschnitt des N. opticus [II] auf Höhe der Pupillenöffnung. Unterhalb der Sclera liegt die Uvea (Gefäßhaut), die im vorderen Bereich des Auges aus der RegenbogenhautRegenbogenhaut (IrisIris) und dem Strahlenkörper (Ziliarkörper; Corpus ciliare) und im hinteren Bereich aus der AderhautAderhaut (Choroidea)Choroidea besteht. Die Ora serrataOra serrata markiert den Übergang vom Ziliarkörper in die Aderhaut. Diese ist einerseits für die Ernährung der innen aufliegenden Netzhaut (Retina) wichtig, sorgt aber gleichzeitig auch für die Temperaturregulation des Bulbus oculi. Die Retina mit ihren Sehsinneszellen SinneszellenAugeAugeSinneszellenbildet die innerste Schicht des Augapfels. Zu dieser Schicht gehören im vorderen Augenabschnitt auch das Pigmentepithel des Ziliarkörpers und das Epithel der Iris.

Blutgefäße des rechten Bulbus oculi (Schema).

klinisch: Schlemm-Kanal

klinisch: Uvea

Strukturen des Kammerwinkels Kammerwinkel(Schema).

[E460]

IrisIris mit Linse von vorne (Schema).

[L127]

Aufzweigung der Blutgefäße der Netzhaut mit Lokalisation des Discus nervi optici und der Fovea centralis (Schema).

Teile des Ohrs, Auris, rechts. Längsschnitt durch Gehörgang, Mittelohr und Ohrtrompete; Ansicht von vorne.

Ohrmuschel, Auricula, rechts. Ansicht von lateral.

Sensible Innervation der Ohrmuschel, Auricula, rechts. OhrmuschelInnervation, sensibleAnsicht von lateral.

[E402]

Äußerer Gehörgang, Meatus acusticus externus, rechts (Schema). Die Pfeile geben die Zugrichtung des Untersuchers an der Ohrmuschel an, um den Gehörgang zu strecken und so Einblick auf das Trommelfell zu erhalten. a Frontalschnitt. b Horizontalschnitt.

Trommelfell, Membrana tympanica, rechts. Ansicht von lateral. a Ohrspiegelbild. b Schematische Darstellung mit Recessus der Paukenhöhle, Cavitas tympani und Einteilung in 4 Quadranten. klinisch: Shrapnell-Membran, typisch gelegener Lichtreflex, klinisch: Prussak-Raum.

Etagen der Paukenhöhle, Cavitas tympani, rechts. Ansicht von vorne.

[L126]

Topografische Beziehungen der Paukenhöhle, Cavitas tympani, zu den Nachbarstrukturen. a Rechts; Ansicht von lateral außen; schematische Darstellung (Tab. 9.26). b Rechts; Blick von lateral in die schematisch als Kasten dargestellte Paukenhöhle.

Mediale Wand, Paries labyrinthicus, der Paukenhöhle, Cavitas tympani, rechts. Parieslabyrinthicus cavi tympaniVertikaler Schnitt in der Längsachse des Felsenbeins; Ansicht von lateral vorne.

Gehörknöchelchen, Ossicula auditus, rechts. GehörknöchelchenOssicula auditusAnsicht von medial oben.

Paukenhöhle mit Gehörknöchelchen, Gehörknöchelchenmuskeln, Verlauf des N. facialis [VII] und einiger seiner Äste. Vertikaler Schnitt durch den Canalis facialis; Ansicht von links.

Ohrtrompete, Tuba auditiva [auditoria], rechts.

a Ansicht von medial, Verbindung zwischen Paukenhöhle und Nasopharynx sowie Lage der Muskeln. [L238] b, c Querschnitte auf Höhe des lateralen Anteils der Pars cartilaginea, geschlossene (b) und offene (c) Tube, die Wirkung der Muskeln auf die Tube ist durch Pfeile verdeutlicht.

Innenohr, Auris interna, und N. vestibulocochlearis [VIII]. Nervus(-i)vestibulocochlearis [VIII]Ansicht von oben; Innenohr in seiner natürlichen Position auf das Felsenbein projiziert.

Häutiges Labyrinth, Labyrinthus membranaceus, rechts. Längsschnitt durch das Felsenbein; Ansicht von vorne, schematische Darstellung.

[E402]

Schnecke, Cochlea.

a Schnecke zusammen mit Gleichgewichtsorgan, N. vestibulocochlearis [VIII] und N. facialis [VII], Verlauf in der Pars petrosa des Os temporale; Ansicht von oben; Pars petrosa eröffnet. b Querschnitt (Schema).

[E402]

Struktur der Sinneszellen tragenden Organe (Schema). a Struktur der Crista ampullaris. b Struktur des Organum spirale (Corti-Organ).Organum(-a)spirale (Corti-Organ) Corti-Organ (Organum spirale)

[L141]

Äußere Nase mit ästhetischen Nasenwinkeln und Orientierungspunkten.

[L126]

Äußeres Nasenskelett. Ansicht von vorne rechts.

Nasenseptum (Septum nasi)NasenseptumSeptumnasi. Ansicht von rechts.

Laterale Nasenwand ohne mittlere Nasenmuschel.

Frontalschnitt durch den Gesichtsschädel. Rechts: Darstellung der knöchernen Topografie, links: Mündung der Nasennebenhöhlen: grün = Stirnhöhle, violett = vordere Siebbeinzellen, blau = Kieferhöhle (Pfeile).

Laterale Nasenwand mit Kontur der mittleren Nasenmuschel (rot).

Schwellkörpergewebe am Nasenseptum (links) und auf der unteren Nasenmuschel (Concha nasalis inferior). Nasenseptum Schwellkörpergewebe

Mündung der Nasennebenhöhlen und des Ductus nasolacrimalis an der lateralen Nasenwand. NasennebenhöhlenMündungBraun = Tränennasengang; grün = Stirnhöhle; violett = vordere Siebbeinzellen; blau = Kieferhöhle; orange = hintere Siebbeinzellen; rot = Keilbeinhöhle (Pfeile).

Horizontalschnitt durch Nasenseptum und osteomeatalen Komplex einer linken Nasenseite knapp oberhalb der unteren Nasenmuschel.

[L126]

Frontalschnitt durch den Gesichtsschädel. Darstellung anatomischer Varianten des Siebbeins.

[L126]

Horizontalschnitt durch das Siebbein in Höhe des Canalis opticus. Beziehungen bei Ausbildung einer Ónodi-Grünwald-ZelleÓnodi-Grünwald-Zelle.

[L126]

Arterielle Blutversorgung der Nasenhöhle. a Laterale Wand der rechten Nasenhöhle. b Nasenseptum der rechten Nasenhöhle.

[E402]

Innervation der Nasenhöhle. a Laterale Wand der rechten Nasenhöhle. b Nasenseptum der rechten Nasenhöhle.

[E402]

Mundhöhle, Cavitas oris. Ansicht von vorne, Mund geöffnet.

Zahnbögen mit Darstellung der Richtungsbezeichnungen sowie der einzelnen Zahntypen. a ZahnbögenRichtungsbezeichnungenOberkiefer. b Unterkiefer.

Gliederung der Gingiva und Mucosa oralis. Gingiva

[L127]

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines Korrosionspräparats der Kapillarschlingen der Gingiva marginalis.

[T785]

Arterien und Nerven des Kopfes. Kopf Arterien Kopf Nerven

Zahnentwicklung. Kappenstadium der Entwicklung eines Molaren im Unterkiefer mit Schmelzorgan und Pulpaanlage.

[T785]

Zahnentwicklung mit beginnender Mineralisierung der Zahnhartsubstanz. Zähne Entwicklung

[T785]

Anatomischer Bau eines Zahns mit Zahnhalteapparat (Schneidezahn, Dens incisivus).

Bleibende Zähne, Dentes permanentes. Ansicht von vestibulär.

Ausdehnung der Kieferhöhle KieferhöhleAusdehnungmit Darstellung der Beziehung der Zahnwurzeln zum Kieferhöhlenboden.

[L266]

Milchzähne, Dentes decidui, eines ca. 3-jährigen Kindes. Ansicht von vestibulär.

Innervation der Zähne.

Kaumuskulatur. Ansicht von dorsal.

Knöcherne Anteile des Kiefergelenks mit Discus articularis und M. pterygoideus lateralis. Musculus(-i) pterygoideus lateralis

[L127]

Zunge, Lingua. Ansicht von oben.

Entwicklung des Gaumens, Trennung von Nasen- und Rachenraum. a 7. Woche. b 8. Woche. c 10. Woche.

[E838]

Muskuläre Grundlage des Isthmus faucium und der Muskulatur des weichen Gaumens sowie des Pharynx.

M. levator veli palatini, M. tensor veli palatini und Tubenknorpel, Cartilago tubae auditivae.

Mundhöhle, Cavitas oris, und Gaumenmuskeln, Mm. palati. Musculus(-i)palatiAnsicht von vorne.

Gefäßversorgung der Tonsilla palatina.

Innervation und Gefäßversorgung des harten und des weichen Gaumens.

[L266]

Zungenbein, Os hyoideum. Ansicht von vorne oben.

Mundhöhle, Cavitas oris, mit Darstellung des Diaphragma oris.

Mundbodenmuskulatur. Ansicht von seitlich unten.

Horizontalschnitt durch die Mundbodenmuskulatur im Bereich des Os hyoideum mit Darstellung der Logen des Mundbodens.

[127]

Oberflächliche Lymphgefäße, Vasa lymphatica superficialia und Lymphknoten, Nodi lymphoidei von Kopf und Hals. Ansicht von lateral.

Schnittpräparat durch die Parotisloge in Höhe des Foramen mandibulae mit Darstellung der Faszien der Parotisloge.

[L238]

Glandula submandibularis und Glandula sublingualis der rechten Seite.

Parasympathische Innervation der Drüsen des Kopfes; TränendrüsenanastomoseTränendrüsenanastomose, Edinger-Westphal-Kern, Jacobson-NervJacobson-Nerv, Blandin-Nuhn-Drüse. Glandula(-ae)lingualis anterior (apicis linguae; Blandin-Nuhn-Drüse)Blandin-Nuhn-Drüse (Glandula lingualis anterior bzw. apicis linguae)

OssifikationsformenSchädelknochenOssifikationsformen bei den Schädelknochen.Meckel-KnorpelReichert-Knorpel

Tab. 9.1
Knochen Verknöcherungsmodus
Maxilla desmal
Mandibula desmal (außer Proc. condylaris)
Os zygomaticum desmal
Os palatinum desmal
Os nasale desmal
Vomer desmal
Os lacrimale desmal
Os frontale desmal
Os parietale desmal
Os ethmoidale chondral
Concha nasalis inferior chondral
Os temporale chondral (außer Pars squamosa und Proc. styloideus)
Os sphenoidale chondral (außer Lamina medialis)
Os occipitale chondral (außer Pars squamosa)
Malleus (Hammer) chondral aus Meckel-Knorpel
Incus (Amboss) chondral aus Meckel-Knorpel
Stapes (Steigbügel) chondral aus Reichert-Knorpel

Mischformen der Ossifikationsmodi.

Tab. 9.2
Knochen Teile
Os sphenoidale Lamina medialis: desmal, restliche Anteile: chondral
Os temporale Partes petrosa und tympanica: chondral, Pars squamosa: desmal, Proc. styloideus: aus 2. Schlundbogen
Os occipitale Pars squamosa: desmal, Partes laterales und Pars basilaris: chondral

Fontanellen.FonticulusanteriorFonticulusposteriorFonticulussphenoidalisKeilbeinfontanelleFonticulusmastoideusWarzenfontanelle

Tab. 9.3
Fontanelle Anzahl Verschluss Lage
Fonticulus anterior
(vordere, große Fontanelle)
unpaar 24.–36. Monat zwischen den beiden Stirn- und Scheitelbeinen, an der Schnittstelle zwischen Sutura coronalis und sagittalis (Abb. 9.1a)
Fonticulus posterior
(hintere, kleine Fontanelle)
unpaar 2.–3. Monat zwischen den beiden Scheitelbeinen und dem Hinterhauptsbein, an den Schnittstellen der Suturae sagittalis und lambdoidea (Abb. 9.1b)
Fonticulus sphenoidalis
(Keilbeinfontanelle)
paarig 5.–7. Monat seitlich zwischen Stirn- und Scheitelbein sowie dem großen Keilbeinflügel (Abb. 9.1b)
Fonticulus mastoideus
(Warzenfontanelle)
paarig 17.–20. Monat seitlich zwischen Scheitel-, Schläfen- und Hinterhauptsbein sowie dem Proc. mastoideus (Abb. 9.1b)

SuturenSuturenSuturenVerknöcherung.Sutura(-ae)lambdoideaLambdanahtSutura(-ae)frontalisStirnnahtSutura(-ae)sagittalisPfeilnahtSutura(-ae)coronalisKranznaht

Tab. 9.4
Sutur Verknöcherung Lokalisation
Sutura lambdoidea (Lambdanaht) 40.–50. Lebensjahr zwischen Ossa parietalia und Squama occipitalis
Sutura frontalis (Stirnnaht) 1.–2. Lebensjahr zwischen den Ossa frontalia
Sutura sagittalis (Pfeilnaht) 20.–30. Lebensjahr zwischen Ossa parietalia
Sutura coronalis (Kranznaht) 30.–40. Lebensjahr zwischen Os frontale und Os parietale

Durchtrittsstellen der inneren Schädelbasis SchädelbasisinnereDurchtrittsstellen und Inhalteund ihre Inhalte.Foramen(-ina)cribrosaCanalis(-es)opticusFissura(-ae)orbitalissuperiorForamen(-ina)rotundumForamen(-ina)ovaleForamen(-ina)spinosumFissura(-ae)sphenopetrosaForamen(-ina)lacerumAperturainterna canalis caroticiCanalis(-es)caroticusMeatusacusticusinternusForamen(-ina)jugulareCanalis(-es)nervihypoglossiCanalis(-es)condylarisForamen(-ina)magnum

Tab. 9.5
Durchtrittsstelle Inhalt
Foramina cribrosa
  • Nn. olfactorii [I]

  • A. ethmoidalis anterior (A. ophthalmica)

Canalis opticus
  • N. opticus [II]

  • A. ophthalmica (A. carotis interna)

  • Meninges; Vaginae nervi optici

Fissura orbitalis superior medialer Bereich:
  • N. nasociliaris (N. ophthalmicus [V/1])

  • N. oculomotorius [III]

  • N. abducens [VI]

lateraler Bereich:
  • N. trochlearis [IV]

  • gemeinsamer Stamm von:

    • N. frontalis (N. ophthalmicus [V/1])

    • N. lacrimalis (N. ophthalmicus [V/1])

  • R. orbitalis (A. meningea media)

  • V. ophthalmica superior

Foramen rotundum
  • N. maxillaris [V/2]

Foramen ovale
  • N. mandibularis [V/3]

  • Plexus venosus foraminis ovalis

Foramen spinosum
  • R. meningeus (N. mandibularis [V/3])

  • A. meningea media (A. maxillaris)

Fissura sphenopetrosa, Foramen lacerum
  • N. petrosus minor (N. glossopharyngeus [IX])

  • N. petrosus major (N. facialis [VII])

  • N. petrosus profundus (Plexus caroticus internus)

Apertura interna canalis carotici und Canalis caroticus
  • A. carotis interna, Pars petrosa

  • Plexus venosus caroticus internus

  • Plexus caroticus internus (Truncus sympathicus, Ganglion cervicale superius)

Porus und Meatus acusticus internus
  • N. facialis [VII]

  • N. vestibulocochlearis [VIII]

  • A. labyrinthi (A. basilaris)

  • Vv. labyrinthi

Foramen jugulare vorderer Bereich:
  • Sinus petrosus inferior

  • N. glossopharyngeus [IX]

hinterer Bereich:
  • A. meningea posterior (A. pharyngea ascendens)

  • Sinus sigmoideus (Bulbus superior venae jugularis)

  • N. vagus [X]

  • N. accessorius [XI]

  • R. meningeus (N. vagus [X])

Canalis nervi hypoglossi
  • N. hypoglossus [XII]

  • Plexus venosus canalis nervi hypoglossi

Canalis condylaris V. emissaria condylaris
Foramen magnum
  • Meninges

  • Plexus venosus vertebralis internus (Sinus marginalis)

  • Aa. vertebrales (Aa. subclaviae)

  • A. spinalis anterior (Aa. vertebrales)

  • Medulla oblongata/Medulla spinalis

  • Radices spinales (N. accessorius [XI])

Durchtrittsstellen der äußeren SchädelbasisSchädelbasisäußereDurchtrittsstellen und Inhalte und ihre Inhalte.Foramen(-ina)incisivumOs(-sa)palatinumForamen(-ina)palatinum majusForamen(-ina)palatina minoraFissura(-ae)orbitalisinferiorOs(-sa)zygomaticumForamen(-ina)rotundumForamen(-ina)ovaleForamen(-ina)spinosumFissura(-ae)sphenopetrosaForamen(-ina)lacerumAperturaexterna canalis caroticiCanalis(-es)caroticusForamen(-ina)stylomastoideumForamen(-ina)jugulareCanaliculus(-i)mastoideusCanalis(-es)nervihypoglossiCanalis(-es)condylarisForamen(-ina)magnum

Tab. 9.6
Durchtrittsstelle Inhalt
Foramen incisivum
  • N. nasopalatinus (N. maxillaris [V/2])

Foramen palatinum majus
  • N. palatinus major (N. maxillaris [V/2])

  • A. palatina major (A. palatina descendens)

Foramina palatina minora
  • Nn. palatini minores (N. maxillaris [V/2])

  • Aa. palatinae minores (A. palatina descendens)

Fissura orbitalis inferior
  • A. infraorbitalis (A. maxillaris)

  • V. ophthalmica inferior

  • N. infraorbitalis (N. maxillaris [V/2])

  • N. zygomaticus (N. maxillaris [V/2])

Foramen rotundum
  • N. maxillaris [V/2]

Foramen ovale
  • N. mandibularis [V/3]

  • Plexus venosus foraminis ovalis

Foramen spinosum
  • R. meningeus (N. mandibularis [V/3])

  • A. meningea media (A. maxillaris)

Fissura sphenopetrosa, Foramen lacerum
  • N. petrosus minor (N. glossopharyngeus [IX])

  • N. petrosus major (N. facialis [VII])

  • N. petrosus profundus (Plexus caroticus internus)

Apertura externa canalis carotici und Canalis caroticus
  • A. carotis interna, Pars petrosa

  • Plexus venosus caroticus internus

  • Plexus caroticus internus (Truncus sympathicus, Ganglion cervicale superius)

Foramen stylomastoideum
  • N. facialis [VII]

Foramen jugulare vorderer Bereich:
  • Sinus petrosus inferior

  • N. glossopharyngeus [IX]

hinterer Bereich:
  • A. meningea posterior (A. pharyngea ascendens)

  • Sinus sigmoideus (Bulbus superior venae jugularis)

  • N. vagus [X]

  • R. meningeus (N. vagus [X])

  • N. accessorius [XI]

Canaliculus mastoideus
  • R. auricularis nervi vagi (N. vagus [X])

Canalis nervi hypoglossi
  • N. hypoglossus [XII]

  • Plexus venosus canalis nervi hypoglossi

Canalis condylaris
  • V. emissaria condylaris

Foramen magnum
  • Meninges

  • Plexus venosus vertebralis internus (Sinus marginalis)

  • Aa. vertebrales (Aa. subclaviae)

  • A. spinalis anterior (Aa. vertebrales)

  • Medulla oblongata/Medulla spinalis

  • Radices spinales (N. accessorius [XI])

GesichtsregionenGesichtsregion (Regiones faciales).Regio(-nes)facialesRegio(-nes)orbitalisRegio(-nes)nasalisRegio(-nes)infraorbitalisRegio(-nes)zygomaticaRegio(-nes)oralisRegio(-nes)mentalisRegio(-nes)buccalisRegio(-nes)parotideomassetericaRegio(-nes)facialislateralissuperficialis/profundaRegio(-nes)facialisanteriorFossainfratemporalisFossapterygopalatina

Tab. 9.7
Regio facialis anterior Regio facialis lateralis superficialis Regio facialis lateralis profunda
  • Regio orbitalis

  • Regio nasalis

  • Regio infraorbitalis

  • Regio zygomatica

  • Regio oralis

  • Regio mentalis

  • Regio buccalis

  • Regio parotideomasseterica

  • Fossa infratemporalis

  • Fossa pterygopalatina

Mimische Muskulaturmimische Muskulatur. Für die Innervation ist der N. facialis [VII] zuständig.Musculus(-i)occipitofrontalisMusculus(-i)temporoparietalisMusculus(-i)auricularisanteriorMusculus(-i)auricularissuperiorMusculus(-i)auricularisposteriorMusculus(-i)orbicularisoculiMusculus(-i)depressorsuperciliiMusculus(-i)corrugatorsuperciliiMusculus(-i)procerusMusculus(-i)nasalisMusculus(-i)depressorsepti nasiMusculus(-i)orbicularisorisMusculus(-i)buccinatorMusculus(-i)levatorlabii superiorisMusculus(-i)depressorlabii inferiorisMusculus(-i)mentalisMusculus(-i)transversusmentiMusculus(-i)depressoranguli orisMusculus(-i)risoriusMusculus(-i)levatoranguli orisMusculus(-i)zygomaticusmajorMusculus(-i)zygomaticusminorMusculus(-i)levatorlabii superioris alaeque nasiPlatysma

Tab. 9.8
Ursprung Ansatz Funktion
Stirn, Scheitel, Schläfe
M. occipitofrontalis
  • Venter frontalis: Haut der Stirn (Abb. 9.17)

  • Venter occipitalis: Linea nuchalis suprema (Abb. 9.18)

Galea aponeurotica Stirn:
  • Venter frontalis: Stirnrunzeln (Erstaunen)

  • Venter occipitalis: glättet Stirnfalten

M. temporoparietalis (Abb. 9.18)
Haut der Schläfe, Fascia temporalis Galea aponeurotica bewegt die Kopfhaut nach unten
M. occipitofrontalis und M. temporoparietalis werden zusammen als M. epicranius bezeichnet
Ohrmuschel
M. auricularis anterior (Abb. 9.18)
Fascia temporalis vorne an der Ohrmuschel bewegt die Ohrmuschel nach vorne oben
M. auricularis superior (Abb. 9.18)
Galea aponeurotica oben an der Ohrmuschel bewegt die Ohrmuschel nach hinten oben
M. auricularis posterior (Abb. 9.18)
Proc. mastoideus hinten an der Ohrmuschel bewegt die Ohrmuschel nach hinten
Lidspalte
M. orbicularis oculi (umgibt sphinkterartig den Aditus orbitalis, Abb. 9.17)
  • Pars orbitalis: Pars nasalis des Os frontale, Proc. frontalis der Maxilla, Os lacrimale, Lig. palpebrale mediale

  • Pars palpebralis: Lig. palpebrale mediale, Saccus lacrimalis

  • Pars lacrimalis: Crista lacrimalis posterior des Os lacrimale, Saccus lacrimalis

  • Pars orbitalis: Lig. palpebrale laterale

  • Pars palpebralis: Lig. palpebrale laterale

  • Pars lacrimalis: Tränenkanälchen, Lidränder

schließt die Lider (fester Verschluss)Lidschlusserweitert den Tränensack
M. depressor supercilii (Abspaltung der Pars orbitalis des M. orbicularis oculi, Abb. 9.17)
Pars nasalis des Os frontale, Nasenrücken mediales Drittel der Haut der Augenbraue senkt die Haut der Augenbrauen
M. corrugator supercilii (Abb. 9.17)
Pars nasalis des Os frontale mittleres Drittel der Haut der Augenbraue zieht die Haut der Stirn und der Augenbrauen zur Nasenwurzel, erzeugt eine senkrechte Falte über der Nasenwurzel (Zorn, Nachdenken)
M. procerus (Abb. 9.17)
Os nasale Haut der Glabella Querfalten des Nasenrückens (Nasenrümpfen)
Nase
M. nasalis (Abb. 9.17)
  • Pars alaris: Maxilla auf Höhe des seitlichen Schneidezahns

  • Pars transversa: Maxilla auf Höhe des Eckzahns

  • Pars alaris: Nasenflügel, Rand des Nasenlochs

  • Pars transversa: Sehnenplatte des Nasenrückens

bewegt die Nasenflügel und damit die Nase
  • Pars alaris: erweitert die Nasenöffnung

  • Pars transversa: verengt die Nasenöffnung

M. depressor septi nasi (Abb. 9.17)
Maxilla auf Höhe des medialen Schneidezahns Cartilago septi nasi bewegt die Nase nach unten
Mund
M. orbicularis oris (Abb. 9.17)
Pars marginalis und Pars labialis: lateral des Angulus oris Haut der Lippe schließt die Lippen, Spitzen des Mundes
M. buccinator (Abb. 9.17)
Maxilla, Raphe pterygomandibularis, Mandibula Angulus oris spannt die Lippen, bewirkt eine Erhöhung des Innendrucks der Mundhöhle, z. B. beim Pusten oder Kauen
M. levator labii superioris (Abb. 9.17)
Maxilla über Foramen infraorbitale Oberlippe zieht die Oberlippe nach lateral oben
M. depressor labii inferioris (Abb. 9.17)
Mandibula unterhalb des Foramen mentale Unterlippe zieht die Unterlippe nach lateral unten
M. mentalis (Abb. 9.17)
Mandibula auf Höhe des unteren lateralen Schneidezahns Haut des Kinns erzeugt das Kinngrübchen, stülpt die Unterlippe vor (zusammen mit M. orbicularis oris; „Schnute“, „Flunsch“)
M. transversus menti
quere Abspaltung aus dem M. mentalis Haut des Kinnwulstes bewegt die Kinnhaut
M. depressor anguli oris (Abb. 9.17)
Unterrand der Mandibula Angulus oris zieht den Mundwinkel nach unten
M. risorius (Abb. 9.17, Abb. 9.18)
Fascia parotidea, Fascia masseterica Angulus oris verbreitert die Mundspalte (Grinsen), erzeugt das Lachgrübchen
M. levator anguli oris (Abb. 9.17)
Fossa canina der Maxilla Angulus oris zieht den Mundwinkel nach medial oben
M. zygomaticus major (Abb. 9.17)
Os zygomaticum Angulus oris zieht den Mundwinkel nach lateral oben
M. zygomaticus minor (Abb. 9.17)
Os zygomaticum Angulus oris zieht den Mundwinkel nach lateral oben
M. levator labii superioris alaeque nasi (Abb. 9.18)
Proc. frontalis der Maxilla (mediale Orbitawand) Nasenflügel, Oberlippe hebt die Lippen und die Nasenflügel
Hals
Platysma (Abb. 9.17, Abb. 9.18)
Basis mandibulae, Fascia parotidea Haut unterhalb der Clavicula, Fascia pectoralis spannt die Haut des Halses, bildet Längsfalten

Sensible Innervation des Gesichts.Nervus(-i)ophthalmicus [V/1]Nervus(-i)lacrimalisNervus(-i)frontalisNervus(-i)supraorbitalisNervus(-i)supratrochlearisNervus(-i)nasociliarisNervus(-i)infratrochlearisNervus(-i)ethmoidalisanteriorNervus(-i)infraorbitalisNervus(-i)maxillaris [V/2]Nervus(-i)zygomaticusRamus(-i)zygomaticofacialis (N. zygomaticus)Ramus(-i)zygomaticotemporalis (N. zygomaticus)Nervus(-i)auriculotemporalisNervus(-i)mandibularis [V/3]Nervus(-i)auriculares anterioresNervus(-i)buccalisNervus(-i)mentalisNervus(-i)alveolaris inferiorPlexuscervicalisNervus(-i)auricularismagnusPunctumnervosum (Erb-Punkt)Erb-Punkt (Punctum nervosum)

Tab. 9.9
Ast Innervationsgebiet Durchtrittsstelle
N. ophthalmicus [V/1]
  • N. lacrimalis

lateraler Bereich des Oberlids
  • N. frontalis

  • R. medialis des N. supraorbitalis

mittlere Anteile der Stirn bis zum Scheitel Incisura frontalis
  • R. lateralis des N. supraorbitalis

laterale Anteile der Stirn bis zum Scheitel Incisura supraorbitalis (Foramen supraorbitale)
  • N. supratrochlearis

medialer Bereich des Ober- und des Unterlids aus der Orbita
  • N. nasociliaris

  • N. infratrochlearis

Haut des nasalen Augenwinkels aus der Orbita
  • Rr. nasales externi aus N. ethmoidalis anterior

Haut des Nasenrückens
N. maxillaris [V/2]
  • N. infraorbitalis

Foramen infraorbitale
  • Rr. palpebrales inferiores

Unterlid, besonders lateraler Bereich
  • Rr. nasales externi et interni

äußere Nase und Vestibulum nasi
  • Rr. labiales superiores

Oberlippe
  • N. zygomaticus

  • R. zygomaticofacialis

Haut über dem Os zygomaticum Foramen zygomaticofaciale
  • R. zygomaticotemporalis

vorderer Bereich der Schläfe Foramen zygomaticotemporale
N. mandibularis [V/3]
  • N. auriculotemporalis

  • Rr. temporales superficiales

Schläfenregion vor und über der Ohrmuschel
  • Nn. auriculares anteriores

vorderer Anteil der Ohrmuscheloberfläche
  • N. buccalis

Haut der Wange
  • N. mentalis aus N. alveolaris inferior

Haut des Kinns und der Unterlippe
Plexus cervicalis
  • N. auricularis magnus

Kieferwinkel und Ohrläppchen aus Punctum nervosum (Erb-Punkt)

Motorische Äste des N. facialis [VII] zur Innervation der mimischen Muskulatur.

Tab. 9.10
Muskel Ast
Venter frontalis des M. occipitofrontalis Rr. temporales
M. corrugator supercilii Rr. temporales
M. orbicularis oculi (oberhalb der Lidspalte) Rr. temporales
M. procerus Rr. temporales und/oder Rr. zygomatici
M. depressor supercilii Rr. temporales und/oder Rr. zygomatici
M. orbicularis oculi (unterhalb der Lidspalte) Rr. zygomatici
M. levator labii superioris alaeque nasi Rr. zygomatici
M. zygomaticus major Rr. zygomatici
M. zygomaticus minor Rr. zygomatici
M. levator labii superioris Rr. zygomatici
M. nasalis Rr. zygomatici und/oder Rr. buccales
M. depressor septi nasi Rr. zygomatici und/oder Rr. buccales
M. buccinator Rr. zygomatici und/oder Rr. buccales
M. levator anguli oris Rr. zygomatici und/oder Rr. buccales
M. orbicularis oris Rr. buccales
M. depressor anguli oris Rr. buccales
M. transversus menti Rr. buccales
M. risorius Rr. buccales
M. depressor labii inferioris R. marginalis mandibulae
M. mentalis R. marginalis mandibulae
Platysma R. colli
Venter occipitalis des M. occipitofrontalis N. auricularis posterior
M. temporoparietalis R. auricularis des N. auricularis posterior
M. auricularis inferior R. auricularis des N. auricularis posterior
M. auricularis anterior R. auricularis des N. auricularis posterior
M. auricularis superior R. auricularis des N. auricularis posterior

Knöcherne Begrenzungen und Beziehungen der Fossa infratemporalis.Foramen(-ina)ovaleForamen(-ina)spinosumFossapterygopalatinaFissura(-ae)orbitalisinferiorForamen(-ina)mandibulaeFossaretromandibularisFossaretromandibularisParotislogePeripharyngealraumSpatiumperipharyngeum

Tab. 9.11
Richtung Begrenzung Verbindung/Nachbarschaftsbeziehungen
kranial Facies infratemporalis der Ala major ossis sphenoidalis, unterer vorderer Teil des Os temporale Foramen ovale (N. mandibularis [V/3]), Foramen spinosum (A. meningea media, R. meningeus aus [V/3]) mit der mittleren Schädelgrube, unter dem Jochbogen mit der Fossa temporalis
medial Lamina lateralis des Proc. pterygoideus ossis sphenoidalis mündet in die Fossa pterygopalatina
rostral Facies infratemporalis und Proc. alveolaris maxillae, Facies temporalis ossis zygomatici Fissura orbitalis inferior mit der Augenhöhle, Regio buccalis, Foramina alveolaria zum Tuber maxillae
lateral Ramus mandibulae mit Proc. coronoideus (und dem Ansatz des M. temporalis), Arcus zygomaticus Foramen mandibulae mit der
Mandibula
okzipital Arcus zygomaticus ossis temporalis Fossa retromandibularis (Parotisloge), Peripharyngealraum (Spatium peripharyngeum)

Abschnitte und Äste der A. maxillarisArteria(-ae)maxillarisÄste.FossaretromandibularisArteria(-ae)auricularisprofundaArteria(-ae)tympanicaanteriorArteria(-ae)alveolarisinferiorArteria(-ae)meningeamediaArteria(-ae)pterygomeningeaArteria(-ae)meningeaaccessoriaFossainfratemporalisArteria(-ae)massetericaArteria(-ae)temporalisprofunda anteriorArteria(-ae)temporalisprofunda posteriorArteria(-ae)buccalisFossapterygopalatinaArteria(-ae)alveolarissuperior posteriorArteria(-ae)infraorbitalisArteria(-ae)alveolares superiores anterioresArteria(-ae)canalis pterygoideiArteria(-ae)palatinadescendensArteria(-ae)palatinamajorArteria(-ae)palatinae minoresArteria(-ae)sphenopalatinaLocusKiesselbachi

Tab. 9.12
Abschnitt Ast Blutversorgung
Pars
mandibularis
(Fossa retromandibularis)
A. auricularis profunda Kiefergelenk, Gehörgang, Trommelfell
A. tympanica anterior Mittelohr
A. alveolaris inferior
  • Rr. dentales

  • Rr. peridentales

  • R. mentalis

  • R. mylohyoideus

Unterkieferzähne, Kinn, Mundboden
A. meningea media Meningen
(A. pterygomeningea [A. meningea accessoria]) (nicht regelmäßig ausgebildet) M. pterygoideus lateralis, M. pterygoideus medialis, M. tensor veli palatini, Tuba auditiva, Meningen
Pars pterygoidea
(Fossa infratemporalis)
A. masseterica M. masseter
A. temporalis profunda anterior M. temporalis
A. temporalis profunda posterior M. temporalis
Rr. pterygoidei M. pterygoideus lateralis, M. pterygoideus medialis
A. buccalis M. buccinator
Pars pterygopalatina
(Fossa pterygopalatina)
A. alveolaris superior posterior
  • Rr. dentales

  • Rr. peridentales

Maxilla, Oberkieferzähne, Oberkieferzahnfleisch, Sinus maxillaris
A. infraorbitalis
  • Aa. alveolares superiores anteriores

    • Rr. dentales

    • Rr. peridentales

benachbarte äußere Augenmuskeln, oberer Teil der ableitenden Tränenwege, Oberkieferzähne, Sinus maxillaris, oberer Teil der vorderen Gesichtshälfte unter der Orbita
A. canalis pterygoidei Nasopharynx, Tuba auditiva
A. palatina descendens
  • A. palatina major

  • Aa. palatinae minores

Gaumen
A. sphenopalatina große Teile der Nase und Nasennebenhöhlen, Locus Kiesselbachi

Zu- und Abflüsse des Plexus venosus pterygoideus.Vena(-ae)sphenopalatinaVena(-ae)ophthalmicainferiorVena(-ae)alveolarisinferiorVena(-ae)temporales profundaeVena(-ae)meningeaemediaeVena(-ae)maxillarisVena(-ae)retromandibularisVena(-ae)profundaefacieiVena(-ae)facialisSinuscavernosus

Tab. 9.13
Zuflüsse Abflüsse
  • V. sphenopalatina

  • V. ophthalmica inferior

  • V. alveolaris inferior

  • Vv. temporales profundae

  • Vv. meningeae mediae

  • V. maxillaris

  • V. retromandibularis

  • V. profunda faciei

  • V. facialis

  • Sinus cavernosus

Äste und Verlauf des N. mandibularis [V/3] in der Fossa infratemporalis; Innervationsgebiete.Nervus(-i)massetericusNervus(-i)temporales profundiNervus(-i)pterygoideuslateralisNervus(-i)pterygoideusmedialisNervus(-i)musculitensoris veli palatiniNervus(-i)musculitensoris tympaniNervus(-i)buccalisNervus(-i)auriculotemporalisNervus(-i)lingualisNervus(-i)alveolaris inferior

Tab. 9.14
Ast Verlauf Innervation
R. meningeus rückläufig durch das Foramen spinosum in die mittlere Schädelgrube Teile der Hirnhäute
N. massetericus von medial durch die Incisura mandibulae zum M. masseter
Nn. temporales profundi von medial zum M. temporalis
N. pterygoideus lateralis von medial zum M. pterygoideus lateralis
N. pterygoideus medialis von medial zum M. pterygoideus medialis
N. musculi tensoris veli palatini zum M. tensor veli palatini
N. musculi tensoris tympani zum M. tensor tympani
N. buccalis zwischen Caput superius und Caput inferius des M. pterygoideus lateralis zur Haut und Schleimhaut der Wange sowie Gingiva des Unterkiefers
N. auriculotemporalis umfasst schleifenförmig die A. meningea media und biegt anschließend zwischen Kiefergelenk und äußerem Gehörgang nach kranial zur Schläfenregion postganglionäre Fasern aus dem Ganglion oticum zur Parotis, äußerer Gehörgang, Trommelfell, Haut vor der Ohrmuschel, Haut des hinteren Anteils der Schläfenregion
N. lingualis nimmt Chorda tympani auf und zieht zwischen den Mm. pterygoidei lateral vom N. alveoaris inferior nach rostral unten zur Zunge Haut des weichen Gaumens, Schleimhaut des Mundbodens, sensible Innervation und Geschacksfasern der vorderen zwei Drittel der Zunge, präganglionäre parasympathische Fasern zum Ganglion submandibulare
N. alveolaris inferior verläuft hinten und seitlich vom N. lingualis unter dem M. pterygoideus lateralis nach kaudal, tritt über das Foramen mandibulae in die Mandibula ein Unterkieferzähne und Gingiva des Unterkiefers, M. mylohyoideus und Venter anterior des M. digastricus, Haut des Kinns

Begrenzungen und Beziehungen der Fossa pterygopalatina.FossainfratemporalisFissura(-ae)pterygomaxillarisCanalis(-es)pterygoideus (Vidianus-Kanal)Vidianus-Kanal (Canalis pterygoideus)

Tab. 9.15
Richtung Begrenzung Verbindung/Nachbarschaftsbeziehungen
kranial Corpus ossis sphenoidalis, Radix alae majoris des Os sphenoidale
medial Lamina perpendicularis ossis palatini (sie bildet gleichzeitig die laterale Wand der Nasenhöhle im Bereich der Choane) Foramen sphenopalatinum mit der Nasenhöhle
rostral Tuber maxillae, Proc. orbitalis ossis palatini Fissura orbitalis inferior mit der Orbita, Foramina alveolaria posteriora zum Tuber maxillae
lateral Fossa infratemporalis Fissura pterygomaxillaris
okzipital Facies maxillaris der Ala major ossis sphenoidalis, Vorderrand des Proc. pterygoideus ossis sphenoidalis Foramen rotundum zur mittleren Schädelgrube, Canalis pterygoideus (Vidianus-Kanal) mit der äußeren Schädelbasis
kaudal Mundhöhle Canalis palatinus major, Canales palatini minores mit dem Gaumen

Verbindungen und Beziehungen der Fossa pterygopalatina zu den Nachbarregionen sowie hindurchtretende Strukturen.Fissura(-ae)orbitalisinferiorVidianus-Kanal (Canalis pterygoideus)Canalis(-es)pterygoideus (Vidianus-Kanal)Foramen(-ina)sphenopalatinumCanalis(-es)palatinus majorCanalis(-es)palatini minoresFissura(-ae)pterygomaxillaris

Tab. 9.16
Verbindung über Verbindung zu Leitungsbahn
Fissura orbitalis inferior Orbita A. infraorbitalis, V. infraorbitalis, N. infraorbitalis (aus [V/2]), N. zygomaticus (aus [V/2]), Rr. orbitales (aus [V/2])
Foramen rotundum mittlere Schädelgrube N. maxillaris [V/2] (mit kleinen Begleitarterien)
Canalis pterygoideus (Vidianus-Kanal) äußere Schädelbasis A. canalis pterygoidei, Vv. canalis pterygoidei, N. canalis pterygoidei (Fasern aus N. petrosus major – parasympathisch und N. petrosus profundus – sympathisch)
Foramen sphenopalatinum Nasenhöhle A. sphenopalatina (Aa. nasales posteriores laterales und Rr. septales posteriores), V. sphenopalatina, Rr. nasales posteriores superiores mediales und laterales (aus [V/2])
Canalis palatinus major, Canales palatini minores Gaumen A. palatina descendens, A. palatina major, Aa. palatinae minores, V. palatina descendens, N. palatinus major (aus [V/2]), Nn. palatini minores (aus [V/2])
Fissura pterygomaxillaris Fissura infratemporalis A. maxillaris, Plexus pterygoideus
Foramina alveolaria am Tuber maxillae Aa. alveolares superiores posteriores (mit Begleitvenen), N. alveolaris superioris posterioris (aus [V/2])

Äste des N. ophthalmicus [V/1]Nervus(-i)ophthalmicus [V/1]Äste (rein somatoafferent).Nervus(-i)frontalisNervus(-i)supraorbitalisNervus(-i)supratrochlearisNervus(-i)lacrimalisNervus(-i)nasociliaris

Tab. 9.17
Ast Unteräste Innervationsgebiet
R. meningeus recurrens (R. tentorius) Teile der Hirnhäute
N. frontalis N. supraorbitalis Haut der Stirn und Schleimhaut der Stirnhöhle
N. supratrochlearis Haut und Bindehaut des nasalen Augenwinkels
N. lacrimalis Tränendrüse (zur sekretorischen Innervation lagern sich postganglionäre parasympathische Fasern aus dem N. zygomaticus an), Haut und Bindehaut des temporalen Augenwinkels
N. nasociliaris Tab. 9.18 Nasennebenhöhlen, vorderer Teil der Nasenhaupthöhle sowie Iris, Corpus ciliare, Hornhaut des Auges (Tab. 9.18)

Äste des N. nasociliarisNervus(-i)nasociliarisÄste [aus V/1].Radix(-ces)sensoria(Ganglion ciliare)Ramus(-i)communicanscum ganglio ciliariiNervus(-i)ciliaresbrevesNervus(-i)ciliareslongiNervus(-i)ethmoidalisposteriorNervus(-i)ethmoidalisanteriorNervus(-i)infratrochlearis

Tab. 9.18
Ast Verlauf Innervationsgebiet
Radix sensoria ganglii ciliarii (R. communicans cum ganglio ciliarii) steuert die sensible Komponente für das Ganglion ciliare bei, aus dem die Nn. ciliares breves kommen Augapfel und seine Bindehaut (zusammen mit den Nn. ciliares longi)
Nn. ciliares longi lagern sich dem N. opticus [II] an und ziehen mit den Nn. ciliares breves aus dem Ganglion ciliare zum Bulbus oculi; außerdem schließen sich ihnen sympathische Fasern aus dem Plexus caroticus an Augapfel (Bulbus oculi) und dessen Bindehaut; die sympathischen Fasern innervieren den M. dilatator pupillae
N. ethmoidalis posterior zieht durch das gleichnamige Foramen zu den hinteren Siebbeinzellen und der Keilbeinhöhle Schleimhaut der hinteren Siebbeinzellen und der Keilbeinhöhle
N. ethmoidalis anterior zieht durch das gleichnamige Foramen zurück in die vordere Schädelgrube und von dort aus durch die Lamina cribrosa in die Nasenhöhle; er endet mit den Rr. nasales externi in der Haut des Nasenrückens Schleimhaut der vorderen Nasenhöhle und der vorderen Siebbeinzellen; Haut des Nasenrückens
N. infratrochlearis zieht unterhalb der Trochlea zum inneren Augenwinkel Haut des inneren Augenwinkels

Äste des N. maxillaris [V/2]Nervus(-i)maxillaris [V/2]Äste (rein somatoafferent).Nervus(-i)zygomaticusRamus(-i)zygomaticotemporalis (N. zygomaticus)Ramus(-i)zygomaticofacialis (N. zygomaticus)Ramus(-i)ganglionares ad ganglion pterygopalatinumNervus(-i)infraorbitalisNervus(-i)alveolares superioresNervus(-i)palatinus majorNervus(-i)palatini minoresNervus(-i)nasopalatinus

Tab. 9.19
Ast Unteräste Innervationsgebiet
R. meningeus Hirnhäute der mittleren Schädelgrube
N. zygomaticus R. zygomaticotemporalis Haut im Bereich der Schläfe
R. zygomaticofacialis Haut im Bereich der oberen Wangenregion; zur sekretorischen Innervation der Tränendrüse verlaufen postganglionäre parasympathische Fasern mit dem N. zygomaticus, die er an den N. lacrimalis abgibt (R. communicans cum nervo zygomatico)
Rr. ganglionares ad ganglion
pterygopalatinum
steuern sensible Fasern für das Ganglion pterygopalatinum bei, Innervation von Gaumen und Nase, es schließen sich sympathische und parasympathische Fasern für die Glandulae nasales und palatinae (speziell viszeroefferent) sowie Geschmacksfasern an
N. infraorbitalis (Endast des N. maxillaris) Nn. alveolares superiores mit Rr. alveolares superiores posteriores, medii und anteriores (Plexus dentalis superior) Schleimhaut der Kieferhöhle, der Oberkieferzähne und der zugehörigen Gingiva
Rr. palpebrales inferiores, Rr. nasales externi et interni und Rr. labiales superiores Haut und Bindehaut des Unterlids, Haut lateral der Nasenflügel, Haut der Oberlippe und seitlicher Wangenbereich zwischen Unterlid und Oberlippe
N. palatinus major zieht über den Canalis palatinus major durch das Foramen palatinum majus Schleimhaut des harten Gaumens, Glandulae palatinae, Geschmacksknospen im Gaumen
Nn. palatini minores verlassen den Canalis palatinus major durch die Foramina palatina minora Schleimhaut des weichen Gaumens, Tonsilla palatina, Glandulae palatinae, Geschmacksknospen im Gaumen
Rr. nasales posteriores superiores laterales et mediales ziehen durch das Foramen sphenopalatinum in die Nasenhöhle und geben den N. nasopalatinus ab, der durch den Canalis incisivus zum harten Gaumen gelangt Schleimhaut der Nasenmuscheln, Nasenseptum, vorderer Teil der Schleimhaut des harten Gaumens, obere Schneidezähne mit Zahnfleisch, Glandulae nasales

Äste des N. mandibularis [V/3]Nervus(-i)mandibularis [V/3]Äste (somatoafferent und viszeroafferent).Nervus(-i)massetericusNervus(-i)temporales profundiNervus(-i)pterygoideuslateralisNervus(-i)pterygoideusmedialisNervus(-i)musculitensoris veli palatiniNervus(-i)musculitensoris tympaniNervus(-i)buccalisNervus(-i)auriculotemporalisNervus(-i)meatus acustici externiNervus(-i)auriculares anterioresNervus(-i)lingualisNervus(-i)sublingualisNervus(-i)alveolaris inferiorNervus(-i)mylohyoideusNervus(-i)mentalis

Tab. 9.20
Ast Unteräste Innervationsgebiet
R. meningeus Teile der Hirnhäute
N. massetericus M. masseter
Nn. temporales profundi M. temporalis
N. pterygoideus lateralis M. pterygoideus lateralis
N. pterygoideus medialis M. pterygoideus medialis
N. musculi tensoris veli palatini M. tensor veli palatini
N. musculi tensoris tympani M. tensor tympani
N. buccalis Haut und Schleimhaut der Wange sowie Gingiva des Unterkiefers
N. auriculotemporalis Rr. parotidei postganglionäre parasympathische Fasern aus dem Ganglion oticum schließen sich an und innervieren die Ohrspeicheldrüse
Rr. communicantes cum nervo faciale postganglionäre parasympathische Fasern aus dem Ganglion oticum schließen sich an und innervieren die Ohrspeicheldrüse (umstritten)
N. meatus acustici externi äußerer Gehörgang, Trommelfell
Nn. auriculares anteriores Haut vor der Ohrmuschel
Rr. temporales superficiales Haut des hinteren Anteils der Schläfenregion
N. lingualis Rr. isthmi faucium Haut des weichen Gaumens
N. sublingualis Schleimhaut des Mundbodens
sensible Innervation der vorderen zwei Drittel der Zunge, Geschmacksfasern der vorderen zwei Drittel der Zunge unter Mitnahme von präganglionären parasympathischen Fasern aus der Chorda tympani und Abgabe dieser zum Ganglion submandibulare
N. alveolaris inferior Plexus dentalis inferior Unterkieferzähne und Gingiva des Unterkiefers
N. mylohyoideus M. mylohyoideus und Venter anterior des M. digastricus
N. mentalis Haut des Kinns

Ursprungsgewebe der AugenanlageAugenanlage mit den im Verlauf der Organentwicklung daraus hervorgehenden Anteilen des Auges.

Tab. 9.21
Ursprungsgewebe Daraus hervorgehende Anteile des Auges
Neuroektoderm (Diencephalon)
  • Retina

  • innere Schichten des Ziliarkörpers

  • hintere Schichten der Iris

  • N. opticus

Oberflächenektoderm (Kopf)
  • Augenlinse

  • Korneaepithel

Kopfmesenchym
  • Sclera

  • Cornea

  • Choroidea

Stark vereinfachte Aufteilung des TränenfilmsTränenfilm in 3 physikalisch unterschiedlich aufgebaute Anteile, die kontinuierlich ineinander übergehen.TränenfilmMeibom-Drüsen (Glandulae tarsales)Krause-DrüsenWolfring-Drüsen

Tab. 9.22
Aufbau des Tränenfilms Sezernierende Drüsen/
Zellen
Lipidschicht
Funktion: verhindert ein schnelles Verdunsten des Tränenfilms
hauptsächlich Meibom-Drüsen (Glandulae tarsales), zu einem geringen Anteil Zellmembranlipide abgeschilferter Epithelzellen
wässrige Komponente
  • isotone Elektrolytlösung

  • gelbildende Muzine sowie Spaltprodukte membrangebundener Muzine

  • antimikrobielle Stoffe (z. B. Lysozym, Lactoferrin, Lipocalin, Defensine, Surfactant-Proteine A und D)

  • IgA (durch Transzytose)

Funktion: Spülflüssigkeit, gleicht Oberflächenunebenheiten aus, antimikrobieller Schutz
  • Tränendrüse (Glandula lacrimalis)

  • Becherzellen der Bindehaut (Tunica conjunctiva)

  • akzessorische Tränendrüsen (Krause-Drüsen, Wolfring-Drüsen)

muköse Komponente
  • membrangebundene Muzine in der Zellmembran von Microplicae der oberflächlichen Epithelzellen von Cornea und Conjunctiva

Funktion: Teil der Glykokalyx, stellt die Verbindung zwischen Epithel und wässriger Komponente des Tränenfilms her und dient damit der Haftung des Tränenfilms
  • Epithelzellen der Hornhaut (Cornea)

  • Bindehaut (Tunica conjunctiva)

Überblick über die Durchtrittsstellen der Orbita mit den jeweils assoziierten Leitungsbahnen.OrbitaDurchtrittsstellen/InhaltCanalis(-es)opticusFissura(-ae)orbitalissuperiorForamen(-ina)ethmoidaleanteriusForamen(-ina)ethmoidaleposteriusForamen(-ina)zygomaticum

Tab. 9.23
Durchtrittsstellen der Orbita Leitungsbahnen
Canalis opticus
  • N. opticus [II]

  • A. ophthalmica

  • Meninges; Vaginae nervi optici

Fissura orbitalis superior(lateraler Abschnitt)
  • N. frontalis (N. ophthalmicus [V/1])

  • N. lacrimalis (N. ophthalmicus [V/1])

  • N. trochlearis [IV]

  • R. orbitalis (A. meningea media)

  • V. ophthalmica superior

unregelmäßig:
  • Anastomosen zwischen der A. meningea media und der A. lacrimalis

Fissura orbitalis superior(anulärer Abschnitt)
  • N. nasociliaris (N. ophthalmicus [V/1])

  • N. oculomotorius [III] mit R. superior und R. inferior

  • N. abducens [VI]

Fissura orbitalis superior(medialer Abschnitt)
  • Rr. venae ophthalmicae inferioris hin zum Sinus cavernosus

Fissura orbitalis inferior
  • V. ophthalmica inferior

  • N. zygomaticus (N. maxillaris [V/2])

  • A., V., N. infraorbitalis (N. maxillaris [V/2])

  • M. orbitalis

Foramina ethmoidalia anterius/posterius
  • A., N. ethmoidalis anterior/posterior (N. ophthalmicus [V/1])

Foramen zygomaticum
  • N. zygomaticus (N. maxillaris [V/2]) mit R. zygomaticotemporalis und R. zygomaticofacialis

Extraokuläre Muskulatur des Augapfels mit jeweiligem Ursprung und Ansatz sowie Funktion und Innervation des Muskels.Musculus(-i)rectussuperiorMusculus(-i)rectusinferiorMusculus(-i)rectuslateralisMusculus(-i)rectusmedialisMusculus(-i)obliquusinferior bulbiMusculus(-i)obliquussuperior bulbiMusculus(-i)levatorpalpebrae superioris

Tab. 9.24
Innervation Ursprung Ansatz Funktion
M. rectus superior
N. oculomotorius [III], R. superior oberer Abschnitt des Anulus tendineus communis oben, ventral des Äquators am Bulbus Anheben der Sehachse, Adduktion und Innenrotation des Bulbus
M. rectus inferior
N. oculomotorius [III], R. inferior unterer Abschnitt des Anulus tendineus communis unten, ventral des Äquators am Bulbus Absenken der Sehachse, Adduktion und Außenrotation des Bulbus
M. rectus lateralis
N. abducens [VI] lateraler Abschnitt des Anulus tendineus communis lateral, ventral des Äquators am Bulbus Abduktion des Bulbus
M. rectus medialis
N. oculomotorius [III], R. inferior medialer Abschnitt des Anulus tendineus communis medial, ventral des Äquators am Bulbus Adduktion des Bulbus
M. obliquus inferior
N. oculomotorius [III], R. inferior medialer Abschnitt des Orbitabodens hinter dem Orbitarand; auf der Maxilla lateral des Sulcus lacrimalis lateraler hinterer Quadrant des Bulbus oculi Anheben der Sehachse, Abduktion und Außenrotation des Bulbus
M. obliquus superior
N. trochlearis [IV] Corpus ossis sphenoidalis, oberhalb und medial des Canalis opticus lateraler hinterer Quadrant des Bulbus oculi Absenken der Sehachse, Abduktion und Innenrotation des Bulbus
M. levator palpebrae superioris
N. oculomotorius [III], R. superior Ala minor ossis sphenoidalis, vor dem Canalis opticus Vorderfläche des Tarsus im Oberlid; Fasern zur Haut und zur Fornix conjunctivae Anheben des Oberlids

Wandschichten des Augapfels mit ihren Anteilen.

Tab. 9.25
Tunica fibrosa bulbi Tunica vasculosa bulbi Tunica interna bulbi
  • Sclera

  • Cornea

  • Choroidea

  • Corpus ciliare

  • Iris

  • Retina

    • Pars caeca retinae

    • Pars optica retinae

Wände der PaukenhöhlePaukenhöhleBegrenzungen/Wände.Pariesmastoideus cavi tympaniAditusad antrum mastoideumCanaliculus(-i)chordae tympaniPariescaroticus cavi tympaniCanaliculus(-i)caroticotympaniciSemicanalistubae auditivaePariestegmentalis cavi tympaniSemicanalismusculi tensoris tympaniCanalis(-es)nervipetrosi minorisPariesjugularis cavi tympaniCanaliculus(-i)tympanicusNervus(-i)tympanicus (Jacobson)Parieslabyrinthicus cavi tympaniFenestravestibuliFenestracochleaePariesmembranaceus cavi tympaniFissura(-ae)sphenopetrosa

Tab. 9.26
Wand Beziehung Öffnungen/Verbindungen
posterior, hintere Wand (Proc. mastoideus) Mastoid (Paries mastoideus) Aditus ad antrum mastoideum (Übergang zu den Mastoidzellen); Eminentia pyramidalis (Durchtritt der Sehne des M. stapedius); Öffnung des Canaliculus chordae tympani
anterior, vordere Wand (Karotiskanal) A. carotis interna (Paries caroticus) Canaliculi caroticotympanici (Durchtritt sympathischer Nervenfasern); Semicanalis tubae auditivae (knöcherne Verbindung in Richtung Nasopharynx)
superior, obere Wand (mittlere Schädelgrube) mittlere Schädelgrube (Paries tegmentalis) Öffnung des Semicanalis musculi tensoris tympani und Durchtritt seiner Sehne; Fissura petrosquamosa (Durchtritt der A. tympanica superior); Canaliculus nervi petrosi minoris (enthält präganglionäre parasympathische Fasern des N. glossopharyngeus [IX], die zum Ganglion oticum ziehen)
inferior, untere Wand (Fossa jugularis) V. jugularis (Paries jugularis) Canaliculus tympanicus (Durchtritt von N. tympanicus und A. tympanica inferior)
medial, mediale Wand (Labyrinth) ovales Fenster (Paries labyrinthicus) Fenestra vestibuli (oberhalb des Promontoriums, enthält Steigbügelfußplatte); Fenestra cochleae (unter und hinter Promontorium; von Membrana tympanica secundaria verschlossen)
lateral, laterale Wand (Trommelfell) Trommelfell (Paries membranaceus) Fissura sphenopetrosa (Durchtritt der Chorda tympani)

Arterien der Paukenhöhle.Arteria(-ae)caroticotympanicaeCanaliculus(-i)caroticotympaniciArteria(-ae)tympanicasuperiorCanalis(-es)nervipetrosi minorisHiatuscanalis nervi petrosiminorisArteria(-ae)tympanicaanteriorFissura(-ae)sphenopetrosaArteria(-ae)tympanicaposteriorCanaliculus(-i)chordae tympaniArteria(-ae)tympanicainferiorArteria(-ae)auricularisprofundaArteria(-ae)stylomastoideaCanalis(-es)nervifacialisForamen(-ina)mastoideum

Tab. 9.27
Arterie (Ursprungsgefäß) Eintrittsstelle Versorgungsgebiet
Aa. caroticotympanicae (A. carotis interna) Canaliculi caroticotympanici Promontorium
A. tympanica superior (A. meningea media) Canalis nervi petrosi minoris M. tensor tympani, Epitympanon, Stapes
R. petrosus (A. meningea media) Hiatus canalis nervi petrosi minoris N. facialis [VII], Steigbügel
A. tympanica anterior (A. maxillaris) Fissura sphenopetrosa Epitympanon, Hammer, Amboss, Antrum mastoideum, Trommelfell
A. tympanica posterior (A. stylomastoidea) Canaliculus chordae tympani Chorda tympani, Hammer, Trommelfell
A. tympanica inferior (A. pharyngea ascendens) Canaliculus tympanicus Steigbügel, Promontorium, Hypotympanon, Pars cartilaginea der Tuba auditiva
A. auricularis profunda (A. maxillaris) Basis partis petrosae ossis temporalis äußerer Gehörgang, Trommelfell, Hypotympanon
A. stylomastoidea (A. auricularis posterior) Canalis nervi facialis Cellulae mastoideae, Antrum mastoideum, Paries mastoideus, Steigbügel, M. stapedius
R. mastoideus (A. occipitalis) Foramen mastoideum Cellulae mastoideae
A. subarcuata (A. labyrinthi) unterhalb des vorderen Bogengangs Cellulae mastoideae

Muskulatur der OhrtrompeteOhrtrompeteMuskulatur.Musculus(-i)tensorveli palatiniNervus(-i)musculitensoris veli palatiniMusculus(-i)levatorveli palatiniPlexuspharyngeusMusculus(-i)salpingopharyngeus

Tab. 9.28
Innervation Ursprung Ansatz Funktion
M. tensor veli palatini
N. musculi tensoris veli palatini des N. mandibularis [V/3] Fossa scaphoidea am Proc. pterygoideus, membranöser Anteil der Tuba auditiva Aponeurosis palatina erweitert das Lumen der Ohrtrompete, spannt das Gaumensegel
M. levator veli palatini
Plexus pharyngeus aus N. glossopharyngeus [IX] und N. vagus [X] Unterfläche der Pars petrosa ossis temporalis, Cartilago tubae auditivae Aponeurosis palatina erweitert das Lumen der Ohrtrompete, hebt das Gaumensegel
M. salpingopharyngeus
Plexus pharyngeus hauptsächlich aus N. vagus [X] unterer Anteil des Tubenknorpels im Bereich des Nasen-Rachen-Raums Cartilago thyroidea, Seitenwand des Pharynx verschließt die Tube, hebt den Schlund

Bezeichnungen in der plastischen NasenchirurgieNasenchirurgie, plastische, Bezeichnungen.Keystone AreaColumella

Tab. 9.29
Begriff Erläuterung
Supra-Tip Area Nasenrücken knapp oberhalb der Nasenspitze
schwaches Dreieck die Region des Nasenrückens knapp oberhalb der Nasenspitze wird nur durch das Nasenseptum geformt
Keystone Area Überlappung des Seitenknorpels durch das Os nasale
weiches Dreieck Hautareal am Oberrand des Nasenlochs, in dessen Nähe das Crus mediale in das Crus laterale des Flügelknorpels umbiegt (das knorpelfreie Feld besteht nur aus einer Hautduplikatur)
Columella vorderer Abschnitt des Nasenseptums zwischen Nasenspitze und Philtrum

Muskulatur der äußeren Nase.Musculus(-i)nasalisMusculus(-i)depressorsepti nasiMusculus(-i)levatorlabii superioris alaeque nasi

Tab. 9.30
Muskel Funktion
M. nasalis, Pars alaris (M. dilatator) erweitert die Nasenöffnung
M. nasalis, Pars transversa (M. compressor) verengt die Nasenöffnung
M. depressor septi nasi bewegt die Nase nach unten
M. levator labii superioris alaeque nasi hebt die Nasenflügel

Klinische Terminologie der lateralen Nasenhöhlenwand Nasenhöhlenwandlateraleklinische Terminologieund der NasennebenhöhlenNasennebenhöhlenklinische Terminologie.Agger nasiAtriummeatus mediiBulla ethmoidalisHaller-ZelleHiatusmaxillarisHiatussemilunarisInfundibulumethmoidaleÓnodi-Grünwald-ZelleNasenwand, laterale, osteomeataler Komplexosteomeataler Komplex, Nasenwand, lateraleProcessusuncinatus(Os ethmoidale)RecessusfrontalisSulcus(-i)olfactorius

Tab. 9.31
Begriff Erläuterung
Agger nasi eine vordere Siebbeinzelle vor und oberhalb des Ansatzes der mittleren Nasenmuschel mit enger topografischer Beziehung zum Ductus nasolacrimalis
Atrium meatus medii die Region vor dem mittleren Nasengang oberhalb des Kopfes der unteren Nasenmuschel
Bulla ethmoidalis vordere Siebbeinzelle oberhalb des Hiatus semilunaris, die sehr regelmäßig ausgebildet ist, aber auch fehlen kann
Fontanelle akzessorische Öffnung in der medialen Kieferhöhlenwand, die von Schleimhaut bedeckt ist
Grundlamellen (Abb 9.88) Lamellen, die als embryologische Residuen das Siebbein durchziehen. Es werden 4 Grundlamellen (GL) unterschieden:
  • GL 1: Proc. uncinatus

  • GL 2: Bulla ethmoidalis

  • GL 3: Concha nasalis media

  • GL 4: Concha nasalis superior

Haller-Zelle eine Siebbeinzelle, die die untere Orbitawand pneumatisiert (Infraorbitalzelle)
Hiatus maxillaris eine große Öffnung des Sinus maxillaris zur Nasenhöhle, die partiell durch den Proc. uncinatus des Os ethmoidale sowie durch Schleimhaut verschlossen wird
Hiatus semilunaris ein sichelförmiger, bis zu 3 mm breiter Spalt zwischen Bulla ethmoidalis und dem oberen, freien Rand des Proc. uncinatus; über den Hiatus semilunaris gelangt man in das Infundibulum ethmoidale
Infundibulum ethmoidale ist eine Vertiefung hinter dem Hiatus semilunaris; die zwischen Proc. uncinatus und Bulla ethmoidalis liegt
Ónodi-Grünwald-Zelle eine hintere Siebbeinzelle, die sich über den Sinus sphenoidalis nach hinten vorwölbt
osteomeataler Komplex ein Oberbegriff für die komplizierte Anatomie am Hiatus semilunaris und seiner Umgebung
Proc. uncinatus eine dünne Knochenlamelle des Os ethmoidale, die einen Teil der medialen Wand des Sinus maxillaris bildet, indem sie den Hiatus maxillaris unvollständig verschließt und den Hiatus semilunaris von vorne unten begrenzt
Recessus frontalis ein Spaltraum, der die Verbindung zwischen Stirnhöhle und Nasenhöhle herstellt (Ductus nasofrontalis, Canalis nasofrontalis)
Sulcus olfactorius Rinne zwischen der vorderen Anheftung der Concha nasalis media an der Schädelbasis und dem Nasendach

Mündungsstellen des TränennasengangsTränennasengangMündung und der NasennebenhöhlenNasennebenhöhlenMündung.DuctusnasolacrimalisSinusfrontalisCellulaeethmoidalesanterioresCellulaeethmoidalesposterioresSinusmaxillarisSinussphenoidalis

Tab. 9.32
Unterer Nasengang Mittlerer Nasengang Oberer Nasengang
Ductus nasolacrimalis x
Sinus frontalis x
Cellulae ethmoidales anteriores x
Cellulae ethmoidales posteriores x
Sinus maxillaris x
Sinus sphenoidalis x

Innervation der MundschleimhautMundschleimhautInnervation.Nervus(-i)maxillaris [V/2]ÄsteNervus(-i)infraorbitalisNervus(-i)nasopalatinusNervus(-i)palatinus majorNervus(-i)palatini minoresNervus(-i)mandibularis [V/3]ÄsteNervus(-i)buccalisNervus(-i)lingualisNervus(-i)alveolaris inferior

Tab. 9.33
Nerv Innervationsgebiet Verlauf
N. maxillaris [V/2] Oberkiefer
  • Foramen rotundum

  • Fossa pterygopalatina

  • N. infraorbitalis

vestibulare Gingiva der Oberkieferfrontzähne
  • Canalis infraorbitalis

  • Foramen infraorbitale

  • N. nasopalatinus

palatinale Gingiva der Oberkieferfrontzähne
  • Septum nasi

  • Foramen incisivum

  • N. palatinus major

palatinale Gingiva und Schleimhaut des Palatum durum
  • Canalis palatinus major

  • Foramen palatinum major

  • Nn. palatini minores

Schleimhaut des Palatum molle
  • Canaliculi palatini minores

N. mandibularis [V/3] Unterkiefer
  • Foramen ovale

  • Fossa infratemporalis

  • N. buccalis

  • N. lingualis

Wangenschleimhaut, vordere ⅔ der Zunge, Mundbodenschleimhaut, linguale Gingiva unter dem M. pterygoideus medialis auf dem M. buccinator, Innenseite des Ramus mandibulae unter dem M. pterygoideus medialis auf dem M. hyoglossus zur Zunge
  • N. alveolaris inferior

Unterkieferzähne, vestibulare Gingiva
  • Foramen mandibulare

  • Canalis mandibulae

  • Foramen mentale

Keimblatt, Derivate der Zähne.SchmelzorganSchmelzZahnpapilleDentin(um)OdontoblastenZahnsäckchenZahnhalteapparat

Tab. 9.34
Keimblatt Embryonales Gewebe Zahngewebe
Ektoderm Schmelzorgan Schmelz
Mesenchym
(Neuralleiste)
Zahnpapille Dentin
Odontoblasten
Pulpamesenchym
Zahnsäckchen Zahnhalteapparat

Durchbruchszeiten der MilchzähneMilchzähneDurchbruchszeiten in Monaten.

Tab. 9.35
Zahntyp I. Incisivus II. Incisivus Caninus I. Molar II. Molar
OK ♂ 9,1 ± 1,5 10,4 ± 2,4 18,9 ± 2,7 16,0 ± 2,3 27,6 ± 4,4
OK ♀ 9,6 ± 2,0 11,9 ± 2,7 20,1 ± 3,2 15,7 ± 2,3 28,4 ± 4,3
UK ♂ 7,3 ± 1,6 13,0 ± 2,8 19,3 ± 2,9 16,2 ± 1,9 25,9 ± 3,8
UK ♀ 7,8 ± 2,1 13,8 ± 3,6 20,2 ± 3,4 15,6 ± 2,2 27,1 ± 4,2

Äste des N. infraorbitalisNervus(-i)infraorbitalisÄste und ihre Innervationsgebiete.

Tab. 9.36
Nerv Innervationsgebiet Verlauf
Rr. alveolares superiores Molaren auf dem Tuber maxillae durch die Foramina alveolaria zur lateralen Kieferhöhlenschleimhaut
R. alveolaris superior medialis Prämolaren im Canalis infraorbitalis zur Kieferhöhlenschleimhaut
Rr. alveolares superiores anteriores Canini und Incisivi vom Foramen infraorbitale auf dem Corpus maxillae zu den Frontzähnen

Kaumuskulatur.Musculus(-i)masseterNervus(-i)massetericusMusculus(-i)temporalisNervus(-i)temporales profundiMusculus(-i)pterygoideusmedialisNervus(-i)pterygoideusmedialisNervus(-i)pterygoideuslateralisMusculus(-i)pterygoideuslateralis

Tab. 9.37
Innervation Ursprung Ansatz Funktion Blutversorgung
M. masseter
N. massetericus [aus V/3]
  • Pars superficialis: Unterrand des Os zygomaticum, vordere zwei Drittel

  • Pars profunda: Innenfläche des Os zygomaticum, hinteres Drittel

  • Pars superficialis: Tuberositas masseterica

  • Pars profunda: Außenfläche des Proc. coronoideus

Adduktion, Protrusion bei einseitiger Kontraktion, Laterotrusion A. masseterica (A. maxillaris), A. facialis, A. transversa faciei der A. temporalis superficialis, A. buccalis (A. maxillaris)
M. temporalis
Nn. temporales profundi [aus V/3]
  • Pars profunda: Planum temporale des Os zygomaticum

  • Pars superficialis: Facies temporalis

Proc. coronoideus mandibulae Adduktion, Retrusion Aa. temporales profundae anterior et posterior (A. maxillaris), A. temporalis media (A. temporalis superficialis)
M. pterygoideus medialis
N. pterygoideus medialis [aus V/3]
  • Pars medialis: Fossa pterygoidea

  • Pars lateralis: Lamina lateralis des Proc. pterygoideus

Tuberositas pterygoidea mandibulae Adduktion, Protrusion, Mediotrusion A. alveolaris superior, A. alveolaris inferior, A. buccalis (A. maxillaris)
M. pterygoideus lateralis
N. pterygoideus lateralis [aus V/3]
  • Caput inferius: Lamina lateralis, Proc. pterygoidei

  • Caput superius: Facies und Crista infratemporalis

Fovea pterygoidea mandibulae, Gelenkkapsel und Discus articularis Protrusion bei beidseitiger Kontraktion, Mediotrusion und Adduktion bei einseitiger Kontraktion R. pterygoideus (A. maxillaris)

Bänder des Kiefergelenks.Ligamentum(-a)laterale(Art. temporomandibularis)Ligamentum(-a)temporomandibulareLigamentum(-a)mediale (Art. temporomandibularis)Ligamentum(-a)sphenomandibulareLigamentum(-a)stylomandibulare

Tab. 9.38
Band Funktion Beziehung zur Gelenkkapsel Verbindung
Lig. laterale (Lig. temporomandibulare) an der Gelenkführung beteiligt, hemmt Randbewegungen und stabilisiert den Condylus auf der Arbeitsseite verstärkt die Gelenkkapsel auf der Außenseite Arcus zygomaticus schräg nach hinten zum Collum mandibulae
Lig. mediale variabel ausgebildet, verstärkt die Gelenkkapsel, hemmt Randbewegungen verstärkt die Gelenkkapsel auf der Innenseite innerer Rand der Fossa mandibularis zum Collum mandibulae
Lig. sphenomandibulare hemmt Mundöffnung nahe der Endstellung keine Beziehung Spina ossis sphenoidalis zwischen Mm. pterygoidei zur Lingula mandibulae
Lig. stylomandibulare meist schwach, unterstützt Lig. sphenomandibulare keine Beziehung Unterrand des Proc. styloideus zum Hinterrand des Ramus mandibulae

Innervation des Kiefergelenks.Nervus(-i)auriculotemporalisNervus(-i)massetericusNervus(-i)temporales profundiNervus(-i)pterygoideuslateralisGanglion(-ia)oticum

Tab. 9.39
Nerv Innervationsgebiet
  • N. auriculotemporalis

  • Rr. articulares

  • N. massetericus

Gelenkkapsel lateral, dorsal, medial
  • Nn. temporales profundi

  • N. pterygoideus lateralis, Rr. articulares

Gelenkkapsel anterior
N. facialis [VII] Lig. laterale
Ganglion oticum, Rr. articulares Membrana synovialis, parasympathisch, sekretorisch

Zungenbinnenmuskulatur.Nervus(-i)hypoglossus [XII]Musculus(-i)transversuslinguaeMusculus(-i)verticalis linguae

Tab. 9.40
Innervation Ursprung Ansatz Funktion
M. longitudinalis superior
N. hypoglossus [XII] Aponeurosis linguae Aponeurosis linguae Wölbung der Zunge nach unten
M. transversus linguae
N. hypoglossus [XII] Aponeurosis linguae des Zungenrandes Septum linguae Zungenstreckung
M. verticalis linguae
N. hypoglossus [XII] Aponeurosis linguae der Zungenoberseite Aponeurosis linguae der Zungenunterseite Abflachung der Zunge sowie Rinnenbildung im Zungenrücken

Äußere Zungenmuskulatur.Nervus(-i)hypoglossus [XII]Musculus(-i)genioglossusMusculus(-i)styloglossusMusculus(-i)hyoglossusNervus(-i)glossopharyngeus [IX]Musculus(-i)palatoglossus

Tab. 9.41
Innervation Ursprung Ansatz Funktion
M. genioglossus
N. hypoglossus [XII] Spina mentalis Corpus linguae Führung des Zungenrückens und des Zungengrundes nach vorne, Herausstrecken der Zunge
M. styloglossus
N. hypoglossus [XII] Proc. styloideus Margo linguae bis Apex linguae Zurückziehen des Corpus linguae
M. hyoglossus
N. hypoglossus [XII]
  • Os hyoideum, Cornu majus (M. ceratoglossus)

  • Os hyoideum, Cornu minus (M. chondroglossus)

Corpus linguae Rotation der Zunge sowie Abflachung des hinteren Zungenabschnitts
M. palatoglossus
N. glossopharyngeus [IX] und N. vagus [X]; R. pharyngeus hinterer Abschnitt des M. transversus linguae Aponeurosis palatina Verschluss des Isthmus faucium, Senken des Gaumensegels

Innervation der Zunge.Nervus(-i)lingualisNervus(-i)laryngeussuperiorChorda tympaniPlexuspharyngeus

Tab. 9.42
Nerv Qualität Innervationsgebiet
N. lingualis (Ast aus [V/3]) sensibel vordere ⅔ der Zunge
N. glossopharyngeus [IX] sensibel
sensorisch
hinteres ⅓ der Zunge
Papillae foliatae und vallatae
N. vagus [X]
N. laryngeus superior (Ast aus [X])
sensibel
sensorisch
Übergang zur Epiglottis
Chorda tympani (Ast des Intermediusanteils aus [VII]) sensorischparasympathisch
  • Papillae fungiformes

  • Glandula submandibularis, Glandula sublingualis, kleine Speicheldrüsen der Mundschleimhaut

N. hypoglossus [XII] motorisch alle Zungenmuskeln mit Ausnahme des M. palatoglossus
Plexus pharyngeus (Äste aus [IX und X]) motorisch M. palatoglossus

Muskulatur des weichen Gaumens.PlexuspharyngeusMusculus(-i)levatorveli palatiniNervus(-i)tensor veli palatiniMusculus(-i)tensorveli palatiniMusculus(-i)palatopharyngeusMusculus(-i)palatoglossusMusculus(-i)uvulae

Tab. 9.43
Innervation Ursprung Ansatz Funktion
M. levator veli palatini
Plexus pharyngeus (Äste aus [IX] und [X]), manchmal auch N. facialis [VII] Facies inferior der Pars petrosa des Os temporale und Cartilago tubae auditivae Aponeurosis palatina spannt und hebt das Gaumensegel, öffnet die Tuba auditiva und schließt zusammen mit dem M. constrictor pharyngis superior den Nasen-Rachen-Raum, wölbt den Levatorwulst der Rachenwand vor
M. tensor veli palatini
N. tensor veli palatini (aus [V/3]) Lamina medialis des Proc. pterygoideus, Ala major des Os sphenoidale, Lamina membranacea der Tuba auditiva, er biegt um den Hamulus pterygoideus horizontal herum Aponeurosis palatina spannt das Gaumensegel, öffnet die Tuba auditiva und verformt den Gaumen für die Lautbildung
M. palatopharyngeus
Plexus pharyngeus (Äste aus [IX]) Aponeurosis palatina, Hamulus pterygoideus und Lamina medialis des Proc. pterygoideus seitliche Pharynxwand und Hinterrand der Cartilago thyroidea, Grundlage des Arcus palatoglossus hebt den Pharynx an, Grundlage des Arcus palatopharyngeus
M. palatoglossus
Plexus pharyngeus (Äste aus [IX] und [X]) dorsale Abspaltung aus dem M. transversus linguae Aponeurosis palatina schließt den Isthmus faucium, senkt das Gaumensegel, Grundlage des Arcus palatoglossus
M. uvulae
Plexus pharyngeus (Äste aus [IX] und [X]) Aponeurosis palatina Schleimhaut der Uvula verkürzt das Zäpfchen

Gefäßversorgung der Tonsilla palatina.Arteria(-ae)lingualisArteria(-ae)palatinaascendensArteria(-ae)pharyngea ascendensArteria(-ae)palatinadescendens

Tab. 9.44
Versorgende Arterie Endast
A. lingualis Rr. dorsales linguae
A. palatina ascendens Rr. tonsillares
A. pharyngea ascendens Rr. pharyngeales mit Rr. tonsillares
A. palatina descendens R. pharyngeus mit Rr. tonsillares

Suprahyale Muskulatur.Musculus(-i)mylohyoideusNervus(-i)mylohyoideusNervus(-i)hypoglossus [XII]Musculus(-i)geniohyoideusMusculus(-i)digastricusVenteranterior (M. digastricus)Venterposterior (M. digastricus)Nervus(-i)facialis [VII]Musculus(-i)stylohyoideus

Tab. 9.45
Innervation Ursprung Ansatz Funktion
M. mylohyoideus
N. mylohyoideus (Ast aus [V/3]) Linea mylohyoidea nach kaudal medial zur Raphe mylohyoidea Zungenbein und Raphe
mylohyoidea
Heben des Mundbodens beim Schluckakt
M. geniohyoideus
N. hypoglossus [XII], Plexus cervicalis (C1, C2) Spina mentalis Os hyoideum bei Fixation des Os hyoideum durch den Venter posterior des M. digastricus und den M. stylohyoideus, Öffnung des Mundes bei Fixierung des Unterkiefers durch die Kaumuskeln, Heben des Kehlkopfes
M. digastricus, Venter anterior
N. mylohyoideus (Ast aus [V/3]) Fossa digastrica der Mandibula Zwischensehne des M. digastricus am Os hyoideum Heben des Mundbodens beim Schluckakt
M. digastricus, Venter posterior (kein Mundbodenmuskel)
N. facialis [VII], R. digastricus Incisura mastoidea medial des Warzenfortsatzes Zwischensehne am Os hyoideum Fixierung des Zungenbeins, Anheben des Kehlkopfes
M. stylohyoideus (kein Mundbodenmuskel)
N. facialis [VII], R. stylohyoideus Proc. stylohyoideus Corpus und Cornu majus des Os hyoideum zieht das Zungenbein beim Schluckakt nach oben hinten

Regionäre Lymphknoten der Mundhöhle.Nodus(-i) lymphoideus(-i)occipitalesNodus(-i) lymphoideus(-i)retroauricularesNodus(-i) lymphoideus(-i)parotideiNodus(-i) lymphoideus(-i)submandibularesNodus(-i) lymphoideus(-i)submentalesNodus(-i) lymphoideus(-i)buccales

Tab. 9.46
Lymphknotengruppe Zufluss Abfluss
Nodi lymphoidei occipitales liegen auf dem Ursprung des M. trapezius in Höhe der Linea nuchae Hinterhaupt bis zum Scheitel, Nacken Nodi lymphoidei cervicales profundi
Nodi lymphoidei retroauriculares liegen auf dem Ansatz des M. sternocleidomastoideus am Proc. mastoideus Rückseite des Ohrs, Haut des Hinterkopfs Nodi lymphoidei cervicales profundi
Nodi lymphoidei parotidei liegen auf der Glandula parotidea vor dem äußeren Gehörgang Stirn, Schläfe, lateraler Teil der Augenlider, Nasenwurzel, Ohrmuschel, äußerer Gehörgang, Trommelfell, Tuba auditiva, Glandula parotidea, Nasen-Rachen-Raum Nodi lymphoidei cervicales profundi
Nodi lymphoidei submandibulares liegen im Spatium submandibulare zweigeteilter Zufluss:
  • oberflächlich: Mitte der Stirn sowie Augenlider, äußere Nase, Oberlippe und Wange

  • tief: Zungenspitze, anteriorer Gaumenabschnitt und Mundhöhlenboden, Zähne, Gingiva, Vestibulum nasi, Fossa infratemporalis

außerdem erhalten sie Zuflüsse aus den Nodi lymphoidei faciales und submentales
Nodi lymphoidei cervicales superficiales und profundi
Nodi lymphoidei submentales liegen seitlich unter der Mandibula im Trigonum submentale Kinn und Mitte der Unterlippe, Unterkiefer-Schneidezähne sowie Gingiva, Zungenspitze und Mundboden
  • Nodi lymphoidei submandibulares

  • Nodi lymphoidei cervicales profundi und superficiales

Nodi lymphoidei buccales liegen im Bereich der Wange hintere Cavitas nasi sowie Mundhöhle und Zungengrund – Fossa pterygoidea und infratemporal Gaumen und Pharynx Nodi lymphoidei cervicales profundi

Kopf

  • 9.1

    Schädel Lars Bräuer419

    • 9.1.1

      Neuro- und Viscerocranium419

    • 9.1.2

      Schädelentwicklung – Embryologie419

    • 9.1.3

      Schädeldach421

    • 9.1.4

      Schädelbasis422

    • 9.1.5

      Einzelknochen des Viscerocraniums426

    • 9.1.6

      Einzelknochen des Neurocraniums430

  • 9.2

    Weichteilmantel Lars Bräuer, Friedrich Paulsen432

    • 9.2.1

      Überblick432

    • 9.2.2

      Kopfschwarte433

    • 9.2.3

      Gesicht und Gesichtsweichteile437

    • 9.2.4

      Oberflächliche seitliche Gesichtsregion444

    • 9.2.5

      Tiefe seitliche Gesichtsregion447

  • 9.3

    Hirnnerven Lars Bräuer451

    • 9.3.1

      N. olfactorius [I]452

    • 9.3.2

      N. opticus [II]453

    • 9.3.3

      N. oculomotorius [III]454

    • 9.3.4

      N. trochlearis [IV]455

    • 9.3.5

      N. trigeminus [V]456

    • 9.3.6

      N. abducens [VI]458

    • 9.3.7

      N. facialis [VII]459

    • 9.3.8

      N. vestibulocochlearis [VIII]461

    • 9.3.9

      N. glossopharyngeus [IX]462

    • 9.3.10

      N. vagus [X]464

    • 9.3.11

      N. accessorius [XI]465

    • 9.3.12

      N. hypoglossus [XII]467

  • 9.4

    Auge Michael Scholz467

    • 9.4.1

      Embryologie468

    • 9.4.2

      Schutz- und Hilfsstrukturen des Auges469

    • 9.4.3

      Augenhöhle474

    • 9.4.4

      Bulbus oculi481

  • 9.5

    Ohr Friedrich Paulsen485

    • 9.5.1

      Embryologie486

    • 9.5.2

      Äußeres Ohr487

    • 9.5.3

      Mittelohr490

    • 9.5.4

      Innenohr497

  • 9.6

    Nase Friedrich Paulsen500

    • 9.6.1

      Überblick501

    • 9.6.2

      Entwicklung501

    • 9.6.3

      Äußere Nase502

    • 9.6.4

      Nasenhöhlen504

    • 9.6.5

      Nasennebenhöhlen508

    • 9.6.6

      Leitungsbahnen510

  • 9.7

    Mundhöhle, Kauapparat, Zunge, Gaumen, Mundboden, Speicheldrüsen Wolfgang H. Arnold511

    • 9.7.1

      Mundhöhle512

    • 9.7.2

      Kauapparat – Zähne515

    • 9.7.3

      Kauapparat – Kaumuskulatur522

    • 9.7.4

      Kauapparat – Kiefergelenk523

    • 9.7.5

      Zunge526

    • 9.7.6

      Gaumen529

    • 9.7.7

      Mundboden533

    • 9.7.8

      Lymphabflusswege der Mundhöhle535

    • 9.7.9

      Speicheldrüsen536

Klinischer Fall

Epiduralhämatom

Unfall

EinEpiduralblutung/-hämatom 23-jähriger Student ist mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Universität, er trägt keinen Fahrradhelm. An einer Kreuzung, kurz vor Erreichen des Hörsaalgebäudes, wird er von einem Auto erfasst. Er schlägt seitlich mit seinem Kopf auf der Frontscheibe des Autos auf. Nach einer kurzen Bewusstlosigkeit von weniger als 20 Sekunden kommt er zu sich, reagiert auf Ansprache und hat außer Schmerzen am Bein und einem Hämatom an der linken Schläfe keine Beeinträchtigungen – er kann aufstehen, verzichtet auf einen Krankenwagen und entscheidet sich für eine kurze Erholungspause auf einer Bank vor dem Hörsaalgebäude. Innerhalb der nächsten halben Stunde wird er allerdings extrem schläfrig und ist schon bald nicht mehr ansprechbar. Andere Studenten rufen einen Rettungswagen, mit dem er auf dem schnellsten Weg in die nahe liegende Notaufnahme des Uniklinikums gebracht wird.

Diagnostik

In der Notaufnahme flacht die Atmung des Studenten plötzlich stark ab, weshalb eine Notfallintubation vorgenommen werden muss. Die Ärzte veranlassen unverzüglich ein Kopf-CT, auf dem der Radiologe ein linsenförmiges (bikonvexes) Areal intrakraniell in der linken Kopfhälfte erkennt. Anhand des Befundes stellt der Radiologe die Diagnose Epiduralhämatom, Breite ca. 3 cm, mit Mittellinienverlagerung.

Pathogenese

Bei dem Patienten ist es durch den Aufprall auf die Frontscheibe des Autos zu einer Fraktur im Bereich des Pterions gekommen, wodurch die innere, harte Knochenschicht der Schädelkalotte (Lamina vitrea) gebrochen ist und scharfkantige Frakturelemente entstanden sind – die äußere Schädelkalotte hingegen ist nicht frakturiert. Durch die scharfkantigen Knochenfragmente wurde die A. meningea media (zwischen Dura mater und Schädelknochen) verletzt, woraus eine arterielle Blutung resultierte. Durch den Druck der Blutung hat sich die Dura mater in einem umschriebenen Bereich langsam vom Schädelknochen gelöst, was wiederum zu einer intrakraniellen Raumforderung geführt hat – das symptomfreie Intervall, das den Patienten veranlasst hat, auf einen Krankenwagen zu verzichten, ist typisch für diese Art der Verletzung.

Therapie

Der Student wird sofort in den OP gebracht und der Schädel eröffnet (Trepanation). Anschließend „räumt“ der behandelnde Unfallchirurg (Neurochirurg) das Hämatom aus, verschließt die Blutungsquelle und setzt das entfernte Knochenfragment wieder ein. Der Patient bleibt nach der Operation 2 Tage auf der Intensivstation und danach eine Woche zur Beobachtung im Krankenhaus. Nach 2 Wochen haben sich alle zerebralen Ausfallerscheinungen, die durch die Raumforderung entstanden waren, wieder zurückgebildet. Er kann weiter studieren, hat aber beschlossen, von nun an einen Helm beim Radfahren zu tragen.

Der Kopf (Caput)KopfCaput beherbergt Organe mit sehr unterschiedlichen Funktionen. Knöcherne Grundlage ist der Schädel, der das Gehirn und die großen Fernsinnesorgane umschließt:

  • Sehorgan

  • Hörorgan

  • Gleichgewichtsorgan

  • Riechorgan

  • Geschmackssinn

Im Kopf beginnen der Atem- und der Speiseweg. Die Nase und die Nasennebenhöhlen tragen gemeinsam mit dem Mund und Rachen sowie dem Kauapparat maßgeblich zur Formbildung der Gesichtsregion bei. Die Mundhöhle ist darüber hinaus an der Artikulation für Sprache und Gesang beteiligt. Der Kopf sitzt beweglich auf der Halswirbelsäule. Die Grenzen zwischen Kopf und Hals sind der Unterkiefer, der Ohransatz und die Protuberantia occipitalis externa (s. u.) an der Rückseite des Schädels.

Schädel

Lars Bräuer

Kompetenzen

Nach SchädelBearbeitung dieses Lehrbuchkapitels sollten Sie in der Lage sein:

  • die Entwicklung des Schädels und seiner Knochen wiederzugeben

  • die Fontanellen (Verschlusszeiten) und Suturen zu benennen

  • den prinzipiellen Aufbau des Schädels und der Schädelknochen sowie deren Verbindungen miteinander zu schildern

  • den Aufbau von Viscerocranium, Neurocranium, Schädelbasis, Schädelkalotte und Fossae cranii wiederzugeben

  • die Durchtrittsstellen, Foramina, Fissuren, Impressionen der inneren und äußeren Schädelbasis zu benennen

Neuro- und Viscerocranium

Der knöcherne Schädel (Cranium) CraniumSchädelknöchernerbesteht mit Ausnahme der 3 Gehörknöchelchen und dem Unterkiefer aus 22 Einzelknochen, die über Suturen miteinander verbunden sind. Der Unterkiefer (Mandibula) artikuliert mit dem übrigen Schädel im paarigen Kiefergelenk (Articulatio temporomandibularis) und kann damit gegenüber dem Schädel bewegt werden. Embryologisch und funktionell gliedert sich der Schädel in 2 Anteile:
  • Hirnschädel (Neurocranium)NeurocraniumHirnschädel:

    • Schläfenbein (Os temporale), SchläfenbeinOs(-sa)temporalepaarig

    • Hammer (Malleus), HammerMalleusAmboss (Incus) AmbossIncusund Stapes (Steigbügel) StapesSteigbügel= GehörknöchelchenGehörknöchelchen

    • Scheitelbein (Os parietale), paarigScheitelbeinOs(-sa)parietaleStirnbeinOs(-sa)frontale

    • Teile des Stirnbeins (Os frontale), unpaar

    • Keilbein (Os sphenoidale), KeilbeinOs(-sa)sphenoidaleunpaar

    • Siebbein (Os ethmoidale), SiebbeinOs(-sa)ethmoidaleunpaar

    • Hinterhauptsbein (Os occipitale), HinterhauptsbeinOs(-sa)occipitaleunpaar

  • Gesichtsschädel GesichtsschädelViscerocranium(Viscerocranium oder Splanchnocranium)Splanchnocranium:

    • die orbitalen Teile des Stirnbeins (Os frontale), unpaar

    • Jochbein (Os zygomaticum), JochbeinOs(-sa)zygomaticumpaarig

    • Oberkiefer (Maxilla),OberkieferMaxilla paarig

    • Tränenbein (Os lacrimale), TränenbeinOs(-sa)lacrimalepaarig

    • Nasenbein (Os nasale), NasenbeinOs(-sa)nasalepaarig

    • Gaumenbein (Os palatinum), GaumenbeinOs(-sa)palatinumpaarig

    • Pflugscharbein (Vomer), PflugscharbeinVomerunpaar

    • untere Nasenmuschel (Concha nasalis inferior), Nasenmuschel(n)untereConcha nasalis/nasiinferiorpaarig

    • Unterkiefer (Mandibula), UnterkieferMandibulaunpaar

Am Neurocranium Neurocraniumkann man morphologisch das SchädeldachSchädeldachCalvaria (Calvaria) von der SchädelbasisSchädelbasis (Basis cranii) Basiscraniiabgrenzen. Der Hirnschädel dient der Aufnahme und dem Schutz des Gehirns und beinhaltet außerdem Teile des äußeren Ohrs, das Mittelohr und das Innenohr (Kap. 9.1.6).
Das Viscerocranium Viscerocraniumbildet die Grundlage für das Gesicht (Kap. 9.1.5). Zu den oben aufgeführten Knochen müsste genau genommen noch das Zwischenkieferbein (Os incisivum) aufgeführt werden; es verschmilzt allerdings noch in utero mit der Maxilla.

Schädelentwicklung – Embryologie

Desmo- und Chondrocranium
Während der SchädelSchädelEntwicklung funktionell in Neuro- und Viscerocranium unterteilt wird, unterscheidet man embryologisch entsprechend dem Verknöcherungsmodus der einzelnen Knochen ein Desmo- vonDesmocraniumChondrocranium einem Chondrocranium:
  • Bei der desmalen Ossifikation entsteht Knochen direkt aus einer embryonal-bindegewebigen Vorstufe.

  • Im Gegensatz dazu entwickelt sich Knochen bei der chondralen Ossifikation zunächst über den Zwischenschritt eines Knorpelgerüsts, das später durch Differenzierungsprozesse zu Knochen umgebaut und mineralisiert wird.

Das Anlagematerial ist bei beiden Ossifikationsformen allerdings gleich, nämlich das Kopfmesenchym, Kopfmesenchymdas aus dem paraxialen Kopfmesoderm, dem prächordalen Mesoderm, den okzipitalen Somiten und der Neuralleiste kommt. Die Gehörknöchelchen Hammer (Malleus) und Amboss (Incus) entstehen als Fortsetzung des Meckel-Knorpels Meckel-Knorpel(1. Schlundbogen), der Steigbügel (Stapes) aus dem Reichert-Knorpel (Reichert-Knorpel2. Schlundbogen) – damit liegt ein rein chondraler Ossifikationsmodus Ossifikationchondralevor. Ebenfalls rein chondral entstehen die Concha nasalis inferior und das Os ethmoidale (Tab. 9.1). Durch desmale Ossifikation entstehen Maxilla, Os zygomaticum, Os palatinum, Os nasale, Vomer, Os lacrimale, Os frontale und Os parietale (Tab. 9.1). Mischformen beider Ossifikationsmodi findet man beim Os sphenoidale, Os temporale und Os occipitale (Tab. 9.2).
Die Mandibula wird zunächst als knorpelige Fortsetzung des 1. Schlundbogens (Meckel-Knorpel)Meckel-Knorpel angelegt – dieser bildet sich dann allerdings zurück und die Mandibula entsteht bis auf den Proc. condylaris (chondral) durch desmale Ossifikation (Tab. 9.1).

Merke

Der Hauptteil der Schädelbasis entwickelt sich durch chondrale, der Hauptteil des Deck- und Gesichtsschädels durch desmale Ossifikation.

Fontanellen
Zur FontanellenGeburt und auch eine gewisse Zeit danach sind die Deckknochen der Schädelkalotte innerhalb der Suturen durch Bindegewebe voneinander getrennt – diese verknöchern im Laufe des Lebens durch desmale Ossifikation (Kap. 9.1.3). Treffen mehr als 2 Knochenränder aufeinander, sind die Suturen zu Fontanellen (Fonticuli) ausgeweitet und mit Bindegewebe gefüllt (Tab. 9.3, Abb. 9.1). Man unterscheidet 2 unpaare Hauptfontanellen von 2 paarigen, kleineren Fontanellen, die während des Geburtsvorgangs eine geringfügige Verformbarkeit des Schädels erlauben.

Klinik

Störungen des Knochenwachstums werden unter dem Begriff Dysostose Dysostosezusammengefasst. Kommt es zum vorzeitigen Verschluss von Schädelnähten (Kraniosynostose), Kraniosynostoseführt dies häufig zu einem unproportionalen Wachstum des Schädels. Verknöchert z. B. die Sutura coronalis vorzeitig, bildet sich ein Turmschädel (Turricephalus)Turmschädel (Turricephalus)Turmschädel (Turricephalus) oder Spitzschädel (Oxycephalus).Spitzschädel (Oxycephalus)Oxycephalus (Spitzschädel) Schließt sich die Sutura sagittalis oder die Sutura frontalis vorzeitig, resultiert ein Kahnschädel (Scaphocephalus)Kahnschädel (Scaphocephalus)Scaphocephalus (Kahnschädel) bzw. ein Dreiecksschädel (Trigonocephalus).Dreiecksschädel (Trigonocephalus)Trigonocephalus (Dreiecksschädel) Schließen sich die Suturae lambdoidea und coronalis nur auf einer Seite frühzeitig, kommt es zu einem asymmetrischen Schädelwachstum. Der Schädel wirkt dadurch deformiert (Schiefschädel, Plagiocephalus).Schiefschädel (Plagiozephalus)Plagiozephalus (Schiefschädel) Verknöchert der Großteil der Schädelnähte zu früh, kann es zum vorzeitigen Wachstumsstillstand mit Ausbildung eines MikrozephalusMikrozephalus, verbunden mit einer Störung des Hirnwachstums und geistiger Retardierung, kommen.

Schädeldach

Zum SchädeldachSchädeldach (Kalotte, Calvaria)CalvariaSchädelkalotte gehören:
  • die beiden Ossa parietaliaOs(-sa)parietale

  • Squama ossis frontalis Squama ossis frontalis

  • Os occipitale Os(-sa) occipitale

  • Pars squamosa des Os temporale

Schichten
Die Knochen des DeckschädelsSchädeldachSchichten weisen eine typische Schichtung von außen nach innen auf:
  • Lamina externa (entspricht der nach außen gerichteten Kompakta)

  • Diploë Diploë(entspricht der Spongiosa)

  • Lamina interna (oder Lamina vitrea, entspricht der nach innen gerichteten Kompakta)

Auf der Außenseite bildet das Periost das Pericranium; Pericraniumder Innenseite des Schädels liegt das periostale Blatt (Stratum periostale)Stratumperiostale der Dura mater (harte Hirnhaut) direkt an. Letzteres ist mit Ausnahme der Bereiche venöser Sinus mit dem meningealen Blatt (Stratum meningeale) der Dura fest verwachsen (Sharpey-Fasern).Sharpey-FasernDura mater Das bedeutet auch, dass unter physiologischen Bedingungen kein Epiduralraum (Raum zwischen Lamina interna und Dura mater) besteht. Im Spinalkanal liegt im Gegensatz dazu zwischen dem Periost der Wirbelkörper und der Dura mater der Epiduralraum, der von Fettgewebe und den vertebralen Venenplexus ausgefüllt ist. Man unterscheidet daher auch zwischen Dura mater encephali und Dura mater spinalis.

Klinik

Bei einem Schädel-Hirn-Trauma kann eine meningeale Arterie (meist die A. meningea media) rupturieren, wodurch eine Blutung zwischen Lamina interna des Schädels und Dura mater entsteht (Epiduralblutung).Epiduralblutung/-hämatom Der Patient hat dabei oft weder äußere Verletzungen am Kopf noch Beschwerden in der ersten halben Stunde nach dem Trauma (symptomfreies Intervall, s. Klinikfall). Die arterielle Blutung löst aber in der Folge die Dura vom Schädelknochen ab und das epidurale Hämatom verlagert Teile des Gehirns, des Hirnstamms und Hirnnerven und führt damit zur Zunahme des intrakraniellen Drucks (Hirndrucksymptomatik). HirndrucksymptomatikEpiduralblutung/-hämatomGravierende Ausfallerscheinungen können die Folge sein. Ohne schnelle Therapie (Verschluss der Blutungsquelle und Beseitigen des Hämatoms) stirbt der Patient meistens nach kurzer Zeit an den Folgen.

Bei lokaler Gewalteinwirkung auf kleinem Raum (z. B. Schlag mit einem spitzen Gegenstand) kommt es meist zu einer Impressionsfraktur ImpressionsfrakturSchädelSchädelImpressionsfrakturder platten Knochen. Oft splittert sogar nur die Lamina interna. Es kann zu Verletzungen der Meningen und des Gehirns kommen. Trifft die einwirkende Gewalt einen größeren Bereich des Schädels, entstehen meistSchädelBerstungsfrakturenBerstungsfrakturenSchädel Berstungsfrakturen (z. B. nach Sturz auf den Kopf).

Suturen
Die Knochen des Schädels sind über SuturenSuturen (Schädelnähte, bindegewebige Nahtstellen, gehören zu den Syndesmosen, unechte Gelenke) miteinander verwachsen, die am knöchernen (mazerierten) Schädel im Bereich des Schädeldachs besonders gut zu erkennen sind (Abb. 9.2, auch Abb. 9.9). In der Medianlinie, in der die beiden Scheitelbeinanteile miteinander verbunden sind, verläuft die PfeilnahtPfeilnaht (Sutura sagittalis),Sutura(-ae)sagittalis die frontal senkrecht mit derKranznaht Kranznaht (Sutura coronalis)Sutura(-ae)coronalis und okzipital mit derLambdanaht Lambdanaht (Sutura lambdoidea)Sutura(-ae)lambdoidea verbunden ist. Die Kontaktpunkte zwischen der Kranznaht und der Pfeilnaht bezeichnet man als Bregma, die zwischen Pfeilnaht und Lambdanaht als Lambda (Abb. 9.2). Eine anatomische Variante ist das InkabeinInkabein (Inkaknochen, Os incae, Os interparietale). Os(-sa)interparietaleOs(-sa)incaeDabei handelt es sich um einen akzessorischen Knochen (Schaltknochen) im Bereich der Lambdanaht, der klinisch keine Relevanz hat, in der radiologischen Befundung aber als Variante bekannt sein sollte. Bei vielen Wirbeltieren kommt das Os interparietale regelmäßig vor. Die SchuppennahtSchuppennaht (Sutura squamosa)Sutura(-ae)squamosa verbindet bogenförmig die beiden Ossa temporalia mit den Ossa parietalia. Die Suturen des Schädels verknöchern zu unterschiedlichen Zeitpunkten erst weit nach der Geburt (Tab. 9.4).

Klinik

Als Hydrozephalus (Wasserkopf) Hydrozephalus (Wasserkopf)wird eine pathologische Vergrößerung der Hirnventrikel und/oder des Liquorraums bezeichnet. Es gibt verschiedene Formen des Hydrozephalus, die nach Lokalisation und Ursache eingeteilt werden. Diese können sowohl angeboren (z. B. Monosomie 4p, Fehlbildungen des knöchernen Schädels, Mikrozephalus) als auch erworben sein (z. B. Meningitis, Hirntumoren, Traumata). Kommt es zum Hydrozephalus beim Neugeborenen oder Kleinkind, führt dies meist zu einer ballonartigen Auftreibung des Schädels mit unterschiedlichen Symptomen, da sich das Schädelwachstum dem Wachstum des Gehirns anpasst. Ein Hydrozephalus kann sich etwa bis zum 10. Lebensjahr ausbilden, danach öffnen sich die Suturen nicht mehr und der Betroffene zeigt eine HirndrucksymptomatikHirndrucksymptomatikHydrozephalus.

Sulci, Foveolae
Betrachtet man das Innenrelief der Schädelkalotte, fallen (neben den Suturen) Impressionen der Meningealarterien auf, Sulci arteriosi, Sulcus(-i)arteriosidie durch den Arterienpuls der Aa. meningeae entstehen. Auch der venöse Sinus sagittalis superior hinterlässt median auf der Innenseite der Schädelkalotte eine breite Vertiefung (Sulcus sinus sagittalis superioris). Weit vorne ist er zu einem Kamm aufgeworfen (Crista frontalis), der als Anheftungsstelle der Falx cerebri Falxcerebri(eine Duraduplikatur, die beide Hirnhälften trennt) fungiert. Lateral des Sulcus sinus sagittalis superioris befinden sich unregelmäßig, aber über die gesamte Strecke des Sulcus verteilt, kleine Vertiefungen (Foveolae granulares).Foveolaegranulares (Pacchioni) In diesen Grübchen befinden sich beim Lebenden die Granulationes arachnoideae (Pacchioni-Granulationen),Granulationes arachnoideae (Pacchioni-Granulationen)Pacchioni-Granulationen (Granulationes arachnoideae) über die das HirnwasserHirnwasser (Liquor cerebrospinalis)Liquor cerebrospinalis zurückresorbiert wird. An einigen Stellen sieht man Öffnungen, die alle 3 Schichten der Kalotte durchdringen und auf der Oberfläche des Schädels wiedergefunden werden können. Dabei handelt es sich um Durchtrittsstellen für Emissarien (EmissarvenenEmissarvenen, Vv. emissariae), Vena(-ae)emissariaevenöse Kurzschlussverbindungen zwischen den oberflächlichen Schädelvenen, den Diploëvenen und den blutleitenden Sinus des Gehirns.

Schädelbasis

An der Schädelbasis (Basis cranii) Schädelbasiskann eine innere (Basis cranii interna) von einer äußeren (Basis cranii externa) Fläche unterschieden werden. Innere und äußere Schädelbasis sind durch eine Vielzahl von Durchtrittsstellen, Fissuren und Aperturen unterbrochen, durch die Leitungsbahnen hindurchtreten. Ein großer Teil der Knochen der Schädelbasis ist pneumatisiert (mit Luft gefüllt), wodurch das Gewicht des Schädels reduziert wird.
Innere Schädelbasis
Die Innenfläche der SchädelbasisSchädelbasisinnere (Basis cranii internaBasiscraniiinterna, Abb. 9.3) unterteilt man in 3 voneinander abgrenzbare Bereiche, die zusammen die Grundlage der Schädelbasis sind und als Auflagefläche für das Gehirn dienen:
  • die vordere SchädelgrubeSchädelgrubeSchädelgrubevordere (Fossa cranii anterior)Fossacraniianterior

  • die mittlere SchädelgrubeSchädelgrubemittlere (Fossa cranii media)Fossacraniimedia

  • die hintere SchädelgrubeSchädelgrubehintere (Fossa cranii posterior)Fossacraniiposterior

Fossa cranii anterior
Die vordere SchädelgrubeSchädelgrubevordere (Fossa cranii anterior)Fossacraniianterior ist aus folgenden Knochen aufgebaut:
  • Os frontale Os(-sa)frontale(Partes orbitales), bildet die vorderen und seitlichen Anteile

  • Os ethmoidale Os(-sa)ethmoidale(Lamina cribrosa), bildet den Boden der vorderen Schädelgrube

  • Os sphenoidale Os(-sa)sphenoidale(Rostrum, Jugum und Alae minores), bildet die Grenze zur mittleren Schädelbasis

Der Oberfläche der vorderen Schädelgrube liegt der Frontallappen des Gehirns auf, der entsprechende Impressiones gyrorum in den dünnen Knochenlamellen hinterlässt. Im vorderen Anteil befindet sich medial die Lamina cribrosa des Os ethmoidale, durch deren Foramina die Fila olfactoriaFilum(-a)olfactoria des N. olfactorius [I]Nervus(-i)olfactorius [I] hindurchziehen, um mit dem Bulbus des gleichnamigen Hirnnervs in Verbindung zu treten (Abb. 9.4, Tab. 9.5). Zwischen rechter und linker Lamina cribrosa erhebt sich ein kammförmigen Knochenvorsprung (Crista galli), der als Anheftungsstelle für die Falx cerebri (eine bindegewebige Duraduplikatur, die beide Großhirnhemisphären trennt) dient. Am rostralen Ende der Crista galliCrista(-ae)galli, direkt an deren Übergang zur Crista frontalis, liegt das Foramen caecum, das beim Kind eine Emissarvene zur Verbindung mit der Nasenhöhle beherbergt (beim Erwachsenen ist dieses Loch verschlossen).

Merke

Die vordere Schädelgrube bildet das Dach der Nasen- (Cavitas nasi) und der Augenhöhle (Orbita).

Fossa cranii media
Die mittlere SchädelgrubeSchädelgrubemittlere (Fossa cranii media)Fossacraniimedia wird von folgenden Knochen gebildet:
  • Os sphenoidale Os(-sa)sphenoidale(Alae majores), bildet den vorderen Teil des Bodens

  • Os temporale Os(-sa)temporale(Pars squamosa),Parssquamosa(Os temporale) bildet zusammen mit den Alae majores den Boden im mittleren Teil

  • Os temporale (Facies anterior der Pars petrosa),Parspetrosa(Os temporale) bildet die Grenze zur hinteren Schädelgrube

Das Corpus ossis sphenoidalis mit der Sella turcica Sella turcicateilt die Fossa cranii media in 2 Hälften. In diesem Bereich liegen die Fossa hypophysialis, die die Hypophysis cerebri (Hirnanhangsdrüse) beinhaltet, das Dorsum sellae mit den Procc. clinoidei posteriores sowie davor am Tuberculum sellae der Sulcus prechiasmaticusSulcus(-i)prechiasmaticus (Chiasma opticum) und die Procc. clinoidei anteriores. Außerdem befinden sich hier mehrere Öffnungen (Abb. 9.3):
  • Canalis opticus (N. opticus und A. ophthalmica)Canalis(-es)opticus

  • Fissura orbitalis superiorFissura(-ae)orbitalissuperior (Nn. oculomotorius [III], trochlearis [IV], ophthalmicus [V/1], lacrimalis, frontalis, nasociliaris und abducens [VI] sowie V. ophthalmica)

  • Foramen rotundum (N. maxillaris [V/2])Foramen(-ina)rotundum

  • Foramen ovale (N. mandibularis [V/3])Foramen(-ina)ovale

  • Foramen spinosumForamen(-ina)spinosum (R. meningeus des N. mandibularis [V/3] und A. meningea media)

Medial des Foramen ovale liegt das Foramen lacerum, das in vivo bindegewebig verschlossen ist, aber von verschiedenen Strukturen durchzogen wird (Abb. 9.4):
  • N. petrosus major Nervus(-i) petrosus major

  • A. canalis pterygoidei Arteria(-ae) canalis pterygoidei

  • R. meningeus (aus der A. pharyngea ascendens)Ramus(-i)meningeus anterior(A. pharyngea ascendens)

Oberhalb des Foramen lacerum an der Sella turcica befindet sich der Sulcus caroticus,Sulcus(-i)caroticus in dem die A. carotis interna verläuft. Auf der medialen Facies anterior der Pars petrosa des Os temporale befinden sich die Durchtrittsstellen des N. petrosus major (Hiatus canalis nervi petrosi majoris)Hiatuscanalis nervi petrosimajoris sowie des N. petrosus minor (Hiatus canalis nervi petrosi minoris). Mit dem N. petrosus minor zieht die A. tympanica superior (aus A. meningea media) durch den Hiatus canalis nervi petrosi minoris. Der N. petrosus major verlässt die mittlere Schädelgrube über das Foramen lacerum; der N. petrosus minorNervus(-i)petrosusminor tritt variabel durch Fissura sphenopetrosa, Foramen lacerum oder gelegentlich Foramen ovale.

Merke

Die mittlere Schädelgrube bildet die knöcherne Grundlage für die beiden Temporallappen des Gehirns und für die Hypophyse.

Fossa cranii posterior
Die hintere SchädelgrubeSchädelgrubehintere (Fossa cranii posterior)Fossacraniiposterior wird von folgenden Knochen gebildet:
  • Os sphenoidale Os(-sa)sphenoidale(sphenoidaler Anteil des Clivus), bildet den vorderen Teil

  • Os temporaleOs(-sa)temporale (Facies posterior der Pars petrosa), bildet die anterolaterale Grenze zur mittleren Schädelgrube

  • Os occipitale Os(-sa)occipitale(Partes basilaris und lateralis), bildet den Boden

Das Foramen magnum Foramen(-ina)magnumals größte Durchtrittsstelle des Schädels stellt die Verbindung zum Wirbelkanal (Canalis vertebralis) dar. An seinem Rand in unmittelbarer Nähe zu den Condyli occipitales Condylusoccipitalisbefindet sich der Canalis nervi hypoglossi. Rostral erhebt sich der Clivus Clivusbis zum Dorsum sellae des Os sphenoidale. Okzipital zieht die Crista occipitalis interna zur Protuberantia occipitalis interna. Hinter dem Foramen magnum begrenzen lateral der Sulcus sinus sigmoidei und der Sulcus sinus transversi die Fossa cerebellaris. Die Fossa cranii posterior beinhaltet außer dem Foramen magnum noch weitere Durchtrittsstellen (Abb. 9.3, Abb. 9.4):
  • Foramen magnum – Medulla oblongata, Radix spinalis des N. accessorius [XI], Aa. vertebrales, A. spinalis anterior, Aa. spinales posteriores, Hirnhäute und venöse Verbindungen zwischen Plexus basilaris und vertebralis internus

  • Canalis nervi hypoglossi Canalis(-es)nervihypoglossi– N. hypoglossus [XII]

  • Foramen jugulareForamen(-ina)jugulareNn. glossopharyngeus [IX], vagus [X], accessorius [XI], A. meningea posterior, V. jugularis interna

  • Porus acusticus internusPorus acusticusinternusNn. facialis, intermedius, vestibulocochlearis, A. und V. labyrinthi

Merke

Die knöchernen Anteile der hinteren Schädelgrube bilden den Boden für das Kleinhirn (Cerebellum), die Brücke (Pons) und das verlängerte Mark (Medulla oblongata).

Äußere Schädelbasis
Ähnlich wie die innere Schädelbasis wird auch die äußere SchädelbasisSchädelbasisäußere (Basis cranii externaBasiscraniiexterna, Abb. 9.5) in einen vorderen, mittleren und hinteren Abschnitt unterteilt.
Vorderer Abschnitt
Die Kontaktstelle zwischen Os incisivum und Maxilla entspricht der Fossa incisiva mit dem rostral liegenden Foramen incisivum und dem Canalis incisivus. Durch dieses tritt der N. nasopalatinus (N. maxillaris [V/2]) hindurch (Abb. 9.6, Tab. 9.6). An der Kontaktstelle zwischen Maxilla und Os palatinum liegen das Foramen palatinum majus sowie die Foramina palatina minora, durch die der N. palatinus major und die A. palatina major bzw. die Nn. palatini minores und Aa. palatini minores hindurchziehen. Der harte Gaumen (Palatum durum) endet dorsal an den Choanen, die den Eintritt in die Nasenhöhle markieren.

Merke

Genau genommen zählt der vordere Abschnitt der äußeren Schädelbasis zum Viscerocranium und bildet den Boden der Nasenhöhle sowie den harten Gaumen (Proc. palatinus der Maxilla, Os incisivum und Lamina horizontalis des Os palatinum) und damit das Dach der Mundhöhle.

Mittlerer Abschnitt
Der mittlere Abschnitt wird hauptsächlich vom Os sphenoidale sowie von der Unterfläche des Os temporale gebildet. Prominente Strukturen sind der zum Os sphenoidale gehörende Proc. pterygoideus und die Fossa pterygoidea. Lateral oberhalb des Proc. pterygoideus liegt die Fossa pterygopalatinaFossapterygopalatina (Flügelgaumengrube)Flügelgaumengrube, die eines der parasympathischen Kopfganglien aufnimmt (Ganglion pterygopalatinum). Auch der mittlere Abschnitt bietet Durchtrittsstellen für mehrere Strukturen. Im Folgenden werden nur Strukturen und Durchtrittsstellen genannt, die sich von der Basis cranii interna unterscheiden (Abb. 9.5, Abb. 9.6):
  • Fissura orbitalis inferiorFissura(-ae)orbitalisinferiorNn. infraorbitalis und zygomaticus [V/2], A. infraorbitalis, V. ophthalmica inferior

  • Canalis pterygoideusCanalis(-es)pterygoideus (Vidianus-Kanal)N. canalis pterygoideiVidianus-Kanal (Canalis pterygoideus)

  • Fissura sphenopetrosaFissura(-ae)sphenopetrosaChorda tympani, A. tympanica major (von einigen Autoren wird die Ansicht vertreten, dass die Chorda tympani und die A. tympanica major durch die Fissura petrotympanica [Glaser-Spalte]Fissura(-ae)petrotympanica (Glaser-Spalte)Glaser-Spalte (Fissura petrotympanica) verlaufen)

  • Canaliculus mastoideusCanaliculus(-i)mastoideusR. auricularis des N. vagus [X]

  • Canaliculus tympanicusCanaliculus(-i)tympanicusN. tympanicus [aus IX]

  • Foramen stylomastoideumForamen(-ina)stylomastoideumN. facialis [VII], A. stylomastoidea

  • Canalis musculotubariusCanalis(-es)musculotubariusM. tensor tympani, Tuba auditiva

Lateral und zur Unterfläche des Os temporale gehörend befinden sich die Basis der Pars petrosa, der Proc. mastoideus (Warzenfortsatz) sowie der Proc. styloideus (Griffelfortsatz); außerdem liegen seitlich davon die Pars squamosa und die Pars tympanica.
Medial vom Proc. styloideus befinden sich das Foramen jugulare und das Foramen stylomastoideum. Rostral und damit vor dem Proc. mastoideus öffnet sich der Porus acusticus externusPorus acusticusexternus (Öffnung des knöchernen Anteils des äußeren Gehörgangs) und davor liegt die Fossa mandibularis, die den Gelenkkopf der Mandibula aufnimmt und nach vorn durch das Tuberculum articulare begrenzt ist.
Hinterer Abschnitt
Den Hauptteil des hinteren Abschnitts bildet das Os occipitale mit der Pars basilaris und den beiden Partes laterales; nach hinten erstreckt er sich über die Squama occipitalis bis hin zur Protuberantia occipitalis externa (Inion). Das Os occipitale ist vom Foramen magnum durchbrochen, das auf beiden Seiten von den Condyli occipitales flankiert wird. Durch diese verläuft jeweils der Canalis condylaris, durch den die V. emissaria condylaris Vena(-ae)emissaria condylariszieht. Hinter dem Proc. mastoideus liegt das Foramen mastoideum, durch das ebenfalls eine Emissarvene zieht (V. emissaria mastoidea).

Klinik

Durch Gewalteinwirkung auf den Schädel (vor allem plötzliche, dumpfe Gewalt wie bei einem Verkehrsunfall) können Knochen der Schädelbasis frakturieren. Dabei kann sowohl die vordere, mittlere oder hintere Schädelgrube betroffen sein. Schwächste Punkte sind dabei die zahlreichen Öffnungen im mittleren Bereich der Schädelbasis. Durch sie verlaufen dann die Frakturlinien bei einer Schädelbasisfraktur.Schädelbasisfraktur Nicht selten werden dabei die durchtretenden Strukturen verletzt, wodurch es zur Blutung und/oder zum Austritt von Liquor cerebrospinalis (Liquorrhö)LiquorrhöSchädelbasisfraktur aus der Nase oder dem äußeren Gehörgang und zu Nervenausfällen kommen kann.

Einzelknochen des Viscerocraniums

Mandibula
Die unpaare Mandibula (Unterkiefer),GesichtsschädelKnochen ViscerocraniumKnochenMandibulaUnterkieferder größte Knochen des Gesichtsschädels, besteht aus 1 Corpus und 2 Rami, die am Angulus mandibulae ineinander übergehen. Mit Ausnahme der Gehörknöchelchen ist die Mandibula der einzige bewegliche Knochen am Schädel. Beide Rami mandibulae besitzen einen Proc. coronoideus und an seinem freien Ende einen Proc. condylaris, der über sein Caput mandibulae mit der Fossa mandibularis des Os temporale artikuliert und so das KiefergelenkKiefergelenk (Articulatio temporomandibularis, s. u.)Articulatio(-nes)temporomandibularis bildet. Der Corpus besteht aus einer Basis und einer Pars alveolaris, die zugleich die Zähne des Unterkiefers trägt (Abb. 9.7). Pars alveolaris und Basis sind voneinander durch die Linea obliqua getrennt, die nach rostral vom Proc. coronoideus absteigt. Die Einbuchtung zwischen Proc. condylaris und Proc. coronoideus wird als Incisura mandibulae bezeichnet. Der am weitesten rostral gelegene Punkt der Mandibula ist die Protuberantia mentalis,Protuberantia mentalis der sich auf beiden Seiten lateral die Tubercula mentalia (Kinnhöcker) anschließen und dem Kinn seine charakteristische Form geben. Zwischen der Pars alveolaris und den Tubercula mentalia liegen die paarigen Foramina mentalia,Foramen(-ina)mentalia durch die jeweils der N. mentalis [V/3] hindurchtritt und große Teile des Unterkiefers sensibel innerviert.

Klinik

Wird bei Zahnverlust Zahnverlustbleibender Zähne kein Zahnersatz geschaffen, bildet sich die Pars alveolaris mandibulae im Bereich der fehlenden Zähne zurück. Dieser Abbau schreitet unbehandelt so weit voran, dass das Foramen mentale direkt auf dem Oberrand des Unterkiefers zu liegen kommt. Schmerzen, Neuralgien und Sensibilitätsstörungen im Versorgungsgebiet des N. mentalis können die Folge sein und betroffene Personen sehr stark beeinträchtigen und die Nahrungsaufnahme erschweren. Die Anpassung einer Zahnprothese ist in diesen Fällen sehr schwierig und gelingt meist erst nach rekonstruktivem Knochenaufbau.

Auf der Innenseite des Ramus mandibulae befindet sich das paarige Foramen mandibulae, das in den Canalis mandibulaeCanalis(-es)mandibulae führt. Durch den knöchernen Kanal verläuft der N. alveolaris inferior [aus V/3],Nervus(-i)alveolaris inferior der sensible Äste zur Innervation der Zähne des Unterkiefers abgibt. Vor dem Foramen mandibulae befindet sich die Lingula mandibulae,Lingulamandibulae die dem Lig. sphenomandibulare als Ansatz dient und eine zahnmedizinische Leitstruktur für Leitungsanästhesien darstellt. Am Foramen mandibulae entspringt der nach rostral verlaufende Sulcus mylohyoideus. Sulcus(-i)mylohyoideusWeiter rostral verläuft stufenförmig die Linea mylohyoidea, die dem M. mylohyoideus als Ansatz dient und der Ebene des Mundbodens entspricht. Bei 10–15 % aller Mandibulae findet man in der Fossa retromolaris unmittelbar hinter dem letzten Molaren (Dens serotinus, Weisheitszahn) ein Foramen retromolare, Foramen(-ina)retromolaredas über einen eigenen Kanal (Canalis retromolaris) mit dem Canalis mandibulae in Verbindung steht. Durch das Foramen, das überwiegend unilateral auftritt, verlaufen variable Äste des N. alveolaris inferior und der A. alveolaris inferior. Die Kenntnis über diese Variante ist bei Zahnoperationen und auch Leitungsanästhesien in diesem Bereich von Bedeutung.

Merke

Die Articulatio temporomandibularis wird auch als sekundäres Kiefergelenk Kiefergelenkprimäres/sekundäresbezeichnet. Evolutionär wird das Gelenk zwischen dem 1. und 2. Gehörknöchelchen (Hammer und Amboss) als primäres Kiefergelenk bezeichnet. Dieses geht aus dem 1. Schlundbogen hervor.

Klinik

Die zweithäufigste Fraktur des Gesichtsschädels ist die MandibulafrakturMandibulafraktur. Aufgrund der exponierten Lage und der U-Form ist der Unterkiefer häufig von Frakturen betroffen; insbesondere im Bereich des Mentums (Schneidezähne) und des Corpus (3. Molar). Frakturbedingte Verletzungen von Blutgefäßen (häufig A. alveolaris inferior) führen zu kleinflächigen, fleckförmigen Einblutungen im Bereich des Mundbodens (Ekchymosen), die für eine Fraktur charakteristisch sind. Am häufigsten ist das Os nasale von Frakturen betroffen.

Maxilla
Die paarige Maxilla (Oberkieferknochen) MaxillaOberkieferknochenverbindet sich über die Sutura palatina mediana zum Oberkiefer (Abb. 9.8), der mit jedem anderen Knochen des Viscerocraniums in Verbindung steht (Ausnahme: Mandibula). Der Oberkieferknochen ist wie eine Pyramide geformt, bildet einen Teil des Orbitabodens und beinhaltet als Os pneumaticum den Sinus maxillaris (Kieferhöhle). SinusmaxillarisKieferhöhleEs lassen sich 4 Flächen (Facies orbitalis, anterior, nasalis und infratemporalis) und 4 Fortsätze (Procc. frontalis, zygomaticus, palatinus et alveolaris) voneinander abgrenzen. Innerhalb der Facies orbitalis verläuft der Sulcus infraorbitalis, der zum Canalis infraorbitalis und schließlich zum Foramen infraorbitale konvergiert, das seine Austrittsöffnung (für N. und A. infraorbitalis) unmittelbar unterhalb des knöchernen Orbitaunterrandes hat. Die Facies nasalis ist formgebend für die seitliche Nasenwand und wird vom Hiatus maxillaris durchbrochen. Der Proc. alveolaris trägt, vergleichbar zur Mandibula, die Zähne des Oberkiefers. Oberhalb des Proc. alveolaris befindet sich die Crista zygomaticoalveolaris, die eine Grenze zum Proc. zygomaticus darstellt. Die vorderen 2 Drittel des harten Gaumens werden vom Proc. palatinus der Maxilla gebildet. Über die Sutura frontomaxillaris ist der Proc. frontalis der Maxilla mit dem Os frontale verbunden, die Sutura zygomaticomaxillaris stellt entsprechend die Verbindung zum Os zygomaticum her. Das Os incisivumZwischenkieferbein (Os incisivum, Goethe-Knochen)Goethe-Knochen (Os incisivum, Zwischenkieferbein) ist ein eigenständiger Knochen innerhalb der Maxilla, der im Bereich der Schneidezähne mit ihr (bereits in utero) verwachsen ist und das Foramen incisivumForamen(-ina)incisivumCanalis(-es)incisivus sowie den Canalis incisivus bildet.

Klinik

Zentrale MittelgesichtsfrakturenMittelgesichtsfrakturenzentrale schließen immer die Maxilla mit ein. Sie werden nach LEFORT unterteilt:

  • LEFORT I: horizontale Absprengung des Proc. alveolaris maxillae vom Nasenboden

  • LEFORT II: pyramidenförmige Absprengung (auch Pyramidalfraktur) der Maxilla entlang der Sutura frontomaxillaris, mit Beteiligung der Ossa nasalia, der infraorbitalen Ränder und der beiden Orbitaböden

  • LEFORT III: vollständiger Abriss des Mittelgesichts von der Schädelbasis, die zusätzlich zu LEFORT II noch die Ossa zygomatica einschließt. Bei dieser Form kommt es häufig zum Austritt von Liquor cerebrospinalis (Liquorrhö), zu akuter Atemnot (Dyspnoe) und zum Abriss der Fila olfactoria (Anosmie).

LEFORT-FrakturenLeFort-Frakturen treten typischerweise als Folge von Verkehrsunfällen oder starker, stumpfer Gewalteinwirkung (Fußtritte) auf.

Os palatinum
Das paarige L-förmige Os palatinum (Gaumenbein) Os(-sa)palatinumGaumenbeinbildet über seine Lamina horizontalis das hintere Drittel des harten Gaumens und ist über die Sutura palatina transversa mit dem Proc. palatinus maxillae (Maxilla) verbunden (Abb. 9.8). Das Gaumenbein besteht ferner aus einer Lamina perpendicularis mit einem Proc. sphenoidalis und einem Proc. orbitalis, über die das Os palatinum mit dem Os sphenoidale in Verbindung steht. Es ist in diesem Bereich durch die Incisura sphenopalatina unterbrochen, die gleichzeitig an der Bildung des Foramen sphenopalatinum beteiligt ist (Durchtritt von N. nasopalatinus, A. sphenopalatina). Auf ihrer kranialen Seite bildet die Lamina horizontalis über die Facies nasalis den Boden der Nasenhöhle sowie mit der Facies palatina das knöcherne Dach der Mundhöhle.
Os zygomaticum
Das aus 3 Fortsätzen und 3 Oberflächen bestehende paarigeOs(-sa)zygomaticumJochbein Os zygomaticum (Jochbein) ist maßgeblich für die Kontur der Wange verantwortlich (Abb. 9.9). Es steht über
  • den Proc. maxillaris mit der Maxilla (Sutura zygomaticomaxillaris),Sutura(-ae)zygomaticomaxillaris

  • über den Proc. frontalis mit dem Os frontale (Sutura zygomaticofrontalis)Sutura(-ae)zygomaticofrontalis und

  • über den Proc. temporalis mit dem Os temporale (Sutura zygomaticotemporalis)Sutura(-ae)zygomaticotemporalis

in Verbindung. Seine Facies orbitalis bildet einen Teil des Orbitabodens, die Facies temporalis ist vom Foramen zygomaticotemporale (R. zygomaticotemporalis) und die Facies lateralis vom Foramen zygomaticofaciale (R. zygomaticofacialis) durchbrochen. Der Proc. temporalis bildet zusammen mit dem Proc. zygomaticus des Os temporale den Arcus zygomaticusArcuszygomaticus (Jochbogen).Jochbogen

Merke

Os zygomaticum, Os palatinum, Maxilla und Mandibula bilden gemeinsam mit dem Os hyoideum, das nicht zum Schädel gehört, das KieferskelettKieferskelett.

Os lacrimale
Das paarige Os lacrimale (Tränenbein) Os(-sa)lacrimaleTränenbeinist der kleinste Einzelknochen des Viscerocraniums und zu einem kleinen Anteil am Aufbau der Orbita beteiligt (Abb. 9.7). Sein medialer Teil bildet den Sulcus lacrimalisSulcus(-i)lacrimalis (für den Ductus nasolacrimalis), der sich nach kranial zur Fossa sacci lacrimalis Fossasacci lacrimalis(für die Aufnahme des Saccus lacrimalis) fortsetzt. Der Hinterrand der Fossa sacci lacrimalis setzt sich in die Crista lacrimalis posteriorCrista(-ae)lacrimalis posterior und nach unten in den Hamulus lacrimalisHamuluslacrimalis fort.
Concha nasalis inferior
Die paarige Concha nasalis inferior (untere Nasenmuschel)Concha nasalis/nasiinferior Nasenmuschel(n)untereist ein eigenständiger Knochen und befindet sich unterhalb der Concha nasalis media des Os ethmoidale. Er ist an der lateralen Nasenwand mit dem Os palatinum und über den Proc. maxillaris mit der Maxilla verbunden. Unterhalb der Concha nasalis inferior befindet sich der untere Nasengang (Meatus nasi inferior), in den sich der Canalis nasolacrimalisCanalis(-es)nasolacrimalis öffnet.
Vomer
Das unpaare Vomer (Pflugscharbein)VomerPflugscharbein hat die Form eines klassischen Pflugs (Abb. 9.8). Es bildet den unteren und zugleich auch größten Teil des knöchernen Nasenseptums und steht oben mit der Lamina perpendicularis des Os ethmoidale sowie hinten mit dem Os sphenoidale in Verbindung. An seiner Außenseite verläuft der Sulcus vomeris, an dem der knorpelige Anteil des Nasenseptums verankert ist. Darüber hinaus bildet es die mediale Wand einer jeden Choane.
Os ethmoidale
Das unpaare Os ethmoidale (Siebbein) Os(-sa)ethmoidaleSiebbeinist ein unregelmäßiger, gekammerter Knochen, der zu den Ossa pneumatica gehört (Abb. 9.8). Es ist Bestandteil der Nasenhöhle und beinhaltet die vorderen und hinteren Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales anteriores und posteriores). CellulaeethmoidalesanterioresCellulaeethmoidalesposterioresSein kranialer Teil, die Lamina cribrosa,Lamina(-ae)cribrosa (Os ethmoidale) ist rechts und links von einer Vielzahl an Löchern (Foramina cribrosa) durchsetzt (wie ein Sieb), die den Durchtritt der Fila olfactoria (N. olfactorius [I]) aus der vorderen Schädelgrube in das Dach der Nasenhöhle ermöglichen. In der Mittellinie der Lamina cribrosa ragt die Crista galli Crista(-ae)galli(wie ein Hahnenkamm) in die Fossa cranii anterior und teilt die Lamina cribrosa in 2 Hälften.
Os nasale
Das paarige Os nasale (Nasenbein) Os(-sa)nasaleNasenbeinsteht seitlich mit der Maxilla und über die Sutura frontonasalis mit dem Os frontale in Verbindung (Abb. 9.8). Die beiden Ossa nasalia sind in der Mittellinie über die Sutura internasalis verbunden. Das Os nasale bildet nur einen kleinen Anteil des Nasengerüsts.

Klinik

Frakturen des Nasenbeins NasenbeinFrakturengehören zu den Nasengerüstfrakturen. NasengerüstfrakturenSie sind die häufigsten Frakturen des Gesichtsschädels. Typischerweise treten Nasengerüstfrakturen bei Kampfsportarten, Rohheitsdelikten oder Verkehrsunfällen auf.

Merke

Das Nasenskelett ist die knöcherne Grundlage der Nase und bildet gemeinsam mit den Nasenknorpeln das Nasengerüst. Am Aufbau des Nasenskeletts sind Os nasale, Os ethmoidale, Concha nasalis inferior, Vomer, Os frontale, Os lacrimale und Maxilla beteiligt.

Augenhöhle
Die AugenhöhleAugenhöhle (Orbita)Orbita ist eine tiefe, pyramidenförmige Grube, deren Spitze nach okzipital gerichtet ist. In der Orbita befinden sich die Durchtrittspforten für Nerven und Gefäße:
  • Dach

    • Incisura frontalis oder Foramen supraorbitale: IncisurafrontalisForamen(-ina)supraorbitaleN. supraorbitalis (N. ophthalmicus [V/1]), R. medialis

  • laterale Wand

    • Fissura orbitalis superior: Fissura(-ae)orbitalissuperiorN. oculomotorius [III], N. trochlearis [IV], N. nasociliaris (N. ophthalmicus [V/1]), N. frontalis (N. ophthalmicus [V/1]), N. lacrimalis (N. ophthalmicus [V/1]), N. abducens [VI], R. orbitalis (A. meningea media), V. ophthalmica superior

    • Fissura orbitalis inferior: Fissura(-ae)orbitalisinferiorN. zygomaticus (N. maxillaris [V/2]), N. infraorbitalis (N. maxillaris [V/2]), A. infraorbitalis (A. maxillaris), V. ophthalmica inferior

    • Foramen zygomaticoorbitale:Foramen(-ina)zygomaticoorbitale N. zygomaticus mit Aufteilung in R. zygomaticotemporalis (N. maxillaris [V/2]) (über Foramen zygomaticotemporale) und R. zygomaticofacialis (N. maxillaris [V/2]) (über Foramen zygomaticofacialis)

  • mediale Wand

    • Canalis nasolacrimalis:Canalis(-es)nasolacrimalis Ductus nasolacrimalis

    • Canalis opticus: Canalis(-es)opticusN. opticus [II], A. ophthalmica

    • Foramen ethmoidale anterius: Foramen(-ina)ethmoidaleanteriusA. ethmoidalis anterior, N. ethmoidalis anterior (N. ophthalmicus [V/1])

    • Foramen ethmoidale posterius: Foramen(-ina)ethmoidaleposteriusA. ethmoidalis posterior, N. ethmoidalis posterior (N. ophthalmicus [V/1])

  • Boden

    • Canalis infraorbitalis und Foramen infraorbitale: Canalis(-es)infraorbitalisForamen(-ina)infraorbitaleN. infraorbitalis (N. maxillaris [V/2]), A. infraorbitalis

  • Knochen der OrbitaOrbitaKnochen

    • Os frontale Os(-sa)frontale(Dach, teilweise)

    • Os zygomaticum (laterale Wand)Os(-sa)zygomaticum

    • Os sphenoidale, Ala major Os(-sa)sphenoidaleAla(-ae)major (Os sphenoidale)(laterale Wand)

    • Os sphenoidale, Ala minorOs(-sa)sphenoidaleAla(-ae)minor (Os sphenoidale) (mediale Wand)

    • Maxilla, Proc. frontalis Maxilla(mediale Wand)

    • Os ethmoidale Os(-sa)ethmoidale(mediale Wand)

    • Os lacrimale Os(-sa)lacrimale(mediale Wand)

    • Os frontale Os(-sa)frontale(mediale Wand)

    • Maxilla (Boden)Maxilla

    • Os zygomaticum (Boden)Os(-sa)zygomaticum

    • Os palatinum (Boden)Os(-sa)palatinum

Klinik

Frakturen des OrbitabodensOrbitabodenfrakturen werden alsBlow-out-Frakturen Blow-out-Frakturen bezeichnet. Sie entstehen durch frontale punktuelle Gewalteinwirkung auf den Bulbus oculi (z. B. Tennisball). Infolge dessen kommt es zur Fraktur des Orbitabodens. Dabei können infraorbitale Strukturen (Mm. recti inferiores et obliquus inferior) im Frakturspalt eingeklemmt oder in ausgeprägten Fällen ganz in den Sinus maxillaris verlagert werden (Orbitalhernie).Orbitalhernie Symptome können Doppelbilder (durch Einschränkung der Bulbusbeweglichkeit), Enophthalmus (Zurückweichen des Bulbus in den Gesichtsschädel) oder eine Blickparese nach oben sein. Ist der im Orbitaboden verlaufende N. infraorbitalis mit betroffen, resultieren Sensibilitätsstörungen im Bereich der Gesichtshaut des Oberkiefers. Die punktuelle Gewalteinwirkung kann aber auch zur Fraktur der Lamina papyracea des Os ethmoidale (mediale Orbitawand, mit Beteiligung der Cellulae ethmoidales) führen.

Einzelknochen des Neurocraniums

Os frontale
Der vordereNeurocraniumKnochen HirnschädelKnochenAnteil des Schädels wird von der Squama frontalis des Os frontale (Stirnbein) Os(-sa)frontaleStirnbeingebildet, das außerdem formgebend für das Dach der Orbita (Abb. 9.7) und den Boden der vorderen Schädelgrube ist (Abb. 9.3). Daher bildet das Os frontale den Übergang zwischen Viscerocranium und Neurocranium. Innerhalb der Squama frontalis liegt oberhalb der Orbita beidseits der paarige Sinus frontalisSinusfrontalisStirnhöhle (Stirnhöhle), der sich wulstartig als Arcus superciliaris (hier sitzen die Augenbrauen) vorwölbt (Abb. 9.8). Der Arcus superciliaris ist bei Männern stärker ausgebildet als bei Frauen. Zwischen den beiden Arcus superciliares liegt die Glabella Glabella(Bereich zwischen den Augenbrauen). In der Ansicht von unten befinden sich unterhalb der Glabella beidseits die Foveolae ethmoidales, die sowohl den Eingang in die Stirnhöhle markieren als auch gleichzeitig Bestandteil des Daches der Siebbeinzellen sind. Die Vorderkante der beiden Orbitadächer wird von den Margines supraorbitales Margo supraorbitalis (Orbita)gebildet, die eine Incisura frontalis oder ein Foramen frontale aufweisen (Durchtritt des N. supraorbitalis). Das Os frontale erstreckt sich bis zur Sutura coronalis Sutura(-ae)coronalisund steht über diese mit dem Os parietale in Verbindung. Kaudal grenzt es an das Os ethmoidale und bildet einen Teil der medialen Orbitawand mit den Foramina ethmoidalia anterius et posterius, die den Durchtritt für die gleichnamigen Gefäße und Nerven ermöglichen. Die Facies orbitalis, die gleichsam das Dach der Orbita bildet, ist temporal zur Fossa glandulae lacrimalis vertieft (Lage der Tränendrüse). Über die Sutura frontosphenoidalis grenzt das Stirnbein an das Keilbein. Innerhalb des Schädels, beginnend am Foramen caecum, verläuft median die Crista frontalis, die sich in den Sulcus sinus sagittalis superioris fortsetzt. Wie bereits beschrieben, erkennt man an der Innenseite der Knochen Sulci arteriosi (Lage der A. meningea anterior) sowie Foveolae granulares (PACCHIONI).Foveolaegranulares (Pacchioni)
Os temporale
Das paarige Os temporale (Schläfenbein) Os(-sa)temporaleSchläfenbeingehört teilweise zum Viscerocranium und teilweise zum Neurocranium (Abb. 9.9). Darüber hinaus ist es an der Bildung des Kiefergelenks (Fossa mandibularis), der Außenwand des Schädels (Abb. 9.8) und der Schädelbasis beteiligt (Abb. 9.3). Über die Fossa mandibularis und das vor ihr liegende Tuberculum articulare artikuliert das Schläfenbein mit dem Unterkiefer in der Articulatio temporomandibularis Articulatio(-nes)temporomandibularis(TemporomandibulargelenkTemporomandibulargelenk, Kiefergelenk, Abb. 9.9).Kiefergelenk Dorsal der Fossa mandibularis befindet sich der Meatus acusticus externus (äußere Gehörgang), Meatusacusticusexternusdem sich der Proc. mastoideus (Warzenfortsatz) WarzenfortsatzProcessusmastoideusanschließt, der beim Erwachsenen mit Luft gefüllt ist (Cellulae mastoideae). CellulaemastoideaeDas Os temporale gliedert sich in:
  • Pars petrosa (Felsenbein, Felsenbeinpyramide): Parspetrosa(Os temporale)FelsenbeinFelsenbeinpyramideSie grenzt hinten an die Ossa parietale und occipitale, ihre zentrale äußere Öffnung ist der Meatus acusticus externus. Hinten und unten schließt sich der Proc. mastoideus an. Die Pars petrosa beherbergt das Mittel- und das Innenohr. Öffnungen/Räume sind zum einen der innere Gehörgang (Meatus acusticus internus) mit Durchtritt von N. facialis [VII], N. intermedius [VII], N. vestibulocochlearis [VIII] und A. labyrinthi und zum anderen das Foramen stylomastoideum mit Durchtritt von N. facialis [VII] und Canalis musculotubarius (Durchtritt der Tuba auditiva [Eustachii] Tubaauditiva [auditoria] (Eustachius-Röhre)Eustachius-Röhre (Tuba auditiva [auditoria])und Lage des M. tensor tympani). Außerdem bildet sie die Apertura externa canalis carotici für die A. carotis interna und zusammen mit dem Trommelfell die seitliche Wand der Paukenhöhle (Cavitas tympani).

  • Pars tympanica: Parstympanica (Os temporale)Sie begrenzt die knöcherne Wand des äußeren Gehörgangs von vorne, unten und hinten, reicht bis zum Trommelfell und liegt ringförmig an den Partes squamosa und petrosa.

  • Pars squamosaParssquamosa(Os temporale) (squama = Schuppe): Sie nimmt den flächenmäßig größten Teil ein und grenzt über die Margo parietalis an das Os parietale. Sie formt den vorderen und oberen Teil der Schläfe. Vorne und oberhalb des Meatus wölbt sich der Proc. zygomaticus vor und zieht als Teil des Jochbogens nach vorn. Über die Sutura occipitomastoidea steht sie mit dem Os occipitale und über die Sutura sphenosquamosa mit dem Os sphenoidale in Verbindung.

Os sphenoidale
Das schmetterlingsförmige unpaare Os sphenoidale (Keilbein)Os(-sa)sphenoidaleKeilbein ist wie das Os frontale und das Os temporale Bestandteil des Neurocraniums und des Viscerocraniums (Abb. 9.3). Es liegt in der Mitte der Schädelbasis, enthält Durchtrittsstellen für zahlreiche Gefäße und Nerven und ist die Schnittstelle zu allen anderen Knochen der Schädelbasis. Das Os sphenoidale artikuliert vorne mit dem Os frontale und zu einem kleinen Teil mit dem Os ethmoidale. Seitlich grenzt es an die beiden Ossa temporalia und hinten steht es mit dem Clivus des Os occipitale in Verbindung. Außerdem ist es am Aufbau der Orbita beteiligt. Zentrum des Keilbeins ist der TürkensattelTürkensattel (Sella turcica, Abb. 9.8)Sella turcica, in dessen Fossa hypophysialis Fossahypophysialisdie gleichnamige Hypophyse (Glandula pituitaria) liegt. Man unterscheidet 2 untere, große Flügel (Alae majores) Ala(-ae)major (Os sphenoidale)Ala(-ae)minor (Os sphenoidale)und 2 obere, kleine Flügel (Alae minores), die vom Corpus sphenoidaleCorpus(-ora)sphenoidale abgehen. Der Keilbeinkörper ist pneumatisiert und beinhaltet die zu den Nasennebenhöhlen zählenden Sinus sphenoidales (Keilbeinhöhlen). Von seinen lateralen Rändern gelangt man durch die Ala minor über den Canalis opticus in die Orbita. Zwischen beiden KeilbeinflügelKeilbeinflügeln führt die Fissura orbitalis superior ebenfalls in die Orbita. Die Alae majores sind auf beiden Seiten von den Foramina rotundum, ovale und spinosum durchbrochen. Kaudal vom Corpus erheben sich auf beiden Seiten die Procc. pterygoidei (Flügelgaumenfortsätze), die man in eine kleinere Lamina medialis und eine größere Lamina lateralis unterteilt.
Os parietale
Das paarige Os parietale (Scheitelbein) Os(-sa)parietaleScheitelbeinbildet den größten Teil des seitlichen Schädels und des Schädeldachs (Abb. 9.9, Abb. 9.10). Es ist gewölbt und besitzt 4 Ränder, über die es mit den Nachbarknochen in Verbindung steht:
  • vorne über die Sutura coronalisSutura(-ae)coronalis mit dem Os frontale

  • lateral über die Sutura squamosaSutura(-ae)squamosa mit dem Os temporale (und zu kleinen Teilen mit dem Os sphenoidale)

  • unten über die Sutura lambdoideaSutura(-ae)lambdoidea mit dem Os occipitale

  • medial mit dem jeweils gegenüberliegenden Os parietale

Das Innenrelief des Os parietale wird geprägt von den Abdrücken der Aa. meningeae media und anterior (Sulci arteriosi, Abb. 9.8) Sulcus(-i)arteriosisowie von den Sinus durae matris (Sulcus sinus sigmoidei).Sulcus(-i)sinussigmoidei An der Außenwand erkennt man eine Linea temporalis superior und eine Linea temporalis inferior (Abb. 9.9).
Os occipitale
Das unpaare Os occipitale (Hinterhauptsbein) Os(-sa)occipitaleHinterhauptsbeinbildet den Hauptteil der Schädelbasis und besteht aus 4 Knochenanteilen (Abb. 9.10), die zusammen das Foramen magnum (Durchtritt der Medulla oblongata) begrenzen:
  • Pars squamosa Pars squamosa (Os occipitale)

  • Pars basilaris Pars basilaris (Os occipitale)

  • Partes laterales Pars lateralis (Os occipitale)

  • Planum occipitale Planum occipitale

Die 4 Knochenteile verschmelzen erst im 4. Lebensjahr, sodass bei Kleinkindern noch 4 Einzelknochen unterschieden werden können. Ähnlich wie bei den Ossa parietalia, zu denen es über die Sutura lambdoidea in Verbindung steht, erkennt man auf der Innenseite jeweils rechts und links Abdrücke der Sinus durae matris: Sulcus sinus sigmoidei, Sulcus(-i)sinussigmoideiSulcus sinus petrosi inferioris, Sulcus sinus occipitalis sowie Sulcus transversus und Sulcus sinus sagittalis superioris Sulcus(-i)sinuspetrosi inferiorisSulcus(-i)sinusoccipitalisSulcus(-i)sinustransversiSulcus(-i)sinussagittalis superioris(Abb. 9.8). Letztere treffen an der Protuberantia occipitalis interna (Confluens sinuum)Confluens sinuum aufeinander. Diese steht mit der Crista occipitalis interna in Verbindung. Ferner erkennt man auf der Innenseite innerhalb der jeweiligen Squama occipitalis die Fossa cerebellaris, in der das Kleinhirn liegt. Außen heben sich eine Linea nuchalis inferior und die darüber liegende Linea nuchalis superior ab (an einigen knöchernen Schädeln findet man überdies eine Linea nuchalis suprema). An der Unterfläche der Partes laterales befinden sich die Condyli occipitales, über die der Schädel mit dem ersten Halswirbel (Atlas) artikuliert. Oberhalb der Kondylen, an den lateralen Rändern des Foramen magnum, liegt der Canalis nervi hypoglossiCanalis(-es)nervihypoglossi (Durchtritt des N. hypoglossus [XII]).

Klinik

Als Stylohyoid-Syndrom Stylohyoid-Syndromoder auchEagle-Syndrom Eagle-Syndrom bezeichnet man einen Symptomenkreis, der durch einen zu langen Proc. styloideus ausgelöst wird. Der Proc. styloideus kann nicht nur zu lang sein, sondern in ausgeprägten Fällen gelenkig mit dem Os hyoideum in Kontakt treten. Der zu lange Proc. styloideus berührt mitunter die Pharynxwand und führt zu Fremdkörpergefühl, Schluckbeschwerden (DysphagieDysphagie) und unklaren Halsschmerzen.

Weichteilmantel

Lars Bräuer, Friedrich Paulsen

Kompetenzen

Nach SchädelWeichteilmantelBearbeitung dieses Lehrbuchkapitels sollten Sie in der Lage sein:

  • die mimische Muskulatur mit Ansatz, Ursprung, Funktion und Innervation wiederzugeben

  • sich im Gesicht und in der seitlichen Gesichtsregion zu orientieren und die Regionen systematisch zuzuordnen

  • den Aufbau, die Blutversorgung, die Innervation und Lymphdrainage sowie die Funktion der Kopfschwarte zu nennen

  • den topografischen Verlauf von Blutgefäßen, Nerven und Lymphgefäßen in den verschiedenen Gesichtsregionen zu beschreiben

  • wichtige topografisch-klinische Zusammenhänge der seitlichen Gesichtsregion zu benennen

  • sich die tief in der seitlichen Gesichtsregion liegenden, von außen nicht sichtbaren anatomischen Strukturen dreidimensional vorzustellen

Überblick

Friedrich Paulsen
Der Schädel ist außen von Weichteilen bedeckt, die wie am Hals und am Rumpf in verschiedene Regionen unterteilt werden (Regiones capitis)KopfRegionen Regio(-nes)capitis(Tab. 9.7, Abb. 9.11):
  • Regio frontalis Regio(-nes) frontalis

  • Regio nasalis∗ Regio(-nes) nasalis

  • Regio orbitalis∗ Regio(-nes) orbitalis

  • Regio infraorbitalis∗ Regio(-nes) infraorbitalis

  • Regio zygomatica∗ Regio(-nes) zygomatica

  • Regio buccalis Regio(-nes) buccalis

  • Regio oralis∗ Regio(-nes) oralis

  • Regio mentalis∗ Regio(-nes) mentalis

  • Regio parotideomasseterica Regio(-nes) parotideomasseterica

  • Regio temporalis∗ Regio(-nes) temporalis

  • Regio parietalis∗ Regio(-nes) parietalis

  • Regio occipitalis∗ Regio(-nes) occipitalis

Die mit einem Stern versehenen Regionen bilden gemeinsam die Regio facialis.
Die Weichteile umfassen HautKopfRegionen, Unterhautfettgewebe und mimische Muskeln, die hinsichtlich Mimik und Physiognomie eine funktionelle Einheit bilden. Die mimischen Muskeln haben ihren Ursprung am Schädelknochen und strahlen über elastische Sehnen in das Korium der Haut ein.

Merke

Die Begegnung von Angesicht zu Angesicht ist ein wesentlicher Aspekt der Kontaktaufnahme zwischen 2 Individuen. Hierbei spielt die MimikMimik zum Ausdruck von Emotionen eine große Rolle und der Arzt kann so wertvolle Informationen über den Gemüts- und Gesundheitszustand seines Patienten erhalten. Das Verständnis der Gesichtsstrukturen ist daher für die praktisch-ärztliche Tätigkeit von großer Relevanz.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Elastizität der in die Haut einstrahlenden elastischen Sehnen der mimischen Muskeln ab. Folge ist die Faltenbildung.

Die mimischen Muskeln dienen neben der Mimik und Physiognomie auch dem Schutz der Sinnesorgane und der Nahrungsaufnahme. Auch die Kaumuskeln haben großen Einfluss auf die Gestalt der Gesichtsregion. Die aus dem Schultergürtel (M. sternocleidomastoideus) und von der Wirbelsäule (Nackenmuskulatur) auf den Kopf übergreifenden Muskeln sind an den Kopfbewegungen gegenüber der Wirbelsäule beteiligt.
Die Weichteile des Kopfes können aufgrund von Strukturmerkmalen und regionaler Zugehörigkeit in 3 Teile gegliedert werden:
  • Kopfschwarte (SCALP)

  • frontale Gesichtsregion

  • seitliche Gesichtsregion

    • oberflächliche seitliche Gesichtsregion

    • tiefe seitliche Gesichtsregion

Kopfschwarte

Friedrich Paulsen
Die Weichteile des Schädeldachs (Kopfschwarte) KopfschwarteSchädeldachWeichteilereichen vom Arcus superciliaris bis zu der Protuberantia occipitalis und der Linea nuchalis superior sowie seitlich bis zum Arcus zygomaticus.
Schichten
Als Kopfschwarte bezeichnet man die funktionelle Einheit aus Haut, Subcutis und Sehnenhaube (Galea aponeurotica), die über dem Schädeldach (Calvaria) liegt (Gesamtdicke ca. 5 mm). Sie besteht aus mehreren Schichten, die man sich leicht über den Begriff SCALP SCALPund die dafür stehenden englischen Begriffe merken kann (Abb. 9.12):
  • S = „skin“ (Haut, Cutis)

  • C = „connective tissue“ (straffes Bindegewebe, Subcutis)

  • A = „aponeurosis“ (Aponeurosis epicranialis, Galea aponeurotica mit M. epicranius)

  • L = „loose connective tissue“ (lockeres Bindegewebe, subgaleale Verschiebeschicht)

  • P = „pericranium“ (Pericranium, Periost der Schädelkapsel)

Das lockere subaponeurotische Bindegewebe verbindet die Galea aponeurotica mit dem Pericranium und ermöglicht so die freie Bewegung der Kopfschwarte auf dem Schädeldach.
Cutis
Die Kopfhaut bildet die äußere Schicht der Kopfschwarte. Sie ist strukturell wie die Haut der Körperoberfläche aufgebaut, ist allerdings an der behaarten Kopfoberfläche derb und enthält besonders viele Haarschäfte, Talgdrüsen und Schweißdrüsen. An der Stirn kommen nur wenige Haare und keine Terminalhaare vor.
Subcutis
In der Subcutis befinden sich im Bereich der behaarten Kopfhaut Haarpapillen, Haarbälger und Haarwurzeln. Die Subcutis besteht zum größten Teil aus straffem Bindegewebe, das die Haut an der darunter liegenden Galea aponeurotica verankert (s. u.). Außerdem verlaufen hier Arterien, Venen und Nerven zur Blutversorgung und Innervation der Kopfschwarte. In unbehaarten Arealen ist die Subcutis dünner.
Aponeurose
Grundlage der KopfschwarteKopfschwarteAponeurose ist die Galea aponeurotica, Galea aponeuroticaeine flächenhafte Sehne, in die vorne, hinten und seitlich Muskeln einstrahlen:
  • An der Vorderseite ist es der Venter frontalis des M. epicranius Musculus(-i)epicranius(M. occipitofrontalis),Musculus(-i)occipitofrontalis dessen paarige Muskelbäuche zwischen den Arcus superciliares aus dem subkutanen Bindegewebe der Augenbrauen und der Glabella entspringen und V-förmig nach hinten ziehen.

  • Hinten ist es der ebenfalls paarige Venter occipitalis des M. epicranius, der an der Linea nuchalis suprema entspringt und in Höhe der Mitte der Ohrmuschel in die Aponeurose einstrahlt.

  • Seitlich ist es der variabel vorkommende M. temporoparietalis. Musculus(-i)temporoparietalisSein dem Schädel zugewandter Teil wird auch als M. auricularis superior bezeichnet. Er gehört zu einem rudimentären Sphinktersystem, das das Ohr bewegen und den Gehörgang verschließen konnte.

Die Galea aponeurotica ist durch kräftige Bindegewebstrabekel (Retinacula) fest mit der Subcutis verwachsen. Die Muskeln ermöglichen bei Kontraktion eine geringe Verschiebebewegung der Kopfschwarte auf dem Schädel. Der Venter frontalis des M. epicranius kann die Stirn in Falten ziehen (Stirnrunzeln).
Subgaleale Verschiebeschicht
Die Unterseite der Galea aponeurotica ist über lockeres Bindegewebe am Periost des Schädels (Pericranium) verschieblich befestigt. Es bildet den supraperiostalen Raum und wird aus funktionellen Gründen als subgaleale (subgaleatische) Verschiebeschichtsubgaleale (subgaleatische) VerschiebeschichtKopfschwartesubgaleale (subgaleatische) Verschiebeschicht bezeichnet.
Pericranium
Das Periost Pericraniumder Schädeldecke ist fest mit der Lamina externa der Schädelknochen und dem Bindegewebe der Schädelnähte verwachsen.

Klinik

Aufgrund des straffen Bindegewebes in der Subcutis werden die Arterien nach Verletzungen der gesamten Kopfschwarte oft offen gehalten. Dadurch können ausgeprägte arterielle Blutungen entstehen. Sind nur Cutis und Subcutis verletzt, blutet es wenig. Venöse Blutungen sind im Gegensatz dazu meist ausgeprägt, da sich die Gefäße im straffen Bindegewebe praktisch nicht retrahieren können.

Beim Skalpieren – wie man es aus den Indianergeschichten kennt – wird die Kopfschwarte vom Schädel gezogen, wobei sich das Periost relativ leicht vom Knochen lösen lässt. Dies macht man sich bei Eingriffen am Gehirn zunutze, indem man die Kopfschwarte über einen „Bügelschnitt“ (von einem Ohr zum anderen) nach vorne und nach hinten vom Periost abzieht, nach der OP rückverlagert und den Hautschnitt vernäht. Auch Verletzungen (Skalpierungsverletzungen) Skalpierungsverletzungensind auf diese Art möglich. Wenn längere Haare in rotierende Maschinen gezogen werden, kann die gesamte Kopfschwarte abgerissen werden. Aus diesem Grund schreibt der Arbeitsschutz heute das Tragen einer Kopfbedeckung bei der Arbeit an solchen Maschinen vor.

Unter der Geburt kann es zu blutig-serösen Ödemen in der Subcutis des Kindes kommen (besonders im Hinterhaupts- und Scheitelbeinbereich), die als Kopfgeschwulst (Caput succedaneum) Kopfgeschwulst (Caput succedaneum)Caputsuccedaneum (Kopfgeschwulst)imponieren. Auch subperiostal sind unter der Geburt Blutungen möglich. Da das Periost im Bereich der Schädelnähte besonders fest verwachsen ist, bleiben solche subperiostalen Blutungen daher auf einzelne Knochen der Calvaria beschränkt (Kephalhämatom).Kephalhämatom

Leitungsbahnen
Die Leitungsbahnen erreichen die KopfschwarteKopfschwarteLeitungsbahnen von frontal, temporal und okzipital. Dabei liegen die Gefäße mit Ausnahme der Stirn in der Subcutis. In der Stirn verlaufen die Gefäße in der subgalealen Verschiebeschicht. Leitungsbahnen sind:
  • frontal

    • A., V. und N. supraorbitalis

    • A. und V. supratrochlearis

  • temporal

    • A. und V. temporalis superficialis

    • N. auriculotemporalis (aus [V/2])

    • R. zygomaticotemporalis nervi zygomatici (aus [V/2])

  • okzipital

    • A. und V. occipitalis

    • A. und V. auricularis posterior

    • N. occipitalis major

    • N. occipitalis minor

    • N. auricularis magnus

Arterien
Die KopfschwarteKopfschwarteArterien wird aus Ästen der A. ophthalmica oder aus Ästen der A. carotis externa mit Blut versorgt.
Äste der A. ophthalmica
Arteria(-ae)ophthalmicaÄsteDie vorderen und oberen Abschnitte der Kopfschwarte im Stirnbereich werden versorgt von:
  • A. supratrochlearis Arteria(-ae) supratrochlearis

  • A. supraorbitalis Arteria(-ae) supraorbitalis

Sie zweigen in der Orbita von der A. ophthalmica ab, ziehen durch die Orbita nach rostral und treten mit den gleichnamigen Venen und Nerven durch das Septum orbitale; die A. supratrochlearis durch die Incisura oder das Foramen supratrochleare. Gemeinsam mit den Nerven und Venen verlaufen die Arterien über die Stirn aufwärts und versorgen die Kopfschwarte etwa bis zum Scheitel mit Blut.
Äste der A. carotis externa
Der größte Teil der Kopfschwarte wird von 3 Ästen der A. carotis externaArteria(-ae)carotisexternaÄste mit Blut versorgt (Abb. 9.13).
  • A. auricularis posterior:Arteria(-ae)auricularisposterior Sie ist der kleinste Ast, geht im Bereich der Fossa retromandibularis nach hinten aus der A. carotis externa ab und gelangt dann unterhalb und hinter der Ohrmuschel an die Oberfläche, um hier das Gebiet der Kopfschwarte zu versorgen.

  • A. temporalis superficialis: Arteria(-ae)temporalissuperficialisSie ist ein Endast der A. carotis externa, der direkt vor der Ohrmuschel kranialwärts verläuft und sich auf dem Os temporale in vordere und hintere Äste aufzweigt.

  • A. occipitalis: Arteria(-ae)occipitalisSie geht etwas weiter unten aus der A. carotis externa hervor, zieht weiter nach hinten und steigt, schräg durch die Nackenmuskeln verlaufend, an die Oberfläche, um am Hinterhaupt und Hinterkopf die Kopfschwarte zu durchbluten.

Venen
Die Venen, die das Blut derKopfVenen Kopfschwarte drainieren, verlaufen mit den entsprechenden Arterien (Abb. 9.14):
  • V. supratrochlearis Vena(-ae)supratrochlearisVena(-ae)supraorbitalisund V. supraorbitalis: Sie sammeln das Blut der vorderen Kopfschwarte ab dem Scheitel bis zum Arcus supraciliaris, treten mit den gleichnamigen Arterien in die Orbita ein und drainieren in die V. ophthalmica superior. Anastomosen bestehen vor dem Eintritt in die Orbita zur V. angularis (Ast der V. facialis) im nasalen Lidwinkel.

  • V. auricularis posterior: Vena(-ae)auricularis posteriorSie sammelt das Blut hinter und unterhalb der Ohrmuschel und drainiert in die V. retromandibularis.

  • V. temporalis superficialis: Vena(-ae)temporalis superficialisSie sammelt das Blut der gesamten lateralen Kopfschwarte oberhalb der Ohrmuschel und drainiert ebenfalls in die V. retromandibularis.

  • V. occipitalis: Vena(-ae)occipitalisSie drainiert den hinteren Abschnitt der Kopfschwarte zwischen Protuberantia occipitalis externa und Linea nuchalis superior bis zum Scheitel. Unterhalb der Linea nuchalis superior verläuft sie durch die Nackenmuskulatur in die Tiefe in den dorsalen Abschnitt des Halses. Hier beteiligt sich die kräftige Vene an der Drainage der Nackenregion und mündet variabel in die V. vertebralis, V. jugularis externa oder V. jugularis interna. Außerdem steht sie mit der V. diploica occipitalis in Verbindung.

Lymphgefäße
Auch der Lymphabfluss aus der KopfschwarteKopfschwarteLymphabfluss folgt im Wesentlichen dem Einzugsbereich der Arterien. Es werden 4 Drainagegebiete abgegrenzt (Abb. 9.15), wobei die temporale, die parietale und die okzipitale Region immer Lymphknoten im Kopfbereich besitzen, während die Stirnregion variabel zu Lymphknoten im Kopf oder Hals drainiert:
  • frontal – Nodi lymphoidei preauriculares, Nodus(-i) lymphoideus(-i)preauricularesNodi lymphoidei submandibularesNodus(-i) lymphoideus(-i)submandibulares (variabel Nodi lymphoidei faciales)Nodus(-i) lymphoideus(-i)faciales

  • temporal – Nodi lymphoidei parotideiNodus(-i) lymphoideus(-i)parotidei

  • parietal – Nodi lymphoidei infraauricularesNodus(-i) lymphoideus(-i)infraauriculares

  • okzipital – Nodi lymphoidei occipitalesNodus(-i) lymphoideus(-i)occipitales, Nodi lymphoidei mastoideiNodus(-i) lymphoideus(-i)mastoidei (Nodi lymphoidei retroauriculares, Nodus(-i) lymphoideus(-i)retroauricularesNodi lymphoidei auriculares posteriores)

Aus diesen primären Lymphknotenstationen gelangt die Lymphe schließlich in die tiefen zervikalen Lymphknoten.
Innervation
Sensibel wird die KopfschwarteKopfschwarteInnervation (Abb. 9.16) über die Hirnnerven und den Plexus cervicalis innerviert. Dabei kann der Scheitel als Grenze angesehen werden. Der M. occipitofrontalis und der M. temporoparietalis werden wie alle mimischen Muskeln von Ästen des N. facialis [VII] Nervus(-i)facialis [VII]innerviert.
Rostral vom Scheitel
Das Gebiet vor dem Scheitel und vor der Nervus(-i)trigeminus [V]Ohrmuschel wird von Ästen des N. trigeminus [V] innerviert:
  • N. supraorbitalis Nervus(-i)supraorbitalis(Ast des N. frontalis aus [V/1]): Er verlässt mit einem R. lateralis (tritt durch das Foramen supraorbitale/Incisura supraorbitalis) und einem R. medialis (tritt durch die Incisura frontalis) die Orbita. Beide Äste durchbrechen den Venter frontalis des M. occipitofrontalis und innervieren sensibel die Stirnregion bis zur Scheitelregion.

  • N. supratrochlearis Nervus(-i)supratrochlearis(Ast des N. frontalis aus [V/1]): Nach Verlassen der Orbita etwas oberhalb des nasalen Lidwinkels innervieren seine Äste die untere mittlere Stirnregion.

  • R. zygomaticotemporalis nervi zygomatici (Ramus(-i)zygomaticotemporalis (N. zygomaticus)Ast aus [V/2]): Seine Äste innervieren ein kleines Areal der temporalen Kopfschwarte.

  • N. auriculotemporalis Nervus(-i)auriculotemporalis(Ast aus [V/3]): Er gelangt mit den Vasa temporalia superficialia vor dem Ohr an die Oberfläche und innerviert den normalerweise behaarten Teil der Schläfenregion und die Kopfschwarte mit seinen Rr. temporales superficiales.Ramus(-i)temporalessuperficiales (N. auriculotemporalis)

Okzipital vom Scheitel
Hinter der Ohrmuschel und dem Scheitel wird die Kopfschwarte sensibel von Ästen des Plexus cervicalis innerviert (Abb. 9.16).
  • N. auricularis magnus Nervus(-i)auricularismagnus(aus dem Punctum nervosum [Erb-Punkt],Punctumnervosum (Erb-Punkt) Rr. anteriores von C2 und C3): Der kräftige Nerv innerviert mit seinen Ästen die Haut hinter der Ohrmuschel. Außerdem erreichen seine Äste Hautareale am Hals unterhalb der Ohrmuschel.

  • N. occipitalis minor Nervus(-i)occipitalisminor(aus dem Punctum nervosum [Erb-Punkt], R. anterior von C2): Er verläuft entlang der Hinterkante des M. sternocleidomastoideus aufwärts über den Ansatzbereich des Muskels in die seitliche Okzipitalregion, von wo er sensible Informationen der Kopfschwarte leitet.

  • N. occipitalis major Nervus(-i)occipitalismajor(R. posterior von C2): Er steigt unterhalb des M. obliquus capitis inferior (Kap. 3.2.2) aus der Tiefe des Trigonum vertebrale nach oben, durchbricht die Mm. semispinalis capitis et trapezius und verläuft anschließend mit seinen Ästen von der Okzipitalregion zum Scheitel, um den größten Teil der Kopfschwarte sensibel zu innervieren.

  • N. occipitalis tertius Nervus(-i)occipitalistertius(R. posterior von C3): Wie der N. occipitalis major durchbricht er zunächst die Mm. semispinalis und trapezius. Dabei läuft er auf die Mittellinie zu und innerviert dann ein kleines Gebiet im hinteren Bereich der Kopfschwarte nahe der Mittellinie.

Gesicht und Gesichtsweichteile

Lars Bräuer, Friedrich Paulsen
Oberflächenanatomie
Friedrich Paulsen
Das GesichtGesichtOberflächenanatomie reicht von der Nasenwurzel und den Augenbrauen bis zu den Ohren einschließlich der Ohrmuscheln sowie bis zum Hinterrand der Mandibula und umfasst die Regiones orbitalis, nasalis, infraorbitalis, zygomatica, oralis und mentalis (Abb. 9.11).
Aus klinischer Sicht wird das Gesicht eingeteilt inRegio(-nes)facialismedialisRegio(-nes)facialislateralis:
  • einen mittleren (frontalen) Bereich (Regio facialis medialis)

  • einen paarigen seitlichen Bereich (Regio facialis lateralis)

Der seitliche Bereich wird wiederum unterteilt inRegio(-nes)facialislateralissuperficialis/profunda:
  • oberflächlich (Regio facialis lateralis superficialis) und

  • tief (Regio facialis lateralis profunda)

Anatomisch wird die Stirnregion (Regio frontalis, Regio(-nes)frontalisAbb. 9.11) aufgrund ihrer Beziehung zur Schädelhöhle zum Schädeldach gerechnet. Im allgemeinen Sprachgebrauch reicht das Gesicht aber bis zum Haaransatz und bezieht die Stirn somit ein. Merkmale des Gesichts (Facies) sind Augen, Nase und Mund. Nimmt man Augen und Mund als horizontale Grenzen, kann das Gesicht in einen oberen, einen mittleren und einen unteren Abschnitt eingeteilt werden.
Grundlage des Gesichts sind das Schädelskelett und das Knorpelskelett von äußerer Nase und Ohrmuschel. Sie werden von einem vergleichsweise dünnen Weichteilmantel überzogen, der die Haut, das subkutane Binde- und Fettgewebe und die mimische Muskulatur umfasst. Prominente Punkte des Gesichts sind die Augenbrauenwülste (Arcus supraciliares), die äußere Nase, die Jochbögen (Arcus zygomatici), die Ohrmuscheln und das Kinn (Mentum).
An der Ausformung der seitlichen Gesichtsregion sind der WangenfettkörperWangenfettkörper (Corpus adiposum buccae, Bichat-Fettpfropf)Corpus(-ora)adiposumbuccae (Bichat-Fettpfropf)Bichat-Fettpfropf (Corpus adiposum buccae), der M. masseter und die Glandula parotidea beteiligt.
Augenregion, Regio orbitalis
Die Regio orbitalisRegio(-nes)orbitalisAugenregion (Abb. 9.11) wird durch die Augenlider (Palpebrae) und durch die Form, Dichte und Stellung der AugenbrauenAugenbrauen (Supercilii) Superciliibestimmt. Je ein Ober- (Palpebra superior) und ein Unterlid (Palpebra inferior) Palpebra(-ae)superior/inferiorbegrenzen die Lidspalte (Rima palpebrarum) Rimapalpebrarumund bedecken bei geschlossenen Augen den vorderen Teil des Bulbus. Seitlich gehen die Augenlider jeweils am nasalen und temporalen Lidwinkel (Angulus oculi medialis Angulusoculi lateralis/medialisund Angulus oculi lateralis) ineinander über (Abb. 9.11).
Nasenregion, Regio nasalis
Die Regio nasalisRegio(-nes)nasalisNasenregion (Abb. 9.11) wird durch das äußere Nasengerüst bestimmt. Grundlage sind die Nasenwurzel (Radix nasi), Radix(-ces)nasider NasenrückenNasenrückenNasenwurzel (Dorsum nasi), Dorsum nasidie paarigen Nasenflügel (Alae nasi), die Nasenspitze (Apex nasi), die NasenlöcherNasenlöcherNares (Nares) und das dazwischen liegende NasenseptumNasenseptum (Septum nasi). SeptumnasiDie Nasenlöcher bilden den Eingang in den Atemtrakt. Von den Nasenflügeln steigt seitlich die NasolabialfalteNasolabialfalte (Sulcus nasolabialis) Sulcus(-i)nasolabialiszu den Mundwinkeln ab (Abb. 9.11). Sie ist beim jungen Menschen nur schwach ausgebildet und tritt ab dem 4. Lebensjahrzehnt stärker hervor.
Mundregion, Regio oralis
Die Regio oralisRegio(-nes)oralisMundregion (Abb. 9.11) wird von Ober- (Labium superius) und Unterlippe (Labium inferius)Labium(-a)superius/inferius begrenzt, die jeweils am Mundwinkel (Angulus oris) Angulusorisineinander übergehen (Commissura labiorum). In der Mittellinie ist an der Oberlippe ein Höckerchen ausgebildet (Tuberculum labii superioris), Tuberculum(-a)labii superiorisund die Grenze des Lippenrots zur Gesichtshaut beschreibt einen doppelten Bogen (Amorbogen). Von hier verläuft eine 8–10 mm breite und sich nach oben verjüngende Rinne (Philtrum) Philtrumzur Nasenwurzel (in der Antike hielt man das Philtrum für eine der erogensten Zonen des Körpers, daher Amorbogen) (Abb. 9.11).
Kinnregion, Regio mentalis
Die Regio mentalisRegio(-nes)mentalisKinnregion (Abb. 9.11) ist von der Regio oralis durch die quer verlaufende Kinn-Lippen-Furche (Sulcus mentolabialis) Sulcus(-i)mentolabialisabgegrenzt (Abb. 9.11). Die unterschiedliche Vorwölbung des Kinns beruht hauptsächlich auf der Menge des subkutanen Fettgewebes und weniger auf dem knöchernen Kinnvorsprung (Protuberantia mentalis). Protuberantia mentalisBei manchen Personen ruft der in die Haut einstrahlende M. mentalis (Tab. 9.8) ein intensives Grübchen in der Haut des Kinns hervor.
Gesichtshaut
Beschaffenheit Gesichtshautund Eigenschaften der Haut und Subcutis sind regional sehr unterschiedlich. Über den Nasenflügeln, den Wangen und dem Kinn ist die Haut vergleichsweise dick, über den Augenlidern hingegen verhältnismäßig dünn. Auch die Verteilung von Schweiß- und Talgdrüsen variiert regional außerordentlich. An den Augenlidern und an der Ohrmuschel fehlt ein subkutanes Fettgewebe; dafür ist es an den Wangen und am Kinn sehr kräftig ausgebildet. In der Subcutis verlaufen die Gefäße und Nerven.

Klinik

Aufgrund des lockeren subkutanen Bindegewebes auf den Augenlidern kann es zu starken Schwellungen kommen, die eine Lidöffnung unmöglich machen (Lidödem). LidödemSpannungslinienHautHautSpannungslinienChirurgische Eingriffe im Gesicht folgen bei der Schnittführung immer den Spannungslinien der Haut (RSTL, „relaxed skin tension lines“), um sichtbare Narben weitgehend zu vermeiden.

Mimische Muskulatur (Mm. faciei)
Lars Bräuer
Die Mm. faciei sind Muskeln, mimische MuskulaturMusculus(-i)facieidie maßgeblich für die Mimik des Gesichts und die Formung eines individuellen Gesichtsausdrucks (Physiognomie) Physiognomieverantwortlich sind. Sie sind aber auch für die Nahrungsaufnahme und Sprachbildung wichtig (Muskeln im Bereich des Mundes). Darüber hinaus besitzen sie Schutzfunktionen (Muskeln am Auge, Lidschlussreflexe). Evolutionär haben die mimischen Muskeln, die um Augen, Ohren, Nase und Mund angeordnet sind, eine Schutzfunktion, weil sie die entsprechende Körperöffnung verschließen können. Einige dieser Muskeln sind beim Menschen jedoch nur noch rudimentär angelegt (um das Ohr).
Der paarige M. orbicularis oculi, der unpaare M. orbicularis oris und der unpaare M. occipitofrontalis bilden den flächenmäßig größten Teil der Gesichtsmuskeln (Abb. 9.17). Die kleinen mimischen Muskeln sind außerordentlich individuell ausgeprägt und ermöglichen die filigrane und einzigartige Mimik (z. B. M. risorius, M. corrugator supercilii).
Die mimischen Muskeln sind direkt mit der Lederhaut über das SMAS („superficial muscular aponeurotic system“, s. u.) verbunden, sodass sie die Haut bei entsprechender Kontraktion oder Relaxation dehnen oder stauchen und dadurch die Mimik ermöglichen. Ausnahme ist der M. buccinator, der eine Muskelfaszie besitzt. Die mimischen Muskeln entspringen meistens an knöchernen oder knorpeligen Strukturen des Schädelskeletts und setzen an elastischen Sehnen in der Haut an. Zirkulär verlaufende Muskeln um die Augen- oder Mundhöhle kommen einem Sphincter gleich, der ein Schließen der Mund- oder Augenhöhle erlaubt. Die mimischen Muskeln (einschließlich des Platysmas) entwickeln sich als Anlage des 2. Schlundbogens zusammen mit dem sie innervierenden Nerv (N. facialis [VII]). Im Folgenden werden die beiden größeren und zirkulär um die Augenhöhle und Mundöffnung verlaufenden Muskeln näher beschrieben. Sämtliche mimischen Muskeln sind in Tab. 9.8 zusammengefasst.
M. orbicularis oris
Der M. orbicularis orisMusculus(-i)orbicularisoris ist ein ringförmiger Muskel um die Mundöffnung (Abb. 9.17). Er bildet die muskuläre Grundlage für die Lippen und wird von 3 Ästen des N. facialis motorisch innerviert:
  • Oberlippe – Rr. zygomatici

  • Mundwinkel – Rr. buccales

  • Unterlippe – R. marginalis mandibulae

Die bogenförmig verlaufenden Muskelfasern lassen sich entsprechend ihrer Lage und ihrem Verlauf in 2 große Anteile gliedern:
  • Pars marginalisParsmarginalis (M. orbicularis oris) – um die Mundspalte

  • Pars labialisParslabialis (M. orbicularis oris) größter Anteil des Muskels, reicht von der Oberlippe bis zum Nasenseptum und von der Unterlippe bis zum Kinn

Ein weiterer, als M. rectus labii bezeichneter Teil wird von einzelnen radiär verlaufenden Muskelfasern gebildet. Kontrahiert man die peripheren Anteile des Muskels (Pars labialis), werden die Lippen gespitzt (Kussmund, Pfeifen).

Klinik

Der Orbicularis-oris-Reflex (Schnauzreflex) Orbicularis-oris-Reflex (Schnauzreflex)dient der Überprüfung und dem Ausschluss von Störungen des oberen Motoneurons des N. facialis [VII] oder der Nervenbahnen zwischen Pons und Cortex. Durch Beklopfen des Gesichts oberhalb des Mundwinkels kommt es bei betroffenen Patienten zu einer reflektorischen Kontraktion des M. orbicularis oris und dem Spitzen der Lippen. Gesunde und Patienten mit Schäden des unteren Motoneurons zeigen den Reflex nicht. Afferenter Schenkel des Reflexbogens ist der N. trigeminus [V], efferenter der N. facialis [VII].

Die hochtoxischen Exotoxine der Bakterienspezies Clostridium botulium und Clostridium butyricum haben in sehr hohen Verdünnungen in den letzten Jahren mehr und mehr Anwendung in der klinischen und plastischen/kosmetischen Therapie gefunden. So erzielt BotoxBotox als Medikament und Faltenkiller mittlerweile weltweit Rekordumsätze. Dabei werden, je nach Indikation, geringe Konzentrationen des Botulinustoxins subkutan oder auch intramuskulär injiziert.

M. orbicularis oculi
Der M. orbicularis oculiMusculus(-i)orbicularisoculi ist der einzige Muskel, der das Auge verschließen kann (Abb. 9.17). Er hat einen ähnlich bogenförmigen Verlauf wie der M. orbicularis oris. Seine Fasern verlaufen um den knöchernen Rand der Orbita und dienen dem festen Verschluss des Auges durch die Lider. Der ebenfalls vom N. facialis [VII] (Oberlid – Rr. temporales, Unterlid – Rr. zygomatici) innervierte Muskel wird in folgende 3 Anteile gegliedert:
  • Pars orbitalis: Die ganz außen liegende Pars orbitalisParsorbitalis(M. orbicularis oculi) verläuft oberhalb und unterhalb des knöchernen Orbitarandes und überlagert nach oben den Venter frontalis des M. occipitofrontalis. Die Pars orbitalis gibt Fasern zu den Augenbrauen ab, die diese senken (M. depressor supercilii). Nach unten grenzt die Pars orbitalis an den M. zygomaticus minor.

  • Pars palpebralis: Parspalpebralis(M. orbicularis oculi)Die Pars palpebralis bildet die Grundlage für die Augenlider und liegt zwischen Subcutis und Tarsus bzw. Septum orbitale. Die Muskelfasern entspringen am Lig. palpebrale mediale und verlaufen bei geschlossenem Lid zum Lig. palpebrale laterale. Am Lidrand strahlen Muskelfasern aus der Pars palpebralis in den Tarsus aus und umschlingen die Ausführungsgänge der im Tarsus lokalisierten Glandulae tarsales. Diese Muskelfasern werden als Fasciculi ciliares oder Riolan-MuskelRiolan-Muskel bezeichnet.

  • Pars lacrimalis: Der auch als Horner-MuskelHorner-Muskel (Pars lacrimalis m. orbicularis oculi) Parslacrimalis (M. orbicularis oculi, Horner-Muskel)bezeichnete Anteil wird von den anderen beiden Muskelanteilen überdeckt. Er zieht vom Saccus lacrimalis zur Pars palpebralis und umschlingt auf seinem Weg die Canaliculi lacrimales superior et inferior. Er ist für den Tränentransport beim Lidschluss essenziell.

Der M. orbicularis oculi ist in Reflexbogen eingebunden, um das Auge bei Bedarf schnell verschließen zu können (z. B. optikofazialer Reflex, kornealer und konjunktivaler Reflex).

Klinik

Eine Lähmung des M. orbicularis oculi Musculus(-i)orbicularisoculiLähmungenist ein häufiges Symptom bei einer Fazialisparese und führt dazu, dass das Auge nicht mehr geschlossen werden kann. Folge ist ein Abreißen des Tränenfilms mit nachfolgender Eintrübung der Hornhaut, da der Tränenfilm die Hornhaut beim Lidschlag nicht mehr benetzt.

Leitungsbahnen
Friedrich Paulsen
In der Regio facialis anterior verlaufen die Arterien, Venen und Nerven zur Versorgung des Weichteilmantels größtenteils unabhängig voneinander.
Arterien
Die arterielle GesichtsregionArterienBlutversorgung wird GesichtLeitungsbahnengrößtenteils von Ästen der A. carotis externa übernommen (Abb. 9.13, Abb. 9.19, Abb. 9.20) und zu einem kleineren Anteil von einem Ast der A. carotis interna.
A. carotis externa
Die A. facialis Arteria(-ae)carotisexternaÄsteArteria(-ae)facialisist das wichtigste arterielle Gefäß der mittleren Gesichtsregion. Sie entspringt bereits am Hals in der Fossa retromandibularis aus der A. carotis externa und zieht schräg nach vorne oben. Auf der Innenseite des Angulus mandibulae verläuft sie bis zum Hinterrand der Glandula submandibularis nach vorne und wendet sich am Corpus mandibulae von außen über den Knochen. Dort zieht sie in schräg aufsteigendem Verlauf weiter über den M. masseter (wo sie stark geschlängelt ist [Reservestreckapparat]), seitlich am Mundwinkel und an der Nase vorbei auf den nasalen Lidwinkel zu. Hier tritt sie als A. angularis in die Orbita ein. In ihrem Verlauf liegt sie
    • unterhalb von Platysma, M. risorius, M. zygomaticus major, M. zygomaticus minor

    • oberhalb von M. masseter, M. buccinator, M. levator anguli oris

    • oberhalb des M. levator labii superioris oder durchbohrt ihn

Äste der A. facialis sind:Arteria(-ae)facialisÄste
  • A. labialis inferior: Arteria(-ae)labialisinferiorArteria(-ae)labialissuperiorversorgt die Unterlippe mit Blut

  • A. labialis superior: versorgt die Oberlippe und mit einer A. septi nasi Arteria(-ae)septi nasivordere Teile des Nasenseptums mit Blut

  • A. nasalis lateralis: Arteria(-ae)nasalis posterior lateralisdient der Blutversorgung von Nasenflügel und Nasenrücken

Endast der A. facialis ist die A. angularis.Arteria(-ae)angularis Sie anastomosiert mit der A. dorsalis nasi (s. u.).

Merke

Die Aa. labiales inferiores und die Aa. labiales superiores beider Seiten anastomosieren miteinander und bilden einen Gefäßkranz um den Mund.

Die A. maxillaris (Abb. 9.20) gibt mehrere ÄsteArteria(-ae)maxillarisÄste zur Versorgung des Gesichts ab:
  • A. infraorbitalis: Arteria(-ae)infraorbitalistritt durch das Foramen infraorbitale und versorgt die Regio infraorbitalis mit Blut

  • A. alveolaris inferior, R. mentalis: Arteria(-ae)alveolarisinferiorgelangt durch das Foramen mentale zum Kinn und versorgt einen kleinen Bereich des Kinns mit Blut

  • A. buccalis:Arteria(-ae)buccalis gelangt auf der Außenseite des M. buccinator zum Gesicht und versorgt einen Randbereich der mittleren Gesichtsregion

Die A. temporalis superficialis Arteria(-ae)temporalissuperficialissteigt in der lateralen Gesichtsregion vor dem Ohr zur Schläfenregion auf und gibt Äste in Richtung mittlere Gesichtsregion ab:
  • A. transversa faciei:Arteria(-ae)transversafaciei gelangt am Vorderrand der Glandula parotidea in die seitliche Gesichtsregion und erreicht mit ihren Ästen die Regio infraorbitalis

  • A. zygomaticoorbitalis: Arteria(-ae)zygomaticoorbitalisgelangt oberhalb des Arcus zygomaticus zum lateralen Augenwinkel

A. carotis interna
Die A. ophthalmica Arteria(-ae)carotisinternaÄsteArteria(-ae)ophthalmicaliegt in der Orbita und gibt kleinere Äste zur Blutversorgung des Gesichts ab:
  • A. dorsalis nasi: Arteria(-ae)dorsalisnasiEndast der A. ophthalmica, tritt am nasalen Lidwinkel aus und versorgt den Nasenrücken

  • R. nasalis externus der A. ethmoidalis: gelangt an der Knorpel-Knochen-Grenze des Nasenrückens an die Oberfläche und trägt zur Blutversorgung der äußeren Nase bei

  • A. zygomaticofacialis: Arteria(-ae)zygomaticofacialisAst der A. lacrimalis, gelangt durch das Foramen zygomaticofaciale in das Gesicht und versorgt den Bereich oberhalb des Arcus zygomaticus bis oberhalb des lateralen Bereichs des Oberlids

  • Aa. palpebrales laterales: Arteria(-ae)palpebrales laterales/medialesÄste der A. lacrimalis, die durch das Foramen zygomaticotemporale oder Foramen zygomaticofaciale zur Regio zygomatica und zur Fossa temporalis gelangen; sind an der Bildung der Arcus palpebrales des Ober- und des Unterlids beteiligt

  • Aa. palpebrales mediales: Äste aus der A. supratrochlearis und sind an der Bildung der Arcus palbebrales des Ober- und des Unterlids beteiligt

Venen
Hauptgefäß der mittlerenGesichtsregionVenen Gesichtsregion ist die Vena(-ae)facialisVena(-ae)angularisV. facialis, die als V. angularis im nasalen Augenwinkel beginnt (Abb. 9.14). Die Vene verläuft zunächst hinter der Arterie, zieht dann mehr nach dorsal unter den Mm. zygomatici major und minor hindurch vor dem M. masseter über den M. buccalis. Am Corpus mandibulae liegen V. und A. facialis wieder nebeneinander, die Arterie überquert die Mandibula vor der Vene, bevor beide Gefäße die Glandula submandibularis erreichen. Die V. angularis steht über die Orbita mit der V. ophthalmica superior und über diese mit dem Sinus cavernosus in Verbindung. Verbindungen bestehen von der V. facialis über die V. transversa facieiVena(-ae)transversa faciei zur V. temporalis superficialis. Die V. facialis vereinigt sich mit der V. retromandibularis und mündet in die V. jugularis interna ein (Abb. 9.21). Darüber hinaus werden alle oben genannten Arterien der mittleren Gesichtsregion von Venen begleitet, die Verbindung zu den größeren Venenstämmen haben. Sie sind wie die Arterien benannt. Der Verlauf der Venen ist im Gesichtsbereich außerordentlich variabel.
Lymphgefäße
Die Lymphe der mittleren GesichtsregionGesichtsregionLymphgefäße (Abb. 9.15) wird drainiert zu denNodus(-i) lymphoideus(-i)submentales:
  • Nodi lymphoidei submentales

  • Nodi lymphoidei submandibulares

  • Nodi lymphoidei faciales buccales (inkonstant)Nodus(-i) lymphoideus(-i)submandibularesNodus(-i) lymphoideus(-i)facialesbuccales

  • Nodi lymphoidei parotidei Nodus(-i) lymphoideus(-i) parotidei

Innervation
Sensibel
Sensible Informationen aus der mittleren GesichtsregionGesichtsregionInnervation, sensible gelangen über die Äste des N. trigeminus [V] Nervus(-i)trigeminus [V]und einen Ast aus dem Plexus cervicalis Plexuscervicaliszum ZNS (Abb. 9.19, Abb. 9.20, Abb. 9.21). Dabei innerviert der
  • N. ophthalmicus [V/1] Nervus(-i)ophthalmicus [V/1]den oberen Teil des Gesichts einschließlich der Stirn bis zum Scheitel, das Oberlid, den nasalen Lidwinkel und den Nasenrücken

  • N. maxillaris [V/2] Nervus(-i)maxillaris [V/2]das Mittelgesicht vom Unterlid bis zum Mundwinkel einschließlich der Oberlippe und der Nasenlöcher

  • N. mandibularis [V/3] Nervus(-i)mandibularis [V/3]den unteren Teil des Gesichts mit Unterlippe und Kinn bis zum Unterrand der Mandibula

  • N. auricularis magnus Nervus(-i)auricularismagnus(Rr. anteriores von C2 und C3) einen kleinen Bereich vor und unterhalb des Ohrläppchens sowie den Unterkieferwinkel

Detaillierte Angaben zur sensiblen Innervation sind in Tab. 9.9 zusammengefasst.
Motorisch
Die Gesichtsmuskulatur, die mimischen Muskeln um die Ohrmuschel und die an der Kopfschwarte inserierenden Muskeln gehen aus dem 2. Schlundbogen hervor. Nerv des 2. Schlundbogens ist der N. facialis [VII], Nervus(-i)facialis [VII]Nervus(-i)facialis [VII]Ästeder damit sämtliche mimischen Muskeln innerviert (Abb. 9.22). Nach seinem Austritt aus dem Foramen stylomastoideum an der äußeren Schädelbasis wendet sich der Nerv nach vorne und tritt in die Glandula parotidea ein, wo er den PlexusparotideusPlexus parotideus bildet. Sein Hauptstamm teilt sich meist in einen oberen R. temporofacialis und einen unteren R. cervicofacialis. Zwischen beiden Ästen werden im Verlauf innerhalb der Parotis viele Fasern ausgetauscht (daher Plexus parotideus). Am Ober-, Vorder- und Unterrand der Glandula parotidea gehen 5 terminale Astgruppen aus dem Plexus parotideus hervor: Rr. temporales, Rr. zygomatici, Rr. buccales, R. marginalis mandibulae und R. colli. Das Verteilungsmuster ist zwar variabel, grundsätzlich können aber die 5 terminalen Astgruppen unterschieden werden, die entsprechend Tab. 9.10 die mimischen Muskeln innervieren. Kurz nach seinem Austritt aus dem Foramen stylomastoideum geht der N. auricularis posterior Nervus(-i)auricularisposteriornach hinten ab, um die mimische Muskulatur hinter und oberhalb des Ohrs sowie den Venter posterior des M. occipitofrontalis zu innervieren (Tab. 9.10).
Vegetativ
Postganglionäre parasympathische Nervenfasern zur Innervation von Blutgefäßen und Hautdrüsen der mittleren GesichtsregionGesichtsregionparasympathische/sympathische Nervenfasern entstammen dem Ganglion pterygopalatinum und dem Ganglion oticum.
Sympathische Nervenfasern leiten sich von postganglionären Neuronen des Ganglion cervicale superius ab, die als periarterielle Geflechte mit den Ästen der A. carotis externa (Plexus caroticus externus) oder der A. carotis interna (Plexus caroticus internus) verlaufen und z. B. Blutgefäße, Schweißdrüsen und Haare innervieren. Einige Nervenfasern schließen sich im Bereich des Ganglion trigeminale den Ästen des N. trigeminus [V] an und erreichen auf diesem Weg ihre Zielgebiete im Gesicht.

Oberflächliche seitliche Gesichtsregion

Friedrich Paulsen
Grenzen der Gesichtsregionoberflächliche, seitlicheRegio facialis lateralisRegio(-nes)facialislateralis superficialis sind der Sulcus nasolabialis, das äußere Ohr bis zum Proc. mastoideus, der Arcus zygomaticus und der Unterrand des Corpus mandibulae. Sie gliedert sich in
  • Regio buccalis und

  • Regio parotideomasseterica.

Oberflächenanatomie
Regio buccalis
Zentrales Element der Regio buccalisRegio(-nes)buccalis ist der M. buccinator (Abb. 9.19, Abb. 9.20), Musculus(-i)buccinatorder die Grundlage der Wange bildet. Er ist der einzige mimische Muskel mit einer Faszie (Fascia buccopharyngea). Seine vorderen Muskelfasern strahlen in den Mundwinkel ein, wo sie im Muskelknoten (Modiolus anguli oris) enden. Hier durchflechten sich alle zum Mundwinkel ziehenden Muskeln. Die Mundvorhofschleimhaut ist in diesem Bereich unverschieblich mit der muskulären Unterlage verwachsen. In Höhe des zweiten Oberkiefermolaren durchbohrt der Ductus parotideus (Stensen-Gang) Ductusparotideus (Stensen-Gang)Stensen-Gang (Ductus parotideus)den Muskel. Hinten geht der M. buccinator in die am Proc. pterygoideus entspringende und zum Ramus mandibulae verlaufende Raphe pterygomandibularis Raphepterygomandibularisüber. Sie ist nicht nur Ansatzstelle für den M. buccinator, sondern auch für den M. constrictor pharyngis superior und stellt die Grenze zur Regio parotideomasseterica her. Zwischen der Raphe pterygomandibularis und dem auf der Innenseite des Ramus mandibulae verlaufenden M. pterygoideus medialis liegt ein Spaltraum. Er wird von einem Fettkörper (Corpus adiposum buccae, Bichat-Fettpfropf) Corpus(-ora)adiposumbuccae (Bichat-Fettpfropf)Bichat-Fettpfropf (Corpus adiposum buccae)ausgefüllt (Abb. 9.23), der sich mit seinem Vorderteil in die Regio buccalis etwas über das hintere Ende des M. buccinator vorwölbt. Der Fettkörper besteht aus Baufett.
Am Unterrand des Fettkörpers zieht der Ductus parotideus in die Tiefe und penetriert den M. buccinator. Auf dem M. buccinator liegt nahe der Durchtrittsstelle des Ductus parotideus das juxtaorale Organ (Chievitz-Organ)juxtaorales Organ (Chievitz-Organ)Chievitz-Organ (juxtaorales Organ) (Abb. 9.23). In der Regio buccalis verlaufen der M. zygomaticus major, der M. risorius und der obere Anteil des Platysmas.

Klinik

Bei starker Abmagerung (z. B. aufgrund Tumorkachexie [Auszehrung]) kann der aus Baufett bestehende Wangenfettkörper abgebaut werden. Die Wange wirkt dann eingefallen. Vergleichbares gilt für das Baufett in der Orbita, die Augen „fallen in den Bulbus zurück“. Der Bichat-Fettpfropf verleiht damit der Wange Kontur.

Merke

Das juxtaorale Organ (Chievitz-Organ) ist ein kleines, etwa 8 × 3 mm messendes epitheliales Organ in der Wange, das in ein nerven- und zellreiches Bindegewebe eingebettet ist und von einer straffen perineuralen Hülle umgeben wird. Ein Ast des N. buccalis erreicht das Organ, die Blutversorgung erfolgt aus der Fossa infratemporalis (s. u.) über die A. buccalis. Die Funktion des juxtaoralen Organs ist nicht abschließend geklärt. Man geht von einer Rezeptorfunktion aus, die dynamische Veränderungen beim Kauen, Schlucken und Sprechen wahrnimmt und unter anderem dazu beiträgt, dass man sich beim Kauen nicht auf die Wange beißt.

Klinik

Früher wurde das juxtaorale Organ aus Unkenntnis häufiger mit einem bösartigen Tumor verwechselt, was umfangreiche und teilweise entstellende Operationen zur Folge hatte.

Regio parotideomasseterica
Die Regio parotideomassetericaRegio(-nes)parotideomasseterica erstreckt sich vom Vorderrand des M. masseter nach oben bis zum Arcus zygomaticus und nach unten bis an den Vorderrand des oberen Anteils des M. sternocleidomastoideus. Zwischen dem Hinterrand des Ramus mandibulae und dem Vorderrand des M. sternocleidomastoideus bzw. Proc. mastoideus liegt der retromandibulärer Raumretromandibuläre Raum (Fossa retromandibularis), Fossaretromandibularisder hauptsächlich vom tiefen Anteil der Glandula parotidea (Kap. 9.7.9) Glandula(-ae)parotideaausgefüllt wird. Der oberflächliche Anteil der Drüse überlagert teilweise den M. masseter. Nach oben erstreckt sich das Drüsengewebe variabel bis vor den Tragus und reicht kaudal bis nahe an die Glandula submandibularis heran (Abb. 9.23). Die Parotis ist oberflächlich von einer eigenen Faszie bedeckt (Fascia parotidea, s. u.). Durch die Faszie und die Fossa retromandibularis entsteht dadurch eine Loge (Parotisloge). ParotislogeAn der Vorderseite des oberflächlichen Anteils der Glandula parotidea verlässt der Ductusparotideus (Stensen-Gang)Stensen-Gang (Ductus parotideus)Ductus parotideus (Stensen-Gang) die Drüse und zieht in horizontalem Verlauf über die Faszie des M. masseter bis zu dessen Vorderrand. Hier biegt er in die Tiefe um und penetriert den M. buccinator (s. o.). In seinem Verlauf wird er in variabler Form von Speicheldrüsengewebe begleitet (Glandulae parotideae accessoriae).
Faszien der oberflächlichen seitlichen Gesichtsregion
M. masseter und M. temporalis Gesichtsregionoberflächliche, seitlicheFaszienbesitzen eigene Faszien. FasciamassetericaDie Fascia masseterica bedeckt den M. masseter und teilt sich in ein oberflächliches und ein tiefes Blatt, das als Faszienloge außer dem M. masseter die Mm. pterygoidei lateralis und medialis einschließt. Das oberflächliche Blatt steht mit dem die Glandula parotidea bedeckenden Faszienblatt (Fascia parotidea)Fasciaparotidea in Verbindung. Beide Blätter bilden zusammen die Fascia parotideomasseterica. FasciaparotideomassetericaDas tiefe Blatt schließt die Mm. pterygoidei ein.
Auch die Fascia temporalis Fasciatemporalisbesteht aus einem oberflächlichen und einem tiefen Blatt. Die kräftige Temporalisfaszie entspingt entlang der Linea temporalis superficialis. Sie ist Ursprungsfeld für die oberflächlichen Anteile des M. temporalis. Dadurch bedeckt sie den M. temporalis und spaltet sich ca. 1–1,5 cm oberhalb des Jochbogens in ein oberflächliches und in ein tiefes Blatt auf. Das oberflächliche Blatt inseriert am Außenrand des Jochbogens, das tiefe Blatt zieht zum Innenrand des Jochbogens. Zwischen beiden Blättern entsteht dadurch ein mit Baufett gefüllter osteofibröser Raum.
Als einziger mimischer Muskel wird der M. buccinator von einer Faszie eingehüllt (Fascia buccopharyngea). FasciabuccopharyngeaAußerdem ist die Glandula parotidea von einer Faszie umschlossen (Fascia parotidea). Fascia masseterica und Fascia parotidea gehören zum oberflächlichen Halsfaszienblatt (Fascia cervicalis superficialis).Fasciacervicalissuperficialis

Klinik

Die Faszien bilden gemeinsam mit dem lockeren Bindegewebe der Subcutis der Gesichtshaut und mit den mimischen Muskeln im Gesicht eine dünne, aber erstaunlich zugfeste Schicht, die in ihrer Gesamtheit als SMAS („superficial muscular aponeurotic system“) SMAS (superficial muscular aponeurotic system)bezeichnet wird. Sie reicht bis an die Kopfschwarte. Das SMAS spielt in der plastischen Chirurgie für das Facelifting Faceliftingdie entscheidende Rolle: Über einen bogenförmigen Hautschnitt vor dem Ohr kann das SMAS in Richtung auf das Gesicht zu präpariert und von der Unterlage gelöst werden. Ein Teil des präparierten Gewebes wird anschließend entfernt und die Schnittkante mit allen daran hängenden Strukturen in Richtung auf das Ohr zu bewegt und hier festgenäht. Die Gesichtshaut wird dabei quasi straff gezogen (Abb. 9.24).

Leitungsbahnen
Die Leitungsbahnen der oberflächlichen seitlichen GesichtsregionGesichtsregionoberflächliche, seitlicheLeitungsbahnen werden nach ihrem Verlauf eingeteilt:
  • Leitungsbahnen in der Parotisloge (entweder zur Innervation der Drüse oder als Transitstrecke)

  • Leitungsbahnen außerhalb der Parotisloge

Leitungsbahnen der Parotisloge
Hierzu gehören dieParotislogeLeitungsbahnen A. carotis externa, die V. retromandibularis, der N. facialis [VII] und der N. auriculotemporalis (aus [V/3]).
Die A. carotis externaArteria(-ae)carotisexterna erreicht von medial unten aus dem Hals, wo sie noch in der Carotisscheide verläuft, unterhalb der Glandula parotidea die Fossa retromandibularis und steigt nach kranial auf. Sie teilt sich anschließend meist in Höhe des Collum mandibulae in die A. maxillarisArteria(-ae)maxillaris und A. temporalis superficialis auf (Abb. 9.19). Die A. maxillaris bleibt in der Tiefe der Fossa retromandibularis und gelangt meistens hinter dem Ramus mandibulae in die seitliche tiefe Gesichtsregion (s. u.). Die A. temporalis superficialisArteria(-ae)temporalissuperficialis steigt nach oben durch das Drüsenparenchym auf und gelangt am Oberrand der Glandula parotidea gemeinsam mit der V. temporalis superficialis an die Oberfläche. Hier verlaufen beide Gefäße vor der Ohrmuschel über den Jochbogen weiter nach kranial in die Regio temporalis und verzweigen sich. Die A. transversa faciei Arteria(-ae)transversafacieiist ein Ast der A. temporalis superficialis und versorgt einen Teil der oberflächlichen seitlichen Gesichtsregion mit Blut. Sie zweigt meist im Drüsenparenchym der Glandula parotidea nahezu rechtwinklig aus der A. temporalis superficialis ab und verläuft anschließend in horizontaler, leicht absteigender Richtung über den oberen Anteil des M. masseter durch die seitliche Gesichtsregion nach vorne bis in die Regio infraorbitalis. Anastomosen mit Ästen der A. facialis sind möglich.
Die V. retromandibularis (Abb. 9.19) Vena(-ae)retromandibularisbildet die Fortsetzung der V. temporalis superficialis nach kaudal und drainiert deren Blut. Ihr größter Anteil verläuft innerhalb der Glandula parotidea. Hier nimmt sie die Vv. maxillares auf und verläuft meist oberflächlich zur A. carotis externa. Am unteren Drüsenpol verlässt sie die Drüse und mündet nach kurzem Verlauf in die V. facialis ein.
Der N. facialis [VII] Nervus(-i)facialis [VII]Ästegelangt nach seinem Austritt aus dem Foramen stylomastoideum von dorsal in die Glandula parotidea. Hier teilt er sich oberflächlich zu den o. g. Gefäßen üblicherweise innerhalb des Drüsengewebes in einen oberen und einen unteren Ast auf (Abb. 9.22). Beide Äste tauschen zahlreiche Fasern aus (Plexus intraparotideus),Plexusintraparotideus verzweigen sich weiter und bilden schließlich 5 terminale Astgruppen (Kap. 9.2.3):
  • Rr. temporales

  • Rr. zygomatici

  • Rr. buccales

  • R. marginalis mandibulae

  • R. colli

Klinik

Operationen innerhalb der Glandula parotidea (z. B. bei Parotistumoren) sind aufgrund der engen topografischen Beziehung zwischen Drüse und N. facialis [VII] sehr anspruchsvoll, da sämtliche Nervenäste erhalten werden müssen, um keine Teilparesen der Gesichtsmuskulatur auszulösen (periphere Schädigungen des N. facialis [VII]). Da die Fascia parotidea nicht dehnbar ist, sind entzündlich bedingte Schwellungen (z. B. bei Parotitis epidemica = Mumps)Parotitisepidemica (Mumps, Ziegenpeter) Mumps (Parotitis epidemica, Ziegenpeter)äußerst schmerzhaft.

Der N. auriculotemporalisNervus(-i)auriculotemporalisÄste (aus [V/3]) gelangt hinter dem Collum mandibulae in die Fossa retromandibularis (Abb. 9.20). Dabei umfasst er oft schlingenartig die A. meningea media. Schon kurz nach seinem Eintritt in die Glandula parotidea teilt er sich in mehrere Äste auf:
  • Der Hauptstamm verläuft nach kranial vor der Ohrmuschel entlang und schließt sich der A. temporalis superficialis an (Rr. temporales superficiales).

  • Die anderen Äste innerhalb der Glandula parotidea ziehen

    • zur Kiefergelenkkapsel (R. capsularis articulationis temporomandibularis)

    • zur Vorderfläche der Ohrmuschel (Nn. auriculares anteriores)Nervus(-i)auriculares anteriores

    • zum äußeren Gehörgang (N. meatus acustici externi)Nervus(-i)meatus acustici externi

    • zum Trommelfell (Rr. membranae tympani)

    • direkt zur Glandula parotidea (Rr. parotidei)

    • indirekt über die Äste des N. facialis (Rr. communicantes cum nervo faciale)

Die Rr. parotidei und die Rr. communicantes cum nervo faciale führen postganglionäre parasympathische Fasern zur Innervation der Ohrspeicheldrüse. Die Zellkörper der präganglionären Fasern entstammen dem Nucleus salivatorius inferior und sind über den N. glossopharyngeus über den N. tympanicus (Jacobson-Anastomose),Jacobson-Anastomose Plexus tympanicus und N. petrosus minor zum Ganglion oticum gelangt, wo die Umschaltung auf postganglionär erfolgt ist. Von hier gelangen die postgangionären Fasern zunächst zum N. mandibularis [V/3] und dann in den N. auriculotemporalis. Neueren Untersuchungen zufolge erreichen die parasympathischen Fasern die Glandula parotidea nur über Rr. parotidei des N. auriculotemporalis und nicht über Rr. communicantes cum nervo faciale, allerdings ist dies noch nicht abschließend geklärt.
Leitungsbahnen außerhalb der Parotisloge
Hierzu gehörenParotislogeLeitungsbahnen (Abb. 9.19, Abb. 9.20) die A. und V. facialis, die A. transversa faciei, die A. und V. buccalis und der N. buccalis.
Die A. facialis Arteria(-ae)facialisund V. facialis Vena(-ae)facialisverlaufen meist getrennt voneinander über den vorderen Anteil des M. buccinator und vor dem M. masseter. Dabei liegt die geschlängelt verlaufende Arterie meist vor der Vene – ihr Puls kann über dem Corpus mandibulae getastet werden. In der Regio buccalis sind Anastomosen mit der A. transversa faciei Arteria(-ae)transversafaciei(aus A. temporalis superficialis) und der A. buccalis (einem Ast der A. maxillaris) häufig. Die Vene zieht über den Angulus mandibulae nach kaudal und hinten und schließt sich unterhalb des Angulus mandibulae mit der V. retromandibularis zusammen, um dann in die V. jugularis interna einzumünden.
Die A. buccalis und V. buccalis Arteria(-ae)buccalisVena(-ae)buccaliserreichen die seitliche Gesichtsregion von hinten (Abb. 9.20). Sie gelangen zwischen M. pterygoideus medialis und M. buccinator an die Oberfläche und verzweigen sich auf dem M. buccinator zur Blutversorgung des Muskels. Anastomosen bestehen oft zur A. und V. facialis.
Der N. buccalis Nervus(-i)buccaliserreicht gemeinsam mit den Vasa buccalia über die Fossa infratemporalis (s. u.) die Wange (Abb. 9.20). Er ist für die sensible Innervation der Haut über der Wange sowie der bukkalen und vestibulären Gingiva im Bereich der Molaren verantwortlich. Allerdings kann die Innervation bis zum Eckzahn reichen.

Tiefe seitliche Gesichtsregion

Friedrich Paulsen
Fossa infratemporalis
Die SchläfengrubeSchläfengrube (Fossa temporalis)Fossatemporalis Gesichtsregiontiefeseitlichesetzt sich unterhalb des Arcus zygomaticus nach kaudal in dieUnterschläfengrube Unterschläfengrube (Fossa infratemporalis)Fossainfratemporalis fort. Letztere gehört damit zum tiefen Teil der seitlichen Gesichtsregion (Regio facialis lateralis profunda) und dehnt sich in die Tiefe der äußeren Schädelbasis aus. Ihre Begrenzungen und Beziehungen sind in Tab. 9.11 zusammengefasst (Abb. 9.5).
Inhalt der Fossa infratemporalis sind Muskeln und Leitungsbahnen. Muskeln sind (Abb. 9.25):
  • M. pterygoideus medialis: Musculus(-i)pterygoideusmedialisMusculus(-i)pterygoideuslateralisSein Ansatz an der Mandibula bildet die kaudale Begrenzung der Fossa infratemporalis. Zwischen dem Muskel und der Mandibula liegt der spaltförmige pterygomandibuläre Raum (Spatium pterygomandibulare).Spatiumpterygomandibulare

  • M. perygoideus lateralis

  • M. buccinator: Musculus(-i)buccinatorNur ein kleiner hinterer Teil des Muskels mit dem Übergang in den M. constrictor pharyngis superior liegt in der Fossa infratemporalis und wird vom M. pterygoideus medialis bedeckt. Der vordere Anteil gehört zur oberflächlichen seitlichen Gesichtsregion (s. o.).

Leitungsbahnen
Leitungsbahnen der Fossa infratemporalis sind der intermuskuläre Teil der A. maxillaris (Pars pterygoidea), der venöse Plexus pterygoideusPlexuspterygoideus, die Aufzweigungen des N. mandibularis [V/3], das Ganglion oticum und die Chorda tympani.
Die A. maxillaris Arteria(-ae)maxillarisist einer der beiden Endäste der A. carotis externa. Sie zieht rechtwinklig hinter dem Unterkieferast in die Fossa infratemporalis (Abb. 9.20). Dabei verläuft sie vor dem Lig. sphenomandibulare. Sie durchläuft die Fossa infratemporalis meist lateral vom M. pterygoideus lateralis, seltener passiert sie den Muskel medial. Ihr Endabschnitt zieht in die Fossa pterygopalatina. Die Arterie hat zahlreiche Gefäßabgänge und wird in 3 Abschnitte eingeteilt (Tab. 9.12).
Der Plexus venosus pterygoideus Plexuspterygoideusist ein ausgeprägtes Venengeflecht zwischen M. temporalis, M. pterygoideus lateralis und M. pterygoideus medialis (Abb. 9.21). Seine Zu- und Abflüsse sind in Tab. 9.13 zusammengefasst. Neben der Drainage von Blut soll ihm eine Funktion im Rahmen der Temperaturregulation des Gehirns zukommen.
Der N. mandibularis [V/3] Nervus(-i)mandibularis [V/3]erreicht die Fossa infratemporalis über das Foramen ovale. Foramen(-ina)ovaleHier teilt er sich in seine Äste auf, deren Verlauf innerhalb der Unterschläfengrube in Tab. 9.14 zusammengefasst sind (Abb. 9.26, Abb. 9.35).

Klinik

Aufgrund der Verbindung der klappenlosen Venen des Plexus venosus pterygoideus zum Sinus cavernosus kann es bei bakteriellen Infektionen im Gesicht zur Keimverschleppung mit nachfolgender Thrombose des Sinus cavernosusThromboseSinus cavernosus (Sinus-cavernosus-Thrombose) SinuscavernosusThrombosekommen (Kap. 11.5.8).

Die Chorda tympani (Abb. 9.37) Chorda tympanilegt sich dem N. lingualis medial vom M. pterygoideus medialis an. Sie erreicht die Fossa infratemporalis nach Durchtritt durch die Fissura sphenopetrosaFissura(-ae)sphenopetrosa (medial und dorsal vom Kiefergelenk) in der Schädelbasis (die Fissura petrotympanica [Glaser-Spalte] liegt in enger Nachbarschaft lateral von der Fissura sphenopetrosa); entgegen weitläufiger Meinung ist sie aber nicht die übliche Durchtrittsstelle der Chorda tympani durch die Schädelbasis).
Das parasympathische Ganglion oticum (Abb. 9.39)Ganglion(-ia)oticum liegt nahe unterhalb des Foramen ovale auf der medialen Seite des N. mandibularis [V/3]. Es steht mit Rr. ganglionares mit dem N. mandibularis [V/3] in Kontakt.
Fossa pterygopalatina
Die trichterförmige Flügelgaumengrube (Fossa pterygopalatina), FlügelgaumengrubeFossapterygopalatinadie sich von kranial nach kaudal verjüngt, bildet die mediale Fortsetzung der Fossa infratemporalis. Wie die Fossa infratemporalis gehört sie zum tiefen Teil der seitlichen Gesichtsregion (Regio facialis lateralis profunda) und dehnt sich noch weiter in die Tiefe der äußeren Schädelbasis aus. An der knöchernen Begrenzung des mehr oder weniger dreieckigen Raums sind die Maxilla, das Os palatinum und das Os sphenoidale beteiligt (Abb. 9.27). Gemeinsam bilden die Knochen die Fissura pterygomaxillaris Fissura(-ae)pterygomaxillarisals Grenze zur Fossa infratemporalis. Die Begrenzungen und Beziehungen der Fossa pterygopalatina sind in Tab. 9.15 zusammengefasst. Funktionell bildet die Fossa pterygopalatina einen zentralen Knoten- oder Verteilerpunkt für Gefäße und Nerven der Regio facialis lateralis profunda.
Leitungsbahnen
Leitungsbahnen der Fossa pterygopalatina sind die Pars pterygopalatina der A. maxillaris (Abb. 9.28), Begleitvenen der arteriellen Äste der Pars pterygopalatina (Vv. infraorbitalis, sphenopalatina, palatina descendens, Vv. canalis pterygoidei), die Aufzweigungen des N. maxillaris [V/2] und das Ganglion pterygopalatinum.
Der Endabschnitt der A. maxillaris gelangt Arteria(-ae)maxillarisGefäßabgänge in der Fossa pterygopalatinain die Fossa pterygopalatinaFossapterygopalatinaA. maxillaris, Gefäßabgänge (Pars pterygopalatina). Die Gefäßabgänge sind in Tab. 9.12 zusammengefasst.
Gleichnamige Venen begleiten die arteriellen Äste der Pars pterygopalatina und können Tab. 9.16 entnommen werden. Sie stehen außerdem mit dem Plexus pterygoideus, der V. facialis und der V. ophthalmica inferior in Verbindung.
Der N. maxillaris [V/2] Nervus(-i)maxillaris [V/2]gelangt durch das Foramen rotundum in der Schädelbasis zur Fossa pterygoidea und teilt sich in seine Äste auf, die die Fossa über verschiedene Austrittspunkte wieder verlassen (Tab. 9.16, Abb. 9.29).
Das parasympathische Ganglion pterygopalatinum Ganglion(-ia)pterygopalatinumliegt in Höhe des Foramen sphenopalatinum. Es liegt medial und unterhalb des N. maxillaris [V/2] (Abb. 9.30). Kranial bestehen Faserverbindungen zum N. maxillaris [V/2]. Von hinten erreicht der N. canalis pterygoideiNervus(-i)canalis pterygoidei (Vidianus) aus dem Canalis pterygoideus das Ganglion. Er führt präganglionäre parasympathische Fasern mit, die im Ganglion auf postganglionär umgeschaltet werden. Die sympathischen Fasern aus dem N. canalis pterygoidei (via N. petrosus profundusNervus(-i)petrosusprofundus) sind bereits postganglionär und passieren das Ganglion ohne Umschaltung. Die aus Orbita, Nase und Rachen kommenden sensiblen Rr. ganglionares ziehen am Ganglion pterygopalatinum vorbei zum N. maxillaris.

Hirnnerven

Lars Bräuer

Kompetenzen

Nach BearbeitungHirnnerven dieses Lehrbuchkapitels sollten Sie in der Lage sein:

  • die grundlegenden anatomischen Aspekte zu Ursprung, Verlauf, Faserqualität und Innervationsgebieten der 12 Hirnnerven wiederzugeben

Klinischer Fall

Prolaktinom

Anamnese

Eine 32-jährigeProlaktinom Patientin stellt sich bei ihrem Frauenarzt wegen Ausbleibens der Regelblutung (Amenorrhö) vor. Sie berichtet außerdem über eine Vergrößerung der Mammae mit sporadisch auftretendem Milchfluss (Galaktorrhö).

Diagnostik

Der Frauenarzt vermutet zunächst eine Schwangerschaft, die sich aber nicht bestätigt. Eine anschließende Mammografie (Röntgen der Brust) zeigt keine pathologischen Veränderungen des Drüsengewebes. Ein Mammakarzinom kann ausgeschlossen werden. Beiläufig berichtet die Patientin, dass ihr hin und wieder Ausfälle im Gesichtsfeld aufgefallen sind. Der Frauenarzt nimmt der Patientin Blut ab, um ihren Hormonstatus zu bestimmen, und schickt sie zur Abklärung der Augensymptomatik zu einem Augenarzt im gleichen Haus. Dieser erfragt die Ausfälle genauer und beschreibt die Symptomatik als „sporadisch auftretende bitemporale Hemianopsie“. Weil dies auf einen möglichen Prozess am Chiasma opticum (Sehnervenkreuzung) hindeutet, veranlasst der Augenarzt unmittelbar eine Magnetresonanztomografie (MRT) in einer radiologischen Praxis. Die MRT-Aufnahmen zeigen einen großen Tumor (Makroadenom) der Hypophyse (Sella turcica), der bereits von unten auf das Chiasma opticum drückt.
Die Untersuchung der Blutwerte durch den Gynäkologen ergibt einen Prolaktinspiegel von 240 ng/ml (Referenz: < 20 ng/ml), der die gynäkologischen Symptome erklärt. Die Ärzte diagnostizieren ein Prolaktinom (häufigster Tumor der Hypophyse).

Therapie

Eine sofort eingeleitete medikamentöse Therapie mit Bromocriptin (Dopamin-Antagonist) führt dazu, dass der Tumor schrumpft, wodurch die Gesichtsfeldausfälle und auch die gynäkologischen Beschwerden zurückgehen und nach einiger Zeit komplett ausbleiben.

Langzeitverlauf

Nach 3 Jahren treten die Symptome bei der Patientin allerdings erneut auf und es wird festgestellt, dass der Tumor wieder gewachsen ist (Rezidiv). Diesmal rät man der Patientin zur operativen Entfernung, die durch einen Neurochirurgen über einen transnasalen und transsphenoidalen Zugang durchgeführt wird. Danach ist die Patientin beschwerdefrei.
Hinweis: Die Hirnnerven werden auch im Kap. 12.5 dargestellt.
Der Mensch besitzt 12 Hirnnervenpaare, die mit römischen Zahlen durchnummeriert werden und ihre Aus- und Eintrittsstellen an Gehirn und Hirnstamm haben (Abb. 9.31). Alle Nerven mit Ausnahme des N. vagus [X] haben ihr Versorgungsgebiet im Kopf-Hals-Bereich, wo sie sämtliche Strukturen wie Drüsen, aber auch Muskulatur (sowohl quergestreift, als auch glatt) innervieren. Per definitionem sind die Hirnnerven mit Ausnahme des N. olfactorius [I] und des N. opticus [II] periphere Nerven. N. olfactorius [I] und N. opticus [II] sind dagegen eine Verlängerung des Telencephalons [I] bzw. des Diencephalons [II] und gehören somit zum Zentralnervensystem. Obwohl die Hirnnerven III bis XII zu den peripheren Nerven gezählt werden, unterscheiden sie sich deutlich von ihnen (oder von Spinalnerven): Sie sind nicht segmental angeordnet, besitzen keine getrennten Wurzeln für afferente oder efferente Fasern und unterscheiden sich auch hinsichtlich ihrer Funktion und Faserqualität erheblich. Die Hirnnerven V, VII, IX, X und XI leiten sich von Anlagen der Schlundbögen (Branchialbögen) ab und werden daher auch als BranchialnervenBranchialnerven bezeichnet. Im Folgenden wird auf die einzelnen Nerven, deren Versorgungsgebiete und die zugehörigen Ganglien eingegangen.

N. olfactorius [I]

Der N. olfactorius (Riechnerv),Nervus(-i)olfactorius [I] der speziell somatoafferente Fasern (SSA) besitzt, besteht aus den Fila olfactoria. Filum(-a)olfactoriaDiese dünnen und markarmen Axone entsprechen primären Sinneszellen, die ihren Ursprung in der Regio olfactoriaRegio(-nes)olfactoria (Riechschleimhaut) am Nasendach haben (Abb. 9.32). Von dort ziehen sie durch die Foramina der Lamina cribrosa des Os ethmoidale (Siebbein) in die vordere Schädelgrube, um innerhalb des Bulbus olfactoriusBulbusolfactorius auf das 2. Neuron umgeschaltet zu werden. Sie verlaufen dann als Tractus olfactorius Tractusolfactoriuszu den entsprechenden primären und sekundären olfaktorischen Arealen (z. B. Corpus amygdaloideum) (Kap. 13.6.2). Eine Besonderheit des N. olfactorius [I] ist, dass Fasern ohne vorherige Interpretation (extrathalamisch) direkt zu den primären und sekundären olfaktorischen Arealen ziehen. Gerüche sind daher z. B. im Rahmen des Langzeitgedächtnisses von ganz besonderer Bedeutung. Die Fila olfactoria haben nur eine begrenzte Lebensdauer (etwa 60 Tage) und müssen daher ständig aus entsprechenden Stammzellen erneuert werden.

Klinik

Im Rahmen von Schädelbasisfrakturen SchädelbasisfrakturFila olfactoria, Abrisskönnen die Fila olfactoria an ihrer Durchtrittsstelle an der Lamina cribrosa abreißen. Daraus resultiert eine in aller Regel irreversible Unfähigkeit zu riechen (Anosmie). AnosmieSchädelbasisfrakturenHyposmieSchädelbasisfrakturenSind nicht alle Fila olfactoria beschädigt, kommt es zur Riechminderung (Hyposmie). Dabei können die Betroffenen vor allem aromatische Substanzen nicht mehr wahrnehmen, „reizende“ anorganische Verbindungen hingegen (z. B. Ammoniak) werden über den N. trigeminus [V] perzipiert und als Schmerz (Nozizeption) wahrgenommen. Sehr häufig leiden die Patienten auch an einer gestörten Geschmacksempfindung, da keine Aromen, sondern nur isoliert süß, sauer, salzig, bitter und umami wahrgenommen werden können.

N. opticus [II]

Auch der N. opticus [II]Nervus(-i)opticus [II] (Sehnerv)Sehnerv besitzt speziell somatoafferente (SSA) Faserqualitäten. Während der Augenentwicklung bildet er sich als Ausstülpung des Diencephalons und ist somit Bestandteil des Gehirns. Die SehbahnSehbahn (Kap. 13.3.1) beginnt innerhalb der Netzhaut (Retina)
  • für das Farbsehen (photopisch) Farbsehen (photopisches Sehen)mit den ersten 3 Projektionsneuronen (1. Zapfenzellen, 2. Zapfenbipolare, 3. Ganglienzellen) und Interneuronen (Horizontalzellen, amakrine Zellen)

  • für das Hell-dunkel-Sehen (skotopisch) mit jeweils bis zu 40 Stäbchenzellen (1. Neuron), die ihr Signal an eine Stäbchenbipolare (2. Neuron) übertragen, die das Signal ihrerseits auf indirektem Weg unter Vermittlung von Amakrinen (3. Neuron) an eine Ganglienzelle (4. Neuron) weiterleitet

Die ca. 1 Million Axone verlaufen nichtmyelinisiert bis zur Papilla nervi optici Papilla(-ae)nervi opticiblinder Fleck(blinder Fleck) und verlassen dort den Augenbulbus. Ab der Lamina cribrosa scleri werden die speziell somatoafferenten Fasern von Oligodendrozyten myelinisiert. Durch physiologische Alterungsprozesse verliert jeder Mensch etwa 5.000 Axone/Jahr. Der N. opticus [II] ist von Meningen (Pia mater, Arachnoidea, Dura mater) ummantelt. Er verlässt die Orbita durch den Canalis opticus, Canalis(-es)opticusum sich kurz darauf mit seinem kontralateralen Anteil im Chiasma opticum Chiasma opticumzu vereinen. Ab dort wird er nicht mehr als N. opticus, sondern als Tractus opticus bezeichnet. Im Chiasma opticum kreuzen die nasalen retinalen Fasern (Abbildung der temporalen Gesichtsfelder) auf die Gegenseite; die temporalen retinalen Fasern (Abbildung der nasalen Gesichtsfelder) kreuzen nicht. Der größte Teil der Fasern zieht anschließend als Tractus opticus weiter zum Corpus(-ora)geniculatumlateraleCorpus geniculatum laterale (Thalamus). Nach Umschaltung geht es weiter zur Area striata innerhalb der okzipitalen Rinde am Sulcus calcarinus. Der Verlauf von N. opticus [II] und Tractus opticus vom Bulbus opticus bis zum Sulcus calcarinusSulcus(-i)calcarinus innerhalb des Lobus occipitalis ist in Abb. 9.33 dargestellt. Etwa 10 % der Fasern verlaufen extragenikulär zu den Colliculi superiores (Lamina quadrigemina) und sind mittels entsprechender Interneurone für optische Reflexe optische ReflexeReflexeoptischeverantwortlich (z. B. Lidschlussreflex).

Klinik

Die SehbahnSehbahnSchädigung kann in ihrem Verlauf an mehreren Stellen geschädigt werden. Ist der N. opticus [II] Nervus(-i)opticus [II]Schädigungvor dem Chiasma opticum betroffen, insbesondere im Canalis opticus, z. B. nach Schädel-Hirn-Trauma, kann dies zur Erblindung des betroffenen Auges führen. Liegt die Schädigung im Bereich des Chiasma opticum, Chiasma opticumSchädigungz. B. bei Hypophysentumoren (häufigster Tumor: Prolaktinom), kommt es in aller Regel zu einer bitemporalen Hemianopsie: Beide temporalen Gesichtsfelder fallen aus (Scheuklappensehen),Scheuklappensehen während die nasalen Gesichtsfelder noch intakt sind, da die in der temporalen Retina sitzenden Zellen und die projizierenden Neurone im Chiasma opticum am Rand verlaufen und durch den Tumor zunächst nicht betroffen sind. Läsionen des Tractus opticusTractusopticusSchädigung (z. B. Blutungen) führen zum Ausfall des temporalen Gesichtsfeldes des kontralateralen Auges und des nasalen Gesichtsfelds des ipsilateralen Auges (homonyme Hemianopsie). Wird die im Temporallappen vorne verlaufende SehstrahlungSchädigungSehstrahlung (z. B. durch eine Ischämie) geschädigt, resultiert eine obere QuadrantenanopsieQuadrantenanopsieobere. Läsionen der gesamten Sehstrahlung (z. B. durch Massenblutung) führen wie Läsionen des Tractus opticus zu einer homonymen HemianopsieHemianopsiehomonyme.

N. oculomotorius [III]

Der N. oculomotorius [III]Nervus(-i)oculomotorius [III] (Abb. 9.34) innerviert die äußeren Augenmuskeln mit Ausnahme des M. obliquus superior (N. trochlearis [IV]) und des M. rectus lateralis (N. abducens [VI]). Er ist ein gemischter Nerv mit allgemein somato- und viszeroefferenten Qualitäten (ASE, AVE), dessen präganglionäre parasympathische Neurone im Nucleus accessorius nervi oculomotorii Edinger-Westphal (Mesencephalon)Nucleus(-i)accessorius nervi oculomotorii (Edinger-Westphal)Edinger-Westphal-Kern (Nucleus accessorius nervi oculomotorii) liegen. Seine somatomotorischen Neurone hingegen liegen im Nucleus nervi oculomotorii. Nucleus(-i)nervioculomotoriiDer N. oculomotorius [III] tritt am Vorderrand der Brücke innerhalb der Fossa interpeduncularis aus und zieht zwischen A. cerebri posterior und A. superior cerebelli hindurch, um medial vom Tentorium cerebelli in Richtung Sinus cavernosus zu gelangen. Von dort verläuft er über die Fissura orbitalis superior in die Orbita und teilt sich in einen R. superior, einen R. inferior und einen Ast zum Ganglion ciliareGanglion(-ia)ciliare auf (Kap. 12.5.6). Der R. superior innerviert die Mm. levator palpebrae superioris und rectus superior; der R. inferior versorgt den M. rectus medialis, den M. rectus inferior und den M. obliquus inferior. Die vom Edinger-Westphal-Kern kommenden, parasympathischen Fasern ziehen zum Ganglion ciliare, Ganglion(-ia)ciliarewerden dort von prä- auf postganglionär umgeschaltet und verlaufen als Nn. ciliares breves Nervus(-i)ciliaresbreveszum M. ciliaris Musculus(-i)ciliarisund zum M. sphincter pupillae, Musculus(-i)sphincterpupillaedie sie innervieren. Durch Innervation der entsprechenden Augenmuskeln ist der N. oculomotorius [III] für die Lidhebung (M. levator palpebrae superioris)Musculus(-i)levatorpalpebrae superioris und für die Bulbusbewegungen nach oben lateral, oben medial, medial und unten medial zuständig. In die Augenlider eingelagert ist außerdem noch der M. tarsalis, der aus glatter Muskulatur besteht und für die Raffung der Augenlider verantwortlich ist. Er wird vom Sympathikus innerviert, sodass bei Ausfall des N. oculomotorius III] immer noch eine geringfügige Öffnung der Lidspalte möglich ist. Die parasympathischen Fasern vermitteln über den M. ciliaris die Akkommodation der Linse und regulieren über den M. sphincter pupillae dieMusculus(-i)sphincterpupillae Engstellung der Pupille.

Klinik

Eine Schädigung des N. oculomotorius [III] Nervus(-i)oculomotorius [III]Schädigungführt zu PtosisPtosis (Herabhängen des betroffenen Augenlids), Mydriasis (Weitstellung der Pupille) sowie zur Unfähigkeit der Akkommodation. Außerdem fallen die Patienten durch einen abduzierten und nach unten gerichteten Bulbus auf.

Ganglion ciliare
Das Ganglion ciliareGanglion(-ia)ciliare liegt innerhalb der Orbita, lateral des N. opticus und etwa 1,5 cm hinter dem Bulbus oculi (Abb. 9.34). Im Ganglion werden die parasympathischen Fasern des N. oculomotorius [III] von prä- auf postganglionär umgeschaltet, um dann die inneren Augenmuskeln zu innervieren. Die ebenfalls durch das Ganglion verlaufenden sympathischen und sensiblen Fasern werden hier nicht verschaltet. Das Ganglion erhält seine Afferenzen aus 3 unterschiedlichen Wurzeln:
  • aus einer parasympathischen Wurzel (Radix parasympathica) Radix(-ces)parasympathica (Ganglion ciliare)des N. oculomotorius, die für die Innervation der inneren Augenmuskeln (M. sphincter pupillae und M. ciliaris) verantwortlich ist

  • aus einer sympathischen Wurzel (Radix sympathica) Radix(-ces)sympathica (Ganglion ciliare)mit Fasern aus dem zervikalen Grenzstrang zur Innervation des M. dilatator pupillae (innerer Augenmuskel, der die Weite der Pupille regelt)

  • aus einer sensiblen Wurzel (Radix sensoria) Radix(-ces)sensoria(Ganglion ciliare)mit Fasern aus dem N. nasociliarisNervus(-i)nasociliaris zur sensiblen Innervation der Kornea (Hornhaut) und Konjunktiva (Bindehaut)

Sowohl die sensiblen als auch die sympathischen Fasern ziehen ohne Verschaltung durch das Ganglion ciliare. Als postganglionäre Efferenzen verlassen die Nn. ciliares breves Nervus(-i)ciliaresbrevesdas Ganglion ciliare, um durch die Sclera (Lederhaut) zu den inneren Augenmuskeln zu gelangen.

N. trochlearis [IV]

Der N. trochlearis [IV] Nervus(-i)trochlearis [IV]ist ein rein motorischer Nerv (allgemein somatoefferent, ASE), der den zu den äußeren Augenmuskeln gehörenden M. obliquus superior innerviert. Seine Ursprungsneurone liegen im Nucleus nervi trochlearis Nucleus(-i)nervitrochlearisdes Mesencephalons (Abb. 9.34). Seine Fasern verlassen das Gehirn auf der Rückseite des Hirnstamms am unteren Bereich der Lamina quadrigeminaLamina(-ae)quadrigemina (Vierhügelplatte)Vierhügelplatte als dünner Nerv. Von dort aus zieht er lateral der beiden Hirnschenkel zum Tentorium cerebelli, um in die Dura mater einzutreten. Zusammen mit dem N. oculomotorius [III] und dem N. ophthalmicus [V/1] tritt er durch die Fissura orbitalis superior in die Orbita ein und verläuft außerhalb des Anulus tendineus communis (Zinn-Sehnenring)Anulustendineus communis (Zinn-Sehnenring)Zinn-Sehnenring (Anulus tendineus communis) zum M. obliquus superior, Musculus(-i)obliquussuperior bulbium diesen motorisch zu innervieren. Die Kontraktion des M. obliquus superior, der über eine als Hypomochlion fungierende Bindegewebsschlaufe (Trochlea, daher der Name des Nerven) umgelenkt wird, führt zur Innenrotation des Bulbus bei gleichzeitiger Bewegung nach lateral unten. Befindet sich der Bulbus bereits in einer adduzierten Stellung, senkt der M. obliquus superior den Bulbus nach lateral unten.

Klinik

Eine Läsion des N. trochlearis [IV] geht mit Doppelbildern beim Patienten einher. Dies wird durch einen Strabismus (Schielen) Strabismus (Schielen)nach nasal und nach oben hervorgerufen. Betroffene Patienten versuchen die Fehlstellung des Bulbus durch entsprechende Kopfbewegungen auszugleichen, was sich als Schiefhaltung des Kopfes bemerkbar macht. Außerdem berichten die Patienten von Schwierigkeiten beim Treppengehen, da eine Blickwendung nach unten durch den Bulbus nicht mehr möglich ist.

N. trigeminus [V]

Der N. trigeminus [V]Nervus(-i)trigeminus [V] ist der kräftigste der 12 Hirnnerven und gleichzeitig auch der erste Schlundbogennerv (Mandibulabogen). Er führt sowohl motorische als auch sensible Fasern (SVE, ASA), die jeweils aus unterschiedlichen Kerngebieten stammen. Drei Kerne sind allgemein somatosensibel und reichen vom Hirnstamm bis in das obere Zervikalmark (Abb. 9.35):
  • Nucleus mesencephalicus nervi trigemini Nucleus(-i)mesencephalicus nervi trigemini(ASA, Propriozeption)Propriozeption

  • Nucleus pontinus nervi trigemini (ASA, Mechanorezeption)Nucleus(-i)principalis [pontinus] nervi trigeminiMechanorezeption

  • Nucleus spinalis nervi trigemini Nucleus(-i)spinalis nervi trigemini(ASA, NozizeptionNozizeption, ThermorezeptionThermorezeption und Mechanorezeption)

Der speziell viszeroefferente (SVE) Kern des N. trigeminus, der Nucleus motorius nervi trigemini, Nucleus(-i)motorius nervi trigeminiliegt innerhalb des Pons. Alle Nervenfasern bündeln sich im Bereich des Pons, um das Gehirn an seinem seitlichen Rand zu verlassen und als gemeinsamer Nerv (Radix sensoria und Radix motoria) nach rostral über die Pars petrosa des Os temporale zu ziehen. Dort tritt der Nerv in Höhe des Foramen lacerum in eine Duraduplikatur (Cavum trigeminale = Meckel).Cavumtrigeminale (Meckel) Die Perikarya der sensiblen Fasern bilden an dieser Stelle das Ganglion trigeminale (Ganglion semilunare, Ganglion Gasseri)Ganglion(-ia)semilunare s. Ganglion trigeminale, das sich in 3 große Hauptäste (daher der Name Drillingsnerv) aufteilt:
  • Der N. ophthalmicus [V/1] Nervus(-i)ophthalmicus [V/1](ASA, rein sensibel, Tab. 9.17) zieht durch die Fissura orbitalis superior in die Orbita und schließlich in die obere Gesichtsregion. Er innerviert das Auge (insbesondere Kornea und Konjunktiva), die Haut des oberen Augenlids, der Stirn und des Nasenrückens sowie die Schleimhäute der Nasenhöhlen und Nasennebenhöhlen. Außerdem lagern sich ihm innerhalb der Orbita vegetative Fasern zur Innervation der Tränendrüse an.

  • Der N. maxillaris [V/2] Nervus(-i)maxillaris [V/2](ASA, rein sensibel, Tab. 9.19) verlässt den Hirnschädel über das Foramen rotundum. Er innerviert die Haut der vorderen Schläfenregion, des oberen Anteils der Wangen, das Unterlid und die Haut darunter. Darüber hinaus ist er für die sensible Innervation des Gaumens, der Oberkieferzähne, der entsprechenden Gingiva und der Schleimhaut des Sinus maxillaris verantwortlich.

  • Der N. mandibularis [V/3] Nervus(-i)mandibularis [V/3](ASA, SVE, sensibel und motorisch, Tab. 9.20) tritt durch das Foramen ovale und innerviert die Haut der hinteren Schläfenregion, des unteren Anteils der Wangen, des Kinns sowie die Zähne des Unterkiefers und das zugehörige Zahnfleisch sensibel. Motorisch innerviert er die Kaumuskeln, 2 Mundbodenmuskeln (M. mylohyoideus, Venter anterior des M. digastricus) sowie den M. tensor veli palatini und den M. tensor tympani. Ähnlich wie beim N. ophthalmicus [V/1] lagern sich ihm vegetative Fasern für die Innervation einiger Drüsen (Glandulae linguales, sublingualis, submandibularis) sowie zusätzliche Fasern für die Sensorik (Geschmack) der vorderen zwei Drittel der Zunge (Chorda tympani) Chorda tympanian.

Der Verlauf des N. trigeminus und seiner Aufzweigungen ist in Tab. 9.17 bis Tab. 9.20 zusammengefasst.

Merke

Die Austrittsstellen der sensiblen Gesichtsäste (Foramen supraorbitaleForamen(-ina)supraorbitaleTrigeminusdruckpunkt, Foramen infraorbitaleForamen(-ina)infraorbitaleTrigeminusdruckpunkt und Foramen mentale)Foramen(-ina)mentaleTrigeminusdruckpunkt werden als Trigeminusdruckpunkte Trigeminusdruckpunktebezeichnet und sind für den untersuchenden Arzt von praktisch-klinischer Bedeutung (Kap. 12.5.8).

Klinik

Eine TrigeminusneuralgieTic douloureux (Trigeminusneuralgie) (Tic douloureux)Trigeminusneuralgie (Tic douloureux) ist eine komplexe sensible Störung der Trigeminuswurzel, die zu heftigsten Schmerzen und mitunter sogar zu Hautirritationen im Gesicht führt. Die Pathogenese ist bislang noch nicht vollständig aufgeklärt. Man vermutet, dass Störungen oder Stenosen der versorgenden Gefäße – besonders im Bereich des Ganglion trigeminale Ganglion(-ia)semilunare s. Ganglion trigeminaleund des Kleinhirnbrückenwinkels – zu einer Minderversorgung der Nervenzellen führen. Die Patienten leiden unter akut und plötzlich auftretenden heftigsten Schmerzen, die auf einer subjektiven Schmerzskala Höchstwerte erreichen. Bereits kleinste Berührungen oder sogar Wind können die Schmerzen auslösen – hauptsächlich in den Versorgungsgebieten des N. mandibularis [V/3] und des Nervus(-i)maxillaris [V/2]ÄsteN. maxillaris [V/2]. Schmerzmedikamente oder Anästhetika können symptomatisch Linderung verschaffen. Nicht selten suchen die Patienten einen Ausweg im Suizid. Eine Trigeminusneuralgie kann auch als Folge einer Infektion mit dem Varicella-Zoster-Virus auftreten (Post-Zoster-Neuralgie).Post-Zoster-Neuralgie Da hierbei der N. ophthalmicus [I] als Transportstrecke für die Viren dient (axonaler Transport), kommt es zu Beeinträchtigungen in seinem Innervationsgebiet. Besonders gefürchtet ist dabei die Beteiligung der Augenoberfläche, die nicht nur mit sehr starken Schmerzen einhergeht, sondern in ausgeprägten Fällen zu einer Erblindung führen kannZosterophthalmicus (Zoster ophthalmicus).

N. abducens [VI]

Vergleichbar dem N. trochlearis [IV] ist der N. abducens [VI]Nervus(-i)abducens [VI] ein allgemein somatoefferenter Nerv (ASE), der nur einen Muskel, den Musculus(-i)rectuslateralisM. rectus lateralis innerviert. Muskelkontraktion dieses äußeren Augenmuskels führt zur Abduktion des Bulbus und somit zum Blick nach temporal (abducens = Abduktion). Die Neurone liegen im Nucleus nervi abducentisNucleus(-i)nerviabducentis innerhalb des Pons. Der Abduzenskern wird von den Fasern des noch im Pons verlaufenden N. facialis [VII] dorsal umrundet (inneres Fazialisknie). FazialisknieinneresDer N. abducens [VI] tritt innerhalb des Sulcus bulbopontinus Sulcus(-i)bulbopontinuszwischen Pons und Medulla aus und verläuft parallel zur A. basilaris in Richtung Clivus, um dort in die Dura einzutreten. Innerhalb der Dura verläuft er zusammen mit den Nn. oculomotorius [III] und trochlearis [IV] zum Sinus cavernosus,Sinuscavernosus wo er als einziger Hirnnerv nicht in der lateralen Wand verläuft, sondern mitten durch das Venengeflecht zieht. Von hier gelangt er durch die Fissura orbitalis superior in die Orbita, tritt durch den Anulus tendineus communis (Zinn-Sehnenring)Anulustendineus communis (Zinn-Sehnenring)Zinn-Sehnenring (Anulus tendineus communis) und innerviert den M. rectus lateralis.
Der Verlauf und die Faserqualität des N. abducens [VI] ist in Abb. 9.34 (zusammen mit den Nn. oculomotorius [III] et trochlearis [IV]) dargestellt.

Klinik

Aufgrund seines langen extraduralen Verlaufs und seines Durchtritts durch den Sinus cavernosus ist der N. abducens besonders anfällig für SchädigungenAbduzensparese (Abduzensparese). Wird der Patient aufgefordert, mit dem betroffenen Auge nach temporal zu sehen, bleibt der Bulbus weiter geradeaus gerichtet, da der M. rectus lateralis gelähmt ist. Vergleichbar der Trochlearisparese kommt es bei Patienten häufig zur Entstehung von Doppelbildern (DiplopieDoppelbilder (Diplopie)Abduzensparese).

N. facialis [VII]

Der N. facialis [VII]Nervus(-i)facialis [VII] ist der zweite Schlundbogennerv. Seine Hauptfunktion ist die speziell viszeroefferente (SVE) Innervation der mimischen Muskulatur. Er besteht aus 2 Hauptanteilen (N. facialis [VII] und N. intermedius) Nervus(-i)intermediusmit unterschiedlichen Faserqualitäten. Entsprechend seiner Leitungsqualitäten haben die Anteile des N. facialis [VII] 3 verschiedene Ursprungskerne:
  • Der speziell viszeromotorische (SVE) und innerhalb des Pons liegende Nucleus nervi facialis Nucleus(-i)nervifacialisbesteht aus einer oberen Zellgruppe (Innervation der Stirn- und Lidmuskulatur, angesteuert vom Gyrus precentralis der ipsi- und kontralateralen Seite) und einer unteren Zellgruppe (Innervation der übrigen [unteren] mimischen Gesichtsmuskulatur, angesteuert vom Gyrus precentralis der kontralateralen Seite). Der obere Kernabschnitt hat somit eine Doppelinnervation von beiden Hemisphären. Der untere Kernabschnitt wird nur von kortikonukleären Fasern der kontralateralen Seite erreicht.

  • Der allgemein viszeroefferente (AVE) (parasympathische) Nucleus salivatorius superior Nucleus(-i)salivatoriussuperiorliegt ebenfalls innerhalb des Pons und ist für die vegetative Innervation der Speicheldrüsen (Ausnahme: Glandula parotidea), der Tränendrüse und eines Teils der Nasendrüsen verantwortlich.

  • Die speziell viszeroafferenten (SVA) (Geschmack) Nuclei tractus solitarii Nucleus(-i)tractus solitarii(Pars superior), die sich vom Pons bis in die Medulla oblongata erstrecken, enthalten die Ursprungsneurone für die sensorische Innervation der vorderen zwei Drittel der Zunge (Geschmack).

Außerdem verlaufen mit dem N. facialis [VII] allgemein somatoafferente Fasern (ASA) aus der Gehörgangshinterwand, der Haut hinter dem Ohr, der Ohrmuschel und dem Trommelfell. Die Fasern verlaufen ein kleines Stück mit dem N. vagus [X] (R. communicans nervi vagi) und legen sich in der Pars petrosa dem N. facialis [VII] an. Die Zellkörper der Neurone liegen wie die Perikarya der Geschmacksfasern im Ganglion geniculi und projizieren über den Intermediusanteil des N. facialis [VII] in den Nucleus spinalis nervi trigemini.Nucleus(-i)spinalis nervi trigemini
Beide Hauptteile (Fazialis- und Intermediusanteil) verlassen das Gehirn am Kleinhirnbrückenwinkel,Kleinhirnbrückenwinkel um dann gemeinsam mit dem N. vestibulocochlearis [VIII] in den Porus und Meatus acusticus internus MeatusacusticusinternusPorus acusticusinternuseinzutreten. Kurz vor Erreichen des Innenohrs knickt der Hauptteil des Nervs nahezu rechtwinklig nach dorsal und unten ab (Abb. 9.36). Diese Abknickungsstelle wird als äußeres Fazialisknie Fazialisknieäußeresbezeichnet (inneres Fazialisknie: Verlauf der intrapontinen Fasern des N. facialis [VII] um den Nucleus nervi abducentis). Das äußere Fazialisknie ist Sitz des Ganglion geniculi, Ganglion(-ia)geniculidas pseudounipolare Perikarya für die sensorischen Fasern (Geschmack) der vorderen zwei Drittel der Zunge sowie der sensiblen Nervenfasern vom äußeren Ohr enthält. Im weiteren Verlauf durch den Canalis nervi facialisCanalis(-es)nervifacialis im Felsenbein gibt der N. facialis [VII] 3 weitere Äste ab:
  • Der N. petrosus major Nervus(-i)petrosusmajor(parasympathisch) zieht durch den Hiatus canalis nervi petrosi majorisHiatuscanalis nervi petrosimajoris und verläuft anschließend in der mittleren Schädelgrube zwischen Dura und Pars petrosa des Os temporale zum Foramen lacerum (Abb. 9.36). Ihm schließen sich sympathische Fasern an, die den N. petrosus profundusNervus(-i)petrosusprofundus bilden. Nach Durchtritt beider Nerven durch das Foramen lacerum schließen sich die parasympathischen Fasern des N. petrosus major und die sympathischen Fasern des N. petrosus profundus zum N. canalis pterygoidei (Vidianus) Nervus(-i)canalis pterygoidei (Vidianus)zusammen, der durch den gleichnamigen Kanal in die Fossa pterygopalatina zum Ganglion perygopalatinum (s. u.) zieht.

  • Der N. stapedius (Abb. 9.36) Nervus(-i)stapediusbleibt innerhalb des Felsenbeins und zieht zum im Proc. pyramidalis des Felsenbeins liegenden M. stapedius, um diesen motorisch zu innervieren (Muskelkontraktion führt zur Verkippung der Steigbügelfußplatte im ovalen Fenster mit resultierender Versteifung der Gehörknöchelchenkette und verminderter Schallübertragung).

  • Kurz bevor der N. facialis [VII] aus dem knöchernen Canalis nervi facialis durch das Foramen stylomastoideum austritt, zweigt die Chorda tympani Chorda tympaniab (Abb. 9.36). Nach kurzem Verlauf durch einen eigenständigen Kanal im Felsenbein gelangt sie in die Paukenhöhle. Von Mittelohrschleimhaut umgeben, verläuft sie durch die Paukenhöhle auf die Gehörknöchelchen zu, tritt zwischen Collum mallei (Hammerhals) und oberem Anteil des Crus longum incudis (langer Ambossschenkel) hindurch und biegt dann nach unten zur Fissura sphenopetrosa Fissura(-ae)sphenopetrosaab, über die sie in den meisten Fällen das Mittelohr verlässt (wesentlich seltener penetriert die Chorda tympani über die Fissura petrotympanica [Glaser-Spalte] Fissura(-ae)petrotympanica (Glaser-Spalte)Glaser-Spalte (Fissura petrotympanica)die Schädelbasis). Über beide Fissuren gelangt die Chorda tympani in den Bereich hinter bzw. medial von der Fossa mandibularis und verläuft medial vom Condylus und Ramus mandibulae abwärts ziehend nach unten. Etwa 1 cm unterhalb der Incisura mandibulae schließt sich die Chorda tympani dem N. lingualis an.

    • Aus dem N. lingualis Nervus(-i)lingualisnimmt die Chorda tympani gustatorische sensorische Fasern von den Geschmacksknospen der vorderen zwei Drittel der Zunge auf, die im Ganglion geniculi des N. facialis [VII] ihre Perikarya haben und in den Nucleus spinalis nervi trigemini projizieren.

    • Mit der Chorda tympani ziehen parasympathische Fasern, deren Kerngebiet der Nucleus salivatorius superior Nucleus(-i)salivatoriussuperiorist. Sie zweigen vom N. lingualis ab und ziehen zum Ganglion submandibulare (s. u.).

Der Hauptteil des N. facialis [VII] verlässt die Schädelbasis durch das Foramen stylomastoideum Foramen(-ina)stylomastoideumdes Os temporale. Kurz nach seinem Austritt gibt er motorische Äste ab:
  • N. auricularis posterior Nervus(-i)auricularisposteriorzur Innervation des M. occipitofrontalis, Venter posterior

  • R. auricularis (meist als Ast des N. auricularis posterior) zur Innervation der rudimentär angelegten mimischen Mm. auriculares

  • einen direkten Ast zur Innervation des M. digastricus, Venter posterior

  • einen direkten Ast zur Innervation des M. stylohyoideus

Der Hauptstamm tritt anschließend in die Glandula parotidea ein, wo er sich zum Plexus intraparotideusPlexusintraparotideus verzweigt (Abb. 9.37). Meist teilt er sich in einen oberen R. temporofacialis und einen unteren R. cervicofacialis. Daraus hervorgehende Endäste verlassen am Vorder- und Unterrand die ParotisNervus(-i)facialis [VII]Äste als Rr. temporales (klinisch auch als Stirnast bezeichnet), Rr. zygomatici, Rr. buccales, R. marginalis mandibulae und R. colli zur Innervation der mimischen Muskulatur (Kap. 9.2.3) im Gesicht.

Merke

Obwohl mit dem N. facialis [VII] teilweise parasympathische Fasern verlaufen und er durch die Glandula parotidea zieht, innerviert er die Ohrspeicheldrüse nicht. Die parasympathischen Fasern hierfür verlaufen mit dem N. glossopharyngeus [IX] (Kap. 9.3.9).

Klinik

Bei raumfordernden Prozessen im Kleinhirnbrückenwinkel (meist ein gutartiges aber verdrängend wachsendes Akustikusneurinom, s. a. nächsten Klinikkasten) können sowohl der N. vestibulocochlearis [VIII] (Hör- und GleichgewichtsstörungenHör- und Gleichgewichtsstörungen) als auch der N. facialis [VII] betroffen sein. Mögliche Folgen einer infranukleären Läsion (Läsion unterhalb des Fazialiskerns) sind:

  • eingeschränkte Tränendrüsensekretion (Folge: trockenes AugeAugetrockenes (Sicca-Syndrom))

  • Ausfall des N. stapediusNervus(-i)stapediusAusfall (Folge: Hyperakusis)

  • Ausfall der Chorda tympaniChorda tympaniAusfall (Folge: Störungen des Geschmackssinns, eingeschränkte Speichelproduktion auf einer Seite)

  • Ausfall der motorischen Äste (Folge:Fazialispareseperiphere periphere Fazialisparese mit LagophthalmusLagophthalmusFazialisparese [Unfähigkeit, das Auge zu schließen, durch Ausfall des M. orbicularis oculi] und resultierendem Abriss des Tränenfilms bzw. Austrocknungserscheinungen der Augenoberfläche bis hin zur Eintrübung und somit zur Erblindung auf der betroffenen Seite)

Supranukleäre Läsionen Fazialisläsionen, supranukleärebeschreiben Schädigungen im Bereich der kortikonukleären Fasern des Nervs. Sie werden auch alsFazialisparesezentrale zentrale Fazialisparese bezeichnet. Diese ist durch motorische Ausfälle der kontralateralen unteren Gesichtsmuskulatur gekennzeichnet (sog. untere Fazialisparese). Da die Augen- und Stirnmuskulatur von beiden Hirnhälften innerviert wird, ist die obere Gesichtshälfte bei einer zentralen Fazialisparese nicht betroffen, die Stirn kann gerunzelt werden.

Ganglion pterygopalatinum
Der N. petrosus majorNervus(-i)petrosusmajor Ganglion(-ia)pterygopalatinum(präganglionäre parasympathische Fasern) und der N. petrosus profundusNervus(-i)petrosusprofundus (postganglionäre sympathische Fasern) erreichen als N. canalis pterygoidei das Ganglion pterygopalatinum (Abb. 9.37). Außerdem wird das Ganglion noch von sensiblen Fasern des Gaumens – als Transitstrecke auf dem Weg zum N. maxillaris [V/2] – genutzt:
  • Ein Teil der parasympathischen Fasern aus dem N. petrosus major schließt sich nach Umschaltung von prä- auf postganglionär dem N. zygomaticus Nervus(-i)zygomaticusan und zieht mit ihm zusammen durch die Fissura orbitalis inferior in die Orbita. Hier gelangen diese Fasern über die Verbindung zum R. zygomaticotemporalis und anschließend demRamus(-i)communicanscum nervo zygomatico R. communicans cum nervo zygomatico zum N. lacrimalis, Nervus(-i)lacrimalisum schließlich die Glandula lacrimalis (Tränendrüse) zu innervieren.

  • Ein zweiter Teil parasympathischer Fasern gelangt aus der Fossa pterygopalatina mit dem N. nasalis posterior superior Nervus(-i)nasalis posterior superiordurch das Foramen sphenopalatinum in die Nase. Die Fasern verteilen sich hier in der Nasenschleimhaut und innervieren die Glandulae nasales.

  • Ein dritter Teil parasympathischer Fasern gelangt mit dem N. palatinus major Nervus(-i)palatinus majorund den Nn. palatini minoresNervus(-i)palatini minores nach Durchtritt der gleichnamigen Foramina zum harten und weichen Gaumen und innerviert hier die Glandulae palatinae.Glandula(-ae)palatinae

  • Mit den genannten parasympathischen Fasern verlaufen postganglionäre sympathische Fasern aus dem N. petrosus profundus zu den entsprechenden Drüsen, die bereits im Ganglion cervicale superius von prä- auf postganglionär umgeschaltet wurden.

  • Sensible Äste vom weichen Gaumen verlaufen mit dem N. palatinus major und den Nn. palatini minores zum Ganglion pterygopalatinum, ziehen ohne Verschaltung durch dieses hindurch und schließen sich kurz vor dem Foramen rotundum dem N. maxillaris [V/2] an. Ihre Perikarya liegen im Ganglion trigeminale und projizieren zum Nucleus pontinus nervi trigemini.

Ganglion submandibulare
Das Ganglion submandibulareGanglion(-ia)submandibulare liegt in unmittelbarer Nachbarschaft (oberhalb) der Glandula submandibularis und ist für deren Innervation und die Innervation der Glandula sublingualis und der Glandulae linguales zuständig (Abb. 9.37). Die parasympathischen Fasern verlaufen mit der Chorda tympani, Chorda tympanidie sich dem N. lingualis anschließt. Die Fasern verlaufen aber nur ein kleines Stück mit dem N. lingualis [aus V/3], zweigen dann ab und erreichen das medial vom Angulus mandibulae gelegene Ganglion submandibulare. Hier werden die Fasern von prä- auf postganglionär umgeschaltet, worauf ein Teil der Fasern unmittelbar in die benachbarte Glandula submandibularisGlandula(-ae)submandibularis zieht und diese innerviert, während der andere Teil sich wieder dem N. lingualis anlegt und entweder mit ihm in die Zunge zur Innervation der in der Zungenspitze gelegenen Glandula lingualis anterior (apicis linguae, Blandin-Nuhn-Drüse) Glandula(-ae)lingualis anterior (apicis linguae; Blandin-Nuhn-Drüse)Blandin-Nuhn-Drüse (Glandula lingualis anterior bzw. apicis linguae)gelangt oder den N. lingualis [V/3] nach kurzem Verlauf wieder verlässt, um die Glandula sublingualis zuGlandula(-ae)sublingualis innervieren.
Ähnlich wie beim Ganglion pterygopalatinum stammen die Anteile der Radix sympathica aus dem Plexus caroticus, der dem zervikalen Truncus sympathicus entstammt. Innerhalb des Ganglions werden lediglich die parasympathischen Fasern umgeschaltet; die sympathischen Fasern durchlaufen das Ganglion unverschaltet.

N. vestibulocochlearis [VIII]

Der N. vestibulocochlearis [VIII],Nervus(-i)vestibulocochlearis [VIII] der in der Klinik auch als N. statoacusticus bezeichnet wird, ist ein speziell somatoafferenter (SSA) Nerv, der außerdem auch efferente Fasern enthält, die als olivokochleäres Bündel bezeichnet werden (Kap. 12.5.11). Er gliedert sich in 2 Anteile (Abb. 9.38):
  • Der kochleäre Teil leitet Informationen aus dem Hörorgan (Cochlea, Schnecke) zu den Kerngebieten im Hirnstamm.

  • Der vestibuläre Teil leitet Informationen des Gleichgewichtsorgans (Vestibularorgan) zu entsprechenden Kerngebieten im Hirnstamm.

Die speziell somatoafferenten Nervenfasern des N. cochlearis Nervus(-i)cochlearisentspringen im Corti-Organ der Cochlea. Die Perikarya der bipolaren Neurone liegen innerhalb der Schnecke im Ganglion spirale cochleae Ganglion(-ia)spirale cochleaeinnerhalb des Modiolus. Hier werden die primären Sinneszellen des Corti-Organs auf den peripheren N. cochlearis umgeschaltet. Dieser zieht (mit dem N. vestibularis und dem N. facialis) durch den inneren Gehörgang und über den Kleinhirnbrückenwinkel in den Hirnstamm, um zu den Nucleus(-i)cochlearisanteriorNuclei cochleares anterior et posterior Nucleus(-i)cochlearisposteriorzu projizieren.
Die zentralen Fortsätze des 1. Neurons der Gleichgewichtsbahn GleichgewichtsbahnNeuron, erstesaus Sacculus (senkrechte Linearbeschleunigung), Utriculus (waagerechte Linearbeschleunigung) und den 3 Bogengängen (Drehbeschleunigung) vereinigen sich zunächst zu 2 Bündeln, Pars superior und Pars inferior, die sich zum N. vestibularis Nervus(-i)vestibulariszusammenschließen und gemeinsam mit dem N. cochlearis durch den inneren Gehörgang verlaufen und über den Kleinhirnbrückenwinkel den Hirnstamm betreten. Ihre Perikarya liegen im Ganglion vestibulare Ganglion(-ia)vestibulaream Rand des inneren Gehörgangs. Sie projizieren zu den 4 Nuclei vestibulares superior (Bechterew), inferior (Roller), medialis (Schwalbe) et lateralis (Deiters)Nucleus(-i)vestibularissuperior (Bechterew-Kern)Bechterew-Kern (Nucleus vestibularis superior)Nucleus(-i)vestibularislateralis (Deiters-Kern)Deiters-Kern (Nucleus vestibularis lateralis)Nucleus(-i)vestibularismedialis (Schwalbe-Kern)Schwalbe-Kern (Nucleus vestibularis medialis)Nucleus(-i)vestibularisinferior (Roller-Kern)Roller-Kern (Nucleus vestibularis inferior) (Abb. 9.38). Einige Fasern ziehen über den Pedunculus cerebellaris inferior zum Kleinhirn.

Klinik

Ein Akustikusneurinom Akustikusneurinomist ein langsam (Jahre bis Jahrzehnte), aber verdrängend wachsender gutartiger Tumor, der von den Schwann-Zellen der Nervenzellscheide des N. vestibulocochlearis [VIII] ausgeht (Schwannom). Er entwickelt sich meist im Bereich des Porus acusticus internus. Erste Symptome sind häufig eine Hörminderung (vor allem eine Hochtonschwerhörigkeit)HochtonschwerhörigkeitAkustikusneurinom und/oder Tinnitus und als dritthäufigstes Symptom Schwindel (Gleichgewichtsstörungen). Diese 3 Symptome treten schon auf, wenn das Akustikusneurinom noch relativ klein ist und sich vorwiegend oder ausschließlich im knöchernen Gehörgang befindet (intrameatal). Durch das verdrängende Wachstum kann der N. facialis [VII] betroffen sein. Nach Diagnosestellung wird das Neurinom neurochirurgisch entfernt.

N. glossopharyngeus [IX]

Der 3. Schlundbogennerv, der N. glossopharyngeus [IX],Nervus(-i)glossopharyngeus [IX] ist ein gemischter Nerv mit allgemein viszeroefferenten (AVE), speziell viszeroefferenten (SVE), allgemein somatoafferenten (ASA) sowie allgemein viszeroafferenten (AVA) und speziell viszeroafferenten (SVA) Anteilen. Damit ist er dem N. vagus [X] (Kap. 9.3.10) sehr ähnlich. Entsprechend seiner unterschiedlichen Faserqualitäten besitzt er ein großes Innervationsgebiet – er innerviert die Glandula parotidea, Muskeln und Epithel des Pharynx sowie sensorisch das hintere Drittel der Zunge. Außerdem leitet er Informationen vom Glomus caroticum Glomus caroticumund vom Sinus caroticus Sinuscaroticusund ist damit an der Blutdruckregulation beteiligt. Seine 4 Kerngebiete liegen in der Medulla oblongata:
  • Nucleus salivatorius inferior (AVE), Nucleus(-i)salivatoriusinferiorsekretorischer Kern

  • Nucleus ambiguus Nucleus(-i)ambiguus(SVE), motorischer Kern

  • Nucleus spinalis nervi trigemini (ASA), Nucleus(-i)spinalis nervi trigeminiKern für die Oberflächensensibilität

  • Nucleus tractus solitarii Nucleus(-i)tractus solitarii[Nucleus solitarius] (SVA, AVA), sensorischer Kern für Geschmacksfasern

Der N. glossopharyngeus [IX] tritt gemeinsam mit (und oberhalb von) dem N. vagus [X] (Kap. 9.3.10) und dem N. accessorius [XI] (Kap. 9.3.11) im Sulcus retroolivaris Sulcus(-i)retroolivarisaus der Medulla oblongata aus (Abb. 9.39). Er zieht verdeckt vom Kleinhirn unterhalb des Flocculus cerebelli zum Foramen jugulare, Foramen(-ina)jugularedurch das er gemeinsam mit N. vagus [X] und N. accessorius [XI] den Schädel verlässt. In Höhe des Foramen jugulare sitzen seine 2 sensiblen Ganglien (Ganglion superius [innerhalb des Schädels] und Ganglion inferius Ganglion(-ia)inferius(N. glossopharyngeus)Ganglion(-ia)superius(N. glossopharyngeus)[außerhalb des Schädels]), die durch pseudounipolare Nervenzellkörper sensibler (Ganglia superius et inferius) und spinaler (nur Ganglion inferius) Nervenfasern aufgeworfen werden. Nach seinem Durchtritt durch die Schädelbasis verläuft er zwischen A. carotis interna und V. jugularis interna nach kaudal zum M. stylopharyngeus, Musculus(-i)stylopharyngeusder ihm als Leitstruktur dient. Entlang des Muskels gelangt er von hinten an den Rachen und den Parapharyngealraum entlang zur Zunge. Auf seinem Weg gibt er folgende Nervus(-i)glossopharyngeus [IX]ÄsteÄste ab:
  • N. tympanicus (Jacobson) Nervus(-i)tympanicus (Jacobson)(AVE und ASA): Er zweigt auf Höhe des Ganglion inferius direkt unterhalb des Foramen jugulare ab und erreicht über einen knöchernen Kanal die Paukenhöhle. Hier verzweigen sich seine Nervenfasern in der Paukenhöhlenschleimhaut und bilden – zusammen mit sympathischen Fasern aus dem Plexus caroticus – denPlexustympanicus Plexus tympanicus (Abb. 9.39). Die sensiblen Nervenfasern innervieren die Mittelohrschleimhaut, ein Teil vereinigt sich wieder zum R. tubarius und innerviert die Schleimhaut der Tuba auditiva. Die Nervenzellkörper der sensiblen Fasern liegen im Ganglion superius und projizieren in den Nucleus und Tractus spinalis nervi trigemini. Tractusspinalis nervi trigeminiNucleus(-i)spinalis nervi trigeminiPräganglionäre parasympathische Fasern aus dem Nucleus salivatorius inferior Nucleus(-i)salivatoriusinferiorverlaufen ohne Umschaltung mit dem N. tympanicus und dem Plexus tympanicus durch das Mittelohr und schließen sich dann mit sympathischen Fasern des Plexus caroticus internus, die ebenfalls in der Mittelohrschleimhaut verlaufen, zum N. petrosus minor Nervus(-i)petrosusminorzusammen. Dieser tritt durch den Hiatus canalis nervi petrosi minoris Hiatuscanalis nervi petrosiminorisin die mittlere Schädelgrube und verlässt sie über das Foramen lacerum. Von hier ziehen die Fasern zum Ganglion oticum Ganglion(-ia)oticumam Stamm des N. mandibularis [V/3] und dem Foramen ovale. Im Ganglion erfolgt die Umschaltung der parasympathischen Fasern von prä- auf postganglionär, die sympathischen Fasern sind bereits postganglionär und ziehen unverschaltet weiter. Die postganglionären Fasern lagern sich dem N. auricolotemporalis Nervus(-i)auriculotemporaliszur Glandula parotidea Glandula(-ae)parotideaund innerhalb der Parotis teilweise den intraparotidealen Fasern des N. facialis [VII] Nervus(-i)facialis [VII]an, mit denen sie in das Parenchym der Drüse gelangen. Die Verbindung vom Nucleus salivatorius inferior bis zur Parotis wird als Jacobson-AnastomoseJacobson-Anastomose bezeichnet. Einige Fasern ziehen weiter und innervieren die Glandulae buccales und labiales.Glandula(-ae)buccalesGlandula(-ae)labiales

  • R. sinus carotici Ramus(-i)sinus carotici (N. glossopharyngeus)(AVA): Innerhalb des R. sinus carotici verlaufen Nervenfasern, die ihren Ursprung im Sinus caroticus Sinuscaroticus(Pressorezeptoren – Blutdruckregulation) Pressorezeptorenund im Glomus caroticum Glomus caroticum(Chemorezeptoren – O2, CO2-Partialdruck)Chemorezeptoren haben (Abb. 9.39). Ihre Nervenzellkörper befinden sich im Ganglion inferius des N. glossopharyngeus und projizieren in den Tractus solitarius.Tractussolitarius

  • Rr. pharyngeiRamus(-i)pharyngei(N. glossopharyngeus) (AVE, SVE, ASA, SVA): Die Äste führen verschiedene Faserqualitäten (Abb. 9.39):

    • Afferente (sensible) Fasern (ASA) kommen von der Pharynxwand. Die Nervenzellkörper liegen im Ganglion inferius und projizieren zum Tractus spinalis nervi trigemini.

    • Motorische Fasern (SVE) aus dem Nucleus ambiguus innervieren gemeinsam mit motorischen Fasern des N. vagus [X] als Plexus pharyngeus die Rachenmuskulatur und die Muskulatur des weichen Gaumens.

    • Parasympathische Fasern (AVE) vom Nucleus salivatorius inferior erreichen die mukösen Glandulae pharyngeales.

  • Rr. tonsillares et linguales Ramus(-i)tonsillares (N. glossopharyngeus)Ramus(-i)linguales(N. glossopharyngeus)(ASA, SVA): Sie führen 2 Faserqualitäten (Abb. 9.39):

    • Afferente (sensible) Fasern (ASA) kommen vom Zungengrund und vom Isthmus faucium einschließlich der Tonsillen. Die Nervenzellkörper liegen im Ganglion inferius und projizieren zum Tractus spinalis nervi trigemini.

    • Spinale Nervenfasern (SVA) leiten Geschmacksempfindungen vom hinteren Drittel der Zunge und von der benachbarten Schleimhaut im Bereich des Isthmus faucium zum Nucleus und Tractus solitarius. Ihre Nervenzellkörper liegen im Ganglion inferius.

  • R. musculi stylopharyngei Ramus(-i)musculi stylopharyngei (N. glossopharyngeus)(SVE): Dieser Ast aus dem Nucleus ambiguus innerviert den M. stylopharyngeus (Abb. 9.39).

Ganglion oticum
Das Ganglion oticumGanglion(-ia)oticum liegt am Stamm des N. mandibularis [V/3] nahe dem Foramen ovale. Im Ganglion werden parasympathische Fasern von prä- auf postganglionär umgeschaltet. Die Nervenzellkörper der Fasern sitzen im Nucleus salivatorius inferior und gelangen zunächst mit dem N. glossopharyngeus [IX] über die oben beschriebene Jacobson-AnastomoseJacobson-Anastomose zum Ganglion oticum. Die postganglionären Fasern ziehen via N. auriculotemporalis [V/3] und teilweise mit intraparotidalen Ästen des N. facialis [VII] in die Ohrspeicheldrüse und innervieren sie parasympathisch. Weitere parasympathische Fasern gelangen vom Ganglion oticum zum Zungengrund und innervieren die Glandulae linguales. Außerdem ziehen postganglionäre sympathische Fasern durch das Ganglion oticum ohne Umschaltung durch und erreichen mit den parasympathischen Fasern die beschriebenen Zielgewebe.

Klinik

Läsionen des N. glossopharyngeus [IX] GlossopharyngeusläsionenNervus(-i)glossopharyngeus [IX]Läsionenhaben in erster Linie Schluckstörungen zur Folge, da die motorische Innervation des M. constrictor pharyngis superior gestört ist. Weitere typische Symptome sind ein Abweichen der Uvula zur gesunden Seite (auch als Kulissenphänomen bezeichnet; Lähmung der Mm. levator veli palatini, palatoglossus, palatopharyngeus et uvulae), Sensibilitätsstörungen im oberen Pharynx (z. B. Ausbleiben des Würgereflexes) sowie Störungen der Geschmacksempfindung des Zungengrunds.

N. vagus [X]

Der N. vagus [X]Nervus(-i)vagus [X] (Abb. 9.40) hat von allen Hirnnerven das größte Innervationsgebiet. Er innerviert bis in den Bauchraum und ist der Hauptnerv des kranialen Parasympathikus (vegetatives Nervensystem). Er verfügt über die gleichen Faserqualitäten wie der N. glossopharyngeus [IX] (AVE, SVE, ASA, AVA, SVA, Kap. 9.3.9) und nutzt zum größten Teil die gleichen Kerngebiete:
  • Nucleus ambiguus (SVE), Nucleus(-i)ambiguusmotorischer Kern

  • Nucleus tractus solitarii [Nucleus solitarius] Nucleus(-i)solitarius(SVA, AVA), sensorischer Kern für Geschmacksfasern

  • Nucleus spinalis nervi trigemini (ASA), Nucleus(-i)spinalis nervi trigeminiKern für die Oberflächensensibilität

  • Nucleus dorsalis nervi vagi (AVE, AVA), Nucleus(-i)dorsalisnervi vagiparasympathischer Kern

Der Nerv tritt als relativ flaches Bündel zwischen dem N. glossopharyngeus [IX] (Kap. 9.3.9) und dem N. accessorius [XI] (Kap. 9.3.11) im Sulcus retroolivaris Sulcus(-i)retroolivarisaus der Medulla oblongata aus und zieht gemeinsam mit den anderen beiden Nerven zum Foramen jugulare. Auch er besitzt 2 Ganglien (Ganglion superius [Ganglion jugulareGanglion(-ia)superius[jugulare] (N. vagus)Ganglion(-ia)inferius[nodosum] (N. vagus) im Foramen jugulare oder innerhalb des Schädels] und Ganglion inferius [Ganglion nodosum, außerhalb des Schädels]). Noch innerhalb der Schädelhöhle nimmt er 2 Äste auf:
  • R. meningeus (ASA)Ramus(-i)meningeus anterior(N. vagus): sensible Fasern von den Meningen der hinteren Schädelgrube

  • R. auricularis (ASA): Ramus(-i)auricularis(N. vagus)sensible Fasern vom äußeren Gehörgang

Klinik

Manipulationen im äußeren Gehörgang z. B. durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt zur Entfernung von Ohrenschmalz lösen über die sensiblen Fasern des N. vagus [X] Hustenreiz aus. Bei Überreizung kann es auch zu Erbrechen kommen. Ebenfalls kann die Reizung des R. meningeus, z. B. bei einer Meningitis im Bereich der hinteren Schädelgrube zu Erbrechen führen.

Der Hauptstamm des Nervs verläuft zusammen mit der A. carotis interna und der V. jugularis interna innerhalb einer gemeinsamen Scheide (Vagina carotica) Vagina(-ae)caroticaals Gefäß-Nerven-Strang nach kaudal durch den Hals. Auf seinem Weg gibt er die folgenden Äste ab:
  • R. pharyngeus (SVE, ASA): Ramus(-i)pharyngei(N. vagus)Er bildet gemeinsam mit dem N. glossopharyngeus [IX] den Plexus pharyngeus Plexuspharyngeusund innerviert motorisch die Pharynxmuskulatur. Sensible Informationen werden über Rr. linguales und den Plexus pharyngeus von der Schleimhaut des Schlundes, Isthmus faucium, Zungengrund und Kehlkopfeingang zum Nucleus spinalis nervi trigemini geleitet. Die Nervenzellkörper liegen im Ganglion nodosum (inferius).

  • N. laryngeus superior (SVE, ASA): Nervus(-i)laryngeussuperiorDer Ast verlässt den N. vagus [X] meist bereits kurz nach seinem Austritt aus dem Schädel und zieht zwischen A. carotis interna und Pharynxwand nach kaudal bis auf Höhe des Kehlkopfs. Hier teilt er sich auf:

    • Der R. externus innerviert den M. cricothyroideus.

    • Der R. internus innerviert das Kehlkopfepithel oberhalb der Stimmritze sensibel.

  • Rr. cardiaci cervicales superiores et inferiores, Rr. cardiaci thoracici (AVE, AVA): Ramus(-i)cardiacicervicales superiores et inferiores (N. vagus)Ramus(-i)cardiacithoracici (N. vagus)Die Äste gehen bereits im Halsbereich und im oberen Brustbereich vom N. vagus ab und ziehen zum Herz. Der N. vagus verläuft weiter durch die obere Thoraxapertur. Die Rr. cardiaci bilden am Herz den Plexus cardiacus. Hier werden sie auf das 2. Neuron umgeschaltet und innervieren anschließend den Herzvorhof, den Sinusknoten (rechter Vagusanteil) und den AV-Knoten (linker Vagusanteil) parasympathisch. Die Kammern des Herzens werden nicht vom N. vagus innerviert.

  • N. laryngeus recurrens (SVE, ASA):Nervus(-i)laryngeusrecurrens Er zieht auf der linken Seite von vorne nach hinten um den Aortenbogen (und schlingt sich um das Lig. arteriosum Botalli).Ligamentum(-a)arteriosum (Botalli) Auf der rechten Seite gelangt er von vorne nach hinten um die A. subclavia und zieht wie auf der linken Seite in die Rinne zwischen Luft- und Speiseröhre. Auf beiden Seiten gibt er Rr. tracheales und oesophageales Ramus(-i)tracheales (N. vagus)Ramus(-i)oesophageales (N. vagus)(parasympathisch) ab und zieht weiter nach kranial zum Kehlkopf, den er jeweils alsNervus(-i)laryngeusinferior N. laryngeus inferior Nervus(-i)laryngeusinferiorerreicht. Seine Fasern teilen sich auf und innervieren mit Ausnahme des bereits durch den N. laryngeus superior innervierten M. cricothyroideus alle anderen Kehlkopfmuskeln sowie die Schleimhaut der Glottis und unterhalb der Glottis (Subglottis).

  • Im Brustkorb verlassen zahlreiche Fasern den N. vagus und bilden die Rr. bronchiales, Ramus(-i)bronchiales(N. vagus)den Plexus pulmonalis Plexuspulmonalisund den Plexus oesophageusPlexusoesophageus zur parasympathischen Innervation der entsprechenden Strukturen.

  • Unterhalb der trachealen Bifurkation verlagern sich die ursprünglich zum linken N. vagus [X] gehörenden Fasern nach vorne und bilden den Truncus vagalis anterior, Truncus(-i)vagalisanteriordie des rechten N. vagus [X] gehörenden Fasern gelangen nach dorsal und bilden den Truncus vagalis posterior. Truncus(-i)vagalisposteriorDiese Umlagerung beruht auf der Magendrehung während der Embryonalentwicklung. Beide Trunci vagales treten gemeinsam mit dem Oesophagus durch den Hiatus oesophageus des Zwerchfells in die Bauchhöhle über und verzweigen sich anschließend mit den Gefäßen als Teil des enteralen Nervensystems in: R. hepaticus (Omentum minus), Plexus hepaticus, Rr. gastrici anteriores, Plexus coeliacus, Ganglia coeliaca et mesentericum superius, Plexus splenicus, Plexus suprarenalis, Plexus renalis und Rr. intestinales. Sie innervieren somit die Eingeweide des Oberbauchs und des Gastrointestinaltrakts parasympathisch. Die Umschaltung von prä- auf postganglionär erfolgt direkt am jeweiligen Organ.

Das Versorgungsgebiet des N. vagus [X] endet in Höhe der linken Colonflexur (Cannon-Böhm-Punkt).Cannon-Böhm-Punkt Ab dort ist die parasympathische Innervation für alle weiter distal gelegenen Abschnitte aus dem Sakralmark gewährleistet. Die beiden vegetativen Nervenanteile überschneiden sich in diesem Bereich großflächig, sodass es keinesfalls eine scharfe Grenze zwischen dem kranialen (N. vagus [X]) und dem sakralen Parasympathikus gibt.

Merke

Der Verlauf des N. laryngeus recurrens Nervus(-i)laryngeusrecurrensist auf beiden Seiten unterschiedlich (links um den Aortenbogen, rechts um die A. subclavia). Dies ist aus der Entwicklung zu erklären. Eine dickere Myelinscheide sorgt auf der linken Seite dafür, dass trotz des längeren Verlaufs beide Stimmfalten gleichzeitig und synchron schwingen können.

In seltenen Fällen entspringt die A. subclavia dextra als letzter Ast aus dem Aortenbogen (sog. A. lusoria)Arteria(-ae)lusoria und zieht dann hinter oder vor der Speiseröhre bzw. zwischen Speiseröhre und Trachea auf die rechte Körperseite. In einem solchen Fall gibt es auf der rechten Seite keinen N. laryngeus recurrens. Der N. laryngeus inferior entspringt dann entweder gemeinsam oder wenige Millimeter unterhalb des N. laryngeus superior aus dem N. vagus [X].

Klinik

Schädigungen des N. vagus [X] treten häufig im Rahmen von Schädelbasisbrüchen im Bereich des Foramen jugulare auf. Aber auch durch Tumoren am Kleinhirnbrückenwinkel oder iatrogen (durch ärztliche Eingriffe), z. B. Probeexzision von Lymphknoten oder eine Neck-Dissection (Halslymphknotenausräumung), kann der Nerv verletzt werden. Je nach Lokalisation der Schädigung können Schluckbeschwerden, Sensibilitätsstörungen im Pharynx und in der Epiglottis (Fehlen des Würgereflexes, Geschmacksstörungen), Heiserkeit (über Nn. laryngei), Tachykardien, Arrhythmien sowie Atem- und Kreislaufprobleme die Folge sein.

N. accessorius [XI]

Per definitionem ist der N. accessorius [XI]Nervus(-i)accessorius [XI] (SVE) eigentlich kein echter Hirnnerv, da sein Hauptanteil (Radix spinalis) Radix(-ces)spinalis (N. accessorius)nicht zerebralen Kerngebieten entstammt, sondern dem Vorderhorn (Nucleus nervi accessorii) Nucleus(-i)nerviaccessoriides zervikalen Rückenmarks (bis C5). Daher auch der Name „accessorius“ = zusätzlich. Nur ein kleinerer Teil (Radix cranialis) Radix(-ces)cranialis (N. accessorius)verlässt gemeinsam mit dem N. glossopharyngeus [IX] (Kap. 9.3.9) und dem N. vagus [X] (Kap. 9.3.10) im Sulcus retroolivaris den Hirnstamm. Die Neurone liegen im Nucleus ambiguus. Innerhalb des Foramen jugulare schließen sich die beiden Radices zum N. accessorius [XI] zusammen (Abb. 9.41). Es ist nicht abschließend geklärt, ob die Fasern der Radix cranialis unterhalb des Foramen jugulare als R. internus zum N. vagus [X] übertreten oder ob es eine Verbindung zum N. vagus gar nicht gibt. Die Radix cranialis beteiligt sich an der Innervation der Pharynx- und Larynxmuskulatur und ist daher, genau genommen, nicht dem N. accessorius [XI] zuzuordnen. Die Fasern der Radix spinalis, deren Neurone sich im Nucleus nervi accessorii befinden, ziehen als R. externus über den M. levator scapulae kaudalwärts zum M. sternocleidomastoideus und innervieren diesen. Ein Teil verläuft dann weiter durch das laterale Halsdreieck zum Vorderrand des M. trapezius, den sie ebenfalls innervieren.

Klinik

Da der N. accessorius [XI] im Hals sehr oberflächlich verläuft, ist er verletzungsgefährdet (z. B. bei der Entfernung von Lymphknoten). Meist liegt die Schädigung unterhalb des Abgangs für den M. sternocleidomastoideus im lateralen Halsdreieck, sodass die Innervation des M. trapezius ausfällt. Folgen sind ein Schultertiefstand und Schwierigkeiten, den Arm über die Horizontale zu heben (gestörte Elevation). Liegt die Schädigung oberhalb des Abgangs zum M. sternocleidomastoideus, wird dieser ebenfalls nicht mehr innerviert und der Patient kann – außer den Schwierigkeiten bei der Elevation des Arms – auch den Kopf nicht mehr zur gesunden Seite drehen.

N. hypoglossus [XII]

Der N. hypoglossus [XII]Nervus(-i)hypoglossus [XII] ist ein rein motorischer Nerv mit einer Qualität (ASE). Sein Kerngebiet ist der Nucleus nervi hypoglossi. Nucleus(-i)nervihypoglossiEr verlässt das Gehirn als einziger Hirnnerv mit mehreren kleinen Fasern im Sulcus anterolateralis Sulcus(-i)anterolateraliszwischen Olive und Pyramide. Nach Zusammenschluss der Fasern zum N. hypoglossus [XII] tritt der Nerv durch den Canalis nervi hypoglossi Canalis(-es)nervihypoglossiseitlich vom Foramen magnum durch die Schädelbasis (Abb. 9.42). Unterhalb davon lagern sich Fasern der Spinalnerven C1 und C2 (Plexus cervicalis) an, die zu den Mm. geniohyoideus et thyrohyoideus ziehen und sie innervieren. Nach seinem Durchtritt durch die Schädelbasis zieht er im Spatium lateropharyngeum Spatiumlateropharyngeumzwischen A. carotis interna und V. jugularis interna nach vorne in Richtung Mundboden. Dabei laufen die Fasern aus C1 und C2 als Ansa cervicalis nervi hypoglossi Ansacervicalisnervi hypoglossimit. Er tritt zwischen M. mylohyoideus und M. hyoglossus seitlich in die Zunge ein und innerviert motorisch deren Binnenmuskeln (Mm. longitudinales superior et inferior linguae, M. transversus linguae, M. verticalis linguae sowie die Mm. styloglossus, hyoglossus et genioglossus). Er ist der einzige motorische Muskel für die Zunge und somit unerlässlich für das Essen, Trinken, Schlucken und Sprechen.

Klinik

Schädelbasisbrüche oder Infarkte im Stromgebiet der A. vertebralis können zur Schädigung des N. hypoglossus [XII] führen. Meist ist nur eine Seite betroffen. Die Patienten fallen durch Artikulationsstörungen (Dysarthrie) und Schluckstörungen (Dysphagie) auf. Nach der Aufforderung, die Zunge herauszustrecken, weicht diese zur erkrankten Seite ab, da die Muskulatur auf der gesunden Seite überwiegt. Besteht die Läsion länger, kommt es zur Atrophie der Zungenmuskulatur auf der betroffenen Seite.

Auge

Michael Scholz

Kompetenzen

Nach Bearbeitung Augedieses Lehrbuchkapitels sollten Sie in der Lage sein:

  • die embryologische Entwicklung des Auges nachzuvollziehen und die daraus resultierenden Besonderheiten der jeweiligen Strukturen des Auges einzuschätzen

  • den Aufbau und die Strukturen der Orbita zu benennen

  • die Hilfsstrukturen der Orbita zu unterscheiden und ihre Funktionen zu erklären

  • den Aufbau und die Funktion der äußeren Augenmuskulatur sowie die Blutversorgung und die Innervation von Bulbus oculi und Orbita zu beschreiben und zu unterscheiden

  • die Bestandteile des Bulbus oculi zu unterscheiden und ihren Funktionen zuzuordnen

Klinischer Fall

Ruptur des N. opticus [II]

Unfall

Ein 32-jähriger Mann kommt Nervus(-i)opticus [II]Rupturmit seinem Rennrad in einer leichten Abfahrt zu Fall und schlägt mit der rechten Schläfe hart auf den Asphaltboden auf. Obwohl der Mann keinen Fahrradhelm trägt, verliert er durch den Sturz nicht das Bewusstsein. Er bemerkt für einige Sekunden ein Blitzen im rechten Auge und stellt durch Zuhalten des linken Auges fest, dass er auf dem rechten Auge nichts mehr sieht. Außer leichten Schürfwunden bildet sich an der rechten Schläfe ein Hämatom.

Diagnostik

Nach Vorstellung in der Klinik wird notfallmäßig eine Computertomografie (CT) zur Abklärung möglicher Frakturen durchgeführt. Eine Fraktur kann nicht nachgewiesen werden, auch der Sehnervenkanal (Canalis opticus) ist intakt. Der außerdem durchgeführte Wechselbelichtungstest zur Feststellung der Pupillenreaktion zeigt eine vollständige afferente Störung der Lichtwahrnehmung im rechten Auge.

Therapie

Die sofortige intravenöse Gabe einer Megadosis des entzündungshemmend wirkenden Glukokortikoids Prednisolon kann den Sehverlust auf der rechten Seite nicht verbessern.

Langzeitdiagnose

Nach etwa 7 Wochen ist eine Optikusatrophie nachweisbar. Durch den seitlichen Aufprall des ungeschützten Kopfes (Helm auf beim Radfahren!) auf die Straße kam es zu einer Ruptur des N. opticus [II] und/oder der zugehörigen Gefäße im Canalis opticus.
Das Auge (Organum visus) Organum(-a)visusals Sehorgan des Menschen besteht funktionell aus dem Augapfel (Bulbus oculi) AugapfelBulbusoculimit dem eigentlichen optischen Apparat, der äußeren AugenmuskelnäußereAugenmuskulatur (Mm. bulbi), zahlreichen Blutgefäßen und Nerven sowie verschiedenen Hilfsstrukturen wie den Augenlidern (Palpebrae), AugenliderPalpebra(-ae)der Bindehaut (Tunica conjunctiva)BindehautTunicaconjunctiva und dem Tränenapparat (Apparatus lacrimalis). Apparatus lacrimalisTränenapparatBis auf die Augenlider sind alle Hilfsstrukturen gemeinsam mit dem Augapfel und einem ausfüllenden Fettkörper (Corpus adiposum orbitae),Corpus(-ora)adiposumorbitae der um den Bulbus oculi als bindegewebige Kapsel (Vagina bulbi; Tenon-Kapsel) Vagina(-ae)bulbi (Tenon-Kapsel)Tenon-Kapsel (Vagina bulbi)ausgebildet ist, in der knöchernen Augenhöhle (Orbita) AugenhöhleOrbitauntergebracht (Abb. 9.43).
  • Jedes Auge besitzt ein oberes (Palpebra superior) Palpebra(-ae)superior/inferiorund ein unteres Augenlid (Palpebra inferior).

  • Der Tränenapparat setzt sich aus der TränendrüseTränendrüse (Glandula lacrimalis),Glandula(-ae)lacrimalis den akzessorischen Tränendrüsen (Glandulae lacrimales accessoriae) und den Meibom-Drüsen (Glandulae tarsales)Meibom-Drüsen (Glandulae tarsales)Glandula(-ae)tarsales (Meibom-Drüsen) in den Augenlidern, dem oberen und unteren TränenkanälchenTränenkanälchen (Canaliculi lacrimales superior et inferior),Canaliculus(-i)lacrimales superior et inferior dem TränensackTränensack (Saccus lacrimalis)Saccuslacrimalis und dem Tränennasengang (Ductus nasolacrimalis) zusammen.

  • In der Augenhöhle liegen 6 Muskeln, die den Augapfel bewegen, sowie der (Ober-)Lidheber (M. levator palpebrae superioris). Musculus(-i)levatorpalpebrae superiorisVon den 6 Muskeln, die den Bulbus bewegen, verlaufen 4 gerade (M. rectus superiorMusculus(-i)rectussuperior, M. rectus inferiorMusculus(-i)rectusinferiorMusculus(-i)rectusmedialisMusculus(-i)rectuslateralis, M. rectus medialis und M. rectus lateralis) und 2 haben einen schrägen Verlauf (M. obliquus superiorMusculus(-i)obliquussuperior bulbiMusculus(-i)obliquusinferior bulbi und M. obliquus inferior).

  • Der Augapfel (Bulbus oculi) AugapfelBulbusoculigleicht in seiner Schichtgliederung einer Zwiebel. Auf die als Hüllschicht zu sehende äußere AugenhautAugenhautäußere (Tunica fibrosa bulbiTunicafibrosa bulbi) mit Sclera und Cornea folgt die mittlere AugenhautAugenhautmittlere (Tunica vasculosa bulbi)Tunicavasculosa bulbi, die sich aus der Aderhaut, dem Ziliarkörper und der Iris zusammensetzt. Die innere AugenhautAugenhautinnere (Tunica interna bulbi) istTunicainterna bulbi die Netzhaut (Retina). Im Inneren des Augapfels befinden sich Kammerwasser, Linse und Glaskörper.

Embryologie

Ursprungsgewebe
Die Entwicklung des Sehorgans wird prinzipiell durch AugeEntwicklungeine Reihe induktiver Signale gesteuert, die zunächst innerhalb des Neuroektoderms des Zwischenhirns (Diencephalon) und später in gegenseitiger Wechselwirkung zwischen den jeweiligen Anteilen der Augenanlage stattfinden. Grundsätzlich entstehen in der Embryonalentwicklung die späteren Augengewebe aus 3 verschiedenen Ursprungsgebieten (Tab. 9.21):
  • dem Neuroektoderm des Zwischenhirns

  • dem Oberflächenektoderm des Kopfes

  • dem Kopfmesenchym

Entwicklung der Augenanlage
Die Entwicklung der AugenanlageAugenanlageEntwicklung wird bereits zu Beginn der 4. Woche sichtbar. Zunächst kommt es auf beiden Seiten zu einer rinnenförmigen Einstülpung des Neuroektoderms (AugengrubeAugengrube, Sulcus opticus).Sulcus(-i)opticus Hieraus entstehen durch Verschmelzung der Neuralfalten die Augenbläschen, die im weiteren Entwicklungsverlauf mit dem Oberflächenektoderm in Kontakt kommen. Das Oberflächenektoderm verdickt sich an den Kontaktstellen und bildet jeweils eine LinsenplakodeLinsenplakode als Anlage der späteren Linse aus. Die Linsenplakoden senken sich anschließend ein und verschmelzen schließlich zu den sphärischen LinsenbläschenLinsenbläschen, die in der Folge ihre Verbindung zum Oberflächenektoderm verlieren. Die Augenbläschen umwachsen seitlich das Linsenbläschen, sodass um das Linsenbläschen der Augenbecher entstehen kann. Über den Sulcus opticus bleibt der Augenbecher noch mit dem Zwischenhirn (Diencephalon) verbunden. Als längliche Einbuchtung an der ventralen Seite des Augenbechers entsteht entlang des AugenbecherstielsAugenbecherstiel die AugenbecherspalteAugenbecherspalte (Fissura optica), durch die auf der gesamten Länge der Augenanlage mesenchymale Zellen in das Innere des Augenbechers – nicht aber in den Sehventrikel zwischen den beiden Schichten des Augenbechers – einwandern können. Hieraus bilden sich Blutgefäße, die z. T. schon von ersten Nervenfasern des späteren N. opticus [II] umgeben sind. Diese Blutgefäße versorgen als A. und V. hyaloideaVena(-ae)hyaloideaArteria(-ae)hyaloidea (Glaskörpergefäße) die innere Schicht des Augenbechers, das Linsenbläschen sowie das Augenbechermesenchym. Im weiteren Verlauf der Entwicklung beginnen schließlich die Ränder der Augenbecherspalte distal zu verschmelzen. Durch das nach proximal fortschreitende Verlängern dieser Verschmelzungszone werden die Glaskörpergefäße zunehmend vom im Augenbecherstiel entstehenden N. opticus [II] umschlossen. Die distalen Äste der Glaskörpergefäße degenerieren in der Folge, während die proximalen Äste als A. und V. centralis retinae im N. opticus erhalten bleiben (Abb. 9.44).

Klinik

Weil die Augenentwicklung sehr komplex ist, kann es zu einer ganzen Reihe angeborener Fehlbildungen des AugesAugeFehlbildungen kommen. Meist resultieren die Fehlbildungen aus Verschlussstörungen der Augenbecherspalte. Grundsätzlich hängen Art und Schwere der jeweiligen Anomalien vom Embryonalstadium der Entwicklungsstörung ab. Außer exogenen Faktoren (z. B. Umweltgifte) können Störungen in der Expression wichtiger molekularer Faktoren einen Einfluss haben, die für die Augenentwicklung eine wichtige Rolle spielen (z. B. der Transkriptionsfaktor Pax6 oder sezernierte Signalmoleküle wie Shh [Sonic hedgehog]).

Entwicklung der Retina
Die RetinaRetinaEntwicklung entwickelt sich aus den Schichten des Augenbechers. Die äußere, dünne Schicht des Augenbechers wird zum einschichtigen Pigmentepithel, während sich die innere Schicht bereits während der Einstülpung des Augenbechers verdickt und zur eigentlichen NeuroretinaNeuroretina entwickelt (Abb. 9.45). Der Sehventrikel, der zwischen beiden Anteilen liegt, verschwindet bis zur Geburt durch das enge Aneinanderlagern beider Retinaschichten vollständig. Allerdings werden zwischen den beiden Schichten in der Folge keine definierten Zellkontakte ausgebildet, was dazu führt, dass die Verbindung mechanisch nicht sonderlich belastbar ist und klinisch eine wesentliche Rolle z. B. bei der Entstehung der altersabhängigen Netzhautablösung (Ablatio retinae) spielt.
Entwicklung der inneren Augengewebe
Das äußere Corneaepithel Augengewebeinneres, Entwicklungentwickelt sich aus dem Oberflächenektoderm, während sich die Stromazellen und das innere Epithel, das als Endothel bezeichnet wird, aus Neuralleistenzellen entwickeln. Die für die normale SehschärfeSehschärfeHornhautkrümmung entscheidende HornhautkrümmungSehschärfeHornhautkrümmung bildet sich in direkter Abhängigkeit vom Augeninnendruck aus.
Das den AugenbecherAugenbecher umgebende Mesenchym (aus der Neuralleiste) wird durch den induzierenden Einfluss des Pigmentepithels zur weiteren Differenzierung angeregt und bildet 2 Schichten: eine innere, gefäßreiche und später auch pigmentierte Schicht, die als Aderhaut (Choroidea)ChoroideaEntwicklung bezeichnet wird, und eine äußere, bindegewebige und zunächst gefäßarme Schicht, die LederhautLederhautEntwicklung (Sclera)ScleraEntwicklung. In der Anlage der Sclera verdichtet sich das Mesenchym und geht in einer Übergangszone (Limbus corneae) nahtlos in die Cornea über. Die Choroidea verändert sich am Augenbecherrand und bildet dort den Kern der Ziliarkörperfortsätze, die vom zweischichtigen Ziliarepithel bedeckt werden. Die Iris entwickelt sich aus dem vorderen Rand (Pars caeca) des Augenbechers, der sich nach innen wölbt und auf diese Weise die Linse teilweise von außen bedeckt. Analog zu den Schichten des Augenbechers weist die Iris ein zweischichtiges Epithel auf, das proximal kontinuierlich in das Epithel des Ziliarkörpers übergeht. Schon früh in der Entwicklung greift in der Iris die Pigmentierung bis zum Übergang zum Ziliarepithel vom äußeren auch auf das innere Blatt des Augenbechers über, wodurch die Iris vollständig lichtundurchlässig wird und sich ihre spätere Funktion als Blende des Auges gegen das einfallende Licht begründet.
Entwicklung der Augenlider und der Tränendrüsen
Die AugenliderAugenliderEntwicklung entwickeln sich im Laufe der 6. Woche aus 2 die Cornea sukzessive überwachsenden Hautfalten, die Zellen des Kopfmesenchyms enthalten. Etwa ab dem Beginn der 10. Woche bedecken diese Hautfalten die Cornea vollständig und verbinden sich bis zur 26. Woche miteinander. Solange die Verbindung besteht, bildet die sich vorher differenzierte Bindehaut vor der Cornea eine geschlossene Tasche. Durch die Keratinisierung der Epidermisanlage an den Lidrändern löst sich etwa ab dem 7. Monat die epitheliale Verbindung in diesem Bereich und das Auge kann geöffnet werden.
Die Anlagen der beiden TränendrüsenTränendrüseEntwicklung entwickeln sich als knospenartige Verdichtungen des Oberflächenektoderms. Die Knospen bilden beim Einwachsen in das Mesenchym Verzweigungen, aus denen sich das Gangsystem und die Drüsenendstücke differenzieren. Die Tränendrüsen sind zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht in vollem Umfang funktionsfähig, weshalb Neugeborene beim Weinen zunächst noch keine Tränen bilden können.

Schutz- und Hilfsstrukturen des Auges

Unter den Schutz- und HilfsstrukturenAugeSchutz-/Hilfsstrukturen des Auges fasst man die Augenlider, die Bindehaut, den Tränenapparat sowie die äußeren Augenmuskeln zusammen. Außerdem gehören hierzu ebenfalls der orbitale Fettkörper und die in ihm verlaufenden Leitungsbahnen.
Augenlider und Bindehaut
Die Augenlider (Palpebrae)AugenliderPalpebra(-ae) kann man als bewegliche Weichteilfalten des Gesichts bezeichnen, die vor allem die Hornhaut (Cornea) des Augapfels von vorne bedecken und vor mechanischen Schäden schützen. Gleichzeitig sorgt der regelmäßige LidschlagLidschlag (10–15-mal pro Minute) für eine gleichmäßige Verteilung der Tränenflüssigkeit auf Cornea und Bindehaut und schützt so das Auge vor Austrocknung. Die Epidermis des Augenlids ist vergleichsweise dünn und fettfrei. Längs der vorderen Lidkante stehen in mehreren dichten Reihen Augenwimpern (Cilia), die am Oberlid aufwärts gekrümmt und in der Regel länger sind als am Unterlid. In die Haartrichter der Wimpern münden die Ausführungsgänge großer Talgdrüsen (Zeis-DrüsenZeis-Drüsen; Glandulae sebaceae). An den Haarwurzeln befinden sich apokrine Schweißdrüsen (Moll-Drüsen, Glandulae ciliares)Moll-Drüsen (Glandulae ciliares)Glandula(-ae)ciliares (Moll-Drüsen). Im Oberlid kommen kleine akzessorische Tränendrüsen in der Nähe der Fornix conjunctivae (Krause-Drüsen)Krause-Drüsen und am Oberrand der Meibom-DrüsenMeibom-Drüsen (Glandulae tarsales)Glandula(-ae)tarsales (Meibom-Drüsen) (Wolfring-Drüsen)Wolfring-Drüsen vor.
Das Augenlid (Ober- und Unterlid sind grundsätzlich gleich gebaut) wird in ein äußeres und in ein inneres Blatt unterteilt (Abb. 9.46):
  • Das äußere Blatt des Augenlids beinhaltet den quergestreiften, mimischen M. orbicularis oculi Musculus(-i)orbicularisoculimit seiner Pars palpebralis als Schließmuskel der Lidspalte. Das Öffnen der Lidspalte übernimmt vor allem der M. levator palpebrae superioris, Musculus(-i)levatorpalpebrae superiorisdessen Sehne in den Oberrand der bindegewebigen Lidplatte des Oberlids (Tarsus) einstrahlt. Der lidrandnahe Abschnitt des Muskels wird als Riolan-MuskelRiolan-Muskel bezeichnet (s. u.). Sowohl im Ober- als auch im Unterlid setzen am Tarsusrand die glatten Muskelfasern des M. tarsalis Musculus(-i)tarsalisan, der sympathisch innerviert wird und für die Retraktion der Augenlider sorgt. Verminderte Aktivierung des Muskels z. B. bei Müdigkeit (Parasympathikusaktivierung) führt dazu, dass einem im wahrsten Sinne des Wortes „die Augen zufallen“.

  • Zum inneren Blatt des Augenlids gehört die aus festem kollagenem Bindegewebe bestehende Lidplatte (Tarsus) LidplatteTarsusLidplattemit den in ihr eingelagerten 25–35 (Oberlid) und 15–25 (Unterlid) lang gestreckten Meibom-Drüsen (Glandulae tarsales), die als modifizierte Talgdrüsen an der hinteren Lidkante münden (Abb. 9.47). Im Bereich des Lidrandes befinden sich konzentrisch um die Ausführungsgänge der Glandula(-ae)tarsales (Meibom-Drüsen)Meibom-DrüsenMeibom-Drüsen (Glandulae tarsales) angeordnete Muskelfasern des M. orbicularis oculi (Pars palpebralis), die in den Tarsus ausstrahlen und als Riolan-MuskelRiolan-Muskel oder Fasciculi ciliares bezeichnet werden. Ob der Muskelanteil beim Auspressen des öligen Sekretes der Meibom-Drüsen hilft oder dem Verschluss der Drüsen (z. B. während des Schlafes) dient, ist allerdings bis heute nicht geklärt. Die Lidbindehaut (Tunica conjunctiva palpebrarum) ist die Schleimhaut an der Innenseite der Augenlider.

Die Bindehaut (Tunica conjunctiva)Bindehaut Tunicaconjunctivabedeckt nicht nur die Innenseite der Augenlider. In ihrem Verlauf in Richtung Augapfel schlägt sie im Bereich des Orbitarandes auf den Augapfel um und bildet so Reservefalten, die für die Augenbewegungen wichtig sind (Fornix conjunctivae superior/inferior). Im weiteren Verlauf bedeckt die Konjunktiva – mit Ausnahme der Hornhaut (Cornea) – als Augenbindehaut (Tunica conjunctiva bulbi) die gesamte Vorderfläche des Bulbus oculi. Beide Anteile bilden gemeinsam den Konjunktival- oder Bindehautsack. Dieser ermöglicht die Bewegungen der Augenlider und stellt gleichzeitig einen Schutz für das Auge dar. Im nasalen Augenwinkel liegt eine dritte, kleine und leicht gebogene Schleimhautfalte (Plica semilunaris conjunctivae), die beim Menschen als Rudiment der bei Tieren teilweise gut entwickelten NickhautNickhaut (Membrana nicitans)Membrananicitans angesehen wird. Im mehrschichtigen Epithel der Bindehaut sind Becherzellen eingelagert, deren Sekretionsprodukte Teil des Tränenfilms werden. Außerdem kommen in der Konjunktiva Lymphfollikel vor, die zum mukosaassoziierten lymphatischen Gewebe (CALT = Konjunktiva-assoziiertes lymphatisches Gewebe) gehören.

Klinik

Das Hagelkorn (Chalazion) Hagelkorn (Chalazion)Chalazion (Hagelkorn)ist eine schmerzfreie Schwellung des Augenlids, die meist durch Verstopfen des Ausführungsgangs einer Meibom-Drüse mit anschließender nicht bakterieller Entzündung zustande kommt. Hiervon wird die schmerzhafte Infektion der Lidranddrüsen (Zeis- oder Moll-Drüsen) abgegrenzt, die als Gerstenkorn (Hordeolum externum) Gerstenkorn (Hordeolum externum)Hordeolumexternum (Gerstenkorn)bezeichnet wird und meist durch Bakterien (Staphylococcus aureus) verursacht ist. Als HordeoluminternumHordeolum internum wird die bakterielle Entzündung einer Meibom-Drüse bezeichnet. In beiden Fällen zeigt das klinische Bild eine deutliche Rötung des Lidrandes mit ödematöser Schwellung und eventueller Eiterbildung.

Tränenapparat
Tränendrüse (Glandula lacrimalis)
Innerhalb der TränenapparatOrbita liegt die Tränendrüse (Glandula lacrimalis) TränendrüseGlandula(-ae)lacrimalisunmittelbar unterhalb der Periorbita in der Fossa glandulae lacrimalis des Os frontale, lateral oberhalb des temporalen Lidwinkels (Abb. 9.48). Ihr Vorderrand reicht bis zum Septum orbitale, das die Orbita nach außen bindegewebig abschließt. Sie wird durch die Sehne des M. levator palpebrae unvollständig in einen größeren oberen Teil (Pars orbitalis) Parsorbitalis(Gl. lacrimalis)und einen kleineren unteren Teil (Pars palpebralis)Parspalpebralis(Gl. lacrimalis) getrennt, der wiederum in 2–3 Läppchen untergliedert ist. Im hinteren lateralen Teil der Drüse hängen beide Teile zusammen. Die etwa 10 Ausführungsgänge dieser verzweigten, tubuloalveolären Drüse münden schließlich in den oberen Fornix (Fornix conjunctivae superior) hinter dem Augenlid. Ihre wichtigste Funktion ist die Sekretion des größten Teils der wässrigen Komponente des Tränenfilms (Tab. 9.22).

Klinik

Um die normale physiologische Tränendrüsenfunktion zu untersuchen, wird ein Schirmer-Test Schirmer-Testdurchgeführt. Hierzu wird ein Filterpapierstreifen genormter Länge in den Bindehautsack eingehängt. Der Papierstreifen nimmt Tränenflüssigkeit auf und verfärbt sich sukzessive. Liegt eine physiologisch normale Tränenflüssigkeitsproduktion vor, sollten sich innerhalb von 5 Minuten mehr als zwei Drittel des Papierstreifens verfärbt haben. Ist ein geringerer Anteil des Filterpapieres gefärbt, deutet dies auf eine verminderte Tränenflüssigkeitsproduktion hin.

Tränenfilm
Hornhaut- und Bindehautepithel Tränenfilmwerden von einem bis zu 40 µm dicken Tränenfilm benetzt. Dessen Hauptanteil ist die der Tränendrüse entstammende wässrige Komponente, eine isotone Elektrolytlösung, die antimikrobielle Proteine und Peptide sowie hochmolekulare gelbildende Muzine (Hauptkomponente von Schleim) aus den Becherzellen der Bindehaut und aus der Tränendrüse enthält. Außerdem bilden die akzessorischen Tränendrüsen der Augenlider einen kleinen Teil der wässrigen Komponente des Tränenfilms. Die Haftung des Tränenfilms wird durch Microplicae auf den oberflächlichen Epithelzellen und membranständige Muzine in der apikalen Zellmembran der Oberflächenzellen von Cornea und Tunica conjunctiva ermöglicht. Die Verdunstung der wässrigen Komponente wird durch eine oberflächliche Lipidschicht verhindert, die der wässrigen Komponente aufliegt und hauptsächlich den Meibom-DrüsenMeibom-Drüsen (Glandulae tarsales) der Augenlider entstammt (Tab. 9.22). Der Tränenfilm schützt und ernährt die Augenoberfläche und bildet gleichzeitig die refraktive Vorderfläche des visuellen Systems.

Klinik

Das trockene Auge (Sicca-Syndrom)Augetrockenes (Sicca-Syndrom)Sicca-Syndrom ist eine der am häufigsten auftretenden chronischen Augenerkrankungen. Etwa 50 % der Patienten, die einen niedergelassenen Augenarzt aufsuchen, leiden an einer Form des trockenen Auges. Es ist definiert als eine multifaktorielle Störung des Tränenfilms und der Augenoberfläche, die zu Symptomen wie Augenbeschwerden, Sehstörungen und Tränenfilminstabilität führt und mit möglichen Schäden der Augenoberfläche verbunden ist. Die Erkrankung geht mit einer erhöhten Osmolarität des Tränenfilms und der Entzündung der Augenoberfläche einher. Ursache ist oft eine Veränderung der Tränenflüssigkeit hinsichtlich der produzierten Menge (z. B. verringerte Blinzelfrequenz bei Bildschirmarbeit, Sjögren-Syndrom)Sjögren-Syndrom und der Zusammensetzung. Meist liegt eine Funktionsstörung der Meibom-Drüsen vor. Durch eine unzureichend vorhandene Lipidschicht kann die Tränenflüssigkeit schneller verdunsten und es entstehen „trockene Flecken“ („dry spots“) an der Augenoberfläche. Andere Ursachen können aber auch ein ungenügender Lidschluss (z. B. Fazialisparese) oder systemische Erkrankungen (z. B. Diabetes mellitus) sein.

Klinik

Bei der operativen Entfernung der Pars palpebralis der Tränendrüse werden grundsätzlich alle Ausführungsgänge der Tränendrüse entfernt. Dennoch ist die Tränenproduktion damit nicht beendet. Grund hierfür sind die akzessorischen Tränendrüsen (Glandulae lacrimales accessoriae; Krause-DrüsenKrause-Drüsen und Wolfring-Drüsen)Wolfring-Drüsen des Oberlids. Sie sollen für die Basissekretion des Tränenfilms (etwa 5 %) zuständig sein.

Gefäßversorgung und Innervation
Die TränendrüseTränendrüseGefäßversorgung/Innervation wird über die A. lacrimalis Arteria(-ae)lacrimalis(Ast der A. ophthalmica) mit Blut versorgt (Abb. 9.49). Das venöse Blut fließt über die V. ophthalmica superior Vena(-ae)ophthalmicasuperiorzum Sinus cavernosus. Der Parasympathikus wirkt steigernd auf die Tränenflüssigkeitssekretion, der Sympathikus hemmend. Präganglionäre Fasern des Sympathikus werden im Ganglion cervicale superius des Grenzstrangs auf postganglionäre Fasern umgeschaltet. Diese erreichen die Tränendrüse, indem sie den Aa. carotis interna, ophthalmica und lacrimalis folgen – oder sie verlassen das Geflecht um die A. carotis interna als N. petrosus profundus, dessen Fasern sich den parasympathischen Fasern im Canalis pterygoideus als N. canalis pterygoidei anschließen, um so die Tränendrüse zu erreichen. Die präganglionären Fasern des Parasympathikus (1. Neuron im Nucleus salivatorius superior) gelangen über den Intermediusanteil des N. facialis [VII] als N. petrosus major und anschließend als N. canalis pterygoidei (gemeinsam mit sympathischen Fasern aus dem N. petrosus profundus) zum Ganglion pterygopalatinum. Hier erfolgt die Umschaltung der parasympathischen Fasern auf postganglionär, die im weiteren Verlauf mit dem N. zygomaticus (Ast des N. maxillaris [V/2]) über den R. communicans cum nervo zygomatico den N. lacrimalis und schließlich die Tränendrüse erreichen (Abb. 9.49).
Ableitende Tränenwege
Michael Scholz, Friedrich Paulsen
Der TränenwegeableitendeLidschlagLidschlag läuft zeitversetzt von temporal nach nasal (Pars palpebralis, M. orbicularis oculi) und wischt damit die Tränenflüssigkeit in Richtung nasaler Augenwinkel. Hier beginnen die ableitenden Tränenwege mit dem oberen und unteren Tränenpunkt (Punctum lacrimale), Punctumlacrimaledie sich jeweils am nasalen Lidrand des Ober- oder Unterlids nahe dem Angulus oculi medialis befinden (Abb. 9.50a). Die Tränenpunkte tauchen beim Lidschluss in den TränenseeTränensee (Lacus lacrimalis) Lacus lacrimalisein. Dabei handelt es sich um die „alte“ verbrauchte Tränenflüssigkeit, die sich im nasalen Lidwinkel gesammelt hat. Über die Tränenpunkte gelangt die Tränenflüssigkeit in das obere und das untere TränenkanälchenTränenkanälchen (Canaliculi lacrimales superior et inferior), Canaliculus(-i)lacrimales superior et inferiordie entweder einzeln oder zu einer kurzen gemeinsamen Endstrecke vereinigt in den TränensackTränensack (Saccus lacrimalis) Saccuslacrimaliseinmünden (Abb. 9.50a, b). Um die Tränenkanälchen ist die Pars lacrimalis des M. orbicularis oculi (Horner-Muskel) angeordnet, Parslacrimalis (M. orbicularis oculi, Horner-Muskel)Musculus(-i)orbicularisoculiHorner-Muskel (Pars lacrimalis m. orbicularis oculi)die für den Tränentransport durch die Canaliculi essenziell ist. Die als „Tränenpumpe“ bezeichnete Funktion der Pars lacrimalis ist nicht genau verstanden. DieSaccuslacrimalis Muskelfasern inserieren über kleine Sehnen am Septum lacrimale der lateralen Tränensackwand.
Der in der Fossa lacrimalis liegende und lateral zur Orbita durch das Septum lacrimale getrennte Tränensack (Abb. 9.51) erweitert sich kranial zur Fornix sacci lacrimalis und geht kaudal in den ca. 25 mm langen Tränennasengang (Ductus nasolacrimalis) TränennasengangDuctusnasolacrimalisüber. Der Ductus nasolacrimalis liegt in einem von der Maxilla und dem Os lacrimale gebildeten knöchernen Kanal und hat dorsal topografische Beziehung zur Kieferhöhle. Medial kann sich eine vordere Siebbeinzelle (Agger-nasi-Zelle) zwischen die Wand des knöchernen Kanals und die laterale Nasenwand schieben. Nach unten setzt sich der Ductus nasolacrimalis in den unteren Nasengang (Meatus nasi inferior) unterhalb der unteren Nasenmuschel (Concha nasalis inferior) fort. Der Mündungsbereich in die Nasenhöhle liegt unterhalb des vorderen Anteils der unteren Nasenmuschel und ist sehr variabel ausgebildet. In vielen Fällen kommt an der Mündungsstelle eine Schleimhautfalte (Plica lacrimalis, Hasner-Klappe) Plica(-ae)lacrimalis (Horner-Klappe)Hasner-Klappe (Plica lacrimalis)vor. Die Lumen von Tränensack und Tränennasengang sind von einem ausgeprägten Gefäßplexus umgeben, der funktionell mit einem Schwellkörper vergleichbar ist. Um und zwischen den Gefäßen des Schwellkörpers verlaufen spiralförmig Bindegewebsfasern vom Tränensack bis zur unteren Nasenmuschel. Aufgrund der Fixierung im Bereich der unteren Nasenmuschel und des spiralförmigen Verlaufs der Bindegewebsfasern werden Tränensack und Tränennasengang bei Kontraktion der Pars lacrimalis des M. orbicularis oculi nach kranial gezogen; dabei wird das Tränensystem wie ein Handtuch ausgewrungen und die enthaltene Tränenflüssigkeit distalwärts drainiert.

Klinik

Zu den häufigsten pathologischenDakryozystitis Veränderungen der ableitenden Tränenwege zählen Entzündungen (Dakryozystitis), Verengungen (Dakryostenosen) Dakryostenoseund Steinbildungen (Dakryolithiasis).Dakryolithiasis Hierbei kommt es symptomatisch zu Epiphora (griechisch: „Tränenträufeln“),Epiphora einem Überlaufen der Tränenflüssigkeit über die Lidränder. Im Falle der Dakryostenosen kann es sich auch um einen angeborenen Defekt handeln, der z. B. auf ein Persistieren der Hasner-Membran, Hasner-Membranpersistierendeeiner dünnen bindegewebigen Membran am Übergang zum unteren Nasengang, zurückzuführen ist und so einen normalen Tränenabfluss verhindert. Sie rupturiert in den meisten Fällen kurz nach der Geburt. Persistiert sie länger als ein Jahr, muss sie therapeutisch durchstoßen werden.

Merke

Schwillt das Schwellkörpergewebe an, ist der Tränentransport durch die ableitenden Tränenwege vermindert oder gar nicht mehr möglich. Dann fließt die Tränenflüssigkeit über die Wangen ab und man „weint“. Außer mechanischen Ursachen (Fremdkörper im Bindehautsack; „reflektorische Tränen“) können sich die Blutgefäße des Schwellkörpers auch bei starken Emotionen (z. B. große Freude, Angst oder Trauer) füllen (parallel wird auch die Flüssigkeitsproduktion der Tränendrüsen massiv gesteigert). Im Laufe des Lebens weint ein Mensch bis zu 80 Liter Tränenflüssigkeit.Tränenflüssigkeit Zur Ursache des Entstehens „emotionaler Tränen“ gibt es unterschiedliche Theorien und Auffassungen. Zweifellos hat das Weinen aber eine wichtige soziale Funktion zwischen den Menschen. Während das Weinen im Säuglingsalter und bei Kleinkindern bis zu einem gewissen Grad die einzige Kommunikationsform darstellt, ist es beim Erwachsenen meist Ausdruck unterschiedlicher Gefühlsregungen. In der Tierwelt sind die emotionalen Tränen des Menschen wohl einzigartig. Zwar können auch andere Säugetiere und Reptilien mit einem entsprechenden Tränenapparat weinen, aber die sog. Krokodilstränen Krokodilstränensind tatsächlich reflektorische Tränen und entstehen wohl dadurch, dass die Reptilien beim Fressen ihr Maul weit aufsperren und sich so mechanisch der Druck auf die Tränendrüse erhöht. Dennoch: Schmerz und Trauer empfinden Tiere nachweislich ebenso, auch wenn sie bei diesen Empfindungen keine Tränen vergießen.

Augenhöhle

Die AugenhöhleAugenhöhle (Orbita) Orbitaist einOrbitaKnochen knöchern begrenzter, kegelförmig aufgebauter Raum. Sie wird von verschiedenen knöchernen Anteilen des NeurocraniumsNeurocraniumHirnschädel (Hirnschädel) und des ViscerocraniumsViscerocranium (Gesichtsschädel)Gesichtsschädel gebildet (Abb. 9.52, auch Abb. 9.7). Die Anteile des Neurocraniums bestehen aus:
  • der Facies orbitalis des Os frontale (Dach der Orbita)

  • der Lamina orbitalis des Os ethmoidale (mediale Wand)

  • der Ala major und minor des Os sphenoidale (hintere Begrenzung der Orbita)

Die knöchernen Begrenzungen des Viscerocraniums werden gebildet vom
  • Proc. orbitalis des Os palatinum

  • der Facies orbitalis der Maxilla (Boden der Orbita)

  • dem Os lacrimale (mediale Wand)

  • der Facies orbitalis des Os zygomaticum (laterale Wand)

Klinik

Der knöcherne Aufbau der Orbita bedingt sehr enge topografische Beziehungen zu den sich direkt anschließenden Nachbarregionen, die klinisch von großer Bedeutung sind (Abb. 9.53). Die Behandlung pathologischer Veränderungen innerhalb oder im Bereich der Orbita kann die interdisziplinäre Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen erfordern. Entzündliche Prozesse oder Tumorgeschehen in der Orbita können beispielsweise sehr schnell auf die benachbarten Regionen übergreifen und machen in aller Regel einen interdisziplinären Therapieansatz notwendig. So sind in solchen Fällen neben dem Ophthalmologen HNO-Ärzte, Radiologen, Mund-Kiefer-Gesichts- und Neurochirurgen oder Neurologen an geeigneten therapeutischen Maßnahmen beteiligt.

Die von einem Knochenrand (Margo orbitalis) eingefasste frontale Öffnung der Augenhöhle wird Aditus orbitalis Aditusorbitalisgenannt. Die knöcherne Orbita wird von Periost ausgekleidet, das als Periorbita Periorbitabezeichnet wird. Am Canalis opticus und an der Fissura orbitalis superior steht die Periorbita mit der Dura mater des Gehirns in Verbindung und überbrückt als Membrana orbitalis Membranaorbitalisdie Fissura orbitalis inferior. In dieser Membran verlaufen die Fasern des M. orbitalis, Musculus(-i)orbitaliseines glatten, über den N. petrosus profundus sympathisch innervierten Muskel, dessen Tonus den Blutabfluss über die V. ophthalmica inferior regulieren soll. Nach außen wird die Orbita entsprechend den beiden Augenlidern durch jeweils eine dünne bindegewebige Platte, das Septum orbitale, Septumorbitaleverschlossen (Abb. 9.54). Das Septum orbitale ist jeweils oben und unten im Bereich der Margo orbitalis befestigt und zieht dicht hinter dem M. orbicularis oculi der Augenlider zum äußeren Rand des Tarsus.

Klinik

Die knöchernen Begrenzungen zwischen Orbita und Nasennebenhöhlen (Sinus maxillaris; Cellulae ethmoidales) sind außerordentlich dünn. Daher können sie bei einem Trauma leicht frakturieren. Entzündliche Prozesse können sich dann leicht von den physiologisch keimbesiedelten Schleimhäuten der Nasennebenhöhlen in die „sterile“ Orbita ausbreiten (z. B. als Orbitaphlegmone).Orbitaphlegmone

Gefäße und Innervation der Regio orbitalis
Oberhalb des Septum orbitale ist die Regio(-nes)orbitalisOrbita von einem zirkulären arteriellen Gefäßkranz umgeben (Abb. 9.54). In dieser Region überschneiden sich die Versorgungsgebiete von A. carotis interna Arteria(-ae)carotisinternaÄstemit ihren Ästen (A. supraorbitalis, Aa. palpebrales laterales [aus A. lacrimalis] und Aa. palpebrales mediales) mit denen der A. carotis externa Arteria(-ae)carotisexternaÄste(A. facialis, A. angularis, A. infraorbitalis, A. temporalis superficialis und A. zygomaticoorbitalis). Gleichnamige Venen begleiten die Arterien. Der N. supraorbitalis Nervus(-i)supraorbitalisverlässt als Ast des N. ophthalmicus [V/1] die Orbita variabel durch das gleichnamige Foramen supraorbitale oder die Incisura supraorbitalis. Der N. infraorbitalis Nervus(-i)infraorbitalistritt als Ast des N. maxillaris [V/2] unterhalb der Orbita durch das Foramen infraorbitale in die oberflächliche Gesichtsregion über. Beide Nervenaustrittspunkte (N. supraorbitalis und N. infraorbitalis) dienen als Druckpunkte im Rahmen der körperlichen Untersuchung eines Patienten zur Überprüfung der Funktion der oberen beiden Nervenäste des N. trigeminus [V] (Trigeminusdruckpunkte).

Merke

Die V. angularis verbindet die oberflächliche Gesichtsregion mit der V. ophthalmica inferior, die ihrerseits zum Sinus cavernosus drainiert. Durch Infektionen im Gesicht (z. B. nach Ausdrücken eines Pickels auf der Wange) können Keime auf diesem Weg in den Sinus cavernosusSinuscavernosusThromboseThromboseSinus cavernosus verschleppt werden. Dadurch kann eine Thrombose entstehen, die mit intrakraniellen Komplikationen einhergehen kann (z. B. Schädigung der durch oder am Rand des Sinus cavernosus verlaufenden Hirnnerven mit resultierenden Ausfallerscheinungen oder Meningitis).

Inhalt der Augenhöhle
In der Orbita AugenhöhleInhaltOrbitaDurchtrittsstellen/Inhaltbefinden sich, eingebettet in den umgebenden Fettkörper (Corpus adiposum orbitaeCorpus(-ora)adiposumorbitae), der M. levator palpebrae und die 6 äußeren Augenmuskeln. Durch knöcherne Öffnungen treten Gefäße und Nerven in die Orbita ein und aus (Tab. 9.23).
Äußere Augenmuskeln
An der Spitze des AugenmuskelnäußereOrbitakegels setzt ein aus der Periorbita gebildeter Sehnenring (Anulus tendineus communis; Zinn-Sehnenring) Anulustendineus communis (Zinn-Sehnenring)Zinn-Sehnenring (Anulus tendineus communis)an, der den Ursprung der meisten äußeren Augenmuskeln bildet. Durch dessen zentrale Öffnung verlaufen die Hirnnerven II (N. opticus), III (N. oculomotorius) und VI (N. abducens) sowie als Abzweigung des N. ophthalmicus [V/1] der N. nasociliaris und die A. ophthalmica (Abb. 9.55).

Klinik

Das Orbitaspitzensyndrom (Tolosa-Hunt-Syndrom) Orbitaspitzensyndrom (Tolosa-Hunt-Syndrom)Tolosa-Hunt-Syndrom (Orbitaspitzensyndrom)ist eine schmerzhafte Lähmung der äußeren Augenmuskulatur (Ophthalmoplegie). Ursache sind meist chronisch entzündliche Prozesse, selten auch Malignome im Bereich der Orbitaspitze. Zur sicheren Abklärung der Befunde ist in aller Regel eine entsprechende bildgebende Diagnostik erforderlich.

Der Bulbus oculi kann ähnlich einem Kugelgelenk Drehbewegungen um alle 3 Achsen des Augapfels ausführen. Dafür sind 3 Paare antagonistisch wirkender Muskeln verantwortlich: die 4 geraden Mm. recti und die 2 schrägen Mm. obliqui. Der M. levator palpebrae superioris dient der Anhebung des Augenlids und ist nicht an der Bewegung des Augapfels beteiligt. Die 4 geraden Augenmuskeln (M. rectus superior, M. rectus inferior, M. rectus lateralis, M. rectus medialis) haben ihren Ursprung am Anulus tendineus communis (Zinn-Sehnenring)Anulustendineus communis (Zinn-Sehnenring)Zinn-Sehnenring (Anulus tendineus communis) und setzen vor dem Äquator des Bulbus oculi an der Sclera an. Der Ursprung der beiden schrägen Augenmuskeln liegt im Gegensatz zu dem der geraden Augenmuskeln nicht am Anulus tendineus communis. Ihre Endsehnen strahlen wie die der geraden extraokulären Muskeln in die Sclera des Bulbus ein – allerdings hinter dem Äquator (Abb. 9.56). Besonders erwähnenswert ist hier der Verlauf der Ansatzsehne des M. obliquus superior, die in ihrem nach vorne gerichteten Verlauf durch eine als Hypomochlion fungierende Trochlea (faserknorpelige Bindegewebsschlaufe) zieht und nach lateral hinten umgelenkt wird, bevor sie hinter dem Äquator des Bulbus in die Sclera einstrahlt.
Die Achse jeder Orbita ist von hinten nach vorne betrachtet etwas nach lateral ausgerichtet. Der Bulbus oculi mit der optischen Sehachse ist dagegen genau nach vorn gerichtet (Abb. 9.56). Dadurch führt das Zusammenspiel der 6 äußeren Augenmuskeln zu verschiedenen Bewegungen des Augapfels im dreidimensionalen Raum (Tab. 9.24).

Klinik

Bei einer äußeren Okulomotoriusparese Okulomotoriusparesekommt es zu einer äußerst komplexen Beeinträchtigung der Augenbeweglichkeit, da der N. oculomotorius [III] mit Ausnahme der Mm. rectus laterales (N. abducens [VI]) und obliquus superior (N. trochlearis [IV]) alle äußeren Augenmuskeln innerviert. Das Überwiegen der beiden nicht betroffenen Muskeln führt dazu, dass das Auge nach unten außen gerichtet ist. Wenn gleichzeitig die Innervation des M. levator palpebrae superioris betroffen ist, kommt es außerdem zu einer Ptosis, dem Herabhängen des Oberlids über die Sehachse, sodass der Patient trotz der Fehlstellung des Bulbus keine Doppelbilder hat. Wird das Augenlid des betroffenen Patienten manuell nach oben gezogen, kommt es zur Diplopie (Doppelbilder). Bei einer inneren Okulomotoriusparese bleibt die parasympathische Innervation des M. sphincter pupillae und des M. ciliaris aus. Dies äußert sich durch eine weite, lichtstarre PupillePupille (Pupilla)lichtstarre und eine eingeschränkte Akkommodationsfähigkeit.

Leitungsbahnen der Orbita
Arterien
Grundsätzlich werden alle Strukturen innerhalb der OrbitaOrbitaArterien einschließlich des Bulbus oculi über die A. ophthalmica Arteria(-ae)ophthalmicamit Blut versorgt, den ersten Abgang aus der Pars cerebralis der A. carotis interna unmittelbar nach Durchtritt durch die Dura mater (Abb. 9.57). Die A. ophthalmica tritt gemeinsam mit dem N. opticus [II] in die Orbita. Dort teilt sie sich auf:
  • Die A. lacrimalis Arteria(-ae)lacrimalisgeht lateral des N. opticus von der A. ophthalmica ab und zieht nach temporal, um die Tränendrüse, die äußeren Augenmuskeln in diesem Bereich, den Bulbus (als Aa. ciliares anteriores) und jeweils den lateralen Anteil des Ober- und Unterlids (als A. palpebralis lateralis) mit Blut zu versorgen.

  • Die A. centralis retinae Arteria(-ae)centralisretinaezieht zentral im N. opticus [II] bis zur Papilla nervi optici und teilt sich dort in mehrere Äste auf. Sie ist innerhalb des Bulbus als Endarterie (Erblindungsgefahr bei Verschluss dieses Gefäßes!) für die Versorgung der inneren Netzhautschichten verantwortlich.

  • Die Aa. ciliares posteriores longae et breves Arteria(-ae)ciliaresposteriores longae/brevestreten von dorsal durch die Sclera in den Bulbus ein und versorgen Strukturen innerhalb des Bulbus.

  • Nachdem die A. ophthalmica in ihrem Verlauf den N. opticus [II] überkreuzt hat, gibt sie die A. supraorbitalis Arteria(-ae)supraorbitalisab. Diese verläuft gemeinsam mit dem N. supraorbitalis durch das Foramen supraorbitale des Os frontale und führt Blut zu Stirn und Kopfschwarte.

  • Die A. ethmoidalis anterior Arteria(-ae)ethmoidalisanteriorzieht durch das Foramen ethmoidale anterius aus der Orbita und weiter zur Nasenhöhle. Hier versorgt sie die Seitenwand der Nasenhöhle, den oberen Abschnitt des Nasenseptums und die vorderen Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales) (Kap. 9.6.5). Schließlich mündet sie in die A. dorsalis nasi ein, die als einer der 2 Endäste der A. ophthalmica die Oberfläche der Nase versorgt.

  • Die A. ethmoidalis posterior Arteria(-ae)ethmoidalisposteriorverlässt die Orbita durch das Foramen ethmoidale posterius und versorgt den hinteren oberen Bereich der Nasenhöhle und ebenfalls anteilig die Cellulae ethmoidales mit Blut (Kap. 9.6.5).

  • Der zweite Endast der A. ophthalmica ist die A. supratrochlearis,Arteria(-ae)supratrochlearis die die Orbita zusammen mit dem N. supratrochlearis verlässt und in ihrem Verlauf Teile der Stirn mit arteriellem Blut versorgt (Abb. 9.57).

Venen
Das venöse Blut verlässt die OrbitaOrbitaVenen über 2 große Gefäße, die Vv. ophthalmicae superior et inferior Vena(-ae)ophthalmicainferior(Abb. 9.58). Vena(-ae)ophthalmicasuperiorBeide Vv. ophthalmicae erhalten jeweils Zuflüsse von venösen Gefäßen der oberflächlichen und tiefen Gesichtsregion: V. supraorbitalis, den V. nasofrontalis, V. angularis (→ V. ophthalmica superior) und V. facialis (→ V. ophthalmica inferior). Grundsätzlich verläuft die V. ophthalmica superior durch den oberen Teil und die V. ophthalmica inferior durch den unteren Teil der Orbita. Dabei erhalten beide Venen entsprechende Zuflüsse etwa von den Muskeln und den Venen, die im jeweiligen Teil der Orbita mit den Arterien verlaufen. Nach dorsal verlässt die V. ophthalmica superior die Orbita über die Fissura orbitalis superior und mündet anschließend in den Sinus cavernosus. Die V. ophthalmica inferior vereinigt sich in ihrem dorsalen Abschnitt mit der V. ophthalmica superior, kann aber auch als eigenständiges Gefäß durch die Fissura orbitalis superior treten, um dann als eigenständiges Gefäß in den Sinus cavernosus zu münden. Ein weiterer dorsaler Gefäßast vereinigt sich mit der V. infraorbitalis, tritt durch die Fissura orbitalis inferior und drainiert in den Plexus pterygoideus, der in der Fossa infratemporalis liegt.
Innervation
Die Innervation des Augenbulbus BulbusoculiInnervationsowie der orbitalen Strukturen erfolgt über die Hirnnerven II–VI sowie sympathische Fasern aus dem Thorakalmark. In Abb. 9.59 ist der Blick von oben auf die eröffnete Orbitahöhle gezeigt, nachdem zunächst die Dura mater, das Dach der Orbita und schließlich die Periorbita mit Teilen des Corpus adiposum orbitae entfernt wurden. Gleichzeitig wurde die Dura mater oberhalb des Ganglion trigeminale (Ganglion semilunare, Ganglion Gasseri) entfernt.Ganglion(-ia)trigeminale (Ganglion semilunare, Ganglion Gasseri)
N. opticus [II]
Innerhalb Nervus(-i)opticus [II]der Retina des Augenbulbus liegen die ersten 3 Projektionsneurone der SehbahnSehbahn. Die Fortsätze der Ganglienzellen schließen sich an der Sehnervenpapille (Discus nervi optici)Discusnervi optici zum N. opticus [II] zusammen, der den Bulbus an dessen Rückseite verlässt. Der Nerv verläuft durch das retrobulbäre Fettgewebe auf den Anulus tendineus communis (Zinn-Sehnenring) zu, tritt durch diesen hindurch und gelangt weiter über den Canalis opticus in die vordere Schädelgrube (Abb. 9.55; in entgegengesetzer Richtung verläuft die A. ophthalmica durch den Canalis opticus und anschließend durch den Anulus tendineus communis, um sich in der Orbita weiter zu verzweigen). Innerhalb der Orbita beschreibt der N. opticus [II] bei der Präparation meist einen leicht nach außen gerichteten konvexen Bogen. Hierbei handelt es sich um die Reservelänge für die verschiedenen Augenbewegungen. Als Ausstülpung des Diencephalons (Zwischenhirn) ist der N. opticus [II] kein echter Hirnnerv, sondern wird vollständig von den 3 Hirnhäuten umgeben. Am Bulbus oculi geht die Dura mater in die Sclera über; Anteile der weichen Hirnhaut (Leptomeninx) werden von der Choroidea fortgesetzt.

Klinik

Aufgrund seines Verlaufs hat der N. opticus [II] enge topografische Beziehung zur Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis). Pathologische Prozesse innerhalb des Sinus sphenoidalis (Entzündungen, Tumorgeschehen) können durch die papierdünne knöcherne Wand der Keilbeinhöhle auf den Sehnerv übergreifen. Bei chirurgischen Eingriffen in der Keilbeinhöhle ist er an dieser Stelle gefährdet.

N. oculomotorius [III]
Kurz vor oder Nervus(-i)oculomotorius [III]Ästenach seinem Durchtritt durch die Fissura orbitalis superior in die Orbita spaltet sich der N. oculomotorius [III] in einen oberen und einen unteren Ast auf (Abb. 9.60, Abb. 9.34), die beim Eintritt in die Orbita durch den Anulus tendineus communis ziehen (Abb. 9.55). In der Orbita verläuft der R. superior Ramus(-i)superior (N. oculomotorius)Ramus(-i)inferior (N. oculomotorius)lateral vom N. opticus [II] nach oben und innerviert die Mm. rectus superior et levator palpebrae superioris (Abb. 9.60). Der größere R. inferior teilt sich in seinem Verlauf in 3 weitere Äste auf, die die Mm. rectus medialis, rectus inferior et obliquus inferior motorisch innervieren (Abb. 9.61). Auf dem Weg zum M. obliquus inferior gibt der 3. Ast des R. inferior noch einen Ast zum Ganglion ciliare (s. u.) ab. Diese präganglionären Fasern bilden die parasympathische Wurzel des Ganglion ciliare. Nach Umschaltung auf postganglionär (innerhalb des Ganglion ciliare) gelangen die parasympathischen Fasern über die Nn. ciliares breves in den Bulbus und innervieren den M. sphincter pupillae und den M. ciliaris.
Ganglion ciliare
Das oberste der Ganglion(-ia)ciliare4 parasympathischen KopfganglienKopfganglienparasympathische liegt lateral vom N. opticus [II] (Abb. 9.60, Abb. 9.61, Abb. 9.34). Hier werden die präganglionären parasympathischen Fasern aus dem R. inferior nervi oculomotorii (Radix oculomotoria) umgeschaltet. Wie bei allen Kopfganglien gibt es auch im Ganglion ciliare zusätzlich eine sensorische Wurzel (Radix sensoria)Radix(-ces)sensoria(Ganglion ciliare) des N. trigeminus [V] (N. nasociliaris) und eine sympathische Wurzel (Radix sympathica) Radix(-ces)sympathica (Ganglion ciliare)mit postganglionären Fasern aus dem Plexus caroticus internus. Die Fasern der beiden letztgenannten Radices ziehen unverschaltet durch das Ganglion ciliare. Die sensorischen Fasern stammen zum größten Teil von der Augenoberfläche (Horn- und Bindehaut). Sie verlassen den Bulbus über die Nn. ciliaris breves. Die sympathischen Fasern nehmen den entgegengesetzten Weg und ziehen innerhalb des Bulbus hauptsächlich zum M. dilatator pupillae (Abb. 9.34).
N. trochlearis [IV]
Wie der N. oculomotorius [III] verläuft auch der N. trochlearis [IV]Nervus(-i)trochlearis [IV] intradural in der lateralen Wand des Sinus cavernosus (Abb. 9.59, Abb. 9.60). Kurz bevor er die Orbita erreicht, zieht er nach oben, überkreuzt den N. oculomotorius (Abb. 9.60) und tritt oberhalb des Anulus tendineus communis (Zinn-Sehnenring) durch die Fissura orbitalis superior in die Orbita ein. In seinem vergleichsweise kurzen intraorbitalen Verlauf zieht er nach medial über den M. levator palpebrae superioris und innerviert von oben einstrahlend den M. obliquus superior motorisch (Abb. 9.34).
N. trigeminus [V]
N. ophthalmicus [V/1]
Nach ebenfallsNervus(-i)trigeminus [V]Äste Nervus(-i)ophthalmicus [V/1]Ästeintraduralem Verlauf in der lateralen Wand des Sinus cavernosus tritt der N. ophthalmicus [V/1] als am weitesten kranial verlaufender Hauptast des N. trigeminus [V], durch die Fissura orbitalis superior in die Orbita ein (Abb. 9.59). Kurz zuvor teilt sich der rein sensible Nerv in 3 Äste auf:
  • N. nasociliaris

  • N. frontalis

  • N. lacrimalis

N. frontalis und N. lacrimalis verlaufen außen um den Anulus tendineus communis (Zinn-Sehnenring), der N. nasociliaris tritt normalerweise durch den Anulus hindurch.
Der rein sensible N. nasociliaris Nervus(-i)nasociliarisverläuft in der Orbita am weitesten kaudal. Er überkreuzt in seinem Verlauf den N. opticus [II] (Abb. 9.61) und zieht unterhalb des M. rectus superior nach medial. Seine Äste sind in Tab. 9.18 aufgelistet.
Der N. frontalis Nervus(-i)frontalisverläuft nach seinem Durchtritt durch die Fissura orbitalis superior zwischen M. levator palpebrae superioris und Periorbita nach ventral. Etwa in der Mitte der Orbita teilt er sich in seine 2 Endäste auf:
  • N. supraorbitalis

  • N. supratrochlearis (Abb. 9.60).

Der dickere N. supraorbitalis Nervus(-i)supraorbitalisverlässt über das Foramen supraorbitale oder die Incisura supraorbitalis die Orbita. Beide Nerven innervieren die Stirn und einen Teil der Kopfschwarte.
Der N. lacrimalis Nervus(-i)lacrimalisverläuft als kleinster Ast des N. ophthalmicus [V/1] auf dem Oberrand des M. rectus lateralis nach ventral. Er nimmt in seinem Verlauf Fasern vom R. zygomaticotemporalis nervi zygomaticiRamus(-i)zygomaticotemporalis (N. zygomaticus) auf, der sowohl parasympathische postganglionäre (Ganglion pterygopalatinum)Ganglion(-ia)pterygopalatinum als auch postganglionäre sympathische Fasern (Ganglion cervicale superius)Ganglion(-ia)cervicalesuperius zur Innervation der Tränendrüse beisteuert. Außerdem innerviert der N. lacrimalis Teile der Bindehaut (Konjunktiva) sowie den lateralen Bereich des oberen Augenlids sensibel.
N. maxillaris [V/2]
Der N. zygomaticusNervus(-i)zygomaticusÄste ist ein Ast des N. maxillaris [V/2]Nervus(-i)maxillaris [V/2]Äste und spaltet sich in seinem Verlauf in der Fossa pterygopalatina vom N. maxillaris ab. Nach Aufnahme postganglionärer parasympathischer Fasern aus dem Ganglion pterygopalatinum zieht er durch die Fissura orbitalis inferior in die Orbita und teilt sich dort in 2 sensible, die Haut innervierende Äste auf:
  • R. zygomaticofacialisRamus(-i)zygomaticofacialis (N. zygomaticus)Ramus(-i)zygomaticotemporalis (N. zygomaticus)

  • R. zygomaticotemporalis

Die parasympathischen (viszeroefferenten) Fasern gelangen über den R. communicans cum nervo zygomatico und den N. lacrimalis zur Tränendrüse und innervieren sie (Abb. 9.62).
N. abducens [VI]
Der N. abducens [VI]Nervus(-i)abducens [VI] läuft nach seinem Austritt aus dem Hirnstamm durch den Sinus cavernosus lateral der A. carotis interna und gelangt anschließend über die Fissura orbitalis superior durch den Anulus tendineus communis (Zinn-Sehnenring) in die Orbita (Abb. 9.55, Abb. 9.34). Dort zieht er nach lateral zum M. rectus lateralis und innerviert diesen motorisch.

Klinik

Bei einer Schädigung des N. trochlearis [IV] (Trochlearisparese) Trochlearisparesekann der M. obliquus superior nicht mehr bewegt werden. Bei diesen Patienten ist deshalb die Sehachse nach medial oben verlagert. Aufgrund seines zentralen Verlaufs durch den Sinus cavernosus ist der N. abducens [VI] im Rahmen einerThromboseSinus cavernosus Sinus-cavernosus-Thrombose besonders häufig und oft als erster Hirnnerv betroffen (Abduzensparese).Abduzensparese Der Patient kann das betroffene Auge nicht mehr nach lateral abduzieren.

Um chirurgisch einen geeigneten Zugang zu finden, verwendet man die folgende Einteilung der Orbita nach verschiedenen klinischenOrbitaklinische Einteilung Gesichtspunkten:

  • bulbärer/retrobulbärer Abschnitt

  • zentraler oder intrakonaler Teil/peripherer oder extrakonaler Teil

    • der intrakonale Teil ist der Teil der Orbita, der von den kegelförmig (konal) angeordneten geraden äußeren Augenmuskeln begrenzt wird

  • obere/mittlere/untere Etage der Orbita

    • die obere Etage reicht vom Orbitadach bis zum M. rectus superior und beinhaltet den M. levator palpebrae superioris, die Nn. frontalis, trochlearis [IV] und lacrimalis sowie die Aa. supraorbitalis, supratrochlearis, die A. und V. lacrimalis und die V. ophthalmica superior (Abb. 9.43; Abb. 9.59)

    • die mittlere Etage ist gleichzusetzen mit dem oben erwähnten intrakonalen Raum zwischen den geraden äußeren Augenmuskeln und beinhaltet die Nn. opticus [II], oculomotorius [III], nasociliaris, abducens [VI] und zygomaticus, das Ganglion ciliare, die A. ophthalmica, die V. ophthalmica superior sowie die Aa. ciliares posteriores breves und longae (Abb. 9.61)

    • die untere Etage erstreckt sich vom M. rectus inferior bis zum Orbitaboden und beinhaltet den N. infraorbitalis sowie die A. infraorbitalis und die V. ophthalmica inferior (Abb. 9.43; Abb. 9.58).

Bulbus oculi

Der Augapfel (Bulbus oculi) AugapfelBulbusoculiist nahezu kugelförmig und hat beim Erwachsenen einen Durchmesser von etwa 2,5 cm. Er wiegt zwischen 8 und 10 Gramm und nimmt den vorderen Abschnitt der Orbita ein. Der größte Teil des Augapfels ist von der Lederhaut (Sclera)LederhautSclera umgeben. Sie besteht aus festem Bindegewebe, das kollagene und elastische Fasern enthält. Die Vagina bulbi (Tenon-Kapsel) Vagina(-ae)bulbi (Tenon-Kapsel)Tenon-Kapsel (Vagina bulbi)ist eine Bindegewebehülle und bedeckt die gesamte Oberfläche des Bulbus vom Eintrittsort des N. opticus [II] bis hin zum Limbus corneae, an dem die Sclera in die Cornea übergeht. Zwischen Sclera und Vagina bulbi befindet sich ein dünner Spalt (Spatium episclerale).Spatiumepisclerale
Die Vagina bulbi penetrierend, setzen die Sehnen der äußeren Augenmuskeln an der Sclera an. Vorne wird die rundliche Form des Bulbus durch die Vorwölbung der transparenten Hornhaut (Cornea)Hornhaut (Cornea)Cornea unterbrochen (Abb. 9.63). Sie geht im Bereich des Limbus corneae in die Sclera und die diese bedeckende durchsichtige Bindehaut (Tunica conjunctiva) über. Die Cornea ist gefäßfrei und bleibt es bis zum Übergang in die vaskularisierte Tunica conjunctiva, sodass die oberflächlichen Epithelschichten der Cornea über die Tränenflüssigkeit mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden müssen.

Klinik

Die endokrine Orbitopathie Orbitopathie, endokrineist eine Erkrankung, die zu den organspezifischen Autoimmunerkrankungen zählt und meist im Kontext einer Basedow-ErkrankungBasedow-SyndromOrbitopathie, endokrine auftritt. Man geht davon aus, dass das Immunsystem fehlerhaft Antikörper gegen spezifische Gewebe in der Orbita (z. B. Augenmuskeln, Fettgewebe) bildet und es in der Folge zu entzündlichen Reaktionen kommt. Klinisch äußert sich eine solche Erkrankung durch das Hervortreten der Augen (Exophthalmus), eine Vergrößerung der Lidspalte mit Lidretraktion sowie Bewegungsstörungen der Augen.

Im Inneren ist der Augapfel hohl. Hinter der Cornea in Richtung des Sehnervs schließt sich die vordere AugenkammerAugenkammervordere/hintere an, die sich zwischen der Cornea und der Vorderseite der Iris aufspannt. Die vordere Augenkammer ist mit der hinteren Augenkammer durch die Pupillenöffnung der Iris Irisverbunden. Hier zirkuliert das Kammerwasser von der hinteren Augenkammer in die vordere Augenkammer. Das Kammerwasser (Humor aquosus)Kammerwasser Humor aquosuswird vom Ziliarepithel des Ziliarkörpers (Pars plicata) Parsplicatain der hinteren Augenkammer sezerniert und strömt zwischen Linse und Irisrückseite durch die Pupille in die vordere Augenkammer. Im Kammerwinkel (Angulus iridocornealis), KammerwinkelAngulusiridocornealisder von der Iriswurzel, dem Ziliarkörper und der Cornea begrenzt wird, befindet sich das trabekuläre Maschenwerk (Trabeculum corneosclerale), Trabeculumcorneoscleraledurch dessen bindegewebige Spalträume das Kammerwasser in den ringförmig verlaufenden Sinus venosus sclerae (Schlemm-Kanal) Sinusvenosussclerae (Schlemm-Kanal)Schlemm-Kanal (Sinus venosus sclerae)drainiert und anschließend über die intra- und episkleralen Venen in das venöse System abgeleitet wird (Abb. 9.64). Die kontinuierliche Produktion und Ableitung des Kammerwassers (etwa 6–7 ml pro Tag) ist zur Ernährung der inneren Schichten der Cornea und der Linse wichtig sowie zur Aufrechterhaltung des physiologischen Augeninnendrucks (Normalbereich zwischen 10 und 21 mmHg), der die stabile Kugelform des Bulbus oculi und die stabilen Abstände der optischen Medien im Inneren des Auges zueinander gewährleistet.

Klinik

Ist der Kammerwasserabfluss gestört, kann ein Glaukom (grüner Star) Glaukom (grüner Star)grüner Star (Glaukom)entstehen. Der dann erhöhte intraokuläre Druck verursacht oft neuronale Schäden im Bereich der Retina und der Sehnervenpapille, da die bindegewebig aufgebaute Sclera nicht sonderlich dehnbar ist. Glaukomerkrankungen zählen zu den häufigsten Erblindungsursachen weltweit. Ursache eines verminderten Kammerwasserabflusses ist beispielsweise die Verlegung des Kammerwinkels durch Verklebungen der Iris mit der Cornea (Synechien), die zu einem Winkelblockglaukom führen können. Bei offenem Kammerwinkel kann aber auch aufgrund anderer Ursachen der Abfluss des Kammerwassers durch das Trabekelwerk des Sinusvenosussclerae (Schlemm-Kanal)AbflussstörungenSchlemm-Kanal (Sinus venosus sclerae)AbflussstörungenSchlemm-Kanals gestört sein (Offenwinkelglaukom). OffenwinkelglaukomBeim NormaldruckglaukomNormaldruckglaukom, das als eine spezielle Form des primären Offenwinkelglaukoms zu sehen ist, kommt es zu einer Schädigung des Sehnervs, obwohl der Augeninnendruck bei diesen Patienten nicht erhöht ist.

Die hintere Augenkammer grenzt nach hinten an die Augenlinse. AugenlinseDiese besteht aus einem LinsenkernLinsenkern/-rinde (Nucleus lentis)Nucleus(-i)lentis und der Linsenrinde (Cortex lentis)Cortexlentis und ist von einer dichten Faserkapsel (Capsula lentis)Capsulalentis umgeben. In der Äquatorregion werden unterhalb der Linsenkapsel zeitlebens in einer Wachstumszone (Zona germinativa) neue Zellen gebildet. Diese formen sich dann in längliche Fasern um, lagern transparente Kristallinproteine ein und verlieren im Anschluss ihre Zellorganellen. Die dadurch transparente, bikonvex geformte elastische Linse verliert durch den kontinuierlichen Wachstumsprozess mit zunehmendem Alter an Elastizität, was um das 40.–45. Lebensjahr zur Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) führt. In die Linsenkapsel inserieren die Zonulafasern (Zonula ciliaris),Zonulafasern Zonulaciliarisdie an den Ziliarfortsätzen des Ziliarkörpers (Corpus ciliare) ZiliarkörperCorpus(-ora)ciliareentspringen (Abb. 9.63). Durch die Kontraktion des M. ciliaris bewegt sich der Ziliarkörper auf die Linse zu, was die Spannung der Zonulafasern vermindert. Dadurch rundet sich die Linse ab und das Auge fokussiert auf die Nähe (Nahakkommodation). Im nicht kontrahierten Zustand des Ziliarmuskels überwiegt die Spannung der Zonulafasern und die Linse flacht sich ab. So ist das Auge auf die Weitsicht fokussiert. Hinter der Linse und ihrem Halteapparat ist das Auge bis zur Retina mit dem gallertig aufgebauten durchsichtigen Glaskörper (Corpus vitreum)Glaskörper (Corpus vitreum)Corpus(-ora)vitreum ausgefüllt, der zu fast 98 % aus Wasser besteht. Er nimmt fast vier Fünftel des Gesamtvolumens des Bulbus ein (Abb. 9.63). Hornhaut, Kammerwasser in den Augenkammern, Iris, Linse und Glaskörper bilden den optischen Apparat des Auges.
Gefäßversorgung
Der Bulbus AugapfelGefäßversorgungwird über unterschiedliche arterielle Zuflüsse mit Blut versorgt, die alle aus der A. ophthalmica kommen (Abb. 9.64):
  • A. centralis retinae:Arteria(-ae)centralisretinae Sie entspringt aus der A. ophthalmica (Abb. 9.50) und verläuft nach ihrem Eintritt zentral im N. opticus [II], tritt am Discus nervi optici innen in den Bulbus ein und versorgt die inneren Schichten der Retina.

  • Aa. ciliares anteriores: Arteria(-ae)ciliaresanterioresSie versorgen alle inneren Augenmuskeln und bilden Anastomosen mit den Aa. ciliares posteriores longae.

  • Aa. ciliares posteriores longae: Arteria(-ae)ciliaresposteriores longae/brevesSie durchbrechen die Sclera medial und lateral des N. opticus [II] und verlaufen innerhalb der Aderhaut (Choroidea) nach vorne.

  • Aa. ciliares posteriores breves: Diese Äste durchdringen die Sclera unmittelbar um den N. opticus [II] und ziehen in die Choroidea ein.

Der venöse Blutabfluss aus dem Bulbus oculi erfolgt in erster Line über die Vortexvenen (Vv. vorticosae), Vena(-ae)vorticosae4 Gefäße, die aus der Choroidea kommend in jeweils einem der 4 Quadranten des hinteren Bulbus durch die Sclera ziehen und anschließend in die V. ophthalmica superior oder die V. ophthalmica inferior münden. Das venöse Blut der inneren Retina wird durch die V. centralis retinae Vena(-ae)centralisretinaeabgeleitet, die in ihrem weiteren Verlauf in die V. ophthalmica superior oder direkt in den Sinus cavernosus mündet.

Klinik

Eine relativ häufige Gefäßerkrankung der V. centralis retinae ist die Zentralvenenthrombose. ZentralvenenthrombosePatienten nehmen dadurch zunächst eine schmerzlose Verschlechterung der Sehkraft (Visus) wahr. Außer allgemeinen Risikofaktoren für das Entstehen von Thrombosen ist die Ursache einer Zentralvenenthrombose noch nicht ausreichend geklärt.

Wandaufbau des Bulbus
Der Inhalt des AugapfelWandaufbauBulbus oculi wird von einer Wand umgeben, die in 3 Schichten gegliedert werden kann (Tab. 9.25).
Tunica fibrosa bulbi
Die Tunica fibrosa bulbiTunicafibrosa bulbi besteht aus 2 Anteilen, der Sclera und der Cornea:
  • Die Sclera, Scleradas sog. „Augenweiß“, bildet den hinteren und seitlichen Anteil des Bulbus und ist von zahlreichen Gefäßen durchzogen.

  • Die Cornea istCorneaSchichten Corneaaus 5 Schichten aufgebaut:

    • Epithelschicht,

    • Bowman-MembranBowman-Membran (eine dicke Basalmembran),

    • Stroma (macht etwa 90 % der Hornhautdicke aus),

    • Descemet-MembranDescemet-Membran (eine dicke Basalmembran) und

    • Endothelschicht (sie ist vor allem an der Stoffwechselregulierung zwischen Kammerwasser und Stroma beteiligt)

Klinik

Nach Verletzungen der Hornhaut ist diese nur eingeschränkt regenerationsfähig. Oft kommt es nach unbehandelten Schädigungen zu Vernarbungen, die zu schwerem Visusverlust führen können. Um die Sehfähigkeit nach einer Vernarbung oder einer Eintrübung der Hornhaut wiederherzustellen, ist meist eineHornhauttransplantation (Keratoplastik)Keratoplastik (Hornhauttransplantation) Hornhauttransplantation (Keratoplastik) notwendig. Dieser Eingriff ist die in Deutschland am häufigsten durchgeführte Gewebetransplantation. Die Heilungstendenz ist bei diesem Eingriff gut bis sehr gut (klares Einheilen des Transplantates gelingt bei ungefähr 90 % der Operationen), da die Hornhaut ein avaskuläres Gewebe ist (sie gehört zu den immunprivilegierten Organen). Abstoßungsreaktionen des Spendergewebes sind selten (< 5 %). Waren in die Empfängerhornhaut bereits Gefäße eingewandert, steigt das Risiko einer Abstoßungsreaktion allerdings erheblich (Hochrisiko-Keratoplastiken). Um dieses Risiko zu minimieren, wird vor der Operation beim Empfänger eine Gewebetypisierung mittels Blutprobe (HLA-Typisierung) durchgeführt, um geeignete, an den Gewebstyp des Empfängers angepasste Transplantate (über Hornhautbanken) zu finden.

Tunica vasculosa bulbi
In der Tunica vasculosa bulbiTunicavasculosa bulbi (Tunica media bulbiTunicamedia bulbi, UveaUvea) verlaufen zahlreiche Blut- und Lymphgefäße. Sie umfasst alle inneren Augenmuskeln, die zur Regulation des Lichteinfalls ins Auge und zur Kontrolle der Linsenform notwendig sind, und ist für die Sekretion des Kammerwassers zuständig. Zu ihr gehören die Iris, der Ziliarkörper und die Choroidea (Abb. 9.65).
Choroidea
Die ChoroideaChoroidea bildet den hinteren Abschnitt der Tunica vasculosa bulbi und macht etwa zwei Drittel der gesamten Gefäßschicht aus. Über ihr Kapillarsystem gelangen Sauerstoff und Nährstoffe zu den äußeren Anteilen der Retina. Die Choroidea ist pigmentiert und innen fest mit der äußeren Retina sowie außen locker mit der Sclera verbunden.
Corpus ciliare
Der ZiliarkörperZiliarkörper (Corpus ciliare)Corpus(-ora)ciliare schließt sich nach vorn an die Choroidea an. Er reicht vorne bis zum Übergang von Cornea und Sclera und hinten bis zur Ora serrata. Er wird hauptsächlich vom M. ciliaris Musculus(-i)ciliarisgebildet, der aus glatten Muskelfasern besteht, die zirkulär, radiär und longitudinal angeordnet sind. Der Ziliarmuskel ragt somit in das Augeninnere hinein und führt bei Kontraktion zu einer Lockerung der Zonulafasern Zonulafaserndes Halteapparats der Linse und somit zur Nahakkommodation. Die Zonulafasern entspringen an den Procc. ciliares des Ziliarkörpers und sind als längs angeordnete Falten auf seiner Innenfläche sichtbar (Abb. 9.65). Die Gesamtheit der Bindegewebsfasern wird Lig. suspensorium lentisLigamentum(-a)suspensoriumlentis genannt. Man teilt den Ziliarkörper in einen eben verlaufenden Anteil (Pars plana) Parsplanaund in einen aufgefalteten Anteil (Pars plicata)Parsplicata ein. Von der Pars plicata entspringen etwa 70 Ziliarfortsätze (Proc. ciliares), ZiliarfortsätzeProcessusciliaresvon denen die Zonulafasern des Linsenhalteapparats ausstrahlen. Das Ziliarepithel Ziliarepithelim Bereich der Pars plicata sezerniert außerdem das KammerwasserKammerwasser.
Iris
Die Tunica vasculosa bulbiTunicavasculosa bulbi wird vorne durch die IrisIris abgeschlossen. Die Iris stellt die regulierbare Blende des Auges dar und ist durch die Cornea als farbiger Teil des Auges sichtbar. An ihrer Rückseite ist sie von einem Pigmentblatt überzogen (Abb. 9.66). Sie hat eine zentrale Öffnung, die Pupille (Pupilla). Pupille (Pupilla)Die Größenveränderung der Pupillenöffnung (variabel zwischen etwa 1,5 und 8 mm) wird durch glatte Muskelfaserzüge ermöglicht, die in das bindegewebige Irisstroma eingelagert sind. Ringförmig um die Pupillenöffnung herum ziehende Muskelfasern bilden den M. sphincter pupillae Musculus(-i)sphincterpupillaeund führen bei Kontraktion zu einer Verkleinerung des Pupillendurchmessers (Miosis; Abb. 9.66). Sie werden von postganglionären parasympathischen Nervenfasern aus dem Ganglion ciliareGanglion(-ia)ciliare (Nn. ciliares breves) innerviert. Im Verlauf schließen sich fächerförmig und radial nach außen ziehende glatte Muskelfaserzüge an, die den M. dilatator pupillaeMusculus(-i)dilatator pupillae bilden. Er führt bei Kontraktion zu einer Weitung der Pupillenöffnung (Mydriasis). Seine Muskelfasern liegen direkt auf dem Pigmentblatt der Iris auf und werden von postganglionären sympathischen Nervenfasern aus dem Ganglion cervicale superius innerviert, die ebenfalls – aber unverschaltet – über das Ganglion ciliare in den Bulbus gelangen. Die Blutversorgung der Iris erfolgt über 2 Arterienringe, den äußeren Circulus arteriosus iridis major Circulusarteriosus iridis major/minorund den unvollständigen inneren Circulus arteriosus iridis minor (Abb. 9.66). Beide Arterienringe sind durch Anastomosen miteinander verbunden. Die Rückseite der Iris hat eine strahlenartige Struktur, die durch den gezackten Rand der Netzhaut (Pars ciliaris retinae) und durch die Anordnung der Ziliarkörperfortsätze (Plicae iridis) entsteht.
Tunica interna bulbi
Die Tunica interna bulbiTunicainterna bulbi (Retina)Retina setzt sich aus 2 Anteilen zusammen:
  • Die Pars caeca retinae Parscaeca retinaebedeckt mit ihren beiden Anteilen vor der Ora serrata die innere Oberfläche des Corpus ciliare (Pars ciliaris retinae) und der Iris (Pars iridica retinae).

  • Hinten und lateral im Auge bis zur Ora serrata befindet sich die Pars optica, Parsoptica retinaeder eigentliche lichtempfindliche Teil der Retina. Er besteht aus 2 Schichten:

    • dem äußeren retinalen Pigmentepithel (Stratum pigmentosum), RetinaPigmentepithelStratumpigmentosumdas fest mit der Choroidea verbunden ist und sich nach vorne als Pigmentschicht im Bereich der Pars caeca retinae fortsetzt,

    • der inneren neuronalen Retina (Stratum neuroepitheliale),RetinaneuronaleStratumneuroepitheliale die nur direkt um den N. opticus [II] und an der Ora serrata mit dem Stratum pigmentosum verbunden ist

Die neuronale Retina ist wiederum in mehrere Schichten gegliedert. Die äußere Schicht, die direkt dem Pigmentepithel aufliegt, enthält dieRetinaFotorezeptoren Fotorezeptoren Fotorezeptorzellen, Netzhaut(Stäbchen und Zapfen), Stäbchen, RetinaZapfen, Retinadie sich ungleichmäßig über die Retina verteilen und in denen die Signaltransduktion eines Lichtreizes (Photon) in einen physiologischen Nervenimpuls (Fototransduktion) stattfindet. Die Fotorezeptoren bilden synaptische Verbindungen zu Neuronen der inneren RetinaBipolarzellen, RetinaHorizontalzellen, RetinaAmakrinzellen, Retina (Bipolarzellen, Horizontalzellen, Amakrinzellen), die wiederum synaptisch mit den innersten Neuronen der Retina, den Ganglienzellen, Ganglienzellen, NetzhautRetinaGanglienzellenin Verbindung stehen. Ein Photon muss also zunächst alle retinalen Schichten durchdringen, bevor es in den Außensegmenten der Fotorezeptoren zu einer Signaltransduktion kommen kann. Die Ganglienzellen sind die einzigen Neurone der Retina, die über den gemeinsamen Verlauf ihrer Axone Sehsinnesreize an das Gehirn senden. Dazu laufen die Axone der retinalen Ganglienzellen in der SehnervenpapilleSehnervenpapille (Discus nervi optici)Discusnervi optici zusammen und ziehen als N. opticus [II] und nach dem Chiasma opticum als Tractus opticus in Richtung Thalamus (Corpus geniculatum laterale)Corpus(-ora)geniculatumlaterale des Zwischenhirns (Kap. 9.3.2). Im Bereich der Papille kommen außer den Axonen der Ganglienzellen keine retinalen Strukturen vor. Aus diesem Grund wird dieser Bereich der Retina als blinder Fleck blinder Fleckbezeichnet. Hier tritt auch die A. centralis retinaeArteria(-ae)centralisretinaeVena(-ae)centralisretinae in das Augeninnere ein und verzweigt sich in verschiedene Äste zur Blutversorgung der inneren Retina (Abb. 9.67). Die entsprechende Vene (V. centralis retinae) verlässt das Auge über die Sehnervenpapille. Lateral des Discus nervi optici befindet sich der gelber FleckMaculaluteagelbe Fleck, die Macula lutea. Er ist durch eine Vertiefung (Fovea centralis) Foveacentralisgekennzeichnet, die sowohl den dünnsten Bereich der Retina als auch den Bereich des schärfsten Sehens darstellt. Die hier vorhandene höchste visuelle Empfindlichkeit innerhalb der Retina basiert auf der großen Dichte an Zapfenzellen, ohne dass Stäbchenzellen vorkommen. Beim direkten Fokussieren eines Gegenstandes fällt das Bild in diesen Bereich der Retina und kann so scharf gesehen werden.

Klinik

Pathologische Veränderungen der Netzhaut im Bereich der Macula lutea werden als MakuladegenerationMakuladegenerationMakuladegenerationaltersbedingte/senile (AMD) bezeichnet. Die häufigste Form dieser zu einem allmählich fortschreitenden Visusverlust führenden Erkrankungen ist die altersbedingte oder senile Makuladegeneration (AMD). Sie führt in den Industrieländern bei Menschen über 50 Jahren am häufigsten zu einer Erblindung, gefolgt von Glaukomerkrankungen und diabetischer Retinopathie. Als Risikofaktoren für eine AMD gelten außer einer genetischen Prädisposition unter anderem Rauchen und Bluthochdruck.

Klinik

Das retinale Pigmentepithel versorgt die äußeren Anteile der Netzhaut. Bei einer Netzhautablösung (Ablatio retinae) Netzhautablösung (Ablatio retinae)Ablatio retinae (Netzhautablösung)löst sich aus unterschiedlichen Gründen die Verbindung zwischen der neuronalen Netzhaut und dem Pigmentepithel. Werden die Fotorezeptoren durch den Kontaktverlust nicht mehr ausreichend ernährt, kann es je nach Dauer und Lokalisation der Ablatio zu einem massiven Funktionsverlust in den betroffenen Netzhautarealen kommen. Eine Netzhautablösung wird abhängig von ihrer Ursache, Lage und Ausdehnung behandelt. Nach Wiederanlage der Netzhaut kann eine funktionelle Regeneration erreicht werden.

Ohr

Friedrich Paulsen

Kompetenzen

Nach Bearbeitung diesesOhr Lehrbuchkapitels sollten Sie in der Lage sein:

  • den anatomischen Aufbau von äußerem Ohr, Mittelohr und Innenohr zu beschreiben und dessen Inhaltsstrukturen zu benennen

  • die verschiedenen Regionen des Ohrs korrekt zu beschreiben, ihre Begrenzungen klar zu definieren und in einen topografischen und klinischen Kontext mit den Nachbarstrukturen zu bringen

  • den Aufbau der Tuba auditiva, die an der Tubenfunktion beteiligten Muskeln und die Beziehung zum Mittelohr zu erläutern

  • den Verlauf der Leitungsbahnen in der Pars petrosa zu beschreiben und deren unterschiedliche Versorgungs- bzw. Innervationsgebiete sortiert nachzuvollziehen

  • die embryologische Entwicklung des äußeren Ohrs, des Mittelohrs und des Innenohrs zu erklären und den Aufbau und die Funktion zu erklären

Klinischer Fall

Othämatom

Anamnese

Ein junger MannOthämatom stellt sich spätabends beim diensthabenden HNO-Arzt mit einer an der Vorderseite stark geschwollenen Ohrmuschel vor. Er ist Kickboxer und gibt an, beim Training einen Tritt an den Kopf erhalten zu haben. Die Ohrmuschel habe kurzfristig wehgetan, danach habe der Schmerz rasch abgenommen. Allerdings sei die Ohrmuschel relativ schnell angeschwollen und der Trainer habe ihn gleich zur HNO-Klinik geschickt.

Erstuntersuchung

Der Arzt untersucht die Ohrmuschel, den äußeren Gehörgang und das Trommelfell eingehend. Die bläuliche Schwellung der Ohrmuschel ist weich und fluktuierend. Der HNO-Arzt diagnostiziert ein Othämatom, also einen serös-blutigen Erguss zwischen Perichondrium und Ohrmuschelknorpel. Dabei hat der Boxtritt zu einer tangentialen, abscherenden Gewalteinwirkung auf die Ohrmuschel geführt, unter der das Perichondrium vom Knorpel abgeschoben wurde. Es ist ein Spaltraum entstanden, der sich sekundär mit Flüssigkeit gefüllt hat.

Therapie

Der HNO-Arzt inzidiert die Schwellung anschließend unter sterilen Bedingungen, um einer Ohrmuschelperichondritis vorzubeugen. Dabei entleert sich serös-blutiges Sekret. Um das Perichondrium wieder optimal am Knorpel zu fixieren, legt er 2 Matratzennähte. Außerdem verordnet er ein Antibiotikum. Schließlich klärt er den Patienten auf, dass eine solche Verletzung beim Boxen sehr häufig sei, und rät ihm, in Zukunft regelmäßig einen Kopfschutz zu tragen, da es langfristig bei rezidivierenden Othämatomen zu einem „Blumenkohlohr“ kommen könne. Dabei entsteht eine bindegewebige Organisation des Blutergusses mit Einschränkungen der Nährstoffversorgung des Ohrknorpels und mit Untergang von Knorpelgewebe, was letztlich zur Deformität der Ohrmuschel führt.
Das Ohr (Auris)Auris umfasst das Hör- und das Gleichgewichtsorgan. Es gliedert sich in äußeres Ohr, Mittelohr und Innenohr (Abb. 9.68):
  • Zum äußeren Ohr Ohräußeresgehören die OhrmuschelOhrmuschel, der äußere GehörgangGehörgangäußerer und das TrommelfellTrommelfell.

  • Das Mittelohr Mittelohrbesteht aus der Paukenhöhle, die zentral im Felsenbein (Pars petrosa des Os temporale) liegt. Sie ist vom äußeren Gehörgang durch das Trommelfell getrennt, beherbergt die 3 GehörknöchelchenGehörknöchelchen und steht über die OhrtrompeteOhrtrompete mit dem Nasopharynx sowie über das Antrum mastoideumAntrummastoideum mit dem Warzenfortsatz in Verbindung.

  • Das auch als LabyrinthLabyrinth bezeichnete InnenohrInnenohr liegt ebenfalls im Felsenbein. Es besteht aus verschiedenen Hohlräumen, die lateral an das Mittelohr und medial an den Meatus acusticus internus grenzen.

Das im Innenohr (Organum vestibulocochleare)Organum(-a)vestibulocochleare lokalisierte Hörorgan wandelt die über das äußere Ohr aufgenommenen Töne und Geräusche, die vom Mittelohr als mechanische Informationen weitergeleitet und verstärkt werden, so in elektrische Impulse um, dass die Informationen zum Gehirn weitergeleitet werden können. Außerdem sind im Innenohr spezialisierte Rezeptorzellen zur Bestimmung von Bewegungen und Positionen im Raum (Gleichgewichtsorgan)Gleichgewichtsorgan untergebracht.

Embryologie

Entwicklung des äußeren Ohrs
Das der Schallaufnahme dienende äußere OhrOhräußeresEntwicklung entwickelt sich aus der 1. Schlundfurche, zwischen dem 1. und 2. Schlundbogen.
Entwicklung der Ohrmuschel aus den 6 Aurikularhöckern
Am dorsokranialenOhrmuschelEntwicklung Ende der 1. Schlundfurche stehen sich am Anfang der 6. Woche 2 Reihen von jeweils 3 AurikularhöckernAurikularhöcker gegenüber, die unterschiedlich schnell wachsen und rasch zur Ohrmuschel verschmelzen. Mit der Verlängerung des Unterkieferastes im 1. Schlundbogen werden die Ohrmuscheln indirekt nach kranial verlagert und kommen schließlich auf Höhe der Augen zu liegen.

Klinik

Überschießende oder mangelhafte Verschmelzungen der Aurikularhöcker treten nicht selten und spontan auf (Ohrmuschelfehlbildungen); zu tief liegende OhrmuschelnOhrmuschelFehlbildungen sind häufig mit chromosomal bedingten Fehlbildungen assoziiert.

Entwicklung des äußeren Gehörgangs aus der ersten Schlundfurche
Der äußere GehörgangGehörgangäußererEntwicklung entwickelt sich aus dem Ektoderm in der Tiefe der 1. Schlundfurche, die als trichterförmige Röhre nach innen wächst, bis sie die entodermale Auskleidung der Paukenhöhle (Recessus tubotympanicus, aus der 1. Schlundtasche) erreicht und zu Beginn der 9. Woche am Gehörgangboden eine solide Gehörgangsplatte bildet.

Klinik

Löst sich die Gehörgangsplatte ab dem 7. Monat nicht wieder auf, kommt es zur angeborenen Taubheit.Taubheitangeborene

Mittelohrentwicklung
Die entodermale MittelohrEntwicklungAuskleidung der 1. Schlundtasche wächst ab der 5. Woche als Ausstülpung des Schlunddarms nach lateral und wird zum Mittelohr. Sie trifft mit ektodermalem Gewebe am Boden der 1. Schlundfurche zusammen. An der Kontaktstelle bleibt nur noch eine dünne Membran übrig – das Trommelfell.TrommelfellEntwicklung Nun erweitert sich der distale Anteil der 1. Schlundtasche, Recessus tubotympanicus, und wird zur primitiven Paukenhöhle. PaukenhöhleprimitiveDer proximale Anteil bleibt schmal und wird Ohrtrompetezur Ohrtrompete (Tuba auditiva [auditoria], Eustachius-Röhre).Tubaauditiva [auditoria] (Eustachius-Röhre)Eustachius-Röhre (Tuba auditiva [auditoria])
Entwicklung der Gehörknöchelchen
Ebenfalls Anfang der 5. Woche beginnen sich im Mesenchym des 1. und 2. Schlundbogens die GehörknöchelchenGehörknöchelchenEntwicklung zu differenzieren:
  • HammerHammer und AmbossAmboss als Derivate des Meckel-KnorpelsMeckel-KnorpelDerivate sowie der M. tensor tympaniMusculus(-i)tensortympani im 1. Schlundbogen (Innervation daher durch den N. mandibularis [V/3],Nervus(-i)mandibularis [V/3] den 1. Schlundbogennerv)

  • der SteigbügelSteigbügel als Derivat des Reichert-KnorpelsReichert-KnorpelDerivate und der M. stapediusMusculus(-i)stapedius im 2. Schlundbogen (Innervation daher durch den N. facialis [VII],Nervus(-i)facialis [VII] den 2. Schlundbogennerv)

Entwicklung des Innenohrs
Etwa am 22. Tag bildet InnenohrEntwicklungsich im Oberflächenektoderm beiderseits der Rautenhirnanlage die OhrplakodeOhrplakode als eine Verdickung des Epithels; sie stülpt sich bald darauf zum Ohrgrübchen Ohrgrübchenein und schnürt das Ohrbläschen Ohrbläschenab. Jedes Bläschen teilt sich in einen vorderen (rostralen) Anteil, aus dem SacculusSacculus(-i) sowie Ductus cochlearisDuctuscochlearis hervorgehen, und in einen hinteren (okzipitalen) Anteil, aus dem UtriculusUtriculus, BogengängeBogengänge und Ductus endolymphaticusDuctusendolymphaticus hervorgehen; rostraler und okzipitaler Anteil bleiben über einen schmalen Gang verbunden und bilden in ihrer Gesamtheit das häutige Labyrinth.Labyrinthhäutiges

Äußeres Ohr

Das äußere OhrOhräußeres gliedert sich in die von außen sichtbare Ohrmuschel (Auricula)Auricula sowie den nach innen führendenGehörgangäußerer äußeren Gehörgang (Meatus acusticus externus)Meatusacusticusexternus und das TrommelfellTrommelfell (Membrana tympanica).Membranatympanica Es dient der Schallleitung und der Verbesserung der Richtungsortung.
Ohrmuschel
Die OhrmuschelOhrmuschelAuricula (Abb. 9.69) besteht aus einem Grundgerüst aus elastischem Knorpel. Die Haut über der Außenfläche ist unverschieblich und faltenfrei mit dem Perichondrium verbunden; auf der Rückfläche ist sie verschieblich. Subkutanes Fettgewebe fehlt. Das Ohrläppchen (Lobulus auriculae) Ohrläppchenist knorpelfrei, variabel ausgebildet und besteht aus subkutanem Fettgewebe mit Hautüberzug. Der äußere Rand der Ohrmuschel, die Helix, Helixist eingerollt, die Antihelix Antihelixist die innere Ohrmuschelfalte, Tragus Tragusund Antitragus Antitragussind prominente Knorpelteile, die die zentrale Vertiefung (Cavitas conchae) Cavitas(-tes)conchaeam Gehörgangseingang begrenzen. Der Tragus setzt sich in den knorpeligen Anteil des äußeren Gehörgangs fort. Weitere Bezeichnungen sind für die Ohrmuschel gebräuchlich, für das Verständnis aber vernachlässigbar.
Muskeln
An der OhrmuschelOhrmuschelMuskeln findet man häufig noch rudimentäre Muskeln wie z. B. die Mm. auriculares anterior, superior et posterior oder den M. tragicusMusculus(-i)tragicus (einige Menschen können mit den Ohren wackeln, allerdings nur in Zusammenarbeit mit dem M. epicranius). Es handelt sich dabei um mimische Muskulatur (Innervation durch den N. auricularis posterior des N. facialis [VII]), die zu einem rudimentären Sphinktersystem (M. orbicularis conchae)Musculus(-i)orbicularisconchae gehört, das bei vielen Tieren noch gut ausgeprägt ist. So dreht das Pferd seine Ohrmuscheln in Richtung auf den Schall zu. Igel und Bär verschließen während des Winterschlafs den äußeren Gehörgang, um durch Außengeräusche nicht gestört zu werden.
Leitungsbahnen
Arterien
Die OhrmuschelOhrmuschelLeitungsbahnen ist aufgrund ihrer exponierten Lage (Kälteschutz, Wärmeabgabe) sehr gut durchblutet. Die Arterien sind Äste der A. carotis externa. Die A. temporalis superficialis Arteria(-ae)temporalissuperficialiserreicht mit Rr. auriculares anteriores die Vorderseite der Ohrmuschel; Rr. auriculares der A. auricularis posterior Arteria(-ae)auricularisposteriorversorgen die Rückseite.
Venen
Entsprechende Vv. auriculares anteriores Vena(-ae)auriculares anterioresdrainieren in den Plexus pterygoideus;Plexuspterygoideus die V. auricularis posterior mündet in die V. jugularis externa, die Vv. temporales superficiales in die V. jugularis interna.
Lymphgefäße
Lymphe wird aus der Ohrmuschel nach vorne in Nodi lymphoidei parotidei Nodus(-i) lymphoideus(-i)parotideiund nach hinten in Nodi lymphoidei mastoidei, Nodus(-i) lymphoideus(-i)mastoideiteilweise auch in die oberen Nodus(-i) lymphoideus(-i)cervicalesprofundiNodi lymphoidei cervicales profundi drainiert.
Innervation
Die Ohrmuschelinnervation (Abb. 9.70) erfolgt vor dem Ohr über den Nervus(-i)auriculotemporalisN. auriculotemporalis (aus dem N. mandibularis [V/3]), hinter und unterhalb des Ohrs aus dem Plexus cervicalis Nervus(-i)auricularismagnus(N. auricularis magnus, N. occipitalis minor), Nervus(-i)occipitalisminoran der Ohrmuschel selbst über den N. facialis [VII] (welchen Teil der N. facialis [VII] Nervus(-i)facialis [VII]genau versorgt, ist nicht abschließend geklärt) und am Eingang in den äußeren Gehörgang über den N. vagus [X].Nervus(-i)vagus [X]
Äußerer Gehörgang
Der äußere GehörgangGehörgangäußererMeatusacusticusexternus ist bei Erwachsenen etwa 25–35 mm lang und in der Regel in der Horizontal- und in der Vertikalebene S-förmig leicht nach vorne gekrümmt (beim Neugeborenen verläuft er noch gerade) (Abb. 9.71). Er erstreckt sich von der Tiefe der Cavitas conchae bis zum Trommelfell und besteht aus 2 Anteilen:
  • einer längeren knorpeligen (elastischer Knorpel) außen gelegenenParsfibrocartilaginea (Meatus acusticus externus) Pars fibrocartilaginea (bis 20 mm) Parsossea(Meatus acusticus externus)

  • einer knöcheren Pars ossea

Die Pars ossea gehört zur Pars tympanica des Os temporaleParstympanica (Os temporale), die den Meatus acusticus externus von vorne, unten und hinten begrenzt. Oben ist der knöcherne Ring durch die Incisura tympanicaIncisuratympanica unterbrochen (Befestigungsort der Pars flaccida des Trommelfells, s. u.). Das Ende des äußeren Gehörgangs bilden der Sulcus tympanicusSulcus(-i)tympanicus und die Incisura tympanica, hier ist das Trommelfell fixiert.Funktionell dient der äußere Gehörgang als Schalltrichter (Durchmesser am Eingang ca. 8 mm, in der Pars ossea nur noch 6–7 mm, engste Stelle am Übergang vom knorpligen in den knöchernen Teil). Der GehörgangsknorpelGehörgangsknorpel steht mit dem Tragus der Ohrmuschel in Verbindung. Der knorpelige Teil ist auf der Innenseite in seinem gesamten Verlauf von Haut bedeckt, die Haare, spezialisierte freie Talgdrüsen und apokrine tubulöse Duftdrüsen (Zeruminaldrüsen, Glandulae ceruminosae) enthält. Das Sekret der Drüsen bildet das Ohrenschmalz (Cerumen),Ohrenschmalz (Cerumen)Cerumen das neben abgeschilferten Epithelzellen, Lipiden und Proteinen Pigmente (braune Farbe) und Bitterstoffe (unangenehm für Insekten aller Art) enthält.
Leitungsbahnen
Arterien
Arteriell wird der äußere GehörgangGehörgangäußererLeitungsbahnen aus Rr. auriculares anteriores der A. temporalis superficialis, Ramus(-i)auricularesanteriores (A. temporalis superficialis)dem R. auricularis posterior der A. carotis externa Ramus(-i)auricularisposterior (A. carotis externa)Arteria(-ae)auricularisprofundaund der A. auricularis profunda aus der A. maxillaris gespeist.
Venen
Der venöse Abfluss erfolgt über Vv. auriculares anteriores Vena(-ae)auriculares anterioresin die Vv. temporales superficiales und von hier in die V. jugularis interna sowie über die V. auricularis posterior Vena(-ae)auricularis posteriorsowohl in V. jugularis interna als auch in V. jugularis externa.
Lymphgefäße
Regionäre Lymphknotenstationen sind Nodi lymphoidei parotidei superficiales Nodus(-i) lymphoideus(-i)parotideisuperficialesund profundi sowie Nodi lymphoidei infraauriculares, Nodus(-i) lymphoideus(-i)parotideiprofundidie zu den Nodi lymphoidei cervicales profundi drainieren.Nodus(-i) lymphoideus(-i)cervicalesprofundiNodus(-i) lymphoideus(-i)infraauriculares
Innervation
Die vordere und die obere Wand werden vom N. meatus acustici externi Nervus(-i)meatus acustici externiaus dem N. auriculotemporalis Nervus(-i)auriculotemporalis(aus dem N. mandibularis [V/3]) innerviert; die hintere und z. T. die untere Wand erreicht der R. auricularis des N. vagus [X]. Nervus(-i)vagus [X]Die hintere Wand und die Trommelfellaußenseite werden von Rr. auriculares des N. facialis [VII] Nervus(-i)facialis [VII]und des N. glossopharyngeus [IX]Nervus(-i)glossopharyngeus [IX] innerviert.
Topografie
Der äußere GehörgangGehörgangäußererTopografie ist der Glandula parotidea, Glandula(-ae)parotideadem Proc. mastoideus, der mittleren Schädelgrube und dem Kiefergelenk unmittelbar benachbart. Bei Mundöffnung gleitet das Köpfchen des Kiefergelenks auf den Abhang des Tuberculum articulare ossis temporalis. Dabei erweitert sich der knorplige Anteil des äußeren Gehörgangs leicht.

Klinik

In der Folge von Verletzungen oder Insektenstichen in die Ohrmuschel kann es zu einer Entzündung des elastischen Knorpels kommen (Ohrmuschelperichondritis).OhrmuschelPerichondritisPerichondritis, Ohrmuschel Das Ohrläppchen bleibt ausgespart, weil es keinen Knorpel enthält.

Da das Ohrläppchen gut durchblutet und sehr gut zugänglich ist und keinen elastischen Knorpel besitzt, wird es gerne zur Gewinnung von Blut herangezogen, z. B. bei Diabetikern zur Bestimmung des Blutglukosespiegels. Durch die exponierte Lage und die fehlende Fettschicht sind Erfrierungen und Sonnenbrände allerdings keine Seltenheit.

Ohrmuschelveränderungen machen häufig plastisch-rekonstruktive Eingriffe nötig. Mechanische Manipulationen (z. B. Reinigen des Gehörgangs mit einem Wattestäbchen) oder Schädigungen führen nicht selten zur Entzündung im Bereich der Ohrmuschel und des äußeren Gehörgangs (Otitis externa).Otitisexterna

Übermäßige Bildung von Cerumen (Ohrenschmalz) führt häufig zu einem Zeruminalpfropf, der den äußeren Gehörgang verschließen kann (Cerumen obturans)Cerumenobturans und zur Schallleitungsschwerhörigkeit führt.Schallleitungsschwerhörigkeit

Aufgrund der sensiblen Innervation des äußeren Gehörgangs durch den N. vagus [X] wird durch Manipulationen im Gehörgang (z. B. bei Entfernung von Ohrenschmalz oder in den Gehörgang eingedrungene Fremdkörper) bei der jeweiligen Person fast immer ein Hustenreiz ausgelöst. Im schlimmsten Fall kann es durch die Manipulation zu Erbrechen oder zum Kollaps kommen.

Um das Trommelfell mit einem Ohrspiegel oder einem Mikroskop inspizieren zu können (Otoskopie), Otoskopiemuss die Ohrmuschel nach hinten oben gezogen werden. Dadurch wird der knorpelige Anteil des Gehörgangs gestreckt und der Blick auf das Trommelfell wird (zumindest teilweise) frei (Abb. 9.71).

Der Zoster oticus Zosteroticusist die Zweitmanifestation einer Infektion mit dem Varicella-Zoster-Virus im Bereich des Ohrs. Es kommt zur Bläschenbildung an der Ohrmuschel und/oder am äußeren Gehörgang. Zoster-typisch sind starke Schwerzen. Der Infekt kann auch auf das Innenohr übergreifen und eine Schwerhörigkeit bis Taubheit (N. cochlearis) bzw. Störungen des GleichgewichtssinnsGleichgewichtssinnStörungen (N. vestibularis) verursachen.

Trommelfell
Jedes TrommelfellMedium hat einen charakteristischen Schallwellenwiderstand, den man als Impedanz bezeichnet. Die Impedanzen von Luft und einer der sich im Innenohr befindlichen Flüssigkeiten (Perilymphe)Perilymphe sind so unterschiedlich, dass 98 % der auftreffenden Schallwellen bei direkter Übertragung von der Luft auf das Innenohr reflektiert werden würden. Die verbleibenden 2 % wären zur ausreichenden kortikalen Wahrnehmung zu wenig. Trommelfell (Membrana tympanica)Membranatympanica und Gehörknöchelchen des Mittelohrs dienen jedoch quasi als Impedanzwandler und verringern die Reflexion des Schalls, sodass im Mittel 60 % der Schallenergie am ovalen Fenster des Innenohrs übertragen werden kann.
Das Trommelfell (Abb. 9.72a, Abb. 9.73) bildet die Grenze zwischen äußerem Ohr und Mittelohr und schließt beide Räume gegeneinander luftdicht ab (das Mittelohr wird daher bei intaktem Trommelfell einzig über die Tuba auditiva belüftet). Das Trommelfell ist grau, perlmuttartig glänzend, rundlich elliptisch geformt und hat einen Durchmesser von ca. 9 mm mit einer Fläche von 85 mm2. Nahe hinter dem Trommelfell im Mittelohr liegende Strukturen schimmern durch. Man unterscheidet 2 Flächen:
  • die sehr viel kleinere, dünnere und schlaffere im kranialen Abschnitt gelegene Pars flaccida (Shrapnell-Membran, ca. 25 mm2), Parsflaccida (Membrana tympanica, Shrapnell-Membran)Shrapnell-Membran (Pars flaccida membranae tympanicae)die bei Beschallung nicht schwingt (Abb. 9.72a)

  • die große, dickere (ca. 0,1 mm) und straffe Pars tensa, Parstensa (Membrana tympanica)die der Schallübertragung auf den Hammerkopf dient

Das Trommelfell hat einen verdickten Rand (Limbus membranae tympanicae), Limbusmembranae tympanicaeder im Bereich der Pars tensa über einen Bindegewebsring (Anulus fibrocartilagineus) Anulusfibrocartilagineusim knöchernen Sulcus tympanicus des Felsenbeins und der Incisura tympanica, einer Aussparung des Sulcus vorn oben, befestigt ist. Es sitzt schräg zur Gehörgangsachse. Man kann sich die Stellung beider Trommelfelle vorstellen, wenn man die gestreckten Handflächen schiffbugartig so aneinanderlegt, dass sich nur die Kuppen des 3.–5. Fingers berühren: die Handrücken zeigen zu den Gehörgängen, die Handflächen in Richtung auf die Schädelhöhle. Bei Kleinkindern und Säuglingen ist das Trommelfell noch stärker als beim Erwachsenen geneigt. Das Trommelfell ist trichterförmig nach innen gezogen. Die exzentrisch liegende Spitze entspricht auf der Gehörgangsseite dem tiefsten Punkt oder Nabel des Trommelfells (Umbo membranae tympanicae); Umbomembranae tympanicaeauf der Mittelohrseite ist an dieser Stelle die Spitze des Hammergriffs (Manubrium mallei) befestigt, der sich schräg nach vorne oben fortsetzt. An der am weitesten kranial gelegenen Befestigungsstelle des Hammers wölbt sich der kurze Hammerfortsatz (Proc. lateralis mallei) als Prominentia mallearis in Richtung Gehörgang vor. Von dieser Erhebung aus verlaufen auf der Innenfläche des Trommelfells die Plicae malleares anterior et posterior und grenzen die Pars flaccida von der Pars tensa des Trommelfells ab.
Legt man eine gedachte Linie durch das Manubrium mallei und eine senkrecht darauf stehende Linie, die genau durch den Umbo führt, kann man das TrommelfellTrommelfellQuadranten in 4 Quadranten einteilen:
  • einen vorderen oberen

  • einen hinteren oberen

  • einen vorderen unteren

  • einen hinteren unteren

Die Einteilung in Quadranten (Abb. 9.72b) hat praktisch-klinische Bedeutung. Hinter den oberen Quadranten liegen die Gehörknöchelchen. Außerdem verlaufen hier die Chorda tympani (Ast des N. facialis [VII]) und die Ansatzsehne des M. tensor tympani (s. u.). Die Grundlage des Trommelfells ist eine Bindegewebsschicht (Stratum fibrosum), die aus radiären und zirkulären Fasern ein Netz bildet und die Steifigkeit des Trommelfells ausmacht. Auf der Gehörgangsseite ist das Bindegewebe von verhornendem Plattenepithel überzogen, im Mittelohr von einem Stratum mucosum (einschichtiges kubisches Epithel) bedeckt.
Leitungsbahnen
Arterien
Die Trommelfellaußenseite TrommelfellLeitungsbahnenwird arteriell von der A. stylomastoidea Arteria(-ae)stylomastoideagespeist, die via A. auricularis profunda aus der A. maxillaris kommt; die Innenseite erhält ihre Blutversorgung aus der A. tympanica anterior, Arteria(-ae)tympanicaanterioreinem Ast der A. carotis externa.
Venen
Der venöse Abfluss erfolgt auf der Außen- und der Innenseite über Vv. perforantes in die V. stylomastoideaVena(-ae)stylomastoidea und von hier in den Plexus pterygoideusPlexuspterygoideus.
Lymphgefäße
Regionäre Lymphknoten sind die Nodi lymphoidei parotidei superficiales Nodus(-i) lymphoideus(-i)parotideiund profundi sowie die Nodi lymphoidei infraauriculares Nodus(-i) lymphoideus(-i)infraauricularesund von hier die Nodi lymphoidei cervicales profundi.Nodus(-i) lymphoideus(-i)cervicalesprofundi
Innervation
Das TrommelfellTrommelfellInnervation ist sehr gut sensibel innerviert. Auf der Außenseite über Rr. auriculares des N. vagus [X] Nervus(-i)vagus [X]und den N. auriculotemporalis Nervus(-i)auriculotemporalis(aus dem N. mandibularis [V/3]); auf der Innenseite über den Plexus tympanicus aus Fasern des N. facialis [VII] und N. glossopharyngeus [IX].Plexustympanicus

Klinik

Im vorderen unteren Quadranten sieht man im Rahmen der Trommeluntersuchung durch das Otoskop einen hellen pyramidenförmigen Lichtreflex, der als Spiegelreflex, TrommelfellSpiegel- oder Trommelfellreflex Trommelfellreflexbezeichnet wird. Er lässt Rückschlüsse auf die Trommelfellspannung zu. Die Basis der Lichtreflexpyramide ist zum Anulus fibrocartilagineus gerichtet.

Die Pars flaccida des Trommelfels ist dünner als die Pars tensa und deshalb bei eitriger Mittelohrentzündung (Otitis media)Otitismedia Mittelohrentzündungeitrigeder bevorzugte Ort einer Spontanperforation.

Durch das Trommelfell hindurch können Paukenhöhlenergüsse gesehen und drainiert werden. Um die Mittelohrstrukturen bei einer ParazenteseParazentese, Trommelfell (Schnitt durch das Trommelfell) nicht zu gefährden, wird diese im vorderen unteren oder im hinteren unteren Quadranten durchgeführt. Anschließend kann man durch den Schnitt ein Paukenröhrchen Paukenröhrchenzur längerfristigen Belüftung des Mittelohrs einlegen.

Mittelohr

Das MittelohrMittelohr (Auris media)Aurismedia umfasst die Paukenhöhle (Cavitas tympani) mit den 3 Gehörknöchelchen. Verbindungen bestehen über das Antrum mastoideum mit den lufthaltigen Zellen des Warzenfortsatzes sowie über die Ohrtrompete (Tuba auditiva [auditoria], „Tube“, Eustachius-Röhre) mit dem Nasopharynx.
Paukenhöhle
Vom äußeren Gehörgang ist die Paukenhöhle (Cavitas tympani) PaukenhöhleCavitas(-tes)tympanidurch das Trommelfell luftdicht getrennt und stellt somit einen geschlossenen Raum dar, der belüftet werden muss. Diese Belüftung der Paukenhöhle (und der lufthaltigen Zellen des Warzenfortsatzes) findet nur während des Schluckvorgangs statt, bei dem sich die sonst ebenfalls verschlossene Tube kurzfristig öffnet und den Luftaustausch zwischen Nasen-Rachen-Raum und Mittelohr ermöglicht.
Die Paukenhöhle wird anatomisch und klinisch eingeteilt (Abb. 9.73) in:
  • Das EpitympanonEpitympanon (Kuppelraum, Paukenkuppel, Attikus) beherbergt den Aufhängeapparat und den größten Anteil der Gehörknöchelchen und steht über das Antrum mastoideum mit den Mastoidzellen (retrotympanale Räume) in Verbindung. Unterhalb des Antrums wölbt sich das Bogengangmassiv, der „Labyrinthknochen“. Der Bereich, der zwischen Pars flaccida des Trommelfells (lateral) sowie Hammerkopf und Ambosskörper (medial) liegt, ist der Recessus epitympanicus. RecessusepitympanicusEin noch kleinerer Raum zwischen Pars flaccida und Hammerhals ist der Recessus membranae tympanicae superior (Prussak-Raum).Recessusmembranae tympanicae superior (Prussak-Raum)

  • Das Mesotympanon (Paukenraum)Mesotympanon umfasst das Manubrium mallei, den Proc. lenticularis des Amboss und die Sehne des M. tensor tympani und liegt direkt hinter dem Trommelfell.

  • Das in die Tuba auditiva übergehende Hypotympanon Hypotympanon(PaukenkellerPaukenkeller, Recessus hypotympanicus)Recessushypotympanicus ist die tiefste Stelle der Paukenhöhle und befindet sich unterhalb der Trommelfellebene.

Die Ausdehnung zwischen Epitympanon und Hypotympanon beträgt etwa 12–15 mm bei einer Tiefe von 3–7 mm. Das Binnenvolumen der Paukenhöhle beträgt nur etwa 1 cm3.
Ausgekleidet wird die Paukenhöhle von einem einschichtigen isoprismatischen Epithel; einzelne Becherzellen und auch Flimmerepithel kommen vor. Die Gehörknöchelchen sind von mehrschichtigem Plattenepithel überzogen. In der Lamina propria liegen tubulöse Drüsen (Glandulae tympanicae),Glandula(-ae)tympanicae die vom Plexus tympanicus innerviert werden.
Begrenzungen
Die PaukenhöhlePaukenhöhleBegrenzungen/Wände hat 6 Wände (Abb. 9.74, Tab. 9.26): eine hintere, eine vordere, ein Dach, einen Boden sowie eine mediale und eine laterale:
  • Das Epitympanon ist nach oben durch eine dünne Knochenplatte (Tegmen tympani, Paries tegmentalis) Pariestegmentalis cavi tympanivon der mittleren Schädelgrube abgegrenzt.

  • Die papierdünne Vorderwand des Mesotympanons (Paries caroticus) Pariescaroticus cavi tympanihat Beziehung zur A. carotis interna.

  • Die laterale Wand (Paries membranaceus) Pariesmembranaceus cavi tympaniwird fast ausschließlich vom Trommelfell gebildet. Am oberen Rand liegt die Fissura sphenopetrosa, durch die die Chorda tympani, die A. tympanica anterior und das Lig. mallei anterior ein- und austreten. Im unteren Wandabschnitt mündet die Ohrtrompete (Tuba auditiva [auditoria]) in die Paukenhöhle.

  • Die Hinterwand (Paries mastoideus) Pariesmastoideus cavi tympanigrenzt an den Warzenfortsatz (Proc. mastoideus, Abb. 9.75). Hinten oben besteht eine direkte Verbindung zu den normalerweise pneumatisierten Räumen (Cellulae mastoideae)Cellulaemastoideae des Mastoids (Aditus ad antrum). Im oberen Teil der Hinterwand bildet die Eminentia pyramidalis eine Erhebung. An dieser Stelle tritt die Sehne des M. stapedius aus. Knapp darunter mündet auch der Canaliculus chordae tympani, durch den die Chorda tympani in die Paukenhöhle eintritt.

  • Die untere Wand der Paukenhöhle (Paries jugularis) Pariesjugularis cavi tympanigehört zum Hypotympanon. Sie grenzt die Paukenhöhle von der V. jugularis interna ab. Der Knochen ist an dieser Stelle sehr dünn (ca. 0,5 mm) und teilweise pneumatisiert. Hier tritt der N. tympanicus gemeinsam mit der A. tympanica inferior durch den Canaliculus tympanicus in die Paukenhöhle ein.

  • Die mediale Wand (Paries labyrinthicus) Parieslabyrinthicus cavi tympanitrennt die Schnecke (Cochlea) von der Paukenhöhle und bildet damit die Grenze zum Innenohr (Labyrinth). Sie besitzt 2 Öffnungen (Abb. 9.75): das ovale Fensterovales Fenster (Fenestra vestibuli),Fenestravestibuli in dem die Steigbügelfußplatte sitzt, die über das Lig. anulare stapediale im ovalen Fenster fixiert ist, und das weiter unten lokalisierte runde Fenster (Fenestra cochleae),rundes Fenster Fenestracochleaedas durch die Membrana tympanica secundaria verschlossen ist. Zwischen ovalem und rundem Fenster wird die mediale Paukenhöhlenwand durch die basale Schneckenwindung zum Promontorium Promontoriumtympanivorgewölbt. Oberhalb des ovalen Fensters ist die mediale Wand durch den lateralen Bogengang zur Prominentia canalis semicircularis lateralis Prominentiacanalissemicircularis lateralisvorgewölbt. Durch die mediale Wand verläuft der N. facialis [VII] im Canalis nervi facialis. Canalis(-es)nervifacialisDer Kanal wölbt die mediale Wand zur horizontal verlaufenden Prominentia canalis nervi facialisProminentiacanalisfacialis vor.

Die Tuba auditiva [auditoria] beginnt am Ostium tympanicum tubae auditivae und wird nach oben durch das Septum canalis musculotubarii vom Semicanalis musculi tensoris tympani abgegrenzt.

Klinik

Eine akute MittelohrentzündungMittelohrentzündungakuteOtitismedia (Otitis media) ist eine der häufigsten Erkrankungen im Kindesalter. Ursache sind meist Bakterien und Viren, die im Rahmen oder nach einer Infektion des Nasopharynx über die Ohrtrompete (Tuba auditiva [auditoria]) in das Mittelohr gelangen. Die Entzündung ist durch Schleimhautrötung, -ödem, granulozytäre Infiltration und Eiterbildung gekennzeichnet. Da der Eiter durch die entzündungsbedingte Tubenblockade nicht abfließt, kann die Entzündung auf die Umgebung übergreifen und schwerwiegende Komplikationen auslösen wie z. B.

  • Trommelfellperforation TrommelfellperforationOtitis media(häufigster Fall, via Paries membranaceus)

  • MastoiditisMastoiditisOtitis media (via Paries mastoideus, Antrum mastoideum)

  • Thrombophlebitis und Jugularvenenthrombose JugularvenenthromboseOtitis mediaThrombophlebitisOtitis media(via Paries jugularis)

  • Sepsis SepsisOtitis mediaHirnabszessOtitis mediaMeningitisOtitis media(Keimverstreuung über das Blut via Paries caroticus)

  • Hirnabszess und/oder Meningitis (via Paries tegmentalis)

  • periphere FazialispareseFazialispareseperiphereOtitis media (via Paries labyrinthicus)

  • Labyrinthitis (sog. tympanogene LabyrinthitisLabyrinthitistympanogene mit Schwindel und Hörminderung via Paries labyrinthicus)

Von einer solchen tympanogenen LabyrinthitisLabyrinthitismeningogene ist eine meningogene Labyrinthitis abzugrenzen. Letztere entsteht dadurch, dass Bakterien (Pneumokokken oder Meningokokken) im Rahmen einer Hirnhautentzündung (Meningitis) über den Aqueductus cochleae (s. u.) in das Innenohr gelangen und zum Labyrinthausfall führen.

Störungen in der Transformationskette (Trommelfell, Gehörknöchelchen) führen zu einer Schallleitungsschwerhörigkeit. SchallleitungsschwerhörigkeitFällt die Schalldrucktransformation vollständig aus, liegt der Hörverlust bei ca. 20 dB. Eine typische Erkrankung, die zu einer solchen Störung führt, ist die Otosklerose. OtoskleroseBei dieser lokalisierten Erkrankung des Felsenbeins verknöchert das Lig. anulare stapediale und fixiert damit die Steigbügelfußplatte im ovalen Fenster. Folge ist eine langsam zunehmende Schallleitungsschwerhörigkeit. Erkrankungsherde im Bereich der Schnecke können zusätzlich eine Innenohrschwerhörigkeit verursachen. Frauen im Alter zwischen 20 und 40 sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. In 70 % der Fälle tritt die Otosklerose in beiden Ohren auf.

Leitungsbahnen
Arterien
Das Mittelohr PaukenhöhleLeitungsbahneneinschließlich der Gehörknöchelchen und der Cellulae mastoideae wird von 10 Arterien versorgt (Tab. 9.27). Sie sind der Vollständigkeit halber hier aufgeführt, die genaue Kenntnis ist aber für das Verständnis des Mittelohrs Wissensbalast und nicht notwendig. Bei Bedarf kann man sie nachschlagen. Bis auf die Aa. caroticotympanicae sind alle Gefäße Äste der A. carotis externa. Die meisten Arterien bilden im Bereich des Promontoriums ein Anastomosensystem.
Venen
Die gleichnamigen Venen drainieren in die Sinus petrosi superior et inferior, den Sinus sigmoideus, den Bulbus superior venae jugularis, die V. meningea media und den Plexus pharyngeus.
Lymphgefäße
Regionäre Lymphknoten sind die Nodus(-i) lymphoideus(-i)parotideiprofundiNodus(-i) lymphoideus(-i)retropharyngealesNodi lymphoidei parotidei profundi sowie die Nodi lymphoidei retropharyngeales, die zu den Nodi lymphoidei cervicales profundi drainieren.
Innervation
Sensibel werden die Paukenhöhle, die Gehörknöchelchen und die Cellulae mastoideae vom N. tympanicus des N. glossopharyngeus [IX] Nervus(-i)tympanicus (Jacobson)innerviert. Präganglionäre parasympathische Fasern des N. facialis [VII] und des N. glossopharyngeus [IX] bilden unterhalb der Paukenhöhlenschleimhaut den Plexus tympanicus. Ein Teil der Fasern wird hier in kleinen Gruppen multipolarer Ganglienzellen auf postganglionäre Neurone umgeschaltet und innerviert die Paukenhöhlenschleimhaut. Der andere Teil verlässt die Paukenhöhle und formiert sich zum N. petrosus minor Nervus(-i)petrosusminor(Innervation der Glandula parotidea, Jacobson-Anastomose).Jacobson-Anastomose Außer parasympathischen Fasern kommen auch sympathische Fasern im Plexus tympanicus (manchmal als R. communicans cum plexu tympanico bezeichnet) vor, die ihn als Nn. caroticotympanici (Durchtritt durch die Paries caroticus) vom Plexus nervosus der A. carotis interna kommend erreichen.
Gehörknöchelchen
Die 3 von Schleimhaut überzogenen GehörknöchelchenGehörknöchelchen (Abb. 9.76) HammerHammer (Malleus), MalleusAmbossAmboss (Incus) Incusund SteigbügelSteigbügel (Stapes)Stapes sind in der Paukenhöhle aufgehängt und bilden eine bewegliche Kette vom Trommelfell zum ovalen Fenster (Fenestra vestibuli):
  • Der Hammer besteht aus Kopf (Caput mallei), Hals (Collum mallei), Hammerstiel (Manubrium mallei), einem langen (Proc. anterior) und einem kurzen (Proc. lateralis) Fortsatz. Manubrium mallei und Proc. lateralis sind mit dem Trommelfell verwachsen. Außerdem setzt am Manubrium mallei die Sehne des M. tensor tympani an.

  • Der Amboss besteht aus 1 Körper (Corpus incudis) und 2 Schenkeln (Crus longum und Crus breve incudis). An der Vorderseite des Corpus befindet sich die Gelenkfläche zur Artikulation mit dem Hammer. Das Crus longum verläuft parallel zum Manubrium mallei. An seinem Ende befindet sich der Proc. lenticularis,Processuslenticularis der rechtwinklig abbiegt und die Gelenkfläche zur Artikulation mit dem Steigbügel trägt.

  • Der Steigbügel besteht aus Kopf (Caput stapedis), 2 Schenkeln (Crus anterius und Crus posterius stapedis) sowie der Steigbügelfußplatte (Basis stapedis). Die Fußplatte ist über ein bindegewebiges Ringband (Lig. anulare stapediale)Ligamentum(-a)anularestapediale im ovalen Fenster beweglich fixiert und überträgt die Schallschwingungen auf die Perilymphe des Innenohrs.

Die 3 Knochen sind hintereinandergeschaltet und durch echte Gelenke (Articulatio incudomallearis – ein Sattelgelenk – undArticulatio(-nes)incudomallearisArticulatio(-nes)incudostapedialis Articulatio incudostapedialis – ein Kugelgelenk) miteinander verbunden. In der Paukenhöhle fixieren Bänder die Knochen:
  • Ligg. mallei superius, anterius [Überrest des Meckel-Knorpels] et posteriusLigamentum(-a)mallei superius, anterius et posterius (Ligg. mallei anterius et posterius bilden gemeinsam dasMeckel-KnorpelÜberreste „Achsenband“, das als Hebelarm des Hammers wirkt)

  • Ligg. incudis superius et posteriusLigamentum(-a)incudis superius et posterius

Die Bänder sind nur der Vollständigkeit halber aufgeführt.

Merke

Die Gehörknöchelchenkette dient der Übertragung der über das Trommelfell übermittelten Schallwellen auf die Perilymphe des Innenohrs. Dabei muss der niedrige Luftwiderstand auf den wesentlich höheren Widerstand der Innenohrflüssigkeit übertragen werden. Hierzu ist eine Verstärkung der Schallwellen nötig (Impedanzanpassung),Impedanzanpassung die durch den Größenunterschied zwischen Trommelfellfläche (55 mm2) zur Fläche des ovalen Fensters (3,2 mm2; 17-fach) und Hebelwirkung der Gehörknöchelchenkette (1,3-fach) erfolgt. Der Schalldruck wird dadurch um das 22-Fache verstärkt.

Muskeln
Die Schallübertragung wird von 2 quergestreiften Muskeln (Mm. ossiculorum auditus) (Abb. 9.77), dem M. tensor tympani und dem M. stapedius, beeinflusst. Ihre Kontraktion führt dazu, dass hohe Schallintensitäten reduziert und der Lautstärkebereich dynamisch angepasst wird. Außerdem schwächen sie die Übertragung der eigenen Stimme ab.
Der M. tensor tympani Musculus(-i)tensortympanientspringt im Semicanalis musculi tensoris tympani des Felsenbeins. Seine Sehne tritt am Proc. cochleariformis durch die Paries tegmentalis in die Paukenhöhle ein und wird dabei nahezu rechtwinklig umgelenkt. Sie inseriert nach kurzem Verlauf am oberen Rand des Hammergriffs. Die A. tympanica superior Arteria(-ae)tympanicasuperiorversorgt ihn mit Blut, der N. pterygoideus medialis Nervus(-i)pterygoideusmedialisdes N. mandibularis [V/3] innerviert den Muskel. Funktionell spannt der M. tensor tympani das Trommelfell durch Zug am Hammergriff und Versteifung der Gehörknöchelchenkette. Er dient damit einer besseren Übertragung hoher Tonfrequenzen.
Der M. stapedius Musculus(-i)stapediusentspringt im Cavum musculi stapedii. Seine Sehne tritt an der Spitze des Proc. pyramidalis in der Paries mastoideus in die Paukenhöhle ein und zieht zum Caput stapedis. Die A. stylomastoidea Arteria(-ae)stylomastoideaversorgt ihn mit Blut, der N. facialis [VII] Nervus(-i)facialis [VII]innerviert den Muskel. Eine Kontraktion verkippt die Steigbügelfußplatte im ovalen Fenster und reduziert die Energieübertragung. Sehr laute Geräusche werden dadurch abgeschwächt, das Innenohr wird geschützt.
Leitungsbahnen
Die Blutversorgung wurde bereits oben für die Paukenhöhle besprochen. Sensibel werden die Gehörknöchelchen vom N. mandibularis [V/3], Nervus(-i)mandibularis [V/3]vegetativ über N. tympanicus und Nn. caroticotympanici, Nervus(-i)tympanicus (Jacobson)Nervus(-i)caroticotympanicialso ebenfalls genauso wie die Paukenhöhlenschleimhaut, innerviert.
Warzenfortsatz
Beim WarzenfortsatzMastoidNeugeborenen sind nur die Paukenhöhle und das Antrum mastoideum lufthaltig. Erst im Kleinkindalter (Abschluss etwa im 6. Lebensjahr) bilden sich, ausgehend vom Antrum, lufthaltige Zellen im Warzenfortsatz (Mastoid). Der Grad der Pneumatisation WarzenfortsatzPneumatisationist individuell sehr unterschiedlich. Jochbogen und Felsenbeinpyramide können nahezu vollständig „pneumatisiert“ sein (ausgedehnte Pneumatisation); die Pneumatisation kann aber auch komplett fehlen (kompaktes Mastoid) oder nur gering ausgebildet sein (gehemmt pneumatisiert). Alle pneumatisierten Räume (Cellulae mastoideae) stehen über das Antrum mastoideum mit der Paukenhöhle in Kontakt (Abb. 9.75), sind von Schleimhaut ausgekleidet und müssen belüftet werden. Blutversorgung und Innervation wurden bei der Paukenhöhle bereits besprochen.

Klinik

Eine Entzündung der Cellulae mastoideae (Mastoiditis)Mastoiditis ist meist eine fortgeleitete Entzündung aus der Paukenhöhle. Sie zählt zu den häufigsten Komplikationen einer Mittelohrentzündung. Vom Mastoid kann sich die Entzündung auf die Weichteile hinter und vor dem Ohr, den M. sternocleidomastoideus, das Innenohr, den Sinus sigmoideus, die Meningen, das Kleinhirn und den N. facialis [VII] fortpflanzen.

Topografie des N. facialis [VII] und seiner Äste
Verlauf
Der N. facialis [VII] Nervus(-i)facialis [VII]Topografieverläuft in seinem peripheren Abschnitt über eine lange Strecke durch das Os temporale (Abb. 9.77). Er hat 2 Stämme, den eigentlichen N. facialis und den N. intermedius. Beide vereinigen sich in der Tiefe des Fazialiskanals (Canalis nervi facialis)Canalis(-es)nervifacialis zum N. intermediofacialisNervus(-i)intermediofacialis (allgemein weiter als N. facialis [VII] bezeichnet) (Abb. 9.81a). Nach seinem Austritt aus dem Kleinhirnbrückenwinkel zieht er gemeinsam mit dem N. vestibulocochlearis [VIII] durch den Meatus acusticus internus der Felsenbeinpyramide (meatale und labyrinthäre Verlaufsstrecke) bis zum Ganglion geniculi (äußeres Fazialisknie), biegt hier nach hinten ab und verläuft in der medialen Paukenwand (Paries labyrinthicus) in einem dünnen knöchernen Kanal zwischen Epi- und Mesotympanon (tympanale Verlaufsstrecke) weiter. Sein knöcherner Kanal wölbt den Knochen oberhalb des ovalen Fensters vor. Kurz danach biegt der N. facialis [VII] nach kaudal ab und zieht durch den Vorderabschnitt des Mastoids (mastoidale Verlaufsstrecke). Zwischen Mastoid und Proc. styloideus verlässt er am Foramen stylomastoideum die Schädelbasis.
Äste
Auf dem Weg durch das Nervus(-i)facialis [VII]ÄsteFelsenbein gibt der N. facialis [VII] die Nn. petrosi major et stapedius und die Chorda tympani ab (auch Kap. 9.3.7).
Am Ganglion geniculi geht als erster Ast der N. petrosus major Nervus(-i)petrosusmajorab (Abb. 9.77). Er verläuft im Os temporale nach vorne medial und tritt am Hiatus nervi petrosi majoris auf der Facies anterior der Pars petrosa ossis temporalis unterhalb der Dura aus. Der Nerv führt für die Innervation von Tränen-, Nasen-, Gaumen- und Pharynxdrüsen präganglionäre parasympathische Fasern zum Ganglion pterygopalatinum sowie Geschmacksfasern vom Gaumen.
Da der N. facialis [VII] unmittelbar am Proc. pyramidalis ossis temporalis, in dessen Höhle der M. stapedius liegt, vorbeizieht, ist der N. stapedius Nervus(-i)stapediusein sehr kurzer Nerv, der direkt aus dem N. facialis [VII] entspringt (Abb. 9.77).
Die kurz vor Ende des Canalis nervi facialis abgehende und rückläufig durch einen eigenen Knochenkanal verlaufende Chorda tympani Chorda tympanigelangt wieder in die Paukenhöhle und verläuft hier, eingebettet in Schleimhaut, zwischen Hammer und Crus longum des Amboss mitten durch die Paukenhöhle, um die Schädelbasis über die Fissura sphenopetrosa (oder Fissura petrotympanica) zu verlassen (Abb. 9.77).

Klinik

Der N. facialis [VII] kann im Rahmen von Felsenbeinfrakturen, Mittelohr- oder Warzenfortsatzentzündungen sowie sich häufig daraus ergebenden Operationen geschädigt werden. Zur Fazialisdiagnostik Fazialisdiagnostik(Höhe der Schädigung) und zur Verlaufskontrolle nach Fazialisparese werden verschiedene Testverfah ren eingesetzt: Schirmer-TestSchirmer-Test (Tränendrüsenfunktion), Stapediusreflexprüfung, Geschmackstest und manchmal auch eine SialometrieSialometrie (Test der Speicheldrüsenfunktion) zur Testung der Chorda tympani sowie Elektromyografie (EMG) und Elektroneuronografie (ENoG) zur Überprüfung der mimischen Muskulatur. Allerdings werden diese Verfahren zunehmend durch moderne hochauflösende Bildgebungsverfahren ersetzt.

Die Chorda tympani ist aufgrund ihres Verlaufs bei Operationen im Mittelohr gefährdet. Bei Mittelohrentzündung kommt es häufig zu einem isolierten Ausfall der Chorda tympani Chorda tympaniAusfallmit Mundtrockenheit und Verlust der Geschmacksempfindung auf der betroffenen Seite.

Ist der N. stapedius beteiligt und damit der M. stapedius gelähmt, resultiert daraus auf der betroffenen Seite eine gestörte Hörempfindung. Laute Geräusche werden aufgrund mangelnder Dämpfung (durch die Verkippung der Steigbügelfußplatte im ovalen Fenster) als unangenehm laut empfunden (Hyperakusis).Hyperakusis

Der N. facialis [VII] kann durch den Proc. mastoideus hindurch operativ freigelegt werden, um beispielsweise eine Entlastung im Rahmen einer entzündlichen Schwellung des Nervs zu schaffen. Dabei wird der knöcherne Kanal von hinten eröffnet bzw. abgetragen.

Ohrtrompete
Die OhrtrompeteOhrtrompete (Tuba auditiva [auditoria], Eustachius-Röhre, Tuba Eustachii) Tubaauditiva [auditoria] (Eustachius-Röhre)Eustachius-Röhre (Tuba auditiva [auditoria])ist etwa 3,5 cm lang und verläuft schräg von seitlich hinten oben nach medial vorne unten. Sie verbindet die Paukenhöhle mit dem Nasopharynx (Nasen-Rachen-Raum) und dient funktionell dem Druckausgleich (Abb. 9.78a). Zur optimalen Schallleitung muss in der Paukenhöhle der gleiche Luftdruck wie im äußeren Gehörgang herrschen. Ist dies nicht der Fall, z. B. während des Steig- oder Sinkflugs im Flugzeug oder beim Tauchen, kommt es zu Höreinbußen.
Die Tuba auditiva [auditoria] schließt sich an das Hypotympanon an und beginnt in der Vorderwand der Paukenhöhle (Paries caroticus) mit dem Ostium tympanicum tubae auditivae. Sie mündet am Ostium pharyngeum tubae auditivae, Ostium(-a)pharyngeum tubae auditivaedas sich seitlich hinten in den Nasopharynx vorwölbt (die Ostien beider Seiten wölben sich als Torus tubarius vor). In seiner Schleimhaut liegt die Tonsilla tubaria als Teil des lymphatischen Rachenrings (Waldeyer-Rachenring). Waldeyer-RachenringMan unterscheidet einen knöchernen Abschnitt (Pars ossea) Parsossea(Tuba auditiva)und einen etwa doppelt so langen knorpeligen Abschnitt Parscartilaginea (Tuba auditiva)(Pars cartilaginea) (Abb. 9.68, Abb. 9.78a). Letzterer besteht aus einer Rinne aus elastischem Knorpel (Cartilago tubae auditivae). Die auf dem Kopf stehende Knorpelrinne wird medial von Bindegewebe (Lamina membranacea) zu einem schlitzförmigen Kanal geschlossen. Die Tuba auditiva [auditoria] wird bei Kontraktion der Mm. tensor und levator veli palatini im Rahmen des Schluckakts geöffnet (Abb. 9.78b, c).
Der knöcherne Abschnitt der Tuba auditiva [auditoria] liegt in einem dreieckigen Knochenkanal (Semicanalis tubae auditivae des Canalis musculotubarius) der Pars petrosa ossis temporalis. Durch eine dünne knöcherne Wand davon getrennt verläuft der M. tensor tympani im Semicanalis musculi tensoris tympaniSemicanalismusculi tensoris tympani des Canalis musculotubarius (Abb. 9.77).Canalis(-es)musculotubarius

Klinik

Die Tuba auditiva [auditoria] ist von respiratorischem Flimmerepithel mit Becherzellen ausgekleidet; subepithelial kommen gemischte Glandulae tubariae vor. Der Flimmerschlag ist in Richtung Nasopharynx gerichtet. Versagen die Schutzmechanismen in der Tube, kann es zu aufsteigenden Entzündungen mit Ausbildung eines TubenkatarrhTubenkatarrhs bis hin zur Mittelohrentzündung kommen. Durch Lufteinblasung über die Nase können Tubenverklebungen und -verschlüsse gelöst werden (z. B. Schlucken bei Druckproblemen).

Eine der häufigsten Ursachen für eine Schallleitungsschwerhörigkeit im Kindesalter ist eine Verlegung der Tubenöffnung (Tubenverschluss) TubenverschlussAdenoideAdenoideTubenverschlussdurch einen Tubenkatarrh oder durch eingeschränkte Nasenatmung im Rahmen von vergrößerten Rachenmandeln (Adenoide). Besteht die Tubenfunktionsstörung über einen längeren Zeitraum, kommt es zu Umbauprozessen der Mittelohrschleimhaut. Dabei entsteht ein aktiv sezernierendes Epithel mit Ausbildung einer Flüssigkeitsansammlung in der Paukenhöhle (Seromukotympanon).Seromukotympanon

Muskeln
Die Öffnung der Tuba auditiva und damit der Druckausgleich zwischen Paukenhöhle und Nasen-Rachen-Raum erfolgt mithilfe der Mm. tensor und levator veli palatini sowie des M. salpingopharyngeus (Abb. 9.78, Tab. 9.28).
Im Rahmen des Schluckakts kommt es zur Kontraktion der Mm. tensor und levator veli palatini. Die Kontraktion des M. tensor veli palatini führt zum Zug an der Pars membranacea und am Oberrand des Tubenknorpels, wodurch sich das Tubenlumen erweitert (Abb. 9.78b, c). Die Kontraktion des M. levator veli palatini führt durch Ausbildung des Muskelbauchs zum Druck von unten gegen den Tubenknorpel. Dabei wird die Rinne aufgebogen und das Tubenlumen erweitert. Beim Verschluss der Tube wirkt der M. salpingopharyngeus mit (Abb. 9.78a).

Klinik

Gaumenspalten Gaumenspaltengehen mit einer Funktionslosigkeit der Mm. tensor und levator veli palatini einher, da das Punctum fixum der Muskeln fehlt und sie ins Leere kontrahieren. Dabei ist die Tubenfunktion aufgehoben. Unbehandelt kommt es im Mittelohr zur Ausbildung eines Adhäsivprozesses aufgrund der fehlenden Mittelohrbelüftung. Die Kinder hören sehr schlecht und lernen auch meist nicht zu sprechen.

Leitungsbahnen
Arterien
Die Pars ossea erhält Blut aus den Aa. caroticotympanicae Arteria(-ae)caroticotympanicae(aus A. carotis interna); die Pars cartilaginea wird über die A. tympanica inferior Arteria(-ae)tympanicainferioraus der A. pharyngea ascendens (Tab. 9.27) ernährt.
Venen
Der venöse Abfluss erfolgt in den Plexus pterygoideus.Plexuspterygoideus
Lymphgefäße
Regionäre Lymphknoten sind die Nodi lymphoidei retropharyngeales, Nodus(-i) lymphoideus(-i)retropharyngealesdie zu den Nodi lymphoidei cervicales anteriores drainieren, sowie die Nodi lymphoidei parotidei profundi, Nodus(-i) lymphoideus(-i)parotideiprofundidie zu den Nodi lymphoidei jugulares interni drainieren.
Innervation
Sensibel wird die OhrtrompeteOhrtrompeteInnervation über den Plexus (nervosus) tympanicus Plexustympanicusdes R. tubarius aus dem N. glossopharyngeus [IX] innerviert. Vegetative parasympathische Fasern gelangen ebenfalls über den Plexus tympanicus zur Pars ossea. Die Pars cartilaginea wird aus dem Plexus pharyngeus Plexuspharyngeusparasympathisch versorgt. Sympathische Fasern kommen vom Nervengeflecht um die A. carotis interna. Das Ostium pharyngeum tubae auditivae wird mit parasympathischen Fasern des R. tubarius aus dem N. glossopharyngeus [IX] innerviert.

Innenohr

Das InnenohrInnenohr (Auris interna)Aurisinterna ist ein Komplex aus knöchernen Kanälen und Erweiterungen in der Pars petrosa des Os temporale (knöchernes Labyrinth, Labyrinthus osseus,LabyrinthknöchernesLabyrinthusosseus Abb. 9.79). In ihnen befindet sich ein System aus Membranschläuchen und -säcken, das als häutiges Labyrinth (Labyrinthus membranaceus) LabyrinthusmembranaceusLabyrinthhäutigesbezeichnet wird (Abb. 9.80). Es beherbergt das Gleichgewichts- und Hörorgan (Organum vestibulocochleare).Organum(-a)vestibulocochleare Die Spitze der Schnecke (Cochlea) ist nach lateral vorne gerichtet. Die Bogengänge (Canales semicirculares) sind in einem Winkel von 45° in Bezug auf die Hauptebenen des Schädels (Frontal-, Sagittal- und Horizontalebene) ausgerichtet (Abb. 9.79).
Knöchernes Labyrinth
Das knöcherne LabyrinthLabyrinthknöchernesLabyrinthusosseus besteht aus (Abb. 9.80):
  • Vorhof (Vestibulum)

  • 3 knöchernen Bogengängen

  • der knöchernen Schnecke

  • dem inneren Gehörgang (Meatus acusticus internus)

Das Vestibulum isVestibulumlabyrinthit Ausgangspunkt für Schnecke und Bogengänge. Es steht über das ovale Fenster mit der Paukenhöhle in Verbindung.
Die Bogengänge (Canales semicirculares ossei) gliedern sich in vorderen/oberen (Ductus semicircularis anterior), Ductussemicircularisanteriorhinteren (Ductus semicircularis posterior) BogengängeDuctussemicircularisposteriorund seitlichen (Ductus semicircularis lateralis) DuctussemicircularislateralisBogengang. Sie erstrecken sich vom Vestibulum in posterosuperiorer Richtung. Die Gänge machen etwa jeweils zwei Drittel eines Kreises aus, dessen eines Ende jeweils am Vestibulum beginnt und dessen anderes Ende zu einer Ampulle erweitert ist. Jeder Kanal steht jeweils senkrecht zu den beiden anderen.
Die Schnecke (Cochlea)CochleaSchnecke besteht aus einem Kanal (Canalis spiralis cochleae), Canalis(-es)spiralis cochleaeder in 2½ Windungen um die Schneckenspindel (Modiolus cochleae) Modioluscochleaegewunden ist. Sie ist so angeordnet, dass ihre Basis (Basis cochleae) nach posteromedial und ihre Spitze (Apex cochleae) nach anterolateral gerichtet ist. Damit liegt die Basis des Modiolus nahe dem Meatus acusticus internus. In den Canales spiralis und longitudinalis modioli sitzt das Ganglion spirale cochleae Ganglion(-ia)spirale cochleaemit den Perikarya der bipolaren Nervenzellen des N. cochlearis (Abb. 9.81). Vom Modiolus springt die Lamina spiralis ossea in den Schneckenkanal vor. Um den Modiulus windet sich der Ductus cochlearisDuctuscochlearis (Teil des häutigen Labyrinths), der an der Lamina spiralis sowie lateral an der Außenwand der Cochlea befestigt ist. Durch diese Anordnung entstehen 2 Kanäle (einer oberhalb – Scala vestibuli – und einer unterhalb – Scala tympani – des Ductus cochlearis), die sich durch die gesamte Cochlea ziehen und am Apex über das Helicotrema in Verbindung stehen. Die Scala vestibuli Scalavestibulibeginnt am Vestibulum; die Scala tympani Scalatympaniführt zum runden Fenster (Fenestra cochleae) und ist durch eine Bindegewebsmembran vom Mittelohr getrennt. Nahe dem runden Fenster beginnt ein kleiner Kanal (Canaliculus cochleae), der durch das Os temporale zieht und sich auf der Facies posterior in die hintere Schädelgrube öffnet. Hierüber besteht eine Verbindung zwischen Perilymphraum und Subarachnoidalraum (Spatium subarachnoideum).
Der innere GehörgangGehörganginnerer beginnt am Porus acusticusinternusPorus acusticus internus und setzt sich etwa 1 cm nach lateral fort. Hier endet er in einer löchrigen Knochenplatte. In dem 1 cm langen Segment verlaufen N. facialis [VII] und N. vestibulocochlearis [VIII] (Abb. 9.79).
Häutiges Labyrinth
Das häutige LabyrinthLabyrinthhäutigesLabyrinthusmembranaceus ist ein zusammenhängendes System aus Gängen und Säcken innerhalb des knöchernen Labyrinths und umfasst (Abb. 9.80, Abb. 9.81):
  • Ductus cochlearis

  • Sacculus

  • Utriculus

  • 3 häutige Bogengänge (Ductus semicirculares)

Die 3 häutigen Bogengänge Bogengängestehen mit dem Utriculus in Verbindung. Jeder Bogengang bildet am Übergang zum Utriculus eine Erweiterung (Ampulla membranacea). Oberer und hinterer Bogengang vereinigen sich zu einem gemeinsamen Schenkel (Crus commune). Jede Ampulle enthält Sinnesepithel (Crista ampullaris,Crista(-ae)ampullaris Abb. 9.82).
Das häutige Labyrinth ist mit kaliumreicher und natriumarmer Endolymphe Endolymphegefüllt, (hauptsächlich in der Stria vascularis des Ductus cochlearis gebildet) und durch Perilymphe vom Periost der Wände des knöchernen Labyrinths getrennt. Es liegt dem knöchernen Labyrinth nicht unmittelbar an, sondern ist durch den mit Perilymphe gefüllten perilymphatischen Raum (Spatium perilymphaticum) von diesem getrennt. Man geht davon aus, dass der perilymphatische Raum von epithelähnlichen Zellen gebildet wird, die dem Knochen und dem häutigen Labyrinth anliegen. DiePerilymphe Perilymphe entsteht als Exsudat perilymphatischer Kapillaren und wird wahrscheinlich im Bereich postkapillärer Venolen des perilymphatischen Raums resorbiert oder gelangt über den Aqueductus cochleae, einen im knöchernen Canaliculus cochleae gelegenen Schlauch, in den Liquor cerebrospinalis. Nach der Funktion unterteilt man das häutige Labyrinth in einen vestibulären und in einen kochleären Anteil.
Gleichgewichtsorgan
Aufbau
Das vestibuläre Labyrinth GleichgewichtsorganLabyrinthvestibuläresumfasst die im Vestibulum lokalisierten Strukturen Sacculus und Utriculus, den Ductus utriculosaccularis, die 3 Bogengänge und den Ductus endolymphaticus (Abb. 9.80). Der UtriculusUtriculus ist größer als der Sacculus. Er liegt im hinteren oberen Teil des Vestibulums. Alle 3 Bogengänge münden sowohl mit ihrem Anfangs- als auch mit ihrem ampullären Teil in ihn ein. Der Sacculus Sacculus(-i)liegt vorne unten im Vestibulum. In ihn mündet der Ductus cochlearis. Der Ductus utriculosaccularis verbindet DuctusutriculosaccularisSacculus und Utriculus. Etwa in der Mitte entspringt aus ihm der Ductus endolymphaticus,Ductusendolymphaticus der nach kurzem Verlauf durch das Vestibulum in den Aqueductus vestibuli (Teil des knöchernen Labyrinths) eintritt, durch das Os temporale zur Facies posterior der Pars petrosa zieht und hier mit dem Saccus endolymphaticus in der hinteren Schädelgrube mündet.

Merke

Der Saccus endolymphaticus ist eine an der Felsenbeinhinterfläche gelegene epidurale Aussackung, in der die Endolymphe in die Lymphspalten der harten Hirnhaut drainiert wird.

Klinik

Die Trias aus anfallsartigen Schwindelattacken, einseitigem Hörverlust und einseitigem Tinnitus wird als Morbus MenièreMenière-Syndrom MorbusMenièrebezeichnet. Als Ursache wird eine Rückresorptionsstörung der Endolymphe mit Aufblähung des häutigen Labyrinths (Hydrops cochleae)Hydrops cochleae diskutiert. Daraus resultieren pathologische Veränderungen an den Sinneszellen.

Sinneszellen
Die SinneszellenSinneszellenGleichgewichtsorganGleichgewichtsorganSinneszellen des mit Endolymphe gefüllten vestibulären Labyrinths sitzen als Macula sacculi Maculasacculiim Sacculus (Registrierung senkrechter Linearbeschleunigungen), als Macula utriculi im MaculautriculiUtriculus (Registrierung waagrechter Linearbeschleunigungen) und als Cupulae in den Cristae ampullares der 3 Bogengänge (Registrierung von Drehbeschleunigungen) (Abb. 9.80). Die Sinneszellen der Vestibularorgane besitzen jeweils ein langes Kinozilium sowie Stereozilien, die in eine gallertige Masse (Cupula) hineinragen (Abb. 9.82a). Bewegungen der Cupula führen zum Abknicken der Sinneszellfortsätze. Dieser Reiz führt zur synaptischen Aktivierung afferenter Fasern des N. vestibularisNervus(-i)vestibularis.
Hörorgan
Aufbau
Das kochleäre Labyrinth Labyrinthkochleäreswird vHörorganom Ductus cochlearis gebildet. Vestibuläres und kochleäres Labyrinth kommunizieren über den Ductus reuniens (Abb. 9.80).Ductusreuniens
Der Ductus cochlearis windet sich um den Modiolus. Er ist an der Lamina spiralis sowie lateral an der Außenwand der Cochlea befestigt und teilt den Canalis spiralis cochleae in 3 Räume (Abb. 9.81b):
  • die mit Perilymphe gefüllte Scala vestibuli Scalavestibuli(Vorhoftreppe),Vorhoftreppe die vom Vestibulum bis zum Helicotrema reicht, ganz oben liegt und nach unten durch die Membrana vestibularis (Reissner-Membran)Membranavestibularis (Reissner-Membran)Reissner-Membran (Membrana vestibularis) getrennt ist von

  • dem mit Endolymphe gefüllten Ductus cochlearis, Ductuscochlearisder durch die Basilarmembran abgegrenzt ist von

  • der mit Perilymphe gefüllten Scala tympani Scalatympani(Paukentreppe),Paukentreppe die vom Helicotrema bis zum runden Fenster in der medialen Paukenhöhlenwand reicht.

Am Helicotrema stehen Scala vestibuli und Scala tympani miteinander in Verbindung.
Sinneszellen
Der Boden des Ductus cochlearis ist die Basilarmembran (Lamina basilaris), die das Hörorgan (Organum spirale, Corti-Organ)Organum(-a)spirale (Corti-Organ)Corti-Organ (Organum spirale) trägt. Das Corti-Organ (Abb. 9.82b) ist das eigentliche Hörorgan. Hier sitzen Hörsinneszellen (innere und äußere Haarzellen) streng geordnet gemeinsam mit Stützzellen auf der Basilarmembran und werden von einer gallertigen Membran (Membrana tectoria)Membranatectoria überdeckt. Das Corti-Organ erstreckt sich über die gesamte Länge des Ductus cochlearis. Die Haarzellen werden afferent und efferent sehr komplex innerviert.

Klinik

Schädigungen der Haarzellen gehen – z. B. wenn man zu laute Musik gehört hat oder nach einer Explosion (Knalltrauma) – sehr häufig mit einem TinnitusTinnitus einher. Dabei bezeichnet der Begriff Tinnitus aurium („Klingeln der Ohren“) oder kurz Tinnitus ein Symptom, bei dem der Betroffene Geräusche wahrnimmt, die keine äußere, für andere Personen wahrnehmbare Ursache haben. Tinnitus gehört in den Industrieländern nach Adipositas zu den großen Volksleiden mit 22 % Betroffenen in seiner akuten (bis 3 Monate) und mit 4 % Betroffenen in seiner chronischen Form.

Ein HörsturzHörsturz ist ein plötzlicher Hörverlust (bis hin zur Taubheit) ohne erkennbare Ursache. Er wird von Hörstörungen mit erkennbarer Ursache abgegrenzt. Diagnostisch wird eine Schallempfindungsschwerhörigkeit Schallempfindungsschwerhörigkeitfestgestellt. Der Verlauf des Hörsturzes ist sehr variabel, bekannt ist aber eine hohe Spontanheilungsrate. Für den Hörsturz gibt es eine Vielzahl von Therapien; am verbreitetesten ist eine Infusionstherapie.

Leitungsbahnen
Arterien
Das knöcherne Labyrinth wird über die A. tympanica anterior Arteria(-ae)tympanicaanterioraus der A. maxillaris, die A. stylomastoidea Arteria(-ae)stylomastoideaaus der A. auricularis posterior sowie den R. petrosus aus der A. meningea media Ramus(-i)petrosus (A. meningea media)versorgt. Die gesamte Blutversorgung des häutigen Labyrinths erfolgt aus Ästen der A. labyrinthi, Arteria(-ae)labyrinthidie sich in einen R. cochlearis und 1 oder 2 Rr. vestibulares aufteilt; der Blutabfluss über Vv. labyrinthi in den Sinus petrosus inferior oder Sinus sigmoideus. A. und V. inferior anterior cerebelli schlingen sich meist wenige Millimeter in den inneren Gehörgang hinein und geben hier die A. und Vv. labyrinthi zur Blutversorgung des Labyrinths ab (Cave: Endarterie). Selten kommt die A. labyrinthi direkt aus der A. basilaris.

Klinik

Thrombotische Verschlüsse der A. labyrinthi ThromboseA. labyrinthiArteria(-ae)labyrinthiThromboseoder ihrer zuführenden Äste gehen mit Gleichgewichtsstörungen und Hörausfall einher, da die A. labyrinthi eine Endarterie ist.

Innervation
Die Innervation erfolgt über den N. vestibulocochlearis [VIII]Nervus(-i)vestibulocochlearis [VIII] (in der Klinik häufig auch N. statoacusticusNervus(-i)statoacusticus) (Abb. 9.81a). Er führt sensorische Fasern für das Gehör (N. cochlearis) und das Gleichgewicht (N. vestibularis). Der N. cochlearis Nervus(-i)cochleariskommt in leicht bogenförmigem Verlauf von der Cochlea. Die Ganglienzellen (Ganglion spirale)Ganglion(-ia)spirale cochleae und Fasern des N. cochlearis liegen in Hohlräumen des knöchernen Modiolus. Sie schließen sich an der Basis des Modiolus zum N. cochlearis zusammen. Der N. vestibularis Nervus(-i)vestibularissetzt sich aus einer Pars superior von vorderem und lateralem Bogengang sowie Sacculus und einer Pars inferior von Utriculus und hinterem Bogengang zusammen. Die Perikarya der Neurone beider Anteile werden zum Ganglion vestibulare Ganglion(-ia)vestibularezusammengefasst. N. vestibularis und N. cochlearis schließen sich im Felsenbein zusammen. Vor Austritt aus dem Porus acusticus internus liegen der N. facialis [VII] und sein Intermediusanteil auf ihnen auf. Als N. vestibulocochlearis [VIII] ziehen sie durch die hintere Schädelgrube und treten zwischen Pons und Medulla oblongata in die laterale Fläche des Hirnstamms ein.

Klinik

Das Akustikusneurinom (Vestibularis-Schwannom)AkustikusneurinomVestibularis-Schwannom ist ein gutartiger Tumor der Schwann-ZellenSchwann-ZellenTumor (Kap. 9.3.8).

Schallleitung
Schallwellen Schallleitungwerden über das äußere Ohr (Ohrmuschel und äußerer Gehörgang) aufgenommen und über das Trommelfell und die Gehörknöchelchenkette via Steigbügelfußplatte auf die Perilymphe übertragen. Dies ruft Wellenbewegungen hervor, die die Wände des Ductus cochlearis (insbesondere die Basilarmembran) entlangwandern (Wanderwellen). Hierdurch kommt es zu Scherbewegungen am Corti-Organ. Die Stereozilien der inneren Haarzellen werden abgeknickt (Deflexion). Diese biomechanischen Ereignisse werden von den Sinneszellen in Rezeptorpotenziale umgewandelt (mechanoelektrische Transduktion).

Klinik

Bei einem Cholesteatom Cholesteatom(syn.: Perlgeschwulst des Ohrs; eine Einwucherung von mehrschichtig verhornendem Plattenepithel in das Mittelohr mit nachfolgender chronisch eitriger Entzündung des Mittelohrs), bei akuter Otitis media, bei Mastoiditis und nach Schädeltraumata kann es zu einer LabyrinthitisLabyrinthitis mit Schwindel, Reiz- oder Ausfallnystagmus (Augenzittern, unkontrollierte, rhythmische Bewegungen der Augen) kommen. Infektionswege sind rundes und ovales Fenster, Lücken im knöchernen Labyrinth (nach Verletzung und Knochenarrosion von infizierten pneumatischen Räumen) oder fortgeleitete Entzündungen über Nerven und Gefäße, Canaliculus cochleae oder Canaliculus vestibuli zu den Hirnhäuten. Folgen sind SchallempfindungsschwerhörigkeitSchallempfindungsschwerhörigkeit bis Hörverlust und Zerstörung des Gleichgewichtsapparats.

Reizverarbeitung
Die Reizverarbeitung wird in Kap. 13.4 dargestellt.

Nase

Friedrich Paulsen

Kompetenzen

Nach Bearbeitung Nasedieses Lehrbuchkapitels sollten Sie in der Lage sein:

  • die Strukturen der äußeren Nase sowie den knöchernen und knorpeligen Aufbau des Nasenskeletts, die Begrenzungen der Nasenhaupthöhlen und deren Ausdehnung zu benennen

  • Lage, knöcherne Begrenzungen, Mündungen und topografische Beziehungen der Nasennebenhöhlen zu benennen

  • im Hinblick auf die klinische Relevanz die Blutversorgung der gesamten Nase sowie die Innervation zu kennen und demonstrieren zu können

  • den regionären Lymphabfluss zu beschreiben

  • die Entwicklung der Nase und der Nasennebenhöhlen grundsätzlich beschreiben zu können

Klinischer Fall

Anamnese

Ein 22-jähriger Mann wird gegen 3 Uhr morgens von 5 Passanten in die chirurgische Notaufnahme eines großen Krankenhauses gebracht. Die Passanten geben an, gesehen zu haben, wie der junge Mann von 3 anderen Männern verprügelt wurde. Dabei soll er einen Faustschlag an den Kopf abbekommen haben. Auch wurde er angeblich mehrfach getreten, als er schon am Boden lag. Erst die Hilferufe der Passanten und ihr engagiertes Einschreiten sollen dazu geführt haben, dass die 3 Männer von ihm abließen und die Flucht ergriffen. Da die Notfallaufnahme ganz in der Nähe lag, hätten sie den Mann schnell untergehakt und selbst vorbeigebracht.

Erstuntersuchung

Der junge Mann steht unter Schock und wirkt beim ersten Ansprechen leicht desorientiert, ist aber ansprechbar. Sein Nasenrücken wirkt eingefallen und unnatürlich verbreitert. Die Nase steht etwas schief. Außerdem befindet sich getrocknetes Blut unter der Nase und am Kinn. Sein weißes T-Shirt ist mit Blut befleckt. Auf der rechten Seite ist das Auge stark geschwollen und vorgewölbt, die Augenlider können nicht mehr richtig geschlossen werden und stehen unter Spannung. Die Erstuntersuchung ergibt außer einer Nasenbeinfraktur eine ausgeprägte Protrusio bulbi auf der rechten Seite. Der Patient kann auf der betroffenen Seite das Auge nicht mehr richtig schließen und öffnen. Außerdem weist der Mann an der rechten Schläfe Abschürfungen auf und hat am linken Arm und am Rücken mehrere Hämatome.

Weitere Diagnostik

Notfallmäßig wird eine sog. Traumaspirale (ein Ganzkörper-CT) durchgeführt, die ein CT des Kopfes (CCT) einschließt. Mit Ausnahme der Hämatome lassen sich keine Verletzungen innerer Rumpf- oder Halsorgane nachweisen. Die CCT zeigt außer einer Nasengerüstfraktur Lufteinschlüsse im Bereich der Orbitaspitze sowie Knochenfragmente der Lamina orbitalis in den Hohlräumen zweier hinterer Siebbeinzellen. Über diesen Weg ist Luft aus den Siebbeinzellen in die Orbitaspitze gelangt und hat die Protrusio bulbi hervorgerufen. Eine Verletzung der Dura mater ist nicht nachweisbar. Der hinzugerufene diensthabende Augenarzt stellt eine ausgeprägte Visusminderung auf 10 % fest.

Therapie

Nach Diagnosestellung wird der Patient noch in der Nacht in die HNO-Klinik verlegt. Aufgrund der ausgeprägten Protrusio bulbi führt der diensthabende HNO-Arzt eine laterale Kanthotomie am rechten Augenrand unter Lokalanästhesie durch. Dabei werden unter Schutz des Augenbulbus sämtliche Strukturen im lateralen Augenwinkel (Haut, Lig. palpebrale laterale, Septum orbitale) mit der Schere durchtrennt (Kantholyse). Dadurch kommt es zu einer Druckentlastung im posterioren Kompartiment der Orbita, was die enthaltenen Strukturen (besonders den N. opticus) entlastet. In gleicher Sitzung wird die Nasengerüstfraktur wieder aufgerichtet. Der Patient wird i. v. antibiotisch abgedeckt und erhält zudem einen Kortisonstoß verabreicht.

Verlauf

Bereits am nächsten Tag beginnt sich die Protrusio bulbi zurückzubilden, die Lufteinschlüsse in der Orbitaspitze resorbieren sich über kurze Zeit (Stunden bis Tage) selbst, der Visus des Patienten steigt wieder an und erreicht am 3. Tag nach der Operation wieder 100 %.

Überblick

Atmungsorgane
Der AtmungsorganeAtemtrakt dient dem Gastransport und -austausch zwischen Luft und Blut. Er wird in luftleitende und dem Luftaustausch dienende Atmungsorgane unterteilt. Die luftleitenden Atmungsorgane gliedern sich in obere Atemwege (Nase, Rachen) und untere Atemwege (Kehlkopf, Luftröhre, Bronchialbaum); die Grenze zwischen beiden bildet der Kehlkopfeingang. Der Gasaustausch (äußere Atmung) erfolgt in den Lungen (Pulmones).
  • Atemtrakt

  • luftleitende Atmungsorgane

    • obere Atemwege

      • Nase (Nasus)

      • Rachen (Pharynx)

    • untere Atemwege

      • Kehlkopf (Larynx)

      • Luftröhre (Trachea)

      • Bronchialbaum (Bronchi)

  • gasaustauschende Atmungsorgane

    • Lungen (Pulmones)

Obere Atemwege
Die oberen AtemwegeAtemwegeobere umfassen NaseNase (Nasus) und RachenRachen (Pharynx).Pharynx Der Rachen gehört zum Aerodigestivtrakt, d. h., er dient sowohl dem Gas- als auch dem Nahrungstransport. Sein oberer Abschnitt (Nasopharynx)Nasopharynx schließt sich an die Nase an, transportiert Atemgase und ist damit reiner Atemweg, der mittlere Anteil (Oropharynx)Oropharynx hat eine Doppelfunktion aus Gas- und Nahrungstransport. Am Kehlkopfeingang teilen sich Luft- und Speiseweg wieder. Die Luft gelangt in die unteren Atemwege, beginnend mit dem KehlkopfKehlkopf; Flüssigkeiten und Nahrungsbestandteile werden in den unteren Abschnitt des Pharynx (Laryngopharynx)Laryngopharynx weitergeleitet.
Nase
Die NaseNase ist der Eingang in die Atemwege. Sie gliedert sich in die von außen sichtbare äußere Nase Naseäußere(Nasus externus) und dieNasenhöhle(n) Nasenhöhlen (innere Nase, Cavitates nasi). Mit den beiden Nasenhöhlen stehen die Nasennebenhöhlen Nasennebenhöhlen(Sinus paranasales)Sinusparanasales sowie der obere Anteil des Pharynx (Nasopharynx) in offener Verbindung.
Funktion der NaseNaseFunktion ist außer der Luftleitung (Aerodynamik) die mechanische Reinigung, Anwärmung und Anfeuchtung (Klimatisierung) der Atemluft sowie die Immunabwehr von Keimen. Am Nasendach befindet sich das Riechfeld, über das die Einatmungsluft kontrolliert wird (Riechvermögen). Nasenspezifische Reflexe (z. B. Niesen) dienen dem Schutz der Atmungsorgane. Außerdem sind die Nasenhöhlen als Resonanzraum und Bildungsort von Konsonanten an der Phonation beteiligt.

Entwicklung

Nase
Die NasenentwicklungNaseEntwicklung gehört zur Gesichtsentwicklung und ist eng mit der Gaumen- und Mundhöhlenentwicklung vergesellschaftet. Zwischen 4. und 5. Embryonalwoche verdichtet sich das Ektoderm auf dem Stirnwulst nahe dem Stomatodeum zu den Riechplakoden. Sie streben in die Tiefe und werden zuRiechgrube Riechgruben und Riechschläuchen, Riechschläucheaus denen sich die späteren Nasenhöhlen bilden. Die Ränder der Gruben werden zu jeweils einem medialen und einem lateralen Nasenwulst aufgeworfen. Die beiden medialen Nasenwülste, Nasenwülstemedialedie durch die Area internasalis getrennt sind, wachsen nach außen und unten, bis sie mit dem Oberkieferwulst in Kontakt kommen. Hier bilden sie den mittleren Teil der Oberlippe, das Philtrum, den membranösen Teil des Nasenseptums und den primären Gaumen. Die beiden Nasenwülstelateralelateralen Nasenwülste differenzieren sich zu den Nasenflügeln. Rechter und linker Riechschlauch wachsen auf das Dach der primären Mundhöhle zu, bleiben für kurze Zeit durch eine epitheliale Platte (Hochstetter-Epithelmauer, epiheliale Choanalmembran, Membrana bucconasalis)Membranabucconasalis (Hochstetter-Epithelmauer)Hochstetter-Epithelmauer (Membrana bucconasalis) von dieser getrennt und gewinnen dann durch Auflösung der Membran in der 7. Woche Anschluss an die primäre Mundhöhle. Die beiden Verbindungen werden als primäre ChoanenChoanenprimäre bezeichnet; der zwischen äußeren und inneren Öffnungen verbleibende Bereich wird als primärer Gaumen Gaumenprimärerbezeichnet. Allerdings ist er nicht mit der Ausdehnung des späteren Zwischenkiefersegments identisch. Die weitere Entwicklung der Nasenhöhlen ist an die Entwicklung des sekundären Gaumens gekoppelt. Am Dach der primären Mundhöhle entsteht hinter dem primären Gaumen die NasenscheidewandNasenscheidewandEntwicklung. Sie wächst als sagittale Platte senkrecht nach unten und trifft auf die beiden in der Transversalebene von links und rechts aus der seitlichen Wand der primären Mundhöhle auf die Mittellinie zu wachsenden Gaumenfortsätze, mit denen sie unter Ausbildung einer Naht (Raphe palatini) verschmilzt. Die aufeinandertreffenden Gaumenfortsätze werden zumGaumensekundärer sekundären Gaumen. An der Stelle, wo Gaumenfortsätze und Nasenseptum auf den V-förmig spitz zulaufenden primären Gaumen treffen, bildet sich ein Kanal (Ductus nasopalatinus). DuctusnasopalatinusAus dem Kanal resultieren später im Oberkiefer die Canales incisivi und das Foramen incisivum.

Merke

Der primäre GaumenGaumenprimärer wird zum prämaxillären Abschnitt des definitiven Gaumens. Aus ihm entsteht das Zwischenkieferbein (Os incisivum, „Goethe-Knochen“) Zwischenkieferbein (Os incisivum, Goethe-Knochen)Goethe-Knochen (Os incisivum, Zwischenkieferbein)mit den Schneidezähnen.

Die Ausbildung des sekundären Gaumens führt zur Trennung von Nasen- und Mundhöhle; die Ausbildung des Nasenseptums trennt die innere Nase in 2 separate Höhlen, die dorsal über je einen Meatus nasopharyngeus (sekundäre oder definitive Choane) in den Nasopharynx einmünden.

Klinik

Spaltbildungen von Gaumen, Oberkiefer und Gesicht GaumenspaltenOberkieferspaltenGesichtsspaltengehen auf unzureichende Mesenchymproliferationen und damit auf Nichtverschmelzung von Nasen- und Kieferwülsten zurück und können äußerst unterschiedlich ausgeprägt sein. Bei leichten Formen („Hasenscharte“) ist lediglich die Oberlippe ein- oder beidseitig betroffen. Schwere Formen setzen sich als Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten Lippen-Kiefer-Gaumen-Spaltennach okzipital fort (Häufigkeit 1:2.500 Geburten). Isolierte Gaumenspalten gehen auf Nichtverschmelzung der Gaumenfortsätze (hintere Gaumenspalten) oder zwischen Gaumenfortsätzen und primärem Gaumen (vordere Gaumenspalten) zurück. Kombinationen sind möglich. Die leichteste Form einer hinteren Gaumenspalte ist eine Uvula bifida (gespaltenes Zäpfchen). Die Ursachen von Gaumen-, Kiefer- und Gesichtsspalten sind vielfältig.

Aus dem Anlagenmaterial der Nasenschläuche Nasenschläuchegehen das Vestibulum nasi, Vestibulumnasiein Teil der Cavitas nasiCavitas(-tes)nasi und die Regio olfactoriaRegio(-nes)olfactoria hervor. Der restliche Teil entstammt dem Anlagenmaterial der primären Mundhöhle. Das Mesenchym, das die sekundäre Nasenhöhle umgibt, differenziert sich zur knorpeligen Nasenkapsel. Sie verknöchert teils enchondral, teils desmal. Unverknöchert bleiben die Cartilago septi nasi mit dem Proc. posterior sowie die Knorpel der äußeren Nase. Während das Nasenseptum als glatte Wand bestehen bleibt, vergrößert sich die Oberfläche der jeweiligen lateralen Nasenwand durch Entwicklung der Nasenmuscheln (Conchae nasi), Nasenmuschel(n)Concha nasalis/nasidie sich als epitheliale Wülste (Tubinalia) in das Nasenhöhlenlumen vorwölben. Üblicherweise differenzieren sich jeweils 3 Nasenmuscheln, die als Maxilloturbinale (Concha nasalis inferior, untere Nasenmuschel), Ethmoturbinale I (Concha nasalis mediaConcha nasalis/nasimedia, mittlere Nasenmuschel) und Ethmoturbinale II (Concha nasalis superiorConcha nasalis/nasisuperior, obere Nasenmuschel) bezeichnet werden. Wie im Tierreich ist aber auch die Ausbildung einer 4. Nasenmuschel (Concha nasalis suprema) möglich. Zunächst ist das Skelett der Nasenmuscheln noch knorpelig und wird im 5. Fetalmonat durch Knochen ersetzt.

Merke

Im Rahmen der Nasenentwicklung bildet sich eine schlauchartige Verbindung zwischen Nasenseptum und Nasenboden, die manchmal als Blindsäckchen, Ductus incisivus, in Erscheinung tritt. Es handelt sich bei dem Schlauch um das VomeronasalorganVomeronasalorgan (Jacobson-Organ,Jacobson-Organ vomeronasales Organ, Organum vomeronasale), Organum(-a)vomeronasaledas beim Menschen als rudimentäres Sinnesorgan erscheint. Es gehört bei vielen Tieren zum olfaktorischen System und hat hier wichtige Funktionen z. B. bei der Partnerwahl, der Nahrungssuche, der Individualerkennung oder der Erkennung von Territorialmarkierungen. Für die Funktion spielen Pheromone eine entscheidende Rolle. Reste des Vomeronasalorgans sind beim Menschen bis nach der Geburt nachweisbar.

Nasennebenhöhlen
Die NasennebenhöhlenNasennebenhöhlen wachsen bereits in der Fetalzeit als kleine Epithelknospen von den Nasenhöhlen in das Mesenchym der umgebenden Schädelknochen ein. Sie erreichen aber erst nach Abschluss des Größenwachstums ihre volle Ausbildung und können sich im Laufe des Lebens noch weiter vergrößern. Ihre individuell stark variierende Ausbildung ist außerordentlich eng an die Entwicklung des Gebisses gekoppelt und geht mit der Ausformung des Gesichts einher. Eine Ausnahme bildet der Sinus sphenoidalis. Er entwickelt sich als Abgliederung aus der Nasenhöhle durch Anlage einer Concha sphenoidalis. Um das 4. Lebensjahr wächst der Sinus sphenoidalis in den Keilbeinkörper ein. Seine Ausdehnung ist dabei so variabel wie bei den anderen Nasennebenhöhlen.

Äußere Nase

An der äußeren NaseNaseäußere (Nasus externusNasus externus, Abb. 9.83) unterscheidet man:
  • die oberhalb vom Philtrum (Sulcus nasolabialis)Sulcus(-i)nasolabialis liegende Nasenwurzel (Radix nasi)

  • den Nasenrücken (Dorsum nasiDorsum nasi)

  • die paarigen Nasenflügel (Ala nasi dextra und sinistra)

  • die Nasenspitze (Apex nasi)

  • den membranösen Anteil des Nasenseptums (Pars membranacea septi nasi, Columella, Pars mobilis septi)

  • die NasenlöcherNasenlöcher (Nares)Nares

Die äußere Nase hat wesentlichen Anteil an der Formgebung des Gesichts.
Skelett
Mechanische NasenskelettBelastbarkeit wird durch ein Skelettsystem aus hyalinen Knorpeln und Bindegewebe erreicht, das an der knöchernen Nasenpyramide (Nasengerüst, bestehend aus Os frontale, Os nasale und Proc. frontalis der Maxilla) befestigt ist. Die Ossa nasalia stehen über die Sutura internasalis miteinander in Verbindung und bilden gemeinsam mit der Incisura nasalis und dem Proc. palatinus der Maxilla die äußere knöcherne Nasenöffnung (Apertura piriformis).
Der bewegliche knorpelige Anteil (Abb. 9.84) besteht auf jeder Seite aus:
  • dem Dreiecksknorpel (Cartilago triangularis, Cartilago nasi lateralis, Seitenknorpel)

  • dem Nasenspitzenknorpel (Cartilago alaris major, Flügelknorpel)

  • kleinen Knorpelplatten (Cartilagines alares minores und Cartilagines nasi accessoriae)

Der Flügelknorpel bildet mit einem schmalen Crus mediale (Nasensteg) und einem unterschiedlich breiten Crus laterale (Nasenflügel) die Form des Nasenlochs. Zwischen den Flügelknorpeln beginnt das knorpelige Nasenseptum (Cartilago septi nasi, Abb. 9.85). Die knorpelfreien Bereiche sind von festem Bindegewebe ausgefüllt, das die Knorpel untereinander und mit dem Knochen verbindet.

Klinik

Das Skelett der Nase ist in der plastischen Nasenchirurgie von großer Bedeutung. Hier haben sich besondere Bezeichnungen durchgesetzt (Tab. 9.29).

Muskulatur
Die äußere NaseNaseäußereMuskulatur ist durch mehrere mimische Muskeln beweglich (Tab. 9.30, Abb. 9.23) und ermöglicht damit eine Kontrolle der Weite des Naseneingangs. Für die Innervation der Muskulatur Tab. 9.10, für den Ansatz Tab. 9.8.

Klinik

Nichts prägt die Physiognomie des Gesichts so sehr wie die Nase. Nasendeformitäten NaseDeformitäten(z. B. Nasenhöcker, Sattelnase, Nasenschiefstand) sind daher nicht nur auffällig, sondern können auch auf akute oder chronische Erkrankungen und Verletzungen hinweisen. Durch ihre exponierte Lage kann es an der äußeren Nase zu gutartigen (z. B. Rhinophym) und bösartigen TumorenNaseTumoren (z. B. Basaliom, spinozelluläres Karzinom) kommen.

Nasenhöhlen

Die paarigen NasenhöhlenNasenhöhle(n) gehören mit dem Pharynx zum oberen Respirationstrakt und enthalten die Riechfelder. Jede Nasenhöhle (Cavitas nasi)Cavitas(-tes)nasi ist ein keilförmiger Raum, dessen Basis der Nasenboden und dessen Spitze das Nasenhöhlendach bildet. Die vorderen und schmaleren Abschnitte jeder Nasenhöhle werden vom Skelett der äußeren Nase umschlossen, die breiteren, hinteren Abschnitte liegen zentral im Schädel. Die Einatmungsluft gelangt über die Nasenlöcher (Nares) in den Nasenvorhof (Vestibulum nasi). Die Grenze zur jeweiligen Nasenhaupthöhle bildet das Limen nasiLimen nasi, das durch das Crus laterale des Flügelknorpels aufgeworfen wird. Das Limen nasi formt gemeinsam mit dem Crus mediale des Flügelknorpels und einer Bodenleiste der Maxilla die innere Nasenklappe (engste Stelle der Nase für den Luftstrom). Hier wird die Einatmungsluft verwirbelt und in der jeweiligen Nasenhöhle verteilt – wodurch der Kontakt zwischen Luft und Schleimhaut verbessert wird (Diffusoreffekt). Jede Nasenhöhle besitzt 4 Wände: einen Boden, ein Dach sowie eine mediale und eine laterale Nasenhöhlenwand (Abb. 9.85, Abb. 9.86, Abb. 9.87). Die Nasenhöhlen sind getrennt:
  • von der Mundhöhle durch den harten Gaumen

  • von der Schädelhöhle durch Anteile der Ossa frontalia, ethmoidalia und des Os sphenoidale

  • untereinander durch das Nasenseptum (Septum nasi)

  • seitlich von den Orbitae und den Nasennebenhöhlen

Hinten setzen sie sich jeweils über eine Choane in den Nasopharynx (Epipharynx) fort.
Nasenhöhlenboden
Der Nasenhöhlenboden Nasenhöhlenboden(Abb. 9.85, Abb. 9.86, Abb. 9.87) ist leicht konkav gewölbt, glatt und wesentlich breiter als das Nasenhöhlendach. Er wird gebildet:
  • vorne vom knorpeligen Nasenskelett der äußeren Nase

  • aus der Oberfläche des Proc. palatinus der Maxilla (einschließlich des Os incisivum [Zwischenkieferknochen])

  • der Lamina horizontalis des Os palatinum

Das in der Mittellinie liegende Nasenseptum ist am Nasenboden über die sich aufwölbende Spina nasalis anterior und die Crista nasalis anterior fixiert. Vorne am Boden öffnen sich die Nasenlöcher. Die Öffnungen der Canales incisivi befinden sich nahe am Nasenseptum gleich hinter dem Nasenvorhof am Beginn der Nasenhöhlen. Die Canales incisivi münden gemeinsam in das unpaare Foramen incisivum in der Mundhöhle.
Nasenhöhlendach
Das Nasenhöhlendach (Abb. 9.85, Abb. 9.86, Abb. 9.87) Nasenhöhlendachist schmal und steht in der Mitte, die von der Lamina cribrosa des Os ethmoidale gebildet wird, am höchsten. Vor der Lamina cribrosa fällt das Dach in Richtung Nasenlöcher ab und wird hier gebildet von:
  • der Spina nasalis des Os frontale

  • den Ossa nasalia

  • den Procc. laterales der Cartilago septi nasi

  • den Cartilagines alares der äußeren Nase

Hinten senkt sich das Dach über den Recessus sphenoethmoidalis zur jeweiligen Choane ab und wird von der Vorderfläche des Corpus ossis sphenoidalis gebildet. Die Riechfelder liegen direkt unterhalb der Lamina cribrosa am Nasenhöhlendach.
Mediale Nasenhöhlenwand
Grundlage der medialen Nasenhöhlenwand Nasenhöhlenwandmedialeist das Nasenseptum (Septum nasi) (Abb. 9.85, Abb. 9.87),NasenseptumSeptumnasi eine senkrecht in der Mediosagittalebene stehende Lamelle aus Bindegewebe, Knorpel und Knochen, die die beiden Nasenhöhlen voneinander trennt. Das Nasenseptum besteht aus
  • Pars membranacea – im Parsmembranacea(Septum nasi)Nasenvorhof überwiegend aus straffem Bindegewebe (Nasensteg, Kolumella)

  • Pars cartilaginea – aus der Cartilago septi nasi vorn und dem sich vom Septumknorpel nach dorsal zwischen Lamina perpendicularis ossis ethmoidalis und Vomer variabel fortsetzenden Proc. posterior der Cartilago septi nasi, der mit zunehmendem Lebensalter von dorsal nach rostral langsam verknöchert

  • Pars osseaParsossea(Septum nasi)aus Vomer und Lamina perpendicularis ossis ethmoidalis sowie zu jeweils einem kleinen Teil aus den Ossa nasalia, der Spina nasalis superior ossis frontalis, der Spina nasalis anterior, der Crista incisiva maxillae, der Crista nasalis maxillae, der Crista nasalis ossis palatini und der Crista sphenoidalis

Klinik

Leichte Abweichungen der Nasenscheidewand aus der Mediane kommen regelmäßig vor und sind ohne funktionelle Bedeutung. Meist kann man durch Tasten des Nasenstegs der äußeren Nase schon erkennen, ob das Nasenseptum etwas schief steht. Eine ausgeprägtere Septumdeviation Septumdeviationkann jedoch die Nasenatmung behindern und das Riechvermögen beeinträchtigen.

Nach traumatischen Einwirkungen auf die äußere Nase oder bei Gerinnungsstörungen kann es zu einem Septumhämatom Septumhämatomkommen, das eine sofortige Entlastung durch Punktion sowie ggf. Inzision und Nasentamponade erforderlich macht, da sonst der Septumknorpel untergehen kann.

Als Rhinitis (Nasenentzündung, Nasenkatarrh, Schnupfen, Koryza) Rhinitiswird eine akute oder chronische Nasenschleimhautentzündung durch infektiöse, allergische oder vaskuläre Mechanismen bezeichnet. Sie tritt am häufigsten im Rahmen einer Erkältung auf.

Laterale Nasenhöhlenwand
Die laterale Nasenhöhlenwand Nasenhöhlenwandlateralejeder Nasenhöhle ist komplex aufgebaut (Abb. 9.86, Abb. 9.87, Abb. 9.88). Sie besteht wie das Nasenseptum aus Knochen, Knorpel und Bindegewebe. Es wird hier nur der generelle Aufbau beschrieben. Abweichungen davon sind häufig. Die am Aufbau beteiligten Knochen sind
  • im vorderen Bereich:

    • das Os nasale

    • die Facies nasalis maxillae

    • das Os lacrimale

  • in der Mitte:

    • das Corpus maxillae mit seinem Hiatus maxillaris

    • das Os ethmoidale (mit dem dünnen Proc. uncinatus, der Wandung zu den vorderen und hinteren Siebbeinzellen [Cellulae ethmoidales anteriores und posteriores] sowie der in die Nasenhöhle vorspringenden oberen und der mittleren Nasenmuschel (Conchae nasales superior et media)

    • die untere Nasenmuschel (Concha nasalis inferior), die ein eigenständiger Knochen ist

  • im hinteren Bereich:

    • die Lamina perpendicularis des Os palatinum

    • die Lamina medialis des Proc. pterygoideus ossis sphenoidalis

Im Bereich der äußeren Nase wird die laterale Wand von Knorpel (Proc. lateralis der Cartilago septi nasi, Crus mediale der Ala major und Cartilagines minores) sowie von Bindegewebe gebildet.
Die Nasenmuscheln, Nasenmuschel(n)pro Nasenhöhle eine Concha nasalis superior, media und inferior, wölben sich von ihrer Fixierung an der lateralen Nasenwand in die jeweilige Nasenhöhle vor. Sie teilen die Nasenhöhle in jeweils 4 Luftkanäle. Der oberste Kanal liegt direkt unterhalb des Riechfeldes, die anderen 3 bilden die NasengängeNasengänge (Meatus nasi superior, medius et inferior),Meatusnasi superior, medius et inferior die jeweils unterhalb der entsprechenden Nasenmuschel verlaufen. Die knöchernen Anteile der Nasenmuscheln sind von einem NasenseptumSchwellkörpergewebeSchwellkörpergewebe überzogen (Abb. 9.89), das bei Anschwellen nur schmale Räume zwischen sich und dem Nasenseptum (gemeinsam als Meatus nasi communis bezeichnet) übrig lässt. Abhängig vom Schwellungszustand bestehen ca. 35 % des nasalen Schleimhautvolumens aus vaskulären Plexus. Das Schwellkörpergewebe ist an der unteren und mittleren Nasenmuschel (sowie auf dem Nasenseptum am Locus Kiesselbachi, s. u.)LocusKiesselbachi am stärksten ausgebildet. Zwischen den Gefäßen des Schwellkörpergewebes kommen in großer Menge seröse Drüsen vor, die das die Muscheln überziehende respiratorische Flimmerepithel befeuchten. Bei ca. 80 % aller Menschen besteht ein Nasenzyklus, Nasenzyklusd. h., es kommt zum wechselseitigen An- und Abschwellen der Nasenschleimhaut beider Nasenseiten für 2–7 Stunden mit alternierendem Verhältnis des Nasenwiderstandes bei der Atmung im Verhältnis 1 : 3 bei gleichbleibendem Gesamtwiderstand. Die untere Nasenmuschel ist die größte NasenmuschelNasenmuschel(n). Ihr Muschelkopf liegt ca. 1 cm hinter der Nasenklappe und ihr Muschelschwanz endet ca. 1 cm vor dem Eingang in die Tuba auditiva in Höhe der entsprechenden Choane. Die mittlere Nasenmuschel liegt oberhalb der unteren Nasenmuschel, der Muschelkopf befindet sich ca. 1 cm weiter dorsal, der Muschelschwanz endet aber ebenfalls in Höhe der jeweiligen Choane. Die obere Nasenmuschel ist im Verhältnis zur mittleren und unteren deutlich kleiner. Ihr Kopf beginnt etwa in Höhe des mittleren Bereichs der Lamina cribrosa. Ihr Schwanz fällt nach kaudal vor der knöchernen Vorderwand des Sinus sphenoidalis ab und reicht bis zum oberen Abschnitt der jeweiligen Choane. Über die Choanen gelangt die Einatemluft in den Meatus nasopharyngeus.
Die komplexeste Struktur der lateralen NasenwandNasenwand, laterale, osteomeataler Komplexosteomeataler Komplex, Nasenwand, laterale (osteomeataler Komplex, Tab. 9.31) ist der unter der mittleren Nasenmuschel liegende Hiatus maxillaris (Abb. 9.86, Abb. 9.88, auch Abb. 9.91). Er wird durch 3 Strukturen nur unvollständig verschlossen:
  • Zentral ist der Proc. uncinatus des Os ethmoidale Processusuncinatus(Os ethmoidale)in die Öffnung des Hiatus maxillaris Hiatusmaxillariseingelassen. An der Oberkante des Proc. uncinatus bleibt ein sichelförmiger glatter Spalt bestehen (Hiatus semilunaris, Tab. 9.31). HiatussemilunarisDas vordere und das kraniale Ende des Hiatus semilunaris bilden eine Vertiefung, die als Infundibulum ethmoidale bezeichnet wird. Hinter und unter dem Proc. uncinatus bleiben weitere Öffnungen bestehen.

  • Vor und unterhalb des Hiatus maxillaris grenzen das Os lacrimale und die untere Nasenmuschel.

  • Von hinten oben wölbt sich eine prominente vordere Siebbeinzelle in und vor den Hiatus maxillaris (Bulla ethmoidalis, Tab. 9.31). Bulla ethmoidalisSie begrenzt gleichzeitig den Hiatus semilunaris nach dorsal und oben.

Mit Ausnahme des Hiatus semilunaris sind normalerweise alle nicht durch Knochen verschlossenen Öffnungen um den Proc. uncinatus von Schleimhaut bedeckt und damit nicht sichtbar (hintere und vordere Fontanellen, Tab. 9.31).
Der TränennasengangTränennasengangMündung und die meisten NasennebenhöhlenNasennebenhöhlenAusführungsgänge münden mit ihren Ausführungsgängen an der lateralen Nasenwand (Tab. 9.32, Abb. 9.90, Abb. 9.87):
  • unterhalb der unteren Nasenmuschel:

    • Der TränennasengangTränennasengangMündung (Ductus nasolacrimalis)Ductusnasolacrimalis mündet an der lateralen Nasenhöhlenwand des Meatus nasi inferior über die Apertura ductus nasolacrimalis (Hasner-Klappe)Aperturaductus nasolacrimalisHasner-Klappe (Plica lacrimalis) unter dem Vorderrand der unteren Nasenmuschel. In der Schleimhaut des unteren Nasengangs ist häufig eine von der Apertur nach dorsal gerichtete Schleimhautrinne zu erkennen, die dem Sekretfluss entspricht. Der Ductus nasolacrimalis liegt in einem vom Os lacrimale und von der Maxilla gebildeten knöchernen Kanal in der lateralen Nasenhöhlenwand, der von kranial nach kaudal vor dem Kopf der mittleren Nasenmuschel und unterhalb des Kopfes der unteren Nasenmuschel verläuft. Nach dorsal grenzt der Kanal an die Kieferhöhle.

  • unterhalb der mittleren Nasenmuschel:

    • Die StirnhöhleStirnhöhleMündung (Sinus frontalis)Sinusfrontalis leitet ihr Sekret über den Ductus nasofrontalis und das Infundibulum ethmoidale zum vorderen, kranialen Bereich des Hiatus semilunaris.

    • Die vorderen Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales anteriores)Cellulaeethmoidalesanteriores drainieren ebenfalls in den Ductus nasofrontalisDuctusnasofrontalis oder das Infundibulum ethmoidaleInfundibulumethmoidale des Hiatus semilunaris. Zu den vorderen SiebbeinzellenSiebbeinzellenvordere gehört die Bulla ethmoidalis, die den Hiatus semilunaris hinten oben begrenzt und in diesen drainiert. Weitere vordere Siebbeinzellen öffnen sich auf oder direkt über der Bulla ethmoidalis und erreichen so den Hiatus semilunarisHiatussemilunaris.

    • Die KieferhöhleKieferhöhleMündung (Sinus maxillaris)Sinusmaxillaris mündet im unteren Abschnitt in den Hiatus semilunaris ein (Infundibulum maxillare), normalerweise direkt unterhalb der Bulla ethmoidalisBulla ethmoidalis.

  • hinter der oberen Nasenmuschel:

    • Die hinteren SiebbeinzellenSiebbeinzellenhintere (Cellulae ethmoidales posteriores)Cellulaeethmoidalesposteriores münden normalerweise an der lateralen Nasenhöhlenwand des Meatus nasi superior.

    • Der Sinus sphenoidalis mündet als einzige Nasennebenhöhle nicht an der lateralen Nasennebenhöhlenwand. Seine Apertura sinus sphenoidalis befindet sich an der Hinterwand der Nasenhöhle und mündet in den Recessus sphenoethmoidalis (Raum oberhalb der Concha nasalis superior im Bereich des Nasendaches am Übergang zwischen Lamina cribrosa und Corpus ossis sphenoidalis) hinter der oberen Nasenmuschel in den Meatus nasi superior.

Merke

Insgesamt ist die laterale Nasenwand individuell stark unterschiedlich aufgebaut. Die Größe der oberen Nasenmuschel kann sehr stark variieren, auch die Mündung der Stirnhöhle über den Hiatus semilunaris weicht oft von der hier dargestellten Weise ab.

Klinik

Die unter dem Begriff osteomeatale Einheit Nasenwand, laterale, osteomeataler Komplexosteomeataler Komplex, Nasenwand, lateralezusammengefassten Strukturen unter der mittleren Nasenmuschel sind klinisch nicht nur für die Ventilation, sondern auch für die Drainage der Nasennebenhölen außerordentlich bedeutsam. Der Bereich dient als operativer Zugangsweg in der endonasalen Chirurgie, endonasale Chirurgiez. B. bei der Behandlung chronischer Sinusitiden oder der Polyposis nasi.

Beim Neugeborenen kann im Bereich der Mündungsstelle des Ductus nasolacrimalis in den unteren Nasengang eine dünne Bindegewebsmembran (Hasner-Membran)Hasner-Membran als embryologisches Relikt bestehen bleiben oder der Ductus nasolacrimalis findet keinen Anschluss an den unteren Nasengang. In diesen Fällen ist der Tränenabfluss behindert. Das Kind leidet dabei an einer persistierenden Epiphora (Tränenträufeln) auf der betroffenen Seite. Meistens entzünden sich die ableitenden Tränenwege oberhalb der Membran oder des Verschlusses (Dacryocystitis neonatorum) Dacryocystitis neonatorumund es kommt zum Eiteraustritt aus den Tränenpünktchen. Bleiben die Hasner-Membran oder der fehlangelegte Kanal bestehen, muss operativ interveniert werden, um den physiologischen Abfluss zur Nase herzustellen.

Nasennebenhöhlen

Ein großer Teil der unmittelbar an die NasennebenhöhlenNasenhöhlen grenzenden Knochen wird in den ersten Lebensjahren bis ins fortgeschrittene Lebensalter pneumatisiert (Ossa pneumatica). Dadurch entstehen die Nasennebenhöhlen (Sinus paranasales, Abb. 9.87, Abb. 9.90, Abb. 9.92), Sinusparanasalesdie mit den Nasenhöhlen über Ostien verbunden und ebenfalls von Schleimhaut ausgekleidet sind. Sie werden über die Nasenhöhlen belüftet. Man geht davon aus, dass dieser Prozess funktionell der Leichtbauweise des Schädels dient. Eine Bedeutung als Resonanzraum haben sie nicht. Durch ihre topografische Beziehung zu den angrenzenden Strukturen sind die Nasennebenhöhlen von großer klinischer Relevanz.
Kieferhöhle
Die paarige KieferhöhleKieferhöhle (Sinus maxillaris, Abb. 9.87, Abb. 9.90, Abb. 9.92) Sinusmaxillarisist meist die größte Nasennebenhöhle. Sie füllt das Corpus maxillae häufig vollständig aus und kann durch knöcherne Membranen gekammert sein (Recessus). Der Kieferhöhlenboden hat Beziehung zum Alveolarfortsatz (Alveolarbucht). Dies betrifft besonders die Wurzelspitzen des 2. Prämolaren und der ersten beiden Molaren (15, 16, 17, 25, 26, 27; Kap. 9.7.2), die manchmal nur durch dünne Knochenlamellen oder lediglich durch Schleimhaut von der Kieferhöhle getrennt sind. Ist der Recessus alveolaris ausgedehnt, können auch der 1. Prämolar, der Caninus und der Dens serotinus (s. u.) mit in die Kieferhöhle einbezogen sein. Die Vorderwand grenzt mit dem Sulcus lacrimalis an die ableitenden Tränenwege, die Hinterwand mit dem Tuber maxillae an die Fossa pterygopalatina. Im Dach, das gleichzeitig der Boden der Orbita ist, verlaufen der N. infraorbitalis und die Vasa infraorbitalia. Die laterale Wand grenzt an das Os zygomaticum, medial liegt der Hiatus maxillarisHiatusmaxillaris mit dem osteomeatalen Komplex (Kap. 9.6.4). Hier mündet nahe dem Dach das natürliche Kieferhöhlenostium über das Infundibulum maxillare in der Mitte des Infundibulum ethmoidale ein. Sekretionsprodukte der Kieferhöhlenschleimhaut und Luft erreichen so den Hiatus semilunaris und die jeweilige Nasenhöhle. Fehlt der Schleimhautüberzug im Bereich der Fontanellen unterhalb des Proc. uncinatus, besitzt die Kieferhöhle in über 10 % der Fälle 1 oder sogar 2 akzessorische Ostien (offene Fontanellen).
Stirnhöhle
Die paarige StirnhöhleSinusfrontalisStirnhöhle (Sinus frontalis, Abb. 9.87, Abb. 9.90, Abb. 9.92) ist durch eine besonders große Variabilität in ihrer Ausdehnung sowie zwischen beiden Höhlen gekennzeichnet. Beide Stirnhöhlen sind üblicherweise durch eine knöcherne Wand (Septum frontalium)Septumfrontalium getrennt, die aber häufig nicht median steht. Eine Stirnhöhle kann sich über die Mediane auf die andere Seite ausdehnen (und dabei die Ausdehnung der anderen Höhle behindern). Die Ausdehnung der Stirnhöhle erreicht um das 7. Lebensjahr den Orbitaoberrand. Anschließend kann sie die Squama frontalis, den Arcus superciliaris oder die Pars orbitalis des Os frontale pneumatisieren. Bei ausgeprägter Pneumatisation kann sie bis nahe an den Canalis opticus reichen. Bei starker Pneumatisation ist der Knochen zur vorderen Schädelgrube meist nur sehr dünn. In ca. 5 % kann die StirnhöhleStirnhöhlePneumatisation auch fehlen (StirnhöhlenaplasieStirnhöhleAplasie). Meistens bildet die Stirnhöhle an ihrem tiefsten Punkt eine trichterförmige Vertiefung, in der das Ostium frontale die Verbindung zur Nasenhöhle herstellt. In der Regel entsteht die typische Mündung der Stirnhöhle in die Nasenhöhle in Form des Ductus nasolacrimalis, der durch vordere Siebbeinzellen, die ihn begrenzen, gebildet wird und in das Infundibulum ethmoidaleInfundibulumethmoidale einmündet, dem noch der Hiatus semilunarisHiatussemilunaris nachgeschaltet ist. Es gibt zahlreiche Abweichungen von der hier beschriebenen häufigsten Mündungsform des Sinus frontalis.
Siebbeinzellen
Die SiebbeinzellenSiebbeinzellen (Cellulae ethmoidales, Abb. 9.87, Abb. 9.90, Abb. 9.92, Abb. 9.93) Cellulaeethmoidaleswerden auch unter den Begriffen Siebbeinkomplex oder Siebbeinlabyrinth (Labyrinthus ethmoidalis) zusammengefasst. Entsprechend ihrer Lage im Verhältnis zum Ansatz der mittleren Nasenmuschel werden sie unter embryologischen und klinischen Gesichtspunkten in vordere (Cellulae ethmoidales anteriores) und Cellulaeethmoidalesanterioreshintere (Cellulae ethmoidales posteriores) CellulaeethmoidalesposterioresSiebbeinzellen unterteilt. Alle vorderen Siebbeinzellen drainieren letztlich in das Infundibulum ethmoidale und damit wie die Kieferhöhle und die Stirnhöhle in den Hiatus semilunaris. Die hinteren Siebbeinzellen münden dagegen in den oberen Nasengang. Größe und Form der Siebbeinzellen und ihr Verhältnis zueinander sind außerordentlich variabel, allerdings sind die Zellen üblicherweise deutlich kleiner als die Sinus maxillares, frontales und sphenoidales und werden daher auch nur als Zellen bezeichnet. Da die Siebbeinzellen häufig in Knochen außerhalb des Os ethmoidale einwachsen, können ihre Wände komplett aus Os frontale, Os maxillare, Os lacrimale, Os sphenoidale, Os palatinum oder einer Kombination der einzelnen Knochen bestehen. Beispiele hierfür sind die Agger-nasi-Zelle, eine Bulla frontalis, eine Infraorbitalzelle (Haller-Zelle)Haller-Zelle oder die Cellula sphenoethmoidalis (Ónodi-Grünwald-Zelle)Ónodi-Grünwald-Zelle (Tab. 9.31, Abb. 9.92, Abb. 9.93). Die größte und konstanteste Siebbeinzelle ist die Bulla ethmoidalis, die den Hiatus semilunaris von oben begrenzt. Das Siebbein hat enge topografische Beziehung zur Orbita. Die knöchernen Wände zwischen den Siebbeinzellen und der Orbita sind nur hauchdünn. Man kann am knöchernen Schädel fast durch sie hindurchsehen (Lamina papyracea – papierdünn). Die knöchernen Wände zahlreicher Siebbeinzellen bilden einen Teil des Bodens der vorderen Schädelgrube im Bereich der Crista galli. Sie formen hier die Foveolae ethmoidales ossis frontalis.
Keilbeinhöhle
Die paarige Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis, Abb. 9.87, Abb. 9.90, Abb. 9.92) liegt im Corpus ossis sphenoidalis unmittelbar unter der Sella turcica. Wie bei allen anderen Nasennebenhöhlen ist die Pneumatisation des Keilbeins außerordentlich variabel und seitendifferent ausgebildet. Ein beide Keilbeinhöhlen trennendes Septum sinuum sphenoidale verläuft in den meisten Fällen asymmetrisch und kann partiell oder ganz fehlen. Zusätzliche unvollständige Septen sind möglich. Die Keilbeinhöhle mündet über die Apertura sinus sphenoidalis der Keilbeinhöhlenvorderwand in den Recessus sphenoethmoidalis nahe der Schädelbasis. Enge topografische Beziehungen bestehen seitlich zum Canalis opticus mit dem N. opticus (Abb. 9.93), der A. carotis interna, dem Sinus cavernosus und dem N. trigeminus [V] sowie vorne zu den hinteren Siebbeinzellen und hinten oben zur Hypophyse. Bei Ausbildung einer Ónodi-Grünwald-Zelle (Tab. 9.31, Abb. 9.93) liegt die Keilbeinhöhle teilweise unterhalb dieser Siebbeinzelle. Bei ausgeprägter Pneumatisation sind die knöchernen Wände meist nur hauchdünn.

Klinik

Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Sinusitiden) NasennebenhöhlenEntzündungenSinusitissind ein häufiges Krankheitsbild. Bei Kindern sind besonders die Siebbeinzellen, beim Erwachsenen die Kieferhöhle betroffen, aber auch Stirn- und Keilbeinhöhle können sich entzünden. Einseitige Kieferhöhlenentzündungen sind häufig odontogen bedingt (odontogene Sinusitis maxillaris).Sinusitismaxillaris, odontogene odontogene Sinusitis maxillarisDabei geht die Entzündung meist vom 2. Prämolaren oder vom 1. Molaren aus (s. o.). Gefürchtete Komplikationen einer Siebbeinentzündung sind zum einen das Übergreifen auf die Orbita über die dünne Lamina papyracea (Orbitaphlegmone)OrbitaphlegmoneSiebbeinentzündung und zum anderen das Übergreifen des entzündlichen Geschehens über die knöchernen Wände des Canalis opticus auf den N. opticus mit Gefahr der Sehnervenschädigung, wenn die hinteren Siebbeinzellen oder die Keilbeinhöhle betroffen sind. Ist der Sinus frontalis nach okzipital über das Orbitadach weit ausgebildet (Recessus supraorbitalis), spricht der Kliniker von einer gefährlichen Stirnhöhle. Eine Stirnhöhlenentzündung kann über die dünnen knöchernen Wände der vorderen Schädelgrube z. B. zu Meningitiden, Epiduralabszessen oder Hirnabszessen führen.

Bösartige Tumoren der NaseNaseTumorenbösartige sind aufgrund verbesserter Arbeitsschutzmaßnahmen seltener geworden. Kommen sie aber vor, sind sie aufgrund ihres infiltrativen Wachstums in die benachbarten Regionen wie Orbita, Schädelbasis, Gaumen und Rachen außerordentlich gefährlich und schwer zu behandeln.

Merke

Zugänge zu den Nasenhöhlen

Im Nasenskelett Nasenhöhle(n)Zugängegibt es verschiedene Zugänge für Nerven und Gefäße:
  • Lamina cribrosa

  • Foramen sphenopalatinumForamen(-ina)sphenopalatinum

  • Canalis incisivusCanalis(-es)incisivus

  • Nasenlöcher

Leitungsbahnen

Arterien
Die Blutversorgung der NaseNaseLeitungsbahnen und der NasennebenhöhlenNasennebenhöhlenLeitungsbahnen (Abb. 9.94) erfolgt über Äste der A. carotis externa und der A. carotis interna.
Aus der A. carotis interna entspringt die durch den Canalis opticus in die Orbita ziehende A. ophthalmica. Sie gibt an der medialen Orbitawand die A. ethmoidalis posterior Arteria(-ae)ethmoidalisposteriorund weiter vorne die A. ethmoidalis anterior Arteria(-ae)ethmoidalisanteriorab. Beide Arterien treten durch entsprechende Foramina ethmoidalia anterior et posterior in den Siebbeinkomplex ein und verlaufen durch Canales ethmoidales zwischen den Siebbeinzellen bis in die Nasenhöhle. Hier zweigen sie sich zum Nasenseptum und zur lateralen Nasenwand auf. Die A. ethmoidalis anterior gibt Rr. nasales laterales anteriores und Rr. septales anteriores ab, die mit den anderen die Nasenhöhle versorgenden Gefäßen anastomosieren. Die A. ethmoidalis posterior durchblutet einen kleineren Bereich nahe der Schädelbasis.
Die äußere Nase erhält Blut über die A. dorsalis nasi, Arteria(-ae)dorsalisnasidie via A. supratrochlearis ebenfalls ein Ast der A. ophthalmica ist. Anastomosen bestehen zur A. angularis im Gesicht. Das Vestibulum nasi erhält Blut über den R. septi nasi aus der A. labialis superiorRamus(-i)septi nasi (A. labialis superior).
Die Hauptblutversorgung der Nasenhöhle erfolgt über die A. sphenopalatina, Arteria(-ae)sphenopalatinaeinen Endast der A. maxillaris aus der A. carotis externa. Sie gelangt über die Fossa pterygopalatina durch das Foramen sphenopalatinum in die Nase und zweigt sich in die Aa. nasales laterales posteriores und Rr. septales posteriores auf. Zwischen den Arterien bestehen ausgedehnte Anastomosen sowie Verbindungen zur A. palatina descendens und zur A. palatina major (via Canalis incisivus). Im vorderen unteren Bereich des Nasenseptums befindet sich eine gefäßreiche Region mit dünner Schleimhaut (Locus Kiesselbachi). LocusKiesselbachiEr wird vorwiegend aus dem septalen Anteil der A. ethmoidalis anterior unter Beteiligung des septalen Anteils der A. sphenopalatina mit Blut versorgt.
Die arterielle Blutversorgung der Nasennebenhöhlen erfolgt für:
  • die Kieferhöhle über einen Ast der A. sphenopalatina, die A. infraorbitalis und die A. alveolaris superior posterior (alles Äste der A. maxillaris)

  • die Siebbeinzellen über die Aa. ethmoidales

  • die Stirnhöhle über die A. ethmoidalis anterior

  • die Keilbeinhöhle von oben über Äste der Duraarterien.

Venen
Die äußere Nase drainiert ihr Blut über Vv. nasales externae Vena(-ae)nasalesexternaein die V. facialis. Die Nasenhöhlen führen ihr Blut in die Plexus cavernosi concharum und andere Venennetze der Nasenschleimhaut. Von hier wird das Blut in Vv. ethmoidales Vena(-ae)ethmoidaleszur V. ophthalmica superior, in Vv. nasales internae Vena(-ae)nasalesinternaevia Plexus pterygoideus, Vv. maxillares und V. retromandibularis in die V. jugularis interna und in die V. palatina major drainiert.
Die Nasennebenhöhlen drainieren ihr Blut unterschiedlich:
  • die Kieferhöhle in Gefäßnetze der Zahnwurzeln zum Plexus pterygoideus

  • die Siebbeinzellen in Vv. ethmoidales zu den Orbitavenen und von dort zum Sinus cavernosus, in das Schwellkörpergewebe der ableitenden Tränenwege und von dort zu den Orbitavenen sowie in den Plexus pterygoideus

  • die Stirnhöhle in den Sinus sagittalis superiorSinussagittalissuperior und den Plexus pterygoideus

  • die Keilbeinhöhle in den Sinus cavernosus und den Plexus pterygoideus

Der Plexus pterygoideus bildet für alle Nasennebenhöhlen eine zentrale Drainagestation, die aufgrund seiner Verbindungen zur mittleren Schädelgrube und zum Sinus cavernosus von klinischer Bedeutung ist.
Lymphgefäße
Regionäre Lymphknotenstationen der äußeren Nase und des Nasenvorhofs sind die Nodi lymphoidei submandibulares. Nodus(-i) lymphoideus(-i)submandibularesDie Lymphe der Nasenhöhlen und der Nasennebenhöhlen wird zum größeren Teil rachenwärts zu den Nodi lymphoidei retropharyngeales und von hier zu den Nodi lymphoidei cervicales profundi Nodus(-i) lymphoideus(-i)cervicalesprofundiund zu einem kleineren Teil nach vorne zu den Nodi lymphoidei submandibulares drainiert.
Innervation
Die NaseNaseInnervation und die NasennebenhöhlenNasennebenhöhlenInnervation werden sensibel über Äste des N. ophthalmicus [V/1]Nervus(-i)ophthalmicus [V/1] und des N. maxillaris [V/2]Nervus(-i)maxillaris [V/2] innerviert (Abb. 9.95). Der N. olfactorius [I]Nervus(-i)olfactorius [I] vermittelt den Geruchssinn. Die Innervation sekretorisch aktiver Drüsen und der Blutgefäße der Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhaut erfolgt über parasympathische Fasern des N. facialis [VII], die sich hauptsächlich dem N. maxillaris [V/2] in der Fossa pterygopalatina anlegen, sowie über sympathische Fasern, die im Ganglion cervicale superius umgeschaltet werden.
Sensible Innervation:
  • Der N. ethmoidalis anteriorNervus(-i)ethmoidalisanterior (Ast des N. nasociliaris aus V/3) teilt sich in einen R. nasalis externus zur Innervation der äußeren Nase sowie in Rr. nasales interni auf, die als Rr. nasales laterales den vorderen Bereich der lateralen Nasenwand und mit Rr. nasales mediales das Nasenseptum innervieren.

  • Der N. ethmoidalis posteriorNervus(-i)ethmoidalisposterior innerviert die Schleimhaut der hinteren Siebbeinzellen und der Keilbeinhöhle.

  • Rr. nasales posteriores superiores laterales et mediales treten als Äste des N. maxillaris [V/2] durch das Foramen sphenopalatinum in die Nasenhöhle ein und innervieren die Nasenschleimhaut im hinteren oberen Bereich der Nasenhöhle (Nasenseptum, laterale und hintere Nasenhöhlenwand im Bereich des Recessus sphenoethmoidalis).

  • Rr. nasales posteriores inferiores gehen aus dem N. nasopalatinusNervus(-i)nasopalatinus hervor und innervieren im Bereich des mittleren und unteren Nasengangs einschließlich der unteren Nasenmuschel und des unteren Anteils des Nasenseptums.

  • NiesreflexNiesreflex: Der afferente Schenkel des in der Nasenschleimhaut auslösbaren Schutzreflexes, der gemeinsam mit einem reflektorischen Verschluss der Stimmritze einhergeht, verläuft über den N. maxillaris [V/2] zur Medulla oblongata.

Sensorische Innervation:
  • Von den Riechfeldern treten die Fila olfactoria durch die Lamina cribrosa der Schädelbasis. Nach Umschaltung im Bulbus olfactorius gelangen die Fasern weiter über den Tractus olfactorius zu den zentralen Kerngebieten.

Parasympathische Innervation:
  • Der Intermediusanteil des N. facialis [VII]Nervus(-i)facialis [VII] gelangt als N. petrosus majorNervus(-i)petrosusmajor und im weiteren Verlauf als N. canalis pterygoideiNervus(-i)canalis pterygoidei (Vidianus) zum Ganglion pterygopalatinum. Nach Umschaltung verlaufen die postganglionären Fasern gemeinsam mit den sensiblen Fasern des N. maxillaris [V/2] aus der Fossa pterygopalatina zur Nasenschleimhaut. Die Fasern sorgen für eine Aktivierung der Drüsensekretion sowie für Gefäßdilatation.

Sympathische Innervation:
  • Postganglionäre Fasern aus dem Ganglion cervicale superiusGanglion(-ia)cervicalesuperius verlaufen als N. petrosus profundusNervus(-i)petrosusprofundus durch den Canalis pterygoideus und erreichen über die Fossa pterygopalatina und das Foramen sphenopalatinum die Nasenhöhle. Sie sind für Hemmung der Drüsensekretion und für Vasokonstriktion zuständig.

Klinik

Eine Hyposmie (verminderte Riechempfindung) Hyposmieoder eine Anosmie (fehlende Riechempfindung) könnenAnosmie Riechempfindung, fehlende/verminderte (Anosmie/Hyposmie)als Ursachen von Virusinfektionen, chronischen Sinusitiden, Obstruktionen infolge Verlegung der Luftwege zur Riechschleimhaut, z. B. bei Allergie, Medikamentennebenwirkungen, Hirntumoren oder Schädel-Hirn-Traumen mit Verletzungen der Riechnerven bei Durchtritt durch die Lamina cribrosa auftreten.

Mundhöhle, Kauapparat, Zunge, Gaumen, Mundboden, Speicheldrüsen

Wolfgang H. Arnold

Kompetenzen

Nach Bearbeitung dieses Lehrbuchkapitels sollten Sie in der Lage sein:

  • alle oralen Strukturen zu benennen

  • den Nervenverlauf in der Mundhöhle zu beschreiben

  • die Gefäßversorgung der Mundhöhle zu erklären

  • die Entwicklung der Zähne zu erklären

  • den detaillieren Aufbau der unterschiedlichen Zähne zu beschreiben

  • Bau und Funktion des Kiefergelenks sowie Lage und Funktion der Kaumuskeln zu erläutern

  • Aufbau, Lage und Funktionen der Zunge und des Gaumens zu schildern

  • Lage, Aufbau und Funktion der Speicheldrüsen wiederzugeben

  • den Bau des Mundbodens und seiner Logen zu erklären

  • die Blutversorgung, Innervation und Lymphabflüsse der oben genannten Strukturen und Organe zu benennen

  • die topografische Lage und die Nachbarschaftsbeziehungen der Strukturen und Organe zueinander und zu den benachbarten Regionen einordnen zu können und ihre Funktion zu beschreiben

  • die Entwicklung von Mundhöhle, Kauapparat, Zunge, Gaumen und Speicheldrüsen wiederzugeben

Klinischer Fall

Perimandibulärer Abszess

Anamnese

Ein 50-jähriger Patient, perimandibulärer AbszessAbszessperimandibulärerder sich vor einem Jahr wegen einer profunden Karies an Zahn 46 einer Wurzelkanalbehandlung unterziehen musste, stellt sich in deutlich reduziertem Allgemeinzustand mit Temperaturerhöhung auf 38,5 °C vor. Er gibt an, an der rechten Wange und am Hals Schmerzen zu haben, die ins rechte Ohr ausstrahlen, sodass er den Mund nicht mehr gut öffnen könne und auch beim Schlucken Beschwerden habe.

Erstuntersuchung

Die Pulsfrequenz des Patienten ist erhöht, Schluckstörungen und eingeschränkte Mundöffnung sind deutlich. Der Patient hat eine unzureichende Mundhygiene. In der Krankenakte sind in den vorausgegangenen Untersuchungen Gingivarezessionen (entzündungsfreier Zahnfleischrückgang) und parodontale Taschentiefen bis zu 12 mm dokumentiert. Die rechte Wange und der rechte Hals unterhalb des Unterkiefers sind deutlich geschwollen, wobei die Schwellung lokal begrenzt ist und die submandibulären Weichteile mit einbezieht. Der Unterkiefer ist in diesem Bereich nicht tastbar. Submandibuläre Lymphknoten sind palpabel. Klinisch entsteht der Eindruck einer Ausbreitung der Schwellung in den parapharyngealen Bereich. Bei mäßigem Spontanschmerz besteht ein starker Druckschmerz.

Diagnostik

Differenzialdiagnostisch spricht der klinische Befund für einen perimandibulären Abszess auf der rechten Seite, einen Speichelstein in der Glandula submandibularis oder einen Tumor der Glandula submandibularis. Um einen Speichelstein oder Tumor auszuschließen, wird eine Sonografie durchgeführt. Außerdem werden eine Panorama-Schichtaufnahme und eine dentale CT zur Darstellung eines möglichen osteolytischen Prozesses durchgeführt. Die Befundinterpretation ergibt die Diagnose eines perimandibulären Abszesses.

Therapie

Der Zahnarzt entscheidet sich für die intraorale Eröffnung des Abszesses und die Gabe eines Antibiotikums. Penicilline sind bei odontogenen Infektionen die Antibiotika der ersten Wahl. Nach Abszesseröffnung legt der Zahnarzt eine Drainage, damit Eiter und Wundsekrete abfließen können. Die Wunde in der Mundhöhle heilt innerhalb kurzer Zeit vollständig ab. Nach Abheilung schließt sich in einer zweiten Sitzung die Sanierung der Wurzelfüllung mit Wurzelspitzenresektion an. Der Zahnarzt rät dem Patienten dringend, seine Mundhygienegewohnheiten zu verbessern. Außerdem bestellt er den Patienten vierteljährlich zur Kontrolle des parodontalen Zustandes mit professioneller Zahnreinigung ein.

Mundhöhle

Die MundhöhleMundhöhle steht am Anfang des Verdauungstrakts und wird in mehrere Abschnitte untergliedert (Abb. 9.96): Das Vestibulum oris Vestibulumorisbildet den Mundvorhof und wird von den Lippen und den Wangen außen bzw. den Alveolarfortsätzen und den Zähnen innen begrenzt. Die Cavitas oris propriaCavitas(-tes)orispropria ist die eigentliche Mundhöhle. Der Isthmus fauciumIsthmusfaucium, die SchlundengeSchlundenge, begrenzt die Mundhöhle dorsal. Dort geht die Mundhöhle in die Pars oralis des Pharynx (Oropharynx)Oropharynx über. Zwischen der Zahnreihe des Unterkiefers (Mandibula) befindet sich der Zungenkörper (Corpus linguae). In die Mundhöhle münden die Ausführungsgänge der 3 großen Speicheldrüsen (Glandula parotidea, Glandula submandibularis und Glandula sublingualis), deren Sekret den Gesamtspeichel bildet, welcher der Befeuchtung der Mundhöhle dient. Die Mundhöhle wird insgesamt durch eine kutane Schleimhaut ausgekleidet.
Entwicklung
Entwicklungsgeschichtlich entsteht die MundhöhleMundhöhleEntwicklung aus 2 Keimblättern. Der hintere Abschnitt entwickelt sich aus demVorderdarmentodermaler entodermalen Vorderdarm, der vordere Abschnitt aus der ektodermalen Mundbucht.Mundbuchtektodermale Durch die Entwicklung des Vorderhirns wächst der unpaare Stirnwulst nach vorne und unten, während die beiden paarig angelegten Maxillar- und Mandibularwülste Mandibularwulst/-wülsteMaxillarwulst/-wülstenach vorne wachsen. Schließlich umfassen alle 5 Gesichtswülste die primäre Mundhöhle (Stomatodeum).Mundhöhleprimäre StomatodeumDie primäre Mundhöhle ist ein einheitlicher Mund-Nasen-Raum, der durch die RachenmembranRachenmembran (Membrana buccopharyngea) Membranabuccopharyngeavom Vorderdarm getrennt wird. Bereits in der 3. Embryonalwoche reißt die Bukkopharyngealmembran ein, sodass das Stomatodeum und das Darmrohr miteinander verbunden werden. Etwa in der 6. Embryonalwoche bildet sich aus dem Stirnwulst der unpaareGaumenprimärer primäre Gaumen; aus den beiden Maxillarwülsten entstehen jeweils von lateral die Gaumenfortsätze. GaumenfortsätzeDiese wachsen nach medial aufeinander zu, wo sie in der Mittellinie verschmelzen, sodass Mund- und Nasenhöhle vollständig voneinander getrennt werden.
Begrenzung der Mundhöhle
Die Mundöffnung (Rima oris) MundöffnungRimaorisbildet den Eingang in die Cavitas oris. Cavitas(-tes)orisLateral wird die Mundhöhle durch die WangenWangen begrenzt, deren muskuläre Grundlage der M. buccinator ist. Das Dach der Mundhöhle bildet der Gaumen, der in den harten Gaumen (Palatum durum) GaumenharterGaumenweicherPalatumdurumPalatummolleund den weichen Gaumen (Palatum molle) untergliedert wird. Der Mundboden wird hauptsächlich vom Corpus linguae Corpus(-ora)linguaegebildet. Unter der Zunge befindet sich das Diaphragma oris, dessen muskuläre Grundlage der M. mylohyoideus ist. Nach dorsal öffnet sich die Cavitas oris durch den Isthmus faucium in den Oropharynx.
Orientierung
Grundsätzlich gelten die Richtungsbezeichnungen des Körpers auch für die MundhöhleMundhöhleRichtungsbezeichnungen. Da allerdings die Zähne in einem ellipsoiden Zahnbogen angeordnet sind, sind zusätzliche Richtungsbezeichnungen notwendig. Zahnflächen, die dem Vestibulum oris zugewandt sind, sind im Frontzahnbereich sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer die labialen Flächen, im Seitenzahnbereich die vestibularen und bukkalen Flächen. Die der Mundhöhle zugewandten Flächen werden im Unterkiefer als linguale, im Oberkiefer als palatinale Flächen bezeichnet. Gemeinsam benutzt man auch die Bezeichnung: oral. Zahnflächen, die in Richtung Schlund weisen, werden als distale, Zahnflächen, die in Richtung Rima oris weisen, als mesiale Flächen bezeichnet. Gemeinsam werden die Zahnflächen nebeneinanderstehender, sich berührender Zähne als approximale Fläche bezeichnet (Abb. 9.97).
Mundschleimhaut
Einteilung
Die Mundschleimhaut (Mucosa oralis) MundschleimhautMucosa oralisist in den unterschiedlichen Regionen der Mundhöhle verschieden ausgebildet. Grundsätzlich handelt es sich um eine kutane Schleimhaut, d. h., es ist ein mehrschichtiges Plattenepithel, das am Gaumen und auf dem Zungenrücken überwiegend mehrschichtig verhornend ist, an den Wangen und am Mundboden aber nicht verhornend ist. Um die Zähne befindet sich das Zahnfleisch (Gingiva),ZahnfleischGingivamarginalis/propria das in unterschiedliche Abschnitte unterteilt wird. Direkt am Zahnhals spricht man von der Gingiva marginalis, die beweglich ist und zwischen dem Zahnhals und der Gingiva den Sulcus gingivalisSulcus(-i)gingivalis bildet. Daran schließt sich die Gingiva propria an, die fest mit dem Periost des Proc. alveolaris verwachsen und nicht verschieblich ist. Zwischen den Zähnen befindet sich die Papilla interdentalis (Abb. 9.98).Papilla(-ae)interdentalis Die Oberlippe wird über das Frenulum labii superioris, Frenulumlabii superioris/inferiorisdas sich zwischen den beiden ersten Schneidezähnen befindet, an der Mucosa oralis und der Gingiva fixiert. Die Unterlippe ist über das Frenulum labii inferioris, das von der Unterlippe zur oralen Schleimhaut meist zwischen dem Eckzahn und dem ersten Prämolaren zieht, auf der rechten und linken Seite fixiert.

Klinik

Normalerweise ist die MundschleimhautMundschleimhautPräkanzerosenPräkanzerosenMundschleimhautMundschleimhautLeukoplakienLeukoplakienMundschleimhaut rosa gefärbt. Keratinisierungsstörungen mit zellulären und epithelialen Atypien sind häufig Ursache von weißlichen Schleimhautveränderungen (Leukoplakien). Sind es nicht abwischbare Schleimhautveränderungen, handelt es sich um Präkanzerosen, die den prämalignen Erkrankungen der Mundschleimhaut zugerechnet werden. Sie bedürfen immer einer histopathologischen Abklärung, chirurgischen Entfernung und weiteren Beobachtung. Bei weißen, abwischbaren Belägen der Mundschleimhaut handelt es sich meistens um Pilzinfektionen (Candida albicans), die medikamentös behandelt werden können.

Im Rahmen von Abstammungsgutachten (Vaterschaftstest) oder zur Aufdeckung krimineller Delikte wird ein zytologischer Mundschleimhautabstrich MundschleimhautAbstrichzur DNA-Analyse entnommen, mit dessen Hilfe ein genetischer Fingerabdruck erstellt wird. Hierzu werden mit einem sterilen Tupfer auf der Innenseite der Mundhöhle wenige Schleimhautzellen gewonnen, deren DNA dann extrahiert wird.

Leitungsbahnen
Die Gingiva und die orale Mukosa sind sehr gut durchblutet. Die Blutgefäße bilden dicht unter dem Epithel ein engmaschiges Kapillarnetz. Im Bereich der Gingiva marginalis sind die Kapillaren als dicht aneinanderliegende Gefäßschlingen ausgebildet (Abb. 9.99). In der Wange und am Mundboden kommt eher ein flaches, unter dem Epithel gelegenes Netzwerk vor.

Klinik

Über das Kapillarnetz des Mundbodens und der Wange können Medikamente resorbiert werden. Dies findet notfallmäßig z. B. bei der Behandlung von Angina-pectoris-Anfällen mit Glyzeroltrinitrat (Nitrospray) Anwendung.

Die MundschleimhautMundschleimhautInnervation wird über Endäste des N. trigeminus [V] sensibel innerviert. Im Oberkieferbereich ist es der N. maxillaris [V/2],Nervus(-i)maxillaris [V/2] im Unterkieferbereich der N. mandibularis [V/3]Nervus(-i)mandibularis [V/3] (Abb. 9.100, Tab. 9.33).

Kauapparat – Zähne

Entwicklung
Die ZahnentwicklungZähneEntwicklung KauapparatZähnebeginnt um den 40. Tag der Embryonalentwicklung mit der Invagination des Mundhöhlenepithels in das darunter liegende Mesenchym. Dadurch wird jeweils im Oberkiefer und im Unterkiefer eine U-förmige Epithelleiste ausgebildet, die generellen Zahnleisten. ZahnleistenDie enge Nachbarschaft zwischen den beiden unterschiedlichen embryonalen Geweben löst eine komplexe Kaskade genetischer Interaktionen aus, die schließlich zur Bildung der Zähne führt (Tab. 9.34). Wechselseitig werden in den Epithelzellen (ektodermaler Herkunft) und in den mesenchymalen Bindegewebszellen (Zellen aus der Neuralleiste des Kopfes) Gene aktiviert, die für die Produktion von bestimmten Botenstoffen (Induktoren) verantwortlich sind. Die Induktoren bewirken in benachbarten Zellen eine weitere Differenzierung zu hochspezialisierten Zellen oder die Produktion von weiteren Differenzierungsfaktoren.
Das in die Tiefe proliferierende Epithel der Zahnleiste umwächst das Mesenchym und führt zu einer Verdichtung der mesenchymalen Zellen und damit zur Bildung der SchmelzknospeSchmelzknospe. Die weitere Proliferation des Epithels geht mit der Ausbildung des Schmelzorgans einher, das aus dem äußeren Schmelzepithel, Schmelzepitheläußeres/inneresder Schmelzpulpa Schmelzpulpaund dem inneren Schmelzepithel besteht. Die Zellverdichtung des Mesenchyms wiederum hat zur Folge, dass das innere Schmelzepithel in Richtung des äußeren Schmelzepithels eingedrückt wird und sich damit die SchmelzkappeSchmelzkappe (Kappenstadium, Abb. 9.101) ausbilden kann. Durch weiteres Wachstum des Schmelzepithels in die Tiefe vergrößert sich die Zahnkappe Schmelzglockezur Schmelzglocke (Glockenstadium). In diesem Stadium beginnt die Mineralisierung der Zahnhartsubstanzen.
Während der Entwicklung des Schmelzorgans verdichtet sich das determinierte Zahnmesenchym in der Glocke zur Zahnpapille, in die Blutgefäße und Nerven einwachsen. Durch Faktoren aus dem inneren Schmelzepithel ordnen sich in unmittelbarer Nachbarschaft Mesenchymzellen zu einem Epithelverband an, die zukünftigen Dentinbildner (Präodontoblasten).Präodontoblasten Um die Glocke und die Papille differenziert sich aus den mesenchymalen Zellen und Fasern das Zahnsäckchen, das Grundlage des späteren Zahnhalteapparats ist. Die Präodontoblasten in der Pulpa bilden lange Fortsätze aus (Odontoblastenfortsätze, Tomes-Faser), OdontoblastenfortsätzeTomes-Faserndie mit der Sekretion von organischer Grundsubstanz (Prädentin)Prädentin beginnen und als OdontoblastenOdontoblasten bezeichnet werden. Nachdem das erste Prädentin gebildet wurde, beginnen sich an der Grenze zwischen Prädentin und innerem Schmelzepithel die Zellen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Prädentin zu Ameloblasten Ameloblastenzu differenzieren, die ihrerseits mit der Bildung von Schmelzmatrix beginnen (Abb. 9.102). Wie auch beim Prädentin mineralisiert die Schmelzmatrix erst extrazellulär. Anders als bei den Odontoblasten sind die Ameloblastenfortsätze sehr kurz und bilden nur pyramidenförmige Protrusionen der Zellen aus. Die produzierte Schmelzmatrix wird nach der Initiierung der Mineralisation von den Ameloblasten wieder resorbiert, sodass der Schmelz weitgehend frei von organischem Material ist. Aus der Anordnung der Ameloblasten ergibt sich die Struktur der Schmelzprismen. Das Ergebnis der Aktivität der Ameloblasten (Sekretion der Schmelzmatrix, Initiierung der Mineralisation, Resorption der Matrixproteine) sind anorganische Schmelzprismen, die fast ausschließlich aus Hydroxylapatit bestehen. Während der Schmelz von innen nach außen gebildet wird (zentrifugal), geschieht dies beim Dentin zentripetal zur Pulpa hin. Das von den Odontoblastenfortsätzen gebildete Prädentin besteht hauptsächlich aus Kollagenfasern, die nachfolgend von Hydroxylapatitkristallen ummantelt werden und so mineralisieren. Dentin besteht daher aus organischen Kollagenfasern und anorganischem Hydroxylapatit. Die Odontoblastenfortsätze bleiben in den Hohlräumen, den Dentinkanälchen, stecken und sind weiterhin in der Lage, Prädentin zu bilden. Die Zellleiber der Odontoblasten bleiben an der Innenwand der Pulpa liegen. Mit zunehmender Dentindicke verlängern sich die Odontoblastenfortsätze stetig. Sie sind die zellulären Elemente des Dentins, die für die Reaktion des Dentins auf äußere Reize verantwortlich sind.

Klinik

Mit den Odontoblastenfortsätzen ziehen Nervenfasern in die Dentinkanälchen, sodass Dentin im Gegensatz zum Schmelz schmerzempfindlich ist. Im Laufe des Lebens wird die Pulpa durch die ständige Dentinneubildung immer kleiner. Daher ist die Gefahr der Eröffnung der Pulpa während einer Kariesentfernung KariesentfernungPulpaeröffnungPulpaeröffnungKariesentfernungbei Kindern größer als bei älteren Menschen.

Durch weitere Proliferation des Schmelzepithels verlängert sich dieses schlauchartig in die Tiefe, wobei das Schmelzretikulum immer schmaler wird und sich inneres und äußeres Schmelzepithel schließlich berühren und die epitheliale Wurzelscheide (Hertwig-Epithelscheide) Wurzelscheideepitheliale (Hertwig-Epithelscheide)Hertwig-Epithelscheide (Wurzelscheide, epitheliale)ausbilden. Durch die Berührung des inneren und äußeren Schmelzepithels wird eine weitere Differenzierung von Ameloblasten verhindert. Auf der Innenseite der Wurzelscheide differenzieren sich weiterhin Odontoblasten, die das Wurzeldentin Wurzeldentinbilden. Die Zellen des Epithels der Hertwig-Epithelscheide gehen durch Apoptose zugrunde. Mit dem freiliegenden Wurzeldentin kommen Mesenchymzellen des Zahnsäckchens in Kontakt, die sich zu Zementoblasten Zementoblastendifferenzieren und auf dem Dentin das Zahnzement Zahnzementablagern sowie Wurzelhaut (Desmodont) Desmodontbilden.
Zahnaufbau und -bestandteile
Aufbau
Jeder Zahn besteht aus einerZähneAufbau/Bestandteile Zahnkrone (Corona dentis), einem Zahnhals (Cervix dentis) und einer Zahnwurzel (Radix dentis):
  • Die Zahnkrone (Corona dentis) wird kappenartig vom ZahnschmelzZahnschmelz (Enamelum) Enamelumbedeckt. Sie ragt aus dem Zahnfleisch (Gingiva) heraus.

  • Am Zahnhals (Cervix dentis) endet die Bedeckung der Krone mit Schmelz und geht in das Zahnzement über.

  • Das Dentin der Zahnwurzel (Radix dentis) wird vom Zahnzement (Cementum) ZahnzementCementumbedeckt. Der tiefste Punkt der Zahnwurzel ist die Wurzelspitze (Apex radicis dentis). Dort befindet sich die Wurzelpapille (Papilla dentis), die am Foramen apicis dentis durch den WurzelkanalWurzelkanal (Canalis radicis dentis) Canalis(-es)radicis dentisdurchbrochen wird. Durch das Foramen apicis dentis treten Gefäße und Nerven in die Pulpahöhle (Cavitas dentis) ein. Die PulpahöhlePulpahöhle wird in die Wurzelpulpa (Cavitas pulparis)Cavitas(-tes)pulparisCavitas(-tes)dentis und die Kronenpulpa (Cavitas coronae)Cavitas(-tes)coronae unterteilt. Die Pulpa enthält Arterien und Venen, Lymphgefäße und Nerven und besteht aus lockerem Bindegewebe (Abb. 9.103).

Die Zahnwurzel ist über den Zahnhalteapparat (Parodont) ZahnhalteapparatParodontim Ober- oder Unterkiefer befestigt. Dabei ist sie hängend über Sharpey-Fasern (Fibrae cementoalveolares, Kollagenfasern)Sharpey-Fasern der Wurzelhaut (syn.: PeriodontiumPeriodontium, periodontales oder parodontales Ligament, Desmodont, Alveolardentalmembran) in der Zahnalveole (Alveolus dentalis des Proc. alveolaris der Maxilla oder der Mandibula) fixiert. Bei den Fasern des Parodonts unterscheidet man:
  • dentoalveoläre Kammfasern, die vom Alveolarrand schräg nach oben in die Gingiva einstrahlen

  • horizontale Fasern, die vom Alveolarrand horizontal zum Zement verlaufen und den Sulcus dentalisSulcus(-i)dentalis abschließen

  • Fasern, die von oben außen nach unten schräg verlaufen

  • zirkuläre apikale Fasern im Bereich der Wurzelspitze

  • interradikuläre Fasern in der Bifurkation der Wurzeln mehrwurzeliger Zähne

Zahnhartsubstanzen
Schmelz, Dentin und ZahnhartsubstanzenZement sind die Zahnhartsubstanzen. Im Gegensatz zu Knochen besitzen sie keine Blutgefäße.
Schmelz
Schmelz (Enamelum, Substantia adamantina)SchmelzZahnschmelzEnamelum Substantiaadamantinaist die härteste Substanz des menschlichen Körpers. Reifer Schmelz setzt sich nahezu vollständig aus Hydroxylapatit-Kristallen zusammen, die zu Schmelzprismen zusammengelagert sind. Die Schmelzprismen reichen von der Schmelz-Dentin-Grenze bis nah unter die Schmelzoberfläche. Da der Schmelz zellfrei ist, kann er nach Verlust nicht mehr ersetzt werden.
Dentin
Dentin (Dentinum, Substantia eburnea, Zahnbein) Dentin(um)SubstantiaeburneaDentin(um)Zahnbeinist im Gegensatz zu Schmelz ein lebendes Gewebe und bildet den größten Teil eines Zahns. Es ist von Dentinkanälchen durchzogen, die radiär von der Pulpahöhle zur Außenseite verlaufen und in denen zeitlebens die Fortsätze der Odontoblasten als Tomes-FasernTomes-Fasern gemeinsam mit feinen Nervenfaserendigungen verlaufen. An der Zahnkrone ist das Dentin von Schmelz überzogen (Kronendentin), an der Zahnwurzel von Zement (Wurzeldentin). Die Schmelz-Zement-Grenze über dem Dentin entspricht dem Zahnhals. Dentin ist nach Schmelz die härteste Substanz des Körpers.
Zement
Zement (Cementum)ZementZahnzementCementum ist Knochen schon relativ ähnlich, enthält fast genauso viel organische Matrix, aber einen höheren Mineralanteil und etwa nur die Hälfte Wasser. Wie die Osteozyten im Knochen liegen die Zementozyten in Lakunen des Zements. In das Zement sind die Sharpey-FasernSharpey-Fasern, die den Zahn in der Alveole des Ober- oder Unterkiefers aufhängen (s. o.), eingemauert.
Merkmale der Zähne
Da die ZähneZähneMerkmale nicht in einem Kreisbogen, sondern in einem parabolen Bogen angeordnet sind, haben sie einen unterschiedlichen Krümmungsradius. Außerdem sind sie auf beiden Seiten spiegelbildlich, sodass sie nicht gegeneinander ausgetauscht werden können. Folgende Merkmale werden zur Unterscheidung von individuellen Zähnen herangezogen:
  • Krümmungsmerkmal: Es beschreibt die unterschiedliche Wölbung der vestibulären Fläche. Die mesiale Fläche ist besonders im Seitenzahnbereich stärker gekrümmt als die distale Fläche.

  • Winkelmerkmal: Die Kaukante einer Krone bildet mit der mesialen Kontaktfläche einen spitzeren Winkel als mit der distalen Kontaktfläche.

  • Wurzelmerkmal: Es beschreibt die Abweichung des Wurzelverlaufs von der Zahnachse nach distal.

Permanentes Gebiss (Dentes permanentes)
Das permanente Erwachsenengebiss ErwachsenengebissGebisspermanentesbesitzt 32 Zähne Dens(-tes)permanentesmit je 16 Oberkiefer- und Unterkieferzähnen. Jeder Zahnbogen wird in 2 symmetrische Hälften unterteilt, wodurch sich insgesamt 4 Quadranten ergeben. Die 4 Quadranten werden von rechts oben nach rechts unten der Reihe nach von 1 bis 4 durchnummeriert, woraus sich ein Gebissschema mit jeweils 8 Zähnen ergibt. In jedem Quadranten werden wiederum 4 Zahntypen unterschiedenFrontzähne, 2 Frontzähne (Dentes incisivi, Schneidezähne), 1 Eckzahn (Dens caninus), EckzähneDens(-tes)canini2 Prämolaren (Dentes premolares) Dens(-tes)premolaresDens(-tes)incisiviundPrämolarenBackenzähne 3 Backenzähne (Dentes molares) (Abb. 9.104).Dens(-tes)molares Die Fédération Dentaire Internationale (F. D. I.) hat daraus ein derzeit weltweit gültiges Zahnschema entwickelt, wobei jeder Zahn eines Quadranten von 1 bis 8 durchnummeriert wird und vor die Zahnnummer die jeweilige Nummer des Quadranten gesetzt wird. Bei den Zähnen desMilchgebiss Milchgebisses (20 Zähne) werden die Quadranten von 5 bis 8 entsprechend dem des Erwachsenengebisses gezählt.
Zahnschema des Dauergebisses Dauergebiss Zahnschema
Frontzähne
1817161514131211 2122232425262728
4847464544434241 3132333435363738
Zahnschema des Milchgebisses Milchgebiss Zahnschema
5554535251 6162636465
8584838281 7172737475

Merke

Die Schneidezähne (Dentes incisivi) SchneidezähneDens(-tes)incisivisind einwurzelige Zähne mit einer Schneidekante. Die Eckzähne (Dentes canini) EckzähneDens(-tes)caninihaben ebenfalls nur eine Wurzel, ihre Krone gleicht einem spitzen Meißel. Die Prämolaren (Dentes premolares) Prämolarensind unterschiedlich gestaltet:Dens(-tes)premolares Der erste obere Prämolar ist ein zweiwurzeliger Zahn, wobei eine Wurzel nach palatinal weist und die andere nach vestibulär. Der zweite Prämolar ist wie die beiden Unterkieferprämolaren einwurzelig. Die Prämolaren haben keine Schneidekante, sondern eine Kaufläche mit einem Höckerrelief. Die 3 Oberkiefermahlzähne (Dentes molares)Oberkiefermolaren Dens(-tes)molaresMolarenMahlzähnesind dreiwurzelige Zähne mit 1 palatinalern und 2 vestibulären Wurzeln. DieUnterkiefermolaren Unterkiefermolaren (Dentes molares) haben jeweils 2 Wurzeln mit einer mesialen und einer distalen Wurzel. Alle Molaren zeichnen sich durch ein sehr differenziertes Höckerrelief in der Okklusalfläche aus, die der Nahrungszerkleinerung dienen.

Schneidezähne, Dentes incisivi
Die SchneidezähneSchneidezähne Dens(-tes)incisivihaben meißelförmige Kronen und eine Wurzel. Die Oberkieferschneidezähne sind größer als die des Unterkiefers.
Kronen
Bei den Schneidezahnkronen unterscheidet man eine Facies vestibularis und eine Facies lingualis. Auf der Schneidekante jüngerer Zähne befinden sich mehrere kleine Randtuberkel. Die Facies lingualis zeichnet sich durch Randleisten aus (Cristae marginales), die konvex nach gingival zulaufen und im zervikalen Bereich des Zahns das Tuberculum dentis ausbilden. Über dem Tuberculum dentis der oberen Schneidezähne befindet sich das Foramen caecum, eine Schmelzvertiefung, in der sich häufig eine Karies entwickelt.
Wurzeln
Die Incisivi sind einwurzelige Zähne, auf deren mesialen und distalen Flächen häufig Längsfurchen zu finden sind. Die Wurzelspitze ist nach distal abgebogen. Die kräftigste und längste Wurzel besitzt der 1. obere Schneidezahn, die kleinste Wurzel der 1. untere.
Pulpa
Die Cavitas coronaeCavitas(-tes)coronae der Schneidezähne entspricht in ihrer Form der Form der Zahnkrone.
Wurzelkanal
Der Wurzelkanal (Canalis radicis dentis)Canalis(-es)radicis dentis ist in der Regel eng und häufig durch Dentinbrücken unterbrochen. Aufzweigungen des Wurzelkanals sind häufig zu finden.
Eckzähne, Dentes canini
Die EckzähneEckzähneDens(-tes)incisivi sind die größten Zähne im Frontzahnbereich. Sie sind wichtige Eckpfeiler zwischen den Schneidezähnen und den Prämolaren und in der prothetischen Zahnmedizin Ankerzähne für Brücken und Klammern.
Kronen
Die Schneidekante läuft schräg in eine nach mesial leicht versetzte Spitze aus, sodass die Krone eher einem Meißel gleicht. Die mesiale Schneidekante ist kürzer und flacher als die distale. Von der Kronenspitze verläuft ein flacher Mittelgrad nach zervikal, der die vestibulare Fläche in eine mesiale und eine distale Facette unterteilt. Auf der Facies lingualis befinden sich 2 nach zervikal zusammenlaufende Randleisten. Auch die linguale Fläche wird durch einen Mittelrand in eine mesiale und distale Facette untergliedert. Am zervikalen Ende der zusammenlaufenden Randleisten befindet sich das Tuberculum dentis.
Wurzeln
Bei den Eckzähnen handelt es sich um einwurzelige Zähne, deren Wurzeln vestibulär kräftiger als lingual ausgebildet sind. Die Wurzel des Oberkiefereckzahns ist die längste aller Zähne.
Pulpa
Die Cavitas coronae des Eckzahns ist ein schmaler, lang gestreckter Raum, der im Zahnhalsbereich kontinuierlich in den Wurzelkanal übergeht.
Wurzelkanal
Der Canalis radicis dentis des oberen Eckzahns verläuft unverzweigt und ist relativ lang. Im Unterkiefer ist der Wurzelkanal häufig in 2 Unteräste gespalten.
Prämolaren, Dentes premolares
Kronen
Die PrämolarenPrämolarenOkklusalflächeOkklusalflächePrämolarenPrämolarenDens(-tes)premolares haben keine Schneidekante, sondern eine Okklusalfläche (Facies occlusalis). Die oberen Prämolaren haben jeweils 2 Höcker, einen vestibulären und einen palatinalen. Der vestibuläre Höcker ist größer als der linguale. Zwischen beiden Höckern verläuft auf der mesialen und distalen Seite eine deutlich ausgeprägte Randleiste. Von mesial nach distal zieht eine Längsfissur, an deren Enden sich ein mesiales und ein distales Grübchen befinden. Bei den unteren Prämolaren sind die Höcker kleiner und aus diesem Grund auch die Randleisten schwächer ausgebildet. Der 1. Molar hat überwiegend ein zweihöckeriges Kronenmuster; der 2. untere Prämolar kann auch 3 Höcker besitzen. Die Facies occlusalis ist bei zweihöckerigen Prämolaren des Unterkiefers der der oberen Prämolaren ähnlich. Weil der vestibuläre Höcker größer ist als der linguale, ist die Kaufläche nach innen geneigt, was man als Kronenflucht bezeichnet. Dadurch liegt die Spitze des vestibulären Höckers in der Mitte der Kaufläche und die des lingualen auf dem lingualen Kronenrand. Bei dem dreieckigen Typ der Facies occlusalis findet man 2 linguale und 1 vestibulären Höcker. Die beiden lingualen Höcker sind durch eine Querfissur voneinander getrennt, sodass ein Y-förmiges Fissurenmuster entsteht.
Die Facies vestibularis aller Prämolaren ähnelt der der Eckzähne. Der okklusale Kronenabschnitt ist nach lingual verschoben, wodurch die Kronenflucht deutlich wird. Die Facies lingualis ist wesentlich schmaler und kleiner als die Facies vestibularis. Die Querwölbung dieser Fläche geht unmittelbar in die Approximalfläche über, die Längswölbung ist relativ flach, was dazu führt, dass die linguale Kronenwand senkrecht steht.
Wurzeln
Der obere 1. Prämolar hat meist 2 Wurzeln, 1 kräftigere vestibuläre und 1 schwächere palatinale. Alle anderen Prämolaren haben nur 1 Wurzel, deren Form der der Eckzähne gleicht.
Pulpa
Die Cavitas coronae der Prämolaren en