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B978-3-437-41195-3.00001-1

10.1016/B978-3-437-41195-3.00001-1

978-3-437-41195-3

Die wichtigsten Ebenen, Lagebezeichnungen und Bewegungsrichtungen.

Die Regionen der Körperoberfläche.

Einführung

Stoffgebiet der Anatomie und Embryologie

Der Begriff „Anatomie“ leitet sich von der wichtigsten Methode des Fachs ab, nämlich der Zergliederung des Körpers in seine Bauelemente (anatemnein, gr.: aufschneiden). Aufgrund der Dimensionen der betrachteten Bauelemente wird das Fach in die makroskopische Anatomie (mit unbewaffnetem Auge sichtbare Strukturen; makros, gr.: groß; skopein, gr.: betrachten) und die mikroskopische Anatomie (mit dem Mikroskop sichtbare Strukturen; mikros, gr.: klein) unterteilt. Die Anatomie umfasst auch die Embryologie (embryon, gr.: Neugeborenes [Lamm], ungeborene Leibesfrucht), die sich, ausgehend von der Befruchtung der Eizelle, mit den Vorgängen der Bildung der Gewebe (Histogenese; genesis, gr.: Entstehung) und Organe (Organogenese) sowie der Gestalt des Körpers und seiner Teile (Morphogenese; morphe, gr.: Gestalt) befasst. Diese von der befruchteten Eizelle ausgehende Entwicklung wird als Ontogenese (on, gr.: seiend) bezeichnet.

Anatomische Nomenklatur

Eine Fachsprache ist notwendig, um sich präzise ausdrücken und verständigen zu können. Es gibt etwa 6.000 anatomische Namen (Nomina anatomica, NA). Sie werden aus rund 600 Wortstämmen gebildet, von denen über zwei Drittel lateinischen, fast alle übrigen griechischen Ursprungs sind. Nahezu sämtliche NA werden unabhängig von ihrer Herkunft wie lateinische Formen behandelt. Die NA sind international verbindlich katalogisiert. Heute gilt die Terminologia Anatomica (TA) aus dem Jahr 1998. Die Nomina histologica (NH) und Nomina embryologica (NE) sind in der 6. Edition der NA 1985 festgelegt worden.

Achsen und Ebenen, Lage- und Richtungsbezeichnungen, Oberflächenregionen

Eine Standardisierung der Lage- und Richtungsbezeichnungen erfolgt durch Bezug auf ein Koordinatensystem von drei senkrecht aufeinanderstehenden Achsen und Ebenen (Abb. 1.1). Alle Bezeichnungen werden auf den aufrecht stehenden Menschen bezogen (anatomische Nullstellung).

Merke

Die anatomische Nullstellung, auf die sich alle Lagebezeichnungen beziehen, ist der aufrecht stehende Körper mit herabhängenden Armen und nach vorne gerichteten Handflächen.

Achsen
  • Vertikal (oder longitudinal): senkrecht zur Standfläche

  • transversal (oder horizontal): senkrecht zur vertikalen Achse, quer durch den Körper

  • sagittal (oder ventrodorsal): in Richtung eines Pfeils (lat.: sagitta), d.h. senkrecht von vorn bzw. von hinten

Ebenen
  • Medianebene: vertikale Symmetrieebene, die den Körper in zwei spiegelbildliche Hälften teilt (bilaterale Symmetrie)

  • Sagittalebenen (Paramedianebenen): Ebenen, die parallel zur Medianebene verlaufen

  • Transversalebenen: horizontale Querschnittsebenen

  • Frontalebenen: in der Ebene der Stirn (Frons)

Lagebezeichnungen
  • superior, -ius; kranial: oberhalb, auf das Kopfende zu (von Cranium, lat.: Schädel)

  • inferior, -ius; kaudal: unterhalb, zum Steißende hin (von Cauda, lat.: Schwanz)

  • anterior, -ius; ventral: vorn, zur Vorderfläche hin (von Venter, lat.: Bauch)

  • rostral, -is; vorn (nur im Gehirn benutzt) (von Rostrum, lat.: Schnabel)

  • posterior, -ius; dorsal: hinten, zur Rückfläche hin (von Dorsum, lat.: Rücken)

  • medial: auf die Medianebene zu

  • median: in der Medianebene

  • lateral: seitlich, von der Medianebene weg

  • zentral: auf das Körperinnere oder das Innere eines Organs zu

  • peripher: auf die Oberfläche des Körpers oder eines Organs zu

  • profundus: -a, -um: tief

  • superficialis, -e: oberflächlich

  • dexter: -tra, -trum: rechts

  • sinister: -tra, -trum: links

An den Extremitäten gelten folgende zusätzliche Lagebezeichnungen:
  • distal: vom Rumpf weg

  • proximal: zum Rumpf hin

  • ulnar: zur Ellenseite (Kleinfingerseite) hin

  • radial: zur Speichenseite (Daumenseite) hin

  • palmar: zur Handinnenfläche hin

  • dorsal: zum Handrücken hin

  • fibular: zur Wadenbeinseite (Kleinzehenseite) hin

  • tibial: zur Schienbeinseite (Großzehenseite) hin

  • plantar: zur Fußsohle hin

  • dorsal: zum Fußrücken hin

Bewegungsrichtungen des Rumpfes und der Extremitäten
  • Extension: Streckung

  • Flexion: Beugung. Lateralflexion: Seitwärtsneigung des Rumpfes

  • Abduktion: Bewegung vom Körper (Hauptachse) weg, Abspreizen

  • Adduktion: Bewegung zum Körper (Hauptachse) hin, Heranführen

  • Rotation: Drehung (Kreiselung) um die Hauptachse (Längsachse)

  • Pronation/Supination: Wendebewegungen des Unterarms mit Hand, der Füße

  • Anteversion/Retroversion: Vorheben und Rückführen des Arms und Beins

Oberflächenregionen
Die Körperoberfläche wird in Regionen unterteilt (Abb. 1.2).

Körpermaße (Höhe, Gewicht, Oberfläche)

Die mittlere Körperhöhe (in Mitteleuropa Männer: 177 cm, Frauen: 167 cm) hat seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts, wahrscheinlich bedingt durch die verbesserten Lebensbedingungen, kontinuierlich zugenommen (Akzeleration). Dies ist auch mit einer Vorverlegung des Eintritts der Geschlechtsreife einhergegangen.
Das Körpergewicht korreliert mit der Körpergröße. Der Körper des Erwachsenen besteht zu 65% (⅔!) aus Wasser (Säuglinge 75%, Greise 55%). Der mittlere Wassergehalt aller Organe und Gewebe beträgt 70–80%, Knochen enthält etwa 20% Wasser, Fettgewebe nur 10%. Das Normalgewicht wird nach der Broca-Formel berechnet:
Normalgew. (kg) = Körperlänge (cm) 100 .
Bei einer Körperlänge von 170 cm beträgt das Normalgewicht 70 kg.
Für die Definition der Übergewichtigkeit wird der Körpermassenindex (engl.: body mass index, BMI) bestimmt:
BMI = Körpergewicht (kg) : Körperlänge (m) 2 .
Übergewicht: BMI > 23 (Frauen), > 24 (Männer), Obesitas (Fettleibigkeit, Fettsucht): BMI > 30, Untergewicht: BMI < 18,5.
Der Fettanteil am Körpergewicht bei Frauen unter 60 Jahren ist aufgrund ihres dickeren Unterhautfettgewebes mit durchschnittlich 20–35% größer als der von Männern (10–22%).Gesteuert durch Geschlechtshormone, wird bei der Frau das Fett vorwiegend in der Gluteal- und Femoralregion (gynoider Fettverteilungstyp) eingelagert, beim Mann besonders in der Abdominalregion (androider Fettverteilungstyp).
Die Körperoberfläche ist als wichtigste Wärmeabgabefläche eine bedeutende Größe für den Energiehaushalt (Grundumsatz) des Organismus. Die Körperoberfläche (in m2) wird nach Dubois berechnet:
71,84×Gewicht (kg)0,425×Länge (cm)0,725
Bei mittlerer Körpergröße von 177 cm (♂) bzw. 167 cm (♀) und einem Gewicht von 70 kg (♂) bzw. 60 kg (♀) beträgt die Körperoberfläche 1,85 m2 (♂) bzw. 1,65 m2 (♀). Als Faustregel gilt, dass je kg Körpergewicht (ausgehend von diesen Mittelwerten) etwa 100 cm2 Oberfläche zu veranschlagen sind: Also bei einem 80 kg schweren ♂ von mittlerer Körpergröße etwa 1,95 m2.
Neunerregel: Die Körperoberfläche verteilt sich auf die verschiedenen Regionen wie folgt:
  • Kopf

9%
  • 1 Arm

9%
  • 1 Bein

18%
  • Rumpf, vorn

18%
  • Rumpf, hinten

18%

Klinik

Bei der Beurteilung des Schweregrades von Verbrennungen wird die Neunerregel verwendet.

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