© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-24705-7.00012-5

10.1016/B978-3-437-24705-7.00012-5

978-3-437-24705-7

Querschnitt durch die Darmwand.

[L257]

Reißfestigkeitsverlust eines chirurgischen Fadens in Abhängigkeit von der Zeit. Angegebene Nahtmaterialien sind eingetragene Markennamen zweier häufig verwendeter Produkte (Ethicon Products und B. Braun). Die Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Schaubild ist eine Annäherung nach Angaben der Hersteller (Angaben ohne Gewähr).

[L106]

Nahtmaterialverpackung mit verfügbaren Informationen.

[L106]

Korrektes Einspannen der Nadel in den Nadelhalter. Dabei sollten die vorderen 2/3 der Nadel frei sein. Der Winkel zum Nadelhalter sollte leicht über 90° betragen.

[L257]

Stoß-Stoß-Nahttechniken zur Darmnaht.

a) Allschichtige Naht

b) allschichtig-extramuköse Naht

c) Rückstichnaht. Die Gambeenaht kann bei stark prolabierender Mukosa angewendet werden. Durch den Rückstich wird erreicht, dass die Schleimhaut nicht in die Naht hereinreicht.

[L257]

Einstichweg der allschichtigen Naht.

a) Bei der allschichtigen Naht kann die Mukosa in die Anastomose prolabieren und die Mukosa wird gequetscht.

b) Beides verhindert die extramuköse Naht. Dabei soll die Mukosa wie im Schaubild (b) tangential mitgefasst werden.

[L257]

Faktoren, die die Anastomosenheilung beinflussen.

Tab. 12.1
Patientengebundene Faktoren Operationsbedingt/durch den Operateur beeinflusst
Kortisontherapie
Zytostatikatherapie
Radio-Chemotherapie
Mangelernährung
Schock
gute Durchblutung
Spannungsfreiheit
geringe Kontamination
atraumatische Handhabung des
Gewebes
Mangeldurchblutung der Gefäßstenosen
Katabolie
Entzündung/Sepsis/Peritonitis(fortgeschrittene) Tumorerkrankung
Ileus
Ödem
optimale Nahttechnik
optimales Nahtmaterial

Verschiedene Klammernahtgeräte, die am häufigsten in der Allgemein- und Viszeralchirurgie eingesetzt werden.

[U244, L257]

Tab. 12.2
Instrument Funktion Klammernahtreihen Ergebnis Magazin/Klammerhöhe Indikation

Linearer Cutter (offen)
Verschließt zu beiden Seiten und schneidet dazwischen
2- oder 3-reihig versetzt, verschiedene
Längen
grün/2,0 mm
gold/1,8 mm
blau/1,5 mm
Magen
Magen/Dickdarm
Dünndarm/Dickdarm
Duodenum

Linearer Cutter (endoskopisch)

Linearer Stapler (offen)
Verschließt zu einer Seite und schneidet daneben grün/2,0 mm
blau/1,8 mm
weiß/1,5 mm
Rektum
Rektum
Meckel-Divertikel

Zirkulärer Stapler
Verschließt zu einer Seite, versetzt und durchtrennt
Beim Lumendurchmesser gibt es verschiedene Größen von
12,4 mm bis 24,4 mm. Generell gilt: so groß wie möglich.
Sicht auf den Darm von innen

von außen
Klammerhöhe frei einstellbar:
2,5 mm Kolon/Rektum
2,0 mm Dünndarm/Rektum ggf. mit Pouch
1,5 mm Ösophagogastrostomie
1,0 mm Ösophagogastrostomie

Fortlaufende/allschichtige – extramuköse Stoß-Stoß-Naht. Stiche bei der extramukösen Allschichtnaht. Anastomose:Darm, VorderwandAnastomose:Darm, Hinterwand

[L257]

Tab. 12.3
Hinterwand
a) 1. Stich:
re. Lumen außen – innen, li. Lumen innen – außen
→ 3 Knoten bei Naht mit 1 Faden
→ 7 Knoten bei Naht mit 2 Fäden
b) Faden liegt nach Knoten außen. 2. Stich:li. Lumen außen – innen → durchziehen
c) 3. Stich:
re. Lumen innen – außen;
li. Lumen außen – innen
→ durchziehen und unter Spannung halten
→ so immer weiter die Hinterwand nähen
d) letzter Stich Hinterwand:
re. Lumen innen – außen
→ durchziehen und spannen
Vorderwand: Hier gibt es drei Möglichkeiten
1-Faden-Technike)
Umgreifen der Nadel auf Rückhand und von sich weg stechen
li. Lumen außen – innen
re. Lumen innen – außen
f) letzter Stich
li. Lumen außen – innen
re. Lumen innen – außen
→ 7 Knoten mit dem angeklemmten Faden
1-Faden-Technik doppelt armiert
g) mit 2. Nadel oben beginnen: re. Lumen außen – innen, li. Lumen innen – außen
→ durchziehen und spannen
Vorderwand auf sich zu nähen
h) letzter Stich: re. Lumen außen – innen; li. Lumen innen – außen → durchziehen und spannen
→ mit gespanntem Faden der Hinterwand verknoten
2-Faden-Technik
i) mit neuem Faden oben beginnen: re. Lumen außen – innen, li. Lumen innen – außen
→ zweiten Faden knoten → anklemmen; ersten Faden hinter dem Knoten abschneiden; Vorderwand auf sich zu nähen
j) letzter Stich: re. Lumen außen – innen; li. Lumen innen – außen → durchziehen und spannen
→ 7 Knoten

Einzelknopf-Distanznaht.Anastomose:Darm, VorderwandAnastomose:Darm, Hinterwand

[L257]

Tab. 12.4

a
a) Hinterwanderster Stich – Ecke:
re. Lumen außen – innen, li. Lumen
innen – außen
zweiter Stich – Hinterwand:
re. Lumen innen – außen, li. Lumen
außen – innen
auffädeln usw.
letzter Stich – Ecke:
rechtes Lumen außen – innen, linkes
Lumen innen – außen
→ Hinterwand zusammenführen und knoten

b
b) Vorderwand
erster Stich – Vorderwand:
re. Lumen außen – innen,
li. Lumen innen – außen
auffädeln usw.
letzter Stich – Ecke:
re. Lumen außen – innen, li. Lumen
innen – außen
→ obere Ecke knoten
→ Vorderwand knoten
→ untere Ecke knoten

Zirkuläre Klammernahtanastomose, zirkuläreKlammernahtanastomose am Beispiel einer kolorektalen End-zu-End-Anastomose.

[L257]

Tab. 12.5

a
a) Anlegen der Tabaksbeutelnaht per Hand oder mit der Wellenschliffzange, Einführen der Gegendruckplatte und Knoten der Naht.

b
b) Einführen des zirkulären Klammernahtgeräts per anal. Der Dorn wird möglichst mittig in der Klammernahtreihe angefahren (1), um schlecht durchblutete spitze Winkel zu vermeiden (2). Die Anastomose kann sowohl im zuführenden Schenkel als auch im distalen Schenkel zur Seite angelegt werden.

c
c) Konnektieren der Gegendruckplatte mit dem Stapler und auf gewünschte Klammerhöhe zurückdrehen; 15 Sekunden warten, dann abschießen. Vor Entnahme zwei halbe Drehungen öffnen. Klammerhöhen:
2,5 mm
2,0 mm
1,5 mm
1,0 mm

d
d) Ringe auf Vollständigkeit prüfen und zur Histologie (Karzinom) geben. Prüfen der Anastomose erfolgt mit Methylenblaulösung bzw. mit Luft

Grundlagen der chirurgischen Naht

Peter M. Markus

  • 12.1

    Die Anatomie der Darmwand166

  • 12.2

    Die Anastomosenheilung167

  • 12.3

    Der Faden168

  • 12.4

    Klammernaht168

  • 12.5

    Nahttechnik170

  • 12.6

    Anastomosenformen172

Die Anastomisierung im Naht\t \"Siehe auch AnastomoseGastrointestinalbereich stellt den zentralen und für den postoperativen Verlauf wohl elementarsten Schritt der Operation dar. Die Sorgfalt des Chirurgen hinsichtlich der Vorbereitung der zu anastomosierenden Enden, die korrekte Handhabung des Materials und die Wahl der richtigen Technik sind neben einer perfektionierten Ausführung die Einflussgrößen, die ein guter Chirurg selbst bestimmen kann. Andere Parameter wie der Ernährungszustand des Patienten, Kortisontherapie etc. haben ebenfalls Einfluss auf die Heilung der Anastomose und müssen vom Chirurgen in seine Entscheidung mit einbezogen werden. Das Kapitel soll die Grundlagen der gastrointestinalen Nahttechnik und ihrer notwendigen Hilfsmittel beschreiben. Die einschlägigen Operationslehren demonstrieren eine Vielzahl verschiedener Nahttechniken. Im Rahmen eines Buchkapitels ist es unmöglich, alle Techniken zu würdigen. Deshalb wird hier die in der Viszeralchirurgie am weitesten verbreitete Nahttechnik – die einreihige fortlaufende Naht – vorgestellt. Es sei ausdrücklich betont, dass diese Ausführungen nicht den Anspruch erheben, die einzig richtige Nahttechnik darzustellen. Sie sind Ausdruck einer weitverbreiteten Schule, die sich auf eine breite Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse stützt und eine langjährige persönliche Erfahrung im Operationssaal wie auch in der Vermittlung und Auswertung aus unserem Nahtkurs für gastrointestinale Chirurgie widerspiegelt.Naht:chirurgische, Grundlagen\"\r\"Naht

Die Anatomie der Darmwand

Die Darmwand des menschlichen gastrointestinalen Trakts besteht in der Regel aus vier Schichten. (Abb. 12.1)
Schichten der Darmwand
Von außen nach innen:Darmwand:Schichten
Tunica serosaTunica serosaDie äußerste Schicht des Darms besteht aus einer dünnen Bindegewebsschicht (Tela subserosa), die wiederum von einem Plattenepithel bedeckt ist.
Tunica muscularisTunica muscularisDie zwei Muskelschichten verlaufen zirkulär bzw. longitudinal, sind reich an Kollagen und bilden ein gutes Nahtlager.
Tela submucosaTela submucosaDiese Schicht ist reich an Gefäßen. Der hohe Kollagenanteil ist für die frühe Stabilität der Anastomose in den ersten zwei Wochen der Naht verantwortlich.
Tunica mucosaTunica mucosaAuf der dünnen Muskelschicht der Lamina muscularis mucosae sitzt die Schleimhaut mit einem in der Regel einschichtigen Epithel.
Besonderheiten des Kolons
Der Wandaufbau des Dickdarms ist zwar dem des Dünndarms ähnlich, dennoch gilt die Anastomose am Dickdarm als „risikoreicher“. Gründe für die unterschiedliche Heilungstendenz liegen in folgenden Faktoren begründet:Kolonchirurgie:AnastomoseDarmwand:Anastomose
Insgesamt enthält das Kolon weniger Kollagen, aber deutlich mehr Kollagenase. Die Kollateralzirkulation ist im Vergleich zum Dünndarm deutlich geringer. Die Durchblutung des Kolons ist über große segmentale Äste der Aa. mesenterica superior und inferior gewährleistet, die Verzweigung der kleinen Gefäße ist im Dünndarm aber wesentlich zahlreicher als im Dickdarm. Deshalb ist vor jeder Kolon- wie auch Rektumanastomose besonderes Augenmerk auf die Durchblutung der Randarkade bzw. der Schleimhaut zu richten.
Eine weitere Belastung für die Darmnaht stellt die hohe Keimbesiedlung des Dickdarms und des Rektums dar. Auch wenn eine präoperative Spülung des Kolons und Rektums nicht zu einer Reduktion der Leckagerate führt (hier liegen randomisierte Studien auch außerhalb des Fast-Track-Konzepts vor), ist die wesentlich höhere Keimbelastung ein Risikofaktor für die Anastomosenheilung. Als anatomische Besonderheit des Kolons ist ferner zu beachten, dass das Colon ascendens und das Colon descendens mit dem Peritoneum parietale verwachsen sind und sekundär retroperitoneal liegen.

Die Anastomosenheilung

Die Anastomosenheilung ist unterteilt in drei Phasen, die abhängig von äußeren und inneren Faktoren in relativ fixierten, sich überlappenden Zeitintervallen abläuft.
Heilungsphasen
Exsudative Phase (Entzündungsphase Tag 1 bis 5)
Zunächst bildet sich ein Ödem, gefolgt von einer Exsudation von Entzündungszellen und Fibrin. Während dieser Phase hat die Anastomose noch keine eigene Festigkeit, sie beruht ausschließlich auf dem eingebrachten Nahtmaterial.Anastomosenheilung:Heilungsphasen
Proliferative Phase (Wundverschluss Tag 5 bis 14)
In dieser Phase sprießen Gefäße und Fibroblasten ein. Mit steigendem Kollagengehalt nimmt die Festigkeit der Naht zu. Die Kollagenase hemmt die Heilung. Sie wird z. B. durch einen Infekt aktiviert.
Regenerative Phase (ab Tag 8 bis Monate)
In dieser Phase organisiert sich die Darmwand mit einer weniger oder mehr ausgeprägten Narbenheilung.
Faktoren, die eine Nahtheilung beeinflussen
Die Anastomosenheilung wird durch viele Faktoren beeinflusst. Die beiden wichtigsten sind eine gute Durchblutung und eine spannungsfreie Naht, die wiederum Einfluss auf die Durchblutung hat. Die Skelettierung der zu anastomisierenden Nahtenden soll 1,0 bis 1,5 cm nicht überschreiten. Besonders am Dickdarm kann eine sichtbare Blutung aus der Randarkade vor Ligatur ein wichtiger und verlässlicher Nachweis der guten Durchblutung sein. Eine insgesamt atraumatische Behandlung des Darms bei der Naht verhindert Verletzungen besonders der Schleimhaut und minimiert eine intramurale Hämatombildung. Eine mechanische Reinigung der Darmenden mit einem Stielchen ist unsererseits zu empfehlen, der Effekt einer Desinfektionsmittels (z. B. Povidon-Jod-Lösung) ist aber wissenschaftlich nicht gesichert.Anastomosenheilung:Einflussfaktoren
Es gibt weitere Faktoren, die eine Anastomosenheilung beeinflussen und vom Operateur bedacht werden müssen. Hierzu zählen mesenteriale Durchblutungsstörungen, Steroid- oder Zytostatikatherapien, Schock, Sepsis und eine Katabolie. (Tab. 12.1)

Der Faden

Das NahtmaterialFaden\t \"Siehe NahtmaterialNahtmaterial ist immer ein Fremdkörper. Daher ist es sinnvoll, einen möglichst dünnen Faden zu wählen. Es werden prinzipiell monofile (glatt) von polyfilen (gedreht wie ein Tau) Fäden unterschieden. Monofile Fäden alterieren die Darmwand beim Durchziehen und bei der Heilung weniger als polyfile Fäden. Deshalb sollte, wenn möglich, ein monofiler Faden bevorzugt werden. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal liegt in der Resorptionsgeschwindigkeit des Nahtmaterials. Dabei ist weniger die Zeit bis zur kompletten Resorption als der Moment der 50-prozentigen Reißfestigkeit von Bedeutung (Abb. 12.2).
Nichtresorbierbares Nahtmaterial wird in der Regel in der Gefäßchirurgie und bei Problemwunden verwendet. Für die fortlaufende Standardnaht am Dünn- oder Dickdarm wird monofiles, kurzresorbierbares Nahtmaterial der Stärke 4–0 ± 1 verwendet. Eine Einzelknopfnaht wird häufig aus praktischen Gründen mit einem polyfilen Faden durchgeführt, da in diesem Fall 3 bis 4 Knoten ausreichen. Alle den Faden und die Nadel betreffenden Angaben sind auf der Vorderseite der Packung ersichtlich. (Abb. 12.3) Das Naht:Einspannen der NadelEinspannen der Nadel in den Nadelhalter ist inAbb. 12.4 dargestellt.

Klammernaht

Bei der Klammernaht werden durch ein Instrument Titanklammern eingebracht und gebogen, der Darm wird mit einem Schneidemesser durchtrennt bzw. anastomosiert. Bei dieser Technik wird bewusst auf eine schichtgerechte Adaptation der Darmwand verzichtet.Naht:Klammernaht
Folgende verschiedene KlammernahtgeräteKlammernahtgeräte werden häufig verwendet (Tab. 12.2).
Linearer Cutter
Dieses Gerät ist gerade und hat je nach Firma verschiedene Längen. Es setzt zu jeder Seite 2 bis 3 versetzte Klammernahtreihen und schneidet dazwischen.Cutter, linearer
Die linearen Cutter gibt es sowohl für die offene als auch für die endoskopische Chirurgie.
Unterschiedliche Magazinfarben weisen auf eine unterschiedliche Einstellung des Staplers hin. Diese führen wiederum zu einer unterschiedlich starken Biegung der Klammern. Die Wahl des richtigen Magazins bei unterschiedlich dickem Gewebe ist von großer Bedeutung. Während beim Magen mit einem grünen Magazin abgesetzt wird, wird am Dünn- oder Dickdarm in der Regel mit einem blauen, bei Gefäßen mit einem weißen Magazin gearbeitet.
→ Zur Durchtrennung z. B. des Dünn- oder Dickdarms mit gleichzeitigem Verschluss.
Linearer Stapler
Dieses Gerät setzt zwei versetzte Klammernahtreihen zu einer Seite und schneidet daneben. Dies bedeutet, dass eine Seite des Darms offen bleibt.Stapler:linearer
→ Zur Durchtrennung z. B. des Rektums bei der anterioren Rektumresektion.
Zirkulärer Stapler
Nach Konnektieren der Gegendruckplatte wird eine doppelreihige versetzte Klammernahtreihe ausgeführt. Das Gewebe innerhalb des Nahtrings wird abgetrennt, diese Ringe werden auf Vollständigkeit kontrolliert. Ist ein Ring nicht zirkulär erhalten oder zu dünn, ist dieses Hinweis auf eine nicht suffizient angelegte Anastomose.Stapler:zirkulärer
→ Z. B. bei der kolorektalen Anastomose oder Ösophagojejunostomie.

Nahttechnik

Eine Naht:AnastomoseAnastomose:NahttechnikAnastomose kann einreihig, zweireihig oder – eher historisch – auch dreireihig sein. Die einreihige Naht ist die heute am weitesten verbreitete Technik, sie wird von über 60 % der deutschen Chirurgen heute angewendet. Hierunter nimmt die fortlaufende Naht am Magen-Darm-Trakt weiter zu und hat in vielen Kliniken die Einzelknopfnaht als Standard verdrängt. (Daten in Vorbereitung zur Publikation). Eine Anastomose kann Stoß auf Stoß, invertierend oder evertierend genäht werden. Während im 19. Jahrhundert vor allem invertierend genäht wurde, hat sich in den letzten 50 Jahren die Stoß-auf-Stoß-Naht:Stoß-auf-Stoß-TechnikTechnik Anastomose:Stoß-auf-Stoß-Technikdurchgesetzt (Abb. 12.5,Abb. 12.6). Sie zeigt im Vergleich zur invertierenden Naht einen schnelleren Gefäßdurchbau und eine höhere Festigkeit auf Zug.
Einreihige Naht
Naht:einreihigeAnastomose:einreihige NahtVorteile der einreihigen Technik sind ein schnellerer Gefäßdurchbau und eine geringere Stenoserate. Die zweite Nahtreihe führt zu einer stärkeren Entzündungsreaktion mit vermehrtem Granulationsgewebe und gilt deshalb nicht als vorteilhaft. Auch die reine Lumeneinengung der zweireihigen Naht durch die invertierte Anastomose ist beträchtlich. Hierdurch wird die Heilung verzögert und die Infektionsgefahr erhöht sich.
Fortlaufende Naht
Die fortlaufende Naht:fortlaufende/allschichtige/extramuköseAnastomose:fortlaufende NahtNaht kann mit einem (am besten doppelt armierten) Faden oder mit zwei Fäden genäht werden.
Ein monofiler Faden ist zu empfehlen, da er beim Durchziehen durch die Darmwand die geringsten Verletzungen setzt. Bei der Wahl der Fadenstärke ist zu beachten, dass das Fadenmaterial als Fremdkörper einen Reiz auslöst und die Heilung verzögert. Der Assistent muss den Faden immer mit konstanter Spannung möglichst in Ausstichrichtung halten. Der monofile Faden darf nicht mit der Pinzette oder dem Fadenhalter gefasst werden, da er sonst reißen bzw. brechen kann. Der Vorteil der fortlaufenden Naht liegt in der Schnelligkeit und dem geringeren Aufwand an Material. Während es bei einer Einzelknopfnaht bei starker Distension des Darms zu Lücken zwischen den Nähten kommen kann, wird der intraluminale Druck bei fortlaufender Naht gleichmäßig auf die gesamte Zirkumferenz verteilt.
Bei der fortlaufenden extramukösen Stoß-Stoß-Naht (AbbildungenTab. 12.3) wird die prolabierende Mukosa nach Fassen der Serosa durch die Pinzette (linke Hand) mit der Nadel leicht zur Seite geschoben und nur tangential mitgestochen. Dadurch soll erreicht werden, dass sie nicht in die Naht prolabiert.
Damit man immer auf sich zu nähen kann, beginnt man an der von sich entfernten Seite. Dies kann mesenterial, aber auch antimesenterial sein. Viele Chirurgen wenden nach der Hinterwand den Darm. Dies ist jedoch weder notwendig noch immer möglich, sodass in unserer Darstellung darauf verzichtet wird. Als Nahtmaterial wird ein kurz resorbierbarer monofiler Faden der Stärke 4/0 für Dünndarm und Dickdarm empfohlen. Die Anastomose kann mit einem Faden, einem doppelt armierten Faden oder 2 Fäden genäht werden. Der Faden, der in der Anastomose zu liegen kommt, darf nicht mit der Pinzette oder dem Klemmchen angefasst werden, da er sonst reißen kann. Bei einem monofilen Faden ist auf kontinuierliche Spannung zu achten.
Einzelknopfnaht
Natürlich ist jede fortlaufende Naht auch als Naht:EinzelkopfnahtNaht:Einzelknopf(-Distanz)-NahtEinzelknopfnahtAnastomose:EinzelknopfnahtEinzelknopfnaht durchführbar. Sie dauert aber länger und ist aufwendiger. Die Naht bzw. Nahttechnik ist praktisch identisch zu oben. Es wird nach jedem Faden geknotet, bei polyfilen Fäden 3 bis 4 Knoten, bei monofilen Fäden 7 Knoten. Meistens werden Einzelknopfnähte bei schwierigen Anastomosen (z. B. im Rektum oder Gallengang) und bei Distanznähten verwendet. Bei der Einzelknopf-Einzelknopf-DistanznahtDistanznaht (AbbildungenTab. 12.4) werden beide Lumina angenähert (der Abstand ist variabel) und mit Einzelknopfnähten gestochen. Jeder Faden wird mit einem Klemmchen fixiert und, mit Ausnahme der Eckfäden, auf einen Overholt aufgefädelt (geklöppelt). Als Fadenmaterial kommt sowohl eine monofile oder auch polyfile Naht in Betracht.
Generell ist auf eine atraumatische Behandlung des Darms zu achten. Die Mukosa sollte prinzipiell nicht gefasst werden, sondern der Darm möglichst nur an der Serosa gehalten werden. Die Darmenden sollten zur Vermeidung einer Keimverschleppung von sichtbarer Stuhlverschmutzung mit einem Stielchen gesäubert werden. Die Stichabstände sollten konstant ca. 5–7 mm in die Tiefe und 5 ± 1 mm zur Seite gehen. Der Abstand bei der fortlaufenden Naht oder Einzelknopfnaht ist prinzipiell gleich.

Anastomosenformen

Nahtverbindungen
Folgende „Anschlüsse des Darms“ sind möglich:Anastomose:Nahtverbindungen
End-zu-End-AnastomoseBei einer End-zu-End-End-zu-End-AnastomoseAnastomose werden beide Darmlumina End-zu-End aneinandergenäht. Dies gelingt gut bei Lumina, die in ihrer Größe nicht zu sehr differieren. Funktionell ist sie theoretisch die beste Anastomose, da der Inhalt mit den geringsten Turbulenzen weitertransportiert wird.Tab. 12.5 zeigt die Klammernahtanastomose am Beispiel einer kolorektalen End-zu-End-Anastomose. Zu empfehlen ist auch eine Seit-zu-End-Verbindung bzw. beim tiefen Rektum (≤ 4 cm) die Anlage eines Kolonpouches.
End-zu-Seit-AnastomoseBei vielen Nahtverbindungen muss eine End-zu-Seit-Verbindung hergestellt werden, wie z. B. bei der biliodigestiven Anastomose und der Roux-Y-Anastomose. Eine End-zu-Seit-End-zu-Seit-AnastomoseAnastomose ist auch eine gute Option bei erheblicher Lumeninkongruenz, zum Beispiel bei der Ileo-Aszendostomie nach Rechtshemikolektomie.
Seit-zu-Seit-AnastomoseBei der Seit-zu-Seit-Seit-zu-Seit-AnastomoseVerbindung werden die zu anastomosierenden Lumina nebeneinander gelegt und per Handnaht oder mit dem Stapler eine Seit-zu-Seit-Verbindung geschaffen. Sie wird heute bei der Umgehungsanastomose, z. B. bei inoperablen Tumorstenosen, oder auch als Alternative bei komplikativen Verläufen angelegt.
Besonderheiten der Anastomose
In der Speiseröhre sind Anastomose:Ösophagus, BesonderheitenAnastomosen wesentlich problematischer, da einerseits der Serosaüberzug fehlt, andererseits die Durchblutung im Vergleich zum Dünndarm deutlich geringer ist. Ob die Anastomose per Hand oder mit dem Stapler durchgeführt wird, ist hinsichtlich der Insuffizienzrate idem.
Eine weitere schwierige Anastomose stellt die Anastomose:Rektum, BesonderheitenRektumanastomose dar. Sie wird als tiefe Naht überwiegend geklammert. Die Insuffizienzraten variieren in der Literatur. Ob die Radiochemotherapie die Leckagerate erhöht, hierzu gibt es widersprüchliche Studienergebnisse. Viele Autoren verwenden zum Schutz der Anastomose ein protektives Ileostoma. Wenn dies vor Operation bereits geplant wird, ist eine Spülung des Kolons zu empfehlen. Bei der tiefen Rektumanastomose ist unbedingt auf eine gute Durchblutung und Spannungsfreiheit des zuführenden Darmanteils zu achten.

Literatur

[1]

R. Bönninghoff S. Post Anastomosentechniken im Gastrointestinaltrakt Allgemeine und Viszeralchirurgie up to date 3 2008 173 189

[2]

R. Buchin J. Geertruyden Valeur comparé des sutures intestinales en un plan et deux plans: Étude expérimentale et clinique Acta Chir Belg 59 1960 461 469

[3]

K.I. Deen P.J. Smart Prospective evaluation of sutured continous and interrupted single layer colonic anastomoses Eur J Sur 161 1995 751 753

[4]

J.G. Docherty J.R. McGregor M. Akyol G.D. Murray D.J. Galloway Comparision of manually constructed and stapled bowl anastomoses in colorectal surgery Ann Surg 221 1995 176 184

[5]

H.P. Eichfuss Nahttechnik und chirurgisches Nahtmaterial Aktuelle Chirurgie 13 1978 73 84

[6]

E.H. Farthmann Breitner OP Lehre Band 6, Chirurgie des Abdomens, Dünndarm und Dickdarm, digitale Ausgabe 2008 Elsevier Urban und Fischer München, Jena 2008

[7]

F. Harder C. Kull Fortlaufende einreihige Darmanastomose Chirurg 58 1987 269 273

[8]

B. Herzog Mikroangiopathische Studien am Rattendarm zur Prüfung verschiedener Anastomosenarten Helv Chir Acta 38 1971 179 184

[9]

K. Kremer W. Lierse W. Platzer H.W. Schreiber S. Wellers Chirurgische Operationslehre, Band 6 1972 Georg Thieme Verlag Stuttgart – New York

[10]

P.M. Markus O. Horstmann C. Langer U. Markert H. Becker Simulation von Operationstechniken in der Weiterbildung zum Chirurgen Chirurg 73 2002 622 627

[11]

C.B. Neutzling S.A. Lustosa I.M. Proenca E.M. da Silva D. Matos Stapled vs handsewn methods for colorectal anastomosis surgery Cochrane Database Syst Rev 15 2012 2 CD003144

[12]

J.A. Ray N. Doddi D. Regula J.A. Williams A. Melveger Polydioxanone (PDS): a novel monofilament synthetic absorbable suture Surg Gynecol Obstet 153 1981 497 507

[13]

C. Teusch Die einreihige fortlaufende Allschichtnaht am Magen-Darm-Trakt Dissertation, Universität Hamburg, Medizinische Fakultät 2002

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen