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B978-3-437-41169-4.10018-0

10.1016/B978-3-437-41169-4.10018-0

978-3-437-41169-4

Arbeitsbedingte Erkrankungen des Nervensystems

Akute pränarkotische Wirkung von Lösemitteln
NervensystemDie meisten organischen organische LösungsmittelLösungsmittel und ihre Gemische wirken dosisabhängig akut narkotisch auf das Zentralnervensystem.
Klinik
Klinisch imponieren Schwindel, Trunkenheitsgefühl, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit. Ganze Belegschaften führten sich zeitweilig wie betrunken auf. Nach Feierabend besondere Müdigkeit.
Therapie
An der frischen Luft ist die Symptomatik rasch rückläufig.
Komplikationen
Akute Intoxikationssymptome sind bei wiederholtem Auftreten ein Prädiktor (Brückensymptom) für chronische Toxizität.
Enzephalopathie und Polyneuropathie durch Lösemittel und deren Gemische (BK 1317)
Pathogenese
PolyneuropathieEnzephalopathieDas zentrale, periphere und autonome Nervensystem kann durch organische Chemikalien geschädigt werden. Gesicherte neurotoxische Lösungsmittel sind:
  • aliphatische KohlenwasserstoffeKohlenwasserstoffe (vor allem n-Hexan, geringer n-Heptan)

  • Ketone (Methyl-Ethyl-Keton, 2-Hexanon)

  • Alkohole (Methanol, Ethanol, 2-Methoxyethanol)

  • aromatische Kohlenwasserstoffe (Benzol, gering auch Toluol, Xylol, Styrol)

  • chlorierte aliphatische Kohlenwasserstoffe (Monochlormethan, Dichlormethan, 1,1,1-Trichlorethan, Trichlorethen, Tetrachlorethen).

Pathogenetisch muss zwischen physiko-chemischen Wechselwirkungen (Lockerung des Lipidverbandes und der Hydrationshülle, Zellmenbranschwellung) und stoffwechselvermittelten Lösungsmitteleffekten (Störungen der Lipid- und Proteinsynthese) differenziert werden. Dauerschäden resultieren im Wesentlichen infolge Bildung radikalischer Stoffwechselprodukte und peroxidativer Zellschädigung.
Exposition
Abbeizen, Versiegeln, großflächiges Aufbringen von Klebstoffen und Lacken, großflächiges Auftragen von Polyesterharzen. Besondere Risikoberufe sind Bodenleger, Parkettleger, Handlaminierer, teilweise Tankreiniger, Säurebaumonteure.
Klinik und Diagnostik
Polyneuropathie: symmetrisch-distale, bein- und armbetonte sensible, motorische oder sensomotorische Ausfälle mit strumpf- bzw. handschuhförmiger Verteilung; Einschränkungen des Vibrationsempfindens, des Lagesinns, der Ästhesie, Algesie und Zweipunktdiskrimination.
Enzephalopathie: diffuse Störungen der Hirnfunktion, Konzentrations- und Merkschwäche, Auffassungsschwierigkeiten, Denkstörungen, Persönlichkeitsveränderungen mit Antriebsarmut, Affektstörungen wie Reizbarkeit.
Primärdiagnostik: psychologische Testverfahren (z. B. Fragebögen). hirnorganisches Psychosyndrom (etwas überholte Nomenklatur) äußert sich vielgestaltig.
Toxische Polyneuropathie und Enzephalopathie manifestieren sich typischerweise noch während der Exposition und sind nach Expositionsende meist rückläufig. Eine Erstmanifestation, Persistenz oder sogar Verschlechterung nach Expositionsende schließt jedoch eine Lösemittel-Verursachung nicht aus.
Therapie
Expositionskarenz, -Liponsäure, B-Vitamine, Übungsbehandlung.
Neurotoxische Krankheitsbilder durch andere Noxen
Neurologische Krankheitsbilder können auch durch verschiedene andere gewerbliche Noxen ausgelöst werden:
BleiBlei (BK 1101) kann in Blei- und Zinkhütten, beim Aufbringen und Entfernen bleihaltiger Farben, Bleilöten, in der Herstellung bleihaltiger Glasuren, in der Akkumulatorenfertigung und an vielfältigen anderen Arbeitsplätzen vermehrt inkorporiert werden. Blei hat auch in niedrigen (Umwelt-)Konzentrationen zentral-neurotoxische Wirkungen, die mit sensitiven neurokognitiven Tests erfassbar sind. Die Bleilähmung (Radialislähmung) wird heute nicht mehr beobachtet, sie kommt nur noch in angestaubten Prüfungsfragen vor.
QuecksilberQuecksilber (BK 1102) in anorganischer Form (Holzkonservierung, Haarhutindustrie, Porzellanmalerei) kann zu Erethismus mercurialis (Schreckhaftigkeit), Tremor mercurialis (Zittern) und Psellismus mercurialis (Sprachstörungen) führen. Auch organische Quecksilberverbindungen (Knallquecksilber, Saatbeize, Holzkonservierung) sind zentral und peripher neurotoxisch.
ManganMangan (BK 1105) kann nach mehrjähriger beruflicher Exposition (Gewinnung, Verarbeitung, Elektroschweißen mit manganhaltigen Elektroden) zum Manganismus, einem Parkinson-ähnlichen Krankheitsbild (Hahnentritt, Erhöhung des Muskeltonus, Tremor, Maskengesicht, Mikrographie, Stottern) führen.
ThalliumThallium (BK 1106) mit Expositionsmöglichkeiten in der Erzaufbereitung und im Bleikammerschlamm der Schwefelsäurefabrikation, in der Glas-, Farben- und Pyrotechnik führte früher bei erhöhter Exposition zu polyneuropathischen Veränderungen.
ArsenArsen (BK 1108) mit Expositionen beim Erzverhütten und -rösten, Gerben, Kürschnern ist neurotoxisch. Akut kann es zu Kopfschmerzen, Verwirrtheitszuständen, Krampfanfällen kommen. Chronisch wurden periphere (Poly-)Neuropathien und zentralnervöse Störungen beschrieben.
SchwefelkohlenstoffSchwefelkohlenstoff (BK 1305) mit Expositionsmöglichkeiten in der chemischen Industrie sowie v. a. in der Viskoseindustrie wirkt akut narkotisch. Subakut wurden Kopfschmerzen und Erregungszustände beschrieben, chronisch Sensibilitätsstörungen, Neuritiden und Lähmungen.
MethanolMethanol (BK 1306) kann zu einer Optikusatrophie führen.
Organische Phosphorsäureester, organischerPhosphorsäureester (BK 1307): Organische Phosphorverbindungen, auch Organophosphate genannt, werden weltweit als Insektizide, Fungizide und Herbizide eingesetzt. Durch Hemmung der Cholinesterase treten Zeichen der cholinergen Erregung auf wie Miosis, Akkommodationsstarre, Tremor, Muskelzuckungen und tonisch-klonische Krämpfe.

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