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B978-3-437-41169-4.10014-3

10.1016/B978-3-437-41169-4.10014-3

978-3-437-41169-4

Arbeitsbedingte Erkrankungen des Verdauungstrakts

Lebererkrankungen durch berufliche Einflüsse

Toxische Leberschädigung
VerdauungstraktLeberschädigung, toxischeLebererkrankungenDie Hepatotoxizität der vielen Substanzen, die Leberschäden hervorrufen können, differiert stark von Stoff zu Stoff, auch innerhalb einer Stoffklasse. Eine berufliche oder durch Umwelteinflüsse hervorgerufene Lebererkrankung kann zunächst vermutet werden, wenn andere toxische Einflüsse wie Alkohol oder Medikamente den Leberschaden nicht erklären, andere Ursachen wie Viruserkrankungen u. v. a. ausgeschlossen sind und eine relevante Exposition mit einem der u. g. Stoffe stattgefunden hat.
Klinik
Leberschäden präsentieren sich klinisch mit einem engen Spektrum von Beschwerden und Befunden, durch die sich die beruflichen oder umwelttoxischen Einflüsse weder untereinander unterscheiden noch von anderen Noxen abgrenzen lassen. Allenfalls kann der Typ des Leberschadens (durch klinische Tests oder durch Leberhistologie bestimmt) einen Hinweis auf die Ursache geben.
Pathogenese
Pathologisch erhöhte Transaminasen, intra- und posthepatische Cholestase, Fettleber, Fibrose, Zirrhose, akutes Leberversagen: Diese Zeichen der Leberschädigung können in Abhängigkeit von der Expositionshöhe und dem Zeitverlauf durch alle u. g. Noxen hervorgerufen werden. Akute akzidentelle (wie suizidale) Vergiftungen verursachen Leberzellnekrosen, die zum akuten Leberversagen führen oder folgenlos ausheilen können. Spätschäden nach akuten Vergiftungen sind selten. Die häufigeren, durch chronische Expositionen hervorgerufenen Leberzellschäden, können alle Stadien von der reversiblen Enzymerhöhung bis zur Zirrhose durchlaufen.
Schädigende Substanzen
TetrachlormethanTetrachlormethan (Tetrachlorkohlenstoff) wird zur Lösung fetter Öle und Harze verwendet. Es wirkt stark hepatotoxisch. Akzidentelle inhalative Aufnahme von wenigen Millilitern in schlecht ventilierten Räumen kann bereits LeberzellnekroseLeberzellnekrosen verursachen. Akute Vergiftungen gehen mit einer erheblichen Mortalität einher, die zu großen Teilen durch akutes Leberversagen bestimmt ist. Die rasche Verabreichung von Prostacyclin (Prostaglandin I2) gilt als wirksam. Ähnlich hepatotoxisch ist TetrachlorethanTetrachlorethan.
Durch TrichlormethanTrichlormethan (ChloroformChloroform), welches früher als Narkosegas beim Menschen verwendet wurde, trat vereinzelt ein Leberversagen auf. Es wird heute noch zur Betäubung von Versuchstieren angewandt. Trichlorethan hat eine ähnliche hepatotoxische Wirkung wie Chloroform.
Trichlorethen (Tri) wurde als Humankanzerogen eingestuft (Niere) und wird daher nur noch in geringem Umfang verwendet. Die Lebertoxizität beruflicher Exposition ist gering, bei Gebrauch als Droge kommen schwere Leberschäden vor.
TetrachlorethenTetrachlorethen (Per) ist einer der am wenigsten hepatotoxischen Chlorkohlenwasserstoffe, der v. a. in chemischen Reinigungen Anwendung findet.
Dimethylformamid (DMF), ein Lösemittel mit breitem industriellem Einsatz, ist ebenfalls hepatotoxisch.
NitroparaffineNitroparaffine (Nitromethan, Nitroethan, 1-Nitropropan, 2-Nitropropan) werden häufig in industriellen Prozessen verwendet, meist in Lösungsmittelgemischen, was die Beurteilung der Einzelsubstanzen erschwert. Nach unfallartigen Expositionen mit 2-Nitropropan wurden Fälle von schwerem akutem Leberschaden berichtet. Auch bei Toluol sind – im Gegensatz zur missbräuchlichen Verwendung als Droge – unter beruflichen Bedingungen keine wesentlichen Leberschäden zu erwarten.
Chlorierte NaphthalineNaphthaline und NitroaromatenNitroaromaten (z. B. Trinitrotoluol TNT) haben zwar hepatotoxische Wirkungen, Berichte über Vergiftungen sind aber nach dem 2. Weltkrieg selten geworden.
KupferKupfer spielte bei Weinbauern in der Vergangenheit als Fungizid eine Rolle. Personen, die kupferhaltige Lösungen versprühten, wiesen von erhöhter alkalischer Phosphatase im Serum über Lebergranulome bis zur Leberzirrhose verschiedene Stadien von Leberschäden auf.
Während ArsenArsen in Deutschland als Pestizid v. a. im Weinbau bereits vor über 50 Jahren verboten wurde, bekam es jüngst neue Aktualität in West Bengal, Indien und Bangladesh, wo Trinkwasser neuerdings aus tieferen Erdschichten gefördert wird. Es enthält dadurch hohe Arsen-Konzentrationen, was die Erkrankung von Hunderttausenden von Menschen zur Folge hatte. Arsen bewirkt Leberverfettung, -fibrose, -zirrhose, portale Hypertension ohne Zirrhose, Angiosarkome und hepatozelluläre Karzinome. Fleckige Hyperpigmentierung der Haut und Hyperkeratosen von Handflächen und Fußsohlen sind typisch. Eine gesicherte Therapie existiert nicht.
Leberschäden durch BerylliumBeryllium, PhosphorPhosphor, CadmiumCadmium, ChromChrom oder durch SelenSelen, ein essenzielles Spurenelement, sind zwar in der Vergangenheit beschrieben worden, spielen aber gegenwärtig in Deutschland kaum eine praktische Rolle.
InsektizideInsektizide, FungizideFungizide und HerbizideHerbizide wie DDT, Methoxychlor (DMDT), Chlordan, Heptachlor, Aldrin, Dieldrin oder Lindan stehen im Verdacht, hepatotoxisch zu sein. Dies ist jedoch umstritten, so dass nur in Einzelfällen mit außergewöhnlich hohen Expositionen (also akuten Vergiftungen) ein Zusammenhang mit einem Leberschaden diskutiert werden kann. Perorale Aufnahme von Paraquatdichlorid ruft neben anderen vital bedrohlichen Folgen auch Leberzellnekrosen hervor.
VinylchloridVinylchlorid ruft bei akuter Vergiftung, aber auch durch chronische Exposition Leberschäden bis zu Leberzirrhose hervor. Da Vinylchlorid karzinogen ist und Leberzellkarzinome, vor allem aber Angiosarkome der Leber hervorruft, ist der Gebrauch auf ein Minimum eingeschränkt worden.
Wie oben detaillierter erwähnt, können Vinylchlorid und Arsen unter ungünstigen Expositionsbedingungen portale Hypertension hervorrufen.
Porphyrien
PorphyrieHexachlorbenzol wurde in der Türkei als Saatgutpestizid verwendet, was schwere, häufig tödliche Vergiftungen zur Folge hatte. Dieser Stoff und andere polychlorierte Aromaten hemmen die hepatische Uroporphyrinogen-Decarboxylase und Koproporphyrinogen-Oxidase und rufen dadurch eine Koproporphyrinurie, Uroporphyrinurie und klinisch eine Porphyria cutanea tarda hervor. Unter regelrechten industriellen Bedingungen kommen keine Porphyrien vor. Auch polychlorierte Biphenyle, polychlorierteBiphenyle (PCBPCB) können v. a. durch hohe berufsbedingte Expositionen Porphyrien hervorrufen. Allerdings besteht Besorgnis hinsichtlich beider Substanzgruppen aufgrund der Stabilität in der Umwelt und damit der Gefahr der Kumulation auch bei geringer akuter Belastung.

Beruflich bedingte Erkrankungen anderer Verdauungsorgane

Funktionelle Verdauungsbeschwerden unter VerdauungsorganeSchichtarbeit sind ein häufiger beobachtetes Phänomen. Eine Überhäufigkeit von Ulkuserkrankungen durch Schichtarbeit ist nicht gesichert.
Andere Erkrankungen werden nur als Folge sehr hoher, durch Unfall oder in suizidaler Absicht entstandener Expositionen erreicht. So ist die PankreatitisPankreatitis eine Folge lebensbedrohlicher Unterkühlung, die beruflich bedingt sein kann. Eine akute Gastroenteritis kann infolge einer Thalliumvergiftung oder im Rahmen einer akuten Strahlenkrankheit nach Bestrahlungen mit mehr als 1 Gy Ganzkörperdosis auftreten.

Fragen zu Kapitel 14

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