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B978-3-437-41169-4.10016-7

10.1016/B978-3-437-41169-4.10016-7

978-3-437-41169-4

Arbeitsbedingte Knochenerkrankungen

Osteofluorose
Exposition
OsteofluoroseFluorFluor und FluorwasserstoffFluorwasserstoff sind bei Zimmertemperatur gasförmige hochreaktive Reizgase. Sie werden v. a. für chemische Prozesse, in der chemischen Industrie, in der Glasherstellung verwendet. Flusssäure als wässrige Lösung von Fluorwasserstoff ist ein Ätzmittel. Auch Fluorverbindungen wie Kryolith und Fluorapatit sind medizinisch bedeutsam. Letztere Verbindung enthält auch Phosphor und wird in großem Umfang bei Abbau aus natürlichen Vorkommen freigesetzt und in der Herstellung von phosphorhaltigen Düngemitteln verwendet. Expositionen sind auch bei der Herstellung von Ziegeln und Zement möglich. Um 1985 wurden aus den USA zwei Industrieunfälle, in der Uranherstellung und in einer Erdölraffinerie, mit Austritt von Wolken von Fluorwasserstoff berichtet. Fluorverbindungen werden über den Atemtrakt aufgenommen und in den Knochenerkrankungen:arbeitsbedingteKnochen abgelagert, sofern sie nicht über die Nieren ausgeschieden werden.
Klinik und Diagnostik
Radiologisch imponieren zunächst Verdichtungen von Wirbel- und Beckenknochen, deren Kontur schließlich verwaschen scheint, während die trabekuläre Zeichnung abnimmt. Im Fortschreiten stellt sich die Kortikalis peripherer Knochen verdickt dar, unregelmäßige Verdichtungen betreffen auch Periost, Sehnen- und Muskelansätze. Typisch ist eine Verkalkung des Bandapparats. Radiologisch sind Verwechslungen mit einem M. Paget oder osteoblastischen Metastasen möglich. Weitgehend unabhängig vom radiologischen Bild klagen die Betroffenen oft über vage Gelenkschmerzen und eine Versteifung der Wirbelsäule, die klinisch der Symptomatik einer Spondylitis ankylosans gleichen kann. Neben Vorgeschichte und radiologischen Befunden unterstützt eine erhöhte Ausscheidung von Fluorid im Urin, auch noch Jahre nach Expositionsende, die Diagnose. Expositionen bis zu einer Aufnahme von 5 mg Fluorid pro Tag bzw. einer Ausscheidung von 18 mol/mmol Kreatinin im Urin gelten als ungefährlich. Fluoridhaltiges Trinkwasser führt zu den gleichen Veränderungen wie berufliche Expositionen. Charakteristisch bei Belastung durch Trinkwasser bis zum Abschluss der Zahnentwicklung (ca. 14. Lebensjahr) sind Fleckungen der Zähne.
Arbeitsmedizinische Bedeutung
Die Erkrankung ist selten.
Knochenzysten und Vakuolen
VakuolenKnochenzystenBei einer die Körperkraft fordernden Benutzung handgehaltener vibrierender Werkzeuge kommen vermehrt Knochenzysten und Vakuolen der beanspruchten Knochen vor. Diese müssen nicht unbedingt mit einem vibrationsbedingten vasospastischen Syndrom einhergehen, das unter ähnlichen Expositionsbedingungen auftritt (Kap. 7.1.1).
Gelenkschmerzen und Osteonekrosen nach Überdruck
ÜberdruckOsteonekrosenGelenkschmerzenArbeiten unter erhöhtem Umgebungsdruck und Tauchen kann, je nach Dauer der Exposition und Höhe des Überdrucks zur vermehrten Lösung von Atemgasen, insbesondere Stickstoff, in Blut und Geweben führen.
Klinik
Bei zu rascher Rückkehr in normalen Umgebungsdruck (Dekompression) kann es zur Caisson-Krankheit kommen. Neben einer Reihe harmloser (Taucherflöhe) und z. T. lebensbedrohlicher Komplikationen (z. B. Barotrauma der Lunge mit Einriss von Lungengewebe, arterielle Luftembolien mit insbesondere zerebralen Ausfällen u. a.) sind Schmerzen in verschiedenen Gelenken häufig. Diese bends können alle Gelenke mit einer Synovia, ausgenommen das Kiefergelenk, betreffen. Hinsichtlich Schmerzcharakter, lokalem Gelenkbefund und Anzahl betroffener Gelenke sind viele Variationen möglich. Die Beschwerden treten in der Regel innerhalb 36 h nach Überdruckexposition auf.
Diagnostik
Unabhängig von diesen akuten Beschwerden werden häufig (bei professionellen Tauchern und Überdruckarbeitern mehrere Prozent der untersuchten Personen) Osteonekrosen langer Röhrenknochen, typischerweise in Humerus- und Femurkopf, radiologisch sichtbar. Zwischen Überdruckexposition und Manifestation des Knochenschadens vergehen in der Regel 2–24 Monate.
Komplikationen
Eine subchondrale Lokalisation der Nekrose ist mit der Gefahr des Einbruchs der Gelenkfläche und der klinischen Symptomatik einer Osteoarthrose (Schmerzen, Bewegungseinschränkung) verbunden.
Prävention
Prophylaktische Maßnahmen, die die ossären Komplikationen jedoch nicht vollständig verhindern können, bestehen in der Einhaltung der vorgeschriebenen Dekompressionsregeln.
Kiefernekrosen
KiefernekrosenDie Verwendung von weißem weißer PhosphorPhosphor war ursächlich für viele Fälle von KnochennekroseKnochennekrosen im Unterkiefer, die sich – unterstützt durch schlechte Zahnhygiene – bakteriell infizierten, zu entstellenden Kieferdeformationen und durch Septikämie häufig zum Tod führten. Weißer Phosphor wird heute noch in der Sprengstoffherstellung verwendet. Niedrige Expositionen können zu radiologisch erkennbaren Verdickungen und Verdichtungen des Periosts führen. Die Pathogenese der Knochenveränderungen ist weitgehend unklar. Erkrankungen sind heute sehr selten.

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