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B978-3-437-58621-7.00002-2

10.1016/B978-3-437-58621-7.00002-2

978-3-437-58621-7

Abb. 2.1

[F201-002, L157], nach [37]

Gesundheitliche Wertschöpfung

Abb. 2.2

[F201-002, L157]

Balance von Akut- und Präventivmedizin in verschiedenen Gesellschaften und Kulturen, modifiziert nach Willich [37]; NHK = Naturheilkunde, CAM = Complementary and Alternative Medicine

Abb. 2.3

[F201-002, L157]

Präventive und integrative Medizin in CHAMP

Naturheilverfahren als Präventionsmedizin

Benno Brinkhaus

Stellenwert präventiver naturheilkundlicher Therapiemaßnahmen

Naturheilverfahren:Präventionsmedizin„Viele Erkrankungen haben Ihre Wurzeln im Lebensstil, in sozialen Faktoren und in den Umweltbedingungen und erfolgreiche Gesundheitsförderung ist abhängig von einer bevölkerungsbasierten Präventionsstrategie“ schreibt Geoffrey Rose in seinem Grundlagenwerk zur Präventionsmedizin [1]. Rose weist somit der Prävention und Gesundheitsförderung eine zentrale Rolle im Gesundheitssystem zu.
Die gesundheitspolitische und gesundheitsökonomische Bedeutung von Prävention und Gesundheitsförderung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es wird davon ausgegangen, dass die Intensivierung präventiver und gesundheitsfördernder Maßnahmen, beispielsweise durch angemessene Ernährung und Bewegung sowohl die Entwicklung von Krankheiten verhindern als auch Krankheitsprozesse verlangsamen kann. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass eine optimale Versorgung der Patienten im Sinne einer gesundheitlichen Wertschöpfung nur dann funktionieren kann, wenn Prävention, Akutversorgung und Rehabilitation auf der Basis von Leitlinien bzw. der evidenzbasierten Medizin (EbM) sowie auf einer individuellen Sicht des Patienten (Individualisierung) erfolgt (Abb. 2.1).
Das moderne Konzept der Krankheitsprävention entwickelte sich in der Sozialmedizin des 19. Jahrhunderts. In vielen traditionellen Medizinkulturen spielt die Vorbeugung von Krankheiten schon zum Teil seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle, unter anderem auch in der Chinesischen Medizin (CM) und im Ayurveda. Auch in der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM)Traditionell Europäische Medizin (TEM) basierend auf den Konzepten von Hippokrates und somit auch in der Naturheilkunde hat die Prävention und Gesundheitsförderung eine besondere Bedeutung. Ziel dieser Verfahren war es bereits seit dem Altertum, nicht nur Kranke zu heilen, sondern auch Gesunde nicht erkranken zu lassen. Somit sind und waren alle Therapieverfahren der Naturheilkunde sowohl therapeutisch als auch präventiv einsetzbar.

Definition und Begriffe

Prävention: Definition

Prävention:DefinitionDer Begriff „Krankheitsprävention“ (lat. praevenire = zuvorkommen, verhüten; engl. disease prevention), häufig auch nur Prävention genannt, steht für die Vermeidung des Auftretens von Krankheiten und damit für die Verringerung ihrer Verbreitung und die Verminderung ihrer Auswirkungen auf die Morbidität und Mortalität der Bevölkerung [2]. Risikofaktoren sollen durch Verhaltensänderung und andere Maßnahmen, die eine gesundheitliche Schädigung verhindern, verringert oder wenn möglich ausgeschaltet werden.

Merke

Das Ziel der Prävention ist die Verbesserung der individuellen Lebensqualität, die Verringerung der Krankheitssymptome oder deren Verzögerung bei der Krankheitsentstehung. Die Idee der Prävention basiert primär auf dem pathogenetischen Konzept.

Präventionsmaßnahmen verschiedenster Bereiche haben in vergangenen Jahrzehnten zu erheblichen Verbesserungen des Gesundheitszustands und der Lebenserwartung der Bevölkerung geführt. Hygienische Bedingungen, Schutzimpfungen und Interventionen bei kardiovaskulären Risikofaktoren sind nur einige Beispiele, die zur gesundheitlichen Verbesserung der Bevölkerung in vielen Ländern beigetragen haben. Gemeinsam ist den präventiven Maßnahmen zur Krankheitsverhütung, dass sie versuchen, durch gezielte Aktivitäten das Auftreten von gesundheitlichen Schädigungen zu verhindern, weniger wahrscheinlich zu machen oder zu verzögern [3].

Stadien der Prävention

PräventionDie ursprüngliche Einteilung der Präventionsmaßnahmen richtet sich nach dem Zeitpunkt im Verlauf einer Erkrankung in Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention [4]. Je nach Perspektive können Präventionsmaßnahmen bezogen auf ein und denselben Zustand (z. B. Hypertonie als eigenständige Erkrankung oder Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen) in unterschiedliche Stadien der Prävention zugeordnet werden [5].
Primordiale Prävention
Prävention:primordialeBei der primordialen Prävention handelt es sich im eigentlichen Sinn um Gesundheitsförderung. Die vorbeugenden Aktivitäten der Gesundheitsförderung sollen gesundheitsrelevante Lebensbedingungen und -weisen von Menschen positiv beeinflussen [5]. Im Gegensatz zur Krankheitsprävention stehen nicht bestimmte Risikofaktoren im Vordergrund, sondern es wird der Frage nachgegangen, wie und wo Gesundheit geschaffen und erhalten werden kann [6]. Als Bereiche der Gesundheitsförderung wurden in der Ottawa-Charta 1986 die folgenden fünf Aspekte definiert:
  • Entwicklung einer gesundheitsförderlichen Politik

  • Schaffung gesundheitsförderlicher Lebenswelten

  • Unterstützung gesundheitsförderlicher Gemeinschaftsaktionen

  • Neuorientierung der Gesundheitsdienste

  • Förderung der Entwicklung persönlicher Kompetenzen

Primärprävention
Prävention:PrimärpräventionDie Primärprävention richtet sich an Bevölkerungsgruppen, die aufgrund der Lebensbedingungen oder persönlicher Eigenschaften potenziell gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen ausbilden. Ziel primärpräventiver Aktivitäten ist es, Risikofaktoren für die Ausbildung bestimmter Erkrankungen und Verhaltensweisen zu reduzieren oder zu beseitigen. Eine wichtige Zielgruppe stellen somit Kinder und Jugendliche an Kindergärten, Schulen oder anderen öffentlichen Jugendeinrichtungen dar.
Maßnahmen der Primärprävention lassen sich in eine substanzbezogene Politik, Informationsvermittlung und pädagogische Maßnahmen trennen. Als pädagogische Maßnahmen gelten die Vermittlung und das Training von Fähigkeiten und Fertigkeiten, wie sie vor dem Hintergrund verschiedener Präventionskonzepte zur Lebenskompetenzförderung oder des Standhaftigkeitstrainings angestrebt werden. Hier lassen sich auf das naturheilkundliche Konzept der Ordnungstherapie verorten, falls im gesunden Zustand eingesetzt. Das Konzept der Kneipp-Kindertagesstätten (Kitas) des Kneipp-Bundes e. V. ist ein gutes Beispiel für eine besonders gelungene, im frühen Alter einsetzende Primärprävention. In den Kneipp-Kitas kommen die Kinder im Alter ab 2 Jahren in der Regel noch vor Ausbruch von chronischen Erkrankungen mit den 5 Säulen der Kneipp-Verfahren in Kontakt, insbesondere die Bewegungs-, Ordnungs- und Ernährungstherapie werden neben den Hydrotherapieverfahren regelmäßigen durchgeführt. Es gibt inzwischen mehr als 350 Kneipp-Kitas in Deutschland.
Sekundär- und Tertiärprävention
Zielgruppe der Sekundärprävention Prävention:Sekundärpräventionsind Personen, bei denen erste Krankheitszeichen zu erkennen sind und die somit als gefährdet eingestuft werden müssen. Maßnahmen der Sekundärprävention zielen in erster Linie darauf ab, symptomlose Erkrankungsstadien und frühzeitige Behandlungsoptionen zu erkennen.
Die Tertiärprävention richtet Prävention:Tertiärpräventionsich an bereits erkrankte Personengruppen, mit dem Ziel, das Fortschreiten der Erkrankung sowie Komplikationen und Spätschäden zu verhindern. Ziel ist zudem die möglichst vollständige Wiederherstellung von Funktionsfähigkeit und Lebensqualität. Einen wichtigen Bestandteil der Tertiärprävention stellt die Rehabilitation dar.
Eine interessante Möglichkeit der Sekundär- und Tertiärprävention bieten die vom Kneipp-Bund e. V. unterhaltenen Kneipp-Seniorenwohnheime, die immer größere Verbreitung in Deutschland finden. In diesen Seniorenwohnheimen wenden besonders geschulte Therapeuten und Pflegekräfte die fünf Kneipp-Verfahren an, in erster Linie sind dies Bewegungs-, Ordnungs- und Hydrotherapie. Bei einer ersten Bestandsaufnahme wurde deutlich, dass sowohl die Patienten als auch die betreuenden Personen, in erster Linie die Pflegekräfte von dieser Form der Prävention profitieren.

Strategien der Prävention

Prävention:StrategienNeben der Einteilung in Stadien der Prävention werden Präventionsstrategien nach Art der Zielgruppe unterteilt. Unterschieden werden Strategien, die sich auf die Gesamtbevölkerung beziehen und solche, die nur bestimmte Teilgruppen oder Risikogruppen der Bevölkerung betreffen. Je nach Zielgruppe werden die Maßnahmen folglich einerseits als „Bevölkerungsstrategien“ oder andererseits als „Hochrisikostrategien“ bezeichnet [5].
Zusätzlich zur Definition der Präventionsstrategien nach der jeweiligen Zielgruppe ist eine Unterscheidung von Präventionsstrategien in Maßnahmen der Verhaltens- und der Verhältnisprävention möglich.
  • Die verhältnisbezogenen Maßnahmen (Prävention:V∗erhältnisprävention∗Verhältnisprävention) streben eine Veränderung der Lebensbedingungen an, um dadurch den Gesundheitszustand der Zielpersonen zu verbessern [5].

  • Im Gegensatz dazu versuchen die verhaltensbezogenen Maßnahmen (Prävention:V∗erhaltensprävention∗Verhaltensprävention) nicht durch Umweltbedingungen, sondern durch direkte Einflussnahme auf das individuelle Gesundheitsverhalten eine Verbesserung des Gesundheitszustands zu erreichen.

Präventionskonzepte

Prävention:KonzepteAls Konsequenz der häufig problematischen Umsetzung von Präventionsstrategien wurden verschiedene Konzepte entwickelt.
Lerntheoretische Modelle
  • Dem Konzept des afferenten Erlernens liegt die Annahme zugrunde, dass gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen aufgrund eines geringen Selbstvertrauens, eingeschränkter Entscheidungsfähigkeit und der geringen Ausbildung von Normen entstehen. Der Ansatz stellt die Bedürfnisse der Individuen in den Mittelpunkt und es wird versucht, das Selbstbewusstsein von Betroffenen zu stärken, den Umgang mit Stress und die eigenen Entscheidungsfähigkeiten zu verbessern sowie positive Normen zu vermitteln.

  • Dagegen stellen LebenskompetenzförderprogrammeLebenskompetenzförderprogramme („life-skills-training“ Programme) relativ neue Präventionsprogramme dar, deren Ansatz in den 80er-Jahren in den USA entwickelt wurde. Schwerpunkt ist die Vermittlung lebenspraktischer Verhaltensweisen und nicht die Weitergabe von Informationen zu Einstellungsänderungen. Methoden stellen unter anderem Rollenspiele, Verhaltensübungen in Alltagssituationen, positive Verstärkung und Hausaufgaben dar, um die sozialen und kognitiven Fähigkeiten zu fördern.

  • Darüber hinaus entwickelten sich sektorübergreifende PräventionsprogrammePräventionsprogramme einschließlich (einer oder mehreren) Intervention in Gemeinden und Familien, sog. Community-Interventionen oder reine „Community“-Interventionen ohne eine begleitende Schulkomponente. Die sektorübergreifenden Strategien streben über eine engere Zusammenarbeit zwischen schulischen, lokalen bzw. regionalen und nationalen Einrichtungen an, die Zielgruppen auf mehreren Ebenen ansprechen zu können [7].

Gesundheitsförderung
Das zentrale Konzept der Gesundheitsförderung wurde bereits von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Rahmen der Ersten Internationalen Konferenz in Ottawa 1986 entwickelt und in der sog. Ottawa-Charta zusammengefasst [8]. Dieses grundlegende Konzept umfasst neben einer umfassenden Definition von Gesundheitsförderung Strategien für ein aktives gesundheitsförderndes Handeln, sowohl durch die verantwortliche Gesundheitspolitik, die Schaffung gesundheitsfördernder Lebenswelten, die Unterstützung gesundheitsbezogener Gemeinschaftsaktionen und die Entwicklung einer persönlichen Kompetenz jedes Menschen.
Salutogenese
SalutogeneseBasis dieses Konzepts ist zum einen das biopsychosoziale Konzept von Gesundheit und das Gesundheitsverständnis der Salutogenese des Medizinsoziologen Aaron Antonovsky, AaronAntonovsky (1923–1994).

Merke

Salutogenese ist im Gegensatz zu Pathogenese eine Bezeichnung für den individuellen Entwicklungsprozess von Gesundheit, der sich als zeitbezogenes Ergebnis vorwiegend personaler Lern- und Reifungsprozesse, genetischer Ausstattung, physiologischen Verhaltens und soziobiologischer Umweltfaktoren darstellt [9]. Zentrale Merkmale dieses Konzepts ist das Kohärenzgefühl (sense of coherence), die Persönlichkeitseigenschaften bzw. das ent-sprechende Verhalten des Individuums mit Belastungen des Lebens erfolgreich und kreativ umzugehen.

Das KohärenzgefühlKohärenz ist eine Grundorientierung, die ausdrückt, in welchem Ausmaß eine Person ein umfassendes, dauerhaftes und gleichzeitig dynamisches Gefühl des Vertrauens hat. Dieses Kohärenzgefühl begründet sich auf den folgenden drei Komponenten:
  • Ausmaß, in welchem Ereignisse im Leben strukturiert, vorhergesehen und interpretiert werden können (comprehensibility)

  • Ausmaß, in welchem die geeigneten Ressourcen verfügbar sind, um auf wichtige Ereignisse im Leben entsprechenden reagieren zu können (manageability)

  • Ausmaß, in welchem die Sinnhaftigkeit des eigenen Erlebens von Ereignissen erfasst werden können (meaningfulness)

Somit kommt dem Begriff der „Sinnfindung“ bzw. „Sinngebung des Lebens“, d. h. der zentralen Ressource einer Persönlichkeit ggf. nach Einbindung in einen philosophischen, kulturellen bzw. spirituellen Kontext, eine wichtige Bedeutung zu.
Zentrale Frage der salutogenetischen Konzeption ist, wie Gesundheit entwickelt bzw. erhalten werden kann und nicht, welche Ursachen Krankheiten haben. Mit dem Konzept der Salutogenese verbunden ist somit eine grundlegende Veränderung der Perspektive in den Gesundheitswissenschaften [10], der auch als Paradigmenwechsel dargestellt wird: Von der Pathogenese von Erkrankungen hin zur Salutogenese, d. h. zur Untersuchung und Förderung von gesundheitsfördernden Bedingungen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im modernen Verständnis der Begriffe „Prävention“ und „Gesundheitsförderung“ wider, die sich optimalerweise ergänzen.

Geschichte der naturheilkundlichen Prävention

Prävention:naturheilkundlichenaturheilkundliche Prävention:GeschichteDie Prävention ist vermutlich genauso so alt wie die Behandlung von Erkrankungen. Aus diesem Grund finden wir in allen uns heute noch bekannten medizinischen Traditionen Verfahren zur Vorbeugung von Erkrankungen.

Traditionelle außereuropäische Medizin

In der Chinesischen Medizin werden beispielsweise die Ernährungstherapie und die Entspannungs- und Bewegungsverfahren „Tai-Chi“ besonders häufig präventiv eingesetzt. Grundlage für den Einsatz dieser Verfahren sind ein frühzeitiger Arztbesuch, nicht erst bei dem Auftreten von Symptomen und darüber hinaus eine Diagnose der Konstitution nach den Kriterien der Chinesischen Medizin, die Schwächen in der Energetik des Patienten frühzeitig erkennbar macht. In diesem Zusammenhang kommt auch der Ayurvedischen Medizin besondere Bedeutung zu, da auch hier nach den Kriterien dieser Medizinform häufig Schwächen in der Konstitution von Menschen bestimmt und behandelt wird.

Traditionelle europäische Medizin

Auch in der traditionellen europäischen Medizin, die ihre Grundlagen in der antiken Medizin (Bsp. Kos und Rom) hat, finden sich Hinweise auf präventive Maßnahmen (Abb. 2.2). Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die unter anderem die von der Zellularpathologie Rudolph Virchows und der Infektionslehre Robert Kochs ausgehende „Schulmedizin“ die Grundlage der aktuellen konventionellen Medizin, deren Schwerpunkt in der Akutmedizin liegt unter Vernachlässigung von präventiven Strategien. Diese Entwicklung hat seit Mitte des letzten Jahrhunderts zu einer steigenden Inanspruchnahme von Naturheilverfahren und Komplementärmedizin geführt, die parallel zur Schulmedizin und v. a. auch im präventiven Bereich eingesetzt werden.
In diesem Kapitel kann nur exemplarisch auf einige wichtige Vertreter der antiken Medizin bzw. der Naturheilkunde eingegangen werden, die sich mit präventivmedizinischen Verfahren beschäftigt haben.
In den Schriften des Hippokrates von KosHippokrates von Kos (um 460–370 v. Chr.) kommt dem Begriff „DiaitaDiaita“, wörtlich übersetzt mit „über die Diät“ eine besondere Bedeutung zu: Der Begriff der „Diaita“ war bei Hippokrates sehr weit gespannt [11]. Er umfasste nicht nur die Ernährung durch bestimmte Speisen und Getränke, sondern auch die Behandlung durch Hydrotherapie und Bewegungstherapie, und auch durch ausleitende Verfahren (z. B. Erbrechen stimulieren). In diesem Sinne wurde Diät nicht nur zur Behandlung von Erkrankungen, sondern auch präventiv von Gesunden angewandt. Als Grundlage des Lehrbuchs zur Diätetik finden wir bei Hippokrates die Darstellung der menschlichen Konstitution, die durch die ausgewogene Mischung der grundlegenden Elemente bedingt ist. Grundlage für das Krankheitsverständnis war die HumoralpathologieHumoralpathologie, die Erklärung physiologischer Körpervorgänge des Menschen durch die antike (Vier-)Säftelehre, die durch Galenos von Pergamon (129–199) festgeschrieben und weiter entwickelt wurde.
Phillipus Theophrastus Aurolus Bombastus von Hohenheim (1493–1542), auch Paracelsus genannt, hingegen lehnte die wichtigsten Grundlagen der galenischen Lehre ab und entwickelte neue Krankheitskonzepte [12]. Nach seiner Überzeugung war die Natur zentraler Bestandteil von allem und die oberste Pflicht des Heilers sei es, diese zu erkennen und der Natur zu dienen [12]. Aus der Naturbetrachtung bzw. philosophischen Interpretation der Naturbeobachtungen entwickelte er seine medizinische Lehre, die auf den chemischen Substanzen z. B. Salz, Schwefel und Quecksilber basierte. Therapiert wurde auf der Basis der Signaturlehre, d. h. aus der Form und Gestalt der Dinge wurde auf die therapeutische Wirkung geschlossen. Wichtig im Sinne der Prävention war das naturnahe Leben.
Christoph Wilhelm HufelandHufeland, Christoph Wilhelm (1762–1842), Professor an der Charité, schuf mit seinem Werk Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern (1796) ein Grundlagenwerk der präventiven Medizin. Auch Hufeland verstand sich als „Naturarzt“ – „der Naturarzt ist und will nichts anderes sein als Diener, Dolmetscher, Priester der Natur. Er will gar nichts selbst sein, sondern nur das Organ der Natur, durch das sie spricht und durch das sie handelt“ [13]. In seinem Buch Makrobiotik ist die Bewahrung von Lebensenergien zentrales Thema. Er formulierte vier Elemente der Lebensverlängerung: Lebenskraft, Konstitution und Funktion der Organe, Verminderung oder Mäßigung der Lebenskonsumption, Regeneration bzw. Erholung der Lebensgrundlagen [14]. Hufeland postulierte praxisnahe Methoden der Lebensverlängerung, die sich mit naturheilkundlichen Verfahren aus dem Bereich der Ordnungs-, Ernährungs- und Bewegungstherapie decken.
Der katholische Pfarrer Sebastian KneippKneipp, Sebastian (1821–1897), begnadeter Laie der Medizin, veröffentlichte 1886 das Buch Meine Wasserkur und 1888 So sollt Ihr Leben, beide Bücher erreichten innerhalb weniger Jahre eine Vielzahl von Auflagen. Die therapeutischen Vorschläge von Kneipp, die dieser in der Regel an sich selbst oder an Patienten ausprobierte, und häufig in der Volksmedizin wurzelten, sind auch als Anleitung zur Selbsthilfe zu verstehen [15].
Der Schweizer Arzt Maximilian Bircher-BennerBircher-Benner, Maximilian (1867–1939) ist wichtig für das Verständnis und den Einsatz von Ernährung als präventivem Therapieverfahren der Naturheilkunde. In seinem Werk Grundzüge der Ernährungstherapie auf Grund der Energetik entwickelte er zentrale Ideen und Ansätze zu einer vegetarischen Roh- und Vollkosternährung. Für Bircher-Benner war aber auch der gesunde Lebensstil von herausragender Bedeutung, er prägte den Begriff „Ordnungstherapie“, der zum zentralen Bestandteil der fünf Säulen der Naturheilkunde wurde.
Ausleitende Therapieverfahren sind in vielen traditionellen Therapiekulturen verbreitet. Den Erfahrungsschatz dieser Verfahren fasste der Chirurg, Gynäkologe und Medizinhistoriker Bernhard AschnerAschner, Bernhard (1883–1960) in seinem Werk Lehrbuch der Konstitutionstherapie – Technik der Allgemeinbehandlungsmethoden zusammen. Dieses Buch zielte darauf ab, neben spezifischen Therapieverfahren auch die sog. Allgemeinbehandlungsmethoden zu etablieren: Konstitutionelle Aspekte des Menschen, die sich nach der Lehre der Humoralpathologie im Zustand der Dyskrasie befinden, sollten auch im Sinne der Prävention behandelt werden.

Wichtige präventive naturheilkundliche Verfahren

Bei der Prävention von akuten und chronischen Erkrankungen kommen alle Therapieoptionen zum Einsatz, die in der Praxis häufig kombiniert werden. Zentral für die Präventionsmedizin ist jedoch die Ordnungs-, Ernährung- und Bewegungstherapie.

Ordnungstherapie

naturheilkundliche Prävention:OrdnungstherapieOrdnungstherapie (5.1–5.25.15.1.15.1.25.1.35.1.45.1.55.1.65.25.2.15.2.2) ist die Vorbeugung oder Behandlung von Krankheiten mit Veränderung in Richtung eines gesunden, naturnahen bzw. natürlichen Lebensstils des Patienten. Diese Therapieform setzt voraus, dass der Patient Verantwortung übernimmt für sein Leben und Krankheit und er einen aktiven Beitrag zur Vorbeugung und Überwindung von Krankheit zu leisten bereit ist. Im moderneren Sinne umfasst die Ordnungstherapie alle Bereiche des Lebens – also neben den täglichen Aktivitäten (Schlaf-wach-Rhythmus, Nahrungsaufnahme) auch seine sozialen und kommunikativen Strukturen und Fähigkeiten. Die Ordnungstherapie ist eine Form der Psychoedukation und bildet unter anderem die Grundlage vieler psychotherapeutischer Verfahren (Psychosomatik, Verhaltenstherapie). Ordnungstherapie kann bei nahezu allen chronischen und bei vielen nicht lebensbedrohlichen akuten Erkrankungen eingesetzt werden. In der Prävention ist die Ordnungstherapie im besonderen Maße zur Prävention von Krankheiten (z. B. Adipositas, Hypertonie, KHK) als auch in der Sekundär- und Tertiärprävention einsetzbar.

Hydrotherapie

naturheilkundliche Prävention:HydrotherapieDie Hydrotherapie (6.1–6.26.16.1.16.1.26.1.36.1.46.1.56.26.2.16.2.26.2.36.2.4) hat in der Präventionsmedizin einen wichtigen Platz. Bereits früher wurde von den Experten der Hydrotherapie auf die Bedeutung dieser Verfahren bei der Prävention hingewiesen. Wassertreten, Tautreten und Güsse sind einfach und häufig kostengünstig einsetzbare Verfahren, die eine Stärkung definierter Körperfunktionen (z. B. des Immunsystems, der Gefäßfunktion und Psyche) und somit des Gesamtorganismus zur Folge haben können. In der Präventionsmedizin sind Kaltanwendungen von höherer Bedeutung als Warm-/Heiß- und Wechselanwendungen, da hier ein stärkerer Reiz gesetzt wird.

Merke

Voraussetzung für den Einsatz von Kaltanwendungen in der Prävention sind gut funktionierende Körperfunktionen, die in der Regel bei Gesunden vorhanden sind.

Besondere Bedeutung kommt z. B. der Sauna zu, bei der nach einem Heißluftbad kalt- oder wechselwarme Wasseranwendungen zur Anwendung kommen. Es gibt sowohl Hinweise auf Veränderungen wichtiger Körperfunktionen (z. B. Immunsystem, Gefäßfunktion und Psyche) durch Sauna als auch Hinweise auf die Wirksamkeit zur Prophylaxe von grippalen Infekten.

Ernährungstherapie

naturheilkundliche Prävention:ErnährungstherapieDie Ernährungstherapie (5.8) ist ebenfalls ein zentraler Bestandteil einer naturheilkundlichen Präventionsstrategie. Aus ernährungstherapeutischer Sicht sind möglichst gesunde, wenig verarbeitete, saisonale, regionale Nahrungsmittel von besonderer Bedeutung. Die Nahrung soll fleischarm sein und viele sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine und Ballaststoffe mit einem möglichst hohen Obst, Gemüse und Vollkornproduktanteil enthalten.
Der therapeutische oder präventive Einsatz von Nahrung hat in der europäischen Naturheilkunde eine geringere Bedeutung als in anderen Medizinkulturen (Ayurveda bzw. Chinesische Medizin), in denen Nahrungsmittel gezielt nach bestimmten Kriterien (z. B. Temperatur- und Geschmacksempfindung des Betroffenen) ausgewählt werden. Auch die Essgewohnheiten sind von besonderer Bedeutung für die Gesundheit des Menschen, sowohl was den Rhythmus der Nahrungsaufnahme angeht als auch die Form der Nahrungsaufnahme. So hat die Nahrungsaufnahme im sozialen Kontext eine nicht zu vernachlässigende wichtige soziale und kommunikative Funktion.

Bewegungstherapie

naturheilkundliche Prävention:BewegungstherapieAuch die Bewegungstherapie (5.6) hat eine wichtige Funktion sowohl bei der Sekundär- und Tertiärprävention von Erkrankungen als auch in der Primärprävention. Denn eine maßvolle und dem Individuum angepasste Bewegung hat einen positiven und nachgewiesenen Einfluss auf den Körper und auf die Psyche. Ziel der Bewegungstherapie ist ein Erhalt des funktionstüchtigen Körpers durch wiederholte, zielgerichtete Bewegungen des gesamten Bewegungsapparats. Dabei ist die Auswahl der Bewegungen entscheidend von der Funktion des Körpers und vom Ziel der Bewegung selbst abhängig, diese muss also individuell erfolgen und dem Alter des Patienten angemessen sein. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Bewegung: Regelmäßige und ausdauernde Bewegungen (z. B. Gehen und Schwimmen), kurz andauernde und eher kurzwirksame Bewegungen (z. B. Laufen, Radfahren) sowie eine Kombination von Bewegungs-, Dehnungs- und Entspannungstherapie (z. B. Physiotherapie, Stretching, Yoga, Qigong), passive Bewegung (z. B. Krankengymnastik, Massagen).

Merke

Wichtig ist, unabhängig von der Wahl der Bewegung, dass regelmäßig therapiert wird, am besten in Form einer Kombination von Ausdauertraining, Krafttraining und Koordinationstraining.

Phytotherapie

naturheilkundliche Prävention:PhytotherapieAuch die Phytotherapie (5.5) spielt in der Prävention von Krankheiten eine große Rolle, da pflanzliche Arzneimittel häufig vor Ausbruch oder bei Beginn von Krankheiten eingesetzt werden. Phytotherapeutika sind häufig Teil einer Selbstbehandlung ohne ärztliche Indikation, da viele Patienten über volksmedizinisches Wissen verfügen. Dabei werden die pflanzlichen Arzneimittel meist in Form von Tees, Salben und Zusätzen zu Bädern eingesetzt. Häufig kommen pflanzliche Arzneimittel zur Prophylaxe von folgenden Krankheiten bzw. Befindlichkeitsstörungen zur Anwendung, z. B. Echinacea purpurea zur Infektprophylaxe, Valerianae radix bei Schlafstörungen, Foeniculi fructus und Matricaria recutita bei abdominellen Beschwerden und Hedera helix zur Prophylaxe von Atemwegsinfekten. Pflanzliche Substanzen werden aber auch in anderer Darreichungsform eingesetzt z. B. beispielsweise bei Schlafstörungen als Ganzkörperbäder.

Beispielhafte präventive Naturheilverfahren: Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Grundsätzlich sind Verfahren der präventiven Naturheilkunde zur Primär-, Sekundär- oder Tertiärprävention bei verschiedenen, v. a. chronischen Erkrankungen einsetzbar. Schwerpunkte bei den Indikationen sind beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Atemwege mit dem Schwerpunkt Infekte und COPD, gastrointestinale Erkrankungen, Erkrankungen des atopischen Formenkreises mit dem Schwerpunkt Allergien, Erkrankungen des Bewegungsapparats, rezidivierende Harnwegsinfekte sowie psychische Erkrankungen. Eine besondere Herausforderung ist die Prävention von onkologischen Erkrankungen.

Stellenwert der Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, „cardiovascular diseases“ (CVD), zu denen im Allgemeinen sämtliche Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zählen, sind immer noch die häufigste Todesursache der Industrienationen. Die wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind seit Längerem bekannt: z. B. Nikotinabusus, mangelnde körperliche Aktivität, Hypercholesterinämie und -lipidämie mit Übergewicht und Adipositas, arterielle Hypertonie, diabetische Stoffwechsellage, die einhergeht mit psychosozialen Faktoren (Stress, Depression, soziale Isolation).

Maßnahmen der Prävention

Vermeidung von Risikofaktoren
Zur Vermeidung von Risikofaktoren stehen bei der Primärprävention v. a. die Lebensstilveränderungen im Zentrum der Maßnahmen. Wichtig sind ggf. eine Raucherentwöhnung, die Normalisierung des Blutdrucks und der Blutglukosewerte, der Lipid- und Cholesterinwerte und eine Reduktion des Körpergewichts bei Adipositas verbunden mit der Reduktion der psychosozialen Faktoren. Darüber hinaus wird empfohlen, psychosoziale Angebote wie psychoedukative Interventionen zum Stressmanagement, Entspannungstherapie oder individuelle Beratungen routinemäßig in die kardiale Rehabilitation einzubeziehen. Die Wirksamkeit von Therapieverfahren der modifizierten Form der Ordnungstherapie, der Mind-Body-Medizin bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen konnte bereits Anfang der 90er-Jahre erstmals belegt werden [16]. Seitdem gibt es Übersichtsarbeiten, die auf eine Wirksamkeit von Verfahren der Mind-Body-Medizin hinweisen [17].
Ernährungstherapie
Die Bedeutung der Ernährung für die kardiovaskuläre Gesundheit wurde in epidemiologischen Studien vielfältig untersucht und für zahlreiche Ernährungsbestandteile wurden Zusammenhänge mit der kardiovaskulären Gesundheit bzw. kardiovaskulären Risikofaktoren beschrieben.

Studien

  • In der Interstroke-Fall-Kontrollstudie in 22 Ländern zeigte sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Ernährungsverhalten und zerebrovaskulären Ereignissen [18].

  • Die Ergebnisse der Interheartstudie bestätigten den bereits zuvor dokumentierten positiven Effekt von Obst- und Gemüseverzehr auf das Herzinfarktrisiko [19].

  • Die Autoren einer Metaanalyse fanden eindeutige Hinweise für einen kausalen Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und einem verminderten Risiko der Erkrankung an KHK [20]. In randomisiert-kontrollierten Studien konnte hingegen lediglich bei der mediterranen Diät ein kardioprotektiver Effekt in der Sekundärprävention nachgewiesen werden. Aufgrund der besonderen Bedeutung ausgewählter Ernährungsfaktoren konzentriert sich die WHO in ihren Empfehlungen zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen auf folgende Nahrungsbestandteile [21]: Fettsäuren (gesättigte, ungesättigte, Omega-3- und Transfettsäuren sowie Cholesterin), Obst und Gemüse, Salz, Alkohol.

Bewegungstherapie
Zahlreiche Studien belegen, dass unabhängig von Geschlecht, Alter und anderen Risikofaktoren die regelmäßige körperliche Aktivität mit der Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse sowie kardiovaskulärer und Gesamtmortalität einhergeht [22]. Eine Zunahme an Umfang und Intensität der körperlichen Aktivität ist mit einer Zunahme der positiven Gesundheitseffekte verbunden, positive Effekte bestehen bereits bei einer geringen bis moderaten Dosierung. Wie in der Primärprävention sind gesteigerte körperliche Aktivität und Fitness auch bei Patienten mit kardiovaskulärer Erkrankung mit einer erheblichen Risikoreduktion verbunden. Deshalb ist körperliches Training ein zentraler Bestandteil der Sekundärprävention und kardialen Rehabilitation (Tertiärprävention) [23, 24].
Phytotherapie
Auch die Phytotherapie kann in Form von pflanzlichen Lipidsenkern z. B. zur Primär- oder Sekundärprävention der Hypercholesterinämie eingesetzt werden. Geeignet sind die tägliche Einnahme von Pulver aus Knoblauchzwiebeln (Allii sativa), Artischockenblätterextrakt (Cynarae folium) und Flohsamenschalen (Plantaginis ovata semen). Positiv wirkt sich ebenfalls der tägliche Verzehr von mehreren Äpfeln aus.
Hydrotherapie
Hydrotherapeutische Verfahren können ebenfalls zur Anwendung kommen. Allerdings liegen zur Evidenz der Wirksamkeit der Hydrotherapie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen relativ wenige Studien vor: In einer Studie konnte der blutdrucksenkende Effekt der Kneipp-Hydrotherapie von mittlerer Reizstärke bei Hypertonikern mit stabiler KHK gezeigt [25] werden. Eine vorsichtig durchgeführte, individuell angepasste Hydrotherapie bei Patienten mit KHK kann zu einer Verbesserung der kardiovaskulären Durchblutung führen. Es empfehlen sich z. B. serielle ansteigende Arm- oder Fußbäder oder ein Wechsel-Knieguss.

Cave

Kontraindiziert sind Halb- oder Vollbäder bei Patienten mit akuten kardialen Problemen, v. a. mit Herzinsuffizienz aufgrund der reaktiven Vasokonstriktion und der damit einhergehenden Erhöhung des venösen Rückstroms.

Ansätze zur Optimierung präventiver naturheilkundlicher Maßnahmen

Ziel des Gesundheitscoachings ist die individuelle und nachhaltige Verbesserung des Gesundheitszustands der betroffenen Person durch die Umsetzung gemeinsam erarbeiteter und formulierter Therapieziele.

Partizipative Prozesse und Konzepte

Die Compliance für Lebensstilmodifikation ist bekanntlich gering: Weniger als 30 % verändern ihre Ernährung oder ihr Verhalten mit dem Ziel der Reduktion von Risikofaktoren für das Wiederauftreten der Erkrankung [26].

Merke

Im Gegensatz zum Begriff der Compliance – er sieht die Gründe für Therapieversagen einseitig beim Patienten – beschreibt der Begriff AdherenceAdherence die Einhaltung gemeinsam gesetzter Therapieziele. Im Mittelpunkt steht die partnerschaftliche Beziehung zwischen Patient und Therapeut als therapeutische Allianz. Voraussetzung für eine erfolgreiche Allianz ist eine interaktive Kommunikation zwischen den Beteiligten.

Voraussetzung für präventive Maßnahmen im Bereich der Lebensstilveränderungen oder andere, langfristige therapeutische Maßnahmen ist die Bereitschaft der Patienten, sich auf Veränderungen bzgl. ihres Verhaltens, ihrer Kognitionen sowie ihrer Emotionen einzulassen.
Transtheoretisches Modell
Das transtheoretische Modelltranstheoretisches Modell [27] ist ein Konzept zur Beschreibung, Erklärung, Vorhersage und Beeinflussung intentionaler Verhaltensänderungen. Die Einordnung des Patienten in eine der fünf Phasen des Veränderungsprozesses hilft dem Therapeuten, das Verhalten des Patienten besser zu verstehen und der jeweiligen Stufe angemessene Interventionen in den Coaching-Prozess einzubringen. Dies fördert auch die partnerschaftliche Therapeut-Patient-Beziehung im Sinne der Adherence. Die Stufen des transtheoretischen Modells sind wie folgt konzeptionalisiert:
  • 1.

    Absichtslosigkeit (Precontemplation): kein Problembewusstsein oder keine Absicht, ein problematisches Verhalten zu verändern.

  • 2.

    Absichtsbildung (Contemplation): Der Patient erkennt das Problem und entwickelt die Absicht, das problematische Verhalten irgendwann zu verändern.

  • 3.

    Vorbereitung (Preparation, „Decision Making“): Der Patient plant konkret, das problematische Verhalten zu ändern und ist bereit, Einschränkungen in Kauf zu nehmen.

  • 4.

    Handlung (Action): Der Patient hat mit der Veränderung seines Verhaltens oder seiner Umgebung begonnen, die gewünschte Veränderung jedoch noch nicht erreicht.

  • 5.

    Aufrechterhaltung (Maintenance): Der Patient hat die gewünschte Veränderung erreicht und bemüht sich, diese aufrechtzuerhalten.

Entscheidungsfindung und therapeutische Allianz
Im Gegensatz zu den vornehmlich eingleisigen Modellen der traditionell paternalistischen oder durch Beratung geprägten informativen Therapeut/Patient-Beziehung, stellt die partizipative Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) [28] eine Beziehung dar, die durch duale Kommunikation geprägt ist. Der Therapeut teilt alle ihm zugänglichen Informationen bezüglich der Erkrankung und ihrem Kontext mit dem Patienten und umgekehrt. Bedürfnisse und emotionale Aspekte der Therapie werden explizit angesprochen und in den Prozess der Entscheidungsfindung einbezogen. Auf dieser Grundlage werden Entscheidungen gemeinsam getroffen. Zentral ist die Ausprägung einer partnerschaftlichen Beziehung zwischen Arzt und Patient.
Am Ende der gemeinsamen Entscheidungsfindung für eine Therapie steht die therapeutische Allianz. Sie bezeichnet die Übereinstimmung zwischen Patient und Therapeut hinsichtlich der Ziele und Aufgaben im therapeutischen Prozess. Grundlage ist eine durch Vertrauen, Respekt, Echtheit, Achtung und Empathie gekennzeichnete Beziehung zueinander. Ihre Ausprägung wird v. a. durch die Kapazitäten des Patienten zur Mitarbeit, seiner gefühlsmäßigen Bindung an den Therapeuten und dem empathischen Verständnis und Engagement des Therapeuten bestimmt. Hayes und Kalmakis [29] beschreiben Eigenschaften des Therapeuten, die den therapeutischen Prozess unterstützen.

Outcome einer Präventionsmaßnahme

Wesentlich für das Outcome einer Präventionsmaßnahme oder Therapie [30] sind
  • 1.

    die Übereinstimmung über die Ziele der Therapie,

  • 2.

    die Übereinstimmung über zu bewältigende Aufgaben und

  • 3.

    die therapeutische Beziehung.

Die therapeutische Beziehung ist von Eigenschaften und Selbstverständnis der Partner sowie von Intention und Kommunikationsstil geprägt.
Motivational Interviewing
Motivational InterviewingUm Kommunikation gezielt zur Motivation eines Patienten zu nutzen, entwickelten Miller und Rollnick [31] auf Grundlage des transtheoretischen Modells [27] und der Gesprächstherapie nach Rogers [32] das Motivational Interviewing. Ziel ist der Aufbau intrinsischer Motivation zur Verhaltensänderung, v. a. bei Personen mit geringer oder ambivalenter Änderungsbereitschaft.
Aufgaben des Therapeuten sind das Ausdrücken von Empathie, die Entwicklung einer Diskrepanz zwischen den bedeutsamen Werten des Patienten und seinem gesundheitlichen Risikoverhalten und der offene Umgang mit Widerständen seitens des Patienten. Der Therapeut sollte den Patienten in seinem Veränderungspotenzial bestärken und ihm das Gefühl von Selbstwirksamkeit vermitteln können. Hilfreich sind offene Fragen, aktives Zuhören, das Ausdrücken von Wertschätzung und Würdigung gegenüber dem Patienten, Zusammenfassen von Besprochenem und v. a. das Herausarbeiten einer Eigenmotivation.
Eine gute Übersicht zur klinischen Wirksamkeit von Motivational Interviewing bieten ein systematisches Review mit Metaanalyse von Rubak et al. [33], in dem gezeigt werden konnte, dass die Wirksamkeit von Motivational Interviewing der konventionellen ärztlichen Beratung in verschiedenen klinischen Bereichen überlegen ist.
Kohärenz
KohärenzDie für den therapeutischen Prozess wichtigsten Eigenschaften des Patienten drücken sich im Begriff „Kohärenz“ aus (s. o.) [34]. Diese zentrale Eigenschaft beschreibt, in welchem Ausmaß einer Person Gegebenheiten im Verlauf des Lebens als verstehbar, handhabbar und sinnhaft erscheinen.
Die Ausprägung des Kohärenzgefühls wird durch das im Coaching-Prozess zum Einsatz kommende 7-Phasen-Modell für den diagnostisch-therapeutischen Prozess [35] gefördert. Dieses Vorgehen fördert in hohem Maße die Adherence. Die Phasen des Modells werden im Idealfall der Reihe nach durchlaufen. Bei Nichterreichen bestimmter Ziele innerhalb einer Phase kann zu früheren Phasen zurückgekehrt werden. Die Phasen sind:
  • 1.

    Schaffung günstiger Ausgangsbedingungen hinsichtlich der Arbeitsbeziehung/Therapiesituation

  • 2.

    Aufbau von Änderungsmotivation und vorläufige Auswahlbereiche zur Änderung

  • 3.

    Verhaltensanalyse und funktionales Bedingungsmodell

  • 4.

    Vereinbaren therapeutischer Ziele

  • 5.

    Planung, Auswahl und Durchführung spezieller Methoden

  • 6.

    Evaluation therapeutischer Fortschritte

  • 7.

    Erfolgsoptimierung und Abschluss der Therapie

In der praktischen Umsetzung des Modells finden sich die oben genannten Theorien und Modelle in verschiedenen Phasen wieder. Adherence ist besonders in den Phasen 4 und 5 des Modells von Bedeutung. Die Überprüfung therapeutischer Fortschritte erfolgt unter anderem auch durch regelmäßige Feedbackbefragungen, deren Ergebnisse in die weitere Gestaltung der Therapie einfließen.

Beispiel eines individuellen Gesundheitscoachings

Individuelles Gesundheitscoaching mit dem Schwerpunkt naturheilkundliche und komplementärmedizinische Präventions- und Therapievorschläge findet zurzeit nur in einigen ausgewählten Kliniken, Ambulanzen bzw. Praxen in Deutschland statt. Eine davon ist die 2007 gegründete Hochschulambulanz für Naturheilkunde (CHAMP) am Standort Berlin Mitte – ein Projekt des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Das Konzept soll hier exemplarisch als Beispiel einer erfolgreichen Implementierung in Kurzform dargestellt werden.
Vorgespräch und Erstgespräch
Der Ablauf der Konsultation gestaltet sich wie folgt (Abb. 2.3): Die Patienten bzw. Interessenten an Gesundheitsförderung haben die Möglichkeit, einen Termin für ein unverbindliches ärztliches Vorgespräch von ca. 15 Min. Dauer in der CHAMP-Ambulanz zu vereinbaren. Dieses Gespräch ist ein kurzer Austausch von Arzt und Patient. Hier gewinnt der Arzt einen Einblick in die Situation des Patienten, und der Patient erhält nähere Informationen zu den Angeboten und eigenen Handlungsmöglichkeiten. Gemeinsam werden erste präventive oder therapeutische Ansätze zur Vorgehensweise unter integrativen und naturheilkundlichen Gesichtspunkten besprochen. Der Patient wird je nach Indikation und Bedarf therapeutisch oder präventiv unter anderem mit Verfahren der Naturheilkunde und integrativen Medizin versorgt.
In einem Erstgespräch wird eine ausführliche Erstanamnese und körperliche Untersuchung durchgeführt und ein Therapieplan erstellt.
Gesundheitscoaching
GesundheitscoachingDas Gesundheitscoaching findet am CHAMP im Einzelsetting statt. Entsprechend der jeweiligen Indikation wird das Coaching von einem Arzt, Psychologen oder Gesundheitstrainer durchgeführt. Sollte es der Veränderungsprozess notwendig machen oder der Patient zustimmen, können Partner oder Angehörige einbezogen werden. Das Vorgehen orientiert sich am 7-Phasen-Modell [35], das die Adherence als einen wichtigen Aspekt der Verhaltensänderung beinhaltet.
Anschließend werden, sofern die motivationale Ausgangsbasis es bereits zulässt, Gesundheitsziele im Rahmen der partizipativen Entscheidungsfindung definiert und analysiert. Im weiteren Vorgehen werden Maßnahmen geplant, mit denen der Patient die vereinbarten Ziele erreichen kann. Sowohl Ziele als auch Maßnahmen werden im Kontrakt zwischen Coach und Patient festgehalten. Hilfreich im Coaching-Prozess sind u. a. Techniken wie Brainstorming, Vorteil-/Nachteil-Listen und der Problemlöseansatz [36]. Der gemeinsamen Entscheidung von Patient und Coach für ein bestimmtes Vorgehen zur Erreichung der Ziele schließt sich die konkrete Planung der Umsetzung an. Der Patient „erprobt“ das veränderte Verhalten im Anschluss im Alltag. Folgetermine dienen der Evaluation von Erfolgen bzw. Schwierigkeiten hinsichtlich des veränderten Verhaltens.
Gesundheitstraining
GesundheitstrainingDas Gesundheitstraining in der Gruppe (Kursform) unterstützt das individuelle Gesundheitscoaching. Dabei bietet die Gruppenstruktur den Patienten die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen. In CHAMP werden Kurse zu folgenden Themen angeboten: Gesunde Ernährung, Gewichtsreduktion, Stressbewältigung, Rauchentwöhnung, Qigong, Yoga und Nordic Walking. Gesundheitstraining beinhaltet sowohl Psychoedukation zum jeweiligen Thema als auch Techniken zur Veränderung von Verhalten, Denken und Fühlen mit dem Ziel der Prävention von Folgeerkrankungen. Der Erfolg der Kurse wird nach Ende durch Evaluationsbögen überprüft. Das Gesundheitstraining wird entsprechend dem Kursinhalt durch eine Gesundheitsberaterin, Psychologin oder Ärztin unseres Teams durchgeführt.
Bewertung des Konzepts
Jedes erste Beratungsgespräch bzw. Behandlung wird von einem Arzt des Teams aus Allgemeinmedizinern und Internisten geführt. Je nach Indikation besteht bei einem Teil der Patienten der Bedarf nach einer kontinuierlichen ärztlichen Behandlung. Es handelt sich dabei immer um eine zusätzlich zur Routineversorgung und in Absprache mit dem Hausarzt durchgeführte Therapie. Vor dem Gesundheitscoaching erfolgt ein ausführliches ärztliches Assessment zur Festlegung von Diagnose und Therapie. In Abhängigkeit von der Indikation erfolgt die Empfehlung zum Gesundheitscoaching, Ernährungsberatung und/oder Gesundheitstraining. Dabei werden die Informationen über Therapieverlauf und -erfolg vom Coach/Trainer an den behandelnden Arzt weitergegeben und besprochen, ggf. werden im therapeutischen Team neue Behandlungsstrategien entwickelt. CHAMP versteht sich somit als Schnittstelle sowohl zwischen Forschung und Praxis als auch zwischen Patienten, Ärzten und Gesellschaft. Alle CHAMP-Projekte werden wissenschaftlich evaluiert. Mit dem Ziel der Nachhaltigkeit ist es auch ein zentrales Anliegen der Ambulanz, Forschungsergebnisse in Modelle für die Versorgung umzuwandeln. CHAMP-Präventionsprogramme werden auch als „Community-Interventionen“ implementiert und evaluiert. Derzeit werden folgende Aktionen durchgeführt:
  • „10.000 Schritte im Land der Ideen“ (Förderung der Bewegung)

  • „Die Stufen rufen“ (Förderung der Bewegung)

  • Schlaganfallprävention bei Frauen (in Kooperation mit dem Bundesgesundheitsministerium)

Die ersten Ergebnisse der CHAMP-Ambulanz sind zukunftsweisend. Allerdings zeigen die Ergebnisse auch wie schwierig es ist Gesundheitsförderung in den Alltag zu implementieren. Die Ambulanz wurde 2008 im Rahmen des Innovationswettbewerbes „365 Orte im Land der Ideen“ der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ als ausgewählter Ort ausgezeichnet.
Danksagung
Der Autor bedankt sich bei Dr. Miriam Ortiz, Dr. Michael Teut, die primär für die Entwicklung des CHAMP-Konzepts verantwortlich sind, bei PD Dr. Falk Müller-Riemenschneider für die Unterstützung ausgewählter Teile des Kapitels, bei Prof. Stefan N. Willich für Abbildungen und bei Frau Sylvia Binting für die Erstellung der Literaturliste.

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