© 2022 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-58621-7.00008-3

10.1016/B978-3-437-58621-7.00008-3

978-3-437-58621-7

Richtwerte des täglichen Flüssigkeitsbedarfs bei Kindern, modifiziert nach Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE). D-A-C-H-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr Flüssigkeitsbedarf:Kinder2000

Tab. 8.1
Alter Empfohlene Trinkmenge pro Tag Umgerechnet in Gläser (150 ml/Glas)
1–4 Jahre 800 ml etwa 5 Gläser
4–7 Jahre 950 ml etwa 6 Gläser
7–10 Jahre 1000 ml etwa 6,5 Gläser

Schweregrade der Dehydratation

(nach WHO, 2010)

Tab. 8.2
Dehydratation Leicht Mittelschwer Schwer
Gewichtsverlust < 3 % 3–8 % > 9 %
Allgemeinzustand wach, durstig, unruhig sehr unruhig oder schwach somnolent, peripher kalt
Puls normal-frequent frequent-vermindert schwach bis fehlend
Hautturgor Hautfalten verstreichen sofort Hautfalten verstreichen verlangsamt, aber < 2 Sek. stehende Hautfalten > 2 Sek.
Schleimhäute feucht trocken sehr trocken
Fontanelle im Niveau, leicht eingesunken eingesunken sehr eingesunken
Augen im Niveau, leicht eingesunken eingesunken tief eingesunken
Tränen normal vermindert fehlend
Urinproduktion normal Oligurie Oligurie-Anurie

Übersicht über die Abnahme von Organfunktionen zwischen dem 30. und dem 75. Lebensjahr

(Prozentwerte nach Sloane [11])

Tab. 8.3
Organsystem Sinkt um bis zu … Daraus resultierende mögliche Probleme sind unter anderem …
Gehirngewicht 44 % sinkende Gedächtnisleistung
Gehirndurchblutung 20 % geringere Reserve, z. B. bei medizinischen Eingriffen (OP)
Nervenleitungsgeschwindigkeit 10 % Herabsetzung der Reaktionsgeschwindigkeit
Anzahl der Geschmacksknospen 65 % Unlust am Essen („alles schmeckt fade“)
maximaler Pulsschlag 25 % geringere körperliche Leistung
Herzschlagvolumen in Ruhe 30 %
NierenfiltrationsleistungNierendurchblutung 31 %50 % langsamere Ausscheidung von Medikamenten
maximale Sauerstoff-Aufnahme des Blutesmaximale Ventilationsrate 60 %47 % geringere Leistungsreserven z. B. in Höhenlagen
Vitalkapazität 44 % Einschränkung z. B. der OP-Fähigkeit
Mineralgehalt der KnochenFrauenMänner 30 %15 % Osteoporose mit Gefahr pathologischer Frakturen
Muskelmasse 30 % erhöhtes Sturzrisiko; geringere körperliche Leistungskraft, z. B. reduzierte Handmuskelkraft; höhere Verletzungsanfälligkeit der Muskulatur
maximale körperliche Dauerleistung 30 %
Grundstoffwechsel 16 % Übergewicht bei nicht angepasster Ernährung
Gesamtkörperwasser 18 % gehäufte Probleme im Wasserhaushalt; höhere Medikamentenspiegel, häufigere unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Differenzialdiagnose des Verwirrtheitszustands nach Lipowski [9]

Tab. 8.4
Diagnose Delir Demenz
Beginn plötzlich allmählich
Verlauf über 24 h fluktuierend, oft nächtliche Zunahme gleichmäßig, gelegentlich nächtliche Zunahme
Halluzinationen visuell selten
Illusionäre Verkennungen häufig, Suggestibilität selten
Bewusstsein Eingeschränkt, dämmert im Gespräch weg normal
Aufmerksamkeit deutlich eingeschränkt meist normal
kognitive Leistungen sämtlich gestört sämtlich gestört
Psychomotorik wechselnd gesteigert und reduziert, hyper- bzw. hypoaktive Delirform meist normal
Sprache inkohärent, wechselndes Sprachtempo Wortfindungsstörung, Perseverationen, kein „roter“ Faden
unwillkürliche Bewegungen Haltetremor, Asterixis keine
epileptische Anfälle oft vor Beginn der Symptomatik keine
neurologische Herdzeichen Koordinationsstörung selten

A-B-Säulenmodell

Tab. 8.5
A-Säule (während der Akutbehandlung) B-Säule (nach der Akutbehandlung)
kurze Trainingszeit + kurze Pausen lange Trainingszeit/lange Pausen
5 ×/Woche 2–3 ×/Woche
Regeneration 2 Tage 4–5 Tage

Naturheilverfahren bei ausgewählten Patientengruppen

Kinderkrankheiten

Daniel Seng

KinderkrankheitenNaturheilverfahren unterschiedlichster Art erfahren in den letzten Jahren v. a. in der Kinderheilkunde eine gesteigerte Nachfrage. Dieser Nachfrage steht mittlerweile ein kaum mehr überschaubares Angebot sog. alternativer Naturheilverfahren gegenüber, die meist weder fundiert noch überwacht sind. Zum Schutz der Kinder ist daher die Indikation sehr kritisch zu sehen und im Zweifel abzulehnen.

Klassische Naturheilverfahren – die Hydro-, Phyto-, Ordnungs-, Ernährungs- und Bewegungstherapie – sind hingegen anerkannte Verfahren, deren positiven Wirkungen zunehmend auch in der Kinderheilkunde durch placebokontrollierte Studien bestätigt werden.

Bei der Behandlung chronischer Erkrankungen und leichter bis mittelschwerer Infektionen, wie sie bei Kindern sehr häufig vorkommen, sind sie eine effektive, kostengünstige und nebenwirkungsarme Ergänzung zu schulmedizinischen Maßnahmen. Darüber hinaus sind sie ein wichtiger Baustein in der Prophylaxe und tragen zu einer bewussten und nachhaltigen Lebensführung bei.

Ordnungstherapie
Kinderkrankheiten:OrdnungstherapieDie Schulmedizin im Allgemeinen und die Kinderheilkunde im Speziellen haben ihre Diagnostik und Therapien in den letzten Jahrhunderten vor allem an körperlichen Symptomen ausgerichtet. Durch Erkenntnisse vor allem aus der psychosomatischen Medizin, haben die von Pfarrer Kneipp unter Ordnungstherapie zusammengefassten Maßnahmen wieder an Bedeutung gewonnen. Hierunter werden Faktoren, wie ein geregelter Tagesablauf, Rituale, Schlafqualität, positiver Umgang mit Medien, Erziehung oder Umgang mit Stress, subsumiert, die den Kindern Halt und Orientierung geben und somit zu einer gesunden geistigen und körperlichen Entwicklung beitragen. Die praktische Umsetzung wird allerdings durch die gesellschaftlichen Veränderungen zunehmend erschwert, was sich in unterschiedlichen Somatisierungsstörungen widerspiegelt.
Mit modernen ErziehungshilfeprogrammenErziehungshilfeprogrammen wie z. B. Triple-P (= positive parenting program, s. Kasten), Entspannungsverfahren wie autogenes Training, positive Muskelrelaxation nach Jacobsen oder kognitiv-verhaltenstherapeutischen Methoden stehen wissenschaftlich evaluierte Maßnahmen zur Verfügung, die eine positive Lebensführung der Eltern und Kinder signifikant unterstützen können.

Praxistipp

Leitlinien einer positiven Erziehung nach Triple P (www.triplep.de).

  • Erziehung, LeitlinienFür eine sichere und interessante Umgebung sorgen: Kinder brauchen eine sichere und interessante Umgebung, um sich ohne Gefahren und ständige Verbote gut entwickeln zu können.

  • Eine positive und anregende Lernatmosphäre schaffen: Elterliche Unterstützung, Zuwendung und Aufmerksamkeit hilft Kindern, Neues auszuprobieren und sich häufiger angemessen zu verhalten.

  • Sich konsequent verhalten: Wenn Eltern konsequent und vorhersehbar reagieren, lernen Kinder Verantwortung zu übernehmen und entwickeln Selbstkontrolle.

  • Realistische Erwartungen entwickeln: Realistische Erwartungen der Eltern an sich selbst und an ihre Kinder entlasten die Familie und verhindern, dass Eltern sich und ihre Kinder überfordern.

  • Die eigenen Bedürfnisse beachten: Eltern fällt es leichter, geduldig, gesprächsbereit und konsequent auf ihre Kinder zu reagieren, wenn sie auch ihre eigenen Bedürfnisse berücksichtigen. Kompetenzen von Kindern fördern.

Hydro- und Thermotherapie
Kinderkrankheiten:HydrotherapieHydrotherapie:KinderKinder lieben Wasser. Daher eignet sich dieser Überträger thermischer Reize optimal für regelmäßige hydrotherapeutische Anwendungen. Bereits ab einem Alter von 6 Monaten können Kleinkinder spielerisch an die Hydro- und Thermotherapie herangeführt werden. Beginnend mit sanften Reizen werden sie zunächst an die jeweilige Anwendung und danach an steigende thermische Reize gewöhnt. Wie bei Erwachsenen in Studien nachgewiesen, führt die regelmäßige (2–3 ×/Woche) Anwendung eines hydrotherapeutischen Verfahrens nach 3 Monaten zu einer Immunstimulation [1]
Um bei Kindern einen entsprechenden Effekt zu erzielen, sollte wegen der schrittweisen Heranführung eine Maßnahme ritualisiert möglichst einmal täglich in den Alltag integriert werden. Mit Waschungen, Tau-, Schneelaufen, Wassertreten, Güssen, Wechselbädern und Kindersauna gibt es viele Möglichkeiten einer kindgerechten Umsetzung.
Anders als bei Erwachsenen, können auch mehrere Anwendungen pro Tag durchgeführt werden.

Praxistipp

Gemäß Kneipp gilt: Kein kaltes Wasser auf kalte Gliedmaßen geben, nach einem Kaltreiz muss eine aktive Wiedererwärmung erfolgen. Als weiterer Grundsatz kann gelten: Abhärtende Maßnahmen können solange durchgeführt werden, wie Eltern ihre Kinder mit einem milden Infekt noch in den Kindergarten schicken würden.

Zu beachten sind folgende Richtlinien:

  • Beginn ab 6. Lebensmonat

  • regelmäßige Anwendung (mindestens 3 × /Woche)

  • spielerisch heranführen

  • mit sanften Reizen beginnen

  • Anwendungen sollen nie schmerzhaft sein

  • auf warme Füße/Arme vor und nach Anwendung achten

  • Temperatur an jeweilige Verfassung anpassen

  • regelmäßige allgemeine Hautpflege

Phytotherapie
Phytotherapie:KinderKinderkrankheiten:PhytotherapiePhytotherapeutika gewinnen aufgrund ihres Wirkspektrums und ihrer Verträglichkeit in der Kinderheilkunde an Bedeutung und erfreuen sich einer steigenden Nachfrage. Sie werden von Eltern häufig als Sinnbild der sog. sanften Medizin gesehen. Allerdings erfolgt deren Anwendung oft in unreflektierter und teilweise kommerziell beeinflusster Selbstmedikation – nicht zuletzt aufgrund geänderter Verschreibungsmöglichkeiten. Vielfach wird angeführt, dass Phytotherapeutika eine große therapeutische Breite aufweisen würden, nur schwach bis moderat wirksam seien und daher keine nennenswerten Nebenwirkungen besäßen. Doch es gilt zu differenzieren zwischen sog. „natürlichen Arzneimitteln ohne Nebenwirkungen“ und modernen Phytotherapeutika mit hohen pharmakologischen und toxikologischen Ansprüchen.
Bei der Behandlung von Infektionen im Kindesalter sind rationale Phytotherapeutika (5.5.1) integrierter Bestandteil einer Pharmakotherapie. Sie besitzen einen hohen Stellenwert in der Therapie viraler Erkrankungen und stellen gleichzeitig eine sinnvolle Ergänzung antibiotischer Behandlungen dar. Ihre Akzeptanz und Verträglichkeit sind im Kindesalter sehr gut.

Exkurs

Um den gewünschten Wirkstoff aus Pflanzen zu extrahieren, wird meist Ethanol als Extraktionsmittel verwendet. Flüssige Phytopharmaka können somit zwischen 7 und 45 Vol% Ethanol enthalten, was bei der Behandlung von Kindern Bedenken auslösen kann. Die sog. Widmark-Widmark-FormelFormel zur Berechnung des Blutalkoholgehalts zeigt jedoch, dass selbst Therapeutika mit 45 Vol.% Ethanol im therapeutischen Bereich weit unter einer möglichen Toxizität liegen. Das anfallende Ethanol wird durch die Alkoholdehydrogenase so schnell abgebaut, dass es zu keiner Akkumulation kommt. Vorsicht ist allerdings bei Säuglingen bis zum 10. Lebensmonat geboten, da bei ihnen die Alkoholdehydrogenaseaktivität noch nicht ausreichend vorhanden ist [2].

Bewegungstherapie
Kinderkrankheiten:BewegungstherapieKinder haben einen instinktiven Bewegungsdrang. Die gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen führten jedoch zu einer weiter zunehmenden Immobilität. Dabei gehört regelmäßige körperliche Bewegung zu den effektivsten vorbeugenden Maßnahmen. Neben einer Optimierung der Durchblutung kommt es zu einer Stimulation des Abwehrsystems. Kinder sollten daher wetterunabhängig täglich mindestens 30–60 Min. aktiv im Freien verbringen. Die klimatischen Reize wie Wind und Wetter tragen außerdem zur allgemeinen Abhärtung bei. Auf funktionale Kleidung ist zu achten.
Ernährungstherapie
Kinderkrankheiten:ErnährungstherapieEine ausgewogene Ernährung der Kinder, wie sie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen wird, ist die beste Grundlage für ein gesundes Wachstum sowie für eine körperliche und geistige Entwicklung. Davon ausgehend, dass im Kindesalter ein bestimmtes Ess- und Ernährungsverhalten geprägt wird, das sich später oft nur sehr schwer verändern lässt, kommen dem Elternhaus und den Kindertagesstätten eine entscheidende Bedeutung in der Vermittlung einen natürlichen Umgangs mit gesundem Essen zu. Dieser beginnt mit gemeinsamen Mahlzeiten im Kreise der Familie sowie dem spielerischen Einbeziehen der Kinder in die Zubereitung von Speisen. Fast Food und Fertiggerichte sollten nicht verboten – und damit von besonderem Reiz sein – sondern moderat in den Ernährungsplan eingebunden werden.
Nahrungsmittel und Kalorienzufuhr
Kalorienzufuhr:KinderBei der Zusammenstellung einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung hilft das Führen eines Wochenplanes. Er erleichtert das Einkaufen und bringt durch die Planung automatisch Abwechslung und Ausgewogenheit in den Speiseplan.
Eltern machen sich häufig Sorgen, ihr Kind esse zu wenig. Eine Dokumentation und Summierung der zugeführten Kalorien über drei Tage kann hierbei Klarheit schaffen.

Merke

Die benötigte Kalorienzufuhr lässt sich durch folgende einfache Faustformel bestimmen.

  • Kinder bis 10 Jahre 1.000 + Alter × 100

  • Mädchen > 10 Jahre ca. 1.600 kcal./Tag

  • Jungen > 10 Jahre ca. 2.500 kcal./Tag

Trinkmenge
Trinkmenge:KinderEine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist für die Aufrechterhaltung wichtiger Stoffwechsel- und Regulationsprozesse erforderlich. Für den durchschnittlichen Flüssigkeitsbedarf (Tab. 8.1) von Kindern hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) folgende Richtwerte herausgegeben: Bei den 2- bis 9-Jährigen decken etwa fünf bis sechs Gläser Flüssigkeit à 150 ml den täglichen Bedarf an Getränken. Befragungen haben jedoch gezeigt, dass die Hälfte der 6- bis 11-Jährigen nicht genug Flüssigkeit zu sich nimmt [3].
Trinkgewohnheiten lernen Kinder vorwiegend von ihren Eltern. Gute Trinkgewohnheiten in der Familie sind daher sehr hilfreich, allerdings sind viele Eltern aufgrund des großen Angebotes häufig unsicher, was sie ihren Kindern zu trinken geben sollen. Aus Sicht der Ernährungstherapie sind Wasser und ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees für Kinder die besten Durstlöscher. Als Abwechslung können Wasser mit Geschmack oder auch verdünnte Saftschorlen dienen. Milch hingegen ist ein Nahrungsmittel und kein Getränk.
Zur Vorbeugung einer frühkindlichen Karies sollte darauf geachtet werden, dass die Zähne der Kleinkinder nicht ständig mit gesüßten Säften oder Tees umspült werden.

Infektanfälligkeit

Infektanfälligkeit:KinderKleinkinder mit rezidivierenden Infekten stellen eines der häufigsten Probleme in der kinderärztlichen Praxis dar. Neben zahlreichen Arztbesuchen führen die meist viralen Infektionen teilweise zu einer erheblichen Beeinträchtigung und häufigen Fehlzeiten im Kindergarten und in der Schule. Hier sind klassische Naturheilverfahren eine wirkungsvolle Ergänzung zu schulmedizinischen Maßnahmen und können sowohl präventiv als auch therapeutisch zu einer Reduktion der Infekthäufigkeit und -intensität beitragen.
Unter einer Infektanfälligkeit wird im Kleinkindalter das Auftreten von mehr als acht Infektionen pro Jahr verstanden [4]. Die Ursache dieser Häufung ist durch eine partielle Unreife des kindlichen Immunsystems und der altersentsprechenden hohen Keimexposition (z. B. Kinderkrippe, Kindergarten, Geschwister) bedingt [5]. Der alters- und entwicklungsbedingten physiologischen Infektanfälligkeit steht die seltene, aber nicht zu übersehende pathologische Infektanfälligkeit gegenüber. Durch eine gezielte Anamnese, körperliche Untersuchung und eine rationale Diagnostik (s. Kasten) können die häufigsten Immundefekte ausgeschlossen werden [6].

Merke

Anamnese

  • positive Familienanamnese für angeborene Immundefekte

  • acht oder mehr eitrige Otitiden pro Jahr

  • zwei oder mehr schwere Sinusitiden pro Jahr

  • zwei oder mehr Pneumonien innerhalb eines Jahres

  • antibiotische Therapie über zwei oder mehr Monate ohne Effekt

  • Impfkomplikationen bei Lebendimpfungen (insbesondere BCG und Polio nach Sabin)

  • Gedeihstörung im Säuglingsalter mit oder ohne chronische Durchfälle

  • rezidivierende tiefe Haut- oder Organabszesse

  • zwei oder mehr viszerale Infektionen (Meningitis, Osteomyelitis, septische Arthritis, Empyem, Sepsis)

  • Persistierende Candida-Infektionen an Haut oder Schleimhaut jenseits des ersten Lebensjahres

  • chronische Graft-versus-Host-Reaktion (z. B. unklare Erythema bei kleinen Säuglingen)

  • rezidivierende systemische Infektionen mit atypischen Mykobakterien

Diagnostik

Eine rationale Diagnostik bei Infektanfälligkeit umfasst die Bestimmung folgender Laborparameter (weitere Informationen unter www.immundefekt.de).
  • BB, Diff-BB

  • IgA, IgG, IgM, IgE

  • ggf. sekretorisches IgA

  • ggf. IgG-Subklassen 1–4

  • ggf. Impftiterbestimmung (Pertussis, Pneumokokken, Diphterie, Masern)

Ordnungstherapie
Aus Studien im Bereich der Psychoneuroimmunologie geht mittlerweile unbestritten hervor, dass akuter oder chronischer psychischer und körperlicher Stress zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führt [11]. Zur Stressbewältigung sind Entspannungsverfahren wie z. B. autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen einfach umzusetzende und auch im Kindesalter bewährte Methoden. Für die Unterstützung einer positiven Erziehung liegen evidenzbasierte Programme wie z. B. Triple P (Positiv Parenting Program) vor [12].
Hydro- und Thermotherapie
Neben den von der STIKO empfohlenen Impfungen im Kindesalter, welche derzeit die beste Infektprophylaxe darstellen, nehmen klassische Naturheilverfahren in der Prävention eine wichtige Stellung ein. Hierbei ist die Hydrotherapie von besonderer Bedeutung. Die regelmäßige Anwendung hydrotherapeutischer Maßnahmen bewirkt eine Zirkulationsförderung und eine erhöhte Reagibilität kutaner Gefäße, sodass Kaltreize besser toleriert werden. Es kommt zu einer unspezifischen AdaptationAdaptation – auch als Abhärtung bezeichnet [7]. Die Wirksamkeit der Hydro- und Thermotherapie ist durch Studien an Erwachsenen nachgewiesen [8]. Bei Kindern wurden bisher nur wenige Untersuchungen durchgeführt, sodass weitere Studienergebnisse abzuwarten sind.
Kleinkinder können ab einem Alter von sechs Monaten an die Hydro- und Thermotherapie herangeführt werden. Mit Waschungen, Tau-, Schneelaufen, Kneipp-Wassertreten, Güssen, Wechselbädern und Kindersauna gibt es viele kindgerechte Anwendungen.

Praxistipp

Grundregeln

Hydrotherapie:KinderEltern sollten sich eine Maßnahme aussuchen, die einmal täglich in den familiären Tagesablauf eingebunden wird. Auch mehrere Anwendungen pro Tag sind möglich.
  • Die Anwendungen sollen immer angenehm sein.

  • Wassertemperatur der jeweiligen Verfassung anpassen.

  • Bei Kleinkindern (1–5 Jahre) mit sanften Reizen beginnen.

  • Bei Infekt keine Kaltanwendung oder Sauna.

  • Mindestens 1 × tgl. Hautpflege durchführen.

Waschungen

  • Waschungen:KinderZeitpunkt: beliebig; kreislaufstärkende Oberkörperwaschung: morgens im Bett ca. 5–10 Min. vor dem Aufstehen, ausleitende Unterkörperwaschung abends zum Einschlafen.

  • Materialien: Waschhandschuh (bevorzugt aus Leinen) Badethermometer, Schüssel mit temperiertem Wasser.

  • Temperatur zu Beginn: Kleinkind (35 °C), Kinder (25–30 °C) – Schritt für Schritt kälteres Wasser benutzen.

Oberkörperwaschung

  • Beginn am rechten Arm: Vom Handrücken außen mit zügigen Streichungen über den Ellbogen bis zur Schulter und innen am Arm zurück, insgesamt 2 × durchführen.

  • Den linken Arm ebenso abwaschen.

  • Anschließend Rumpf und Hals kreisend abreiben, Ziel ist ein sanfter Wasserfilm auf der Haut! Gleich wieder anziehen, ohne abzutrocknen.

  • Nach Möglichkeit 5–10 Min. ruhen (z. B. Geschichte vorlesen, Tag planen, kuscheln).

Unterkörperwaschung

  • Beginn am rechten Bein: Vom Fußrücken außen über das Knie bis etwas über die Hüfte und innen zurück bis zur Ferse, insgesamt 2 × durchführen.

  • Linkes Bein ebenso abwaschen.

  • Zuletzt beide Fußsohlen waschen.

Knieguss

  • Knieguss:KinderZeitpunkt: beliebig

  • Materialien: Duschbrause/Gießkanne/Becher

  • Bei kleinen Kindern mit klein-flächigen Teilanwendungen (z. B. Fußrücken) beginnen.

  • Durchführung:

    • Kind steht in der Duschwanne. Mit dem Ausatmen beginnend, vom rechten Fußrücken ausgehend außen aufwärts bis etwa handbreit über das Knie gießen, dort kurz verweilen und an der Innenseite langsam abwärts. Insgesamt 2 × durchführen.

    • Anschließend das linke Bein.

    • Zum Abschluss beide Fußsohlen abgießen.

    • Danach Beine und Füße abstreifen, nicht abtrocknen, warme Socken anziehen und durch Bewegung/Spiel für Wiedererwärmung sorgen.

Taulaufen, Schneelaufen, Wassertreten

  • Wassertreten:KinderZeitpunkt: beliebig

  • Materialien: Handtuch

  • Vor Kaltanwendung durch Bewegung/Spiel für warme Füße sorgen.

  • Durchführung:

    • Im „Storchenschritt“ gemeinsam mit Ihrem Kind ca. 1–3 Min. (je nach Reizstärke) durch das Gras/den Schnee/das Wasser treten.

    • Anschließend Wasser/Schnee abstreifen, warme Socken anziehen und für Wiedererwärmung durch Bewegung/Spiel sorgen.

  • Als Wassertretbecken eignet sich auch sehr gut die Badewanne mit rutschfester Fußmatte.

Sauna für Kinder (ca. 70 °C)

  • Zeitpunkt: nachmittags

  • Voraussetzung: Mindestalter 6 Monate, infektfrei

  • Durchführung:

    • Ungeübte Kleinkinder zunächst mit der neuen Umgebung vertraut machen.

    • Der erste Saunagang beginnt auf der untersten Bank für max. 1–2 Min.

    • Anschließend den Körper mit lauwarmem Wasser abduschen und mit kühlem Knieguss beenden. Danach ca. 10–15 Min. ruhen (z. B. Geschichte vorlesen, trinken).

    • Auch geübte Kleinkinder nicht länger als 2 × 5 Min. saunieren lassen. Bitte auf reichlich Flüssigkeit achten.

Phytotherapie
Für phytotherapeutische Immunstimulanzien wie z. B. Echinacea konnten bisher keine eindeutigen Wirknachweise in der Prophylaxe von Infekten erbracht und somit keine Therapieempfehlungen ausgesprochen werden.
Bewegungstherapie
Regelmäßige körperliche Bewegung trägt über eine Durchblutungsoptimierung der Haut und des HNO-Bereichs zur Infektprophylaxe bei. Darüber hinaus stimulieren klimatische Reize durch Wind und Wetter das unspezifische Immunsystem. Kinder sollten sich wetterunabhängig täglich mindestens 30–60 Min. körperlich im Freien bewegen. Auf eine funktionale Kleidung ist zu achten.
Ernährungstherapie
Vitamine, Antioxidantien, Mineralien und Spurenelementen sind für die Funktion des Immunsystems von großer Bedeutung. Eine ausreichende Zufuhr dieser Nährstoffe wird durch eine altersgerechte Mischkost, wie sie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen wird, gewährleistet.
Studien zeigen, dass hoch dosierte Vitamin-C-Gaben bei Extremsportlern einen Einfluss auf die Infektanfälligkeit haben. Inwieweit dies auch für Kinder mit rezidivierenden Infekten zutrifft, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt [10].
Erweiterte Naturheilverfahren
Mikrobiologische Therapie: Zur prophylaktischen medikamentösen Therapie stehen bisher nur wenige gut untersuchte Medikamente zur Auswahl. Das bekannteste Therapeutikum dürfte das Bakterienlysat OM 85 BV (Broncho-Vaxom®) sein, dessen Wirkung in prophylaktisch, randomisiert, doppelblind, placebokontrollierten Studien nachgewiesen werden konnte.

Studien

Schaad et al. [9] konnten z. B. an 232 Kindern mit rezidivierenden Atemwegsinfekten im Alter von 36–96 Monaten eine signifikante Reduktion der Infekte durch Verum zeigen. Der Effekt war besonders deutlich bei Kindern, die in der Vorsaison an mehr als drei Infekten erkrankt waren. Darüber hinaus ging der Antibiotikaverbrauch um bis zu 50 % zurück. Relevante Nebenwirkungen waren nicht zu beobachten. Diese Ergebnisse wurden in einer Cochrane-Metaanalyse bestätigt.

Akute Atemwegsinfekte

Atemwegsinfekte:KinderAtemwegsinfekte:akuteAtemwegsinfekte gehören zu den häufigsten Erkrankungen in der kinderärztlichen Praxis. Die meist viralen Infektionen zeigen eine hohe Selbstheilungstendenz, allerdings birgt die Nichtbehandlung auch das Risiko bakterieller Superinfektionen sowie protrahierter oder chronischer Verläufe. Zusätzlich besteht vonseiten der besorgten Eltern eine hohe Nachfrage nach einer medikamentösen Therapie, um die Krankheitsverläufe positiv zu beeinflussen. In der Behandlung solcher Infektionen gewinnen klassische Naturheilverfahren sowohl als Monotherapie oder in Kombination zur schulmedizinischen Therapie an Bedeutung.
Ordnungstherapie
Unabhängig von beruflichen und gesellschaftlichen Verpflichtungen brauchen Kinder im Krankheitsfall die besondere Zuwendung durch nahestehende Personen. Eltern sollten daher soweit möglich, ihrem Bedürfnis nach Durchführung des gewohnten Alltages widerstehen und sich vermehrt ihrem kranken Kind widmen. Zuwendung trägt wesentlich zur Genesung bei. Bei krankheitsbedingten unruhigen Nächten sollte Kindern die Möglichkeit gegeben werden, das Schlafdefizit am Tage nachzuholen – dies gilt auch für die Eltern selbst. Krankheitstage sind besondere Tage und eignen sich nicht, Erziehungsstrategien oder -programme anzufangen oder fortzuführen. Diese sollten erst nach Abklingen der Symptome wieder umgesetzt werden.
Hydro- und Thermotherapie
Die erhöhte Infektanfälligkeit im Kindesalter wird neben dem noch partiell unreifen Immunsystem auch durch eine gestörte Schleimhautdurchblutung im Bereich des Nasen-Rachen-Raumes gefördert. Hierbei kommt der konsensuellen Reaktion zwischen der Durchblutung der akralen Haut und der Nasen-Rachen-Schleimhaut eine besondere Bedeutung zu [13, 14].
Aus einer anhaltenden Minderperfusion, z. B. der Füße, resultiert eine geringere Durchblutung der Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum. Diese wiederum führt zu einer Verminderung der lokalen Sekretproduktion mit Störung der mukoziliären Clearance und zur Erniedrigung der lokalen Temperatur, die die Virusreplikationsbedingungen fördert. In Kombination mit den physikalischen Faktoren der Kälte (Wintermonate) wird eine Adhärenz und Infektion begünstigt.
Eine frühzeitige Anwendung hydrotherapeutischer Maßnahmen kann den Infektverlauf positiv beeinflussen.
  • So wird z. B. mit ansteigenden Fuß-und Armbädern eine erhöhte Durchblutung des Nasen-Rachen-Bereichs erreicht [14]. Durch allmähliches Ansteigen der Wassertemperatur werden eine optimale Gefäßweite und eine höchstmögliche passive Wärmezufuhr erzielt.

  • Inhalationen mit warm vernebelter physiologischer Kochsalzlösung sorgen für eine Befeuchtung der Atemwege und unterstützen so die mukoziliäre Clearance.

  • Für eine intensivierte Sekretolyse eignen sich hypertone Kochsalzlösungen (NaCl 1 oder 3 %), die mittlerweile als Fertiginhalate im Handel erhältlich sind.

  • Eine weitere Option bieten speziell für Kinder entwickelte Nasenduschen mit einfacher Handhabung. Säuglingen kann Muttermilch oder NaCl 0,9 % über Spritze oder Pipette mehrmals täglich direkt in die Nase verabreicht werden.

Physiotherapeutisch stehen mit autogener Drainage, Kontaktatmung, Valsalva-Manöver, atemerleichternde Stellungen, wirksame und einfach umzusetzende sekretolytische und belüftungsfördernde Maßnahmen zur Verfügung.
Hilfreich sind darüber hinaus eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Kleinkinder ca. 50 ml/kg/Tag), Zimmertemperaturen von maximal 16–18 °C im Schlafbereich und das Aufhängen feuchter Tücher.

Praxistipp

Ansteigendes Fußbad

Fußbad:KinderAuch bei kalten Füßen, beginnendem Infekt oder als Einschlafhilfe sehr gut geeignet.
  • Durchzuführen am Nachmittag, benötigt werden Badethermometer Eimer/Wanne, Gießkanne mit ca. 45 °C warmem Wasser oder Duschbrause, Handtuch.

  • Durchführung:

    • Eimer mit angenehm warmem Wasser (ca. 35 °C) bis zu den Knöcheln des Kinds befüllen. Etwa 5 Min. warmes Wasser bis etwa unterhalb des Knies zufließen lassen, die Temperatur soll langsam ansteigen (Ziel ca. 39/40 °C).

    • Füße für weitere 5–10 Min. im Wasser belassen, dann abtrocknen, einölen, warme Socken anziehen und ca. 10–15 Min. nachruhen.

    • Während des Fußbades darf mit Händen und Füßen im Wasser gespielt werden.

Serielle Waschungen bei Fieber

Waschungen:KinderOberkörperwaschungen alle 20–30 Min. mit einer Wassertemperatur von ca. 2–3 °C unterhalb der Fiebertemperatur. Voraussetzung: warme Extremitäten. Alternativ oder ergänzend können Wadenwickel angewendet werden.
Phytotherapie
Atemwegsinfekte sind mit über 90 % viralen Ursprungs. Bakterielle Superinfektionen entwickeln sich nur bei rund 20 % der Kinder. In einer Cochrane-Metaanalyse konnte gezeigt werden, dass Antibiotika, die beim Vorliegen einer bakteriellen Superinfektion wirksam sind, eine solche kaum verhindern können [15]. Dennoch werden auch in der Kinderheilkunde meist aus Sorge vor bakteriellen Superinfektionen oder Komplikationen in mehr als 60 % der Fälle Antibiotika verabreicht. Dies führt neben möglichen gastrointestinalen Nebenwirkungen und Schädigung der körpereigenen Flora zu einer Resistenzinduktion verbunden mit der Selektion weniger empfindlicher Keime. In diesem Spannungsfeld zwischen minimaler und maximaler Therapie ermöglichen moderne Phytotherapeutika eine effektive Behandlung mit geringen Nebenwirkungen.
Phytopharmaka bei Infekten der oberen Luftwege

Studien

Eine im American Journal of Pediatrics veröffentliche prospektive randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie von Paul et al. bestätigte einen signifikanten Effekt ätherischer Öle bei der Behandlung von Infekten der oberen Luftwege.

Die Anwendung eines menthol-, campher- und eukalyptushaltigen Vaporubs führte zu einer eindeutigen Reduzierung nächtlichen Hustens und Verbesserung der Nasenatmung sowie der Schlafqualität der Patientenkinder und deren Eltern.

Wie bei jedem Therapeutikum ist auch hier auf eine sachgerechte Anwendung zu achten. Kinder unter zwei Jahren und/oder Überempfindlichkeiten der Atemwege sollten wegen der möglichen Gefahr eines Laryngospasmus von der Therapie ausgenommen werden [16].

Phytopharmaka bei Rhinosinusitis
RhinosinusitisDer Sinus maxillaris ist wie der Sinus ethmoidalis bereits bei Geburt angelegt und vergrößert sich v. a. während des Zahnwechsels. Sinusitiden können potenziell in jedem Alter auftreten, sind allerdings vor Abschluss des 2. Lebensjahres eher selten.
In mehr als 80 % der Fälle ist die akute Sinusitis Folge einer Rhinitis, ausgelöst durch Rhino-, Influenza- oder Parainfluenzaviren. Bakterielle Superinfektionen sind im Kindesalter mit < 1 % sehr selten. Das oftmals beobachtete gelblich-eitrige Nasensekret ist vielmehr Zeichen einer ablaufenden Entzündungsreaktion als Ausdruck einer bakteriellen Superinfektion. Die Therapie der Rhinosinusitis ist symptomatisch. Antibiotika werden nur sehr selektiv eingesetzt. Neben hydrotherapeutischen Maßnahmen ist die Behandlung mit Ätherisch-Öl-Drogen (z. B. Gelomyrtol® oder Soledum®) und pflanzlichen Kombinationsprodukten (z. B. Sinupret®) seit Langem etabliert und wissenschaftlich gesichert. Sie verfügen über die für die Behandlung der Rhinosinusitis erforderliche sekretolytische, sekretomotorische, antiphlogistische und antimikrobielle Wirkung.

Studien

  • Für Myrtol beispielsweise konnten Federspil et al. in einer doppelblinden randomisierten Multicenterstudie an 331 Patienten mit akuter Sinusitis eine klare Überlegenheit gegenüber Placebo zeigen [17].

  • Auch 1,8-Cineol als ätherisches Öl des Eukalyptus globulus hat bei der Behandlung der nicht eitrigen Rhinosinusitis eine signifikant bessere Wirkung gegenüber Placebo mit Nasentropfen. Dies erbrachte eine prospektive, randomisierte, doppelblind, placebokontrollierte Studie an 152 Patienten mit akuter Rhinosinusitis [18].

Als Monotherapie oder auch Teil einer Kombinationstherapie mit Antibiotika in der Behandlung einer bakteriellen Rhinosinusitis steht mit der Pflanzenkombination aus Eisenkraut (Verbena officinalis), Schlüsselblume (Primula veris), Enzian (Gentiana lutea), Holunder (Sambucus nigra) und Gartenampferkraut (Rumex acetosa) eine seit Jahren etablierte und wissenschaftlich gut evaluierte Therapieoption zur Verfügung [19, 20].
Phytopharmaka bei akuter Bronchitis
Die Atemwege von Kleinkindern unterscheiden sich sowohl anatomisch als auch funktionell von denen Erwachsener. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Bronchien noch sehr klein und eng, woraus sich ein erhöhter Atemwegswiderstand ableitet. Die Atemarbeit erfolgt vorwiegend über das Zwerchfell und wird zusätzlich durch fast waagerecht stehende Rippenbögen erschwert. Insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern kann es aufgrund des relativ erhöhten Anteils schleimproduzierender Becherzellen rasch zu einer Obstruktion mit Dyspnoe als Ausdruck einer obstruktiven Bronchitis kommen.
Ein vermehrter Bronchialschleim, wie er therapeutisch durch chemisch-synthetische Sekretolytika (Acetylcystein oder Carbocistein) erreicht wird, kann von Kindern unter 2 Jahren nur schwer abgehustet werden. Wegen vermehrt aufgetretener respiratorischer Komplikationen sind diese Substanzen seit 2010 in Frankreich für dieses Alter nicht mehr zugelassen [21].
Dagegen führen Phytopharmaka, z. B. Umckaloabo®, Bronchipret®, Bronchicum®, Prospan®, über ihre pflanzlichen Inhaltsstoffe zu einer Wiederherstellung der mukoziliären Clearance, was eine Verbesserung der Sekretomotorik zur Folge hat. Weitere positive Wirkungen wie antientzündliche, antivirale und bronchiolytische sind in zahlreichen Studien nachgewiesen. Phytotherapeutika zur Behandlung der akuten Bronchitis sind meist ab dem ersten Lebensjahr zugelassen und weisen bei Kindern eine gute Akzeptanz und Verträglichkeit auf.
Umckaloabowurzel
Die Umckaloabowurzel (Pelargonium sidoides, Umckaloabo®) ist eine südafrikanische Geranienart (5.5.5). Das breite Wirkspektrum der Pflanze ist in pharmakologischen Studien nachgewiesen (5.5.5). Klinisch liegen in der Behandlung der akuten Bronchitis bei Kindern abgeschlossene multizentrische, randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudien vor, die eine signifikante Überlegenheit des Wurzelextraktes von Pelargonium sidoides gegenüber Placebo zeigen.

Studien

Bei der Anwendung des Wurzelextrakts über 7 Tage konnte bei 200 Kindern im Vergleich zu Placebo eine deutliche Verbesserung des Bronchitis-Severity-Scores beobachtet werden (p< 0,0001). Dabei zeigte sich ein signifikanter Rückgang der Symptome bereits ab dem dritten Behandlungstag. Nach 7 Tagen waren insgesamt mehr als 75 % der Kinder entweder beschwerdefrei oder deutlich gebessert. In der Placebogruppe hingegen waren dies nur rund 25 %. Die Verträglichkeit ist gut [22]. Intermittierende Hinweise auf eine mögliche Hepatotoxizität konnten bisher nicht bestätigt werden [23].

Thymian, Schlüsselblume und Efeu
Für die Wirkstoffkombinationen Thymiankraut (Thymii herba) und Efeublätter (Hederae helicis folium) sowie Thymiankraut (Thymii herba) und Schlüsselblume (Primula veris) in Form des Kombinationspräparats Bronchipret® liegen für Erwachsene abgeschlossene prospektive randomisierte, doppelblinde placebokontrollierte Studien mit positivem Wirknachweis (Evidenzgrad Ib) vor. In allen Studien konnte anhand des Bronchitis Severity Scores (BBS) eine signifikante Reduktion des Scores im Vergleich zu Placebo beobachtet werden (p < 0,0001) [24, 25].
Beide Phytotherapeutika sind Bestandteil der AWMF-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie. Die Ergebnisse der Erwachsenenstudien wurden durch Beobachtungen von 1.234 Kindern mit akuter Bronchitis bestätigt. Bereits am vierten Behandlungstag konnte eine Halbierung des initialen Bronchitis Severity Scores festgestellt werden. Beide Kombinationsprodukte sind außerdem sehr gut verträglich.
Therapie des trockenen Reizhustens
Der trockene und v. a. der nächtliche Reizhusten stellt für viele Eltern und auch Kinderärzte eine besondere Herausforderung dar. Meist ist er Ausdruck infektiöser Erkrankungen, kann aber auch im Rahmen von Asthma bronchiale, Fremdkörperaspiration, sinubronchialem Syndrom, Hyperplasie der Adenoide, gastroösophagealem Reflux oder Allergien auftreten. Daher sollte bei Persistenz der Symptome über mehr als 4 Wochen eine weiterführende Abklärung erfolgen.
  • Zunächst sollte über Nasentropfen mit Koch- oder Meersalz sowie Xylomethazolin bei Bedarf für eine freie Nasenatmung gesorgt werden, um eine Befeuchtung und Erwärmung der Atemluft zu gewährleisten.

  • Ansteigende Fußbäder und Halswickel unterstützen durch eine Durchblutungssteigerung der Schleimhäute des Nasen-Rachen-Bereichs den Heilungsprozess.

  • Zur Reduktion der irritierten Hustenrezeptoren haben sich Warminhalationen (z. B. Paritherm®) mit Kochsalz und phytotherapeutischen Zusätzen wie Kamille, Salbei oder Thymian bewährt.

  • Eine lokale Hustenstillung und Schleimhautregeneration wird über Muzilaginosa wie Eibisch, Spitzwegerich, Sonnentau oder Königskerze erreicht (z. B. Phytohustil-Sirup®, Isla Moos Pastillen®). Auch sollte, um eine weitere Austrocknung der Schleimhäute zu vermeiden, im Schlafbereich auf eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 50 % und eine Zimmertemperatur von maximal 16–18 °C geachtet werden. Darüber hinaus ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig.

Ist der Reizhusten trotz dieser Maßnahmen nicht zu kontrollieren oder bereits fortgeschritten, sollte abhängig vom Krankheitsbild eine Erweiterung der Therapie z. B. mit zentralen Hustenstillern wie Noscarpin (Capval®) oder Paracodein (Codicaps®), Salbutamol, systemischem Kortikoid oder durch eine resistenzgerechte antibiotische Therapie erfolgen. Bei Kindern mit bekannter Hyperreagibiliät der Atemwege ist eine frühzeitige Therapie mit einem inhalativen Kortikoid in erhöhter Dosierung zu empfehlen, um einer bronchialen Obstruktion vorzubeugen.

Merke

Bei Infektionen der Atemwege sind folgende klassische Naturheilverfahren angezeigt:

  • Hydrotherapie:

    • ansteigendes Fußbad

    • Waschungen bei Fieber

    • Wickel

    • Physiotherapie zur Sekretmobilisation

    • Gurgeln mit Salbeitee (ab 3–4 Jahre)

    • ausreichend Flüssigkeit

    • feuchte Tücher im Schlafbereich anbringen

    • Inhalationen mit NaCl (0,9–3 %)

  • Bewegungstherapie: moderate Bewegung im Infekt

  • Phytotherapie:

    • Muzilaginosa: Eibisch, Spitzwegerich, Malve, Isländisch Moos, Königskerze

    • Saponine, Bioflavonoide, Terpene: Thymian, Primel, Efeu, Eisenkraut, Ampfer, Enzian, Holunder, Pelargonium, Menthol, Eukalyptus, Campher u. v. a.

Bewegungstherapie
Kranke Kinder sollten große körperliche Anstrengungen vermeiden, um den Körper nicht zusätzlich zu belasten. Moderate Bewegung an der frischen Luft hingegen sorgt durch die bewegungsabhängige Lumenänderung der Bronchien für eine Sekretmobilisation und eine Verbesserung der mukoziliären Clearance. Darüber hinaus ist moderate Bewegung im Freien durchblutungssteigernd, stimmungsaufhellend und appetitanregend. Auf eine freie Nasenatmung ist zu achten, um eine Befeuchtung und Erwärmung der Atemluft zu gewährleisten.
Ernährungstherapie
Säuglinge und Kleinkinder atmen und husten vorwiegend über die Kontraktion des Zwerchfells und der Bauchmuskulatur, da die Atemhilfsmuskulatur (Schulter- und Rippenmuskulatur) noch nicht entsprechend ausgebildet ist. Somit kommt es häufig im Rahmen von Hustenepisoden durch muskulären Druck auf den Magen zu Erbrechen von Speiseresten und Schleim. Eine Ernährungsanpassung auf mehrere kleine, leicht verdauliche Mahlzeiten bringt häufig eine deutliche Besserung.
Der durch fieberhafte Infekte verursachte erhöhte Flüssigkeitsverlust sollte durch eine erhöhte Zufuhr an Wasser oder Tees ausgeglichen werden. Auch für Kinder gut geeignet sind sog. Bronchialtees mit den Inhaltsstoffen Süßholzwurzel, Primelwurzel, Eibischwurzel, Malvenblüten oder Anisfrüchte, die auch als Fertigprodukte im Fachhandel erhältlich sind. Bei der Zubereitung von Tees sollte bei Kindern neben einer interessanten Farbe auch auf einen kinderfreundlichen Geschmack geachtet werden. Zum Süßen kann Honig oder Kandiszucker verwendet werden.
Auf kohlensäurehaltige Getränke sollte gänzlich verzichtet werden, da die vermehrte Gasbildung in Magen und Darm über einen Zwerchfellhochstand zu einer Behinderung der Atmung führen kann. Entlastend sind hier Klistiere oder Einläufe.

Praxistipp

Schlucken von serösem und mukösem Bronchialsekret kann zeitweise zu einer schleimig breiigen Konsistenz des Stuhlgangs führen.

Akute Gastroenteritis

InGastroenteritis:akuteGastroenteritis:Kinder Deutschland wird jedes Kind unter sechs Jahren mindestens einmal jährlich wegen infektiöser Durchfallerkrankung beim Arzt vorgestellt [26]. Da v. a. bei Säuglingen und Kleinkindern eine Dehydratation mit Elektrolytentgleisung droht, ist es wichtig, durch eine genaue Anamnese und körperliche Untersuchung einerseits Differenzialdiagnosen wie die akute Appendizitis zu erkennen, sowie andererseits den Schweregrad der Dehydratation einzuschätzen (Tab. 8.2).
Hydro- und Thermotherapie
Zur Behandlung der krampfartigen Bauchschmerzen empfehlen sich abdominale Spiralgüsse mit einer Wassertemperatur um 38 °C sowie ansteigende Fußbäder und Bauchwickel. Die über die Wärme angeregten Dermatome führen zu einer Entkrampfung und Schmerzlinderung. Von Kindern gerne angenommen und wirkungsvoll sind Wärmflaschen und Kirschkernkissen. Allerdings wird deren Anwendung von den Fachgesellschaften aufgrund möglicher Verbrühungen und Aspirationsgefahr nicht mehr empfohlen. Bauchmassagen im Uhrzeigersinn, Klistiere und Darmrohre helfen bei ausgeprägtem Meteorismus.
Phytotherapie
Aus dem Bereich der Phytotherapie stellt die Moro-Karottensuppe eine wirkungsvolle Alternative zur Glukose-Elektrolyt-Lösung dar [30]. Wie in einer Studie gezeigt werden konnte, ist sie sowohl mit der oralen als auch der intravenösen Rehydratation mit einer Glukose-Elektrolyt-Lösung mindestens gleichwertig in Bezug auf die Dauer der Diarrhö, die Gewichtszunahme und Aufenthaltsdauer im Krankenhaus. Die Wirkung erklärt sich über die in der Karotte enthaltenen Pektine. Durch den Kochvorgang werden aus den Pektinen saure Oligogalakturonide freigesetzt, die den Rezeptoren des Darmepithels ähneln, an pathogene Darmkeime andocken und so deren Adhäsion an die Darmwand verhindern. Diese Oligosaccharide kommen auch in der Muttermilch, im Apfel, in Preiselbeeren und Heidelbeeren vor.

Praxistipp

Moro-Karottensuppe

500 g geschälte Karotten mit 1 l Wasser ca. eine Stunde kochen. Anschließend passieren oder pürieren, 3 g Salz zugeben, mit gekochtem Wasser auf 1 l auffüllen und löffelweise verabreichen.

Gerbstoffhaltige Drogen

Getrocknete Heidelbeerfrüchte (Myrtilli fructus), Tormentillenwurzel (Tormentillae rhizoma), schwarzer Tee (Theae folium) oder unfermentierter grüner Tee sind reich an Gerbstoffen, die antidiarrhoisch wirken.
  • Extrakt: Zur Herstellung eines Tees Extrakt mit ca. 150 ml gekochtem Wasser übergießen, 15 Min. ziehen lassen und anschließend löffelweise trinken.

  • Tee: 1 gehäufter EL getrocknete Heidelbeeren mit 250 ml Wasser übergießen und 10 Min. kochen, nach dem Erkalten abseihen und tgl. 3–5 × löffelweise essen und trinken.

Ernährungstherapie
Grundpfeiler der Behandlung einer Gastroenteritis ist der Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten sowie die enterale Zufuhr von Nährstoffen, um eine katabole Stoffwechsellage zu verhindern [27].
In den überwiegenden Fällen liegt eine leichte bis mittelschwere Dehydratation vor, die bei mehr als 90 % der Kinder mit einer oralen Rehydratationslösung erfolgreich ausgeglichen werden kann (Evidenz 1A). Die Menge der zugeführten Flüssigkeit orientiert sich am Gewichtsverlust. Hierzu werden orale Glukose-Elektrolytlösungen verwendet, die als Fertiglösungen in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen angeboten werden (z. B. Oralpädon 240®, ORS 200 Karotten-Reisschleim®, Infectodiarrhstop-LGG® oder GES 60®).

Merke

Eine Bestimmung der Elektrolyte oder des Säuren-Basen-Haushalts ist bei oraler Rehydrierung verzichtbar, da das Vorgehen bei allen Formen der Dehydratation identisch und sicher ist [27].

Nach Sistieren des Erbrechens kann der Nahrungsaufbau um einen geriebenen und an der Luft oxidierten Apfel (Pektin), eine geschlagene Banane, Zwieback, Salzstangen, trockenes Weißbrot, Nudeln, Kartoffelsuppe oder Haferbrei erweitert werden. Säfte mit hohem Anteil an Fruktose, Saccharose oder Sorbit sollten aufgrund ihrer osmotischen Wirkung und ihres Mangels an Natrium und Kalium nicht getrunken werden. Auch Cola-Getränke sind u. a. wegen des hohen Zucker- und niedrigen Natriumgehaltes nicht geeignet.
Gestillte Kinder sollten zwischen den Gaben der Glukose-Elektrolytlösung an die Brust gelegt werden. Flaschenernährten Säuglingen ist unverdünnte Säuglingsmilch in jeweils kleinen Mengen zu verabreichen. Eine Umstellung auf sog. Heilnahrung oder andere Spezialformula sollte nicht erfolgen [28].
Die zusätzliche Gabe von Probiotika kann zu einer Verkürzung der Durchfalldauer – v. a. wenn sie durch Rotaviren ausgelöst sind – beitragen. Dies zeigen Untersuchungen mit Lactobacillus rhamnosus GG, Lactobacillus reuteri, Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus bifidus und Escherichia colli Nissle [29]. Bei initial schwerer Dehydratation oder frustraner oraler Rehydratation ist eine intravenöse Rehydratation indiziert. Im Gegensatz zur Therapie bei Erwachsenen sollte bei Kindern aufgrund der motilitätshemmenden Wirkung und der daraus erhöhten Gefahr eines Ileus kein Loperamid verabreicht werden.

Chronische Bauchschmerzen bei Kindern und Jugendlichen

Bauchschmerzen:KinderBauchschmerzen:chronischeAkute und chronische Bauchschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden im Kindesalter und stellen den behandelnden Arzt aufgrund der großen Bandbreite der Krankheitsursachen oftmals vor eine große Herausforderung.
Um den Patienten einer wirkungsvollen Therapie zuzuführen, muss im Vorfeld eine Vielzahl organischer und psychisch-psychiatrischer Ursachen akuter und chronischer Schmerzen ausgeschlossen werden. Der Arzt befindet sich hierbei in einem Spannungsfeld zwischen einer Unter- und einer kostenintensiven Überdiagnostik [31].
Zunächst erfordert die Diagnosestellung eine systematische, einfühlsame und unvoreingenommene Anamnese. Hilfreich sind hierbei die validierten Fragebögen gemäß ROM III Kriterien (Download unter: www.romecriteria.org). Zum Ausschluss organischer Ursachen sollte auf sog. Alarmsymptome geachtet werden (s. Kasten). Zusätzlich sollte eine begrenzte Basisdiagnostik (s. Kasten) durchgeführt werden. Ergeben sich weder in der Anamnese noch in der Basisdiagnostik Hinweise auf eine organische Ursache, kann auf eine weiterführende Diagnostik, wie Endoskopie, pH-Metrie und bildgebende Sonografie verzichtet werden [32].

Praxistipp

Zum Ausschluss organischer Ursachen sind folgende anamnestische und diagnostische Erhebungen zu empfehlen.

Alarmsymptome für organisch bedingte Bauchschmerzen [33]

  • Gewichtsverlust >10 %

  • auffälliger Untersuchungsbefund

  • gastrointestinale Blutung

  • anhaltende Beschwerden im oberen oder unteren rechten Quadranten

  • persistierendes unklares Fieber

  • chronischer Durchfall

  • positive Familienanamnese

  • rezidivierendes Erbrechen

  • Schluckbeschwerden, Sodbrennen

  • gynäkologische Auffälligkeiten

  • Auffälligkeiten beim Wasserlassen

Basisdiagnostik

  • großes Blutbild

  • Entzündungsparameter (Blutsenkungsgeschwindigkeit [BSG], C-reaktives Protein [CrP]), Alaninaminotransferase [ALAT], Lipase)

  • Zöliakieserologie (Gesamt-IgA, Transglutaminaseantikörper-IgA oder Endomysiumantikörper-IgA)

  • Urinstreifentest

  • Hämoccult-Test, fäkale Entzündungsmarker (Calprotektin oder Lactoferrin)

Die Therapie chronischer Bauschmerzen mit organischer Ursache erfolgt entsprechend der Grunderkrankung. Bei der Behandlung chronisch funktioneller Bauchschmerzen, die per Definition länger als zwei Monate bestehen, häufiger als einmal pro Woche auftreten und nicht durch strukturelle oder biochemische Erkrankungen erklärt werden können [33] stellen klassische Naturheilverfahren eine wirkungsvolle und zunehmend durch Studien bestätigte Behandlungsoption dar.
Ordnungstherapie
Ein wesentlicher Bestandteil der Therapie chronisch funktioneller Bauchschmerzen ist die psychologische Unterstützung. Ziel der Therapie ist nach Bufler et al. die Schmerzsymptomatik zu mindern sowie einen angemessenen Umgang mit der Erkrankung zu fördern, um die Lebensqualität zu verbessern [31]. In mehreren Metaanalysen konnte gezeigt werden, dass sog. kognitiv-verhaltenstherapeutische Therapiemethoden zu einer signifikanten Verbesserung chronischer Bauchschmerzsituation beitragen können [34, 35, 36]. Hierzu zählen Psychoedukation, Entspannungsmethoden, kognitive Verfahren und verhaltensorientierte Maßnahmen.
Psychoedukation
Der erste Schritt besteht in einer altersgerechten Erklärung und Bewertung der zuvor erhobenen Befunde. Hierbei wird dem Patienten verdeutlicht, dass sein individuelles Schmerzempfinden vorhanden ist, aber keiner organischen Ursache entspringt. Hilfreich ist das Modell der viszeralen Hypersensitivität mit herabgesetzter individueller Schmerzschwelle, die bei physiologischer Darmdehnung im Vergleich zu Kontrollpersonen Schmerzen verursachen kann. Diese Maßnahmen führen bereits bei einer Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen zu einer deutlichen Besserung der Symptomatik [37].
Entspannungsmethoden
Zu den wirksamen und einfach umzusetzenden Entspannungsmethoden zählen die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen, Imagination (Fantasiereisen) und Autogenes Training.
Kognitive Verfahren
Kognitive Verfahren verfolgen das Ziel, dem Patienten Ablenkungstechniken zu vermitteln, die ihm helfen, mit dem auftretenden Schmerz positiv und proaktiv umzugehen [38].
Verhaltensorientierte Maßnahmen
Ziel der verhaltensorientierten Methoden ist die Reduktion des sekundären Krankheitsgewinnes und der Wiederherstellung einer angemessenen Belastbarkeit im Alltag. Hierfür wurden z. B. von der Kinderklinik Datteln mit dem „Bauchtänzer“-Programm und dem Trainingsprogramm „Stopp den Schmerz“ von der Universität Potsdam psychologisch orientierte Programme entwickelt [39, 40].
Bewegungstherapie
Chronische Bauchschmerzen können den Alltag von Kindern und Jugendlichen so stark einschränken und belasten, dass weder der Besuch der Schule noch Freizeitaktivitäten wie Sport oder Hobbys möglich sind und soziale Kontakte vernachlässigt werden. Darüber hinaus können die Bauchschmerzen zu körperlichen Schonhaltungen und sekundär zu Fehlhaltungen und damit zu weiteren Beschwerden führen.
Körperliche Bewegung sorgt für Ablenkung, bringt Freude, trägt zu einem verbesserten Körperbewusstsein bei und regt den Verdauungsstoffwechsel an. All diese positiven Effekte werden mittlerweile in der psychosomatischen Behandlung von Kindern mit chronischen Bauchschmerzen genutzt. In Einzel- oder Gruppentherapien lernen die Kinder, ihre Fähigkeiten und Gefühle wieder besser wahrzunehmen und ihr Selbstvertrauen zu stärken. Sport und Bewegung sind nicht nur in der Therapie hilfreich, sondern stellen auch einen wichtigen Schritt bei der Wiedereingliederung der Kinder ins Alltagsleben dar.
Ernährungstherapie
Bei der Ernährung von Kindern mit funktionellen chronischen Bauchschmerzen gelten ebenfalls die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Einhaltung einer lactosearmen und faserreichen Kost kann, wie in Studien nachgewiesen, einen zusätzlichen therapeutischen Effekt haben [35]. Darüber hinaus haben die Probiotika Lactobacillus rhamnosus GG und die Probiotikamischung VSL#3 eine positive Wirkung bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Reizdarmsymptomen gezeigt [41, 42].
Im Alltag werden von Patienten häufig probatorische Eliminationen von einzelnen Nahrungsmitteln oder Inhaltsstoffen wie Koffein, scharfe Gewürze, fettreiche Nahrung oder kohlensäurehaltige Getränke durchgeführt, die im Einzelfall zu einer Besserung der Beschwerden führen. Systematische Untersuchungen liegen hierzu bislang allerdings nicht vor.
Phytotherapie
Bei der phytotherapeutischen Behandlung chronischer Bauchschmerzen kommen Pflanzendrogen infrage, die spasmolytische, antiphlogistische, sekretionsanregende, karminative und antimikrobielle Eigenschaften haben. Geeignet sind Pfefferminzblätter (Menthae piperitae folium), Melissenblätter (Melissae folium) und Kamillenblüten (Matricariae flos) – entweder als Mono- oder Kombinationsprodukte.
Pfefferminzöl
Die Bestandteile Menthol und Menthon der Pfefferminze haben eine experimentell nachgewiesene direkte spasmolytische Wirkung an der Wand der glatten Muskulatur des Verdauungstraktes. Zudem kommt es durch eine Tonussenkung des unteren Ösophagussphinkters zu einem erleichterten Abgang aufgestauter Luft (karminativ). (Medacalm®-Kapseln, Chiana®-Kapseln). Die klinische Überlegenheit des Pfefferminzöls gegenüber Placebo konnten Kline et al. (2001) an 42 Kindern mit Reizdarmsyndrom zeigen [43].
Kamillenblüten
Die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe der Kamillenblüten sind die ätherischen Öle Chamazulen, Bisabolol und Polyinen. Die entzündungshemmende Wirkung wird Chamazulen und Bisabolol zugeschrieben, die spasmolytische Wirkung den Polyinen und Terpenen.
  • Kombinationspräparate: Kamille® N-Spitzner-Lösung, Kamillosan®-Konzentrat-Lösung, Eukamillat®-Lösung

  • Teezubereitungen: 1 EL Kamillenblüten (ca. 3 g aus Arzneibuchkamillenblüten) mit heißem Wasser (ca. 150 ml) übergießen, nach 5–10 Min. durch ein Teesieb filtrieren und tgl. 3–4 × 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.

Merke

Kamillenfilterbeutel enthalten keine Kamillenblüten, sondern Kamillenkraut, welches nur sehr geringe Mengen an ätherischen Ölen und Flavonoiden enthält und somit für die medizinische Anwendung nicht geeignet ist.

Melissenblätter
Melissenblätter (Melissae folium) enthalten unter anderem die ätherischen Öle Citral und Linalool, die eine spasmolytische und choleretische Wirkung haben. Melisse wurde im Rahmen einer prospektiv-doppelblinden Studie kombiniert mit Fenchel, Eisenkraut, Süßholz und Kamille als Tee gegen die sog. Dreimonatskoliken verabreicht. Nach siebentägiger Anwendung war diese Kombination einem Placebo deutlich überlegen [44].

Studien

  • Die phytotherapeutische Kombinationstinktur Iberogast®-Tinktur (5.5.5), zeigte bei insgesamt 595 Patienten mit funktioneller Dyspepsie in drei placebokontrollierten Studien eine statistisch signifikante Überlegenheit. Dieser Effekt wurde auch durch eine Anwendungsbeobachtung an 2.267 Patienten bestätigt [45].

  • Aus einer Anwendungsbeobachtung an 1.042 Kindern unter 12 Jahren mit Völlegefühl, Übelkeit, Oberbauchschmerzen und Bauchkrämpfen, ausgelöst durch Schulstress, liegen ebenfalls positive Ergebnisse vor [46]. Die Verträglichkeit dieser Kombinationstinktur sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern ist sehr gut.

Akute Otitis media

Die Otitis media:akuteim Kindesalter häufig auftretende akute Otitis media ist neben dem Leitsymptom akuter Ohrschmerz durch die drei Kriterien plötzlicher Beginn, Rötung des Trommelfelles und Erguss gekennzeichnet. Meist ist sie Folge einer Rhinitis mit konsekutiver Tubenbelüftungsstörung. Die in der Vergangenheit regelhafte antibiotische Therapie wird bei einer nachgewiesenen Spontanheilungsrate von 80 % zunehmend verlassen.
Aus Metaanalysen klinischer Studien ergibt sich die größte zu erwartende Effizienz der antibiotischen Therapie bei Kleinkindern unter 2 Jahren, die entweder eine akute Otitis media mit einer Otorrhoe haben oder eine bilaterale akute Otitis media aufweisen. Bei Kindern, die älter als zwei Jahre sind, kann abhängig vom Ohrbefund zunächst eine Beobachtung während 36–48 Std. erfolgen.

Praxistipp

In der symptomatischen Behandlung stehen unterschiedliche Therapien zur Verfügung:

  • Die Wichtigste ist das Erreichen von Schmerzfreiheit. Hierzu eignen sich antipyretische Analgetika wie Paracetamol und Ibuprofen, die bei ausgeprägter Schmerzsymptomatik auch im dreistündigen Wechsel gegeben werden können.

  • Abschwellende Nasentropfen (Xylomethazolin oder Oxymethazolin) in einer dem Alter entsprechenden Dosierung sowie Nasentropfen aus Koch- oder Meersalz haben sich zur Behandlung der meist gleichzeitig bestehenden Rhinitis bewährt. Sie werden allerdings in den Leitlinien nicht mehr empfohlen.

  • Bei Persistenz der Beschwerden über 48 Std. erfolgt eine Erweiterung der Therapie um ein Antibiotikum (z. B. Amoxicillin). Bei Kleinkindern während insgesamt 10 Tagen, bei älteren Kindern während 5–7 Tagen. Wichtig ist, dass auch bei einer antibiotischen Behandlung Analgetika weiter verabreicht werden, da eine antibiotische Therapie in den ersten 24 Std. keine Auswirkung auf die Schmerzsymptomatik hat.

  • Bei rezidivierenden Otitiden ist eine HNO-ärztliche Beurteilung der Adenoide und der Hörfähigkeit sinnvoll. Weiter sollte darauf geachtet werden, dass in der häuslichen Umgebung nicht geraucht wird.

Hydro- und Thermotherapie
Ansteigende Fuß- und Armbäder haben bei einer akuten Otitis media das Ziel, die Durchblutung im Bereich der Ohren und des Nasen-Rachen-Raumes zu steigern und eine Verbesserung der mukoziliären Clearance zu erreichen. Durch allmähliches Ansteigen der Wassertemperatur werden eine optimale Gefäßweite und somit eine höchstmögliche passive Wärmezufuhr gewährleistet. Ansteigende Fuß- und Armbäder sind bei Kindern sehr beliebt und leicht durchführbar.
Phytotherapie
Eine lokale Behandlung der Otitis media kann durch eine Zwiebelkompresse erfolgen. Durch das ätherische Öl einer gequetschten Küchenzwiebel (Allium cepa) wird eine antiphlogistische, viruzide und bakterizide Wirkung erreicht. Die Herstellung ist einfach: Die Zwiebel wird gequetscht oder klein geschnitten und nach kurzer Erwärmung zur Freisetzung der schwefelhaltigen ätherischen Öle in ein Säckchen oder einen Teefilter gefüllt. Anschließend wird das Zwiebelsäckchen für ca. 2–3 Std. auf das erkrankte Ohr gelegt und mit einem Stirnband fixiert.
Ähnlich wie bei einer Sinusitis mit Inflammation und Schwellung der Ausführungsgänge, ist eine frühzeitige Therapie mit dem Kombinationspräparat Sinupret®, das aus Eisenkraut (Verbena officinalis), Schlüsselblume (Primula veris), Enzian (Gentiana lutea), Holunder (Sambucus nigra) und Gartenampferkraut (Rumex acetosa) (Sinupret®) besteht, wirksam.
Zur Wiederherstellung der Belüftung helfen darüber hinaus physikalische Maßnahmen wie Pulitzern, Valsalva-Manöver und auch Kaugummi-Kauen.

Harnwegsinfekte im Kindesalter

Harnwegsinfekte:KinderHarnwegsinfekte (HWI) gehören zu den häufigsten bakteriellen Erkrankungen im Kindesalter. Im Gegensatz zu Erwachsenen finden sich v. a. bei Säuglingen und Kleinkindern oftmals nur sehr unspezifische Symptome wie Fieber und Trinkunlust. Daher sollte bei Fieber unklarer Ursache bei Kindern in diesem Alter stets ein Harnwegsinfekt ausgeschlossen werden. Erst mit zunehmendem Alter zeigen sich die für eine Harnwegsinfektion klassischen Symptome.
Im Gegensatz zu Infektionen der unteren Harnwege finden sich bei Infektionen der oberen Harnwege in den überwiegenden Fällen Fieber und erhöhte Entzündungszeichen.

Merke

Als unkomplizierter Harnwegsinfekt wird eine Infektion bezeichnet, bei der keine funktionellen oder anatomischen Anomalien im Harntrakt vorliegen oder Begleiterkrankungen diese begünstigen. Bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen ist immer eine weiterführende Diagnostik erforderlich.

Hydro- und Thermotherapie
Sowohl für die Prophylaxe von Erkrankungen der unteren Harnwege als auch für die Akutbehandlung eignen sich Wechselfußbäder, ansteigende Fußbäder oder warme Sitzbäder. Hierdurch kommt es zu einer örtlichen Überwärmung und gesteigerten Durchblutung der Organe des kleinen Beckens, was zu einer Spasmolyse, Analgesie und Verbesserung der Abwehr beiträgt.
Phytotherapie
Im Vordergrund der Behandlung eines akuten Harnwegsinfekts steht die chemische antibakterielle Therapie. Die Phytotherapie hat ihren Stellenwert v. a. bei der Behandlung, der akuten Zystitis, in der Prophylaxe von Rezidiven und der asymptomatischen Bakteriurie. Letztere liegt vor, wenn sich im Mittelstrahlurin zwischen 1.000 und 105 Keime/ml befinden, keine Leukozyturie vorliegt und keine klinischen Beschwerden bestehen.
Für verschiedene Erreger (Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus [MSSA und MRSA] und Staphylococcus pyogenes) konnte die antimikrobielle Wirkung von Isothiocyanaten, der Meerrettichwurzel (Allylsenföl, 2-Phenylethylsenföl) und der Kapuzinerkresse (Benzylsenföl) nachgewiesen werden [47].
  • Die klinische Wirksamkeit eines Kombinationspräparats aus Meerrettichwurzel und Kapuzinerkresse (Angocin®-Tabletten) ist auch bei Kindern mit akuter Zystitis belegt und in der Wirkung mit der eines Antibiotikums vergleichbar. Darüber hinaus zeigt das Phytotherapeutikum im Vergleich zu Antibiotika ein besseres Verträglichkeits- und Nebenwirkungsprofil [48].

  • Zur aquaretischen und antiphlogistischen Therapie eignen sich Kombinationen aus Trockenextrakten wie Hauhechelwurzel (Ononidis radix), Orthosiphonblätter (Orthosiphonis folium) und echtem Goldrutenkraut (Solidaginis herba) (z. B. Aqualibra®-Tabletten). Dabei sollte auf eine reichliche Flüssigkeitszufuhr von ca. 2 Litern pro Tag geachtet werden. Birkenblätter (Betulae folium) finden in der Kinderheilkunde aufgrund des herben Geschmackes und des Nebenwirkungsprofils keine Anwendung.

  • Tausendgüldenkraut (Centaurii herba), Liebstöckelwurzel (Levistici radix) und Rosmarinextrakt wirken als Kombinationspräparat (z. B. Canephron®-Tropfen) diuretisch, spasmolytisch und antimikrobiell und haben sich auch bei Kindern mit Zystitis bewährt.

Studien

Bezüglich der kanadischen Cranberry (Vaccinium macrocarpon), deren Wirkstoff Proanthocyanidin die Adhärenz von Bakterien verhindert, lassen neuere Studienergebnisse auf eine prophylaktische Wirkung bei der Vorbeugung von Harnwegsinfektionen schließen [49]. Die Wirksamkeit wird seit 2003 auch von der Cochrane Collaboration anerkannt. Allerdings liegen derzeit noch keine Untersuchungen bei Kindern vor.

Neben anatomischen und funktionellen Besonderheiten könnten auch immunologische Faktoren wie das sekretorische IgA im Urin in der Pathogenese von Harnwegsinfekten eine Rolle spielen. Dies zeigen Untersuchungen über das Lysat des Bakteriums Escherichia coli OM-89 (Uro-Vaxom®) [50]. Dieses bewirkt über eine Aktivierung der B-Lymphozyten eine erhöhte Synthese von sekretorischem IgA und Interferon im Urin.

Lettgen konnte in einer randomisierten, kontrollierten Pilot-Studie an 40 Mädchen zeigen, dass OM 89 (Uro-Vaxom®) in der Vorbeugung rezidivierender Harnwegsinfekte mit Nitrofurantoin vergleichbar ist. Aufgrund zunehmender Resistenzen und Nebenwirkungen stellt OM-89 (Uro-Vaxom®) eine effektive, nebenwirkungsarme und gut verträgliche Alternative zur Antibiotikatherapie dar [51].

Ernährungstherapie
Eine spezielle Ernährungstherapie bei Kindern mit Harnwegsinfektion besteht nicht. Wie bei anderen fieberhaften Erkrankungen sollte jedoch die Kinder leicht verdauliche Kost, aufgeteilt in mehreren kleinen Portionen, erhalten. Allerdings ist auf eine gesteigerte Trinkmenge zu achten. Am besten eignen sich neben Wasser sog. Nieren- und Blasentees, die als Fertigprodukte im Handel sind. Hierbei ist auf eine gute Qualität des Produktes zu achten, um eine entsprechende Wirkstoffkonzentration im Tee zu gewährleisten.
Für einen kinderfreundlichen Geschmack der Tees können neben Süßen mit Kandis oder Honig, wohlschmeckende Teedrogen wie Himbeerblüten oder Holunderblüten beigemischt werden.

Übergewicht/Adipositas

Übergewicht:KinderAdipositas:KinderÜbergewicht (> 90. BMI-Perzentile) und Adipositas (> 97. BMI-Perzentile) gehören zu den häufigsten ernährungsbedingten Störungen im Kindes- und Jugendalter. In Deutschland sind 30 % der Kinder übergewichtig und 13 % leiden an Adipositas – mit steigender Tendenz. Die Ursache ist meist vielfältig und bedarf daher auch eines multimodalen Therapieansatzes. Wie in Studien nachgewiesen, führen isolierte Therapien zu keinem langfristigen Erfolg. Die AWMF-Leitlinien (www.awmf.org. 2009) geben daher ein zweistufiges Programm für ein Gewichtsmanagement vor: Zunächst die Reduktion des Übergewichts, anschließend die strategische Umstellung des Lebensstiles, um das Gewicht langfristig zu halten.
Mit Ernährungstherapie, Bewegungstherapie, Ordnungstherapie und Hydrotherapie als Teil der klassischen Naturheilverfahren stehen sowohl für die Prophylaxe als auch für die Therapie wirkungsvolle Maßnahmen zur Verfügung.
Ordnungstherapie
Die Behandlung sollte soweit möglich die gesamte Familie einschließen, da Eltern das Ernährungs- und Bewegungsverhalten und damit auch die Gewichtsentwicklung in vielfältiger Weise beeinflussen.
Rhythmizität
Kinder und Jugendliche brauchen einen geregelten Tagesablauf – auch beim Essen (s. o.).
Wie wichtig regelmäßige Mahlzeiten mit der Familie sind, konnte in einer groß angelegten Studie gezeigt werden. Demnach führen regelmäßige Mahlzeiten im Kreise der Familie zu einer Verminderung des Risikos für Übergewicht und fördern ein gesundes Ernährungsverhalten [52]. Aus ordnungstherapeutischer Sicht ist daher die (Wieder-)Einführung mindestens einer gemeinsamen Mahlzeit mit der Familie ein wichtiger Aspekt. Darüber hinaus unterstützt ein gemeinsames Essen in Ruhe und entspannter Atmosphäre die Wahrnehmung des Sättigungsgefühls und verhindert somit eine übermäßige Nahrungszufuhr.
Insbesondere in der zu Beginn teilweise schwierigen Phase der Nahrungsumstellung können Eltern ihre Kinder durch gemeinsame Zubereitung gesunder und kalorienarmer Kost unterstützen. Die Auswahl der Nahrungsmittel sollte allerdings nicht nur von den Eltern erfolgen, sondern mit zunehmendem Wissen von den Kindern und Jugendlichen selbst übernommen werden.
Kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze
Moderne verhaltenstherapeutische Ansätze dienen dazu, Kinder und Jugendliche anzuregen, weniger und anders zu essen und sich mehr zu bewegen. Anstelle von Verboten und dem Zählen von Kalorien wird heutzutage versucht, den Betroffenen mit Hilfe von Ernährungsprotokollen das eigene Essverhalten bewusster zu machen. Regelmäßige Gewichtskontrollen beim Kinderarzt und eine Unterstützung bei Fragen und Problemen ergänzen dieses Konzept.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verknüpfung des Essens mit Emotionen. Gerade bei Kindern mit Gewichtsproblemen ist das Essen oft mit Langeweile, Überforderung oder Trauer verknüpft und kann sowohl Zeitvertreib oder auch Trost sein. Eine wirksame Therapie sollte deswegen auch die psychischen Ursachen von Übergewicht/Adipositas berücksichtigen. Die Heranführung an ein eigenverantwortliches Handeln und die Wahrnehmung der hinter der Adipositas versteckten Persönlichkeit sind entscheidende Faktoren für eine langfristige Stabilisierung des Ess- und Bewegungsverhaltens der Kinder und Jugendlichen.
Hydro- und Thermotherapie
Durch hydrotherapeutische Maßnahmen können eine Anregung des Stoffwechsels und eine Tonisierung der Muskulatur mit vegetativer Umstellung erreicht werden. Hierzu zählen Kneipp-Wassertreten, Güsse, Wechselbäder, Tau- und Schneelaufen, Sauna, Leibwickel und anregende Voll- und Teilbäder z. B. mit Rosmarin.
Die Wiedererlangung von Freude an der Bewegung und Spaß an gesundem Essen führt neben einer Gewichtsreduktion zu einer verbesserten Akzeptanz des eigenen Körpers als auch zu einer positiven Wahrnehmung durch die Umwelt, die v. a. auf Jugendliche großen Einfluss hat. Mit „Moby Dick“ oder „Obeldicks“ stehen evaluierte ambulante Therapieprogramme für Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Des Weiteren besteht auch die Möglichkeit einer stationären Rehabilitation mit ambulanter Nachsorge.
Bewegungstherapie
Die primären Ziele der Bewegungstherapie sind zum einen die Verbesserung der zumeist durch Medienkonsum, TV oder Computer ausgelösten Inaktivität sowie die Steigerung der körperlichen Aktivität durch professionelle Anleitung. Insbesondere das Wiedererlangen der Freude an körperlicher Bewegung steht im Vordergrund, daher sollte kein übersteigerter Leistungsanspruch bestehen, sondern die körperliche Aktivität an den Grad der Adipositas angepasst werden.
Erfolgt das regelmäßige Sporttraining im Gruppensetting, z. B. im Sportverein, erzielt man neben einer Verbesserung der Beweglichkeit gemeinsame Erfolgserlebnisse und eine Stärkung der Motivation. Besonders geeignet sind Tischtennis, Radfahren, Ballspiele und Schwimmen. Bei Sportarten wie Eishockey, Handball, Boxen oder American Football können übergewichtige Jugendliche ihre körperliche Statur besonders vorteilhaft einsetzen.
Ernährungstherapie

Merke

Die langfristige Gewichtsreduktion im Kindes- und Jugendalter ist umso erfolgreicher, je mehr die gesamte Familie in die Therapie eingebunden ist.

Zur initialen Gewichtsreduktion bedarf es einer fettbilanzierten und zuckerreduzierten Ernährung mit ca. 1.200 kcal pro Tag. Im Stadium der Erhaltung wird diese dann in Abhängigkeit von Alter und vom Umfang körperlicher Bewegung auf ca. 1.800 kcal/Tag gesteigert. Spezielle Fastenkuren wie Heilfasten, Mayr-Kur oder Schrothkur sollten wegen medizinischer Risiken im Kindes- und Jugendalter nicht angewendet werden.
Die kalorienreduzierte Ernährung bei Adipositas orientiert sich ebenfalls an den Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).
Nahrungsmittel
  • Die insgesamt fünf Mahlzeiten pro Tag (drei Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten, um mögliche Heißhungerattacken zu verhindern) sollten abwechslungsreich, ausgewogen und schmackhaft sein. Als Nahrungsmittel sollten Kohlenhydrate in Form von Vollkornprodukten, fettarme tierische Lebensmittel wie Fleisch, Wurst, Milch und Milchprodukte sowie reichlich Obst und Gemüse bevorzugt werden.

  • Fast Food und Süßigkeiten in Maßen sind ebenfalls Teil der Ernährungspyramide und sollten Kindern und Jugendlichen nicht vorenthalten werden. Vielmehr spielt der sinnvolle Umgang mit diesen Nahrungs- und Genussmitteln die entscheidende Rolle.

Flüssigkeitszufuhr
  • Viel Trinken ist wichtig. Allerdings werden häufig Fruchtsäfte, Fruchtschorlen, Cola und Eistee konsumiert, durch welche bei hoher Trinkmenge viele Kalorien zugeführt werden. Daher sollte die Haupttrinkmenge aus Wasser bestehen.

  • Zur Reduzierung des Heißhungers und zur Füllung des Magens vor Einnahme der Mahlzeit hat sich bei übergewichtigen Patienten das Trinken von Wasser oder das Essen einer Suppe bewährt.

Bei ambulanten Ernährungsberatungen oder auch bei stationärer Betreuung erlernen Kinder, Jugendliche und deren Eltern eine kalorienreduzierte Mischkost zusammenzustellen sowie Ess- und Lebensgewohnheiten, welche das Übergewicht begünstigen, zu vermeiden.

Literatur

[1]

K. Goedsche M. Förster C. Kroegel Serielle Kaltwasserreize (Kneippscher Oberguss) bei Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis (COPD) Fokumed 14 2007 158 166

[2]

H. Schilcher W. Dorsch Wie gefährlich ist Alkohol (Ethanol) in Arzneimitteln für Kinder? Phytotherapie in der Kinderheilkunde 4. A. 2006 Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 8

[3]

G.B. Mensink H. Heseker A.M. Richter Forschungsbericht: Ernährungsstudie als KiGGS-Modul (EsKiMo) Forschungsbericht des Robert Koch-Instituts 2007

[4]

A.S. Monto J.A. Napier H.L. Metzner The Tecumseh study of respiratory illness. I.Plan of study and observations on syndroms of acute respiratoty disease Am J Epidemiol 94 3 1971 269 279

[5]

F.P. Zepp Das infektanfällige Kind W. Dorsch F.C. Sitzmann Naturheilverfahren in der Kinderheilkunde 2003 Hippokrates Stuttgart 48

[6]

V. Wahn R. Seger Diagnostisches Vorgehen bei Verdacht auf Abwehrschwäche V. Wahn R. Seger U. Wahn Pädiatrische Allergologie und Immunologie 1999 Elsevier München 367 376

[7]

R. Brenke Hydro- und Thermotherapie D. Melchart R. Brenke G. Dobos Naturheilverfahren 2002 Schattauer, Stuttgart Stuttgart 297

[8]

C. Haug Literaturübersicht und Beurteilung von Studien zum Wirksamkeitsnachweis der kneippschen Hydrotherapie. Dissertation Universität Ulm, Abteilung Biometrie und Medizinische Dokumentation der Universität Ulm 2003

[9]

U.B. Schaad OM-85 BV, an immunstimulant in pediatric recurrent respiratory tract infections: a systemic review World J Pediatr 6 1 2010 Feb 5 12

[10]

H. Hemilä Vitamin C for preventing and treating the common cold Med Hypotheses 52 2 1999 Feb 171 178

[11]

S. Hoc Psychoneuroimmunologie: Stress erhöht Infektanfälligkeit Deutsches Ärzteblatt PP2 02/2003 83

[12]

I. de Graaf P. Speetjens F. Smit Effectiveness of the Triple P Positive Parenting Program on behavioral problems in children: a meta-analysis Behav.Modif 32 5 2008 Sep 714 735

[13]

J. Blaurock Durchblutungsänderungen von Haut und Nasenschleimhaut durch Konditionierung mittels verschiedener gewohnheitsmäßiger hydrotherapeutischer Maßnahmen. Dissertation Klinik und Poliklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Medizinischen Fakultät der Charité – Universitätsmedizin Berlin 2006

[14]

P. Assanasen F.M. Baroody E. Naureckas Warming of feet elevates nasal mucosal surface temperature and reduces the early response to nasal challenge with allergen J Allergy Clin Immunol 104 2 1999 Aug 285 293

[15]

J. Smucny T. Fahey L. Becker Antibiotics for acute bronchitis (Cochrane Review) 2003 In: The Cochrane Library, Issue 3

[16]

I.M. Paul J.S. Beiler T.S. King Vapor Rub, Petrolatumn and no treatment for Children with Nocturnal Cough and Cold Symptoms Pediatrics 11/2010 10.15452/peds.2010.260

[17]

P. Federspil R. Wulkow T. Zimmermann Wirkung von Myrtol standardisiert bei der Therapie der akuten Sinusitis – Ergebnisse einer doppelblinden randomisierten Multicenterstudie gegen Placebo Laryngorhinootologie 76 1997 23 27

[18]

W. Kehrl U. Sonnemann U. Dethlefsen Therapy of acute nonpurulent rhinosinusitis with cineole. Results of a double-blind, randomized, placebo – controlled trial Laryngoscope 114 2004 738 742

[19]

J. Melzer R. Saller A. Schapowal Systematic review of clinical data with BNO-11 (Sinupret) in the treatment of sinusitis Forsch Komplemntärmed 13 2006 78 87

[20]

N. Neubauer R. März (1994). Placebo-controlled, randomized, double-blind clinical trial with sinupret sugar coated tablets on the basis of a therapy with abtibiotics and decongestant nasal drops in acute sinusitis Phytomedicine 1 3 1994 177 181

[21]

Afssaps Pressemitteilung vom 29 April 2010 http://www.afssaps.fr/Infos-de-securite/Communiques-Pointes-presse/Medicaments-micolytiques-et-Helicidine-R-contre-indication-chez-l-enfants-de-moins-deux-ans-Communique

[22]

W. Kamin V. Maydannik F.A. Malek Efficacy and tolerability of EPs 7,630 in children and adolescents with acute bronchitis – a randomized, double-blind, placebo-controlled multicenter trial with a herbal drug preparation from Pelargonium sidoides roots Int J Clin Pharmacol Ther 48 3 2010 Mar 184 191

[23]

R. Teschke C. Frenzel J. Schulze Spontaneous reports of primarily suspected herbal hepatotoxicity by Pelargonium sidoides: Was causality adequately ascertained? Regulatory Toxicology and Pharmacology 63 2012 1 9

[24]

B. Kemmerich R. Eberhardt H. Stammer Efficacy and tolerability of a fluid extract combination of thyme herb and ivy leaves and matched placebo in adults suffering from acute bronchitis with productive cough. A prospective, double-blind, placebo-controlled clinical trial Arzneimittelforschung 56 9 2006 652 660

[25]

B. Kemmerich Evaluation of efficacy and tolerability of a fixed combination of dry extracts of thyme herb and primrose root in adults suffering from acute bronchitis with productive cough. A prospective, double-blind, placebo-controlled multicentre clinical trial Arzneimittelforschung 57 9 2007 607 615

[26]

P. Van Damme C. Glaquinto F. Huet Multicenter prospective study of the burden of rotavirus acute gastroenteritis in Europe, 2004–2005: the REVEAL study J Infekt Dis 195 Suppl 2007 1 4–16

[27]

S. Koletzko S. Osterrieder Akute infektiöse Durchfallerkrankung im Kindesalter Dtsch Ärzteblatt Int 106 33 2009 539 548

[28]

S.P. Conway A. Ireson Acute gastroenteritis in well nourished infants; comparison of four feeding regimes Arch dis Child 64 1989 Jan 87 91

[29]

S. Guandalini L. Pensabene M.A. Zikri Lactobacillus GG administered in oral rehydration solution to children with acute diarrhia: a multicenter European trial J Pediatr Gastroeterol Nutr 30 2000 54 60

[30]

F. Haschke G. Tsarmaklis I. Steffan Carrot soup analysis. Wien Klin Wochenschr 92 2 1980 Jan 18 57 59

[31]

P. Buffler M. Groß T. Uhlig Recurrent Abdominal Pain in Childhood Dtsch Arztebl Int 108 17 2011 295 304

[32]

G. Dhroove A. Chogle A. Saps A million-dollar work-up for abdominal pain: is it worth it? J Pediatr Gastroenterol Nutr 51 2010 579 583

[33]

A. Rasquin C. Di Lorenzo D. Forbes Childhood functional gastrointestinal disorders: child/adolescent Gastroenterology 130 2006 1527 1537

[34]

C. Eccleston T.M. Palermo A.C. Williams Psychological therapies for the management of chronic and recurrent pain in children and adolescents Cochrane Database Syst Rev 2003 (1): CD003968

[35]

A. Huertas-Ceballos S. Logan C. Bennett Psychosocial interventions for recurrent abdominal pain (RAP) and irritable bowel syndrome (IBS) in childhood Cochrane Database Syst Rev 2008 Jan 23 (1):CD003014

[36]

T.M. Palermo C. Eccleston A.S. Lewandowski Randomized controlled trials of psychological therapies for management of chronic pain in children and adolescents: an updated meta-analytic review Pain 148 2010 387 397

[37]

M.Y. Berger M.J. Gieteling M.A. Benninga Chronic abdominal pain in children BMJ 334 2007 997 1.002

[38]

H. Flor C. Hermann Kognitiv-behaviorale Therapie B. Kröner-Herwig J. Frettlöh R. Klinger Schmerzpsychotherapie 2007 Springer Heidelberg 603 616

[39]

B. Zernikow Schmerztherapie bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen 2009 Springer Heidelberg

[40]

P. Warschburger M. Groß Stopp den Schmerz – ein kognitiv-behaviorales Behandlungsprogramm für Kinder mit Bauchschmerzen. Erste Ergebnisse einer Pilotstudie Verhaltenstherapie 18 2008 162 167

[41]

R. Francavilla V. Miniello A.M. Magista A randomized controlled trial of Lactobacillus GG in children with functional abdominal pain Pediatrics 126 2010 1445 1452

[42]

S. Guandalini A. Magazzu A. Chiaro VSL#3 improves symptoms in children with irritable bowel syndrome: a multicenter, randomized, placebo-controlled, double-blind, crossover study J Pediatr Gastroenterol Nutr 51 2010 24 30

[43]

R.M. Kline J.J. Kline J. Di Palma Enteric-coated, pH-dependent peppermint oil capsules for the treatment of irritable bowel syndrome in children J Pediatr 138 2001 125 128

[44]

Z. Weizman S. Alkrinawi D. Goldfarb Efficacy of herbal tea preparation in infantile colic J Pediatr 122 4 1993 Apr 650 652

[45]

J. Melzer F. Iten J. Reichling Iberis amara L. and Iberogast-Results of a systematic review concerning functional dyspepsia J Herbal Pharmacother 4 2004 4

[46]

K.J. Gundermann B. Vinson S. Hänike Die funktionelle Dyspepsie bei Kindern – eine retrospektive Studie mit einem Phytopharmakon Päd 10 2005 408 411

[47]

A. Conrad I. Engels U. Frank 2006. In vitro-Untersuchungen zur antibakteriellen Wirksamkeit einer Kombination aus Kapuzinerkressekraut und Meerrettichwurzel Arzneim-Forsch./Drug Res. 56 12 2006 842 849

[48]

K.H. Goos W. Albrecht B. Schneider Aktuelle Untersuchungen zur Wirksamkeit und Verträglichkeit eines pflanzlichen Arzneimittels mit Kapuzinerkressenkraut und Meerrettich bei akuter Sinusitis, akuter Bronchitis und akuter Blasenentzündung bei Kindern im Vergleich zu anderen Antibiotika Arzneim.-Forsch./Drug Res. 57 4 2007 238 246

[49]

R. Nowack W. Schmitt Cranberry juice for prophylaxis of urinary tract infections – conclusions from clinical experience and research Phytomedicine 15 9 2008 Sep 653 667

[50]

C.S. Mieczyslawa P. Malgorzata Influence of Uro-Vaxom on sIgA Level in Urine in children with recurrent urinary tract infections Archivum Immunologiae et Therapiae Experimentalis 44 1996 195 197

[51]

B. Lettgen Prevention of Recurrent Urinary Tract Infections in Female Children. OM-89 Immunotherapy Compared with Nitofurantoin Prophylaxis in a Randomized Pilot Study Current Therapeutic Research 57 6 1996 464 475

[52]

S.E. Anderson R.C. Whitaker (2010). Household routines and obesity in US preschoolaged children Pediatrics 125 3 2010 420 428

Geriatrische Erkrankungen und Beschwerden

Eberhard Volger

Joachim Zeeh

geriatrische PatientenDie geriatrische Medizin befasst sich mit Alterskrankheiten und den besonderen körperlichen, mentalen, funktionellen und sozialen Gegebenheiten des alten Menschen. Als Spezialdisziplin trägt sie auch den Herausforderungen der Multimorbidität und der veränderten Pharmakodynamik und -kinetik Rechnung. Ihr Ziel ist es, den funktionellen Status und damit die Lebensqualität und Autonomie alter und gebrechlicher Menschen zu verbessern und möglichst lange zu erhalten. In Verfolgung dieser Ziele bedient sich die geriatrische Medizin ähnlich wie die Naturheilkunde eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes, der neben dem Patienten auch Angehörige mit einbezieht und so den Schritt vollzieht: weg von der rein organfokussierten Medizin zu einer umfassenderen Herangehensweise, bei der die Wünsche der Patienten und der Erhalt bestmöglicher Autonomie in dem jeweils gegebenen Lebensumfeld wegweisend sind.

Physiologischer Alterungsprozess

DieAlterungsprozessegeriatrische Patienten:Alterungsprozess demografische Entwicklung zeigt weltweit eine Zunahme der Zahl älterer Menschen. Im Jahr 2002 waren weltweit 629 Mio. Menschen 60 Jahre oder älter, nach Berechnungen für das Jahr 2050 wird diese Zahl auf 2 Mrd. steigen. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte werden die über 60-Jährigen die Zahl der Kinder (0–14 Jahre) übersteigen.
Altern ist ein langsamer Prozess der Veränderung und Wandlung innerhalb des lebensgeschichtlichen Ablaufs. Altern bedeutet, dass Anpassungsmechanismen funktionsgemindert sind. Gleichzeitig werden neue Adaptionsmechanismen ausgebildet oder sie erhalten eine neue Qualität. Geriatrische Patienten begegnen uns in unterschiedlichen Stadien des körperlichen und geistigen Abbaus. Mit fortschreitendem Alter vermindert sich die Adaptionsfähigkeit und führt somit zu einem Anstieg der Morbidität bzw. Multimorbidität. Wegen dieser, d. h. dem Vorliegen mehrerer Krankheiten oder Organinsuffizienzen, erzielen gebrechliche Hochbetagte nach Unfällen und Krankheiten meist keine Restitutio ad Integrum, sondern oft Defektheilungen mit Restbeschwerden oder dem Verlust alltagspraktischer Fähigkeiten. Die Aufgabe einer organübergreifend denkenden, geriatrischen Herangehensweise liegt in der Restitutio ad Optimum, – im Erhalt oder dem Wiedererlangen größtmöglicher Alltagsautonomie.
Kennzeichnend für die Alterungsvorgänge der Organsysteme (Tab. 8.3) ist nicht nur der zahlenmäßige Funktionsverlust vieler Organe, sondern v. a. die Abnahme der Anpassungsfähigkeit der einzelnen Organsysteme mit steigendem Alter.
Alterungsvorgänge: Herz-Kreislauf-Systems
HerzAlterungsprozesse:Herz-Kreislauf-System-Kreislauf-Erkrankungen verursachen häufig körperliche Behinderungen im Alter, bei den Todesursachen stehen sie an erster Stelle. Zunehmende arteriosklerotische Veränderungen führen dazu, dass der Blutdruck im Alter v. a. zu einer systolischen Erhöhung tendiert. Etwa ⅔ der über 75-Jährigen leiden an Hypertonie, über die Hälfte an Hypertonie und Hypercholesterinämie. Die Kraft des Herzmuskels, Schlagvolumen und Herz-Minuten-Volumen sinken nicht nur in Folge einer linksventrikulären Hypertrophie, sondern auch allein schon durch eine altersbedingte Fibrosierung des Myokards (Altersherz). Bei körperlicher Belastung können Herzschlagvolumen und Herzfrequenz nicht so wie in jüngeren Jahren gesteigert werden, da zudem noch die Rezeptoren des vegetativen Nervensystems vermindert ansprechen. Die KHK und das akute Koronarsyndrom nehmen mit dem Alter überproportional zu.
Alterungsvorgänge: Atmungsorgane
Die Alterungsprozesse:AtmungsorganeElastizität der Lunge nimmt mit zunehmendem Alter allmählich ab. Alle wichtigen Parameter der Lungenfunktion verschlechtern sich deutlich (die Vitalkapazität z. B. um 44 %). Auch das der Selbstreinigung dienende Flimmerepithel der Atemwege schwindet nach und nach. Zusammen mit der Verminderung der Abwehr im Alter bahnt dies den Weg für Pneumonien, etwa im Rahmen einer Virusgrippe (Empfehlung: Grippeimpfung). Die Brustkorbbeweglichkeit und damit die Atembewegungen sind eingeschränkt. Bedingt durch die enorme Leistungsreserve des Lungenorgans fühlen sich aber nur ältere Menschen mit Lungenschädigungen, z. B. infolge langjährigen Rauchens, im Alltag eingeschränkt.
Alterungsvorgänge: Verdauungssystems
Alterungsprozesse:VerdauungssystemNeben dem häufig parodontosebedingten Zahnverlust und der damit verbundenen Einschränkung der Kaufunktion betreffen die Veränderungen des Verdauungssystems insbesondere den Bedarf an Nährstoffen und an Flüssigkeit.
Beim über 70-Jährigen ist der Kalorienbedarf auf rund 70 % des Kalorienbedarfes beim 20-Jährigen vermindert. Da jedoch der Eiweißbedarf unverändert bleibt, muss die Zufuhr an Kohlenhydraten und Fetten im Alter um 40–50 % absinken. Viele ältere Menschen berücksichtigen dies oft intuitiv. Einige, und hier insbesondere alleinstehende Männer, ernähren sich aber einseitig, sodass der Bedarf an Nährstoffen nicht gedeckt und gleichzeitig Übergewicht begünstigt wird. Umgekehrt sind nicht wenige alte Menschen unterernährt. Proteinmangel fördert den Verlust der Muskelmasse und begünstigt Muskelschwäche und Stürze – ein Problemkreis, der häufig mit der Bezeichnung „frailty“ (Gebrechlichkeit) beschrieben wird.
Ältere, v. a. übergewichtige Menschen leiden häufig an einer Refluxkrankheit. Eine verlangsamte Darmperistaltik begünstigt Blähungen und Obstipation.
Der ältere Mensch empfindet Durst meist nicht mehr so stark wie der jüngere. Zu wenig Flüssigkeit kann nicht nur eine Obstipation, sondern eine Exsikkose mit akuter Verwirrtheit, Fieber, orthostatischer Kreislauffehlregulation, Stürzen und eine zu geringe Urinproduktion (Oligurie) mit dem Risiko von Medikamentenkumulation im Körper hervorrufen. Auf eine ausreichende tägliche Trinkmenge von 1,5–2 l (25–30 ml/kgKG) muss daher geachtet werden (Ausnahme z. B. bei dekompensierter Herzinsuffizienz).
Alterungsvorgänge: Nieren und Harnwege
AuchAlterungsprozesse:Nieren die Leistung der Nieren nimmt mit steigendem Alter ab. Als Faustregel kann gelten, dass die glomeruläre Filtrationsrate bei einem 80-Jährigen nur noch die Hälfte von der eines 20-Jährigen beträgt. Bei der Harnblase nimmt mit zunehmendem Alter der Tonus zu und ihr Fassungsvermögen ab. Dies macht sich zuerst nachts bemerkbar. Mit bedingt durch die nachlassende Herzfunktion und eine Vergrößerung der Prostata bei Männern besteht bei ⅔ der über 65-Jährigen eine Nykturie.

Cave

Aufgrund der verminderten Leistungsfähigkeit der Nieren sollten Medikamente, die über die Nieren ausgeschieden werden, mit besonderer Vorsicht dosiert werden. Trotz eines scheinbar normalen Serumkreatininwerts kann die Clearance bei alten Menschen kritisch erniedrigt sein. Deshalb an Stelle des Serumkreatininspiegels einen errechneten Näherungswert für die glomeruläre Filtration verwenden, z. B. nach Cockcroft und Gault.

Alterungsvorgänge: Immunsystems
Alterungsprozesse:ImmunsystemSowohl die humorale als auch die zelluläre Immunität lassen beim älteren Menschen nach. B- und T-Lymphozyten und die bei Infektionen ausgeschütteten Botenstoffe wie Interferone und Interleukine nehmen deutlich ab. Folgen sind eine erhöhte Infektgefährdung und ein schwererer Verlauf der Infektionen und eine Veränderung des klinischen Bildes. Die Krankheiten verlaufen untypisch oder oligosymptomatisch, z. B. kann sich eine Pneumonie lediglich als Verwirrtheitszustand äußern, die typischen Symptome wie z. B. Fieber, Hämoptoe und Husten fehlen.
Alterungsvorgänge: Skelett- und Muskelsystems
Mit Alterungsprozesse:SkelettsystemAlterungsprozesse:Muskelsystemzunehmendem Alter werden die Knochen (besonders der Wirbelsäule und Hüfte) poröser und instabiler (Osteoporose). Frauen sind aufgrund der starken Abnahme der Geschlechtshormone nach den Wechseljahren und einer geringeren maximalen Knochenmasse stärker von Osteoporose betroffen als Männer. Bewegungsmangel und unzureichende Kalziumzufuhr zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr (also Jahrzehnte zuvor) verstärken die Osteoporose im Alter.
Die Knorpelschicht der Gelenke wird dünner und unelastischer. Sie verliert ihre Glattheit an stark belasteten Stellen und entzündet sich bei kleinsten Überbeanspruchungen. Dadurch kommt es zur Arthrose, bevorzugt zur Cox- und Gonarthrose, die viele ältere Menschen belastet.
Die Muskelmasse eines Erwachsenen vermindert sich jährlich um ca. 0,5 %. Als Sarkopenie (Muskelschwund) wird das Syndrom beschrieben, das durch progressiven Verlust an Muskelmasse zu Komplikationen, Behinderung und schwindender Lebensqualität führt. Die geschwundenen Muskeln werden i. d. R. durch Fett ersetzt. Der damit verbundene Kraftverlust ist nicht bei allen Muskeln gleich; so lässt z. B. die Kraft der Fußhebermuskeln besonders stark nach. Dies begünstigt das Stolpern über die Fußspitze.
Mit dem Begriff „Sarkopenie“ ist der der „frailty“ (Gebrechlichkeit) assoziiert. Er geht über das rein Somatische hinaus und umfasst psychische/soziale Gegebenheiten, die von prognostischer Relevanz sind.
Alterungsvorgänge: Sinnesorgane
Alterungsprozesse:SinnesorganeNeben der Altersweitsichtigkeit, dem (Teil-)Verlust der Hörfähigkeit und der Abnahme des Geschmacks- und Geruchssinns erfolgen diese Abnahmen von weiteren Sinnesleistungen:
  • Abnahme der Durstperzeption mit der Gefahr der inneren Austrocknung (Exsikkose)

  • Abnahme der Temperaturperzeption mit der Gefahr der Unterkühlung – über 65-Jährige können ohne Kältegefühl auf unter 35,5 °C Körpertemperatur abkühlen – und andererseits mit der Gefahr der Verbrennung (z. B. Wärmflasche)

  • Abnahme der Schmerzwahrnehmung (verstärkt bei Diabetes mellitus)

  • Abnahme der Propriozeption, die Balancefähigkeit etwa beim Überwinden kleiner Hindernisse am Boden leidet (erhöhte Sturzgefahr)

  • Abnahme der Druckwahrnehmung (Dekubitusgefährdung)

Besonderheiten der Therapien
Bei der Pharmakotherapie alter Menschen ist von ärztlicher Seite Fingerspitzengefühl gefordert. Nicht nur die verminderte Nierenfunktion, sondern auch ein reduzierter Wasser- und Proteingehalt des Körpers und eine eingeschränkte hepatische Enzymaktivität (z. B. Cytochrom P 450) spielen dabei eine Rolle. Im „geriatrischen Assessment“ werden alle medizinischen, funktionellen, psychischen, kognitiven und sozialen Aspekte gewichtet, um einen adäquaten Behandlungsplan erstellen zu können.
Nicht alle Krankheiten sind behandlungsbedürftig. Dennoch gilt, dass es neben einer Übertherapie (Polypharmazie) auch eine ungewollte Untertherapie gibt: Hier wird aus mangelnder Kenntnis eine auch beim Hochbetagten wirksame Therapie nicht durchgeführt (z. B. bei Herzinsuffizienz ACE-Hemmer und Betablocker).

Besonderheiten der Pharmakotherapie

geriatrische Patienten:PharmakotherapieObwohl multimorbide chronisch kranke und mehrheitlich alte Menschen mehr als 80 % der Ressourcen des Gesundheitswesens in Anspruch nehmen, handelt es sich bei diesen um eine kaum untersuchte: Multimorbidität, Niereninsuffizienz, multiple Krankheiten und kognitive Funktionseinschränkungen sind für die Teilnahme an klinischen Studien zusammen mit hohem Alter häufig Ausschlusskriterien. Im Alter nimmt die Heterogenität zu, und Heterogenität macht klinischen Studien komplizierter, langwieriger und teurer. Darüber hinaus schauen übliche Studiendesigns häufig nicht auf das, was multimorbide alte Menschen als vorrangige Behandlungsziele erachten: Beschwerdefreiheit und unabhängige Lebensführung. So kommt es, dass die Pharmakotherapie bei Multimorbidität in puncto Evidenz auf schwachen Beinen steht.
Wir therapieren bei multimorbiden Alten daher stets in einer Grauzone. Obwohl immer häufiger lebensbedrohliche Nebenwirkungen als iatrogene Schädigungen thematisiert werden, dämpft dies die Verschreibungsfreude kaum. An der Schnittstelle Klinik-Hausarzt kann dies zu Konflikten führen. So schreibt P. Landendörfer im Bayer. Ärzteblatt 12/2007: „Entlassungsmedikation bei Alten – Zeugnis von Ignoranten oder Hilflosen? So manche Medikationsempfehlungen bei Krankenhausentlassung älterer Menschen muten geradezu abenteuerlich an. Sie sind nicht nachvollziehbar, weil man merkt, wie wenig bei unseren klinischen Kollegen pharmakologisches Können oder gesundes Einfühlungsvermögen in die Lebensrealität älterer Menschen vorhanden sind. Man wird den Eindruck nicht los, dass einfach zu sehr die Diagnose, nicht aber der alte Patient selbst im Mittelpunkt therapeutischer Überlegungen stand.“ Wer ist für Polypharmazie verantwortlich? Gibt es Auswege aus dem Dilemma?
Negativ-Listen
In mehreren nationalen und internationalen wissenschaftlichen Projekten wurden sog. ‚PIM‘ (Potenziell Inadäquate Medikamente) für ältere Menschen identifiziert und gelistet (z. B. www.priscus.net). Fürden deutschen Sprachraum wurde die PRISCUS-Liste erstellt, eine Zusammenstellung von bisher 83 Medikamenten, die nach Expertenmeinung für die Behandlung Hochbetagter problematisch oder ungeeignet sein können. Solche Negativ-Listen haben aber auch ihre Schwächen:
  • bisher noch geringer Bekanntheitsgrad

  • eingeschränkter praktischer Nutzwert, da diese Listen

    • viele ungebräuchliche Medikamente enthalten (z. B. Pethidin, Phenobarbital),

    • Medikamente enthalten, die trotz „Listung“ häufig an Alte verordnet werden (z. B. Zopiclon, Digoxin) oder zu denen es keine Alternativen gibt (z. B. Haloperidol bei Delir),

    • Medikamente nicht enthalten, die häufig an der unsinnigen Polypharmazie alter Menschen beteiligt sind (z. B. Prazole).

Diese Probleme sind ein Grund, dass solche „do-not-use“-Listen alleine nicht in der Lage sein werden, das Problem „Polypharmazie im Alter“ zu lösen.
Anwendung geriatriespezifischer Prinzipien
Adäquate Wege aus der Polypharmakotherapie könnten sein:
  • Anwendung palliativmedizinischer Therapieprinzipien auf gebrechliche Hochbetagte durch Umschwenken auf eine strikt symptomlindernde Therapie, wenn folgende 3 Kriterien erfüllt sind:

    • „Nein“ als Antwort auf die Frage: „Wären Sie überrascht, wenn dieser Patient innerhalb der nächsten 6–12 Monate sterben würde?“

    • deutlich eingeschränkte Alltagsfunktionalität (Barthel-Index ≤ 50; der Barthel-Index von 0–100 dient der Quantifizierung von Pflegebedürftigkeit, wobei 0 eine absolute Pflegebedürftigkeit und 100 Autarkie in zehn Basisaktivitäten des täglichen Lebens bedeutet)

    • mindestens eine chronische fortgeschrittene Organkrankheit (Herzinsuffizienz ≥ NYHA III, fortgeschrittene Demenz, Niereninsuffizienz < GFR

  • Einsatz des geriatrischen Assessments zur Therapiesteuerung wenn Barthel < 70 und MMSE < 18) z. B. zurückhaltende Verordnung von oraler Antikoagulation

Nach dem Beispiel der STOPP- und START-Kriterien [5] können Leitlinien zur Pharmakotherapie umgesetzt werden: So wurden z. B. am Georgenhaus in Meiningen hausinterne Leitlinie zur Pharmakotherapie bei Gebrechlichkeit entwickelt, in der Medikamentengruppen aufgeführt sind, für die unter bestimmten Voraussetzungen ein Auslassversuch empfehlenswert ist (www.sozialwerk-meiningen.de, Geriatrische Fach-klinik). Da aber auch eine positive Bewertung von Medikamenten hilfreich sein kann, werden z. B. in der FORTA (fit for the aged) Klassifikation Medikamente in vier Gruppen von eindeutig positiver Nutzen-Risiko-Bewertung (Kategorie A) bis zur negativen Einschätzung (Kategorie D) eingeteilt [12].
Multimorbidität
Charakteristisch für den älteren Menschen ist die eingeschränkte Leistungsfähigkeit nicht nur eines Organs, sondern vieler Organe infolge natürlicher oder krankhaft beschleunigter Alterungsvorgänge. Die Multimorbidität kann die Behandlung des Patienten erheblich erschweren: So können therapierelevante Symptome verschleiert werden, da sich Symptome der Erkrankungen gegenseitig beeinflussen können. Ebenso kann ein Medikament zwar die eine Erkrankung bessern (z. B. Hypertonie), verschlechtert aber eine andere (z. B. eine gleichzeitige pAVK). Dies gilt auch für alle anderen therapeutischen Maßnahmen: Wärmeapplikation ist z. B. bei Kniegelenksarthrose indiziert, bei gleichzeitig bestehenden Krampfadern aber kontraindiziert.

Naturheilkundliche Verfahren in der Geriatrie

Die konventionellen Therapieempfehlungen im Sinne der EbM können aus den dargestellten Gründen der altersbedingten allgemein eingeschränkten Organfunktionen mit veränderter Pharmakokinetik einerseits und der häufig bestehenden Multimorbidität andererseits, entweder nur eingeschränkt oder gar nicht umgesetzt werden. Deshalb sind gerade in der Geriatrie die naturheilkundlichen Verfahren nicht nur in der Prävention, sondern auch zur Linderung der vielfältigen Beschwerden und zur Beschränkung der Medikamentenmenge auf das absolut notwendige Maß, so wertvoll. Der naturheilkundlich geschulte Arzt wird besonders achtsam und fürsorglich die adäquate Auswahl und Dosierung der Behandlungsmöglichkeiten bedenken.
Als Präventivmaßnahmen sind nicht nur in der Kurortmedizin die klassischen Naturheilverfahren bei älteren Menschen [8] erfolgreich, sie haben auch den Vorteil, dass sie zu Hause weitergeführt werden können.
Ordnungstherapie
Der ordnungstherapeutische Ansatz in der Geriatrie versteht sich heute auch als Teil der Gerontosozialtherapie. Zu Recht vollzieht sich seit einigen Jahren ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel – weg von der Inaktivierung und sozialen Isolierung älterer Menschen hin zu einer längeren und differenzierteren Tätigkeitsbiografie mit einem positiven Leitbild des aktiven Alterns [11]. Dabei gilt es, die individuellen Ressourcen zu berücksichtigen und zu fördern. Senioren, die noch in einer beratenden Funktion, in einem Ehrenamt, Verein oder in der Kinderbetreuung tätig sind, bleiben länger aktiv, sind seltener krank und haben eine höhere Lebenszufriedenheit [12].
Unabhängig von sinnstiftenden Tätigkeiten hat es sich gezeigt, dass das Beibehalten der Tagesstruktur, von Gewohnheiten und Riten stabilisierend wirkt. Dies schließt z. B. geregelte Zeiten für das Essen, Spaziergänge, Zeitungslesen, Hobbys ein. Viele älterer Menschen leiden unter einer Verarmung sozialer Kontakte. Hier sind nicht nur Altenklubs kirchlicher Vereinigungen, sondern auch Nachbarschaftshilfen und Mehrgenerationenhäuser hilfreich, die oft Gelegenheit zu künstlerischer Betätigung und Musiktherapie oder auch Gedächtnistraining anbieten.
Hydro- und Thermotherapie, Bewegungstherapie
Die Kneipp-Anwendungen mit ihren mehr als 100 verschieden zu dosierenden Möglichkeiten eignen sich hervorragend zu einer individuellen, milden Reiztherapie bei älteren Menschen. Da deren Haut empfindlich auf Austrocknung reagiert, sollte auf Rückfettung geachtet werden. Folgende Maßnahmen haben sich bewährt:
  • Kneipp-Waschung (Oberkörper- oder Ganzkörperwaschung) ggf. mit Rosmarintee oder Essigwasser als milde kreislaufanregende und immunstimulierende Maßnahme

  • kurzes kaltes Fußbad bei unruhigen Beinen und zur Schlafförderung

  • ansteigende Armbäder zur Überwindung von Kältegefühl und allgemeiner Durchblutungssteigerung

  • wechselwarme Knie- und Wadengüsse zur Blutdrucksenkung und zum Kreislauftraining

  • kalter Schenkelguss bei Varikosis, soweit Kälte vertragen wird

  • Bürstung, 1 × morgens, selbst oder durch das Pflegepersonal und Einbeziehung der Angehörigen (nicht bei trockener und empfindlicher Haut)

  • Gesichtsguss, auch Frottierungen und Abreibungen zur allgemeinen Belebung

  • Heublumensack bei muskulären Verspannungen und arthrotischen Beschwerden

  • Schafgarben-Bauchwickel bei Verdauungsbeschwerden

  • Leberwickel nach dem Mittagsmahl zur Förderung des Stoffwechsels

  • Quarkauflagen auf entzündete schmerzende Gelenke

  • zur Nacht ein schlafförderndes nicht zu warmes Melissenbad

Phytotherapie
Am häufigsten werden meist als Selbstmedikation Präparate aus folgenden Heilpflanzen zur Linderung diverser Altersbeschwerden eingesetzt: Ginkgo biloba, Ginseng, Eleutherokokkus, Weißdorn und Knoblauch ([1] und 5.5.5). Eingesetzt werden bei älteren Patienten je nach Beschwerden und Erkrankung Zubereitungen aus folgenden Arzneipflanzen:
  • Verdauungsförderung: Zubereitungen aus Bitterstoffen und/oder ätherischen Ölen, wie z. B. u. a. gelber Enzian, Tausendgüldenkraut, Kalmus, Engelwurz

  • leichte Herzinsuffizienz: Weißdornpräparate

  • Atemwegserkrankungen: z. B. Isländisch Moos, Schlüsselblume, Thymian, Eibische

  • Diureseförderung: Birke, Ackerschachtelhalm, Brennnessel, Goldrute

  • Blasenschwäche und benigner Prostatahypertrophie: Kürbissamen, Sägepalme

  • depressive Verstimmung: Johanniskrautpräparate

  • Schlafstörungen: Baldrian, Hopfen; Lavendel, Melisse und Passionsblume

  • Beschwerden des Bewegungsapparates: Teufelskralle, Weidenrinde und Brennnessel

Bewegungstherapie/Massagen

Merke

Die beste Prophylaxe vor altersbedingten Beschwerden und Krankheiten ist die regelmäßige Bewegung – soweit möglich 4 ×/Wo. je 30 Min. Spazierengehen oder Radfahren. Dabei darf es auch kurzfristig zu einer stärkeren Belastung kommen. Tägliche körperliche Betätigung beugt zudem einer demenziellen Erkrankung vor.

Zur Gesunderhaltung des Bewegungsapparates dienen auch gezielte krankengymnastische und bewegungstherapeutische Maßnahmen, die auch einen stabilisierenden Einfluss auf Herz, Kreislauf, Atmung und das zentrale Nervensystem haben, z. B. Koordinationstraining auch als Sturzprophylaxe.
  • Krankengymnastische Einzeltherapie oder auch Gruppentherapie dienen der Mobilisierung und Erhaltung umschriebener Gelenk- und Muskelfunktionen, entweder zur Prävention, aber auch zur Nachbehandlung bei operativen Eingriffen am Gelenkapparat. Gerade im Alter ist ein wesentliches Ziel der Bewegungstherapie der Erhalt der Gehfähigkeit. Darüber hinaus spielen gruppendynamische Effekte, Selbstbestätigung und Lebensfreude eine nicht unerhebliche Rolle.

  • Z. n. längerer Bettlägerigkeit: Ziel ist die Remobilisation. Dazu gehören die Thromboseprophylaxe durch Krankengymnastik, Atmungsübungen, isometrisch-isokinetische Übungen, passive, assistierte und aktive Übungen gegen Widerstand. Die Mobilisation aus dem Bett erfolgt in drei Schritten: Sitzen, Stehen und Gehübungen.

Ernährungstherapie
Das, was üblicherweise in einem Senioren-Single-Haushalt auf den Tisch kommt, entspricht nicht den anerkannten Ernährungsempfehlungen für ältere Menschen. Kein Wunder also, dass es nicht selten zu einer latenten oder manifesten Malnutrition kommt.
Ursache ist in erster Linie die zu geringe Nahrungsaufnahme bei zusätzlich oft falscher und einseitiger Auswahl von Lebensmitteln. Gründe für die unzureichende Nahrungsmittelaufnahme sind eine gesteigerte Aktivität von Sättigungsfaktoren (z. B. Cholezystokinin, Serotonin), Schmeck- und Riechstörungen (betrifft ca. 60 % der 65–80-Jährigen), Schluck- und Kauprobleme, hoher Medikamentenkonsum mit Wirkung auf Appetit und Speichelproduktion und Immobilität.
Bei der ernährungsbedingten „frailty“ (8.2.1) können spezielle Diäten oder eine künstliche Ernährung notwendig werden. Diese sind jedoch bei alten Menschen oft aus alltagspraktikablen Gründen (Akzeptanz) oder ethischen Erwägungen (Sondenernährung bei fortgeschrittener Demenz) nicht problemlos umzusetzen. Die Nahrung bei älteren Menschen muss also individualisiert und sorgfältiger als beim Jüngeren zusammengestellt und in ihrer Akzeptanz und Aufnahme supervidiert werden, am besten als eiweißreiche, fettarme Mischkost. Reichlich Ballaststoffe beugen der Obstipation vor und Milch und Milchprodukte sind entscheidend für die Aufnahme der erforderlichen 1.200 mg Kalzium. Viele Senioren, die Milchprodukte eher meiden, kommen um eine Supplementierung nicht herum, um Kalzium und Vit D (800 I. E.) bedarfsdeckend zuzuführen.

Praxistipp

  • Für ältere Menschen am günstigsten ist eine eiweißreiche, fettarme Mischkost. Ballaststoffe beugen der im Alter häufigen Obstipation vor, Milch und Milchprodukte sorgen für ausreichend Kalzium. Bei Neigung zu Hypertonie und Ödemen muss mit Salz gespart werden.

  • Können keine ausreichenden Nahrungsmengen aufgenommen werden, ist eine flüssige, voll bilanzierte Supplementnahrung angezeigt.

  • Die Ernährung über Nasogastralsonde ist heute weitgehend obsolet. Bei Schluck- und Kauproblemen mit Aspirationsgefahr kann in einzelnen Fällen die Anlage einer sog. PEG erforderlich werden.

  • Verlaufskontrolle der Ernährungstherapie: wöchentliches Wiegen mit schriftlicher Dokumentation, ggf. Bestimmung von Serumparametern (z. B. Albumin, Transferrin, Präalbumin, Cholinesterase, Elektrolyte, Eisen).

  • Mehrere kleine Mahlzeiten zubereiten, evtl. schon mundgerecht portioniert.

  • Aufgrund des oft deutlich reduzierten Durstempfindens ist auf eine ausreichende Trinkmenge von etwa 1,5 l–2 l/Tag zu achten.

  • Die Fähigkeit Glukose zu verstoffwechseln, sinkt altersbedingt durch eine reduzierte Insulinsekretion und/oder Insulinsensitivität. Regulierend wirken reichlich Gemüse, Obst und Ballaststoffe.

Erweiterte Naturheilverfahren und komplementärmedizinische Therapieverfahren
  • Mikrobiologische Therapie: Die mikrobiologische Therapie kann in der Geriatrie dazu dienen, die Immunität der Schleimhäute unterschiedlicher Organsysteme in gezielter Weise zu kräftigen. Bronchovaxom® z. B. enthält Bakterienlysat der im Bereich des Atemwegstrakts am häufigsten vorkommenden Bakterien und Pilze. Durch Verabreichung solcher pharmazeutischen Präparate lässt sich die Abwehr der Bronchien soweit stimulieren, dass Infektionen weitgehend verhindert werden können. Dies gilt nicht nur bei den im Alter so häufig auftretenden Atemwegsinfektionen, sondern selbstverständlich auch bei Erwachsenen und vor allen Dingen auch bei Kindern.

  • Mikronährstoffmedizin: Die geriatrische Malnutrition vermindert die Lebensqualität, verlängert die stationäre Verweildauer, erhöht das Risiko operativer Eingriffe und begünstigt eine Vielzahl von Erkrankungen und Befindlichkeitsstörungen. So wird z. B. die Entstehung eines Dekubitus bei bettlägerigen Personen begünstigt durch unzureichende Energiezufuhr, Proteindefizit, Mangel an Vitaminen A, C, bestimmten B-Vitaminen, Eisen und Zink.

    • Die Empfehlung der DGE für Vitamin D für über 65-Jährige (geringe Resorptionsquoten) kann über die Nahrung kaum gedeckt werden. Eine Zufuhr über Präparate sollte überlegt werden.

    • Bei älteren Menschen finden sich bei gleicher Vitamin-C-Aufnahme wesentlich niedrigere Vitamin-C-Spiegel im Blut als bei jüngeren Erwachsenen. Daher sollten täglich frisches Gemüse und Obst verzehrt werden.

    • 1/3 der älteren Generation leidet unter einer chronischen atrophischen Gastritis. Die Einnahme von VitaminB12-Präparaten wird dann für sinnvoll gehalten.

    • Die Kalziumzufuhr wird durch täglichen Verzehr von Milcherzeugnissen, reichlich dunkelgrünem Gemüse, Obst und kalziumreiche Mineralwässer verbessert.

    • Kanne-Brottrunk wird durch milchsaure Vergärung gebackenen Brotes aus Getreide ökologischer Herkunft gewonnen. Infolge des 6–9 Monate dauernden Vergärungsprozesses enthält der Brottrunk alle wesentlichen Spurenelemente, alle wesentlichen essenziellen Aminosäuren sowie viele Biokatalysatoren und Vitamine. Als Diätetikum enthält er pro 100 ml über 5 Millionen koloniebildender Brotmilchsäurebakterien. Milchsäurebakterien sind der zentrale Schutzfaktor der Schleimhautimmunität.

Arteriosklerotische Folgekrankheiten

Herzinsuffizienz
Herzinsuffizienzgeriatrische Patienten:HerzinsuffizienzTrotz einer im Alter allmählich nachlassenden kardialen Leistungsfähigkeit kommt es bei diesem natürlichen Vorgang kaum zu einer manifesten Herzinsuffizienz. Bis ins hohe Alter kann sogar mit angepasstem Ausdauertraining die Leistungsfähigkeit wieder gesteigert werden.
Viele ältere Menschen leiden jedoch an einer chronischen Herzinsuffizienz, die meist auf eine chronische Drucküberlastung durch jahrelang bestehende und nicht ausreichend behandelte Hypertonie zurückzuführen ist. In anderen Fällen ist die Herzinsuffizienz Folge einer chronischen KHK, eines Vitiums, einer pulmonalen Erkrankung oder einer Kardiomyopathie. Diese Form der kardialen Schädigung kann trotz leitliniengerechter Therapie zwar gebessert, aber allenfalls nur bei einem Klappenfehler operativ geheilt werden. Im Gegensatz zu früher gibt es jedoch für die modernen interventionellen und kardiochirurgischen Verfahren kaum noch ein Alterslimit, sodass die Lebensqualität selbst Hochbetagter mit einer Revaskularisation oder einem Klappenersatz wieder deutlich verbessert werden kann.
Im Vordergrund der Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz steht auch im Alter die leitliniengerechte Pharmakotherapie, die allerdings an eine häufig bestehende Niereninsuffizienz anzupassen ist. Gute Ergebnisse können auch mit einer angepassten (Überlastung vermeidenden) Bewegungstherapie erreicht werden. Adjuvant ist die Einnahme von Weißdornblätterextrakten (z. B. Crataegutt® novo tgl. 160–900 mg) bei einer Herzinsuffizienz im Stadium NYHA I–II indiziert. Weißdorn wirkt nicht nur positiv inotrop, sondern verbessert dank einer positiv dromotropen und negativ bathmotropen Wirkung die Koronardurchblutung und reduziert den peripheren Widerstand.
Weißdorn kann mit allen Medikamenten kombiniert werden.
Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)Neben einem strukturierten Gehtraining, auch als Intervalltraining, das klinisch den deutlichsten Effekt zeigt, können phytotherapeutisch Präparate aus Ginkgo biloba (Tebonin intens® 120, tgl. 2 × 1 Tbl.; bzw. Tebonin® Konzent® 240 mg, tgl. 1 × 1 Tbl.; Rökan®; Gingium® intens 120) gegeben werden, die die rheologischen Eigenschaften verbessern und Sauerstoffradikale binden helfen. Auch Knoblauchpräparate (z. B. Beni-cur® N, tgl. Tbl., 3 × 1), die ebenfalls die Fließeigenschaften des Blutes verbessern können, können hilfreich sein.
Soweit möglich sollte jedoch immer einer Revaskularisation der Vorzug gegeben werden.
Direkte hydrotherapeutische Anwendungen an der betroffenen Extremität sind ab dem Stadium IIb–III zwar kontraindiziert, dennoch lässt sich z. B. mit ansteigenden Armbädern über eine konsensuelle Reaktion die Durchblutung an der unteren Extremität verbessern. Auch Bindegewebsmassagen können reflektorisch zu einer Durchblutungssteigerung beitragen. Nachweislich führen auch Kohlensäurebäder und Vierzellenbäder bei kurmäßiger Behandlung zu einer Verbesserung der Durchblutungssituation und der klinischen Symptomatik.
Auf eine leichte mediterrane Kost und eine Trinkmenge von 1,5–2 l und regelmäßige Fuß- und Hautpflege ist zu achten.
Zerebrovaskuläre Insuffizienz
zerebrovaskuläre InsuffizienzMit zunehmendem Alter häufen sich Störungen der zerebralen Zirkulation meist infolge arteriosklerotischer Veränderungen der hirnversorgenden Gefäße (zu 25 % der A. carotis interna), aber auch durch Mikroembolien bei Vorhofflimmern. Auch im Rahmen einer hypertensiven Krise kann es zu einer neurologischen Symptomatik kommen. Erste klinische Zeichen erfordern immer eine rasche Abklärung, um einen zerebralen Insult zu verhindern. Ähnlich wie bei einem Myokardinfarkt ist auch hier eine sofortige intensivmedizinische Behandlung geboten.
Ist eine kausale Therapie nicht möglich, und liegen chronische Beschwerden vor, ist eine naturheilkundliche Behandlung zur Minderung der neuropsychologischen Defizite indiziert, die sich oft in zunehmenden Merk- und Konzentrationsstörungen, als Benommenheit, unklarer Schwindel, rasche Ermüdbarkeit und Gemütsschwankungen äußern können.
Diese kann aus verschiedenen Modulen bestehen.
  • Ordnungstherapie: Zu achten ist auf einen geregelten Tagesablauf, in dem Hektik vermeiden wird sowie auf das Pflegen sozialer Kontakte, z. B. in Gruppen mit Spielen, Denksportaufgaben und Gedächtnisübungen.

  • Bewegungstherapie: Regelmäßige Bewegung, z. B. Spazierengehen, verbessert die Hirnleistung. Krankengymnastische Koordinationsübungen und leichtes Krafttraining sind geeignet zur Sturzprophylaxe.

  • Hydrotherapie: In einer randomisierten Cross-over-Studie konnte nachgewiesen werden, dass durch einen kalten Gesichtsguss mit einem anschließenden kalten Nackenwickel, der über eine Min. belassen wurde, eine signifikante Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten bei älteren Menschen zu erzielen war [2]. Auch andere kleinere Kneippanwendungen wie Tautreten, Knie- und Schenkelgüsse sowie Bürstungen tragen sicherlich bei regelmäßigem Einsatz ebenfalls zu einer allgemeinen Stabilisierung und gesteigertem Wohlbefinden bei.

  • Ernährungstherapie: Entsprechend der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist auch bei zerebralen Durchblutungsstörungen eine mediterrane Kost zu empfehlen.

  • Phytotherapie: Trotz nicht einheitlicher Studienlage sind Präparate aus Ginkgoblättern in ausreichender Dosierung (Tebonin intens® 120 2 × 1 Tbl., Gingium intens® 120, Rökan) wegen ihrer durchblutungsfördernden und neuroprotektiven Wirkweise zu empfehlen. Bei beginnendem demenziellen Syndrom hat sich seit Langem zudem die Gabe von Präparaten aus Ginseng- und Taigawurzeln (Ardey-aktiv®, Kneipp Ginseng®, Ginsana® G115) zur Steigerung der geistigen und körperlichen Aktivität bewährt.

  • Ab- und ausleitende Verfahren – Aderlass: Bei einer Polyglobulie, die z. B. mit einer COPD und/oder einem Schlafapnoe-Syndrom einhergehen kann, lassen sich mit einer isovolämischen Hämodilution die rheologischen Eigenschaften und somit die mikrozirkulatorischen Verhältnisse verbessern.

Immobilität

Immobilitätgeriatrische Patienten:Immobilität Die Einschränkung oder der Verlust der Fähigkeit, sich in seiner Umgebung frei zu bewegen und die Aktivitäten des täglichen Lebens unabhängig auszuführen, ist multifaktoriell bedingt. Ursachen können sein, z. B. fehlende Anreize das Haus zu verlassen, hohes Alter, Schwäche infolge Abnahme der Muskelmasse, Trainingsdefizit, Adipositas, psychische Ursachen (Depression, Demenz, Angst), Schmerzen bei Arthrose, diverse Fußerkrankungen, aber auch Schwindel, Gangunsicherheit, Sturzgefahr und sog. Sturzangst. Zudem kann die Immobilität Folge von neurologischen und internistischen Erkrankungen sein, z. B. Z. n. Schlaganfall, M. Parkinson, Herzinsuffizienz.
Die Bewegungseinschränkung hat nach Dauer, Ausmaß und Art Auswirkungen in physischer und psychischer Hinsicht einschließlich der sozialen Folgen. Zur Remobilisierung ist vordringlich zu klären, inwieweit ein kausaler Ansatz möglich ist, z. B. durch Beseitigung von Barrieren, Beschaffung geeigneter Gehhilfen, Behandlung einer Depression, einer Herzinsuffizienz. Ebenso wichtig ist es, die verbliebenen Fähigkeiten der Patienten zur Selbsthilfe zu fördern und ihre gesunden körperlichen, emotionalen und kognitiven Anteile zu reaktivieren.
Ordnungstherapie
Es hat sich bewährt, im wahrsten Sinne des Wortes in „kleinen Schritten“ Mobilität wieder zurückzugewinnen, wobei jeder kleine Erfolg motivationsfördernd wirkt. Statt einer fordernden Haltung, die oft nur das Problemverhalten des Patienten verstärkt, soll mit Empathie, Verständnis und Wertschätzung gearbeitet werden. Es soll die Wichtigkeit und Erreichbarkeit einer positiven Veränderung mit Zuversicht vermittelt werden. Um allerdings die Bereitschaft zur Verhaltensänderung zu erreichen, bedarf es oft eines therapeutischen Gesprächs, in dem mögliche Ambivalenzen und unbewusste Blockaden erforscht und aufgelöst werden können. Erst wenn der Patient selbst zur Erkenntnis kommt, dass all die Anstrengungen zur Überwindung der Immobilität in seiner Lebenssituation noch Sinn machen, kann mit den nachfolgenden naturheilkundlichen Maßnahmen erfolgreich gearbeitet werden.
Hydro- und Thermotherapie
Insbesondere bei älteren Patienten gilt: „Jede Anwendung ist auch Zuwendung.“ Morgendliche Oberkörper- und Unterkörperwaschungen, kleinere Güsse und Teilbäder, die nach Anleitung vom Patienten dann soweit möglich auch selbst ausgeführt werden sollten. Paretische Extremitäten sollten in der Regel nur Warmanwendungen erfahren.
Balneo- und Klimatherapie
Wegen des Auftriebs sind die Bewegungsgrade im Bad verbessert, sodass aktive und passive krankengymnastische Mobilisierungsmaßnahmen zur Überwindung von somatischen Bewegungseinschränkungen besonders wertvoll sind.
Phytotherapie
Je nach den individuellen Gegebenheiten kann durch Einreibungen mit ätherischen Ölen eine milde Tonisierung (z. B. Rosmarin) oder leichte Beruhigung (z. B. Lavendel) erreicht werden. Dies lässt sich auch durch das Trinken von Rosmarin- oder Lavendeltee erreichen.
Bewegungstherapie
Zur Überwindung der Immobilität in ihren unterschiedlichen Ausprägungen sind physiotherapeutische Maßnahmen einschließlich der verschiedenen Massageformen einzusetzen. Die Physiotherapie ggf. in Kombination mit der Ergotherapie ist zusätzlich zur Motivationsförderung der wirksamste Therapieansatz.

Hinfälligkeit

Hinfälligkeitgeriatrische Patienten:Hinfälligkeit Bis zu 30 % der über 65-Jährigen und 40 % der über 80-Jährigen stürzen 1 ×/Jahr. Wiederholte Stürze verunsichern oft Patienten und Angehörige, verstärken eine Immobilität und begründen häufig den Umzug ins Altenheim. Stürze treten gehäuft auf am frühen Morgen, am Abend und nachts sowie an bestimmten Orten wie Bad/Toilette und bei Transfersituationen (Aufstehen/ins Bett gehen).
Unterschieden werden folgende, mit einem Sturz assoziierten Merkmale:
  • äußere: Stolperschwellen, mangelnde Beleuchtung, Bodenbelag, Treppen und -geländer, Schränke, Schubladen, ungeeignetes Schuhwerk, ungeeignete Sitzgelegenheiten

  • innere: z. B. zunehmendes Alter, weibliches Geschlecht, positive Sturzanamnese, Kachexie, Blutzuckerschwankungen, Blutdruckschwankungen, chronischer Schwindel, funktionelle Einschränkungen im täglichen Leben, Gang- und Balancestörungen, Arthrosen, Osteoporose, akuter Schwindel, visuelle Einschränkungen, neurologische Defizite/Paresen

  • iatrogene: psychotrope Medikamente (Benzodiazepine, Neuroleptika, Antidepressiva), Antihypertensiva, Diuretika, Multimedikation (mehr als 4 Medikamente)

Hydro- und Thermotherapie
Bei Varikosis und chronisch venöser Insuffizienz, die zu orthostatischen Problemen beitragen können, eignen sich vorbeugend regelmäßige kalte Beingüsse und Wassertreten (Kompressionsstrümpfe nicht vergessen).
Zur allgemeinen Kreislaufstabilisierung eignen sich regelmäßig durchgeführte kleinere Kneippanwendungen am Morgen und vor dem Zubettgehen.
Phytotherapie
Soweit psychotrope Pharmaka als potenzielle Sturzursache in Betracht kommen, sollte der Versuch der Umsetzung auf entsprechende Phytopharmaka (5.5.5) unternommen werden.
Bewegungstherapie
Spazierengehen, Wandern, Tanzen, Joggen, Radfahren, jede Form der mehrfach wöchentlich durchgeführten aktiven Bewegungsformen bewirkt ein Training der körperlichen und mentalen Funktionen und ist daher entscheidend für die Sturzprophylaxe. Spezielle Koordinationsübungen und Übungen zur Verbesserung der Reaktionsfähigkeit, wie sie oft in Altenklubs angeboten werden, bis hin zu einem gezielten Falltraining, haben ihre Wirksamkeit bewiesen.

Merke

Ältere Menschen, die länger als 30 Sek. auf einem Bein stehen können, haben ein signifikant geringeres Risiko zu stürzen und sich dabei zu verletzten [10].

Praxistipp

  • Langsam vom Liegen oder Sitzen aufstehen.

  • Mehrmals täglich 10–20 sog. Sitzkniebeugen.

  • Beim Betreten eines dunklen Zimmers abwarten, bis sich Augen an die Lichtverhältnisse gewöhnt haben.

  • In der Wohnung möglichst immer an Möbeln oder Griffen festhalten, evtl. Hilfsmittel verwenden (Gehstütze, Stock).

  • Fragen der Wohnraumanpassung diskutieren, Stolperschwellen beseitigen.

  • Zweckmäßige Kleidung empfehlen: Ggf. Röcke, Nachthemden kürzen, feste Schuhe mit rutschfester Sohle, ggf. Hüftprotektoren.

  • Brille regelmäßig säubern und aufsetzen, gebrochene Brillengestelle reparieren lassen.

  • Bei Alleinlebenden Möglichkeiten für Notruf- oder Kontrollanrufsystem prüfen.

Verwirrtheit

Verwirrtheitgeriatrische Patienten:Verwirrtheit Unterschieden wird eine akute Verwirrtheit (Delir Tab. 8.4) und chronische Verwirrtheit (Demenz Tab. 8.4).
  • Die akute Verwirrtheit ist gekennzeichnet als Verwirrtheit:akuteStunden bis Tage anhaltender reversibler akuter Symptomenkomplex mit Bewusstseins-, Orientierungs-, Denk- und Wahrnehmungsstörungen sowie psychomotorischer Unruhe.

  • Die chronische Verwirrtheit hingegen ist Verwirrtheit:chronischeselten reversibel, sie ist organisch bedingt und verläuft meist über längere Zeit progredient. Zusätzlich zum chronischen Verwirrtheitszustand treten meist auch Störungen der Stimmung (Depression) und Befindlichkeit sowie körperliche Symptome (Inkontinenz, Immobilität) auf.

Bei 15 % handelt es sich um sekundäre Demenzen, die durch internistische oder neurologische Erkrankungen bedingt sind. Mehrheitlich führen direkte Hirnschädigungen zur primären Demenz und hier in 50–60 % aller Demenzen zu einer präsenilen (Beginn vor dem 65. Lj.) oder senilen Demenz (Beginn nach dem 65. Lj.) vom Alzheimer-Typ.
Da sich die Behandlung der Demenz zurzeit auf eine symptomatische Therapie mit dem Ziel einer Verzögerung des Krankheitsverlaufs beschränkt, kommt der Prävention im Sinne einer Lebensstil-Intervention und Kontrolle vaskulärer Risikofaktoren eine hohe Bedeutung zu [15].
Ordnungstherapeutische Aspekte in der Führung dieser Patienten betreffen die Soziotherapie – die Wichtigkeit v. a. der emotionalen Zuwendung von Angehörigen, Therapeuten und Pflegepersonal. Die Autonomie der Patienten sollte so lange wie möglich erhalten bleiben. Maßnahmen zur Förderung der Orientierung vermeiden unnötige Angst- und Erregungszustände. Insbesondere bei Alzheimer-Patienten hat sich das Singen in Gruppen und die Musiktherapie als psychisch stabilisierend bei Affektlabilität erwiesen. Ein strukturierter Tagesablauf hilft, Verschiebungen im Schlaf-wach-Rhythmus zu vermeiden.
Auch bei diesen Patienten sind motorische und sensorische Reizsetzungen durch eine adäquate Bewegungstherapie und hydrotherapeutische Anwendungen niedriger Reizintensität sinnvoll, obwohl es hierzu keine validen klinischen Belege gibt. Bewegung dämpft psychomotorische Erregungszustände.
Adjuvant können zudem folgende Maßnahmen eingesetzt werden:
  • Versuchsweise können Gesichtsgüsse durchgeführt werden, die physiologischerweise zu einer Verbesserung der Durchblutung im präfrontalen Kortex beitragen können.

  • Bei Hypertonikern ist auf einen gut eingestellten Blutdruck (Zielwerte systolisch 130–140 mmHg bzw. diastolisch 80–90 mmHg) zu achten.

  • Wegen des fast immer deutlich verminderten Durstgefühls muss auf eine tägliche Flüssigkeitszufuhr von 2 l geachtet werden, da eine Dehydratation delirante Zustände auslösen oder verstärken kann.

  • Ginkgo-biloba-Extrakte können – so das Ergebnis tierexperimenteller Studien – zur Regeneration von geschädigten neuronalen Mitochondrien beitragen. Klinische Studien scheinen positive Effekte auf die Merkfähigkeit bei beginnender Demenz nach mehrwöchiger Einnahme nachweisen zu können [3].

Inkontinenz

Die Inkontinenzgeriatrische Patienten:InkontinenzInkontinenz ist ein häufiges Problem v. a. bei multimorbiden, bewegungseingeschränkten und hirnleistungsgeminderten Patienten. Die Ursachen sind vielfältig vom Deszensus bei Frauen, Prostataerkrankungen, Entzündungen bis zu einer gesteigerten Sensibilität und Erregbarkeit des M. detrusor vesicae, die zu einer Dranginkontinenz selbst bei geringem Füllungszustand der Harnblase führen. Statt eine Inkontinenz zu verbergen und sich fatalistisch zu verhalten, lohnt eine urologische Abklärung.
80–90 % der schwer- und schwerstpflegebedürftigen Alten-/Pflegeheimbewohner sind inkontinent. Davon ausgehend, dass etwa 1/3 aller Altenheimaufnahmen direkt oder indirekt durch Inkontinenz begründet sind, kommt der Inkontinenzprophylaxe, -früherkennung und -therapie ein hoher Stellenwert zu.
In fortschrittlichen Altenheimen hat sich das sog. „toileting by clock“ bewährt, d. h. der Bewohner wird aufgefordert (und häufig begleitet) zur Toilette zu gehen, bevor er Harn- oder Stuhldrang spürt.
Ordnungstherapie
Bei psychovegetativ bedingter Pollakisurie und imperativem Harndrang sind Entspannungsverfahren zu empfehlen. Durch Miktionstraining und Beckenbodengymnastik können ebenfalls in gewissem Umfang Episoden von Inkontinenz vermieden werden.
Hydro- und Thermotherapie
Regelmäßige warme Sitzbäder bewirken eine reflektorische Entspannung der Blasenmuskulatur.
Phytotherapie
Bei Inkontinenzbeschwerden, die im Intervall mit rezidivierenden Harnwegsinfekten auftreten, sind Präparate aus der „echten“ Goldrute (z. B. Cysto Fink®, tgl. 3–4 Kps.), Hauhechelwurzel, Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel (z. B. Angocin® N, tgl. 3–4 Tbl.) nach dem derzeitigen phytopharmakologischen Stand sinnvoll. Die Behandlung einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) incl. einer begleitenden Inkontinenz stellt eine Domäne der Phytotherapie dar. Phytosterole aus Kürbissamen, Hypoxis-rooperi- und Brennnesselwurzeln wirken antiphlogistisch, antiödematös, dekongestionieren und bessern so die Drangsymptomatik (z. B. Bazoton® N tgl. 2 × 2 Kps., Prostagutt® forte, tgl. 2 × 1 Kps., Azuprostat, Harzol).

Verdauungsbeschwerden, Inappetenz und Malnutrition

Diegeriatrische Patienten:Inappetenzgeriatrische Patienten:Verdauungsbeschwerden im Kindesalter bekannte „Gedeihstörung (failure-to-thrive-Syndrom)“ wird bei geriatrischen Patienten häufig als Altersabbau, Fehlernährung, Inanition, Kachexie oder frailty bezeichnet. Kennzeichnend ist ein schleichender Gewichts- und Kraftverlust mit Mobilisationseinbußen und psychosozialen Folgeschäden.
Neben dem biologischen Altern kann die Malnutrition – die Deutsche Seniorenliga e. V. (DSL) hat hierzu eine informative Broschüre Mangelernährung im Alter herausgegeben – durch folgende Ursachen hervorgerufen werden: Kaubeschwerden (nicht passender Zahnersatz), Schluckbeschwerden, nachlassender Appetit, Heimaufenthalt, inadäquates Essen auf Rädern, Armut, Demenzen sowie durch Arzneimittelnebenwirkungen (z. B. Analgetika, Serotoninantagonisten, Digitalis, Chemotherapeutika, Anticholinergika, Opiate). Symptome der Malnutrition sind Gewichtsabnahme, Sarkopenie und Immobilität ungeklärter Ursache (steht nicht mehr vom Stuhl auf), Tremor, Zittrigkeit, Schwäche sowie psychosoziale Begleiterscheinungen (Hirnleistungsstörungen, Depression, Isolation).
Phytotherapie
Malnutrition in Folge einer altersbedingten funktionellen Störung des Magen-Darm-Traktes lässt sich phytotherapeutisch besser behandeln als mit synthetischen Präparaten. Im Vordergrund stehen hier Amara (AmaraBitterstoffdrogen), z. B. Andornkraut, Artischockenblätter, Benediktenkraut, Bittere Schleifenblume, Condurangorinde, Orangenschalen, Schafgarbe sowie Aromatika, z.Aromatika B. Angelikawurzel, Galgantwurzel oder Ingwer.

Praxistipp

  • Wichtig sind regelmäßige Mahlzeiten in einer angenehmen, stilvollen Atmosphäre, auch wenn nur wenig gegessen wird, um die zirkadianen Rhythmen der Darmperistaltik und die Freude am Essen anzuregen.

  • Leber-Wickel nach dem Essen wirken stoffwechselaktivierend.

  • Auch körperliche Betätigung (Gehen ist hier besser als z. B. Radfahren) wirkt einer Trägheit des Magen-Darm-Traktes entgegen.

  • Kolonmassagen regen die Darmperistaltik an.

Studien

In mehreren neueren klinischen Studien konnte die positive Wirkung der Iberogast Tinktur bei gastrointestinalen Beschwerden, wie z. B. Sodbrennen und Reizdarm nachgewiesen werden (20 Tr. 15 Min vor dem Essen).

Ernährungstherapie
Appetitanregend wirken Fleischsuppen. Sie reichen aber nicht für den Kostaufbau hin zu kalorien- und eiweißreichen Mahlzeiten. Besonders bei Demenzkranken hat sich fantasievoll zubereitetes „Fingerfood“ statt der üblichen großen Mahlzeiten bewährt.
  • Fleisch und hier vorzugsweise weißes Fleisch (Geflügel, Fisch) wird gedünstet und geschmort besser verdaut als Gebratenes. Wegen der ohnehin im Alter vermehrten Neigung zu Blähungen sollte ggf. auf Weiß- und Rosenkohlgerichte verzichtet werden.

  • Appetitanregende Gewürze sind wegen der reduzierten Geschmackswahrnehmung besonders wichtig und besitzen darüber hinaus eine verdauungsfördernde Funktion (Thymian, Rosmarin, Kümmel, Wacholderbeeren).

Zwischen den Mahlzeiten können bei Malnutrition hochkalorische Drinks angeboten werden. Zum Frühstück eignen sich Müslis aus Hafer- und Gerstenflocken mit Obst, da wegen des hohen Ballaststoffanteils die Darmperistaltik angeregt wird. Bei Neigung zu Obstipation können Leinsamen zugegeben werden. Bei Neigung zu Dysphagie empfiehlt sich, die Getränke anzudicken.

Schlafstörungen

Schlafstörungengeriatrische Patienten:Schlafstörungen Über Schlafstörungen klagt 1/3 der über 60-Jährigen. Einerseits zählen Schlafstörungen zu den häufigen Problemen im Alter, andererseits sind die oft dafür verwendeten Medikamente Quelle von Problemen (z. B. Stürze, failure-to-thrive-Syndrom, failure-to-thrive-SyndromInappetenz). Hier liegt eine große Indikation für Naturheilkunde.
Bei der Beurteilung von Schlafstörungen muss das stark veränderte physiologische Schlafverhalten im Alter beachtet werden:
  • Die notwendige Schlafdauer nimmt leicht ab. Durchschnittlich beträgt sie 6–7 Std., im Einzelfall schwankt sie von 4–10 Std.

  • Häufig unterbricht Nykturie den Schlaf.

  • Die Schlafqualität ändert sich deutlich. Die Tiefschlafphasen sind verkürzt oder verschwinden, kurze Aufwachperioden (micro arousals) nehmen zu, sodass der Schlaf leichter störbar wird (z. B. durch Lärm, Spannungen oder Erkrankungen).

  • Parallel zum kürzeren und unterbrochenen Nachtschlaf kommt es tagsüber zu kurzen Einschlafphasen.

Es gilt, auch häufige Ursachen für Schlafstörungen zu erkennen und ggf. auszuschalten, wie Genussmittel (z. B. Kaffee, Tee, Nikotin, aber auch Kakao oder Alkohol), Medikamente (z. B. Antidepressiva, Theophyllin). Zudem sollten psychische Belastungssituationen soweit wie möglich minimiert und auf ein schlafförderndes Raumklima geachtet werden. Bei Schlafapnoe oder Restless-legs-Syndrom ist eine Behandlung angezeigt.
Ordnungstherapie
Aus chronobiologischen Gründen ist es ratsam, trotz eventuell nicht ausreichender Schlafdauer immer etwa zur gewohnten Zeit aufzustehen und sich während des Tages nicht hinzulegen. Auch die Phasen geistiger und ermüdender körperlicher Aktivität sollten weitestgehend zur gleichen Zeit in den Tagesablauf integriert werden. Infolge der zirkadianen Absenkung der Körpertemperatur am Abend sollte die Temperatur im Schlafzimmer nicht über 20 °C liegen. Verschiedene Entspannungstechniken, z. B. Muskelentspannung, kognitive Verhaltenstherapie, im Sinne der Mind-Body-Medizin sind in Metaanalysen für die Indikation Schlafstörungen positiv bewertet worden.
Hydro- und Thermotherapie
Wegen ihrer regulierenden Wirkung auf die vegetativen Zentren ist die Kneipp-Hydrotherapie v. a. bei Schlafstörungen indiziert. Wassertreten, ein kurzes kaltes Fußbad oder ein absteigender Wadenguss vor dem Zubettgehen erhöht reaktiv den parasympathischen Tonus. Bei kalten Füßen sollte dagegen ein warmes oder aufsteigendes Fußbad angewandt werden. Auch Vollbäder (37–39 °C, nicht wärmer und nicht länger als 15 Min.) mit Zusätzen von Melisse oder Lavendel wirken nachweislich schlaffördernd.
Phytotherapie
Bei leichten bis mittelschweren Schlafstörungen sind insbesondere bei älteren Menschen phytotherapeutische Zubereitungen aus Baldrianwurzel oft in Kombination mit Hopfenzapfen (z. B. Hovaletten® N, Ivel®), Melisse (z. B. Euvegal®), Passionsblumenkraut (z. B. Visinal®), Lavendelblüten und Johanniskraut den synthetischen Arzneimitteln eindeutig vorzuziehen. Allerdings wirken sie weniger bei Durchschlaf- als bei Einschlafstörungen.

Praxistipp

Aufgrund des verzögerten Wirkungseintritts sollte von den pflanzlichen Fertigpräparaten bereits vor dem Abendessen die erste Dosis (z. B. 2 Drgs.) und ½ Std. vor dem Schlafengehen die zweite Dosis eingenommen werden.

Bei Baldriantees oder Tropfen besteht allerdings oft die Gefahr der Unterdosierung, die sogar zu paradoxen Reaktionen führen kann. Die richtige Dosierung beträgt 2 TL Droge pro Tasse bzw. 2–3 ml Tinktur.

Ernährungstherapie
Zwischen einem leichten Abendessen und dem Schlafengehen sollten mindestens 3 Std. liegen. Rohkost und andere blähende Nahrungsmittel sollten am Abend vermieden werden. Warme Milch mit Honig oder Haferbrei wirkt wegen des hohen Tryptophangehalts dagegen schlaffördernd.

Schmerzen des Bewegungsapparats

Die geriatrische Patienten:SchmerzenBewegungsapparat, SchmerzenMehrzahl der älteren Menschen klagt häufig über Schmerzen. Verursacht werden sie meistens durch degenerative und reaktiv entzündliche Prozesse an der Wirbelsäule und den Gelenken sowie durch eine daraus resultierende Fehlstatik, aber auch durch myofasziale Syndrome. Chronisch wiederkehrende Schmerzen prägen sich im Schmerzgedächtnis ein und führen so zu einer akzentuierten Schmerzwahrnehmung.
Chronische Schmerzen begünstigen nicht nur eine zunehmende Immobilität, sondern auch Schlafstörungen und die Entwicklung einer Altersdepression. In eine Art Circulus vitiosus verstärkt eine solche Entwicklung wiederum die Schmerzwahrnehmung mit der Gefahr eines Schmerzmittelabusus.
In der Behandlung von chronischen Schmerzzuständen eignen sich daher die seriellen, reizsetzenden Naturheilverfahren im Sinne einer adaptogenen Normalisierung besonders gut.
Ordnungstherapie
Ziel ist es, trotz Schmerzen den Patienten zu moderater Bewegung zu motivieren, um die sich sonst entwickelnde zunehmende Immobilität zu umgehen und die Autonomie zu erhalten. Bei chronischem Schmerzsyndrom ist oft eine begleitende Gesprächstherapie sinnvoll. Entspannungsverfahren zu Schmerzbewältigung haben sich zudem bewährt.
Hydro-, Balneo- und Thermotherapie

Merke

Bei chronischen Schmerzen ist in der Regel Wärme das Mittel der Wahl, bei akut entzündlichen Prozessen ist Kälte angezeigt.

Studien

Der Auftrieb in einem Bad verbessert die Bewegungsfreiheit und die therapeutischen Möglichkeiten. Daher sind bei vielen älteren Menschen die Thermalbäder so beliebt, was sich auch in Studien bestätigt [7].

Nach Warmbädern sollte jedoch auf kurze kalte Güsse (z. B. Knie- oder Schenkelguss) nicht verzichtet werden, da sie vor orthostatischer Dysregulation schützen können.
  • Bei lokalen Schmerzen insbesondere mit muskulären Verspannungen empfiehlt sich als Wärmeträger ein Heusack, da die Cumarine in den Heublumen zusätzlich muskelrelaxierend und sedierend wirken.

  • Eine aktivierte Arthrose wird am besten durch eine Kältepackung, einen kalten Wickel (z. B. mit Quark) behandelt.

  • Die Beweglichkeit der Finger bei schmerzhaften Fingergelenksarthrosen kann durch Spielen in einem warmen Kiesbett oder Vogelsandkneten verbessert werden, auch warme Paraffin- oder Ölbäder eignen sich dazu.

Phytotherapie
  • Zu lokalen Einreibungen stehen verschiedene ätherische Öle, z. B. Campher, Eukalyptusöl, Fichten- oder Kiefernnadelöl oder Minzöl, zur Verfügung, die bei Muskelschmerzen und weichteilrheumatischen Beschwerden mit ihrem breiten Wirkungsspektrum Linderung bringen können. Auch hyperämisierend capsaicinhaltige Pflaster wirken schmerzstillend v. a. bei Lumbalgien.

  • Auf konventionelle Analgetika sollte besonders bei Behandlungsbeginn nicht verzichtet werden, da Phytopharmaka nicht so schnell wirken. Es sollte das Ziel sein, durch rasche Schmerzlinderung schnell die Funktionalität wiederherzustellen. Wegen der Nebenwirkungen bei längerfristiger Einnahme von NSAR eignen sich für die Fortsetzung der Behandlung Präparate aus verschiedenen Heilpflanzen, wie Brennnesselkraut (z. B. Rheuma Hek® tgl. 2 × 2 Hartkps.), Teufelskrallenwurzel (z. B. Cefatec® tgl. 2 × 1 Brausetbl.), Weidenrinde (Assalix® tgl. 2 × Drg.). Einzusetzen ist auch ein bewährtes Kombinationspräparat aus der Pappel- und Eschenrinde sowie aus dem Goldrutenkraut (Phytodolor® Tinktur tgl. 3 × 40–60 Tr.).

  • Zur Anwendung kommen auch Tees aus Süßholz und Bittersüß (Dulcamara), die eine cortisonähnliche Wirkung haben.

Studien

An weitere Möglichkeiten zur Schmerztherapie erwies sich die klassische Massage etwa gleich effektiv wie Entspannungsübungen oder die Akupunktur. Die Elektrotherapie in Form von TENS scheint allerdings noch etwas besser zu wirken [4]. Bei Myogelosen kann auch Schröpfen rasche Erleichterung schaffen.

Bewegungstherapie
Die verschiedenen Verfahren der Bewegungs- und Physiotherapie ermöglichen eine individuelle Therapie bei dem breiten Spektrum von Ursachen an Schmerzen des Bewegungsapparates.

Studien

In zahlreichen Studien konnten die positiven Effekte der Bewegungstherapie insbesondere bei chronischen Rückenschmerzen bestätigt werden [6].

Bei aktivierten Arthrosen muss allerdings das Gelenk vorübergehend ruhiggestellt werden, ehe nach Abklingen der Entzündung mit bewegungstherapeutischen Maßnahmen begonnen werden kann.

Literatur

[1]

M. Bocksch Phytotherapie für die tägliche Praxis 2008 Holzmann Bad Wörishofen

[2]

T.J. Doering J. Thiel B. Steurenagel Veränderung kognitiver Hirnleistungen im Alter durch Kneipp-Anwendungen Forsch Komplementärmed Naturheilkd 8 2001 80 84

[3]

E. Ernst M.H. Pittler Ginkgo biloba for dementia. A systematic review of double-blind, placebo-controlled trials Clin Drug Invest 17 1999 301 308

[4]

A.D. Furlan L. Brosseau M. Imamura Massage for low back pain Cochrane Database Syst Rev. 2 2002 CD001351

[5]

P. Gallagher C. Ryan S. Byrne STOPP (Screening Tool of Older Person‘s Prescriptions) and START (Screening Tool to Alert doctors to Right Treatment). Consensus validation Int J Clin Pharamacol Ther 46 2008 72 83

[6]

J.A. Hayden M.W. van Tulder A.V. Malmivaara Metaanalysis: exercise therapy for nonspecific low back pain Ann Intern Med 142 9 2005 765 775

[7]

M.Z. Karagülle M. Karagülle Balneotherapy and spa therapy of rheumatic diseases in Turkey: a systematic review Forsch Komplementarmed Klass Naturheilkd 11 1 2004 Feb 33 41

[8]

H. Leuchtgens T. Albus C. Uhlemann Auswirkungen der Kneipp-Kur, einer standardisierten Komplextherapie, auf Schmerz, Lebensqualität und Medikamentenverbrauch: Kohortenstudie mit 1-Jahres-Follow-up Forsch Komplementarmed 6 1999 206 211

[9]

Z.J. Lipowski Delirium in the elderly patient N Engl J Med 320 1989 578 582

[10]

A. Pierobon M. Funk Sturzprävention bei alten Menschen 2007 Thieme Stuttgart

[11]

J.U. Prager U. Schoff Aktives Altern in wertschaffender Beschäftigung Bertelsmann Stiftung Älter werden – aktiv bleiben. Gütersloh: Bertelsmann Verlag 2006 141 151

[12]

J. Siegrist O. Knesebeck C.E. Pollack Social productivity and well-being of older people Social Theory and Health 2 2004 1 17

[13]

P.D. Sloane (1992). Normal aging R.J. Ham P.D. Sloane Primary Care Geriatrics 2. A. 1992 Mosby St. Louis

[14]

M. Wehling H. Burghardt Arzneitherapie für Ältere 2012 Springer Heidelberg

[15]

W. Wüst Neues aus der Geriatrie Bayerisches Ärzteblatt 6 2012 280 287

Naturheilverfahren bei Patienten mit onkologischen Erkrankungen

Axel Eustachi

onkologische Erkrankungen

Onkologische naturheilkundlich-komplementäre Therapie

In diesem Kapitel sollen diejenigen Verfahren vorgestellt werden, die die konventionelle Tumortherapie sinnvoll begleiten und ergänzen können, um typische Symptome einer Tumorerkrankung oder Nebenwirkungen der konventionellen Therapie zu behandeln. Da es sich nicht ausschließlich um Methoden handelt, die zu den klassischen Naturheilverfahren zählen, werden sie als „naturheilkundlich-komplementäre (ergänzende) Therapien“ bezeichnet.
Kommunikation mit dem Patienten
Es ist derzeit davon auszugehen, dass jeder zweite Krebspatient während des Krankheitsverlaufs eine naturheilkundlich ergänzende Beratung oder Behandlung sucht, um letztendlich alles zu tun, was die Heilungs- oder Stabilisierungschancen verbessern könnte [13]. Mit diesem Anliegen wenden sich allerdings nur 18 % der Betroffenen an ihren Hausarzt [30].
Hier besteht erheblicher Handlungs- und Optimierungsbedarf seitens der Ärzteschaft, um zumindest eine möglichst pragmatische Beratung der Betroffenen zu gewährleisten und sie nicht der Gefahr der werbenden, pseudowissenschaftlichen Information durch das Internet auszusetzen oder gar pekuniär orientierten – aber möglicherweise kontraproduktiven – Behandlungsangeboten zu überlassen.
Wahl der Therapieverfahren
Um zu einer pragmatischen Vorgehensweise für die Beratung und Behandlung eines Tumorpatienten bezüglich naturheilkundlich-komplementärer Therapien zu kommen, sind folgende Überlegungen von zentraler Bedeutung:
  • Welche Therapie oder Intervention ist für den Patienten sinnvoll, weil entweder eine entsprechende Evidenz vorliegt oder nach derzeitigem Stand der Erfahrung anzunehmen ist, dass die Empfehlung die Lebensqualität stabilisieren oder verbessern kann – ohne zu schaden?

  • Welche Verfahren können – trotz fehlender wissenschaftlicher Absicherung – als akzeptabel oder tolerabel angesehen werden zur Behandlung bestimmter Nebenwirkungen der konventionellen Standardtherapie, zur Verbesserung der Lebensqualität oder zur Unterstützung des Therapieerfolgs?

  • Bei einem kurativen Therapieansatz können möglichst gesicherte, sinnvolle naturheilkundlich ergänzende Verfahren zur Behandlung von Nebenwirkungen der Standardtherapie und zur Verbesserung der Lebensqualität zum Einsatz kommen – sofern keine Beeinträchtigung der Standardtherapie zu befürchten ist und der Patient die Anwendung dieser Verfahren wünscht.

  • In der palliativen Situation steht die Lebensqualität des Patienten im Zentrum der therapeutischen Bemühungen. Daher ist in diesem Fall die Auswahl der Verfahren etwas weniger streng an den o. g. Kriterien zu orientieren. Die Sicherheit und Sinnhaftigkeit bleiben gleichwohl als zentrale Anforderungen auch in dieser Situation bestehen.

Gefahren und Nebenwirkungen
Die größte Gefahr bei unkritischer Anwendung naturheilkundlich-komplementärer Verfahren besteht darin, dass geeignete diagnostische und therapeutische Verfahren der konventionellen Medizin nicht rechtzeitig angewandt oder verschleppt werden.
Bei naturheilkundlich ergänzenden Präparaten ist darauf zu achten, dass sie eine Kennzeichnung von Inhaltsstoffen oder Hinweise zu Toxizität oder Unbedenklichkeit aufweisen. Sie sollten zudem ausschließlich von Apotheken oder Anbietern bezogen werden, die entsprechende Nachweise garantieren. Schließlich sind auch bei Tumorpatienten allergische Reaktionen auf naturheilkundliche Präparate zu beachten.
Aufklärung des Patienten
Bevor ein naturheilkundlich komplementäres Verfahren zum Einsatz kommt, muss der Patient über die sinnvollen Behandlungsangebote der konventionellen Medizin, die praktische Durchführung der ergänzenden Verfahren, die möglichen Risiken und nicht zuletzt die Kosten aufgeklärt werden. Dies geschieht sinnvollerweise in Kombination mit einem schriftlichen Einverständnis des Patienten. Wünschenswert wäre, dass der Arzt einen Therapieplan mit klar definiertem Therapieziel und – falls möglich – den voraussichtlichen Kosten für Selbstzahlerleistungen angibt.
Symptomorientierte Vorgehensweise

Merke

Entscheidend für die Auswahl der ergänzenden Therapie sind die Beschwerden des Patienten und nicht die kategorische Empfehlung oder der Einsatz einer bestimmten Therapiemethode oder einzelner Präparate. Bewertet werden also die Symptome des Patienten und die zu erwartenden Nebenwirkungen der geplanten konventionellen Therapie. Auf dieser Grundlage können häufig gezielte Empfehlungen zur naturheilkundlich-komplementären Therapiestrategie gegeben und entsprechende Behandlungen eingeleitet werden.

Diese Vorgehen garantiert eine gezielte – auf die individuelle Symptomatik des Patienten ausgerichtete – Begleitbehandlung und vermeidet die in der komplementären (Selbst-)Behandlung von Tumorpatienten häufig anzutreffende Polypragmasie. Dadurch wird die Gefahr von möglicherweise problematischen Interaktionen der begleitenden Verfahren mit der Standardtherapie verringert und oftmals auch eine Kosteneinsparung ermöglicht.
Folgende Symptome einer Krebserkrankung und Nebenwirkungen einer konventionellen Tumortherapie lassen sich durch naturheilkundlich ergänzende Maßnahmen behandeln:
  • eingeschränkte Lebensqualität

  • tumorbedingte Erschöpfung (Fatigue)

  • Entzündungen der Schleimhaut (Mukositis, Stomatitis)

  • Appetitmangel, Übelkeit

  • Verlust des Geschmackssinns

  • Störungen der Verdauung (Obstipation, Diarrhö)

  • Schmerzen

  • Hautschäden während/nach Strahlentherapie

  • Nebenwirkungen einer antihormonellen Therapie

  • Störungen des Immunsystems (Infektanfälligkeit)

  • depressive Stimmungslage, Angst

Allgemeinmaßnahmen

Die onkologische Erkrankungen:Allgemeinmaßnahmenfolgenden Empfehlungen sollten jedem Tumorpatienten im Rahmen einer Erstberatung vermittelt werden. Sie können die Lebensqualität während und nach einer konventionellen Tumortherapie und teilweise selbst in der Palliativsituation noch verbessern oder stabilisieren. Die individuelle Kombination dieser Verfahren mit dem häufig als belastend empfundenen konventionellen Therapieschema kann darüber hinaus hilfreich sein zur Stärkung der Selbstkompetenz der Patienten.
Bewegung und körperliches Training
Nach derzeitigem Forschungsstand sind die Steigerung der Alltagsbewegung und ein mäßiges körperliches Training während und nach Abschluss der konventionellen Tumortherapie sinnvoll zur Prophylaxe und Minderung von tumorassoziierter chronischer Erschöpfung (Fatigue). Angesichts der Häufigkeit und Chronifizierungsgefahr der tumorassoziierten Fatigue ist die Empfehlung zu körperlicher Bewegung für alle gehfähigen Tumorpatienten obligat: Sei es für den kurativ therapierbaren Patienten, dessen Leistungsfähigkeit nach Abschluss der Standardtherapie wiederhergestellt werden soll oder sei es in der Palliativsituation, um die Lebensqualität zu erhalten. Die Intensität der Bewegung ist an die individuelle Situation des Patienten anzupassen [9].

Merke

Ausdauer- oder Kraft-Training? Ausdauertraining ist derzeit besser evidenzbasiert, in neueren Arbeiten zeigten sich hinsichtlich der Besserung von Fatigue vergleichbare Wirkungen im Ausdauer- und Krafttraining [19]. Möglicherweise ist die Kombination aus beiden Trainingsarten ideal. Beispiele hierfür sind das gerätegestützte Krafttraining unter therapeutischer Aufsicht, die Anwendung von Gymnastikbändern, oder – bei besserer Leistungsfähigkeit – die Nutzung von Türreckstangen für Klimmzüge.

Art und Intensität des Ausdauertrainings
In der Regel ist den Patienten ein beschleunigtes Gehen („Walking“) zu empfehlen. Die Nordic-Walking-Technik mit Walking-Stöcken, die den Kalorienverbrauch aufgrund des Einsatzes der Arm und Brustmuskulatur erhöht, bedarf einer besonderen Schulung.

Cave

Eine relative Kontraindikation für Nordic Walking sind Lymphödeme am Arm bei Zustand nach axillärer Lymphonodektomie: Eine Verschlechterung des Lymphödems durch die muskuläre Aktivität infolge des Stockeinsatzes muss verhindert werden.

Stark vereinfacht kann den Patienten eine tägliche Ausdauerbewegung an 5 Tagen pro Woche empfohlen werden – mit Herzfrequenzbeschleunigender Intensität von 30 Min. Dauer und einer Herzfrequenz von 180 minus Lebensalter. Das A-B-Säulenmodell (Tab. 8.5) erlaubt eine Differenzierung der Trainingsintensität während und nach der Akutbehandlung [3].

Praxistipp

Während des Ausdauertrainings sollte der Patient noch in der Lage sein, eine Unterhaltung mit einem Trainingspartner zu führen, ohne außer Atem zu geraten.

Art und Intensität des Krafttrainings
Es ist sinnvoll, ein Krafttraining an zwei Tagen pro Woche für 45–60 Min. in niedriger bis moderater Intensität – bei 40–70 % der Maximalkraft – durchzuführen. Bewährt hat sich folgendes Übungsschema: 2–6 Serien mit jeweils 8–15 Wiederholungen [8]. Sinnvoll ist zudem eine Anleitung der Kraftübungen in einem Fitness- oder Trainingsstudio durch geschultes Fachpersonal.
Die Kraft-Übungen sollten durchaus als „etwas anstrengend“ empfunden werden – ohne jedoch zu einer starken Erschöpfung zu führen. Vor Aufnahme eines Ausdauer- oder Krafttrainings ist eine sportmedizinische Konsultation sinnvoll.
Entspannung und Achtsamkeit
Die Bedeutung regelmäßiger Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen, z. B. als Meditation, Imagination oder im Rahmen einer Musik-, Kunst- oder Furliotherapie, für die Lebensqualität von Tumorpatienten sollte nicht unterschätzt werden. Neuere Arbeiten zeigen signifikante Effekte im Hinblick auf die Besserung der Stimmung, Schlafqualität, Verminderung negativer Gefühle wie Angst, Wut, depressive Stimmungen und Verwirrtheit. Zudem konnten positive Wirkungen auf die allgemeine Kraft, auf kardiopulmonale und gastrointestinale Symptome gezeigt werden [4, 32].
Welcher spezifischen Technik der Vorzug zu geben ist, lässt sich durch die derzeit vorliegenden Studien nicht sagen. Die Wahl des Verfahrens sollte sich an den Vorlieben des Patienten orientieren, denn es ist davon auszugehen, dass eine als angenehm empfundene Entspannungstechnik auch regelmäßig und langfristig angewandt wird.
  • Intensität: Die Empfehlungen aus wissenschaftlichen Studien reichen von 30 Min. täglich bis zu 2 × 90 Min./Woche. Erfahrungsgemäß können bereits kurze Entspannungsphasen von mehrmals tgl. 5–10 Min. zu spürbaren Wirkungen führen.

  • Beispiele: Geübt werden können z. B. Yoga, Tai-Chi, Qigong, Atemübungen, Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation, Feldenkrais, Meditative Techniken [4].

  • Kontraindikationen: In aller Regel bestehen keine Kontraindikationen. Bei psychiatrischen Begleit-Erkrankungen oder bei bestehender Gefahr von Krampfanfällen sollte jedoch zur Sicherheit der behandelnde Neurologe oder Psychiater konsultiert werden.

Massagetherapie
Aus wissenschaftlichen Studien gibt es Hinweise auf positive Wirkungen von Massagen bei Erschöpfung, Übelkeit, Schmerz, Angst, depressiver Verstimmung und Schlafstörungen. Möglicherweise kann die Wirksamkeit durch ätherische Öle verbessert werden [11]. Zur Anwendung kommen diverse Techniken, von der klassischen Massage bis hin zu manuellen Techniken aus asiatischen Medizinsystemen, z. B. Shiatsu, Tuina.

Cave

Vorsicht ist geboten bei ossären Metastasen oder Osteoporose (Frakturgefahr). Bei entsprechender Zurückhaltung bei der Durchführung ist dies jedoch keine Kontraindikation.

Musiktherapie und andere kreative Therapien
Die Musiktherapie sei hier stellvertretend genannt für Interventionen, welche die kreativen Fähigkeiten der Patienten erschließen und fördern können. Diese Maßnahmen können dazu beitragen, die individuellen Ressourcen und Coping-Mechanismen zu nutzen und die Lebensqualität zu verbessern. Für die Musiktherapie liegen entsprechende Wirksamkeitsnachweise vor [12]. Weitere sinnvolle Therapien sind die Tanz- oder die Kunsttherapie.
Auch wenn viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte die genannten Verfahren nicht selbst anbieten können, ist eine konkrete Empfehlung dieser Verfahren dem Patienten gegenüber nicht nur vertretbar, sondern sinnvoll. Das Nebenwirkungsspektrum ist einschätzbar und die Verfügbarkeit entsprechender Angebote ist mittlerweile vielerorts gegeben.

Merke

Vorsicht ist geboten, wenn es im Rahmen einer kreativen Therapie zur Aufdeckung verborgener Konflikte kommen kann. Dann ist eine therapeutische Begleitung obligat, um eine zusätzliche Belastung des Patienten auszuschließen.

Ernährungstherapie
Hinweise zu einer sinnvollen Ernährungsweise sind für Tumorpatienten wichtig und sollten in keinem ärztlichen Beratungsgespräch fehlen. Sie können möglicherweise das Coping mit der Erkrankung und die Lebensqualität der Patienten entscheidend bessern und damit zu einem besseren Therapieverlauf beitragen.
Bei Tumorpatienten stehen Fragen zur „richtigen“ Ernährung erfahrungsgemäß im Zentrum des Interesses. Viele Betroffene möchten durch die Ernährungsweise die Tumortherapie unterstützen – manchmal sind Patienten sogar davon überzeugt, durch bestimmte Diäten den Tumor wirksamer behandeln zu können, als durch eine Standardtherapie. Bislang liegt jedoch für keine sog. Tumor-Diät ein eindeutiger wissenschaftlicher Nachweis vor. Falls solche Ernährungsweisen das Prinzip einer ausgewogenen Ernährung negieren, bergen sie das Risiko der Mangelernährung, der Gewichtsabnahme und letztlich der Verschlechterung der Prognose.
Primärprävention durch Ernährung
Nach derzeitigem Stand der Ernährungswissenschaft lassen sich die Ernährungsempfehlungen zur Krebsprävention wie folgt zusammenfassen:

Praxistipp

Empfehlungen des World Cancer Research Fund zur Krebsprävention durch Ernährung:

  • Body-Mass-Index: zwischen 19 und 25 kg/m2

  • weniger energiedichte Kost: 125 kcal/100 g statt 225 kcal/100 g

  • tgl. 400 g pflanzliche Kost, bevorzugt nicht stärkehaltig: grüne Gemüse, Blattgemüse, Brokkoli, Auberginen, Chinakohl, Karotten, Sellerie, Tomaten, Knoblauch, Hülsenfrüchte, Getreide

  • maximal 500 g Fleisch pro Woche

  • maximal tgl. 5 g Salz

  • keine gepökelten Nahrungsmittel

  • Nährstoffbedarf durch Lebensmittel decken, keine Nahrungsergänzungen

  • Vermeidung von Schimmelpilzen (Aflatoxin)

Ernährungsempfehlungen während der konventionellen Therapie
Hauptziel der Ernährungsempfehlungen für Tumorpatienten in dieser Phase ist es, die Verträglichkeit der konventionellen Therapie zu gewährleisten und eine Gewichtsabnahme bei Normalgewichtigen zu verhindern. Diätetische Maßnahmen eigen sich auch dazu, die möglichen Nebenwirkungen der Standardtherapie auf das Verdauungssystem wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Veränderungen des Geruchs- und Geschmacksempfindens abzumildern [31].
Folgende Hinweise haben sich in der klinischen Praxis als hilfreich erwiesen:
  • Individuell verträgliche und bekömmliche Kost bevorzugen, um etwaige Symptome/Nebenwirkungen der Standardtherapie auf das Verdauungssystem möglichst günstig zu beeinflussen.

  • Keine Mahlzeiten unmittelbar vor der Chemotherapie zuführen, um negative Konditionierungen zu vermeiden.

  • Regelmäßig Suppen essen, um die Zufuhr von Wärme, Flüssigkeit, Elektrolyten und leicht verdaulichen Kalorien sicherzustellen.

  • Gut verträgliche Speisen möglichst vorbereiten, um sie verfügbar zu haben, wenn z. B. Übelkeit vorübergehend nachlässt.

  • Gewürze oder Gewürzkräuter verwenden, welche die Bekömmlichkeit der Speisen und die Verdauung unterstützen können, bzw. möglicherweise eine antiemetische Wirkung entfalten (z. B. Ingwer, Zimt).

  • Vermeidung von potenziell mit Mikroben belasteter Lebensmittel (Nüsse, Schimmelkäse), insbesondere bei Chemotherapie-bedingter Neutropenie.

Ernährungsempfehlungen nach Abschluss der konventionellen Therapie
In dieser Phase stellen viele Patienten die Frage nach einer Ernährungsweise, mit der sie dem Wiederauftreten der Erkrankung vorbeugen können. Auch hier gelten die bereits erwähnten allgemeinen Empfehlungen zur Prävention von Tumorerkrankungen. Die Patienten sollten zudem ermutigt werden einen normalen BMI anzustreben (s. o.).
Ernährungsempfehlungen bei Tumorkachexie
Die Therapie kachektischer Zustände gehört in die Hand des erfahrenen Onkologen bzw. onkologisch erfahrenen Ernährungstherapeuten: Um einer Kachexie sinnvoll zu begegnen, sollte eine fett- und eiweißreiche, jedoch kohlenhydratarme Ernährung angestrebt werden. Zudem ist der Einsatz einer parenteralen (Zusatz-)Ernährung möglichst frühzeitig mit dem Patienten zu besprechen, da ein nutritives Defizit während einer konsumierenden Erkrankung schwierig wieder auszugleichen ist und die Prognose sowie die Lebensqualität verschlechtert [31].

Verfahren zur Stabilisierung der Lebensqualität

Misteltherapie
Fast onkologische Erkrankungen:Stabilisierung der LebensqualitätMisteltherapiejeder Tumorpatient wird früher oder später mit der Empfehlung zu einer Misteltherapie konfrontiert. Kaum ein anderes naturheilkundlich komplementäres Therapieverfahren ruft bei Patienten so große Hoffnungen und bei vielen konventionellen Therapeuten eine so deutliche Ablehnung hervor. Eine möglichst objektive ärztliche Beratung über die Möglichkeiten und potenziellen Nachteile einer Misteltherapie sollte Teil jeder Beratung eines Tumorpatienten sein.
Zu unterscheiden sind zwei unterschiedliche Arten der Herstellung und damit der therapeutischen Rationale von Mistelpräparaten: die anthroposophische Misteltherapie und die phytotherapeutische Misteltherapie.
Die folgenden Wirkungen der Misteltherapie werden im Wesentlichen durch die Mistellektine und MistellektineViscotoxine Viscotoxinehervorgerufen [5, 36, 38].
  • Zytotoxizität: vermittelt durch Mistellektine und Viscotoxine

  • Aktivierung des Immunsystems: vermittelt v. a. durch Mistellektine, jedoch auch durch Viscotoxine, Oligo- und Polysaccharide

  • Steigerung der Phagozytose-Aktivität: vermittelt durch Viscotoxine

  • Steigerung der Lebensqualität durch β-Endorphin-Ausschüttung

  • Erhöhung der Körpertemperatur

Studien

Mehrere Metaanalysen legen nahe, dass die Misteltherapie zur Verbesserung der Lebensqualität von Tumorpatienten beitragen kann [18]. Ob sie zu einer Verlängerung der Überlebenszeit beitragen kann, ist unklar. In einer In-vitro-Untersuchung konnte allerdings die Stimulation von Tumorzellwachstum nachgewiesen werden – eine Beobachtung, die trotz mehrfacher Versuche bislang jedoch nicht zu reproduzieren war [16, 21].

Anthroposophisch orientierte Misteltherapie
Die Mistelextrakte werden aus Sommer- und Wintermisteln eines definierten Wirtsbaums (z. B. Apfel, Kiefer, Eiche) aufbereitet, d. h. vermischt und ausgepresst oder einem Extraktionsverfahren unterzogen. Bei einigen Herstellern erfolgt zusätzlich ein Fermentierungsprozess. Die Präparate unterscheiden sich je nach Wirtsbaum und Herstellungsverfahren hinsichtlich des Wirkstoffgehaltes an Viscotoxinen und Mistellektinen.
Auswahl der Präparate
Auf der Grundlage erfahrungsheilkundlicher Erkenntnisse wählt der Arzt in der anthroposophisch orientierten Misteltherapie die Mistelsorte (d. h. ein Mistelpräparat eines bestimmten Wirtsbaumes) in Abhängigkeit von Tumorentität, Alter, Geschlecht und dem aktuellen Zustand des Patienten. So kann z. B. bei einem eher stabilen Patienten eine Mistelsorte gewählt werden, die stärker zytotoxisch wirkt oder zu intensiveren Reaktionen des Immunsystems führt (z. B. eine Laubbaum-Mistel). Bei geschwächten Patienten kann ein sanfter wirkendes Präparat (z. B. eine Nadelbaum-Mistel) zur Anwendung kommen. Dabei handelt es sich ausschließlich um erfahrungsheilkundliche Überlegungen und Erkenntnisse, deren Berücksichtigung dem Therapeuten frei steht [6].
Anwendung
Die Mistelpräparate anthroposophischer Prägung stehen in steigenden Dosierungsreihen zur Verfügung und erlauben so eine schrittweise Intensivierung der Behandlung. Die Anwendung erfolgt in der Regel durch subkutane Injektion (Bauch oder Oberschenkel). Eingesetzt werden z. B. folgende Präparate: Iscador® (Weleda), Iscucin® (WALA), Helixor® (Helixor-Heilmittel), Abnobaviscum® (Abnoba-Heilmittel).
Folgende Empfehlungen zur anthroposophisch orientierten Misteltherapie können aufgrund langjähriger Anwendererfahrungen hilfreich sein:
  • Während einer laufenden Chemo- oder Radiotherapie sollte aufgrund der besseren Verträglichkeit immer eine Nadelbaum-Mistel verordnet werden. Das Mistelpräparat sollte in der niedrigsten Dosis-Stufe angewendet und in der Dosierung in dieser Zeit nicht gesteigert werden.

  • Die Injektionsfrequenz sollte 2–3 Ampullen/Woche betragen. Nach 4 Wochen Behandlung sollte 1 Woche mit den Injektionen pausiert werden.

  • Sobald Chemo- und Strahlentherapie abgeschlossen sind, kann eine Steigerung der Misteldosis erfolgen.

  • Die Steigerung wird so lange vorgenommen, bis an der Injektionsstelle eine lokale Reaktion (Rötung von 3–5 cm Durchmesser, Juckreiz) entsteht. Dies zeigt nach anthroposophischem Verständnis die für den Patienten optimale Stimulation des Immunsystems an. Eine weitere Steigerung der Dosis sollte dann nicht mehr erfolgen, da eine Überreaktion (Rötung, Brennen, Juckreiz) nicht auszuschließen ist.

Phytopharmakologisch orientierte Misteltherapie
In der phytotherapeutischen Misteltherapie kommen ausschließlich Wintermisteln – in der Regel von Pappeln – zur Anwendung. Die Präparate, z. B. Eurixor® (Biosyn), Lektinol® (Madaus – dieses Präparat ist auch für eine intravenöse Applikation zugelassen) werden auf Mistellektine normiert und liegen immer in gleich bleibender Dosierung vor – in der Therapie erfolgt also keine Steigerung der Dosis. In der Regel werden diese Präparate über 3 Mon. appliziert, dann erfolgt eine einmonatige Pause. Die Anwendung erfolgt auch hier subkutan.
Tipps für ein pragmatisches Vorgehen
Ob eine Misteltherapie eingesetzt werden soll, lässt sich prinzipiell auf zwei Arten entscheiden:
  • Wunsch des Patienten: Wird die Misteltherapie vom Patienten als integraler Bestandteil der ganzheitlichen Tumortherapie angesehen, sollte der beratende Arzt zumindest sicherstellen, dass keine absoluten Kontraindikationen vorliegen und die relativen Kontraindikationen eingehend mit dem Patienten besprochen sind.

  • Pragmatisches Vorgehen: Da sich unter einer Misteltherapie erfahrungsgemäß ganz bestimmte Symptome bzw. Aspekte der Lebensqualität bessern können, würde das Vorliegen dieser Symptome für den Einsatz sprechen. Die Besserung der Symptome kann als Maßstab für den Therapieerfolg gelten.

Praxistipp

Folgende Symptome können sich unter einer Misteltherapie bessern:

  • Appetitlosigkeit

  • Kältegefühl

  • depressive Stimmungslage

  • klinisch relevante Immunkompromittierung

Falls eines oder mehrere dieser Symptome vorliegen und einfachere, weniger kontrovers diskutierte Verfahren erfolglos geblieben sind, kann die Misteltherapie erwogen werden. Die Dauer der Behandlung sollte sich nach der Symptomatik richten. In der kurativen Situation sollte ein Auslassversuch erfolgen, sobald sich die Lebensqualität des Patienten stabilisiert hat. Bei palliativem Therapieansatz kann eine längerfristige Behandlung über Monate (oder Jahre) erfolgen.

Mistelpräparate dürfen einem Tumorpatienten in der palliativen Tumortherapie unter Beachtung des Wirtschaftlichkeitsgebotes auf Kassenkosten verordnet werden. Eine Verordnung in der adjuvanten Situation auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung ist nicht mehr zulässig.

Nicht-naturheilkundlich tätige Ärzte oder Onkologen äußern immer wieder Vorbehalte gegen die Kombination der konventionellen Tumortherapie mit einer Misteltherapie. Allerdings zeigen einige Studien gerade für die Kombination von Misteltherapie mit einer individuell belastenden Chemotherapie signifikante Verbesserungen der Lebensqualität [23].
Chinesische Medizin
Die Chinesische Medizin (CM) ist ein eigenständiges Diagnose- und Therapiesystem, das sich dazu eignet, komplexe Befindlichkeitsstörungen des Patienten exakt zu beschreiben und entsprechende Behandlungskonzepte zu erarbeiten.
Streng genommen gehört die CM nicht zu den klassischen Naturheilverfahren, weist jedoch große Parallelitäten mit diesen auf und kann eine komplementäre Tumorbegleittherapie sinnvoll ergänzen. Die Akupunktur wird als die hierzulande am weitesten verbreitete Methode der CM, im Folgenden bei mehreren Symptomen als sinnvolle Behandlungsmethode genannt. Hier soll jedoch auf die Möglichkeiten der chinesischen Kräutertherapie zur Verbesserung der Lebensqualität des Patienten hingewiesen werden, für die es auch eine gewisse Evidenzbasis zur Wirksamkeit gibt [29].
Es liegt auf der Hand, dass eine Methode, die auf einem hoch individuellen Diagnose- und Therapiesystem basiert, gerade bei einer Tumorerkrankung nur von geschulten und in der Behandlung von Tumorpatienten erfahrenen Behandlern angewandt werden sollte [17]. Nebenwirkungen, kontraproduktive oder gar toxische Effekte einer falsch konzipierten Kräuterrezeptur sind nicht auszuschließen. Vor Bestellung von Fertigpräparaten oder Kräutermischungen im Internet oder Versandhandel ist eindringlich zu warnen.
Bei Begleitung eines Tumorpatienten durch einen erfahrenen Therapeuten der Chinesischen Medizin sind erhebliche Verbesserungen in der Lebensqualität des Patienten – beispielsweise bei Fatigue oder Appetitmangel – möglich.
Klassische Homöopathie
Die klassische Homöopathie ist definitionsgemäß nicht zu den Naturheilverfahren im engeren Sinne zu rechnen, sondern stellt ein völlig eigenständiges Diagnose- und Therapieverfahren dar. Es besteht nach wie vor eine große Diskrepanz zwischen der weiten Verbreitung der Homöopathie und ihrer schlechten wissenschaftlichen Evidenzlage.
Homöopathische Präparate sind weitgehend frei verkäuflich, und viele Tumorpatienten nutzen die klassische Homöopathie in Kombination zur konventionellen Krebstherapie.
Man kann aufgrund von Erfahrungswerten davon ausgehen, dass es Menschen gibt, die auf eine homöopathische Behandlung ansprechen und mit einer spürbaren Symptomlinderung oder Besserung der Lebensqualität reagieren. Es ist weder aufgrund mechanistischer Überlegungen, noch aufgrund wissenschaftlicher Studien anzunehmen, dass eine homöopathische Behandlung eine konventionelle Tumortherapie beeinträchtigen könnte.
Falls ein Patient eine klassisch homöopathische Behandlung zusätzlich zur konventionellen Therapie in Anspruch nehmen möchte, ist dies vertretbar und möglicherweise sinnvoll, um die Lebensqualität zu verbessern.
Aus prinzipiellen Überlegungen sollte die Verordnung eines homöopathischen Mittels für einen Tumorpatienten durch einen entsprechend ausgebildeten und erfahrenen Homöopathen erfolgen.

Tumorassoziierte Erschöpfung (Fatigue)

Die FatigueErschöpfung, tumorassoziierteim Folgenden genannten Verfahren können hilfreich sein, falls die körperliche Bewegung nicht in der sinnvollen Intensität ausgeführt werden kann.
Phytotherapie
Ginseng (Radix Ginseng, Panax quinquefolius)
Zubereitungen aus dem Roten Ginseng (Radix Ginseng, Panax quinquefolius) haben unter anderem folgende Wirkung: Leistungssteigerung, Appetitanregung [2].
  • Mögliche unerwünschte Wirkungen: hormonartige Effekte (Östrogen), Blutdrucksteigerung, Unruhezustände, Schlaflosigkeit, Libidosteigerung.

  • Dosierung: tgl. 400–1.200 mg (Tee-Droge) bzw. 200–600 mg (Extrakt-Präparat). Die Einnahme sollte möglichst am Vormittag erfolgen, um eine zu starke Aktivierung in den Abendstunden und Schlafstörungen zu vermeiden.

  • Präparate (z. B.):

    • Ardey aktiv Pastillen (enthalten 100 mg Ginseng-Extrakt); Dosierung: tgl. 3–5 × Tbl.

    • Orgaplasma-Dragees (enthalten 125 mg Ginseng-Trockenextrakt); Dosierung: tgl. 2 × 2 Drgs., Roter Ginseng von Gintec, Dosierung: 3 Kps. morgens einnehmen.

Taigawurzel (Eleutherococci Radix, sibirischer Ginseng)
Zubereitungen aus der Eleutherokokkus-Wurzel (Sibirischer Ginseng) sind hinsichtlich der Wirkung Anwendung, Nebenwirkungen und Einnahmedauer dem Ginseng ähnlich.
  • Dosierung: tgl. 2–3 g (als Tee-Droge), 1 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 15 Min. ziehen lassen, tgl. 3 Tassen warm trinken

  • Therapiedauer: maximal 3 Monate

  • Fertigpräparate (Beispiele): Eleu-Kokk Dragees (Dosierung: tgl. 3 × 1–2 Drg.), Eleutherococcus Curarina Tropfen (morgens und mittags je 30 Tr. nach der Mahlzeit)

Bewegungstherapie
Die wichtigste Maßnahme zur Prophylaxe und Behandlung der Erschöpfung ist die körperliche Bewegung (30.2.1).
Erweiterte Naturheilverfahren und komplementärmedizinische Therapieverfahren
  • Akupunktur und Wärmetherapie (Moxibustion): Die Punktauswahl sollte möglichst auf Grundlage einer CM-Diagnose getroffen werden. Die folgende Aufstellung zeigt, welche Aspekte der Erschöpfung in der Logik der CM diagnostiziert und behandelt werden könnten. Der in der Diagnostik weniger erfahrene Akupunkteur geht nicht fehl, wenn er sich auf eine Auswahl der unter „Qi-Stärkung“ genannten Punkte beschränkt. Eine belastbare wissenschaftliche Basis für diese Differenzierung gibt es derzeit ohnehin nicht.Aspekte der Chronischen Erschöpfung in der Theorie der chinesischen Medizin (CM) und beispielhafte Akupunkturpunkte sind :

    • Qi-Stärkung: Mi 6, Ma 36, Ren Mai 4, Ren Mai 6, Ren Mai 12, Du Mai 12, Bl 23, Bl 24, Bl 25, Bl 38, Ni 3, Ni 7, Di 4

    • Blut-Stärkung: Mi 10, Bl 17, Mi 9, Ni 3, Ma 36

    • Yin-Stärkung: Ni 3, Le 8, Lu 10, Ma 45, Di 2, Du Mai 14, He 7, Pe 6, Pe 7

    • Yang-Stärkung: Ren Mai 4, Ren Mai 6, Ren Mai 12, Du Mai 4, Du Mai 20

  • Mikronährstoffmedizin: L-Karnitin ist eine körpereigene Substanz, die am Energieumsatz in Muskelzellen beteiligt ist. Studien zeigen Hinweise auf einen erhöhten Verlust während einer Chemotherapie [10].

    • Wirkung: Leistungssteigerung

    • Dosierung: tgl. 1.000–4.000 mg für mindestens 4–6 Wochen

Entzündungen der Mundschleimhaut (Mukositis, Stomatitis)

Stomatitis, tumorassoziierteMukositis, tumorassoziierteNaturheilkundliche Präparate sollten spätestens dann zum Einsatz kommen, wenn konventionelle Mittel keine befriedigenden Ergebnisse zeigen. Idealerweise sollten sie bereits vorbeugend eingesetzt werden. Dies kann als einfache Ölspülung (1 EL Oliven- oder Rapsöl) oder mittels Fertigpräparaten erfolgen. In naturheilkundlich klinischen Erfahrungen erwiesen sich Präparate auf der Basis von Myrrhe als sinnvoll.
  • Ölspülung zur Vorbeugung: 1 EL eines individuell gut verträglichen und angenehmen Öls (z. B. Oliven- oder Rapsöl) für 1–3 Min. im Mund umherspülen – dann ausspucken und die Zähne reinigen.

  • Myrrhe (Commiphora myrrha): wirkt antimikrobiell, entzündungshemmend, analgetisch

    • unverdünnt: Betupfen der entzündeten Stellen mit Hilfe eines Wattestäbchens oder mit der Fingerkuppe; Anwendung 2–3 × tgl.

    • Mundspülung: 5–10 Tr. Myrrhentinktur auf 0,1–0,2 l Wasser (lauwarm!) verdünnen und damit den Mund ausspülen oder gurgeln. Bei guter Verträglichkeit kann die Dosierung auf 20–30 Tr. erhöht werden.

Praxistipp

Bei Entzündung können pflanzliche Präparate oder Präparate auf Alkoholbasis Brennen hervorrufen. In diesen Fall sollten alkoholfreie, auf der Basis von Enzymen zubereitete Mundspülungen eingesetzt werden, z. B. Aldiamed®-Mundspülung, Wirkstoffe: Aloe Vera, Lactoferrin, Lysozyme. Dosierung: 2 × tgl. für mindestens 20 Sek. die Mundhöhle ausspülen.

Übelkeit, Erbrechen

Hier Übelkeit, tumorassoziierteErbrechen, tumorassoziiertessind zunächst die allgemeinen ernährungstherapeutischen Empfehlungen (8.3.2) zu beachten. Zusätzlich kann Akupunktur und Akupressur, die Aromatherapie, die Verwendung von Ingwer in vielen Fällen Besserung bringen.
Phytotherapie
Ingwerwurzelstock (Zingiberis rhizoma) hat sich erfahrungsheilkundlich gegen Übelkeit bewährt, die Anwendung bei chemotherapiebedingter Übelkeit ist bislang jedoch nicht wissenschaftlich gesichert. Es kann als „Ingwerwasser“ oder als Fertigpräparat (Zintona® Kapseln [250 mg Ingwerwurzelstock-Extrakt]) eingesetzt werden. Dosierung: 1 Std. vor der zu erwartenden Übelkeit 2 Kps., dann alle 4 Std. 2 Kps. einnehmen.

Praxistipp

Dünne Scheibe (1–2 mm dick) von Ingwerknolle abschneiden, mit ca. 150–200 ml kochenden Wassers überbrühen, 5–10 Min. ziehen lassen. Mehrmals tgl. eine Tasse trinken.

Erweiterte Naturheilverfahren
  • Akupunktur und Akupressur:

    • Die Wirksamkeit der Akupunktur ist bei postoperativer, jedoch nicht bei chemotherapie-induzierter Übelkeit nachgewiesen. Ein Behandlungsversuch ist dennoch sinnvoll. Ideal wäre eine Punktauswahl, welche auf der Gesamtsymptomatik des Patienten beruht. Sinnvolle Basispunkte sind: Pe 6, Ma 36 und Ren Mai 12.

    • Für die Akupressur liegen Wirksamkeitsnachweise vor [24], sie sollte daher unbedingt empfohlen werden. Sie kann entweder als rein manuelle Technik auf dem Punkt Pe 6 oder mithilfe eines Akupressur-Armbandes erfolgen (über Apotheken, Sanitätshäuser oder Internet erhältlich).

  • Aromatherapie: Ätherisches Öl von Ingwer (Zingiber officinalis), Koriander (Coriandrum sativum) und Pfefferminze (Mentha piperita) können in einer Verdünnung von 1 : 10 zusätzlich zur Akupressur auf den Punkten Pe 6, Ma 36 und Ren Mai 12 zur Anwendung kommen [34].

Praxistipp

Die Akupressur sollte mit dem Daumen wiederholt für 30–60 Sek. spürbar, aber nicht schmerzhaft ausgeführt werden.

Verlust des Geschmackssinns

Eine Alteration des Geschmacksempfindens (z. B. metallischer Geschmack) kann begleitend zu diversen Chemotherapeutika auftreten und bildet sich in aller Regel nach Abschluss der Behandlung zurück. Bei einer Radiotherapie, die den Kopf-Hals-Bereich mit einbezieht, kann es jedoch – neben anderen Symptomen wie Mundtrockenheit – zum Verlust des Geschmackssinns kommen.
Phytotherapie
Wenn eine Radiotherapie des Kopf-Hals-Bereichs geplant ist, sollten prophylaktisch die Empfehlungen unter „Entzündungen der Mundschleimhaut“ umgesetzt werden (individuell verträgliche Mundspülungen).
Komplementärmedizinische Therapieverfahren
Obwohl Zink vielen Tumorpatienten begleitend zu Chemo- und Strahlentherapie empfohlen wird, ist die Anwendung nur im Falle einer Radiotherapie im Kopf-Hals-Bereich sinnvoll. Möglicherweise lässt sich durch eine Zinkgabe das beeinträchtigte Geschmacksempfinden mildern oder dessen Regeneration unterstützen. Dosierung: tgl. 20–30 mg Zink. Einnahme begleitend zur Strahlentherapie bzw. danach bis zur Besserung des Geschmackssinns.

Diarrhö

Diarrhö, tumorassoziierteGrundlage einer naturheilkundlichen Empfehlung zur Regulierung der Verdauung ist eine allgemeine Ernährungsanamnese. Generell sinnvoll – bei Obstipation und Diarrhö – kann die Anwendung von Flohsamenschalen sein.
Phytotherapie
Schwarzer Tee (Theae nigrae folium), Grüner Tee (Theae viridis folium)
  • Wirkung: Verlängerung der Transitzeit der Nahrung im Darm

  • Dosierung: tgl. 5 × 1 TL Schwarztee oder ½ TL Grüntee auf 150 ml kochendes Wasser, maximale Menge 2 l bzw. 8 g Teezubereitung

  • Wichtig: Tee muss 15–20 Min. ziehen, um die optimale Wirksamkeit bei Durchfall zu erreichen. Lässt man ihn kürzer ziehen, regt er die Verdauung an.

Heidelbeerfrüchte (Myrtilli fructus)
  • Wirkung: Getrocknete (!) Heidelbeeren sind ein bewährtes Hausmittel bei Durchfallerkrankungen und auch für Kinder gut geeignet.

  • Dosierung: Mehrmals tgl. 5–10 g getrocknete Beeren so lange kauen, bis ein Brei entsteht, dann schlucken. Alternativ die Beeren in 20–60 g in Wasser quellen lassen, gut kauen und dann schlucken.

Flohsamenschalen (Psylli semen)
  • Wirkung bei Obstipation: Reizlinderung, Anregung der Peristaltik. Wirkung bei Diarrhö: Bindung überschüssiger Flüssigkeit im Darm

  • Kontraindikationen: Stenosen, Therapie mit Cumarinen, schwer einstellbarer Diabetes mellitus

  • Wechselwirkungen: Beeinträchtigung der Resorption von Phenprocoumon, Antidiabetika und herzwirksamen Glykosiden

  • Tagesdosis: 10–20 g; Flohsamenschalen mit Wasser/Flüssigkeit immer im Verhältnis 1 : 10 ansetzen.

Praxistipp

1–2 TL Flohsamenschalen auf 1 Teller Suppe geben, nicht mit Milch ansetzen, gut nachspülen. Fertigarzneimittel: Agiocur®, Mucofalk ®, Pascomucil ®.

Ernährungstherapie
Individuell unverträgliche, schwer verdauliche und die Darmschleimhaut reizende Nahrungsmittel sollten gemieden werden (z. B. Kaffee, Rohkost, scharfe Gewürze). Hilfreich bei Durchfällen sind Reis, Haferflocken und Pektin-haltige Nahrungsmittel wie, Äpfel, Karotten und Bananen.
Bevor die Gabe von Mikroorganismen zur Verbesserung des Darmmilieus erwogen wird, kann aus erfahrungsheilkundlicher Sicht versucht werden, durch die Aufnahme von sog. Präbiotika die Symptomatik zu verbessern. Präbiotika sind unverdauliche Kohlenhydrate, sog. Oligosaccharide wie Inulin und Oligofructose, die im Dickdarm das Wachstum der physiologischen probiotischen Bakterien (Milchsäure- und Bifidusbakterien) fördern sollen.

Cave

Eine zu hohe Einnahme der unverdaulichen Kohlenhydrate könnte zu Durchfällen führen. Bei empfindlichen Personen können täglich bereits weniger als 10 g zu Blähungen oder Durchfällen führen. Im Allgemeinen sind jedoch 10–20 g täglich nebenwirkungsfrei.

Folgende Nahrungsmittel enthalten nennenswerte Mengen von Präbiotika, insbesondere Inulin:
  • Obst und Gemüse (allgemein), v. a. Chicorée, Lauch, Knoblauch, Spargel, Zwiebeln, Artischocken, Schwarzwurzeln, Bananen, Topinambur (enthält hohe Mengen)

  • Getreide (Roggen)

  • Milch, Joghurt

Praxistipp

  • Äpfel: Bis zu 1,5 kg rohe, geriebene Äpfel über den Tag verteilt essen.

  • Bananen: Fein zerdrückt als Brei einnehmen (keine Mengenbegrenzung).

  • Karotten: 500 g geschälte Karotten in 1 l Wasser für 1,5 Std. kochen, erneut Wasser zugeben (1 l Gesamtmenge), durchsieben, pürieren und etwas Kochsalz (3 g) zugeben.

  • Präparat: z. B. Diarrhoesan® loges (enthält Apfelpektin und Kamillenextrakt); Dosierung: 1 TL (Kinder) bis 1 EL (Erwachsene) stündlich.

Erweiterte Naturheilverfahren
  • Mikrobiologische Therapie: Die klinische Erfahrung in der Behandlung von Tumorpatienten zeigt, dass Darmbakterien- oder Hefe-Präparate – ähnlich wie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen – sinnvoll zur Therapie von Darmreizungen und Durchfällen eingesetzt werden können.

Cave

Immunsupprimierte Patienten dürfen keine Probiotika einnehmen.

    • Saccharomyces cerevisiae und S. boulardii (Bier-, Trockenhefe):

      • Dosierung: tgl. 250–500 mg, z. B. als Fertigpräparat (Perenterol®, Perocur®, Yomogi®)

      • Kontraindikation: Unverträglichkeit/Allergie gegen Hefe

    • E. coli Fertigpräparate (Beispiele): Bei chronischen Durchfällen bedingt durch Chemotherapie kann eine längerfristige Einnahme oder die Einnahme zwischen den Zyklen sinnvoll sein, um regenerative und entzündungshemmende Prozesse in der Darmschleimhaut zu unterstützen.

      • Colibogen® Tropfen (Laves), Dosierung: tgl. 3 × 1 TL, jeweils 30 Min. vor den Mahlzeiten

      • Mutaflor® (Ardeypharm), Dosierung: 1 Kps. vom 1.–4. Tag, danach 2 Kps. tgl.

    • Laktobazillen z. B. Paidoflor® Tabletten; Dosierung: tgl. 1–3 × 3 Tbl., zerkaut zu den Mahlzeiten einnehmen

    • Bifidusbakterien und Laktobazillen (Beispiele):

      • Omniflora N® Kapseln, Dosierung: tgl. 3 × 1–2 Kps., längerfristige Einnahme begleitend zu einer konventionellen Tumortherapie ist möglich

      • Eugalan® Töpfer forte, Dosierung: 3 EL in 125 ml lauwarmem Wasser anrühren, bis zu 4 × tgl.

  • Akupunktur: Die Akupunktur bewirkt eine Besserung des Allgemeinbefindens und möglicherweise eine Verminderung der Durchfall-Symptomatik. Die Akupunkturpunkte sollten sich idealerweise nach der chinesischen Syndromdiagnose richten. Falls keine Syndromdiagnose erstellt werden kann, können folgende Punkte versucht werden: Ren Mai 6, Ren Mai 12, Ma 25, Mi 1, Mi 4, Mi 9, Bl 20, Bl 21.

Praxistipp

Häufig profitieren Tumorpatienten mit Durchfall von der Kombination der Akupunktur mit einer Wärmetherapie (Moxibustion).

Obstipation

Obstipation, tumorassoziierteZunächst sollte durch einfache Basismaßnahmen (Ernährungsempfehlungen, Bewegung, Steigerung der Trinkmenge, ggf. Ballaststoffe) versucht werden, die Symptomatik zu bessern. In therapieresistenten Fällen kann die Akupunktur oder die Neuraltherapie eingesetzt werden.

Praxistipp

Als Allgemeinmaßnahmen werden empfohlen:

  • Ausdauerbewegung

  • Stressreduktion: unregelmäßiges oder hastiges Essen unter Zeitdruck können eine chronische Verstopfung auslösen oder verschlechtern

  • Selbstmassage der Bauchdecke: beginnend im rechten Unterbauch, im Uhrzeigersinn den Dickdarm sanft massieren

  • Bauchatmung: mehrmals tgl. für 2–3 Min. Konzentration auf eine entspannte Atmung mit Heben der Bauchdecke beim Einatmen

Hydro- und Thermotherapie
Bei Kneipp-Anwendungen ist grundsätzlich zu entscheiden, ob mit Wärme oder Kälte gearbeitet wird. Hier hilft oft die spontan geäußerte Vorliebe des Patienten weiter. Oftmals bessert eine Wärmeanwendung (Wärmflasche auf Colon descendens, 2 × tgl. für 20 Min.) die Symptomatik.
Phytotherapie
Pflanzliche Füll- und Quellmittel sind als einzige Phytotherapeutika zur langfristigen Anwendung geeignet. Sie belasten den Tumorpatienten in aller Regel nicht und können als Basistherapie der Obstipation eingesetzt werden.
  • Weizenkleie: tgl. 20–40 g oder 1–3 × 2 EL

  • Flohsamen-Schalen (s. o.)

  • Leinsamen (Lini semen): tgl. 30–50 g oder 1–3 × 1 EL in 1 Tasse mit kalter Flüssigkeit (Wasser oder Tee) einnehmen. Die Körner sollten „angebrochen“, jedoch nicht geschrotet sein.

Cave

Pflanzliche Abführmittel, insbesondere Anthranoid-Drogen, sollten aufgrund ihrer potenziellen Nebenwirkungen bei Tumorpatienten möglichst nicht zum Einsatz kommen.

Ernährungstherapie
  • Ballaststoffreiche Nahrungsmittel

  • Ausreichende Trinkmenge: mindestens 2 l Flüssigkeit tgl. (Mineralwasser oder Tee), am besten bereits im Laufe des Vormittags vier bis sechs Gläser (à 200 ml) Flüssigkeit aufnehmen.

  • Nahrungsmittel mit abführender Wirkung wie getrocknete Pflaumen, Datteln, Feigen, Rhabarber, Kiwi.

  • Verzicht auf Zucker und Süßigkeiten.

Massagetherapie
Eine Kolonmassage (5.7.5) kann Stuhlfrequenz und -konsistenz bessern.
Erweiterte Naturheilverfahren
  • Mikrobiologische Therapie: Physiologische Darmkeime können die Normalisierung der Verdauungsvorgänge unterstützen und bei chronischer Verstopfung unterstützend zur Anwendung kommen.

    Für Präparate zu Bifidus-, E.-coli-Bakterien oder Laktobazillen 8.3.8.

  • Neuraltherapie: Aufgrund der Invasivität des Verfahrens sollte die Neuraltherapie den therapieresistenten Fällen vorbehalten bleiben. Bauchkranz nach Hopfer: Quaddeln im Abstand von vier Zentimetern kaudal entlang des Rippenbogens und kranial entlang der Beckenknochen [28]

  • Akupunktur: Eine individuelle chinesische Syndromdiagnostik und -therapie erhöht nach empirischen Erkenntnissen die Erfolgsaussichten – sowohl für die Akupunktur, wie auch für die Arzneimittelbehandlung. Falls diese individuelle Therapie nicht möglich ist, können folgende Punkte zur Besserung einer funktionellen Obstipation versucht werden: Ma 25, Ma 36, Mi 6, Mi 10, Mi 15, Di 4, Ren Mai 6.

Schmerzen

Die Schmerzen, tumorassoziierteBehandlung von turmorassoziierten Schmerzen muss zunächst mittels eines konventionellen schmerztherapeutischen Konzepts erfolgen. Ergänzend dazu können naturheilkundlich ergänzende Techniken zum Einsatz kommen. Häufig werden diese von Patienten nachgefragt, wenn durch konventionelle Analgetika keine befriedigende Besserung erreicht wird oder Nebenwirkungen auftreten.
Die Kombination konventioneller und ergänzender Techniken kann die individuelle Verträglichkeit und Wirksamkeit einer analgetischen Therapie unterstützen.
Ordnungstherapie
Als Entspannungstherapie sollten individuell bevorzugte Techniken zum Einsatz kommen, um die regelmäßige Anwendung durch den Patienten zu erleichtern. Geeignete Verfahren sind z. B. Qi Gong, Yoga, progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen, Tai Chi, Autogenes Training, Meditation.
Physikalische Therapie
Wärme-, Kälteanwendungen, Massagen, manuelle Therapien (Tuina, Fußreflexzonen-Massage) oder TENS-Geräte können begleitend zur konventionellen Schmerztherapie eingesetzt werden [34].

Praxistipp

  • Wärmeanwendungen (Wärmflasche, feuchtheiße Wickel, ansteigende Fußbäder) sind oftmals hilfreich bei viszeralen Schmerzen, Blähungen und Koliken sowie bei Unterleibsbeschwerden.

  • Kälteanwendungen sind häufig bei postoperativen Schmerzen, Entzündung oder Ödemen sinnvoll.

Erweiterte Naturheilverfahren
  • Manuelle Therapie: Maßnahmen der Manuellen Therapie sollten zum Einsatz kommen und haben sich bei Kopf- und Nackenschmerzen sowie bei diffusen Schmerzzuständen (Fußreflexzonenmassage) bewährt.

  • Akupunktur: Die Punktauswahl zur Schmerztherapie muss individuell nach der Scherzsymptomatik und Lokalisation erfolgen. Die Akupunktur kann v. a. bei schmerzhaften muskulären Verspannungszuständen hilfreich sein.

Praxistipp

Häufig bringt die zusätzliche Anwendung von Wärme (z. B. in Form von Moxibustion) eine Verstärkung des analgetischen Effektes.

Neurotoxische Nebenwirkungen

onkologische Erkrankungen:neurotoxische NebenwirkungenInsbesondere platinhaltige Chemotherapeutika (Cisplatin, Oxaliplatin, Carboplatin), Taxane (Paclitaxel, Docetaxel), Vincaalkaloide (Vincristin), aber auch neuere Substanzen wie Bortezomib können zu Störungen der Sensorik führen, die sich als Hypästhesie, nervale Übererregbarkeit oder als Par- bzw. Dysästhesie äußern. Patienten beschreiben die Symptome als „Kribbeln“, „Ameisenlaufen“, Taubheit, Pelzigkeit, Wärme- oder Kältegefühl. Betroffen sind in aller Regel die distalen Finger- und Fußzehenbereiche. Die Symptome schränken die Lebensqualität teilweise erheblich ein: Manuelle Tätigkeiten werden schwierig, Taubheit im Bereich der Füße kann zu Gangunsicherheiten führen.
Prophylaxe und Therapie
Die naturheilkundlichen Möglichkeiten zu Prophylaxe und Therapie neurotoxischer Beschwerden sind begrenzt, dennoch gibt es geeignete Behandlungsansätze.
  • Hydro- und Thermotherapie:

    • Kneipp-Anwendungen, wie z. B. ein wechselwarmes Fußbad, wechselwarmes Hand- oder Armbad, wirken durchblutungsfördernd. Möglicherweise verbessert ein Zusatz von Ringelblume, Kamille und Salbei die Wirkung [22].

    • Zusätzlich können Hände und Füße mit einem Olivenöl-Zucker-Peeling behandelt werden.

  • Mikronährstofftherapie: Die Gabe von tgl. 300 mg Vitamin E kann die neurotoxischen Nebenwirkungen einer Cisplatin haltigen Chemotherapie signifikant vermindern [33].

Praxistipp

Olivenöl-Zucker-Peeling

Olivenöl-Zucker-Peeling2 Teile (z. B. 2 EL) Olivenöl mit einem Teil (z. B. 1 EL) Zucker vermischen, damit Hände und Füße 2 × tgl. für mindestens 5 Min. einreiben. Es ist sinnvoll, immer
Handfläche und -rücken, sowie Fußsohle und -rücken zu behandeln. Nach der Anwendung sollte man die Mischung abspülen, da Zuckerkristalle zu Verletzungen der Haut führen können (Quelle: Klinik für Tumorbiologie Freiburg).

Hand-Fußbad mit Zusatz von Ringelblume, Salbei und Kamille

Jeweils 10 g Ringelblume (Calendula officinalis), Kamille (Matricaria recutita) und Salbei (Salvia officinalis) morgens und abends mit 1,5 l kochendem Wasser übergießen, und zugedeckt 10 Min. ziehen lassen. Den Pflanzenrückstand absieben und leicht ausdrücken. Anschließend 1,5 Liter kaltes Wasser hinzufügen und abwarten, bis sich eine angenehme Temperatur eingestellt hat. Füße oder Hände für 15–20 Min. in dem Bad belassen [22].
Therapieresistente Beschwerden
  • B-Vitamine: Vitamin B1 (Thiamin), B6 (Pyridoxin) und B12 (Cynocobalamin) Wirkungen sind beteiligt an Nervenzellregeneration, Produktion von Neurotransmittern und der Funktion von Nervenzellen.Präparat: z. B. B-Komplex forte Hevert; Dosierung: tgl. 1–2 Tbl.

  • Enzyme: regen die Mikrozirkulation an und verkürzen die Rekonvaleszenz. Präparate s. unter „Mukositis“.

  • Akupunktur: Die Nadelakupunktur – gegebenenfalls in Kombination mit Wärmetherapie (Moxibustion) – oder die Neuraltherapie (Injektion von Procain, Lidocain o. a. Lokalanästhetika) können ergänzend ebenfalls zum Einsatz kommen.

Strahlentherapiebedingte Hautschäden

onkologische Erkrankungen:strahlenbedingte HautschädenPrinzipiell sollte jegliche Behandlung der bestrahlten Haut während einer Radiotherapie mit den Radiologen abgestimmt werden. Vorbeugende Maßnahmen können sinnvoll sein bei besonders empfindlicher Haut. Zur Nachbehandlung von Strahlenerythemen eignen sich Verfahren, die z. B. bei Verbrennungen wirksam sind.
Prophylaxe
  • Grüner Tee (äußerlich): kann aufgrund seiner antientzündlichen Effekte die Nebenwirkungen (Strahlenerythem) einer Radiotherapie abmildern.Dosierung und Art der Anwendung: 2 Teebeutel Grünen Tee mit 50 ml 70° heißem Wasser übergießen und 5 Min. ziehen lassen; die bestrahlte Haut tgl. 10 Min. betupfen (Quelle: Klinik für Tumorbiologie Freiburg).

  • Aloe Vera: Als Pflegemilch, Gel oder Flüssigextrakt – je nach Verträglichkeit und Hauttyp – kann Aloe vera (z. B. Aloe Vera Pflegemilch Weleda) aufgrund der kühlenden Eigenschaften die Nebenwirkungen eine Radiotherapie abmildern.

Praxistipp

Vor Auftragen auf die bestrahlte Haut sollte die Grüntee- oder Aloe Vera-Anwendung zunächst an der nicht bestrahlten Haut auf individuelle Verträglichkeit getestet werden (Ausschluss einer Kontaktallergie). In jedem Fall muss verhindert werden, dass die für die Bestrahlungssitzungen notwendigen Kennzeichnungen auf der Haut verwischt oder entfernt werden.

Behandlung von Strahlenerythemen
  • Ringelblumen-Salbe (Calendula officinalis): Bei Rötung, Überwärmung, Schmerz oder Verbrennungssymptomen ist die Wirksamkeit der Ringelblumensalbe wissenschaftlich gesichert [7, 35]. Präparate: z. B. Calendula Wundsalbe, Calendumed Creme.

  • Arnika-Brennnessel-Salbe/Gel: Eine Kombination aus Arnika und Brennnessel (z. B. Combudoron-Gel, -Salbe), die aus anthroposophischen Gesichtspunkten bei Verbrennungen Anwendung finden kann, hat sich in der erfahrungsheilkundlichen Anwendung auch bei Strahlenschäden bewährt.

Praxistipp

Aus der klinischen Erfahrung ist auch die innere Anwendung eines Arnika-Brennnessel-Präparats sinnvoll (z. B. Combudoron Weleda).

Behandlungen von Ödemen oder Schwellungen
  • Enzymtherapie: Phlogenzym® tgl. 3 × 2 Tabletten oder Wobenzym® 3 × 3 Tbl. – jeweils bis zu Besserung der Beschwerden.

  • Selen: Derzeit ist unklar, ob eine prophylaktische Einnahme von Selen (z. B. Cefasel, Selenase, Selen-loges) begleitend zur Strahlentherapie sinnvoll ist. Allerdings gibt es Hinweise, dass bei Ödemen eine Selensubstitution hilfreich sein kann, um das Abschwellen der Ödeme zu unterstützen.Dosierung: tgl. 300 μg bis zur Besserung der Beschwerden.

Nebenwirkungen einer antihormonellen Therapie

Da onkologische Erkrankungen:antihormonelle TherapieBrustkrebspatientinnen erfahrungsgemäß zu einem großen Prozentsatz komplementäre Behandlungen nachfragen, ist es wahrscheinlich, dass der naturheilkundlich tätige Arzt mit der Frage einer Behandlung von Nebenwirkungen der antihormonellen Therapie (GnRH-Analoga, Östrogen-Rezeptor-Antagonisten, Aromatasehemmer) konfrontiert wird.
Eine zweite Patientengruppe, die mit dieser Symptomatik konfrontiert sein kann, sind Männer, die aufgrund eines Prostatakarzinoms ebenfalls antihormonell behandelt werden.
  • Basisempfehlungen: Einfache Maßnahmen wie Ausdauerbewegung, Atementspannung und Visualisierungstechniken, sind hilfreich zur Symptomlinderung.

  • Akupunktur: Die Akupunktur kann Hitzewallungen bessern – bei Frauen mit Brustkrebs (Lee et al. 2009) und Männern mit Prostatakrebs [26]. Bei Letzteren zeigte sich sogar die Selbstakupunktur nach einer entsprechenden Unterweisung des Patienten als hilfreich.Die Punktauswahl sollte möglichst nach CM-Diagnostik und individueller Symptomkonstellation erfolgen. Sinnvolle Basispunkte zur Behandlung von Hitzewallungen sind: Di 4, Di 11, Le 3, 3E 5, Mi 6.

Phytotherapie bei Östrogen-Rezeptor-positivem Brustkrebs
Präparate zur Behandlung klimakterischer Beschwerden enthalten bisweilen wirksame Phytoöstrogene und sind bei einem Östrogen-Rezeptor-positiven Mammakarzinom kontraindiziert. Die meisten dieser Präparate sind rezeptfrei erhältlich und z. T. als Nahrungsergänzung zugelassen – eine Aufklärung der Patientin ist zwingend.
Aus der chinesischen Medizin oder der japanischen Kampo-Medizin sind Arzneimittelrezepturen bekannt, die zur Behandlung von klimakterischen Beschwerden eingesetzt werden und die – nach derzeitigem Kenntnisstand – keine Wirkung auf Östrogen-Rezeptoren entfalten. Die Verordnung dieser Rezepturen sollte jedoch ausschließlich dem in der chinesischen oder japanischen Phytotherapie Erfahrenen vorbehalten bleiben [17].
Phytotherapie bei Prostata-Krebs
  • Phytoöstrogene: Im Gegensatz zu den Mammakarzinom-Patientinnen profitieren Männer mit Prostata-Krebs möglicherweise von einer phytoöstrogenreichen Ernährung oder entsprechenden Nahrungsergänzungen. So führte eine phytoöstrogenreiche Ernährung zu einer Senkung des PSA-Wertes [1, 25]. Eine Rationale zur Behandlung von Nebenwirkungen einer antiandrogenen Therapie mit Phytoöstrogenen lässt sich aus der wissenschaftlichen Literatur nicht ableiten. Eine Verordnung entsprechender Präparate kann lediglich als individueller Therapieversuch erfolgen [37].Präparate: z. B. Menoflavon extra Kapseln; Dosierung: tgl. 1 Kps.

  • Asiatische Arzneimitteltherapie: Bei Prostatakarzinom-Patienten können Arzneimittelrezepturen zum Einsatz kommen, die ihre Wirkung über eine phytoöstrogene Aktivität entfalten. Die Erstellung der individuellen Rezeptur sollte dem in der Behandlung von Tumorpatienten erfahrenen Anwender von CM oder Kampomedizin vorbehalten bleiben.In therapieresistenten Einzelfällen mit stark eingeschränkter Lebensqualität kann ersatzweise auf die Anwendung eines Fertigpräparats (Prostasol®) ausgewichen werden – wobei hier jedoch die Vor- und Nachteile sorgfältig abzuwägen sind. Das Präparat kombiniert vier Naturstoffe aus der traditionellen asiatischen Medizin (R. Ginseng, R. Scutellariae, Reishi und Sabal serrulatum) und zeigt in der klinischen Anwendung symptomatische Besserungen. Allerdings sind in Einzelfällen thromboembolische Ereignisse bei Anwendung dieses Präparats beschrieben worden.

Literatur

[1]

S. Andres K. Abraham K.E. Appel A. Lampen Risks and benefits of dietary isoflavones for cancer Crit Rev Toxicol 41 6 2011 Jul 463 506

[2]

D.L. Barton G.S. Soori B.A. Bauer Pilot study of Panax quinquefolius to improve cancer-related fatigue Support Care Cancer 18 2 2010 Feb 179 187

[3]

F.T. Baumann W. Slawek W. Bloch Einflüsse von körperlichen Aktivitäten auf das Fatigue-Syndrom von Brustkrebspatientinnen ZKM 6 2009 14 18

[4]

C. Bausewein S. Booth M. Gysels Non-pharmacological interventions for breathlessness in advanced stages of malignant and non-malignant diseases Cochrane Database Syst Rev. 16 2 2008 Apr CD005623

[5]

J. Beuth Natural versus recombinant mistletoe lectin_1 A. Büssing Mistletoe. The Genus Viscum. Medicinal and Aromatic Plants – Industrial Profiles 2000 Harwood Academic Publishers Amsterdam 237 245

[6]

Büssing A. Mistel (Viscum album) – anthroposphischer und phytotherapeutischer Ansatz K. Münstedt Ratgeber unkonventionelle Krebstherapien 2003 Ecomed Landsberg

[7]

P.K. Chandran R. Kuttan Effect of Calendula officinalis Flower Extract on Acute Phase Proteins, Antioxidant Defense Mechanism and Granuloma Formation During Thermal Burns J Clin Biochem Nutr 43 2 Sep 2008 58 64

[8]

K.S. Courneya R.J. Segal K. Gelmon Six-month follow-up of patient-rated outcomes in a randomized controlled trial of exercise training during breast cancer chemotherapy Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 16 12 2007 Dec 2572 2578

[9]

F. Cramp J. Daniel Exercise for the management of cancer-related fatigue in adults Cochrane Database Syst Rev 16 2 2008 Apr CD006145

[10]

R.A. Cruciani E. Dvorkin P. Homel B. Culliney S. Malamud J. Lapin R.K. Portenoy N. Esteban-Cruciani L-carnitine supplementation in patients with advanced cancer and carnitine deficiency: a double-blind, placebo-controlled study J Pain Symptom Manage 37 4 2009 Apr 622 631

[11]

G. Deng B.R. Cassileth K.S. Yeung Complementary therapies for cancer-related symptoms J Support Oncol 2 5 2004 Sep-Oct 419 426 discussion 427–9

[12]

C. Dileo J. Bradt Music therapy for end-of-life care. (Protocol) Cochrane Database of Syst Rev 20 1 2010 Jan CD007169

[13]

D.M. Eisenberg R.C. Kessler M.I. Van Rompay Perceptions about complementary therapies relative to conventional therapies among adults who use both: results from a national survey Ann Intern Med 135 5 2001 Sep 4 344 351

[14]

M. Fink Vitamin D deficiency is a cofactor of chemotherapy-induced mucocutaneous toxicity and dysgeusia J Clin Oncol 29 4 2011 Feb 1 81 82

[15]

F.T. Baumann S. Wajda W. Bloch Einflüsse von körperlichen Aktivitäten auf das Fatiguesyndrom von Brustkrebspatientinnen zkm 1 6 2009 14 18

[16]

H.J. Gabius Evidence for stimulation of tumor proliferation in cell lines and histiotypic cultures by clinically relevant low doses of the galactoside-binding mistletoe lectin, a component of proprietary extracts Cancer Invest 19 2001 114 126

[17]

J. Greten Kursbuch TCM 2. A. 2006 Thieme Stuttgart

[18]

M. Horneber G. Bueschel R. Huber Mistletoe therapy in oncology Cochrane Database Syst Rev 16 2 2008 Apr CD003297

[19]

L.W. Jones J. Peppercom J.M. Scott C. Battaglini Exercise therapy in the management of solid tumors Curr Treat Options Oncol 11 1–2 2010 Jun 45 58

[20]

M. Kalder Factor AF2 K. Münstedt Ratgeber unkonventionelle Krebstherapien 2003 Ecomed Landsberg

[21]

G. Kelter H.H. Fiebig Absence of tumor growth stimulation in a panel of 26 human tumor cell lines by mistletoe (Viscum album L.) extracts Iscador in vitro Arzneimittelforschung 56 6A 2006 Jun 435 440

[22]

E. Kern M. Schmidinger G.J. Locker Management des Capecitabin induzierten Hand-Fuß-Syndroms durch lokale Phytotherapie WMW Wiener Medizinische Wochenschrift 157 2007 13 14

[23]

G.S. Kienle H. Kiene Review article: Influence of Viscum album L (European mistletoe) extracts on quality of life in cancer patients: a systematic review of controlled clinical studies Integr Cancer Ther 9 2 2010 Jun 142 157

[24]

J. Klein P. Griffiths Acupressure für nausea and vomiting in cancer patients receiving chemotherapy Br J Community Nurs 9 9 2004 383 388

[25]

B. Lazarevic G. Boezelijn L.M. Diep Efficacy and safety of short-term genistein intervention in patients with localized prostate cancer prior to radical prostatectomy: a randomized, placebo-controlled, double-blind Phase 2 clinical trial Nutr Cancer 63 6 2011 889 898

[26]

Lee MS, Kim KH, Shin BC et al. Acupuncture for treating hot flushes in men with prostate cancer: a systematic review. Support care Cancer 17(7): 763–770.

[27]

Lee MS, Kim KH, Shin BC et al. Acupuncture for treating hot flashes in breast cancer patients: a systematic review. Breast Cancer Res Treat 115(3): 497–503.

[28]

D. Melchart R. Brenke G. Dobos Naturheilverfahren 2002 Schattauer Stuttgart

[29]

A. Molassiotis Cheng KK. Potrata A systematic review of the effectiveness of Chinese herbal medication in symptom management and improvement of quality of life in adult cancer patients Complement Ther Med 17 2 2009 Apr 92 120

[30]

A. Molassiotis J.A. Scott N. Kearney Complementary and alternative medicine use in breast cancer patients in Europe Support Care Cancer 14 3 2006 Mar 260 267

[31]

K. Münstedt Ratgeber unkonventionelle Krebstherapien 2003 Ecomed Landsberg

[32]

F. Musial A. Büssing P. Heusser Mindfulness-based stress reduction for integrative cancer care: a summary of evidence Forsch Komplementmed 18 4 2011 192 202

[33]

A. Pace A. Savarese M. Picardo Neuroprotective effect of vitamin E supplementation in patients treated with cisplatin chemotherapy J Clin Oncol 21 2003 927 931

[34]

B. Pfeifer J. Preiß C. Unger Onkologie integrativ 2006 Elsevier München

[35]

P. Pommier F. Gomez M.P. Sunyach Phase III Randomized Trial of Calendula Offic inalis Compared With Trolamine for the Prevention of Acute Dermatitis During Irradiation for Breast Cancer J Clin Oncol 22 2004 1447 1453

[36]

V. Schulz R. Hänsel M. Blumenthal Rational Phytotherapy: A Physician‘s Guide to Herbal Medicine 4th ed. 2001 Springer New York

[37]

P. Sharma A. Wisniewski M. Braga-Basaria Lack of an effect of high dose isoflavones in men with prostate cancer undergoing androgen deprivation therapy J Urol 182 5 2009 Nov 2265 2272

[38]

G.M. Stein G. Schaller U. Pfüller Thionins frim Viscum album L.: influence of viscotoxins on the activation of granulocytes Anticancer research 19 1999 1037 1042

Naturheilverfahren bei Patienten mit somatoformen Störungen

Axel Eustachi

Wird somatoforme Störungentrotz umfassender Diagnostik keine eindeutig körperliche oder psychische Ursache für die von Patienten geäußerten Beschwerden gefunden, handelt es sich häufig um somatoforme Störungen. Diese Patienten sind oft in ihrer Lebensqualität erheblich beeinträchtigt und haben mehrfache Arztwechsel mit diversen erfolglosen Therapieversuchen hinter sich. Einer der Gründe hierfür mag sein, dass die Patienten die ärztliche Aussage, dass es keine körperliche Ursache für die Symptomatik gibt, meist nicht akzeptieren können. Komplizierend kommt hinzu, dass somatoforme Störungen häufig mit Depressionen und Angststörungen kombiniert sind.

Therapeutische Strategie

Erfolg versprechend ist eine Kombination aus psychosomatischen Therapiemaßnahmen, Psychotherapie sowie ärztlicher Begleitung unter aktiver Einbindung des Patienten.
Eine Beschwerdebesserung – ohne nebenwirkungsbelastete oder teure allopathische Medikamente – kann erzielt werden durch Empfehlungen zu einer gesunden Lebensweise ergänzt durch naturheilkundliche Verfahren, die sich an funktionellen, vegetativen Abläufen orientieren. Nachteilig kann sein, dass Betroffene einen naturheilkundlichen Behandlungsversuch gleichsam als Bestätigung für ihr somatisches Erklärungsmodell werten und einem begleitenden psychosomatischen Behandlungsansatz eher skeptisch begegnen.

Merke

Naturheilkundliche Verfahren sollten bei der Behandlung von somatoformen Störungen stets ergänzenden Charakter haben. Im Idealfall können sie die körperlichen Symptome erfolgreich lindern und die Autonomie des Patienten stärken.

Ein naturheilkundlicher Behandlungsversuch bei somatoformen Störungen sollte generell (falls keine anderen Empfehlungen gegeben werden) zunächst nicht länger als sechs Wochen dauern. Nach Ablauf dieser Zeit ist der Therapiefortschritt zu überprüfen.

Auswahl des Therapieverfahrens

Noch bevor spezifische Therapieempfehlungen ausgesprochen werden, sollte Wert auf eine Optimierung des Lebensstils gelegt werden: tägliche Alltags- und Ausdauerbewegung, gesunde Ernährung, Entspannung und Stress-Management. Die Patienten sollten über geeignete Selbsthilfetechniken informiert werden (z. B. Hydrotherapie, Wickel, Auflagen, Selbstmassage, Akupressur).
Zusätzlich zu den basistherapeutischen Maßnahmen (8.3.2), die bei jeder Indikation kurz erwähnt werden, können die als jeweilige Therapieverfahren aufgelisteten Maßnahmen ausgewählt werden, die im individuellen Fall – entweder aufgrund der ärztlichen Expertise oder der Reagibilität des Patienten – am ehesten Erfolg versprechen. Eine Hierarchisierung der Verfahren nach wissenschaftlicher Evidenz ist derzeit nur eingeschränkt möglich. Aufgrund der weiten Verbreitung in naturheilkundlichen Praxen in Deutschland wurden beispielhafte Empfehlungen zur Akupunktur aufgenommen. Wenn immer möglich sollte die Punktauswahl auf der Grundlage einer Diagnose nach den Regeln der chinesischen Medizin erfolgen.

Funktioneller Schwindel

Bis zu 39 % der Gesamtbevölkerung sind episodisch von funktionellem Schwindel betroffen. 30–50 % aller Schwindelsymptome gelten als somatoform.
Sinnvoll sind als Basismaßnahme (8.3.2) regelmäßige sportliche Aktivität, gesunde Ernährung, strikte Nikotin-/Alkoholkarenz und Maßnahmen der physikalischen Therapie (z. B. warme/heiße Kompressen bei verspannter Halsmuskulatur oder kalte Kompressen bei warmer/feuchter Muskulatur/Druckgefühl im Kopf/Hitzegefühl).
Phytotherapie
  • Ginkgoblätter-Trockenextrakt (Ginkgo biloba) ist evidenzbasiert bei durchblutungsbedingtem Schwindel [26]. Ein Behandlungsversuch bei somatoformem Schwindel ist vertretbar. 120–180 mg tgl. über 2 Monate.

  • Ingwerwurzelstock (Zingiberis rhizoma): 1 Scheibe (2 mm, 2 g) auf 150 ml kochendes Wasser, 10 Min. ziehen lassen, 2 Tassen tgl. [24].

  • Fertigarzneimittel aus Campher und Weißdorn (Korodin®): Zu empfehlen bei Schwindel mit/aufgrund von Hypotonie/orthostatischer Dysregulation [25]. Bis zu 3 × tgl. 5–10 Tr. auf einem Stück Zucker einnehmen.

Erweiterte Naturheilverfahren
  • Neuraltherapie: In therapieresistenten Fällen von Schwindelsymptomatik kann der „Dornenkranz nach Hopfer“ Dornenkranz nach Hopfersinnvoll sein: Injektionen (Procain 1 % oder Lidocain 1 %) entlang der größten Schädelzirkumferenz im Abstand von ca. vier Zentimetern [19].

  • Akupunktur: Basispunkte bei Schwindel sind Gb 9, Gb 20, Gb 38, Gb 41, Ks 6, LG 20, Le 4, Bl 18, Di 4, Le 3. Bei Schwindel mit Bluthochdruck: Di 4, Le 3.

Gastroenterologische Symptomatik: Basismaßnahmen

gastroenterologische SymptomeSomatoforme Störungen mit gastroenterologischer Symptomatik umfassen die Beschwerdebilder „Reizmagensyndrom“, „Reizdarmsyndrom“ (7.3.1, 7.3.2) „funktionelle Obstipation“ und „funktionelle Diarrhö“.
Hydro- und Thermotherapie
  • Wärme führt häufig zur Besserung, wenn Kältereize (kalte Nahrungsmittel, Rohkost) die Symptomatik auslösen/verschlechtern: Warme Auflagen (Wärmflasche 2 × tgl. für 20 Min.) auf Bauch oder Rücken, warme/ansteigende Fußbäder (Entspannung des Magen-Darm-Trakts)

  • Selbstmassage der Bauchdecke beginnend im rechten Unterbauch im Uhrzeigersinn den Dickdarm sanft massieren.

Ernährungstherapie
Bei gastroenterologischen Beschwerden ist eine schonende, möglichst vollwertige Ernährung zu empfehlen (Vermeidung von Reizstoffen, Kaffee, Alkohol, von zu scharfer, zu salziger Nahrung; Bevorzugung warmer Mahlzeiten, regelmäßige, möglichst stressfreie Nahrungsaufnahme).
Zudem ist für viele Patienten eine ballaststoffreiche Ernährung hilfreich – kombiniert mit ausreichender Trinkmenge (Ausnahme: individuelle Unverträglichkeiten, Gefahr von Obstruktionen im Darmbereich): Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Vollkorngetreide, sowie Füll- und Quellstoffe wie:
  • Weizenkleie: 3 × 2 EL (20–40 g) tgl.

  • Leinsamen (Lini semen): tgl. bis zu 3 × 1 EL (30–50 g) in 1 Tasse mit kalter Flüssigkeit (Wasser oder Tee)

  • Indische Flohsamen (Psylli semen): 10–30 g tgl. mit 150–300 ml Wasser einnehmen [14]

Erweiterte Naturheilverfahren
Eine Unterstützung der physiologischen Darmflora im Rahmen der mikrobiologischen Therapie kann helfen, die normale Verdauungsfunktion wiederherzustellen: Präbiotika (z. B. Kanne-Brottrunk®, Rechtsregulat®). In therapieresistenten Fällen können Probiotika (Bifidusbakterien, E. coli, Laktobazillen) zum Einsatz kommen.

Reizmagensyndrom

Bis zu Reizmagensyndrom30 % der Allgemeinbevölkerung leiden am Reizmagensyndrom (7.3.2). Den Basismaßnahmen – insbesondere der schonenden Ernährung (8.3.2) und der Atementspannung [12] – kommt die entscheidende Bedeutung zu.
Die folgenden Phytotherapeutika können eine Reizmagensymptomatik u. a. aufgrund ihrer krampflösenden Wirkung verringern, sie sind gut verträglich und können langfristig verordnet werden.
  • Pfefferminzblätter (Menthae piperitae folium): 1 EL (1–2 g) Pfefferminzblätter mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, mehrmals tgl. 1 Tasse trinken.

  • Kümmelfrüchte (Carvi fructus): 1–2 TL zerstoßene (!) Kümmelfrüchte mit 200–250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, tgl. 3 × 1 Tasse nach dem Essen trinken.

  • Artischocke (Cynara scolymnus): 320–640 mg Artischockenextrakt (Fertigpräparat) tgl. über 8 Wochen; evidenzbasiert bei Reizmagen [13].

  • Isländisch Moos (Cetraria islandica): Gut verträglich, für Kinder geeignet; 1–2 TL in 150 ml kaltem Wasser für 2 Stunden ansetzen, einmal kurz aufkochen, 3 × tgl. vor dem Essen trinken. Bei Kindern unter 10 (6) Jahren: die Hälfte (⅓) der Erwachsenen-Dosis.

Reizdarmsyndrom

Von derReizdarmsyndrom häufigsten somatoformen Störung des Magen-Darm-Trakts sind 25 % der Bevölkerung betroffen. Bei mehr als 50 % liegt eine komorbide Angst- oder depressive Störung vor.
Wichtigste Basismaßnahme (8.3.2) ist die individuelle Ernährungstherapie:
  • Rohkost und individuell unverträgliche Nahrungsmittel sind zu meiden.

  • Hilfreich sind warme Speisen und Getränke (Entspannungseffekt auf den Magen-Darm-Trakt), gedünstetes Gemüse, aufgekochte, Getreidekost (Porridge).

  • Eine Darmsanierung ist sinnvoll, sollte aber einschleichend durchgeführt werden, da sonst anfangs eine Verschlechterung auftreten kann.

Phytotherapie
Die folgenden Phytotherapeutika können aufgrund ihrer guten Verträglichkeit auch langfristig verordnet werden.
  • Kamillenblüten (Matricariae flos): 1 EL mit 150 ml Wasser übergießen, 5–10 Min. ziehen lassen bis zu 4 Tassen tgl.

  • Pfefferminzöl (Menthae piperitae aetheroleum): 6–12 Tr. tgl. oral bzw. 0,6 ml in 3 Einzeldosen zu maximal 0,2 ml einnehmenKontraindikationen: Cholezystitis, Gallenwegsobstruktion, Hepatopathie

Erweiterte Naturheilverfahren
Akupunktur: Die Auswahl der Punkte erfolgt nach vorherrschender Symptomatik:
  • krampfartige Schmerzen: Gb 39, Gb 41, Le 3, Du Mai 5, Di 2

  • Völlegefühl im Oberbauch oder breiiger Stuhl: Ma 25, Ma 36, Mi 16

  • wässriger Durchfall: Ni 7, Mi 6, Mi 10, Le 5

Funktionelle Obstipation

27 % Obstipation:funktionelleder Gesamtbevölkerung leiden an funktioneller Obstipation. Wichtigste Maßnahme der Basistherapie (8.3.2) sind folgende Ernährungsempfehlungen:
  • Nahrungsmittel mit abführender Wirkung (getrocknete Pflaumen, Datteln, Feigen, Rhabarber, Kiwi) bevorzugen

  • probiotische Nahrungsmittel (Joghurt, milchsauer vergorene Nahrungsmittel) zuführen

  • ausreichend trinken (2 l tgl.)

  • Verzicht auf Zucker und Süßigkeiten

Akupunktur und Neuraltherapie können bei Bedarf auch längerfristig eingesetzt werden.
Phytotherapie
Die genannten Phytotherapeutika sollten nur in therapieresistenten Situationen und zeitlich begrenzt (!) eingesetzt werden, da bei zu langer und unkritischer Selbstmedikation die Gefahr besteht, dass Nebenwirkungen oder eine Verschlechterung der Symptome in Form von Elektrolytverlusten und einer Verstärkung der Darmträgheit auftreten könnten.
  • Aloe-Extrakt: 80–100 mg tgl. als Tinktur, z. B. Aloes tinct. DAB (20–30 Tr. vor dem Schlafengehen) über 2 Wo. [36]

  • Abführtee nach R. F. Weiss ([32])

Praxistipp

R. F. Weiss [33] hat folgende Rezeptur Teerezepturen:Abführteeeines Abführtees entwickelt: Sennesblätter 25 g, Faulbaumrinde 25 g, Kamillenblüten 25 g, Fenchelfrüchte 25 g. M. f. species. Dosierung: 1–2 TL auf 1 Tasse (150 ml), 10 Min. ziehen lassen, abends 1 Tasse trinken.

Erweiterte Naturheilverfahren
  • Neuraltherapie: Die Neuraltherapie kann bei Bedarf auch längerfristig eingesetzt werden. In therapieresistenten Fällen kommt der „Bauchkranz nach Hopfer“ zur Bauchkranz nach HopferAnwendung: Quaddeln (mit Procain 1 % oder Lidocain 1 %) im Abstand von vier Zentimetern kaudal entlang des Rippenbogens und kranial entlang der Beckenknochen [19].

  • Akupunktur: Sinnvoll sind die Punkte Ma 25, Ma 36, Mi 6, Mi 10, Mi 15, Di 4, Ren Mai 6 [9, 11]. Bei Bedarf kann die Akupunktur auch längerfristig zur Anwendung kommen.

Funktionelle Diarrhö

Die Diarrhö:funktionellefolgenden Basismaßnahmen (8.4.2) sind langfristig am wirksamsten:
  • Keine schwer verdaulichen (z. B. Rohkost), individuell unverträglichen und kalten Nahrungsmittel zuführen.

  • Günstig sind Suppen (Reis-, Haferschleim-, Karotten-Suppe), Karottengemüse, Äpfel, Bananen und fettarme Mahlzeiten.

Eine mikrobiologische Therapie sowie die Phytotherapie und Akupunktur helfen erfahrungsgemäß in akuten, möglicherweise auch in chronischen Fällen.
Phytotherapie
  • Schwarzer Tee (Theae nigrae folium)/Grüner Tee (Theae viridis folium): 1 TL Schwarztee oder ½ TL Grüntee auf 150 ml kochendes Wasser; 15–20 Min. ziehen lassen [25].

  • Getrocknete Heidelbeerfrüchte (Myrtilli fructus): Mehrmals tgl. 5–10 g getrocknete (!) Beeren (1 EL) im Mund zerkauen, dann schlucken.

  • Eichenrinde (Quercus cortex): 2–4 gehäufte TL auf 250 ml Wasser, kurz aufkochen, 10–20 Min. ziehen lassen, mehrmals tgl. vor den Mahlzeiten trinken, über maximal 4 Tage [25].

Praxistipp

Rezeptur: „Stopftee“

Teerezepturen:StopfteeRp.: Schwarzteeblätter 40 g, Melissenblätter 20 g, Fenchelfrüchte 20 g, Tausendgüldenkraut 20 g, Dosierung: 2 TL pro
Tasse, 10–20 Min. ziehen lassen, bis zu 3 Tassen tgl. [25].

Rezeptur: Heilerde

Rezepturen:Heilerde1 TL Heilerde-Pulver in lauwarmem Wasser auflösen, mehrmals tgl. 1 Glas trinken. Alternativ: Heilerde-Kapseln: tgl. 2 × 3 Kapseln einnehmen.
Erweiterte Naturheilverfahren
  • Mikrobiologische Therapie: Zur Anwendung kommen z. B. Saccharomyces cerevisiae, S. boulardii, Escherichia coli.

  • Akupunktur: Sinnvolle Punkte bei Diarrhö sind KG 6, KG 12, Ma 25, Mi 1, Mi 4, Mi 9, Bl 20, Bl 21 [9].

Reizblase

Die ReizblaseReizblase ist die häufigste somatoforme Störung des Urogenitalsystems bei Frauen. Die basistherapeutische Behandlungsgrundlage (8.4.2) sind folgende Maßnahmen der Ernährungs- sowie der Hydro- und Thermotherapie.
  • Meiden schleimhautreizender Nahrungsmittel (Kaffee, Alkohol, scharfe Gewürze) und Urin ansäuernder Nahrungsmittel (Fleisch-, Wurstwaren, Milch, Spargel, Spinat, Erdbeeren).

  • Die Flüssigkeitsmenge an dünnflüssigen Getränken (Mineralwasser, Tee) sollte über 2 l tgl. liegen.

  • Ansteigende oder wechselwarme Fußbäder und feuchtwarme Auflagen bringen häufig Erleichterung.

Die Phytotherapie sollte individuell nach Beschwerdebild und den vorherrschenden Leitsymptomen eingesetzt werden.
  • Bei Entzündung, Hitzegefühl, „Brennen“ ist als Durchspülungstherapie der aquaretisch wirksame Indische Nierentee zu empfehlen sowie zur Minderung der Entzündung ein entzündungshemmender Tee.

Praxistipp

Rezeptur: Indischer Nierentee

Teerezepturen:indischer NierenteeRp.: Orthosiphonblätter 50 g, Brennnesselkraut 25 g, Goldrutenkraut 25 g; 1 EL auf 150 ml kochendes Wasser, 5 Min. ziehen lassen, mehrmals tgl. 1 Tasse.

Rezeptur: Teezubereitung aus entzündungshemmenden Kräutern

Teeezepturen:EntzündungshemmungRp.: Tausendgüldenkraut 10 g, Johanniskraut 10 g, Melissenblätter 20 g, Baldrianwurzel 10 g, Goldrutenkraut 30 g, Löwenzahnwurzel und -kraut 20 g; 1 TL auf 150 ml kochendes Wasser, 5 Min, ziehen lassen, 3 × tgl. 1 Tasse [24].
  • Bei krampfartigen Beschwerden hat sich neben Kürbiskernsamen ein Tee aus Goldrutenkraut bewährt.

    • Kürbiskernsamen (Cucurbitae peponis semen): 1–2 EL tgl. – morgens und abends – zerkaut mit Flüssigkeit einnehmen (Kinder unter 12 Jahren 1–2 TL).

    • Goldrutenkraut (Solidaginis herba): 2 TL auf 150 ml kochendes Wasser, 10 Min. ziehen lassen; mehrmals tgl. 1 Tasse [25].

Chronische Rückenschmerzen

Die RückenschmerzenPrävalenz bei Rückenschmerzen liegt bei bis zu 40 %. Die Basistherapie (8.4.2) besteht aus Körpertraining zur Besserung der Funktion und Linderung der Schmerzsymptomatik – idealerweise durch eine Kombination aus Kraft-, Dehn-, Koordinations- und Beweglichkeitsübungen [10]. Erfolg versprechend sind zudem Entspannungsverfahren (Qigong, Tai-Chi, Yoga, progressive Muskelrelaxation) und die Physiotherapie (Osteopathie/Manuelle Therapie).
Zusätzlich können Phytotherapie und Akupunktur eingesetzt werden. Eine Kombination mehrerer Verfahren ist in therapieresistenten Fällen sinnvoll.
Phytotherapie
Die phytotherapeutische Behandlung mit Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) ist evidenzbasiert [8]. Zudem existieren für Weidenrinde (Salix alba [30]), Ingwer (Zingiberis rhizoma [5]), Cayenne-Pfeffer-Extrakte (Capsicum annuum [8]) Hinweise auf eine Wirksamkeit bei chronischen Rückenschmerzen.
  • Teufelskrallenwurzel (Harpagophytum procumbens) sollte möglichst als standardisiertes Fertigpräparat (800–1.600 mg Extrakt) tgl. eingesetzt werden (z. B. Arthrosetten®, Cefatec®, Doloteffin®, Flexi-loges®, Teufelskralle-ratiopharm®).

  • Weidenrinde (Salix alba) sollte bevorzugt als Extraktpräparat eingesetzt werden, da so gewährleistet ist, dass die notwendige Wirkstoffmenge tatsächlich erreicht wird.Präparate: z. B. Assalix® (1–2 Drgs. tgl. nach den Mahlzeiten), Optovit actiFLEX® (1–2 Drgs. tgl.), Salix Bürger® Lösung (Dosierung: 45–90 Tr. tgl.).

  • Ingwerwurzelstock (Zingiberis rhizoma) – Anwendung als Tee: 1 TL grob zerkleinerte Droge mit 150 ml heißem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, bis zu 3 Tassen tgl. trinken.

  • Cayenne-Pfeffer (Capsicum annuum): Anwendung äußerlich als Salbe, Pflaster oder Emulsion. Bei Okklusivverbänden und Pflastern mit hoher Dosierung (über 0,075 % Capsaicingehalt) besteht die Gefahr irreversibler Neurotoxizität.

  • Präparate: z. B.: Capsamol Salbe®, Jucurba Capsicum® Schmerz Emulsion

Erweiterte Naturheilverfahren
Die Akupunktur ist bei Rückenschmerzen ein evidenzbasiertes Verfahren [3, 31]. Die Punktauswahl sollte abhängig von der Schmerzlokalisation und dem Meridianverlauf erfolgen. Bewährte Punkte sind Bl 20 bis Bl 34, Bl 40, Bl 60, Bl 62, Gb 30, Gb 31, Gb 34, Gb 41, Le 3, Dü 3, Ni 3, Ni 7, Ren Mai 3, Ren Mai 4, Ren Mai 5, Ren Mai 6.

Kopfschmerz

Unter KopfschmerzKopfschmerzen, der häufigsten Befindlichkeitsstörung überhaupt, leiden zeitweilig über 70 % der Bevölkerung. Als basistherapeutische Maßnahmen (8.4.2) sind zu empfehlen:
  • Entspannungsverfahren: z. B. autogenes Training, progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, können die Schmerzintensität und -dauer und damit die Schmerzmitteleinnahmen vermindern [35].

  • Hydro- und Thermotherapie: Zu empfehlen [20] sind kalte Armbäder (schmerzlindernd bei akuten Kopfschmerzen) oder temperaturansteigende Armbäder (bei chronischer oder durch Kälte ausgelöster Symptomatik).

  • Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (1,5 l) ist zu achten, denn bereits geringfügig zu niedrige tägliche Trinkmengen können Kopfschmerzen auslösen (Maughan).

  • Ein Vitamin-B12-Mangel (z. B. bei streng vegetarischer oder einseitiger Ernährung) kann Kopfschmerzen auslösen/verschlimmern [27]. Ausreichende Mengen finden sich in Eiern, Milchprodukten, Fisch und Fleisch. Tagesbedarf: 2 μg. Dosierung bei Vitamin-B12-Mangel: 10–100 μg täglich.

Phytotherapie
  • Pfefferminzöl (Menthae piperitae aetheroleum): evidenzbasiert bei Kopfschmerzen [24]; mehrmals tgl. Stirn und Schläfe mit einigen Tr. Öl einreiben.Präparate: z. B. Euminz äußerlich Lösung (mittels Applikator), Inspirol Heilpflanzenöl

  • Teufelskrallenwurzel (Harpagophyti radix): sinnvoll bei Kombination von Kopf- und HWS-Schmerzen [24] als Fertigpräparat 800–1.600 mg Extrakt tgl.Präparate: z. B. Arthrosetten®, Cefatec®, Doloteffin®, Flexi-loges®, Teufelskralle-ratiopharm®

Erweiterte Naturheilverfahren
  • Akupunktur: Auswahl der Punkte nach Schmerzlokalisation [11, 18].

    • Scheitel: LG 20, Ni 1, Dü 3, Bl 7, Bl 67

    • Gesicht: Di 4, Ma 44, Ma 8, Ren Mai 23, Bl 2, Gb 20

    • Hinterkopf: Gb 20, Bl 62, Dü 3, Ren Mai 19

    • Schläfe: Ma 8, 3E 5, Gb 7, Gb 8, Gb 20, Gb 41

  • Akupressur: Der Fingerdruck auf Schmerzpunkte kann zu spontaner Erleichterung führen. Viele Akupunkturpunkte (s. o.) sind einer Selbstbehandlung mit Akupressur zugänglich.

Funktionelle kardiovaskuläre Beschwerden

Bis zu 30kardiovaskuläre Beschwerden, funktionelle % aller Patienten leiden unter kardiovaskulären Beschwerden ohne organische Ursache. Therapieziel ist die psychische und körperliche Stabilisierung (Leistungsfähigkeit, Schlaf) und die Verringerung der Angst vor der Erkrankung. Grundlage der Behandlung sind folgende basistherapeutischen Maßnahmen:
  • Ausdauertraining (wichtigste ergänzende Behandlung von Angststörungen überhaupt)

  • Entspannungsverfahren (z. B. autogenes Training, Meditation)

  • hydrotherapeutische Anwendungen – warme Bäder wirken muskelentspannend, vegetativ stabilisierend und Angst mindernd.

Phytotherapie
Sinnvoll sind Zubereitungen aus Heilkräutern mit durchblutungsfördernder oder angstlösender Wirkung [24].
  • Weißdornblätter und -blüten (Crataegi folium cum flore): herzstärkend, 900 mg tgl. (als Extraktpräparat), über mindestens 6 Wochen; z. B. Crataegutt® (3 × 20–40 Tr. tgl.), Florabio Weißdorn-Press-Saft® (3 × 10 ml tgl.), Craegium® 450 mg (2 × 1Tbl. tgl.).

  • Passionsblumenkraut (Passiflorae herba): angst- und krampflösend, 1 TL mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 5 Min. ziehen lassen, 3 Tassen tgl.

Praxistipp

Als „Solutio Solutio cardiacacardiaca“ kann folgende Tinktur zur Behandlung funktioneller Herzbeschwerden eingesetzt werden: Maiglöckchenkraut-Tinktur (10 g), Adoniskrautextrakt (10 g), Baldrianwurzelextrakt (10 g), Tinktur aus Weißdornblätter mit -blüten (20 g), tgl. 3 × 20–30 Tr. in Flüssigkeit einnehmen [24].

Erweiterte Naturheilverfahren
Akupunktur: Sinnvoll sind u. a. folgende Basispunkte: He 7, He 4, He 6, He 9.

Funktionelles Globusgefühl

Bis zu 46Globusgefühl, funktionelles % der Gesamtbevölkerung leiden unter episodischen Globusgefühlen. Typische Symptome sind ein Fremdkörper- oder Schleimgefühl im Hals, Kratzen oder Brennen in der Kehle – ohne Beeinträchtigung des Schluckens. Sinnvoll als Basistherapie (8.4.2) sind Entspannungsverfahren und die physikalische Therapie (warme Wickel/Auflagen, ansteigendes Fußbad).
Phytotherapie
Phytotherapie mit verdauungsfördernden und entzündungshemmenden Kräutern kann hilfreich sein [28].
  • Isländisches Moos (Lichen islandicus): 1–2 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser (150 ml) übergießen, 10 Min. ziehen lassen, 3–5 Tassen tgl.

  • Tausendgüldenkraut (Centauri herba): 1 TL mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, 3–5 Tassen tgl.

Praxistipp

Rezeptur bei Globusgefühl

Rezepturen, Phytotherapie:bei GlobusgefühlWolfstrapp 20 g, Eisenkraut 20 g, Zitronenverbene 10 g, Pfefferminze 20 g, Melisse 20 g, Löwenzahnwurzel und -kraut 30 g [28]. 1 EL auf 250 ml kochendes Wasser, 10 Min. ziehen lassen, 3 × tgl. 1 Tasse.
Erweiterte Naturheilverfahren
Akupunktur: Je nach Symptomen können u. a. folgende Punkte genadelt werden.
  • Globusgefühl: Pe 5, Pe 6, Pe 3, Pe 7, Pe 9

  • Dysphagie: Du Mai 22, Pe 6

  • Gefühl „Kehle wie zugeschnürt“: Du Mai 22, Di 18, Di 4 [11]

Somatoformer Juckreiz

Bei Juckreiz, somatoformersomatoformem Juckreiz, der häufigsten somatoformen Störung in der Hautarztpraxis, können Entspannungstechniken (Autogenes Training, Stressmanagement und Entspannungstherapie) ähnlich wirksam sein wie eine konventionelle Therapie.
Hilfreich sind als Basistherapie (8.4.2) kühlende Auflagen, Trockenbürsten, Voll- oder Teilbäder mit hautberuhigenden Badezusätzen wie Kamille, Lavendel oder Eichenrinde [19].

Praxistipp

Waschungen an den betroffenen Hautpartien können mit folgenden Substanzen durchgeführt werden [29]:

  • lauwarmes Essigwasser (1 EL Essig auf 2 l Wasser)

  • Klettenwurzel (2 Handvoll Klettenwurzeln und -blätter [Bardanae radix et folia]) in 1 l warmem Wasser ansetzen, 15 Min. ziehen lassen

Phytotherapie
Zur äußeren Anwendung, sei es als Badezusatz, ätherisches Öl oder Salbe eignen sich Zubereitungen aus folgenden Heilpflanzen.
  • Kamillenblüten (Matricariae flos): Sinnvoll bei austherapierten Patienten mit psychogenem Juckreiz, z. B. Kamillenblüten (50 g auf 10 l Badewasser).

  • Lavendelblüten (Lavandulae flos): 5 Tr. Lavendelöl (10-prozentig) 3 × tgl. in die juckenden Hautstellen einreiben. Als Badezusatz: 20–100 g Lavendelblüten auf 20 l Wasser.

  • Eichenrinde (Quercus cortex): 5 g mit 1 l kaltem Wasser ansetzen, 15 Min. auf kleiner Flamme kochen, abseihen und zum Badewasser geben.

  • Pfefferminzöl (Menthae piperitae aetheroleum), Minzöl (Menthae arvensis aetheroleum), einige Tr. direkt in die juckende Hautpartie einreiben, mehrmals täglich. Cave: Nicht bei Säuglingen/Kleinkindern im Gesicht (Gefahr von Aspiration, Glottiskrampf, Atemdepression, Erstickung).

Praxistipp

Bei Waschung 5–10 Tr. auf 1 l Wasser. Bei Bädern 10 Tr. pro Bad.

  • Ballonrebenkraut (Cardiospermi herba): Salbe 3 × tgl. auf betroffenen Hautpartien einreibenRp.: 10 % Cardiospermum homöopathische Urtinktur, Ungt. emulsif. Aquosum 100,0

  • Cayennepfefferfrüchte (Capsici fructus): Bei austherapierten Patienten mit starkem/chronischem Juckreiz Salbe (z. B. Capsamol Salbe®, Jucurba Capsicum® Schmerz Emulsion) möglichst dünn auf die juckenden Hautstellen auftragen. Anwendung zunächst 2–3 Tage, bei guter Verträglichkeit maximal 4 Wochen anwenden.

Ernährungstherapie
Ungesättigte Fettsäuren können möglicherweise juckreizlindernd wirken. Leinöl: 1–3 EL tgl. einnehmen (nicht erhitzen), Nachtkerzenöl (Oenothera biennis) bis zu 6 g tgl., Borretschöl (Borago officinalis) bis zu 4 g tgl.
Erweiterte Naturheilverfahren
Akupunktur und Akupressur: Sinnvoll sind u. a. die Punkte: Di 11, Mi 6, Mi 10. Sie sind auch zur Selbstbehandlung (Akupressur) geeignet.

Fibromyalgie

Über 90 %Fibromyalgie der Fibromyalgie-Patienten suchen Hilfe bei naturheilkundlich komplementären Therapien. Zusätzlich zur fibromyalgietypischen Schmerzsymptomatik leiden die Betroffenen häufig an Schlaf- und Konzentrationsstörungen, an Müdigkeit, Depressionen, Kopfschmerzen, Reizmagen, Dysmenorrhö, Allergien, Temperaturregulationsstörungen (kalte Hände und Füße) und Taubheitsgefühlen.
Wichtigstes Therapieziel ist die Durchbrechung des Teufelskreises „Muskelverspannung – Schmerz – Schonhaltung – Funktionsminderung – Muskelverspannung“ mithilfe eines möglichst individuellen Therapiekonzepts. Neben der Basistherapie (8.4.2) können Maßnahmen der Akupunktur, Phytotherapie und Nahrungsergänzungen mit L-Karnitin oder Magnesium sinnvoll sein.
Hydro- und Thermotherapie
Die Hydro-und Thermotherapie sollte nach der Regulationssituation des Patienten differenziert (Kälte- oder Wärmetherapie) eingesetzt werden (z. B. Wärme bei Verspannungen und Bewegungseinschränkungen – Kälte bei Schwellungen, brennenden Schmerzen). Massage oder Osteopathie können Schmerz, depressive Stimmungslage und Lebensqualität bessern.
Phytotherapie
  • Äußere Anwendung:

    • Cayennepfefferfrüchte (Capsici fructus acer): Anwendung als Salbe (z. B. Capsamol Salbe®, Jucurba Capsicum® Schmerz Emulsion) zur Verbesserung von Durchblutung, Wärmegefühl, Muskelkraft.

    • Weißer Senfsamen (Sinapis albae semen): Breiumschlag: 3 EL Senfmehl mit warmem Wasser zu einem Brei anrühren, 3 × tgl. Umschläge für 15 Minuten auf den schmerzenden Stellen auflegen Wichtig: Hautschutz durch vorheriges Eincremen, sowie nach jeder Anwendung Breireste vollständig entfernen (Gefahr von Hautverbrennungen).

  • Innere Anwendung:Ginkgo (Ginkgo biloba) + Coenzym Q10: Kann die Beschwerden von Fibromyalgie-Patienten bessern [16]. 200 mg Ginkgo und 200 mg Coenzym Q10 tgl. für 3 Monate einnehmen.Präparatebeispiele für Ginkgo: Gingium Filmtabletten à 40 mg (tgl. 3 × 2 Tbl.), Tebonin forte Filmtabletten à 40 mg, tgl. 3 × 2 Tbl.

Bewegungstherapie
Ausdauertraining kann durch Verbesserung von Kondition und körperlicher Leistungsfähigkeit zu Symptomlinderung führen. Wichtig: Training im aeroben Bereich, da eine Überbelastung der Muskulatur die Symptomatik verschlechtert [4]. Entspannungstherapien bessern Schmerzsymptomatik, Selbstwirksamkeit und damit die Lebensqualität.
Erweiterte Naturheilverfahren und komplementärmedizinische Therapieverfahren
  • Akupunktur: Die Akupunktur bessert u. a. die Mikrozirkulation über den fibromyalgietypischen Tender-Points und reduziert Schmerzen. Sinnvoll sind die „Brunnenpunkte“ der betroffenen Leitbahnen (die jeweils ersten Punkte der Leitbahnen) und die „Kreuzungspunkte“ der Extremitäten: Mi 6, Gb 39, Pe 5, 3E 5 [9].

  • Mikronährstoffmedizin:

    • L-Karnitin (Vitaminoid) kann zur Schmerzlinderung und Besserung des Allgemeinbefindens beitragen [23]; Dosierung 1000–2.000 mg tgl.

    • Magnesium wirkt allgemein muskelentspannend, Dosierung 300–600 mg tgl.

Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS)

Bis zu 3 chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS)% aller Patienten in allgemeinmedizinischen Praxen sind von CFS betroffen. Kennzeichnend für das Krankheitsbild ist eine schwere, lang andauernde Erschöpfung, die nicht durch Schonung zu bessern ist und für die es keine körperliche Ursache (z. B. Anämie) gibt. Typisch ist das kombinierte Auftreten von körperlichen Symptomen mit Schlafstörungen, muskuloskelettalen Schmerzen, Beeinträchtigung von Konzentrationsfähigkeit und Kurzzeitgedächtnis.
Grundlage der Behandlung sind folgende basistherapeutischen Maßnahmen (8.4.2): Die Veränderung des Krankheitsverhaltens, insbesondere der Abbau von Schonverhalten durch vorsichtigen Aktivitätsaufbau (stufenweise aufgebautes Ausdauertraining). Zu vermeiden ist insbesondere eine Verschlechterung durch Überforderung [30]: Der Aktivitätsaufbau sollte durch eine langsame Steigerung der Alltags- und Ausdauerbewegung erfolgen. Mittels Schrittzähler kann die tägliche Schrittzahl ermittelt werden. Das Tagespensum wird dann wochenweise um jeweils 500 Schritte gesteigert. (Beispiel: 1. Woche 2.000 Schritte täglich, 2. Woche 2.500 Schritte tgl. usw.). Ziel: 10.000 Schritte pro Tag, davon 3.000 innerhalb von 30 Min. zurücklegen.
Zusätzlich sollte ein möglicher Vitamin- und Spurenelementmangel diagnostisch erfasst und korrigiert werden: Die Nahrungsergänzung mit Karnitin ist unproblematisch und häufig hilfreich. Ergänzend können Phytotherapie und Akupunktur eingesetzt werden.
Phytotherapie
  • Ginseng (Radix ginseng): 400–1.200 mg tgl. (als Teezubereitung), 200–600 mg tgl. (als Extrakt). Mögliche Nebenwirkungen: hormonartige Effekte, Blutdrucksteigerung, Unruhezustände, Schlaflosigkeit. Einnahme maximal 3 Monate [25].Präparate: z. B. Ardey aktiv Pastillen (3 × 1 Pastillen tgl.), Orgaplasma Drgs. (2 × 2 Drgs. tgl.), Roter Ginseng von Gintec (3 Kps. morgens).

  • Rosenwurzel (Rhodiola rosea): Sinnvoll bei Konzentrationsstörungen/zur Besserung der geistigen Leistungsfähigkeit [24]. Die Tagesdosis sollte bei 200 mg eines Extraktpräparates liegen und am Vormittag eingenommen werden.Präparate: z. B. Cefavora memo®, Rhodiolan NE®

Erweiterte Naturheilverfahren komplementärmedizinische Therapieverfahren
  • Akupunktur: Bewährt ist die Kombination aus Ma 36, Ren Mai 6, Ren Mai 12, Ni 3.

  • Mikronährstoffmedizin:

    • Vitamin-B-Komplex: Bereits ein leichter Mangel an B-Vitaminen kann zu Leistungsminderung führen. Bei starker körperlicher Beanspruchung und/oder fleisch- und milchproduktfreier Diät sind Diagnostik und gegebenenfalls eine Nahrungsergänzung sinnvoll [33].

    • L-Karnitin (Vitaminoid): zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit, 1.000–2.000 mg tgl. Diverse Nahrungsergänzungspräparate sind unter der Bezeichnung „L-Karnitin“ im Handel erhältlich.

Burn-out-Syndrom

Burn-out-SyndromBeschwerden, die in Beziehung stehen zu einer belastenden Arbeitssituation mit hohem Arbeitsdruck bei geringen Gestaltungsmöglichkeiten („high demand – low influence“), sind Voraussetzung für das klinische Syndrom „Burn-out“, welches der Diagnose einer manifesten Depression entspricht. Typisch ist eine Kombination aus körperlichen, mentalen, emotionalen und Verhaltensauffälligkeiten:
  • körperliche Symptome: kardiale Beschwerden, Verdauungsstörungen, Kopfschmerz, Müdigkeit, Muskelverspannungen

  • mentale Symptome: Konzentrationsstörungen, eingeschränkte Belastbarkeit

  • emotionale Symptome: Unruhe, Depressive Stimmung, Kontaktverluste, vermindertes Selbstwertgefühl, Lustlosigkeit

In der Frühphase des Krankheitsbildes sind häufig eine Hyperaktivität und Suchttendenzen zu beobachten. Persönlichkeitsmerkmale wie Idealismus, Übereifer, Perfektionismus und Zwanghaftigkeit scheinen die Entwicklung eines Burn-out zu begünstigen.
Für viele Betroffene ist die wichtigste Maßnahme die Einleitung einer Psychotherapie (Verhaltenstherapie), die dem Patienten einen adäquaten Umgang mit eigenen und fremden Emotionen (emotionale Kompetenz), eine korrekte Selbst-Wahrnehmung, eine Selbst-Motivation und den Mut zur Authentizität vermittelt.

Praxistipp

Folgende Kernsätze können dem Patienten helfen und sollten frühzeitig vermittelt werden.

  • Keine übermäßige Selbstkritik üben!

  • Sich und anderen Fehler verzeihen können!

  • Die eigenen Schwächen kennen und mit Humor nehmen!

  • Die eigenen Träume, Ziele und Visionen kennen und anerkennen!

Begleitend zur Psychotherapie sind die allgemeinen Maßnahmen bei somatoformen Störungen (8.4.2), der vorsichtige Aufbau körperlicher Aktivität (Alltags- und Ausdauerbewegung) sinnvoll (chronisches Müdigkeitssyndrom 8.4.16).

Praxistipp

Hier ist insbesondere auf allgemein roborierende Techniken aus der Erfahrungsheilkunde hinzuweisen. Die Intensität und Reizstärke muss an die Reaktionsfähigkeit des Betroffenen angepasst werden:

  • Luftbäder, Trockenbürsten: in der Regel sehr gut verträglich unter Beachtung der Kontraindikationen (Hautwunden, -reizungen);

  • Bei schwacher Reaktionsfähigkeit und Kältegefühl: ansteigende Fuss- oder Armbäder;

  • Bei guter Reaktionsfähigkeit: Übergehen zu wechselwarmen Fuss- oder Armbädern, Wechselduschen, Wechselbädern.

Als Zusatztherapie können die gleichen Maßnahmen wie beim „Chronischen Müdigkeitssyndrom“ (8.4.16) sinnvoll sein. Vorsicht: Die (Selbst-)Anwendung von leistungssteigernden Präparaten – ohne eine begleitende Psychotherapie – sollte jedoch vermieden werden, da sie das Grundproblem möglicherweise verschlimmern.
Rosenwurz (Rhodiola rosea) ist eine bewährte und z. T. in Studien positiv bewertete Droge bei Einschränkungen der kognitiven Leistungsfähigkeit. Die Tagesdosis (z. B. Cefavora memo®, Rhodiolan NE®) sollte bei 200 mg eines Extraktpräparats liegen und am Vormittag eingenommen werden.

Literatur

[1]

S. Akhondzadeh H.R. Naghavi M. Vazirian Passionflower in the treatment of generalised anxiety: a pilot double-blind randomised controlled trial with oxazepam J Clin Pharm Ther 26 2001 363 367

[2]

A. Barocka Patient education, medication and physical therapy. Balm for „cardiac neurosis“ MMW Fortschr Med 144 17 2002 34 36

[3]

B. Brinkhaus C.M. Witt S. Jena Acupuncture in patients with chronic low back pain: a randomized controlled trial Arch Intern Med 166 2006 450 457

[4]

A. Busch C.L. Schachter P.M. Peloso Exercise for treating fibromylgia syndrome The Cochrane Database of Systematic Reviews 2002 Issue2 Art. No: CD003786

[5]

J.E. Chrubasik B.D. Roufogalis S. Chrubasik Evidence of effectiveness of herbal antiinflammatory drugs in the treatment of painful osteoarthritis and chronic low back pain Phytother Res 21 7 2007 Jul 675 683

[6]

E. Ernst M.H. Pittler B. Wider The Desktop Guide to complementary and alternative medicine 2006 Elsevier/Mosby London

[7]

J.J. Gagnier S. Chrubasik E. Mannheimer harpagophytum procumbens for osteoarthritis and low back pain: a systematic review BMC Complement Altern Med 2004 4 13

[8]

J.J. Gagnier M.S. van Tulder B. Berman Herbal medicine for low back pain: a Cochrane review Spine 32 1 2007 82 92

[9]

J. Greten Kursbuch Traditionelle Chinesische Medizin 2. A. 2006 Thieme Stuttgart

[10]

J.A. Hayden M.W. van Tulder G. Tomlinson Systematic review: strategies for using exercise therapy to improve outcomes in chronic low back pain Ann intern Med 142 2005 776 785

[11]

C. Hempen Taschenatlas Akupunktur 6. A. 2004 Thieme Stuttgart

[12]

I.E. Hjelland S. Svebak A. Berstad Breathing exercises with vagal biofeedback may benefit patients with functional dyspepsia Scand J Gastroenterol 42 9 2007 Sep 1054 1062

[13]

G. Holtmann B. Adam S. Haag Efficacy of artichoke leaf extract in the treatment of patients with functional dyspepsia: a six week placebo-controlled, double-blind, multicentre trial Aliment Pharmacol Ther 18 2003 1099 1105

[14]

J.F. Johanson Review of the treatment options for chronic constipation Med Gen Med 9 2 2007 25

[15]

J.C. Licciardone A.K. Brimhall L.N. King Osteopathic manipulative treatment for low back pain: a systematic review and meta analysis of randomized controlled trials BMC Muskuloskelet Disord 6 2005 43

[16]

R.E. Lister An open pilot study to evaluate the potenzial benefits of coenzyme Q10 combined with Ginkgo biloba extract in fibromyalgia syndrome J Int Med Res 30 2002 195 199

[17]

P. Manias G. Tagaris K. Karageorgiu Acupuncture in headache: a critical review Clin J Pain 16 2000 334 339

[18]

R.J. Maughan Impact of mild dehydration on wellness and on exercise performance Eur J Clin Nutr 57 Suppl 2 2003 19 23

[19]

D. Melchart R. Brenke G. Dobos Naturheilverfahren 2002 Schattauer Stuttgart

[20]

D. Merom P. Phongsavan R. Wagner Promoting walking as an adjunct intervention to group cognitive behavioral therapy for anxiety disorders. A pilot group randomized trial J Anxiety Disord 22 6 2007 959 968

[21]

N.E. Morone C.M. Greco Mind-body interventions für chronic pain in older adults: a structured review Pain Med 8 4 2007 359 375

[22]

A. Panossian G. Wikman Evidence-based efficacy of adaptogens in fatigue, and molecular mechanisms related to their stress-protective activity Curr Clin Pharmacol 4 3 2009 Sep 198 219

[23]

M. Rossini O. Di Munno G. Valentini Double-blind, multicenter trial comparing acetyl l-carnitine with placebo in the treatment of fibromyalgia patients Clin Exp Rheumatol 25 2 2007 Mar-Apr 182 188

[24]

H. Schilcher S. Kammerer T. Wegener Leitfaden Phytotherapie 4. A. 2007 Elsevier, München München

[25]

V. Schulz R. Hänsel Rationale Phytotherapie 5. A. 2004 Springer Heidelberg

[26]

R. Shaw A. Eustachi Somatoforme und funktionelle Störungen 2009 Elsevier München

[27]

C. Termine O.F. Ginevra S. D‘Arrigo Alternative therapies in the treatment of headache in childhood, adolescence and adulthood Funct Neurol 20 1 2005 9 14

[28]

R. Traversier K. Staudinger S. Friedrich TCM mit westlichen Pflanzen 2005 Sonntag Stuttgart

[29]

F.N. Twisk M. Maes A review on cognitive behavorial therapy (CBT) and graded exercise therapy (GET) in myalgic encephalomyelitis (ME)/chronic fatigue syndrome (CFS): CBT/GET is not only ineffective and not evidence-based, but also potentially harmful for many patients with ME/CFS Neuro Endocrinol Lett 30 3 2009 284 299

[30]

J.E. Vlachojannis M. Cameron S. Chrubasik A systematic review on the effectiveness of willow bark for musculoskeletal pain Phytother Res. 23 7 2009 Jul 897 900

[31]

W. Weidenhammer K. Linde A. Streng Acupuncture for chronic low back pain in routine care: a multicenter observational study Clin J Pain 23 2007 128 135

[32]

R. Weiß V. Fntelmann Lehrbuch der Phytotherapie 12 A. 2009 Hippokrates Stuttgart

[33]

K. Woolf M.M. Manore B-Vitamins and Exercise: Does Exercise Alter Requirements? In: Intern J Sport Nutrition & Exercise Metabolism 16 5 October 2006

[34]

T. Zsombok G. Juhasz A. Budavari Effect of autogenic training on drug consumption in patients with primary headache: an 8-month follow-up study Headache 43 3 2003 251 257

[35]

H. Odes Z. Madar A double-blind trial of a celandine, aloe vera und psyllium laxative preparation in adult patients with constipation Digestion 49 1991 65 71

Wichtige Informationen zum Weiterbetrieb der Medizinwelt