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B978-3-437-55143-7.00001-0

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978-3-437-55143-7

Chronologie der Naturheilverfahren 1800–2016.

Tab. 1.5-1
Jahr Naturheilverfahren Konventionelle Medizin Naturwissenschaft und Technik
1801 Beginn der homöopathischen Praxis Hahnemanns Der frz. Arzt Marie-François-Xavier Bichat begründet die Histologie Der Mathematiker Friedrich Gauß veröffentlicht sein grundlegendes Werk über die Zahlentheorie
1807 Hahnemann prägt den Begriff „homöopathisch“ Der frz. Chemiker Joseph Louis Gay-Lussac weist Fluorid in den Zähnen nach Robert Fulton gelingt die erste Dampfschifffahrt auf dem Hudson vor New York
1810 Erste Auflage von Hahnemanns Organon Der Pariser Arzt Jean Nicolas Corvisar macht die Perkussions-Methode bekannt Jons Jacob Berzelius entdeckt das Element Silizium
1811 Erscheinen des 1. Bandes von Hahnemanns Reiner Arzneimittellehre Der schottische Anatom Charles Bell entdeckt die Funktion der Nerven der vorderen und hinteren Wurzeln des Rückenmarks Gründung der Krupp-Werke in Essen
1812 Hahnemann beginnt seine Vorlesungstätigkeit in Leipzig In Leipzig erscheint das Handbuch der pathologischen Anatomie von Johann F. M. Meckel d. J. Georges Cuvier begründet die wissenschaftliche Paläontologie der Wirbeltiere
1813 Der Schwede Per Henrik Ling wird Direktor des von ihm gegründeten Gymnastischen Zentralinstituts Der engl. Arzt Thomas S. Sutton beschreibt als Erster das Alkoholdelirium Der frz. Mathematiker Joseph Louis Lagrange begründet die Variationsrechnung
1817 Johann Schroth entwickelt die nach ihm benannte Schroth-Kur Justinus Kerner beschreibt als Erster das klinische Bild des Botulismus Freiherr Charles von Drais erprobt das Laufrad
1825 Der Berliner Arzt Heinrich Sabatier von Michaelis macht Selbstversuche mit Akupunktur In Siegburg wird die erste „Irren-Anstalt“ in der preußischen Rheinprovinz eröffnet Erie-Kanal zwischen Buffalo und Albany fertiggestellt
1828 1. Teil der Chronischen Krankheiten von S. Hahnemann erschienen Royal Free and Cancer Hospital in London eröffnet Der Elsässer Josua Heilmann erfindet die Stickmaschine
1829 Gründung des Zentralvereins homöopathischer Ärzte Christoph Wilhelm Hufeland prägt den Begriff „Sucht“ Alexander v. Humboldt unternimmt eine Forschungsreise nach Sibirien
1831 Prießnitz eröffnet eine Badeanstalt in Gräfenberg Die Asiatische Cholera erreicht Ostpreußen Justus v. Liebig baut Apparate zur Elementaranalyse organischer Verbindungen
1832 Gründung der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung Richard Bright beschreibt den pankreatischen Diabetes Michel Faraday prägt den Begriff der elektrischen und magnetischen „Kraftlinien“
1832 Gründung des ersten Hydropathischen Gesundheitsvereins durch E.F.C. Oertel Der amerik. Chirurg William Beaumont entdeckt die Magensäure Justus von Liebig gründet die Annalen der Chemie
1833 Eröffnung eines homöopathischen Krankenhauses in Leipzig Beginn regelmäßiger medizinhistorischer Vorlesungen an der Universität Wien Charles Wheatstone erfindet das Spiegelstereoskop
1839 Eröffnung eines Sanatoriums für Schroth-Kuren in Lindewiese Der Physiologe Johannes Evangelista von Purkinje prägt die Bezeichnung „Protoplasma“ Charles Goodyear erfindet die Kautschuk-Vulkanisation
1842 Gründung des Vereins für Wasserheilkunde und Gesundheitspflege Der amerik. Chirurg Crawford Long entfernt eine Halszyste unter Äthereinwirkung Christian Friedrich Schönbein entdeckt das Ozon
1843 Hahnemann stirbt in Paris Der Londoner Chirurg William John Little beschreibt die zerebrale Kinderlähmung James Joule bestimmt das Wärmeäquivalent mechanischer Arbeit
1847 Karl Baunscheidt erfindet die nach ihm benannte Hautreizmethode Ignaz Semmelweis senkt durch Desinfektion die Sterblichkeit an Kindbettfieber Gründung der Elektrofirma Siemens & Halske
1851 Tod des „Wasserdoktors“ Vincenz Prießnitz Friedrich Oesterlen veröffentlicht das erste Handbuch der Hygiene in deutscher Sprache Isaac Merrit Singer stellt Nähmaschinen her
1852 Theodor Hahn entwickelt eine vegetarische Diät Johann Florian Heller entwickelt den nach ihm benannten Harntest Samuel Fox erfindet Drahtgestell für Regenschirme
1852 Der Orthopäde Moritz Schreber entwickelt eine Heilgymnastik Charles West gründet in London das Hospital for Sick Children Karl Ritter begründet die vergleichende Geographie
1855 Eröffnung der ersten Sonnenbadeanstalt durch Arnold Rikli Der brit. Arzt Thomas Addison schildert das Krankheitsbild der Nebenniereninsuffizienz Henry Bessemer erfindet die nach ihm benannte Birne zur Stahlerzeugung
Der bay. Militärarzt Lorenz Gleich prägt den Begriff „Naturheilverfahren“ Der frz. Arzt Guillaume Benjamin Armand Duchenne heilt Nervenkranke mit elektrischem Strom David Edward Hughes entwickelt den Drucktelegraphen
1859 Münchner homöopathisches Krankenhaus eröffnet Gründung des Central Vereins Deutscher Zahnärzte in Berlin Albert Niemann entdeckt das Kokain
Carl-Friedrich Zimpel entwickelt das nach ihm benannte spagyrische Heilverfahren Henri Dunant organisiert Hilfe für die bei Solferino verwundeten Soldaten Der frz. Physiker Gaston Planté erfindet den Blei-Akkumulator
1860 Cesare Mattei entwickelt die Elektro-Homöopathie Rudolf Virchow beschreibt die Lymphknotenfunktion William A. Bullock erfindet die Rotationsschnellpresse
1861 Erste Nummer der Zeitschrift Der Wasserfreund (später in Naturarzt umbenannt) Preußen führt das Physikum in die Arztausbildung ein Philipp Reis erfindet den Fernsprecher
1865 Arnold Rikli experimentiert mit Luftbädern Gregor Mendel entdeckt die Gesetzmäßigkeit der Vererbung Josef Loschmidt ermittelt die Molekülgröße
1867 Gründung eines Vereins für natürliche Lebensweise durch den Vegetarier Theodor Baltzer Der brit. Chirurg Joseph Lister begründet die Antisepsis Alfred Nobel erfindet das Dynamit
1868 Gründung des homöopathischen Laienvereins Hahnemannia Karl Ewald Konstantin Hering und Josef Breuer untersuchen die Reflexe bei der Atmung William Huggins bestimmt Sterngeschwindigkeit
1869 Gewerbefreiheit begünstigt Naturärzte und andere nicht-approbierte Heiler Der schottische Gynäkologe James Young Simpson prägt den Begriff „Hospitalismus“ Francis Galton begründet die Eugenik
1871 Lehrstuhl für homöopathisch-pathologische Experimentalforschung an der Universität Budapest Der amerik. Zahnarzt James Beall Morrison erhält ein Patent für seine Tretbohrmaschine James Clerk Maxwell beschreibt Licht als elektromagnetischen Wellenvorgang
1872 Erscheinen der Pharmacopea homoeopathica polyglotta Erste für das Deutsche Reich gültige Approbationsordnung erlassen Richard Dedekind stellt die Theorie der Irrational-Zahlen auf
1876 Der homöopathische Arzt Franz Fischer prägt den Begriff „Schulmedizin“ In Großbritannien tritt das erste Gesetz zur Regelung von Tierversuchen in Kraft Carl von Linde erfindet die Ammoniak-Kältemaschine
1878 Gründung einer balneologischen Sektion in der Gesellschaft für Heilkunde Richard von Krafft-Ebing veröffentlicht seine Studien über die psychischen Störungen der Frau David E. Hughes erfindet das Kohle-Mikrophon
Erwerb der Leipziger Homöopathischen Central-Apotheke durch Willmar Schwabe Der Schweizer Chirurg Emil Theodor Kocher berichtet über die operative Kropfentfernung Adolf Bayer gelingt die Indigo-Synthese
1879 Gründung des Berliner Vereins homöopathischer Ärzte In den USA wird das National Board of Health als zentrale Gesundheitsbehörde eingerichtet Werner von Siemens entwickelt die Elektro-Lokomotive
Theodor Hahns Handbuch der naturgemäßen Heilweise Walther Flemming prägt für die Zellteilung den Begriff „Mitose“ Thomas Edison erfindet den Kohlenfadenleiter
1881 Sebastian Kneipp fasst seine Erfahrungen mit der Wasserkur in einem Buch zusammen Theodor Billroth führt in Wien die erste erfolgreiche Magenresektion durch Gotthard-Tunnel vollendet
1883 Biologisches Grundgesetz von Rudolf Arndt (Arndt-Schulz-Regel) begründet Einführung der Arbeiterkrankenversicherung in Deutschland Gottfried Daimler erhält Patent auf den Automotor
1884 Gründung des Centralblatts für das Kneippsche Heilverfahren Der frz. Internist Hippolyte Marie Bernheim veröffentlicht seine Schrift über die Suggestionskraft Ottmar Mergenthaler erfindet die Setzmaschine
1886 Thure Brandt stellt die nach ihm benannte Heilgymnastik in Deutschland vor Einführung der Dampfsterilisation chirurgischer Werkzeuge Eugen Goldstein entdeckt positiv geladene Atome („Kanalstrahlen“)
1889 Sebastian Kneipps Bestseller So sollt ihr leben veröffentlicht Charles Edouard Brown-Séquard propagiert eine Verjüngungskur durch Injektion eines Extrakts aus Meerschweinchenhoden Hermann Hollerith entwickelt Lochkarten-Zählmaschine
Gründung des Felkeschen Jungborn in Repelen Eröffnung der Mayo-Klinik in Rochester (Minnesota) Erste Autoausstellung in Paris
1891 In Deutschland zählt man 131 Naturheil- und Badeanstalten Carl Ludwig Schleich führt die Lokalanästhesie mit Kokain in die Chirurgie ein Nikola Tesla entwickelt Hochspannungstransformator
1892 Gründung des Deutschen Vegetarier-Bundes Cholera-Epidemie in Hamburg Carl Auer von Welsbach erfindet das Gasglühlicht
Der amerik. Arzt Andrew Taylor Still gründet eine Schule für Osteopathie Versammlung dt. Ärzte und Naturforscher erhält festen organisatorischen Rahmen Alphonse Forel begründet die Limnologie
1893 Gründung der Siedlung Eden durch die Lebensreformbewegung Erste erfolgreiche Serum-Versuche durch Emil von Behring Rudolf Diesel baut den nach ihm benannten Motor
1894 Gründung des Internationalen Vereins Kneippscher Ärzte Der Schweizer Arzt Alexandre Yersin und der Japaner Schibabasuro Kitasato entdecken den Pesterreger Louis Lumière erfindet den Kinematographen
Der Berliner Naturheilkundige Martin Glünicke propagiert sein Pflanzenheilverfahren Durchbruch in der medizinischen Fotografie durch den Leipziger Internisten Heinrich Curschmann Lord William Strutt Rayleigh und William Ramsay isolieren das Edelgas Argon
1895 Bircher-Benner entwickelt die nach ihm benannte Rohkostdiät Der Gynäkologe Howard Atwood Kelly konstruiert das Rektoskop Alexander S. Popow baut die erste Hochantenne
D.D. Palmer beginnt mit der chiropraktischen Therapie in Davenport/Iowa Der Berliner HNO-Arzt Alfred Kirstein entwickelt das Laryngoskop Der dt. Physiker Wilhelm Conrad Röntgen entdeckt die nach ihm benannten Strahlen
1897 Tod des Pfarrers Sebastian Kneipp Gründung der Zeitschrift Archiv für Schiffs- und Tropenhygiene Eduard Buchner stellt zellfrei wirkendes Hefeferment her (Zymase)
D.D. Palmer gründet in den USA eine Schule für Chiropraktik Der Berliner HNO-Arzt Wilhelm Fließ prägt den Begriff „nasale Dysmenorrhoe“ Zeiss beginnt mit der Fertigung von Prismen-Fernrohren
1898 Der Naturarzt Dr. Heinrich Lahmann veröffentlicht seine Schrift über das Luftbad Der brit. Parasitologe Ronald Ross entdeckt den Lebenszyklus des Malariaparasiten Ferdinand Braun entwickelt die Kathoden-Strahl-Leuchtschirm-Röhre
1900 Ernst Schweniger wird Direktor des ersten öffentlichen Naturheilkrankenhauses Sigmund Freud veröffentlicht sein Hauptwerk Die Traumdeutung Max Planck begründet die Quantentheorie
1904 Berliner Homöopathisches Krankenhaus eröffnet Der Internist Josef Arneth führt das Blutbild in die medizinische Diagnostik ein Arthur Korn gelingt die Bildtelegraphie zwischen München und Nürnberg
Dachorganisation der Felke-Vereine gegründet Der dt. Arzt Cäsar Philip entwickelt das Heftpflaster Richard Kühn entwickelt die Quarzlampe
Bircher-Benner gründet ein Sanatorium Erster Kongress des Weltbundes der Krankenpflegerinnen Erster Kurven-Motorflug der Gebrüder Wright
1907 Gründung eines Felke-Jungborn in Sobernheim Der niederl. Physiologe Willem Einthoven entwickelt das EKG Otto Hahn entdeckt die radioaktiven Elemente Radiothor und Radioactinium
1909 Laienheiler gründen Bund für freie Heilkunst In Deutschland dürfen auch Zahnärzte den Doktortitel führen Leo Henry Baekeland erfindet das Bakelit
1912 Franz X. Mayr entwickelt die nach ihm benannte Diät Der Münsteraner Chirurg Conrad Ramstedt entwickelt eine Operationsmethode zur Behebung der Pylorusstenose bei Säuglingen Fritz Hoffmann gelingt die Herstellung synthetischen Kautschuks
1913 Der amerik. HNO-Arzt William Fitzgerald propagiert die Fußreflexzonen-Therapie Das Desinfektionsmittel Sagrotan kommt auf den Markt Alexander Meißner erfindet die Rückkopplungsschaltung
1917 Erste Behandlungsversuche mit Mistelextrakt durch Dr. Ita Wegman Gründung der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie in München Robert Andrew Millikan bestimmt Elektrodenladung
Gründung der Hortus-Gesellschaft zum Anbau von Heilpflanzen Der Züricher Psychiater Eugen Bleuler prägt den Begriff „Schizophrenie“ E.C. Wente erfindet das Kondensator-Mikrophon
Gründung der ersten europäischen Schule für Osteopathie in London Der frz. Chirurg Jacques Louis Reverdin erzielt Erfolge bei der Hauttransplantation Bahnbrücke über den St. Lorenz-Strom bei Quebec
1919 Gründung der Fa. Madaus Magnus Hirschfeld gründet in Berlin das Institut für Sexualwissenschaft Ernest Rutherford gelingt Umwandlung eines Stickstoff- in ein Sauerstoffatom
1920 Erster Dornacher Ärztekurs geleitet von Rudolf Steiner In Frankreich bricht die Pest aus Chemie-Nobelpreis an Walther Hermann Nernst für dritten Hauptsatz der Thermodynamik
Antrittsvorlesung des Naturarztes Dr. Franz Schönenberger an der Universität Berlin Der Jurist Karl Binding und der Psychiater Alfred Hoche veröffentlichen Die Freigabe der Vernichtung unwerten Lebens Edmund Rumpler baut das erste stromlinienförmige Auto
1923 Bircher-Benner gründet eine Zeitschrift für Ernährungstherapie Sigmund Freud veröffentlicht Das Ich und das Es Theodor Svedberg beginnt mit der Entwicklung der Ultrazentrifuge
1924 Rudolf Steiner gründet die Medizinische Sektion innerhalb der anthroposophischen Bewegung Der dt. Internist Georg Haas führt die erste Hämodialyse durch Hans Riegger baut einen elektrodynamischen Lautsprecher
Gründung der Fa. Weleda Der dt. Hirnforscher Oskar Vogt seziert Lenins Hirn Erste Rundfunkübertragung zwischen England und den USA
1925 August Biers Schrift
Wie sollen wir uns zur Homöopathie stellen?
Erste gesetzliche Regelung zum Strahlenschutz in Deutschland Beginn der deutschen Fernsehentwicklung
Die Gebrüder Huneke entwickeln die Neuraltherapie Der dt. Gynäkologe Hans Hinselmann führt die Kolposkopie ein Physik-Nobelpreis an James Franck und Gustav Hertz
1926 Gründung der Zeitschrift natura durch die Medizinische Sektion der anthroposophischen Bewegung Blutprobe wird als Beweismittel in Vaterschaftsprozessen anerkannt Kodak entwickelt den 16-mm-Schmalfilm
Gründung der Ärztlichen Gesellschaft für Hydrotherapie in Wörishofen In Berlin findet eine Reichsgesundheitswoche statt Erwin Schrödinger entwickelt quantenphysikalische Wellenmechanik
Tod des Lehmpastors Emanuel Felke Erster Lehrstuhl für Parasitologie in Deutschland Berliner Funkturm eröffnet
1928 Lehrauftrag für Homöopathie an der Berliner Universität Ferdinand Sauerbruch wechselt an die Charité Niels Bohr führt den Komplementaritätsbegriff in die Physik ein
Gründung der Rudolf-Steiner-Klinik in Holland Der brit. Bakteriologe Alexander Fleming entdeckt die Wirkung des Penicillins Luftschiffhalle in Friedrichshafen erbaut
Gründung der Zeitschrift Hippokrates (Untertitel: „für Einheitsbestrebungen in der Medizin“) Der amerik. Gynäkologe George N. Papanicolau führt den Scheidenabstrich in die Krebsfrühdiagnose ein Gründung der Zeitschrift für Arbeitsphysiologie
Der engl. Arzt Edward Bach entwickelt die nach ihm benannte Bachblütentherapie Der ung. Biochemiker Albert von Szent-Györgi von Nagyrapolt isoliert die Ascorbinsäure Erfindung des Fernschreibers
Der frz. Chemiker René-Maurice Gattefosse führt die Aroma-Therapie ein Der Berliner Gynäkologe Ernst Gräfenberg stellt das von ihm entwickelte Intrauterin-Pessar vor Adolf Windaus erhält den Chemie-Nobelpreis
1929 Der Naturarzt Karl-Christoph Strünckmann prägt den Begriff „Neue Deutsche Heilkunst“ Werner Forßmann berichtet über seinen Herzkatheter-Versuch Henrik Carl Peter Dam entdeckt Vitamin K
Gründung der Gesellschaft für Spagyrik Der amerik. Ingenieur Philip Dinker erfindet die „Eiserne Lunge“ Weltumrundung des Luftschiffs „Graf Zeppelin“
1933 Gründung des Prießnitzbunds Gründung der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands Medizin-Nobelpreis an Th. H. Morgan für die Begründung der modernen Genetik
Aufruf des Reichsärzteführers an alle deutschen Ärzte, sich mit biologischen Heilverfahren zu befassen Verkündigung des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ R. J. van der Graaff baut Bandgenerator für die Atomkernumwandlung
1934 Aufbau einer naturheilkundlichen Abteilung am Rudolf-Hess-Krankenhaus in Dresden Der dt. Biochemiker Adolf Butenandt isoliert das Gelbkörperhormon Progesteron Enrico Fermi führt das Neutrino-Teilchen in die Physik ein
Gründung der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Beschaffung heimischer Heil-, Gewürz- und Duftpflanzen Das „Gesetz zur Vereinheitlichung des Gesundheitswesens“ tritt in Kraft Tadeus Reichstein stellt Vitamin C künstlich her
1935 Fa. Madaus gründet ein Biologisches Institut zur Erforschung von Arzneipflanzenwirkstoffen Die Fa. Bayer bringt das erste therapeutisch getestete Sulfonamid („Prontosil“) auf den Markt James Chadwick erhält Physik-Nobelpreis
Gründung des Vereins für Krebsforschung durch anthroposophische Ärzte Der dt. Biologe Hans Spemann erhält den Nobelpreis für Physiologie Regelmäßiges Fernsehprogramm in Berlin
Gründung der Reichsarbeitsgemeinschaft der Verbände für naturgemäße Lebens- und Heilweise In den USA wird die Selbsthilfegruppe „Anonyme Alkoholiker“ gegründet 16-mm-Farbfilm „Kodachrom“ auf dem Markt
1937 Auflösung der Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde Die ital. Ärzte Ugo Cerletti und Lucio Bini führen die Elektrokrampftherapie ein C. D. Anderson entdeckt das Meson (schweres Elektron)
1938 Erscheinen des dreibändigen Lehrbuchs der Biologischen Heilmittel von Dr. Gerhard Madaus Der amerik. Psychologe Frederic Skinner begründet eine auf dem Behaviorismus beruhende psychologische Theorie Otto Hahn entdeckt die Spaltbarkeit des Urankerns durch Neutronen
Lehrauftrag für Homöopathie an der Universität Heidelberg Den letzten in Deutschland noch tätigen jüdischen Ärzten wird die Bestallung entzogen Paul Karrer synthetisiert das Vitamin E
1939 Tod des Schweizer Arztes Max Oskar Bircher-Benner Die Farbwerke Hoechst entwickeln das erste vollsynthetische Schmerzmittel („Dolantin“) Beginn des deutschen Uran-Projekts
Heilpraktikergesetz Die dän. Ärzte Poul Iverson und Kaj Roholm führen die erste Leberbiopsie durch Paul Müller synthetisiert das Insektenvernichtungsmittel DDT
Ludwig Walb macht die Hay-Trennkost in Deutschland bekannt Säuglinge erhalten in Deutschland Vitamin-D-Gaben gegen Rachitis Beginn der Radio-Astronomie
1940 Homöopathisches Krankenhaus in Stuttgart eröffnet Beginn der „Euthanasie“-Aktion in speziellen Tötungsanstalten Produktion der ersten Nylonstrümpfe
1941 Ferdinand Huneke beschreibt das „Sekundenphänomen“ Einführung des Penicillins in die Therapie Anwendung des Elektronen-Mikroskops in der Forschung
1943 Tod der Mitbegründerin der anthroposophischen Medizin, Ita Wegman Einführung der Radiojod-Therapie bei Schilddrüsenerkrankungen Erste Serienmontage von Schiffen in den USA
1945 Gründung des Deutschen Naturheilbunds Errichtung einer „Augenbank“ in New York für Hornhaut-Transplantationen Physik-Nobelpreis an Wolfgang Pauli
1946 Gründung der Vegetarier-Union Deutschland Tuberkulose wieder „Volkskrankheit Nr. 1“ in Deutschland Höhenrekord für Flugzeuge auf 17.000 m
1949 Neukonstituierung des Kneipp-Bundes Die Mayo-Klinik berichtet über Ergebnisse der Kortison-Behandlung Gerard P. Kuiper entdeckt 2. Neptun-Mond
Werner Zabel prägt den Begriff „Ganzheitsmedizin“ Der kolumb. Augenarzt José Ignacio Barraquer Moner stellt eine neue Technik der Hornhautübertragung vor Zyklotron ermöglicht Entdeckung neutraler Mesonen
1951 Gründung der Deutschen Gesellschaft für Akupunktur Die WHO bringt ein Internationales Arzneibuch heraus Eröffnung der ersten Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt/Main
Gründung des Zentralverbands der Ärzte für Naturheilverfahren Gründung der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie In den USA wird erstmals eine Fernsehshow in Farbe ausgestrahlt
Gründung der Gesellschaft für Erfahrungsheilkunde Heidelberger Orthopäden entwickeln eine pneumatisch betriebene Kunsthand Gründung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit Sitz in Bonn
1953 Gründung der Arbeitsgemeinschaft anthroposophischer Ärzte in Stuttgart Francis Harry Compton Crick und James Dewey Watson entwerfen das Modell des DNS-Moleküls Deutsche Erstaufführung eines sog. 3-D-Films in Düsseldorf
1954 Der Plochinger Arzt R. Voll entdeckt die nach ihm benannte Elektroakupunktur Erster Massenversuch mit einem Impfstoff gegen Polio Erstes Reparaturfahrzeug des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) für die Pannen-Sofort-Hilfe wird in Deutschland eingesetzt
1955 Der homöopathische Arzt Hans-Heinrich Reckeweg entwickelt die Homotoxikologie Die dt. Kassenärzte erhalten das Monopol für die ambulante ärztliche Versorgung Der Physiker Albert Einstein stirbt in Princeton
1956 Homöopathie als Facharztbezeichnung Deutscher Bundestag verabschiedet Gesetz über die Krankenversicherung der Rentner Der Bundesminister für Atomfragen gibt das erste deutsche Programm zur Nutzung der Kernenergie bekannt
1958 Gründung der Internationalen medizinischen Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke – Regulationstherapie (IGNH) Der schwed. Herzchirurg Åke Senning transplantiert den ersten Herzschrittmacher Den USA gelingt mit dem Abschuss des „Explorer 1“ erstmals der Start eines Erdsatelliten
1961 Gründung der Internationalen Gesellschaft für Elektroakupunktur nach Voll (IMGEAV) „Contergan“-Katastrophe Der sowj. Kosmonaut Juri Gagarin startet als erster Mensch ins Weltall
1962 Max O. Bruker propagiert seine Vollwertkost Lebendimpfstoff gegen Kinderlähmung entwickelt Gründung der Europäischen Weltraumforschungsorganisation
1965 Gründung der Ärztlichen Arbeitsgemeinschaft für Felke-Therapie In der Bundesrepublik Deutschland tritt das Krankenpflegegesetz in Kraft Der sowj. Kosmonaut Alexej Leonow schwebt als erster Mensch 20 Min. im Weltraum
Manfred v. Ardenne entwickelt die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie Das Magazin Life veröffentlicht erste Fotos vom Fetus im Mutterleib Die USA starten den ersten kommerziellen Nachrichtensatelliten der Welt
1967 Joseph Evers propagiert die nach ihm benannte Diät Christiaan Barnard führt die erste Herztransplantation beim Menschen durch Der Supertanker „Torrey Canyon“ läuft auf ein Riff und verursacht die erste große Ölkatastrophe
1968 Eröffnung des Krankenhauses für Naturheilweisen in München Eröffnung des „Contergan“-Prozesses Das bemannte US-amerikanische Raumschiff „Apollo 8“ umkreist erstmals den Mond
1969 Moshe Feldenkrais propagiert seine Methode in der Schweiz Erste Herztransplantation in Deutschland Die Boeing 747 („Jumbo Jet“) absolviert ihren ersten Versuchsflug
1971 Gründung des Rolfing-Instituts in Colorada/USA Einführung der Bezeichnung Arzt für Allgemeinmedizin in der Bundesrepublik Deutschland Der Luft- und Raumfahrtkonzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) stellt die weltweit erste Magnetschnellbahn vor
1972 Dt. Medien werden durch Staatsbesuch Walter Scheels in China auf die Akupunktur aufmerksam Der Deutsche Bundestag erlässt das Krankenhausfinanzierungsgesetz Erste Konferenz der Vereinten Nationen über Umweltfragen
1973 Erste Anästhesie bei einer Operation mit Einsatz von Akupunkturnadeln an der Uni-Klinik Gießen Computertomografie hält Einzug in die Medizin Der Verhaltensbiologe Konrad Lorenz erhält den Nobelpreis
1974 Gründung der Hufeland-Gesellschaft für Gesamtmedizin Bundestag beschließt Gesetz zur Reform des § 218 Der Bundestag verabschiedet das Bundesimmissionsschutzgesetz
1976 Anerkennung der Naturheilverfahren durch das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelrechts Dioxin-Unfall in Seveso Der Physiker Werner Heisenberg stirbt in München
1977 F. Morell stellt die Bioresonanz-Therapie vor Amerik. Forschergruppe entdeckt gentechnologisches Verfahren zur Hormonherstellung Gorleben in Niedersachsen soll Standort einer zentralen Atommüll-Deponie werden
1978 Erstes amtliches Deutsches Homöopathisches Arzneibuch Erstes „Retortenbaby“ wird in London geboren Reinhold Messner und Peter Habeler besteigen als erste Bergsteiger den Mount Everest ohne Sauerstoffgerät
1980 1. Deutscher Gesundheitstag in Berlin Der Tübinger Oralchirurg Willi Schulte entwickelt eine neue Methode der Zahnimplantation Mit 5,46 Mill. produzierten Kraftfahrzeugen im ersten Halbjahr 1980 verdrängen die Japaner die USA erstmals vom Spitzenplatz in der Automobilherstellung
1981 Zentrum zur Dokumentation für Naturheilverfahren in Essen gegründet Die Immunschwäche-Krankheit AIDS wird entdeckt Die erste digital arbeitende Compact Disc (CD) kommt auf den Markt
1982 Gründung des Zentrums für naturheilkundliche Forschung („Münchener Modell“) Einführung der Kernspintomographie in die Diagnostik Bengt Ingemar Samuelson erhält den Nobelpreis für die Strukturaufklärung der Prostaglandine
1983 Gründung der Deutschen Gesellschaft für Ayur-Veda Deutscher Ärztetag warnt vor „Ärzteschwemme“ Das größte europäische Sonnenkraftwerk nimmt auf der Nordseeinsel Pellworm seinen Betrieb auf
Einrichtung einer medizinischen Fakultät an der Reform-Universität Witten-Herdecke Krankheitsgen von Chorea Huntington wird erstmals kartiert Die Bundespost beginnt mit der Einführung von Bildschirmtext (Btx)
1989 Lehrstuhl für Naturheilkunde in Berlin In der Bundesrepublik Deutschland tritt das Gesetz zur Gesundheitsreform in Kraft Pionier der modernen Raumfahrt Hermann Oberth stirbt
1990 Der Deutsche Bundestag fordert die Förderung der Naturheilkunde DDR-Gesundheitswesen wird „abgewickelt“ Internationale Ozonkonferenz beschließt den Ausstieg aus der Produktion von Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) bis zum Jahr 2000
1992 Erklärung der Marburger medizinischen Fakultät zur Homöopathie Bundesregierung beschließt die Einführung einer Pflegeversicherung Das Europäische Patentamt in München erteilt erstmals ein Patent für ein gentechnisch verändertes Tier
Homöopathie und Naturheilkunde werden in den Gegenstandskatalog der ärztlichen Prüfung aufgenommen Fall des „Erlanger-Baby“ sorgt für medizinethische Diskussion Im ukrainischen Tschernobyl, das 1986 den weltweit größten Kernreaktorunfall erlebt hatte, wird der dritte Block des Kernkraftwerks wieder gestartet
1993 Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Ulm Gesundheitsstrukturgesetz tritt in der Bundesrepublik Deutschland in Kraft In Deutschland geht der weltweit erste Kühlschrank ohne FKW und FCKW in Serienproduktion
1994 Gründung eines Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Universität Zürich Weltbevölkerungskonferenz in Kairo debattiert Geburtenkontrolle Eurotunnel eröffnet
1997 Nach einer Allensbach-Umfrage wenden 65% der Bevölkerung Naturheilmittel an Bundesregierung beschließt Notschlachtung von Rindern nach BSE-Fall Der Komet Hale-Bopp erreicht seinen erdnächsten Punkt
2000 Erster virtueller Phytokongress zum Thema „Supportive Phytotherapie“ Laut WHO sind bereits 21,8 Mill. Menschen an AIDS gestorben Einweihung der Internationalen Raumstation ISS und das Ende der „MIR“
2001 Start des Projekts „Naturheilkunde und TCM“ im Krankenhaus Stadt Oldenburg Medizin-Nobelpreis für Zellzyklus-Forschungen vergeben Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und vier Energiekonzernen, der den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie regelt
2002 In Bad Pyrmont wird ein neues Diätkonzept vorgestellt: das „Original Buchinger-Vital-Fasten“ Die Medizinische Fakultät der Universität München kommt im Focus-Ranking auf Platz 1 Das „Lawrence Berkeley National Laboratory“ in den USA ist in einen wissenschaftlichen Betrugsskandal verwickelt
2003 Heparine unterliegen ab dem 1.7.2003 der Verschreibungspflicht Der Louis-Jeantet-Preis für Medizin geht an die Biochemiker Wolfgang Baumeister (Martinsried bei München), Riitta Hari (Helsinki) und Nikos K. Logothetis (Tübingen) Der Julius-Springer-Preis für Angewandte Physik geht an die französische Physikerin Anne L‘Huillier und an den aus Ungarn stammenden Physiker Ferenc Krauszr
2004 Eine Leipziger Arbeitsgruppe stellte mittels Untersuchungen fest, dass homöopathische Verdünnungen signifikante Effekte auf isolierten Rattendarm haben Die WHO warnt vor traditionellen und alternativen Heilmethoden in Entwicklungsländern Die Europäische Organisation für Kernforschung CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire) wurde vor 50 Jahren gegründet
2005 Die Liga Medicorum Homeopathica Internationalis begeht das Hahnemann-Jubiläum auf ihrem Kongress in Berlin Nobelpreis für Medizin an die australischen Forscher Berry Marshall und Robin Warren für ihre Entdeckung von/Forschungen an Helicobacter pylori verliehen „Weltjahr der Physik“ anlässlich des Einstein-Jubiläums
2006 Seit 2006 besteht für Studierende der geistes- und naturwissenschaftlichen Fakultäten an der Universität Zürich die Möglichkeit, Naturheilkunde als 2. Nebenfach abzuschließen Aids ist auf dem Vormarsch. Allein in Südafrika rechnet man in diesem Jahr mit 2 Millionen Aids-Vollwaisen unter 15 Jahren Die Erhebung der Evolutionstheorie zum „Durchbruch des Jahres“ ist ein Signal an kreationistische Gruppierungen in den USA
2007 Neuer Preis für Förderung der Naturheilkunde in Essen verliehen Nobelpreis für Medizin wird für bahnbrechende Ergebnisse im Bereich der embryonalen Stammzellen und der DNA-Rekombination bei Säugetieren verliehen Im Rahmen der Nobelpreisträgertagung in Lindau diskutierten Forscher über die Beziehungen von Geistes- und Naturwissenschaften
2008 Deutschlands erste Professur für Komplementärmedizin an der Berliner Charité US-Senat stimmt dem Gesundheitsreformgesetz zu Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambrigde/Mass. nimmt den Spitzenplatz unter den weltweit besten Universitäten in den Naturwissenschaften ein
2009 In der Schweiz wird die Komplementärmedizin mit 67% Zustimmung in der Verfassung verankert In London wurde erstmals ein Baby geboren, bei dem vor seiner Geburt ein hohes Brustkrebsrisiko ausgeschlossen wurde Das World Science Forum findet in Budapest statt
2010 Das Dialogforum Pluralismus in der Medizin feiert in Berlin sein 10-jähriges Bestehen und seine Anbindung an die Bundesärztekammer Der britische Forscher Robert Edwards erhält für seine Beiträge zur Entwicklung der Technik von In-vitro-Fertilisationen den Nobelpreis für Medizin Internationales Jahr der Chemie
2011 Logbuch der Landesärztekammern zur Dokumentation der Zusatz-Weiterbildung Naturheilverfahren gemäß Weiterbildungsordnung vom 25. Mai 2011 Durchbruch in der Regenerativen Medizin: Forscher züchten erstmals Dickdarm-Stammzellen Entdeckung des seit Jahrzehnten gesuchten Higgs-Bosons-Elementarteilchens
2012 Laut Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung erfreuen sich Naturheilverfahren, komplementäre und alternative Therapien weiter großer Beliebtheit Das Robert Koch Institut stellt die Ergebnisse der Studie Gesundheit in Deutschland aktuell 2012 vor Das Elementarteilchen Majorana-Fermion wird erstmals nachgewiesen
2013 Beginn des Forschungsprojekts Naturheilkunde und Komplementärmedizin in Leitlinienprozesssen US-Forschern gelingt es erstmals, menschliche Klon-Embryonen herzustellen und daraus Stammzellen zu gewinnen Mithilfe des Gammastrahlenteleskops „Fermi“ gelang es Forschern, die Entstehung kosmischer Strahlung zu belegen
2014 Eine im BMJ veröffentlichte vergleichenden ökonomische Studie zeigt, dass komplementärmedizinische Versorgung nicht nur billiger, sondern mindestens ebenso effektiv ist wie die konventionelle Ebola-Epidemie in Westafrika Der Olinguito (Bassaricyon neblina), ein fleischfressender Säuger, ist die erste neuentdeckte Säugetierart der letzten 35 Jahre
2015 Die Philips Gesundheitsstudie zeigt, dass knapp ⅓ der Deutschen bevorzugt Naturheilmittel anwendet Gen-Schere von „Science“ zum Durchbruch des Jahres 2015 gewählt Die Sonde „Dawn“ der US-Raumfahrtbehörde NASA besucht mit Ceres den ersten Zwergplaneten im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter
2016 Einrichtung einer Abteilung für Naturheilkunde und Integrative Medizin im Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart Amerikanische und französische Forscher entdecken Schlaganfall-Gen (FOXP2) Längster Eisenbahntunnel der Welt, der Gotthard-Basistunnel, wird eröffnet

Naturheilkunde und Naturheilverfahren

  • 1.1

    Grundbegriffe der Naturheilkunde Volker Schmiedel, Matthias Augustin2

    • 1.1.1

      Naturheilverfahren und Naturheilkunde2

    • 1.1.2

      Erfahrungsheilkunde2

    • 1.1.3

      Ganzheitsmedizin2

    • 1.1.4

      Alternative Medizin2

    • 1.1.5

      Komplementäre Medizin3

    • 1.1.6

      Integrative Medizin3

    • 1.1.7

      Paramedizin3

    • 1.1.8

      „Sanfte Medizin“4

  • 1.2

    Klassifikation und Stellenwert Volker Schmiedel, Matthias Augustin4

    • 1.2.1

      Klassifikation der Naturheilverfahren4

    • 1.2.2

      Stellenwert der Naturheilverfahren5

    • 1.2.3

      Naturheilkunde und konventionelle Medizin7

  • 1.3

    Theoretische und praktische Konzepte Volker Schmiedel, Matthias Augustin9

    • 1.3.1

      Wirkprinzipien und Wirkorte naturheil-kundlicher Therapien9

    • 1.3.2

      Praktische Hinweise für die naturheilkundliche Therapie11

  • 1.4

    Psychosomatik und Naturheilkunde Volker Schmiedel, Matthias Augustin12

  • 1.5

    Chronologie der Naturheilverfahren 1800–2016 Robert Jütte13

Grundbegriffe der Naturheilkunde

Volker Schmiedel, Matthias Augustin

Naturheilverfahren und Naturheilkunde

NaturheilverfahrenNaturheilverfahrenDefinition sind medizinische Heilmethoden, die der Vorbeugung, Heilung oder Linderung von Krankheiten dienen. Sie sprechen die selbstregulativen Kräfte des Organismus an und sind, zumindest teilweise, „natürlichen Ursprungs“. So plausibel die gegebene Definition für Naturheilverfahren sein mag, so wenig kann sie in der Praxis befriedigen, denn auch vonseiten der konventionellen Medizin durchgeführte Maßnahmen erfüllen oft eines dieser Kriterien: So wirkt z. B. die Impfung mit einem gentechnologisch hergestellten Hepatitis-B-Impfstoff vorbeugend durch eine Aktivierung des körpereigenen Immunsystems; Penicillin ist ein Stoff natürlichen Ursprungs. Trotzdem würde man beide Therapien nicht unter Naturheilkunde subsumieren.
Der Begriff NaturheilkundeNaturheilkundeDefinition bezeichnet die Theorie und Praxis dieser Naturheilverfahren wie auch ganzheitlicher diagnostischer Methoden. Letztere erbringen Informationen über den Zustand der selbstregulativen Kräfte des Organismus.

Erfahrungsheilkunde

Soweit die Wirksamkeit der naturheilkundlichen Verfahren nicht mit den heute gültigen Erfahrungsheilkundewissenschaftlichen Methoden bewiesen wurde, werden diese als erfahrungsheilkundliche Verfahren bezeichnet. Viele Naturheilverfahren entziehen sich einer statistisch-wissenschaftlichen Bewertung aus methodischen Gründen – was nicht heißt, dass sie unwirksam sind. Bei ihrer Evaluierung zeigt sich oft, dass ihre Wirksamkeit von der individuellen Situation des Patienten und den dazu passenden Fähigkeiten und Erfahrungen des Behandlers abhängig ist. Diese Tatsachen machen es jedoch mitunter schwierig, auch eindeutige Therapieerfolge an größeren Kollektiven und mit einer Vielzahl von Behandlern statistisch abzusichern.

Ganzheitsmedizin

Unter Ganzheitsmedizin versteht man eine Medizin, die den Patienten nicht nur in isolierten Organ- Ganzheitsmedizinoder Geistesfunktionen, sondern im Kontext seines körperlichen, geistigen und seelischen Befindens sowie seiner psychosozialen Umwelt begreift. Krankheit ist dieser Betrachtungsweise zufolge nicht ausschließlich ein pathophysiologischer Defekt, sondern unter Umständen ein für den Lebensweg des Patienten notwendiges Geschehen mit Symbol- und Signalcharakter. Die ganzheitliche Medizin begreift also ihre Aufgabe darin, nicht nur organische oder psychische Störungen zu behandeln, sondern die Ursachen für diese Symbolbotschaften zu ergründen und das Verständnis für diese Zusammenhänge zu fördern. Sie bedient sich sowohl naturheilkundlicher Verfahren (im weiteren Sinne) wie auch der konventionellen Therapie.

Alternative Medizin

Wörtlich übersetzt die „andere Medizin“. Alternativ arbeitet ein Therapeut, wenn er alternative MedizinTherapiemaßnahmen der konventionellen Medizin durch diejenigen der alternativen Medizin ersetzt (z. B. Absetzen einer Kortison-Inhalationstherapie bei einem Asthmatiker. Beginn einer naturheilkundlichen Therapie). Diese Arbeitsweise kann aufgrund möglicher Risiken allerdings nicht immer ohne Weiteres angewendet werden.

Komplementäre Medizin

Komplementäre Medizin bedeutet „ergänzende Medizin“. Komplementär arbeitet ein Therapeut, komplementäre Medizinwenn er zusätzlich zu den begonnenen konventionellen Therapien naturheilkundliche Verfahren hinzufügt (z. B. Beibehalten einer Kortison-Inhalationstherapie bei einem Asthmatiker, hinzufügen zusätzlicher Naturheilverfahren). Viele naturheilkundlich arbeitende Ärzte bedienen sich der komplementären Medizin. Selbst in der konventionellen Medizin werden komplementäre Verfahren zunehmend eingesetzt. So werden z. B. bei einem KHK-Patienten zusätzlich zur Medikation (z. B. ASS, Beta-Blocker, Statin) der konventionellen Medizin kontrolliertes Ausdauertraining (Bewegungstherapie) empfohlen und Entspannungsverfahren verordnet. Behandelt der Naturheilarzt den „Rheumatiker“ zunächst komplementär (z. B. Umstellung der Ernährung, orthomolekulare Therapie mit Vitamin E, C und Selen sowie Phytotherapie), indem er die verordneten Antirheumatika beibehält und bei Ansprechen der Therapie – mit Normalisierung der serologischen Entzündungsparameter sowie subjektiver Besserung – die Antirheumatika unter Kontrolle stufenweise ausschleicht, wendet er die alternativ-komplementäre Medizin an.
In der Literatur, insbesondere der angelsächsischen, wird der Begriff „alternative-complementary medicine“ oder „complementary-alternative medicine“ (CAM) gerne als wertneutrales Synonym für Naturheilverfahren gebraucht. Die WHO definiert diese Medizin folgendermaßen: „Die Begriffe Alternativmedizin/Komplementärmedizin (CAM) umfassen ein breites Spektrum von Heilmethoden, die nicht Teil der Tradition des jeweiligen Landes sind und nicht in das dominierende Gesundheitssystem integriert sind.“

Integrative Medizin

Dieser synonym zur komplementären Medizin verwendete Begriff hat im deutschsprachigen Raum in integrative Medizinden letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Auch hier wird eine Brücke von der konventionellen Medizin zur Naturheilkunde geschlagen, es gilt kein „entweder – oder“, sondern ein „sowohl – als auch“. In dem Leitsatz der integrativen Medizin „So wenig konventionelle Medizin wie nötig, so viel Naturheilkunde wie möglich“, kommt die Präferenz für die Naturheilkunde zum Ausdruck, ohne jedoch die konventionelle Medizin auszuschließen.
Der Begriff wird mittlerweile allerdings fast inflationär gebraucht. Viele Krankenhäuser haben mittlerweile Abteilungen für integrative Medizin, viele Praxen verwenden in ihren Praxisnamen das Wort „integrativ“. Hier ist im Einzelfall zu prüfen, ob vielleicht nur ein oder wenige Naturheilverfahren schwerpunktmäßig Anwendung finden oder vielleicht sogar ein Sammelsurium zahlreicher und unterschiedlichster Methoden mitunter auch als Möglichkeit zur Gewinnmaximierung angeboten werden. Jedoch kann davon ausgegangen werden, dass bei Anbietern von integrativer Medizin ein Verständnis für Ganzheitsmedizin und Naturheilkunde besteht.

Paramedizin

Das Wort Paramedizin ist hingegen eine abwertende Bezeichnung für Naturheilverfahren. Denn Para Paramedizinbedeutet neben, d. h. Paramedizin ist Außenseitermedizin. In den letzten Jahren wurde dieser diskriminierende Begriff nur noch selten verwendet. Wer Paramedizin in einer naturheilkundlichen Diskussion verwendet, outet sich als Hardcore-Gegner der Naturheilkunde.

„Sanfte Medizin“

Der Begriff „sanfte Medizin“ wird von Patienten und Laien bevorzugt, die eine nebenwirkungsarme Medizin wünschen. Allerdings ist die spontane Gleichsetzung von nebenwirkungsarmen Naturheilverfahren und „sanfter Medizin“ nicht gerechtfertigt, denn es gibt naturheilkundliche Behandlungsstrategien, z. B. die 10 cm tiefen Injektionen an Ganglien in der Neuraltherapie, die Blutegeltherapie oder die Zahnextraktion wegen Störfeldverdacht, die nicht unbedingt „sanft“ in der Anwendung sind.

Klassifikation und Stellenwert

Volker Schmiedel, Matthias Augustin
Obwohl Naturheilverfahren nicht als einheitliche Gruppe diagnostischer und therapeutischer Methoden bezeichnet NaturheilverfahrenKlassifikationwerden können, ist in der wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Diskussion immer von den Naturheilverfahren die Rede. Doch es gibt kaum Gemeinsamkeiten zwischen einem Knieguss nach Kneipp und der Bioresonanztherapie. Wenn also über die Naturheilverfahren diskutiert wird, sollte klargestellt werden, was damit eigentlich gemeint ist.

Klassifikation der Naturheilverfahren

Klassische Naturheilverfahren
Die klassischen Naturheilverfahren umfassen die klassischen Kneipp-Verfahren: Hydro-Naturheilverfahrenklassische und Thermotherapie (2.29), Phytotherapie (2.48), Bewegungstherapie (2.11) Ernährungstherapie (2.20) und Ordnungstherapie (2.43). Diese sind in die konventionelle Medizin integriert und somit etabliert.
Traditionelle Naturheilverfahren
Diese seit Jahrhunderten oder -tausenden bestehenden eigenständigen NaturheilverfahrentraditionelleTherapieverfahren sind zum einen gut erforscht (z. B. Akupunktur, einzelne ayurvedische Medikamente) oder zum anderen durch erfahrungsheilkundliches Wissen 1.1) belegt (z. B. Aderlass bei Hypertonie, Cantharidenpflaster bei Arthrose).
  • TCM: Traditionelle Chinesische Medizin mit z. B. Akupunktur (2.1), Ernährungstherapie (2.20) und Phytotherapie (2.48)

  • TEM: Traditionelle Europäische Medizin mit z. B. Ausleitungsverfahren (2.6) und Phytotherapie (2.48)

  • Ayurveda (2.8): mit z. B. Ernährung, Massagen, Ordnungstherapie, Phytotherapie, Ausleitung.

Regulationsmedizin
Unter Regulation verstehen wir alle Funktionen (z. B. nervale, hormonale, humorale), die der RegulationsmedizinAufrechterhaltung der Homöodynamik und damit dem Erhalt der Gesundheit dienen. Als Regulationsmedizin werden diagnostische und therapeutische Verfahren bezeichnet, die die körpereigenen Regulationsmechanismen unterstützen. Insbesondere werden unter diesem Begriff auch diejenigen Verfahren eingeordnet, die Auskunft über normale oder gestörte Regulationen liefern können (z. B. Regulationsthermographie 2.53, Proteomik 2.51).

Stellenwert der Naturheilverfahren

Während für viele Naturheilverfahren ein auch naturwissenschaftlich anerkanntes NaturheilverfahrenStellenwertErklärungsmodell vorliegt, ist dies für andere noch nicht der Fall. Für einige Verfahren liegen wiederum Wirksamkeitsnachweise vor, für andere nicht.
Nachweis der Wirksamkeit
  • Für viele Phytopharmaka (2.48) (nicht für alle Pflanzen und für alle genannten Indikationen) liegen mittlerweile sowohl pharmakologische Erklärungsmodelle als auch klinische Wirksamkeitsnachweise vor. Die Phytotherapie steht der konventionellen Medizin noch am nächsten, da sie wie übliche Pharmaka auf molekularer Ebene (z. B. Enzyminduktionen, Rezeptorwirkung) wirkt und somit ähnliche Dosis-Wirkungs-Kurven vorliegen. Auch „Hardliner“ der konventionellen Medizin haben deswegen zur Phytotherapie von allen Naturheilverfahren die größte Affinität.

  • Für die Homöopathie (2.26) konnte in einer großen Meta-Analyse gezeigt werden, dass es statistisch sehr unwahrscheinlich ist, dass die beobachteten positiven Ergebnisse rein zufälliger Natur sein sollten. Eine neuere Schweizer Meta-Analyse, die methodisch allerdings sehr kritisch zu bewerten ist, kommt hingegen zum gegenteiligen Ergebnis. Ein naturwissenschaftlich anerkanntes Erklärungsmodell liegt jedoch noch nicht vor, sodass kritische Mediziner trotz der überwältigenden statistischen Belege immer noch skeptisch gegenüber der Homöopathie sind. (Nebenbei: Aspirin® wird seit mehr als 100 Jahren aufgrund seiner antiphlogistischen, antipyretischen und analgetischen Wirkung eingesetzt. Der Wirkmechanismus wurde allerdings erst vor etwa 30 Jahren mit der Entdeckung der Hemmung der Prostaglandinsynthese durch ASS aufgedeckt.)

  • Blutegel (2.6.6) werden in den letzten Jahren wieder vermehrt eingesetzt – auch und insbesondere in der Dermatologie (z. B. bei Hauttransplantationen). Randomisierte Doppelblindstudien können mit Blutegeln naturgemäß nicht durchgeführt werden. Hier ist man auf die klinische Erfahrung sowie auf kontrollierte, aber offene Studien angewiesen.

  • Testverfahren, wie z. B. die Kinesiologie (2.33) oder die Elektroakupunktur konnten bisher nicht den Nachweis erbringen, dass sie objektiv, reproduzierbar und valide messen. Gleichwohl konnten in Einzelfällen überraschend gute Ergebnisse erzielt werden. Innerhalb der Anwender dieser Methoden sollte kritisch diskutiert werden, warum diese Methoden bei üblichen Testanordnungen regelmäßig versagen.

Leider werden – sowohl von strengen Kritikern als auch von überzeugten Anhängern der Naturheilverfahren – alle Methoden in einen Topf geworfen. Die Folge ist, dass Vorurteile entstehen, wie z. B. alle Naturheilverfahren würden auf Placeboeffekten beruhen und nichts „taugen“, oder sich die gegenteilige, aber vermutlich genauso falsche Meinung herausbildet, der zufolge alle ganzheitlichen und naturheilkundlichen Verfahren in jedem Fall wirksam sind. Auch innerhalb der Naturheilkunde ist eine selbstkritischere Haltung wünschenswert, um die (zweifellos) vorhandene Spreu vom Weizen zu trennen und sowohl den Anwendern als auch den Patienten solidere Hinweise zu Naturheilverfahren zu geben, von denen sie wirklich eine Wirksamkeit zu erwarten haben und solchen, denen man auch als Naturheilkundler eher skeptisch gegenüberstehen sollte.
Gesundheitspolitischer Stellenwert
Naturheilverfahren aus Sicht der Gesundheitspolitik
In den letzten Jahren hat sich der Deutsche Bundestag mehrfach in Abstimmungen für den Erhalt der „Besonderen Therapierichtungen“ (z. B. Phytotherapie, Homöopathie und Anthroposophie), also für die Naturheilkunde eingesetzt. Im Zuge der Erstellung einer „Positivliste“ zur Regulierung verordnungsfähiger Präparate wird für den Bereich der „Besonderen Therapierichtungen“ eine Sonderregelung getroffen und im Anhang an die Positivliste eine durch die jeweiligen Fachvertreter dieser Therapierichtungen zu erstellende Listung geführt. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die Erstattungsfähigkeit dieser Arzneimittel weitgehend erhalten bleibt. Es gibt jedoch auch Entwicklungen, die darauf hinweisen, dass die Naturheilkunde sehr stark unter Beschuss geraten ist:
  • Das BfArM (Bundesamt für Arzneimittel und MedizinprodukteBundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)) hat im Jahr 2002 dem bewährten Naturheilmittel Kava-Kava die Zulassung gegen die ausdrückliche Empfehlung der eigenen Gutachter der Kommission E entzogen. Auch kritische Mediziner und Pharmakologen meinen, dass die Risiken von Kava-Kava über- und der Nutzen unterbewertet worden seien. Seit 2014 gibt es ein Gerichtsurteil, welches das BfArM in die Schranken weist. Die damalige Entscheidung wird klar als unrechtmäßig gebrandmarkt. 2015 hat das BfArM den Widerspruch gegen das Urteil zurückgezogen, sodass ein potenzieller Hersteller wieder ein Präparat auf den Markt bringen könnte.

  • Aus vermeintlichen Sicherheitserwägungen wurden in den letzten Jahren immer wieder Nosoden (2.42) vom Markt genommen, da sie potenziell infektiös sein sollen. Während durch (korrekte!) Verordnung konventioneller Medikamente in Deutschland mehr als 10.000 Menschen jährlich sterben, ohne dass sich diesem dramatischen Problem in adäquater Weise angenommen wird, wird m.E. ein rein theoretisches Risiko durch Nosoden unangemessen hochstilisiert.

  • Die Erstattungsfähigkeit für naturheilkundliche Medikamente wurde leider an die Rezeptpflicht geknüpft. Damit wurden fast alle bewährten und wirksamen naturheilkundlichen Präparate mit einem Federstrich von der Erstattung ausgenommen – nicht, weil sie nicht wirksam sind, sondern weil sie zu wenige Nebenwirkungen haben, um rezeptpflichtig zu sein. Rezeptfreiheit bedeutet allerdings nur, dass das Mittel so wenige Nebenwirkungen aufweist, dass es der Selbstverordnung überlassen werden kann. Es wird damit keineswegs eine Aussage über die Wirksamkeit getroffen. Mit dieser politischen Entscheidung wurde zahlreichen Präparaten die wirtschaftliche Grundlage entzogen, vermeintlich um Einsparungen zu erzielen. Die Krankenkassenkosten für Medikamente sind durch diese Maßnahme jedoch nicht gesunken, sondern eher gestiegen, da die Ärzte alternativ teurere und nebenwirkungsreichere konventionelle Medikamente verordnen.

Naturheilverfahren aus Sicht der Patienten
Umfragen zufolge ist das Bedürfnis bei Patienten nach einer naturheilkundlichen Therapie sehr groß: 80% der Befragten sprechen sich für die Naturheilkunde aus. Auch unter den in der konventionellen Medizin ausgebildeten Ärzten gibt es immer mehr, die in Klinik und Praxis z. B. Akupunktur, Phytotherapie und Homöopathie anwenden. Gleichzeitig werden Medikamente vom Markt genommen und die Abrechnungsmöglichkeiten über die gesetzlichen Krankenkassen erschwert. Während wir in Deutschland dabei sind, den grünen Ast am Baum der Heilkunst abzusägen, wird die „Pflanze“ Naturheilkunde in den USA zunehmend gepflegt. Durch Schaffung einer eigenen Abteilung im National Institute of Health (NIH) erfuhr die Naturheilkunde dort eine enorme Aufwertung. Dazu wird die Erforschung naturheilkundlicher Verfahren mit jährlich weit mehr als 120 Millionen US-Dollar gefördert.
Gefahren und Chancen der zukünftigen Entwicklung
Dass die Naturheilkunde selbstverständlicher Bestandteil der medizinischen Basisversorgung sein soll, wird von Patienten und Therapeuten gewünscht und bereits in wachsendem Ausmaß eingelöst. Wie die zukünftige Entwicklung unter der Prämisse der aktuellen gesundheitspolitischen Maßnahmen aussehen wird, bleibt offen. Es bestehen große Risiken, dass die Naturheilkunde, wie wir sie kennen und sie in diesem Leitfaden dargestellt wird, bald nicht mehr existieren wird. Es besteht aber auch die Chance, dass durch ein aktives Eintreten zahlreicher Therapeuten für die Naturheilkunde, v. a. durch die Forderung von Patienten nach naturheilkundlichen Verfahren, diese einen gewaltigen Aufschwung erleben könnten.

Naturheilkunde und konventionelle Medizin

Volker Schmiedel
Unter konventioneller Medizinkonventionelle Medizin versteht man die Gesamtheit der diagnostischen und Naturheilkundeund konventionelle Medizintherapeutischen Maßnahmen sowie die zugrunde liegenden pathogenetischen Erklärungsmodelle, die in der universitären medizinischen Ausbildung anerkannt sind und gelehrt werden. Nach dieser Definition beginnt die Naturheilkunde selbst zu einem Bestandteil der konventionellen Medizin zu werden, da sie mit der Einführung der Naturheilkunde als Prüfungsfach im medizinischen Staatsexamen seit 1993 auch an der Universität gelehrt wird.
Wenn im Folgenden der Begriff „konventionelle Medizin“ gebraucht wird, so ist damit der Teil der Gesamtmedizin gemeint, der sich dem Ursache-Wirkungsdenken in der Tradition Descartes, Newtons und Virchows verpflichtet fühlt und ganzheitliche Aspekte in der Regel nicht berücksichtigt.
Der Gegensatz zwischen Naturheilkunde und konventioneller Medizin existiert, seit es die Medizin gibt; in diesem Sinne unterschiedliche Auffassungen von Krankheit und Heilung lassen sich bereits in der Antike bei den Schulen von Kos und Knidos nachweisen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts schien die Auseinandersetzung beider Richtungen endgültig zugunsten der konventionellen Medizin und gegen die Naturheilverfahren entschieden. Bestimmend für den Triumph einer rein naturwissenschaftlich geprägten Medizin waren die wissenschaftlich-theoretischen Paradigmen in der Tradition von Galilei, Descartes und Newton, die eine Ausrichtung aller Wissenschaften einschließlich Medizin, Soziologie und Philosophie auf eine mechanistische Denkweise erzwang, sowie die spektakulären Erfolge dieser Medizin (z. B. Infektionsverhütung durch Desinfektion, Anästhesie, chirurgische Verfahren).
Dass bei komplexen chronischen Erkrankungen (z. B. Krebs, Rheuma) mit dieser Denkweise des 19. Jh. therapeutisch nur wenige Erfolge zu erzielen sind, wurde bisher weitgehend verkannt. Die heutige Medizin wird vom naturwissenschaftlichen Paradigma dominiert, wobei unter Paradigma der „Rahmen“ der Denkweisen, Vorstellungen und Arbeitsmethoden einer Wissenschaft verstanden wird.
Paradigmenwechsel in der Physik
In der Physik und anderen Naturwissenschaften ist durch einen Paradigmenwechsel das Newtoncartesianische längst durch das sog. quantenmechanische Weltbild abgelöst worden. Die Sicht der Welt einschließlich Mikro- und Makrokosmos ist hierdurch komplexer geworden. So ist ein Maximum an Wissen nicht erreichbar, und zwar nicht nur aus methodischen, sondern aus prinzipiellen Gründen (Unschärferelation von Heisenberg). Geschwindigkeit oder Ort beispielsweise eines Elektrons sind nicht sicher, sondern nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit anzugeben (De-Broglie-Wahrscheinlichkeitswellen). Bei der Betrachtung einer großen Anzahl von Molekülen kann nur der Zustand der Gesamtheit (z. B. Temperatur), nicht aber des einzelnen Moleküls (z. B. Geschwindigkeit) sicher bestimmt werden.
Man ist geneigt, Parallelen zu „modernen“ Krankheiten zu ziehen: Während beim Einzelnen der Eintritt eines Herzinfarkts nicht sicher vorhergesagt werden kann, lässt sich unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und weiteren Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit eines solches Ereignisses in einem bestimmten Zeitraum abschätzen. Ebenso ist für eine große Anzahl von Menschen bei Kenntnis aller Risikofaktoren die ungefähre Zahl derer anzugeben, die einen Herzinfarkt erleiden werden, nicht aber, welches Individuum davon betroffen sein wird.
Paradigmenwechsel in der Medizin
Die konventionelle Medizin hat diesen Paradigmenwechsel in den Naturwissenschaften weder bewusst wahrgenommen noch Konsequenzen daraus gezogen. Die medizinische Forschung arbeitet überwiegend noch nach Modellen, die in ihrem Ursprung aus dem 19. Jh. stammen und die für lineare, nicht aber für komplexe Systeme geeignet sind.
In der konventionellen Medizin stehen einem immer größeren Forschungsaufwand und immer größeren therapeutischen Anstrengungen bei komplexen Erkrankungen wie Krebs oder Rheuma immer kleinere Erfolge gegenüber – entscheidende Fortschritte bleiben jedoch trotz aller Bemühungen aus. Diese Erfolgslosigkeit führt zu schwindender Akzeptanz seitens der Patienten, aber zunehmend auch bei Ärzten. Es erfolgt eine Umorientierung nach anderen Methoden. Dies wiederum provoziert die etablierte Medizin dazu, die sog. alternative Medizin zu diskreditieren und als unwirksam, wenn nicht gar gefährlich zu diffamieren. Wenig realistische, theoretische Überlegungen und Forschungsansätze werden bemüht, um die Unwirksamkeit bzw. Gefährlichkeit der unerwünschten Verfahren zu „beweisen“ (Beispiel: Fütterungsversuche von Tieren mit Huflattichdosen weit jenseits realistischer Nahrungsaufnahme oder therapeutischer Dosierung und dabei gefundener Leberschädigung). Aus wissenschaftshistorischer Sicht kündigen solche „Grabenkämpfe“ und die krampfhaft anmutenden Versuche, Alleinvertretungsansprüche mit gigantischen Anstrengungen zu untermauern, einen Paradigmenwechsel an.
Ergänzung zum Wohl der Patienten
Die Frage, ob denn nun die konventionelle Medizin oder die Naturheilkunde besser ist, stellt sich in dieser Form also gar nicht. Die Frage lautet vielmehr, bei welcher Krankheit und welchem Patienten zu welchem Zeitpunkt Naturheilverfahren oder Therapieverfahren der konventionellen Medizin angebracht sind – gelegentlich kann es auch sinnvoll sein, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen.
Eines Tages wird es vielleicht eine Medizin geben, in der beide medizinischen Systeme nebeneinander bestehen – nicht miteinander konkurrierend, sondern sich zum Wohle des Patienten ergänzend. Das neue Paradigma der Medizin würde dann umfassend die bisherige konventionelle Medizin und die Naturheilkunde in sich vereinigen.

Theoretische und praktische Konzepte

Volker Schmiedel, Matthias Augustin
Viele Phänomene der ganzheitlichen Medizin können mit hochschulwissenschaftlichen Methoden nicht erklärt werden, etwa die Wirkungsweise der Akupunktur oder das „Sekundenphänomen“ der Neuraltherapie. Ein Grund dafür liegt in den unterschiedlichen Denkansätzen der Medizinrichtungen. Dem linearen Ursache-Wirkungs-Denken der naturwissenschaftlichen Medizin in der Tradition Newtons und Virchows steht ein Denken in vernetzten biologischen Systemen gegenüber, das seine Wurzeln in der jahrtausendealten medizinischen Tradition hat, in neuerer Zeit aber durch Erkenntnisse der modernen Kybernetik bekräftigt wurde.

Wirkprinzipien und Wirkorte naturheilkundlicher Therapien

Gemäß der ZellularpathologieZellularpathologie von Virchow NaturheilverfahrenWirkprinzipiengilt die Zelle als fundamentale Funktionseinheit des Organismus, Krankheitsgeschehen wird überwiegend als Ausdruck von Störungen der Zelle selbst verstanden. Dem linearen Ursache-Wirkungs-Prinzip entsprechend besteht die Therapie in der Beseitigung oder Reparatur der defekten Funktionseinheit. In dieser isolierten Darstellung fehlen Parameter für individuelle Determinanten und für Lebensqualität. Demgegenüber ist das Denkmodell vernetzter biologischer Systeme durch ein biologisches Fließgleichgewicht und ein energetisch „offenes“ System gekennzeichnet. Struktur- und ordnungsverleihendes Prinzip ist hier die „nah- und fernreichweitige“ Informationszufuhr und -verarbeitung. Nur durch sie kann sich der Organismus als Ganzes erhalten. Nach Popp sind die Steuerungsmechanismen biologischer Systeme nicht nur zellulär-biochemischer, sondern auch elektromagnetischer Natur.
Ein entsprechendes, den ganzen Organismus durchziehendes Ordnungsprinzip ist das System der Grundregulation nach Pischinger, auf das sich viele ganzheitliche Therapieverfahren berufen (2.6.2 Schröpftherapie).
Das System der Grundregulation
Statt der Zelle werden im Grundregulation nach PischingerSystem der Grundregulation (syn.: GrundsystemGrundsystem) die Interzellularsubstanz und ihre Wechselwirkungen als Wirkort der Reiztherapien angesehen. Das Grundsystem, von Pischinger erstmals so beschrieben, durchzieht den gesamten Organismus und ist die anatomisch-physiologische Basis der Ganzheitsmedizin (Draczynski). Es besteht aus den Zellen des undifferenzierten Bindegewebes (Retikulumzellen oder Fibroblasten), aus der extrazellulären Gewebsflüssigkeit (Grundsubstanz), den Kapillaren und dem vegetativen Nervenfasergeflecht. Seine Aufgabe ist die Erhaltung der Homöostase durch Regulation des Zelle-Milieu-Systems. Im Streben des Organismus nach Selbsterhaltung ist es übergeordnetes Ordnungsprinzip.
Die Grundsubstanz als anatomisches Substrat
Die Grundsubstanz, ein netzartiger Verbund aus Glykosaminoglykanen, Proteoglykanen und GrundsubstanzStrukturglykoproteinen, fungiert als Molekularsieb und stellt nach Pischinger die Basis der lebenserhaltenden Homöostase dar. Sie wird u. a. von Fibroblasten produziert, umgibt jede einzelne Zelle und ermöglicht die Verbindung zwischen den Zellen bzw. Organen und dem restlichen Organismus. Jeder Reiz und jedes Stoffwechselgeschehen zwischen den Organzellen verläuft daher über das Grundsystem. Jede neurale, endokrine, vaskuläre oder immunologische Reaktion hängt von der Übertragungsfunktion des Grundsystems ab. Eine Reaktion des ganzen Organismus auf einen Reiz – ob Krankheitsgeschehen oder physiologische Reize – lässt sich nur unter Einbeziehung des Grundsystems erklären.
Die Intaktheit der Regelkreise aller Organsysteme hängt von der Intaktheit der Grundsubstanz ab. Umgekehrt führen Fehlinformationen auf anderen Ebenen zu Fehlbildungen von Grundsubstanz. Die Bildung defekter Grundsubstanz leitet dann über Fehlsteuerungen in den umliegenden Zellen und den terminalen Axonen einen Circulus vitiosus ein, der über viszerokutane, kutiviszerale, muskuloviszerale und vegetative Reflexe das lokale pathologische Geschehen über den Organismus fortleiten kann.
Reflextherapien wie Akupunktur (2.1) und Neuraltherapie (2.40) unterbrechen an den Nervenfasern der Haut Impulse, die aus Arealen mit gestörter Grundsubstanz in die Haut gelangen, und entkoppeln so den Teufelskreis. In der erwirkten Pause können sich die gegenregulierenden Selbstheilungskräfte des Organismus entfalten (nach Heine).
Belastungen des Grundsystems
Chronische Grundregulation nach PischingerBelastungenBelastungen führen zu Störungen seiner Versorgungsfunktion für das Zellmilieu und seine Grundsystemneurovegetative Verkopplung mit anderen Systemen. Als Ursachen kommen besonders Toxinbelastungen jeder Art, ein chronisches Fokusgeschehen und anhaltende psychische Stressoren in Betracht. Folge der anhaltenden Belastung des Grundsystems sind chronische Erkrankungen, die je nach individueller Disposition und Verlauf (selten) spontan abheilen, degenerativ-entzündlich verlaufen oder in ein Malignomgeschehen übergehen können.
Reiz und Regulation
Jeder Reiz auf einen beliebigen Teil des Organismus führt zu einer fortgeleiteten Reaktion des gesamten vernetzten Organismus und induziert eine Gegenantwort. Diese in der Evolution erlernten permanenten Gegenreaktionen des Organismus auf Reize von außen sind – im weiteren Sinne – ein dauerndes physisches und psychisches Lebenstraining. Sie bedingen die Lebenstüchtigkeit jedes Individuums. Beispiel: Die Wirksamkeit des Immunsystems beruht von Geburt an auf häufigen Auseinandersetzungen mit Fremd-Antigenen. Nur immer wieder eintretende Reizungen führen zu Immunkompetenz und genügend starken Immunantworten im Falle einer Infektion. Bleibt die Reizung des Organismus über längere Zeit aus, vermindert sich seine Resistenz.
Viele ganzheitliche Verfahren bewirken eine unspezifische Reizung des Organismus und induzieren eine Gegenregulation unter Mobilisierung und Verstärkung seiner Selbstheilungskräfte (Beispiele: Akupunktur, Eigenbluttherapie, Schröpfen, Saunabaden und Homöopathie). Diese Verfahren werden Regulationstherapien oder Reiztherapien genannt. Die Kaskade Regulationstherapienvon Gegenreaktionen wurde von F. Hoff als „Prinzip der vegetativen ReiztherapienGesamtumschaltung“ bezeichnet. Bemerkenswert ist, dass häufig gezielte schwache Reize eine vegetative Gesamtumschaltungstärkere Gegenreaktion auslösen als starke.
Regulationsstarre
Voraussetzung für Gegenreaktionen des Körpers auf äußere Reize ist eine ausreichende RegulationsstarreRegulationsfähigkeit des Organismus. Ihre Störung durch chronische Belastungen kann zu einer abgeschwächten Gegenregulation oder gar Regulationsstarre führen. Letztere haben nach Perger in den letzten 30 Jahren erheblich zugenommen. Sie erklären die immer schlechteren Reaktionen vieler Patienten auf Regulationstherapie und z. B. das immer häufigere Ausbleiben des „Sekundenphänomens“ nach Huneke (2.40.3).
Erhalten der Reaktions- und Regulationsfähigkeit
Unbedingte Voraussetzung für einen gesunden Organismus ist die Reaktionsfähigkeit des RegulationsfähigkeitGrundsystems, welche durch unspezifische Reize gefördert werden kann. Solange die Regulationsfähigkeit des Organismus erhalten ist, sind Therapieverfahren, die die körpereigenen Selbstheilungskräfte mobilisieren, den substituierenden oder supprimierenden Therapien vorzuziehen. Hierzu können verschiedene Regulationsverfahren eingesetzt werden, z. B.:
  • Akupunktur (2.1)

  • Ausleitende Verfahren (2.6)

  • Eigenbluttherapien (2.15)

  • Heilfasten (2.24)

  • Homöopathie (2.26)

  • Physikalische Therapien: Bewegungstherapie (2.11), Hydro- und Thermotherapie (2.29)

Praxistipp

Die Unterstützung der RegulationsfähigkeitRegulationsfähigkeit ist ein wichtiges naturheilkundliches therapeutisches Prinzip. Welche Belastung vorliegt, kann diagnostisch ermittelt werden.

  • Diagnostik: Ermitteln des Grads der Regulationsbelastung durch folgende Verfahren:

    • Regulationsthermographie nach Rost (2.53)

    • Elektroakupunktur nach Voll

    • Biolelektronische Funktionsdiagnostik (2.13)

  • Prophylaxe und Therapie: Belastungen der Regulation des Grundsystems vermeiden bzw. behandeln:

    • Entgiftung und Abschirmung von Schwermetallbelastungen und anderen toxischen Belastungen, Vermeidung von Umweltgiften (4.3)

    • Meiden belastender Nahrung (2.20 Ernährungstherapie), Alkohol, Nikotin

    • Behandlung von Übergewicht, Bewegungsarmut, Schlafmangel

    • Einschränken oder Aussetzen belastender Medikamententherapie

    • Behandlung chronischer Stressoren (z. B. Lärm, Schichtdienst)

    • Behandlung chronisch psychischer Leiden (3.15)

    • Behandlung von Foci und Narbenstörfeldern (2.40 Neuraltherapie)

    • Behandlung gestörter Darmbiose (2.38 Mikrobiologische Therapie)

    • Vermindern der Belastung durch geopathische Felder: Besonders die Schlafstätte nicht auf belastenden Wasseradern oder anderen geologischen Störfeldern errichten, ggf. mit Pendel oder Rute austesten (diese Maßnahme ist nicht allgemein anerkannt, eine Belastung durch „Biostrahlen“ wird kontrovers diskutiert).

Praktische Hinweise für die naturheilkundliche Therapie

Allgemeingültige Regeln der ganzheitlichen Behandlung können nur eingeschränkt formuliert werden. Die folgenden Hinweise sollten aber berücksichtigt werden:
  • Ordnungstherapeutische Maßnahmen haben immer Priorität (z. B. keine Behandlung von Schlafstörungen ohne Hinterfragen einer ungünstigen Gliederung des Tagesablaufs).

  • Bei allen Therapien die Individualität des Patienten unter Einbeziehung seines sozialen Umfelds und seiner Vorgeschichte berücksichtigen. Naturheilkunde ist mehr als die Fortsetzung der konventionellen Medizin mit anderen Mitteln!

  • Bei Versagen der Therapie – trotz richtiger Diagnose – sollte an das Vorliegen von Störfeldern gedacht werden (z. B. durch Narben, Tonsillen, toxische Belastungen wie etwa Amalgam, Dysbiose, Medikation von Kortison oder anderen Immunsuppressiva). Erst nach entsprechender Behandlung dieser Blockaden durch z. B. Neuraltherapie, Mikrobiologische Therapie, Akupunktur, ausleitende Heilverfahren oder Fasten kann die Therapie der eigentlich zu behandelnden Krankheit wieder greifen.

  • Bei jeder naturheilkundlichen Therapie fragen, ob überhaupt die Indikation für die Anwendung eines Naturheilverfahrens besteht (Gegenbeispiel: Diabetes mellitus Typ I). Ist der Patient physisch in der Lage, regulative Reize anzunehmen und adäquat zu verarbeiten? Ein z. B. durch Operation geschwächter Patient kann möglicherweise selbst von einem Knieguss nach Kneipp überfordert werden. In solchen Fällen sollte zunächst stützend, entlastend und aufbauend behandelt werden. Ähnliches gilt bei psychosomatischen Erkrankungen, wenn der Patient zzt. nicht in der Lage ist, aufdeckend und konfrontativ zu arbeiten.

  • Psychosomatische Gesichtspunkte sollten v. a. bei chronischen Krankheiten beachtet werden. Beispiel: Ein Magenulkus kann mit Naturheilmitteln gut behandelt werden, die Ulkuskrankheit besteht aber möglicherweise fort.

  • Die Kombination verschiedener Naturheilverfahren ist grundsätzlich möglich, zumal wenn die angewendeten Verfahren unterschiedliche Ebenen ansprechen und sich daher sinnvoll ergänzen. Beispiel: Im San Francisco Life Style Heart Trial wurden bei der Behandlung der koronaren Herzkrankheit die besten Resultate bei konsequenter Einhaltung einer vegetarischen, fettarmen Ernährung plus Bewegungstherapie plus täglichen Entspannungsübungen erzielt.

  • Die zahlreichen Vorschläge im Therapieteil (3.1 bis 3.193.13.1.13.1.23.1.33.1.43.1.53.23.2.13.2.23.2.33.2.43.2.53.2.63.2.73.2.83.33.3.13.3.23.3.33.3.43.3.53.43.4.13.4.23.4.33.4.43.4.53.4.63.53.5.13.5.23.5.33.5.43.5.53.5.63.5.73.5.83.5.93.5.103.63.6.13.6.23.6.33.6.43.6.53.73.7.13.7.23.7.33.7.43.7.53.83.8.13.8.23.8.33.8.43.8.53.8.63.8.73.8.83.8.93.93.9.13.9.23.9.33.9.43.9.53.9.63.103.10.13.10.23.10.33.10.43.10.53.10.63.10.73.10.83.10.93.10.103.10.113.113.11.13.11.23.11.33.11.43.11.53.11.63.11.73.11.83.11.93.11.103.123.12.13.12.23.12.33.12.43.12.53.12.63.12.73.12.83.12.93.133.13.13.13.23.13.33.13.43.13.53.143.14.13.14.23.153.15.13.15.23.15.33.15.43.15.53.15.63.15.73.15.83.15.93.163.16.13.16.23.173.17.13.17.23.17.33.17.43.17.53.183.19) sollen allerdings nicht dazu verleiten, möglichst viele dieser Therapien gleichzeitig bei einem Patienten anzuwenden.

  • Schließlich sollte auch die Sinnhaftigkeit einer speziellen Krankheit für den Patienten überdacht werden. Was nimmt man dem Patienten, wenn man ihm die Krankheit oder Symptome nimmt? Was kann, was muss der Patient aus seiner Krankheit für sein Leben lernen? Stets sollte man sich vergegenwärtigen, dass Krankheiten eine natürliche, notwendige Begleiterscheinung unseres Lebens sind.

Psychosomatik und Naturheilkunde

Volker Schmiedel, Matthias Augustin
Der Begriff PsychosomatikPsychosomatik umfasst die Wechselbeziehung zwischen Seele und Geist (= Psycho-) einerseits und dem Leib andererseits (= -soma) und bezieht sich auf zwei unterschiedliche Ansätze:
  • Psychisches Geschehen löst Veränderungen im somatischen Bereich aus und umgekehrt (z. B. Ärger mit dem Chef führt zum Magenulkus; umgekehrt: Der Genuss von Alkohol verändert die Stimmung).

  • Der andere Ansatz geht von einer Gleichzeitigkeitskorrelation aus, dass nämlich seelische Vorgänge mit körperlichen Veränderungen unmittelbar einhergehen und umgekehrt (z. B. schlechte Stimmung schwächt die Krankheitsabwehr; umgekehrt: Ein kalter Kneipp-Guss verändert schon im Vorhinein das Befinden).

Vermutlich gibt es sowohl die Auslösung wie auch die Gleichzeitigkeit. Daraus ergibt sich, dass Psychotherapie auch dann angewendet wird, wenn körperliches Geschehen beeinflusst werden soll (z. B. Psychotherapie bei Asthma bronchiale). Umgekehrt wird somatische Therapie angewendet, wenn seelische Veränderungen erzielt werden sollen (z. B. medikamentöse Therapie bei Depressionen).
Psychische Dimension des Menschen
Der Mensch ist eine dreifaltige Person. Er lebt als Körper, Seele und Geist. Als Körper ist er ein Teil der materiellen Welt und unterliegt deren Gesetzen. Als Seele ist er seinem Leib, seiner Welt und Gott gegenüber verantwortlich und kann handlungsfähig mit diesen Anteilen umgehen. Er errichtet Verhältnisse zu allem und jedem. Er kann beispielsweise sich selbst ärgern, sich verführen, sich beschimpfen, aber auch sich selbst loben, sich verzeihen, sich liebevoll seiner selbst annehmen. Da jeder Mensch, der erkrankt ist, auch zu seiner Krankheit ein Verhältnis hat, kommt es in der Therapie darauf an, neben den somatischen Befunden auch die psychischen Aspekte der Erkrankung zu bewerten. Krankheiten sind seelisch bedingt, wenn ihre Ursachen in der Art und Weise liegen, wie der Erkrankte mit sich, mit seiner Welt und mit Gott umgeht. Wird mit seelischen Mitteln behandelt, dann sind die gestörten Umgangsweisen des Patienten Gegenstand der therapeutischen Arbeit.
Behandlungsformen
Gemeinsam ist allen psychisch orientierten Behandlungsformen, dass sie darauf abzielen, dem Erkrankten zu helfen, dort wieder ein liebevolles Verhältnis zu seiner Person zu entwickeln, wo es gestört ist. Ganzheitliche Gesichtspunkte sind z. B. besonders berücksichtigt in der Ordnungstherapie von Kneipp (2.43) sowie in den übenden Verfahren, wie z. B. im autogenen Training (2.7) und der Atemtherapie (2.5). Sie werden häufig in der psychosomatischen Grundversorgung und in der Prävention eingesetzt. Zahlreiche andere psychotherapeutische Verfahren können ebenfalls indiziert sein und zur Anwendung kommen. Die Ordnungstherapie nach Bircher-Benner (2.43) enthält zahlreiche Aspekte der modernen Psychosomatik.

Chronologie der Naturheilverfahren 1800–2016

Robert Jütte
Die Anfänge NaturheilverfahrenChronologieeiner alternativen medizinischen Therapie, zu der auch die klassische Naturheilkunde ursprünglich gehört, liegen gut zwei zweihundert Jahre zurück. Diese Ursprünge stehen in einem inneren Zusammenhang mit einer Entwicklung, die in der Medizingeschichte mit Schlagworten wie „Medikalisierung“, „Professionalisierung“ oder auch „Paradigmawechsel“ benannt wird. Was wir heute unter alternativer Medizin verstehen, beginnt nicht erst mit der sog. „Alternativbewegung“, die ihre sozialen und geistigen Wurzeln in Jugendprotest-, Studenten- und Anti-Atomkraft-Bewegung hat. Sozialgeschichtlich betrachtet ist die alternative Medizin der 1980er- und 1990er-Jahre lediglich eine neue Erscheinungsform der medizinischen Reform- und Erneuerungsbewegungen, die seit dem Ende des 18. und dem Beginn des 19. Jahrhunderts den unaufhaltsam scheinenden Aufstieg der (natur-)wissenschaftlichen Medizin begleiteten. Was sich jeweils ändert, sind die zeittypischen Inhalte und Ziele, die Anlässe der Aktualisierung, die beteiligten Alters-, Sozial- und Berufsgruppen und die laienmedizinischen Beteiligungsformen. Dabei fällt auf, dass dieses kritische Bewusstsein nicht durch die jeweils aktuellen Problemlagen (z. B. die immer wiederkehrenden „Krisen der Medizin“) hervorgerufen wird, sondern einen ständigen Gegenpol zum jeweils vorherrschenden therapeutischen System bildet.
Insofern macht es durchaus Sinn, die Chronologie der Naturheilverfahren bzw. der unkonventionellen medizinischen Richtungen mit dem Jahr 1800 beginnen zu lassen (Tab. 1.5-1). Von besonderem Reiz ist dabei für den Leser die Gegenüberstellung von Ereignissen, die in den jeweiligen Jahren sowohl in der Naturheilkunde als auch in der sog. konventionellen Medizin bzw. auf dem Gebiet der Naturwissenschaften und Technik zu verzeichnen sind. Da steht zwar manches nebeneinander, was auf den ersten Blick nicht zusammenzugehören scheint. Doch regt gerade die hier häufig zu beobachtende „Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen“ zum weiteren Nachdenken an.

Literatur

Bivins, 2007

R. Bivins Alternative Medicine? A History 2007 Oxford University Press Oxford

Heine, 2014

H. Heine Lehrbuch der biologischen Medizin: Grundregulation und Extrazelluläre Matrix 4. A. 2014 Haug Stuttgart

Fieber, 1957

Hoff F. Fieber unspezifische Abwehrvorgänge, unspezifische Therapie 1957 Thieme Stuttgart

Jütte, 1996

R. Jütte Geschichte der Alternativen Medizin 1996 C. H. Beck München

Jütte, 2013

R. Jütte Krankheit und Gesundheit in der Frühen Neuzeit 2013 Kohlhammer Stuttgart

Michl et al., 2008

S. Michl T. Potthast U. Wiesing Pluralität in der Medizin 2008 Verlag Karl Alber Freiburg

Peseschkian, 1993

N. Peseschkian Psychosomatik und positive Psychotherapie 6. A. 1993 Fischer Frankfurt

Pischinger et al., 2014

A. Pischinger H. Heine G. Missoni Das System der Grundregulation. Grundlagen einer ganzheitsbiologischen Medizin 12. A. 2014 Haug Stuttgart

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