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B978-3-437-56323-2.00007-3

10.1016/B978-3-437-56323-2.00007-3

978-3-437-56323-2

Verteilung der Tender Tender PointsPoints nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde

[L106]

Beschwerden des Bewegungsapparats

Gelenkknorpeldestruktion

Definition

Bewegungsapparat, Erkrankungen:ArthroseAls ArthroseArthrose werden degenerative Gelenkveränderungen bezeichnet, die durch eine Zerstörung der Knorpelschicht sowie eine darauffolgende Sklerosierung des subchondralen Knochens gekennzeichnet sind. Im Anfangsstadium handelt es sich bei der Arthrose um ein nichtentzündliches Geschehen mit schrittweisem Beginn. Betroffen sind zunächst meist nur ein Gelenk oder wenige Gelenke.

Ursache

Die meisten Menschen zeigen mit zunehmendem Alter (etwa ab dem 60. Lj.) radiologisch Zeichen einer Arthrose, ohne unter einschränkenden Beschwerden zu leiden.
Die Ursachen einer Gelenkknorpeldestruktion:UrsachenGelenkdegeneration sind äußerst Arthrose:Ursachenvielseitig. Neben genetischen Hintergründen können Traumata, Fehlbelastungen (z. B. durch Fehlstellungen oder aber einseitige, unphysiologische Belastung), Infektionen oder diverse systemische, metabolische oder endokrine Erkr. eine Rolle spielen. Die Knorpeldestruktion entwickelt sich durch ein zunehmendes Missverhältnis zwischen der Beschaffenheit und der Belastung des Knorpels.

Symptomatik

Zum Zeitpunkt des Auftretens der ersten Beschwerden sind i. d. R. bereits radiologisch sichtbare Veränderungen der Gelenkstrukturen Arthrose:Symptomenachweisbar. Ein durch Belastung verstärkter Schmerz ist das früheste Symptom. Nach Ruhelage und am Morgen tritt ein Steifigkeitsgefühl auf, das aber nur einige Min. bis zu ½ h anhält und sich durch Bewegung bessert.

Diagnostik

Cartilage Oligomeric Matrix Protein (COMP)
Durch den Abbau von Gelenkknorpel gelangen vermehrt Bestandteile der extrazellulären Knorpelmatrix in die Synovialflüssigkeit und anschließend in den Blutkreislauf.
KnorpelKnorpelgewebe besteht aus knorpelbildenden Zellen (Chondrozyten) und der extrazellulären Matrix. Die Matrix ist zusammengesetzt aus Wasser, Kollagenen, Proteoglykanen sowie nichtkollagenen Glykoproteinen, zu denen das cartilage oligomeric matrix Cartilage oligomeric matrix protein\t \"Siehe COMPprotein (COMP) gehört.

INFO

COMPCOMP ist ein homopentameres Glykoprotein, das aus fünf identischen Untereinheiten besteht, die an den N-terminalen Enden durch Disulfidbrücken verbunden sind. Das C-terminale Ende jeder Untereinheit ragt frei in den Raum und besitzt so die Möglichkeit, mit dem Kollagennetzwerk in Verbindung zu treten. COMP liegt als intaktes (pentameres) Protein, als oligomeres und monomeres Fragment vor. Bei Gelenkknorpeldestruktionen gelangt es vermehrt in den GelenkknorpeldestruktionBlutkreislauf.

Gelenkschäden durch Knorpeldegeneration\t \"Siehe GelenkknorpeldestruktionKnorpeldegeneration sind irreversibel, weshalb eine frühzeitige Diagnose sowie eine Verlaufsbeurteilung der Aktivität von gelenkknorpelzerstörenden Krankheiten wie rheumatoider Rheumatoide ArthritisArthritis (RA) oder ArthroseArthrose sehr wichtig sind.
Durch die Messung der COMP-Konzentration wird die tatsächlich vorhandene krankhafte Veränderung des Gelenkknorpels gemessen. Hierbei korrelieren die COMP-Serumkonzentrationen und der radiologisch zu diagnostizierende Grad der Gelenkzerstörung sehr gut. COMP als Marker für Gelenkknorpeldestruktion:COMPGelenkknorpeldestruktion kann für die Beurteilung folgender Zusammenhänge herangezogen werden:
  • Marker für Gelenkstoffwechsel und/oder Gelenkdestruktion in der Sportmedizin

  • Prognosemarker in der Traumatologie

  • Korrelation mit dem Schweregrad der Erkrankung bei Arthrose

  • Marker für schnelle Progredienz bei RA

INFO

Der Biomarker COMP:IndikationenCOMP ist ein spez. und hochsensitiver Laborparameter für Gelenkknorpeldestruktionen bei entzündlichen und degenerativen Gelenkerkr. wie RA oder Arthrose sowie bei akuten Traumen. Im Gegensatz zu anderen diagnostischen Verfahren (z. B. Röntgen) ermöglicht COMP den Nachweis von Gelenkschäden und Knorpelerosionen schon im Frühstadium und kann auch zuverlässig zur Risikoabschätzung, zur Verlaufs- und zur Therapiekontrolle von Gelenkentzündungen eingesetzt werden.

Indikationen:
  • Identifizierung von Pat. mit voraussichtlich raschem Verlauf der Gelenkknorpeldestruktion für eine frühzeitige aggressive Therapie

  • Überwachung des Knorpelabbaus bei Besserung der Krankheitssymptome aufgrund entzündungshemmender Therapie

  • Überwachung des Therapieverlaufs

Präanalytik
Probenmaterial: Serum
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Bei Lagerung über Nacht wird die Kühlung der Probe empfohlen (2–8 °C)
Versand im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich
Befundinterpretation
Werte (U/l) Interpretation
< 12,0 Geringes Risiko für aggressive Gelenkzerstörung
12,0–15,0 Steigendes Risiko für aggressive Gelenkzerstörung
> 15,0 Hohes Risiko für aggressive Gelenkzerstörung
Es besteht kein Zusammenhang zwischen der COMP-Konzentration und den klassischen Entzündungsmarkern wie BSG und CRP.
Rheumatoide ArthritisHohe COMP-COMP:Befund(interpretation)Serumwerte im Frühstadium der RA deuten auf einen rasch progredienten Krankheitsverlauf durch rasche Knorpeldestruktion hin, dem durch entsprechend aggressive Therapien rechtzeitig entgegengesteuert werden sollte. COMP ist hierbei ein deutlich besserer Marker für rasch progrediente RAs als HLA-DRB1.
ArthroseBei Pat. mit primären und sekundären Arthrosen zeigen sich ggü. Gesunden erhöhte COMP-Serumspiegel, die mit dem Schweregrad der Erkr. korrelieren. Auch hier sind hohe COMP-Spiegel hervorragende Prognosemarker für Früharthrosen, vorwiegend der großen Gelenke.
TraumatologieBei Knietraumen und Bänderrissen können erhöhte COMP-Werte als ungünstige Prognosemarker gewertet werden, da hier innerhalb von 1 J. weitere progrediente Destruktionen zu erwarten sind.
SportmedizinCOMP ist ein guter Marker für veränderten Gelenkstoffwechsel und/oder Gelenkdestruktion. Bei Marathonläufern wurde während des Laufs ein signifikanter Anstieg des COMP-Werts gemessen, der sich nach 24 h wieder normalisierte.

Medikation/Therapie

Die Zusammenstellung der nachstehend aufgeführten Präparate zur naturheilkundlichen Prävention und Therapie von Gelenkknorpeldestruktionen ist als Anregung zu verstehen und stellt kein aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept dar. Bei der individuellen Auswahl der Präparate für den Pat. sind ggf. vorhandene Kontraindikationen zu berücksichtigen (s. Beipackzettel des jeweiligen Herstellers).
Indikationen, Zusammensetzung, Dosierungs- und Anwendungsempfehlungen Tab. A–Z.

THERAPIEEMPFEHLUNGEN

  • Gelenkknorpeldestruktion:TherapieempfehlungenPASCOE®-Agil 240 PASCOE®-Agil 240<2009>mg:Indikationmg (PASCOE)

  • ALLYA-Injektopas® SL (PASCOE)ALLYA-Injektopas® SL:Indikation

  • PASCORBIN® 7,5 g (PASCOE)PASCORBIN® 7,5<2009>g:Indikationen

  • ArthroPlex®:IndikationArthroPlex® (NICApur)

  • Arthro Arthro Formula®:IndikationFormula® (Biogena)

  • MSM-Rheuma MSM-Rheuma Formula:IndikationFormula (Biogena)

Komplementäre Mikronährstoff-Therapie
  • Bildung von Synovialflüssigkeit fördern:

    Mikronährstoff-Therapie, komplementäre:GelenkknorpeldestruktionGelenkknorpeldestruktion:Mikronährstoff-Therapie, komplementäreGlukosaminsulfat, GlukosaminsulfatChondroitinsulfat undChondroitinsulfat Hyaluronsäure Hyaluronsäuresind die Klassiker in der nutritiv begleitenden Arthrose-Therapie. Arthrose:Therapie, ergänzendeAls natürliche Gelenkbausteine dienen sie zur Bildung der Synovialflüssigkeit. Durch ihr Wasserbindungsvermögen sorgen sie für Elastizität und Geschmeidigkeit des Knorpels, für optimale Viskosität der Synovialflüssigkeit und dadurch für eine bessere Pufferfunktion, wodurch Schmerzen reduziert werden. Zudem dienen die in der Synovia enthaltenen Stoffe als Substrat für die Chondrozyten, die regelmäßig neu gebildet werden müssen.Natives Kollagen Typ II ist ein wesentlicher Bestandteil von Knorpelgewebe. Nur Kollagen, nativesdieser Typ besitzt die spezielle Triple-Helix, die für reißfeste Kollagenfasern notwendig ist. Als Katalysator stabilisiert er zudem Sehnen und Bindegewebe. Auch Vit. C spielt eine bedeutende Rolle bei der Aufrechterhaltung von Kollagen. Vitamin C:KollagenerhaltungKorallenkalzium undKorallenkalzium Vit. D Vitamin D:Knochenstoffwechselsind zentrale Mikronährstoffe des Knochenstoffwechsels und somit für die Stabilisierung der Gelenke wichtig. Mangan istMangan Coenzym der Glykosyltransferase, die an der Biosynthese von Proteoglykanen des Knorpel- und Bindegewebes beteiligt ist. Zudem kann Mangan als antioxidative Komponente über die Superoxiddismutase das Entzündungsgeschehen positiv beeinflussen.

  • Entzündung und Schmerzen reduzieren:

    Im Fall einer reaktivierten Arthrose Arthrose:reaktiviertezeigt sich systemisch und lokal erhöhter oxidativer Stress. Stress:oxidativerReaktive Sauerstoffspezies (ROS), die infolge des abnormalen Chondrozytenmetabolismus entstehen, führen zu erhöhtem oxidativem Stress. Das gesteigerte Auftreten von ROS kann die Zerstörung der Gewebsstrukturen beschleunigen und Entzündungen fördern. Die Zufuhr von Antioxidanzien, Antioxidanzien:bei Entzündungen/Schmerzenintegralen Spurenelementen und antioxidativ wirksamen Enzymen (Kupfer, KupferMangan, ManganSelen) Selenkann weitere oxidative Schäden reduzieren sowie positiv auf das Entzündungsgeschehen wirken. Weihrauch-ExtraktWeihrauch-Extrakt (Boswellia serrata) enthält Boswelliasäuren, BoswelliasäurenTriterpensäuren und Terpenalkohole. Sie eignen sich besonders zur Behandlung akuter und chron. Schmerzen, die durch entzündliche Vorgänge in Gelenken, Muskeln und der Wirbelsäule ausgelöst werden. Proteolytische Enzyme stellen ein effizientes Therapeutikum bei akuten und chron. Entzündungen dar. Proteasen Proteasenbeschleunigen den Ablauf des Entzündungsgeschehens durch die Entsorgung nekrotischer Gewebereste und wirken durch ihre antiödemischen Eigenschaften schmerzlindernd. Vor allem in der Akuttherapie gelten die antiödematösen und fibrinolytischen Wirkungen als wissenschaftlich gesichert. Auch posttraumatische Schwellungen nach OPs können durch Enzymgaben signifikant schneller reduziert werden, wodurch sich auch das Schmerzgeschehen spürbar verringern lässt. S-Adenosylmethionin (S-Adenosylmethionin (SAM)kurz: SAM, engl. SAMe) zeigte in Studien am Beispiel der reaktivierten Arthrose vielversprechende analgetische und antiphlogistische Wirkungen mit einem ähnlich schmerzlindernden Effekt wie NSAR. Methylsulfonylmethan (MSM) Methylsulfonylmethaneignet sich zum therapeutischen Einsatz v. a. bei Schmerzen durch Arthrose, Arthritis oder Sportverletzungen. Als Wirkmechanismus wird die Hemmung der Cyclooxygenase (COX) angenommen. Zudem soll es die Regenerationszeit übertrainierter Muskelpartien verkürzen und Verletzungen schneller ausheilen lassen.

Fibromyalgie

Definition

Die Bewegungsapparat, Erkrankungen:FibromyalgieFibromyalgie, die im Fibromyalgieweiteren Sinne zu den rheumatischen Erkr. gezählt wird, ist durch chron. Muskelschmerzen charakterisiert, die nicht im Zusammenhang mit Bewegungsabläufen stehen und mit Begleitsymptomen wie Depression, Schlafstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen sowie Stimmungsschwankungen einhergehen: Die Pat. fühlen sich abgeschlagen, müde und überfordert. Dies wiederum verstärkt das Schmerzempfinden und führt zu einem Teufelskreis aus psychischen Komponenten und Schmerzempfinden, der durchbrochen werden muss.
Die Diagnose einer Fibromyalgie basiert in erster Linie auf dem Ausschluss anderer möglicher Erkr. (z. B. organisch bedingte Schmerzreaktionen, Borreliose, eingeklemmte Nerven). Meist werden zur DD der Fibromyalgie sog. Druckpunkte (DruckpunkteTender Points) zuTender Points Hilfe genommen. Hierbei handelt es sich um 18 über den Körper verteilte Punkte (9 pro Seite), die keine Verhärtung der Muskulatur aufweisen, aber trotzdem auf Fingerdruck eine deutliche Schmerzreaktion auslösen. Nach den anerkannten Diagnosekriterien von Müller und Lautenschläger (1999) müssen zur Diagnose der Fibromyalgie mind. 11 von 18 definierten Tender Points (Abb. 7.1) auf Fingerdruck spontan sehr schmerzhaft reagieren:
  • 1.

    Hinterkopf im Ansatzbereich der oberflächlichen Nackenmuskeln

  • 2.

    Ansatz des Schulterblatthebers am oberen Schulterblattwinkel (M. levator scapulae)

  • 3.

    Knochen-Knorpel-Übergang der 2.–4. Rippe in der Nähe des Brustbeins

  • 4.

    Großer Oberarmhöcker (Tuberculum majus)/Vorderseite des Oberarmkopfes

  • 5.

    Ellenbogenhöcker außenseitig (Epicondylus radialis), evtl. etwas abwärts (distal) davon

  • 6.

    Ellenbogenhöcker innenseitig (Epicondylus ulnaris), evtl. etwas abwärts (distal) davon

  • 7.

    Mitte des inneren oberen Quadranten der Gesäßregion

  • 8.

    Hintere Spitze des großen Rollhügels (Trochanter major)

  • 9.

    Medialer Kniegelenkspalt, evtl. etwas abwärts (distal) davon (Pes-anserinus-Ansatz)

Gerade beim Vorliegen einer Fibromyalgie ist eine umfassende Ausschlussdiagnostik besonders bedeutsam.

GUT ZU WISSEN

Differenzialdiagnosen der Fibromyalgie:

  • Fibromyalgie:DifferenzialdiagnosenArthralgie

  • Arthrose

  • Einige bakt. Infektionen (z. B. Borreliose, Yersiniose)

  • Einige Viruserkrankungen (z. B. EBV)

  • Chronic-Fatigue-Syndrom

  • Depression

  • Entzündliche Muskelerkrankungen

  • Entzündlich-rheumatische Systemerkr. (z. B. Kollagenosen, RA, Morbus Bechterew)

  • Hypothyreose

  • Multiple Sklerose

  • Myopathien

  • Osteoporose

  • Paraneoplastisches Syndrom

  • Sarkoidose

  • Somatisierungsstörungen

  • Weichteilrheuma

Ursachen

Die Fibromyalgie Fibromyalgie:Ursachengeht mit chron. Schmerzen an der Muskulatur einher, ohne dass für diese Schmerzen eine typische äußere Ursache erkennbar wäre.
Sowohl physischer als auch psychischer Stress Stress:Fibromyalgiekann nachhaltige Auswirkungen auf das körperliche und seelische Wohlbefinden des Menschen haben. Bei positivem Stress (Eustress) zeigt sich überwiegend eine katecholaminerge Aktivierung, bei negativem Stress (Disstress) überwiegen eine Mobilisierung und Immunsuppression durch Kortisol.
Normalerweise kommt es durch die Interdependenzen zwischen dem autonomen Nervensystem und der Kortisolachse zu einer raschen Down-Regulation der Stressantwort; Dauerbelastung kann jedoch zur Überaktivierung der HHN-Achse und einer dauerhaften hormonalen Stresskonstellation führen. Menschen mit geringerer Selbstsicherheit und Neigung zu Depressivität zeigen eine ausgeprägte, häufig permanente Aktivierung der Kortisolachse. Dauerhaft hohe Stressniveaus sind signifikant mit verschiedenen Erkr. assoziiert. Hierbei konnte ein deutlicher Zusammenhang zwischen Stress und chron. Schmerzzuständen wie der Fibromyalgie gezeigt werden (weitere Informationen zur Aktivierung der Kortisolachse und Stressdiagnostik 15.1).
Depressive Reaktionen, hormonelle Dysregulationen sowie eine erhöhte Schmerzempfindung stehen häufig mit einer unzureichenden Mikronährstoffversorgung in Verbindung oder werden durch eine solche verschlimmert. Ebenso kann die sog. Gewebsazidose (Gewebsazidoselatente Azidose) Azidose:latenteals Ausdruck zivilisatorisch ungünstiger Lebensumstände zu unspez. Symptomen wie Schmerzbereitschaft und depressiven Tendenzen führen. Die Beurteilung der Mikronährstoffversorgung und der Säure-Basen-Regulation (Titrationstest nach Sander) kann auch bei Fibromyalgie-Pat. als Basisdiagnostik gelten.

Symptomatik

Typisch für eine Fibromyalgie sind neben chron. Muskelschmerzen auch weitere Symptome außerhalb des Bewegungsapparats, insb. Erschöpfungszustände, Funktionsstörungen, psychische Veränderungen, Schlafstörungen und vegetative Symptome. Das Vorliegen von mind. drei der folgenden vegetativen und funktionellen Störungen spricht i. d. R. für eine Fibromyalgie:
  • Vegetative Symptome:

    • Fibromyalgie:vegetative Symptome Dermographismus

    • Hyperhidrosis im Bereich der Hände

    • Kalte Hände

    • Orthostatische Beschwerden

    • Respiratorische Arrhythmie

    • Tremor

    • Trockener Mund

  • Funktionelle Störungen:

    • Fibromyalgie:funktionelle StörungenDysästhesien/Parästhesien

    • Dysmenorrhö

    • Dysurie

    • Funktionelle Atembeschwerden

    • Funktionelle Herzbeschwerden

    • Gastrointestinale Störungen (z. B. Obstipation, Diarrhö, Colon irritabile)

    • Globusgefühl

    • Schlafstörungen

Diagnostik

Der Labordiagnostik bei Pat. mit Fibromyalgie kommt in erster Linie der Stellenwert einer Ausschlussdiagnostik zu, da entzündliche, neoplastische oder endokrine Erkr. bzw. Störungen die Beschwerden eines Fibromyalgie-Syndroms imitieren können. Ein einzelner Laborparameter, der das Vorliegen einer Fibromyalgie eindeutig nachweisen könnte, ist zurzeit nicht bekannt. Allerdings sollten labordiagnostische Parameter hinzugezogen werden, um i. R. der differenzialdiagnostischen Fragestellung Klarheit zu schaffen.
Beachtenswert ist der in der Literatur beschriebene Zusammenhang zwischen depressiven Beschwerden – ein Kernsymptom von Pat. mit Fibromyalgie – und hormonellen Regulationsstörungen. Damit kommt der Diagnostik bzw. dem Ausschluss hormoneller Fehlregulationen ein besonderer Stellenwert zu.
Fibromyalgie:StresshormoneDeshalb stellt die Analyse von Stresshormonen auch bei der Fibromyalgie eine psychobiologisch fundierte Diagnostik dar. Für Therapeuten und Pat. wird durch die Bestimmung z. B. des stressabhängigen Kortisolspiegels endlich ein biochemischer Parameter greifbar. Das Wissen, dass es für ihre Beschwerden eine Ursache, zumindest eine Erklärung gibt, kann die Patientenführung und Anleitung zur Selbsthilfe wesentlich erleichtern.
Die wichtigsten Parameter, die bei einer umfassenden Ausschlussdiagnostik der Fibromyalgie untersucht werden sollten, sind:
  • Fibromyalgie:Ausschlussdiagnostik Neurodegeneration/Fibromyalgie:

    • Fibromyalgie (Kortisol, DHEA, Melatoninsulfat, Serotonin, IGF-1)

  • Chronic-Fatigue-Syndrom (CFS)/Fibromyalgie:

    • CFS-Panel 1 (Ketecholamine, DHEA, Kortisol, Serotonin, Histamin)

    • CFS-Panel 2 (TSH, Ferritin, Folsäure, Vit. B6, B12, Coenzym Q10, L-Carnitin, Magnesium, Selen, kl. BB)

    • CFS-Panel 3 (T-cellspot® Borrelien, EBV, CMV)

    • CFS-Panel 4 (NK-Zell-Funktion, TH1-/TH2-T-cellspot, proinflammatorischer Zytokinstatus)

  • Rheuma/Arthritis/Autoimmunerkr.

    • Chron. Entzündungsprozesse (CCP-Ak, COMP, CRP, Eisen, Kupfer, Zink, großes BB)

    • Kleines Rheumaprofil (ASL, CRP, Rheumafaktor)

    • Großes Rheumaprofil (kl. Rheumaprofil plus: HLA-B27, CCP-Ak, Auto-Ak [ANA, gegen quergestreifte Muskulatur, ds-DNA-Ak])

  • Entgiftung

    • Säure-Basen-Tagesprofil nach Sander

Medikation/Therapie

Die Therapie der Fibromyalgie ist außergewöhnlich schwierig. Häufig haben die Pat. eine Vielzahl aufwendiger und z. T. auch belastender Therapieversuche hinter sich. Meist kommt, gerade nach dem Auftreten der ersten Symptome, ein breites Spektrum physikalisch-therapeutischer und orthopädischer Behandlungstechniken zum Einsatz, die in manchen Fällen ebenso wenig Linderung bringen wie eine medikamentöse Behandlung mit NSAR, Analgetika und Kortison. Etwa die Hälfte der Pat. profitiert von einer antidepressiven Therapie. Hintergrund ist die Hypothese, dass diese in den Serotonin-Stoffwechsel eingreift und regulatorisch auf Stoffwechselvorgänge im Gehirn einwirkt, die bei Fibromyalgie gestört sind.

GUT ZU WISSEN

Bei der Behandlung der Fibromyalgie hat sich ein Eingreifen auf verschiedenen Ebenen, also ein ganzheitlich orientiertes Therapieschema, bewährt: Die Leitlinien zur Fibromyalgiebehandlung erwähnen explizit die Anwendung von physiotherapeutischen und Stressbewältigungsmaßnahmen, autogenem Training, Yoga und Wärme- oder Kälteanwendungen. Diese grundlegenden Maßnahmen sollten, wann immer der Pat. es einrichten kann, regelmäßig durchgeführt werden. Der Konsum von Fleischprodukten sollte zugunsten einer basischen Ernährung reduziert werden.

Die Zusammenstellung der nachstehend aufgeführten Präparate zur naturheilkundlichen Prävention und Therapie der Fibromyalgie ist als Anregung zu verstehen und stellt kein aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept dar. Bei der individuellen Auswahl der Präparate für den Pat. sind ggf. vorhandene Kontraindikationen zu berücksichtigen (s. Beipackzettel des jeweiligen Herstellers).
Indikationen, Zusammensetzung, Dosierungs- und Anwendungsempfehlungen Tab. A–Z.

THERAPIEEMPFEHLUNGEN

  • Fibromyalgie:Therapieempfehlungen Coenzym Q10 Coenzym Q10 active:Indikationactive/Ubiquinol Ubiquinol NutriGellets®:IndikationNutriGellets® (Biogena)

  • Griffonia:IndikationGriffonia (Biogena)

  • SAMe 200SAMe 200:Indikationen (Biogena)

  • EPA EPA 500:Indikation500 (Biogena)

  • Limptar® N Limptar® N:Indikation(Klosterfrau)

  • Traumaplant Traumaplant Salbe:IndikationSalbe (Klosterfrau)

  • Jarsin® 300 mg Jarsin® 300<2009>mg Dragees:IndikationDragees (Klosterfrau)

  • Doloteffin®:IndikationDoloteffin® (Ardeypharm)

  • Passidon®Passidon®:Indikationen (Ardeypharm)

  • Ardeysedon®/Ardeysedon® NachtArdeysedon® Nacht:IndikationenArdeysedon®:Indikationen (Ardeypharm)

  • GNAPHALIUM-Injektopas® SL (PASCOE)GNAPHALIUM-Injektopas® SL:Indikation

  • DOLO-Injektopas® P (PASCOE)DOLO-Injektopas® P:Indikation

  • NEURAPAS® balance (PASCOE)NEURAPAS® balanIndikation

  • PASCORBIN® 7,5 g (PASCOE)PASCORBIN® 7,5<2009>g:Indikationen

Komplementäre Mikronährstoff-Therapie
  • Energiehaushalt unterstützen:

    Mikronährstoff-Therapie, komplementäre:FibromyalgieFibromyalgie:Mikronährstoff-Therapie, komplementäreCoenzym Q10 Coenzym Q10spielt eine Schlüsselrolle bei der zellulären Energieproduktion und ist ein zentrales Antioxidans in den Zellen. Bei der Energiegewinnung liefert Coenzym Q10 die Elektronen, die in der mitochondrialen Atmungskette für die ATP-Synthese benötigt werden.

  • Stimmungsaufhellende undStimmungsaufhellung schlaffördernde SchlafförderungMikronährstoffe:

    5-Hydroxytryptophan (5-5-HydroxytryptophanHTP) ist eine Zwischenstufe bei der endogenen Umwandlung von Tryptophan zu Serotonin. Der Serotonin-Spiegel steht in engem Zusammenhang mit psychischen Veränderungen (depressive Verstimmungen, Angst- und Panikzustände, Aggression). Er beeinflusst direkt den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Appetitkontrolle und das Schmerzempfinden. Durch Gabe von 5-HTP wird über eine Erhöhung der Verfügbarkeit von Serotonin im synaptischen Spalt eine antidepressive Wirkung erzielt.Auch die B-Vit. Niacin, Vit. B1 und B6 sind für den erfolgreichen Ablauf der Serotoninsynthese unabdingbar.S-Adenosylmethionin (S-Adenosylmethionin (SAM)kurz: SAM, engl. SAMe) ist an der Synthese wichtiger Faktoren des Hirnstoffwechsels – wie Neurotransmitter und Phospholipide – beteiligt.Omega-3-Fettsäuren haben durch Aktivierung serotonerger Neurotransmitter im Hippokampus und Kortex antidepressive Effekte. Therapeutisch kommt insb. der Eicosapentaensäure (EPA) beiEicosapentaensäure der nutritiven Behandlung von fibromyalgieassoziierten Depressionen, depressiven Beschwerden und Verstimmungen eine bedeutende Rolle zu.

  • Chininsulfat gegen Muskelkrämpfe und -schmerzen:

    Chinin, ein natürlicher Inhaltstoff des südamerikanischen Baums Cinchona pubescens, hat ausgeprägte schmerz- und krampflösende Eigenschaften. Der Naturstoff hat sich in Form von Chininsulfat in Chininsulfatder Behandlung der Fibromyalgie durchgesetzt. Dies erklärt sich durch mehrere, einander sinnvoll ergänzende Wirkmechanismen: Chinin hemmt an der peripheren Muskulatur die Reizübertragung durch Acetylcholin. Dies führt unmittelbar zu einer Reduktion schmerzhafter Muskelkrämpfe und -verspannungen. Chinin wirkt im Gegensatz zu vielen anderen Muskelrelaxanzien nicht zentral und macht somit auch nicht müde.

INFO

Für Chininsulfat wurden Effekte nachgewiesen, wie sie für antientzündliche Arzneistoffe bekannt sind. Ähnlich wie die klassischen Schmerzmittel hemmt es die Freisetzung des Schmerz- und Entzündungsmediators Prostaglandin (PGEZ) an neuronalen Zellen.

In einer aktuellen pharmakologischen Studie wurde zudem nachgewiesen, dass Chininsulfat mit GabapentinGabapentin um denselben Rezeptor konkurriert. Somit könnte die Substanz über einen ähnlichen schmerzlindernden Mechanismus verfügen wie Gabapentin – ein Wirkstoff, der wegen seines Effekts auf den Neurotransmitter Glutaminsäure bei Fibromyalgiebeschwerden zum Einsatz kommt.

Die Wirksamkeit von Chinin bei der Behandlung von Muskelkrämpfen und -schmerzen wurde in sechs placebokontrollierten Doppelblindstudien nachgewiesen. In der jüngsten Untersuchung wurde die Wirksamkeit von Limptar® Limptar® NN (Tagesdosis: 400 mg Chininsulfat) an 98 Pat. untersucht. Dabei zeigten sich im Vergleich zu Placebo ausgeprägte krampflösende und schmerzlindernde Effekte bei sehr guter Verträglichkeit. Diese Studienergebnisse decken sich mit Beobachtungen einer aktuellen Anwendungsstudie an 105 Pat. mit Fibromyalgie, die über 5 Wo. tgl. jeweils 200 mg Chininsulfat erhielten (Prüfpräparat: Limptar® N).

Erneut zeigte sich eine sehr gute Wirksamkeit bei Muskelkrämpfen und begleitenden Myalgien. Auch die typischen, mit Wadenkrämpfen einhergehenden Schlafstörungen wurden signifikant verringert bei erneut ausgezeichneter Verträglichkeit. 86,6 % der Ärzte und 84,5 % der Pat. beurteilten die Wirksamkeit als gut bis sehr gut.

  • Johanniskraut gegen depressive Verstimmungen:

    Depressive Verstimmungen sind beim Fibromyalgie-Syndrom nicht nur eine typische Begleiterscheinung, sondern eines der Kernsymptome des Teufelskreises aus Schmerz, Schlafstörungen mit Erschöpfung, depressiver Stimmungslage infolge des Überforderungsgefühls und daraus resultierendem verstärktem Schmerzempfinden. Die Therapie der Fibromyalgie sollte daher sowohl bei der Schmerzsymptomatik als auch bei der Stimmungslage angreifen. Dies sehen auch die offiziellen Behandlungsleitlinien vor.Die Naturheilkunde kennt Johanniskraut-JohanniskrautExtrakt als sehr gut verträgliche und wirksame Option zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Depressionen – mithin also des Schweregrads depressiver Verstimmungen, denen man beim Fibromyalgie-Syndrom begegnet. Seine Wirksamkeit bei gleichzeitig sehr guter Verträglichkeit ist durch eine Vielzahl klin. Studien belegt; Effekte und Anwendungssicherheit wurden in Anwendungsbeobachtungen an weit über 10.000 Pat. bestätigt.Johanniskrautpräparate werden in verschiedenen Formulierungen und Dosisschemata angeboten. Empfehlenswert ist die Wahl eines Präparats, für das eigene Wirksamkeitsnachweise vorliegen. Eine große Zahl der Studien wurde mit dem Extrakt LI 160 LI 160durchgeführt, dessen Wirksamkeit auch in den regelmäßig publizierten Metaanalysen zu den Effekten von Johanniskraut bescheinigt ist. Im direkten Vergleich zeigte sich LI 160 stets besser verträglich als synthetische Antidepressiva.

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