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B978-3-437-56323-2.00006-1

10.1016/B978-3-437-56323-2.00006-1

978-3-437-56323-2

Musterbefund: Parodontitis:Musterbefund ErregerParodontitis-Erreger

[V573]

Befund: EBV-Serologie einschl. EBV-Infektionen:SerologieAvidität

[V573]

Labordiagnostische Methoden zum Nachweis einer Borreliose:DiagnostikBorreliose

Die serologischen Testverfahren (ELISA:BorrelioseELISA und Westernblot:BorrelioseWesternblot) beruhen auf dem Nachweis borrelienspezifischer Ak, die von B-Lymphozyten gebildet werden.

Die immunologischen Funktionstests LTT, T-cellspot® Borrelien und T-cellspot® Borrelien Plus erfassen die Reaktion spezifischer T-Lymphozyten auf den Kontakt mit Borrelien-Antigen hin und dienen der Frühdiagnostik und Therapiekontrolle.

Weitere Untersuchungsmethoden dienen der Diagnostik einer chron. Borreliose (CD57), der Feststellung einer genetischen Prädisposition zur Ausbildung einer Lyme-Borreliose (shared epitope) sowie dem direkten Erregernachweis (PCR).

[V574]

Befund: T-cellspot® Borrelien

[V573]

Der T-T-cellspot®:Borreliencellspot®

[V573]

Befund: Vaginalinfektionen:Befund(interpretation)Vaginalstatus

[V573]

Intestinale mykologische Candidose, intestinale:BesiedelungBesiedelungen

a. Physiologische Mikroflora:intestinaleMikroflora: Intakte Kolonisationsresistenz bei stabilen mikroökologischen Verhältnissen. Vermehrung und Wachstum von Hefen weitgehend ausgeschlossen, transienter Nachweis von Hefen aber möglich.

b. Kommensale Mykoflora:kommensaleMykoflora: Kolonisationslücken begünstigen die Vermehrung und das Wachstum von Candida-Sprosszellen (nicht pathologischer Phänotyp). Immunreaktionen sind durch intensivierten Antigenkontakt möglich.

c. Pathogene Mykoflora:pathogeneMykoflora: Die Hefen konnten sich etablieren. Adhärenz und Ausbildung von Hyphen. Durch Enzymaktivitäten invasives Wachstum bzw. Infektion möglich. Immunreaktion nachweisbar.

[V574]

Die gestörte TH1/TH2-TH1/TH2-Balance, gestörteBalance und ihre Folgen

T-Helferzellen (TH) gehören zu den immunaktivierenden lymphozytären Zellgruppen. TH1- und TH2-Zellen entwickeln sich zwar aus den gleichen Vorläuferzellen, haben aber unterschiedliche, z. T. sogar gegensätzliche Funktionen und sezernieren dementsprechend verschiedene Zytokine.

[V574]

Befund T-cellspot® Candidose, intestinale:T-cellspot®CandidaT-cellspot®:Candida

[V573]

Das Etherische Öle:AromatogrammAromatogramm (AgardiffusionstestAgardiffusionstest)

Durchführung des Agardiffusionstests zur Überprüfung der mikrobiellen Wirksamkeit von Pfefferminz-, Zitronen- sowie Thymian-Öl auf den Keim E. coli..

1 Hemmhof-Ø 32 mm: starke bakterizide Wirkung [+++]

2. Hemmhof-Ø 8 mm: schwache bakterizide Wirkung [+]

3. Kein Hemmhof sichtbar: keine bakterizide Wirkung [−]

[V573]

Befund: Aromatogramm:Befund(interpretation)Aromatogramm

[V573]

Sichere Diagnostik des EBV-Infektionen:Infektionsstatus, BestimmungInfektionsstatus

Tab. 6.1
Infektionsstatus Anti-VCA (IgG) Anti-VCA (IgM) Anti-EBNSA-1 (IgG) Anti-VCA p22 (IgG) Anti-EA-D (IgG)
Negativ
Frische Infektion + + +
Abgelaufene Infektion + + +
Reaktivierung + +/− + + +

EBV-Relativer Aviditätsindex (RAI)EBV-Infektionen:AntikörperbildungAviditätAntikörper

Tab. 6.2
Anti-EBV-CA IgM/IgG (CA = Capsid, Hülle)
Ak, die sich gegen den Eiweißmantel des Virus, das EBV-Capsid-Antigen, bilden
  • CA-Ak der Klasse IgM: werden früh im Verlauf der Infektion und teilweise auch bei Reaktivierung gebildet

  • CA-Ak der Klasse IgG: werden dagegen in niedrig avide und hoch avide Ak differenziert

Anti-EBV-EA-IgG (EA = Early-Antigen, Frühantikörper)
IgG-Ak, die sich gegen das Frühantigen richten, ein regulatorisches Protein, das vor der DNA-Replikation von EBV gebildet wird Marker für frische Infektion (Prävalenz: 72 %) bzw. Reaktivierung (Prävalenz: 65 %)
EBNA-1-IgG (EBNA = EBV-Nuclear-Antigen, EVB-Zellkern-Antigen)
IgG-Ak, die sich gegen Strukturen des Virus-Zellkerns richten Charakteristischer Spätmarker der Infektion, der bei einer überwundenen Infektion, aber auch bei einer Reaktivierung nachweisbar ist.
Abgelaufene Infektion: Prävalenz 99 %
Reaktivierung: Prävalenz 92 %
In einigen Fällen nicht nachweisbar (sog. Anti-EBNA-1-Verlust)
Relativer Aviditätsindex (RAI)
Der Begriff Avidität beschreibt die Bindungskraft der Ak. Im Laufe der Infektion nehmen die Passgenauigkeit und damit die Bindungskraft der Ak-Bindungsstellen permanent zu.
  • Niedrig avide IgG-Ak: RAI < 40 = frische Infektion

  • Hoch avide IgG-Ak > 60 = abgelaufene Infektion oder Reaktivierung (Abb. 6.2)

  • RAI 40–60 = Graubereich

VCA p22 Charakteristische Spätmarker der Infektion

Antibiotische Therapie bei Neuroborreliose:TherapieErythema migrans:TherapieBorreliose:AntibioseArthritis (chronische), TherapieBorreliose

Tab. 6.3
Erythema migrans
Medikamente Amoxicillin Doxycyclin Penicillin V Cefuroxim Azithromycin
Applikationsform oral oral oral oral oral
Dosierung pro Tag (mg) 3 × 500
(oder 2 × 1.000)
2 × 100
(oder 1 × 200)
3 × 1.000 2 × 500 2 × 500 für 1 Tag, danach 1 × 500 für 4 Tage
Therapiedauer (Tage) 10–21 10–21 10–21 10–21 5
Neuroborreliose
Medikamente Amoxicillin Doxycyclin Ceftriaxon Cefotaxim Penicillin G
Applikationsform oral oral i. v. i. v. i. v.
Dosierung pro Tag (mg) 3 × 500–1.000 2 × 100–200 1 × 2.000 3 × 2.000 3 × 3.000
Therapiedauer (Tage) 14–30 10–30 14–30 10–30 10–30
Chronische Arthritis
Medikamente Amoxicillin Doxycyclin Ceftriaxon Cefotaxim
Applikationsform oral oral i. v. i. v.
Dosierung pro Tag (mg) 3 × 500–1.000 2 × 100 1 × 2.000 3 × 2.000
Therapiedauer (Tage) 14–30 14–30 14–21 14–21

Infektionen

Parodontitis

Definition

Bei der Parodontitis handelt es sich um eine primär bakteriell verursachte Entzündung des Zahnhalteapparats, die aber auch durch eine genetische Prädisposition des Pat. begünstigt werden kann. In diesem Zusammenhang wurden in den letzten Jahren mehrere Sequenzvariationen identifiziert, u. a. in Genen des proinflammatorischen Zytokins Interleukin-1 (IL-1) oder im Gen eines Subtypen des Histokompatibilitätsantigens (HLA-DR4). Schätzungen zufolge leiden 80 % der erw. Weltbevölkerung und über 20 % der Erw. in Industrieländern an einer Parodontitis.Infektionen:Parodontitis

Ursachen

Hauptursache der Parodontitis:pathogene BakterienParodontitis sind bakt. Biofilme, also komplexe Ansammlungen verschiedenster Bakterienarten, die in symbiotischer Abhängigkeit in einer extrazellulären Matrix aus Eiweißen und Kohlenhydraten leben. In der Dentalmedizin werden diese Biofilme als „Plaque“ bezeichnet.
Bei den immunologischen Prozessen spielen MatrixmetalloproteinasenMatrixmetalloproteinasen (MMP, auch Metallopeptidasen) eine wichtige Rolle. Dabei handelt es sich Metalloproteinasenum Enzyme, die die Peptidbindungen eines Proteins spalten können. Das Metall-Ion Zink ist an zum Enzym gehörende Aminosäuren-Seitenreste gebunden.
Eine der Untergruppen, MMP-MMP-88, wird von polymorphkernigen Leukozyten während der frühen Phase einer parodontalen Entzündung freigesetzt. Als Abwehrreaktion gegen eine Erregerinvasion baut sie fibrilläre Kollagenstrukturen des Zahnhalteapparats ab.

GUT ZU WISSEN

Die Aktivierung von MMP-8 kann sich auf andere Organe ausdehnen. Neuere Studien belegen, dass eine erhöhte MMP-8-Freisetzung infolge einer parodontalen Entzündung eine Verschlechterung bestehender Systemerkr. (z. B. Diabetes, Bluthochdruck, rheumatische Erkr.) nach sich zieht. Sie ist zudem mit einem erhöhten Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko assoziiert und kann in der Schwangerschaft die Frühgeburts- sowie Fehlgeburtsrate steigern.

Zu den parodontopathogenen Parodontitis:pathogene BakterienBakterien zählen v. a. Aggregatibacter (früher: Actinobacillus) actinomycetemcomitans, Tannerella forsythia (früher: Bacteroides forsythus) und Porphyromonas gingivalis, wobei insb. letzterer in der Pathogenese der mit Parodontitis in Zusammenhang gebrachten systemischen Erkr. eine Rolle spielt. Zu den als potenziell bzw. geringer parodontopathogen eingestuften Arten gehören u. a. Treponema denticola, Prevotella intermedia, Peptostreptococcus micros, Campylobacter rectus und Eubacterium nodatum.

Symptomatik

Zahnfleischbluten ist ein erstes Indiz für ein Ungleichgewicht zwischen der bakt. Besiedlung des Zahnfleischs und der Immunabwehr des Parodontitis:SymptomeOrganismus. Der meist chron. Verlauf einer Parodontitis beginnt mit der Wanderung einzelner Bakterien durch das Epithel am Zahnfleischsaum in subgingivale Bereiche. Durch bakt. Toxine und körpereigene Immunzellen können hierbei Entzündungsreaktionen ausgelöst werden, die einen Abbau des Stütz- und Knochengewebes und damit eine Vergrößerung der Zahntaschen hervorrufen. Dieses erleichtert wiederum das weitere Eindringen von Bakterien und die Ausbildung von Biofilmen.
Unbehandelt führt die Parodontitis also zu fortschreitendem Knochenabbau und letztendlich Zahnverlust. Doch auch systemische Erkr. werden mit der Parodontitis in Zusammenhang gebracht, da der parodontale Gewebeabbau ein Eindringen oraler Bakterien in die Blutbahn erleichtert. So können v. a. Diabetes und Atherosklerose, Rheuma, aber auch Atemwegsinfektionen durch eine chron. Parodontitis begünstigt oder hervorgerufen werden. Eine rechtzeitige Diagnostik verringert das Risiko möglicher Folgeschäden.

Diagnostik

Bakterieller Biofilm
Zum Nachweis von Parodontitiserregern kann mithilfe einer molekularbiologischen und somit hoch sensiblen, präzisen und schnellen Methode der Nachweis von fünf Bakterienarten durchgeführt Parodontitis:Erregernachweis (bakt. Biofilm)Bakterieller Biofilmwerden. Diese können je nach Wunsch als lokalisierte Diagnostik aus bis zu vier verschiedenen Zahntaschen oder als generalisierte Diagnostik mehrerer Abstrichstellen analysiert werden.
Präanalytik
Probenmaterial:
Testset (Papierspitzen) mit Anleitung
  • Supragingivale Plaque mit einer sterilen Kürette entfernen und den Entnahmeort durch sterile Wattetampons trockenlegen.

  • Die Proben mithilfe der 5 Papierspitzen aus verschiedenen Parodontaltaschen entnehmen, indem die Papierspitze bis zum Grund der Zahnfleischtasche eingeführt und dort ca. 10 Sek. belassen wird.

  • Die mit subgingivaler Plaque und Sulkusfluid beladenen Papierspitzen entweder gemeinsam in ein Transportröhrchen (gepoolte Analyse) oder in je 5 verschiedene Transportröhrchen (Einzelanalyse je Zahntasche) geben.

  • Transportröhrchen mit dem ausgefüllten Anforderungsbogen (inkl. Unterschrift des Pat.) in die Versandtasche geben.

Besonderheiten:
  • Dieser molekularbiologische Test ist erst bei einer Parodontitis mit Taschentiefen > 4 mm sinnvoll.

  • Bei Mitbestimmung der genetischen Prädisposition: Dazu ist die Einwilligungserklärung des Pat. zur Durchführung von humangenetischen Analysen nötig.

Lagerung & Transport:
  • Lagerung bei RT

  • Versand im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich

Befundinterpretation
Der positive Nachweis verschiedener Bakterienarten ermöglicht konkrete Empfehlungen hinsichtlich der Wirkstoffwahl sowie einer lokalen oder systemischen Therapie und eine sensible Verlaufsdiagnostik zur Überwachung des Therapieerfolgs.
Eine antibiotische Therapie muss aufgrund der strukturell bedingten Antibiotikaresistenz von Biofilmen stets mit einer mechanischen oder chirurgischen Behandlung kombiniert und aufgrund der häufigen Rezidive verlaufsdiagnostisch beobachtet werden.
Im DNA-Sondentest zeigten sich Hinweise auf folgende parodontogene Markerkeime mit hoher Pathogenität (Abb. 6.1):
  • Porphyromonas gingivalis

  • Prevotella intermedia

  • Tannerella forsythia

  • Treponema denticola

Nachweisbare Konzentrationen dieser Keime stellen i. d. R. ein behandlungsbedürftiges Ergebnis dar. Die infektiöse Genese der Parodontitis gilt heute als gesichert. Mit fortschreitender Parodontitis verschiebt sich das Keimspektrum des Sulkus von aeroben, grampositiven Kokken (sog. „benefizielle Flora“) hin zu anaeroben, gramnegativen Stäbchen.
Die parodontopathogenen Risikokeime produzieren Exotoxine, die für das Fortschreiten der Entzündung und den Stützgewebeverlust verantwortlich sind. In verschiedenen klin. Studien wurde gezeigt, dass die Taschentiefe in unmittelbarem Zusammenhang mit der Anwesenheit parodontopathogener Keime im Sulkus steht. Es kann trotz sorgfältiger Behandlung zu fortschreitendem Attachmentverlust und Knochenabbau kommen. In diesen Fällen kann eine einmalige antimikrobielle Begleittherapie effizienter und nebenwirkungsärmer sein.
MMP-8: Biomarker für parodontale Erkrankungen
Die Bestimmung von MMP-MMP-8:Bestimmung im Speichel8 im Speichel stellt eine nichtinvasive, aber aussagekräftige Untersuchung dar, die akute Abbauprozesse des Zahnfleischs sehr frühzeitig in einem noch reversiblen Stadium detektieren kann. Da eine Erhöhung bereits vor dem Auftreten von klin. Symptomen nachweisbar ist, eignet sich die Analyse besonders gut zur Prävention. Darüber hinaus ermöglicht die Bestimmung von MMP-8 auch eine präzise Überwachung der Parodontitis-Parodontitis:MMP-8-BestimmungTherapie.
Indikationen zur Bestimmung von MMP-8:
  • Prophylaxe zur Früherkennung einer Parodontitis

  • Prophylaxe in der Schwangerschaft

  • Überwachung bei Pat. mit Risikofaktoren (Diab., Bluthochdruck)

  • Verlaufskontrolle nach Behandlung

  • Status vor geplanter Zahnimplantation sowie Nachsorge

  • Kontrolle nach kieferorthopädischen Eingriffen

Präanalytik
Probenmaterial:
  • Testset (Speichelgefäß)

  • Probengefäß bis zur Hälfte mit Speichel füllen (Schaum nicht mitgemessen).

Besonderheiten:
Am Tag der Probengewinnung:
  • Kein Mundwasser/keine Mundspülung verwenden.

  • Speichel nicht mit Blut vermischen (z. B. durch Zahnfleischbluten); Irritationen des Zahnfleischs durch vorheriges Zähneputzen vermeiden.

  • Vorher den Mund mit klarem Wasser spülen.

  • Vorher weder essen noch trinken.

Lagerung & Transport:
  • Lagerung bis zum Transport im Kühlschrank (2–8 °C)

  • Versand im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich

Befundinterpretation
In geringen Mengen ist MMP-8 auch bei Gesunden im Speichel nachweisbar, bei manifest Erkrankten zeigen sich hingegen erhöhte Werte. Parodontitis:MMP-8-Bestimmung
Werte (ng/ml)Interpretation
< 200negativ:MMP-8 ist im Speichel in physiologischen Konz. nachweisbar. Es besteht zurzeit kein erhöhtes Risiko für Erkr. des Zahnfleischs und Zahnhalteapparats.
201–250grenzwertig:MMP-8-Konz. liegt im Grenzbereich. Das Risiko für Erkr. des Zahnfleischs und Zahnhalteapparats ist leicht erhöht. Regelmäßige Kontrollen durch den Zahnarzt sowie gründliche Zahn- und Mundpflege sind empfehlenswert.
> 251positiv:MMP-8 ist im Speichel in deutlich erhöhten Konz. nachweisbar. Es besteht das Risiko für Erkr. des Zahnfleischs und Zahnhalteapparats. Die erhöhten Konz. können auch auf eine manifeste Erkr. hinweisen. Eine umgehende Kontrolle durch den Zahnarzt sowie eine gründliche Zahn- und Mundpflege sind empfehlenswert.

Medikation/Therapie

Eine antibiotische Therapie ist in vielen Fällen i. S. einer Primärtherapie unverzichtbar und muss aufgrund der strukturell bedingten Antibiotikaresistenz von Biofilmen stets mit einer mechanischen oder chirurgischen Behandlung kombiniert werden. Aufgrund der häufigen Rezidive ist eine konsequente verlaufsdiagnostische Beobachtung obligatorisch.
Die Zusammenstellung der nachstehend aufgeführten Präparate zur naturheilkundlichen Prävention und komplementären Therapie der Parodontitis ist als Anregung zu verstehen und stellt kein aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept dar. Bei der individuellen Auswahl der Präparate für den Pat. sind ggf. vorhandene Kontraindikationen zu berücksichtigen (s. Beipackzettel des jeweiligen Herstellers).
Indikationen, Zusammensetzung, Dosierungs- und Anwendungsempfehlungen s. AnhangTab. A–Z.

THERAPIEEMPFEHLUNGEN

  • Parodontitis:TherapieempfehlungenColibiogen® (Laves)Colibiogen®:Indikation

  • Synerga®Synerga®:Indikationen (Laves)

  • mucozink®mucozink®:Indikationen (nutrimmun)

  • PASCORBIN® 7,5 gPASCORBIN® 7,5<2009>g:Indikationen (PASCOE)

  • nutriDENT® Q10 Dentalspray nutriDENT® Q10 Dentalspray Ubiquinol:IndikationUbiquinol (Biogena)

  • nutriDENT® nutriDENT® ParoPro®:IndikationParoPro® (Biogena)

Komplementäre Mikronährstoff-Therapie
Entzündliche Vorgänge im Zahnfleischgewebe gehen mit einer erhöhten Radikalbildung einher. In klin. Studien konnte eine starke Abnahme der antioxidativen Kapazität in dem von Gingivitis betroffenen Gewebe festgestellt werden. Durch den verminderten antioxidativen Schutz kann das Zahnfleischgewebe nachhaltig geschädigt werden. Auch die Mikrozirkulation wird unterbrochen, da das Kapillarsystem beeinträchtigt wird. Das betroffene Gewebe kann sich nicht mehr regenerieren, was das Entstehen von Taschen begünstigt.
Parodontitis:Mikronährstoff-Therapie, komplementäreMikronährstoff-Therapie, komplementäre:ParodontopathienAntioxidanzien Antioxidanzien:bei Parodontopathienzuführen – Entzündung reduzieren:
  • Coenzym Q10 Coenzym Q10:bei Parodontopathienunterstützt den Rückgang des Entzündungsgrads bei Parodontitis, vermindert die Blutungsneigung und fördert ein festeres Zahnfleisch sowie eine geringere Neigung zur Plaquebildung. Bei Gingivitis und Parodontitis auftretende entzündliche Reaktionen (bedingt durch bakt. Befall) bewirken ein vermehrtes Auftreten freier Radikale. Um unkontrollierte Reaktionen und Schädigungen der gesunden Gewebszellen zu verhindern, greifen endogene antioxidative Schutzsysteme ein. Bei diesen Reaktionen wird Coenzym Q10 vermehrt verbraucht. Kann die körpereigene Synthese den gesteigerten Bedarf nicht decken, sinkt die Konzentration von Coenzym Q10 in den Zellen. Neben vermehrten oxidativen Schäden durch freie Radikale kommt es zu einer energetischen Verarmung des Gewebes. Bei Personen mit periodontalen Erkr. sind ein Coenzym-Q10-Defizit von 23–63 % im befallenen gingivalen Gewebe und um 20–66 % erniedrigte Q10-Werte im Blutplasma feststellbar. Da die Bakterien der gesunden Mundflora für ihren Stoffwechsel Coenzym Q10 benötigen, die krankheitserregenden Bakterien dagegen nicht, geht dies mit einer Stärkung der natürlichen Mundflora und einem Zurückdrängen der pathogenen Keime einher.

  • Alpha-Liponsäure, reduziertes Glutathion, Zink und Selen sind weitere antioxidativ wirksame Mikronährstoffe, die im Zusammenhang mit parodontalen Erkr. mit Entzündungsgeschehen empfohlen sowie präventiv in der Peri-Implantatphase unterstützend eingesetzt werden können.

Bakterien bekämpfen:
Bei entzündlichen Zahnfleischerkr. spielen pathogene Bakterien, die sich über Adhäsionsvorgänge auf Zähnen und im gingivalen Gewebe festsetzen, eine zentrale Rolle. Die Adhäsion verschiedener Bakterienstämme und die anschließende Invasion führen zu entzündlichen Reaktionen im Zahnfleischgewebe. Cranberry-CranberryProanthocyanidine (A-Typ PAC) reduzieren die Adhäsionsfähigkeit der Bakterien auf gingivalem Gewebe. Außerdem wurden systemische antiinflammatorische Effekte von Cranberry-Inhaltsstoffen bei parodontalen Erkr. nachgewiesen. Cranberry kann die Bildung von proinflammatorischen Zytokinen und Chemokinen sowie die lokale Ausschüttung proteolytischer Enzyme unterdrücken und dadurch die Zerstörung des parodontalen Gewebes verlangsamen.

Epstein-Barr-Virus-Infektionen

Definition

Das Epstein-Barr-Virus (EBV)EBV-InfektionenInfektionen:EBV Epstein-Barr-Virus (EBV)ist der Erreger der infektiösen Mononukleose (Mononukleose, infektiöse\t \"Siehe EBV-InfektionenSyn. Pfeiffer-Drüsenfieber, Pfeiffer-Drüsenfieber\t \"Siehe EBV-InfektionenStudentenkrankheit, Studentenkrankheit\t \"Siehe EBV-InfektionenKissing-Disease).Kissing-Disease\t \"Siehe EBV-Infektionen
Es gehört zur Gruppe der Herpesviren, deren herausragendes Merkmal ihre Fähigkeit ist, nach der Primärinfektion im Wirtsorganismus in latenter Form lebenslang zu persistieren und nach Sekundärreaktivierung rekurrierende Infektionen hervorzurufen. Im Gegensatz zu den neurotropen Herpesviren überlebt EBV in den B-Lymphozyten des Wirts (neurotrope vs. lymphomonozytäre Viren). Die Latenz ist hier allerdings nicht i. S. einer „stillen Integration“ im Wirt zu verstehen, sondern Ausdruck eines Gleichgewichts zwischen Virusreplikation in den Lymphozyten und der T-Zell-gesteuerten zytotoxischen Abwehrleistung.
Eine EBV-Infektion steht mit der Pathogenese des Burkitt-Lymphoms und des Nasopharynx-Ca sowie mit dem Auftreten von Lymphomen bei HIV-Infektion oder nach Organtransplantationen in Zusammenhang. Die Pathogenese ist dabei nicht abschließend geklärt. Diskutiert wird eine Zelltransformation durch EBV oder durch die Einwirkung von Zytokinen wie IL-6 bei prädisponierten (immunsupprimierten) Pat. Aktuelle Erkenntnisse lassen auch Zusammenhänge zwischen Magen-Ca und EBV erkennen. So finden sich bei 10 % der Magen-Ca-Pat. EBV im Tumorgewebe.
Darüber hinaus besteht der Verdacht, dass EBV auch bei der Entstehung der multiplen Sklerose (MS) eine Rolle spielen könnte. Untersuchungen aus Lübeck haben gezeigt, dass MS-Patienten signifikant höhere EBV-Titer haben als Gesunde und bei einem Schub eine erhöhte virale Aktivität aufweisen.

Ursachen

Die Viren werden über Speichel übertragen, was die fast 100-prozentige Durchseuchungsrate erklärt. EBV-Infektionen:UrsachenIm Alter von 4 J. sind etwa 50 % der Kinder infiziert. Ab dem 20. Lj. liegt die Durchseuchungsrate bei 90 %, ab dem 50. Lj. bei 99 %. Deshalb gilt der Nachweis von EBV-Ak als Normalbefund.
EBV-Reaktivierungen sind stets Ausdruck einer supprimierten Immunlage. Erworbene immunologische Schwächen durch Umweltbelastungen, Disstress oder chron. Mikronährstoffdefizite haben in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen. Die individuellen Auswirkungen dieser Noxen lassen sich durch die zelluläre Immundiagnostik erkennen und abschätzen.
Von besonderem Interesse hinsichtlich viraler Infektionen sind die B-Lymphozyten sowie die NK-Zellen, denen eine primäre Rolle in der Abwehr von Viren zukommt. Ein Abfall des Relativanteils der B-Lymphozyten kann Immundefizite auf humoralem Niveau anzeigen, was beachtenswerterweise auch häufig bei Pat., die unter Disstress leiden, nachweisbar ist.

Symptomatik

Die infektiöse Mononukleose verläuft in der Kindheit gewöhnlich subklinisch und wird bei Heranwachsenden bzw. Erw. in 30–50 % der Fälle symptomatisch.
EBV-Infektionen:SymptomeNach einer Inkubationszeit von 8–21 Tagen entwickelt sich hohes Fieber, und es kommt zu allg. oder regionären Lymphknotenschwellungen, oftmals von einer ausgeprägten Angina begleitet. Eine Exanthembildung ist möglich. Im Sinne einer systemhaften reaktiven Hyperplasie des retikulohistiozytären Systems kommt es im weiteren Verlauf zu einer Milz- und Lebervergrößerung. Im Blutbild ist eine Leukozytose mit massenhaft lymphomonozytoiden Zellen nachweisbar. Exantheme und Enantheme können auftreten. Der Begriff „EBV-Hepatitis“ EBV-Hepatitisist auf eine interkurrente Leberbeteiligung mit Transaminasenerhöhung bzw. LDH-Anstieg zurückzuführen.
Die Infektion verläuft selbstlimitierend und dauert selten länger als 3 Wo. Allerdings sind postinfektiös länger anhaltende Erschöpfungszustände möglich. Komplikationen sind selten, jedoch besteht Rezidivneigung i. S. einer Reaktivierung. Nach erfolgter Immunisierung besteht ggü. einer akuten EBV-Infektion lebenslange Immunität.
Sekundärreaktivierungen treten vorzugsweise in immunsupprimierten Lebensphasen auf, da es i. R. einer passageren oder dauerhaften Immundefizienz zu einer verstärkten Replikation und zum Anstieg der Viruslast kommen kann. Eine Reaktivierung kann sich in Form unspez. Beschwerden äußern, wobei Müdigkeit und Leistungsschwäche im Vordergrund stehen. In diesem Zusammenhang spielen ausgeprägte Leistungseinbrüche durch EBV-Reaktivierungen auch bei Sportlern eine Rolle, da durch ungünstige Trainingsbedingungen immunologische Dysbalancen provoziert werden.
Während Reaktivierungen bei neurotropen Viren durch das charakteristische klin. Bild (z. B. Herpes-Effloreszenzen) relativ einfach zu diagnostizieren sind, führt die unspez. Symptomatik einer EBV-Reaktivierung bis heute zu Unsicherheiten. Die infektiöse Mononukleose kann klinisch leicht mit einer Zytomegalie, Toxoplasmose oder Hepatitis verwechselt werden.

Diagnostik

Ein Direktnachweis des Virus ist außerordentlich schwierig, weshalb dienen serologische Parameter routinemäßig zur Diagnosestellung dienen. EBV-Infektionen:SerologieDa die EBV-Infektion sowie deren immunologische Beantwortung in unterschiedlichen Phasen stattfindet und darüber hinaus das Immunsystem auf verschiedene EBV-Ag mit einer differenzierten Ak-Produktion reagiert, lassen sich Immunglobuline gegen drei verschiedene EBV-Ag detektieren. Diese sowie die Beurteilung ihrer Bindungsfähigkeit ermöglicht nicht nur eine Differenzierung zwischen einer akuten bzw. abgelaufenen EBV-Infektion, sondern lässt auch Aussagen über eine Reaktivierung zu (Tab. 6.1).
Mithilfe des neuartigen Immunfunktionstests T-cellspot® (Enzyme Linked Immunospot Assay) Enzyme Linked Immunospot Assay\t \"Siehe T-cellspot®kann die Freisetzung von Zellbotenstoffen (Zytokine) durch T-Zellen nach Kontakt mit EBV-Ag erfasst werden, wodurch die Diagnostik in der Frühphase der Infektion deutlich verbessert wird.
Serologie
Präanalytik
Probenmaterial: Serum
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Bei Lagerung über Nacht wird die Kühlung der Probe empfohlen (2–8 °C)
Versand im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich
Befundinterpretation
InAbb. 6.2 ist eine typische Konstellation für eine EBV-Reaktivierung dargestellt.
HintergrundDie Immunantwort auf eine EBV-Infektion findet in drei Phasen statt (Tab. 6.2):
  • 1.

    Das Immunsystem reagiert auf eine EBV-Infektion zunächst mit der Bildung von Ak der Klasse IgM und danach der Klasse IgG gegen Bestandteile des Eiweißmantels des Virus, das EBV-Capsid-Antigen (EBV-CA-Ag).

  • 2.

    Die sog. Early-Ak richten sich gegen in der infizierten Zelle gebildete Proteine, die vor der DNA-Replikation des Virus und zu Beginn der Infektion entstehen. Early-Ag sind weniger immunogen als Capsid-Ag, sodass die dagegen induzierten Ak die Primärinfektion später anzeigen. Reaktivierungen werden dagegen regelmäßig früh angezeigt.

  • 3.

    Im weiteren Verlauf der Erkr. werden Ak auch gegen andere Strukturen des Erregers gebildet.

GUT ZU WISSEN

Zwar werden EBV-Nuclear-Antigene (EBNA-1 bis -6) früher synthetisiert als z. B. EBV-CA-Ag oder -Early-Ag, doch werden sie dem Immunsystem erst nach Zerstörung der virusinfizierten B-Zellen präsentiert. Deshalb sind EBV-CA-und EBV-EA im zeitlichen Verlauf vor den EBNA-Ak detektierbar.

Avidität
Der Ausbruch der AIDS-Epidemie in den 1980er-Jahren führte zu einer sprunghaften Erweiterung und Verbesserung der labordiagnostischen Verfahren im Bereich der Infektionsserologie. EBV-Infektionen:AviditätsbestimmungHeute werden in Ergänzung der klassischen Serologie die qualitativen Unterschiede der Bindungskraft (Avidität) Aviditätvon IgG-Ak beurteilt: Niedrig avide Ak weisen eine verhältnismäßig geringe Bindungskraft auf.
Durch die Untersuchung der Avidität kann festgestellt werden, ob eine positive Reaktion im IgG von einer aktuellen Infektion herrührt oder ob eine sog. Serumnarbe durch eine abgelaufene Infektion vorliegt.
Präanalytik
Probenmaterial: Serum
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Bei Lagerung über Nacht wird die Kühlung der Probe empfohlen (2–8 °C)
Versand im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich
Befundinterpretation
Das Immunsystem reagiert auf eine Infektion zunächst mit der Bildung niedrig avider Ak. Mit fortschreitender Krankheitsdauer werden die Bindungsstellen der Ak immer passgenauer. Ak mit niedriger Avidität werden durch Ak mit hoher Avidität ersetzt (IndexTab. 6.2).
HintergrundDas Immunsystem kann bei Erstkontakt mit einem Infektionserreger zunächst einmal keine exakt passenden Ak bilden. Ein sehr kleiner Anteil der immunkompetenten Zellen weist aber durch „Zufall“ bereits eine sehr schwache Affinität zu den bisher unbekannten Erreger-Ag auf und wird durch sie angeregt, sich in den Lymphknoten der Region des Infektionsherdes bzw. der Erregereintrittspforte anzusiedeln und zu proliferieren.
Im Laufe der Infektion werden dann immer wieder diejenigen B-Lymphozyten bevorzugt zur Zellteilung stimuliert, deren spez. Determinanten den Ag des Erregers jeweils am genauesten entsprechen. Infolge dieses Reifungsprozesses bilden die Plasmazellen dem Erreger immer exakter angepasste Ak: Die anfangs niedrige Avidität des spez. IgG nimmt um mehrere Potenzen zu. Die Ak vom Typ IgM besitzen übrigens von Anfang an eine höhere Avidität als IgG. So gehört die Bestimmung der Avidität heute zum unverzichtbaren Bestandteil des diagnostischen Repertoires der modernen Infektionsserologie.

INFO

Während der lytischen Phase vermehrt sich das Virus und wird in großen Mengen freigesetzt. Insbesondere infizierte Epithelzellen der Rachenschleimhaut treten in die lytische Phase ein. Daher scheidet eine infizierte Person lebenslang infektiöse Viren mit dem Speichel aus. Die lytische Phase führt ebenfalls zur Expression bestimmter Ag (BMLF1, BZLF1), die von T-Zellen erkannt werden EBV-Infektionen:Phasenkönnen.

Während der latenten Phase überdauert das Virus in der infizierten Zelle. In dieser Phase ruht die in die Wirtszelle, hauptsächlich B-Lymphozyten, eingeschleuste Viren-DNA, und es werden nur wenige neue Viren gebildet. Dennoch kommt es zur Synthese virenspezifischer Proteine (z. B. EBNA1–6, LMP1–2), deren Fragmente an der Zelloberfläche den T-Zellen präsentiert werden.

T-cellspot EBV
Die EBV-Diagnostik kann durch den T-cellspot® EBV T-cellspot®:EBVergänzt werden. Er EBV-Infektionen:T-cellspot®kann sowohl die latente als auch die lytische Phase einer EBV-Infektion identifizieren, da eine Kombination aus Ag zum Einsatz kommt, die für die latente bzw. lytische Phase charakteristisch sind.

INFO

Testprinzip: T-cellspot®

T-cellspot®:TestprinzipDas Testprinzip beruht auf dem Nachweis einer antigenspezifischen Zytokinsekretion, die noch vor einer im LTT messbaren Proliferation einsetzt. Nach Stimulation mit einem Ag kann die Immunantwort spez. Lymphozyten akut vireninfizierter Pat. auf Einzelzellebene quantifiziert und somit eine einzelne reaktive Zelle nachgewiesen werden.
Die Vorteile des T-cellspot®-Verfahrens sind eindeutig:
  • 20- bis 200-fach sensitiver als ein ELISA-Test

  • 1 reaktive Zelle unter 100.000 Lymphozyten detektierbar

Präanalytik
Probenmaterial: 3 × Heparin-Blut
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Expressversand: Die Blutprobe sollte binnen 24 h im Labor eintreffen; bitte Probenabholung im Labor anfordern
Befundinterpretation
Werte < 4Kein Hinweis auf eine EBV-Inf.
Werte > 4Deuten auf eine spez. Antwort der Lymphozyten auf das eingesetzte Ag und somit auf eine aktive EBV-Infektion hin

Medikation/Therapie

Die Zusammenstellung der nachstehend aufgeführten Präparate zur naturheilkundlichen Prävention und Therapie von EBV-Infektionen ist als Anregung zu verstehen und stellt kein aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept dar. Bei der individuellen Auswahl der Präparate für den Pat. sind ggf. vorhandene Kontraindikationen zu berücksichtigen (s. Beipackzettel des jeweiligen Herstellers).
Indikationen, Zusammensetzung, Dosierungs- und Anwendungsempfehlungen s. AnhangTab. A–Z.

THERAPIEEMPFEHLUNGEN

  • EBV-Infektionen:Therapieempfehlungennutriglucan® (nutrimmun) nutriglucan®:Indikationen

  • mucozink®mucozink®:Indikationen (nutrimmun)

  • Antioxidans FormulaAntioxidans Formula:Indikationen (Biogena)

  • LYMPHDIARAL® Basistabletten (PASCOE)LYMPHDIARAL® Basistabletten:Indikation

  • LYMPHDIARAL® sensitiv Salbe N (PASCOE)LYMPHDIARAL® sensitiv Salbe N:Indikation

  • PASCORBIN® 7,5 gPASCORBIN® 7,5<2009>g:Indikationen (PASCOE)

  • ZinkcitratZinkcitrat:Indikationen (Biogena)

  • Ester Ester C®:IndikationC® (Biogena)

  • PhytoBiotika®PhytoBiotika®:Indikationen (Biogena)

Komplementäre Mikronährstoff-Therapie
Nach einer EBV-Infektion stehen die Unterstützung des Immunsystems und die antiinflammatorische Prophylaxe zur Vermeidung assoziierter Erkr. im Vordergrund der Mikronährstoff-Therapie.
  • Mikronährstoff-Therapie, komplementäre:EBV-InfektionenEBV-Infektionen:Mikronährstoff-Therapie, komplementäreImmunstimulation mit Biological Response Modifiers:Beta-Glukan aus Hefen, Reishi und Shiitake (Eigenschaften4.5)

  • Reduktion von oxidativem StressStress:oxidativer:Antioxidative Mikronährstoffe wie Vit. C und E, Selen, Coenzym Q10 sowie Pflanzenextrakte helfen, die erhöhte oxidative Belastung zu reduzieren.

Borreliose

Definition

Die Lyme-Borreliose wurde 1976 erstmals beschrieben, als in der US-amerikanischen Kleinstadt Lyme (Connecticut) zahlreiche Kinder nach einem Zeckenstich charakteristische Hautentzündungen sowie rheumatische Beschwerden zeigten. 1982 gelang es Willy Burgdorfer, den nach ihm benannten Erreger Borrelia burgdorferi aus dem Zeckendarm zu isolieren und im Serum betroffener Patienten Ak gegen diese Bakterien nachzuweisen.Infektionen:von Zecken übertragbare

INFO

Mit über 60.000 Neuerkr. pro Jahr ist die Lyme-Lyme-Borreliose\t \"Siehe BorrelioseBorreliose die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Deutschland.

Ursachen

Die nach ihrem Entdecker Amédée Borrel Borreliose:Ursachenbenannten großen, beweglichen, schraubenförmigen gramnegativen Bakterien gehören zur Familie der Spirochäten (SpirochätenSchraubenbakterien). UnterSchraubenbakterien dem Namen Borrelia burgdorferi sensu Borrelia burgdorferilato werden drei humanpathogene Spezies zusammengefasst: B. burgdorferi sensu stricto, B. afzelii und B. garinii. Während in Europa überwiegend die Spezies B. afzelii und B. garinii auftreten, die häufig mit Hautmanifestationen assoziiert sind, kommt B. burgdorferi sensu stricto v. a. in den USA vor.
Das hauptsächliche Reservoir für Borrelien stellen kleine Nagetiere dar. In Europa ist der weitverbreitete Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) der Hauptüberträger von Borrelien.
Die Borrelien leben im Darm der Zecke und werden von dort aus nach einer Saugdauer von ca. 8 h nach dem Stich auf den Menschen übertragen. Die Durchseuchungsrate der Zecken mit Borrelien beträgt inzwischen bis zu 35 %.
Koinfektionen
Da Zecken nicht nur mit Borrelien, sondern auch mit anderen Krankheitserregern infiziert sein können, treten Mischinfektionen vermutlich häufiger auf als bisher angenommen. Neben der Borreliose und derBorreliose:Koinfektionen FSME sind aktuell auch andere durch Zecken übertragbare Erkrankungen wie die humane granulozytäre Anaplasmose (HGA,6.5) und die humane Babesiose (6.6) vermehrt ins Zentrum des Interesses gerückt. Es handelt sich hierbei um sog. „emerging infectious diseases“ (neu aufgetretene Infektionskrankheiten), die aufgrund ihrer unspez. Symptomatik sowie in der Vergangenheit unzureichender Nachweisverfahren bisher nur selten diagnostiziert wurden.
Anaplasmosen und Babesiosen könnten auch eine Erklärung für die zahlreichen Fälle seronegativer Lyme-Borreliosen sein.

GUT ZU WISSEN

Anaplasmen und Borreliose

Durch eine gleichzeitige Infektion mit Borrelien und Anaplasmen wird die Ak-Reaktion moduliert. Eine Co-Infektion mit Anaplasmen verstärkt die Pathogenese der Lyme-Borreliose: Gemeinsam scheinen Anaplasmen und Borrelien die zelluläre Immunität zu unterdrücken, sodass sie sich weitgehend ungehemmt vermehren können. Mögliche Folge ist eine chronische oder schwere Verlaufsform der Lyme-Borreliose.

Babesien und Borreliose

Eine Co-Infektion mit Babesien und Borrelien scheint mit schwereren Verläufen der Lyme-Arthritis und einer höheren Erregerdichte assoziiert zu sein.
Borreliose:seronegative

Symptomatik

Die Borreliose kann einen sehr variablen Krankheitsverlauf zeigen und sich in zahlreichen Organen manifestieren. Auch Borreliose:Symptomedie Inkubationszeit erstreckt sich von wenigen Tagen bis hin zu mehr als 10 Jahren. Die Borreliose wird klassischerweise in drei Stadien unterteilt; sie kann in jedem Stadium erstmals symptomatisch werden, muss aber nicht zwangsläufig alle Stadien durchlaufen.
Die klin. Bilder der Lyme-Borreliose werden in Früh- und Spätmanifestationen unterteilt: Vom Frühsommer bis zum Herbst – entsprechend der Hauptaktivität der krankheitsübertragenden Zecken – werden v. a. Frühmanifestationen (Stadium I und II) beobachtet. Spätmanifestationen (Stadium III), die mehr als 10 J. nach dem Zeckenstich noch auftreten können, haben keine saisonale Prävalenz.
Stadium I
Die ersten klin. Symptome werden i. d. R. wenige Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich meist an der Haut sichtbar. Borreliose:StadienTypisch ist hierbei das Auftreten eines Erythema migrans. HäufigErythema migrans zeigen die Pat. uncharakteristische Allgemeinsymptome wie Lymphknotenschwellungen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber. Als weiteres, selteneres Symptom in diesem Stadium der Erkr. gilt eine rot-bläuliche Schwellung der Haut, die sog. Lymphadenosis cutis benigna, die Lymphadenosis cutis benignasich typischerweise an den Ohrläppchen zeigt.
Das Stadium I kann spontan ausheilen oder in eine generalisierte Borreliose der Stadien II bzw. III übergehen.
Stadium II
Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich können sich multiple Erythema-migrans-Läsionen zeigen. Bei Gelenkbeteiligung (Lyme-Arthritis) tritt Lyme-Arthritismeist eine Entzündung eines oder einiger weniger Gelenke (Mon- und Oligoarthritis) auf, wobei die Kniegelenke besonders häufig betroffen sind. Eine Beteiligung des Nervensystems verläuft in Form einer Meningitis und/oder Meningoradikulitis (Bannwarth-Syndrom) oder Bannwarth-Syndromeiner peripheren Neuropathie (Neuroborreliose). Eine Neuroborreliosekardiale Beteiligung ist selten: Hier können Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung (Myo-/Perikarditis) zu Herzrhythmusstörungen führen. Auch die Augen können betroffen sein (Uveitis, Papillitis).
Stadium III
Das Stadium III der Lyme-Borreliose tritt erst Monate bis Jahre nach einer Borrelien-Infektion auf. Neben der chronifizierten Gelenkbeteiligung sind hier Hauterscheinungen zu beobachten, die durch Blauverfärbung und Verdünnung der Haut an Händen und Füßen gekennzeichnet sind (Akrodermatitis chronica atrophicans).
Akrodermatitis chronica atrophicansDifferenzialdiagnostisch lassen sich Borreliose, Anaplasmose und Babesiose allerdings nur sehr schwer voneinander abgrenzen. In einer mitteldeutschen Studie wiesen 11,5 % der Borreliose-Pat. auch Ak gegen Babesien auf. Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen aus den USA haben zudem gezeigt, dass der Verlauf einer Lyme-Borreliose schwerer bzw. das Risiko einer chron. Borreliose höher ist, wenn eine zusätzliche Infektion mit Anaplasmen oder Babesien besteht (6.3.2).

Diagnostik

Die Diagnose einer Lyme-Borreliose Borreliose:Diagnostikresultiert aus Anamnese, klin. Befund und dem Nachweis von Antikörpern gegen Borrelien-Ag. Der klassischen serologischen Labordiagnostik kommt hierbei wesentliche Bedeutung zu (Abb. 6.3). Ein sicheres serologisches Testergebnis ist jedoch erst etwa 3–4 Wo. nach Infektion erhältlich.
Die Serologie kann und sollte durch den Einsatz molekularbiologischer Methoden und hoch spezifischer immunologischer Funktionsteste sinnvoll ergänzt und präzisiert werden. Da die spez. Immunantwort der T-Zellen früher einsetzt als die humorale Immunantwort, ist die antigenspezifische Proliferation der T-Zellen bereits etwa 14 Tage nach dem Zeckenstich mit dem LTT-Borrelien im peripheren Blut nachweisbar.
Serologie
Für die serologische Bestimmung der Borrelien-Ak fordern die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM), das RKI und die US-amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) eine Zweistufendiagnostik:
ELISA-Borreliose:SerologieTestDer hochsensitive ELISA-Test ELISA:BorrelioseBorreliose:Serologiewird bei der Borrelien-Diagnostik als sensitiver Suchtest eingesetzt, um IgM- und IgG-Ak, die nacheinander gebildet werden, nachzuweisen. Ein zuverlässiges serologisches Testergebnis ist erst etwa 3–4 Wo. nach Infektion erhältlich.
Besonders gut geeignet sind Testsysteme, die die Vorteile rekombinanter Antigene und Vollantigenextrakte in einem Antigengemisch vereinen. Hierbei sind native Vollextrakte der Borrelienstämme B. burgdorferi sensu stricto, B. garinii und B. afzelii mit dem rekombinanten Borrelien-Hauptantigen VlsE und einigen klassischen Hauptmarkern wie OspC kombiniert. Dies optimiert die IgG- und IgM-Serologie zu einer hochsensitiven und hochspezifischen Gesamtdiagnostik und ermöglicht einen Ak-Nachweis bereits in der frühen Phase der Infektion.
WesternblotIm Anschluss an einen positiven ELISA-Suchtest wird die Durchführung eines spez. Westernblots empfohlenBorreliose:Serologie, mit dem sicher zwischen borrelienspez. und -unspez. Reaktionen differenziert und somit ein positives Ergebnis aus dem ELISA-Test bestätigt werden kann. Der Westernblot enthält separierte Einzelantigene des nativen Borrelien-Vollextrakts und darüber hinaus einen Chip mit rekombinantem VlsE, das einen spez. Borrelien-Nachweis frühzeitig ermöglicht. Eine Studie des Max-von-Pettenkofer-Instituts (Referenzzentrum für Borrelien) zeigt, dass durch zusätzliche Bestimmung der Ak gegen VlsE die serologische Trefferquote ggü. Westernblots mit Vollextrakt um 20 % und ggü. Westernblots mit rekombinanten Ag ohne VlsE um 30 % gesteigert wird. Von allen untersuchten rekombinanten Ag besitzt VlsE die höchste Sensitivität für den Nachweis einer Borrelien-Infektion.

INFO

VlsE (Variable major protein-like sequence Variable major protein-like sequence Expressed (VlsE)Expressed) ist ein neu charakterisiertes Oberflächenprotein von Borrelia Borrelia burgdorferiburgdorferi, das eine Schlüsselrolle in der Überlebensstrategie der Borrelien spielt. Nach dem Eindringen in den Wirtsorganismus verändern die Borrelien ständig das auf der Oberfläche exprimierte VIsE und unterlaufen so die Erkennung durch das Immunsystem. Dieses genospeziesübergreifende Oberflächenprotein VlsE, das als Frühmarker in der IgM-Serologie und v. a. in der IgG-Serologie eingesetzt wird, erlaubt in über 85 % d. F. eine Diagnose der Borreliose.

Präanalytik
Probenmaterial: Serum
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Bei Lagerung über Nacht wird die Kühlung der Probe empfohlen (2–8 °C)
Versand im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich
Befundinterpretation
Normwerte RE/ml
Borrelien-IgG < 20,0
Borrelien-IgM < 20,0
Seronegative Lyme-Borreliosen mit entsprechender Symptomatik können durch eine Anaplasmose oder Babesiose erklärbar sein, da diese mithilfe der üblichen diagnostischen Verfahren nicht erfasst werden!
ELISA-Test
IgM- und IgG-Ak-Titer negativSerologisch kein Hinweis auf eine Borrelien-Inf. Da im Frühstadium einer Borreliose häufig noch keine Ak nachweisbar sind, wird eine Kontrolle in 3–6 Wo. empfohlen.Borreliose:Serologie
IgM-Ak negativ, IgG-Ak positivSerologischer Hinweis auf eine abgelaufene, spontan ausgeheilte oder ausreichend therapierte Borrelien-Inf. Bei entsprechender Klinik kann diese Befundkonstellation auch für das Spätstadium einer Borreliose sprechen (z. B. Lyme-Arthritis, chron. Neuroborreliose).
IgM-Ak positiv, IgG-Ak negativEine frische Borrelien-Inf. ist wahrscheinlich. Mögliche Kreuzreaktionen mit Herpes-Viren (z. B. EBV, CMV) und Treponema sollten jedoch ausgeschlossen werden. Eine Kontrolle nach 3–4 Wo. sowie eine Befundbestätigung im Borrelien-Westernblot werden empfohlen.
IgM-Ak positiv, IgG-Ak positivJe nach Höhe der Ak-Titer bzw. Vorbefund (Titeranstieg oder -abfall) liegt ein Hinweis auf eine frische, erfolgreich therapierte oder ausheilende Borrelien-Inf. vor.
Ak-Persistenz auch nach erfolgreicher Therapie über Jahre möglich. Eine Kontrolle nach 3–4 Wo. sowie eine Befundbestätigung im Borrelien-Westernblot werden empfohlen.
Westernblot
Geht ein negatives Westernblot-Ergebnis mit einem positiven ELISA-Ergebnis einher, ist das Ergebnis des ELISA möglicherweise auf eine Kreuzreaktion mit Herpes-Viren (z. B. EBV, CMV) oder Treponema zurückzuführen. Bei entsprechender Klinik wird eine Kontrolle nach ca. 2 Wo. empfohlen.Borreliose:Serologie
IgM- und IgG-Banden negativIm Westernblot serologisch kein Hinweis auf eine Borrelien-Inf. Da im Frühstadium einer Borrelien-Inf. häufig noch keine Ak nachweisbar sind, wird eine Kontrolle nach 3–6 Wo. empfohlen.
IgM-Banden negativ, IgG-Banden positivSerologischer Hinweis auf eine abgelaufene, spontan ausgeheilte oder ausreichend therapierte Borrelien-Inf. Bei entsprechender Klinik kann diese Befundkonstellation auch für das Spätstadium einer Borrelien-Inf. sprechen (z. B. Lyme-Arthritis, chron. Neuroborreliose).
IgM-Banden positiv, IgG-Banden negativEine frische Borrelien-Inf. ist wahrscheinlich. Zur Bestätigung einer frischen Inf. wird eine Kontrolle zum Nachweis von IgG-Ak nach 3–6 Wo. empfohlen.
IgM-Banden positiv, IgG-Banden positivEine frische Borrelien-Inf. ab Stadium II ist wahrscheinlich. IgM-Ak können jedoch auch über Jahre persistieren, weshalb eine Kontrolle der langsamen IgM-Ak-Rückbildung nach 3–6 Mon. empfohlen wird.
Lymphozytentransformationstest (LTT)
Der Lymphozytentransformationstest (LTT)Borreliose:Immunologie ist ein Lymphozytentransformationstest (LTT):Borrelioseimmunologischer Funktionstest, der die Sensibilisierung von T-Zellen auf ein spez. Ag nachweist. Da die spez. Immunantwort der T-Zellen früher einsetzt als die humorale Immunantwort, ist die antigenspezifische Proliferation der T-Zellen bereits etwa 14 Tage nach dem Zeckenstich mit dem LTT-Borrelien im peripheren Blut nachweisbar. Ein sicheres serologisches Testergebnis ist dagegen erst etwa 3–4 Wo. nach Infektion erhältlich.
Im LTT-Borrelien kann einerseits eine frische Borrelien-Infektion nachgewiesen werden. Aufgrund der langen Inkubationsphase des Testsystems werden jedoch andererseits auch vorhandene Gedächtniszellen aktiviert, sodass durchlaufene Infektionen ebenfalls detektierbar sind.
Zur Durchführung eines LTT-Borrelien werden T-Lymphozyten aus dem Patientenblut isoliert und mit Ag aus Zell-Lysaten von verbreiteten Borrelien-Arten sowie OspC konfrontiert. Hatten die T-Zellen bereits Kontakt mit einem Borrelien-Ag, so reagieren sie bei diesem provozierten Antigenkontakt mit einer messbaren Proliferation. Die Intensität dieser Proliferation ist dabei Maß für die immunologische Reaktivität.
Bei geeigneter antibiotischer Behandlung wird der Erreger eliminiert und ein erneut durchgeführter LTT-Borrelien langsam (aufgrund der verbleibenden Gedächtnisantwort) zunehmend negativ. Der Test kann daher auch zur Erfolgskontrolle einer antibiotischen Therapie eingesetzt werden, wobei für diese Fragestellung ein T-cellspot® Borrelien (s. u.) besser geeignet ist. Ein persistierend positives Testergebnis im LTT-Borrelien nach Antibiotikabehandlung deutet auf eine Reaktivierung bzw. eine unzureichende Therapie hin. In diesem Fall ist die Borrelien-Infektion noch nicht ausgeheilt, und es sollte ein neuer Therapiezyklus erwogen werden.
Bei Pat. mit einem akuten Neuroborreliose-Schub findet sich neben dem positiven Ergebnis des LTT zusätzlich noch eine verminderte Anzahl an CD57-positiven Lymphozyten.
Indikation:
  • Nachweis einer akuten Infektion, einer Reaktivierung oder eines länger zurückliegenden Kontakts mit Borrelien

  • Nachweis einer Frischinfektion bei noch unklarer Serologie

  • Ggf. auch Therapiekontrolle nach Antibiotikabehandlung

INFO

LTT: Das Labor im Detail

Der Durchführung des LTT Lymphozytentransformationstest (LTT):Borreliosegeht die Isolierung mononukleärer Zellen aus dem Vollblut durch eine Dichtegradientenzentrifugation voraus. Nach Aufnahme der Lymphozyten und Monozyten werden diese Zellen in ein steriles Zellkulturmedium überführt und die zu untersuchenden Ag (aus Zell-Lysaten von Borrelia burgdorferi, B. garinii und B. afzelii sowie dem Oberflächenantigen OspC) zugegeben. Danach werden die T-Lymphozyten bei 37 °C unter Zellkulturbedingungen für mehrere Tage kultiviert.
Sind in der Kultur antigenspez. Memory-Zellen oder T-Lymphozyten vorhanden, die bereits Kontakt mit dem untersuchten Ag hatten, führt dies zur klonalen Expansion der antigenspez. Zellpopulationen. Die Stärke einer im Test induzierten Proliferation – und somit auch die Reaktivität der Lymphozyten – kann anhand des Einbaus markierter DNA-Bausteine gemessen werden. Die Messwerte, die als „Stimulationsindex“ angegeben werden, zeigen im Vergleich zur unstimulierten Kontrolle an, wie stark sich die Lymphozyten durch das zu testende Ag maximal stimulieren lassen.
Präanalytik
Probenmaterial: 2 × Heparin-Blut
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Expressversand: Die Blutprobe sollte binnen 24 h im Labor eintreffen; bitte Probenabholung im Labor anfordern
Befundinterpretation
Normwerte
Borrelia garinii < 3,0
B. afzelii < 3,0
B. burgdorferi < 3,0
OspC-Antigen < 3,0
Zur Beurteilung der Positivkontrolle wird der Messwert der Negativkontrolle gleich 1,0 gesetzt. Die Positivkontrolle, die mit einem Proliferationsstimulans durchgeführt wird, zeigt die max. Stimulierbarkeit der Lymphozyten an. Eine positive Reaktion auf eines der vier getesteten Borrelien-Ag liegt vor, wenn ein Wert von 3,0 erreicht oder überschritten wird.
Beurteilung der Messwerte
< 3,0Kein Hinweis auf eine kürzliche oder länger zurückliegende Borrelien-Infektion
3,0–6,0Grenzwertiger oder rückläufiger Befund, der am ehesten für eine abgelaufene, spontan ausgeheilte oder ausreichend therapierte Borrelien-Infektion spricht
> 6,0Hinweis auf eine akute oder kürzlich zurückliegende Borrelien-Infektion
Die serologische Borrelien-Diagnostik weist aufgrund der verzögerten Ak-Bildung nach der Infektion Einschränkungen auf:
  • Eine Differenzierung zwischen chron. und frischer Infektion sowie eine Kontrolle nach Antibiotikatherapie ist – wegen der monate-, z. T. jahrelangen Persistenz der Ak – nicht möglich.Lymphozytentransformationstest (LTT):BorrelioseBorreliose:Immunologie

  • In der Frühphase der Erkr. sind für einen sicheren serologischen Nachweis noch keine oder zu geringe Ak-Konzentrationen vorhanden.

Diese diagnostischen Lücken schließt der T-cellspot® Borrelien.
T-cellspot® Borrelien
Hierbei wird die Anzahl der T-Lymphozyten gemessen, die in vivo bereits Kontakt mit Borrelien-Ag hatten und bei erneuter Konfrontation mit dem Ag das Zytokin IFN-γ ausschütten (Testprinzip6.2.4). Borreliose:Immunologie

INFO

Das Testsystem ist so sensitiv, dass bereits eine einzelne borrelienreaktive T-Zelle nachweisbar ist. Diese antigenabhängige Zytokinausschüttung ist deutlich vor einer messbaren Zellproliferation sowie einem detektierbaren Anstieg der Ak-Titer nachweisbar.

Eine weitere T-cellspot®:Borreliendeutliche Steigerung der Sensitivität im T-cellspot® wird durch Verwendung eines Vollantigens erreicht, das aus einem Zell-Lysat reiner B.-burgdorferi-Kulturen gewonnen wird. So können auch seltenere Immunreaktionen gegen noch unbekannte borrelienspez. Fragmente erfasst werden, sodass der T-cellspot® Borrelien in Ergänzung zur Serologie wichtige Zusatzinformationen bei der Beurteilung einer Borrelien-Frühinfektion liefern kann.
Zur Differenzierung zwischen frischer und chron. Infektion eignet sich parallel zum T-cellspot® Borrelien eine serologische Untersuchung auf Ak.
Auch zur Kontrolle des Therapieverlaufs ist der T-cellspot® Borrelien geeignet: Nach effektiver antibiotischer Behandlung und Elimination des Erregers wird die messbare Lymphozytenantwort ca. 4–6 Wo. nach Therapie i. d. R. negativ. Das T-cellspot®-Ergebnis gibt somit Aufschluss über den Erfolg einer antibiotischen Therapie und die evtl. notwendige weitere Behandlungsdauer.
Indikation für T-cellspot® Borrelien:
  • V. a. Frischinfektion mit unklarer Serologie

  • Differenzierung zwischen chron. und akuter Infektion

  • Therapiekontrolle nach Antibiotikabehandlung

Präanalytik
Probenmaterial: 3 × Heparin-Blut
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Expressversand: Die Blutprobe sollte binnen 24 h im Labor eintreffen; bitte Probenabholung im Labor anfordern
Befundinterpretation
Werte Interpretation
< 4 Kein Hinweis auf eine Borrelien-Inf.
> 4 Deuten auf eine spez. Antwort der Lymphozyten auf das eingesetzte Ag und somit auf eine aktive Borrelien-Inf. hin (Abb. 6.4)
Der borrelienspez. T-cellspot® basiert auf dem Nachweis einer antigeninduzierten Sekretion von IFN-γ durch reaktivierte Lymphozyten. Dabei werden T-Lymphozyten mit Borrelien-Ag stimuliert. Spezifisch freigesetztes IFN-γ kann durch eine Färbereaktion nachgewiesen werden. Es entstehen Spots, deren Anzahl und Intensität ein Maß für die Reaktivität der Lymphozyten auf das eingesetzte Ag darstellen (Abb. 6.5). Sie erlauben eine Aussage darüber, ob die untersuchten Lymphozyten bereits Kontakt mit dem getesteten Ag hatten.T-cellspot®:BorrelienBorreliose:Immunologie
Die ermittelte Spotzahl wird in einen Stimulationsindex umgerechnet und mit der Negativkontrolle verglichen. In der parallel eingesetzten Positivkontrolle werden die Lymphozyten einer ubiquitären, nicht borrelienspez. Stimulation unterzogen. Hier muss der ermittelte Index > 4 sein, was anzeigt, dass die eingesetzten Zellen in physiologisch gutem Zustand waren.
Direktnachweis über PCR (Polymerase-Ketten-Reaktion)
Borrelien-DNA kann mit molekulargenetischen Methoden (PCR) sowohl in der Zecke selbst als auch in unterschiedlichen humanen Probenmaterialien zuverlässig nachgewiesen werden. Über den Direktnachweis Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR), BorrelioseBorreliose:PCRkann schon die stechende Zecke daraufhin untersucht werden, ob sie Vektor von Borrelien ist. Darüber hinaus ist der Erreger aus Liquor, Synovialflüssigkeit und Hautbiopsaten direkt nachweisbar.

Cave

Der negative Befund bei diesen Materialien schließt das Vorliegen einer aktiven Borrelien-Infektion nicht aus!

Präanalytik
Probenmaterial: Liquor, Synovialflüssigkeit, Hautbiopsate oder Zecke in einem sterilen, neutralen, auslaufsicheren Röhrchen
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bis zum Transport im Kühlschrank (2–8 °C)
Versand im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich
Befundinterpretation
  • Ein positives Ergebnis aus dem eingesandten Patientenmaterial spricht für eine Infektion mit Borrelien. Bei einem positiven Ergebnis aus der Zecke kommt diese als möglicher Vektor für eine Übertragung des nachgewiesenen Erregers auf den Menschen infrage. Das Risiko steigt mit der Saugdauer und dem Auftreten von Symptomen (z. B. Erythema migrans). Eine weitere Abklärung des Infektionsstatus des Pat. nach Verstreichen der erforderlichen Inkubationszeit (2–3 Wo. für einen LTT oder T-cellspot® bzw. 4–6 Wo. für eine Serologie) wird empfohlen.

  • Ein isoliertes negatives Ergebnis aus nur einem der genannten humanen Materialien schließt das Vorliegen einer aktiven Infektion des Pat. nicht sicher aus. Ein negatives Ergebnis der Zecken-PCR schließt eine Infektion der Zecke und somit eine Übertragung von Borrelien durch den Zeckenstich aus.

Medikation/Therapie

Antibiotika
Grundsätzlich muss jede Manifestation der Lyme-Borreliose antibiotisch therapiert Borreliose:Antibiosewerden. Je früher therapiert wird, desto sicherer sind Spätmanifestationen vermeidbar. Eine generelle prophylaktische Antibiotikagabe nach einem Zeckenstich wird jedoch nicht empfohlen.
Beim Auftreten der typischen klin. Symptome wie Erythema migrans oder Neuroborreliose sollte frühzeitig mit der antibiotischen Therapie begonnen werden. Die serologischen Befunde sollten nicht abgewartet und die antibiotische Therapie auch bei negativem serologischem Befund fortgesetzt werden. Dosierung, Dauer, Antibiotikum und Art der Applikation richten sich aufgrund der Spannbreite der auftretenden klin. Manifestationen nach klin. Bild und Erkrankungsstadium (Tab. 6.3)!
Ergänzende Behandlung
Die Zusammenstellung der nachstehend aufgeführten Präparate zur naturheilkundlichen Prävention und Therapie von Borrelien-Infektionen ist als Anregung zu verstehen und stellt kein aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept dar. Bei der individuellen Auswahl der Präparate für den Pat. sind ggf. vorhandene Kontraindikationen zu berücksichtigen (s. Beipackzettel des jeweiligen Herstellers).
Indikationen, Zusammensetzung, Dosierungs- und Anwendungsempfehlungen s. AnhangTab. A–Z.

THERAPIEEMPFEHLUNGEN

  • Borreliose:BegleittherapiePASCORBIN® 7,5 g (PASCOE)PASCORBIN® 7,5<2009>g:Indikationen

  • nutriglucan® (nutrimmun) nutriglucan®:Indikationen

  • mucozink®mucozink®:Indikationen (nutrimmun)

  • PhytoBiotika®PhytoBiotika®:Indikationen (Biogena)

  • Antioxidans FormulaAntioxidans Formula:Indikationen (Biogena)

  • probiotik® purprobiotik® pur:Indikationen (nutrimmun)

  • Weihrauch 400Weihrauch 400:Indikationen (Biogena)

  • SAMe 200SAMe 200:Indikationen (Biogena)

Kontrolle des Therapieerfolgs
Generell sinken Ak-Titer nach Antibiotikatherapie bei Frühmanifestationen rascher als bei Spätmanifestationen. Bei Spätmanifestationen können hohe Ak-Titer sogar über Jahre persistieren. Deshalb können serologische Verlaufskontrollen nicht als zuverlässiges Kriterium für den Therapieerfolg herangezogen werden.
Hierzu ist der T-cellspot® Borrelien hervorragend geeignet: Nach effektiver T-cellspot®:Borrelienantibiotischer Behandlung wird der T-cellspot® Borrelien ca. 4–6 Wo. nach Therapie i. d. R. negativ. Das Ergebnis des T-cellspot® Borrelien gibt somit einen Hinweis auf die Effektivität der antibiotischen Therapie und die evtl. notwendige weitere Behandlungsdauer.
Bei Kindern < 8 J. sind Oralpenicilline oder Oralcephalosporine (Cefixim) oder Clarithromycin indiziert; bei Neuroborreliose hat sich die Behandlung mit Ceftriaxon i. v. etabliert. In der Schwangerschaft ist in allen Stadien immer Ceftriaxon i. v. anzuwenden.

GUT ZU WISSEN

Bei Versagen einer borrelienspez. Therapie sollte unbedingt an die Möglichkeit einer Co-Infektion mit Babesien oder Anaplasmen gedacht werden.

Komplementäre Mikronährstoff-Therapie
Zur Behandlung der vielfältigen Krankheitsbilder der Lyme-Borreliose stehen neben der antibiotischen Therapie zahlreiche Mikronährstoffe zur Vermeidung bzw. Linderung der sekundären Symptomatik zur Verfügung. Insbesondere auf die langfristige Einnahme antioxidativ wirksamer Substanzen sollte geachtet werden.
  • Immunstimulation mit Biological Response Modifiers:Beta-Glukan aus Hefen, Mikronährstoff-Therapie, komplementäre:BorrelioseBorreliose:Mikronährstoff-Therapie, komplementäreBiological Response ModifiersReishi und Shiitake (Eigenschaften4.5)

  • Entzündung hemmen:Omega-3 Fettsäuren fördern die Umwandlung entzündungsfördernder und immunsuppressiver Eicosanoide der 2er- und 4er-Serie in antiinflammatorische Eicosanoide, wodurch entzündliche Erkrankungen günstig beeinflusst werden.Die im Weihrauch-Extrakt Omega-3-Fettsäurenenthaltenen Boswelliasäuren,Weihrauch-Extrakt Triterpensäuren und Terpenalkohole eignen sich besonders zur Behandlung akuter und chron. Schmerzen durch entzündliche Vorgänge in Gelenken, Muskeln und Wirbelsäule.

  • Mikronährstoffe zur Behandlung der sekundären Krankheitsbilder:Zur Vermeidung oxidativer Folgeschäden der mit Borrelia burgdorferi assoziierten Krankheitsbilder sind Antioxidanzien wie Pycnogenol, Coenzym Q10 und Trauben-Pycnogenol®OPC eine Coenzym Q10wichtige UnterstützungTrauben-OPC.B-Vitamine unterstützen bei Vitamin B:Wirkungenneurologischen Symptomen.Magnesium hilft bei Muskelschmerzen, -Magnesiumkrämpfen und -zuckungen.Zur Unterstützung der Herzfunktion empfehlen sich L-Carnitin und Coenzym Q10.Bei depressiven Symptomen kann SAM eingesetzt werden.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Definition

S-Adenosylmethionin (SAM)In Europa ist die FSME neben der Borreliose die zweitwichtigste durch Zecken übertragene Erkrankung des Menschen. Aufgrund der steigenden Anzahl infizierter Personen kommt der meldepflichtigen FSME eine starke gesundheitsökonomische Bedeutung zu: Während im Zeitraum von 2001–2004 262 Erkr. gemeldet wurden, stieg die Anzahl infizierter Personen im Jahr 2005 auf 432 bzw. im Jahr 2006 auf 546 Fälle an. Die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich höher.Infektionen:von Zecken übertragbare

Ursachen

Etwa 0,1–5 Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)% der Zecken sind mit FSME-Viren infiziert. Bei einem Zeckenstich wird das FSME-Virus aus den Speicheldrüsen der Zecken auf den Wirt (Kleinsäuger, Insektivore, Menschen) übertragen.

Symptomatik

Die Inkubationszeit beträgt i. d. R. 1–2 Wo., selten bis zu 4 Wo.
Bei etwa 70 % der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME):SymptomeInfizierten verläuft die Infektion inapparent, 10–30 % der Infizierten durchlaufen eine klin. FSME mit ZNS-Beteiligung. Betroffene zeigen grippeähnliche, unspez. Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, die nach einigen Tagen wieder abklingen. Die Infektion heilt i. d. R. spontan aus. Bei etwa 10–30 % dieser Pat. mit unklarem Beschwerdebild geht die Infektion allerdings nach einem etwa 1-wöchigen symptomlosen Intervall in eine Erkrankungsphase mit ZNS-Beteiligung, schwerem Krankheitsgefühl, hohem Fieber und neurologischen Symptomen über. Hier zeigen sich die Infektionen meist in einer aseptischen Meningitis oder Meningoenzephalitis, selten in einer Meningoenzephalomyelitis oder -radikulitis. In Mitteleuropa versterben etwa 1–2 % der Pat. an dieser Enzephalitis, bei 10–30 % verbleiben Restschäden wie z. B. Paresen oder Anfallsleiden. Eine überstandene Erkr. bewirkt eine lebenslange Immunität.

Diagnostik

Zur Diagnose der FSME müssen die klin. Symptomatik, die Anamnese einer möglichen Exposition in einem FSME-Risikogebiet und die labormedizinische Diagnostik herangezogen werden.
Die spez. Diagnose beruht in erster Linie auf dem Nachweis FSME-spezifischer IgM- und IgG-Ak im Serum oder Liquor. Die Ak sind während der ersten Krankheitsphase im Serum häufig noch negativ, steigen mit Beginn der zweiten Krankheitsphase jedoch stark an. Auch die Zecke, die während des Stichs von der Hautoberfläche isoliert werden konnte, kann mithilfe molekulargenetischer Methoden daraufhin untersucht werden, ob sie die krankheitsverursachenden FSME-Viren überhaupt in sich trägt und somit als Vektor in Betracht kommt.
Serologie
Präanalytik
Probenmaterial: Serum
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Bei Lagerung über Nacht wird die Kühlung der Probe empfohlen (2–8 °C)
Versand im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich
Befundinterpretation
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME):Serologie
Werte Interpretation
IgG
≤16 RE/ml Negativ
≥16 bis < 22 RE/ml Grenzwertig
≥1,1 Ratio Positiv
IgM
  • < 0,8 Ratio

Negativ
  • ≥0,8 bis < 1,1 Ratio

Grenzwertig
  • ≥1,1 Ratio

Positiv
Zecken-PCR
Präanalytik
Siehe oben.
Befundinterpretation
  • Bei einem Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME):Zecken-PCRpositiven Ergebnis der Zecken-PCR kommt diese als möglicher Vektor für eine Übertragung des nachgewiesenen Erregers auf den Menschen infrage. Das Risiko einer erfolgten Infektion steigt mit der Saugdauer und dem Auftreten von Symptomen.Eine weitere serologische Abklärung des Infektionsstatus des Pat. nach Verstreichen der erforderlichen Inkubationszeit (ca. 4–6 Wo.) wird empfohlen.

  • Ein negatives Ergebnis aus der Zecke schließt eine Infektion der Zecke und somit eine Übertragung von Borrelien durch den Zeckenstich aus.

Medikation/Therapie

Nur etwa 1–2 % aller FSME-Infektionen zeigen einen schwerwiegenden Verlauf. Da jedoch keine spez. virale Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME):TherapieTherapie existiert und die Pat. nur symptomatisch therapierbar sind, wird vom Robert Koch-Institut eine FSME-Impfung bei Personen empfohlen, die sich dauerhaft oder vorübergehend (z. B. in den Ferien) in Risikogebieten aufhalten.

Anaplasmose (Ehrlichiose)

Definition

Die durch Anaplasmen hervorgerufene humane granulozytäre AnaplasmoseInfektionen:von Zecken übertragbare (HGA; früher: Ehrlichiose) gewinnt unter Anaplasmoseder weiter Ehrlichiose\t \"Siehe Anaplasmosefortschreitenden Ausbreitung von zeckenübertragbaren Erkr. zunehmend an BedeutungInfektionen:von Zecken übertragbare.
Anaplasma phagocytophilum wurde 1940 als infektiöses Agens des „Zeckenfiebers“ bei Wiederkäuern entdeckt und ist in den USA, Kanada, Europa, Afrika und Asien weit verbreitet. Insbesondere aus Nordamerika sind bereits viele Fälle von humaner Anaplasmose bekannt geworden. In Europa wurde A. phagocytophilum 1996 erstmals beim Menschen nachgewiesen.

INFO

Aufgrund von Genanalysen wurden die früheren Arten Ehrlichia phagocytophila, Ehrlichia equi und das HGE-Agens zur neuen Art Anaplasma phagocytophilum zusammengefasst.

Ursachen

Anaplasmen sind gramnegative Bakterien, die zur Familie der Rickettsien gehören und obligat intrazellulär in Granulozyten leben.
Die Prävalenz der HGA in Europa ist Anaplasmose:Ursachenunklar. In Deutschland wurden bisher nur wenige HGA-Infektionen bekannt, jedoch haben Untersuchungen von Zecken in Süddeutschland gezeigt, dass etwa 1,6–4,1 % der Ixodes-ricinus-Zecken mit Anaplasmen infiziert sind. Da in den Niederlanden je nach Region sogar bis zu 16 % dieser Zeckenart von Anaplasmen befallen sind, ist zukünftig vermutlich mit einer weiteren Zunahme an HGA-Infektionen zu rechnen.
Aufgrund der unspez. Symptomatik einer HGA sowie vorliegender Seroprävalenzdaten wird eine hohe Dunkelziffer nicht diagnostizierter HGA-Infektionen angenommen: Bei seroepidemiologischen Untersuchungen in Europa wurden bei bis zu 1,5 % der Normalbevölkerung sowie bei 3,8–9,5 % in Risikopopulationen Ak gegen Anaplasmen gefunden. In Deutschland liegt die Seroprävalenz in Risikokollektiven zwischen 11,4 und 18 %, in der Normalbevölkerung bei 1,9–2,6 %.

Symptomatik

Eine Infektion mit Anaplasmen äußert sich wenige Tage bis zu etwa 1 Wo. nach dem Zeckenstich durch grippeähnliche Symptome (z. B. hohes Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen), die meist einige Tage andauern und Anaplasmose:Symptomeselbstlimitierend sein können. Bei ca. 50 % der Erkrankten ist eine Hospitalisierung erforderlich, da es mit höherem Alter und bestimmten zusätzlichen (Grund-)Erkr. bzw. Immunsuppression vermehrt zu schweren oder sogar tödlichen Krankheitsverläufen kommen kann.

Diagnostik

Zahlreiche mit einer HGA assoziierte Symptome können auch bei anderen durch einen Zeckenstich übertragenen Infektionen auftreten. Bei Fieber unklarer Ursache und hämatologischen Veränderungen wie Thrombopenie und Leukopenie sowie einer Erhöhung der Lebertransaminasen sollte jedoch die DD „HGA“ durch eine labormedizinische Abklärung erfolgen.
  • Serologischer Nachweis (IFT): Der indirekte Immunfluoreszenz-Ak-Nachweis (IFT) auf IgG-und IgM-Ak ist das übliche Testverfahren für den indirekten Erregernachweis im Patientenserum. Der IFT findet bei unklaren Anaplasmose:Immunfluoreszenz-TestVerdachtsfällen einer Anaplasmose und Babesiose Anwendung und ist ab der 2. Krankheitswoche indiziert. Der serologische Nachweis ist sinnvoll bei Pat. mit niedriger oder chron. Parasitämie sowie larviertem Verlauf.

  • Erregernachweis im Blutausstrich: Der Blutausstrich dient dem direkten Nachweis von Anaplasmen bzw. Babesien. Hierbei ist zu beachten, dass der Erreger in der Frühphase des Krankheitsverlaufs oder bei einer geringen Parasitämie (z. B. bei milden Verläufen, immunkompetente Pat.) möglicherweise nicht nachweisbar ist.Anaplasmen leben intrazellulär in Anaplasmose:Blutausstrichden Leukozyten und sind als morulaähnliche Strukturen im Giemsa-gefärbten Blutausstrich sichtbar.

  • Molekularbiologischer Nachweis (PCR): In der akuten Phase einer Anaplasmen- bzw. Babesien-Infektion kommt dem molekularbiologischen Direktnachweis des Erregers eine große Bedeutung zu. Entsprechende diagnostische Tests Anaplasmose:Zecken-PCRsind nur in Speziallaboratorien verfügbar.Allerdings können bereits die Zecken selbst auf die Anwesenheit von Anaplasmen oder Babesien untersucht werden, um das Risiko einer Infektion einzuschätzen. Die Zecken-PCR schließt die diagnostische Lücke, die zwischen dem Zeckenstich und dem Erregernachweis im Pat. entsteht und ermöglicht damit die frühe Einleitung einer adäquaten Therapie.

Präanalytik
Probenmaterial:
Serum (Serologie), EDTA-Blut (Mikroskopie), Zecke in einem sterilen, neutralen Röhrchen ohne Zusätze (PCR)
Besonderheiten:
Keine
Lagerung & Transport:
  • Lagerung der Blutproben bei RT

  • Bei Lagerung über Nacht wird die Kühlung der Probe empfohlen (2–8 °C)

  • Lagerung der Zecke bis zum Transport gekühlt (2–8 °C) oder gefroren

  • Versand im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich

Befundinterpretation
Serologischer Nachweis: IFT
Ein mind. 4-facher Anstieg des IgG- bzw. IgM-Titers zwischen zwei gleichzeitig untersuchten Serumproben, die dem Pat. im Abstand von 1–2 Wo. abgenommen wurden, gilt als vorläufiger Beweis für eine zum Zeitpunkt der Untersuchung vorliegende HGA-Infektion.
EndtiterInterpretation
IgG 1 : 64Deutet auf eine länger zurückliegende Inf. oder eine zum Untersuchungszeitpunkt vorliegende Infektion im Frühstadium hin.
IgM 1 : 20Deutet auf eine kürzliche oder zum Untersuchungszeitpunkt vorhandene oder länger zurückliegende HGA-Infektion hin.
IgM-Ak sind weniger spez. als IgG-Ak und öfter falsch positiv. Daher sollte die serologische Untersuchung immer die IgG-Ak beinhalten.
Die Ergebnisse aus der A.-Anaplasmose:Immunfluoreszenz-Testphagocytophilia-Serologie sollten mit der klin. Anamnese korrelieren. Diagnostische Ak-Titer können über einen Zeitraum von mehr als 3 J. persistieren. Im Frühstadium einer Infektion sind häufig noch keine Ak nachweisbar.
Erregernachweis im Blutausstrich
Ein Nachweis von Babesien und/oder Anaplasmen lässt auf eine Erkr. mit Zeckenfieber (Babesiose, Ehrlichiose) schließen. Aufgrund der Zeckenfiebergeringen Sensitivität Anaplasmose:Blutausstrichdieser Methode schließt ein negatives Ergebnis eine Babesiose bzw. Ehrlichiose jedoch nicht aus.
Molekularbiologischer Nachweis (PCR)
Zur Interpretation des DNA-Nachweises von durch Zecken übertragbaren Erregern6.3.4.

Medikation/Therapie

Obwohl viele Anaplasmen-Infektionen folgenlos ausheilen, wird zur Therapie der HGA eine 10- bis Anaplasmose:Therapie14-tägige Antibiotikatherapie mit Doxycyclin, alternativ Rifampicin, empfohlen.

Babesiose

Definition

Eine steigende Inzidenz und das Auftreten von Erkr. mit schwerem Verlauf in Amerika und Europa hat der BabesioseInfektionen:von Zecken übertragbare, die bisher v. a. in der Veterinärmedizin (Rinder, BabesioseHunde) eine Rolle spielte, vermehrte Aufmerksamkeit eingetragen. Aber auch humanpathogene Babesienarten werden von verschiedenen Zeckenarten auf den Menschen übertragen. Seit der ersten nachweislichen Babesien-Infektion beim Menschen im Jahre 1957 wurden in Europa etwa 30 Fälle von humaner Babesiose beschrieben. Aus den USA wurden in den vergangenen Jahren über 200 Fälle gemeldet.

Ursachen

Babesien sind zu den Sporozoa gehörende intraerythrozytäre Parasiten. In ihrem Wirt durchlaufen sie einen speziellen, malariaähnlichen Vermehrungszyklus. Neben Zeckenstichen sind in seltenen Babesiose:UrsachenFällen auch Babesien-Übertragungen durch infiziertes Blut oder eine perinatale Transmission möglich.
In Europa sind die humanpathogenen Arten B. divergens und B. microti krankheitsrelevant. Trotz der in Europa seither nur etwa 30 gemeldeten Fälle von humaner Babesiose geht man von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus: Schließlich sind etwa 1 % der Zecken von Babesien befallen.
In einer deutschen Studie zeigen sich Seroprävalenzen für B. microti von 5,4 % und für B. divergens von 3,6 %. Die Seroprävalenz in der Risikogruppe von süddeutschen Waldarbeitern liegt mit 13,9 % sogar noch deutlich höher.

Symptomatik

Babesien lösen eine malariaähnliche Infektion aus, die sich durch Fieber und Anämie sowie eine Splenomegalie äußern kann. Etwa 5 Tage bis 9 Wo. nach der Infektion Babesiose:Symptomezeigen sich erste Symptome, die von Schwächegefühl, Fieber, Kopfschmerzen oder Arthralgien bis hin zu Bauchschmerzen und trockenem Husten reichen. Meist verlaufen die Infektionen jedoch subklinisch und heilen trotz gelegentlichem protrahiertem Verlauf i. d. R. komplikationslos aus.
Infektionen mit B. divergens betreffen vorwiegend splenektomierte Pat., bei denen sich diese allerdings fast immer zu lebensbedrohlichen medizinischen Notfällen mit einer Mortalitätsrate von 50 % entwickeln. Weitere Risikofaktoren für einen schweren Verlauf sind neben einer vorliegenden Immunsuppression auch HIV-Erkr., stattgehabte Organtransplantation sowie höheres Lebensalter. Allerdings deuten Berichte aus den USA darauf hin, dass B. microti auch bei Individuen mit intaktem Immunsystem eine schwere humane Babesiose auslösen kann.

Diagnostik

Bei Fieber unklarer Ursache und hämatologischen Veränderungen wie Thrombopenie und/oder Anämie sollte die biochemische Abklärung einer Hämoglobinurie erfolgen. Für eine gesicherte DD muss eine labormedizinische Abklärung durchgeführt werden.
Befundinterpretation
Serologischer Nachweis-IFT
Endtiter Interpretation
IgG 1 : 64 Deutet auf eine aktuelle oder zurückliegende Infektion hin (Verlaufskontrolle unabdingbar)
IgM 1 : 16 Deutet auf eine persistierende oder akute Infektion hin
Die serologische Diagnostik stützt sich immer auf eine Verlaufskontrolle (nach 2–4 Wo.).
Erregernachweis im Blutausstrich
Zur Interpretation des Erregernachweises aus Blutausstrichen6.3.4.
Molekularbiologischer Nachweis (PCR)
Zur Interpretation des DNA-Nachweises von durch Zecken übertragbaren Erregern6.3.4.

Medikation/Therapie

Zur Therapie der humanen Babesiose wird eine 7- bis 10-tägige KombinationstherapieBabesiose:Therapie mit Chinin und Clindamycin empfohlen.
Alternativ ist eine Behandlung mit Atovaquon und Azithromycin möglich. Bei hoher Parasitämie kann eine Blutaustauschtransfusion indiziert sein. Um einen fulminanten Verlauf zu verhindern, wird angeraten, auch symptomlose Babesiose-Pat. präventiv zu behandeln.

Vaginalinfektionen

Definition

Physiologische Vaginalflora
Die Scheide eines neugeborenen Mädchens ist praktisch steril. Die Vermehrung der Bakterienflora und damit selektive Kolonisierung der Scheide ist estrogenabhängig. Laktobazillen finden sich in den ersten Wochen nach der Geburt (Einfluss der Plazentahormone) und dann wieder ab der Menarche bis hin zur Menopause. Nachdem der mütterliche Einfluss der Plazentahormone abgeklungen ist, stellt sich auf dem atrophischen jugendlichen Vaginalepithel eine unspez. Mischflora aus Haut- und Darmkeimen ein, die von E. coli und Proteus-Arten dominiert wird und beim prämenstruellen Mädchen auch Corynebakterien, Clostridien und Bacteroides fragilis aufweist, die in ähnlicher Form auch bei postmenopausalen Frauen ohne Hormonsubstitution gefunden werden. Dieses Milieu ist für Laktobazillen, aber auch für Hefepilze wenig attraktiv, da es ihm an Glykogen (Substrat für diese Mikroorganismen) mangelt.
Die Vagina einer geschlechtsreifen VaginalinfektionenVaginalflora:physiologischeInfektionen:vaginalegesunden Frau wird von einer großen Anzahl von aeroben und anaeroben Keimen besiedelt. Pro Milliliter Scheidenflüssigkeit sind 100 Mio. bis 1 Mrd. Keime nachweisbar. Der normale vaginale pH-Wert einer erwachsenen Frau liegt unter 4,5 und wird durch das überwiegende Vorhandensein verschiedener Spezies von Laktobazillen, sog. „Döderlein-Bakterien“, bestimmt. Diese verhindern als Kommensale Döderlein-Bakterieneine nennenswerte Besiedelung mit fakultativ pathogenen Keimen. Laktobazillen sind mit einer Keimzahl von 106–108/ml LaktobazillenVaginalsekret quantitativ die bedeutendsten Bakterien in der Vagina. Es wird vermutet, dass dies v. a. durch Estrogene und den vermehrten Anteil an Glykogen begünstigt wird. Die Laktobazillen verstoffwechseln das Glykogen zu Milchsäure und bewirken hierdurch die Ansäuerung des Vaginalmilieus, was wiederum unerwünschte Mikroorganismen wirkungsvoll inhibiert. Diese Milchsäureproduktion wird als Mechanismus gegen vaginale Infektionen betrachtet; weitere sind die Produktion von antibakteriell wirkenden Substanzen wie z. B. Bakteriozinen (von Bakterienstämmen gebildeten proteinogenen Toxinen) und Wasserstoffperoxid (H2O2).
Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass den H2O2-positiven Laktobazillen eine bedeutende Rolle in der Verringerung von Frühgeburten und Schwangerschaftskomplikationen zukommt. In einer Studie von Agrawal et al. (2002) konnte gezeigt werden, dass Schwangere mit Komplikationen ggü. Vergleichspatientinnen ohne Beschwerden eine verminderte Anzahl an H2O2-produzierenden Laktobazillen aufwiesen.
Pathologische Vaginalflora (Vaginitis)
Die Vaginitis (Kolpitis) ist die Vaginalinfektionen:FormenVaginalflora:pathologischehäufigste Erkr. der weiblichen Kolpitis\t \"Siehe VaginalinfektionenGeschlechtsorgane und für mehr als 10 Mio. Praxisbesuche pro Jahr verantwortlich. Sie geht mit Veränderungen der normalen Vaginalflora einher und kann an der Entstehung von Entzündungen des Urogenitaltrakts, Frühgeburten, Beckenentzündungen oder rezid. HWI beteiligt sein. Darüber hinaus begünstigt eine Vaginitis die Infektion sexuell übertragbarer Krankheiten inkl. HIV.
Die drei Hauptkategorien der Vaginitis sind:
  • 1.

    Bakterielle Vaginose (BV): gilt mit einer Prävalenz von bis zu >Vaginose, bakterielle 30 % als häufigste Ursache einer vaginalen Entzündung und kann v. a. als Risikofaktor für Frühgeburten, aber auch für HIV- und HPV-Infektionen eingestuft werden.

  • 2.

    Candida-Vaginitis (Vulvovaginalcandidose): entzündliche Vaginalinfektionen:CandidaCandida-VaginitisReaktion der VulvovaginalcandidoseVaginalschleimhaut, hervorgerufen durch Hefepilze (überwiegend Candida albicans). Sie stellt die zweithäufigste Form der vaginalen Infektion dar. In Deutschland erkranken etwa 5 Mio. Frauen pro Jahr an einer genitalen Candida-Infektion. Besondere Probleme bereitet hierbei die chron.-rezid. Form mit mind. 4 Rezidiven pro Jahr. Besonders gefährdet sind Schwangere, Frauen mit Diab. mell. und Frauen mit Immunschwäche (Krebserkr., HIV).

  • 3.

    Trichomonaden-Vaginitis (Trichomoniasis): Infektion der Vaginalinfektionen:TrichomonadenSchleimhäute des TrichomoniasisUrogenitaltrakts, die durch den Flagellaten Trichomonas vaginalis verursacht wird. Die meisten Infektionen treten bei Jugendlichen sowie jüngeren Erw. auf. Eine normale Vaginalflora scheint eine Infektion mit T. vaginalis zu verhindern.

Ursachen

Die Vaginitis (Kolpitis) wird durch einen gestörten Vaginalinfektionen:ErregerSchutzmechanismus der Scheidenschleimhaut sowie verschiedene eingeschleppte Erreger verursacht. Vaginale H2O2-positive Laktobazillen sind mit einer erniedrigten Prävalenz von bakt. Vaginose, symptomatischer Candidose und Trichomonaden-Infektionen assoziiert. Bei der Vaginitis ist dieses Gleichgewicht gestört, sodass Vaginalinfektionen:MischfloraVaginalflora:Mischflorain vermehrtem Ausmaß eine sog. Mischflora nachweisbar ist:
ErregerUntersuchte Frauen (%)
Gardnerella vaginalis> 90
Andere Anaerobier wie Prevotella spp./Bacteroides spp.50–100
Peptostreptococcusca. 30
Genitale Mykoplasmen60–90
  • Der bakt. Vaginose liegt eine Dysbiose der vaginalen Bakterienflora zugrunde, bei der der Anteil an Laktobazillen zurückgeht und sich Keime wie G. vaginalis oder verschiedene Anaerobier stark vermehren. Hierdurch wird auch der charakteristische Vaginose, bakteriellehöhere pH-Wert erreicht.

  • Candida-Vaginitis: Veränderungen im hormonellen Bereich können Candida-Vaginitisfür eine Candidose prädisponieren. So ist bei Gebrauch von Kontrazeptiva oder Hormontabletten mit hohem Estrogen-Anteil eine erhöhte Candidose-Inzidenz zu beobachten. Auch bei Schwangeren ist dieses Risiko erhöht. Möglicherweise hängt dies damit zusammen, dass es bei hohen Estrogenspiegeln zu einer reduzierten Ak-Sekretion (v. a. IgG und IgA) in die Vaginalflüssigkeit kommt. Außerdem gibt es Hinweise dafür, dass Estrogene vaginale Epithelzellen für C. albicans besonders „attraktiv“ machen.

  • Die Trichomoniasis ist eine weltweit vorkommende sexuell übertragbare TrichomoniasisInfektion, die eng mit der sexuellen Aktivität verknüpft ist. Störungen des vaginalen pH-Werts, des Glykogengehalts sowie der Residualflora ermöglichen eine Infektion mit diesem Protozoon. Oftmals findet sich ein vaginaler pH von > 4,5.

Symptomatik

Eine Vaginitis (Kolpitis) kann sich durch vermehrten AusflussVaginalinfektionen:Symptome, Brennen oder Juckreiz, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und oft auch als Dysurie äußern. Da die bei Vaginitiden auftretenden Symptome jedoch häufig vielfältig und subjektiv sind, ist neben der klin. Symptomatik eine mikrobiologische Bestimmung des Vaginalstatus für eine sichere DD und erfolgreiche Therapie von entscheidender Bedeutung.
  • Bakterielle Vaginose: Rund die Hälfte der Pat. bleibt symptomlos, andere bemerken verstärkten vaginalen Ausfluss oder Geruchsbildung.

  • Candida-Vaginitis: Die Symptome können von Vaginose, bakterielleFrau zu Frau sehr Candida-Vaginitisunterschiedlich sein, äußern sich aber häufig in Form von Brennen, Juckreiz, Rötungen und/oder weißlichen Belägen bzw. „hüttenkäseähnlichem“ Ausfluss im Vulvovaginalbereich.

  • Trichomonaden-Vaginitis: Etwa ¼ der Frauen ist ohne Symptome (Trichomoniasisasymptomatisch) infiziert. Klinisch imponiert meist eine leichte Vaginitis mit charakteristischem dünnem, gelblich-grünlichem, übelriechendem Fluor. Typisch ist der fischige Geruch.

Diagnostik

Vaginalstatus: Nachweis einer pathologischen Vaginalflora
Der Vaginalstatus ermöglicht den qualitativen und quantitativenVaginalinfektionen:Diagnostik mikrobiologischen Nachweis von Erregern bakteriell, Hefepilz- und Trichomonas-vaginalis-bedingter Vaginitiden sowie der Leitkeime einer intakten Vaginalinfektionen:DiagnostikVaginalflora. Einen exemplarischen Musterbefund zeigtAbb. 6.6.
Präanalytik
Probenmaterial:
Testset: 2 Abstrichtupfer mit Amies-Nährmedium und 1 trockener Abstrichtupfer mit Transportreagenz
  • Transportreagenz aus der Ampulle in das neutrale Röhrchen umfüllen.

  • Mit dem trockenen Abstrichtupfer einen Vaginalabstrich nehmen.

  • Trockenen Abstrich in die Lösung geben, abbrechen und das Röhrchen gut verschließen.

  • Mit den beiden anderen Abstrichtupfern ebenfalls einen Vaginalabstrich nehmen und in das Agarose-Nährmedium geben.

Besonderheiten: keine
Lagerung & Transport:
  • Lagerung der Abstriche bei RT

  • Versand auf Postweg möglich

Befundinterpretation
Bei Bakterien aus der Gruppe Lactobacillus sppVaginalinfektionen:Befund(interpretation)., H2O2-bildenden Lactobacillae und Bifidobacterium spp. handelt sich um Keime, die bei Frauen mit normalem Hormonstatus zur Normalflora der Vagina gehören. Speziell die nachgewiesenen Laktobazillen verstoffwechseln das Glykogen zu Milchsäure und säuern dadurch das Vaginalmilieu an. Unerwünschte pathogene Keime werden wirksam inhibiert, was protektiv ggü. Vaginalinfektionen wirkt.
  • Ein mikroskopischer, kultureller und/oder molekularbiologischer Nachweis von Sprosszellen sowie das gleichzeitige Auftreten von z. B. weißem, z. T. krümeligem, kaum riechendem Ausfluss, oft begleitet von starkem Juckreiz (Pruritus vulvae) und Dysurie, sprechen für das Vorliegen einer Candida-Vaginitis/-Vulvitis.

  • Ein vermehrter kultureller und/oder Candida-Vaginitis:Nachweismolekularbiologischer Nachweis von Gardnerella vaginalis sowie das gleichzeitige Auftreten von typischen Symptomen wie z. B. stark fischartig riechender Ausfluss, oft begleitet von starkem Juckreiz (Pruritus vulvae) und Dysurie, sprechen für das Vorliegen einer bakt. Vaginose. Eine länger anhaltende Vaginose kann zu weiter aufsteigenden Infektionen und Vaginose, bakterielle:Nachweisschließlich zur Unfruchtbarkeit führen. Besonders während der Schwangerschaft und bei der Geburt sind solche Infektionen gefährlich und sollten behandelt werden.

  • Der vermehrte kulturelle und/oder molekularbiologische Nachweis von Trichomonas vaginalis sowie das gleichzeitige Auftreten von typischen Symptomen (z. B. reichlich dünnflüssiger, farbloser Ausfluss mit schaumigem Fluor, oft faulig riechend und z. T. mit Dysurie) sprechen für das Vorliegen einer Trichomonaden-Vaginitis.

  • Ein kultureller Nachweis von β-Trichomoniasis:Nachweishämolysierenden Streptokokken tritt bei jeder 3. bis 4. gesunden Frau auf. Streptokokken, <03B2>-hämolysierende:NachweisSie verursachen i. d. R. keine Beschwerden; Therapie-/Prophylaxemaßnahmen sind, falls keine Schwangerschaft vorliegt, nicht erforderlich.

  • Beim kulturellen Nachweis von Enterobacteriaceae (etwa E. coli) oder Enterokokken in geringen Keimzahlen handelt es sich wahrscheinlich um eine Kontamination mit Keimen der Umgebungsflora. Wurde jedoch trotz entsprechender Symptomatik weder eine Candida- noch Gardnerella-Vaginitis nachgewiesen, können diese Erreger als Auslöser einer bakt. Vaginitis nicht ausgeschlossen werden. Beim positiven Nachweis von Vaginitis-Erregern ist eine Therapiekontrolle nach ca. 3–4 Wo. empfehlenswert.

Bei unauffälligem Befund und fortbestehendem klin. V. a. eine Vaginalinfektion empfehlen wir die Bestimmung viraler Erreger von Genitalinfektionen, z. B. Herpes genitalis, humane Papillomaviren (HPV), Ureaplasma bzw. Mykoplasmen und den Nachweis von Chlamydia trachomatis und Neisseria gonorrhoeae.

Medikation/Therapie

Antibiose
  • Bei der Gardnerella-Vaginitis ist eine Therapie mit Metronidazol oral (2 × tgl. 0,5 g für 7 Tage) oder in der Schwangerschaft mit Amoxicillin oral (2 × tgl. 0,5 g für 7 Tage) sinnvoll. Eine Partnerbehandlung sollte beim Vorliegen entsprechender klin. Symptome (z. B. Balanitits) immer durchgeführt werden, um einer erneuten Ansteckung durch Geschlechtsverkehr vorzubeugen.

  • Die Candida-Vaginitis kann lokal mit Vaginose, bakterielle:TherapieVaginalinfektionen:Antibiosedem Wirkstoff Clotrimazol (Canesten®) erfolgen. Dazu Canesten-Creme 1- bis 3 × tgl. für 3–6 Tage auf die erkrankten Hautstellen dünn auftragen und einreiben. Alternativ oder ergänzend kann eine Candida-Vaginitis:TherapieLokalbehandlung auf Basis eines Aromatogramm-Befunds (Resistenztestung mit etherischen Ölen) lokal mit individuell für die Pat. hergestellten Vaginalzäpfchen oder -salbe behandelt werden (6.9). Eine Partnerbehandlung sollte bei gleichzeitig auftretender Candida-Balanitis des Partners immer durchgeführt werden.

  • Bei der Trichomonaden-Vaginitis ist eine orale Therapie mit Metronidazol (3 × tgl. 250 mg für 6 Tage oder als Einmalbehandlung mit Metronidazol 2 g) erfolgreich. Eine Partnerbehandlung sollte beim Vorliegen Trichomoniasis:Therapieentsprechender klin. Symptome (z. B. Balanitis) immer durchgeführt werden, um einer erneuten Ansteckung durch Geschlechtsverkehr vorzubeugen.

  • Beta-hämolysierende Streptokokken:Bei positivem Nachweis von Streptococcus agalactiae (B-Streptokokken) zwischen der 35 +0 und 37 +0 Streptococcus:agalactiaeSSW wird keine sofortige Antibiotikatherapie durchgeführt, sondern die subpartale Antibiotikaprophylaxe zum Zeitpunkt der Entbindung (mit Wehenbeginn bzw. nach Blasensprung) vorgeschlagen, um eine lebensbedrohende Streptokokken-Sepsis des Neugeborenen zu verhindern. Mittel der Wahl ist dann Penicillin G (zu Streptokokken, <03B2>-hämolysierende:TherapieBeginn 5 Mio. IE i. v. und anschl. 2,5 Mio. IE i. v. alle 4 h bis zur Entbindung). Bei Penicillinallergie sollte Cefazolin (zu Beginn 2 g i. v. und anschließend 1 g i. v. alle 8 h bis zur Geburt) verabreicht werden.Bei positivem Nachweis von Streptococcus pyogenes (A-Streptokokken) während der Schwangerschaft istStreptococcus:pyogenes eine sofortige antibiotische Therapie erforderlich. Mittel der Wahl ist auch hier Penicillin G. Bei Penicillinallergie kommen als Alternative Makrolide (Erythromycin) und Cephalosporine in Betracht.

Im Anschluss an alle oben aufgeführten antibiotischen/antimykotischen Therapien ist ein Wiederaufbau des physiologischen Vaginalmilieus durch Implantation von Laktobazillen (Vaginalflora:WiederaufbauVagiflor®) oder durch die orale Einnahme von probiotischen LaktobazillenVagiflor® (Orthica Flora Fem) zur Unterstützung einer ausgeglichenen Orthica Flora FemScheidenflora empfehlenswert.
Ergänzende Behandlung
Die Zusammenstellung der nachstehend aufgeführten Präparate zur naturheilkundlichen Prävention und Therapie von Vaginalinfektionen ist als Anregung zu verstehen und stellt kein aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept dar. Bei der individuellen Auswahl der Präparate für den Pat. sind ggf. vorhandene Kontraindikationen zu berücksichtigen (s. Beipackzettel des jeweiligen Herstellers).
Indikationen, Zusammensetzung, Dosierungs- und Anwendungsempfehlungen s. AnhangTab. A–Z.

THERAPIEEMPFEHLUNGEN

  • Vaginalinfektionen:BegleittherapieAdiclair® Adiclair® Vaginaltabletten:IndikationVaginaltabletten (Ardeypharm)

  • Lactobiogen® femin Lactobiogen® femin plus:Indikationplus (Laves)

  • AC7 AC7 Komplex:IndikationKomplex (Biogena)

  • mucozink®mucozink®:Indikationen (nutrimmun)

  • PhytoBiotika®PhytoBiotika®:Indikationen (Biogena)

  • probiotik® purprobiotik® pur:Indikationen

Komplementäre Mikronährstoff-Therapie
Die Grundvoraussetzung für eine potente Schleimhautinfektabwehr ist ein optimaler Versorgungsstatus mit Vaginalinfektionen:Mikronährstoff-Therapie, komplementäreSchleimhaut, InfektabwehrMikronährstoff-Therapie, komplementäre:Vaginalinfektionenimmunogenen Mikronährstoffen wie z. B. Zink, Selen, Kupfer, Eisen, Vit. B6, C, D. Vor allem bei jüngeren Frauen lassen sich hier Versorgungslücken detektieren.
  • Präventiv: Bakterienadhäsion verringern:Cranberry-Proanthocyanidine (PAC) (Eigenschaften6.1.5)Brennnessel-Extrakt zählt zu den harntreibenden Pflanzensubstanzen. Große Urinmengen senken die Osmolarität aggressiver Harnsubstanzen und schützen das Urothel vor Defekten, welche die Bakterienadhärenz erhöhen und damit das Auftreten von Infekten fördern. Gleichzeitig wirken bioaktive Inhaltsstoffe dieser Pflanzen gegen Bakterien, die für Entzündungen verantwortlich sind.

  • Therapeutisch: antibakterielle Pflanzenextrakte:Rosmarin besitzt gute antifungale und antimikrobielle Effekte gegen Rosmarineine Vielzahl von Mikroorganismen.Grapefruitsamen-Extrakt enthält Polyphenole und Flavonoide, welche dieGrapefruitsamen-Extrakt Bakterienmembranen zerstören und dadurch das Austreten des Zytoplasmas fördern. Auch Berberitzen-Extrakt mit der Leitsubstanz Berberin zeigt eine signifikante Berberitzen-Extraktantimikrobielle Wirksamkeit gegenBerberin eine Vielzahl von Bakterien, Pilzen, Protozoen Chlamydien und Helminthen.Granatapfel-Extrakt hat antiseptische und antimikrobielle Granatapfel-ExtraktEigenschaften, die auf der Aktivität der phenolischen Ellagsäure beruhen.Lavendel-Extrakt und die darin enthaltenen Ellagsäureetherischen Öle liefern einLavendel-Extrakt Wirkstoffgemisch, dessen Aktivität sich gegen Candida albicans und grampositive Bakterien richtet.Thymian-Extrakt zeichnet sich in diesem Indikationsrahmen durch den hohen Gehalt an Thymol aus, das eine starke antiseptische und antibakterielle Wirkung Thymolaufweist.Oregano zeigt eine hohe antimikrobielle Wirkung gegen grampositive undOregano gramnegative Erreger sowie Hefen; v. a. die Inhaltsstoffe Carvacrol und Thymol zeigten starke Effekte.

Intestinale Candida-Mykosen

Definition

Hefen werden tagtäglich über die Nahrung – insb. pflanzlicher Herkunft – in großen Mengen aufgenommen, sodass einer positiven Stuhlkultur in vielen Fällen lediglich der Stellenwert einer transienten Mykoflora zukommt. Aber auch wenn Hefen in einem gesunden, stabilen Körpermilieu üblicherweise nicht adhärieren, kann sich diese Situation jederzeit durch immunsuppressive und milieudestabilisierende Einflüsse ändern. So kann aus einem passageren „Durchwandern“ des Darms schnell eine dauerhafte Besiedelung und im ungünstigsten Fall eine opportunistische Mykose werden. Zur Beurteilung der klin. CarvacrolCandidose, intestinaleWertigkeitInfektionen:Candidose, intestinale muss demnachDarmmykosen grundsätzlich zwischen transienter, kommensaler und pathogener Besiedelung unterschieden werden (Abb. 6.7).

INFO

Candida-Merksätze

Candida albicans
  • C. albicans kann bei einigen Menschen Bestandteil der normalen Darmflora sein. Ein entsprechender Befund ist nicht automatisch pathologisch.

  • C. albicans kann unabhängig von der Keimzahl bei prädisponierten Personen ein Allergen sein, das neben allergischen Reaktionen auch das Immunsystem negativ beeinflusst.

  • C. albicans kann eine lokale entzündliche Reaktion im Bereich der Mukosa hervorrufen, die Einfluss auf das enterale Nervensystem mit Auswirkungen auf die Darmfunktion nehmen kann.

  • Die durch die lokale Allergisierung gebildeten IgE-Ak können eine Fernwirkung entfalten, z. B. an der Haut in Form der atopischen NeurodermitisDermatitis.

Ursachen

Eine intestinale Candida-Mykose wird begünstigt durch
  • Antibiosen

  • Störungen der Darmflora

  • Candidose, intestinale:Einflussfaktoren Mukosaschäden

  • Immunsuppressive Therapie

  • Fehlernährung mit zu hohem Zuckerkonsum/Ballaststoffmangel

  • sIgA-Mangel

  • Unzureichende Versorgung mit immunogenen Mikronährstoffen

Eine Besiedelung des Verdauungstrakts mit C. albicans kann bei prädisponierten Pat. zu vielfältigen Beschwerden führen, die sich durch eine antimykotische Therapie bessern oder beseitigen lassen. Demgegenüber zeigen andere Pat. mit gleichem Befund und ähnlichen Beschwerden keinerlei Reaktion auf ein analoges Therapieregime. Die Ursachen für diese Phänomene sind in den individuell unterschiedlichen Abwehrmechanismen des Wirts auf C. albicans begründet. Die Tatsache, dass von C. albicans unterschiedliche immunologische Reaktionsmuster ausgelöst werden können, kann als Erklärungsmodell für die häufig beschriebene Vielzahl von Beschwerden sowie eine mögliche Verschlechterung eines bestehenden atopischen Krankheitsbildes herangezogen werden.
C. albicans kann bei einer dauerhaften Besiedelung des Darms diverse Immunreaktionen triggern, die zu einer vermehrten Expression Candida albicans:Immunreaktionenunterschiedlicher Zytokinmuster sowie einer Verschiebung spez. Lymphozyten-Subpopulationen führen. Auch bereits abgestorbene Hefezellen, wie sie z. B. in besonders hoher Konzentration nach antimykotischen Maßnahmen oder durch plötzlichen Substratentzug (Ernährungsumstellung) auftreten, können diese Reaktionen nach sich ziehen.
Ebenso kann sich aus einer erhöhten Darmschleimhautpermeabilität ein massiver Antigenstress entwickeln, der wiederum eine Immunkomplexbildung i. S. einer klassischen Typ-III-Reaktion nach sich zieht. Übersteigt die Immunkomplexbildung quantitativ die Phagozytosekapazität des Immunsystems, folgt eine Aktivierung des Komplementsystems mit daraus resultierenden proinflammatorischen Reaktionen.
Von besonderer regulatorischer Bedeutung: die T-Zellen
T-Helferzellen (TH) sezernieren nach ihrer Aktivierung eine T-Helferzellen, Candida-MykosenReihe unterschiedlicher Zytokine. Anhand des spez. ausgeschütteten Candidose, intestinale:ImmunreaktionenZytokinmusters können die T-Zellen in verschiedene Untergruppen differenziert werden. Die Untergruppen TH1 und TH2 sind hierbei von besonderer Bedeutung: Zwar stimulieren beide Zellgruppen über die Abgabe von Zytokinen die B-Lymphozyten zur Ak-Produktion, doch bilden diese entsprechend dem vorherrschenden Zytokinansprechen unterschiedliche Ak-Klassen. Während eine TH1-Zellaktivität, der ein protektiver Immunschutz zukommt, im Wesentlichen die Produktion von IgG- und IgM-Ak nach sich zieht, veranlassen TH2-Zellen die Produktion von IgE- und IgG4-Ak.
TH1- bzw. TH2-Reaktion: Welche Einflüsse stellen die Weichen?
C. albicans weist eine Vielzahl zytoplasmatischer sowie zellwandgebundener Ag auf, sodass eine „gesunde“, von Candida spp. ausgelöste Immunabwehr sowohl TH1- und TH2-Zellen (zelluläre Immunantwort) aktiviert und somit neben der zellulären Immunantwort auch humoral reagiert. Die humorale Immunantwort bringt dabei Ak der Klassen IgA, IgG und IgM hervor.
Ein intaktes Immunsystem weist also eine ausgeglichene Balance von TH1- und TH2-Zellen auf, da sich diese bedarfsgerecht wechselseitig regulieren. Tierexperimentelle Untersuchungen konnten zeigen, dass eine Verlagerung (engl. shift) zu einer überwiegend TH1- oder TH2-lastigen Immunreaktion nicht nur von der Art und der Struktur des Ag, sondern auch von dessen Konzentration und Aufnahmeweg bestimmt wird.
Erfolgt aufgrund der quantitativen und qualitativen Besonderheiten des Ag sofort nach dessen Kontakt mit dem Immunsystem die Sekretion von IL-12 oder IFN-γ durch Makrophagen und NK-Zellen, wird eine TH1-Antwort gefördert. Lösen die Ag-Eigenschaften dagegen überwiegend eine Sekretion von IL-4 aus, wird eine TH2-Antwort angestoßen (Abb. 6.8).

INFO

TH1-Zellen: Candidose, intestinale:Rolle der T-Zellen

  • Inflammatorische CD4+-T-Lymphozyten

  • Förderung der intrazellulären Keimabwehr (Unterstützung lytischer Zellen wie z. B. zytotoxische Zellen oder NK-Zellen)

  • Charakteristische Ausschüttung von IFN-γ

TH2-Zellen:

  • CD4+-Helferzellen

  • Förderung der Ak-Produktion gegen spez. Ag durch Aktivierung der B-Zellen

  • Charakteristische Ausschüttung von IL-10

B-Zellen:

  • Aktivierung durch Kontakt mit einem Ag und T-Helferzellen

  • Bilden Ak mit der Spezifität des ursprünglichen B-Zell-Rezeptors aus

TH1-Antwort:

  • Anregung der zellvermittelten Immunität (z. B. NK-Zellen, T-Zellen)

  • Anregung der Ak-vermittelten Immunität (IgG1–3/IgM)

  • Ag-spezifische T- und B-Lymphozyten sollen klonal vermehrt werden.

  • Bekämpfung intrazellulärer Ag

  • Aktivierung zytotoxischer T-Lymphozyten

TH2-Antwort:

  • Anregung der Ak-vermittelten Immunität (in erster Linie IgE/IgG4)

  • Bekämpfung extrazellulärer Pathogene (z. B. Würmer)

  • Bei Allergie überschießend

Bleibt ein Wechsel der sezernierten Zytokinmuster aus, fixiert sich bei weiter bestehender Ag-Konfrontation die vorherrschende Reaktion. Während eine TH2-Reaktion auch bei relativ seltenem Kontakt mit verhältnismäßig geringen Ag-Mengen ausgelöst werden kann, führt ein massiver Ag-Kontakt zu einem Überwiegen der TH1-Antwort. Dieses Phänomen könnte eine Erklärung für die individuell unterschiedliche Beantwortung einer Immunprovokation durch C. albicans liefern. Darüber hinaus können konstitutionelle und erworbene Faktoren das Risiko für eine gestörte TH1/TH2-Balance zugunsten der TH2-Zellen erhöhen.
Candida-Antigene initiieren einen TH2-Shift
Während eine nicht adhärierende intraluminäre Candida albicans:TH2-ShiftPilzflora den Organismus mit entsprechenden Stoffwechselsubstraten belasten kann, geht von adhärierenden Sprosspilzen das Risiko einer intensivierten Ag-Konfrontation sowie einer Invadierung in die Mukosa aus.
Wasserlösliche Candida-Ag wirken stark Candidose, intestinale:Immunreaktionenallergen, wodurch eine TH2-Antwort initiiert wird, die entgegen dem üblichen Reaktionsmuster verstärkt eine IgE- und/oder IgG4-Ak-Bildung nach sich zieht. Bei Pat., die eine genetische Veränderung der α-Untereinheit des IL-4-Rezeptors der B-Zellen aufweisen, wird IL-4 verlängert gebunden. Die daraus resultierende Signalverstärkung zieht eine nochmals gesteigerte IgE-Bildung nach sich. Somit kann C. albicans unabhängig von der Keimzahl bei prädisponierten Pat. als starkes Allergen wirken.
Im Rahmen der weiteren Immunreaktionen wie der vermehrten Freisetzung von Prostaglandin E2 (PGE2) durch Makrophagen wird eine Vielzahl unspez. Beschwerden ausgelöst. Da IgE-Ak im Gesamtorganismus zirkulieren, können sich allergische Symptome auch in darmfernen Körperkompartimenten wie dem Respirationstrakt oder der Haut manifestieren bzw. eine atopische Grunderkr. (z. B. allergische Rhinitis, Asthma, Neurodermitis) verschlimmern. Dieses Phänomen erklärt, warum nicht jede Person in gleicher Weise auf die intestinale Provokation mit Candida-Ag reagiert.
Eine Candida-Infektion initiiert einen TH1-Shift
Bei einer Candida-Mykose adhäriert C. albicans Candidose, intestinale:Immunreaktionenauf der Mukosa, dringt in das Gewebe ein, vermehrt sich dort und ruft eine immunologische Reaktion hervor. Nachdem in der Frühphase der Immunreaktion TH2-Zellen zunächst eine IgA-Synthese anregen (mukosale Abwehr), kommt es bei Fortschreiten der Infektion bzw. Infiltration der Sprosspilze in tiefere Gewebsabschnitte zu einer Verschiebung: Über die Expression von IFN-γ erfolgt ein TH1-Shift, der die Produktion spez. IgG- und IgM-Ak auslöst. Durch diese effektive Bildung unterschiedlicher spez. Ak-Klassen wird die Abwehrleistung des Immunsystems deutlich verstärkt.

Symptomatik

Proinflammatorische Reaktionen aufgrund einer Candida-bedingten Aktivierung des Komplementsystems können zu rheumatischen Beschwerden und anderen unspez. Symptomen führen. Rezid. Fieberschübe mit Schüttelfrost, Candidose, intestinale:SymptomeAtemnot und Hustenattacken, akute Muskelschmerzen und Diarrhöen sind bei Pat. mit massenhaft Candida spp. im Stuhl beschrieben worden. Für ein solch fulminantes Beschwerdebild können zeitgleich auftretende Früh- und Spätreaktionen verantwortlich sein.

Diagnostik

T-cellspot Candida
Das immundiagnostische Verfahren T-cellspot® Candida gibt Aufschluss über die Wechselbeziehungen zwischenT-cellspot®:Candida fakultativ pathologischen Hefepilzen und dem Pat.
Der T-cellspot® erlaubt eine Differenzierung Candidose, intestinale:T-cellspot®zwischen allergischer Reaktion und Entzündung/Infektion durch C. albicans. Somit ist es möglich, die klin. Relevanz eines kulturellen Stuhlbefunds zu beurteilen und eine transiente Mykoflora von einer kommensalen bzw. pathogenen Mykoflora zu unterscheiden.
Der T-cellspot® Candida basiert auf dem Nachweis der spez. Sekretion von IFN-γ, einem Leitzytokin der TH1-Antwort, und IL-10, einem Leitzytokin der TH2-Antwort (Testprinzip6.2.4).

INFO

Indikation

  • Beurteilung der klin. Relevanz kultureller Stuhlbefunde

  • Differenzierung zwischen transienter oder invasiver Candida-Besiedelung im Stuhl

  • Nachweis einer Mykose

  • Unterscheidung, ob das Candida-spez. Reaktionsmuster einer TH1-Immunantwort (Infektion?) oder einer TH2-Immunantwort (Atopie?) zuzuordnen ist

Präanalytik
Probenmaterial: 3 × Heparin-Blut
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Expressversand: Die Blutprobe sollte binnen 24 h im Labor eintreffen; bitte Probenabholung im Labor anfordern
Befundinterpretation
Im Test wird die Basalfreisetzung sowie die maximale Freisetzung dieser beiden Zytokine nach Mitogenstimulation durch das Pokeweed-Mitogen (PWM) bestimmt. Weiterhin erfolgt eine Bestimmung der Freisetzung beider Leitzytokine nach Stimulation mit Candida-Ag. Gesteigerte Messwerte im Vergleich zur Basalfreisetzung zeigen somit eine Verschiebung in Richtung TH1 oder TH2 an. Folglich kann – unter Berücksichtigung des klin. Bildes – mithilfe von Verlaufskontrollen zwischen allergischer Reaktion und Infektion unterschieden werden. Stimulationswerte > 4 zeigen eine spez. Antwort der Lymphozyten an. Im vorliegenden Befund (Abb. 6.9) wurde eine TH1-Antwort nachgewiesen.
Eine TH2-Reaktion (IL-4-Bildung) ist nur in der Frühphase einer Infektion oder aber als Ausdruck einer Sensibilisierung zu erkennen. Letzteres würde durch eine Verlaufskontrolle bestätigt, die als Ergebnis abermals eine TH2-Reaktion zeigt.
Liegt hingegen eine Infektion im fortgeschrittenen Stadium vor, zeigt der T-cellspot® Candida im Kontrollbefund nun einen TH1-Shift (IFN-γ-Bildung) an (Abb. 6.9).

INFO

Das Testprinzip ist so sensitiv, dass bereits eine einzelne Zelle, die auf C. albicans reagiert, nachweisbar ist. Da eine solche antigenspezifische Lymphozytenaktivierung oftmals deutlich vor einem messbaren Anstieg der Ak-Titer vorhanden ist, kann der T-cellspot® Candida diagnostische Lücken der Candida-spez. Serologie schließen.

D-Arabinitol
Während sich die durch C. albicans getriggerten D-Arabinitol:Candida-Mykosenimmunologischen Reaktionsmuster mithilfe der zuvor dargestellten Immunparameter zuverlässig beurteilen lassen, war es bisher nicht möglich, das Ausmaß der intestinalen Vermehrung von Hefen und die damit verbundene Produktion hefespez. Metaboliten aufzuzeigen und einzuschätzen.
Bei etwa ⅔ aller Gesunden lässt sich C. albicansCandidose, intestinale:D-Arabinitol-Bestimmung im Stuhl nachweisen, sodass die isolierte Betrachtung kultureller Untersuchungsergebnisse keine ausreichenden Rückschlüsse auf eine etwaige klin. Bedeutung des Befunds zulässt. Die Bestimmung von D-Arabinitol schließt diese diagnostische Lücke und ermöglicht die frühzeitige Erkennung eines überschießenden Hefewachstums sowie einer drohenden invasiven Candidose.

INFO

Indikation

  • Diagnose einer ausgeprägten intestinalen Kolonisation (Beurteilung der hefespez. Stoffwechselleistung)

  • Risikoabschätzung einer invasiven Mykose, v. a. bei immunsupprimierten Pat. und Neugeborenen

Da sich die Konzentration von D-Arabinitol im Urin proportional zu dessen Konzentration im Serum verhält, steigt somit bei starker Hefebelastung die Konzentration von D-Arabinitol im Serum und Urin deutlich an.

INFO

Physiologische Bedeutung von D-Arabinitol

D-Arabinitol:physiologische BedeutungNatürlicherweise tritt der Zuckeralkohol Arabinitol in Form von D- und L-Arabinitol auf. Beide Formen lassen sich auch bei Gesunden in geringen Mengen im Serum und Urin nachweisen. Da aber nur D-Arabinitol von Candida spp. wie C. albicans, C. tropicalis und C. parapsilosis produziert wird, ist bereits bei einer ausgeprägten Kolonisierung von Hefen im Dünndarm mit einem vermehrten Anfall von D-Arabinitol zu rechnen. Infolge des Konzentrationsanstiegs von D-Arabinitol kommt es zu einer Verschiebung des Verhältnisses von D-Arabinitol und L-Arabinitol hin zu D-Arabinitol.
Präanalytik
Probenmaterial: 1. Morgenurin
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Versand im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich
Befundinterpretation
Ein erhöhter D-Arabinitol-Spiegel im Urin spricht für ein überschießendes intestinales Hefewachstum, das mit einem erhöhten Risiko für eine invasive Candidose einhergehen kann.
Mannosebindendes Lektin
Bei Pat., die trotz eines unauffälligen Immunstatus Mannosebindendes Lektin:Candida-MykosenCandidose, intestinale:MBL-Spiegelbestimmungund optimaler Mikronährstoffversorgung häufig unter rezid. Candidosen leiden, sollte der MBL-Spiegel bestimmt werden (4.4.7). Wichtige Hinweise auf einen MBL-Mangel liefern Angaben zur Infektanfälligkeit im Kindesalter. Ein MBL-Mangel zieht i. d. R. eine in Bezug auf sehr häufige, komplikationsreiche Infekte im Kindesalter auffällige Anamnese nach sich.
Candida-Killing-Test
Beim Candida-Killing-Test handelt es sich um einen funktionellen Immuntest, mit dem die Candida-Killing-TestIntensität der eigentlichen Phagozytose, also der Aufnahme des Pathogens, bestimmt werden kann.
Hierzu werden Zellen von C. albicans durch Fluoreszenzfarbstoffe markiert und mit den Leukozyten des Pat. Co-inkubiert. Bei stattfindender Phagozytose werden diese markierten Zellen von den Monozyten bzw. Granulozyten des Pat. aufgenommen (phagozytiert). Phagozyten, die fluoreszierende Erreger aufgenommen haben, erfahren eine deutliche Zunahme in der Fluoreszenzintensität und können mittels Durchflusszytometrie detektiert werden. Hierbei sind Monozyten und Granulozyten unterscheidbar.
Präanalytik
Probenmaterial: 1 × Heparin-Blut
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Expressversand: Die Blutprobe sollte binnen 24 h im Labor eintreffen; bitte Probenabholung im Labor anfordern
Befundinterpretation
Normwerte> 50 % der Kontrolle
Eine verminderte Phagozytoseleistung der Granulozyten und/oder Monozyten spricht für eine Entwicklungsstörung des jeweiligen Zelltyps und geht klinisch i. d. R. mit einer erhöhten Infektanfälligkeit einher.

Medikation/Therapie

Die Zusammenstellung der nachstehend aufgeführten Präparate zur naturheilkundlichen Prävention und Therapie intestinaler Candidosen ist als Anregung zu verstehen und stellt kein aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept dar. Bei der individuellen Auswahl der Präparate für den Pat. sind ggf. vorhandene Kontraindikationen zu berücksichtigen (s. Beipackzettel des jeweiligen Herstellers).
Indikationen, Zusammensetzung, Dosierungs- und Anwendungsempfehlungen s. AnhangTab. A–Z.

THERAPIEEMPFEHLUNGEN

  • Candidose, intestinale:TherapieempfehlungenAdiclair® Adiclair® Filmtabletten:IndikationFilmtabletten (Ardeypharm)

  • Adiclair® Adiclair® Suspension:IndikationSuspension (Ardeypharm)

  • Adiclair® Nystatin Adiclair® Nystatin Mundgel:IndikationMundgel (Ardeypharm)

  • AC7 AC7 Komplex:IndikationKomplex (Biogena)

  • mucozink®mucozink®:Indikationen (nutrimmun)

  • PhytoBiotika®PhytoBiotika®:Indikationen (Biogena)

  • Darmsanierung nach Dr. HergetDarmsanierung nach Dr. Herget:Indikationen

    • OZOVIT OZOVIT MP:IndikationMP (PASCOE)

    • MARCOFRUCT®:IndikationMARCOFRUCT® (PASCOE) + QUASSIA Similiaplex® RQUASSIA Similiaplex® R:Indikationen

    • DASYM-DASYM-PASCOE®:IndikationPASCOE® (PASCOE)

Komplementäre Mikronährstoff-Therapie
Neben der klassischen Nystatin-Therapie, der bei hohen Keimzahlen insb. für die Nystatin:Candidose, intestinaleMikronährstoff-Therapie, komplementäre:Candidose, intestinaleCandidose, intestinale:Mikronährstoff-Therapie, komplementäreersten Therapietage nach wie vor hohe Bedeutung zukommt, bewähren sich bei rezid. intestinalen Candidosen zunehmend antimykotisch wirksame Phytotherapeutika. Darüber hinaus sollte immer eine probiotische Phytotherapeutika, antimykotischeBegleittherapie zur Milieustabilisierung Berücksichtigung finden. Letzteres muss prinzipiell mit sinnvollen diätetischen Ansätzen einhergehen (z. B. kohlenhydrat- bzw. zuckerarme Ernährung).
  • Antimykotische Pflanzenextrakte:

    • Rosmarin (Eigenschaften6.7.5)

    • Grapefruitsamen-Extrakt (Eigenschaften6.7.5)

    • Berberitzen-Extrakt (Eigenschaften6.7.5)

    • Granatapfel-Extrakt (Eigenschaften6.7.5)

    • Thymian-Extrakt (Eigenschaften6.7.5)

Das Aromatogramm: Erreger-Eradikation mit etherischen Ölen

Definition

In mehr als 500 klin. Studien weltweit sind die antibakteriziden Eigenschaften von natürlichen etherischen Ölen geprüft worden. Es konnte bewiesen werden, dass die Etherische Öle:Erreger-EradikationÄtherische Öle\t \"Siehe Etherische Ölegetesteten Öle Etherische Öle:Wirkungendeutliche antibakterizide und antimykotische Wirkungen gegen klin. relevante Keime und sogar gegen multiresistente Problemkeime zeigen, also Bakterien und Pilze wirksam bekämpfen und außerdem das Immunsystem stimulieren. Durch das Erstellen eines Aromatogramms kann genau bestimmt werden, welches Öl gegen welche Infektion am wirksamsten ist. Daher können etherische Öle eine gute Alternative oder eine AromatogrammErgänzung zur antibiotischen Behandlung der verschiedensten Infektionen darstellen.
Die Natur bietet ein großes Spektrum an etherischen Ölen wie Teebaum-, Rosen-, Thymian-, Pfefferminz-, Kamillen-, Neroli-, Niaouli- oder Koriander-Öl. Ein Öl kann bis zu 50 verschiedene chemische Komponenten unterschiedlichster Stoffgruppen enthalten. Die antiseptischen Wirkmechanismen sind insb. für Teebaum-Öl (Melaleuca alternifolia) und einige seiner Bestandteile (z. B. Teebaum-ÖlTerpinen-4-ol,Melaleuca alternifolia\t \"Siehe Teebaum-Öl α-Terpineol und 1,8-cineol) gut untersucht. Es wirkt auf die Zytoplasmamembran von Bakterien sowie die mitochondrialen und nukleären Membranen von Hefen. Die Zerstörung der Semipermeabilität hat die Inhibition der Zellatmung, einen K-Ionen-Efflux und den Verlust oder die Koagulation von zytoplasmatischen Bestandteilen zur Folge. Neueren Studien zufolge wirkt Koriander-Öl ebenfalls auf die Zellmembranen.
Weiterhin weisen klin. und Koriander-Ölimmunologische Studien auf die antiinflammatorischen Eigenschaften der essenziellen etherischen Öle hin, die u. a. durch eine Hemmung der Produktion der Entzündungsmediatoren der Monozyten begründet werden können. Diese antiinflammatorischen Effekte der etherischen Öle Etherische Öle:Wirkungenkönnten bei einer Vielzahl von entzündlichen Erkr. von großem Nutzen sein.
Ein Aromatogramm ist mit einem Antibiogramm vergleichbar. Bei einem Aromatogramm:DurchführungAromatogramm werden antibakt. oder antimykotische Wirkungen eines etherischen Öls mittels Agardiffusionstest gegen Krankheitskeime getestet. Dazu werden die zu testenden Bakterien auf einem speziellen Nährboden ausgestrichen, mit Blanko-Testplättchen belegt und mit den verschiedenen etherischen Ölen beträufelt. Nach einer 18- bis 24-stündigen Bebrütung werden die Hemmhöfe ausgemessen und ausgewertet (Abb. 6.10). Diese antibakterielle und antimykotische Wirksamkeit von etherischen Ölen wurde zwischen 1987 und 2001 weltweit in mehr als 500 Studien dokumentiert.
Der Agardiffusionstest ist wissenschaftlich anerkannt und wird auch bei der AgardiffusionstestResistenztestung von vielen Antibiotika tagtäglich routinemäßig eingesetzt.
Mit dem Aromatogramm können aus einer Auswahl von unterschiedlichen Ölen diejenigen bestimmt werden, die gegen die angezüchteten Krankheitserreger die beste antibakterielle bzw. antimykotische Eigenschaft aufweisen. So ermöglicht das Aromatogramm eine kausale, präzise auf die jeweiligen Infektionserreger zielende aromatherapeutische Behandlung. Da das Ergebnis dieses Agardiffusionstests genau Aromatherapie:Agardiffusionstestvermessen werden kann, erweist sich das Aromatogramm als zuverlässiges, jederzeit wiederholbares und somit jederzeit kontrollierbares Standardsystem. In Versuchsreihen mit unterschiedlichen etherischen Ölen wird schnell und präzise eine Auswahl der am stärksten antimikrobiell wirksamen etherischen Öle gegen die vom Pat. isolierten Infektionserreger getroffen.
Mithilfe des Aromatogramms lässt sich anschließend eine individuelle Aromarezeptur (Inhalationsöle, Nasenöle, Nasensalben, Wundsalben, Vaginalzäpfchen etc.) herstellen und eine erfolgreiche Aromatherapie durchführen.

Indikation

Nach den bisherigen klin. Erfahrungen eignet sich die Aromatherapie bzw. die Kombinationstherapie von antibiotischer und aromatherapeutischer Behandlung mithilfe von Aromatogrammen besonders bei folgenden Indikationen:
  • Harnwegsinfektionen, akut oder chronisch

  • Aromatherapie:IndikationAromatherapie:IndikationAromatherapie:IndikationAromatherapie:IndikationAromatherapie:IndikationAromatherapie:IndikationUrogenital- oder Vaginalinfektionen, akut oder chronisch

  • Oberflächliche Wundinfektionen

  • Hautekzem, Intertrigo, Akne

  • Allergische Rhinitis, Bronchitis, Pharyngitis, Sinusitis, akut oder chronisch

Diagnostik

Bei jedem Aromatogramm werden die verschiedensten Öle (wie z. B. Angelika-, Cajeput-, Cistrose-, Eukalyptus-, Kamille-, Lavandin-, Lemongrass-, Manuka-, Neroli-, Niaouli-, Palmarosa-, Rosen-, Teebaum-, Thymian-, Weihrauch-, Zitronen-Öl etc.) mit dem mikrobiologischen Agardiffusionstest gegen klin. relevante Keime wie z. B. E. coli, Enterococcus spp., AgardiffusionstestStaphylococcus aureus, Streptococcus agalactiae, Streptococcus pyogenes und C. albicans sowie gegen multiresistente Problemkeime (z. B. MRSA) ausgetestet.
Präanalytik
Probenmaterial:
Urin (Mittelstrahlurin), Haut-, Wund-, Urogenital-, Vaginal- oder Rachenabstriche mit Nährmedium, Sputum
Besonderheiten:
  • Aromatogramm/Aromatherapie sind nur für oberflächliche Wunden geeignet.

  • Vor Gewinnung des Mittelstrahlurins (optimal: 1. Morgenurin) ist eine Genitalreinigung mit klarem Wasser erforderlich.

Lagerung & Transport:
  • Lagerung der Abstriche bei RT

  • Lagerung des Sputums bzw. Urins bis zum Transport im Kühlschrank (2–8 °C)

  • Versand auf Postweg möglich; für den Urin ein Umröhrchen verwenden

Befundinterpretation
InAbb. 6.11 ist ein Musterbefund des Aromatogramms wiedergegeben.
Etherische Öle, die keine [−] bakterizide bzw. antimykotische Wirksamkeit gegen den nachgewiesenen Erreger haben, eignen sich nicht zur Erreger-Eradikation.
Die Öle mit der stärksten Wirksamkeit gegen die nachgewiesenen Erreger sind mit drei Pluszeichen [+++] gekennzeichnet.
Anhand des Laborbefunds können Apotheken, die Erfahrung auf dem Gebiet der Aromatherapie haben, Präparate für die innere oder äußere Anwendung aus den wirksamsten etherischen Ölen herstellen. Mögliche Applikationsformen sind je nach Infektionsort z. B. Nasen-/Hautsalben, Rachensprays, Tropfen zur Inhalation, für Wickel oder Bäder, Vaginalzäpfchen sowie systemisch wirkende Solubol-Tropfen für die orale Applikation.
Bestimmte Öle sollten während der Schwangerschaft, bei Kindern oder bei bekannten Unverträglichkeiten nicht eingesetzt werden. Mithilfe der nötigen klin. Daten können individuelle Präparate hergestellt werden, die die olfaktorischen Vorlieben der Pat. berücksichtigen und kaum Nebenwirkungen haben.
Da bestimmte etherische Öle neben der antiseptischen auch antidepressive, antiinflammatorische, analgetische oder hyperämisierende Wirkungen haben, können durch die Beimischung dieser Öle weitere Beschwerden positiv beeinflusst werden. Die Aromatherapie stellt somit ein ganzheitliches Therapiekonzept dar.

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