© 2022 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-56323-2.00002-4

10.1016/B978-3-437-56323-2.00002-4

978-3-437-56323-2

Fruktose-Malabsorption als Ursache Fruktose-Malabsorption:depressive Zuständedepressiver Zustände

[V574]

Befund: Atemtest LaktoseH2-Atemtest:Befunde

[LV573]

Befund: Histamin-Profil im Histamin:im UrinUrin

[V573]

Der Histamin-Histamin:StoffwechselStoffwechsel (nach Maintz et al. 2006)

[V574]

Cofaktoren der Diaminoxidase (DAO):CofaktorenDAO

[V573]

Übersicht glutenhaltiger und glutenfreier Getreidesorten, Gluten-GehaltGetreidesorten

Tab. 2.1
Glutenfrei Glutenhaltig
Reis, Wildreis, Mais, Hirse, Quinoa, Buchweizen, Amaranth, Kastanie Weizen, Roggen, Gerste, Grünkern, Dinkel, Emmer, Kamut, Einkorn, Hafer (Gluten-Gehalt umstritten, aber produktionsstättenbedingt häufig mit Gluten kontaminiert)

Mutationen bei hereditären Intoleranzen Kohlenhydrat-Intoleranz:hereditäre

Tab. 2.2
Gen Position der Mutation Intoleranz gegen
ALDOB A149P, A174D, N334K, Δ4E4 Deletion Fruktose
LCT 13910 Laktose

Fruktose-Fruktose:Gehalt in NahrungsmittelnGehalt in Nahrungsmittel:Fruktose-GehaltNahrungsmitteln

Tab. 2.3
Fruktosefrei bzw. fruktosearm Fruktosearmes Gemüse: max. 0,8 g Fruktose/100 g (g/100 g)
  • Milch, Sauermilch, Quark, Käse (naturbelassen)

  • Eier, Fleisch, Fisch, Geflügel (naturbelassen)

  • Butter, Margarine, Pflanzenöle

  • Stärkemehle, polierter Reis, Feinmehlteigwaren

  • Weißbrot, Brötchen, Feinmehlbackwaren (ohne Zusatz von Trauben-, Malz-, Stärkezucker, Maltodextrin bzw. Früchten)

  • Kartoffeln (zunächst max. 150 g = 3 kleine Kartoffeln/Tag)

  • Küchenkräuter, Gewürze

  • Bohnenkaffee, Tee (außer Früchtetee mit Beeren und Fruchtstückchen), Wasser

  • Traubenzucker, kalorienfreie Süßstoffe (Saccharin, Cyclamat, Aspartam)

  • Spinat, Feldsalat, Endivie (0,2 g)

  • Kartoffel, Champignon (0,3 g)

  • Rhabarber (0,5 g)

  • Kopfsalat, grüne Erbsen (0,6 g)

  • Rettich (0,7 g)

  • Radieschen (0,8 g)

Relativ fruktosearm: max. 3,5 g Fruktose/100 g (g/100 g) Obstsorten mit mittlerem bis hohem Fruktose-Gehalt (g/100 g)
  • Avocado (0,25 g)

  • Zitrone (1,6 g)

  • Himbeeren, rote Johannisbeeren (2,5–2,6 g)

  • Erdbeeren (2,8 g)

  • Preiselbeeren (3 g)

  • Brombeeren (3,2 g)

  • Holunderbeeren, weiße Johannisbeeren (3,3 g)

  • Schwarze Johannisbeeren (3,4 g)

  • Heidelbeeren (3,5 g)

  • Grapefruit, Quitte, Stachelbeere (3,6–3,7)

  • Orange, Aprikose (4,3 g)

  • Sauerkirsche (4,5 g)

  • Kiwi (4,7 g)

  • Pfirsich, Mandarine (4,9 g)

  • Pflaume (5,1 g)

  • Reineclaude (5,5 g)

  • Zuckermelone, Süßkirsche (6,1–6,2 g)

  • Ananas, Mirabelle (6,4–6,6 g)

  • Mango (7,1 g)

  • Apfel (7,5 g)

  • Weintraube (7,9 g)

  • Hagebutte (8,1 g)

  • Banane (8,6 g)

  • Birne (9,8 g)

  • Trockenfeigen, -Pflaumen, -Aprikosen (24–26 g)

  • Rosinen (32 g)

  • Trockenäpfel (38 g)

Vorsicht: Versteckter Fruchtzucker! (g/100 g)
  • Süßwaren (30–95 g)

  • Haushaltszucker (ca. 50 g)

  • Schokolade (20–30 g)

  • Diabetikerkonfitüren, Nussnougatcreme (25–50 g)

  • Speiseeis, viele Sorten (ca. 7,5 g)

  • Tomatenketchup (ca. 12 g)

  • Tomatenmark (ca. 6,5 g)

  • Dressings, Grillsoßen wie z. B. Zigeuner-, Barbecue- und Cocktailsoße, Italian Dressing (ca. 2–4 g)

  • Rindfleischsülze (ca. 2,6 g)

  • Gepökeltes und Feinkostwaren, Senf, Obstessig (ca. 0,3–0,4 g)

DAO-blockierende Medikamente:DAO-blockierendeMedikamente (DAO-DAO-HemmerHemmer)

Tab. 2.4
Medikamentenwirkstoff Anwendungsgebiet
Acetylcystein Schleimlöser
Ambroxol Schleimlöser
Aminophyllin Antidepressivum
Clavulansäure Antibiotikum
Chloroquin Antirheumatikum
Metamizol Schmerzmittel
Metoclopramid Magen-Darm-Mittel
Propafenon Antiarrhythmikum
Promethazin Neuroleptikum
Verapamil Herz-Kreislauf-Mittel

Histamin-Gehalt einer Auswahl an Histamin:Gehalt in LebensmittelnHistamin:Gehalt in Lebensmittelngebräuchlichen Nahrungsmitteln (aus: Jarisch R. Histamin-Intoleranz. Stuttgart: Thieme; 1999. S. 34)

Tab. 2.5
Lebensmittel Von bis (max.)
Käse mg/kg
Emmentaler < 10–500 (2.500)
Gouda, Edamer Stangenkäse < 10–200 (900)
Alkoholische Getränke μg/kg
Rotwein Bis 3.800
Bier 20–50
Rohwürste/Rohschinken mg/kg
Salami 10–280
Frischfleisch < 10–280
Frisch/Fischprodukte mg/kg
Fisch, fangfrisch < 1
Fisch, verdorben Bis 13.000
Gemüse mg/kg
Tomaten (Ketchup) 22
Sauerkraut 10–200
Essig μg/kg
Rotweinessig 4.000

Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Glutensensitive Enteropathie (Zöliakie, Sprue)

Definition

Die glutensensitive Nahrungsmittelunverträglichkeiten:glutensensitive Enteropathie/Zöliakie/SprueGlutensensitive EnteropathieEnteropathie (Syn. einheimische Sprue, Zöliakie) gehört in die Gruppe der immunvermittelten Systemerkr., die sich primär im Bereich des Dünndarms manifestieren. Es handelt sich um eine pathologische Immunreaktion ggü. den in Getreideproteinen enthaltenen Klebereiweißen (Gluten). Damit gehört die Erkr. zu den immunologischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

INFO

GlutenGluten – der Oberbegriff für die alkohollöslichen Prolamin-Fraktionen der Getreideeiweiße aus Weizen (Dinkel, Grünkern u. a. Derivate), Gerste, Roggen, Hafer und auch Wildreis – ist ein Komplex aus Gliadin und Glutelin. Ernährungsphysiologisch ist Gluten kein hochwertiges Eiweiß und kann somit unbedenklich aus der Nahrung eliminiert werden. Das als Antigen wirkende GliadinGliadin verbindet sich mit Antikörpern (Ak), die in der Darmmukosa einen Immunkomplex bilden, woraus eine Aggregation von Lymphozyten resultiert. Es entwickeln sich Entzündungsprozesse, die letztlich für die Mukosaschädigung mit Verlust der Villi und Proliferation der Kryptenzellen verantwortlich sind. Histologisch ist die Erkr. daher durch eine mit einer Zottenatrophie einhergehende Schädigung der Dünndarmschleimhaut gekennzeichnet, die zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Beeinträchtigung der Nährstoffresorption mit entsprechenden Folgen führt (Magen-Darm-Symptome, sekundärer Laktase-Laktase(mangel)Mangel).

Die einheimische Sprue, einheimischeSprue ist eine hereditäre, kongenitale, immunologische Erkr., bei der die Gliadin-Fraktionen des Glutens eine zytotoxische T-Lymphozyten-Reaktion auslösen, durch die eine fortschreitende, aber reversible Zottenatrophie mit der Folge einer Malabsorption eintritt.
Durchschnittlich vergehen ca. 10 Jahre, bis bei einem Pat. mit Zöliakie die korrekte Diagnose gestellt wird, und ¹∕₅ der Pat. ist bei Diagnosestellung bereits über 50 Jahre!
Nur 40 % der Pat. weisen klassische Magen-Darm-Beschwerden auf, 60 % haben vorwiegend atypische Symptome!
Glutensensitivität

GUT ZU WISSEN

In den letzten Jahren ist eine zunehmende Unverträglichkeit ggü. Getreideprodukten zu beobachten, die weder auf einer Zöliakie noch auf einer Getreideallergie beruht. Schätzungsweise leiden 5–7 % der Bevölkerung an Beschwerden, die nach dem Genuss von Teigwaren auftreten. Bisher wurde dieses Phänomen als Gluten Sensitivity bezeichnet. Die Fachgremien kamen aktuell überein, die Nomenklatur in Non-Celiac Gluten Non-Celiac Gluten SensitivitySensitivity zu ändern. Gluten Sensitivity\t \"Siehe Non-Celiac Gluten Sensitivity

Angesichts der wachsenden Zahl von Pat., die auf eine Glutenkarenz positiv reagieren, erlangt diese Form der Glutenunverträglichkeit zunehmend Bedeutung. So sollten Pat., bei denen ein RDS oder somatoforme Störungen diagnostiziert wurden und die keine erhöhten Ak-Befunde bzw. endoskopischen Auffälligkeiten zeigen, über ca. 2–3 Wo. eine glutenfreie Ernährung ausprobieren. Sistieren die Beschwerden unter Glutenkarenz, ist von einer Non-Celiac Gluten Sensitivity auszugehen. Bei vielen Betroffenen scheinen dabei keineswegs nur abdominale Symptome im Vordergrund zu stehen; vielmehr werden auch viele zuvor anderen Erkr. zugeordnete Symptome durch die glutenfreie Diät positiv beeinflusst.
Da ursprüngliche Getreide wie Emmer, Einkorn, Zweikorn, Kamut oder Dinkel eine natürliche, unverfälschte Proteinzusammensetzung aufweisen, werden entsprechende Produkte oftmals gut vertragen. So kann nach Abklingen der Beschwerden versucht werden, diese Getreide stufenweise und in kleinen Mengen in den Ernährungsplan aufzunehmen.
Auch wenn die Non-Celiac Gluten Sensitivity nach bisherigen Erkenntnissen einer Labordiagnostik scheinbar nicht zugänglich ist, empfiehlt sich neben der klassischen Serumdiagnostik die Bestimmung der Transglutaminase- und Gliadin-Ak in den Fäzes. Die Erfahrung zeigt, dass nicht bei allen Pat. mit erhöhten Ak im Stuhl auch erhöhte Serumtiter nachweisbar sind.
Formen der Glutenunverträglichkeit
  • ZöliakieZöliakie: Glutenunverträglichkeit:Formen

    • Klinisch symptomatische Form

    • Ak nachweisbar

    • Darmmukosa entzündlich verändert

  • Non-Celiac Gluten Non-Celiac Gluten SensitivitySensitivity:

    • Klinisch symptomatische Form

    • Keine Ak nachweisbar

    • Darmmukosa normal

  • Silente GlutenenteropathieGlutenenteropathie:

    • Klinisch asymptomatische Form

    • Ak nachweisbar

    • Darmmukosa entzündlich verändert

  • Latente GlutenenteropathieGlutenenteropathie:

    • Klinisch asymptomatische Form

    • Ak nachweisbar

    • Darmmukosa normal

Ursachen

Bei der Zöliakie:UrsachenZöliakie spielen neben Immunsystem und Umweltfaktoren erbliche Faktoren eine wichtige Rolle (95 % der Pat. haben die Gene HLA-DQ2 und HLA-DQ8; bis zu 5 % weisen das Gen HLA-DR4 auf).

Symptomatik

80–90 % der Pat. mit Zöliakie:SymptomeZöliakie haben untypische bis keine Symptome und leben in Unkenntnis ihrer Erkrankung. Auch bei einer glutensensitiven Enteropathie dominieren weniger abdominale als vielmehr unspezifische Symptome das Glutensensitive Enteropathie:SymptomeBeschwerdebild.
Nur 30–40 % der Pat. zeigen einen abdominal symptomatischen Verlauf (s. u.). Wechselnd häufig klagen Pat. über Zungenbrennen und allg. Abgeschlagenheit. Die häufig atypische Präsentation der Glutenunverträglichkeit:SymptomeGlutenunverträglichkeit erstreckt sich von unklarer Müdigkeit mit Anämie bis hin zu den Folgen von Autoimmunerkr.
Verdächtige Beschwerden:
  • Gastrointestinale Beschwerden (aufgetriebenes Abdomen, Völlegefühl, Appetitlosigkeit, irritables Darmsyndrom, abdominale Schmerzen, Diarrhö, Obstipation, Meteorismus)

  • Unspezifische Allgemeinsymptome (Müdigkeit, Anämie, Erschöpfung)

  • Neurologisch-psychiatrische Symptome (Taubheitsgefühl, Missempfindungen, Sehstörungen, Depression)

  • Beschwerden des Bewegungsapparats (Knochen- oder Gelenkschmerzen, Muskelkrämpfe)

  • Gestörte Sexualfunktion (Menstruationsstörungen, Unfruchtbarkeit, Impotenz)

  • Mundschleimhautentzündungen, Zungenbrennen

  • Sekundäre Intoleranzen

  • Assoziierte Erkr. (z. B. sIgA-Mangel, Autoimmunthyreoiditis, Typ-1-Diab., Dermatitis herpetiformis Duhring, rheumatoide Arthritis, Down-Syndrom)

GUT ZU WISSEN

Die Zöliakie:KomorbiditätZöliakie tritt sehr häufig in Verbindung mit Diab. mell. und autonomen Schilddrüsenerkr. auf, sodass ergänzende Untersuchungen (Bestimmung von TSH, Schilddrüsen-Ak, Blutzucker sowie HbA1c) veranlasst werden sollten. Andererseits sollte bei Pat. mit Diab. mell. bzw. Morbus Basedow oder Hashimoto-Thyreoiditis auf Zeichen einer Glutenenteropathie geachtet bzw. eine solche ausgeschlossen werden. Ebenso ist bei Pat. mit Osteoporose an eine noch nicht diagnostizierte Zöliakie als Ursache für den Verlust der Knochendichte zu denken (Kalziumdefizite durch Malabsorption).

Diagnostik

Gliadin-/Transglutaminase-Antikörper aus Stuhl
Präanalytik
Glutenunverträglichkeit:Diagnostik
Probenmaterial: 5 g Stuhl
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Versand des Stuhlröhrchens im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich
Befundinterpretation
Erhöhte Gliadin- und Transglutaminase-Ak-TiterGliadin-/Transglutaminase-Antikörper:Befundinterpretation
  • Erhöhte Werte sind lediglich als Hinweis auf eine Glutenunverträglichkeit bzw. Sensibilisierung ggü. Gluten zu interpretieren. Eine glutenfreie Diät sollte so lange nicht erfolgen, bis eine Zöliakie durch weiterführende Untersuchungen nachgewiesen wurde (s. u. Hinweis unter „Glutenkarenz“).

  • Für die gesicherte Diagnose einer Zöliakie bzw. Sprue sind weitere Untersuchungen unerlässlich (Serumdiagnostik, fäkale Entzündungsparameter, Duodenalbiopsie, ggf. Bestimmung der genetischen Prädisposition).

Gliadin-/Transglutaminase-Antikörper aus Serum
Zöliakiespezifische Ak der Klasse IgG werden mit dem Anti-Gliadin (GAF-3X)-ELISA ELISA:Anti-Gliadin (GAF-3x)zuverlässiger erfasst als mit herkömmlichen Anti-Gliadin-Tests.Gliadin-/Transglutaminase-Antikörper:Serum Durch die Identifizierung von spezifischen Bereichen des Gliadins, gegen die nur Zöliakie-Zöliakie:DiagnostikPat., nicht aber Gesunde Antikörper bilden, konnten diese Bereiche mithilfe molekularbiologischer Methoden fusioniert und als Grundlage für den Anti-Gliadin-(GAF-3X)-ELISA Anti-Gliadin-(GAF-3x)-ELISAeingesetzt werden.
Die Bestimmung der IgG-Ak gegen Voll-Gliadin mit herkömmlichen Tests ist für die Diagnostik nutzlos, da ¼ der Normalbevölkerung hier positiv reagiert.
Präanalytik
Probenmaterial: Serum
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Bei Lagerung über Nacht wird die Kühlung der Probe empfohlen (2–8 °C)
Versand im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich
Befundinterpretation
Normwertige Gliadin- und Transglutaminase-IgA- und IgG-Ak-TiterKonnten keine erhöhten Transglutaminase- oder Gliadin (GAF-3X)-Ak nachgewiesen werden, liegt anhand der Messwerte kein Hinweis auf eine Gluten-Intoleranz vor. Besteht aufgrund des klin. Bildes weiterhin der V. a. eine Glutenunverträglichkeit, sollte eine Non-Celiac Gluten Sensitivity ausgeschlossen werden (s. o.). Gliadin-/Transglutaminase-Antikörper:Befundinterpretation
Erhöhte Gliadin- und/oder Transglutaminase-IgA- und IgG-Ak-Titer
  • Gliadin- und Transglutaminase-Ak erhöht: Erhöhte Gliadin (GAF-3X)- und Transglutaminase-Ak weisen auf eine Gluten-Intoleranz hin. Da trotz des Anstiegs beider Parameter keine eindeutige Kategorisierung der Glutenenteropathie möglich ist, ist der Befund weiter abklärungsbedürftig.Wir empfehlen neben eingehender Familienanamnese den Nachweis genetischer Prädispositionsfaktoren (HLA DQ2, HLA DQ8, HLA DR4) sowie eine Endoskopie.

  • Isolierte Erhöhung der Gliadin-Ak bei normwertigen Transglutaminase-Ak-Titern: Erhöhte Gliadin-(GAF-3X-)Ak bei unauffälligen Transglutaminase-Ak bedürfen einer weiteren Abklärung, da einige Pat. keine Transglutaminase-Ak bilden. Möglicherweise liegt eine latente Zöliakie vorZöliakie:latente. In diesen Fällen sind die serologischen und histologischen Befunde nicht eindeutig. Die Pat. klagen i. d. R. über eher milde, unspezifische Beschwerden. Möglicherweise wurde früher schon eine Zöliakie diagnostiziert, doch vom Pat. keine dauerhafte Diät eingehalten. In diesem Fall wäre eine regelmäßige Überwachung unbedingt empfehlenswert, da sich jederzeit und in Abhängigkeit vom Glutenkonsum sowie anderweitigen Triggerfaktoren eine manifeste Zöliakie entwickeln kann.Wir empfehlen neben eingehender Familienanamnese den Nachweis genetischer Prädispositionsfaktoren (HLA DQ2, HLA DQ8, HLA DR4) sowie eine Endoskopie.

  • Weiterführende Diagnostik: Zur weiteren Beurteilung der klin. Relevanz können zusätzlich die fäkalen Parameter Alpha-1-Antitrypsin, Lysozym, sIgA, Calprotectin und EPX herangezogen werden.

GUT ZU WISSEN

Sollte vor Abschluss der weiterführenden Diagnostik eine Glutenkarenz in Erwägung gezogen werden, ist zu bedenken, dass eine etwaige Normalisierung der Situation eine valide Diagnose verzögern kann! Die Besserung der klin. Symptomatik unter GlutenkarenzGlutenkarenz geht mit einer Normalisierung der Laborbefunde sowie des histologischen Schleimhautbildes einher.

Medikation/Therapie

Ernährungsempfehlungen: Vorlage für Patienten
Zöliakie-Patienten müssen lebenslang eine strikt glutenfreie Diät einhalten (Tab. 2.1).

GUT ZU WISSEN

Gluten kann u. a. in folgenden Lebensmitteln enthalten sein: Nahrungsmittel:Gluten-Gehalt

  • Senf, Ketchup

  • Salatdressing

  • Schokolade

  • Eiscreme

  • Wurst und Wurstwaren

  • Soßen, Suppen

  • Puddingpulver

  • Verarbeitete Kartoffelprodukte (Kroketten, Chips)

Ernährungsempfehlungen:Gluten-IntoleranzAuch alle daraus hergestellten Lebensmittel eignen sich nicht für eine glutenfreie Ernährung. Garantiert glutenfreie Nahrungsmittel sind mit einer durchkreuzten Ähre auf der Verpackung kenntlich gemacht. Auch in der Zutatenliste müssen glutenhaltige Getreide vom Lebensmittelhersteller angegeben werden.
Zudem kann Gluten in Glutenvielen Lebensmitteln enthalten sein, bei denen man dies zunächst nicht vermutet. Das Klebereiweiß hat viele lebensmitteltechnologische Eigenschaften und wird deshalb u. a. als Bindemittel, Emulgator, Trägerstoff für Aromen und Geliermittel eingesetzt. Auch in vielen Fertigprodukten sind glutenhaltige Zutaten wie Mehl oder Kleie enthalten. Deshalb sollte immer auf das Zutatenverzeichnis geachtet werden.
Bei der Umstellung auf glutenfreie Ernährung sind im Hinblick auf die Nährstoffversorgung keine Mangelerscheinungen zu befürchten. Glutenhaltige Getreide sind gut durch die oben genannten Alternativen ersetzbar. Allerdings sind bei der Verarbeitung glutenfreier Mehle aufgrund der fehlenden Klebereiweiße Besonderheiten und veränderte Backeigenschaften zu beachten.
Medikation
Die Zusammenstellung der nachstehend aufgeführten Präparate zur naturheilkundlichen Behandlung einer glutensensitiven Enteropathie ist als Anregung zu verstehen und stellt kein aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept dar. Bei der individuellen Auswahl der Präparate für den Pat. sind ggf. vorhandene Kontraindikationen zu berücksichtigen (s. Beipackzettel des jeweiligen Herstellers).
Indikationen, Zusammensetzung, Dosierungs- und Anwendungsempfehlungen s. AnhangTab. A–Z.

THERAPIEEMPFEHLUNGEN

  • Glutensensitive Enteropathie:Therapieempfehlungen Colibiogen® oral/Kinder (Laves)Colibiogen® oral:Indikationen oder

  • Synerga® (Laves) Synerga®:Indikationen

  • MucosaPlex®MucosaPlex®:Indikationen (NICApur)

  • Omega 3 DUOOmega 3 DUO:Indikationen (nur über Biogena beziehbar)

  • probiotik® purprobiotik® pur:Indikationen (nutrimmun)

  • mucozink® (nutrimmun) mucozink®:Indikationen

Komplementäre Mikronährstoff-Therapie
  • Darmschleimhaut aufbauen:L-Glutamin (Eigenschaften1.1.5)

  • Mikronährstoff-Therapie, komplementäre:glutensensitive EnteropathienImmunabwehr steigern:Bovines Kolostrum (Kolostrum:bovinesEigenschaften1.4.5)

Kohlenhydrat-Intoleranzen

Definition

Bei einer Kohlenhydrat-Intoleranz Kohlenhydrat-Intoleranzführt die Maldigestion oder Malabsorption von Einfach- oder MehrfachzuckernZucker, Intoleranzen zuMehrfachzucker chron. Abdominalbeschwerden in individuell unterschiedlichem Ausmaß. Auslöser sind i. d. R. Laktose, Laktose-IntoleranzFruktose, Fruktose-MalabsorptionSorbit Sorbit-Intoleranzoder Xylit. Xylit-MalabsorptionNahrungsmittelunverträglichkeiten:Kohlenhydrat-IntoleranzenDamit gehören die Kohlenhydrat-Intoleranzen in die Gruppe der nichtimmunologischen Intoleranzen, die sich hier in resorptionsbedingte und enzymatische Intoleranzen unterscheiden lassen.
Laktose (Milchzucker\t \"Siehe LaktoseMilchzucker) istLaktose ein Disaccharid aus D-Galaktose und D-Glukose, das in Milch und Milchprodukten enthalten ist. Laktose kann nicht vom Dünndarm resorbiert werden. Erst nach Spaltung durch das in der Dünndarmmukosa lokalisierte Enzym Laktase Laktase(mangel)entstehen die resorbierbaren Monosaccharide Galaktose undGalaktose Glukose. GlukoseDurchschnittlich werden in Deutschland etwa 25–30 g Milchzucker pro Tag verzehrt. Die Toleranzschwelle ist individuell verschieden: Einige Personen entwickeln schon bei einer Aufnahme von 8 g Laktose (enthalten in 1 Glas Kuhmilch) Darmbeschwerden.
In Deutschland sind ca. 15 % der Bevölkerung von einer Laktose-Intoleranz betroffen; weltweit kommt sie noch wesentlich häufiger vor.
Fruktose (FruktoseFruchtzucker) Fruchtzucker\t \"Siehe Fruktosekommt in vielen Obst- und Gemüsesorten, Fruchtsäften und Honig vor und ist Bestandteil von Haushaltszucker (Saccharose); Saccharoseverschiedenen Lebensmitteln wird sie als Süßungsmittel zugesetzt.
Die Fruktose-Malabsorption istFruktose-Malabsorption in Mitteleuropa häufiger anzutreffen als eine Laktose-Intoleranz. Ca. 30–40 % der Bevölkerung leiden an einem verzögerten Fruktosetransport durch die Darmwand. Die Häufigkeit der intestinalen Fruktose-Malabsorption wird für Europäer mit 36 % angegeben, davon zeigen 50 % klin. Symptome.
Auch die Resorption von Sorbit (Sorbit(ol)Syn.: Sorbitol) kann vermindert sein und Symptome wie bei Laktose- oder Fruktose-Intoleranz hervorrufen. Sorbit, der Zuckeralkohol der Fruktose, kommt z. B. als Zuckeraustauschstoff in „zuckerfreien“ Süßigkeiten (E 420) und Diabetikerprodukten, aber auch in Obst und einigen Gemüsesorten vor. Sehr häufig ist die Sorbit-Intoleranz mit der Fruktose-Intoleranz vergesellschaftet (ca. 80–90 %), sie kann aber auch isoliert vorkommen.
Xylit istXylit ein Zuckeraustauschstoff und wird als Süßungsmittel v. a. in Kaugummis, aber auch in Süßwaren und Marmeladen sowie als Zusatzstoff in Zahnpasten eingesetzt.

Ursachen

Die Beschwerden einer Kohlenhydrat-Intoleranz Kohlenhydrat-Intoleranz:Ursachentreten durch mangelnde Resorption von Zuckern im Dünndarm auf. Anstatt in den Blutkreislauf zu wandern, gelangen sie in die unteren Darmabschnitte, wo sie von der ortsständigen Bakterienflora metabolisiert werden. Hierbei entstehen u. a. kurzkettige Fettsäuren, CO2 und H2. Es kommt zu Meteorismus, Bauchschmerzen, Erbrechen und durch osmotisch bedingten Wassereinstrom in das Darmlumen zu Diarrhöen.
Ursache der gestörten Laktose-Aufnahme ist das Fehlen bzw. die verminderte Synthese der in der Dünndarmmukosa gebildeten Laktase. Laktase(mangel)Bei verminderter Aktivität dieses milchzuckerspaltenden Enzyms wird die mit der Nahrung aufgenommene Laktose nicht oder nur z. T. gespalten.
Man unterscheidet verschiedene Formen der Laktose-Intoleranz:
  • Die primäre Laktose-Intoleranz istLaktose-Intoleranz:primäre genetisch determiniert. Sie kann sich in Form einer eingeschränkten Fähigkeit zur Laktasebildung oder in seltenen Fällen durch ihr vollständiges Fehlen manifestieren. Diese Alaktasie Alaktasiewird i. d. R. bereits im Säuglingsalter klinisch manifest. Häufiger jedoch ist die Laktase-Aktivität im Kindesalter noch normal und nimmt erst im Jugend- oder Erwachsenenalter ab (erworbener Mangel), wodurch es nach dem Verzehr von Milchprodukten durch die mangelnde enzymatische Aufspaltung von Laktose zu abdominalen Beschwerden kommt. Die Abnahme der Laktase-Aktivität im Erwachsenenalter hat per se keinen pathophysiologischen Wert, sondern stellt eine physiologische Anpassung an eine laktosearme Ernährung dar.

  • Bei einer sekundären Laktose-Intoleranz istLaktose-Intoleranz:sekundäre die verminderte Laktase-Aktivität durch eine Grunderkr. bedingt, z. B. bei Zöliakie, CED (Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn), infektiöser Diarrhö oder nach Zytostatika-Therapie. Nach Behandlung der Grunderkr. kann sich die Laktose-Unverträglichkeit wieder normalisieren.

Bei Fruktose-Intoleranz unterscheidet man:
  • Hereditäre Fruktose-Intoleranz (Fruktose-Intoleranz:hereditäreHFI): Sie ist überwiegend durch den Defekt der Fruktose-1-Phosphat-Aldolase (Aldolase B) imAldolase B Fruktose-Stoffwechsel bedingt und wird autosomal-rezessiv vererbt. In Deutschland kommt sie mit einer Häufigkeit von 1 : 10.000–20.000 vor und äußert sich i. d. R. im frühen Kindesalter (Übergang auf fruktosehaltige Beikost). Durch Anhäufung toxischer Stoffwechselprodukte kommt es zu Leber- und Nierenschädigungen sowie schweren Hypoglykämien. Die Pat. müssen eine fruktosefreie Diät einhalten.

  • Intestinale Fruktose-Malabsorption: Fruktose-Intoleranz:intestinale MalabsorptionHier liegt eine gestörte Funktion des Transportproteins GLUT-5 in der Dünndarmschleimhaut zugrunde, sodass mit der Nahrung zugeführte Fruktose nicht ausreichend resorbiert wird. Die ständig wachsende Zahl von Pat., die Fruktose nicht vertragen, ist u. a. durch die seit Jahren ständig zunehmende Fruchtzucker-Exposition begründet. Diesbezüglich entwickeln oftmals Kinder fruktosegetriggerte Beschwerden, ohne dass eine Fruktose-Resorptionsstörung vorliegt. Größere Mengen an Fruchtsäften in Verbindung mit vermeintlich „gesunden“ – mit Fruchtzucker hergestellten – Süßigkeiten und anderen Fertigprodukten führen zu einer Fruktose-Exposition, an der auch ein gesunder Darm scheitert. In Verbindung mit sorbitgesüßten Produkten, die als zuckerfreie Süßigkeiten und aufgrund elterlicher Unkenntnis den mit Glukose hergestellten Naschereien vorgezogen werden, kann sich die Situation erheblich verschärfen. Da Sorbit den Transport von Fruchtzucker durch die Darmwand hemmt, ist eine entsprechende Kombination u. U. fatal.

Die physiologische Aufnahme von Sorbit Sorbit(ol)erfolgt nur sehr langsam. Durch die lange Verweildauer im Darm und seine hygroskopischen Eigenschaften hat der übermäßige Verzehr auch bei Gesunden eine laxierende Wirkung. Auch bei Gesunden kann ein übermäßiger Genuss von Xylit Xylitabführend wirken und Blähungen und Durchfälle verursachen. Bei Resorptionsstörungen des Dünndarms und entsprechenden Unverträglichkeiten zeigen sich klin. Symptome schon nach Genuss geringer Mengen.

Symptomatik

Das durch eine Kohlenhydrat-Malabsorption Kohlenhydrat-Intoleranz:Symptomehervorgerufene Beschwerdebild und seine Intensität werden von verschiedenen individuellen Faktoren beeinflusst. Es kann episodisch auftreten, von Tag zu Tag wechseln und von mild bis massiv variieren. Dies ist u. a. von der Konzentration der verzehrten Kohlenhydrate abhängig. Dabei spielen nicht nur die wechselnde Zuckerkonzentration eine Rolle, sondern auch die Darreichungsform und der Zeitpunkt der Aufnahme. So führen in Flüssigkeiten gelöste Kohlenhydrate, die nüchtern getrunken werden, besonders rasch zu hohen Zuckerkonzentrationen im Darmlumen und provozieren stärkere Symptome. Für die Ausprägung des Beschwerdebildes sind daher die Verweildauer der Kohlenhydrate im Magen sowie die Geschwindigkeit der Magenentleerung bedeutsam.
Eine Kohlenhydrat-Intoleranz äußert sich zunächst überwiegend durch die an die starke Gasbildung gebundenen Symptome. So klagen die Pat. ca. 0,5–3 h nach Aufnahme der entsprechenden Lebensmittel über starke Blähungen, Tenesmen und Diarrhöen.

GUT ZU WISSEN

Depressionen durch Fruktose-Malabsorption

Beachtenswert ist i. R. der Fruktose-Malabsorption die Komplexbildung von Fruktose mit Tryptophan im Darmlumen. Dadurch kommt es zu einer mangelnden Aufnahme dieser essenziellen Aminosäure, die als Vorläufer für die Biosynthese von Serotonin fungiert, das u. a. einen bedeutenden Einfluss auf die Stimmungslage hat („Glückshormon“). Pat. mit Fruktose-Malabsorption neigen daher deutlich mehr zu Depressionen als Gesunde (Abb. 2.1). Auch Kopfschmerzen, erhöhte Reizbarkeit, innere Unruhe u. a. unspezifische Symptome treten häufiger auf. Weiterhin werden erniedrigte Folsäure- und Zink-Serumspiegel beobachtet, die zu Vitaminmangelsymptomen mit unterschiedlichen Folgen (z. B. erhöhte Infektanfälligkeit) führen können.

Diagnostik

Indikationen zum Ausschluss einer Kohlenhydrat-Intoleranz:
  • Kohlenhydrat-Intoleranz:Indikation zur Diagnostik Abklärung chron. abdominaler Beschwerden (v. a. nach Nahrungsaufnahme)

  • Diarrhö, Meteorismus, Flatulenz

  • Aufstoßen, Erbrechen

  • CED: Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn

  • Zöliakie bzw. Glutenunverträglichkeit

  • Depressive Verstimmungen

  • Unspezifische Beschwerden wie chron. Müdigkeit, innere Unruhe, Hyperaktivität, Konzentrations- und Schlafstörungen

H2-Atemtest Laktose, Fruktose und Sorbit
Bei V. a. eine Kohlenhydrat-Intoleranz steht als einfache, nichtinvasive und zuverlässige Nachweismethode für Laktose, Laktose-Intoleranz:H2-AtemtestH2-Atemtest:Kohlenhydrat-IntoleranzenFruktose undFruktose-Malabsorption:H2-Atemtest Sorbit Sorbit-Intoleranz:H2-Atemtesteine Atemgasanalyse zur Verfügung.
Kohlenhydrat-Intoleranz:H2-AtemtestDafür werden nach Einnahme einer entsprechenden Zuckerlösung (z. B. laktosehaltige Lösung) in definierten Abständen Atemgasproben des Pat. genommen. Bei einer verminderten intestinalen Aufnahme von Kohlenhydraten werden diese von der Darmflora unter heftiger Bildung von kurzkettigen Fettsäuren, CO2 und H2 fermentiert. Der bei diesem Prozess entstehende Wasserstoff diffundiert durch die Darmwand und gelangt über die Blutbahn in die Lungen, wo er mit der Exspirationsluft abgeatmet wird. Der H2-Gehalt der Ausatemluft wird gaschromatografisch gemessen und korreliert mit der Menge an mikrobiell abgebauten Kohlenhydraten im Intestinum. Es gibt jedoch auch Pat., die trotz Kohlenhydrat-Malabsorption nicht mit einem H2-Anstieg reagieren (ca. 3–5 % Non-Responder).

Cave

Keine Fruktosegabe bei V. a. hereditäre Fruktose-Intoleranz! Fruktose-Intoleranz:hereditäre

Diese sollte zuvor durch molekulargenetische Untersuchung des Aldolase-B-Gens ausgeschlossen werden. Auch anamnestische Hinweise wie eine ausgeprägte Abneigung gegen Süßes oder erhöhte Leberwerte können auch noch im Erwachsenenalter ein Indikator für ein bisher übersehenes hereditäres Geschehen sein.

Präanalytik
Probenmaterial:
Testset mit Anleitung (5 Atemgasproben):
  • Probe 1 = Basalwert

  • Probe 2–5 = Atemproben in definierten Zeitabständen nach Einnahme einer Zucker-Testlösung

  • Testsubstanz (z. B. Laktose) in warmem Wasser auflösen (Dosierungsempfehlungen für Erw. und Kinder beachten).

  • Vor Einnahme der Testlösung Basalwert (Probe 1) messen:

    • Hierfür das Probenröhrchen mit rotem Verschlussstopfen in die Entnahmevorrichtung/Hülse einführen. Der rote Gummiverschluss sollte auf der Nadel liegen, die Nadel darf den Gummistopfen noch nicht durchstechen.Mundstück an den Mund setzen und tief durch die Nase einatmen lassen. Anschließend durch den Mund ausatmen und die Ausatemluft in den Beutel pusten lassen.

    • Nach ca. 2 Sek. das Mundstück mit dem Entnahmebesteck absetzen und das Probenröhrchen von der Entnahmevorrichtung abziehen.

    • Probenröhrchen mit Patientenname, Probendatum und Probennummer beschriften.

  • Anschließend die vorbereitete Testlösung trinken lassen und die Uhrzeit auf einem Testprotokoll festhalten.

Die Atemgasproben 2–5 werden nach Einnahme der Testlösung in definierten Zeitabständen genommen:
Probe 2:30 Min.
Probe 3:60 Min.
Probe 4:120 Min.
Probe 5:180 Min.
Besonderheiten:
  • Die Einnahme von Antibiotika oder Mitteln zur Behandlung einer Obstipation (Verstopfung) sollte mind. 1 Wo. zurückliegen.

  • Am Tag der Probengewinnung sollten stark blähende Speisen (Bohnen, Linsen, Erbsen, Kohl usw.) gemieden werden.

  • Zwischen der Durchführung verschiedener Tests (z. B. Laktose und Fruktose) sollten mind. 2 Tage liegen.

Lagerung & Transport:
  • Lagerung bei RT

  • Versand der Probengefäße in einer gepolsterten Versandtasche auf dem Postweg möglich

Befundinterpretation
Ein positives Testergebnis liegt vor, wenn die Differenz zwischen dem Basalwert und einer nachfolgenden Probe mehr als 15 ppm beträgt.
Der Sorbit-Intoleranz:BefundinterpretationLaktose-Intoleranz:BefundinterpretationinFruktose-Intoleranz:BefundinterpretationAbb. 2.2 vorliegende deutliche Anstieg der H2-Konzentration spricht für das Vorliegen einer Kohlenhydrat-Intoleranz (hier am Beispiel der Laktose-Intoleranz).
Bewertungskriterium ist auch das Auftreten abdominaler Beschwerden während des Tests; d. h., auch wenn die H2-Konzentration im Normbereich liegt, werden Beschwerden nach der Provokation mit der Testsubstanz als pathologisch gewertet.

INFO

Sonderfall: Anstieg der H2-Konzentration innerhalb der ersten 30 Min.

Sollte bereits innerhalb von 30 Min. nach Zufuhr von Fruktose ein Anstieg der H2-Konzentration in der Atemluft vorliegen, weist das auf eine fruktoseabhängige bakterielle Fehlbesiedelung des Dünndarms (small intestine bacterial overgrowth Small Intestine Bacterial Overgrowth Syndrome (SIBOS)syndrome, SIBOS1.5.4) hin.
Ein späterer Anstieg der Kurve ist als Hinweis auf eine Fruktose-Malabsorption zu interpretieren. Sollte der Anstieg der H2-Konzentration nur innerhalb der ersten 30 Min. vorliegen und dann wieder abfallen, kann eine Fruktose-Malabsorption nicht mit Sicherheit ausgeschlossen bzw. bestätigt werden. Die Berücksichtigung des klin. Bildes schafft hier i. d. R. Klarheit.
Bakterielle Spaltungsaktivität
Weitere Hinweise auf eine Kohlenhydrat-Unverträglichkeit kann die Untersuchung der bakteriellen Spaltungsaktivität in Spaltungsaktivität, bakterielleeiner Stuhlprobe geben. Treten abdominale Beschwerden besonders nach dem Verzehr von Zuckeraustauschstoffen (z. B. Fruktose, Sorbit [E 420] oder Xylit [E 967]) auf, die in Diabetikerprodukten oder „zuckerfreien“ Süßwaren verwendet werden, ist eine Abklärung durch diesen Test sinnvoll. Hierzu versetzt man eine Stuhlsuspension mit einer definierten Menge der Testsubstanz (Fruktose, Sorbit oder Xylit), gibt die Proben in den Brutschrank und misst am folgenden Tag die verbleibende Zuckermenge photometrisch.
Präanalytik
Probenmaterial: 5 g Stuhl
Besonderheiten: Auf eine normale, für den Pat. übliche Kost achten
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Versand des Stuhlröhrchens im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich
Befundinterpretation
Normwerte g/l
Fruktose-Spaltung > 5,1
Sorbit-Spaltung > 6,0
Xylit-Spaltung > 3,6
Ein erniedrigter Wert entspricht einer hohen mikrobiellen Spaltungsaktivität der Darmflora und zeigt damit ein vermehrtes Vorkommen dieser Zucker im Kolon an. Indirekt wird so auf eine mangelnde Resorption der entsprechenden Zucker im Dünndarm geschlossen. Die Untersuchung der bakteriellen Spaltungsaktivität in einer Stuhlprobe ist als Suchtest geeignet und sollte durch den H2-Atemtest bestätigt werden.
Genetische Untersuchung: hereditäre Intoleranzen
Die molekulargenetischen Untersuchungen des ALDOB- bzw. LCT-Gens dienen dem Nachweis der genetisch bedingten Fruktose- bzw. Laktose-Intoleranz Fruktose-Malabsorption:bakterielle SpaltungsaktivitätXylit-Malabsorption:bakterielle SpaltungsaktivitätSorbit-Intoleranz:bakterielle SpaltungsaktivitätLaktose-Intoleranz:hereditäreFruktose-Intoleranz:hereditäre(Tab. 2.2).
Präanalytik
Probenmaterial: EDTA-Blut
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Versand des Stuhlröhrchens im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich
Befundinterpretation
LaktoseEine hereditäre Laktose-Intoleranz liegt vor, Laktose-Intoleranz:hereditärewenn Cytosin an Position 13910 in homozygoter Form vorliegt.
FruktoseEine hereditäre Fruktose-Intoleranz liegt u. a. Fruktose-Intoleranz:hereditäredann vor, wenn eine homozygote Mutation im Aldolase-B-Gen vorliegt, die zu einem Austausch von Aminosäuren an den Positionen 149, 174 oder 334 der Proteinsequenz führt. Weitere Genaberrationen sind ebenfalls möglich (s. Befundbericht).

Medikation/Therapie

Bei nachgewiesener Unverträglichkeit sollten Nahrungsmittel, die den entsprechenden Zucker enthalten, weitgehend gemieden werden, um den Darm zu schonen.Fruktose-Intoleranz:hereditäre
Ernährungsempfehlungen: Vorlage für Patienten
Bei Laktose-Intoleranz
  • Prinzip der Ernährungsmaßnahme: Da die Laktose-Intoleranz:ErnährungsempfehlungenErnährungsempfehlungen:Laktose-IntoleranzVerträglichkeitsgrenze bei jedem Menschen unterschiedlich ist und die meisten geringe Mengen an Milchzucker vertragen, ist nur sehr selten eine laktosefreie Kost (max. 1 g Laktose/Tag) erforderlich. Oft genügt die Umstellung auf eine laktosearme Kost (max. 8–10 g Laktose/Tag). Der gesunde Erw. kann dagegen 20–30 g Laktose/Tag aufnehmen. Unmittelbar nach Diagnosestellung sollte für den Zeitraum von etwa 2 Wo. ganz auf milchzuckerhaltige Nahrungsmittel verzichtet werden. Normalerweise lassen die Beschwerden dann sehr schnell nach.

GUT ZU WISSEN

Achtung! Milchzucker steckt in:

  • Milch und allen Milchprodukten

  • Schokolade, Nougaterzeugnissen, Milchspeiseeis

  • vielen Fertiggerichten, Fertigmischungen (z. B. Flockenpüree, Backmischungen)

  • vielen Wurst- und Fleischwaren (z. B. Brühwurst, Leberwurst)

  • Gebäck, z. T. in Brot und Brötchen (meist helle Sorten)

  • manchen Gewürzmischungen

  • Margarine (Zutatenliste beachten)

  • vielen Medikamenten, Süßstofftabletten, Zahnpasten

  • Richtige Lebensmittelauswahl:Viele Lebensmittel, auch wenn es auf den ersten Blick keine Milchprodukte sind, enthalten Laktose. Dies gilt insb. für Instanterzeugnisse wie Kartoffelpüree-Pulver, Fertigsuppen, Cremes und Soßen. Daher beim Einkauf von Fertigprodukten unbedingt auf die Zutatenliste achten. Enthält ein Produkt Molken- oder Süßmolkenpulver, ist auch mit einem gewissen Milchzucker-Gehalt zu rechnen, denn Molke ist reich an Milchzucker. Sinnvoll ist es daher, vorübergehend ganz auf Fertigprodukte zu verzichten. Auch Brühwürste und Leberwurst enthalten u. U. 1–4 g Laktose/100 g, da zur Zubereitung häufig industriell gefertigte Würzmischungen verwendet werden.Milchzucker ist auch in Schokolade, Sahnebonbons, Pralinen und Eiscreme enthalten. Brot und Backwaren können z. T. unter Verwendung von Milch, Milchpulver oder Sahne hergestellt worden sein. Besonders bei einigen Knäckebrotsorten, Milchbrötchen und Kuchen ist Vorsicht geboten. Es gibt jedoch genügend Lebensmittel, die garantiert laktosefrei sind. Den besten Überblick behalten Sie, wenn Sie auf naturbelassene Lebensmittel zurückgreifen.Reifer Käse enthält i. d. R. weniger Milchzucker (< 1 %) als junger Käse (3–4 %), da die Milchsäurebakterien einen großen Teil der Laktose verwertet haben. Joghurt mit lebenden Milchsäurebakterien (also keine hocherhitzten Sorten) ist meist gut bekömmlich, denn diese Keime unterstützen die Laktoseverdauung. Allgemein werden gesäuerte Milchprodukte besser vertragen als ungesäuerte. Die Verträglichkeit von Milch und Milchprodukten wird auch durch Ballaststoffe gesteigert. Die Verweildauer der Nahrung wird erhöht, sodass die Verdauungsenzyme mehr Zeit zum Nährstoffabbau haben. Ballaststoffreich sind Hülsenfrüchte, Getreide- und Vollkornprodukte sowie viele Gemüse- und Obstsorten.Wird der Kalziumbedarf bei einer starken Einschränkung des Milchverzehrs gedeckt? Solange geringe Mengen Milchzucker vertragen werden und somit laktosearme Milchprodukte verzehrt werden können, ist die Kalziumversorgung gewährleistet. Ansonsten gilt es, häufiger auf andere kalziumreiche Lebensmittel zurückzugreifen.

GUT ZU WISSEN

Auf der sicheren Seite sind Sie mit:

  • frischem/gefrorenem Obst und Gemüse (ohne Zusätze)

  • Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Getreide, Reis, Nudeln

  • Fleisch, Fisch, Geflügel (ohne Panade)

  • Eiern, Öl, pflanzlichen Kaffeeweißern

  • Zucker, Honig, Sirup, Obstkrauten, Konfitüren

  • Nüssen, Salz, reinen Gewürzen, frischen Kräutern

  • Soja- und Reisdrinks, „Mandelmilch“, Kokosmilch

  • Wasser, Tee, Kaffee, Obst- und Gemüsesäften

Sobald die Beschwerden erheblich nachgelassen haben, kann der Speisezettel mit laktosearmen Lebensmitteln erweitert werden. So kann man sich langsam an seine persönliche Verträglichkeitsgrenze herantasten. Am besten beginnt man mit kleinen Mengen milchzuckerarmer Käsesorten oder Joghurt mit lebenden Kulturen.

GUT ZU WISSEN

Wenig Milchzucker ist z. B. enthalten in:

  • Weinkäse, Weißlacker, Limburger, Romadur, Münster

  • Chester, Sandwich-Käsepastete

  • Schafskäse, Mozzarella

  • Havarti, Butterkäse, Esrom, mittelaltem Gouda

  • Jerome, Raclette

  • Sauermilchkäse (Harzer, Mainzer Handkäse)

  • Speisequark, Hüttenkäse, Butter, Sahne

Viel Kalzium ist enthalten in:

  • einigen Mineralwässern (z. B. St. Margarethen- und Elisabethquelle, Rietenauer Mineralwasser, Förstina Sprudel, Fortuna Quelle, Wildbergquelle, Luisenbrunnen)

  • Sesam, Amaranth, Leinsaat, Haselnüssen, Feigen

  • Sojaprodukten

  • Kichererbsen, weißen Bohnen, Garten- und Brunnenkresse, Grünkohl, Fenchel, Brokkoli, Mangold, Spinat, Porree, Bleichsellerie

  • Der Besuch im Restaurant – für immer tabu?In Restaurants und Kantinen wird häufig mit vorgefertigten Produkten zubereitet, die auch Laktose als Zusatz enthalten können. Speisen, die offensichtlich Laktose enthalten, sollte der Pat. vorsichtshalber meiden bzw. zur Mahlzeit vorbeugend ein Laktasepräparat (Enzympräparat) einnehmen, das die Laktoseverdauung unterstützt.

  • Was tun bei Säuglingen und Kleinkindern mit Milchzuckerunverträglichkeit?Ab und zu sind auch Säuglinge und Kleinkinder von einer Laktose-Intoleranz betroffen. In sehr seltenen Fällen besteht diese Unverträglichkeit von Geburt an. Dann wird auch keine Muttermilch vertragen. Da herkömmliche Säuglingsnahrungen und Beikost üblicherweise milchzuckerhaltig sind, muss auf diätetische Produkte zurückgegriffen werden. Nehmen Sie sicherheitshalber fachliche Hilfe (Ernährungswissenschaftler) in Anspruch.

Bei Fruktose-Malabsorption
In den ersten Fruktose-Malabsorption:ErnährungsempfehlungenErnährungsempfehlungen:Fruktose-Malabsorptionbeiden Wochen sollten fruchtzuckerhaltige Lebensmittel möglichst gemieden werden. Da sich Fruchtzucker auch in Haushaltszucker „versteckt“, in dem er an Traubenzucker (Glukose) gebunden vorliegt, sollte auch dieser möglichst nicht verwendet werden, ebenso Rohrzucker, Rübensaft und alle mit Zucker hergestellten Lebensmittel. Greifen Sie daher zunächst auf fruchtzuckerfreie und -arme Lebensmittel zurück.
Wenn Sie Kartoffeln zubereiten, schälen, würfeln und wässern Sie diese etwa 24 h vor dem Kochen und gießen Sie das Einweich- und Kochwasser ab. So lässt sich die in der Knolle enthaltene Fruktose weitestgehend entfernen. Zusätzlich wählen Sie für diese Kostphase fruktosearme Gemüsesorten aus (Tab. 2.3), damit Sie in diesen ersten 2 Wo. möglichst nicht mehr als 1 g Fruktose am Tag zuführen.
Nach 2 Wo. streng fruktosearmer Kost sollte sich die Darmschleimhaut weitestgehend erholt haben, sodass Sie nun schrittweise die tägliche Fruchtzuckerzufuhr steigern können, um Ihre persönliche Verträglichkeitsgrenze zu ermitteln. Da Ihnen Obst nach diesen 2 Wo. Abstinenz am meisten fehlen wird, beginnen Sie nun, täglich zusätzlich kleine Mengen fruktosearmes Obst zu verzehren. Wenn Sie etwa 100–150 g der inTab. 2.3 aufgeführten Sorten zu sich nehmen und ansonsten die fruktosearme Kost beibehalten, kommen Sie tgl. auf etwa 5 g Fruktose.
Die Saison für Erdbeeren und Beerenfrüchte ist nur sehr kurz, daher werden Sie wahrscheinlich auf Tiefkühlware zurückgreifen müssen. Das ist jedoch nicht von Nachteil, denn Tiefkühlprodukte unterliegen sehr hohen Qualitätsanforderungen. Ein Vitaminverlust ist kaum gegeben. Vertragen Sie diese Kostform über mehrere Tage problemlos, können Sie weitere Obstsorten hinzuziehen, die schon etwas mehr Fruchtzucker enthalten. Kartoffeln können Sie nun wieder wie üblich zubereiten, am besten als Pell- oder Ofenkartoffeln.
Alle Zahlenangaben sind als Durchschnittswerte zu verstehen und unterliegen sortenabhängigen Schwankungen. Eine süße Apfelsorte enthält z. B. mehr Fruchtzucker als eine säuerliche. Einige Obstsorten enthalten neben Fruktose auch viel Glukose (Traubenzucker). Durch Glukose wird die Fruktose-Aufnahme vom Darminnern in die Blutbahn beschleunigt, sodass diese Obstsorten (z. B. Banane, Weintrauben) häufig vertragen werden. Pflaumen und Birnen enthalten gleichzeitig viel Sorbit und wirken daher oft abführend. Obst wird i. d. R. besser vertragen als industriell hergestellte fruktose- und sorbithaltige Lebensmittel.
Sofern sich keine Beschwerden einstellen, können Sie nun die Auszugsmehlprodukte schrittweise durch Vollkornlebensmittel ersetzen und statt poliertem Reis Vollkornreis (Naturreis) probieren. Vollkornbrot enthält pro 100 g etwa 1 g Fruktose, Auszugsmehlbrote ca. 0,5 g Fruktose. Achtung: Weizenkeime enthalten sehr viel Fruchtzucker (7,5 g/100 g)! Erweitern Sie Ihren Speiseplan nun auch um andere Gemüsesorten.
In den meisten Gemüsearten ist pro 100 g zwischen 1 und 3 g Fruktose enthalten. Bei Lebensmitteln mit „versteckter“ Fruktose empfiehlt sich weiterhin Zurückhaltung, insb. bei solchen, die ohnehin nicht sehr wertvoll sind (z. B. Tomatenketchup). Achten Sie beim Kauf von Fertiglebensmitteln immer auf die Zutatenliste. Ist ein Lebensmittel mit „Kristallzucker“ angereichert, verbirgt sich dahinter Saccharose, die zur Hälfte aus Fruchtzucker besteht. Große Schwankungen bestehen hinsichtlich des Fruchtzucker-Gehalts bei den Süßwaren.
Bitterschokolade enthält mehr Fruchtzucker als Milchschokolade. Ein Fertigdressing mit einem relativ geringen Fruktose-Gehalt ist das French Dressing. Noch besser ist es aber, Dressings selbst herzustellen.
Bei Sorbit-Intoleranz
Da bei Sorbit-Unverträglichkeit schon nach dem Verzehr geringer Mengen klin. Symptome auftreten, sollten sorbithaltige Nahrungsmittel gemieden Sorbit-Intoleranz:ErnährungsempfehlungenNahrungsmittel:Sorbit-GehaltErnährungsempfehlungen:Sorbit-Intoleranzwerden.
  • Von Natur aus sorbitreiche Obstsorten: Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche, Datteln, Steinobst wie Mirabellen, Aprikosen Nektarinen, sämtliche aus diesen Obstsorten hergestellten Fruchtsäfte

  • Von Natur aus sorbitarme Obstsorten: Beerenobst wie Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Zitrusfrüchte, Bananen, Ananas, Kiwi

  • Sorbitreich und somit ungeeignet:

    • Sorbit als Süßungsmittel: z. B. Sionon, Flarom, Diabetiker-Süßungsmittel

    • Mit Sorbit gesüßte diätetische Nahrungsmittel: z. B. Diabetiker-Marmeladen, Diabetiker-Süßigkeiten, Diabetiker-Gebäck

    • Sorbit als Umhüllung von: Sultaninen, Rosinen und Trockenobst bzw. Dörrobst

    • Sorbit in Süßigkeiten: Kaugummi, Gummibärchen, Geleefrüchte, Bonbons, Schokoriegel, gefüllte Waffeln, Schokolade usw.

Bei Xylit-Malabsorption
Zuckerfreie gesüßte Lebensmittel, denen Xylit zugesetzt ist (z. B. Zahnpflegekaugummis), sollten gemieden werden.
Medikation
DieXylit-Malabsorption:Ernährungsempfehlungen Zusammenstellung der nachstehend aufgeführten Präparate zur naturheilkundlichen Behandlung von Kohlenhydrat-Intoleranzen ist als Anregung zu verstehen und stellt kein aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept dar. Bei der individuellen Auswahl der Präparate für den Pat. sind ggf. vorhandene Kontraindikationen zu berücksichtigen (s. Beipackzettel des jeweiligen Herstellers).
Indikationen, Zusammensetzung, Dosierungs- und Anwendungsempfehlungen s. AnhangTab. A–Z.

THERAPIEEMPFEHLUNGEN

  • Kohlenhydrat-Intoleranz:TherapieempfehlungenSynerga® (Laves) Synerga®:Indikationenbei schleimhautbedingten Kohlenhydrat-Intoleranzen plus Lactobiogen®Lactobiogen®:Indikationen (Laves)

  • LactroZym®:IndikationLactroZym® (nur über Biogena beziehbar)

  • MucosaPlex®MucosaPlex®:Indikationen (NICApur)

  • probiotik® purprobiotik® pur:Indikationen (nutrimmun)

  • mucozink® (nutrimmun) mucozink®:Indikationen

Komplementäre Mikronährstoff-Therapie
  • Kohlenhydratverdauung erleichtern – Enzyme zuführen:Zur Förderung Mikronährstoff-Therapie, komplementäre:Kohlenhydrat-IntoleranzenKohlenhydrat-Intoleranz:Mikronährstoff-Therapie, komplementäreder Verdauungsleistung bei Laktose-Intoleranz empfiehlt sichLaktose-Intoleranz:komplementäre Mikronährstoff-Therapie eine gezielte zeitnahe Enzym-Ersatztherapie mit einem laktasehaltigen Präparat, das Laktase(mangel)die Kapazität zur enzymatischen Spaltung der Milchsäure erhöht und die unerwünschte Symptomatik reduziert. Die Xylose-Isomerase (XI) kann Xylose-IsomeraseFruktose aus Lebensmitteln in leicht verwertbare Glukose umwandeln. Die diätetische Zufuhr von XI fördert den Abbau von Fruktose, reduziert die Fruktosemenge im Dünndarm und lindert so die Symptome der Fruktose-Malabsorption.

  • Entzündung hemmen:Zink und Vit. C (Eigenschaften1.1.5)Grüntee-Extrakt (Eigenschaften1.1.5)Kamillen-Extrakt (Eigenschaften1.1.5)

  • Darmschleimhaut aufbauen:L-Glutamin (Eigenschaften1.1.5)

  • Mikronährstoffdefizite ausgleichen:Durch Resorptionsstörungen kommt es bei Kohlenhydratunverträglichkeiten häufig zu Zink-, Vit.-B6-, Pantothen- und PantothensäureFolsäuredefiziten. FolsäureBeeinträchtigungen des Serotonin-Stoffwechsels durch eingeschränkte Aufnahme von L-Tryptophan können zu depressiven Verstimmungen und Stimmungsschwankungen führen.

Histamin-Intoleranz

Definition

Die Histamin-Intoleranz (HIT) gehört in die Histamin-IntoleranzGruppe der enzymatischen Intoleranzen. Sie ist nicht IgE-vermittelt (weshalb der Prick-Test typischerweise negativ ausfällt), sondern zählt zu den pseudoallergischen Reaktionen. Pseudoallergien\t \"Siehe Histamin-IntoleranzHierbei wird die Mastzelldegranulation und Histamin-Ausschüttung u. a. durch die Komplementfaktoren C3a und C5a initiiert. Im Gegensatz Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Histamin-Intoleranzzur Atopie gibt es bei HIT keine Sensibilisierungsphase. Die Symptomatik tritt somit dosisabhängig bereits bei Erstkontakt auf, wobei schon kleinste Mengen an Histamin ausreichen, um ein individuelles Beschwerdebild zu verursachen.
Histamin ist eine Histamineinfache chemische Substanz, die durch Decarboxylierung aus der Aminosäure L-Histidin entsteht. Dieser Prozess findet durch mikrobielle und biochemische Veränderungen v. a. bei der Lagerung und Reifung von Lebensmitteln statt. Physiologisch kommt Histamin in Mastzellen, basophilen Granulozyten und enterochromaffinen Zellen des GIT vor. Es wird zusammen mit Heparin in Vesikeln gespeichert, aus denen es bei Bedarf freigesetzt werden und an Histamin-Rezeptoren im Gewebe binden kann.

INFO

Histamin ist Gewebshormon, Neurotransmitter und Entzündungsmediator für allergische und pseudoallergische Reaktionen und hat nach Bindung an H1- oder H2-Rezeptoren folgende biologische Histamin:WirkungenWirkungen:

  • Kontraktion der glatten Muskulatur (Uterus, Darm, Bronchien)

  • Vasodilatation

  • Hypotonie

  • Tachykardie

  • Gesteigerte Permeabilität der kleinen Gefäße mit Ödembildung

  • Stimulation der HCl-Produktion des Magensafts

Histamin wird durch die Diaminoxidase (DAO) und endogenes Diaminoxidase (DAO)Histamin hauptsächlich durch die N-Methyltransferase abgebaut. DAO, ein homodimeres Glykoprotein, ist ein kupferhaltiges Enzym, das als Cofaktoren neben Kupfer v. a. Vit. B6 (aber auch Vit. C und Zink) benötigt und Histamin über eine oxidative Desaminierung zu Imidazol-5-Essigsäure abbaut. Sie wird beim Menschen hauptsächlich in den Enterozyten, aber auch in Plazenta, Leber und Nieren produziert. Die Produktion und Sezernierung der DAO ins Darmlumen erfolgt kontinuierlich. Bei Gesunden wird histaminhaltige Nahrung bereits im Darm abgebaut, wobei die Abbaugeschwindigkeit durch die Aktivität der DAO bestimmt wird. Bei Pat. mit Symptomen einer HIT kann die DAO-Aktivität auf die Hälfte bis zu einem Drittel, in besonders starken Fällen auf ein Zehntel der Normalaktivität reduziert sein.

Ursachen

Eine HIT entsteht durch ein Ungleichgewicht zwischen anfallendem Histamin und Histamin-Abbau. Nach der Histamin-Intoleranz:UrsachenAufnahme von histaminreichen Nahrungsmitteln oder verstärkter Histamin-Synthese können bei unzureichendem Histaminabbau in den verschiedensten Organsystemen Beschwerden auftreten, die zwischen „mild“ und „massiv“ verlaufen können.
Die wichtigsten Enzyme im Histamin-Metabolismus sind DAO und HNMT. Ursache einerHistamin-N-Methyltransferase HIT ist häufig eine Störung des enzymatischen Abbaus. Ein Mangel an der Histamin abbauenden DAO oder HNMT aufgrund eines Enzymdefekts oder eines Defizits an Mikronährstoffen, die für die Funktion der DAO bedeutsam sind (z. B. Vit. B6 und Kupfer), führt häufig zu einer HIT. Zudem kann ein Missverhältnis zwischen der im Organismus anfallenden Menge an Histamin und der DAO-Aktivität vorliegen, das z. B. durch den Verzehr histaminbelasteter Nahrungsmittel oder durch die Einnahme von Medikamenten entstehen kann, die zu einer verstärkten Freisetzung von körpereigenem Histamin führen (Histamin-Liberatoren). Auch Histamin:-LiberatorenNahrungsmittel (z. B. Zitrusfrüchte, Ananas, Erdbeeren, Schalentiere, Lebensmittelfarben etc.) und Alkohol können als Histamin-Liberatoren fungieren. Außerdem können verschiedene Medikamente den Histamin-Stoffwechsel hemmen.
Die DAO wird als exkretorisches Enzym vornehmlich von den Darmschleimhautzellen ausgeschieden und baut das mit der Nahrung aufgenommene Histamin bereits in der Ingesta ab. Somit wird eine übermäßige Aufnahme von Histamin in die Zirkulation unterbunden. Im Gegensatz dazu arbeitet die HNMT als zytosolisches Enzym, das besonders in den Leberzellen am Histamin-Abbau beteiligt ist. Da DAO und HNMT parallel am Histamin-Abbau beteiligt sind, kann dies zu HIT-Mischformen führen. Von beiden gibt es jeweils mehrere Genvarianten (Polymorphismen), aus denen Enzyme unterschiedlicher Funktionsstärke resultieren können.

GUT ZU WISSEN

Eine HIT kann verschiedene Ursachen Histamin-Intoleranz:Ursachenhaben:

  • Histaminreiche Nahrung

  • Verzehr hoher Mengen anderer biogener Amine

  • Histamin-Liberatoren

  • Erhöhte intestinale Bildung durch Keime der Fäulnisflora

  • Verminderte DAO-Bildung aufgrund akuter oder chron. Darmerkr.

  • Hemmung der DAO oder angeborener Enzymdefekt der DAO

  • Verminderte Aktivität der DAO aufgrund eines Mangels an Coenzymen

Bei der klassischen Konstellation einer HIT ist der Histamin-Spiegel erhöht, während die DAO-Aktivität bei reduziertem Vit. B6 erniedrigt ist. Liegt ein stark erhöhter Histamin-Spiegel vor, so ist trotz normaler oder leicht erhöhter DAO-Aktivität eine HIT zu diagnostizieren (Beispiel: Anaphylaxie – stark erhöhte Histamin-Konzentration, DAO-Aktivität nicht ausreichend).

Symptomatik

Aufgrund der unterschiedlichen Funktion von DAO und HNMT lassen sich zwei Typen einer HIT mit jeweils eigener Symptomatik unterscheiden:
  • Akute Histamin-Intoleranz:SymptomeForm vom DAO-Typ

  • Chron. Histamin-Intoleranz:DAO-TypForm vom HNMT-Typ

Beim akuten Histamin-Intoleranz:HNMT-TypVerlauf einer HIT vom DAO-Typ steigt die Histamin-Menge stark an und nimmt auch schnell wieder ab. Beim HNMT-Typ steigt sie nach histaminreichen Mahlzeiten nur moderat an, nimmt aber auch nur sehr langsam wieder ab, wobei sie oft noch bei der nächsten Mahlzeit leicht erhöht sein kann: Dadurch steigt sie kontinuierlich an.
In Abhängigkeit von der anflutenden Histamin-Konzentrationen kommt es zu lokalen Schädigungen im Bereich der Mukosa oder – nach Resorption – zu systemischen Reaktionen. Hierbei treten Beschwerden in Form von Übelkeit, Durchfall und Darmspasmen auf. Durch Stimulation der HCl-Produktion im Magen kann es zu Hyperazidität und Sodbrennen kommen. Somit lassen sich alle relevanten klin. Symptome beobachten, wie sie unter dem Oberbegriff „funktionelle Magen-Darmstörungen“ subsumiert sind. Weitere Symptome, die i. R. einer Histaminose auftreten können, sind Flush, Zephalgien, Hypotonie, Tachykardie, gesteigerte Permeabilität der kleinen Gefäße mit Ödembildung, Adrenalin-Ausschüttung, Unterleibs- oder Bronchialspasmen.
Ein Überschuss an Histamin kann zu folgenden Beschwerden führen:
  • Histaminkopfschmerz (Migräne)

  • Flush (Erröten nach Alkoholgenuss, v. a. Rotwein, Sekt, Likör)

  • Hypotonie

  • Tachykardien

  • Generalisierter Juckreiz

  • Quincke-Ödem (Anschwellen von Lippen, Lidern und Gesicht, Atemnot)

  • Allergische Reaktionen wie Rhinitis, gerötete Augen, Asthma bronchiale

  • Schlafstörungen

  • Arrhythmie

  • Urtikaria

  • Diarrhöen

  • Anaphylaxie

  • Vomitus

  • Dysmenorrhö

Diagnostik

Die DAO im Serum und der Histamin-Spiegel im Stuhl und Urin (Abb. 2.3) eignen sich als Marker für die Diagnostik der Histamin-Intoleranz und Histamin-Intoleranz:Diagnostikassoziierter Krankheitsbilder.
Histamin im Urin
Präanalytik
Probenmaterial: 1. Morgenurin
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Versand im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich
Befundinterpretation
Histamin-Intoleranz:DiagnostikHistamin wird Histamin:im Urinmithilfe der L-Histidin-Decarboxylase aus Histidin synthetisiert (1) oder mit der Nahrung aufgenommen (Abb. 2.4) und kann nun über oxidative Deaminierung durch die DAO extrazellulär (2) oder über eine Ringmethylierung durch die HNMT intrazellulär (3) abgebaut werden. Bei unzureichender Enzymaktivität (z. B. aufgrund eines Enzymmangels oder einer Enzymblockade) kann Histamin akkumulieren. DAO und HNMT können jeweils via negativer Rückkopplung durch ihre jeweiligen Abbauprodukte gehemmt werden (4). N-Methylhistamin kann durch ein weiteres Enzym, die Monoaminoxidase B (MAO-B) (5), oder durch die DAO (6) oxidiert werden. Da der Methylierungspfad im Zytosol abläuft, ist die MAO-B wohl der Hauptweg für den Abbau des N-Methylhistamins.
NormwerteIm Normalverlauf des Histamin-Metabolismus herrscht ein Gleichgewicht zwischen dem anfallenden Histamin und seinem enzymatischem Abbau über die verschiedenen Metaboliten.
Erhöhte WerteHäufig führen erhöhte Histamin-Werte zu einer HIT, die neben dem erhöhten Anfall von Histamin zusätzlich aus einer Enzymblockade der am Histamin-Abbau beteiligten Enzyme (v. a. DAO und HNMT) resultieren kann. Die typischen Metaboliten sind dann trotz hoher Histamin-Werte nur eingeschränkt nachweisbar.
Nach Dr. Pfeiffer (Pfeiffer 1986) kann bei erhöhtem Histamin eine Histadelie vorliegen, bei Histadelieder Pat. schizophrene Symptome zeigen können.
Erniedrigte WerteBei einer Histapenie liegen deutlich Histapenieverringerte Histamin-Pegel vor, wobei dann auch die Metaboliten vermindert sein können. Dies tritt häufig im Zusammenhang mit einem Kupferüberschuss auf, wodurch die beteiligten Enzyme weiter aktiviert werden können.
Histamin im Stuhl
Präanalytik
Probenmaterial: Testset (Stick mit Stabilisator)
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Versand im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich
Befundinterpretation
Normwerte im Stuhl < 455 ng/l
Erhöhte WerteDie erhöhten Histamin-Werte stehen bei entsprechender Symptomatik mit einer HIT in Zusammenhang.
Erhöhte Histamin-Konzentrationen im Stuhl haben im Wesentlichen drei verschiedene Ursachen:Histamin-Intoleranz:Diagnostik
  • Unzureichende Histamin:im StuhlDAO-Aktivität: DAO inaktiviert das aus der Nahrung oder dem bakt. Stoffwechsel stammende Histamin.Weiterführende Diagnostik (Serum): DAO

  • Vermehrte intestinale Bildung biogener Amine (z. B. Cadaverin, Putrescin sowie Histamin) bei FäulnisdysbioseWeiterführende Diagnostik (Stuhl): Pankreaselastase-1, Verdauungsrückstände, Florastatus

  • Verstärkte Degranulation intestinaler Mastzellen i. R. von Typ-I-Allergien gegen Nahrungsmittel. Weiterführende Diagnostik: EPX im Stuhl und Allergoscreen®-IgE im Serum

GUT ZU WISSEN

Typ-I-Typ-I-AllergienAllergien gegen Nahrungsmittel zeigen i. d. R. eine eindeutige Klinik. Die Beschwerden treten innerhalb kurzer Zeit nach Nahrungsaufnahme deutlich in den Vordergrund.

Diaminoxidase (DAO): Aktivitätsmessung des histaminabbauenden Enzyms
Präanalytik
Probenmaterial: Serum
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Bei Lagerung über Nacht wird die Kühlung der Probe empfohlen (2–8 °C)
Versand im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich
Befundinterpretation
Normwerte im Serum > 10 U/ml
Werte < 3 U/mlEs ist von einer HIT auszugehen.
Werte zwischen 3–10 U/mlEine HIT ist wahrscheinlich. Infolge einer erniedrigten DAO-Aktivität ist mit einer unzureichenden Inaktivierung des mit der Nahrung aufgenommenen oder i. R. verstärkter Fäulnisprozesse intestinal gebildeten Histamins zu rechnen. Histamin wird resorbiert und kann i. S. der Histaminose zu (allergieähnlichen) Symptomen führen. In Abhängigkeit weiterer DAO-hemmender Faktoren wie z. B. Alkoholgenuss sowie der aufgenommenen Histamin-Konzentration kann die Symptomatik intermittierend und/oder in wechselhafter Intensität in Erscheinung treten.Histamin-Intoleranz:Diagnostik
Die Ursache für eineDiaminoxidase (DAO):im Serum, Befundinterpretation reduzierte Gesamtaktivität der DAO kann in einer herabgesetzten Bildung aufgrund entzündlicher Veränderungen der Darmschleimhaut gefunden oder auf einen Mangel an Cofaktoren zurückgeführt werden, die den Aktivitätsgrad der Enzyme maßgeblich beeinflussen. Auch Medikamente können eine Hemmung der DAO hervorrufen (Tab. 2.4).
Weiterführende Diagnostik:
  • Stuhl: Calprotectin, Alpha-1-Antitrypsin

  • EDTA, Heparin: Cofaktoren der DAO (B6, Kupfer, Zink)

Werte > 10 U/mlEine Histaminose ist wenig wahrscheinlich. Allerdings können pseudoallergische Reaktionen durch eine unspezifische Aktivierung der Mastzellen durch sog. Histamin-Liberatoren („Histaminlocker“) Histamin:-Liberatorenausgelöst werden, sodass vermehrt körpereigenes Histamin freigesetzt wird.
Erdbeeren, Orangen, Grapefruit und Ananas enthalten sog. Histamin-Liberatoren, die bei prädisponierten Pat. zu einer unphysiologischen Freisetzung von körpereigenem Histamin führen. Es besteht hier kein Zusammenhang zu einer erniedrigten DAO-Aktivität. Die klin. Symptomatik lässt sich kaum von der oben beschriebenen Form der HIT unterscheiden. Allenfalls können über eine ausführliche Ernährungsanamnese wichtige Hinweise gewonnen werden.
Ob aufgrund der hier genannten Ursachen trotz normaler DAO-Aktivität erhöhte endogene Histamin-Spiegel vorliegen, kann durch die Histamin-Bestimmung im Urin untersucht werden.
Weiterführende Diagnostik (1. Morgenurin): Histamin-Profil
Cofaktoren der Diaminoxidase
Präanalytik
Probenmaterial: EDTA und Heparin
Besonderheiten: Keine
Lagerung & Transport: Lagerung bei RT
Versand im mitgelieferten Umröhrchen auf dem Postweg möglich
Befundinterpretation
Cofaktoren sind essenziell für eine effiziente Enzymaktivität, da sie als prosthetische Gruppe oder Coenzym an der katalytischen Reaktion beteiligt sind (Abb. 2.5).
Erniedrigte Werte von Vit. B6, Kupfer und Zink (ggf. auch Vit. C und Zink)Der nachgewiesene Mangel eines oder mehrerer Cofaktoren kann mit einer verminderten DAO-Aktivität einhergehen. Durch die Substitution dieser Nährstoffe kann ihre Aktivität gesteigert und der Histamin-Abbau verbessert werden.

Medikation/Therapie

Zu den wichtigsten therapeutischen Maßnahmen zählen:
  • Einhalten einer Histamin-Intoleranz:therapeutische Maßnahmenhistaminarmen Diät

  • Vermeiden von Lebensmitteln, die Histamin freisetzen können (Histamin-Liberatoren)

  • Vermeiden von alkoholischen Getränken

  • Ggf. Einnahme von Antihistaminika (vor dem Essen)

  • Einnahme von DAO als Nahrungsergänzungspräparat (z. B. DaoZym®)

  • Therapeutische Gaben von hoch dosiertem Vit. B6, Kupfer, Vit. C und Zink

  • Vermeiden von Medikamenten, die Histamin freisetzen und/oder die DAO hemmen (Tab. 2.4)

Ernährungsempfehlungen: Vorlage für Patienten
  • Welche Lebensmittel enthalten Histamin?Vor allem Histamin-Intoleranz:ErnährungsempfehlungenLebensmittelErnährungsempfehlungen:Histamin-Intoleranz, die lange reifen Nahrungsmittel:Histamin-Gehaltoder lange gelagert werden, weisen einen hohen Histamin-Gehalt auf, z. B. lange gereifter Käse, Rotwein, Fischkonserven, Sauerkraut, Rohwurst oder Alkohol. Während des Reifeprozesses werden die in der Nahrung vorhandenen Aminosäuren durch Mikroorganismen verstoffwechselt und teilweise abgebaut. Bei diesem natürlichen Vorgang entsteht aus der Aminosäure Histidin als Abbauprodukt das Histamin. Viele Betroffene berichten insb. nach dem Verzehr von Rotwein in Kombination mit lange gereiftem Käse über ausgeprägte Beschwerden: kein Wunder, denn beide enthalten einen beträchtlichen Anteil an Histamin. Hinzu kommt noch, dass Alkohol die Eigenschaft besitzt, die histaminabbauende DAO zu hemmen.

  • Was sind biogene Amine?Viele Lebensmittel Biogene AmineAmine, biogeneenthalten histaminähnliche Stoffe, sog. biogene Amine, z. B. Tyramin, Phenylethylamin oder Serotonin. Diese Stoffe werden ebenfalls durch die DAO abgebaut. Bei einem hohen Verzehr von biogenen Aminen wird das Enzym verbraucht und steht somit zum Abbau von Histamin nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung. Schokolade z. B. enthält kein Histamin, aber die biogenen Amine Tyramin und Phenylethylamin des Kakaos.

  • Histamin-LiberatorenAndere Lebensmittel Histamin:-Liberatorenkönnen körpereigenes Histamin freisetzen, ohne selbst Histamin zu enthalten (z. B. Erdbeeren und Zitrusfrüchte). Sie werden als Histamin-Liberatoren bezeichnet. Liberatoren und biogene Amine können den Histamin-Spiegel auf unterschiedliche Art negativ beeinflussen.

INFO

Zu den wichtigsten biogenen Aminen und Liberatoren Histamin:-LiberatorenBiogene AmineAmine, biogenegehören:

  • Schokolade, Kakao

  • Zitrusfrüchte (Orangen, Grapefruit)

  • Nüsse (insb. Walnüsse)

  • Erdbeeren, Bananen, Ananas, Kiwi, Papaya, Himbeeren, Birnen

  • Hülsenfrüchte

  • Weizenkeime

  • Schwarzer und grüner Tee

  • Tomaten (insb. Tomatenmark)

  • DAO-blockierende DAO-HemmerMedikamente (DAO-Hemmer):Auch Medikamente können die DAO hemmen oder ihre Produktion blockieren (Tab. 2.4). Bei HIT sollte die Einnahme von einigen Medikamenten reduziert bzw. der Arzt oder Apotheker nach Ersatzpräparaten gefragt werden.

  • Achten Sie auf Ihre Vitaminversorgung:Bei wissenschaftlichen Studien wurde festgestellt, dass eine HIT gleichzeitig mit einer Verminderung von Vit. und Mineralstoffen einhergeht. Die Gabe von Vit. und Mineralstoffen kann die DAO-AktivitätMineralstoffe:Steigerung der DAO-Aktivität verbessern. Hierzu zählen insb. Vit. B6, Kupfer, Vit. C und Zink. Fragen Sie Ihren Arzt, welche ergänzenden Vitaminpräparate evtl. förderlich sind.Werdende Mütter sind übrigens meist völlig beschwerdefrei. Das liegt daran, dass die Plazenta während der Schwangerschaft DAO produziert, um das Baby vor Histamin zu schützen. Nach der Entbindung treten die Beschwerden dann allerdings wieder auf.

  • Ernährung bei HIT:Die Histamin-Diät Histamin-Intoleranz:Ernährungsempfehlungenzielt darauf ab, den Konsum von histaminreichen und -freisetzenden Lebensmitteln auf ein verträgliches Maß zu beschränken. Da viele Lebensmittel einen gewissen Anteil an Histamin oder biogenen Aminen enthalten, ist ein völliger Verzicht praktisch nicht möglich. Es kommt v. a. auf die Menge des verzehrten Histamins an. Beschwerden treten oft erst dann auf, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen, z. B. ein histaminhaltiges Essen bei gleichzeitigem Alkoholkonsum. Umgekehrt enthalten einige Nahrungsmittel (z. B. Bäckerhefe) zwar viel Histamin, werden aber nur in sehr geringen Mengen verarbeitet. So enthalten Brot- und Backwaren meist nur wenige Gramm Hefe und werden deshalb gut vertragen. Das Gleiche gilt für Zitronen. Ein bis zwei Tr. Zitronensaft für die Salatsoße oder für den Fisch führen meist noch nicht zu Beschwerden. Mit dem Verzehr von frischen und möglichst unbearbeiteten Lebensmitteln (fangfrischer Fisch, frisches Fleisch/Gemüse, die meisten Obstsorten außer Zitrusfrüchten, Trinkmilch, Frischkäse sowie fast alle alkoholfreien Getränke) ist man weitestgehend auf der sicheren Seite.

GUT ZU WISSEN

Histaminarme Lebensmittel: Histamin:Gehalt in Lebensmitteln

  • Frischkäse, wenig gereifter Käse, junger Gouda, pasteurisierte Vollmilch, Quark, Joghurt

  • Fangfrischer Fisch

  • Frisches Obst: Melone, Heidelbeeren, Preiselbeeren, Litschi, Mango,

  • Khaki, Rhabarber, Kirschen, Blaubeeren, Johannisbeeren, Aprikosen, Äpfel

  • Frisches Gemüse: grüner Salat, Kohlsorten, rote Beete, Kürbis, Zwiebel, Radieschen, Rettich, Rapunzel, Paprika, Karotten, Brokkoli, Kartoffeln, Gurke, Lauch, Zucchini, Mais, Spargel, Knoblauch, Brokkoli, Blumenkohl

  • Getreide, Teigwaren: Dinkel-, Mais-, Reisnudeln, hefefreies Roggenbrot, Mais-Reis-Knäckebrot, Reis, Haferflocken, Reiswaffeln, Mais-, Reis-, Hirsemehl

  • Milchersatz: Reis-, Hafer-, Kokosmilch

  • Alle nicht zitrushaltigen Obstsäfte, alle Gemüsesäfte (außer Sauerkraut)

  • Kräutertee

  • Eigelb

Nahrungsmittel mit hohem Histamin-Gehalt: Gerade Alkohol wird beiHistamin:Gehalt in Lebensmitteln HIT schlecht vertragen, da dieser nicht nur das körpereigene Histamin freisetzt und die DAO hemmt, sondern zusätzlich die Durchlässigkeit der Darmwand erhöht und somit die Resorption des im Getränk vorhandenen Histamins fördert. Weitere Lebensmittel, die reichlich Histamin oder andere biogene Amine enthalten:
  • Eingelegte/konservierte Lebensmittel

  • Käse: v. a. Hartkäse (älterer hat mehr Histamin)

  • Geräuchertes Fleisch, Schinken, Salami

  • Die meisten Fischprodukte (alle Meeresfrüchte), v. a. Fischkonserven

  • Bohnen und Hülsenfrüchte (insb. Kichererbsen und Sojabohnen, auch Erdnüsse)

  • Sojaprodukte (Sojamilch, -sahne, -sauce, Tofu)

  • Sauerkraut

  • Einige Obstsorten (Bananen, Birnen, Orangen, Kiwi, Erdbeeren)

  • Alkohol, insb. Bier und Wein

  • Hefe

  • Schwarztee

  • Schokolade, Kakao, Knabbergebäck, Süßigkeiten mit Konservierungs- und/oder Farbstoffen

  • Weinessig

  • Nüsse, Walnüsse, Cashewkerne

Zur Orientierung ist inTab. 2.5 für einige Lebensmittel der ungefähre Histamingehalt aufgeführt.
Die Mengenangaben sind allerdings nur als Richtwert anzusehen, da der tatsächliche Histamin-Gehalt stark von Reifegrad und Lagerdauer abhängt.
Medikation
Die Zusammenstellung der nachstehend aufgeführten Präparate zur naturheilkundlichen Behandlung einer HIT ist als Anregung zu verstehen und stellt kein aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept dar. Bei der individuellen Auswahl der Präparate für den Pat. sind ggf. vorhandene Kontraindikationen zu berücksichtigen (s. Beipackzettel des jeweiligen Herstellers).
Indikationen, Zusammensetzung, Dosierungs- und Anwendungsempfehlungen s. AnhangTab. A–Z.

THERAPIEEMPFEHLUNGEN

  • Histamin-Intoleranz:TherapieempfehlungenSynerga® (Laves) Synerga®:Indikationen, ggf. zusätzlich Colibiogen® injectColibiogen® inject:Indikationen (Laves)

  • AH & Glutamin AH & Glutamin Formula:IndikationFormula

  • probiotik® protectprobiotik® protect:Indikationen (nutrimmun)

  • nutriglucan®∗]∗∗[∗nutriglucan®:Indikationen (nutrimmun)

  • PASCORBIN® 7,5 gPASCORBIN® 7,5<2009>g:Indikationen (PASCOE)

Komplementäre Mikronährstoff-Therapie
  • Enzymaktivität stärken:Bei nachgewiesener HIT ist die konsequente Vermeidung Mikronährstoff-Therapie, komplementäre:Histamin-IntoleranzHistamin-Intoleranz:Mikronährstoff-Therapie, komplementärehistaminhaltiger Nahrungsmittel ein wichtiger therapeutischer Faktor. Begleitend und flankierend kann die Aktivität der histaminabbauenden DAO durch Zufuhr der benötigten Mikronährstoffe, insb. Vit. B6, aber auch Kupfer, Zink und Vit. C, gestärkt werden.

  • KupferDarmschleimhaut regenerieren:Da eine HIT vielfach auch durch mangelnde Bildung der DAO aufgrund einer subklinisch entzündeten Darmmukosa bedingt sein kann, ist eine begleitende Behandlung der Darmschleimhaut sinnvoll. Die Aminosäure L-Glutamin dient den Zellen der Darmschleimhaut und L-Glutamindes Immunsystems als Energiequelle und regeneriert und stärkt damit die durch die HIT angegriffenen Darmschleimhautzellen.

  • Entzündungsreaktionen vermindern – Immunsystem stärken:Schwarzkümmelöl (Nigella sativa) wird aufgrund seiner Schwarzkümmelölimmunmodulierenden,Nigella sativa\t \"Siehe Schwarzkümmelöl entzündungshemmenden, antioxidativen und zytoprotektiven Eigenschaften bei allergischen Reaktionen seit Langem zur Prävention und Linderung der Symptomatik eingesetzt. Klinische Studien bei Pat. mit allergischer Rhinitis, Asthma oder atopischem Ekzem untermauern die Effizienz der Anwendung in diesem Indikationsrahmen. Durch die Unterdrückung von Entzündungsmediatoren wie Prostaglandinen und Leukotrienen sowie die Erhöhung der T-Zell- und Killerzell-Aktivität scheint Schwarzkümmelöl auch bei Autoimmunerkr. als Therapeutikum geeignet zu sein.

Wichtige Informationen zum Weiterbetrieb der Medizinwelt