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B978-3-437-56323-2.00015-2

10.1016/B978-3-437-56323-2.00015-2

978-3-437-56323-2

Neuroendokrine Stressachse, neuroendokrineNeuroendokrine StressachseStressachse

[V573]

KortisolachseKortisolachse: Adaptation des Organismus in Stress-Situationen

[V573]

Tagesrhythmus von Speichel-Kortisol:TagesrhythmusKortisol, bezogen auf die mittlere Aufwachzeit

[V573]

StresshormoneStresshormone: Noradrenalin, Adrenalin, Serotonin, Noradrenalin/Adrenalin-Ratio

[V573]

Exemplarische Übersicht über verschiedene Exorphine und ihre Quelle aus MilchproteinLaktorphineLaktoglobulinLaktoferrineLaktalbuminGluteninGlutenexorphineGliadorphineGliadinExorphine:aus GlutenExorphine:aus CaseinCasoxineCaseinNahrungsproteinen

Tab. 15.1
Nahrungsmittelprotein Exorphin Aminosäuresequenz
Milchprotein αS1-Casein (bovin) αS1-Casein-Exorphin Arg-Tyr-Leu-Gly-Tyr-Leu-Glu
β-Casein (bovin) BCM4
BCM5
BCM7
BCM8
Tyr-Pro-Phe-Pro
Tyr-Pro-Phe-Pro-Gly
Tyr-Pro-Phe-Pro-Gly-Pro-Ile
Tyr-Pro-Phe-Pro-Gly-Pro-Ile-Pro/His
κ-Casein (bovin) Casoxin A
Casoxin B
Casoxin C
Tyr-Pro-Ser-Tyr-Gly-Leu-Asn-Tyr
Tyr-Pro-Tyr-Tyr
Tyr-Ile-Pro-Ile-Gln-Tyr-Val-Leu-Ser-Arg
α-Laktalbumin (bovin) α-Laktorphin Tyr-Gly-Leu-Phe
β-Laktoglobulin (bovin) β-Laktorphin Tyr-Leu-Leu-Phe
Laktoferrin (human) Laktoferroxin A
Laktoferroxin B
Laktoferroxin C
Tyr-Leu-GIy-Ser-Gly-Tyr
Arg-Tyr-Tyr-Gly-Tyr
Lys-Tyr-Leu-Gly-Pro-Gln-Tyr
Gluten Gliadin + Glutenin Glutenexorphin A4
Glutenexorphin A5
Glutenexorphin B4
Glutenexorphin B5
Glutenexorphin C
Gly-Tyr-Tyr-Pro
Gly-Tyr-Tyr-Pro-Thr
Tyr-Gly-Gly-Trp
Tyr-Gly-Gly-Trp-Leu
Tyr-Pro-Ile-Ser-Leu
Gliadin Gliadorphin-7 Tyr-Pro-Gln-Pro-Gln-Pro-Phe

Zu meidende Getreide und ihre glutenfreien Alternativen

Tab. 15.2
Glutenfrei Glutenhaltig
Reis, Mais, Hirse, Quinoa Weizen, Roggen, Hafer,
Buchweizen, Amaranth, Gerste, Grünkern, Dinkel,
Kastanie, Wildreis Emmer, Kamut, Einkorn

Neuroendokrine Dysbalance

Stress und Stresserkrankungen

Definition

Als Stress:DefinitionStress wird die psychophysische Reaktion auf einen äußeren Reiz definiert, der letztlich eine Bewältigung bzw. Anpassung an körperliche und seelische Belastungen ermöglicht. Diese Anpassungsfähigkeit ermöglicht es dem Individuum, adäquat auf veränderte Umweltbedingungen zu reagieren und sein Überleben zu sichern.
Sowohl physischer als auch psychischer Stress können allerdings nachhaltige Auswirkungen auf das körperliche und seelische Wohlbefinden des Menschen haben. Die zentralnervöse Abstimmung und Feinkoordination einer Stressantwort erfolgen im Zusammenspiel von Kortisol:StressreaktionKortisol mit den ebenfalls exzitatorischen Katecholaminen Noradrenalin:StressreaktionNoradrenalin und Adrenalin:StressreaktionAdrenalin und in enger Wechselwirkung mit dem eher inhibitorischen Serotonin.

INFO

Bei EustressEustress zeigt sich überwiegend eine katecholaminerge Aktivierung, bei DisstressDisstress überwiegen die Mobilisierung und Immunsuppression durch Kortisol.

Die Vermittlung der StressreaktionStressreaktionen vollzieht sich innerhalb eines komplexen Netzwerks aus Hormonen und Neurotransmittern. Auf einen akuten Stressreiz hin beginnt die Transmitter- und Hormonkaskade mit der Ausschüttung von Noradrenalin im Locus coeruleus und von Corticotropin-Releasing Corticotropin-Releasing Hormone\t \"Siehe CRHHormone (CRH) aus dem Hypothalamus. Durch diese beiden Substanzen werden die Hormone der HHN-Achse (sog. Stressachse) und des Nebennierenmarks sowie die Neurotransmitter i. R. der Stressantwort gesteuert. Sympathikus, Adrenalin und Kortisol vermitteln die Stoffwechselanpassung zur Energiebereitstellung, die Aktivierung der stressrelevanten Herz-Kreislauf-Funktionen sowie die Modulation des Immunsystems und weiterer Hormonsysteme. Die koordinierte Aktivierung von anregenden und dämpfenden Prozessen ist für das Gleichgewicht in diesen Regelkreisen und die schnelle Wiederherstellung des Normalzustands entscheidend.
Akuter Stress
Der Organismus reagiert auf einen StressreaktionStressreiz mit der Mobilisierung von Energiereserven, einem erhöhten Grundumsatz, der Beschleunigung von Kreislauf und Atmung, einer verbesserten Durchblutung der Muskulatur sowie erhöhter Stress:akuterAufmerksamkeit. Gleichzeitig werden nicht flucht- oder angriffsrelevante Körperfunktionen wie Verdauung, Immunsystem und Sexualorgane sowie das Schmerzempfinden gehemmt. Im Gehirn wird die relativ langsame Verarbeitung des Großhirns in seinem Einfluss zurückgedrängt, und schematische Entscheidungsmuster des Stammhirns erhalten Vorrang. Eine Reaktion kann dann rascher erfolgen, wenn auch mit größerer Fehlerquote. Dies sind normale physiologische Vorgänge, die bei entsprechender Erholung keine negativen Auswirkungen haben. Sie werden aber krankheitsfördernd, wenn Anzahl und Stärke der Stressreize nicht weiterverarbeitet werden können und sie die physiologischen Kompensationsmechanismen überfordern (Abb. 15.1).
Chronischer Stress

GUT ZU WISSEN

Übersteigen Anzahl, Dauer und Intensität der Stressoren die Kompensationskapazität der Stress-Regelkreise, wird der Organismus in eine Art „Daueralarmzustand“ Stress:chronischerversetzt, der mit der Zeit die Gesundheit stark beeinträchtigen kann. Zudem ist es ein sich selbst verstärkender Prozess: Stress erzeugt Stress, und es genügen zunehmend kleinere Reize, um eine Stressreaktion auszulösen und diese schließlich chronisch werden zu lassen.

Bei chron. Stress ist die HHN-Achse dauerhaft aktiviert, wodurch die nächtliche und frühmorgendliche Kortisol-Produktion gegenüber dem Normalzustand wesentlich erhöht ist. Der normale Tagesrhythmus des Kortisol-SpiegelsKortisol:Tagesrhythmus bleibt hierbei allerdings erhalten. Bei länger anhaltender Stressbelastung und somit andauerndem Kortisol-Überschuss kann der typische Kortisol-Tagesrhythmus jedoch aufgehoben werden: Hierbei können starke Tagesschwankungen mit z. T. chaotischen Kurvenverläufen auftreten (Abb. 15.2). Ein andauernder Kortisol-Überschuss kann in einer verminderten Empfindlichkeit auf Glukokortikoide (GC) resultieren: Es wird vermutet, dass dies z. T. auf eine beeinträchtigte Funktion des GC-Rezeptors zurückzuführen ist, die nicht nur durch z. B. entzündungsfördernde Zytokine, sondern z. B. auch durch chron. Stress ausgelöst wird. Der Mechanismus dieser GC-Resistenz ist bisher kaum verstanden. Als besonders gravierend wurde die anhaltende Kortisol-Ausschüttung betrachtet: nämlich als neurotoxisch. Hiervon besonders betroffen sollte der für die Gedächtniskonsolidierung und räumliche Orientierung eminent wichtige Hippokampus im limbischen System sein.
Auch das Verhältnis der anderen Neurotransmitter und Hormone zueinander ist bei chron. StressStress:Neurotransmitter-Dysbalance gestört. Chronischer Stress stört das Verhältnis von Noradrenalin und Noradrenalin:StressreaktionAdrenalinAdrenalin:Stressreaktion. Zunächst steigt der Noradrenalin-Spiegel deutlich an, während die medulläre Aktivität abnimmt und zu einer drastischen Abnahme des Adrenalins führt. Bei weiter anhaltendem Stress sinkt Noradrenalin zusammen mit Dopamin ab, und es entsteht ein Mangel an den genannten Botenstoffen. SerotoninSerotonin:Stressbelastung wird unter Stressbelastung stärker verbraucht, gleichzeitig sinkt hierbei jedoch auch die Produktionsmenge ab, sodass ein Serotonin-Mangel entstehen kann, der in einer veränderten Aktivität von Hypophyse, Hypothalamus und Nebennierenrinde (NNR) resultiert. Das Ungleichgewicht im Neurotransmitter-System führt somit zum Auftreten zahlreicher Gesundheitsstörungen, von denen besonders Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Migräne, Schlafstörungen oder Angstzustände augenfällig werden.
Der immunsupprimierende Effekt von KortisolKortisol:immunsupprimierende Effekte – es blockiert die spezifische und unspezifische Immunabwehr – lässt durch Hemmung der Aktivität der NK-Zellen die Infektionsgefahr ansteigen und verringert die Fähigkeit zur frühzeitigen Elimination entstehender Tumoren. Daher wird ein Zusammenhang zwischen Stress, erhöhten Kortisol-Spiegeln und Tumorerkrankungen gesehen. Beispielsweise wiesen Frauen mit Mamma-Ca signifikant höhere Kortisol-Spiegel auf. Die Frauen mit metastasierendem Mamma-Ca hatten zudem deutlich höhere Kortisol-Spiegel als Frauen mit einem Brusttumor in einem frühen Stadium.
Ebenso wird ein Zusammenhang zwischen chronischem Stress und neurogenerativen ErkrankungenStress:chronischer wie Morbus Alzheimer angenommen. Hohe Kortisol-Spiegel scheinen die Degeneration und den Untergang von Neuronen zu fördern. Damit assoziiert ist eine verminderte Gedächtnisfunktion bei sonst gesunden älteren Frauen und Männern.
Schon früh konnte eine Verbindung zwischen chron. Stress und dem Risiko für das Auftreten eines Morbus AlzheimerMorbus Alzheimer, chronischer Stress gezeigt werden. Personen, die großem Stress ausgesetzt waren, wiesen im Vergleich zu Pat. ohne Stress-Situationen ein doppelt so hohes Risiko für die Entwicklung eines Morbus Alzheimer auf.
Eine enge Assoziation besteht zwischen Kortisol-Spiegel und Essverhalten. Ein stressbedingt dauerhaft erhöhter Kortisol-Spiegel (HyperkortisolismusHyperkortisolismus:Stress) bewirkt eine Steigerung der Nahrungsaufnahme und kann, zusammen mit der mineralokortikoiden Wasserretention sowie einer abdominalen FettverteilungStammfettsucht, zu einer deutlichen Gewichtszunahme führen (14.2.1). Adipositas:chronischer Stress

Ursachen

Stresserkrankungen:Ursachen Stressoren Stressoren :
  • Physikalische Faktoren (Hitze, Kälte, Lärm, UV- u. a. Strahlung, Reizüberflutung)

  • Chemische Faktoren (toxische Bestandteile von Zigarettenrauch, Alkohol, Auto-/Industrieabgase)

  • Beruflicher Stress (Mobbing, Arbeitssituation, Arbeitsplatzunsicherheit, Über- bzw. Unterforderung)

  • Sozialer Stress (Beziehungskrisen, Tod nahestehender Personen, eigene/fremde Erwartungshaltungen, Angst vor sozialem Abstieg, Isolation)

Symptomatik

  • Schlafstörungen, ErschöpfungStresserkrankungen:Symptome

  • Burnout-Syndrom

  • Fatigue und CFS

  • Psychische Störungen (Angst, Panikattacken, Depression)

  • Konzentrationsmangel

  • ADS/ADHS

  • Gastrointestinale Erkrankungen (Colitis ulcerosa, Colon irritabile, Ulkus)

  • Schmerz (abdominale Beschwerden, Rückenschmerzen, Fibromyalgie)

  • Kopfschmerzen, Migräne

  • Kardiovaskuläre Erkrankungen, Bluthochdruck

  • Allergien

  • Adipositas und metabolisches Syndrom

  • Infertilität

  • PMS

Diagnostik

Adrenaler Stressindex: Kortisol im Tagesprofil, DHEA
Die Analyse der Stresshormone und Neurotransmitter aus Speichel und Urin ist für die Diagnostik und Therapie stressbedingter somatischer und psychosomatischer Erkrankungen von immenser Bedeutung. Die Adrenaler Stress-IndexStressdiagnostikStresserkrankungen:Diagnostik ist psychobiologisch fundiert. Für Therapeuten und Patienten wird durch die Bestimmung des stressabhängigen Kortisolspiegels auch ein biochemischer Parameter greifbar.
Das Stresshormon Kortisol
Das Steroidhormon Kortisol ist das wichtigste GC beim Menschen. Es leitet sich ebenso wie die anderen Steroidhormone vom Cholesterin ab. Synthese und Sekretion in der Nebenniere unterliegen einer feinjustierten Regulation über eine Hormonkaskade, die als HHN- oder KortisolachseKortisolachse) bezeichnet wird. Diese Sekretion zeigt eine natürliche zirkadiane Rhythmik mit einem Maximum am Morgen und einem Minimum um Mitternacht (Abb. 15.3).
Kortisol ist neben den Katecholaminen das wichtigste StresshormonStresshormone, das in Stress-Situationen auf das 5- bis 10-Fache des Ausgangswerts ansteigt. Ein Kortisolexzess kann zum Cushing-SyndromCushing-Syndrom führen.
Im Stoffwechsel hat Kortisol Effekte Kortisol:Wirkungenauf den Kohlenhydrathaushalt (Förderung der Glukoneogenese, d. h. Erhöhung des Blutzucker-Spiegels), den Proteinabbau (vermehrte Stickstoffausscheidung) und den Fettstoffwechsel (Steigerung der Lipolyse bzw. der lipolytischen Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin). Es wirkt außerdem antientzündlich und immunsuppressiv. Unter Einfluss des hypothalamischen CRHCRH, Wirkungen wird ACTHACTH, Stress aus der Hypophyse freigesetzt, das wiederum die Kortisol-Synthese in der Nebennierenrinde (NNR) und die Sekretion des Hormons induziert. CRH bewirkt ferner eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems über die Freisetzung von Adrenalin und Noradrenalin. Die Freisetzung von CRH und ACTH wird über einen negativen Feedbackmechanismus durch Kortisol gehemmt und von Adrenalin durch positives Feedback stimuliert. Ebenso aktivieren ZytokineZytokine (Entzündungsmediatoren) wie TNF-α, IL-1 und IL-6 über hypothalamische Neurone die Kortisolachse.
Kortisol hemmt die Bildung und Freisetzung von ProstaglandinenProstaglandine und LeukotrienenLeukotriene, von Entzündungs- und Schmerzmediatoren und Freisetzung von ArachidonsäureArachidonsäure.

INFO

Kortisol = Hydrokortisol

  • Kortisol:EigenschaftenHydrokortisol\t \"Siehe KortisolSteroidhormon aus der Gruppe der Glukokortikoide

  • Breites Wirkspektrum zur schnellen Energielieferung:

    • steigert Glukoneogenese

    • erhöht Lipolyse

    • fördert Proteinabbau aus Muskulatur, Knochen und Bindegewebe

    • wirkt antiinflammatorisch und immunsuppressiv

DHEA-Spiegel
Im Gegensatz zu anderen Hormonen wie dem männlichen Sexualhormon Testosteron und dem wichtigen Vitalitätshormon DHEADHEA:Stress, einem Vorläufer der Sexualhormone, nimmt die Kortisol-Sekretion mit zunehmendem Lebensalter nicht ab. Es konnte gezeigt werden, dass die HHN-Achse altersbedingt Veränderungen unterliegt und das Kortisol/DHEA-Verhältnis während des Alterungsprozesses signifikant ansteigt. Im Alter an Demenz erkrankte Pat. weisen eine signifikant höhere Ratio auf als kognitiv nicht beeinträchtigte ältere Vergleichspersonen. Stressdiagnostik:adrenaler Stress-Index
Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass die Ursache vieler mit dem Alter assoziierter Erkrankungen durch das Absinken der DHEA-Spiegel bedingt ist. Das Verhältnis von KortisolKortisol:Verhältnis zu DHEA zu DHEA wird als Maß für den Alterungsprozess angesehen: je weiter dieser fortgeschritten ist, desto höher der Kortisol/DHEA-Quotient. Die Einnahme von DHEA-Präparaten scheint die individuelle Stressresistenz zu erhöhen und ggü. einer ganzen Reihe von altersassoziierten Erkrankungen zu schützen.
Präanalytik und Probenentnahme
Probenmaterial: 5 Speichelproben über den Tag verteilt
Probenversand: Keine Besonderheiten
Befundinterpretation
Niedrige DHEA-SpiegelKönnen zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit und des Hormonstoffwechsels führen.
DHEA:erniedrigte Werte Mögliche Folgen:
    • Funktionsstörungen des Hormonstoffwechsels

    • Verminderte Stresstoleranz

    • Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko

    • Reduzierte Immunabwehr

    • Einschränkung des Allgemeinbefindens

Verminderte KortisolspiegelWeisen auf einen Hypokortisolismus hin und zeigen eine unphysiologische Kortisol-Tagesrhythmik. Eine NNR-Insuffizienz ist oft mit morgendlicher Leistungsschwäche, beeinträchtigtem Stoffwechsel und immunologischen Regulationsstörungen assoziiert.

Befund: Adrenaler Stress-Stressdiagnostik:adrenaler Stress-IndexAdrenaler Stress-Index:Befund(interpretation)Index

[V573]

  • Kortisol:erniedrigte WerteMögliche Folgen:

    • Leistungsverlust, Müdigkeit

    • Gesteigerte Reizbarkeit

    • Hyperakusis

    • Hyperalgesie (Schmerzempfindlichkeit)

    • Hypotonie

    • Nausea, Emesis

    • Obstipation, Diarrhö

    • (Schleim-)Hautpigmentierung

  • Stoffwechselwirkungen von Kortisol

    • Hemmung von Entzündungsprozessen

    • Stabilisierung des Blutzucker-Spiegels während Hungerperioden (z. B. Fasten)

    • Unterdrückung immunologischer Vorgänge (z. B. Autoimmunprozesse)

Neurotransmitter Basis: Katecholamine und Serotonin
Katecholamine
Stressdiagnostik:Neurotransmitter BasisNeurotransmitter BasisDie Synthese der Katecholamine Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin erfolgt in den chromaffinen Zellen des Nebennierenmarks, im sympathischen peripheren sowie zentralen Nervensystem.Katecholamine:Stresserkrankungen
Grundbaustein für die Synthese der Katecholamine Katecholamine:Synthesesind die Aminosäuren Phenylalanin Phenylalaninbzw. Tyrosin.Tyrosin Für die einzelnen Syntheseschritte sind eine Reihe von Mikronährstoffen, v. a. Vit. B6 und Magnesium, sowie Folsäure bzw. Tetrahydrobiopterin, Vit. C und Kupfer essenziell.
Mangelt es an einem oder mehreren dieser Cofaktoren, resultiert dies einerseits in einer Vit.-B6-, -B12- und folsäureabhängigen Hyperhomocysteinämie Hyperhomocysteinämiemit erhöhtem Arterioskleroserisiko. Andererseits führt das Defizit an aktiven Methylgruppen zu einem SAM-Mangel, der wiederum v. a. ein Adrenalin-Defizit bedingt.
S-Adenosylmethionin (SAM)

INFO

Katecholamine

  • Katecholamine:Funktionensteigern

    • Glukoneogenese und Lipolyse

    • Herzfrequenz

    • Durchblutung

    • Atemfrequenz

    • metabolische Aktivität

    • Reaktionsbereitschaft

  • wirken stimmungsaufhellend

  • Dopamin Dopamin:Syntheseist einer der bedeutendsten exzitatorischen Neurotransmitter im ZNS. Es wird aus Phenylalanin bzw. Tyrosin über die inaktive Vorstufe L-Dopa gebildet und ist selbst Ausgangssubstanz für die Bildung von Noradrenalin und Adrenalin. Seine Ausschüttung wird über noradrenerge und CRH-Neuronen stimuliert. Zusammen mit Serotonin ist Dopamin Dopamin:Funktionenan der Vermittlung des Sättigungsgefühls und der Appetitkontrolle beteiligt. Es sorgt (zusammen mit Adrenalin) für ein Gefühl der Zufriedenheit („Glücksgefühl“) und wirkt damit einer „Esssucht“ entgegen. Dopamin beeinflusst zudem die Wahrnehmung und Gefühle und wirkt stimmungsaufhellend. Ein hoher Dopamin-Spiegel führt zu verstärktem Empfinden von Glück, Freude und Zuversicht. Ausgelöst wird dies durch das sog. Belohnungssystem Belohnungssystemim Gehirn. Der Genuss von Alkohol führt i. d. R. zu einer verstärkten Dopaminfreisetzung im ZNS, woraus die stimulierende und stimmungsaufhellende Wirkung des Alkohols resultiert und gleichsam ein Suchtpotenzial erwächst.

INFO

Faktoren des Belohnungssystems

    • Dopamin

    • Adrenalin

    • Körpereigene Endorphine

    • Nikotin, Kaffee

    • Alkohol

Dopamin hemmt zudem die Ausschüttung des Hormons Prolaktin. Auch außerhalb des ZNS hat Dopamin wichtige Funktionen als Neurotransmitter und ist an der Regulation der Darm- und Nierenfunktion beteiligt. Über D1-Rezeptoren bewirken dopaminerge Neurone eine Dilatation der Nieren- und Mesenterialgefäße und damit eine vermehrte Durchblutung von Niere und Darm.
Ein Mangel an Dopamin Dopamin:Überschusshat ebenso wie ein Überschuss ungünstige Folgen für den Organismus. Chronischer Dopamin-Überschuss bei gleichzeitigem Serotonin-Mangel führt zu zentraler Erschöpfung und schneller Ermüdbarkeit (zentrale Fatigue).Fatigue, zentrale Da Dopamin die Bildung freier Sauerstoffradikale fördert, wirkt es neurotoxisch.Auch ein Dopamin-Mangel Dopamin:Mangelführt zu Muskelschwäche, Tagesmüdigkeit und Motivationsverlust. Hinzu treten kognitive Einbußen mit Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen (ADS) und Vergesslichkeit sowie psychovegetative und affektive Symptome wie Libidoverlust, Selbstzweifel und Depression.Dopamin-Produktion und -Rezeptordichte sind altersabhängig. Der Morbus Parkinson Morbus Parkinsonstellt mit dem verfrühten Verlust an Dopamin-Rezeptoren und der verminderten Synthese die stärkste pathologische Ausprägung des Dopamin-Mangels dar.
Die zentralnervöse Abstimmung und die Feinkoordination der Antwort auf akuten Stress erfolgen im Zusammenspiel von Kortisol mit den ebenfalls exzitatorischen Katecholaminen Noradrenalin und Adrenalin und in enger Wechselwirkung mit dem eher inhibitorischen, beruhigenden Serotonin.

INFO

Dopamin

  • Dopamin:Funktionenzentral exzitatorischer Neurotransmitter

  • koordiniert Motorik, Konzentration, Motivation, Wahrnehmungsfähigkeit, Vigilanz und geistige Leistungsfähigkeit

  • zentraler Botenstoff des Belohnungssystems: stimmungsaufhellend

  • Noradrenalin (Noradrenalin:Syntheseauch Norepinephrin) Norepinephrin\t \"Siehe Noradrenalinwird in den noradrenergen Neuronen insb. des Locus coeruleus im ZNS sowie peripher im Sympathikus gebildet. Die Noradrenalin-Synthese wird, ausgehend von Dopamin, durch das Enzym L-Dopamin-β-Hydroxylase mit Sauerstoff, Kupfer und Vit. C als Cofaktoren katalysiert. Im ZNS liegt das Verhältnis von Noradrenalin zu Adrenalin bei etwa 10 : 1. Noradrenalin ist maßgeblich an der Steuerung der Reaktionen auf akuten Stress und der Anpassung des Organismus an körperliche und geistige Belastungen beteiligt Noradrenalin:Funktionenund fördert die Aufmerksamkeit und Konzentration. Das noradrenerge System spielt eine wesentliche Rolle bei der Vermittlung von Erregung und Aufmerksamkeit sowie beim Erwachen und bei der zeitlichen und räumlichen Orientierung. Es steigert den Blutdruck bei Senkung der Herzfrequenz unter Beibehaltung des Herzminutenvolumens und Konstriktion arterieller Blutgefäße. Über Alpha-2-Rezeptoren des Hypothalamus steigert es den Appetit. Kurzfristig erhöht Noradrenalin die Entzündungsneigung, hemmt aber langfristig ähnlich wie Kortisol die Aktivität der Immunzellen. Ebenso wie Adrenalin erhöht Noradrenalin die exzitatorische Glutamat-Aktivität im ZNS.Bei akutem Stress steht Noradrenalin über die Förderung der Freisetzung von CRH und die Aktivierung der Stressachse in direkter Wechselwirkung mit Kortisol, das die Bereitstellung der dafür erforderlichen Energie vermittelt. Ebenso aktiviert Noradrenalin über den Sympathikus das Nebennierenmark und wird wiederum durch CRH verstärkt. Umgekehrt hemmt Kortisol die noradrenerge Aktivität. Eine Dauerbelastung führt zunächst zu erhöhten Noradrenalin-Werten mit gleichzeitiger Hemmung des CRH und Serotonin über zentrale Betarezeptoren. Analog zum Kortisol kommt es danach zu einem starken Mangel, wie er auch beim Burnout-Syndrom Burnout-Syndromzu beobachten ist.

  • Adrenalin (Adrenalin:Syntheseauch Epinephrin) Epinephrin\t \"Siehe Adrenalinist ein Hormon, das im Nebennierenmark unter dem Einfluss von SAMe und der Cofaktoren Vit.-B6, B12 und Folsäure aus Noradrenalin gebildet wird. Im ZNS wird Adrenalin als Neurotransmitter in adrenergen Neuronen produziert. Als exzitatorischer Neurotransmitter steigert es Aufmerksamkeit und Konzentrationsvermögen und erhöht die exzitatorische Glutamat-Aktivität im ZNS. Seine Wirkung wird über membranständige Adrenorezeptoren vermittelt. In Stress-Situationen wird Adrenalin als Reaktion auf Gefühle wie Angst oder Wut ins Blut sezerniert und vermittelt u. a. eine rasche Mobilisierung von Energiereserven.

INFO

Adrenalin

  • steigertAdrenalin:Funktionen

    • Aufmerksamkeit und Konzentrationsvermögen

    • Herzfrequenz

    • Blutdruck

    • Atemfrequenz

    • Mobilisierung von Energie aus Lipolyse

    • und Glykolyse

    • Durchblutung zentraler Organe

  • hemmt die Magen-Darm-Peristaltik

Serotonin
Während Noradrenalin und Dopamin die anregende, stimulierende Komponente bei der neuroendokrinen Regulation des Organismus darstellen, ist Serotonin einer ihrer wesentlichen inhibitorischen Modulatoren.
Serotonin Serotonin:Synthesewird im ZNS, in den enterochromaffinen Zellen der Darmschleimhaut, in der Leber und Milz gebildet. Die Aminosäure Tryptophan wird hierbei unter Einfluss der Cofaktoren Vit. B6 und Magnesium zu 5-Hydroxytryptophan (5-HT) hydroxyliert und dieses unter dem Einfluss von Vit. B6 zu Serotonin decarboxyliert.
Die Serotonin-Speicherung erfolgt hauptsächlich in den serotonergen Neuronen des ZNS, den enterochromaffinen Zellen der Darmschleimhaut sowie in Thrombozyten. Allerdings wird nur etwa 1 % des bioverfügbaren Tryptophans zur Serotonin-Synthese verwendet. Der Hauptanteil wird durch die Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO) zu Kynureninen Kynureninbzw. die Tryptophan-2,3-Dioxygenase (TDO) über Kynureninsäuren zu Acetyl-CoA Acetyl-CoAkatabolisiert.

GUT ZU WISSEN

Störungen des Serotonin-Stoffwechsels haben für die Pathogenese von Depression, Serotonin-StoffwechselDepressionen eine besondere Bedeutung: Analog wurde z. B. ein Zusammenhang zwischen dem verstärkten Tryptophan-Abbau und einer verminderten Lebensqualität bei Pat. mit malignen Erkr. nachgewiesen.

Serotonin Serotonin: Funktionenhat auch wichtige Funktionen außerhalb des Gehirns: Es ist wesentlich für die Regulation der Darmmotorik und Resorption sowie die Appetitkontrolle und die Erzeugung und Wahrnehmung des Sättigungsgefühls. In Verbindung mit Dopamin und Noradrenalin wirkt Serotonin positiv auf die Stimmungslage und steigert Motivation und körperliche Leistung, wirkt entspannend und antidepressiv, schlaffördernd und erhöht die Schmerzschwelle. Bei Stressreaktionen wird die Bildung von Serotonin anfänglich verstärkt, bei lang anhaltenden Stressbelastungen vermindert sich die Serotonin-Konzentration dagegen erheblich (analog zu Kortisol und Noradrenalin). Stress:chronischerEin hieraus resultierender Serotonin-Mangel Serotonin:Mangelkann zu Konzentrationsproblemen, Schlaflosigkeit, Essstörungen, Gewichtszunahme, unspezifischen Bindegewebsschmerzen (Fibromyalgie), Empfindungsstörungen, chron. Erschöpfung (CFS, Fatigue), Angstzuständen, Migräne, Aufmerksamkeitsstörungen (ADH) und Depression führen.
Präanalytik und Probenentnahme
Probenmaterial: 2. Morgenurin, stabilisiert
Probenversand: keine Besonderheiten
Befundinterpretation

INFO

Bedeutung der Noradrenalin/Adrenalin-Ratio

Noradrenalin/Adrenalin-RatioDas Verhältnis der beiden Neurotransmitter Noradrenalin und Adrenalin gibt u. a. Auskunft über die Fähigkeit zum Umgang mit Stress-Situationen (Abb. 15.5).
Verminderung der beiden exzitatorischen Neurotransmitter Noradrenalin und AdrenalinKann mit beeinträchtigter Leistungsfähigkeit und Müdigkeit assoziiert sein.
  • Mögliche Ursachen niedriger Katecholamin-Spiegel:

    • Nebennierenschwäche

    • Medikamente (z. B. ACE-Hemmer, Clonidin)

    • Bluthochdruck

    • Chronischer Stress

  • Mögliche Folgen niedriger (Nor-)Adrenalinspiegel:

    • Antriebsschwäche

    • Beeinträchtigte Leistungsfähigkeit

    • Konzentrationsschwäche

Stark erhöhte Noradrenalin-Adrenalin-RatioZeigt ein (relatives) Überwiegen von Noradrenalin im Verhältnis zu Adrenalin an. Dies kann mit andauerndem Stress assoziiert sein und zieht oft eine Burnout-Symptomatik Burnout-Syndrommit deutlich verminderter Leistungsfähigkeit nach sich.
  • Mögliche Folgen:

    • Müdigkeit

    • Abgeschlagenheit

    • Unruhe

Niedrige Dopamin-SpiegelKönnen zu Antriebsschwäche, kognitiven Einschränkungen, Stimmungsschwankungen und Muskelschwäche führen.
  • Mögliche Folgen:

    • Depressive Neigung

    • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus

    • Störungen des allgemeinen Wohlbefindens

    • Infektanfälligkeit

Eine harmonische Lebensführung mit regelmäßiger Bewegung kann den Dopamin-Spiegel steigern.
Zu hohe Serotonin-WerteKönnen auch mit Stress- und Angstreaktionen assoziiert sein.
Erniedrigte Serotonin-WerteKönnen mit kognitiven Beeinträchtigungen und Stimmungsschwankungen assoziiert sein. Auch Empfindungsstörungen, Essstörungen, Gewichtszunahme und Schlaflosigkeit sind mögliche Symptome.
Ursachen verminderter Serotoninspiegel:
    • Vit.-B6-Mangel (Vit. B6 ist Cofaktor für die Serotonin-Synthese)

    • Einnahme von Kontrazeptiva

    • Beeinträchtigung der Serotonin-Synthese durch reduzierten Vit.-B6-Status und/oder verminderte intestinale Tryptophan-Aufnahme (z. B. bei Fruktose-Intoleranz2.2)

Medikation/Therapie

Medikation
Die Zusammenstellung der nachstehend aufgeführten Präparate zur naturheilkundlichen Behandlung von Stresserkrankungen ist als Anregung zu verstehen und stellt kein aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept dar. Bei der individuellen Auswahl der Präparate für den Pat. sind ggf. vorhandene Kontraindikationen zu berücksichtigen (s. Beipackzettel des jeweiligen Herstellers).
Indikationen, Zusammensetzung, Dosierungs- und Anwendungsempfehlungen s. AnhangTab. A–Z.

THERAPIEEMPFEHLUNGEN

  • Stresserkrankungen:TherapieempfehlungenMagnesiumcitrat Magnesiumcitrat 120:Indikation120 (NICApur)

  • Antistress FormulaAntistress Formula:Indikationen (Biogena)

  • Rhodiola Rhodiola rosea:Indikationrosea (Biogena)

  • GABA GABA 500:Indikation500 (Biogena)

  • probiotik® probiotik® recur:Indikationrecur (nutrimmun)

  • Passidon®Passidon®:Indikationen (Ardeypharm)

  • Ardeysedon®Ardeysedon®:Indikationen bzw. Ardeysedon® NachtArdeysedon® Nacht:Indikationen (Ardeypharm)

  • PASCOFLAIR® 425 mgPASCOFLAIR® 425<2009>mg:Indikationen (PASCOE)

  • PASCONAL® PASCONAL® Nerventropfen:IndikationNerventropfen (PASCOE)

  • PASCORBIN® 7,5 gPASCORBIN® 7,5<2009>g:Indikationen (PASCOE)

  • FOLSÄURE-Injektopas®FOLSÄURE-Injektopas®:Indikationen (PASCOE)

  • VITAMIN B1-Injektopas® 100 mgVITAMIN B1-Injektopas® 100<2009>mg:Indikationen (PASCOE)

  • VITAMIN B6-Injektopas® 25 mgVITAMIN B6-Injektopas® 25<2009>mg:Indikationen (PASCOE)

  • VITAMIN B12-Depot-Injektopas®VITAMIN B12-Depot-Injektopas®:Indikationen (PASCOE)

Komplementäre Mikronährstoff-Therapie
  • Das Stressgeschehen beeinflussende Mikronährstoffe:

  • Stresserkrankungen:komplementäre Mikronährstoff-TherapieMikronährstoff-Therapie, komplementäre:StresserkrankungenMagnesium Magnesium:Wirkungenkommt bei Stressreaktionen eine besondere Bedeutung zu, da dieser Mineralstoff eine wichtige Rolle bei der Erregungsleitung im Nervensystem sowie bei der Speicherung und Freisetzung von Neurotransmittern und Hormonen spielt. Die Freisetzung von Stresshormonen lässt sich einerseits durch eine hohe Magnesiumzufuhr vermindern, andererseits ist der Magnesiumbedarf bei physischem oder psychischem Stress erhöht.B-Vitamine spielen sowohl in Energiebereitstellungsprozessen als auch im Nervenstoffwechsel eine entscheidende Rolle. Daher werden sie auch als „Anti-Stress-Vitamine“ Vitamin B:WirkungenAnti-Stress-Vitaminebezeichnet. Eine erhöhte Zufuhr aller Vit. des B-Komplexes kann zudem bei stressbedingter Symptomatik therapeutisch wirken, da sie das kardiovaskuläre System beeinflussen, das Nervensystem stabilisieren und sich bei beeinträchtigten Magen-Darm-Funktionen positiv auswirken. Zudem ist ihr Bedarf bei körperlichen und psychischen Belastungen erhöht.Gamma-Aminobuttersäure (GABA) Gamma-Aminobuttersäure (GABA), Wirkungenist der wichtigste zentral hemmende Neurotransmitter im Gehirn. GABA wird durch die GABA-Transaminase zu Glutamin umgewandelt, das bei Bedarf wieder in die präsynaptische Zelle gebracht und in Glutamat rückgeführt werden kann (Glutaminzyklus). GlutaminzyklusDadurch zeigt GABA eine beruhigende und besänftigende Wirkung auf die Nervenbahnen. Pharmakologisch aktive Substanzen wie Valium und andere benzodiazepinhaltige Medikamente üben ihre beruhigende Wirkung aus, indem sie die Bildung von GABA im Gehirn stimulieren.

  • Adaptagene Pflanzenextrakte:

  • Extrakte aus der Ginsengwurzel (Ginseng(wurzel):WirkungenPanax ginseng) Panax ginseng\t \"Siehe Ginsengwurzelenthalten Ginsenoide, Ginsenoidedie durch kortikomimetische und adaptogene Wirkungen die Toleranz des Organismus ggü. psychischem und physischem Stress erhöhen. Ginsenoide können in Stress-Situationen die Homöostasis der metabolischen Regulationen, die Kortisol- und Testosteron-Spiegel sowie die Lymphozytenproliferation erhalten und die Folgen von belastungsinduziertem oxidativem Stress abmildern.Rhodiola rosea Rhodiola rosea:Wirkungenhat aufgrund adaptogener und ergogener Effekte positive Wirkungen auf das Nervensystem, die Konzentrationsfähigkeit und die Stressresistenz. So wurde insb. bei emotionalem Stress eine verbesserte kognitive Funktion sowie eine Reduzierung der mentalen Erschöpfung nachgewiesen.

Schlafstörungen

Definition

Schlafstörungen, dSchlafstörungen:Einteilung. h. subjektiv empfundene oder objektiv beobachtete Abweichungen vom normalen Schlafverhalten, gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden. Man unterscheidet:
  • Insomnie (InsomnieSchlaflosigkeit)

  • Hypersomnie (Hypersomnieerhöhtes Schlafbedürfnis)

  • Parasomnie (ParasomnieVerhaltensauffälligkeit im Schlaf)

  • Schlafbezogene Atmungsstörungen (z. B. Schlafapnoe)

  • SchlafapnoeSchlafbezogene Bewegungsstörungen (z. B. Restless-Legs-Syndrom)

  • Restless-Legs-SyndromZirkadiane Rhythmusstörungen (Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus)

Schlaf-Wach-Rhythmus, Störungen desLänger andauernde Schlafstörungen ziehen bei vielen Pat. eine deutliche Abflachung der Melatonin-Rhythmik nach sich. Da dem körpereigenen Hormon die Bedeutung eines „Synchronisators“ zukommt, der einen empfindlichen Einfluss auf zirkadiane Rhythmen nimmt, wurde die Wirkung von Melatonin Melatonin:Wirkungenauf den Schlaf-Wach-Rhythmus seit den 1980er-Jahren intensiv untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass Melatonin den Schlaf-Wach-Rhythmus und umgekehrt der Schlaf-Wach-Rhythmus den Melatonin-Spiegel beeinflusst.
Schlafstörungen:Rolle von MelatoninDas Neurohormon Melatonin (MT) wurde im Jahre 1958 entdeckt. Es entsteht aus Tryptophan, einer Aminosäure, die reichlich in Sonnenblumenkernen, Kürbiskernen und Bananen vorhanden ist. Melatonin:SyntheseDer Syntheseweg ist Vit.-B6-abhängig, sodass ein verminderter MT-Spiegel auch durch einen Vit.-B6-Mangel verursacht sein kann. Das Hormon wird in der Zirbeldrüse (Epiphyse) in Abhängigkeit vom Hell-Dunkel-Rhythmus gebildet: Unter dem Einfluss von Licht wird die Produktion von MT herunterreguliert, in der Dämmerung bzw. bei Dunkelheit angehoben. Nach Einsetzen der Dunkelheit steigt die Sekretion an, erreicht ihren Höhepunkt zwischen 2 und 4 Uhr nachts und fällt dann bis zum Morgen wieder ab. Da das Auge die entscheidende Verbindung zur Zirbeldrüse garantiert und die jeweiligen Lichtverhältnisse weitergibt, sind total erblindete Personen bezüglich ihrer inneren Synchronisation erheblich beeinträchtigt. Die Epiphyse „erfährt“ nicht, ob gerade Nacht oder Tag ist. Die MT-Substitution bei Blinden gehört deshalb zu den bewährten Indikationen. Melatonin weist auch bedeutende Wirkungen hinsichtlich immunologischer und antioxidativer Vorgänge auf.

INFO

Zirbeldrüse

Die ZirbeldrüseZirbeldrüse reagiert empfindlich auf die heute vermehrt auftretenden Umwelteinflüsse, sodass die MT-Sekretion Melatonin:Funktionendesynchronisiert oder insgesamt vermindert ist. An erster Stelle wären hier anhaltender Stress, Zeitverschiebungen durch Flugreisen, Schichtarbeit, unnatürliche elektromagnetische Felder oder das Fehlen natürlicher Felder (z. B. durch Isolation in Betonbauten und durch flächendeckenden Straßenbelag) zu nennen.
Auch die Regulation anderer Hormone – hierbei stehen die Sexualhormone im Vordergrund – wird wesentlich durch MT gesteuert. In der Tierwelt wird z. B. die Fortpflanzungsfähigkeit durch MT geregelt, indem in den Wintermonaten ein hoher Spiegel die Gonadenfunktion hemmt, während ein absinkender MT-Spiegel im Frühjahr die Reproduktion ermöglicht. Der Versuch, dieses Prinzip auf den Menschen zu übertragen und für die Kontrazeption zu nutzen, ist allerdings gescheitert. Als gesichert gilt auch der Einfluss von MT auf das Einsetzen der Pubertät. Demgegenüber finden sich bei fortschreitendem Alter zunehmend geringere MT-Konzentrationen im Blut. Verschiedene Arbeiten konnten zeigen, dass die nächtliche MT-Produktion bei älteren Menschen deutlich niedriger ist als bei jüngeren.

Diagnostik

Melatonin
Aufgrund des zirkadianen Rhythmus der MT-Konzentration muss zwischen Tag- und Nachtwerten unterschieden werden. Das Hormon wird in der Leber abgebaut und zum größten Teil als Sulfat oder Glukuronid im Urin ausgeschieden.
Schlafstörungen:DiagnostikDie Halbwertszeit im Plasma beträgt nur 0,8 h. Melatonin wird zu 6-Hydroxymelatoninsulfat metabolisiert, das mit dem Urin ausgeschieden wird. Das nächtliche Serummaximum von MT lässt sich somit über die Bestimmung der 6-Hydroxymelatoninsulfat-Konzentration im Morgenurin beurteilen.
Eine Reduzierung des nächtlichen MT-Spiegels bzw. der 6-Hydroxymelatoninsulfat-HydroxymelatoninsulfatKonzentration im Morgenurin ist nachweisbar bei:
  • älteren Menschen

  • gestressten Pat. (Elektrosmog, Jetlag, chron. Übernächtigung, Nachtarbeit)

  • Pat. mit östrogenrezeptorpositivem Mamma-Ca

  • Pat. mit Prostatahypertrophie und Prostata-Ca

  • Pat. mit Depression und Schizophrenie

  • bei Nikotin-/Alkoholabusus

  • bei Einnahme von Betablockern

  • Tryptophan-/Vit.-B6-Defiziten

Die Aufzählung verdeutlicht gleichsam die Indikationen für eine MT-Bestimmung. Melatonin:Bestimmung, IndikationZur Beurteilung der nächtlichen MT-Produktion bei Schlafstörungen wird die 6-Hydroxymelatoninsulfat-Konzentration in ca. 5 ml des ersten Morgenurins untersucht. Diesbezüglich ist der Pat. genau aufzuklären, da die Untersuchung späterer Urinproben bezüglich der Fragestellung unbrauchbare Ergebnisse liefert.
Die Indikation für eine MT-Bestimmung im Tagesurin ergibt sich aus der Fragestellung nach einem Melatonin-Overhang amMelatonin: -Overhang Tage (Müdigkeit, Depression).
Präanalytik
Probenmaterial: Morgenurin
Probenversand: Keine Besonderheiten
Befundinterpretation
Normbereiche ng/ml
Morgenurin 13–50
Tagesurin
    • bis 11 Uhr

    • bis 14 Uhr

4,6–2,5
< 10,0
Nachturin 60–70
Melatonin:NormwerteVerminderte Melatonin-SpiegelUrsachen für erniedrigte MT-Spiegel sind oben aufgeführt. Melatonin:erniedrigte WerteDarüber hinaus sollten etwaige Lichtquellen in der Nacht beseitigt werden. Nur bei vollständiger Dunkelheit ist eine optimale MT-Synthese zu erwarten. Ebenso empfiehlt es sich, auf Elektrosmog zu achten und entsprechende Geräte ggf. aus dem Schlafzimmer zu entfernen.
Da MT überwiegend nachts synthetisiert wird, ist eine fehlerhafte Bewertung dann möglich, wenn nicht der erste Morgenurin, sondern eine später ausgeschiedene Urinprobe zur Untersuchung eingesandt wird.
Melatonin:erniedrigte WerteErhöhte Melatonin-SpiegelErhöhte MT-Spiegel können durch einen gestörten Biorhythmus bedingt sein. DaherMelatonin:erhöhte Werte ist eine Korrektur der „Lebensordnung“ im Hinblick auf die Schlafgewohnheiten empfehlenswert. Darüber hinaus kann eine abendliche MT-Substitution zu erhöhten Morgenwerten führen. In diesem Fall sollte die Dosis reduziert werden, zumal erhöhte MT-Spiegel negative Effekte auf die Libido ausüben. Eine Kontrolluntersuchung in 4 Wo. ist anzuraten.

Medikation/Therapie

Therapeutische Konsequenzen
Zur Beeinflussung von Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit und Depressionen kann eine Korrektur des MT-Stoffwechsels zur erheblichen Verbesserung der Symptomatik führen. Grundsätzlich gilt zu beachten, dass die Lichtverhältnisse je nach Notwendigkeit zu optimieren sind: Zur Anhebung des MT-Spiegels in der Nacht ist es unerlässlich, eine Schlafstörungen:Therapieempfehlungenmöglichst optimale Abdunkelung des Schlafzimmers herbeizuführen, evtl. ist eine Schlafbrille anzuraten. Bei melatoninbedingter Tagesmüdigkeit bzw. depressiven Tendenzen ist auf einen ausreichenden Aufenthalt im Freien zu achten. Eventuell ist der Einsatz künstlicher Lichtquellen sinnvoll (besonders empfehlenswert: Sanolux-Lampen). Dies ist z. B. am Arbeitsplatz zu berücksichtigen.
Zur Stimulation der körpereigenen MT-Produktion können darüber hinaus auch Johanniskraut-Präparate in einer ausreichend hohen Dosierung (ca. 500–750 mg) eingesetzt werden. In vielen Obst- und Gemüsesorten ist Melatonin in unterschiedlichen Mengen enthalten. Besonders hervorzuheben sind Äpfel, Apfelsinen, Ananas, Bananen, Kiwi, Erdbeeren und Nüsse bzw. Paprika, Spinat und Tomaten. Aber auch Getreide wie Reis, Mais und Hafer sind melatoninreich.
Medikation
Die Zusammenstellung der nachstehend aufgeführten Präparate zur naturheilkundlichen Behandlung von Schlafstörungen ist als Anregung zu verstehen und stellt kein aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept dar. Bei der individuellen Auswahl der Präparate für den Pat. sind ggf. vorhandene Kontraindikationen zu berücksichtigen (s. Beipackzettel des jeweiligen Herstellers).
Indikationen, Zusammensetzung, Dosierungs- und Anwendungsempfehlungen s. AnhangTab. A–Z.

THERAPIEEMPFEHLUNGEN

  • Ardeydorm®:IndikationArdeydorm® (Ardeypharm)

  • Griffonia50 Griffonia50 Serolution:IndikationSerolution (Biogena)

  • Passidon®Passidon®:Indikation (Ardeypharm)

  • Ardeysedon®Ardeysedon®:Indikationen bzw. Ardeysedon® NachtArdeysedon® Nacht:Indikationen

  • PASCOFLAIR® 425 mgPASCOFLAIR® 425<2009>mg:Indikation (PASCOE)

Komplementäre Mikronährstoff-Therapie
  • Serotonin-Stoffwechsel unterstützen:5-Schlafstörungen:komplementäre Mikronährstoff-TherapieMikronährstoff-Therapie, komplementäre:SchlafstörungenHydroxytryptophan (5-HTPHydroxytryptophan (5-HTP)) ist eine Zwischenstufe bei der endogenen Umwandlung von Tryptophan in Serotonin, das wiederum in das „Schlafhormon“ Melatonin umgewandelt wird. Ein reduzierter Serotonin-Spiegel führt zu reduzierten MT-Werten während der Nachtstunden. Eine exogene Substitution mit 5-HTP kann ein gestörtes Schlafverhalten und Schlaflosigkeit durch Erhöhung der MT-Werte normalisieren.Auch Niacin, Vit. B1 und Vit. B6 sind für den erfolgreichen Ablauf der Serotonin-Synthese unabdingbar. Für Vit. B6 gibt es Hinweise, dass sich die Intensität des Träumens und die Traumerinnerung durch eine Substitution erhöhen.Johanniskraut (JohanniskrautHypericum perforatum) hemmtHypericum perforatum\t \"Siehe Johanniskraut die synaptosomale Aufnahme von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin und führt damit zur Steigerung der nächtlichen Melatonin-Sekretion und zur Verbesserung des Schlafverhaltens.

Unklare psychische Erkrankungen

Definition

Als psychische Störungen werden Erkrankungen bezeichnet, die deutliche Abweichungen vom Erleben oder Verhalten psychisch gesunder Menschen erkennen lassen. Dabei sind Auswirkungen auf das Denken, Fühlen und Handeln zu beobachten. Bemerkenswert ist die Vielzahl an Symptomen, die durch psychische Störungen hervorgerufen werden können, wobei diese einzeln oder in willkürlicher Kombination auftreten können. So gesehen sind einzelne Symptome und Beschwerden für sich allein nie beweisend für das Vorliegen einer bestimmten Störung. Deshalb gelingt eine definitive Zuordnung und Diagnose nur durch umfassende Untersuchungen und die fachkompetente Beurteilung jedes einzelnen Falls.

INFO

Psychische Störungen

  • AbhängigkeitserkrankungenPsychische Störungen

  • Affektive Erkrankungen (Depression, Manie)

  • Angststörungen

  • Anpassungs- und Belastungsstörungen

  • Aufmerksamkeitsstörungen

  • Persönlichkeitsstörungen

  • Posttraumatische Belastungsstörungen

  • Schizophrenie

  • Schlafstörungen

  • Zwangsstörungen

Psyche oder Soma?
Nicht selten dient eine Erkrankung, obwohl sie auch als äußerst unangenehm oder gar beunruhigend empfunden wird, der Befriedigung gewisser psychologischer Bedürfnisse des Patienten. So kann die Fixierung auf körperliche Beschwerden dazu dienen, z. B. die Aufdeckung eines seelischen Leidens oder Konflikts zu vermeiden. Andererseits kann die Erkrankung helfen, gewisse Privilegien und Vorteile zu erlangen, weil der Betroffene sich mithilfe der gesellschaftlichen Legitimation „Krankheit“ aus seinen Verantwortlichkeiten oder anderen, für ihn unangenehmen Verpflichtungen befreit.
Die Frage „psychosomatisch oder somatopsychisch?“ ist letztlich eine Aufforderung an jeden Therapeuten, eine verantwortungsvolle Ausschlussdiagnostik zu betreiben und die Problematik äußerst sensibel zu handhaben, um einerseits zu verhindern, dass die Betroffenen in ihrer Psychosomatose bestätigt bzw. fixiert werden, sie andererseits aber auch gegen eine ungerechtfertigte Psychologisierung ihrer Beschwerden zu schützen.
Viele Pat. neigen dazu, seelische Ursachen körperlich empfundener Beschwerden zu leugnen. Ein Grund dafür mag sein, dass i. R. der Kassenmedizin die übliche „Vulgärpsychologie“ die Pat. eher verletzt und abschreckt statt durch Aufzeigen von Zusammenhängen neue Wege aufzuzeigen. Mit der lapidaren Feststellung: „Das ist bei Ihnen alles psychisch“ und dem in vielen Fällen unverantwortlichen Angebot, sich mittels eines Psychopharmakons von der Symptomatik „abkoppeln zu lassen“, ist es nicht getan. Hier haben sich beide Seiten zu bewegen: Viele Pat. müssen lernen, dass es sehr wohl seelische Ursachen für hartnäckige körperliche Beschwerden gibt, und viele Mediziner müssen lernen, dass die Seele ihres Pat. etwas anderes braucht, als das, was in der Praxis gemeinhin an Zuwendung und Verständnis angeboten wird.
Psychosomatisch oder somatopsychisch?
Andererseits haben die Zivilisationseinflüsse eine Reihe von Störungen und Erkrankungen hervorgebracht, die eine beeindruckende Fülle „unglaubwürdiger“ Symptome bieten können und damit vordergründig den Pat. als Psychosomatiker erscheinen lassen. Bei einem nicht unerheblichen Anteil unserer „vegetativ überlagerten, depressiven, neurotischen, antriebsschwachen oder verhaltensauffälligen“ Pat. liegen aber bei genauer Betrachtung Störungen zugrunde, die sich labordiagnostisch erfassen und damit einer wirksamen Therapie zuführen lassen. In diesem Kontext spielen bioaktive Peptide aus Nahrungsbestandteilen wie Casomorphine und Gliadorphine bei Pat. mit Depression, Schizophrenie oder Aufmerksamkeitsstörungen eine besondere Rolle.
Casomorphine und Gliadorphine: opioide Peptide aus Casein und Gluten
Bioaktive Peptide, die bei der unvollständigen Hydrolyse von Nahrungsproteinen entstehen und als Agonisten der Opioid-Rezeptoren wirken können, werden als Exorphine Exorphinebezeichnet. Die wohl bekanntesten und am besten untersuchten Exorphine sind Beta-Casomorphine (BCM),Casomorphine BCM\t \"Siehe Beta-CasomorphineFragmente des Milchproteins Beta-Casein, und Glutenexorphine bzw. GlutenexorphineGliadorphine, die Gliadorphineaus der unvollständigen Proteolyse des Klebereiweißes Gluten aus Getreideprodukten entstehen.

INFO

Die Aktivierung der Opioid-Rezeptoren kann zu einer verminderten Schmerzwahrnehmung führen, die Hormonausschüttung beeinflussen, den Appetit steigern, die Darmtransitzeit verlängern, Verhaltensweisen beeinflussen und Emotionen wie Euphorie oder Dysphorie hervorrufen.

Bei Pat. mit Depression, Autismus, Schizophrenie oder auch ADHS wurden häufig erhöhte Spiegel dieser Peptide im Urin nachgewiesen und eine Verbesserung der Symptomatik durch eine gluten- und caseinfreie Diät erzielt.

Ursachen

Nahrung als Quelle von Opioiden
Aus Gluten und Milchproteinen können bei unvollständiger Proteolyse im Gastrointestinaltrakt (GIT) verschiedene opioide Peptide Peptide, opioideOpioide aus Nahrungsmittelnentstehen. Die Nomenklatur dieser Exorphine richtet sich nach dem Protein, aus dem sie hervorgehen, und wird durch die Länge ihrer Aminosäuresequenz weiter differenziert (Tab. 15.1). So wird z. B. das Oligopeptid, das aus Beta-Casein hervorgeht und aus der 5-stelligen Aminosäuresequenz Tyrosin-Prolin-Phenylalanin-Prolin-Glycin besteht, als Beta-Casomorphin 5 (Beta-CasomorphineBCM5) bezeichnet.
Exorphine aus Casein
Mit Ausnahme von Casoxinen und CasoxineLaktoferroxinen wirkenLaktoferroxine alle inTab. 15.1 aufgeführten Exorphine aus Milchproteinen als Agonisten der Opioid-Rezeptoren. Exorphine:aus CaseinHumane Peptidvarianten weisen eine 3- bis 30-mal geringere Bindungsaffinität zu den Rezeptoren auf als bovine, wobei speziesunabhängig BCM5 BCM5innerhalb der Gruppe der Beta-Casomorphine den potentesten Liganden darstellt (BCM5 > BCM4 > BCM8 > BCM7).
Exorphine aus Milchproteinen können nicht nur im Intestinaltrakt entstehen, sondern liegen bereits in unterschiedlichen Mengen in Milchprodukten vor. BCM7 wurde sowohl in frischer Milch als auch in fermentierten Produkten wie Käse und Joghurt nachgewiesen. Analysen zum Gehalt von Beta-Casomorphinen in humaner Muttermilch ergaben, dass reife Muttermilch 5-mal weniger BCM5 und 8-mal weniger BCM7 enthält als Kolostrum und dass der Gehalt mit fortschreitender Laktation weiter sinkt.
Exorphine aus Gluten
Aus der Spaltung von Gluten können das Exorphin A5, A4, B5, B4 und das Exorphin C hervorgehen. Exorphine:aus GlutenInnerhalb dieser Gruppe stellt Exorphin B5 den potentesten Liganden der Opioid-Rezeptoren dar. Da seine Aminosäuresequenz 15-mal in der Primärstruktur von Glutenin Gluteninvorkommt, kann aus einer Glutenin-Polypeptidkette eine größere Anzahl Exorphin A5 hervorgehen. Zusätzlich zu den genannten Exorphinen existiert noch das Gliadorphin-7, das sich aus der Spaltung von Gliadin ableitet.
Während humane und bovine BCM eine Präferenz für den μ-Rezeptor aufweisen, binden Glutenexorphine bevorzugt an den δ-Rezeptor.

Symptomatik

Es ist naheliegend, dass Exorphine Exorphine:Wirkspektrumaufgrund ihrer Wechselwirkung mit den Opioid-Rezeptoren ein ähnlich großes Wirkspektrum aufweisen wie andere bisher bekannte Agonisten. Dass sie die gleiche Signalkaskade in Gang setzen können und so ebenfalls hemmend auf die Adenylatzyklase und die elektrische Erregbarkeit von Zellen wirken, wurde bereits 1979 nachgewiesen.
In welchen Mengen Exorphine endogen gebildet werden und wie diese auf den Organismus wirken, hängt von verschiedenen Pathomechanismen ab.
Lokale Wirkung durch erhöhte intestinale Genese
Da Exorphine aus Exorphine:Wirkspektrumder unvollständigen Spaltung von Gluten und Casein entstehen, spielt neben der erhöhten Zufuhr dieser Nahrungsproteine die Funktionsbeeinträchtigung von Verdauungsenzymen eine wichtige Rolle in ihrer Genese. Aus einer In-vitro-Verdauung von Weizengluten mit den physiologisch vorkommenden Enzymen Pepsin und Pankreaselastase gehen die Produkte Glutenexorphin A5, B5 und B4 hervor. Diese Fragmente werden in vivo durch Amino- und Dipeptidasen weiter aufgespalten. Für BCM4 ist bekannt, dass es durch die Dipeptidylpeptidase (DPP) IV weiter abgebaut und so eliminiert werden kann. DPP IV istDipeptidylpeptidase ein Enzym im Bürstensaum von Enterozyten. Wird dieses in vitro gehemmt, gelangt BCM4 durch die Schleimschicht an die Serosa, wo die Opioid-Rezeptoren lokalisiert sind, und kann den Elektrolythaushalt beeinflussen.
Die Aktivität von Verdauungsenzymen kann Verdauungsenzymedurch genetische Veränderung, einen Mangel an Cofaktoren, Schwermetallbelastung oder einen suboptimalen pH-Wert beeinträchtigt werden. Dadurch können erhöhte intestinale Konzentrationen von Beta-Casomorphinen und Glutenhydrolysaten entstehen, die zu Obstipation führen. DieseObstipation, exorphininduzierte stellt auch eine klassische Nebenwirkung der schmerztherapeutisch eingesetzten Opioide dar, von denen bekannt ist, dass ihre Bindung an intestinale μ-Rezeptoren die Ausschüttung des Neurotransmitters Acetylcholin vermindert. Dadurch wird die Motilität der Ring- und Längsmuskulatur des Darms herabgesetzt, in deren Folge es zu einer erhöhten Absorption von Flüssigkeit und zu einer Festigung des Stuhls kommt. Ebenso wie bei der verlängerten Darmtransitzeit durch Opioide kann eine exorphininduzierte Obstipation durch Naloxon wieder aufgehoben werden, weshalb anzunehmen ist, dass beiden Formen die gleichen Mechanismen zugrunde liegen.
Systemische Wirkung durch intestinale Permeabilitätsstörungen (Leaky-Gut-Syndrom)
Liegen erhöhte intestinale Konzentrationen von Exorphinen vor, so steigt das Risiko, dass diese über den Darm aufgenommen werden und eine systemische Wirkung im Körper entfalten. Die Exorphine:WirkspektrumDiffusion über das GIT-Epithel wird zudem durch eine gestörte intestinale Permeabilitätsbarriere (Leaky-Gut-Syndrom) Leaky-Gut-Syndromgesteigert. Ein solches Leaky-Gut-Syndrom kann z. B. aufgrund einer latenten oder chron. Entzündung der Mukosa, von Stress, Nahrungsmittelallergien oder Zöliakie auftreten und zu einem erhöhten parazellulären Transport führen.
Als Ursache für den erhöhten endogenen Exorphin-Spiegel bei Schizophrenie Schizophrenie, Rolle des Exorphin-Spiegelspostuliert Dohan (1988), dass genetische Faktoren zu Enzymdefekten und somit zu einem verminderten Katabolismus führen und zudem eine erhöhte Rezeptordichte die transzelluläre Passage über den Darm begünstigen könnten.
Bezüglich der systemischen Wirkung von Exorphinen ist bekannt, dass BCM7 die Peroxidation von LDL fördert, weshalb gesteigerte endogene Konzentrationen einen Risikofaktor für Arteriosklerose und kardiovaskuläre Erkrankungen darstellen könnten. Als Histamin-Liberator kann Histamin-Liberatorenes außerdem im Zusammenhang mit pseudoallergischen Hautreaktionen stehen.
Darüber hinaus liegen verschiedene Studien zu ernährungsbedingten Risikofaktoren des Typ-1-Diabetes vor, die diesen mit einer kurzen Stillperiode der frühen Umstellung auf Kuhmilch und dem Milchkonsum in der Kindheit oder pro Kopf in Beziehung setzen. Da bekannt ist, dass ungefähr jeder 20. Typ-1-Diabetiker auch an einer Zöliakie leidet, wird der Konsum von Weizenprodukten und anderen glutenhaltigen Lebensmitteln ebenfalls als Risikofaktor diskutiert.
Zentralnervöse Wirkung durch Permeabilitätsstörungen der Blut-Hirn-Schranke
Wenn Exorphine in erhöhten Mengen im Serum vorkommen und sie die Blut-Hirn-Schranke passieren können, ist eine zentralnervöse Wirkung über die Opioid-Rezeptoren im Gehirn möglich.
Da Exorphine:Wirkspektrumdie Halbwertszeit freier Proteine im Serum sehr kurz ist, muss ein Transportsystem vorliegen, das allerdings noch nicht identifiziert wurde. Transferrin wird als potenzieller Carrier diskutiert, da es sowohl im Epithel des GIT als auch im Endothel des Gehirns vorkommt.
Da bekannt ist, dass BCM7 ein Substrat des Transportproteins PTS-1 ist, kommt dieses ebenfalls für den Transport über die Blut-Hirn-Schranke infrage. Während für BCM7 ein Transport über Carrier-Proteine angenommen wird, diffundiert Gliadin-7 vermutlich über die zirkumventrikulären Organe in das Gehirn. Eine Diffusion über die Blut-Hirn-Schranke kann durch verschiedene Faktoren gesteigert werden, die zu einer Erhöhung der Permeabilität führen. Zu ihnen zählen oxidativer Stress, Infektionen oder Schädel-Hirn-Traumen. Auch elektromagnetische Wellen, die z. B. von Mobilfunktelefonen und WLAN ausgestrahlt werden, stehen als mögliche Ursache zur Diskussion.
Bezüglich der zentralnervösen Wirkung von Exorphinen aus Milchproteinen liegen die meisten Studien zur Wirkung der Beta-Casomorphine vor. Beta-Casomorphine:WirkungenAlle inTab. 15.1 aufgeführten BCMs weisen eine analgetische Wirkung auf, die durch Naltrexon aufgehoben werden kann. Im Tiermodell führten i. c./i. v. Gaben von hoch dosiertem BCM5 bei den Versuchstieren zu Amnesie und BCM7-Infusionen zu bizarren Verhaltensänderungen. Darüber hinaus ist bekannt, dass BCM7 mit dem dopaminergen und dem serotonergen System interagiert.

INFO

Es existieren verschiedene klinische Studien, die einen positiven Effekt der gluten- und caseinfreien Diät bei Kindern mit AutismusAutismus aufweisen, bei denen zuvor ein erhöhter Exorphin-Gehalt im Urin nachgewiesen wurde. Die Diät reduzierte ihre autistischen Verhaltensweisen und steigerte ihre Sozial- und Sprachkompetenz.

Im Zusammenhang mit Schizophrenie und ADS konnten ebenfalls erhöhte Exorphin-Spiegel im Urin nachgewiesen und eine Verbesserung des Krankheitsbildes durch eine gluten- und caseinfreie Diät erzielt werden.

Diagnostik

Casomorphine und Gliadorphine
Liegen aufgrund der beschriebenen Pathomechanismen erhöhte Exorphin-Spiegel im Körper vor, so werden diese Proteine über den Urin ausgeschieden und sind so labortechnisch nachweisbar.
Die Psychische Störungen:Labordiagnostikeingesetzte Nachweismethode für die Bestimmung des Exorphin-Gehalts im Urin ist die sog. LC-MS/MS. Die LC-MS/MSIdentifizierung und Quantifizierung der Proteinfragmente erfolgt wie bei anderen massenspektrometrischen Analysen (MS) über das spezifische Molekulargewicht der einzelnen Analyten. Durch den Einsatz von zwei hintereinandergeschalteten Massenspektrometern wird bei der sog. Tandem-MS oder MS/MS die Selektivität ggü. herkömmlichen MS-Verfahren noch weiter gesteigert. Hierzu werden die gesuchten Moleküle in einer Stoßzelle in ihre speziellen Tochterfragmente zerlegt, die einzeln und sehr spezifisch analysiert werden.
Insbesondere im Vergleich zu immunologischen Nachweismethoden wie dem Enzyme-Linked Immunosorbent Assay (ELISA), der Enzyme-Linked Immunosorbent Assay (ELISA)von einigen Laboren für die Bestimmung des Exorphin-Gehalts im Exorphine:Bestimmung im UrinUrin eingesetzt wird, hat die Tandem-MS vielfältige Vorteile.
Da Antikörper auf ihren Antigenen Epitope mit einer Länge von mind. 6–8 Aminosäuren erkennen, einige Exorphine jedoch aus kürzeren Sequenzen bestehen, ist mit dieser Methode der eindeutige Nachweis, die Unterscheidung und Konzentrationsbestimmung der einzelnen Spaltprodukte nicht möglich. Demgegenüber sind über LC-MS/MS der spezifische und sensitive Nachweis sowie eine exakte Konzentrationsbestimmung im Nanogrammbereich für jedes einzelne Exorphinfragment möglich.
Präanalytik
Probenmaterial: 1. Morgenurin
Probenversand: Keine Besonderheiten
Exorphine:Normwerte
Normwerte Frauen
(ng/g)
Männer
(ng/g)
BCM7 < 680 < 370
Casomorphin 1–3 < 3.610 < 2420
Casomorphin 1–4 < 770 < 800
Casomorphin 1–4 Amide < 3.720 < 6.340
Gliadorphin < 2.770 < 2.710
Glutenexorphin A5 < 120 < 110
Glutenexorphin B5 < 1.210 < 3.220
Glutenexorphin C < 310 < 160

Medikation/Therapie

Ernährungsempfehlungen bei erhöhten Exorphin-Spiegeln im Urin
Bei erhöhten Exorphin-Spiegeln im Urin Exorphine:erhöhte Spiegel, ErnährungsempfehlungenErnährungsempfehlungen:erhöhte Exorphin-Spiegelempfiehlt sich die Testung der klin. Relevanz einer gluten- und caseinfreien Ernährung. Begleitend zur Therapie der Grunderkrankung kann diese Ernährungsumstellung dazu beitragen, das Anfallen von Exorphinen im Darm und damit das Risiko für erhöhte endogene Spiegel zu reduzieren.
Aus Erfahrungsberichten ist bekannt, dass diese Ernährungsweise für mindestens 1 Jahr strikt eingehalten werden sollte, da sich die Symptome häufig erst nach einer längeren Umstellungsphase bessern und nur so die Auswirkung der veränderten Ernährungsweise gut beurteilt werden kann. Zu Beginn der Ernährungsumstellung wird auch zunächst eine mögliche Verschlechterung der Symptomatik beschrieben.
Casein- und glutenfreie Ernährung
Casein ist ein CaseinStrukturprotein, das mit ca. 82 % die quantitativ größte Eiweißkomponente der Milch darstellt. Es wird in die drei Hauptkomponenten αs-, β- und κ-Casein unterteilt. Casein ist nicht tierartspezifisch: Alle Milcharten enthalten diese Proteine in unterschiedlicher Zusammensetzung. Daher ist eine vollständige Eliminierung der Casein-Aufnahme nur durch das Meiden aller Milcharten und Nahrungsmittel, die Milch als Zutat enthalten, zu erreichen.
Folgende Nahrungsmittel sind für die caseinfreie Ernährung nicht geeignet:
  • Kuh-, Schaf-, Ziegen-, Stutenmilch und alle daraus hergestellten Produkte

  • Lebensmittel, die Milch oder Milchbestandteile enthalten

Alternativ können folgende Produkte verwendet werden:
  • Sojadrinks und Sojaprodukte

  • Reisdrinks und Reisprodukte

  • Hirsedrinks

  • Kokosmilch

  • Mandelmilch

Um die ausreichende Versorgung mit Kalzium bei Verzicht auf Milchprodukte zu gewährleisten, sollte auf eine bewusste Auswahl der Nahrungsmittel geachtet werden. Viele Sojaprodukte sind mit Kalzium angereichert und tragen damit zur Versorgung mit diesem Mineralstoff bei. Zudem sollte auf kalziumreiche Mineralwässer geachtet werden (Mineralwässer mit > 150 mg/l Ca). Gemüsesorten wie Brokkoli, Fenchel, Lauch oder Grünkohl sowie verschiedene Saaten und Nüsse wie Sesam, Mohn, Mandeln und Haselnüsse enthalten ebenfalls nennenswerte Mengen an Kalzium.
Gluten ist die GlutenBezeichnung für das Klebereiweiß in verschiedenen heimischen Getreidesorten, das lebensmitteltechnologisch für gute Backeigenschaften verantwortlich ist. Es besteht aus den Proteinfraktionen der Prolamine und Gluteline, die beim Weizen als Gliadin (GliadinProlaminfraktion) bzw. Glutenin (Glutelin-GluteninFraktion) bezeichnet wird (glutenhaltige und glutenfreie GetreideTab. 15.2).

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