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B978-3-437-56323-2.00008-5

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978-3-437-56323-2

Andere Antioxidanzien bzw. Enzyme, die mittels dieser Stoffe im Organismus aufgebaut bzw. funktionsfähig werden

Tab. 8.1
Beispiele
Glutathion Vit. C, L-Cystein, L-Glutamin und L-Glyzin
Glutathionperoxidase Selen, Vit. E, Riboflavin, Niacin
Katalasen Eisen
Superoxiddismutasen Zink, Mangan, Kupfer

Vorkommen natürlicher Antioxidanzien:VorkommenAntioxidanzien

Tab. 8.2
Verbindungen Lebensmittel mit hohem Gehalt
Vit. C Frisches Obst und Gemüse
Vit. E (Tocopherole, Tocotrienole) Pflanzenöle
Polyphenolische Antioxidanzien (Resveratrol, Flavonoide) Tee, Kaffee, Soja, Obst, Olivenöl, Kakao, Zimt, Oregano, Rotwein, Granatapfel, Aroniabeeren
Karotinoide Obst, Gemüse, Eier

Oxidativer Stress

Definition

Lebende Systeme nutzen atmosphärischen SauerstoffOxidativer StressAzidose:oxidativer StressSauerstoff als Oxidans, um eine möglichst hohe Energieausbeute zu erzielen. Der Vergleich des Energieertrags zwischen sauerstoffloser (anaerober) Energieproduktion und oxidativem Abbau von z. B. 1 Mol Glukose macht die Unterschiede hinsichtlich der Effizienz der Energieausbeute deutlich: Während die Glukose anaerob via Gärung lediglich 2 Mol ATP liefert, stellt der oxidative Abbau der gleichen Menge Zucker unter O2-Ausnutzung das ca. 19-Fache an Energie zur Verfügung. Der Vorteil dieser erheblich höheren Energieausbeute wird allerdings mit einem Nachteil erkauft: Die OxidationOxidation ist – neben physiologischen Reaktionen – durch erhebliche Belastungen des gesamten Organismus gekennzeichnet. Die durch Oxidation entstehenden aktivierten Sauerstoffstufen lösen ununterbrochen Zellschäden aus, die ohne ausgeklügelte antioxidative Schutzmechanismen rasch zum Zelltod führen würden.
Die in den Mitochondrien fortlaufend gebildeten reaktiven Reaktive SauerstoffspeziesSauerstoffspezies (ROS für reactive oxygen species) besitzen besonders starke oxidative Eigenschaften. Sie können in der Umgebung, in der sie entstehen, mit einer ganzen Reihe biologischer Substrate (Lipide, Proteine, DNA, Glukose) reagieren. Im gesunden Organismus besteht stets ein Gleichgewicht zwischen prooxidativen Faktoren und antioxidativen Schutzsystemen. Letztere werden durch ein Zusammenspiel aus Enzymen, Vitaminen, Spurenelementen und Aminosäuren gewährleistet. Zahlreiche Erkrankungen, Stress, Schadstoffbelastungen, Medikamente sowie Ernährungs- und Lebensgewohnheiten (z. B. Rauchen) führen jedoch zu einer Verschiebung dieses Gleichgewichts zugunsten der Oxidanzien. Die Folgen dieser Dysbalance werden als oxidativer Stress:oxidativerOxidativer StressStress bezeichnet. Sie sind gekennzeichnet durch die übermäßige Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies (z. B. freie Radikale), die vom Organismus langfristig nicht mehr kompensiert werden kann und zum Ausgangspunkt chronischer Erkr. und vorzeitiger Alterungsprozesse wird. Dies gilt v. a. für Zivilisationskrankheiten wie KHK, Diabetes, Arteriosklerose und Krebs. Darüber hinaus werden auch chronisch-degenerative Erkrankungen des ZNS (Alzheimer-, Parkinson-Krankheit) mit freien Radikalen in Verbindung gebracht.

INFO

Oxidation ist ein OxidationVorgang, der ein hohes Maß an Energie erzeugt, aber permanent mit dem Risiko der Strukturzerstörung einhergeht! Die Notwendigkeit eines ausgeklügelten, stets präsenten Schutzsystems wird verständlich, wenn man bedenkt, dass lebende Systeme zum Aufbau und zur Erhaltung biologischer Strukturen und zur Produktion von Lebensenergie genau diejenigen Substrate oxidieren, aus denen das System selbst aufgebaut ist.

Aufgrund ihrer extremen Reaktionsfreudigkeit greifen freie Freie RadikaleRadikale nahezu alle Strukturen des menschlichen Organismus an. Sie rufen ausgeprägte Zellschäden hervor, die eine Funktionseinschränkung vieler Organe nach sich ziehen können. Einer besonderen Gefahr unterliegen hierbei die lipidhaltigen Strukturen der Zellmembranen und Zellkerne aufgrund ihrer besonderen chemischen Struktur (mehrere Doppelbindungen).
So gehen aus der Reaktion zwischen freien Radikalen und ungesättigten Fettsäuren sog. Lipidperoxide Lipidperoxidehervor, die zu morphologischen Veränderungen der Zellmembranen führen. Daraus resultieren Beeinträchtigungen der Funktion membrangebundener Enzyme und Rezeptoren sowie des zellulären Ionentransports. Diese Prozesse ziehen wiederum Permeabilitätsstörungen der Zellmembranen nach sich, wodurch ein erhöhter Kalziumeinstrom in die Zellen erfolgt. Über diesen Weg wird letztlich die Zerstörung der gesamten Zelle eingeleitet.

GUT ZU WISSEN

Besonders gravierend wirken sich Lipidperoxide am Zellkern Lipidperoxide:Effekteaus: Sie führen rasch zu Zellzerstörung, Veränderung des Erbmaterials und Transformation in entartete Zellen. Da auch die Reparaturmechanismen der Zellen eingeschränkt sind, können die durch die Lipidperoxidation hervorgerufenen Schäden nicht mehr vollständig behoben werden. Hieraus resultiert letztlich ein vorzeitiger und beschleunigter Alterungsprozess im gesamten Organismus.

Ursachen

Faktoren, welche die Entstehung freier Freie Radikale:begünstigende FaktorenRadikale begünstigen und zu DNA-DNA-SchädenSchäden führen Oxidativer Stress:Ursachenkönnen:
  • Rauchen

  • UV-Strahlung, radioaktive Strahlung

  • Alkoholkonsum

  • Stress

  • Medikamente wie Zytostatika, orale Kontrazeptiva, Paracetamol, Chloramphenicol

  • Umweltnoxen wie Luftschadstoffe

  • Schwermetalle, Pestizide, Ozonbelastung

  • Falsche körperliche Belastungen

  • Chronische Entzündungsprozesse

Indikationen für die labordiagnostische Beurteilung oxidativer Belastungen

  • Stark beeinträchtigtes Allgemeinbefinden: Oxidativer Stress:labordiagnostische Beurteilung, Indikationen

    • Chronische Müdigkeit

    • Erschöpfung

    • Starker Leistungsabfall

    • Konzentrationsstörungen

    • Migräne

    • Depressionen

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • V. a. Arteriosklerose

  • Diabetes mellitus

  • Störungen des Immunsystems

    • Rezidivierende Infekte

    • Allergien

    • Autoimmunerkrankungen

  • Lungenerkrankungen

    • Asthma bronchiale

    • Lungenemphysem

  • Neurodegenerative Erkrankungen

    • Morbus Alzheimer

    • Morbus Parkinson

    • Amyotrophe Lateralsklerose

  • Umweltbelastung

    • Schwermetalle

    • Pestizide

    • Organische Lösungsmittel

    • UV-Strahlen

  • Hochleistungssport

  • Herabgesetzte Entgiftungsfunktion

    • Lebererkrankungen

    • Nierenfunktionsstörungen

    • Gastrointestinale Störungen

Diagnostik

Die Belastung des Gesamtorganismus mit freien Radikalen bzw. der Grad der Lipidperoxidation kann labormedizinisch erfasst werden. Aus den Ergebnissen lassen sich nicht nur die Rückschlüsse auf gesundheitliche Risiken ableiten, sondern auch der individuelle Bedarf an antioxidativen Vitaminen und Spurenelementen erkennen.

PerOx-Lipidperoxidation

Der PerOx-PerOx-TestLipidperoxidation, DiagnostikTest erfasst die gesamten Lipidperoxide. Er dient als Maß für die Fähigkeit des Organismus, freie Radikale abzubauen bzw. unschädlich zu machen, und gibt Auskunft über den Schweregrad der oxidativen Belastung: Eine erhöhte Konzentration von LipidperoxideLipidperoxiden im Plasma ist Ausdruck einer Peroxidation von Membranlipiden sowie anderer lipidhaltiger Strukturen.
Isoprostane
Die ungesättigten Fettsäuren sind aufgrund ihrer chemischen Struktur (Doppelbindungen) besonders anfällig für einen Angriff von Sauerstoffradikalen, durch den es zur Bildung von Peroxiden kommt. IsoprostaneIsoprostane entstehen bei der Oxidation der vierfach ungesättigten Fettsäure Arachidonsäure durch freie Radikale. Arachidonsäure ist bedeutsam als essenzieller Bestandteil von Zellmembranen und nimmt Einfluss auf die Membranrezeptor-Aktivität.
Isoprostane zeigen das Ausmaß dieses Schädigungsmechanismus an. Der Nachweis einer erhöhten Isoprostan-Konzentration ermöglicht ferner eine Einschätzung der antioxidativen Kapazität und dient darüber hinaus der Abklärung von Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes mellitus, Hypercholesterinämie, Adipositas sowie Rauchen.
Oxidiertes LDL (oxLDL)
oxLDL Oxidiertes LDList ein Marker für eine gesteigerte Lipidoxidation. Es besitzt atherogene und thrombogene Eigenschaften, die für die Entstehung arteriosklerotischer Gefäßwandläsionen und Arterienverschlüsse von großer Bedeutung sind.
oxLDL wird aufgrund seiner Modifizierung durch oxidative Prozesse nicht mehr als natives LDL erkannt. Es löst autoimmune zytotoxische Reaktionen aus. Infolgedessen wandeln sich Monozyten vermehrt in Makrophagen um, die oxLDL mithilfe des Scavenger-Rezeptors binden können. Da dieser Rezeptor nicht (wie der normale LDL-Rezeptor) durch einen hohen intrazellulären Cholesterinspiegel gehemmt wird, kommt es zu einer Anhäufung des Cholesterins in den Makrophagen, die sich daraufhin zu SchaumzellenSchaumzellen umbilden. Die Schaumzellen begünstigen wiederum Bindegewebseinlagerungen, die zur Ausbildung arteriosklerotischer Plaques führen. Lösen sich die Plaques, zirkulieren sie mit dem Blutstrom. Die Folgen sind Herzinfarkt und Schlaganfall.
DNA-Oxidation (8-Hydroxy-Desoxyguanosin)
Bei oxidativen Vorgängen im Organismus sind Schädigungen der Basen von Nukleinsäuren (v. a. Thymin und Guanin) von besonderer Bedeutung, da sie Veränderungen der Chromosomen und damit des Erbguts nach sich ziehen können. Guanin wird in 8-HydroxyguanosinDNA-OxidationHydroxyguanosin umgewandelt, das normalerweise durch DNA-Reparaturenzyme entfernt wird. Ist dieses System überlastet, reichert sich 8-Hydroxyguanosin an, und es kommt in der Folge zu Mutationen, die bei der Krebsentstehung eine Rolle spielen. Erhöhte Konzentrationen werden außerdem im Alter, bei chron. Lebererkr., Hypercholesterinämie und/oder Hypertonie, Diabetes sowie bei Rauchern gefunden.

Untersuchungsverfahren zur Überprüfung des antioxidativen Schutzmechanismus

Der ImAnOx-ImAnOx-TestTest dient der Überprüfung des antioxidativen Schutzsystems. Hierbei wird die Kapazität der in einer Blutprobe befindlichen Antioxidanzien:MessungAntioxidanzien gemessen, exogen zugeführte Peroxide in einem bestimmten Zeitraum zu beseitigen. Der Test erfasst alle wichtigen antioxidativen Vitalstoffe und weist frühzeitig auf eine Störung des antioxidativen Gleichgewichts hin. Er ist darüber hinaus gut zur Kontrolle sowie Optimierung einer Antioxidanzien-Therapie einsetzbar.
Antioxidative Enzyme und Cofaktoren
Zum Schutz vor Schädigungen durch freie Radikale verfügt der Organismus über ein komplexes antioxidatives Schutzsystem (Tab. 8.1)Antioxidatives Schutzsystem:
  • Die SuperoxiddismutaseSuperoxiddismutase (SOD) ist für die Elimination des Superoxid-Anions zuständig, des ersten toxischen Sauerstoffabkömmlings. Das Enzym bildet somit die erste Abwehrlinie ggü. oxidativem Stress. Die Aktivität der SOD ist abhängig von einem ausreichenden Gehalt an den Spurenelementen Kupfer und Zink (Cu/Zn-SOD des Zytosols) oder Mangan (Mn-SOD der Mitochondrien).Erniedrigte SOD-Spiegel sind meist auf niedrige Konzentrationen dieser Spurenelemente zurückzuführen.

  • Die Hauptfunktion der GlutathionperoxidaseGlutathionperoxidase besteht in der Elimination von Lipidperoxide:EliminationLipidperoxiden. Auf eine anfängliche Überexpression des Enzyms folgt bei andauerndem oxidativem Stress die Zerstörung. Die Aktivität der Glutathionperoxidase kann auch bei unzureichender Selenzufuhr über die Nahrung vermindert sein.

  • Neben ihrer wichtigen Rolle als Coenzym bei der Energiegewinnung der Zelle spielt die Alpha-Alpha-Liponsäure:als RadikalfängerLiponsäure (ALA) eine zentrale Rolle im antioxidativen Netzwerk. Als starkes Antioxidans kann sie freie Radikale unschädlich machen. Darüber hinaus ist ALA in der Lage, die anderen Oxidanzien wie Vitamin C und E, Coenzym Q10 und Glutathion zu regenerieren. Ihr Vorteil ggü. den anderen Oxidanzien liegt darin, dass sie aufgrund ihrer wasser- und fettlöslichen Eigenschaften in sämtliche Gewebe und Flüssigkeiten gelangen kann. Zudem kann ALA die Blut-Hirn-Schranke überwinden und somit auch im Gehirn protektiv wirken.

  • GlutathionGlutathion (GSH) ist ein aus Glutaminsäure, Cystein und Glyzin bestehendes Tripeptid, das im Kampf gegen den oxidativen Stress vielfältige Funktionen ausübt. GSH kann direkt mit reaktiven Sauerstoffspezies reagieren, dient aber im Wesentlichen als Substrat für die Glutathionperoxidase, die für die Elimination von Lipidperoxiden sorgt. Bei oxidativem Stress wird GSH i. d. R. verbraucht. Die Bestimmung des oxidierten Glutathion:oxidiertesGlutathions (GSSG) und die Berechnung des GSH/GSSG-Verhältnisses zeigen das Ausmaß des oxidativen Stresses an. Der Quotient ist im Alter sowie auch besonders nach intensiver körperlicher Belastung erniedrigt.

  • Neben seiner zentralen Rolle im Energiestoffwechsel als Elektronencarrier zeichnet sich Coenzym Coenzym Q10:als RadikalfängerQ10 aufgrund seiner chemischen Struktur (Chinon-Ring und Doppelbindungen im Seitenstrang) als sehr potenter Radikalfänger aus. Wegen seiner lipophilen Eigenschaft kann es besonders empfindliche Systeme wie die Zellmembranen und das Hautgewebe vor Lipidperoxidation schützen und stabilisieren. Coenzym Q10 ist ferner in der Lage, oxidiertes Vit. E zu regenerieren.

  • Vitamin C ist ein guter ROS-Fänger und kann unterschiedliche biologische Substrate (Proteine, Fettsäuren, DNA) vor einer Oxidation schützen. Vitamin CEs ist außerdem in der Lage, die durch verschiedene ROS verursachte LDL-Oxidation zu verhindern.

  • Aufgrund seines hydrophoben Charakters kann sich Vitamin EVitamin E in die Fettsäuren der Zellmembran und der Lipoproteine einfügen, wo es eine schützende Funktion ausübt und das Fortschreiten der durch oxidativen Stress ausgelösten Lipidperoxidation inhibiert. Unter den TocopheroleTocopherolen besitzen Alpha- und Gamma-Tocopherol die stärksten antioxidativen Eigenschaften.

  • Einige Karotinoide,Karotinoide wie das Beta-Karotin,Beta-Karotin werden zu Vit. Vitamin AA abgebaut, das eine wichtige Rolle für die Sehkraft spielt. Die meisten Karotinoide und Vit. A reagieren mit Singulett-Sauerstoff und können die Oxidation mehrerer biologischer Substrate, insb. die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, verhindern.

  • Die SpurenelementeSpurenelemente ZinkZink, KupferKupfer, ManganMangan und SelenSelen sind als Cofaktoren der SOD und Glutathionperoxidase bedeutende Faktoren des antioxidativen Schutzsystems.

Thiole: Antioxidanzien und Marker der DNA-Reparaturkapazität
Thiole Thiolesind organische Verbindungen, die eine Schwefelgruppe (SH-Gruppe) tragen und antioxidative Eigenschaften besitzen. Sie wirken den schädigenden Einflüssen von freien Radikalen und oxidativem Stress entgegen. Der Serum-Thiolspiegel lässt Rückschlüsse auf die DNA-Reparaturkapazität und auf das Risiko für bösartige Tumoren, Arteriosklerose und beschleunigte Alterungsprozesse zu.
Thiole stellen ein antioxidatives Schutzsystem des Körpers gegen freie Radikale und reaktive Sauerstoffverbindungen dar. Charakterisiert sind Thiole durch eine oder mehrere SH-Gruppen als funktionelle Gruppen. Diese können mit freien Radikalen unter Bildung von Sulfid- bzw. Disulfidbrücken reagieren und die schädigende Wirkung des Radikals eliminieren. Zu den Thiolen im Serum gehören u. a. Cystein, CysteinCysteinyl-Glyzin Cysteinyl-Glyzinund Glutathion. GlutathionThiole sind sehr gute Radikalfänger. Darüber hinaus beeinflusst ihre Konzentration (bzw. das Thiol/Disulfid-Verhältnis) entscheidend die Aktivität des Schlüsselenzyms der DNA-Reparaturvorgänge, der Poly-ADP-Ribose-Polymerase (Poly-ADP-Ribose-Polymerase (PARP)PARP).
Präanalytik
Probenmaterial: Serum, morgens nüchtern
Probenversand: Keine Besonderheiten
Befundinterpretation
Die Konzentration der Thiole im Thiole:Befund(interpretation)Serum ist ein Maß für die antioxidative Reserve des Körpers und die Reparaturkapazität von DNA-Schäden.
Hohe ThiolspiegelWerden als präventiver Faktor ggü. bestimmten Krankheiten und beschleunigten Alterungsprozessen beschrieben, da sie die DNA-Reparaturfähigkeit verbessern und Einflüssen freier Radikale entgegenwirken.
Niedrige ThiolspiegelGelten als Risikofaktor für DNA-Schädigungen und für die Entstehung von Arteriosklerose oder malignen Tumoren. Sie geben auch bei Gesunden Hinweise auf Gesundheitsrisiken und Alterungsprozesse. So können Risikopatienten erkannt und überwacht werden.

INFO

Klinische Studien zeigen, dass Pat. mit chron. Erkrankungen niedrigere Thiolspiegel aufweisen als gesunde Personen und dass die Serum-Thiole mit dem Krankheitsverlauf und der Prognose assoziiert sind.

Medikation/Therapie

Schutz durch Mikronährstoffe und Enzyme

Im Wesentlichen fungieren Substanzen aus der Gruppe der Vitamine, Spurenelemente, Aminosäuren, sekundären Pflanzeninhaltsstoffe und Enzyme als Antioxidanzien. Antioxidanzien:wichtigste VertreterDie wichtigsten Vertreter dieser Schutzfaktoren sind:
  • Vitamine (A, C, E und Beta-Karotin, Niacin)

  • Spurenelemente wie Eisen, Kupfer, Mangan, Selen und Zink

  • Bioflavonoide

  • Reduziertes Glutathion

  • Alpha-Liponsäure

  • Melatonin (Epiphysenhormon)

Um das schützende Potenzial der Substanzgruppen optimal zu nutzen, sollten zur Therapie sinnvollerweise sich gegenseitig ergänzende Substanzen eingesetzt werden: So bietet Vit. E Schutz vor Oxidation im Bereich lipidhaltiger Strukturen (z. B. in den Zellmembranen), während Vit. C eine besondere Beziehung zum Zytoplasma aufweist und somit den Zellkern schützt. Beta-Karotin Beta-Karotin:Wirkungenwiederum wirkt im Bereich des Interzellularraums.

GUT ZU WISSEN

Unabdingbar für eine potente antioxidative Therapie sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe wie Karotinoide sowie polyphenolische Verbindungen wie FlavonoideFlavonoide, ResveratrolResveratrol und AnthocyaneAnthocyane. Daher kann durch regelmäßigen Verzehr entsprechender Nahrungsmittel ein optimaler antioxidativer Antioxidativer StatusStatus erhalten werden (Tab. 8.2).

Bei niedrigen Thiolspiegeln sollten schwefelreiche Nahrungsmittel Nahrungsmittel:schwefelreicheangeboten werden, um die Bildung von Thiolen zu Thioleunterstützen. Hierzu gehören Bärlauch, Knoblauch, Zwiebeln, Porree sowie mit Schwefel konservierte Trockenfrüchte und Nüsse. Fisch, Fleisch, Soja und Milchprodukte sind proteinreich und enthalten die schwefelhaltigen Aminosäuren Cystein und Methionin.
Glutathion findet sich z. B. in Kartoffeln, Nahrungsmittel:glutathionhaltigeOrangen, Tomaten, Brokkoli, Zucchini und Spinat. Ein niedriger Thiolspiegel kann auch durch die Gabe von Cystein in Form von N-Acetylcystein (N-AcetylcysteinNAC) positiv beeinflusst werden, Glutathion lässt sich als S-Acetylglutathion zuführen.
Eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse verbessert die Zufuhr von Antioxidanzien. Defizite an Spurenelementen oder Vit. können in einer Laboranalyse überprüft und durch gezielte Zufuhr der Mikronährstoffe ausgeglichen werden.
Bei der Therapie wird eine Kombination mehrerer antioxidativer Substanzen empfohlen. Das Vermeiden exogener Noxen, die zur vermehrten Bildung freier Radikale beitragen (u. a. Rauchen, Alkohol), führt zu einem niedrigeren Verbrauch an Antioxidanzien. Auch ein ausgewogener Lebensstil und ausreichende sportliche Betätigung können die Funktion der antioxidativen Systeme steigern.

THERAPIEEMPFEHLUNGEN

  • Oxidativer Stress:TherapieempfehlungenAntioxidans FormulaAntioxidans Formula:Indikationen (Biogena)

  • OPC Resveratrol FormulaOPC Resveratrol Formula:Indikationen (Biogena)

  • ARONIA-PASCOE®∗]∗∗[∗ARONIA-PASCOE®:Indikationen (PASCOE)

  • Selenit 200Selenit 200:Indikationen (Biogena)

  • Pycnogenol®Pycnogenol®:Indikationen (Biogena)

  • PASCORBIN® 7,5 gPASCORBIN® 7,5<2009>g:Indikationen (PASCOE)

Komplementäre Mikronährstoff-Therapie

  • Selen Selen:FunktionenMikronährstoff-Therapie, komplementäre:oxidativer Stresserfüllt verschiedene Funktionen im Körper und ist als Bestandteil der Glutathionperoxidase einGlutathionperoxidase wichtiger Pfeiler der antioxidativen Abwehr. Glutathionperoxidasen existieren in vier verschiedenen Isoformen, die in unterschiedlichen Geweben aktiv sind. Diese selenhaltigen Enzyme katalysieren die Wasserstoffübertragung von Glutathion auf freie Peroxide und verhindern dadurch Schäden auf subzellulärer und zellulärer Ebene. Selen ist weiterhin Cofaktor für die Bildung von aktiven Schilddrüsenhormonen und beeinflusst daher indirekt den Grundumsatz sowie die Zellaktivitäten in Bezug auf Teilungsrate, Differenzierung und Wachstum.

  • Karotinoide Karotinoidesind wirkungsvolle Antioxidanzien, da sie freie Peroxyl-Radikale und Singulett-Sauerstoff binden und die Lipidperoxidation durch UVB-, Röntgen- und Höhenstrahlung verhindern können. Zu den wichtigsten Karotinoiden zählt das Beta-Karotin, Beta-Karotin:antioxidative Wirkungdas als bioaktive Vorstufe für Vit. A fungiert und in der Haut und in den Zellen der Retina eingelagert wird, um dort direkt als Antioxidans gegen UV-induzierte freie Radikale zu wirken.

  • Coenzym Q10 Coenzym Q10spielt neben der zellulären Energieproduktion eine Schlüsselrolle als zentrales Antioxidans in den Zellen.

  • Pycnogenol Pycnogenol®:Wirkungenenthält Polyphenole aus einem standardisierten Pinienrinden-Extrakt. Pinienrinden-ExtraktSein stark antioxidatives Potenzial verdankt es den enthaltenen oligomeren Proanthocyanidinen (Oligomere Proanthocyanidine (OPC)OPC) und anderen Bioflavonoiden wie Catechinen, Epicatechinen, Phenolsäuren und Taxifolin. Die enthaltenen OPCs zeigen ein hohes antioxidatives Schutzpotenzial, insb. ggü. reaktiven Sauerstoff- und Stickstoffspezies, und sind dadurch ein geeignetes Instrument zur Prävention und Behandlung von oxidativem Stress in verschiedenen Zielorganen.

GUT ZU WISSEN

In-vitro-Studien zeigen, dass Pycnogenol in seinen antioxidativen Eigenschaften um ein Vielfaches wirksamer ist als Vit. C und E. Pycnogenol kann außerdem oxidiertes Vit. C recyceln und Vit. E regenerieren.

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