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B978-3-437-56323-2.00009-7

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978-3-437-56323-2

Porphyrine:assoziierte toxische SubstanzenPorphyrine und assoziierte toxische QuecksilberPolyvinylchloridPolybromierte BiphenyleMethylchloridHexachlorbenzolDioxinBleiArsenSubstanzen

Tab. 9.1
Arsen Uroporphyrin, Coproporphyrin I, Pentacarboxyporphyrin
Quecksilber Pentacarboxyporphyrin, Coproporphyrin I + III
Blei Coproporphyrin III
Hexachlorbenzol Uroporphyrin
Methylchlorid Coproporphyrin I + III
Dioxin Uroporphyrin
Polyvinylchlorid Coproporphyrin I + III
Polybromiertes Biphenyl Coproporphyrin I + III

Vitamin E:SchwermetallausleitungVitamin C:SchwermetallausleitungTaurin:SchwermetallausleitungSelen:SchwermetallausleitungSchwermetallausleitungMethionin:SchwermetallausleitungMagnesium:SchwermetallausleitungKalzium:SchwermetallausleitungGlutathion:SchwermetallausleitungCystein:SchwermetallausleitungCoenzym Q10:SchwermetallausleitungAlpha-Liponsäure:SchwermetallausleitungSchwermetallausleitungVitamin B:6Zink:Schwermetallausleitung

Tab. 9.2
Alpha-Liponsäure Wirkt chelatierend durch Bildung unlöslicher Komplexe mit Schwermetallen
Glutathion Spielt aufgrund seiner antioxidativen und toxinbindenden Eigenschaften für die (Leber-)Entgiftung zahlreicher Schadstoffe eine essenzielle Rolle; kann Schwermetalle abfangen und mit ihnen Metall-Glutathion-Komplexe bilden
Coenzym Q10 Starker Radikalfänger, schützt Zellmembranen vor Lipidperoxidation
Schwefelhaltige Aminosäuren (Cystein, Methionin, Taurin) Schwermetalle bilden mit Schwefel Sulfide und können in dieser Verbindung besser ausgeschieden werden
Vit. C Reduziert Resorption von Schwermetallen, verbessert über Enzymstimulation in der Leber die Entgiftung toxischer Umweltschadstoffe
Vit. E Antioxidativer Schutz gegenüber Aluminium und Blei
Vit. B6 Fördert die Ausscheidung von Aluminium
Zink Induziert Bildung des metallbindenden Proteins Metallothionein, über das Schwermetalle eliminiert werden und das deren Resorption im Darm hemmt
Selen Bindet Schwermetalle (v. a. Quecksilber, Kadmium) in unlöslichen Komplexen, reduziert ihre Toxizität, fördert ihre Elimination und vermindert die Resorption von Schwermetallen
Kalzium/Magnesium Ein ausreichender Mineralstoffspiegel reduziert die Aufnahme von Blei, Aluminium und Kadmium

Schwermetallbelastungen

Definition

Luft, Wasser und Nahrungsmittel können toxische Schwermetalle in relevanter Konzentration enthalten. Auch Obst und Gemüse aus biologischen Anbaugebieten können entsprechende Rückstände aufweisen. Zwar ist seit Einführung des Katalysators im Straßenverkehr eine messbare Senkung z. B. der Bleibelastung festzustellen, doch ob die von Kat-Fahrzeugen ausgestoßenen neuen Metalle wie z. B. Palladium und Platin sich in Zukunft nicht auch auf unsere Gesundheit auswirken, bleibt abzuwarten.Schwermetallbelastungen
Bei der Diskussion um Schwermetallbelastungen, insb. in Verbindung mit Dentalwerkstoffen, beschäftigte man sich überwiegend mit möglichen toxikologischen Phänomenen. Unbestritten ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass Dentallegierungen kontinuierlich Metall-Ionen freisetzen und diese in Niere, Leber, ZNS und anderen Organen akkumulieren. Dabei wird auch heute noch darum gestritten, ob durch diese Dentalwerkstoffe toxikologisch relevante Konzentrationen in den Organismus gelangen.

Cave

Von der Konzentration unabhängig sind aufgrund des hohen Sensibilisierungspotenzials der Metalle allerdings immunologische Phänomene, die auch durch geringste Spuren von Metall-Ionen ausgelöst werden können.

Waren bislang Metall-Ionen als Auslöser von Schwermetallbelastungen:AllergienSchwermetallallergien (verzögerter Allergietyp) bekannt, verdichtet sich derzeit der Verdacht, dass auch metallinduzierte Autoimmunreaktionen:metallinduzierteAutoimmunreaktionen existieren. Neueste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Metall-Ionen körpereigene Eiweißstrukturen verändern, die dadurch vom Immunsystem als körperfremd identifiziert werden und in der Folge Autoimmunprozesse in Gang bringen. Die Schwermetall-Ionen selbst sind zu klein, als dass sie direkt immunologische Reaktionen auslösen könnten. So ließ sich inzwischen nachweisen, dass dreiwertiges Gold, Palladium, Quecksilber und Platin schwefelhaltige Aminosäureseitenketten der körpereigenen Peptide oxidieren können. Die Proteine werden dadurch denaturiert. Eine Schlüsselrolle für die Induktion eines Autoimmunprozesses nehmen hier die antigenpräsentierenden Zellen ein, die nach Phagozytose des Metall-Proteinkomplexes dessen Bruchstücke an ihren Zelloberflächen den T-Zellen präsentieren.

GUT ZU WISSEN

Von besonderer umweltmedizinischer Bedeutung ist das höhere toxikologische Empfänglichkeitsrisiko für Kinder. So besteht der Verdacht, dass z. B. der explosionsartige Anstieg von Lern-, Konzentrations- sowie Verhaltensstörungen im Kindesalter auch auf die chronische Exposition mit Schwermetallen und Xenobiotika zurückzuführen ist. Der Abschätzung einer etwaigen umwelttoxikologischen Belastung kommt daher ein sehr hoher Stellenwert zu.

Ursachen

Schwermetallbelastungen:UrsachenSchwermetalle sind in der Umwelt allgegenwärtig:
  • Häufige Quelle: industrielle Emissionen z. B. durch Stahlwerke, Papierindustrie und Petrochemie, über die Metalle in die Atmosphäre gelangen.

  • Einsatz von Pestiziden und Klärschlamm sowie saure Niederschläge, welche die Anreicherung von Schwermetallen in Böden und Gewässern begünstigen. Die Folge ist eine Verarmung an lebensnotwendigen Mineralstoffen. Über das Trinkwasser und die Nahrungskette wird der Körper mit nicht unbeträchtlichen Mengen belastet: z. B. große Mengen an QuecksilberQuecksilber in Fischen (vornehmlich mit hohem Fettgehalt und aus Süßgewässern), KadmiumKadmium in Wurzelgemüse und Innereien; BleiBleiaufnahme über Trinkwasser aus bleihaltigen Wasserleitungen in Altbauten.

  • Die heutige Ernährungsweise (rasche Nahrungsaufnahme, meist zu später Stunde bei zu geringer Flüssigkeitszufuhr) und Nahrungszusammensetzung (hoher Anteil an Zucker, Fett und Eiweiß) tragen wesentlich zur Schadstoffbelastung bei. Sie führen zu einer latenten Übersäuerung des Übersäuerung des OrganismusOrganismus. Ein saures Körpermilieu erhöht die Löslichkeit von Schadstoffen und fördert ihre Aufnahme, Verteilung und Speicherung im Gewebe.

  • Nicht selten kommen Wohnort, Arbeitsplatz und Freizeitaktivitäten als mögliche Belastungsquellen in Betracht.

  • Als wichtige Metallquelle stehen Zahnmaterialien, insb. Amalgamfüllungen, seit Längerem im Fokus der Öffentlichkeit.

  • Besonders empfänglich sind Kinder und ältere Menschen. Kinder sind aufgrund ihrer Körpergröße, höheren Atemfrequenz und Resorptionsrate und auch ihres Spielverhaltens in besonders hohem Maße Schadstoffen ausgesetzt. Ältere Menschen reichern Metalle wegen der nachlassenden Nierenleistung und Abwehrfunktion schnell an.

Schwermetalle, WirkspektrumSchwermetalle weisen ein breites Wirkspektrum auf. Im Übermaß können sich die Metall-Ionen schädigend auf zahlreiche physiologische Prozesse des Körpers auswirken:
  • Schwermetalle binden aufgrund ihrer hohen Affinität zu Schwefel an Disulfid- und Sulfhydrylgruppen von Proteinen. Dies führt zu einer Veränderung der Proteinstruktur und somit v. a. zu einer Beeinträchtigung der Enzymfunktion. Wichtige Stoffwechselprozesse werden blockiert. Die Strukturveränderung begünstigt darüber hinaus die Entstehung von Autoimmunreaktionen.

  • Schwermetalle schädigen Zellstrukturen v. a. des Immun- und Nervensystems. Sie inhibieren zentrale Regulationsmechanismen.

  • Schwermetalle inaktivieren das Entgiftungssystem durch Enzymhemmung. Sie induzieren auf diese Weise die Bildung freier Radikale.

  • Ein zentraler Wirkmechanismus der Metalle besteht in ihrer Wechselwirkung mit essenziellen Mikronährstoffen wie Kalzium, Eisen, Zink und Selen, deren Aufnahme reduziert wird. Hieraus resultieren erhebliche Stoffwechselstörungen, da Mikronährstoffe insb. als Enzymaktivatoren fungieren.

  • Schwermetalle reichern sich bevorzugt in ZNS, Knochen, Bauchspeicheldrüse, Nieren und Leber an. Einige Organe fungieren als Schwermetalldepots, so z. B. Knochengewebe (Blei, Kadmium), Hypophyse (Quecksilber), Leber (Kupfer).

Symptomatik

  • Fibrotische Veränderungen des Schwermetallbelastungen:AuswirkungenLungengewebes

  • Dermatitis, Ekzeme, Depigmentierungen

  • Starker Haarausfall

  • Hyperaktivität

  • Polyneuropathien

  • ZNS-Störungen

  • Leberschädigungen

  • Krebserkrankungen

Diagnostik

Porphyrine als Biomarker der Schwermetallbelastung

Schwermetallbelastungen:PorphyrindiagnostikPorphyrine:DiagnostikSchwermetalle und viele andere Xenobiotika zirkulieren nur relativ kurzfristig im Blut und entziehen sich somit insb. bei chron. Exposition rasch der Nachweismöglichkeit in spontan entnommenen Blut- oder Urinproben. Eine ausschließliche Bestimmung von Metallen bzw. Xenobiotika im Vollblut, Serum oder Urin ist somit nur bei Verdacht auf eine akute Vergiftung, SchwermetalleVergiftung sinnvoll. Zur Abklärung einer chron. Schwermetallbelastungen:chronischeSchwermetallbelastung konnten bisher nur MobilisationstestsMobilisationstests herangezogen werden; diese Tests ermöglichen mithilfe chelatierender Substanzen wie DMPS, DMSA oder EDTA die Eluierung von Elementen, die in den verschiedenen Geweben deponiert sind.
Die Bestimmung von Porphyrinen im Urin ermöglicht erstmals eine aussagekräftige orientierende Diagnostik i. S. eines Biomonitorings für eine Auswahl von Schadstoffen, die auch ohne den Einsatz von Medikamenten und die damit verbundenen Risiken und Umständlichkeiten auskommt. Die Gabe von ChelatbildnerChelatbildnern könnte dadurch auf eine gezielte therapeutische Ausleitung beschränkt werden, die erst beim Hinweis auf eine Schwermetallbelastung aufgrund einer PorphyrinuriePorphyrinurie mit entsprechender Klinik erfolgt.

Porphyrinurie-Profil

Das Porphyrinurie-Porphyrinurie-ProfilProfil macht sich die Tatsache zunutze, dass Schwermetalle und Xenobiotika die Aktivität verschiedener Enzyme der Porphyrin-Biosynthese besonders empfindlich hemmen können. Dadurch werden innerhalb der Porphyrin-Stoffwechselkaskade spezifische Zwischenprodukte nicht mehr weiter umgesetzt und akkumulieren. Letztlich werden die Zwischenprodukte in unphysiologischen Konzentrationen renal ausgeschieden. Je nach toxischem Metall wird somit ein charakteristisches Porphyrin-Ausscheidungsmuster im Urin sichtbar, was Rückschlüsse auf das gehemmte Enzym bzw. den dafür verantwortlichen Schadstoff ermöglicht. Das Porphyrinurie-Profil ist daher eine einfach einzusetzende Screeningmethode, die sich sehr gut zur Ergänzung eines umweltmedizinischen Biomonitorings eignet. In Tab. 9.1 sind die toxischen Substanzen mit den jeweiligen Porphyrinen assoziiert.
Das hier vorgestellte Porphyrinurie-Profil dient nicht der klassischen Differenzialdiagnostik einer Porphyrie, sondern wird i. S. eines Biomonitorings zur Erfassung toxischer Effekte von Schwermetallen und Organochemikalien eingesetzt. Porphyrinurie-Profil
Präanalytik
Probenmaterial: 1 Spezial-Röhrchen
Probenversand: Die Einsendung der Probe sollte gekühlt, lichtgeschützt und per Express erfolgen.
Befundinterpretation
Durch den Einfluss toxischer Schwermetalle und diverser Xenobiotika kann es zu Veränderungen der Porphyrin-Biosynthese kommen, die in Abhängigkeit vom toxischen Metall ein charakteristisches Porphyrin-AusscheidungsmusterPorphyrine:-Ausscheidungsmuster im Urin nach sich ziehen. Entsprechende Ausscheidungsmuster lassen sich üblicherweise nur bei toxisch exponierten Personen nachweisen. Studien haben gezeigt, dass sich solche atypischen Ausscheidungsmuster nach Durchführung wirksamer Entgiftungsmaßnahmen wie der Anwendung von DMPS signifikant reduzieren lassen.

INFO

Steckbrief mit Porphyrinurie assoziierter Schwermetalle und Xenobiotika

  • ArsenArsen (As): Halbmetall (es zeigt je nach Modifikation metallische oder nichtmetallische Eigenschaften).

    • Vorkommen: As wird beim Schmelzen von Metallen (z. B. Kupferverarbeitung) und der Verbrennung fossiler Energieträger frei. Die Weltjahresproduktion liegt bei 40.000 t. Seit 1974 sind As-haltige Pestizide verboten. Insbesondere für Kinder bedenklich hohe As-Konzentrationen können im Fell ausgestopfter Tiere nachweisbar sein. Umweltmedizinische Relevanz haben aufgrund der relativ hohen Anreicherung Fische und Krustentiere, die ihre Nahrung vom Meeresgrund aufnehmen (hoher As-Gehalt in Sedimenten).

    • Toxische Wirkung: As und seine Verbindungen wirken bei Menschen eindeutig kanzerogen. Die Tumorlokalisation ist dabei vom Aufnahmeweg abhängig (Inhalation oder orale Aufnahme).Akute und chronische As-Vergiftungen sind in westlichen Industrienationen selten geworden. Demgegenüber steht die chron. Belastung. Hier ist die Symptomatik – wie bei der chron. Vergiftung – völlig unspezifisch, sodass es ohne Kenntnis einer etwaigen As-Aufnahme nicht möglich ist, das Beschwerdebild einer As-Belastung zuzuordnen.

  • QuecksilberQuecksilber (Hg): Flüssigmetall. Im Altertum wurde es mit verheerenden Folgen für die Pat. als Heilmittel verwendet. In der Zahnmedizin findet es aber auch heute noch Verwendung.

    • Vorkommen/Anwendung: Hg kommt natürlicherweise als Ion in seiner metallischen, elementaren Form in anorganischen und organischen Verbindungen vor. Durch industrielle Nutzung sowie durch Verbrennung von Kohle, Heizöl und Müll wird Hg auf künstlichem Weg in relevantem Umfang in die Natur gebracht. Bis vor wenigen Jahren wurde Hg als Saatgutbeize in der Landwirtschaft verwendet. Von besonderer Bedeutung für die tägliche Aufnahme sind neben Amalgamfüllungen kontaminierte Nahrungsmittel, wobei Meeresfrüchte das Metall besonders intensiv anreichern.

    • Toxische Wirkung: Hg-Vergiftungen sind selten. Demgegenüber stehen die Auswirkungen chron. Belastungen, wobei organische Hg-Verbindungen aufgrund ihrer Lipidlöslichkeit eine größere Rolle spielen. Organisches Hg passiert die Blut-Hirn-Schranke und kann zu ausgeprägten ZNS-Symptomen führen. Darüber hinaus sind viele unspezifische Allgemeinsymptome beschrieben.

  • BleiBlei (Pb): toxisches Schwermetall.

    • Vorkommen: Die bedeutendste Quelle für Blei ist heute das Recycling alter Bleiprodukte. Daher bestehen in Deutschland nur noch zwei Primärhütten, die Blei aus Erz herstellen. Seit Einführung von bleifreiem Benzin ist der Eintrag in die Umwelt zwar deutlich zurückgegangen, doch auf den weltweiten Bleiverbrauch hat das keine Auswirkung. Die überwiegende Bleiaufnahme stammt aus der Nahrungskette. Wichtigste Quellen: Blattgemüse, Innereien von Rindern, Roggenvollkorn, Kondensmilch, Eier, Seefische, verlötete Konservendosen (wie Tomatenmark). Rauchen/Passivrauchen erhöht die tägliche Bleiaufnahme über die Atemwege erheblich. In Altbauten können noch immer Wasserrohre aus Blei verlegt sein.

    • Toxische Wirkung: Blei-Ionen verbinden sich mit Hydroxid-, Phosphat-, Thio- und Aminogruppen. Dabei wird u. a. die Bildung von Häm verhindert, sodass unzulänglich ausgebildete Hämgruppen renal ausgeschieden werden und zur Prophyrinurie führen. Eine Blei-Intoxikation führt insb. zu ZNS-Symptomen in Form von Hyperaktivität, Stressintoleranz, Weinerlichkeit, Verhaltensstörungen, Ängstlichkeit und Lernstörungen. Zudem können Polyneuropathien und endokrinologische Störungen auftreten.

  • HexachlorbenzolHexachlorbenzol (HCB): gehört wie DDT, Lindan oder Pentachlorphenol zu den halogenierten aromatischen Kohlenwasserstoffen.

    • Vorkommen: HCB wurde früher gegen Pilzerkrankungen bei Getreide eingesetzt. Seit 1981 ist es in Deutschland als Pflanzenschutzmittel nicht mehr zugelassen. Darüber hinaus wurde es in Holzschutzmitteln und als Zusatzstoff für PVC, Isolationsmaterialien oder Klebstoffen verwendet. HCB entsteht auch als Nebenprodukt bei der Kunststoff- und Lösemittelherstellung. Bedingt durch den großflächigen Einsatz in der Landwirtschaft, die relativ hohe Flüchtigkeit und den langsamen Abbau im Organismus (biologische Halbwertszeit ca. 3 Jahre) ist HCB heute in der ganzen belebten Umwelt zu finden.

    • Toxische Wirkung: Bei Langzeitbelastung mit geringeren Konzentrationen, die im Körper zu einer Aufkonzentrierung in fetthaltigen Geweben führen kann, sind folgende Symptome beschrieben: ∼ Schleimhautreizungen ∼ Erhöhte Hautpigmentierung ∼ Blasenbildung der Haut ∼ Leberschädigungen ∼ Porphyria cutanea tarda ∼ Muskelschwund ∼ ArthritisIm Tierversuch zeigte sich HCB krebserregend und fruchtschädigend. Möglicherweise löst HCB auch beim Menschen Krebs aus.

  • MethylchloridMethylchlorid: die häufigste chlorhaltige gasförmige Verbindung in der Atmosphäre.

    • Vorkommen: Neben industriellen Quellen tragen natürliche Emissionen aus immergrünen Bäumen, aber auch aus anderen Pflanzen wie Kartoffeln zu einem bedeutenden Vorkommen bei. Chlormethan wird als Methylierungsmittel in der organischen Chemie, zur Veresterung von Alkoholen und Phenolen sowie bei der Silikonherstellung eingesetzt.

    • Toxische Wirkung: Methylchlorid löst Störungen des Zentralnervensystems (ZNS) aus und schädigt Leber, Niere und Herz. Methylchlorid gilt als Stoff mit krebserzeugendem Potenzial und wirkt fruchtschädigend.

  • DioxinDioxine: entstehen unvermeidlich als Nebenprodukte bei der Herstellung chlororganischer Chemikalien oder bei beliebigen Oxidationsreaktionen von Kohlenwasserstoffverbindungen in Gegenwart von Chlorverbindungen.

    • Vorkommen: Dioxine sind in der gesamten Umwelt, in Pflanzen, Tieren, Menschen persistent. Daher ist die Dioxinaufnahme nicht vermeidbar. Die Verteilung erfolgt hauptsächlich über die Luft und kontaminierte Staubpartikel.

    • Toxische Wirkung: Dioxine, die zu den giftigsten Substanzen gehören, rufen bereits knapp über der Nachweisgrenze Immunstörungen hervor. Chron. Belastungen führen zu Veränderungen im Blutbild, Leberstörungen, Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, der Haut und der Haare. Dioxinverursachte maligne Tumoren entstehen bevorzugt in Leber, Lunge, Nase und Schilddrüse. Mögliche Fehlbildungen bei Ungeborenen: Gaumenspalten, Nierenschäden, Knochenbildungsstörungen.

  • Polybromierte Polybromierte BiphenyleBiphenyle (PBBs): durch hohe chemische Stabilität gekennzeichnet, biologisch kaum abbaubar, reichern sich im Fettgewebe an.

    • Vorkommen: PBBs werden als Flammschutzmittel und als Weichmacher in Kunststoffen eingesetzt; sie dienen als Ersatzstoffe für polychlorierte Biphenyle (PCB).

    • Toxische Wirkung: PBBs stehen im Verdacht, toxisch, karzinogen und leberschädigend zu sein. Außerdem werden toxische Eigenschaften mit Folgen wie Gedächtnis- und Muskelschwäche sowie Immundefekten vermutet.

Therapie

Therapeutische Möglichkeiten der Entgiftung

Die Naturheilkunde schenkt der Thematik Entgiftung zwar sehr viel Aufmerksamkeit, doch findet man in der einschlägigen Literatur meist nur sehr allgemeine Hinweise, in denen die Organe der Entgiftung und weniger die Biochemie in den Vordergrund gestellt werden. Therapeutisches Ziel ist hier in erster Linie die unspezifische Aktivierung der Organleistung, etwa i. S. einer undefinierten leber- und nierenanregenden Therapie, ohne die spezifischen Mechanismen der Detoxifikation zu berücksichtigen. Dadurch werden wesentliche biochemische Zusammenhänge übersehen, was einerseits durchaus mit Risiken für den Pat. verbunden sein kann und andererseits wirksame und gezielte Therapieoptionen verhindert.
Spezifische Therapieansätze zur Entgiftung bieten die sog. Chelatbildner Chelatbildnerauf schwefliger Basis wie z. B. Dimercaptopropansulfonsäure (s. u.), während orthomolekulare Substanzen als Cofaktoren der verschiedenen Entgiftungsenzyme bzw. ihren Konjugationspartnern eine primäre Bedeutung für deren Funktion haben. Versorgungslücken, wie sie sich heute bei unseren Pat. häufig nachweisen lassen, hemmen das körpereigene Entgiftungspotenzial. Eine herausragende Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang den sekundären Pflanzeninhaltsstoffen zu, Sekundäre Pflanzen(inhalts)stoffeda sie als potente Regulatoren der Aktivität von Entgiftungsenzymen fungieren.

Übersicht über die wichtigsten Substanzgruppen

  • Dimercaptopropansulfonsäure (Dimercaptopropansulfonsäure, SchwermetallausleitungDMPS): Je nach Anamnese, Klinik und Porphyrinurie-Ausscheidungsmuster kann durch die Gabe von DMPS eine Schwermetallausleitung erfolgen, die i. R. eines DMPS-Tests gleichzeitig der diagnostischen Einschätzung des Belastungsgrades dient.

  • Alpha-Liponsäure (ALA): Der antioxidativ wirksamen ALA Alpha-Liponsäure:Schwermetallausleitungkommt eine wichtige Rolle in der Regeneration von Glutathion zu. ALA gilt als vitaminähnliche, aber endogen gebildete Substanz mit Coenzymfunktion. Insbesondere Pat. mit Lebererkrankungen, Diab. mell., Arteriosklerose und Polyneuritis weisen häufig erniedrigte Spiegel auf. Dihydroliponsäure, Dihydroliponsäuredie reduzierte Form von ALA, fungiert als Chelatbildner, sodass sich z. B. Thiogamma®-Infusionen sehr gut zur Schwermetallentgiftung eignen. Darüber hinaus werden neben Glutathion auch andere antioxidative Vitamine wie Vit. C und E durch ALA recycelt. Empfohlen werden, je nach Befund, zwischen 5 und 10 Infusionen bei 1–2 Anwendungen/Wo.

  • Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe: Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe Sekundäre Pflanzen(inhalts)stoffeaus der Gruppe der Glukosinolate Glukosinolatesowie Mikronährstoffe zur Optimierung der Glutathionsynthese sind zur spezifischen Unterstützung der Entgiftungskapazität unersetzlich.Die Aktivität der Entgiftungsenzyme der Phase II wird durch sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Glukosinolate induziert. Zum einen kann man die tägliche Ernährung mit besonders glukosinolatreichen Nahrungsmitteln (Nahrungsmittel:glukosinolatreicheGartenkresse, Meerrettich, Rosenkohl, Weißkohl, Brokkoli, Kohlrabi) gestalten, zum anderen sollten entsprechende Supplemente eingesetzt werden.

  • Basentherapie: BasentherapieSchwermetalle werden über die Niere der endgültigen Ausscheidung zugeführt. Da der Urin-pH die endgültige Exkretion der Toxine beeinflusst, kann die Schwermetallausscheidung durch Einflussnahme auf den Urin-pH forciert werden. Schon Perry (1959) berichtete über die Möglichkeit, die Ausscheidung von Kadmium, Blei, Molybdän und Zinn durch Alkalisierung des Urins zu erhöhen. Im Rahmen einer Schwermetallausleitung (Tab. 9.2) kann daher neben ALA-Infusionen die intermittierende Alkalisierung UrinalkalisierungAlkalisierung, intermittierendedes Urins empfohlen werden.

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