© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-56474-1.00004-0

10.1016/B978-3-437-56474-1.00004-0

978-3-437-56474-1

Indirekte Perkussion der suprapubischen Region.

Palpation der Pulsation der Aorta abdominalis.

Vergleich der Pulsationen von A. radialis und A. femoralis.

Vergleich der Pulsationen der Aa. femorales.

Allgemeines Untersuchungsschema anhand eines Patienten mit Beckenproblematik: Teil 1.

Allgemeines Untersuchungsschema anhand eines Patienten mit Beckenproblematik: Teil 2. FTS = Flexionstest im Stehen, FTZ = Flexionstest im Sitzen, ISG = Iliosakralgelenk, SIG = Sakroiliakalgelenk, CFG = Coxofemoralgelenk.

Global Listening im Stehen.

Global Listening im Sitzen.

Faszialer Test der unteren Extremität mit Traktion.

Faszialer Test des Beckens, der unteren Wirbelsäule und des Abdomens mit Traktion.

Faszialer Test der oberen Extremität mit Traktion.

Faszialer Test der Wirbelsäule mit Traktion.

Faszialer Test der unteren Extremität mit Rotation.

Faszialer Test der Beckenregion mit Innenrotation und Anteriorisierung links.

Faszialer Test der Beckenregion mit Außenrotation und Posteriorisierung links.

Faszialer Test der LWS mit Rotation.

Faszialer Test der BWS und des Brustkorbs mit homolateraler Innenrotation.

Faszialer Test der BWS und des Brustkorbs mit homolateraler Außenrotation (links).

Faszialer Test der Wirbelsäule mit ventral gerichtetem Druck.

Faszialer Test mit Divergenzdruck.

Lokal Listening in Rückenlage.

Lokal Listening in Bauchlage.

Einteilung des AbdomensAbdomenEinteilung in Regionen in verschiedene Regionen.

Systematische Untersuchung der abdominalen Region.

Test des Kraniosakralrhythmus am Schädel in laterolateraler Richtung.

Test der Schädelknochen und Suturen in laterolateraler Richtung. a: okzipital. b: parietotemporal. c: frontosphenoidal.

Test des Kraniosakralrhythmus am Schädel in dorsoventraler Richtung.

Test des Kraniosakralrhythmus am Schädel in kraniokaudaler Richtung.

Statische Untersuchung des Beckens im Stehen. Die Linien entsprechen der Lage der Referenzpunkte von Crista iliaca (2), Spina iliaca posterior superior (SIPS) (3) und Trochanter major (4).

Untersuchung der Tiefe der Iliosakralgelenks (ISG), der Position der Spina iliaca posterior superior (SIPS) und der Spannung der umgebenden Muskulatur.

Test des M. gluteus maximus und der Ligg. sacrospinale und sacrotuberale.

Test der Mm. glutei maximus et medius.

Test der Außenrotatoren in Bauchlage.

Test der Mm. adductores in Rückenlage.

Test des M. tensor fasciae latae, M. iliopsoas, M. rectus femoris, M. sartorius und N.-femoralis-Spannungstest in Rückenlage.

Erweiterter Lasègue-Test.

Flexionstest im Stehen.

Flexionstest im Sitzen.

Extensionstest im Sitzen.

Rücklaufphänomen an verschiedenen Bezugspunkten. a: Spina iliaca posterior superior (SIPS) und Proc. spinosus von S2. b: Angulus inferior laterales (AIL) und Tuber ischiadicum. c: SIPS und Proc. spinosus von L4.

Vorlaufphänomen an verschiedenen Bezugspunkten. a: Spina iliaca posterior superior (SIPS) und Proc. spinosus von S2. b: Crista iliaca oberhalb der SIPS und Proc. spinosus von L5.

Long-Lever-Test des iliosakralen Gelenkspiels in sagittaler Ebene. a: Ilium posterior iliosakral (IS). b: Ilium anterior IS.

Long-Lever-Test des iliosakralen Gelenkspiels in transversaler Ebene. a: Ilium Innenrotation iliosakral (IS). b: Ilium Außenrotation IS.

Long-Lever-Test des iliosakralen Gelenkspiels in frontaler Ebene. a: Ilium Inflare iliosakral (IS). b: Ilium Outflare IS.

Short-Lever-Test des iliosakralen Gelenkspiels in sagittaler Ebene in Rückenlage. a: Ilium posterior iliosakral (IS). b: Ilium anterior IS.

Short-Lever-Test des iliosakralen Gelenkspiels in transversaler Ebene in Rückenlage. a: Ilium Innenrotation iliosakral (IS). b: Ilium Außenrotation IS.

Short-Lever-Test des iliosakralen Gelenkspiels in frontaler Ebene in Rückenlage. a: Ilium Outflare iliosakral (IS). b: Ilium Inflare IS.

Short-Lever-Test des iliosakralen Gelenkspiels in sagittaler Ebene in Bauchlage. a: Ilium posterior iliosakral (IS). b: Ilium anterior IS.

Short-Lever-Test des iliosakralen Gelenkspiels in transversaler Ebene in Bauchlage. a: Ilium Außenrotation iliosakral (IS). b: Ilium Innenrotation IS.

Short-Lever-Test des iliosakralen Gelenkspiels in frontaler Ebene in Bauchlage. a: Ilium Inflare iliosakral (IS). b: Ilium Outflare IS.

Verlängerungstest des Downing-Tests.

Verkürzungstest des Downing-Tests.

Inflare-Test im Stehen.

Outflare-Test im Stehen.

Inflare-Test im Sitzen.

Outflare-Test im Sitzen.

Inflare-Test in Bauchlage.

Outflare-Test in Bauchlage.

Short-Lever-Test der Symphysis pubica nach superior in sagittaler Ebene.

Short-Lever-Test der Symphysis pubica nach inferior in sagittaler Ebene.

Long-Lever-Test der Symphysis pubica nach superior in sagittaler Ebene.

Long-Lever-Test der Symphysis pubica nach inferior in sagittaler Ebene.

Long-Lever-Test der Symphysis pubica in Outflare in frontaler Ebene.

Long-Lever-Test der Symphysis pubica in Außenrotation in transversaler Ebene.

Test: Bilaterale Anteriorisierung des Sakrums um die mittlere transversale Achse (MTA).

Test: Bilaterale Posteriorisierung des Sakrums um die mittlere transversale Achse (MTA).

Test: Unilaterale Anteriorisierung des Sakrums (links) um die mittlere transversale Achse (MTA).

Test: Unilaterale Posteriorisierung des Sakrums (links) um die mittlere transversale Achse (MTA).

Test für die L/R-Bewegung in Bauchlage. LSA = linke schräge Achse.

Test für die L/L-Bewegung in Bauchlage. LSA = linke schräge Achse.

Alternative Testposition in Bauchlage für die Bewegungen um die linke schräge Achse. LSA = linke schräge Achse.

Test für die R/L-Bewegung in Bauchlage. RSA = rechte schräge Achse.

Test für die R/R-Bewegung in Bauchlage. RSA = rechte schräge Achse.

Alternative Testposition in Bauchlage für die Bewegungen um die rechte schräge Achse (RSA).

Tests des Sakrums in Linksdrehung in Bauchlage um die vertikale Achse (VA).

Tests des Sakrums in Seitneigung links in Bauchlage um die dorsoventrale Achse (DVA).

Faszialer Test in Rückenlage: Posteriorisierung des Sakrums und Innenrotation der Ilia.

Faszialer Test in Rückenlage: Anteriorisierung des Sakrums und Außenrotation der Ilia.

Faszialer Test in Rückenlage: Beweglichkeit des Sakrums um die dorsoventrale Achse und Rotation der Ilia nach anterior bzw. posterior. Schritt 1: orange, Schritt 2: schwarz.

Faszialer Test in Rückenlage: Beweglichkeit des Sakrums um die linke schräge Achse sowie anteriore Rotation des rechten Iliums und posteriore Rotation des linken Iliums.

Faszialer Test in Rückenlage: Beweglichkeit des Sakrums um die rechte schräge Achse und anteriore Rotation des linken Iliums sowie posteriore Rotation des rechten Iliums.

Faszialer Test in Rückenlage: Beweglichkeit des Sakrums um die vertikale Achse sowie Außenrotation des linken Iliums und Innenrotation des rechten Iliums.

Kompressionstest des Os coccygis im Sitzen.

Seitneigungstest des Os coccygis im Sitzen.

Test des Os coccygis in Bauchlage.

Traktionstest coxofemoral.

Test in Flexion coxofemoral.

Test in Extension coxofemoral.

Test in Abduktion der gestreckten Hüfte.

Test in Abduktion der gestreckten Hüfte mit kurzer Traktion.

Test in Innenrotation der gebeugten Hüfte.

Test in Adduktion der gestreckten Hüfte.

Test in Außenrotation der gebeugten Hüfte.

Test in Außenrotation der gestreckten Hüfte.

Test in Abduktion der gebeugten Hüfte.

Test in Innenrotation der gestreckten Hüfte.

Test in Adduktion der gebeugten Hüfte.

Test der Flexions- bzw. Extensionsbeweglichkeit von L5–S1.

Fragen zur osteopathischen Anamnese sowie ärztlich abzuklärende SymptomeUnterbauchBeschwerden, unklareDysurieEnuresis (nocturna)Blut im UrinPollakisurieAnamneseNykturieStressinkontinenzAnamneseUrinfluss, verzögerterOligomenorrhöAnamneseMenorrhagieAnamnesePolymenorrhagieAnamneseVulva, Brennen/Juckreiz, AnamneseVaginalausflussUrinAnalyse, auffällige

Tab. 4.1
Allgemeine Fragen
  • Geschlecht, Alter, Konstitution, Gewicht, Größe

  • Fragen zu den Symptomen der Beschwerden, z. B.: Warum sind Sie hier? Schmerz? Ausstrahlung? Missempfindungen? Steife? Schwäche? Instabilität? Funktionsverlust? Wo? Wann? Wie? Wodurch? Wie lange schon? Frühere Unfälle (z. B. Autounfall, Sturz vom Pferd, Sturz vom Baum, andere Stürze)? Vor wie vielen Jahren?

  • Provozierbarkeit der Symptomatik?

  • Allgemeinzustand? Andere Beschwerden? Krankheiten? Operationen? Postoperative Beschwerden?

  • Bisherige Behandlung? Momentane andere Behandlungen? Medikation?

  • Beruf? Hobbys? Sport? Stressbelastung?

  • Schlafgewohnheiten?

  • Alkohol? Rauchen? Allergien?

  • Diabetes?

  • Medikamente?

  • Familienanamnese? Erbkrankheiten?

  • Befunde von anderen Untersuchungen: Röntgen, Blutbild, MRT?

  • Kinder? Wie viel? Wie viele Schwangerschaften? Eventuell Abtreibungen, Fehlgeburten? Wie war(en) die Entbindung(en)?

  • Psychische Einstellung: eher positiv oder eher negativ eingestellt? Ziele? Ängste? Sorgen?

Auf die Beckenorgane bezogene Fragen
  • Kreuzschmerzen? Wo genau?

  • Wann tritt der Schmerz auf? In Ruhe oder bei Bewegung? Bei welchen Bewegungen?

  • Schmerzausstrahlung oder Missempfindungen in Beinen oder Gesäß? Wo?

  • Bauchschmerzen? Wo? Wann? Bezug zum Essen?

  • Übelkeit? Erbrechen?

  • Miktion: wie häufig am Tag? Nachts?

  • Urinmenge?

  • Schmerzen beim Wasserlassen?

  • Uringeruch? Ist er blutig oder intensiv verfärbt?

  • Kontinenzprobleme? Bei Belastung?

  • Harnstrahl: schwach oder verzögert?

  • Menstruation: Dauer? Regelmäßigkeit? Starke Blutungen? Schmerzhaft?

  • Zyklusbedingte Kreuzschmerzen? Ausstrahlung in Beine oder Gesäß?

  • Ist der Geschlechtsverkehr schmerzhaft? In welcher Haltung?

  • Verhütung? In welcher Form?

Vom Arzt abzuklärende Symptome
  • Unerklärlicher Schmerz. Die osteopathische Behandlung wird normalerweise nicht schmerzhaft sein, da die manuellen Techniken so sanft ausgeführt werden, dass sie keinen Schmerz auslösen. Wenn trotzdem Schmerzen auftreten, muss vor einer Weiterbehandlung zuerst die Ursache gefunden werden; Schmerzen im Unterbauch können viele Ursachen haben.

  • Schmerzen, die nachts oder in Ruhe auftreten, können auf eine Infektion hindeuten.

  • Dysurie. Brennender Schmerz während der Miktion deutet meist auf eine Zystitis hin.

  • Enuresis nocturna. Bei nächtlichem Einnässen muss eine neurologische oder parenchymatöse Erkrankung ausgeschlossen werden.

  • Blut im Urin, intensiv und schlecht riechender Urin. Ersteres kann ein Symptom eines tumoralen Prozesses sein; beides kann auf eine Nieren- oder Blasenstörung hinweisen, aber auch Zeichen von Fehlernährung sein.

  • Fieber in Kombination mit den oben genannten Symptomen.

  • Pollakisurie. Wenn der Patient häufig Urin lassen muss und zusätzlich der Urinstrahl schwächer wird, kann beim Mann eine Prostatastörung vorliegen.

  • Nykturie, d. h. wenn der Patient häufiger mit Harndrang aufwacht.

  • Urinverlust ohne Belastungseinwirkung könnte neurologische Ursachen haben.

  • Stressinkontinenz, d. h. tropfenweiser Urinabgang bei Belastungen wie z. B. beim Husten oder Heben.

  • Verzögerter Urinfluss als Hinweis auf eine Obstruktion der Urethra. Sie kann durch Hypertonus des Beckenbodens oder des umgebenden Bindegewebes, aber auch z. B. durch eine Prostatahypertrophie hervorgerufen werden.

  • Oligomenorrhö, Menorrhagie, Polymenorrhagie und andere Zyklusunregelmäßigkeiten oder Ausbleiben der Periode.

  • Juckreiz oder Brennen der Vulva, starker Vaginalausfluss.

  • Auffällige Urinanalyse.

  • Plötzlicher, ungewollter Gewichtsverlust.

  • Nachtschweiß.

Screening

Einführung

Die HaltungScreening eines Patienten vermittelt uns sowohl Informationen über Strukturen, die überlastet oder überdehnt sind, als auch über Verkürzungen und Verspannungen im Gewebe. In Kap. 2.1.5 werden mögliche Zusammenhänge zwischen Aufbau und Aktivität der Myofaszialketten und der Körperhaltung angesprochen. Außerdem zeigen Körperbewegungen, wie solche Strukturen auf Entlastung bzw. Belastung reagieren, wobei das Zusammenspiel der Muskel-, Bindegewebs- und Gelenkketten wichtige Hinweise gibt.
Eine der wichtigsten Aufgaben in der osteopathischen Praxis besteht darin, Strukturen aufzuspüren, die unter „Belastung“ oder, besser gesagt, unter erhöhter Spannung stehen oder gestaut sind. In diesem Kapitel werden Tests erläutert, mit denen es sich unter praktischen Gesichtspunkten nach Auffassung des Autors gut arbeiten lässt, ohne bei der Fülle an unterschiedlichen Herangehensweisen einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.
Eines der Ziele dieses Buches ist es, mögliche Verbindungen aufzuzeigen bzw. zu vermitteln, dass z. B. zwischen Störungen in den ISG und funktioneller Blaseninkontinenz, zwischen Dysmenorrhö und einer mechanischen Beckenproblematik ein Zusammenhang denkbar sein könnte; dass neben postinfektiösen Verklebungen von Gleitflächen auch Vernarbungen oder Organsenkungen eine wichtige Rolle spielen oder dass Probleme der Grundversorgung, z. B. durch Übersäuerung, toxische Stoffe oder fazilitierte Rückenmarksegmente, eine gemischte Symptomatik verursachen könnten.
Barral [10] betont, dass es keine einzige Fibrosierung im Körper gibt, die keine Folgen hat. Für den Autor liegt der Schlüssel zur Osteopathie in der Erkenntnis, wie sich Störungen im Gewebe auf die Tensegrity (Spannungseinheit) auswirken. Unter diesem Aspekt interessiert uns hauptsächlich der Hypertonus im Gewebe und Ödeme.

Merke

Wenn ein Ödem lange genug stagniert, kommt es zu einer Infiltration von Fibroblasten, die zur Fibrosierung und Kontraktur des Gewebes führen kann [128, 132, 182].

Anamnese

Häufig wendetAnamnese sich ein Patient erst nach mehreren Arztkontakten an den Osteopathen und auf Nachfrage sind möglicherweise schon ausführliche Dokumentationen oder Bildmaterial vorhanden. Doch mit zunehmendem Bekanntheitsgrad der Osteopathie werden Patienten noch häufiger als bisher „auf eigene Faust“ zu uns kommen.
In beiden Fällen ist es wichtig, sich durch Anamnese und Diagnostik in eigener Verantwortung ein genaues Bild zu machen, um die eigenen Behandlungsmöglichkeiten einschätzen zu können. Wichtig ist dabei insbesondere, auf Kontraindikationen zu achten und bei jedem Zweifel Kontakt zum behandelnden Arzt aufzunehmen oder den Patienten notfalls auch zurück an den Arzt zu überweisen.
Zuallererst sollte der Patient seine aktuellen Beschwerden schildern. Einen ersten Eindruck vermitteln bei der Befragung die W-Fragen zu den Beschwerden: was, wann, wo, wie oft, wodurch entstanden? Laurie Hartmann [69] stellt sich z. B. bei einem Patienten zuerst folgende Frage: „Why does this particular person get this particular problem at this particular time?“
Aufschluss geben können auch folgende Fragen:
  • Welche Gewebe haben eine Störung (z. B. Muskeln, Gelenke, Gefäße oder Nerven)?

  • Welcher Art ist diese Störung (z. B. mechanisch oder chemisch)?

  • Was ist die direkte Ursache?

  • Welche Faktoren können noch mitspielen?

  • Warum wird es nicht besser?

Es wäre sinnvoll, sich von Anfang an gleich an dieses Schema zu halten. Es hilft uns, mit der Zeit Routine und Erfahrung zu sammeln. Man sollte versuchen, auch bei der schriftlichen Aufzeichnung der Befunde systematisch nach diesem Schema zu arbeiten. Es ist ratsam, eine Art „pathologisches Raster“ für das eigene diagnostische Vorgehen zu erstellen und vor allem auf mögliche Kontraindikationen zu achten.
Obwohl Patienten den Schmerz oft falsch interpretieren oder ihn nicht am Entstehungsort wahrnehmen, ist es trotzdem ratsam und auch notwendig, sich ihre Äußerungen anzuhören. Viele Patienten empfinden es als positiv, dass wir uns detailliert nach ihrem Befinden erkundigen und uns ihnen bzw. ihren Problemen zuwenden.
Für den Autor ist der erste Behandlungstermin eine Möglichkeit, den Patienten kennenzulernen und sich ein erstes Bild von ihm zu machen. Danach können die Listening-Techniken, mit denen sein Körper „abgehört“ oder „abgefragt“ wird, uns ein relativ „neutrales“ Bild über seinen Zustand vermitteln. Dabei kann es sehr interessant sein zu vergleichen, was der Patient über seine Beschwerden, ihre vermutliche Ursache und ihren Entstehungsort erzählt und was uns sein Körper „sagt“.
Schon beim ersten Kontakt wird deutlich, wie wichtig gute anatomische und pathologische Kenntnisse sind, um Kontraindikationen zu erkennen und den Patienten notfalls zu einem Arzt zu überweisen. Es ist ratsam, zuerst alle Ergebnisse vorausgegangener Untersuchungen in Erfahrung zu bringen und sie schriftlich oder in Kopie festzuhalten. Bei Bedarf kann später noch einmal beim Patienten oder entsprechenden Arzt nachgefragt werden.
Es erscheint sinnvoll, immer eine ausführliche Anamnese auszuführen, um wichtige Informationen und Kontraindikationen nicht zu übersehen. Außerdem erhält man dadurch einen persönlicheren Kontakt zum Patienten.
Fragen zur osteopathischen Anamnese sowie Symptome, die von einem Arzt abgeklärt werden müssen, sind in Tab. 4.1 zusammengestellt. Häufig können viele Symptome, wenn sie vom Arzt abgeklärt wurden und wenn Kontraindikationen ausgeschlossen sind, erfolgreich osteopathisch behandelt werden.

Merke

Fälle, in denen man Unterbauch oder Becken äußerst vorsichtig untersuchen bzw. behandeln sollte:

  • Während der Schwangerschaft können die Iliosakralgelenke wunderbar behandelt und auf diese Weise sogar die Entbindung erleichtert werden (Kap. 2.7). An den Beckenorganen sollten Bindegewebstechniken aber nicht angewandt werden oder nur sehr vorsichtig, ab dem 5. Monat und nur mit viel Erfahrung.

  • Bei liegendem Intrauterinpessar können insbesondere Techniken gefährlich sein, die einen gewissen Druck im kleinen Becken entstehen lassen (Kap. 2.6.5.6, Kap. 6.2.2.1).

  • Akuter Schmerz, Druckschmerz, Loslassschmerz und hohe Spannung im Bauchbereich: Grundsätzlich sollte immer mit ganz leichtem Druck begonnen werden. Wenn schon bei leichtestem Druck oder beim Loslassen Schmerzen auftreten, muss an eine ernste Ursache gedacht werden, z. B. an eine Peritonitis. Der Patient sollte beim geringsten Verdacht und erst recht bei zusätzlichem Fieber sofort zum Arzt überwiesen werden.

  • Ist bei tiefer oder oberflächlicher Palpation eine auffällige Resistenz oder Raumforderung zu tasten, sollte der Patient am besten direkt zum Arzt überwiesen werden. Deshalb sind gute Anatomiekenntnisse und viel Erfahrung bei der Palpation erforderlich. Ein gut ausgebildetes Palpationsvermögen kann hier ausschlaggebend sein.

  • Entzündliche Darmkrankheiten, wie z. B. eine Crohn-Krankheit, können manchmal auf die Iliosakralgelenke übergreifen.

Einige Provokationstests

Indirekte Perkussion der suprapubischen Region
Patient: in ProvokationstestsSuprapubische Region, PerkussionindirekteRückenlage mit entleerter Harnblase; entleert liegt die Harnblase normalerweise hinter dem Os pubis.
Therapeut: seitlich neben dem Patienten stehend
Handposition: Bei indirekter Perkussion wird ein Finger der einen Hand gestreckt auf das zu beklopfende Gewebe gelegt und ein Finger der anderen Hand gebeugt als Perkussionshammer eingesetzt (Abb. 4.1).
Ausführung: Entlang der Mittellinie von der Hälfte der Strecke zwischen Nabel und Os pubis bis zur Symphysis pubica perkutieren.
Bewertung: Durch die unterschiedlichen Schallgeräusche bei der Perkussion ist es möglich, Informationen über die Lage und Dichte des darunterliegenden Gewebes und Organs zu erhalten.
  • Normalbefund: Resonanz bis leichte Tympanie bei Gasfüllung des Dünndarms. Zum Vergleich sollte man das Os pubis perkutieren, um einen Schenkelschall deutlich von einem tympanitischen Klopfschall unterscheiden zu können.

  • Ein gedämpfter Klopfschall oberhalb der Symphysis pubica kann auf eine vergrößerte Harnblase oder einen vergrößerten Uterus hindeuten. In diesem Fall oberhalb der Symphysis pubica nach einer fest umschriebenen Masse tasten.

Merke

Wenn bei der Palpation deutlich eine solide Masse spürbar ist, sollte der Befund ärztlich weiter abgeklärt werden.

Direkte Perkussion von Harnblase und Uterus
Patient: in RückenlageHarnblasePerkussion, direkteUterusPerkussion, direkte
Therapeut: seitlich neben dem Patienten stehend
Ausführung:
  • Mit ein bis zwei Fingerspitzen vorsichtig direkt die Haut beklopfen.

  • Pubischer Bereich: In Nähe der Symphyse beginnen und bis zum Nabel aufsteigend klopfen.

  • Anschließend linke und rechte Leistengegend jeweils aufsteigend bis zum Unterbauch abklopfen.

Bewertung: Schallqualität, Empfindung des Patienten. Durch die Erschütterung des parenchymatösen und faszialen Gewebes wird der Zustand des Organs geprüft.

Merke

  • Ein unangenehmes Gefühl beim Patienten spricht eher für eine Spannung im Fasziengewebe der Umgebung, die Indikation für eine osteopathische Untersuchung und Behandlung ist.

  • Ein starker Schmerz beim Patienten spricht eher für einen starken Reizzustand oder sogar für eine Entzündung und sollte vom Arzt überprüft werden.

Pulsation der Aorta abdominalis
Patient: in RückenlageAorta abdominalisPulsation
Therapeut: seitlich neben dem Patienten stehend
Handposition: Beide Hände liegen para- bzw. supraumbilikal und leicht paramedian links flach auf dem Bauch.
Ausführung:
  • Mit den Fingerspitzen beider Hände zwischen Nabel und Proc. xiphoideus, meist etwas links der Mittellinie, nach der Pulsation der Aorta abdominalis tasten (Abb. 4.2).

  • Um die Breite der Aorta zu bestimmen, den Druck nach dorsal richten und beide Hände leicht auseinandergehen lassen.

  • Nach Aufspüren der Aortenränder ist es möglich, durch einen leicht nach median gerichteten Druck die Pulsationsrichtung festzustellen und einen Seitenvergleich durchzuführen.

Bewertung: Normalbefund: 3–4 cm breite Aorta, starke Pulsation, die seitengleich ventralwärts gerichtet ist.

Achtung

Die Aorta abdominalis hat infrarenal beim gesunden Erwachsenen einen Durchmesser von 1,5–2 cm [24]. Eine Pulsation, die eher nach lateral als nach ventral gerichtet ist, kann ebenso wie eine allgemein schwache oder kaum spürbare Pulsation und/oder eine Aortenbreite von mehr als 3–4 cm auf ein Aortenaneurysma hinweisen. In diesem Fall keine abdominalen Techniken anwenden! Es sollte Kontakt zum behandelnden Arzt aufgenommen werden.

Auskultation der Aorta abdominalis, A. iliaca communis und A. femoralis
Patient: in RückenlageAorta abdominalisAuskultationArteria(-ae)iliaca communisAuskultationArteria(-ae)femoralisAuskultation
Therapeut: seitlich neben dem Patienten stehend
Handposition/Ausführung:
  • Zunächst Stethoskop etwas links oberhalb des Nabels auf die Aorta abdominalis legen.

  • Bei Verdacht auf eine arterielle Verschlusssymptomatik beim Patienten sollte man auch beidseits die A. iliaca communis zwischen Nabel und Spina iliaca anterior superior sowie die A. femoralis in der Leistenbeuge unterhalb des Lig. inguinale auskultieren.

Merke

Bewertung:

  • Systolische Strömungsgeräusche in Kombination mit Bluthochdruck können auf eine Arteriosklerose oder ein Aneurysma hinweisen.

  • Hörbare Turbulenzen können auf eine Obstruktion, Stenose oder ein Aneurysma hinweisen. Zur Sicherheit sollte der Patient zum Arzt überwiesen werden.

Pulsationen der A. radialis und A. femoralis im Vergleich
Patient: in RückenlageArteria(-ae)radialis, PulsationArteria(-ae)femoralisPulsation
Therapeut: seitlich neben dem Patienten stehend
Handposition: Die Finger der kranialen Hand liegen auf den Pulstaststellen der A. radialis, die Finger der kaudalen Hand parallel auf den Pulstaststellen der A. femoralis.
Ausführung:
  • Mit der kranialen Hand den Puls der A. radialis, mit der kaudalen Hand parallel den Puls der A. femoralis fühlen (Abb. 4.3).

  • Anschließend beide Seiten, z. B. die Pulsationen beider Aa. femorales, miteinander vergleichen (Abb. 4.4).

  • Bei arterieller Verschlusssymptomatik eventuell auch die Pulsation der A. femoralis mit denen der A. poplitea und A. tibialis posterior vergleichen.

Bewertung: Ein nur auf einer Seite schwächerer Puls kann Hinweise auf die Seite einer Spannungsproblematik im Becken geben.

Merke

Ist der Puls der A. femoralis deutlich schwächer und zeitlich verzögert gegenüber dem Puls der A. radialis, muss vom Arzt eine Aortenisthmusstenose ausgeschlossen werden.

Schema für die Untersuchung und Behandlung des Beckens

ZunächstBeckenBehandlungstechnikenBeckenUntersuchungsschema wird ein allgemeines Schema vorgestellt, das als Beispiel oder Leitfaden dienen soll. Die entsprechenden Tests werden danach in den folgenden Kapiteln einzeln der Reihe nach aufgeführt und detaillierter beschrieben. Untersuchung und Behandlung des Beckenbindegewebes sind in Kap. 5 beschrieben.
Allgemeine Tests (Kap. 4.5), wie der fasziale Screening-Test (Kap. 4.5.3) oder das Global Listening (Kap. 4.5.1), können uns diagnostisch die Richtung weisen, wo wir am besten mit der Untersuchung beginnen sollten. Das heißt, ob wir uns z. B. parietal, viszeral oder kranial orientieren müssen und im Bereich der Extremitäten, des Beckens, des Bauches, der LWS, der BWS, der HWS oder des Rumpfes anfangen sollten. Der Körper zeigt, wo er momentan am meisten Hilfe benötigt. Deuten diese Tests z. B. primär in Richtung einer parietalen Störung, wird zuerst parietal weiter getestet und erst später viszeral und kranial. Auch bei der Behandlung kann es sinnvoll sein, diese Reihenfolge einzuhalten.
Nehmen wir einen Patienten mit primärer Problematik eines Beckengelenks als Beispiel. In diesem Fall würden wir z. B. beim Global Listening eine Extensionsbewegung des Körpers zur Seite der Blockierung hin mit einem Knick in Höhe des lumbosakralen Übergangs oder des Beckens wahrnehmen. Im faszialen Screening-Test wäre bei diesem Patienten viel Spannung im Beckenbereich spürbar.

Beispiel eines allgemeinen Untersuchungsschemas

Es gibt eine zunehmende Anzahl an „wissenschaftlichen“ Untersuchungen, die belegen, dass Tests, z. B. der Flexionstest im Stehen (FTS) oder der Flexionstest im Sitzen (FTZ), keine spezifische oder signifikante Relevanz für das Iliosakralgelenk haben. Damit entstehen leider oft große Unsicherheit und Diskussionen innerhalb der osteopathischen Welt. Außerdem enthalten diese Untersuchungen manchmal noch Andeutungen, dass auch die Ergebnisse von unterschiedlichen Untersuchern (inter-tester reliability) bei gleichen Patienten nicht sehr zuverlässig sind [2, 14, 18, 19, 23, 199].
Gleichzeitig geben aber manche Untersucher an, dass Tests wie der Flexionstest im Stehen (FTS) und der Palpationstests [21], aber auch Provokationstests [13] schon wertvolle Tests sein können.
Kann aber ein Test, ohne jegliche Fixierung der „übrigen“ Teile des Körpers, jemals eine 100-prozentige Aussage über die zu testende Struktur geben? Ist es übrigens praktikabel, einen Patienten bei jedem Test „festzuschrauben“, damit alle möglichen kompensatorischen Bewegungen ausgeschlossen werden?
Man sollte sich also vor Augen halten, dass es sich hier tatsächlich um „allgemeine“ oder sozusagen „kombinierte“ Tests handelt, bei denen sowohl muskuläre, ligamentäre, fasziale als auch artikuläre Strukturen getestet werden und damit durchaus unterschiedlich interpretiert werden können.
Der Autor sieht diese Tests deswegen als Orientierungstests oder „Schnelltests“! Sie ermöglichen es, eine Seite aufzufinden, auf der etwas nicht stimmt (muskulär, faszial und/oder artikulär) und die dann intensiver und detaillierter untersucht werden soll. Es sollten aber weitere spezifischere Tests vorgenommen werden. Nach Meinung des Autors unterstreichen die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten nur die Wichtigkeit der „Handarbeit“, der Gelenkspieltests, der faszialen Verschieblichkeitstests am Patienten. Es erscheint ihm umso wichtiger, den Patienten bei der Untersuchung zu bewegen, anzufassen, atmen zu lassen – das Gewebe zu verschieben, zu mobilisieren, zu „durchsaften“.
Gerade deswegen hat sich der Autor dazu entschlossen, dem Leser einen Leitfaden, bestehend aus einer Reihenfolge von Tests und nicht aus einzelnen Tests, vorzuschlagen. Ein Leitfaden, der natürlich niemals vollständig oder perfekt sein kann, sondern nur eine Hilfestellung (vor allem für den angehenden Osteopathen) bietet. Es ist z. B. manchmal auch hilfreich und wunderbar, mit den rhythmischen Techniken vom „Global Body Adjustment“ oder dem „General Osteopathic Treatment“ (Globale osteopathische Behandlung) einen möglichen Testweg zu beschreiten. Auch mit Listening- und/oder faszialen Techniken kann man einen Weg zum Patienten finden. Es wird aber niemals möglich sein, alle denkbaren Möglichkeiten aufzuzeichnen und dies ist auch nicht Ziel dieses Buches.

Das Ziel sollte für jeden angehenden Osteopathen darin bestehen, seinen Weg und den des Patienten zu finden und nicht die eine „wahre“ Testreihe zu entwickeln.

Allgemeines Untersuchungsschema bei Beckenproblematik (Abb. 4.6):
  • 1.

    Statische Untersuchung des Beckens anhand der vier Orientierungspunkte (Kap. 4.6.1). Klärung, ob wichtige statische Elemente, z. B. eine anatomische Beinlängendifferenz, zu beachten sind oder ob eher eine Beckenverdrehung mit einer scheinbaren Beinlängendifferenz vorliegt.

Im Laufe der Zeit und mit zunehmender Erfahrung ist der Autor immer mehr dazu übergegangen, die faszialen Screening-Tests (Kap. 4.5.3) in verschiedenen Ebenen als übergreifende Schnelltests zu nutzen. Am Anfang ist es aber besser, den längeren Weg mit FTS (Kap. 4.6.3.1) und FTZ (Kap. 4.6.3.2) zu gehen.

  • 2.

    Der FTS weist auf die Seite einer Iliumläsion hin, die weiter getestet wirdJoint-Play-Test:

    • A.

      Liegt eine iliosakrale Iliumläsion vor? Joint-Play-Tests des ISG

      → Untersuchung der faszialen Strukturen im Abdominal-, Beckeneingangs- und Beckenausgangsbereich, ob Faszien eines Organs betroffen sind

      → gezieltes Testen des Organs

    • B.

      Liegt eine Läsion der Symphysis pubica vor?

    • C.

      Liegt eine coxofemorale Läsion vor? Joint-Play-TestsJoint-Play-TestHüfte/ISG/Sakrum der Hüfte

  • 3.

    Der FTZ weist auf die Seite einer Sakrumläsion hin, die weiter getestet wird:

    • A.

      Liegt eine Sakrumläsion vor? Joint-Play-Tests

      → Untersuchung der faszialen Strukturen im Abdominal-, Beckeneingangs- und Beckenausgangsbereich, ob Faszien eines Organs betroffen sind

      → gezieltes Testen des Organs

    • B.

      Liegt eine lumbosakrale Läsion vor?

    • C.

      Liegt eine Läsion des sakrokokzygealen Übergangs vor?

Statische Untersuchung des Beckens
Durch die statischeBeckenUntersuchung, statische, im Stehen Untersuchung im Stehen (Kap. 4.6.1) wird festgestellt, ob eine anatomische Beinlängendifferenz beim Patienten eine Rolle spielt, ob eine Beckenverdrehung mit scheinbarer Beinlängendifferenz oder ein Up-Slip bzw. Down-Slip des Beckens vorliegt.
Iliakale Tests des Iliosakralgelenks
PalpationIliosakralgelenk (ISG)Tests, iliakaleFlexionstestim Stehen (FTS) und Flexionstest im Stehen (FTS, Kap. 4.6.3.1) liefern uns Hinweise, auf welcher Seite eine iliakale, muskuläre oder myofasziale Läsion im ISG, im CFG und/oder in der Symphysis pubica vorliegt. Das ist zu diesem Zeitpunkt wichtiger als die iliakale Beweglichkeit der anderen (nicht lädierten) Seite und man gewinnt Zeit, indem man nur die lädierte Seite weiter untersucht.
Mögliche iliosakrale Läsionen
  • Ilium-anterior-IS-Läsion: Iliosakralgelenk (ISG)Läsionenweitere Untersuchung der faszialen Strukturen/Aufhängung in Höhe des Beckenein- und -ausgangs und der GPM (Kap. 2.1.5.5) auf dieser Seite

  • Ilium-posterior-IS-Läsion: weitere Untersuchung der faszialen Strukturen/Aufhängung in Höhe des Beckenein- und -ausgangs und der GAM (Kap. 2.1.5.4) auf dieser Seite

  • Ilium-Inflare-IS-Läsion: weitere Untersuchung der faszialen Strukturen/Aufhängung in Höhe des Beckenein- und -ausgangs auf dieser Seite

  • Ilium-Outflare-IS-Läsion: weitere Untersuchung der faszialen Strukturen/Aufhängung in Höhe des Beckenein- und -ausgangs auf dieser Seite

  • Ilium-Innenrotation-IS-Läsion: weitere Untersuchung der faszialen Strukturen/Aufhängung in Höhe des Beckeneingangs und des Unterbauchs auf dieser Seite

  • Ilium-Außenrotation-IS-Läsion: weitere Untersuchung der faszialen Strukturen in der Glutealregion und im Wirbelsäulenbereich (GPM und KPM, Kap. 2.1.5.7).

Durch die Joint-Play-Tests kristallisieren sich diese Läsionen heraus. Eventuell können Symphysis pubica und Os coccygis gleich mit einbezogen werden.
Fällt der Flexionstest negativ aus, werden beide Seiten getestet, um zu überprüfen, ob bilaterale Läsionen vorliegen. Manchmal sind hier fasziale Screening-Tests (Kap. 4.5.3) sinnvoll, um schnell einschätzen zu können, ob z. B. ein Ilium anterior auf der einen Seite und ein Ilium posterior auf der anderen Seite vorliegt. Solche bilateralen Läsionen sind übrigens keine Seltenheit. Auch die Short-Lever-Tests in Rücken- oder Bauchlage (Kap. 4.6.6.2, Kap. 4.6.6.3) eignen sich hervorragend als Schnelltests, um rasch einen Überblick über das Becken zu erhalten.
Die statischen und dynamischen Screening-Tests (Kap. 4.5.2) ermöglichen allgemeine Hinweise auf muskuläre Verkürzungen. Bei Bedarf können einzelne Muskeln gezielt getestet werden. Hier sollte man die Verbindungen allerdings zuerst im Geiste dreidimensional analysieren und nicht einfach „drauflosdiagnostizieren“. Parallel mit den Muskeltests lassen sich auch dreidimensional die faszialen Verbindungen der Beckenorgane mit dem Ilium testen.
Übergreifend und richtungweisend kann auch ein abdominaler Screening-Test (Kap. 4.5.5) sein, der im Beckeneingangs- und im Beckenbodenbereich (Kap. 6.1.3.4) angewandt wird. Wenn Spannungen wahrnehmbar sind, ist es sinnvoll, die Beckenorgane gezielt in drei Ebenen zu untersuchen.
Bei den Organtests wirdBeckenOrgantests das betreffende Beckenorgan in allen drei Ebenen verschoben, um seine faszialen Verbindungen mit dem parietalen System, also mit den Ilia und dem Sakrum, zu überprüfen (Kap. 6). Die Faszienaufhängung wird in laterolateraler (Parazystium, Parametrium, Paraproktium), in dorsoventraler (Lamina SRGVP, Lig. sacrouterinum, Beckenboden usw.) und in kraniokaudaler Richtung (Lig. umbilicale, Mesometrium) getestet. Auch hier ist es notwendig, die Verbindungen zuerst im Geiste dreidimensional zu analysieren und nicht einfach „drauflos zu diagnostizieren“. Pathologisch spielt vor allem die Unbeweglichkeit der Faszien aufgrund von Verklebungen oder eines Hypertonus eine Rolle.

Folgendes ist zu beachten

  • Spannungen, Narben und/oder VerklebungenVerklebungen, faszialeBeckeneingangs-/-ausgangsbereich im Beckeneingangsbereich und Stauungsphänomene im Beckenausgangsbereich werden eher iliosakrale oder coxofemorale Läsionen des Iliums verursachen – nach anterior oder posterior (abhängig von der Lokalisation der Spannung und der Beteiligung der Bauchmuskeln oder des M. iliopsoas), Inflare und/oder Innenrotation.

  • Spannungen, Narben und/oder VerklebungenBeckenausgangs- bzw. -eingangsbereich, Spannungen/Verklebungen im Beckenausgangsbereich und Stauungsphänomene im Beckeneingangsbereich werden eher iliosakrale oder coxofemorale Läsionen des Iliums nach anterior und/oder Outflare verursachen.

  • Spannungen, Narben und/oder Verklebungen imVerklebungen, faszialeGluteal-/Rückenbereich Gluteal- und/oder Rückenbereich werden eher iliosakrale Läsionen nach posterior und/oder Outflare sowie coxofemorale Läsionen in Außenrotation verursachen.

Bei allen drei Punkten ist es notwendig zu testen, welche Zusammenhänge bestehen. Auch Techniken des Global Listening können herangezogen werden, um schneller den Weg zu finden. Das setzt aber viel Erfahrung voraus.
Testen der Symphysis pubica
Die SymphysisSymphysis pubicaTest pubica wird in den drei Ebenen auf ihre Beweglichkeit getestet (Kap. 4.6.9). Das geht sehr schnell und kann leicht in den Ablauf integriert werden.
Testen/Läsionen des Coxofemoralgelenks
Auch das CFGCoxofemoralgelenk (CFG)Läsionen auf der positiven Seite wird kontrolliert (Kap. 4.6.13). Mögliche iliakale Läsionen im CFG sind:
  • Dorsale CF-Läsion

  • Ventrale CF-Läsion

  • Kaudale CF-Läsion

  • Kraniale CF-Läsion

  • Allgemeine CF-Läsion

Sakrumtests im Sakroiliakalgelenk
Mithilfe von PalpationSakroiliakalgelenk (SIG)Sakrumtest, Anteriorisierungs- und Posteriorisierungstest des Sakrums (Kap. 4.6.10, Kap. 4.6.11) sowie des Flexionstests im Sitzen (FTZ, Kap. 4.6.3.2) kann festgestellt werden, auf welcher Seite die Mobilität des Sakrums aktuell stärker eingeschränkt ist als auf der anderen Seite. Damit ist klar, wo iliosakrale (Ilium) und/oder sakroiliakale (Sakrum) Störungen vorliegen.
Joint-Play-Tests des Sakrums
Auf der Seite mitSakrumJoint-Play-TestsJoint-Play-TestSakrum der Störung wird nochmals getestet, ob das Sakrum besser anteriorisiert oder posteriorisiert werden kann. Angenommen, das Sakrum ließe sich besser rechts anteriorisieren, sind folgende Läsionen möglich:
  • Sakrum anterior unilateral rechts

  • Sakrum in L/L

  • Sakrum in Linksrotation um die vertikale Achse

Joint-Play-Tests helfen in diesen Fällen differenzialdiagnostisch weiter.
Ließe sich das Sakrum besser links posteriorisieren, sind folgende Läsionen möglich:
  • Sakrum posterior unilateral links

  • Sakrum in R/L

  • Sakrum in Linksrotation um die vertikale Achse

Fällt der Flexionstest im Sitzen negativ aus, sollte man beide Seiten weiter untersuchen, um bilaterale Läsionen auszuschließen. Dazu genügt ein Anteriorisierungs- und Posteriorisierungstest des Sakrums (Kap. 4.6.3.3, Kap. 4.6.4 oder Kap. 4.6.10.1).
Am schnellsten kann man sich mit dem – für Anfänger allerdings sehr schwierigen – Faszientest im Bereich von Sakrum und Ilia (Kap. 4.6.11) einen Überblick verschaffen. Auch die Verbindungen zu den Beckenorganen lassen sich damit überprüfen. Man muss sich auch hierbei vergewissern, ob im Beckeneingangs- oder im Beckenausgangsbereich (Kap. 4.5.5 und Kap. 6.1.3.4) fasziale Spannungen vorliegen. Ist dies der Fall, sollten die Beckenorgane gezielt in drei Ebenen untersucht werden.

Folgendes ist zu beachten

  • Fasziale Spannungen, Narben und/oderVerklebungen, faszialeBeckeneingangs-/-ausgangsbereich Verklebungen im Bereich des Beckeneingangs und Stauungsphänomene im Beckenausgangsbereich werden Läsionen des Sakrums nach anterior verursachen.

  • Fasziale Spannungen, NarbenBeckenausgangs- bzw. -eingangsbereich, Spannungen/Verklebungen und/oder Verklebungen im Bereich des Beckenausgangs und Stauungsphänomene im Beckeneingangsbereich werden Läsionen des Sakrums nach posterior verursachen.

In beiden Fällen ist es notwendig, mögliche Zusammenhänge weiter zu untersuchen.
Testen/Läsionen des lumbosakralen Übergangs
Möglich sindLumbosakraler ÜbergangLäsionen z. B. Läsionen der LWS
  • mit L5 in Neutralstellung, während Seitneigung und Rotation in entgegengesetzter Richtung eingeschränkt sein können,

  • mit L5 in Flexion oder Extension, während Seitneigung und Rotation gleichsinnig eingeschränkt sein können.

Testen/Läsionen des Os coccygis
Mögliche LäsionenOscoccygisLäsionen, Tests bestehen in einer eingeschränkten Beweglichkeit des Os coccygis in Flexion oder Extension, Seitneigung und/oder Rotation (Kap. 4.6.12).
Übergreifender Test
Es lohnt sich, Sakrumtest, faszialerSakroiliakalgelenk (SIG)Sakrumtest, faszialerden faszialen Sakrumtest (Kap. 4.6.11) einzuüben, um auf Dauer einen übergreifenden Test zu haben, mit dem man routinemäßig umgehen kann. Der Zeitaufwand wird durch seine Anwendung erheblich verringert. Gleichzeitig ermöglicht er, mit einem Handgriff alle Ebenen und Verbindungen der Ilia und des Sakrums durchzutesten. Auch hier wird aber wieder sehr viel Übung vorausgesetzt.
Was den mühsamen Weg lohnt, ist die Gewissheit, dass man sich immer mehr Tests sparen kann, je mehr Übung man bekommt.

Anmerkung

In der Praxis sollten auch kraniosakrale Tests miteinbezogen werden, deren Beschreibung hier jedoch den Rahmen des Buches sprengen würde.
Innerhalb des dargestellten Schemas ist es natürlich möglich, auch quer in den viszeralen und/oder kranialen Bereich einzusteigen (dünnere Linien im Schema der Abb. 4.6).

Allgemein orientierende Tests

Es gibt viele allgemein orientierende Tests zur Befunderhebung. Es ist aber nicht Aufgabe dieses Buches, alle Möglichkeiten aufzuzeigen, was auch wegen der Fülle kaum machbar wäre. Im Folgenden werden einige Möglichkeiten angegeben, die für den Autor bedeutend sind und die nach seiner Meinung sowohl dem Einsteiger als auch erfahrenen Therapeuten genügend Anregungen bieten.

Global Listening („allgemeines Zuhören“)

Dieser TestGlobal Listening nach Barral [6] ist nur möglich, wenn keine Gleichgewichts- oder neurologischen Störungen vorliegen. Er zeigt, in welche Richtung wir uns zuerst konzentrieren bzw. mit der Befunderhebung beginnen sollten: parietal, viszeral oder kranial. Bei dem Test „erzählt“ uns der Körper des Patienten, wo momentan die Spannungen und Störungen am stärksten sind.
Global Listening im Stehen
Patient:
  • Steht entspanntGlobal Listeningim Stehen und bis auf Slip bzw. Slip und BH entkleidet.

  • Uhr und Schmuck sollten abgelegt werden.

  • Die Füße stehen parallel (ohne Rotation) zusammen und die Arme hängen frei und entspannt herab.

Therapeut: hinter dem Patienten stehend
Handposition (Abb. 4.7):
  • Eine Hand liegt auf dem Schädel des Patienten, mit dem Mittelfinger auf der Sutura sagittalis.

  • Die andere Hand liegt zwischen den Schulterblättern oder auf dem zervikothorakalen Übergang.

Ausführung:
  • Den Patienten bitten, die Augen zu schließen.

  • Wahrnehmen, in welche Richtung er direkt nach dem Augenschließen gezogen zu werden scheint.

  • Test einige Mal wiederholen.

Bedeutung: Im ersten Moment nach dem Schließen der Augen werden die myofaszialen Ketten den Patienten dorthin „ziehen“, wo momentan die meiste Spannung vorhanden ist. Dies sollte im nächsten Moment aber sofort von den antagonistischen Ketten korrigiert werden, damit der Schwerpunkt des Körpers oberhalb der Unterstützungsfläche bleibt.
Die Richtung der ersten Bewegung, unmittelbar nach Ausschalten der visuellen Kontrolle, zeigt an, wo aktuell die meiste Spannung vorhanden ist. Damit sie aussagekräftig ist, sollte sich der Patient auch bei der Wiederholung in dieselbe Richtung bewegen.
Bewertung:
  • Bewegung nach ventral mit Flexion des Oberkörpers: Hinweis auf eine Spannung im ventralen Bereich. Meist handelt es sich um eine viszerale Störung. Mit einiger Erfahrung lässt sich manchmal sogar die Höhe der Störung wahrnehmen.

  • Abweichende Bewegung nach dorsal: Sie spricht für eine Spannung, die hinten lokalisiert ist. Meist handelt es sich um eine Störung im Bereich der Wirbelsäule oder um eine Spannung in dorsalen Strukturen der Myofaszialketten. Auch hier kann man die Höhe der Läsion lokalisieren.

  • Abweichung nach einer Seite: gibt die Seite der Störung an.

  • Starker Zug nach kaudal bzw. Druck nach kranial, als würde die kraniale Hand zum Schädel hingezogen oder weggedrückt: eher Hinweis auf eine kraniosakrale Problematik.

  • Ein Verlust des Gleichgewichts ist Zeichen einer starken faszialen Störung oder Dysbalance der myofaszialen Ketten. Die myofaszialen Ketten sind entweder zu träge oder zu sehr aus dem Gleichgewicht, um angemessen reagieren zu können. Zusätzliche Untersuchungen und eine Ausgleichsbehandlung dieser Ketten sind in diesem Fall sinnvoll.

  • Kommen Testwiederholungen zu unterschiedlichen Ergebnissen, handelt es sich häufig nur um Koordinationsstörungen. Der Test ist erfolgreicher, wenn zuerst einige Koordinationsübungen durchgeführt werden. Fällt der Test auch dann unterschiedlich aus, überlagern sich wahrscheinlich mehrere ernstere Läsionen.

  • Bekanntlich trägt jeder Mensch Läsionen mit sich herum und hat nie nur ein einzelnes Problem. Dieser Test gibt Hinweise auf die Intensität der Läsionen und wie stark einzelne Segmente fazilitiert sind; mit anderen Worten, wie fit oder überlastet die Kompensationsmechanismen des Patienten sind.

Global Listening im Sitzen
Der in Kap. 4.5.1.1 beschriebeneGlobal Listeningim Sitzen Test wird im Sitzen wiederholt, um die Einflüsse der unteren Extremitäten beurteilen zu können (Abb. 4.8).
Bewertung: Ändern sich die Ergebnisse des Listening im Sitzen, liegt neben einer Hauptstörung in den unteren Extremitäten vermutlich auch noch eine Störung vor, die im Sitzen deutlicher wird. Ändern sich die Ergebnisse des Listening im Sitzen nicht, liegen keine zusätzlichen Läsionen in den unteren Extremitäten vor.

Statischer und dynamischer Screening-Test

Hierbei werdenScreening-Teststatischer und dynamischer die myofaszialen Ketten in den drei Ebenen des Körpers getestet. Es wird empfohlen, sich zuerst noch einmal Kap. 2.1.5.9 durchzulesen.
Der Screening-Test liefert ebenso wie das Global Listening grobe Anhaltspunkte dafür, in welchem Bereich oder in welcher Höhe sich Störungen befinden. Für eine genauere Abklärung der betroffenen Strukturen sind dann weitere Tests nötig.
Frontale Ebene
Patient: stehend, beide Füße parallelScreening-Teststatischer und dynamischerfrontale/sagittale/transversale Ebene und auf gleicher Höhe
Therapeut: stehend
Ausführung: Bei der Haltung des Patienten in der frontalen Ebene z. B. auf skoliotische Haltungen, strukturelle Skoliosen und Shifts achten.
Testen der seitlichen Strukturen
Ausführung:
  • Den Patienten bitten, sich entspannt seitlich zu beugen, zuerst zu einer Seite, dann zur anderen Seite.

  • Beobachten, welche Bereiche sich nicht dehnen lassen.

Bewertung: Nicht dehnbare Bereiche, z. B. wenn im Bereich der unteren BWS die Seitneigung nach links eingeschränkt ist, können hinweisen auf:
  • Wirbelblockierungen in Konvergenz auf der heterolateralen Seite (in unserem Beispiel rechts)

  • Wirbelblockierungen in Divergenz auf der homolateralen Seite (in unserem Beispiel links)

  • Verspannungen oder Verkürzungen der heterolateralen myofaszialen Ketten (in unserem Beispiel rechte KPM und KAM und rechte GAM und GPM)

  • Eine tiefer liegende viszerale Spannungs- oder Verklebungsproblematik auf der heterolateralen Seite (in unserem Beispiel rechts), die seitliche Ketten homolateral zu entlasten versuchen

  • Eine tiefer liegende viszerale Stauungsproblematik auf der homolateralen Seite (in unserem Beispiel links), die seitliche Ketten heterolateral (in unserem Beispiel rechts) zu entlasten versuchen

Transversale Ebene
Patient: am besten sitzend, beideScreening-Teststatischer und dynamischerfrontale/sagittale/transversale Ebene Füße parallel
Therapeut: stehend
Ausführung:
  • Bei der Haltung des Patienten in der transversalen Ebene z. B. auf Verdrehungen oder einen Gibbus achten.

  • Den Patienten bitten, sich entspannt erst zu einer Seite und dann zur anderen Seite zu drehen.

Bewertung:
  • Bei der Rotation nach rechts werden folgende Strukturen getestet:

    • Dehnbarkeit der rechten KAM und der linken KPM

    • Gleitschichten der Recessus von subdiaphragmalen Organen wie Leber, Magen, Milz

  • Bei der Rotation nach links werden folgende Strukturen getestet:

    • Dehnbarkeit der linken KAM und der rechten KPM

    • Gleitschichten der Recessus von subdiaphragmalen Organen wie Leber, Magen, Milz

Sagittale Ebene
Patient: stehend, beide FüßeScreening-Teststatischer und dynamischerfrontale/sagittale/transversale Ebene parallel
Therapeut: stehend seitlich neben dem Patienten
Ausführung: Bei der Haltung des Patienten in der sagittalen Ebene auf verstärkte Lordosen, Kyphosen oder Delordosierungen achten.
Phase 1: Testen der dorsalen Strukturen
Ausführung: Den PatientenScreening-Teststatischer und dynamischerdorsale/ventrale Strukturen bitten, sich entspannt vornüber zu beugen und eventuell den Boden mit den Fingerspitzen zu berühren.
Bewertung: Bereiche, die sich nicht dehnen lassen, können hinweisen auf:
  • Wirbelblockierungen in Konvergenz

  • Myofasziale Verspannungen oder Verkürzungen der hinteren Ketten

  • Eine viszerale Stauungsproblematik, die hintere Ketten zu entlasten versuchen

  • Hypermobile Regionen, die oft ober- oder unterhalb der nicht dehnbaren Bereiche auftreten und sich hierbei mit einem Knick nach vorn darstellen

Phase 2: Testen der ventralen Strukturen
Ausführung: Den PatientenScreening-Teststatischer und dynamischerdorsale/ventrale Strukturen bitten, sich entspannt nach hinten zu lehnen.
Bewertung: Bereiche, die sich nicht dehnen lassen, können hinweisen auf:
  • Wirbelblockierungen in Divergenz

  • Myofasziale Verspannungen oder Verkürzungen der vorderen Ketten

  • Eine viszerale Spannungs- oder Verklebungsproblematik, die vordere Ketten zu entlasten versuchen

Allgemeiner faszialer Screening-Test

Dieser Test wird ScreeningScreening-Testfaszialer genannt, weil der Patient dreidimensional überprüft wird („durchleuchten“). Es geht auch hier wieder darum, eventuelle Störungen oder Spannungen aufzuspüren. Dieser Test ermöglicht, innerhalb weniger Minuten den ganzen Körper des Patienten zu durchwandern. „Verdächtige“ Regionen sollten dann eingehender untersucht werden.
Frontale Ebene
Patient: in RückenlageScreening-Testfaszialerfrontale Ebene
Therapeut: am Fußende stehend
Phase 1: Faszialer Test mit Traktion an der unteren Extremität
Patient: inExtremitätuntere, faszialer Testmit Traktion Faszialer Testmit Traktionuntere ExtremitätRückenlage
Therapeut: am Fußende stehend
Handposition: Ein Bein des Patienten unterhalb des unteren Sprunggelenks umgreifen.
Ausführung (Abb. 4.9):
  • Das Bein in annähernd neutrale Haltung anheben.

  • Eine langsam stärker werdende Traktion in der Längsachse des Körpers ausführen, progressiv vom Sprunggelenk bis hin zum Hüftgelenk.

  • Nach der Bewertung am anderen Bein wiederholen.

Bewertung:
  • Überprüfung der Spannung bis zum Hüftgelenk

  • Wahrnehmung der Dekoaptationsfähigkeit des angepeilten Gelenks

  • Seitenvergleich

Phase 2: Faszialer Test mit Kompression an der unteren Extremität
Patient: in Extremitätuntere, faszialer Testmit KompressionFaszialer Testmit Kompressionuntere ExtremitätRückenlage
Therapeut: am Fußende stehend
Handposition: Ein Bein des Patienten unterhalb des unteren Sprunggelenks umgreifen.
Ausführung:
  • Das Bein in annähernd neutrale Haltung anheben.

  • Eine langsam stärker werdende Kompression in der Längsachse des Körpers ausüben, progressiv vom Sprunggelenk bis hin zum Hüftgelenk.

  • Nach Bewertung am anderen Bein wiederholen.

Bewertung:
  • Überprüfung der Belastbarkeit der Gelenke und Gewebe bis zum Hüftgelenk

  • Wahrnehmung eventueller Ausweichbewegungen

  • Seitenvergleich

Phase 3: Faszialer Test mit Traktion von Becken, unterer Wirbelsäule und Abdomen
Patient: inBeckenfaszialer Test mit Kompression/Traktion RückenlageAbdomenfaszialer Test mit Kompression/TraktionWirbelsäule, untere, faszialer Test mit Kompression/TraktionFaszialer Testmit TraktionBeckenFaszialer Testmit Traktionuntere WirbelsäuleFaszialer Testmit TraktionAbdomen
Therapeut: am Fußende stehend
Handposition: Ein Bein des Patienten unterhalb des unteren Sprunggelenks umgreifen (Abb. 4.10).
Ausführung:
  • Bei innenrotierter Hüfte das Bein anheben und bewegen.

  • Eine langsam stärker werdende Traktion in der Längsachse des Körpers bis zum Becken und zur LWS ausführen und auf Widerstand achten.

  • Nach der Bewertung am anderen Bein wiederholen.

Bewertung:
  • Allgemeiner Eindruck von der Beweglichkeit des Iliums in Outflare und der LWS bei heterolateraler Seitneigung sowie eventuelle Hinweise auf starke Spannungen oder einen deutlichen Widerstand (Verklebungen oder Verspannungen) im Bereich der Fossa iliaca

  • Seitenvergleich

Phase 4: Faszialer Test mit Kompression von Becken, unterer Wirbelsäule und Abdomen
Patient: in Beckenfaszialer Test mit Kompression/TraktionRückenlageAbdomenfaszialer Test mit Kompression/TraktionWirbelsäule, untere, faszialer Test mit Kompression/TraktionFaszialer Testmit KompressionBeckenFaszialer Testmit Kompressionuntere WirbelsäuleFaszialer Testmit KompressionAbdomenRückenlage
Therapeut: am Fußende stehend
Handposition: Ein Bein des Patienten unterhalb des unteren Sprunggelenks umgreifen.
Ausführung:
  • Das Bein leicht anheben.

  • Eine langsam stärker werdende Kompression in der Längsachse des Körpers bis zum Becken und zur LWS ausüben und insbesondere auf Widerstand achten.

  • Nach der Bewertung am anderen Bein wiederholen.

Bewertung:
  • Allgemeiner Eindruck von der Beweglichkeit des Iliums in Inflare und der LWS in homolateraler Seitneigung sowie eventuelle Hinweise auf starken Widerstand (Stauungen oder Blähungen im viszeralen Bereich) in Höhe der Fossa iliaca

  • Seitenvergleich

Phase 5: Faszialer Test mit Traktion an der oberen Extremität
Patient: in Extremitätobere, faszialer Testmit TraktionFaszialer Testmit Traktionobere ExtremitätRückenlage
Therapeut: am Fußende stehend
Handposition: Einen Arm des Patienten direkt am Übergang zur Hand umgreifen.
Ausführung (Abb. 4.11):
  • Den Arm des Patienten über den Kopf anheben.

  • Eine langsam stärker werdende Traktion in der Längsachse des Körpers ausführen.

  • Bei Schulterbeschwerden die Traktion in neutraler bzw. schmerzfreier Haltung direkt an der Schulter ausführen.

  • Nach der Bewertung am anderen Arm wiederholen.

Bewertung:
  • Überprüfung der Spannung bis in das Schultergelenk

  • Wahrnehmung der Dekoaptationsfähigkeit des angepeilten Gelenks

  • Seitenvergleich

Phase 6: Faszialer Test mit Kompression an der oberen Extremität
Patient: in Extremitätobere, faszialer Testmit KompressionFaszialer Testmit Kompressionobere ExtremitätRückenlage
Therapeut: am Fußende stehend
Handposition: Einen Arm des Patienten umgreifen.
Ausführung:
  • Den Arm des Patienten über den Kopf anheben.

  • Eine langsam stärker werdende Kompression in der Längsachse des Körpers ausüben.

  • Bei Schulterbeschwerden die Kompression in neutraler Haltung ausführen.

  • Nach der Bewertung am anderen Arm wiederholen.

Bewertung:
  • Überprüfung der Belastbarkeit von Gelenken und Gewebe bis in das Schultergelenk

  • Seitenvergleich

Phase 7: Faszialer Test mit Traktion von Brustkorb und oberer Wirbelsäule
Patient: in Brustkorb/-raumfaszialer Test, mit Kompression/TraktionBrustwirbelsäule, faszialer Testmit Kompression/TraktionFaszialer Testmit TraktionBrustkorbFaszialer Testmit Traktionobere WirbelsäuleRückenlage
Therapeut: am Fußende stehend
Handposition: Einen Arm des Patienten umgreifen.
Ausführung:
  • Den Arm des Patienten über den Kopf anheben und eine langsam stärker werdende Traktion in der Längsachse des Körpers ausführen.

  • Bei Schulterbeschwerden die Traktion in neutraler Haltung direkt an der Schulter durchführen.

  • Beobachten, wie zuerst die Schulter, dann zunehmend die Rippen und sogar der Rippenbogen und die unteren Rippen angehoben werden.

  • Nach der Bewertung am anderen Arm wiederholen.

Bewertung:
  • Bewegungsablauf beobachten

  • Eventuelle Verklebungen oder Verspannungen im Zwerchfell- und Rippenbereich überprüfen

  • Seitenvergleich

Phase 8: Faszialer Test mit Kompression von Brustkorb und oberer Wirbelsäule
Patient: in Brustkorb/-raumfaszialer Test, mit Kompression/TraktionBrustwirbelsäule, faszialer Testmit Kompression/TraktionFaszialer Testmit KompressionBrustkorbFaszialer Testmit Kompressionobere WirbelsäuleRückenlage
Therapeut: am Fußende stehend
Handposition: Einen Arm des Patienten umgreifen.
Ausführung:
  • Den Arm des Patienten über den Kopf anheben, bei Schulterbeschwerden in eine neutrale bzw. schmerzfreie Haltung.

  • Eine langsam stärker werdende Kompression in der Längsachse des Körpers ausüben.

  • Bei Schulterbeschwerden die Kompression in neutraler Haltung direkt und gezielt an der Schulter ausführen.

  • Beobachten, wie sich zuerst die Schulter, dann zunehmend die Rippen und sogar der Rippenbogen und die unteren Rippen senken.

  • Nach der Bewertung am anderen Arm wiederholen.

Bewertung:
  • Bewegungsablauf beobachten

  • Eventuelle Verklebungen oder Stauungen im Zwerchfell- und Rippenbereich wahrnehmen

  • Seitenvergleich

Alternativ:
Patient: in Rückenlage
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition:
  • Mit beiden Händen die Flanken des Brustkorbs umgreifen.

  • Abwechselnd eine Seite zur anderen Seite hinüberschieben.

Phase 9: Faszialer Test an der Wirbelsäule
Patient: in Faszialer TestWirbelsäuleRückenlage
Therapeut: am Kopfende auf einem Stuhl sitzend
Handposition:
  • Den Kopf der Patientin umgreifen.

  • Mit den Fingerspitzen beider Hände bilateral das Okziput berühren.

Ausführung (Abb. 4.12): Eine sanfte, zunehmend stärker werdende Traktion ausüben.
Bewertung:
  • Eindruck von der faszialen Bewegungsfreiheit bis hinunter zum lumbosakralen Bereich

  • Seitenvergleich beider Körperhälften

Transversale Ebene
Phase 1: Faszialer Test mit Rotation an der unteren Extremität
Patient: in Extremitätuntere, faszialer Testmit RotationRückenlageScreening-Testfaszialertransversale EbeneFaszialer Testmit Rotationuntere Extremität
Therapeut: am Fußende neben dem Patienten stehend
Handposition: Mit einer Hand den Oberschenkel, mit der anderen Hand den Unterschenkel des Patienten umgreifen.
Ausführung (Abb. 4.13):
  • Oberschenkel rhythmisch in Innen- und Außenrotation führen.

  • Technik nach der Bewertung auf der anderen Seite wiederholen und vergleichen.

Bewertung: Entspanntheit und harmonische Bewegungsfreiheit auswerten.
Phase 2: Faszialer Test mit Rotation in der Beckenregion
Patient: in Beckenregionfaszialer Test mit RotationFaszialer Testmit RotationBeckenregionRückenlage
Therapeut: in Beckenhöhe neben dem Patienten stehend
Handposition: Mit den Händen die beiden Ilia in Höhe der SIPS umgreifen.
Ausführung: Abwechselnd das linke und das rechte Ilium rhythmisch in Innenrotation und nach anterior bewegen (Abb. 4.14).
Bewertung: Entspanntheit und harmonische Bewegungsfreiheit auswerten.
Im Anschluss:
Handposition: Bilateral die Ilia in Höhe der SIAS umgreifen.
Ausführung: Abwechselnd das linke und das rechte Ilium in Außenrotation und nach posterior schaukeln (Abb. 4.15).
Bewertung: Entspanntheit und harmonische Bewegungsfreiheit auswerten. Auf die Beckenläsionen achten: ein Ilium in Innenrotation bzw. Anteriorität und das andere Ilium in Außenrotation bzw. Posteriorität.
Phase 3: Faszialer Test mit Rotation der LWS
Patient: in Lendenwirbelsäulefaszialer Test mit RotationFaszialer Testmit RotationLendenwirbelsäuleRückenlage
Therapeut: in Beckenhöhe neben dem Patienten stehend
Handposition: Mit beiden Händen paravertebral die Lendenregion umgreifen, die Fingerspitzen liegen in Höhe der Procc. costales der LWS.
Ausführung: Locker und leicht eine rhythmische Rotation der LWS ausführen und dabei auf Verspannungen und Bewegungseinschränkungen achten (Abb. 4.16).
Phase 4: Faszialer Test mit Rotation der BWS und des Brustkorbs
Patient: in Brustwirbelsäule, faszialer Testmit RotationFaszialer Testmit RotationBrustwirbelsäuleFaszialer Testmit RotationBrustkorbRückenlage
Therapeut: In Höhe des Beckens neben dem Patienten stehend, teilt er in Gedanken jede Brustkorbhälfte grob in 4–5 Abschnitte ein.
Handposition 1: Am kaudalsten Abschnitt beginnend die Rippen bilateral von dorsal umgreifen, die Fingerspitzen befinden sich dabei in Höhe der Proc. transversi der BWS.
Ausführung 1: Mit einigen lockeren Griffen nacheinander die verschiedenen Bereiche des Brustkorbs rhythmisch heterolateral nach links und rechts (entspricht einer Innenrotation der Rippen) rotieren (Abb. 4.17).
Bewertung: Auf steife, unbewegliche Bereiche achten.
Handposition 2: Beide Hände ventrolateral auf den Brustkorb legen.
Ausführung 2: Die verschiedenen Bereiche des Brustkorbes jetzt mit homolateraler Rotation nach links und rechts (entspricht einer Außenrotation der Rippen) bewegen (Abb. 4.18).
Bewertung: Auf eingeschränkte, steifere Bereiche achten.
Phase 5: Faszialer Test der HWS
Patient: in Halswirbelsäule, faszialer TestFaszialer TestHalswirbelsäuleRückenlage
Therapeut: am Kopfende auf einem Stuhl sitzend
Handposition: Den Kopf des Patienten umgreifen, dabei die Fingerspitzen beider Hände bilateral neben die Proc. spinosi der HWS setzen.
Ausführung:
  • Die HWS sanft und rhythmisch rotieren.

  • Thorakozervikal beginnend und allmählich nach kranial aufsteigend.

Bewertung: Auf eingeschränkte, steifere Bereiche achten.
Sagittale Ebene
Patient: in BauchlageScreening-Testfaszialersagittale Ebene
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Phase 1: Faszialer Test mit ventral gerichtetem Druck
Handposition: ZunächstFaszialer Testmit ventral gerichtetem Druck beide Hände übereinander auf das Sakrum legen.
Ausführung:
  • Wirbelsäule des Patienten in Gedanken in ungefähr 6–8 Bereiche aufteilen und sakral beginnen.

  • Sakrum sanft und vorsichtig ventralwärts in Richtung Liege drücken (Abb. 4.19).

  • In ungefähr 6–8 Stufen kranialwärts bis zum Schädel hinaufwandern.

Bewertung: Auf steife, unbewegliche Bereiche achten.
Phase 2: Faszialer Test mit Divergenzdruck
Handposition:
  • BeideFaszialer Testmit Divergenzdruck Unterarme überkreuzen.

  • Die Hände zunächst lumbosakral hintereinander auf die Wirbelsäule legen, eine Hand auf das Sakrum und die andere auf die LWS.

Ausführung:
  • Wirbelsäule des Patienten in Gedanken in ungefähr 4–6 Bereiche aufteilen.

  • Hände sanft auseinanderdrücken, damit sich das Gewebe „spreizen“ oder „divergieren“ kann (Abb. 4.20).

  • Nach und nach die Wirbelsäule entlang nach kranial wandern.

Bewertung: Auf eingeschränkte, steifere Bereiche achten.
Alternative: Hände paramedian rechts und links der Wirbelsäule aufsetzen.

Local Listening („lokales Hinhören“)

Im GegensatzLocal Listening zum Global Listening (Kap. 4.5.1) kann dieser Test (nach Barral [6]) immer angewendet werden, auch wenn ihn z. B. ein spastischer Hypertonus enorm erschwert. Dieser Test erfordert jedoch vom Therapeuten, dass er sich – anders als bei passiven Bewegungstests – konzentrieren und auf den Patienten einstellen kann. Daher ist es enorm wichtig, selbst nicht gestresst zu sein und sich Zeit zu nehmen.
Local Listening in Rückenlage
Patient: in RückenlageLocal Listeningin Rückenlage
Therapeut: seitlich, in kranialer Ausrichtung, neben dem Patienten sitzend oder stehend
Handposition: Eine Hand entspannt nacheinander auf folgende Bereiche legen (Abb. 4.21):
  • Suprapubisch: Handballen genau oberhalb der Symphysis pubica

  • Umbilikal: Handfläche auf dem Nabel

  • Epigastrisch: Handfläche zwischen Nabel und Proc. xiphoideus

  • Sternal: Handfläche auf dem Corpus sterni

  • Manubrial: Handfläche auf dem Manubrium sterni

  • Hals

  • Oberarm

  • Unterarm

  • Oberschenkel

  • Unterschenkel

Ausführung:
  • Zunächst in jeder Position die Atembewegungen wahrnehmen.

  • Eventuell leichte Bewegungen induzieren und die Reaktion darauf beobachten.

  • Eventuell zusätzlich leichten Druck ausüben.

  • Körperseiten wechseln.

Bewertung:
  • Mit der Zeit ist es möglich, subtile Veränderungen bei den Atembewegungen des Patienten wahrzunehmen.

  • Durch leichten zusätzlichen Druck kann man unterscheiden, ob vom darunterliegenden Gewebe eher Zug oder Druck ausgeht.

  • Ein Seitenvergleich hilft herauszufinden, ob und auf welcher Seite des Körpers es sich um Zug (die Hand wird angezogen) oder Druck (die Hand wird weggedrückt) handelt.

Lokal Listening in Bauchlage
Patient: in Bauchlage, neutraleLocal Listeningin Bauchlage Kopfhaltung
Therapeut: seitlich, in kranialer Ausrichtung neben dem Patienten sitzend oder stehend
Handposition: Eine Hand entspannt nacheinander auf folgende Bereiche legen (Abb. 4.22):
  • Sakral: Handinnenfläche komplett auf dem Sakrum

  • Lumbal

  • Unterer thorakaler Bereich

  • Oberer thorakaler Bereich

  • Nacken

  • Oberarm

  • Unterarm

  • Oberschenkel

  • Unterschenkel

Ausführung:
  • Zunächst in jeder Position Atembewegungen wahrnehmen.

  • Eventuell leichte Bewegungen induzieren und die Reaktion darauf beobachten.

  • Eventuell zusätzlich leichten Druck ausüben.

  • Im Zweifelsfall die Hand nacheinander auf beiden Körperseiten neben der Wirbelsäule auflegen.

  • Eventuell zusätzliche fasziale Tests durchführen.

Bewertung:
  • Mit der Zeit ist es möglich, subtile Veränderungen bei den Atembewegungen des Patienten wahrzunehmen.

  • Durch leichten zusätzlichen Druck kann man unterscheiden, ob vom darunterliegenden Gewebe eher Zug oder Druck ausgeht.

  • Ein Seitenvergleich hilft herauszufinden, ob und auf welcher Seite des Körpers es sich um Zug (die Hand wird angezogen) oder Druck (die Hand wird weggedrückt) handelt.

  • Kombinationen mit anderen Tests verbessern das eigene Gespür und ermöglichen eine Kontrolle und Überprüfung der Ergebnisse.

Abdominales Screening

Voraussetzung: gute KenntnisseScreening-Testabdominaler der Anatomie und Topografie der abdominalenAbdomenScreening Organe
Patient: in Rückenlage, eventuell mit Kissen unter den Knien oder auf der Liege aufgestellten Beinen
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition: Beide Hände liegen entspannt nebeneinander und flach auf der Bauchdecke über den zu untersuchenden Bereichen.
Abdominale Bereiche (Abb. 4.23):
  • Inguinal links (1): z. B. inguinale Lymphknoten sowie Gleitflächen des Colon sigmoideum, des Dünndarms, von linkem Ovar und Tuba uterina, linkem Ureter und der Fascia iliaca

  • Inguinal rechts (3): z. B. inguinale Lymphknoten sowie Gleitflächen des Zäkums, des Dünndarms, der Appendix, von rechtem Ovar und Tuba uterina, rechtem Ureter und der Fascia iliaca

  • Suprapubisch oder hypogastrisch (2): z. B. A. iliaca externa, V. iliaca externa, Gleitflächen des Colon sigmoideum, des Dünndarms, des Uterus, der Harnblase und der Prostata

  • Infraumbilikal links (4): z. B. A. iliaca communis, V. iliaca communis, Gleitflächen des Colon descendens, des Dünndarms, der linken Niere

  • Infraumbilikal rechts (5): z. B. Gleitflächen des Colon ascendens, des Dünndarms, der rechten Niere, des Pankreaskopfes

  • Supraumbilikal links (6): z. B. Aorta, Gleitflächen des Colon descendens, des Magens, der linken Niere und Nebenniere, des Pankreaskörpers und -schwanzes, des Duodenums

  • Supraumbilikal rechts (7): z. B. V. cava inferior, Gleitflächen des Colon ascendens, des Duodenums, des Pankreaskopfes und -körpers, der rechten Niere und Nebenniere

  • Epigastrisch links (8): z. B. Aorta, Gleitflächen der linken Kolonflexur, des Magens, der Milz, der linken Zwerchfellkuppel

  • Epigastrisch rechts (9): z. B. V. cava inferior, Gleitflächen der rechten Kolonflexur, der Gallenblase, des Gallengangs, der Leber, der rechten Zwerchfellkuppel

Ausführung (Abb. 4.24):
  • Unilateral vorsichtig, aber tief mit der einen Hand in den viszeralen Bereich eindringen.

  • Eventuell mit der anderen Hand spüren, wie dabei auch die Organe auf der anderen Körperseite nach lateral geschoben werden.

  • Anschließend mit der Hand auf der anderen Körperseite viszeral eindringen.

Bewertung: Diese systematische Untersuchung der Abdominalregion liefert Informationen über:
  • Die Beweglichkeit und Konsistenz der darunterliegenden Organe (z. B. derb, hart, weich, knotige Veränderungen).

  • Den Freiheitsgrad, womit die Organe beim Eindringen der Hand zur Seite rutschen.

  • Widerstände durch Stauung, Verspannung oder Verklebung. Diese Bereiche sollten dann noch einmal genauer mit Perkussion und Palpation untersucht werden, um zu klären, ob es sich eher um geblähte Darmstrukturen, Verklebungen, Narben oder Hypertrophien von Organen handelt.

Achtung

Bei Druck- oder Loslassschmerzen und abnormer Resistenz können Kontraindikationen vorliegen. Bei jedem Zweifel sollte der Patient zum Arzt überwiesen werden.

Screening des Schädels

Patient: in Rückenlage, evtl. Screening-TestSchädelSchädelScreeningmit Kissen unter den Knien oder auf der Liege aufgestellten Beinen
Therapeut: am Kopfende der Behandlungsliege sitzend, die Unterarme so weit wie möglich auf dem Tisch abgestützt
Phase 1: Viskoelastizität des Schädels in laterolateraler Richtung testen
Handposition:
  • Hände soSchädelKraniosakralrhythmus, Testlaterolaterale Richtung sanft wie möglich bilateral an den Kopf des Patienten legen.

  • Die Zeigefinger befinden sich in Höhe der Ala major des Os sphenoidale, die Mittelfinger in Höhe des Proc. zygomaticus und die Ringfinger in Höhe des Proc. mastoideus des Os temporale, die kleinen Finger in Höhe des Okziputs.

Ausführung:
  • Zuerst beim Listening die kranialen Bewegungen in laterolateraler Richtung wahrnehmen, z. B. wie sich der Schädel in einem bestimmten Rhythmus „ausdehnt“ und „zusammenzieht“ (Abb. 4.25).

  • Sich vor allem auf laterolaterale Veränderungen des Schädeldurchmessers konzentrieren.

  • Dann den Schädel gedanklich in drei Abschnitte einteilen: den Okziputbereich (Abb. 4.26a), den Parietal- und Temporalbereich (Abb. 4.26b) sowie den Sphenoid- und Frontalbereich (Abb. 4.26c).

  • Hintereinander leichten Druck in der transversalen Ebene ausüben, jeden der drei Bereiche separat komprimieren und wieder loslassen.

Bewertung: Viskoelastizität der Schädelknochen und die Beweglichkeit der Suturen beurteilen: Wie lassen sich die Knochen „ineinanderschieben“ und wie federn sie beim Loslassen zurück?
Phase 2: Viskoelastizität des Schädels in dorsoventraler Richtung testen
Handposition: Dem PatientenSchädelKraniosakralrhythmus, Testdorsoventrale Richtung eine Hand unter das Okziput und die andere Hand mit gespreizten Fingern auf das Os frontale legen, mit dem Mittelfinger genau auf der Sutura metopica.
Ausführung (Abb. 4.27):
  • Zuerst beim Listening die kranialen Bewegungen in dorsoventraler Richtung wahrnehmen.

  • Dann in der sagittalen Ebene eine minimale Kompression in dorsoventraler Richtung induzieren und wieder loslassen.

  • Test links und rechts von der Medianebene wiederholen.

Bewertung:
  • Viskoelastizität der Schädelknochen und der Suturen beurteilen.

  • Durch Wiederholung links und rechts der Medianebene: Verformbarkeit der linken und rechten Schädelkuppel beurteilen.

Phase 3: Viskoelastizität des Schädels in kraniokaudaler Richtung testen
Handposition:
  • Eine Hand auf dasSchädelKraniosakralrhythmus, Testkraniokaudale Richtung Schädeldach legen, mit dem Mittelfinger genau auf der Sutura sagittalis.

  • Mit der anderen Hand den Schädel im Stirnbereich leicht unterstützen.

Ausführung (Abb. 4.28):
  • Zuerst beim Listening die kranialen Bewegungen in kraniokaudaler Richtung wahrnehmen.

  • Anschließend in der sagittalen Ebene eine minimale Kompression in kaudaler Richtung induzieren und wieder loslassen.

  • Test links und rechts von der Medianebene wiederholen, dabei mit den Handballen leichten Druck nach kaudal ausüben und eventuell die Fingerkuppen stützend gegen die Wangen des Patienten halten.

Bewertung:
  • Viskoelastizität der Schädelknochen und der Suturen beurteilen.

  • Durch Testwiederholung links und rechts der Medianebene: Verformbarkeit der linken und rechten Schädelkuppel beurteilen.

Neurologische Tests

An dieser StelleNeurologische Tests werden in Zusammenhang mit Kap. 2.5 einige neurologische Tests erwähnt. Ihre Darstellung erfolgt kurz und knapp, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
1. Test der Oberflächensensibilität (feiner Tastsinn) durch leichte BerührungDabei werdenOberflächensensibilität, Test Tastsinnfeinerdie unterschiedlichsten Hautregionen oder Dermatome (Abb. 2.121) mit einem Papiertüchlein oder einem Pinsel getestet, insbesondere wenn sich schon während der Untersuchung oder bei der Anamnese gezeigt hat, dass sie problematisch sein könnten. Ansonsten werden die Extremitäten zirkulär untersucht. Ist die Wahrnehmung dieser feinen Reize gestört, könnten sowohl pathologische Veränderungen auf Ebene des Rückenmarks als auch funktionelle oder pathologische Veränderungen im Foramen-intervertebrale-Bereich zugrunde liegen.
2. Test der Oberflächensensibilität (feiner Tastsinn) durch oberflächliche SchmerzauslösungDabei wird die Haut nur sehr leicht mit der Spitze einer Nadel berührt. Untersucht werden insbesondere Bereiche, bei denen sich schon während der Untersuchung oder durch die Anamnese angedeutet hat, dass sie problematisch sein könnten. Ist die Wahrnehmung dieser feinen Reize gestört, liegen möglicherweise pathologische Veränderungen auf Rückenmarkebene bzw. funktionelle oder pathologische Veränderungen im Foramen-intervertebrale-Bereich zugrunde.
3. Test der Tiefensensibilität (grober Tastsinn) anhand von nachgeahmten BewegungenBei diesen VersuchenTiefensensibilitätTest Tastsinngroberführt der Therapeut eine Extremität des Patienten passiv in eine bestimmte Position, während der Patient die Augen geschlossen hält, und bringt sie dann wieder zurück in die Neutralstellung. Anschließend wird der Patient aufgefordert, diese Bewegung aktiv nachzuahmen. Ungenauigkeiten bei der Bewegung oder der eingenommenen Position deuten auf eine Störung des zentralen Nervensystems hin.
4. ReflextestsHier Reflextesthängen die Ergebnisse vom Reflexbogen ab. Unter dem Einfluss des zentralen Nervensystems können sich die Muskelreaktionen verändern. Es ist sehr wichtig, den entsprechenden Sehnenreflex mindestens 6-mal hintereinander auszulösen. Falls der Reflex dabei immer kleiner wird, könnte das eine beginnende Nervenwurzelkomplikation anzeigen. Dies wird leicht übersehen, wenn man den Reflex nur einmal testet. Der Autor weist aber darauf hin, dass Reflexstörungen nur mit Vorsicht zu interpretieren sind. Viele Autoren betonen, dass eine Hyporeflexie nicht unbedingt auf Nervenwurzelreizung hinweisen muss [52]. Auffällige Reflexabweichungen deuten eher auf eine ernste neurologische Störung hin.
5. KrafttestsMit ihrerKrafttests Hilfe wird die Muskelkraft untersucht. Sie werden immer im Seitenvergleich an den Extremitäten ausgeführt und ausgewertet. Getestet werden die Kennmuskeln in Bezug auf ihre Kraft bei Widerstand [52]:
  • M. iliopsoas für die Segmente L1–L3 durch Hüftbeugung gegen Widerstand

  • Adduktoren für die Segmente L2–L4 durch Hüftadduktion gegen Widerstand

  • M. quadriceps für das Segment L3 durch Kniestreckung gegen Widerstand

  • M. tibialis anterior für das Segment L4 durch Dorsalextension mit Supination des Fußes gegen Widerstand

  • M. extensor hallucis longus für das Segment L5 durch Dorsalextension des Hallux

  • M. peroneus brevis und die Zehenbeuger für das Segment S1 durch Plantarflexion mit Pronation des Fußes

Leichter Kraftverlust kann sowohl durch pathologische Veränderungen auf Rückenmarkebene als auch durch funktionelle oder pathologische Veränderungen im Foramen-intervertebrale-Bereich bedingt sein. Lähmungserscheinungen sind Zeichen einer schweren neurologischen Störung.
6. PeriostschmerzenPeriostschmerzenPeriostschmerzen, z. B. in den Sklerotomen oder periostalen Kennarealen (bestimmten Rückenmarksegmenten zugeordnete Periostbereiche, die in Kombination mit anderen Parametern die Höhenlokalisation einer Nervenwurzelreizung vereinfachen [145, 146]), werden durch Beklopfen mit einem Reflexhammer ausgewertet. Der Autor lässt den Patienten sich im Sitzen vornüber beugen und beklopft die Proc. spinosi dann sanft mit dem Reflexhammer.
Typisch für ein radikuläres Syndrom Radikuläres Syndromist das dumpfe Nachklingen nach dem Beklopfen für eine Dauer von 30 Sekunden bis 3 Minuten. Das kann manchmal so stark sein, dass der Patient sich oder sein Bein wegzieht [145]. Ein leicht irritativer Schmerz, der weder ausstrahlt noch nachklingt, spricht eher für eine Wirbelgelenkläsion, während ein Schmerz mit Ausstrahlung und Echo eher auf eine Nervenwurzelreizung hinweist
Rohde [145, 146] empfiehlt folgende periostale Kennareale auf Klopfschmerz zu untersuchen. Diese Untersuchung wird im Vergleich zur gesunden Seite und zu einem gesunden Nachbarsegment durchgeführt:
  • Proximale bzw. gesamte Tibia für das Segment L4

  • Proximale Fibula für das Segment L5

  • Distales Drittel der Fibula für S1

Aus der Kombination der Parameter 1–6 lassen sich folgende Diagnosen ableiten:
  • SymptomeNeurologische TestsDiagnosen wie ParästhesienParästhesienHyperästhesie, Hyperästhesien oder eventuelle Schmerzen in HautarealenSchmerzenHautareale (nicht in Dermatomen), die peripheren Nerven zugeordnet werden, entstehen eher bei Abklemmung peripherer Nerven und faszialen Engpässen.

  • Symptome wie Parästhesien, Hyperästhesien oder eventuelle Schmerzen in Dermatomen (Abb. 2.121), die manchmal mit leichten Periost-Klopfschmerzen im Wirbelbereich (ohne Echo) oder mit Hyporeflexie verbunden sind, entstehen bei Störungen in Bewegungssegmenten oder durch fazilitierte Rückenmarksegmente mit Nervenwurzelreizung.

  • Symptome wie AnästhesienAnästhesie/HypästhesieHypästhesie oder Schmerzen in DermatomenSchmerzenDermatome, die mit Periost-Klopfschmerzen im Wirbelbereich (mit Echo), Spontanschmerz in Sklerotomen, Lähmungserscheinungen und Areflexie/Hyporeflexie einhergehen, entstehen bei neurologischen Erkrankungen (auch schweren Bandscheibenvorfällen) mit Nervenwurzelbeteiligung.

  • Symptome wie Anästhesie einer ganzen Extremität, Tiefensensibilitätsstörungen sowie spastische Lähmungen mit HypertonusLähmungen, mit Hypertonus, vor allem der Anti-Schwerkraft-Muskeln, und Hyperreflexie oder manchmal mit Kloni entstehen bei neurologischen Erkrankungen des zentralen Nervensystems, insbesondere bei Beteiligung des oberen motorischen Neurons.

  • Symptome wie Anästhesie einer ganzen Extremität, Tiefensensibilitätsstörungen sowie schlaffe Lähmungen mit Hypotonus separater Muskelgruppen des Myotoms und Hyporeflexie/Areflexie entstehen bei neurologischen Erkrankungen des zentralen Nervensystems, insbesondere bei Beteiligung des unteren motorischen Neurons.

Zusammenfassung

Orientierungsschema für die Praxis

  • Bei peripheren NervenstörungenNerven(wurzel)störungenperiphere, z. B. durch fasziale Engpässe, können im zentralen Hautbereich dieser Nerven Schmerzen (Algesie), AlgesieParästhesie bzw. Ästhesie ohne Ausstrahlung in Dermatome entstehen.

  • Bei NervenwurzelstörungenNerven(wurzel)störungen und fazilitierten Rückenmarksegmenten können Schmerzen (Algesie), Parästhesie bzw. Ästhesie, die in mehrere benachbarte DermatomeDermatomSchmerzen ausstrahlen, sowie Klopfschmerzen in periostalen Kennarealen mit oder ohne Echo entstehen. Leichte Kraftverluste sollten sehr aufmerksam registriert werden, und es sollte abgeklärt werden, ob pathologische Veränderungen im Wirbel- oder Diskusbereich der Grund sein könnten.

  • Bei Rückenmarkerkrankungen oder radikulären Syndromen kommt es zu Anästhesien, Störungen der TiefensensibilitätTiefensensibilitätStörungen und Lähmungserscheinungen.

Untersuchung der parietalen Beckenregion

Statische Untersuchung im Stehen

Ziel: SystematisierungBeckenregionparietale, Untersuchung der Befunde, Überprüfung einer vermuteten anatomischen Beinlängendifferenz. Diese Tests können nur in Kombination mit dynamischen Tests ausgewertet werden.
Patient:
  • Steht entspannt und ist bis auf Slip bzw. Slip und BH entkleidet

  • Füße parallel (ohne Rotation) zusammen, Arme frei und entspannt herabhängend

Therapeut: hinter dem Patienten stehend
Inspektion: Interessant sindBeckenregionReferenzpunkte, frontale Ebene hauptsächlich vier Referenzpunkte in der frontalen Ebene. Dabei werden linke und rechte Seite verglichen (Abb. 4.29):
  • 1.

    Höhe der SIAS

  • 2.

    Höhe der Crista iliaca

  • 3.

    Höhe der SIPS

  • 4.

    Höhe des Trochanter major

Bewertung:
  • Liegen die vier Referenzpunkte links und rechts alle auf gleicher Höhe, sollte anhand weiterer Tests unterschieden werden zwischen

    • einer ausgeglichenen Statik (Tensegrity) des Beckens mit normal beweglichen Beckengelenken,

    • einer bilateralen Läsion, wie z. B. ein Ilium posterior auf beiden Seiten oder ein Sakrum anterior bilateral.

  • Liegen die vier Referenzpunkte auf einer Seite höher oder niedriger, sollte anhand weiterer Tests unterschieden werden zwischen

    • einer anatomischen Beinlängendifferenz; anhand dieser Technik lässt sich schon grob abschätzen, wie groß der Längenunterschied ist. Bei Bedarf wird der Patient zum Radiologen überwiesen.

    • einer funktionellen Beinlängendifferenz: z. B. durch Pes planus, Pes planotransversus oder Achsabweichungen im Kniegelenk (Genu varus oder valgus, flexum oder recurvatum).

    • Wenn der Patient zusätzlich starke Schmerzen und eine stark skoliotische Haltung hat, kann es sich um einen Up-Slip der einen Seite oder einen Down-Slip der anderen Seite handeln. Typisch ist, dass dann die Beweglichkeit in weiteren Tests in allen Richtungen komplett eingeschränkt ist. Diese Läsion entsteht immer posttraumatisch.

Hinweis

Beinlängendifferenz

Die BeckengelenkeBeinlängendifferenz werden versuchen, eine vorhandene Beinlängendifferenz – unabhängig von der Ursache – zu kompensieren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass auch Sakrum und LWS entsprechende kompensatorische Positionen einnehmen. In den meisten Fällen liegt dann eine lumbale skoliotische Haltung vor.
Keinesfalls bleiben die Hüftgelenke unverändert auf die unterschiedlich hohen Femurköpfe eingestellt. Im Gegenteil: Die Ilia werden dazu neigen, sich auf dem „längeren“ Bein nach posterior und auf dem „kürzeren“ Bein nach anterior zu drehen.
Wenn bei einer anatomischen Beinlängendifferenz z. B. das Bein auf der linken Seite länger ist, wird sich der Patient wohl fühlen, solange er zur Kompensation das Ilium links CF posteriorisieren und/oder das Ilium rechts CF anteriorisieren kann. Größere Probleme werden erst auftreten, wenn solche Kompensationsbewegungen der Ilia nicht mehr möglich sind und sich z. B. das linke Ilium anterior IS einstellt (traumatische Dekompensation bzw. Verlust der Kompensationsmöglichkeit).
Natürlich kann sich auch bei einem Patienten mit kompensatorischem Ilium posterior CF auf Dauer eine Ilium-posterior-Läsion entwickeln (überkompensiertes Stadium), die ihm aber dennoch ermöglicht, relativ gut mit seinem anatomisch längeren Bein zurechtzukommen. Nur wenn er das Ilium bei bestimmten Bewegungen anteriorisieren muss, wird ihm das Schwierigkeiten bereiten.
Insgesamt ist es wichtig, dass die anatomische Beinlängendifferenz nicht mehr als 1 cm beträgt, weil sonst die Kompensationsmöglichkeiten des Patienten überfordert werden.
In den ersten Behandlungssitzungen rät der Autor nie zu einer Schuherhöhung. Fällt der Patient aber trotz Behandlung immer wieder in alte Bewegungsmuster zurück, kann es durchaus sinnvoll sein, dass er einen Schuh mit einer Erhöhung trägt.
  • Wenn auf einer Seite die SIPS höher und die SIAS tiefer steht, deutet das auf eine Beckenverdrehung hin. Sind außerdem die Iliosakralsulki unterschiedlich tief, bestätigt dies die Vermutung. Allerdings kann es sich auch um Muskelverspannungen, um Gelenkblockierungen oder um beides zusammen handeln. Außerdem gibt es hier häufig anatomische Asymmetrien, sodass SIPS und SIAS links und rechts nicht spiegelbildlich sind.

Ob die Beckengelenke tatsächlich eine Läsion aufweisen, kann nur durch Bewegungstests geklärt werden. Zusätzlich sollte man die Muskeln auf mögliche Verkürzungen untersuchen. Weitere Tests müssen aufklären, welche Seite problematisch ist oder ob vielleicht beide Seiten Schwierigkeiten aufweisen.
Interessant ist außerdem, auf folgende Punkte zu achten (Abb. 4.30):
  • Tiefe der ISG: Ein vertiefter Sulkus kann auf ein Ilium posterior bzw. Sakrum anterior hindeuten. Eine genauere Abklärung erfolgt auch hier erst durch Bewegungstests.

  • Abweichung von der medianen sagittalen Ebene: Sind z. B. SIPS und SIAS auf einer Seite weiter von dieser Medianebene entfernt als auf der anderen Seite, kann das ein Indiz für eine Outflare-Stellung auf der einen oder für eine Inflare-Stellung auf der anderen Seite sein. Ob es sich um eine Läsion handelt, sollte mit Bewegungstests geklärt werden.

  • Verspannung, Wölbung oder Atrophie der paravertebralen, glutealen oder ischiokruralen Muskeln sowie des M. quadriceps, M. quadratus lumborum und M. latissimus dorsi. Muskeltests geben hier weiteren Aufschluss.

Merke

Es ist wichtig, diese Testergebnisse mit den Ergebnissen von Joint-Play-Tests zu vergleichen. Für die Diagnosestellung ist ein Zeichen allein niemals ausreichend.

  • Sind die Unterschiede bei den aufgeführten Punkten im Sitzen ausgeprägter als im Stehen, weist dies auf eine Problematik aus kranialer Richtung (z. B. Wirbelsäule, Bauchorgane, kraniosakrales System) hin.

  • Sind die Unterschiede bei den aufgeführten Punkten im Stehen ausgeprägter als im Sitzen, weist dies eher auf eine Problematik in den unteren Extremitäten oder der Beckengelenke hin.

Tests der Beckenmuskulatur

Diese Tests zählenBeckenmuskulaturTests zu den osteopathischen Grundkenntnissen und werden daher nur kurz erläutert, ohne ins Detail auf die verschiedenen Auswertungen einzugehen.
Ein Muskelhypertonus entsteht zwar meist sekundär, doch wenn Verspannungen länger bestehen, können sich mit der Zeit aus Muskelverkürzungen eigenständige Läsionen entwickeln. Sie sollten zusätzlich zur Primärläsion behandelt werden. Da die osteopathische Behandlung „ganzheitlich“ erfolgt, reicht es nicht immer aus, nur die primär entstandenen Läsionen zu korrigieren.
Test des M. gluteus maximus und der Ligg. sacrospinale und sacrotuberale
Der M. gluteus maximusMusculus(-i)gluteus maximusTestLigamentum(-a)sacrospinaleTestLigamentum(-a)sacrotuberaleTest verbindet das Femur mit Sakrum und Os coccygis. Er zieht das Ilium nach posterior und in Outflare-Stellung und bewegt das Sakrum nach posterior.
Patient: in Rückenlage
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Ausführung (Abb. 4.31):
  • Mit einer Hand das Bein des Patienten im Hüft- und Kniegelenk beugen.

  • Maximale Hüftflexion bei gleichzeitig leichter Adduktion und Innenrotation der Hüfte.

  • Muskuloligamentäre Spannung mit der anderen Seite vergleichen.

  • Test des Lig. sacrotuberale: Mit einer Hand am Knie die Hüfte vor allem in Flexion und ganz leichte Adduktion führen, während die andere Hand auf dem Lig. sacrotuberale liegt.

  • Test des Lig. sacrospinale: Mit einer Hand am Knie die Hüfte in Flexion und vor allem in Adduktion bringen, während mit der anderen Hand die Spannungsreaktion im Ligament gespürt wird.

Bewertung:
  • Normalbefund: Die Gelenkbeweglichkeit beträgt normalerweise etwa 120°.

  • Abweichung: Ein fester Bewegungsstopp weist auf eine Kapselschrumpfung hin.

Test der Mm. glutei und des M. tensor fasciae latae
Diese MuskelnMusculus(-i)tensor fasciae lataeTestMusculus(-i)gluteus maximusTestMusculus(-i)gluteus minimusTestMusculus(-i)gluteus mediusTest verbinden das Femur mit dem Ilium. Alle drei wirken als Abduktoren des Hüftgelenks im offenen System und als Outflare-Kräfte des Iliums im geschlossenen System. M. gluteus minimus und M. tensor fasciae latae sind außerdem an Flexion und Innenrotation des Hüftgelenks in einer offenen kinetischen Kette und an der Anteversion des Beckens in einer geschlossenen kinetischen Kette mitbeteiligt.
Patient: in Rückenlage
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition: Unterschenkel des einen Beins mit der kaudalen Hand umgreifen.
Ausführung (Abb. 4.32):
  • Das Bein gestreckt anheben und in Adduktion über das andere Bein führen.

  • Technik am anderen Bein wiederholen.

Bewertung: Muskuläre Spannung im Seitenvergleich und Reaktion des Iliums auswerten, ab wann es sich mitbewegt.
Test der Mm. obturatorii und M. piriformis
In einem offenen SystemMusculus(-i)piriformisTestMusculus(-i)obturatorius(-i)Test fungieren diese Muskeln hauptsächlich als Außenrotatoren der Hüfte, doch im geschlossenen System haben sie ganz andere Wirkungen. So fördern die Mm. obturatorii eher eine Inflare-Bewegung des Iliums und stabilisieren es in der sagittalen Ebene auf dem Femurkopf. Der M. piriformis unterstützt die Ante- oder Posteriorisierung des Sakrums.
Patient: in Bauchlage
Therapeut: am Fußende stehend
Handposition: Beide Fußgelenke umfassen.
Ausführung (Abb. 4.33):
  • Beide Knie des Patienten etwa 90° beugen.

  • Beine langsam nach außen rotieren, damit sich die Hüften langsam zur maximalen Innenrotation bewegen.

Bewertung:
  • Normalbefund: unilateral ist eine Innenrotation bis ungefähr 45° möglich.

  • Ein fester Bewegungsstopp lässt eine Kapselschrumpfung vermuten.

Weitere Tests und Behandlungen dieser Muskeln werden in Kap. 6.1.3.6 besprochen.
Test der Adduktoren
Patient: in AdduktorenTestRückenlage
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition: Unterschenkel umgreifen
Ausführung (Abb. 4.34): Das zu testende Bein des Patienten in Abduktion führen
Bewertung:
  • Beobachten, wann sich das Becken in Seitneigung mitbewegt.

  • Normalbefund: coxofemorale Bewegung bis ungefähr 45°.

Test der Beckenbodenmuskeln
Dieser Test wirdBeckenbodenmuskelnTest in Kap. 6.1.3.4 besprochen.
Test des M. tensor fasciae latae, M. iliopsoas, M. rectus femoris, M. sartorius und Spannungstest des N. femoralis
Patient: in Rückenlage, einMusculus(-i)tensor fasciaeTestMusculus(-i)iliopsoasTestMusculus(-i)rectus femorisTestMusculus(-i)sartoriusTestNervus(-i)femoralisSpannungstestSpannungstestN. femoralis Bein frei in Extension über das Ende der Liege hängend, ein Bein in maximaler Flexion auf der Brust fixiert
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition: Mit der kranialen Hand die Außenseite des Knies umgreifen.
Ausführung (Abb. 4.35):
  • Zunächst die Haltung von Bein und Hüfte beobachten.

  • Durch zusätzliche Adduktion in der Hüfte den M. tensor fasciae latae testen.

  • Durch weitere Innenrotation der Hüfte vor allem den M. sartorius testen.

  • Durch zusätzliche Beugung des Knies den M. rectus femoris testen.

Bewertung:
  • Normalbefund: Das freie Bein hängt in der Horizontalebene oder in Extension darunter.

  • Bleibt es in coxofemoraler Flexion, ist das ein Hinweis auf eine Verkürzung des M. iliopsoas und eventuell auch des M. tensor fasciae latae, M. rectus femoris und M. sartorius.

  • Entsteht dabei ein typischer, in die Dermatome L2–L4 ausstrahlender Schmerz, ist das ein Hinweis auf eine Irritation des N. femoralis (Kap. 2.5.2.1).

  • Führt zusätzliche Beugung des Knies zu einer größeren Hüftflexion, so deutet dies auf eine Verkürzung des M. rectus femoris hin.

Weitere Tests und eingehende Besprechung des M. iliopsoas in Kap. 5.8.
Test der Mm. ischiocrurales
Dieser Test wirdMusculus(-i)ischiocruralesTestStraight-Leg-Raising-TestLasègue-Test auch Straight Leg Raising Test (SLR) oder Lasègue-Test genannt. Der Test der Ischiokruralmuskeln wird wie ein Lasègue-Test durchgeführt und sollte bei Beschwerden im LWS-Bereich behutsam eingesetzt werden.
Patient: entspannte Rückenlage, die Arme neben dem Körper
Therapeut: seitlich neben dem Patienten stehend
Phase 1
Ausführung:
  • Den Patienten bitten, ein Bein gestreckt aktiv anzuheben; beide Seiten testen.

  • Ihn mitteilen lassen, was er fühlt und wo er etwas wahrnimmt.

  • Falls kein akuter Schmerz auftritt, passiv weiter testen.

Bewertung:
  • Normalbefund: schmerzfreie und bis zu einem Winkel von 80–90° unbehinderte Bewegung.

  • Treten hierbei bereits sehr früh im Bewegungsablauf Schmerzen auf, ist das ein Hinweis auf eine akute Nervenwurzelstörung oder eventuell eine ernste Bandscheibenproblematik.

Phase 2
Handposition/Ausführung: Mit einer Hand ein Fußgelenk des Patienten umfassen, das Bein gestreckt langsam passiv anheben und die Reaktionen des Patienten dabei beobachten.
Bewertung: Ein plötzlich einschießender starker Schmerz in Oberschenkel, Wade und/oder Fuß ist Hinweis auf eine Wurzelkompression.
Phase 3
Ausführung:
  • Falls kein starker, sondern nur ein leichter Schmerz oder ein Ziehen auftritt, das Bein so weit senken, bis der Schmerz oder das Ziehen gerade verschwindet.

  • In dieser Position den Fuß des Patienten vorsichtig, aber kräftig in Dorsalextension (Bragard-Test) bringen, eventuell auch mit Innenrotations- und Adduktionsstellung der Hüfte (Bonnet-Test oder Piriformis-Lasègue-Test).

Bewertung:
  • Ein akuter, heftiger, ausstrahlender Schmerz spricht für eine Bandscheibenläsion.

  • Ein ziehender Schmerz deutet auf eine Verkürzung der Mm. ischiocrurales und/oder des M. piriformis hin.

Phase 4
Ausführung:
  • Das Bein des Patienten weiter hoch halten und den Patienten bitten, Kopf und Schultern anzuheben.

  • Diese Bewegung übernehmen und den Kopf weiter in Anteflexion bewegen.

Bewertung:
  • Falls vegetative Symptome auftreten, könnten sie Zeichen einer mechanischen Störung im sympathischen Grenzstrang oder einer meningealen Reizung sein (Brudzinski-Zeichen).

  • Eine lumbale Schmerzverstärkung mit Ausstrahlung in Oberschenkel, Wade und/oder Fuß spricht für eine erhebliche Ischiasreizung (Kernig-Zeichen).

Erweiterter Lasègue-Test
Patient: entspannteLasègue-Test Rückenlage, die Arme neben dem Körper
Therapeut: seitlich neben dem Patienten stehend
Handposition:
  • Mit der kaudalen Hand das gestreckte Bein umgreifen und führen.

  • Die kraniale Hand mit nach kaudal zeigenden Fingerspitzen oder den Handballen auf den Unterbauch legen.

Ausführung (Abb. 4.36):
  • Lasègue-Test durch Veränderung der Beinposition erweitern: Punkt aufsuchen, an dem leichter Schmerz entsteht

  • Das Bein in dieser Position halten und dabei mit der weit gespreizten anderen Hand

    • die Masse der intraperitonealen Organe,

    • die homolaterale Niere und

    • den homolateralen Rippenbogen etwas nach kranial anheben.

Bewertung: Wenn die Schmerzen verschwinden, spielen die intraperitonealen Organe bzw. die Niere oder das Zwerchfell eine Rolle.

Der Autor vermutet, dass fasziale Spannungen eine venöse Stauung im Foramen-intervertebrale-Bereich bewirken und dadurch die Bewegungsfreiheit und Gleitfähigkeit der Nervenwurzeln im Wirbelkanal einschränken können. Durch das Anheben der Organe oder Inhibieren des Zwerchfells dürfte diese Spannung abnehmen und wieder etwas mehr Bewegungsfreiheit ermöglichen.

Test der Mm. ischiocrurales, des M. erector spinae und M. quadratus lumborum
Es ist wichtig, dieseMusculus(-i)ischiocruralesTestMusculus(-i)erector spinaeTestMusculus(-i)quadratus lumborumTest Muskeln zu untersuchen, da sie zu den posterioren Muskelketten gehören.
Patient: stehend
Therapeut: sitzt oder steht und beobachtet
Ausführung: Den Patienten bitten, sich vornüber zu beugen.
Bewertung:
  • Bleibt eine lumbale Lordose aufrechterhalten, weist dies auf eine Verkürzung der paravertebralen Muskeln im Lumbalbereich und des M. quadratus lumborum hin.

  • Eine Flexion der Knie spricht für eine Verkürzung der Mm. ischiocrurales.

Flexionstests

Iliakaler Test bzw. Flexionstest im Stehen (FTS)
Dieser TestFlexionstestIliakaler Test im Stehen wirdFlexionstestim Stehen (FTS) auchVorlaufphänomen Vorlaufphänomen oder Standing-Flexion-Test Standing-Flexion-Testgenannt. Es ist wichtig, sich vorab durch genaue Palpation oder Tests davon zu überzeugen, dass keine asymmetrischen oder symmetrischen Muskelverspannungen vorliegen, da dieser Test sonst wertlos ist.
Patient: stehend, beide Füße parallel
Therapeut: hinter dem Patienten stehend
Handposition: Bilateral die Ilia umfasst halten, sodass die Daumen genau am Unterrand beider SIPS liegen.
Ausführung (Abb. 4.37):
  • Den Patienten bitten, sich langsam so weit vornüber zu beugen, bis er möglicherweise den Boden mit den Fingerspitzen berühren kann.

  • Darauf achten, dass die Rumpfbeugung schon in der HWS beginnt und das Becken so lange wie möglich unbeweglich bleibt.

  • Diese Bewegung einige Male wiederholen lassen.

Bewertung:
  • Normalbefund: Am Ende der Rumpfbeugung befinden sich die SIPS in gleicher Höhe oder haben sich im gleichen Maße bewegt. Die Wirbelgelenke sind interapophysär divergiert und es ist zu einem Posterior-Shift des Beckens gekommen. Grund: Um aufrecht stehen bleiben zu können, muss das Gewicht nach dorsal verlagert werden. Am Ende der Bewegung rotieren die Ilia auf den Femurköpfen nach anterior.

  • Bei einseitig verkürzter Ischiokruralmuskulatur wird der Patient eine Ausweichbewegung zur entsprechenden Seite machen, indem er ein Knie beugt.

  • Positiver FTS: Hochstand oder größeres Bewegungsausmaß einer SIPS am Ende der Rumpfbeuge. Wenn das ISG auf dieser Seite blockiert ist, fehlt das Joint Play und das homolaterale Ilium wird schneller mitgenommen als das nicht blockierte Ilium auf der Gegenseite. Deshalb steht die homolaterale SIPS am Ende der Bewegung höher.

Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass der FTS auch positiv ausfällt, wenn statt der ISG-Blockade eine anatomische Beinlängendifferenz oder eine Verkürzung der Mm. ischiocrurales bzw. des M. quadratus lumborum vorliegt.
Da sich die Ilia im Stehen eher in Outflare-Stellung befinden, wandert die Bewegungsachse des ISG nach kaudal (untere transversale Achse). Es ist zu erwarten, dass eine Störung eher ein Ilium als das Sakrum betrifft (Kap. 3.3 und Kap. 3.4). Ein positiver FTS gibt die Seite der iliakalen Problematik aber nur an, wenn zuvor eine muskuläre Störung ausgeschlossen werden konnte. Ob es sich um eine iliosakrale (Kap. 4.6.5, Kap. 4.6.6, Kap. 4.6.7, Kap. 4.6.8), coxofemorale (Kap. 4.6.13) oder pubische (Kap. 4.6.9) Problematik handelt, muss durch weitere Tests geklärt werden.
Sakraler Test: Flexionstest im Sitzen (FTZ)
DieserSakraler Test im SitzenFlexionstestim Sitzen (FTZ)Vorlaufphänomenim Sitzen Test wird auch Vorlaufphänomen im Sitzen genannt.
Patient: sitzt auf einem Stuhl oder einer so niedrig eingestellten Behandlungsliege, dass beide Füße fest auf dem Boden stehen, die Beine leicht gespreizt und die Arme vor der Brust gekreuzt
Therapeut: hinter dem Patienten sitzend oder in der Hocke
Handposition: Bilateral die Ilia umfasst halten, sodass die Daumen genau am Unterrand beider SIPS liegen.
Ausführung (Abb. 4.38):
  • Den Patienten bitten, sich langsam vornüber zu beugen.

  • Darauf achten, dass die Bewegung wieder kranial in der HWS beginnt und kaudal endet.

  • Gleichzeitig palpieren, wie sich die SIPS mitbewegen.

Bewertung:
  • Einflüsse der unteren Extremitäten sind durch die Sitzhaltung ausgeschlossen.

  • Der erste Teil des Tests gibt Hinweise auf die Seite einer eventuellen sakralen Problematik: Da die beiden Ilia im Sitzen durch die Tubera ischiadica relativ fixiert sind und eine Inflare-Position einnehmen, wandert die Bewegungsachse des SIG weiter nach kranial (mittlere transversale Achse). Daher lässt sich im Sitzen eher auf eine sakrale Problematik schließen (Kap. 3.4).

  • Positiver FTZ: Hochstand oder größeres Bewegungsausmaß einer SIPS am Ende der Rumpfbeuge. Wenn das SIG auf dieser Seite blockiert ist, fehlt das Joint Play und das homolaterale Ilium wird schneller mitgenommen und die homolaterale SIPS wird am Ende der Bewegung höher stehen. Der Test kann die Seite einer sakralen Problematik nur angeben, wenn zuvor eine muskuläre Störung (vor allem vertebrale Muskulatur) ausgeschlossen wurde. Ob es sich um eine sakroiliakale (Kap. 4.6.10 und Kap. 4.6.11), lumbosakrale (Kap. 4.6.14) oder sakrokokzygeale (Kap. 4.6.12) Problematik handelt, muss dann durch weitere Tests überprüft werden.

Mithilfe der Ergebnisse von FTS und FTZ lässt sich näher eingrenzen, ob eine Störung in den unteren Extremitäten, im Becken oder in beiden Bereichen vorliegt. Wenn bei diesen Tests die lumbale Lordose trotz des Vornüberbückens bestehen bleibt, ist eher eine artikuläre (interapophysäre) oder muskuläre Problematik, z. B. des M. erector spinae, im Lendenbereich zu vermuten.
Posteriorisierungstest des Sakrums
Patient: sitzt auf einem StuhlSakrumPosteriorisierungstestPosteriorisierungstest, Sakrum oder einer so niedrig eingestellten Behandlungsliege, dass beide Füße fest auf dem Boden stehen, die Beine leicht gespreizt und die Arme vor der Brust gekreuzt. Um die Testwirkung zu verstärken, können die Hüften eventuell innenrotiert sein. Durch diese Inflare-Stellung der beiden Ilia wandert die transversale Bewegungsachse noch weiter nach kranial und daher bewegt sich während der Rumpfbeugung vor allem das Sakrum.
Therapeut: hinter dem Patienten sitzend oder in der Hocke
Handposition: Beide Daumen liegen median der SIPS im Iliosakralsulkus.
Ausführung:
  • Den Patienten bitten, sich langsam aus der aufgerichteten Position vornüber zu beugen.

  • Darauf achten, dass die Bewegung wieder kranial in der HWS beginnt und kaudal endet.

  • Vor allem darauf achten, ob sich das Sakrum am Ende der Flexion posteriorisiert hat und der Iliosakralsulkus auf beiden Seiten abgeflacht ist.

Bewertung:
  • Normalbefund: LWS-Kyphose und Posteriorisierung des Sakrums (sakroiliakal) aufgrund des größer werdenden abdominalen Drucks, Iliosakralsulkus auf beiden Seiten abgeflacht.

  • Bei unilateraler sakraler Läsion gibt der Test die betreffende Seite an.

  • Wenn sich das Sakrum unilateral nicht posteriorisiert, kann es sich um folgende Läsionen handeln:

    • Unilaterale Sakrum-anterior-Läsion

    • Sakrum-anterior-Läsion um eine schräge Achse (L/L oder R/R)

    • Sakrumrotation nach anterior um die vertikale Achse

  • Wenn beide Iliosakralsulki nicht abgeflacht sind, handelt es sich möglicherweise um:

    • Bilaterale Sakrum-anterior-Läsion

    • Depressed Sacrum

    • Sakrum-anterior-Läsion (L/L oder R/R) mit einer dominanten schrägen Achse

Bei den häufig diagnostizierten Sakrum-anterior-Läsionen ist die Ursache oft im kleinen Becken oder in mehr kranial gelegenen Muskeln und Faszien zu suchen. Sie können daher auf Spannungen oder Verklebungen von Faszien der Beckenorgane – häufig des Lig. sacrouterinum – hinweisen. Nicht selten spielen die geraden und kreuzenden posterioren Myofaszialketten (GPM und KPM; Kap. 2.1.5.5, Kap. 2.1.5.7) eine übergeordnete Rolle bei diesen Läsionen. Daher kommt es in Zusammenhang mit Anterior-Blockierungen des Sakrums auch oft zu kranialen und vertebralen Dysfunktionen.

Merke

  • Bei einem Sakrum anterior sakroiliakal wird sich im sakralen FTZ eine Art „Painful Arc“ andeuten.

  • Bei einem Sakrum posterior sakroiliakal wird der Extensionstest im Sitzen meist positiv ausfallen (Kap. 4.6.4).

Extensionstest im Sitzen (ETZ)

Dieser TestExtensionstest (ETZ)SakrumAnteriorisierungstestAnteriorisierungstest, Sakrum wird auch Anteriorisierungstest des Sakrums genannt.
Patient: sitzt auf einem Stuhl oder einer so niedrig eingestellten Behandlungsliege, dass beide Füße fest auf dem Boden stehen, die Beine leicht gespreizt und die Arme vor der Brust gekreuzt
Therapeut: leicht seitlich hinter dem Patienten stehend
Handposition:
  • Mit einem Arm den Oberkörper des Patienten seitlich vorn umgreifen.

  • Die Fingerspitzen der anderen Hand liegen in den Iliosakralsulki.

Ausführung (Abb. 4.39):
  • Oberkörper passiv in Extension führen.

  • Mit den Fingerspitzen der anderen Hand spüren, ob beim Anteriorisieren des Sakrums die Iliosakralsulki tiefer werden.

Bewertung:
  • Der Test gibt die Seite einer sakralen Läsion an.

  • Wird nur ein Iliosakralsulkus nicht tiefer und kann sich das Sakrum nicht anteriorisieren, handelt es sich um eine Sakrum-posterior-Läsion. Mögliche Formen sind:

    • Unilaterale Sakrum-posterior-Läsion

    • Sakrum-posterior-Läsion um eine schräge Achse (L/R oder R/L)

    • Sakrumrotation nach posterior um die vertikale Achse

  • Wenn beide Iliosakralsulki nicht tiefer werden, handelt es sich möglicherweise um:

    • Bilaterale Sakrum-posterior-Läsion

    • Sakrum-posterior-Läsion (L/R oder R/L) mit einer dominanten schrägen Achse

Häufig ist die Ursache im Beckenausgangsbereich (Beckenboden) oder in den unteren Extremitäten sowie in weiter kranial gelegenen Muskeln und Faszien zu suchen. Die geraden und kreuzenden anterioren Myofaszialketten (GAM und KAM; Kap. 2.1.5.4, Kap. 2.1.5.6) und der Beckenboden spielen nicht selten eine übergeordnete Rolle. Oft stehen auch primäre kraniale Dysfunktionen mit Posterior-Blockierungen des Sakrums in Zusammenhang.

Unilaterales Rücklauf- bzw. Vorlaufphänomen im Stehen

Diese BewegungenVorlaufphänomenunilaterales, im StehenRücklaufphänomen, unilaterales, im Stehen finden zuerst coxofemoral, dann iliosakral und schließlich lumbosakral und lumbal statt. Es sollte darauf geachtet werden, die Bewegungen langsam und ruhig zu steuern, damit insbesondere der kurze iliosakrale Bewegungsabschnitt nicht übersehen wird.
Allgemeine Ausgangsstellung:
Patient: stützt sich im Stehen mit beiden Händen bei ausgestreckten Armen (90°) gegen die Wand
Therapeut: hinter dem Patienten kniend
Handposition: Je nach Test die Daumen auf die entsprechenden Bezugspunkte bzw. in die Iliosakralsulki legen.
Rücklaufphänomen
Ausführung (Abb. 4.40):
  • Divergenz der BezugspunkteRücklaufphänomen, unilaterales, im Stehen und/oder Tiefe des Iliosakralsulkus bei der Bewegung des Patienten palpieren.

  • Patient ein Bein angewinkelt anheben lassen und langsam das Knie- und Hüftgelenk auf dieser Seite flektieren, bis die Bewegung im ISG zu spüren ist.

  • Bezugspunkte:

    • a: Beim Testen des ISG: SIPS auf der zu testenden Seite und Proc. spinosus von S2, getestet wird das Posteriorisieren des Iliums.

    • b: Beim Testen der „Lockerheit“ des Lig. sacrotuberale: AIL auf der zu testenden Seite und das homolaterale Tuber ischiadicum.

    • c: Beim Testen der „Lockerheit“ des Lig. iliolumbale von L4 (verläuft von ventrokranial nach dorsokaudal, Kap. 2.3.4.5): SIPS auf der zu testenden Seite und die homolaterale Seite des Proc. spinosus von L4.

Bewertung:
  • Normalbefund: Am Ende der coxofemoralen Bewegungsphase ist das Ilium iliosakral posteriorisiert und dadurch liegen die Bezugspunkte weiter auseinander.

  • Falls die Bezugspunkte nicht oder im Seitenvergleich zu wenig divergieren und der Iliosakralsulkus nicht tiefer wird, könnte eine ligamentäre, muskuläre oder artikuläre Restriktion vorliegen. Der Test wird dann als positiv bewertet und ermöglicht eventuell eine Differenzierung zwischen einer artikulären und ligamentären Restriktion. Kann sich das Ilium nicht posteriorisieren, wird dies als Ilium-anterior-Läsion definiert.

  • Falls eine der beschriebenen ligamentären Strukturen nicht locker genug, also hyperton ist, wird jede dehnende Bewegung sofort von Muskeln verhindert. Dadurch wird auch die Posteriorisierung des Iliums gehemmt.

Vorlaufphänomen
Ausführung (Abb. 4.41):
  • BezugspunkteVorlaufphänomenunilaterales, im Stehen und/oder die Tiefe des Iliosakralsulkus bei der Bewegung der Patienten palpieren.

  • Patient langsam das Knie- und Hüftgelenk auf der zu testenden Seite strecken lassen, bis die Bewegung im ISG zu spüren ist.

  • Bezugspunkte:

    • a: Beim Testen des ISG: SIPS auf der zu testenden Seite und Proc. spinosus von S2, getestet wird das Anteriorisieren des Iliums.

    • b: Beim Testen der „Lockerheit“ des Lig. iliolumbale von L5 (verläuft von dorsokranial nach ventrokaudal, Kap. 2.3.4.5): ein Punkt auf der Crista iliaca oberhalb der SIPS auf der zu testenden Seite und der Proc. spinosus von L5.

Bewertung:
  • Normalbefund: Am Ende der coxofemoralen Bewegungsphase ist das Ilium iliosakral anteriorisiert und die Bezugspunkte liegen weiter auseinander.

  • Falls die Bezugspunkte nicht oder im Seitenvergleich zu wenig divergieren und der Iliosakralsulkus nicht flacher wird, könnte eine ligamentäre, muskuläre oder artikuläre Restriktion vorliegen. Der Test wird dann als positiv bewertet und ermöglicht eventuell eine Differenzierung zwischen einer artikulären und ligamentären Restriktion. Kann sich das Ilium nicht anteriorisieren, wird dies als Ilium-posterior-Läsion definiert.

  • Falls eine der beschriebenen ligamentären Strukturen nicht locker genug, also hyperton ist, wird jede dehnende Bewegung sofort von Muskeln verhindert. Dadurch wird auch das Anteriorisieren des Iliums gehemmt.

Passive Tests des iliosakralen Gelenkspiels

Hinweis

Long-Lever-Tests, d. h. TestsGelenkspieliliosakrales, passive TestsIliosakralgelenk (ISG)Gelenkspiel, passive TestsIliosakrale Bewegung/BeweglichkeitTests, passive mit langem Hebelarm, können nur ausgeführt werden, wenn das betreffende Hüftgelenk und auch das Kniegelenk normal beweglich sind. Da die Beweglichkeitsprüfung des ISG wegen des unregelmäßigen Aufbaus und der sehr kleinen Bewegungsausschläge schwierig ist, empfiehlt es sich, eventuell mehrere Tests zur Prüfung heranzuziehen.

Untersucht werden hierbei kleine, minimale Bewegungen im ISG, bei denen es um die Qualität, Elastizität und Geschmeidigkeit geht. Wichtig sind kurze und schnelle Testbewegungen. Auch das Zurückfedern des Gewebes kann etwas über das Gelenkspiel aussagen.
Bei diesen Tests ist die Fähigkeit, am Ende der coxofemoralen Beweglichkeit den Übergang zur iliosakralen Beweglichkeit mit der unmittelbar darauffolgenden lumbosakralen und lumbalen Beweglichkeit exakt abzustimmen, das Maß der Dinge. Der größte Fehler bei diesen Tests bzw. Behandlungen besteht in mangelnder Präzision oder ungenauer Lokalisierung.
Long-Lever-Test (Test mit langem Hebelarm) des Iliums
In RückenlageLong-Lever-TestIliumIliumLong-Lever-Tests ist es möglich, das ISG in drei Ebenen zu testen, ohne dass der Patient häufig seine Haltung verändern muss.
Patient: in Rückenlage, die Arme entspannt neben dem Körper
Therapeut: auf der zu untersuchenden Seite neben dem Patienten stehend
Handposition:
  • Mit der kaudalen Hand das zu testende Bein im Kniebereich umfassen und führen.

  • Die Finger der kranialen Hand zum Tasten im Iliosakralsulkus positionieren.

Sagittale Ebene
Ausführung:
  • Mit der kaudalenLong-Lever-TestIliumsagittale Ebene Hand das zu testende Bein im Hüft- und Kniegelenk bis ans Ende des coxofemoralen Gelenkspiels flektieren (Abb. 4.42a)

  • Mit den Fingern der kranialen Hand im Iliosakralsulkus die geringe Beweglichkeit des ISG ertasten.

  • Kurz nacheinander die Hüfte betont flektieren und extendieren.

  • Eventuell in Flexionshaltung der Hüfte in der Leistenbeuge eine kurze, schnelle Traktion nach kaudal (zum Fußende der Liege) ausführen, um das Ilium zu anteriorisieren (Abb. 4.42b)

Bewertung:
  • Eine kurze „betonte“ Flexion der Hüfte oder Traktion der gebeugten Hüfte bewirkt ein Posteriorisieren des Iliums, bei dem die Finger tasten können, dass der Iliosakralsulkus tiefer wird. Wenn sich das Ilium nicht posteriorisieren kann, wird dies als Ilium-anterior-IS-Läsion beschrieben (Abb. 4.42a).

  • Eine kurze, schnelle „betonte“ Extension der Hüfte oder Traktion der gebeugten Hüfte bewirkt ein Anteriorisieren des Iliums, bei dem die Finger tasten können, dass sich der Iliosakralsulkus abflacht. Wenn sich das Ilium nicht anteriorisieren kann, wird dies als Ilium-posterior-IS-Läsion beschrieben (Abb. 4.42b).

Transversale Ebene
Ausführung:
  • Mit derLong-Lever-TestIliumtransversale Ebene kaudalen Hand das zu testende Bein um 90° im Hüft- und Kniegelenk flektieren und dann bis ans Ende des coxofemoralen Gelenkspiels adduzieren bzw. abduzieren (Abb. 4.43a).

  • Mit den Fingern der kranialen Hand im Iliosakralsulkus die geringe Beweglichkeit des ISG ertasten (Abb. 4.43b)

Bewertung:
  • Durch kurzes, schnelles Weiterführen der coxofemoralen Adduktion bei 90°-Flexion der Hüfte (Abb. 4.43a) wird das ISG dorsal auseinander klaffen und sich ventral schließen. Damit lässt sich die Beweglichkeit des Iliums in Innenrotation beurteilen. Wenn sich das Ilium nicht in Innenrotation bewegen kann, wird das als Ilium-IS-Außenrotations-Läsion bezeichnet.

  • Durch kurzes, schnelles Weiterführen der coxofemoralen Abduktion bei 90°-Flexion der Hüfte (Abb. 4.43b) wird das ISG ventral auseinander klaffen und sich dorsal schließen. Damit lässt sich die Beweglichkeit des Iliums in Außenrotation beurteilen. Wenn sich das Ilium nicht in Außenrotation bewegen kann, wird das als Ilium-IS-Innenrotations-Läsion bezeichnet.

Frontale Ebene
Ausführung:
  • Mit der kaudalenLong-Lever-TestIliumfrontale EbeneInflare-Testin RückenlageOutflare-Testin Rückenlage Hand das zu testende Bein um 90° im Hüft- und Kniegelenk flektieren und dann bis ans Ende des coxofemoralen Gelenkspiels innen- bzw. außenrotieren.

  • Mit den Fingern der kranialen Hand im Iliosakralsulkus die geringe Beweglichkeit des ISG ertasten.

Bewertung:
  • Durch eine kurze, schnelle „Druckverstärkung“ der coxofemoralen Innenrotation bei 90°-Flexion der Hüfte (Abb. 4.44a) lässt sich die Inflare-Beweglichkeit des Iliums in der frontalen Ebene beurteilen. Die Finger spüren dabei, wie sich die SIPS nach medial bewegt und der Iliosakralsulkus tiefer wird. Wenn sich das Ilium gut in Inflare, aber nicht in Outflare bewegen kann, wird dies als Ilium-Inflare-Läsion bezeichnet.

  • Durch eine kurze, schnelle „Druckverstärkung“ der coxofemoralen Außenrotation bei 90°-Flexion der Hüfte (Abb. 4.44b) lässt sich die Outflare-Beweglichkeit des Iliums in der frontalen Ebene beurteilen. Die Finger spüren dabei, wie sich die SIPS nach lateral bewegt und sich der Iliosakralsulkus abflacht. Wenn sich das Ilium gut in Outflare, aber nicht in Inflare bewegen kann, wird dies als Ilium-Outflare-Läsion bezeichnet.

Short-Lever-Test (Test mit kurzem Hebelarm) des Iliums in Rückenlage
Allgemeine Ausgangsposition
Patient: in RückenlageShort-Lever-TestIliumin RückenlageIliumShort-Lever-Tests, die Arme entspannt neben dem Körper
Therapeut: neben dem Patienten stehend, mit Blick zum Kopfteil der Liege
Sagittale Ebene
Phase 1
Handposition: Beide Hände bilateral auf die beiden SIAS des Patienten legen.
Ausführung: Mit einer Hand durch dorsolateralen Druck das Becken fixieren und mit der anderen Hand in verschiedenen Ebenen, aber vor allem dorsomedial, das Gelenkspiel des ISG nach dorsal ausprobieren (Abb. 4.45a).
Bewertung: Beurteilen, in welcher Ebene sich das ISG befindet.
Phase 2
Handposition: Eine Hand auf den Bauch des Patienten legen, mit der anderen Hand die SIAS von dorsal umgreifen.
Ausführung: Mit der Hand auf dem Bauch des Patienten das Becken sanft nach dorsal fixieren und mit der anderen Hand die SIPS schnell und kurz nach ventral ziehen (Abb. 4.45b).
Bewertung: Beweglichkeit des Iliums nach anterior beurteilen.
Transversale Ebene
Phase 1
Handposition: Beide Handflächen auf die SIAS des Patienten legen, die Fingerspitzen zeigen zueinander.
Ausführung: Mit den Handballen auf der Außenseite der SIAS einen medianwärts gerichteten Druck ausüben (Abb. 4.46a).
Bewertung: Beweglichkeit des Iliums bilateral in Innenrotation beurteilen.
Phase 2
Handposition: Mit überkreuzten Unterarmen beide Handflächen auf die SIAS des Patienten legen, die Fingerspitzen zeigen nach außen.
Ausführung: Mit den Handballen auf der Innenseite der SIAS einen lateralwärts gerichteten Druck ausüben (Abb. 4.46b).
Bewertung: Beweglichkeit des Iliums bilateral in Außenrotation beurteilen.
Frontale Ebene
Handposition: Die kraniale Hand auf die Crista iliaca legen, während die Fingerspitzen der kaudalen Hand im Iliosakralsulkus ruhen.
Ausführung:
  • Mit der kranialen Hand die Crista iliaca nach kaudolateral drücken und mit den Fingerspitzen der kaudalen Hand die Outflare-Bewegung und das Abflachen des homolateralen Iliosakralsulkus spüren (Abb. 4.47a).

  • Anschließend mit der kaudalen Hand die Crista iliaca nach kraniomedial drücken und mit den Fingerspitzen der kranialen Hand die Inflare-Bewegung und das Tieferwerden des homolateralen Iliosakralsulkus spüren (Abb. 4.47b)

Short-Lever-Test des Iliums in Bauchlage
Allgemeine Ausgangsposition
Patient: in Short-Lever-TestIliumin BauchlageBauchlage
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Sagittale Ebene
Phase 1
Handposition: Mit der kaudalen Hand an der SIAS das Ilium umfassen (Handtuch oder Hand des Patienten unter das Becken legen); mit den Fingerspitzen der kranialen Hand im Iliosakralsulkus eventuell leicht das Sakrum fixieren.
Ausführung: Mit der kaudalen Hand das Ilium ganz kurz nach dorsal ziehen (Abb. 4.48a)
Bewertung: Mit den Fingern der kranialen Hand im Iliosakralsulkus das Posteriorisieren des Iliums beurteilen.
Phase 2
Handposition: Anschließend kraniale Hand flach auf das Sakrum legen und es leicht in Posterior-Rotation fixieren.
Ausführung: Mit der kaudalen Hand SIPS kurz und schnell nach anterior schieben (Abb. 4.48b).
Bewertung: Bewegungsspiel des Iliums nach ventral beurteilen.
Transversale Ebene
Handposition: Finger der kranialen Hand zum Tasten in den Iliosakralsulkus, kaudale Hand auf die SIAS legen.
Ausführung:
  • Mit der kaudalen Hand an der SIAS ziehen, um das Ilium in transversaler Ebene nach außen zu rotieren (Abb. 4.49a).

  • Anschließend mit der kaudalen Hand an der SIAS drücken, um das Ilium in transversaler Ebene nach innen zu rotieren (Abb. 4.49b).

Bewertung: Mit den Fingern der kranialen Hand im Iliosakralsulkus die Rotation des Iliums beurteilen.
Frontale Ebene
Phase 1
Handposition: Kaudale Hand auf das Tuber ischiadicum und die Finger der kranialen Hand zum Betasten in den homolateralen Iliosakralsulkus legen.
Ausführung: Mit der kaudalen Hand das Tuber ischiadicum auf der Innenseite nach lateral drücken (Abb. 4.50a).
Bewertung: Inflare-Beweglichkeit beurteilen und mit den Fingerspitzen der anderen Hand spüren, wie sich der homolaterale Iliosakralsulkus dabei vertieft.
Phase 2
Handposition: Kaudale Hand in kraniomediale Richtung auf das Tuber ischiadicum und die Finger der kranialen Hand zum Betasten in den homolateralen Iliosakralsulkus legen.
Ausführung: Mit der kaudalen Hand das Tuber ischiadicum auf der Außenseite nach medial drücken (Abb. 4.50b).
Bewertung: Outflare-Beweglichkeit beurteilen und spüren, wie sich der homolaterale Iliosakralsulkus dabei abflacht.

Downing-Test

Merke

Voraussetzung für diesen Test ist ein intaktes Hüftgelenk.

Bei diesemDowning-Test Test nach Carter Harrison Downing [144] handelt es sich um eine Methode mit funktioneller Verlängerung bzw. Verkürzung des Beins. Durch entsprechende Bewegungen wird erreicht, dass sich die Bänder des Hüftgelenks spannen und das Ilium sich um eine iliosakrale Achse bewegt. Dabei verändert sich die Position des Acetabulums: Verlagert es sich nach kranial, scheint das Bein verkürzt, verlagert es sich nach kaudal, scheint das Bein verlängert zu sein.
Patient: in Rückenlage, die Arme entspannt neben dem Körper
Therapeut: seitlich neben dem Patienten stehend
Ausführung:
  • Der Patient hebt auf Anforderung das Becken mehrmals hintereinander zur Detonisierung der Muskulatur an.

  • Dann zieht er mehrmals hintereinander beide Knie auf die Brust und liegt anschließend wieder entspannt auf dem Rücken.

  • Jetzt werden zwei Striche in gleicher Höhe auf die Unterschenkel des Patienten gezeichnet.

Phase 1: Verlängerungstest
  • Ein Bein desDowning-TestVerlängerungstest AdduktionVerlängerungstestAußenrotationVerlängerungstestVerlängerungstest, AdduktionPatienten mit der kaudalen Hand oberhalb des Fußgelenks umfassen, mit der kranialen Hand im Kniebereich stützen.

  • Das Bein passiv mit Adduktion und Außenrotation aus einer Flexions- in Extensionsstellung der Hüfte führen (Abb. 4.51).

Phase 2: Neutralisation
  • Um die WeichteilstrukturenDowning-TestNeutralisationNeutralisation, Downing-Test der Hüfte und des ISG wieder zu neutralisieren, passiv eine maximale Flexion der Hüfte ausführen und das Bein wieder ablegen.

  • Testen, ob die Beinlänge gleich ist.

  • Eventuell diese Phase noch einmal wiederholen.

Phase 3: Verkürzungstest
  • Mit einem Bein desDowning-TestVerkürzungstestAbduktionVerkürzungstest Verkürzungstest, AbduktionPatienten passiv eine Abduktion undInnenrotationVerkürzungstest Innenrotation der Hüfte aus der Neutralstellung heraus ausführen (Abb. 4.52).

  • Dabei mit der kaudalen Hand das Bein oberhalb des Fußgelenks umfassen und den Unterschenkel über den Liegenrand führen, gleichzeitig mit der kranialen Hand oberhalb des Knies den Oberschenkel Richtung Liege drücken.

Phase 4: Neutralisation
  • Um die WeichteilstrukturenDowning-TestNeutralisation der Hüfte und des ISG wieder zu neutralisieren, passiv eine maximale Flexion der Hüfte ausführen und das Bein wieder ablegen.

  • Testen, ob die Beinlänge gleich ist.

  • Eventuell diese Phase noch einmal wiederholen.

Interpretation des Autors

Verlängerungstest: Adduktion und Außenrotation

Die Adduktion setzt das Lig. iliofemorale (von Bertin) unter Spannung. Erhöht wird die Spannung des Lig. iliofemorale zusätzlich auch noch durch die Außenrotation. Dabei wird das Ilium iliosakral mit nach anterior und in eine Outflare-Stellung gezogen.

Verkürzungstest: Abduktion und Innenrotation

Die Abduktion setzt das Lig. ischiofemorale unter Spannung. Erhöht wird die Spannung des Lig. ischiofemorale noch durch die Innenrotation. Dabei wird das Ilium iliosakral mit nach posterior und in eine Inflare-Stellung gezogen.
Normalerweise kann sich das Bein bei diesem Test um etwa 1–2 cm verlängern bzw. verkürzen.
  • Bei IS-anterior-Läsion und/oder Outflare des Iliums ist eine Verlängerung gut möglich, eine Verkürzung dagegen kaum bei ligamentärer Restriktion oder gar nicht bei artikulärer Blockierung.

  • Bei IS-posterior-Läsion und/oder Inflare des Iliums ist eine Verkürzung gut möglich, eine Verlängerung dagegen kaum bei ligamentärer Restriktion oder gar nicht bei artikulärer Blockierung.

Verlängerungen über 2 cm hinaus deuten auf eine Hypermobilität des ISG hin.

Hinweis

Bei Hypertonus oder Spasmen im Muskel-Faszien-Bereich oder wenn der Patient nicht „locker lassen“ kann, wird der Downing-Test wertlos. Bei Hüftprothesen kann der Downing-Test nicht ausgeführt werden.

Inflare-/Outflare-Tests

Im Stehen
Patient: stützt sich stehend mit beiden Händen bei ausgestreckten Armen (90°) gegen die Wand
Therapeut: hinter dem Patienten stehend
Inflare-Test
Handposition: Auf derInflare-Testim Stehen zu testenden Seite eine Hand auf die Innenseite der SIPS und in den Iliosakralsulkus und die andere Hand in Höhe von S2 auf die Crista sacralis mediana legen.
Ausführung:
  • Der Patient soll ein Bein langsam gestreckt abduzieren; am Ende des coxofemoralen Gelenkspiels bewegt sich das Ilium iliosakral in eine Inflare-Stellung.

  • Dabei homolateral die Innenseite der SIPS und die Crista sacralis mediana in Höhe von S2 palpieren, um zu prüfen, ob der Abstand zwischen diesen beiden Punkten kleiner wird und sich der Iliosakralsulkus vertieft (Abb. 4.53).

Bewertung:
  • Normalbefund: Der Iliosakralsulkus vertieft sich. Die Inflare-Bewegung geht mit einer Posteriorisierung des Iliums und/oder Anteriorisierung des Sakrums einher.

  • Wenn sich SIPS und Crista sacralis mediana nicht einander nähern (konvergieren) und der Iliosakralsulkus nicht tiefer wird, das Ilium also keine Inflare-Bewegung ausführen kann, sprechen wir von einer Outflare-Läsion.

Outflare-Test
Handposition: Auf derOutflare-Testim Stehen zu testenden Seite eine Hand auf die Innenseite der SIPS und in den Iliosakralsulkus und die andere Hand in Höhe von S2 auf die Crista sacralis mediana legen.
Ausführung:
  • Der Patient adduziert das Bein langsam mit coxofemoraler Extension; am Ende des coxofemoralen Gelenkspiels bewegt sich das Ilium iliosakral in eine Outflare-Stellung.

  • Prüfen, ob SIPS und Crista sacralis mediana auseinander gehen (divergieren) und der Iliosakralsulkus flacher wird (Abb. 4.54).

Bewertung:
  • Normalbefund: Der Iliosakralsulkus wird flacher. Die Outflare-Bewegung des Iliums geht mit einer Posteriorisierung des Sakrums und/oder Anteriorisierung des Iliums einher.

  • Wenn die oben genannten Punkte nicht divergieren und sich der Iliosakralsulkus nicht abflacht, das Ilium also keine Outflare-Bewegung ausführen kann, sprechen wir von einer Inflare-Läsion.

Im Sitzen
Patient: hat im SitzenInflare-Testim Sitzen die Füße auf dem Boden aufgestellt, die Knie etwa schulterbreit auseinander
Therapeut: hinter dem Patienten stehend
Inflare-Test
Ausführung:
  • Der Patient führt durch Innenrotation beider Hüften die Knie zusammen; am Ende des coxofemoralen Gelenkspiels bewegt sich das Ilium iliosakral in eine Inflare-Stellung.

  • Möglichst uni- und bilateral testen.

  • Palpieren, ob SIPS und Crista sacralis mediana sich annähern (konvergieren) und sich der Iliosakralsulkus vertieft (Abb. 4.55).

Bewertung: Wenn die oben genannten Punkte nicht konvergieren und die Vertiefung des Iliosakralsulkus ausbleibt, das Ilium also keine Inflare-Bewegung ausführen kann, sprechen wir von einer Outflare-Läsion.
Alternative:
  • Beide Hände bilateral flach unter die Sitzbeinknochen legen und den Patienten beide Hüften nach innen rotieren lassen.

  • Prüfen, ob die beiden Tubera ischiadica bei der Inflare-Bewegung auseinandergehen.

Outflare-Test
Ausführung:
  • Der Patient sollOutflare-Testim Sitzen beide Hüften nach außen rotieren; am Ende des coxofemoralen Gelenkspiels bewegt sich das Ilium iliosakral in eine Outflare-Position.

  • Möglichst uni- und bilateral testen.

  • Palpieren, ob SIPS und Crista sacralis mediana divergieren und sich der Iliosakralsulkus abflacht (Abb. 4.56).

Bewertung: Wenn die genannten Punkte nicht divergieren und sich der Iliosakralsulkus nicht abflacht, das Ilium also keine Outflare Bewegung ausführen kann, sprechen wir von einer Inflare-Läsion.
Alternative:
  • Beide Hände bilateral flach unter die Sitzbeinknochen legen und den Patienten beide Hüften nach außen rotieren lassen.

  • Prüfen, ob sich die beiden Tubera ischiadica bei der Outflare-Bewegung aufeinander zubewegen.

In Bauchlage
Patient: in Bauchlage
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Inflare-Test
Handposition: Mit derInflare-Testin Bauchlage distalen Hand ein Bein des Patienten umgreifen und die Finger der proximalen Hand in den homolateralen Iliosakralsulkus legen.
Ausführung: Bein passiv in Abduktion führen; am Ende des myofaszialen coxofemoralen Gelenkspiels entsteht eine Inflare-Bewegung im ISG mit Vertiefung des Iliosakralsulkus (Abb. 4.57).
Bewertung: Wenn sich der Iliosakralsulkus nicht vertieft, das Ilium also keine Inflare-Bewegung machen kann, sprechen wir von einer Outflare-Läsion.
Outflare-Test
Ausführung: Bein passivOutflare-Testin Bauchlage in Adduktion mit leichter Hüftextension führen; am Ende des myofaszialen coxofemoralen Gelenkspiels entsteht eine Outflare-Bewegung im ISG mit Abflachen des Iliosakralsulkus (Abb. 4.58).
Bewertung: Wenn sich der Iliosakralsulkus nicht abflacht, das Ilium also keine Outflare-Bewegung ausführen kann, sprechen wir von einer Inflare-Läsion.
In Rückenlage
Dieser Test wird beim Long-Lever-Test des ISG (Kap. 4.6.6.1, Abb. 4.44) in der frontalen Ebene besprochen worden.

Dreidimensionales Testen der Symphysis pubica

Short-Lever-Test
Patient: in RückenlageShort-Lever-TestSymphysis pubicaSymphysis pubicaShort-Lever-TestSymphysis pubicaTestdreidimensionaler, die Arme entspannt neben dem Körper
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Sagittale Ebene
Superior-/Inferior-Beweglichkeit („Pubis superior/inferior“)
Handposition: Finger der kaudalen Hand über die Symphysis pubica legen, um die Bewegungen zu beurteilen.
Phase 1
Ausführung:
  • Mit der kranialen Hand das Bein des Patienten auf der zu untersuchenden Seite anwinkeln und Fuß auf die Liege stellen.

  • Mit der kranialen Hand die homolaterale SIAS kurz und schnell nach posterior-superior drücken (Abb. 4.59).

Bewertung: minimale Superior-Beweglichkeit des homolateralen Ramus superior ossis pubis über die kaudale Hand
Phase 2
Ausführung:
  • Den Patienten anschließend das heterolaterale Bein beugen und den Fuß auf die Liege stellen lassen.

  • Mit der kranialen Hand die homolaterale SIPS des Patienten umgreifen, um sie dann kurz und schnell ventrokaudalwärts zu ziehen (Abb. 4.60).

Bewertung: Inferior-Beweglichkeit des homolateralen Ramus superior ossis pubis in Höhe der Symphyse
Interpretation:
  • Lässt sich der Ramus superior ossis pubis gut nach superior, aber nur schlecht oder gar nicht nach inferior bewegen, sprechen wir von einer Pubis-superior-Läsion. Sie kann selbstständig auftreten oder mit einer Ilium-posterior-IS oder CF-Läsion einhergehen.

  • Lässt sich der Ramus superior ossis pubis gut nach inferior, aber nur schlecht oder gar nicht nach superior bewegen, sprechen wir von einer Pubis-inferior-Läsion. Sie kann selbstständig auftreten oder mit einer Ilium-anterior-IS oder CF-Läsion einhergehen.

Long-Lever-Tests
Patient: in Rückenlage, dieLong-Lever-TestSymphysis pubicaSymphysis pubicaLong-Lever-Tests Arme entspannt neben dem Körper
Therapeut: neben dem Patienten stehend, mit Blick zum Kopfteil der Liege
Sagittale Ebene
Superior-/Inferior-Beweglichkeit („Pubis superior/inferior“)
Handposition: FingerSymphysis pubicaSuperior-/Inferior-Beweglichkeit der kaudalen Hand über die Symphysis pubica legen, um die Bewegungen beurteilen zu können; mit der kranialen Hand das homolaterale Knie des Patienten umgreifen.
Phase 1
Ausführung: Das Bein in der Hüfte maximal beugen und dabei vor allem auf das pubische Gelenkspiel achten (Abb. 4.61).
Bewertung:
  • Minimale Superior-Beweglichkeit des homolateralen Ramus superior ossis pubis.

  • Ein „Pubis superior“ entspricht einem Ilium posterior IS oder CF.

  • Auch hier sprechen wir von einer Pubis-superior-Läsion.

Phase 2
Ausführung:
  • Den Patienten anschließend das homolaterale Bein wieder ausstrecken, dann das heterolaterale Bein beugen und den Fuß auf die Liege stellen lassen.

  • Das homolaterale Bein des Patienten über den Liegenrand in coxofemorale Extension führen, bis ein pubisches Gelenkspiel zu spüren ist (Abb. 4.62).

Bewertung:
  • Inferior-Beweglichkeit des homolateralen Ramus superior ossis pubis in Höhe der Symphyse.

  • Ein „Pubis inferior“ entspricht einem Ilium anterior IS oder CF.

  • Auch hier sprechen wir von einer Pubis-inferior-Läsion.

Frontale Ebene
Outflare/Inflare-Test bzw. kraniales/kaudales Öffnen der Symphysis pubica
Ausführung (Abb. 4.63):
  • Um ein kranialesOutflare-TestSymphysis pubicaInflare-TestSymphysis pubicaSymphysis pubicaInflare-TestSymphysis pubicaOutflare-TestSymphysis pubicakraniales/kaudales Öffnen Öffnen der Symphysis pubica zu erreichen, wird das homolaterale Bein des Patienten, um 90° in der Hüfte gebeugt, in Außenrotation coxofemoral geführt, bis ein pubisches Gelenkspiel (Outflare des Iliums) zu spüren ist.

  • Um ein kaudales Öffnen der Symphysis pubica zu erreichen, wird das Bein anschließend coxofemoral innenrotiert (Inflare des Iliums).

Bewertung: Beweglichkeit in der Symphyse
Anmerkung: Der Autor zieht hier die Bezeichnung „beweglich“ oder „unbeweglich“ vor.
Transversale Ebene
Außenrotations-/Innenrotationstest bzw. ventrales Klaffen/Schließen der Symphysis pubica
Ausführung (Abb. 4.64):
  • Um einSymphysis pubicaAußen-/InnenrotationstestSymphysis pubicaKlaffen/Schließen, ventralesAußenrotationstestSymphysis pubicaInnenrotationstestSymphysis pubica ventrales „Klaffen“ der Symphyse zu erreichen, wird das homolaterale Bein passiv in der Hüfte abduziert (Außenrotation des Iliums), bis ein pubisches Gelenkspiel zu spüren ist.

  • Um ein ventrales Schließen der Symphyse zu erreichen, wird das Bein anschließend passiv in der Hüfte adduziert (Innenrotation des Iliums).

Bewertung: Beweglichkeit in der Symphyse
Anmerkung: Der Autor zieht hier die Bezeichnung „beweglich“ oder „unbeweglich“ vor.

Passive Tests des sakroiliakalen Gelenkspiels

Bei diesen TestsGelenkspielsakroiliakales, passive TestsSakroiliakalgelenk (SIG)Gelenkspiel, passive Tests handelt sich darum, die minimalen Bewegungen des Sakrums um verschiedene Achsen zu untersuchen und dabei vor allem auf die Qualität, Elastizität und Geschmeidigkeit zu achten.
Beweglichkeit um die mittlere transversale Achse
Patient: in Bauchlage, KopfSakrumBeweglichkeitmittlere transversale Achse in neutraler Position
Therapeut: neben dem Patienten stehend, z. B. links
Bilaterale Anteriorisierung des Sakrums
Handposition:
  • Zeige- und MittelfingerSakrumAnteriorisierungbilateraleAnteriorisierungSakrum der kaudalen (rechten) Hand in V-Stellung bilateral so auf die Basis ossis sacri (BOS) legen, dass die Fingerspitzen nach kranial zeigen.

  • Die kraniale (linke) Hand liegt auf den Fingern der kaudalen (rechten) Hand.

Ausführung: Kurz leichten Druck nach ventrokaudal auf die BOS ausüben und plötzlich loslassen (Abb. 4.65).
Bewertung:
  • Anterior-Beweglichkeit des Sakrums um die mittlere transversale Achse; das plötzliche Loslassen der kaudalen (rechten) Hand ergibt möglicherweise weitere Hinweise.

  • Lässt sich das Sakrum sehr leicht und weit nach anterior bewegen und federt es eher langsam und mühsam zurück, weist dies auf eine SI-anterior-Läsion des Sakrums hin.

  • Lässt sich das Sakrum kaum oder nur mühsam nach anterior bewegen, während es sehr stark und schnell zurückfedert, spricht dies eher für eine SI-posterior-Läsion des Sakrums.

Bilaterale Anteriorisierung des Sakrums bei der Atmung
Handposition: wie oben beschrieben
Ausführung: Den Patienten auffordern, tief auszuatmen; dabei die Bewegungen der BOS wahrnehmen.
Bewertung: Anterior-Bewegung der BOS beim Ausatmen
Bilaterale Posteriorisierung des Sakrums
Handposition:
  • Zeige- und MittelfingerSakrumPosteriorisierungbilaterale der kranialen (linken) Hand in V-Stellung bilateral so in den Iliosakralsulkus legen, dass die Fingerspitzen nach kaudal zeigen

  • kaudale (rechte) Hand mit dem Handballen auf beide AIL des Sakrums legen

Ausführung: kurz leichten Druck nach kraniodorsal auf die AIL ausüben und plötzlich loslassen (Abb. 4.66).
Bewertung:
  • Posterior-Beweglichkeit des Sakrums um die mittlere transversale Achse; das plötzliche Loslassen der kaudalen (rechten) Hand ergibt möglicherweise weitere Hinweise.

  • Lässt sich das Sakrum sehr leicht nach posterior bewegen und federt eher langsam und mühsam zurück, weist dies auf eine SI-posterior-Läsion des Sakrums hin.

  • Lässt sich das Sakrum kaum oder nur mühsam nach posterior bewegen, während es sehr stark und schnell zurückfedert, spricht dies eher für eine SI-anterior-Läsion des Sakrums.

Bilaterale Posteriorisierung des Sakrums bei der Atmung
Handposition: wie oben beschrieben
Ausführung: Den Patienten auffordern, tief einzuatmen; dabei die Bewegungen der BOS wahrnehmen.
Bewertung: Posterior-Bewegung der BOS beim Einatmen
Unilaterale Anteriorisierung des Sakrums (z. B. links)
Handposition:
  • Daumen oder Os pisiformeSakrumAnteriorisierungunilaterale der kranialen (linken) Hand auf die linke BOS setzen.

  • Zeige- und Mittelfinger der kaudalen (rechten) Hand auf den homolateralen (linken) AIL des Sakrums legen.

Ausführung:
  • Die linke BOS langsam nach ventrokaudal drücken (Abb. 4.67).

  • Nach der Bewertung Test auf der anderen (rechten) Seite wiederholen.

Bewertung:
  • Reaktion des Knochengewebes, denn es handelt sich hierbei hauptsächlich um eine intraossäre Bewegung, die normalerweise eher verzögert und langsam stattfindet (Viskoelastizität).

  • Ist sehr viel Widerstand zu spüren und lässt sich das Sakrum unilateral (z. B. links) kaum anteriorisieren, dafür aber gut posteriorisieren, spricht dies für eine Sakrum-posterior-unilateral-links-Läsion.

Unilaterale Posteriorisierung des Sakrums (z. B. links)
Handposition:
  • DaumenSakrumPosteriorisierungunilaterale oder Os pisiforme der kaudalen Hand auf den homolateralen AIL legen.

  • Finger der kranialen Hand auf die homolaterale BOS legen.

Ausführung:
  • Mit Daumen oder Os pisiforme der kaudalen Hand Druck nach kranioventral auf den homolateralen (linken) AIL ausüben (Abb. 4.68).

  • Nach der Bewertung Test auf der anderen (rechten) Seite wiederholen.

Bewertung:
  • Reaktion der homolateralen BOS bei der Posterior-Bewegung des Sakrums um die mittlere transversale Achse. Normalerweise ist diese intraossäre Bewegung sehr klein und findet etwas verzögert und langsam statt (Viskoelastizität).

  • Ist sehr viel Widerstand zu spüren und lässt sich das Sakrum unilateral (z. B. links) kaum posteriorisieren, dafür aber gut anteriorisieren, deutet dies auf eine Sakrum-anterior-unilateral-links-Läsion hin.

Beweglichkeit um die linke schräge Achse
Patient: in Bauchlage, KopfSakrumBeweglichkeitlinke schräge Achse in neutraler Position
Therapeut: links neben dem Patienten stehend
Handposition:
  • Mit der kaudalen Hand das jeweilige Bein des Patienten umfassen.

  • Finger der kranialen Hand in den homolateralen Iliosakralsulkus legen.

Ausführung:
  • Das linke Bein des Patienten mit der kaudalen Hand abduzieren, bis mit den Fingerspitzen der kranialen Hand die Inflare-Bewegung des linken Iliums im linken Iliosakralsulkus spürbar ist; dann das Bein in dieser Position lagern.

  • Das rechte Bein des Patienten mit der kaudalen Hand adduzieren, bis mit den Fingerspitzen der kranialen Hand die Outflare-Bewegung des rechten Iliums im rechten Iliosakralsulkus spürbar ist; dann das Bein in dieser Position lagern.

Bewertung: Durch diese Beinposition wird eine linke schräge Achse installiert, um die sich das Sakrum eher passiv mobilisieren lässt als um die transversale Achse.
L/R-Bewegung testen
Handposition:
  • Daumen oderSakrumLinks-Rechts-DrehungTest Os pisiforme der kaudalen (rechten) Hand auf den linken AIL legen

  • Zeige- und Mittelfinger der kranialen (linken) Hand auf die homolaterale rechte BOS legen

Ausführung:
  • Wird mit Daumen oder Os pisiforme der kaudalen Hand kranioventralwärts Druck auf den linken AIL ausgeübt, kommt es durch Posterior-Bewegung des Sakrums um die linke schräge Achse zu einer L/R-Bewegung (Abb. 4.69).

  • Um die Bewegung besser zu lokalisieren, kann der Daumen der linken Hand zusätzlich die linke BOS fixieren.

Bewertung:
  • Posteriorisierung der rechten BOS und Abflachen des rechten Iliosakralsulkus.

  • Bei einer L/R-Läsion des Sakrums lässt sich das Sakrum kaum oder gar nicht um die linke schräge Achse nach anterior (L/L-Bewegung), aber gut nach posterior bewegen.

L/L-Bewegung testen
Handposition:
  • Daumen oderSakrumLinks-Links-DrehungTest Os pisiforme der kranialen (linken) Hand auf die rechte BOS legen.

  • Zeige- und Mittelfinger der kaudalen (rechten) Hand auf den linken AIL legen.

Ausführung: Wird mit Daumen oder Os pisiforme der kranialen Hand ventrokaudalwärts Druck auf die rechte BOS ausgeübt, kommt es durch eine Anterior-Bewegung des Sakrums um die linke schräge Achse zu einer L/L-Bewegung (Abb. 4.70).
Bewertung:
  • Vertiefen des rechten Iliosakralsulkus und Posterior-Bewegung des linken AIL.

  • Bei einer L/L-Läsion des Sakrums lässt sich das Sakrum schlecht oder gar nicht um die linke schräge Achse nach posterior (L/R-Bewegung), aber gut nach anterior bewegen.

Anmerkung: Wenn sich das Sakrum sehr fest anfühlt und nicht um die linke schräge Achse bewegt werden kann, liegt wahrscheinlich eine dominante rechte schräge Achse vor.

Hinweis

Vier mögliche Testergebnisse

  • 1.

    Das Sakrum kann sich gut um die linke schräge Achse nach anterior und posterior bewegen. Dann liegt möglicherweise eine dominante linke Achse vor; deswegen müssen die Bewegungen um die rechte schräge Achse und die transversale Achse getestet werden.

  • 2.

    Das Sakrum kann sich gut um die linke schräge Achse nach anterior, aber nicht nach posterior bewegen. Hierbei handelt es sich um eine L/L-Läsion des Sakrums.

  • 3.

    Das Sakrum kann sich gut um die linke schräge Achse nach posterior, aber nicht nach anterior bewegen. In dem Fall liegt eine L/R-Läsion des Sakrums vor.

  • 4.

    Das Sakrum lässt sich um die linke schräge Achse weder anteriorisieren noch posteriorisieren. Dann handelt es sich um eine dominante rechte schräge Achse. Im Extremfall kann auch eine Ankylosierung vorliegen.

Alternative Ausgangsposition
Patient: in Bauchlage, Kopf in neutraler Position. Durch ein kleines Kissen unter seiner linken SIAS wird das linke Ilium posteriorisiert und durch ein kleines Kissen unter dem rechten Oberschenkel das rechte Ilium anteriorisiert und so die linke schräge Achse für das Sakrum installiert (Abb. 4.71).
Therapeut: links neben dem Patienten stehend
Ausführung: Die Beine des Patienten bleiben in Neutralposition, während Test und Bewertung wie oben beschrieben erfolgen.
Beweglichkeit um die rechte schräge Achse
Patient: in BauchlageSakrumBeweglichkeitrechte schräge Achse, Kopf in neutraler Position
Therapeut: rechts neben dem Patienten stehend
Handposition:
  • Mit der kaudalen Hand das jeweilige Bein des Patienten führen.

  • Die Finger der kranialen Hand in den homolateralen Iliosakralsulkus legen.

Ausführung:
  • Das rechte Bein des Patienten mit der kaudalen Hand abduzieren, bis mit den Fingerspitzen der kranialen Hand die Inflare-Bewegung des rechten Iliums im rechten Iliosakralsulkus spürbar ist; dann das Bein in dieser Position lagern.

  • Anschließend das linke Bein des Patienten mit der kaudalen Hand adduzieren, bis mit den Fingerspitzen der kranialen Hand die Outflare-Bewegung des linken Iliums im linken Iliosakralsulkus spürbar ist; dann das Bein in dieser Position lagern.

Bewertung: Durch diese Beinposition wird eine rechte schräge Achse installiert, um die sich das Sakrum eher passiv mobilisieren lässt als um die transversale Achse.
R/L-Bewegung testen
Handposition:
  • DaumenSakrumRechts-Links-DrehungTest oder Os pisiforme der kaudalen (linken) Hand auf den rechten AIL legen

  • Zeige- und Mittelfinger der kranialen (linken) Hand auf die homolaterale linke BOS legen

Ausführung (Abb. 4.72):
  • Wird mit Daumen oder Os pisiforme der kaudalen (linken) Hand kranioventralwärts Druck auf den rechten AIL ausgeübt, kommt es durch Posterior-Bewegung des Sakrums um die rechte schräge Achse zu einer R/L-Bewegung.

  • Um die Bewegung besser zu lokalisieren, kann der Daumenballen der rechten Hand zusätzlich die rechte BOS fixieren.

Bewertung:
  • Posteriorisierung der linken BOS und Abflachen des linken Iliosakralsulkus.

  • Bei einer R/L-Läsion des Sakrums lässt sich das Sakrum gut um die rechte schräge Achse nach posterior, aber kaum oder gar nicht nach anterior bewegen.

R/R-Bewegung testen
Handposition:
  • DaumenSakrumRechts-Rechts-DrehungTest oder Os pisiforme der kranialen (rechten) Hand auf die linke BOS legen.

  • Eventuell mit Zeige- und Mittelfinger der kaudalen (linken) Hand den linken AIL fixieren.

  • Mit dem Daumen oder Zeige- und Mittelfinger der kaudalen (linken) Hand die Bewegungen des rechten AIL wahrnehmen.

Ausführung: Wird mit Daumen oder Os pisiforme der kranialen Hand ventrokaudalwärts Druck auf die linke BOS ausgeübt, kommt es durch Anterior-Bewegung des Sakrums um die rechte schräge Achse zu einer R/R-Bewegung (Abb. 4.73).
Bewertung:
  • Vertiefen des linken Iliosakralsulkus und Posterior-Bewegung des rechten AIL bei der R/R-Bewegung.

  • Bei einer R/R-Läsion des Sakrums kann sich das Sakrum gut um die rechte schräge Achse nach anterior, aber schlecht oder gar nicht nach posterior (R/L-Bewegung) bewegen.

Anmerkung: Wenn sich das Sakrum sehr fest anfühlt und sich nicht um die rechte schräge Achse bewegen lässt, liegt wahrscheinlich eine dominante linke schräge Achse vor.

Hinweis

Vier mögliche Testergebnisse

  • 1.

    Das Sakrum kann sich gut um die rechte schräge Achse nach anterior und posterior bewegen. Dann liegt möglicherweise eine dominante rechte Achse vor; deswegen müssen die Bewegungen um die linke schräge Achse und die transversale Achse getestet werden.

  • 2.

    Das Sakrum kann sich gut um die rechte schräge Achse nach anterior, aber nicht nach posterior bewegen. Dann handelt es sich um eine R/R-Läsion des Sakrums.

  • 3.

    Das Sakrum kann sich gut um die rechte schräge Achse nach posterior, aber nicht nach anterior bewegen. In dem Fall liegt eine R/L-Läsion des Sakrums vor.

  • 4.

    Das Sakrum lässt sich weder nach anterior noch nach posterior um die rechte schräge Achse bewegen. Hierbei handelt es sich um eine dominante linke schräge Achse. Im Extremfall kann eine Ankylosierung vorliegen.

Alternative Ausgangsposition
Patient: in Bauchlage, Kopf in neutraler Position; durch ein kleines Kissen unter seiner rechten SIAS wird das rechte Ilium posteriorisiert und durch ein kleines Kissen unter dem linken Oberschenkel das linke Ilium anteriorisiert und so die rechte schräge Achse für das Sakrum installiert (Abb. 4.74).
Therapeut: rechts neben dem Patienten stehend
Ausführung: Die Beine des Patienten bleiben in Neutralposition, während Test und Bewertung wie oben beschrieben erfolgen.
Dominante schräge Achse
Kennzeichen: Wenn zweiSakrumBeweglichkeitdominante schräge Achse gegenüberliegende Punkte des Sakrums nicht oder kaum beweglich sind, ist das Sakrum um die eine schräge (dominante) Achse noch in eine oder zwei Richtungen beweglich, jedoch in keine der beiden Richtungen um die andere schräge (nichtdominante) Achse. Solche Bewegungseinschränkungen gehen immer mit einer skoliotischen Haltung der LWS einher.
Entstehungsmöglichkeiten:
  • Bei Beckentorsionen in BeckentorsionSakrumbeweglichkeitAnterior-/Posterior- oder Inflare-/Outflare-Stellung kann sich eine dominante Achse des Sakrums herausbilden. So ergibt sich z. B. bei einer Inflare-Läsion des linken und einer Outflare-Läsion des rechten Iliums eine dominante linke schräge Achse des Sakrums. Eine Ilium-anterior-Läsion auf der linken Seite führt zusammen mit einer Ilium-posterior-Läsion auf der rechten Seite zu einer dominanten rechten schrägen Achse des Sakrums.

  • Traumen, wie z. B. einTraumenSakrumbeweglichkeit Sturz auf das Sakrum, können ebenfalls eine dominante schräge Achse des Sakrums hervorrufen.

Auswirkungen:
  • Eine durch entgegengesetzte Läsionen der beiden Ilia entstehende schräge Achse für das Sakrum kann dominant werden, d. h. das Sakrum muss gezwungenermaßen jede Bewegung, ob nach anterior oder posterior, um diese Achse ausführen.

  • Manchmal kann sich um die dominante schräge Achse noch eine zusätzliche Läsion (anterior oder posterior) aufbauen, die dann allerdings mit akuten Schmerzen verbunden ist.

Korrektur: Da eine dominante schräge Achse des Sakrums aufgrund von Läsionen der Ilia entsteht, die wiederum oft viszeral bedingt sind, sollte man nicht sie als Erstes korrigieren. Vielmehr sollten zuerst die iliakalen und die viszeralen Läsionen beseitigt werden. Wenn dann weiterhin Läsionen des Sakrums vorliegen, können sie immer noch korrigiert werden.
Beweglichkeit um die vertikale Achse
Patient: in BauchlageSakrumBeweglichkeitvertikale Achse, Kopf in neutraler Position
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition: Die kaudale Hand direkt auf das Sakrum des Patienten und die kraniale Hand darüber legen.
Ausführung (Abb. 4.75):
  • Linke Seite des Sakrums sanft etwas nach ventral schieben, d. h. zur Liege hin bzw. auf die Mitte der beiden Ilia zu; das entspricht einer Rechtsdrehung des Sakrums um die vertikale Achse.

  • Anschließend die rechte Seite des Sakrums nach ventral schieben; das entspricht einer Linksdrehung des Sakrums um die vertikale Achse.

Bewertung: Lässt sich das Sakrum z. B. gut nach rechts, aber schlecht oder gar nicht nach links rotieren, weist das auf eine Läsion des Sakrums in Rechtsrotation hin.
Beweglichkeit um die dorsoventrale Achse
Patient: in BauchlageSakrumBeweglichkeitdorsoventrale Achse, Kopf in neutraler Position
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition: Die kaudale Hand direkt auf das Sakrum des Patienten und die kraniale Hand darüber legen.
Ausführung: Mit beiden Händen das Sakrum sanft um die dorsoventrale Achse nach links und anschließend nach rechts neigen (Abb. 4.76).
Bewertung: Lässt sich das Sakrum z. B. gut nach rechts, aber schlecht oder gar nicht nach links neigen, spricht das für eine Läsion des Sakrums in Rechtsseitneigung.

Faszialer Test für Sakrum und Ilia

Diesen Test hat der Faszialer TestSakrumFaszialer TestIliaSakrumfaszialer TestIliumfaszialer TestAutor aus dem „Dekompressionstest“ von Upledger [172] weiterentwickelt. Obwohl der Test anfänglich ein wenig ungewohnt wirkt, ist es ein sehr schneller Test, der sich bequem und einfach durchführen lässt. Mit ihm können das Sakrum und beide Ilia in allen Ebenen getestet werden.

Merke

Wichtig ist, dass der Test nur mit leichtem Druck ausgeführt wird.

Ausgangsposition
Patient: in Rückenlage
Therapeut: neben dem Patienten sitzend
Handposition:
  • Handfläche der distalen Hand unter das Sakrum des Patienten schieben, um mit Zeige- und Ringfinger bilateral im Iliosakralsulkus die Beweglichkeit des Sakrums wahrzunehmen.

  • Proximale Hand mit Unterarm ventral auf die beiden SIAS des Patienten legen.

Phase 1: Posteriorisieren des Sakrums
Ausführung: Beide SIAS leichtSakrumPosteriorisierung PosteriorisierungSakrummit Hand und Ellenbogen zusammendrücken und etwas nach kaudal führen; dadurch werden beide Ilia zur Innenrotation und nach anterior gebracht und aufgrund der Druckentlastung in beiden ISG kann sich das Sakrum „frei“ zwischen den beiden Ilia bewegen (Abb. 4.77).
Bewertung:
  • Beweglichkeit des Sakrums nach posterior.

  • Normalbefund: Bei freier Beweglichkeit „fällt“ das Sakrum auf die untersuchende Hand herab.

  • Bei einer Anterior-Läsion kann sich das Sakrum nicht posteriorisieren und mit der Hand ist zu spüren, wie das Sakrum nach anterior gezogen wird. Dies ist bei Problemen im Beckeneingang häufiger der Fall.

Alternative: Bewegungen bei der Atmung testen
Der Patient wird gebeten, ruhig zu atmen; mit den Händen in der gleichen Position wie oben die Sakrumbewegungen bei der Atmung beobachten.
Bewertung:
  • Normalbefund: Während der Atmung bewegt sich das Sakrum um die transversale Achse symmetrisch nach anterior und posterior.

  • Wenn eine dominante schräge Achse vorliegt, ist zu spüren, wie sich das Sakrum bei der Atmung um diese dominante Achse bewegt.

Phase 2: Anteriorisieren des Sakrums
Ausführung: Beide SIAS mitSakrumAnteriorisierungAnteriorisierungSakrum Hand und Ellenbogen leicht auseinander und nach kranial drücken; dadurch werden beide Ilia zur Außenrotation und nach posterior gebracht und durch die entstehende Kompression in den ISG kann sich das Sakrum zwischen beiden Ilia nach ventral bewegen (Abb. 4.78).
Bewertung:
  • Beweglichkeit des Sakrums nach anterior.

  • Lässt sich das Sakrum schlecht oder gar nicht nach anterior bewegen, sprechen wir von einer Posterior-Läsion des Sakrums.

Anmerkung: Auch hier kann man alternativ die Sakrumbewegungen während der Atmung beobachten.
Phase 3: Beweglichkeit um die dorsoventrale Achse testen
Ausführung (Abb. 4.79):
  • Schritt 1SakrumBeweglichkeitdorsoventrale Achse:

    • Die linke SIAS leicht nach kranial drücken, während sich das Ilium CF und IS nach posterior dreht.

    • Die rechte SIAS nach kaudal drücken und das Ilium CF und IS nach anterior rotieren lassen.

  • Schritt 2:

    • Anschließend die linke SIAS leicht nach kaudal drücken, während sich das Ilium CF und IS nach anterior dreht.

    • Die rechte SIAS nach kranial drücken und das Ilium CF und IS nach posterior rotieren lassen.

Bewertung:
  • Seitneigung des Sakrums nach links (Schritt 1) bzw. rechts (Schritt 2).

  • Lässt sich das Sakrum z. B. gut seitlich nach links, aber nur schlecht oder gar nicht nach rechts neigen, deutet dies auf eine Läsion des Sakrums in Linksseitneigung hin.

Phase 4: Beweglichkeit um die linke schräge Achse testen
Ausführung (Abb. 4.80):
  • Die linke SIASSakrumBeweglichkeitlinke schräge Achse leicht nach kranial drücken und das Ilium CF und IS nach posterior rotieren lassen.

  • Dann die rechte SIAS nach kaudal drücken und das Ilium CF und IS nach anterior rotieren lassen.

  • Beide SIAS in dieser Position halten.

  • Den Patienten bitten, ruhig und tief zu atmen.

Bewertung: Beurteilt wird die Beweglichkeit des Sakrums nach anterior und posterior um die linke schräge Achse.
Diese Bewegungen führen zu einer Beckentorsion, bei der das linke Ilium nach posterior und das rechte Ilium nach anterior gedreht ist, wodurch eine linke schräge Achse für das Sakrum entsteht.
Phase 5: Beweglichkeit um die rechte schräge Achse testen
Ausführung (Abb. 4.81):
  • Die linke SIAS leichtSakrumBeweglichkeitrechte schräge Achse nach kaudal drücken und das Ilium CF und IS nach anterior rotieren lassen.

  • Dann die rechte SIAS nach kranial drücken und das Ilium CF und IS nach posterior rotieren lassen.

  • Beide SIAS in dieser Position halten.

  • Den Patienten bitten, ruhig und tief zu atmen.

Bewertung: Beurteilt wird die Beweglichkeit des Sakrums nach anterior und posterior um die rechte schräge Achse.
Diese Bewegungen führen zu einer Beckentorsion, bei der das rechte Ilium nach posterior und das linke Ilium nach anterior gedreht ist, wodurch eine rechte schräge Achse für das Sakrum entsteht.
Phase 6: Beweglichkeit um die vertikale Achse testen
Ausführung (Abb. 4.82):
  • Beide SIAS nachSakrumBeweglichkeitvertikale Achse links drücken, damit das linke Ilium nach außen und das rechte Ilium nach innen rotiert wird, und dabei mit der kaudalen Hand spüren, wie sich das Sakrum um die vertikale Achse nach rechts dreht.

  • Anschließend beide SIAS nach rechts drücken, damit das rechte Ilium nach außen und das linke Ilium nach innen rotiert wird, und dabei mit der kaudalen Hand spüren, wie sich das Sakrum um die vertikale Achse nach links dreht.

Bewertung: Dreht sich das Sakrum z. B. gut nach links, aber nur schlecht oder gar nicht nach rechts, so weist dies auf eine Läsion des Sakrums in Linksrotation hin.

Test und Behandlung des Os coccygis

Test im Sitzen
Patient: auf einemOscoccygisTests Stuhl oder einer niedrigen Behandlungsliege sitzend, mit festem Bodenkontakt beider Füße und entspannt herabhängenden Armen; entspannte Kyphosehaltung
Therapeut: hinter dem Patienten stehend
Phase 1: Kompression
Handposition: Eine HandKompression, Os coccygis unter das Os coccygis legen.
Ausführung (Abb. 4.83):
  • Darauf achten, wie tief das Os coccygis liegt.

  • Dann das Os coccygis sehr vorsichtig in Richtung der Körperlängsachse nach kranial drücken und so eine direkte axiale Kompression ausüben.

Bewertung: Beurteilt wird die Druckempfindlichkeit des Os coccygis.
Phase 2: Flexion
Handposition: Eine HandFlexionOs coccygis auf den Kopf und den Zeigefinger der anderen Hand unter das Os coccygis legen.
Ausführung:
  • Den Patienten lumbal vorsichtig etwas stärker kyphosieren.

  • Das Os coccygis dabei mit der anderen Hand in Flexion auf das Sakrum bringen.

Bewertung: Beurteilt werden Beweglichkeit und Druckempfindlichkeit des Os coccygis.
Phase 3: Seitneigung
Ausführung (Abb. 4.84):
  • Eine Seite desSeitneigungOs coccygis, Test Os coccygis, z. B. rechts, mit einem Finger fixieren und dabei mit der anderen Hand den Oberkörper des Patienten zur gegenüberliegenden Seite, in diesem Fall nach links, neigen.

  • Anschließend die andere Seite testen.

Bewertung: Beurteilt werden Beweglichkeit und Druckempfindlichkeit des Os coccygis sowie die Spannung der Ligg. sacrospinalia und sacrotuberalia.
Test in Bauchlage
Patient: in BauchlageOscoccygisTests, die Beine leicht gespreizt
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition: Den Zeigefinger der kranialen Hand sanft auf das Os coccygis legen.
Ausführung (Abb. 4.85):
  • Darauf achten, wie tief das Os coccygis liegt.

  • Die Flexionsbeweglichkeit austesten.

  • Anschließend hauptsächlich Bänder und Muskeln, die lateral am Os coccygis ansetzen, nach einem Hypertonus abtasten.

  • Eventuell mit der anderen Hand das Bein des Patienten in Abduktion anheben.

Bewertung: Beurteilt werden Flexionsbeweglichkeit des Os coccygis sowie Hypertonus und Spannung der dort ansetzenden Ligamente und Muskeln.

Hinweis

Eine intrarektale Untersuchung der Gelenkbeweglichkeit des Os coccygis liefert oft weitaus mehr Informationen.

Blockierungen des Os coccygis können oft mit folgenden Symptomen kombiniert sein:

  • Schmerzen beim Sitzen

  • Schmerzen bei der Defäkation

  • Kraniale Störungen, Kopfschmerzen, Depressionen

  • Tonusstörungen (oft Hypertonus) und Verkürzungen der Beckenbodenmuskulatur

  • Stressinkontinenz, Reizblase

  • Senkungen der Beckenorgane

Interpretation

  • Wenn nur Druckempfindlichkeit oder Bewegungseinschränkungen vorliegen, weist das auf eine sekundäre sakrokokzygeale Gelenkstörung hin, die häufig Folge eines Hypertonus des Beckenbodens ist.

  • Druckempfindlichkeit und Bewegungseinschränkungen des Os coccygis sprechen eher für eine primäre sakrokokzygeale Problematik, z. B. ein „Os coccygis anterior“. In diesem Fall kann eine direkte Korrekturbehandlung des Os coccygis sinnvoll sein.

  • Häufig liegen statische oder traumatische Veränderungen vor, bei denen Distorsionen des Beckens, ein Sturz auf das Gesäß, aber auch eine Überlastung durch sitzende Tätigkeit eine Rolle spielen können. Bei intrarektalen Palpationen sind manchmal Osteophyten tastbar.

  • Auf eine eingeschränkte Mobilität der Dura mater können Kopfschmerzen, Druck oder Spannung im Schädelbereich sowie Schwierigkeiten beim Vornüberbücken hinweisen.

  • Das Os coccygis kann in Flexion und in Seitneigung nach links oder rechts blockiert sein, aber nur selten in Extension.

  • Druckempfindlichkeit der sakrotuberalen und sakrospinalen Bänder kann sowohl auf Störungen im ISG oder CFG als auch auf eine Problematik der myofaszialen Ketten hindeuten.

Behandlung
Eine Behandlung amOscoccygisBehandlung sakrokokzygealen Übergang wird genauso wie die Untersuchung durchgeführt. Das Os coccygis wird bei vorhandenen Restriktionen gegen den Widerstand mobilisiert. Eine intrarektale Behandlung ist meist am effektivsten.
Bevor das Os coccygis behandelt wird, ist es sinnvoll, zuerst alle anderen Faktoren abzuklären bzw. andere Läsionen zu behandeln.

Tests am Coxofemoralgelenk

Bei den folgendenCoxofemoralgelenk (CFG)Tests Tests geht es um kleinere Störungen („minor disturbances“), die eine typische Indikation für osteopathische Thrust-Techniken sind. Die Tests sehen sehr einfach aus, doch um sie wirkungsvoll und korrekt ausführen zu können, bedarf es erfahrungsgemäß viel praktischer Übung.

Hinweis

Größere Störungen der Beweglichkeit sind ein Hinweis auf eine zugrunde liegende orthopädische Problematik, bei der auch eine klassische Therapie und nicht nur osteopathische Techniken erforderlich sind.

Coxofemoraler Traktionstest
Patient: in Rückenlage, Traktionstestcoxofemoralerdie Beine leicht gespreizt
Therapeut: am Fußende stehend
Ausführung (Abb. 4.86):
  • Das zu testende Bein gestreckt anheben und in ungefähr 30°-Flexion, 30°-Abduktion und 15°-Außenrotation führen.

  • Das heterolaterale Bein dabei mit dem eigenen Oberschenkel fixieren.

  • Mehrere Traktionen nacheinander ausführen. Mit einem kurzen Traktionszug wird zusätzlich versucht, die Gelenkflächen senkrecht voneinander zu separieren (Dekoaptation).

  • Anschließend am anderen Bein wiederholen.

Bewertung:
  • Beurteilt wird das Gelenkspiel in kaudaler Richtung bei Traktion und im Seitenvergleich.

  • Bei extremer Spannung von Gelenkkapsel und Bändern sollten zuerst vorsichtig andere Tests ausgeführt werden, um die Ursache herauszufinden.

  • Handelt es sich um eine leichte Einschränkung, z. B. durch eine kranial coxofemorale Läsion, sollte zuerst diese Blockierung gelöst und dann weiter getestet werden.

  • Durch fehlendes Gelenkspiel nach kaudal sind die Abduktion der gestreckten bzw. die Innenrotation der gebeugten Hüfte häufig eingeschränkt. In diesem Fall ist es möglich, Test und Behandlung mit einem zusätzlichen kaudalen Zug auszuführen. Die Technik wird weiter unten beschrieben (Kap. 4.6.13.4, Kap. 4.6.13.5).

Coxofemoraler Flexionstest in sagittaler Ebene
Patient: in Flexionstestcoxofemoraler, sagittale EbeneRückenlage
Therapeut: homolateral neben dem Patienten stehend
Ausführung (Abb. 4.87):
  • Die Hüfte maximal (etwa 120°) beugen.

  • Vor allem auf das Gefühl am Ende der Bewegung achten.

  • Anschließend die Technik auf der anderen Seite wiederholen.

Bewertung:
  • Normalbefund: weiches Endgefühl und kleines Gelenkspiel nach kaudal (Gleitbewegung des Caput femoris nach kaudal).

  • Ein etwas festeres Endgefühl ohne Schmerzen und ohne deutliche Bewegungseinschränkung deutet auf eine CF-Läsion in Extension, d. h. ein Ilium posterior CF hin.

Merke

Schmerzen und eine deutliche Bewegungseinschränkung sind Hinweise auf ein ernsteres Problem, z. B. eine Bursitis, Arthrose oder ein Psoas-Syndrom. Es sollte vorsichtig weiter abgeklärt werden.

Coxofemoraler Extensionstest in sagittaler Ebene
Patient: in Extensionstest (ETZ)coxofemoraler, sagittale EbeneBauchlage
Therapeut: homolateral neben dem Patienten stehend
Handposition:
  • Mit der kaudalen Hand das Knie umfassen.

  • Die kraniale Hand auf den Femurkopf legen.

Ausführung (Abb. 4.88):
  • Mit der kaudalen Hand das gestreckte oder im Knie angewinkelte Bein in einem Winkel von etwa 15–25° anheben, während die kraniale Hand den Femurkopf des Patienten nach ventral auf die Unterlage drückt.

  • Am Ende der sanft ausgeführten Extensionsbewegung etwas zurückkehren, leicht nachfedern und dann das Endgefühl auswerten.

  • Anschließend die Technik auf der anderen Seite wiederholen.

  • Um bei Instabilität der LWS eine Überlastung zu vermeiden, kann es notwendig sein, dass der Patient sein heterolaterales Bein am Boden abstützt.

Bewertung:
  • Beurteilt werden Endgefühl und Gelenkspiel (Gleiten des Caput femoris nach ventral), auch im Seitenvergleich.

  • Normalbefund: Das Endgefühl ist kapsulär und es ist ein gewisses „Gelenkspiel“ möglich. Für diese Bewertung ist Erfahrung notwendig.

  • Wenn dieses feine Gelenkspiel fehlt, spricht das für eine CF-Läsion in Flexion, d. h. eine Ilium-anterior-CF-Läsion.

Merke

Eine sehr deutliche, früh im Bewegungsablauf auftretende und eventuell schmerzhafte Bewegungseinschränkung ist eher ein Hinweis auf ein zugrunde liegendes orthopädisches Problem, z. B. eine Koxarthrose oder eine Kapselentzündung. Es sollte vorsichtig weiter abgeklärt werden.

Abduktionstest mit gestreckter Hüfte in frontaler Ebene
Patient: in heterolateralerAbduktionstest, Hüftegestreckte, frontale EbeneHüfte/HüftgelenkAbduktionstestfrontale Ebene Seitenlage. Das unten liegende Bein ist gebeugt, um eine stabile Seitenlage zu gewährleisten.
Therapeut: hinter neben dem Patienten stehend
Handposition:
  • Die kaudale Hand greift unter das homolaterale Bein und stabilisiert es knapp oberhalb des Knies.

  • Die kraniale Hand auf den Trochanter major legen.

Ausführung (Abb. 4.89):
  • Mit der kaudalen Hand das oben liegende Bein in Abduktion anheben, gleichzeitig mit der kranialen Hand Druck in Richtung Knie des unten liegenden, gebeugten Beins ausüben.

  • Am Ende des passiven Bewegungsausschlags etwas zur Ausgangsposition zurückkehren und mit federnden Bewegungen in Abduktion testen, ob der Femurkopf nach kaudal gleiten kann bzw. ein Gelenkspiel aufweist.

  • Den Patienten bitten, sich auf die andere Seite zu drehen und Technik am anderen Bein wiederholen.

Bewertung:
  • Gelenkspiel (Gleiten des Caput femoris nach kaudal).

  • Normalbefund: Kapsuläres Endgefühl, das sich etwas fester anfühlt und ein kleines Gelenkspiel nach kaudal erlaubt. Die Diagnose wird mit zunehmender Erfahrung leichter fallen.

  • Ein fehlendes Gelenkspiel mit bretthartem Endgefühl spricht für eine CF-Läsion in Adduktion, d. h. eine Ilium-CF-Inflare-Läsion.

Hinweis

Je nach Körpergröße des Therapeuten kann es ratsam sein, die Liege sehr niedrig einzustellen, um das Bein in Abduktion zu halten, während man zum Testen oder zur Behandlung eine kurze Traktion in Längsrichtung des Beins ausführt (Abb. 4.90).

Innenrotationstest mit gebeugter Hüfte in frontaler Ebene
Patient: inHüfte/HüftgelenkInnenrotationstestfrontale Ebene InnenrotationstestHüftegebeugte, frontale EbeneRückenlage
Therapeut: neben dem Patienten auf der Liege sitzend
Handposition: Bein des Patienten anwinkeln und den Oberschenkel mit beiden Händen von innen und außen umgreifen.
Ausführung (Abb. 4.91):
  • Die Hüfte um etwa 90° beugen und das Bein über den Oberschenkel in Innenrotation führen.

  • Durch schnelle, ganz kurze Bewegungen in Innenrotation am Ende des passiven Bewegungsausschlags das Gelenkspiel nach kaudal testen.

  • Eventuell zusätzlich eine sanfte, schnelle Traktion nach kaudal ausführen.

Bewertung:
  • Gelenkspiel (Gleiten des Caput femoris nach kaudal) und Zurückfedern des Gelenks.

  • Bei fehlendem Gelenkspiel und hartem Endgefühl ist eine CF-Läsion in Außenrotation bei gebeugter Hüfte zu vermuten.

Adduktionstest mit gestreckter Hüfte in frontaler Ebene
Patient: inHüfte/HüftgelenkAdduktionstestfrontale Ebene Adduktionstest, Hüftegestreckte, frontale EbeneRückenlage
Therapeut: am Fußende stehend
Ausführung (Abb. 4.92):
  • Das heterolaterale Bein des Patienten beugen und den Fuß über das Knie des zu testenden Beins auf die Liege stellen.

  • Das gebeugte Bein mit einer Hand im Kniebereich fixieren und mit der anderen Hand das zu testende Bein in Adduktion heben.

  • Durch schnelle, ganz kurze Bewegungen in Adduktion am Ende des passiven Bewegungsausschlags das Gelenkspiel nach kranial testen.

  • Eventuell zusätzlich einen schnellen Stoß kranialwärts ausführen.

  • Nach dem Wechsel des Beins den Test wiederholen.

Bewertung:
  • Gelenkspiel in Adduktion (Gleiten des Caput femoris nach kranial) und Seitenvergleich.

  • Normalbefund: Kapsuläres Endgefühl, das sich etwas fester anfühlt und ein kleines Gelenkspiel nach kranial; mit zunehmender Erfahrung lässt sich dies immer besser beurteilen.

  • Ein fehlendes Gelenkspiel mit hartem Endgefühl spricht für eine CF-Läsion in Abduktion, d. h. eine Ilium-CF-Outflare-Läsion.

Außenrotationstest mit gebeugter Hüfte in frontaler Ebene
Patient: inHüfte/HüftgelenkAußenrotationstest, frontale Ebene AußenrotationstestHüftegebeugte, frontale EbeneAußenrotationHüftegebeugteRückenlage
Therapeut: neben dem Patienten auf der Liege sitzend
Handposition: Bein des Patienten anwinkeln und den Oberschenkel mit beiden Händen von innen und außen umgreifen.
Ausführung (Abb. 4.93):
  • Hüfte um etwa 90° beugen und das Bein in Außenrotation führen.

  • Durch schnelle, ganz kurze Bewegungen in Außenrotation am Ende des passiven Bewegungsausschlags das Gelenkspiel nach kranial testen.

Bewertung:
  • Gelenkspiel in Außenrotation (Gleiten des Caput femoris nach kranial) und eventuelles Zurückfedern.

  • Ein fehlendes Gelenkspiel mit hartem Endgefühl legt eine CF-Läsion in Innenrotation der gebeugten Hüfte nahe.

Außenrotationstest mit gestreckter Hüfte in transversaler Ebene
Patient: in AußenrotationstestHüftegestreckte, transversale EbeneHüfte/HüftgelenkAußenrotationstest, frontale EbeneAußenrotationHüftegestreckteRückenlage
Therapeut: am Fußende stehend, mit Blick zum Kopfteil der Liege
Handposition: Unterarme überkreuzen und die Beine genau oberhalb der Sprunggelenke mit den Händen so umgreifen, dass die Fersen in den Handflächen liegen; so können beide Seiten gleichzeitig getestet werden.
Ausführung: Durch schnelle, ganz kurze Bewegungen in Außenrotation am Ende des passiven Bewegungsausschlags das Gelenkspiel nach ventral testen (Abb. 4.94).
Bewertung:
  • Gelenkspiel in Außenrotation und Seitenvergleich (Gleiten des Caput femoris nach ventral).

  • Normalbefund: Kapsuläres Endgefühl, das relativ leicht zu diagnostizieren ist, und ein kleines Gelenkspiel nach ventral.

  • Ein fehlendes Gelenkspiel mit hartem Endgefühl deutet auf eine CF-Läsion in Innenrotation, d. h. eine Ilium-CF-Außenrotations-Läsion hin.

Abduktionstest mit gebeugter Hüfte in transversaler Ebene
Patient: in Hüfte/HüftgelenkAbduktionstesttransversale EbeneAbduktionstest, Hüftegebeugte, transversale EbeneRückenlage
Therapeut: neben dem Patienten auf der Liege sitzend
Handposition:
  • Bein des Patienten mit der kaudalen Hand im Kniebereich umfassen und anwinkeln.

  • Die kraniale Hand mit der ulnaren Kante lateral in Höhe des Trochanter major legen.

Ausführung (Abb. 4.95):
  • Die Hüfte um etwa 90° beugen und das Bein bis zu einem Winkel von ungefähr 45° in Abduktion führen.

  • Durch schnelle, ganz kurze Bewegungen im Kniebereich am Ende des passiven Bewegungsausschlags das Gelenkspiel in Abduktion testen.

  • Zusätzlich mit der kranialen Hand sanft und schnell in Höhe des Collum femoris einen Zug in ventraler Richtung ausführen.

Bewertung:
  • Gelenkspiel in Abduktion (Gleiten des Caput femoris nach ventral).

  • Ein fehlendes Gelenkspiel mit hartem Endgefühl spricht für eine CF-Läsion in Adduktion der gebeugten Hüfte.

Innenrotationstest mit gestreckter Hüfte in transversaler Ebene
Patient: in InnenrotationstestHüftegestreckte, transversale EbeneHüfte/HüftgelenkInnenrotationstesttransversale EbeneRückenlage
Therapeut: am Fußende stehend, mit Blick zum Kopfteil der Liege
Handposition: Mit beiden Händen die Beine des Patienten genau oberhalb der Sprunggelenke so umgreifen, dass die Fersen in den Handflächen liegen; dadurch können beide Seiten gleichzeitig getestet werden.
Ausführung: Durch schnelle, ganz kurze Bewegungen in Innenrotation am Ende des passiven Bewegungsausschlags das Gelenkspiel nach dorsal testen (Abb. 4.96).
Bewertung:
  • Gelenkspiel in Innenrotation (Gleiten des Caput femoris nach dorsal).

  • Normalbefund: Kapsuläres Endgefühl, das relativ leicht zu diagnostizieren ist.

  • Ein fehlendes Gelenkspiel mit hartem Endgefühl weist auf eine CF-Läsion in Außenrotation, d. h. eine Ilium-CF-Innenrotations-Läsion hin.

Adduktionstest mit gebeugter Hüfte in transversaler Ebene
Patient: in Adduktionstest, Hüftegebeugte, transversale EbeneHüfte/HüftgelenkAdduktionstesttransversale EbeneRückenlage
Therapeut: neben dem Patienten auf der Liege sitzend, mit Blick nach kranial
Handposition:
  • Bein des Patienten mit der kranialen Hand im Kniebereich umfassen und anwinkeln.

  • Die kaudale Hand mit der ulnaren Kante in die Leiste des Patienten legen, möglichst nah an das Collum femoris.

Ausführung (Abb. 4.97):
  • Die Hüfte um etwa 90° beugen und das Bein bis zu einem Winkel von ungefähr 15–20° in Adduktion führen.

  • Durch schnelle, ganz kurze Bewegungen im Kniebereich am Ende des passiven Bewegungsausschlags das Gelenkspiel in Adduktion testen.

  • Zusätzlich mit der kaudalen Hand in Höhe des Collum femoris sanft und schnell einen Zug dorsalwärts ausführen.

Bewertung:
  • Gelenkspiel in Adduktion.

  • Bei fehlendem Gelenkspiel und hartem Endgefühl ist eine CF-Läsion in Abduktion der gebeugten Hüfte zu vermuten.

Testen des lumbosakralen Übergangs

Wenn der allgemeineLumbosakraler ÜbergangBeweglichkeitLumbosakraler ÜbergangTest statische und dynamische Screening-Test (Kap. 4.5.2) und der FTZ (Kap. 4.6.3.2) auf eine lumbosakrale Problematik hinweisen, bietet sich der folgende Test zur Überprüfung an. Dabei wird in zwei Schritten von L5 zu S1 vorgegangen.
Schritt 1: Flexions- bzw. Extensionsbeweglichkeit von L5–S1 testen
Patient: sitzend, dieLumbosakraler ÜbergangBeweglichkeitFlexion/Extension Extensionlumbosakraler ÜbergangFlexionlumbosakraler ÜbergangArme vor der Brust gekreuzt
Therapeut: hinter dem Patienten stehend
Handposition:
  • Mit einem Arm den Oberkörper des Patienten umgreifen.

  • Die Finger der anderen Hand betasten den lumbosakralen Übergang.

Ausführung (Abb. 4.98):
  • passive Flexion des Oberkörpers bis in den lumbosakralen Übergang

  • anschließend passive Extension des Oberkörper bis L5–S1

Bewertung:
  • Beweglichkeit in Flexion bzw. Extension.

  • Eine Bewegungseinschränkung weist auf eine Läsion nach dem 2. Gesetz von Fryette – ER(x)S(x) oder FR(x)S(x), Kap. 3.7.2 – hin.

  • Wenn die Einschränkung von Flexion oder Extension nicht sehr deutlich spürbar ist, kann es sich um eine neutrale Läsion – NS(x)R(y), Kap. 3.7.1 – nach dem 1. Gesetz von Fryette handeln.

Anhand der Seitneigung lässt sich in einem weiteren Testschritt differenzieren, ob es sich um eine Läsion nach dem 1. oder dem 2. Gesetz von Fryette handelt.
Schritt 2: Beweglichkeit bei Seitneigung in Kombination mit Rotation von L5–S1 testen
Patient: entspannt, in Lumbosakraler ÜbergangBeweglichkeitSeitneigung mit Rotationneutraler Haltung sitzend, die Arme vor der Brust gekreuzt
Therapeut: hinter dem Patienten stehend
Handposition:
  • Mit einem Arm den Oberkörper des Patienten umgreifen.

  • Die Finger der anderen Hand betasten den lumbosakralen Übergang.

Ausführung:
  • Passive Lateralflexion des Oberkörpers, zunächst zur einen, dann zur anderen Seite.

  • Mit den Fingerspitzen im lumbosakralen Übergang zwischen L5 und S1 spüren, auf welcher Seite die Lateralflexion leichter geht; dies ist die Läsionsseite.

  • Anschließend die besser funktionierende Seitneigung (z. B. nach rechts) wiederholen und die damit gekoppelte Rotation von L5 über die Bewegung des Proc. spinosus wahrnehmen, die automatisch am Ende der Seitneigung auftritt.

Bewertung: Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten:
  • Der Proc. spinosus von L5 bewegt sich zu der Seite, zu der die Seitneigung erfolgt (z. B. nach rechts). Das weist auf eine Rotation von L5 in entgegengesetzter Richtung (nach links) hin. L5 befindet sich in einer Läsion NS(rechts)R(links). Meist liegt hierbei eine Gruppenläsion mehrerer Lendenwirbel vor.

  • Der Proc. spinosus von L5 bewegt sich in entgegengesetzter Richtung (nach links) zur Seitneigung (nach rechts). Das weist auf eine Rotation von L5 zur gleichen Seite (nach rechts) hin. L5 befindet sich entweder in einer Läsion ER(rechts)S(rechts) oder FR(rechts)S(rechts).

Anhand der Tests in Flexion und Extension wird die Läsion bestimmt.
In Kap. 3.7 wird darauf hingewiesen, dass es wissenschaftlich nicht belegt wurde, wie und ob eine Kopplung von Seitneigung und Rotation in vivo auftritt. Es ist daher sicherlich sinnvoll, die klinischen Befunde theoretischen Modellen vorzuziehen.

Hinweis

In diesem Sinne ist es oft angebrachter, die Wirbelsäule und damit auch den lumbosakralen Übergang separat in Flexion-Extension, danach in Seitneigung links-rechts und zuletzt in Rotation links-rechts zu testen! Es ist erfahrungsgemäß nicht so erfolgreich, sich stur auf die Gesetze von Fryette zu verlassen.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen