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B978-3-437-56474-1.00006-4

10.1016/B978-3-437-56474-1.00006-4

978-3-437-56474-1

Palpation von Lage, Form, Größe und Tonus der Harnblase.

Perkussion derSuprapubische Region, Perkussion suprapubischen Region.

Das chronische Beckensyndrom.

Messergebnisreihe 1. a: Messung mit Analsonde. b: Nach drei osteopathischen Behandlungen beschwerdefreier Patient.

Messergebnisreihe 2. a: Messung mit Analsonde, gute Funktionalität des Analsphinkters. b: Messung mit Vaginalsonde, Schwäche der vaginalen Muskulatur.

Messergebnisreihe 3. a: Messung mit Vaginalsonde, schlechte Funktionalität der Vaginalmuskulatur. b: Nach zwei osteopathischen Behandlungen innerhalb von 4 Wochen und täglichem häuslichem Üben der Patientin bereits bessere Maximalkraft, aber fehlende Ausdauer. c: Nach zwei weiteren osteopathischen Behandlungen innerhalb der folgenden 4 Wochen gute Maximalkraft und Ausdauer der vaginalen Muskulatur.

Messergebnisreihe 4. a: Messung mit Analsonde. b: Deutliche Senkung des Grundtonus und Besserung der Maximalkraft nach sechs osteopathischen Behandlungen und häuslichen Übungen.

Messergebnis 5.

Lösen von Verklebungen zwischen Intestinum tenue und der Harnblase.

Lösen von Verklebungen zwischen Uterus und Harnblase.

Lösen von Verklebungen zwischen Fascia iliaca und Peritoneum des Zäkums.

Lösen von Verklebungen zwischen Fascia iliaca und Peritoneum des Colon sigmoideum.

Mobilisation der Gleitflächen zwischen den Darmstrukturen und der Harnblase.

Mobilisation der Gleitschichten zwischen dem abdominalen Organpaket und der Harnblase mit einem langen Hebelarm.

Untersuchung des Lig. umbilicale medianum.

Untersuchung des Lig. teres hepatis.

Behandlung des Lig. umbilicale medianum mit direkter Technik ohne Hebelarm.

Direkte Technik „symphyso-xiphoidale“ ohne Hebelarm.

Fasziale Technik des Lig. umbilicale medianum.

Untersuchung des Lig. umbilicale mediale, Phase 1.

Untersuchung des Lig. umbilicale mediale, Phase 2.

Behandlung des Lig. umbilicale mediale mit indirekter Technik ohne Hebelarm.

Schema desBeckenbodenAnatomie Beckenbodens.

Ebene des Beckenbodens, von Symphysis pubica bis zur Spina ischiadica (Ebene des Arcus m. levator ani tendineus).

Untersuchung und Behandlung der Beckenbodenmuskeln in Rückenlage mit direkter Technik ohne Hebelarm.

Untersuchung und Behandlung der Beckenbodenmuskeln in Rückenlage in direkter Technik und langem Hebelarm.

Untersuchung und Behandlung: Fasziale Technik der Beckenbodenmuskeln in Rückenlage.

Untersuchung und Behandlung: Beckenbodenmuskeln in Seitenlage.

Untersuchung und Behandlung des Centrum tendineum perinei = „Sterntest“.

Untersuchung und Behandlung der Membrana obturatoria in Rückenlage.

Untersuchung und Behandlung der Membrana obturatoria in Seitenlage.

Traktions- und Spannungstest der Mm. obturatorii.

Dehnungstest der Mm. obturatorii.

Postisometrische Relaxierung der Mm. obturatorii.

Lösen von faszialen Verklebungen und Spannungen in Bereich der Mm. obturatorii.

Untersuchung der laterolateralen Beweglichkeit der Harnblase.

Direkte Behandlung der laterolateralen Beweglichkeit der Harnblase mit langem Hebelarm.

Indirekte Behandlung der laterolateralen Beweglichkeit der Harnblase mit langem Hebelarm.

Untersuchung und Behandlung des Lig. pubovesicale oder des vorderen Bereichs der Lamina SRGVP.

Behandlung des Lig. pubovesicale oder des vorderen Bereichs der Lamina SRGVP mit langem Hebelarm.

Indirekte, fasziale Technik des Lig. pubovesicale oder des vorderen Bereichs der Lamina SRGVP mit langem Hebelarm.

Untersuchung des hinteren Bereichs der Lamina SRGVP.

Behandlung des hinteren Bereichs der Lamina SRGVP.

Fasziale Behandlung des hinteren Teils der Lamina SRGVP.

Untersuchung und Behandlung der kraniokaudalen Beweglichkeit der Harnblase, Urethra und Prostata (beim Mann) über die Membrana obturatoria.

Untersuchung und Behandlung der kraniokaudalen Beweglichkeit der Harnblase, Urethra und Prostata (beim Mann) über den Beckenboden.

Untersuchung und Behandlung der kraniokaudalen Beweglichkeit der Harnblase, Urethra und Prostata (beim Mann) über die Ligg. umbilicalia medialia im Sitzen.

Untersuchung und Behandlung der kraniokaudalen Beweglichkeit der Harnblase, Urethra und Prostata (beim Mann) über die Ligg. umbilicalia medialia in Rückenlage.

Motilität der Harnblase.

MotilitätstestMotilitätstest, Harnblase der Harnblase.

Untersuchung und BehandlungHarnblasePtoseUntersuchung/Behandlung Ptose, Harnblaseeiner Harnblasenptose.

Untersuchung und Behandlung des Aufhängeapparats der Prostata.

Interne Untersuchung und Behandlung der Excavatio rectovesicalis.

Form des Uterus.

Orientierende Palpation.

Schema der FixierungsbänderBeckenkleinesBindegewebsräumeBeckenkleinesFixierungsbänder und Bindegewebsräume im kleinen Becken. Transversalschnitt in Höhe der Cervix uteri.

a: Physiologische LageUterusLagephysiologische des Uterus. b: Beginnender Descensus uteri, der Uterus tritt tiefer. Durch die enge Verbindung zwischen Scheidenvorhofwand und Harnblase sowie Scheidenhinterwand und Darm kommt es meist auch zur Senkung der HarnblaseUterusTotalprolapsProlapsus uteri (Zystozele), des Mastdarms (Rektozele) oder beider (Zysto-Rektozele). c: Totalprolaps des Uterus mit Hervorstülpen der Vagina.

Einfluss des abdominalen DrucksDruckabdominalerUterusLageDruck, abdominaler auf die Lage des Uterus.

Lösen von Verklebungen zwischen Intestinum tenue, Harnblase, Zäkum, Colon sigmoideum und Uterus. Aufteilung der Bereiche siehe Text.

Untersuchung des Lig. teres uteri und der Gleitschichten der Excavatio vesicouterina.

Indirekte Behandlung des Lig. teres uteri und der Gleitschichten der Excavatio vesicouterina.

Untersuchung und Behandlung des Lig. teres uteri rechts in Seitenlage.

Untersuchung und Behandlung des oberen Abschnitts des Lig. latum uteri oder Mesometrium.

Untersuchung und Behandlung des oberen Abschnitts des linken Lig. latum uteri in Rückenlage mit langem Hebelarm.

Untersuchung und Behandlung des oberen Abschnitts des linken Lig. latum uteri in Rückenlage mit langem Hebelarm.

Indirekte Behandlung des oberen Abschnitts des linken Lig. latum uteri in Rückenlage mit langem Hebelarm.

Outflare des rechten Iliums, um das Parametrium zu entspannen und tiefer in den Beckenboden eindringen zu können.

Untersuchung der SpannungOvarienSpannung, in Rückenlage in Höhe des Ovars in Rückenlage.

Behandlung der Aufhängebänder des OvarsOvarienAufhängebänder, Behandlung in Rückenlage (direkte Technik).

Behandlung der AufhängebänderOvarienAufhängebänder, Behandlung des Ovars in Rückenlage (indirekte Technik).

Untersuchung und BehandlungOvarienAufhängebänder, Behandlung der Aufhängebänder des Ovars in Rückenlage (indirekte Technik).

Medianschnitt. Hypertonus der Ligg. uterosacralia mit Anteversion des Uterus, Einengung der Harnblase und des Rektums sowie Mobilitätseinschränkung des Sakrums.

Untersuchung der Ligg. uterosacralia in Rückenlage.

Behandlung des Lig. uterosacrale (rechts) in Seitenlage.

Behandlung der Ligg. uterosacralia in Bauchlage.

a: Behandlung der Ligg. uterosacralia in Rückenlage. b: Schematische Darstellung der Behandlung.

Untersuchung der Gleitflächen der Excavatio rectouterina.

Behandlung der Gleitflächen der Excavatio rectouterina.

Behandlung einer fixierten Senkung der Gebärmutter.

Untersuchung und Behandlung der Motilität der Gebärmutter.

Untersuchung und Behandlung der Ligg. uterosacralia bei einer Retroversion des Uterus (rektal).

Untersuchung und Behandlung des Lig. teres uteri bei einer Anteversion des Uterus (vaginal).

Untersuchung und Behandlung des Lig. latum uteri (rechts) (vaginal).

Mobilisation des Aufhängeapparats des Uterus nach kranial (vaginal).

Untersuchung und Behandlung der linken Adnexe und der linken Excavatio rectouterina in kraniokaudaler Richtung.

Raumnot im Uterus als Belastungsfaktor für das Kind. Links: Beckenendlage mit „Überlastung“ der unteren Extremitäten. Rechts: Querlage mit „Stress“ der rechten oberen Extremität und des rechten Schulter-Nacken-Bereichs.

Erspüren der Kopfposition.

Abtasten der abdominalen bzw. dorsalen Seite des Fetus und Lösen von Spannungen.

Mobilisation der Gleitflächen zwischen dem Uterus und den umgebenden Organen.

Behandlung des Lig. teres uteri.

Behandlung der kranialen Beweglichkeit des Rektums.

Allgemeine entstauende Technik des kleinen Beckens: Übung 1.

Allgemeine entstauende Technik des kleinen Beckens: Übung 2.

Das „große abdominale Manöver“.

Formen und Auslöser/Ursachen derStressinkontinenzBelastungsinkontinenzDranginkontinenzÜberlaufinkontinenzReflexinkontinenzUrge-Inkontinenz Harninkontinenz

Tab. 6.1
Form Auslöser/Ursache
Stress- oder Belastungsinkontinenz erhöhter intraabdominaler Druck
Urge- oder Dranginkontinenz imperativer Harndrang
Überlaufinkontinenz passive Überdehnung der Blasenwand und Schwäche der Detrusormuskulatur
Reflexinkontinenz neurologische Erkrankungen
Sonderformen, z. B. Enuresis (Bettnässen) unterschiedliche Ursachen

Untersuchung und Behandlung des Beckenbindegewebes

Merke

  • BehandeltBeckenbindegewebe, Untersuchung/Behandlung wird nur das Bindegewebe und damit die Beweglichkeit eines Organs, nicht das Organ selbst (Kap. 2.6.4).

  • Osteopathische Techniken im abdominalen Bereich dürfen niemals hart sein, verletzen oder Schmerz auslösen.

  • Entscheidend für den Behandlungserfolg sind „Zartheit“ und Behutsamkeit bei der Anwendung dieser Techniken.

  • Bezüglich der Viskoelastizität des lebendigen Gewebes ist es wichtig, sich bei der Behandlung Zeit zu lassen.

Die Beckenorgane erfordern sehr subtile und behutsame Untersuchungs- und Behandlungstechniken, die sehr viel Fingerspitzengefühl und geübtes Palpieren voraussetzen. Wichtig ist, dass es sich hier – anders als bei der Behandlung von Gelenken – nicht um große Widerstände oder „Sperren“ handelt, sondern um feine Spannungsunterschiede.

Jede Spannung oder eingeschränkte Mobilität dieser Gewebe hat tiefgreifende Auswirkungen auf die durchziehenden Gefäße und Nerven. Daraus resultiert eine Symptomatik, die oft sehr viel weitreichender ist, als zuerst vermutet oder erwartet wird, insbesondere wenn die Spannungsproblematik länger bestand.

Hinweis

Man sollte zuerst immer etwas Haut gewinnen, bevor man in den Bauchraum eindringt. Diese generelle Voraussetzung wird bei der Beschreibung der einzelnen Techniken nicht immer ausdrücklich betont.

Bindegewebe der Harnblase

Abdominales Screening

Diese in Kap. 4.5.5 beschriebeneHarnblaseBindegewebe Untersuchung ermöglicht eine allgemeine Orientierung, in welchen viszeralen Bereichen Bewegungseinschränkungen, aber auch Kontraindikationen vorliegen.

Osteopathische Untersuchung

Anamnese und mögliche Kontraindikationen

Achtung

Bei der Anamnese ist es wichtig, Kontraindikationen zu erkennen. In Zweifelsfällen Kontakt mit dem behandelnden Arzt aufnehmen oder den Patienten zum Arzt zurücküberweisen.

Urinfarbe
Normalerweise hatUrinFarbe wenig konzentrierter Urin eine helle Farbe und konzentrierter Urin eine dunkle Farbe.
  • Blut im Urin, rote bis braunrote Färbung oder sehr dunkler, trüber, schlecht riechender Urin kann auf eine Hämaturie oder Myoglobinurie hinweisen. Allerdings kann sich der Urin auch durch Medikamente oder Nahrungsmittel, wie z. B. rote Bete, verfärben. Zur Sicherheit sollte der Patient dazu befragt und ggf. sofort zum Arzt überwiesen werden.

  • Eine bierbraune Farbe des Urins mit Schaum kann auf Leber- oder Gallenwegserkrankungen (Bilirubin) hindeuten → Überweisung des Patienten zum Arzt.

  • Eine weiße, trübe Farbe spricht für eitrige Entzündungen oder Störungen des Kalzium- und Magnesiumphosphatstoffwechels → Überweisung des Patienten zum Arzt.

Zusammensetzung des Urins
Zur Orientierung kann einUrinZusammensetzung Streifenschnelltest (z. B. Combur-Test) durchgeführt werden. Glukosurie, Proteinurie, Keton- bzw. Azetonurie und Leukozyturie können auf Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus oder Entzündungen hinweisen. Diese Zeichen sind aber unspezifisch und sollten deswegen immer von einem Arzt abgeklärt werden.
Schmerzen beim Wasserlassen
  • Sie könnenSchmerzenbeim Wasserlassen auf eine Entzündung der Harnblase, der Urethra oder der Prostata hinweisen und sollten vom Arzt abgeklärt werden.

  • Ist gleichzeitig das Wasserlassen erschwert oder verzögert und eventuell sogar mit Krämpfen verbunden, kann auch eine Obstruktion des Blasenausgangs vorliegen, z. B. durch Prostatakarzinom oder -hypertrophie. In diesem Fall muss der Patient zum Arzt überwiesen werden.

Inkontinenz
  • Bei starkerInkontinenzUrsachen und dauerhafter Inkontinenz kann eine Rückenmarkschädigung vorliegen, allerdings ist sie meist mit deutlichen Lähmungserscheinungen kombiniert.

  • Kommt es bei Druckerhöhung im Abdomen, z. B. beim Husten oder Niesen, zu einer inkompletten oder Stressinkontinenz, könnte die Beweglichkeit der Harnblase eingeschränkt sein; dies ist eine Indikation für eine osteopathische Behandlung.

  • Allerdings könnte auch ein Prostatakarzinom oder z. B. eine Sphinkterläsion bei der Entbindung der Grund für eine Inkontinenz sein. Auch hierbei muss die Symptomatik zuerst vom Arzt abgeklärt werden.

Veränderungen des Urinvolumens und der Miktionshäufigkeit
  • PollakisurieUrinVolumenveränderungMiktionsfrequenz, Veränderungen Pollakisurie(Drang zu häufigem Wasserlassen ohne vermehrte Urinausscheidung): Sie kann bei verminderter Beweglichkeit oder Dehnbarkeit der Harnblase, Reizblase oder fixierter Anteversio uteri auftreten, aber auch tumorbedingt sein → vom Arzt abklären lassen.

  • Seltene Miktion: Oft spielen hier Blasenausgangsobstruktionen eine Rolle → vom Arzt abklären lassen.

  • PolyuriePolyurie (Drang zu häufigem Wasserlassen mit vermehrter Urinausscheidung): Hinweis auf vermehrten Flüssigkeitskonsum, eventuell aber auch auf Niereninsuffizienz oder Diabetes → vom Arzt abklären lassen.

  • Bei Zweifeln zusätzlich eine Perkussion der Harnblase durchführen.

Palpationsbefund

Merke

Vor der Untersuchung sollte der Patient die Harnblase entleeren.

Der abdominale BereichHarnblasePalpationsbefund wird bei der Palpation in verschiedene Quadranten eingeteilt (Kap. 4.5.5, Abb. 4.23). Hier wird auf das Bindegewebe der Organe im inguinalen und suprapubischen Bereich eingegangen.
Informationen überHarnblaseForm/LageHarnblaseGröße/Tonus Lage, Größe, Form und Tonus der Harnblase lassen sich nur durch vaginale bzw. rektale Palpation (Kap. 6.1.3.11) oder bildgebende Verfahren gewinnen. Doch die externe Palpation und Perkussion kann erste Anhaltspunkte vermitteln. Der Therapeut sollte bei der abdominalen Palpation die Spannung der Organe unter seinen Händen und die Leichtigkeit, mit der sie sich verschieben lassen, vergleichen.
Lage, Größe, Form und Tonus der Harnblase
Anatomie Kap. 2.6.4.1
Patient: in Rückenlage, Knie angewinkelt und Füße auf die Liege gestellt
Therapeut: seitlich neben dem Patienten stehend
Ausführung:
Bewertung:
  • Da die entleerte Harnblase normalerweise direkt hinter dem Os pubis liegt und nur bei Füllung über das Schambein hinausragt, ist eine direkte Palpation durch die Bauchwand schwierig.

  • Wenn sie doch oberhalb des Os pubis spürbar ist oder indirekt perkutiert werden kann, lässt das an eine Blasenvergrößerung denken, vermutlich durch Obstruktion, Tumor oder Divertikelbildung. Der Patient sollte zum Arzt überwiesen werden.

Lymphknotenbefund
Tastbare inguinaleHarnblaseLymphknotenbefund Lymphknoten sollten auf Größe, Verschieblichkeit, Festigkeit und Schmerzhaftigkeit untersucht werden.
  • Entzündete Lymphknoten sind vergrößert und druckempfindlich. Oft ist die darüberliegende Haut gerötet und entzündet.

  • Maligne Lymphknotenschwellungen sind gewöhnlich nicht druckempfindlich und unterschiedlich groß (bis zu 3–4 cm). Meist sind sie sehr fest (gummiartig) und hart mit unregelmäßiger Oberfläche. Besonders groß ist der Verdacht auf Malignität, wenn die geschwollenen Lymphknoten mit dem umgebenden Gewebe „verbacken“ und wenig empfindlich bei der Palpation sind.

  • Eine generalisierte Lymphknotenschwellung sollte immer als höchst verdächtig eingestuft werden (vor allem bei Beteiligung der supraklavikulären Lymphknoten).

Achtung

Bei verdächtigen Lymphknotenschwellungen sollte der Patient sofort zum Arzt überwiesen werden.

Sonstige Symptome
Bei folgenden Symptomen ist eine ärztliche Abklärung immer erforderlich:
  • Fieber (über 38 °C).

  • Nachtschweiß.

  • Plötzlicher, unbeabsichtigter Gewichtsverlust.

  • Fremdkörpergefühl im Unterbauch.

  • Unspezifische Darmsymptome wie Blähungen oder Schmerzen beim Stuhlgang.

  • Unklare Unterbauchbeschwerden.

  • Inguinal- und Femoralhernien (Kap. 2.3.4.8): Sie sind als Verdickung entweder lateral vom Tuberculum pubicum und oberhalb des Lig. inguinale (Inguinalhernie) oder medial und unterhalb des Lig. inguinale (Femoralhernie) zu tasten. Beim Palpieren ist spürbar, wie der ausgestülpte Peritonealsack, z. B. beim Husten oder Pressen, gegen die Fingerkuppen stößt.

  • Jede, auch eine schmerzlose Vergrößerung des Hodens muss vom Arzt abgeklärt werden.

Einige osteopathische Indikationen
Instabile Blase
StressinkontinenzHarnblaseinstabile oder die Symptome einer „instabilen Blase“ können auch auf eine fixierte Blasensenkung zurückzuführen sein. Erfahrungsgemäß ist dies eine Indikation, die sich nach Ausschluss organischer und neurologischer Störungen durch den Arzt sehr gut osteopathisch behandeln lässt.
Das „chronische Beckensyndrom“
Es ist spannend zuBeckensyndrom, chronisches entdecken, dass auch der Psychologe D. Wise und der Professor für Urologie R. Anderson „osteopathisches Gedankengut“ multidisziplinär ergänzen. Sie betonen, dass einige Probleme der Beckenorgane auf funktionelle Störungen in Form einer chronischen Muskelverspannung im Becken zurückzuführen sind, was sie unter dem Chronic Pelvic Pain SyndromesBegriff Chronic Pelvic Pain Syndromes (chronische Schmerzsyndrome im Beckenbereich) zusammenfassen. Bei der Therapie betonen sie, dass eine multidisziplinäre Behandlung durch ein Team, bestehend aus einem Urologen, einem Psychologen und einem Physiotherapeuten, durchgeführt werden sollte. Dieses Team arbeitet erfolgreich mit dem Stanford Protocol, das z. B. aus Triggerpunkt-Behandlung, Entspannungstechniken und Heimübungen besteht [121].

Dem Autor ist es ein echtes Anliegen, die möglichen (physischen und psychischen) Ursachen nicht nur unter muskulären (Hypertonus, Triggerpunkte), sondern auch unter myofaszialen (Hypertonus und Verklebungen des Bindegewebes) und peritonealen Gesichtspunkten (Verklebungen, Vernarbungen) zu betrachten. Diese Muskelverspannungen im Becken verdeutlichen die Neigung, sich auf den Beckenboden zu fokussieren: Sie beinhalten häufig emotionale oder psychische Komponenten (z. B. Angst, Stress, Trauma), haben aber oft auch mit dem „Unwissen“ bzw. mit der „Unfähigkeit“ dem eigenen Körper und Körpergefühl gegenüber zu tun! Das Loslassen, das Entspannen können ist eine „Gediegenheit“, die es lohnt, gepflegt zu werden. Dazu muss der Patient allerdings zur aktiven Kooperation bereit sein. Auch Biofeedbacksysteme für den Patienten können manchmal sinnvoll sein!

Faktoren der ursächlichen Problematik des Beckensyndroms (Abb. 6.3):
  • Neurologische Faktoren

  • Mechanische Schließungsfaktoren

  • Parenchymatöse Faktoren

  • Umgebungsfaktoren

Zur Entwicklung einer sinnvollen Strategie bei der Behandlung des Beckensyndroms ist unbedingt die Integration dieser verschiedenen Faktoren in die Untersuchung erforderlich. Da es nicht unbedingt eine lineare Beziehung zwischen diesen Faktoren geben muss, sondern sie auch dreidimensional vernetzt, verknüpft, verwachsen usw. sein können, erachtet der Autor es für schwierig, in einer Privatpraxis wissenschaftlich repräsentative Studien durchzuführen. Umso wichtiger erscheint es ihm, einen Brückenschlag zwischen Empirie und wissenschaftlich klinischen Studien zu schaffen, um gemeinsam praktisch-funktionelle Strategien zu erarbeiten.
Der Urologe H. Miller spricht in diesem Zusammenhang vonStress-Prostatitis einer Stress-Prostatitis [77]. Auch Ullrich et al. bestätigen, dass es Verbindungen zwischen psychologischem Stress und der Beckenproblematik beim Mann gibt [119]. Sie weisen darauf hin, dass weitere Untersuchungen notwendig sind.
Diese Verspannungen und Verklebungen der myofaszialen Beckenstrukturen können auf Dauer für einen chronischen Hypertonus, schmerzhafte Triggerpunkte und einen reduzierten arteriellen und venolymphatischen Fluss im myofaszialen Gewebe des Beckens sorgen. In dem vorliegenden Buch wird versucht, gerade diese funktionellen Verbindungen und die Bedeutung des Spannungsausgleichs (Tensegrity) zwischen den Beckenmuskeln auf der einen (insbesondere M. levator ani, M. obturatorius internus, M. obturatorius externus, M. piriformis und ihre Faszien) und den bindegewebigen und peritonealen Aufhängungen der Beckenorgane auf der anderen Seite aufzuzeigen (Kap. 3).

Merke

Es ist die ausgeglichene Spannungsfreiheit zwischen den myofaszialen Strukturen, die den freien Verlauf der arteriellen, venolymphatischen und nervalen Leitungsbahnen im Bindegewebe gewährleistet!

Weil es sich nicht nur um eine Schmerzsymptomatik, sondern auch um eine funktionelle Organproblematik handelt, wird hier der Begriff des chronischen Beckensyndroms verwendet. Man könnte eigentlich auch das genitopsoatische Syndrom (Kap. 3.10.2.2), das prämenstruelle Syndrom (Kap. 6.2.2.3) und das Iliopsoas-Syndrom (Kap. 3.10) als kompatible Unterteilungen des chronischen Beckensyndroms betrachten.

Merke

Orthopädische Symptomatologie ist dabei eindeutig mit internistisch-urologischer, gynäkologischer, psychosomatischer und osteopathischer Symptomatologie kombiniert und das chronische Beckensyndrom verlangt demzufolge die längst überfällige interdisziplinäre Zusammenarbeit!

Beim chronischen Beckensyndrom lassenBeckensyndrom, chronischesSymptome sich grundsätzlich folgende Symptome definieren:
  • Intermittierende oder kontinuierliche Missempfindung bzw. ein intermittierender oder kontinuierlicher Schmerz und/oder Funktionsstörungen in Beckengelenken und/oder im Beckenboden, z. B. Schmerzen und Funktionseinschränkungen in den Lumbosakralgelenken, den Iliosakralgelenken, der Sakrokokzygealverbindung (Kokzygodynie) oder den Hüftgelenken

  • Intermittierende oder kontinuierliche Harnsymptomatik, wie z. B. ein verminderter Harnstrahl, eine erhöhte Miktionsfrequenz, Drang- und Stressinkontinenz, Nykturie sowie rezidivierende Zystitis, Restharnproblematik

  • Intermittierende oder kontinuierliche Rektumsymptomatik, wie eine Verkrampfung des M. levator ani, Proktalgie (Proctalgia fugax), Stressinkontinenz

  • Intermittierende oder kontinuierliche sexuelle Dysfunktion, wie z. B. Dyspareunie, reduzierte Libido, Erektions- und Ejakulationsstörungen

  • Intermittierende oder kontinuierliche psychologische Symptomatik, wie z. B. Ängste, Depression

  • Intermittierende oder kontinuierliche Problematik des Uterus und der Adnexen, wie z. B. Dysmenorrhö, hormonelle Beschwerden

Begünstigende Faktoren zur Entstehung des Beckensyndroms sind:
  • Großer Stress mit Angstkomponenten

  • Heben von schweren Gewichten

  • Operationen im Becken- und Abdominalbereich

  • Traumen im Beckenbereich

  • Bakterielle Prostatitis, Zystitis, Urethritis

  • Sitzende Tätigkeiten, z. B. Büroarbeit

  • Lange Fahrradtouren

  • Sexuelle Aktivität, die die Funktionalität des Gewebes des Partners nicht respektiert, z. B. zu schnelles heftiges Eindringen

Chronische Prostatitis und das chronische Beckensyndrom
Hier sind vor allemProstatitischronische zu nennen:
  • Eine nichtbakterielle Prostatitis, die die überwältigende Mehrheit der Prostatitisfälle darstellt

  • Urethrale Syndrome, Kokzygodynie, Zystitis, vulvare Vestibulitis, Vulvodynie usw.

Selbstverständlich aber muss auch hier zuerst eine ausführliche Differenzialdiagnostik durchgeführt werden. Bei einer bakteriellen Entzündung der Beckenorgane (z. B. Prostatitis, Zystitis) wird z. B. eine traditionelle Antibiotikabehandlung und bei einem aggressiven Karzinom hingegen eine Operation notwendig sein!

Laut Wise und Anderson werden 95 % der Beschwerden, die als eine Prostatitis diagnostiziert werden, nicht durch die Prostatadrüse ausgelöst, und es lassen sich bei Biopsien keine klinischen Zeichen für eine Entzündung oder Infektion der Prostata feststellen [121]. Auch Pontari gibt an, dass die Anwesenheit einer Infektion bei einer chronischen Prostatitis bzw. einem chronischen Schmerzsyndrom im Beckenbereich nicht immer sicher ist [89].
Anderson et al. stellten bei Patienten mit einem chronischen Schmerzsyndrom im Beckenbereich eine Dysfunktion der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse mit einer Erhöhung der Kortisonantworten fest, was man vereinfacht vielleicht als erhöhte Nervosität und Stressanfälligkeit deuten könnte [33]. Sie betonen die Notwendigkeit, eine Studie über die neurophysiologischen Zusammenhänge zwischen Stress und dem chronischen Schmerzsyndrom im Beckenbereich durchzuführen.
Wise und Anderson weisen darauf hin, dass Operationen und Antibiotika bei dieser chronischen Beckenproblematik nicht helfen. Manchmal wird die Symptomatik dadurch sogar noch verschlechtert. Etwa eine Million Amerikaner (90 % weiblich, 10 % männlich) sollen unter dieser Symptomatik leiden und 50 % aller Amerikaner werden irgendwann im Laufe ihres Lebens mit dieser Symptomatik konfrontiert. Die Autoren plädieren für einen Paradigmenwechsel bei der Diagnose einer Prostatitis – weg von einer organspezifischen Krankheit und hin zu einem funktionellen Syndrom.
Inkontinenz und das chronische Beckensyndrom
Selbst die klassische MedizinInkontinenz weist z. B. bei der Harnblaseninkontinenz fast ausschließlich auf parenchymatöse und neurologische Faktoren hin. Die Problematik der instabilen Blase ist wahrscheinlich eines der am häufigsten verschwiegenen Probleme unserer modernen Zeit. Payne gibt an, dass 13 Millionen Amerikaner (davon 85 % Frauen) an Harnblaseninkontinenz leiden [85]. Enuresis kommt z. B. bei etwa 15 % der Kinder vor. Die Anzahl der Frauen, die auf Nachfragen hin andeuten, mit leichter Inkontinenz zu kämpfen, ist in der Praxis erschreckend hoch. Weiterhin stimmt die Bemerkung nachdenklich, dass Harnblasendysfunktionen bei älteren Menschen normal und entsprechende Slipeinlagen daher weit verbreitet sind. Oft ist dem Laien die Gefahr aufsteigender Harnwegsinfektionen unbekannt.
Inkontinenz kann zu einem Teufelskreis der Isolation führen: Sie bremst die Sexualität, ruft Scham und Angst hervor usw. Durch manchmal krankhaften Hygienewahn und die Werbung für Einlagen wird das Problem bagatellisiert, was häufig zu einem Verschweigen und der Ablehnung medizinischer Hilfe führt. Harnblaseninkontinenz sollte unbedingt als ein ganzheitliches Problem gesehen werden und erfordert dringend eine Annäherung zwischen Empirie und Wissenschaft. Funktionsstörungen wie Enuresis und Stressinkontinenz sind Symptome, die viele Ursachen haben können.
Aufgrund der elastischen Eigenschaften der glatten Muskelfasern und des Bindegewebes der Harnblasenwand kann die Harnblase normalerweise große Volumina an Urin speichern, ohne eine nennenswerte Erhöhung des intravesikalen Drucks aufzuweisen. Eine Füllung der Harnblase verursacht eine Stimulation der α-adrenergen Rezeptoren in der Cervix vesicae und in der proximalen glatten Muskel der Urethra, was zu einer Anspannung der internen Sphinktermuskulatur führt. Gleichzeitig stimuliert der efferente N. pudendus den M. sphincter urethrae externus. Ab einer bestimmten Füllmenge und Dehnung (etwa 350 ml) leiten diese Nerven den Harndrang weiter.
Bei der Miktion kontrahiert sich der M. detrusor vesicae. Daraufhin entspannt sich zuerst der interne Sphinkter und anschließend der externe Sphinkter. Es handelt sich sowohl um eine Koordinationsaufgabe als auch um eine komplexe Interrelation zwischen somatischen und autonomen neuronalen Kontrollmechanismen.
Eine Hypermobilität der Cervix vesicaeCervixvesicaeHypermobilität, die zu einer StressinkontinenzStressinkontinenz führt, kann sowohl durch neurologische Probleme als auch durch muskuloskeletale Defekte ausgelöst werden. Als Ursache des ineffektiven Transfers des intraabdominalen Drucks zur Urethra mit der Folge eines unvollständigen Verschlusses gilt meist leider nur eine Nachgiebigkeit des Beckenbodens und der Weichteile des Unterstützungsapparats bzw. eine Senkung der Harnblase. Als Ursachen für eine Störung des M. sphincter urethrae internus gelten meist Verletzungen der sympathischen Nerven, operative Komplikationen oder Traumen. Nur selten werden mechanische Spannungen in den myofaszialen Aufhängungsstrukturen der Harnblase als Ursache in Betracht gezogen. Leider werden auch nur selten Blockierungen und Stauungen im Verlauf der Nervenversorgung, die für eine neurologische Irritation sorgen können, erwogen.
DeLancey äußerte, dass die relativ enttäuschenden chirurgischen Resultate die Notwendigkeit zur Entwicklung neuer Konzepte der pathophysiologischen Mechanismen offenbaren [35].
Die Korrelation zwischen der Kraft des Beckenbodens und Stressinkontinenz wird in der Literatur sehr kontrovers diskutiert. Theofrastous et al. halten diese Korrelation z. B. für sehr schwach [111], während Pages et al. eine eher deutliche Korrelation zwischen Stuhlinkontinenz und Kontraktionskraft der Sphinkter- und Beckenbodenmuskulatur fanden [81, 83].
Shafik und El-Sibai zeigten, dass die funktionelle Aktivität des M. levator ani deutlich häufiger bei Multiparen und Primiparen als bei Nulliparen gestört ist [96]. Sie registrierten dazu die Aktivität des M. levator ani in Ruhe und bei Kontraktion sowie den Druck im Analkanal. Sie resümieren, dass Dysfunktionen des M. levator ani Musculus(-i)levator aniDysfunktionenzu Konstipation, Stuhl- und Harninkontinenz sowie in der Folge zu einer pudendalen Neuropathie und einem Canalis-pudendalis-Syndrom führen können.
Sartore et al. geben an, dass der Beckenboden 2 Monate nach vaginaler Entbindung bei inkontinenten Primiparen sowohl beim digitalen Test als auch bei der vaginalen Manometrie und beim Miktions-Stopptest schwächer ist als bei kontinenten Primiparen [95]. In einer späteren Untersuchung bei 519 Primiparen stellten sie fest, dass eine mediolaterale Episiotomie bei vaginaler Entbindung nicht vor Stuhl- und Harninkontinenz oder vor genitalem Prolaps schützt [93]. Dieser Eingriff geht im Vergleich zur Primipara mit intaktem Perineum nach vaginaler Entbindung mit einer geringeren Muskelkraft des Beckenbodens, vermehrter Dyspareunie und vermehrten perinealen Schmerzen einher.
Amaro et al. ermittelten anhand digitaler vaginaler Palpation, vaginaler Manometrie und Miktions-Stopptest bei einer Gruppe von 50 Patientinnen ohne Stressinkontinenz und einer Gruppe von 51 Patientinnen mit Stressinkontinenz der Harnblase, dass die Muskelkraft des Beckenbodens in der Gruppe ohne Inkontinenz deutlich größer war [32]. Sie betonen die Wichtigkeit der funktionellen und objektiven Evaluierung der Beckenbodenmuskeln.
Shafik et al. untersuchten den intravesikalen und intrarektalen Druck bei Elektrostimulation des M. puborectalis und des M. levator ani [96]. Sie fassen ihre Untersuchungsergebnisse in zwei Reflexen zusammen:
  • „Puborectalis rectovesicalis inhibitorischer Reflex“, wobei eine Kontraktion des M. puborectalis den Drang zur Defäkation und Miktion unterbricht

  • „Levator rectovesicalis exzitatorischer Reflex“, wobei eine Kontraktion des M. levator ani den Drang zur Defäkation und Miktion hervorruft

Fielding gibt an, dass bis zu 50 % der multiparen Frauen über 50 Jahre einen gewissen Grad an Prolaps im Becken aufweisen [39]. Bei 10–20 % dieser Frauen treten Beschwerden wie Gewebeprotrusion durch den Beckenboden und Inkontinenz der Harnblase auf.
Abrams und Wein deuten darauf hin, dass die instabile Blase urodynamisch durch unwillkürliche Detrusorkontraktionen (= Detrusorinstabilität) gekennzeichnet wird [1]. Es gibt verschiedene urodynamische Untersuchungen, wie z. B. Flow-Messungen, Zystometrografie, Messungen des intraurethralen und intravesikalen Drucks sowie Video-Zystourethrografie, die vom Urologen ausgeführt werden können, um parenchymatöse und/oder neurologische Erkrankungen zu diagnostizieren. Eine Beschreibung dieser Untersuchungen würde den Rahmen dieses Buches sprengen.
Merkle gibt an, dass funktionelle Syndrome in der psychosomatischen Urologie eine wichtige Rolle spielen [106]. Der erklärende Organbefund ist dabei minimal oder fehlt völlig. Obwohl Merkle die Arbeiten von Travell und Simons zitiert und das Vorhandensein von myofaszialen Schmerzen im Becken als sehr häufig angibt, beschränkt sich seine Ursachenforschung zu diesen Beschwerden leider auf psychosomatische Erklärungen. Myofasziale Verspannungen im Beckenbereich lassen sich nach seiner Ansicht psychosomatisch durch eine zwanghafte („analzwangsneurotische“) Persönlichkeitsstruktur erklären.
Kontinenz bedarf der Integration zentraler und peripherer neurologischer Systeme, von Harnblasenwand und M. detrusor vesicae, den Aufhängungsstrukturen der Harnblase und der Urethra sowie intraabdominalen Drucksystemen. Die Harnblase ist über Weichteile mit den umgebenden Strukturen verbunden und der M. detrusor vesicae strahlt zusätzlich auch noch mit glatten Muskelfasern in manche Weichteile, wie z. B. das Lig. pubovesicale, aus.

Damit erscheint es sinnvoll, eine Beteiligung von Verklebungen und Verspannungen zwischen der HarnblaseVerklebungen, faszialeHarnblaseHarnblaseVerklebungen, fasziale und den umgebenden Strukturen an der Entstehung der Symptomatik der instabilen Blase in Betracht zu ziehen. Die Problematik der Umgebungsfaktoren, wie Verklebungen zwischen der Harnblase und den umgebenden Strukturen (z. B. Darm oder Gebärmutter), wird aber leider oft nicht berücksichtigt.

Adhäsionen im Beckenbereich können nach Endometriose, Entzündungen der Beckenorgane, Traumen, Operationen (z. B. nach Hysterektomie) oder Neoplasie entstehen. Mit kinematischer Sonografie ermittelten Katayama et al., dass es ein hilfreiches Zeichen zum Aufspüren abdominaler Verklebungen ist, wenn angrenzende Organe während der Atmung in unterschiedliche Richtungen gleiten [57]. Organe gleiten nach dieser Untersuchung während der normalen Atmung 2–3 cm in longitudinaler Richtung zur Abdominalwand.
Lienemann et al. geben weiterhin an, dass sich die am häufigsten auftretenden Adhäsionen zwischen der ventralen Abdominalwand und den Dünndarmschlingen befinden, es treten aber auch Adhäsionen zwischen Dünndarm und Harnblase auf [70].
Eine Problematik des Beckenbodens wird häufig leider nur auf eine Schwäche des Beckenbodens mit Blasensenkung reduziert. Weil aber über die Aufhängungselemente ein direkter anatomischer Zusammenhang zwischen Beckenboden und Harnblase bzw. M. sphincter urethrae internus besteht, wäre es auch hier sinnvoll, die Beckenbodenproblematik intensiver zu betrachten.

Im Rahmen dieses Buches weist der Autor darauf hin, dass es neben parenchymatösen, psychosomatischen oder neurologischen Ursachen auch mechanische und koordinative Ursachen für die Entstehung einer instabilen Blase geben kann.

Hinweis

Der Osteopath kann vor allem im Bereich der mechanischen Schließungs- und Unterstützungsproblematik sowie der Umgebungsproblematik sinnvoll tätig sein. In der ersten Versorgungslinie steht allerdings eine urologische Untersuchung zur Abklärung und zum Ausschluss von Kontraindikationen für eine osteopathische Behandlung, wie akute Harnwegsinfektionen, Tumor, Organpathologie, neurologische Pathologie usw. Dies sollte zur Kommunikation zwischen den verschiedenen medizinischen und therapeutischen Disziplinen als Voraussetzung unumstritten sein.

Funktionell kann folgende Einteilung der funktionellen Harnblasenproblematik (nach Symptomen) vorgenommen werden:
  • Inkontinenz, wobei man unterscheiden kann zwischen:

    • Stress- oder BelastungsinkontinenzStressinkontinenzBelastungsinkontinenz bei Erhöhung des intraabdominalen Drucks (beim Husten, Niesen, bei der Sportausübung usw.) und bei körperlicher Belastung. Abrams et al. geben an, dass der intravesikale Druck den maximalen urethralen Schließdruck bei fehlender Aktivität des M. detrusor vesicae überschreitet [29]. Blaivas und Ollson und auch McGuire et al. berichten, dass Stressinkontinenz entweder durch eine Hypermobilität der Cervix vesicae oder durch einen Defekt des M. sphincter urethrae internus ausgelöst wird [34, 72]. Aksac et al. stellten fest, dass chirurgische Behandlungen von Stressinkontinenz in 10–40 % der Fälle rezidivieren, die Komplikationsrate erhöhen und hohe Kosten verursachen. Dadurch gewinnt die konservative Behandlung an Bedeutung [30].

    • Urge- oder DranginkontinenzDranginkontinenzUrge-Inkontinenz bei imperativem Harndrang, auch ohne körperliche Belastung.

    • ÜberlaufinkontinenzÜberlaufinkontinenz bei passiver Überdehnung der Blasenwand und Schwäche der Detrusormuskulatur. Klinisch kennzeichnend sind hier eine verzögerte Blasenentleerung, ein schwacher Harnstrahl oder ein Nachträufeln.

  • Störungen des Urinvolumens und der MiktionshäufigkeitUrinVolumenveränderungMiktionsfrequenz, Veränderungen wie PollakisuriePollakisurie (Drang zu häufigem Wasserlassen ohne vermehrte Urinausscheidung).

  • Verschiedene Sonder- und Mischformen wie EnuresisEnuresis (nocturna) (Bettnässen).

Eine Hyperreflexie des M. detrusor vesicae (Detrusorhyperreflexie) Detrusorhyperreflexie/-instabilitätkann auftreten bei neurologischen Krankheiten, wie z. B. Verletzungen des Rückenmarks, Apoplexia cerebri, Parkinson-Krankheit, multiple Sklerose, auftreten. Liegen keine neurologischen Ursachen vor, spricht man eher von einer Detrusorinstabilität [104]. Eine Detrusorinstabilität kann durch eine Irritation aufgrund einer Harnwegsinfektion oder einer Zystitis verursacht werden. Findet man in der klassischen Medizin keine spezifische Ursache, dann wird von einer idiopathischen Harninkontinenz gesprochen.

Ziel dieses Buches ist auch das Aufzeigen der pathophysiologischen Mechanismen verschiedener „mechanischer“ Faktoren, die eine ursächliche Rolle spielen können.

Messungen im Beckenbodenbereich
Mithilfe des Myo 420 (Gymna) warBeckenbodenMessungenMessungen, Beckenbodenbereich es dem Autor in seiner Praxis möglich, mit einer vaginal bzw. rektal eingeführten Sonde (computerisiertes Perineometer) die Kontraktionskraft der Sphinktermuskulatur des Beckenbodens zu messen.
Um eine wissenschaftliche Aussage über die Wertigkeit der osteopathischen Behandlung treffen zu können, hätte die osteopathische Behandlung zu einer standardisierten Reihe von gleichen Behandlungstechniken reduziert werden müssen. Da die osteopathischen Behandlungen „ganzheitlich“ und individuell auf den Patienten zugeschnitten waren, ist es nicht möglich, eine reproduzierbare osteopathische Behandlungsmethode in diesem Buch zu präsentieren. Die nachfolgenden Messungen sollen demzufolge keine Aussage über die Effektivität der angewandten Therapie geben, sondern als Diskussionsgrundlage zur Funktionalität des Beckenbodens und den funktionellen Zusammenhängen zwischen der artikulären, myofaszialen, viszeralen und emotionalen Ebene herangezogen werden.
Ausgangsposition und Ausführung der MessungDer Patient liegt in Seitenlage, Beine angezogen. Es wird ein breites Tuch über sein Becken ausgebreitet, damit die Intimsphäre des Patienten nicht verletzt wird.
Die Messung wird mit einer Drucksonde, die anal bzw. vaginal eingeführt wird, durchgeführt. Der Patient wird anhand eines Modells aufgeklärt, wie die Sonde eingeführt werden soll. Er führt die Sonde danach selbst ein. Beim Kind helfen die Eltern beim Einführen der analen Sonde (vaginal wird bei Kindern nicht ausgeführt).
Der Patient wird vorab für 5 Minuten mit Biofeedback am System mit der Methode vertraut gemacht, damit er nicht aus Unwissenheit oder Nervosität „versagt“. Ihm wird auf dem Computermonitor gezeigt, ob und wie viel er anspannt bzw. entspannt. Anschließend wird er mit einem farbigen visuellen (auf dem Computermonitor) und einem auditiven Signal (Aufforderung durch den Therapeuten) zum Anspannen bzw. Entspannen des Beckenbodens aufgefordert. Auf der X-Achse wird die Zeit, auf der Y-Achse der Druck im Anus bzw. in der Vagina in mmHg wiedergegeben. Erst nach dieser Einführung wird die Messung durchgeführt.
Die Messung erfolgt über 2 Minuten, und zwar 60 Sekunden nach Einführen der Sonde. Der Patient wird 5-mal pro Minute aufgefordert, den Beckenboden für etwa 2–5 Sekunden maximal anzuspannen und dann wieder loszulassen. Die Aufforderungen erfolgen jedes Mal nach einer Pause von etwa 5–10 Sekunden.
Parameter der MessungObjektivierbare Parameter sind:
  • Grundtonus des Beckenbodens (unterer Y-Wert der Kurve): Eine Minute nach Einführung der Sonde. Der Ruhe- oder Grundtonus reflektiert eher die Spannungskraft des M. sphincter urethrae (bzw. ani) internus.

  • Maximale Kraft des Beckenbodens (oberer Y-Wert der Kurve): Die Zunahme des Drucks zeigt die Kraft des Beckenbodens an. Aksac et al. geben eine Kraft im Bereich des vaginalen Sphinkters von 30–60 cmH2O als normal an [30]. Dieser Druck (Kraft) reflektiert eher die Spannungskraft des M. sphincter urethrae (ani) externus.

  • Ausdauer des Beckenbodens (Evolution der Kurve nach rechts): Innerhalb der 2 Minuten wird der Beckenboden 10-mal angespannt.

  • Koordinationsfähigkeit des Beckenbodens und der Sphinktermuskulatur (Qualität des Kurvenverlaufs).

  • Vergleich bei weiblichen Patienten zwischen der vaginalen Schließmuskulatur und der analen Schließmuskulatur.

Messbare Probleme beim Beckenboden
  • Messergebnisreihe 1: siebenjähriger Junge mit funktioneller Enuresis und Beckenverdrehung. Die Eltern berichteten, dass die Enuresisproblematik nach einem Sturz vom Fahrrad begann und dann schleichend (von gelegentlichem zu täglichem Bettnässen) zugenommen hatte. Bei der osteopathischen Untersuchung wurde eine starke Beckenverdrehung, Ilium anterior links mit einem Ilium posterior rechts mit starken myofaszialen Verspannungen, links im Bereich der Rückenstrecker und rechts im Glutealbereich festgestellt. Zusätzlich war der Hypertonus im linken Parazystium und im Beckenboden besonders auffällig.

    Die Enuresissymptomatik und die Beckenverdrehung ließen sich relativ leicht mit drei osteopathischen Behandlungen beheben. Die Messung im Beckenbodenbereich zeigte anfänglich Koordinationsstörungen des Beckenbodens beim Anspannen bzw. Entspannen und – sobald die Beckenverdrehung aufgehoben war – das Verschwinden dieser Koordinationsstörungen (Abb. 6.4).

  • Messergebnisreihe 2: 38-jährige Frau mit Dranginkontinenz seit der zweiten Entbindung. Die Messung zeigt eine überraschend deutliche Diskrepanz zwischen der analen Sphinktermuskulatur (Abb. 6.5a) und der vaginalen Muskulatur (M. transversus perinei, M. bulbospongiosus und M. ischiocavernosus; Abb. 6.5b).

  • Messergebnisreihe 3: 45-jährige Frau mit Stressinkontinenz seit der dritten Entbindung. Bei der Untersuchung waren vor allem ein Hypertonus im Zwerchfell- und Leberbereich und venolymphatische Stauungen im Darmbereich auffällig. Die osteopathische Behandlung war weniger spezifisch auf das Becken, dafür aber mehr auf das Zwerchfell, die Leber und den Darm gerichtet. Die Patientin war sehr motiviert, und der Erfolg der Behandlung war der Kombination der osteopathischen Behandlung mit dem eisernen Fleiß der Patientin bei der täglichen Übungsarbeit, die sie zu Hause durchführte, zu verdanken (Abb. 6.6).

  • Messergebnisreihe 4: 35-jährige Frau mit Dysmenorrhö, Dyspareunie, leichter Dranginkontinenz und Hüftgelenkschmerzen, unregelmäßig links/rechts wechselnd. Bei der osteopathischen Untersuchung wurde z. B. ein starker Hypertonus bilateral im Psoasbereich und im Bereich der Aufhängung der Eierstöcke (Lig. suspensorium ovarii), Inflare-Läsion des linken Iliums, L/L-Läsion des Sakrums, ein starker Hypertonus und Druckempfindlichkeit der Mm. obturatorii und der Hüftgelenkkapsel auf beiden Seiten gefunden. Nach sechs osteopathischen Behandlungen über 5 Monate und Übungen zu Hause (nach Angabe der Patientin 3- bis 4-mal pro Woche) wurde eine deutliche Besserung des Grundtonus und der Maximalkraft der Sphinktermuskulatur festgestellt (Abb. 6.7).

  • Messergebnis 5: Elfjähriger Junge mit funktioneller Enuresis. Nach drei osteopathischen Behandlungen war leider kein Erfolg feststellbar. Bei den Messungen wurde eine schwere Dyskoordination zwischen Zwerchfell, Beckenboden und Bauchmuskeln sichtbar (Abb. 6.8). Bei der Aufforderung zu entspannen, spannte der Patient immer wieder die Bauchdecke und das Zwerchfell sichtbar an, sodass sich eine messbare Druckerhöhung im Beckenbodenbereich zeigte. Dem Patienten war es nicht möglich, das Anspannen bzw. Entspannen des Beckenbodens, der Bauchmuskulatur und des Zwerchfells koordinativ zu steuern bzw. zu unterscheiden.

    Sapsford und Hodges geben an, dass bei gesunden Probanden eine willentliche Anspannung der Bauchmuskeln in einer erhöhten Aktivität der Beckenbodenmuskulatur resultiert [90]. Die Zunahme des Beckenbodendrucks vor der Zunahme des Abdominaldrucks deutet darauf hin, dass diese Reaktion der Beckenbodenmuskeln vorprogrammiert ist. Die Autoren deuten damit an, dass eine Dysfunktion der Beckenbodenmuskulatur in Inkontinenz resultieren kann.

    Bei den Gesprächen mit dem Patienten und den Eltern wurde deutlich, dass der Junge in der Schule gemobbt wurde und darunter schwer litt. Er berichtete weiterhin, dass er mittlerweile täglich am Morgen stark schwitzend aufwache und allein der Gedanke an die Schule ihn „fertig mache“. Der Patient wurde in Absprache mit den Eltern an einen Psychologen und Schulberater überwiesen (Abb. 6.8).

Hypothesen zum chronischen Beckensyndrom und daraus resultierende Aufgaben für die Osteopathie und die Medizin
Zum chronischen BeckensyndromBeckensyndrom, chronischesHypothesen werden folgende Arbeitshypothesen für die osteopathische Arbeit aufgestellt. Es bedarf weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen, um diese Hypothesen zu untermauern.
  • Es bestehen Zusammenhänge zwischen einer funktionellen Problematik des Beckenbodens und funktionellen Störungen der Beckenorgane.

  • Folgende Dysfunktionen könnenBeckensyndrom, chronischesDysfunktionen zur Symptomatik des chronischen Beckensyndroms beitragen:

    • Eine Mobilitäts- bzw. Motilitätsstörung eines Beckenorgans kann sich z. B. in einer gestörten Füllungsmöglichkeit der Harnblase mit Pollakisurie (Drang zu häufigem Wasserlassen ohne vermehrte Urinausscheidung) oder in eine Dyssynergie des passiven Schließmechanismus (zwischen Detrusor und Uvula) mit Stressinkontinenz äußern.

    • Eine Dyssynergie zwischen M. detrusor vesicae und Beckenboden bzw. M. detrusor vesicae und M. sphincter urethrae internus et externus kann sich in Drang- und/oder Stressinkontinenz und erfahrungsgemäß auch in Enuresis äußern. Diese funktionellen Aufgaben liegen nicht nur bei einen einzelnen Muskel, sondern bei mehreren gleichzeitig. Halligan et al. vermuten daher auch eine Dyskoordination des Beckenbodens [41, 45]. So deuten sie z. B. an, dass manche Patienten nicht fähig sind, einen adäquaten intrarektalen Druck aufzubauen.

    • Eine Beckenbodenschwäche kann sich z. B. in Stressinkontinenz widerspiegeln. Dietz und Clarke geben an, dass Patienten mit einem schwereren Senkungsgrad der Urethra und der Harnblase weniger unter Enuresis nocturna, Dranginkontinenz und Detrusorinstabilität leiden [36]. Auch Ellerkmann et al. bestätigen diese Feststellung und deuten darüber hinaus darauf hin, dass es schwierig ist, eine Zunahme des Schweregrads einer Beckenorgansenkung mit der typischen Symptomatik zu korrelieren [37].

    • Eine Dyssynergie zwischen Beckenboden, Zwerchfell und Bauchmuskeln ist gekoppelt mit dem Unvermögen, eine gut koordinierte Anspannung des Beckenbodens auszuführen. Oft findet man hier Stressinkontinenz.

    • Ein Hypertonus des Beckenbodens kannHypertonusBeckenboden sich in Vaginismus (krampfartiger Hypertonus der Vagina) bzw. Anismus (krampfartiger Hypertonus des Anus) und Dyspareunie äußern. Dabei entsteht eine meist unbewusste, krampfartige Kontraktion der Vagina bzw. des Anus. Sie tritt dementsprechend häufig durch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) und als Drang- und/oder Stressinkontinenz auf. Manchmal lassen sich auch Hypertonus und Beweglichkeitseinschränkungen der Hüftgelenke finden.

Eine Strategie für die Untersuchung des Beckens und der Beckenorgane könnte folgendermaßen aussehen:
  • Urodynamische und neurologische Untersuchungen des Arztes: Ausschluss parenchymatöser und neurologischer Pathologien

  • Osteopathische (physiotherapeutische) Untersuchung der Beckenbodensenkung

  • Osteopathische Untersuchung der Verschiebbarkeit und Beweglichkeit der Beckenorgane, der Beckengelenke, der neurologisch verwandten Segmente und des Beckenbodens

  • Osteopathische (physiotherapeutische) Untersuchung der Spannung und Kraft des Beckenbodens

Bei einer Spannungsproblematik des Beckenbodens sollteSpannungenBeckenboden unterschieden werden zwischen:
  • Dyskoordination der verschiedenen Beckenbodenmuskeln

  • Dyskoordination der verschiedenen Diaphragmen

  • Atonie und/oder Schwäche des Beckenbodens

  • Hypertonus des Beckenbodens

Es handelt sich allgemein entweder
  • um eine Dyskoordination zwischen den glatten Muskelfasern der Beckenorgane (z. B. Detrusormuskulatur, Myometrium der Gebärmutter), der glatten Sphinktermuskulatur (z. B. M. sphincter vesicae), der quergestreiften Sphinktermuskulatur (z. B. M. sphincter urethrae), der Beckenbodenmuskulatur und der myofaszialen glatten Muskelfasern im Aufhängungsapparat der Beckenorgane oder

  • um eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur oder auch

  • um einen Hypertonus des Beckenbodens.

Jozwik beschreibt Beckenbodengymnastik als eine hoch effektive Maßnahme zur Prävention von Stressinkontinenz [56]. Er gibt an, dass Polen möglicherweise das erste Land der Welt wird, in dem Beckenbodengymnastik als präventive Methode für Stressinkontinenz regulär eingesetzt wird.

Zusammenfassung

Die instabile Blase ist ein „funktionelles“ Syndrom, das durch eine mangelnde Koordination zwischen parietalen Stützelementen und faszialen Aufhängestrukturen der Harnblase gekennzeichnet ist. Da im Bandapparat größtenteils auch die neurovegetativen Versorgungsstrukturen der Harnblase verlaufen, sind Symptome wie Pollakisurie, Enuresis und teilweise sogar Inkontinenz erklärbar.

Enuresis nocturna, rezidivierende Zystitis und Stressinkontinenz sind nach Erfahrung des Autors häufig nur Symptome des hier als „instabile Blase“ (nach Abrams und Wein [1]) bezeichneten Syndroms. Manche Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang von Reizblase, wobei die Betonung eher auf dem psychosomatischen Aspekt liegt.

Nach Meinung des Autors handelt es sich bei der instabilen Blase um ein Leiden mit gestörter Harnspeicherung und Miktionsfrequenz, ohne parenchymatöse oder neuropathologische Ursachen. Die International Continence Society definiert die instabile Blase als „ungewollte Detrusorkontraktionen beim Versuch des Patienten, eine Miktion zu verhindern“ [1].

Komplikationen sind oft vorprogrammiert und reichen von rezidivierenden Harnwegsinfektionen bis hin zur Urolithiasis.

Stress- und Dranginkontinenz

StressinkontinenzDranginkontinenzStressinkontinenz wird als ungewollter Urinabgang, wenn der intravesikale Druck ohne Detrusorkontraktion den maximalen urethralen Verschlussdruck übersteigt, definiert.

Die verschiedenen Formen der Harninkontinenz sind in Tab. 6.1 aufgeführt. Außer der Reflexinkontinenz können alle Formen nach Ausschluss organischer und neurologischer Störungen osteopathisch behandelt werden.
Es gibt drei Grade von Stressinkontinenz:
  • Grad 1: minimaler Harnverlust bei starken Belastungen wie Husten, Niesen, Lachen oder Springen

  • Grad 2: geringer Harnabgang bei leichter Betätigung, z. B. beim Gehen

  • Grad 3: Harnabgang in Ruhe, unabhängig von Belastung

Hinweis

In der Praxis ist es wichtig, zwischen Stress- und Dranginkontinenz zu unterscheiden. Typisch für die Dranginkontinenz ist, dass sie bei Harndrang auftritt. Es zeigen sich jedoch häufig Mischformen von Stress- und Dranginkontinenz. Oft ist dann eine diagnostische Abklärung durch den Urologen anhand urodynamischer Untersuchungen notwendig.

Erstaunlicherweise leiden viele, z. T. auch sehr junge Patienten unter Stressinkontinenz und betrachten dies mit Hinweis auf Slipeinlagen als „völlig normal“.
Stressinkontinenz durch Blasensenkung
Bei einer BlasensenkungBlasensenkungStressinkontinenzStressinkontinenzBlasensenkung verändert sich oft das Spannungsgleichgewicht im Beckenbodenbereich. Da das Aufhängungssystem der Harnblase gemeinschaftliche Fasern mit dem M. detrusor vesicae hat, können sich Spannungsstörungen des Beckenbodens oder der benachbarten Faszien auch auf die Muskelspannung der Blasenwand (M. detrusor vesicae) auswirken und damit Stressinkontinenz auslösen. Darüber hinaus kann durch eine Blasensenkung auch die Längsspannung der Urethra verloren gehen und die empfindliche Schließfunktionsmechanik der Urethra aus den Fugen geraten.
Wird durch die Senkung ein Zug auf die Uretermündungen in der Harnblase ausgeübt, beeinträchtigt dies auch die Funktion der Ureteröffnungsschlingen. Nicht selten entsteht so zusätzlich zur Inkontinenz auch noch ein Stau in den Ureteren oder sogar im Nierenbereich. Neben Entzündungen wird dadurch auch die Entstehung von Nierensteinen begünstigt.
Einige Ursachen für eineBlasensenkungUrsachen Blasensenkung:
  • Gebärmuttersenkung nach der Entbindung, die auch die Harnblase mitzieht (Zystozele).

  • Schwierige und lang andauernde Entbindung mit heftigen Presswehen oder Dammschnitt.

  • Zu frühe und zu intensive sportliche Betätigung, Gymnastik oder körperliche Arbeit nach der Geburt.

  • Hypertonus oder schlechte Beweglichkeit der darüberliegenden Strukturen, z. B. Darm, Magen, Leber oder Zwerchfell.

  • Beckenbodenschwäche, die aufgrund sitzender Tätigkeiten immer häufiger vorkommt.

  • Rückenmarksegmentstörungen (fazilitierte Segmente). Wenn sie nicht beachtet werden, können sie einen muskulären und faszialen Hypertonus und auf Dauer Dystonien auslösen.

  • Ständige Belastung durch Stress, der die glatte Muskulatur der Harnblasenwand und die Aufhängebänder überstrapaziert und aus dem Gleichgewicht bringt.

Achtung

Beim Wasserlassen auftretende Schmerzen stellen so lange eine osteopathische Kontraindikation dar, bis sie vom Arzt abgeklärt worden sind. Auch die Mobilisation des Blasenbindegewebes sollte schmerzfrei sein.

Fazilitierung der Rückenmarksegmente L1/L2 und S2–S4
Spannungen im BereichRückenmarksegmentfazilitiertesL1/L2 und S2–S4FazilitierungRückenmarksegmenteL1–L2 und S2–S4 der Faszien und der Aufhängungsstrukturen von Harnblase und Prostata können das „Gate-Control-System“ im Hinterhorn des Rückenmarks hemmen und für eine Reizüberflutung des entsprechenden Segments sorgen (Kap. 2.5.8).
Typische Symptomatik (auch Kap. 2.5.6.1):
  • Kreuzschmerzen und rezidivierende Blockierungen von L1/L2 und der Beckengelenke

  • Ausstrahlung mit Bindegewebsverhärtungen und erhöhter Druck- bzw. Schmerzempfindlichkeit im Bereich der Dermatome L1/L2 und S2–S4

  • Hypertonus der paravertebralen Muskeln, manchmal auch der Outflare-Muskelketten

Hinweis

Oft werden die ausstrahlenden Schmerzen als Nervenschmerzen gedeutet. Doch die Untersuchung der Wirbelsäule und der Bandscheiben fällt meist negativ aus und daher bereitet die Interpretation dieser Beschwerden oft Kopfzerbrechen. Hier kann sich die osteopathische Herangehensweise als sehr sinnvoll erweisen.

Myofaszialer Schmerz
Bei Disharmonie der Schmerzenmyofasziale, HarnblaseMuskelketten im Beckenbereich können schmerzhafte Myogelosen und Triggerpunkte die Folge sein. Die Patienten klagen oft über brennende und pochende, nichtinfektiöse Schmerzen im Blasen- und UrethrabereichUrethraSchmerzen, myofasziale. Da von diesen Muskelketten auch Fasern in das Perineum, die Scheide bzw. Peniswurzel, die Prostata bzw. die Uteruswand einstrahlen, sind myofasziale Schmerzen, die auch Ligamentose Ligamentosegenannt werden, oft das Symptom einer eingeschränkten Beweglichkeit der Beckenorgane. Häufig liegen hierbei auch leichte Kreuzschmerzen oder iliosakrale Schmerzen vor.

Hinweis

Nach Ausschluss organischer Ursachen kann eine osteopathische Behandlung sehr effektiv den Zustand bessern.

Rezidivierende Zystitis und Urethritis
Muskuläre und myofaszialeZystitisrezidivierendeUrethritis, rezidivierende Verspannungen im Beckenbereich können die Blut- und neurovegetative Versorgung der Harnblase stören und damit eine wichtige Rolle bei immer wieder rezidivierenden Blasen- und Harnröhrenentzündungen spielen.

Hinweis

Nach Ausschluss organischer Ursachen kann eine osteopathische Behandlung erfahrungsgemäß sehr wirkungsvoll zur Besserung des Zustands beitragen.

Nichtorganische Störungen von Erektion, Ejakulation und Orgasmus
  • Der Parasympathikus aus denErektionsstörungenEjakulationsstörungenOrgasmusstörungen Segmenten S2–S4 steuert Erektion und vaginale Lubrikation. Diese parasympathischen Reflexe hängen von Somatoafferenzen ab, die über die Nn. splanchni pelvici zu den Segmenten S2–S4 laufen.

  • Der Sympathikus (L1/L2) ist zuständig für Ejakulation und Orgasmus. Afferenzen aus dem Beckenbodenbereich laufen z. T. über die sympathischen Nn. splanchnici lumbales I und II und Nn. splanchnici sacrales zu den Segmenten L1 und L2 und dann als Efferenzen über diese wieder zurück zu den Geschlechtsorganen.

Neben psychischen Faktoren können myofasziale Spannungen im Beckenbereich, die für Engpässe des N. pudendus und der parasympathischen Nn. splanchnici pelvici sorgen, Blockierungen der Beckengelenke und der Lendenwirbel L1/L2 die Auslöser für funktionelle Potenz- und Sexualstörungen sein. Osteopathische Behandlungen der Beckenstrukturen können auch hier, nach Ausschluss organischer oder neurologischer Ursachen, manchmal sehr sinnvoll sein.

Hinweis

Insbesondere sexuelle Probleme werden häufig verschwiegen. Oft hilft dem Patienten eine behutsame Erklärung, dass er keine Angst oder Schamgefühle zu haben braucht, sodass er sich verstanden fühlt.

FallbeispielBei einem Patienten führte bereits die Berührung der Dammgegend zur Ejakulation. Auch beim Sexualverkehr mit seiner Partnerin kam es häufig zu schnell zum Samenerguss. Der Patient hatte schon etliche medizinische Untersuchungen und psychologische Behandlungen hinter sich, die ohne Erfolg blieben. Einige osteopathische Behandlungen des thorakolumbalen Übergangs, wo er durch einen Unfall einen Wirbelbruch von L1 erlitten hatte, und des Bindegewebes des kleinen Beckens nach dem Stellen der richtigen Diagnose bewirkten bereits eine erhebliche Verbesserung.

Untersuchungs- und Behandlungstechniken für die Beweglichkeit der Harnblase

Theorie Kap. 2.6.4.3, Kap. 2.6.4.4
GetestetHarnblaseBeweglichkeitUntersuchung/Behandlung und behandelt werden die „Gelenk-“ bzw. Gleitflächen und die Aufhängebänder der Harnblase. Im Vergleich zu parietalen Läsionen sind die Bewegungseinschränkungen hier oft sehr gering. Bereits eine minimale Entspannung des Fasziengewebes von Organen kann erstaunliche Effekte haben und die Belastung der Gefäße und Nerven im umliegenden Gewebe beträchtlich reduzieren.
Anliegen des Autors ist es, sowohl andere Osteopathen anzuregen, die vorgestellten Techniken weiter zu verfeinern und zu verbessern, als damit auch selbst einen kleinen Beitrag zur Weiterentwicklung der Osteopathie zu leisten.

Merke

  • Vor jeder Untersuchung oder Behandlung sollte der Patient die Harnblase entleeren.

  • Ohne ärztlichen Befund, der Kontraindikationen ausschließt, sollte nicht behandelt werden.

  • Schmerzen bei der Untersuchung oder Behandlung sind primär als Kontraindikation anzusehen und ärztlich abzuklären.

Verklebungen zwischen Harnblase und Intestinum tenue, Uterus, Zäkum oder Colon sigmoideum
Für den AblaufVerklebungen, faszialeHarnblaseHarnblaseVerklebungen, fasziale ist es empfehlenswert, sich die kranialen Kontaktflächen der Harnblase, eingeteilt in vier Bereiche, vorzustellen. Wichtig ist, alle Kontaktflächen des Dünndarms und Dickdarms mit der Harnblase mehrmals hintereinander zu testen. Erfahrungsgemäß sind Verschlackungen hier häufig eine Ursache für Ilium-posterior-, Ilium-Inflare- und Sakrum-anterior-Läsionen. Daher ist es sinnvoll, dies zusätzlich zu überprüfen.
Vorgehensweise bei der Untersuchung
Patient: in Rückenlage, Beine leicht gebeugt, eventuell eine Rolle unter den Knien
Therapeut: neben dem Patienten am Kopfteil der Liege stehend, mit Ausrichtung nach kaudal
Bereich zwischen Harnblase und Intestinum tenue (Dünndarm)
Handposition: mit beiden HändenDünndarmVerklebungen, fasziale den mittleren, intestinalen Abdominalbereich umgreifen
Ausführung (Abb. 6.9): Mit den ulnaren Handkanten das Dünndarmpaket um den Nabel bis hinunter zur Symphysis pubica aus dem Beckenraum hebeln und im Anschluss kraniolateral von der Harnblase wegschieben. Dies sollte ohne ziehenden Schmerz und Widerstand möglich sein.
Anmerkung: Bei Frauen können auch peritoneale Verklebungen zwischen der Gebärmutter einerseits und dem Dünndarm oder der Harnblase andererseits bestehen.
Bereich zwischen Harnblase und Uterus
Handposition: Die FingerspitzenUterusVerklebungen, fasziale beider Hände nebeneinander etwa 2 cm oberhalb der Symphysis pubica aufsetzen.
Ausführung (Abb. 6.10): Senkrecht tief in den Bauchraum eindringen, den Fundus uteri nach dorsal schieben und die Gleitflächen in der Excavatio vesicouterina mobilisieren.
Bereich zwischen Harnblase und Zäkum
Handposition: mit beiden HändenZäkum, Verklebungen das Zäkum am kaudalen Rand umgreifen, d. h. zwischen M. iliacus bzw. Harnblase und Zäkum in der linken Inguinalregion.
Ausführung (Abb. 6.11): Das Zäkum mit den ulnaren Handkanten in Richtung des Nabels hochziehen. Getestet werden vor allem die Gleitflächen zwischen Fascia iliaca bzw. Harnblase mit dem Peritoneum parietale einerseits und Peritoneum viscerale des Zäkums andererseits.
Bereich zwischen Harnblase und Colon sigmoideum
Handposition: Mit beiden HändenColon sigmoideumVerklebungen, fasziale das Colon sigmoideum am kaudalen Rand umgreifen, d. h. zwischen Ilium bzw. Harnblase und Sigma in der rechten Inguinalregion.
Ausführung (Abb. 6.12): Mit den ulnaren Handkanten das Colon sigmoideum in Richtung des Nabels hochziehen. Getestet werden vor allem die Gleitflächen zwischen Fascia iliaca bzw. Harnblase mit dem Peritoneum parietale einerseits und Peritoneum viscerale des Colon sigmoideum andererseits.
Behandlung
Direkte Technik ohne Hebelarm (Non Leverage)
Patient: in Rückenlage, Knie gebeugtNon LeverageHarnblasefasziale VerklebungenHarnblaseVerklebungen, faszialeNon Leverage und Füße auf die Liege gestellt
Therapeut: neben dem Patienten am Kopfteil der Liege stehend, mit Ausrichtung nach kaudal
Handposition: Mit beiden Händen den Abdominalbereich umgreifen.
Ausführung (Abb. 6.13): Sanft und langsam die Darmstrukturen von der Harnblase weg mobilisieren und versuchen, die Gleitfähigkeit zwischen den Organen wiederherzustellen.
Myotensive Technik
Patient: in Rückenlage, Knie gebeugt und Füße auf die Liege gestellt
Therapeut: neben dem Patienten am Kopfteil der Liege stehend, mit Ausrichtung nach kaudal
Handposition: Mit beiden Händen den mittleren, intestinalen Abdominalbereich umgreifen.
Ausführung:
  • Den Patienten parallel zur Mobilisation der Darmstrukturen nach kranial tief ausatmen lassen. Gleichzeitig soll er die Beine so ausstrecken, dass die Füße über die Liege gleiten.

  • Darauf achten, dass er die Beine nicht anhebt, weil sich sonst die Bauchmuskeln anspannen und die Hände des Osteopathen wegdrücken würden.

  • Während der Mobilisation die Darmstrukturen nach kranial fixieren.

Anmerkung: Das Ausstrecken der Beine lässt das Becken und damit auch die Harnblase etwas nach ventral und kaudal kippen. Dadurch lösen sich die peritonealen Kontaktflächen zwischen Darm und Harnblase noch mehr voneinander.
Direkte Technik mit langem Hebelarm (Long Leverage)
Patient: in Rückenlage, dieLong LeverageHarnblaseVerklebungenHarnblaseVerklebungen, faszialeLong Leverage Beine gebeugt
Therapeut: neben dem Patienten stehend, einen Fuß auf die Liege gestellt
Vorbereitung: Mit beiden Händen die gebeugten Beine des Patienten auf den eigenen Oberschenkel legen.
Handposition: Die Fingerspitzen der kranialen Hand nach kaudal auf den Beckenraum legen, mit der kaudalen Hand beide Beine im Kniebereich umfassen.
Ausführung (Abb. 6.14): Mit der kranialen Hand die abdominalen Organe nach kranial mobilisieren und parallel die Beine des Patienten harmonisch-rhythmisch in Extensions-Abduktions-Rotations-Bewegungen führen. Dadurch wird die Harnblase zusätzlich nach kaudal vom Darm weg mobilisiert.
Lig. umbilicale medianum und Lig. teres hepatis
Durch Hypertonus dieser Ligamente werden oft Ilium-posterior-Läsionen ausgelöst. Wenn starke parietale Läsionen vorliegen, sind diese Techniken für eine Korrektur nicht ausreichend. Vorrangig ist dann eine Behandlung der Leber und eine parietale Behandlung, z. B. des korrespondierenden Segments. Für das Lig. umbilicale medianum und das Lig. teres hepatis betrifft dies die Lumbalwirbel L1 und L2 und das Sakrum, für die Leber Th6–Th9 und den Verlauf des N. vagus.
Zur Überprüfung und um Erfahrungen zu sammeln, empfiehlt es sich, nach der Behandlung die Tests noch einmal durchzuführen.
Untersuchung
Patient: in Rückenlage, Beine gestreckt oder leicht gebeugt, eventuell eine Rolle unter den Knien
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition: Die Fingerspitzen beider Hände nebeneinander setzen, um die entsprechenden Strukturen senkrecht zu palpieren.
Lig. umbilicale medianum
Ausführung (Abb. 6.15):
  • Auf einer LinieLigamentum(-a)umbilicale medianumUntersuchung/Behandlung vom Nabel bis zur Symphysis pubica nach einer verspannten, bleistiftdünnen, runden ligamentären Struktur tasten, die ein Relikt der Aa. umbilicales darstellt.

  • Eventuell durch einen Dehnungsversuch auch die Längsspannung des Lig. umbilicale medianum testen. Dabei wird es parallel mit der kaudalen Hand nach kaudal und mit der kranialen Hand nach kranial gedehnt.

Bewertung:
  • Normalbefund: Normalerweise ist das Band nicht tastbar und nicht dehnempfindlich.

  • Eine deutlich erhöhte Spannung und Dehnempfindlichkeit des Ligaments weist auf eine Instabilität der Harnblase hin, deren Ursache z. B. bei Senkung oder fazilitiertem Segment weiter abgeklärt werden sollte.

Lig. teres hepatis
Ausführung (Abb. 6.16):
  • Auf einerLigamentum(-a)teres hepatisUntersuchung Linie vom Nabel zum Proc. xiphoideus nach einer verspannten, bleistiftdünnen, runden ligamentären Struktur tasten, die ein Relikt der Vv. umbilicales darstellt.

  • Eventuell auch durch einen Dehnungsversuch die Längsspannung des Lig. teres hepatis testen. Dabei wird es parallel mit der kaudalen Hand nach kaudal und mit der kranialen Hand nach kranial gedehnt.

Bewertung:
  • Normalbefund: Normalerweise ist das Lig. teres hepatis nicht tastbar und nicht dehnempfindlich.

  • Eine deutlich erhöhte Spannung und Dehnempfindlichkeit des Ligaments weist auf eine Instabilität der Harnblase hin, deren Ursache z. B. bei Senkung oder fazilitiertem Segment weiter abgeklärt werden sollte.

  • Da das Lig. teres hepatis auch von der Beweglichkeit der Leber und des Zwerchfells beeinflusst wird, sollte dies ebenfalls untersucht und behandelt werden.

Behandlung
Direkte Technik ohne Hebelarm (Non Leverage)
Patient: in Rückenlage, BeineNon LeverageBehandlung, Lig. umbilicale medianum gestreckt oder leicht gebeugt, eventuell eine Rolle unter den Knien
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition: Die Fingerspitzen beider Hände nebeneinander stellen und die entsprechenden Strukturen senkrecht palpieren.
Ausführung (Abb. 6.17): ähnlich wie bei der Untersuchung der Längsspannung werden die hypertonen Teile des Lig. umbilicale medianum mit beiden Händen gedehnt.
Direkte „Symphyso-xiphoidale“-Technik ohne Hebelarm (Non Leverage)
Patient: in flacher Symphyso-xiphoidale-Technik, direkte, Lig. umbilicalis medianumRückenlage, kein Kissen unter dem Kopf, Beine ausgestreckt
Therapeut: neben dem Patienten stehend, mit kaudaler Ausrichtung
Handposition:
  • Mit Zeige- und Mittelfinger der kranialen Hand den Proc. xiphoideus umgreifen.

  • Den Handballen der kaudalen Hand auf die Symphysis pubica legen.

Ausführung (Abb. 6.18): Mit der kranialen Hand den Proc. xiphoideus kranialwärts und gleichzeitig mit dem Handballen der kaudalen Hand die Symphysis pubica kaudalwärts führen.

Hinweis

Diese Technik kann bei einer gesunden Wirbelsäule durch Überstreckung (Long Leverage) intensiviert werden. Als mögliche „Hausaufgabe“ für den Patienten bieten sich in diesem Fall Körperübungen in überstreckter Position an.

Fasziale Technik des „Unwinding“
Theorie Kap. 2.2.4.4
Patient: in Rückenlage, BeineUnwindingLigamentumumbilicale medianum gestreckt oder leicht gebeugt, eventuell eine Rolle unter den Knien
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition: Eine Hand völlig entspannt direkt auf das Lig. umbilicale medianum mit dem Handballen im Bereich des Nabels und dem Mittelfinger auf der Medianlinie in Richtung der Symphysis pubica legen.
Ausführung (Abb. 6.19):
  • Die Spannung des Lig. umbilicale medianum beurteilen und die Hand dann in die Richtung bewegen, wo eine deutliche Abnahme der Spannung wahrnehmbar ist.

  • Die entsprechende Stelle mit der geringsten Spannung aufsuchen und „zuhören“, was das Ligament „erzählt“.

  • Es in dieser Position halten, damit es Spannung abbauen und sich komplett entfalten kann, bis es einen spannungsärmeren Zustand erreicht. Dabei wird oft Wärme freigesetzt.

Anmerkung: Bei dieser Technik lässt sich nicht voraussagen, wie viel Zeit benötigt wird. Manchmal hat man anfangs das Gefühl, die Spannung würde überhaupt nicht abnehmen oder sich sogar noch verstärken.
Lig. umbilicale mediale
Durch Hypertonus diesesLigamentum(-a)umbilicale medialeUntersuchung/Behandlung Ligaments werden oft Ilium-posterior-Läsionen ausgelöst.
Untersuchung
Patient: in Rückenlage, Beine gestreckt oder leicht gebeugt, eventuell eine Rolle unter den Knien
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Phase 1
Handposition: Eine Hand mit dem Handballen an den Unterrand des Nabels legen.
Ausführung (Abb. 6.20):
  • Mit ausgestreckten Fingern scheibenwischerartig von links nach rechts den Bereich zwischen Bauchnabel und Tuberculum pubicum nach erhöhter Spannung absuchen.

  • Bei erhöhter Spannung in einem bestimmten Bereich wie nachfolgend in Phase 2 beschrieben fortfahren.

Phase 2
Ausführung (Abb. 6.21):
  • Mit Zeige- und Mittelfinger der einen Hand den Ansatz des Lig. umbilicale mediale etwas oberhalb des Tuberculum pubicum nach kaudal, dorsal und lateral fixieren.

  • Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand unterhalb des Nabels am Ligament einhaken und es nach kranial, dorsal und median ziehen.

Bewertung: Eine deutlich erhöhte Spannung und Dehnempfindlichkeit des Ligaments weist auf eine Instabilität der Harnblase hin, die häufig auf eine Senkung zurückzuführen ist, aber manchmal auch mit einem fazilitierten Segment zusammenhängen kann. Deshalb sollten auch segmental zugehörige Strukturen wie z. B. die Wirbel L1/L2 und das Sakrum (S2–S4, Kap. 4.6.10 und Kap. 4.6.11) weiter untersucht werden.
Behandlung
Direkte Technik ohne Hebelarm (Non Leverage)
Patient: in Rückenlage, BeineNon LeverageLigamentumumbilicale mediale, VerklebungenLigamentum(-a)umbilicale medialeNon Leverage gestreckt oder leicht gebeugt, eventuell eine Rolle unter den Knien
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Ausführung: Ähnlich wie bei der Untersuchung der Längsspannung mit beiden Händen die hypertonen Teile des Ligaments dehnen.
Alternative: Indirekte Technik; beide Hände nähern sich an und lassen die Spannung wegschmelzen (Abb. 6.22).
Fasziale Technik des „Unwinding“
Patient: in Rückenlage, UnwindingLigamentumumbilicale medialeBeine gestreckt oder leicht gebeugt, mit einer Rolle unter den Knien
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition: Eine Hand völlig entspannt direkt auf das Lig. umbilicale mediale mit dem Handballen im Bereich des Nabels und der Spitze des Mittelfingers genau oberhalb des Tuberculum pubicum legen.
Ausführung: Die Spannung des Ligaments beurteilen und die Stellung aufsuchen, in der am wenigsten Spannung auftritt, egal in welcher Richtung die Hand bewegt werden muss, bis eine deutliche Abnahme der Spannung wahrnehmbar ist.
Beckenboden und unteres Parazystium
Vor der UntersuchungParazystiumUntersuchung/BehandlungBeckenbodenUntersuchung/Behandlung und Behandlung des Beckenbodens ist es sinnvoll, sich nochmals kurz die Anatomie zu vergegenwärtigen (Kap. 2.1.2). Die Rautenform des Beckenbodens ist in Abb. 6.23 dargestellt. Zu beachten ist, dass sich die Ebene des M. levator ani (Abb. 6.24) weiter kranial befindet, als allgemein angenommen wird. Die Untersuchung und Behandlung des Beckenbodens schließt automatisch die unteren Anteile des Parazystiums, der Paravagina, des Parametriums und des Paraproktiums mit ein.

Hinweis

Zwischen den Ebenen des Beckenbodens verlaufen die pudendalen Gefäße und Nerven. Die Beweglichkeit und Spannungsfreiheit des Beckenbodens ist damit wichtig für die angrenzenden Organe und Muskeln.

Spannungen im BeckenbodenSpannungenBeckenboden bewirken z. B. folgende parietale Läsionen:
  • Ilium-anterior-Läsionen, die sich sowohl iliosakral als auch coxofemoral als Blockierungen manifestieren können

  • Outflare-Läsionen des Iliums

  • Sakrum-posterior-Läsionen um schräge Achsen und um transversale Achsen

  • Kokzygeale Blockierungen nach anterior

  • Kraniosakrale Blockierungen auf faszialem Weg

Untersuchung der Beckenbodenmuskeln in Rückenlage
Patient: in Rückenlage, BeckenbodenmuskelnUntersuchungin RückenlageBeine angewinkelt
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Phase 1: Perineum anale mit M. levator ani und Bindegewebe der Fossa ischiorectalis
Handposition:
  • Mit der Perineumanale, Untersuchungdistalen Hand ein Bein des Patienten umgreifen.

  • Die Fingerspitzen der proximalen Hand median und etwas dorsal vom Tuber ischiadicum aufsetzen.

Ausführung (Abb. 6.25):
  • Das Bein in der Hüfte beugen.

  • Mit der proximalen Hand in kranioventraler Richtung in das Gewebe eindringen.

  • Nach der Bewertung zum Seitenvergleich Bein wechseln.

Bewertung: Spannung und Beweglichkeit des Beckenbodens im analen Bereich beurteilen.
Phase 2: Perineum urogenitale mit M. transversus perinei profundus und M. levator ani
Handposition:
  • Mit der distalenPerineumurogenitale, Untersuchung Hand ein Bein des Patienten umgreifen.

  • Die Fingerspitzen der proximalen Hand median und etwas ventral vom Tuber ischiadicum aufsetzen.

Ausführung:
  • Mit der distalen Hand das Bein etwas in der Hüfte abspreizen.

  • Mit den Fingerspitzen der proximalen Hand in kranioventraler Richtung in das Gewebe eindringen.

  • Nach der Bewertung zum Seitenvergleich das Bein wechseln.

Bewertung: Spannung und Beweglichkeit des Beckenbodens im urogenitalen Bereich beurteilen
Anmerkung: Im vorderen Perineumbereich spannt sich der M. transversus perinei profundus über den M. levator ani. Daher muss man oberflächlicher arbeiten und kann bei weitem nicht so tief in den Beckenboden eindringen wie im hinteren Dammbereich. Besonders wichtig ist die Beweglichkeit im Bereich des Levatortors. Hier lässt der M. levator ani eine Öffnung für den Durchzug der V. dorsalis profunda penis bzw. clitoridis frei, die zum Plexus prostaticus und Plexus venosus vesicalis ziehen. Für die Entstauung und Beweglichkeit des ventralen Bindegewebsraums der Harnblase und Prostata ist die Behandlung hier sinnvoll.
Behandlung der Beckenbodenmuskeln in Rückenlage
Direkte Technik ohne Hebelarm (Non Leverage)
Ausgangs- und Handposition: wieBeckenbodenmuskelnBehandlungin Rückenlage Non LeverageBeckenbodenmuskelnBeckenbodenmuskelnBehandlungNon Leverage bei der Untersuchung, aber das Bein des Patienten wird nicht umgriffen und gehoben
Ausführung (Abb. 6.25):
  • Mit den Fingerspitzen median und etwas ventral bzw. dorsal vom Tuber ischiadicum in kranioventraler Richtung in das Gewebe eindringen.

  • Das Gewebe im urogenitalen bzw. analen Beckenbodenbereich dehnen und dabei versuchen, mit abnehmender Spannung tiefer einzudringen und das Gewebe weiter zu dehnen.

  • Sich eventuell die Ausatmung des Patienten zunutze machen, um tiefer einzudringen.

  • Für eine optimale Beweglichkeit das Gewebe eventuell zusätzlich in verschiedene Richtungen verschieben.

Direkte Technik mit langem Hebelarm (Long Leverage)
Ausgangs- und Handposition: wie Long LeverageBeckenbodenmuskelnBeckenbodenmuskelnBehandlungLong Leveragebei der Untersuchung
Ausführung (Abb. 6.26):
  • Bein des Patienten mit der distalen Hand umgreifen, in der Hüfte bis etwa 90° beugen und durch Innenrotation der Hüfte eine passive Inflare-Bewegung des Iliums herbeiführen, damit der Beckenboden unter Spannung gerät.

  • Mit den Fingerspitzen der proximalen Hand median und etwas ventral bzw. dorsal vom Tuber ischiadicum in kranioventraler Richtung in das Gewebe eindringen.

  • Versuchen, immer tiefer einzudringen und das Gewebe weiter zu dehnen.

  • Sich eventuell die Ausatmung des Patienten zunutze machen, um noch tiefer einzudringen.

  • Für eine optimale Beweglichkeit das Gewebe eventuell zusätzlich in verschiedene Richtungen verschieben.

Fasziale Technik des „Unwinding“
Ausgangs- und Handposition: wie beiUnwindingBeckenbodenmuskelnin RückenlageBeckenbodenmuskelnUnwinding der Untersuchung
Ausführung (Abb. 6.27):
  • Bein des Patienten mit der distalen Hand umgreifen, in der Hüfte bis etwa 90° beugen und durch Außenrotation der Hüfte eine passive Outflare-Bewegung des Iliums herbeiführen, damit sich der Beckenboden mehr entspannt.

  • Mit den Fingerspitzen der proximalen Hand median und etwas ventral bzw. dorsal vom Tuber ischiadicum in kranioventraler Richtung in das Gewebe eindringen.

  • Gleichzeitig die Spannung des Beckenbodens beurteilen und die Stellung aufsuchen, in der am wenigsten Spannung auftritt, egal in welche Richtung die Hand bewegt werden muss, bis eine deutliche Abnahme der Spannung wahrnehmbar ist.

Untersuchung der Beckenbodenmuskeln in Seitenlage
Patient: in Seitenlage, BeckenbodenmuskelnUntersuchungin SeitenlageBeine gebeugt
Therapeut: hinter dem Patienten in Beckenhöhe auf dem Rand der Liege sitzend
Perineum anale mit M. levator ani und Bindegewebe der Fossa ischiorectalis
Ausführung (Abb. 6.28):
  • Mit den FingerspitzenPerineumanale, Untersuchung einer Hand median und etwas dorsal vom Tuber ischiadicum in kranioventraler Richtung in das Gewebe eindringen.

  • Sich dabei bewusst sein, dass die Ebene des M. levator ani erst nach einigen Zentimetern erreicht wird.

  • Den Test in Richtung der Beckenorgane wiederholen, um einen Bezug zu ihnen herzustellen.

Bewertung: Spannung und Beweglichkeit des Beckenbodens beurteilen
Anmerkung: Eine erhöhte Spannung des Beckenbodens in Richtung der Harnblase könnte auf einer Bewegungseinschränkung dieses Organs beruhen und wäre eine Indikation zur weiteren Untersuchung der Harnblase.
Behandlung der Beckenbodenmuskeln in Seitenlage
Direkte Technik ohne Hebelarm
Ausgangsposition: wie BeckenbodenmuskelnBehandlungin SeitenlageNon LeverageBeckenbodenmuskelnBeckenbodenmuskelnBehandlungNon Leveragebei der Untersuchung
Ausführung:
  • Mit den Fingerspitzen median und etwas dorsal vom Tuber ischiadicum in kranioventraler Richtung in das Gewebe eindringen (Abb. 6.28).

  • Dabei das Gewebe im analen Bereich des Beckenbodens dehnen und versuchen, mit abnehmender Spannung weiter einzudringen und noch mehr zu dehnen.

  • Sich eventuell die Ausatmung des Patienten zunutze machen, um noch tiefer einzudringen.

  • Eventuell mit der anderen Hand die oben liegenden Ala ossis ilii zur Liege hin drücken, um eine Inflare-Bewegung des Iliums herbeizuführen und die Spannung im Beckenboden zu erhöhen.

Fasziale Technik des „Unwinding“
Ausgangsposition: wie UnwindingBeckenbodenmuskelnin Seitenlagebei der Untersuchung
Ausführung:
  • Mit den Fingerspitzen sehr sanft median und etwas dorsal vom Tuber ischiadicum in kranioventraler Richtung in das Gewebe eindringen (Abb. 6.28).

  • Mit der anderen Hand die oben liegende Crista iliaca nach kaudal ziehen, um eine Outflare-Bewegung des Iliums herbeizuführen und die Spannung im Beckenboden zu reduzieren.

  • Dabei den Punkt des geringsten Widerstands aufsuchen.

Anmerkung: Ziel ist u. a., dem Gewebe Zeit zu geben, seine Spannung selbst abzubauen.
Intravaginale Untersuchung des Beckenbodens
Intravaginale und BeckenbodenUntersuchung, intravaginaleintrarektale Untersuchungen bzw. Behandlungen Kap. 6.2.3.10
Bei Frauen ist eine starke Uterussenkung relativ schnell in einer Declive-Rückenlage (Becken höher gelagert als die Schulter) zu erkennen. Genitalorgane und Beckenboden fallen in dieser Lage etwas zurück, als wären sie „eingestülpt“. Wird die Patientin anschließend aufgefordert, die Bauchpresse einzusetzen, zeigt sich eine deutliche Wölbung nach außen. Das bestätigt den Verdacht auf einen Descensus uteri (Abb. 6.57). Zusätzlich kann mit einem vaginal eingeführten Finger der Stand der Portio vaginalis vor und nach dem Pressen beurteilt werden.
Es kann durchaus sinnvoll sein, mithilfe einer vaginal oder rektal eingeführten Drucksonde eine computergesteuerte Tonometrie durchzuführen. Die Patientin wird aufgefordert, Vagina bzw. After kräftig zusammenzukneifen und wieder loszulassen. Solche Messungen können in Kombination mit einem Biofeedback-Gerät auch als Behandlung durchgeführt werden, indem der Patientin der Zustand des Beckenbodens auf einem PC-Monitor sichtbar gemacht wird.
Eigene Messungen ergaben bei gesunden, erwachsenen Frauen durchschnittliche Höchstwerte von 70–80 mmHg im Vaginalbereich und 80–100 mmHg im Rektalbereich des Beckenbodens.
Untersuchung des Centrum tendineum perinei in Rückenlage

Hinweis

Es ist sinnvoll, PatientenCentrum tendineum perineiUntersuchung/Behandlung zuerst selbst das Centrum tendineum perinei, d. h. den Dammbereich zwischen Anus und Peniswurzel bzw. Anus und Vagina, betasten zu lassen. Das fördert ihr Vertrauen und vereinfacht die Behandlung.

Patient: in Rückenlage, Beine angewinkelt und leicht gespreizt
Therapeut: neben dem Patienten stehend oder sitzend
Handposition: Einen Daumen auf das Centrum tendineum perinei setzen.
Ausführung: Mit dem Daumen in kranioventraler Richtung in das Gewebe eindringen.
Bewertung: Spannung des Beckenbodens beurteilen.
Anmerkung: Es ist sinnvoll, die Dehnbarkeit des Centrum tendineum perinei in verschiedene Richtungen zu testen (Abb. 6.29). Der Autor bezeichnet diese Untersuchung als „Sterntest“.
Behandlung des Centrum tendineum perinei in Rückenlage
Direkte Technik ohne Hebelarm
Ausgangs- und Handposition: wie Non LeverageCentrum tendineum perineibei der Untersuchung
Ausführung:
  • Mit dem Daumen in kranioventraler Richtung in das Gewebe eindringen.

  • Das Gewebe des Beckenbodens im perinealen Bereich dehnen und dabei versuchen, mit abnehmender Spannung weiter einzudringen und das Gewebe noch stärker zu dehnen.

  • Sich eventuell die Ausatmung des Patienten zunutze machen, um noch tiefer in das Gewebe einzudringen.

Anmerkung: Zur Mobilisation kann das Centrum tendineum perinei zusätzlich in Richtung einer Bewegungseinschränkung verschoben und gedehnt werden.
Membrana obturatoria
Theorie Kap. 2.1.3.1
Wegen der bindegewebigenMembrana obturatoriaUntersuchung/Behandlung Verbindungen von Harnblase und Fascia iliaca mit der Membrana obturatoria kommt es bei Fixierungen der Harnblase oft zum Hypertonus dieser Membran, der sich auch auf die durchziehenden Gefäße und Nerven, d. h. die A. und V. obturatoria und den N. obturatorius, auswirken (Kap. 2.4 und Kap. 2.5).
Frühzeitige Hüftgelenkarthrose, Perthes-Calvé-Legg-Krankheit sowie Tendinopathien der Hüftadduktoren und Pes-anserinus-Muskeln können manchmal versorgungstechnisch behandelt werden, indem man die Beweglichkeit von Membrana obturatoria, Harnblase und Prostata verbessert.
Untersuchung: Spannungstest in Rückenlage
Zur Durchführung diesesMembrana obturatoriaSpannungstest SpannungstestMembrana obturatoriaTests ist viel Erfahrung notwendig (Abb. 6.30).
Patient: in Rückenlage, Beine angewinkelt
Therapeut: seitlich neben dem Patienten stehend
Handposition:
  • Den Daumen der kaudalen Hand im Leistenbereich auf den M. gracilis legen.

  • Die kraniale Hand suprapubisch neben der Harnblase auf den Unterbauch legen.

Phase 1 (kaudale Hand)
Ausführung:
  • Mit dem Daumen am inferioren Rand des M. gracilis entlang bis zum Ramus inferior ossis pubis wandern.

  • Dann den Daumen etwa einen Finger breit nach lateral und kranial in die Vertiefung des Foramen obturatum mit der Membrana obturatoria bewegen.

  • Durch leichten Druck nach dorsal und kranialwärts versuchen, einen Eindruck von der Membranspannung zu gewinnen.

  • Den Druck eventuell plötzlich nachlassen, um das Zurückfedern (Recoil) der Membran beurteilen zu können.

  • Anschließend den Patienten tief ein- und ausatmen lassen, um die Spannung der Membrana obturatoria auch hierbei auszuwerten.

Bewertung:
  • Normalbefund: Bei einem guten Tonus ist mit der kaudalen Hand deutlich eine Kraniokaudalbewegung der Membran wahrnehmbar.

  • Werden die Atembewegungen des Zwerchfells nicht in den Bereich der Membrana obturatoria weitergeleitet, weist das auf einen Hypertonus der Membran hin.

Phase 2 (kraniale Hand)
Ausführung: So tief wie möglich suprapubisch neben der Harnblase eindringen und mit der kaudalen Hand beurteilen, wie das Parazystium auf den kaudalen Druck reagiert.
Bewertung:
  • Normalbefund: Die Bewegung wird schmerzfrei und spürbar ohne große Spannungsänderungen übertragen.

  • Ist dies nicht der Fall, ist eine Bewegungseinschränkung im Bereich der vesikalen Gleitschichten anzunehmen.

Phase 3 (kraniale Hand)
Ausführung:
  • Nun die Harnblase nach kranial und zur heterolateralen Seite schieben.

  • Dabei die Spannungsänderung im Bereich der Membrana obturatoria mit der kaudalen Hand beurteilen.

  • Anschließend die Seiten vergleichen.

Bewertung:
  • Normalbefund: Die Bewegung wird schmerzfrei und spürbar ohne große Spannungsänderungen übertragen.

  • Ist dies nicht der Fall, ist eine Bewegungseinschränkung im Bereich der vesikalen Gleitschichten zu vermuten.

  • Zeigt der Seitenvergleich auf einer Seite einen stärkeren Hypertonus, befindet sich dort die Bewegungseinschränkung der Harnblase.

Behandlung
Direkte Technik ohne Hebelarm
Patient: in Rückenlage, Membrana obturatoriaBehandlungNon LeverageNon LeverageMembrana obturatoriaBeine angewinkelt
Therapeut: seitlich neben dem Patienten stehend
Handposition: Den Daumen der kaudalen Hand im Leistenbereich auf den M. gracilis legen.
Ausführung:
  • Mit dem Daumen am inferioren Rand des M. gracilis entlang bis zum Ramus inferior ossis pubis wandern.

  • Dann den Daumen etwa einen Finger breit nach lateral und kranial bewegen, bis er die Membrana obturatoria berühren kann.

  • Beim Ausatmen des Patienten die Membran in kraniale Richtung schieben.

  • Beim Einatmen den Druck wieder zurücknehmen.

Direkte Technik mithilfe der Harnblase
Patient: in heterolateralerMembrana obturatoriaBehandlungdirekte Technik Seitenlage, das untere Bein etwas angewinkelt, um eine stabile Seitenlage zu gewährleisten, das oben liegende Bein ausgestreckt
Therapeut: hinter dem Patienten stehend
Handposition: Den Daumen der kaudalen Hand im Leistenbereich auf den M. gracilis legen.
Ausführung (Abb. 6.31):
  • Am oben liegenden Bein mit Mittel- oder Zeigefinger der kaudalen Hand am inferioren Rand des M. gracilis entlang bis zum Ramus inferior ossis pubis wandern.

  • Dann den Daumen etwa einen Finger breit nach lateral und kranial bewegen, um mit der Membrana obturatoria in Kontakt zu kommen.

  • Mit den Fingerspitzen oder dem Daumen der kranialen Hand die Harnblase von der Membrana obturatoria weg mobilisieren.

  • Mit der kaudalen Hand die Membran eventuell vordehnen, in dem sie nach kranial geschoben und während der Bewegung der Harnblase dort gehalten wird.

Indirekte Technik mithilfe der Harnblase
Ähnlich wie die direkteMembrana obturatoriaBehandlungindirekte Technik Technik, Abb. 6.31
Ausführung:
  • Die Harnblase ausschließlich in die Richtung mobilisieren, in der eine deutlich verringerte Spannung der Membrana obturatoria spürbar ist.

  • Sofort die Richtung ändern, wenn eine Spannungserhöhung ausgelöst wird.

Mm. obturatorii
Die Mm. obturatorii ermöglichenMusculus(-i)obturatorius(-i)Untersuchung/BehandlungMusculus(-i)obturatorius(-i)Verklebungen, fasziale die Außenrotation im Hüftgelenk und Inflare-Bewegung des Iliums (Kap. 2.1.3.2).
Durch eine Duplikatur der Fascia obturatoria wird der Alcock-Kanal für die Vasa pudenda interna und den N. pudendus gebildet. Beispiele für Engpass-Symptome im Bereich des Alcock-Kanals sind Parästhesien im Damm- und Genitalbereich sowie Hypertonus des Beckenbodens. Verkürzte Mm. obturatorii bewirken einen typischen Mobilitätsverlust der Hüfte bei der Innenrotation und Outflare Beweglichkeit des Iliums.
Untersuchung
Patient: in Bauchlage, das betroffene Bein leicht abgespreizt
Therapeut: auf der homolateralen Seite des Patienten stehend
Traktions- und Spannungstest
Handposition:
  • Mit der kaudalenMusculus(-i)obturatorius(-i)TraktionstestMusculus(-i)obturatorius(-i)Spannungstest SpannungstestMm. obturatoriiTraktionstestMm. obturatoriiHand das Bein des Patienten oberhalb des Sprunggelenks umgreifen.

  • Die kraniale Hand zwischen Trochanter major und Incisura ischiadica minor legen.

Ausführung (Abb. 6.32):
  • In Längsachse der unteren Extremität eine Traktion in Neutralstellung ausführen, damit eine leichte Outflare-Bewegung entsteht.

  • Gleichzeitig mit der anderen Hand zwischen Trochanter major und Incisura ischiadica minor die Spannung der Mm. obturatorii beurteilen.

  • Anschließend Seitenvergleich, dazu das Bein wechseln.

Dehnungstest
Handposition:
  • Mit der kaudalenDehnungstest, Mm. obturatorii Musculus(-i)obturatorius(-i)DehnungstestHand das Bein des Patienten oberhalb des Sprunggelenks umgreifen.

  • Die kraniale Hand zwischen Trochanter major und Incisura ischiadica minor legen.

Ausführung (Abb. 6.33):
  • Mit der kaudalen Hand das Bein im Kniegelenk beugen und langsam eine maximale Innenrotation der Hüfte ausführen; normalerweise ist dies bei etwa 45° möglich.

  • Gleichzeitig mit der kranialen Hand zwischen Trochanter major und Incisura ischiadica minor die Spannung der Mm. obturatorii beurteilen.

  • Anschließend Seitenvergleich, dazu das Bein wechseln.

Behandlung
Postisometrische Relaxierung
Patient: in BauchlageRelaxierung, postisometrischeMm. obturatoriiMusculus(-i)obturatorius(-i)postisometrische Relaxierung
Therapeut: heterolateral neben dem Patienten stehend
Handposition:
  • Mit der kaudalen Hand den Unterschenkel des Patienten umgreifen.

  • Die kraniale Hand auf den Trochanter major legen.

Ausführung (Abb. 6.34):
  • Mit der kaudalen Hand das Bein im Kniegelenk beugen und dann langsam eine maximale Innenrotation der Hüfte ausführen.

  • Mit der kranialen Hand Druck auf den Trochanter major in Richtung Boden ausüben, um die Innenrotation noch zu verstärken.

  • Am Ende der Innenrotation den Patienten das Bein gegen den Widerstand isometrisch in Außenrotation drücken lassen und einige Sekunden halten.

  • Postisometrisch versuchen, eine neue Ausschlagsgrenze bei der Innenrotation zu erreichen.

  • Diesen Vorgang 3- bis 4-mal wiederholen.

Fasziale Verklebungen und Spannungen lösen
Patient: in Verklebungen, faszialeMm. obturatoriiMusculus(-i)obturatorius(-i)Verklebungen, faszialeSpannungenMm. obturatoriiMusculus(-i)obturatorius(-i)SpannungenBauchlage
Therapeut: homolateral neben dem Patienten stehend
Handposition:
  • Mit der kaudalen Hand den Unterschenkel des Patienten umgreifen.

  • Die kraniale Hand so nah wie möglich auf den Verlauf des M. obturatorius internus legen.

Ausführung (Abb. 6.35):
  • Mit der kaudalen Hand das Bein im Kniegelenk beugen und dann langsam eine maximale Innenrotation der Hüfte ausführen.

  • Die Finger der kranialen Hand entlang des Verlaufs des M. obturatorius internus in Richtung des Alcock-Kanals gleiten lassen.

  • Mit der kaudalen Hand die Hüfte in Zirkumduktion bewegen.

  • Gleichzeitig mit der kranialen Hand die Muskelfasern und das fasziale Gewebe zum Dehnen in verschiedene Richtungen schieben.

Oberes Parazystium und Peritoneum – Beurteilung der laterolateralen Beweglichkeit der Harnblase
Untersuchung
Patient: in Rückenlage, ParazystiumUntersuchung/BehandlungHarnblaseBeweglichkeitlaterolateralePeritoneumUntersuchung/BehandlungBeine gebeugt, Füße aufgestellt
Therapeut: neben dem Patienten am Kopfteil der Liege stehend, mit Ausrichtung nach kaudal
Untersuchung der laterolateralen Beweglichkeit der Harnblase
Anmerkung: Bei diesem Test darf die Harnblase nicht mit dem lateralen Rand des M. rectus abdominis verwechselt werden.
Handposition: Beide Hände parallel rechts und links neben der Harnblase auf den Unterbauch legen.
Ausführung (Abb. 6.36):
  • Mit den Fingerspitzen sanft und langsam möglichst nah neben der Harnblase in kaudaler Richtung in den Pubisraum eindringen.

  • Vorsichtig den Weg durch die Gewebeschichten suchen.

  • Dann vorsichtig die Harnblase in laterolateraler Richtung verschieben, um ihre Beweglichkeit nach links und rechts vergleichen zu können.

Bewertung:
  • Gewebespannung und Beweglichkeit der Harnblase beurteilen.

  • Beweglichkeit ist ziemlich gering.

  • Bei Bewegungseinschränkung, z. B. nach links, liegt vermutlich eine Spannung im rechten oberen Parazystium, und zwar entweder im Bereich der peritonealen Gleitflächen des Zäkums oder des rechten Dünndarms, bzw. eine postoperative Vernarbung im Appendixbereich vor.

Behandlung
Ziel:
  • Laterolaterale Beweglichkeit der Harnblase

  • Verbesserung der Gleitfähigkeit des umgebenden Bindegewebes

  • Verringerung der Spannung im umgebenden Bindegewebe

Direkte Technik ohne Hebelarm (Non Leverage)
Patient: in Rückenlage, Beine gebeugtNon LeverageHarnblaselaterolaterale Beweglichkeit, Füße aufgestellt
Therapeut: neben dem Patienten am Kopfteil der Liege stehend, mit Ausrichtung nach kaudal
Handposition: Beide Hände parallel rechts und links neben der Harnblase auf den Unterbauch legen.
Ausführung:
  • Bilateral mit den Fingerspitzen der 3., 4. und 5. Finger neben der Harnblase eindringen und den Kopf der Harnblase von oben „umgreifen“.

  • Die Harnblase sanft und langsam nach links und rechts mobilisieren.

  • In Richtung der geringsten Beweglichkeit direkt gegen den Widerstand mobilisieren.

Bewertung: Die laterolaterale Beweglichkeit der Harnblase und des umgebenden Bindegewebes, d. h. das obere Parazystium und Peritoneum, beurteilen.
Direkte Technik mit langem Hebelarm (Long Leverage)
Patient: in Rückenlage, KnieLong LeverageHarnblaselaterolaterale Beweglichkeit angewinkelt, Füße auf die Liege gestellt
Therapeut: seitlich vom Patienten stehend, einen Fuß auf die Liege gestellt
Vorbereitung: Die gebeugten Beine des Patienten auf die eigenen Knie legen.
Handposition:
  • Mit der kaudalen Hand beide Knie umgreifen.

  • Die kraniale Hand auf eine Seite der Harnblase legen.

Ausführung (Abb. 6.37):
  • Mit der kranialen Hand die Harnblase fixieren.

  • Gleichzeitig mit der kaudalen Hand im Kniebereich beide Beine des Patienten harmonisch-rhythmisch bewegen, damit sich LWS und Becken seitwärts – weg von der fixierten Seite der Harnblase – neigen.

Indirekte Technik mit langem Hebelarm (Long Leverage): fasziales Unwinding
ErfahrungsgemäßUnwindingHarnblaselaterolaterale Beweglichkeit lohnt es sich hier, eine Unwinding-Technik anzuwenden. Anstatt gegen die Barriere (Bewegungssperre) anzukämpfen, lässt sich auch ein leichterer und für den Patienten angenehmerer Weg suchen.
Patient: in Rückenlage, die Knie angewinkelt
Therapeut: seitlich vom Patienten stehend, einen Fuß auf die Liege gestellt
Vorbereitung: Die gebeugten Beine des Patienten auf die eigenen Knie legen.
Handposition:
  • Mit der kaudalen Hand beide Knie umgreifen.

  • Die kraniale Hand auf eine Seite der Harnblase legen.

Ausführung (Abb. 6.38):
  • Mit der kranialen Hand die Harnblase zu einer Seite bewegen, z. B. nach rechts, um einen Bereich mit möglichst geringer Spannung zu suchen.

  • Mit der kaudalen Hand im Kniebereich langsam beide Beine des Patienten in die Richtung des Bereichs mit der geringsten Spannung, den die kraniale Hand aufgespürt hat, bringen. In der Regel führt dies zur Seitneigung der LWS, z. B. nach rechts, und des Beckens zur Harnblase hin.

  • Die Position mit der geringsten Spannung beibehalten, dann zur weiteren Spannungsreduktion die Richtung allmählich ändern.

Lamina SRGVP – Beurteilung der dorsoventralen Beweglichkeit der Harnblase
Als Lamina sacro-recto-genito-vesico-pubicale (Lamina SRGVP) LaminaSRGVPUntersuchung/BehandlungHarnblaseBeweglichkeitdorsoventralebezeichnen Osteopathen aus didaktischen Gründen eine Struktur, die in der klassischen Medizin nicht als solche bekannt ist (Kap. 2.6.5.3). Nach Ansicht des Autors sind das Lig. pubovesicale und das Lig. sacrouterinum ebenso Elemente dieser Lamina wie die Bindegewebssepten im kleinen Becken, die die Organe untereinander verbinden.
Die Lamina SRGVP soll hier als dorsoventrale Verbindung zwischen Symphysis pubica und der oberen Facies pelvica des Sakrums beschrieben werden. Durch Hypertonus oder Verklebungen in der Lamina SRGVP können Ilium-posterior- und Sakrum-anterior-Läsionen bzw. Sakrum-posterior-Läsionen – abhängig von der Höhe des Ansatzes der Lamina am Sakrum – ausgelöst werden.
Untersuchung: Lig. pubovesicale bzw. vorderer Bereich der Lamina SRGVP
Patient: in Rückenlage, BeineLaminaSRGVPUntersuchung/BehandlungLigamentum(-a)pubovesicaleUntersuchung/Behandlung gestreckt oder leicht gebeugt, eventuell eine Rolle unter den Knien
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition: Beide Hände mit den Fingerspitzen in Richtung Symphysis pubica flach auf den Unterbauch legen.
Ausführung (Abb. 6.39):
  • Zuerst etwas Haut nach kaudal gewinnen und dann mit den Fingerspitzen sanft und langsam zwischen Harnblase und Symphysis pubica eindringen.

  • Anschließend die Harnblase nach posterior schieben, um das Lig. pubovesicale zu testen.

Bewertung: Gewebespannung und Beweglichkeit der Harnblase beurteilen.
Behandlung: Lig. pubovesicale bzw. vorderer Bereich der Lamina SRGVP
Ziel:
  • Dorsoventrale Beweglichkeit der Harnblase

  • Verbesserung der Gleitfähigkeit des umgebenden Bindegewebes

  • Verringerung der Spannung im umgebenden Bindegewebe

Direkte Technik ohne Hebelarm (Non Leverage)
Ausgangs- und Handposition: wie beiNon LeverageLigamentumpubovesicaleNon LeverageLamina SRGVPvorderer Bereich der Untersuchung (Abb. 6.39)
Ausführung:
  • Bilateral mit den Fingerspitzen der 3. und 4. Finger zwischen Symphysis pubica und Harnblase eindringen und den Kopf der Harnblase von vorn umgreifen.

  • Die Harnblase sanft und langsam nach dorsal direkt zur Barriere hin mobilisieren.

  • Den Patienten zusätzlich langsam die Beine ohne Abheben der Füße ausstrecken lassen. Dabei die Harnblase nach dorsal fixieren.

  • Auch in gestreckter Haltung kann die Harnblase nach dorsal mobilisiert werden

Bewertung: Dorsale Beweglichkeit der Harnblase und des umgebenden Bindegewebes, d. h. im ventralen Bereich der Lamina SRGVP und der peritonealen Gleitflächen, beurteilen.
Direkte Technik mit langem Hebelarm (Long Leverage)
Patient: in Rückenlage, die Long LeverageLig. pubovesicaleLong LeverageLamina SRGVP, vorderer BereichKnie angewinkelt
Therapeut: seitlich vom Patienten stehend, einen Fuß auf die Liege gestellt
Vorbereitung: Die gebeugten Beine des Patienten auf die eigenen Knie legen.
Handposition: Mit der kaudalen Hand beide Knie umgreifen, die kraniale Hand im Unterbauchbereich auf die Harnblase legen.
Ausführung (Abb. 6.40):
  • Mit der kranialen Hand die Harnblase nach dorsal fixieren.

  • Gleichzeitig mit der kaudalen Hand im Kniebereich beide Beine des Patienten harmonisch-rhythmisch in Richtung der coxofemoralen Extension mobilisieren, um dadurch die Harnblase weiter von der Symphysis pubica zu entfernen.

Indirekte Technik mit langem Hebelarm (Long Leverage): fasziales Unwinding
Anmerkung: ErfahrungsgemäßUnwindingLigamentumpubovesicaleUnwindingLamina SRGVPvorderer Bereich lohnt es sich hier, eine Unwinding-Technik anzuwenden.
Patient: in Rückenlage, die Knie angewinkelt
Therapeut: seitlich vom Patienten stehend, einen Fuß auf die Liege gestellt
Vorbereitung: Die gebeugten Beine des Patienten auf die eigenen Knie legen.
Handposition:
  • Mit der kaudalen Hand beide Knie des Patienten umgreifen.

  • Die kraniale Hand zwischen Harnblase und Symphysis pubica legen; dabei spüren, wo die Spannung möglichst gering ist.

Ausführung (Abb. 6.41):
  • Mit der kaudalen Hand beide Knie des Patienten langsam in die Richtung mit der spürbar geringsten Spannung bewegen. In der Regel wird es dabei zu vermehrter Hüftflexion kommen und die Symphysis pubica zur Harnblase hin bewegt.

  • Diese Position zunächst beibehalten und dann anhand der abnehmenden Spannung entscheiden, in welche Richtung die Position geändert wird.

Untersuchung: hinterer Bereich der Lamina SRGVP
Patient: in Rückenlage, LaminaSRGVPUntersuchung/BehandlungBeine gebeugt
Therapeut: neben dem Patienten stehend oder sitzend
Handposition:
  • Die kaudale Hand entspannt so unter das Sakrum des Patienten legen, dass Zeige- und Ringfinger mit den Fingerspitzen bilateral den Iliosakralsulkus berühren.

  • Die kraniale Hand auf den Unterbauch mit den Fingerspitzen genau oberhalb der Symphysis pubica und dem Handballen in Nabelhöhe auf der Medianlinie legen.

Ausführung (Abb. 6.42):
  • Mit der Hand auf dem Unterbauch langsam in den Bauchraum eindringen, dabei den Druck nach kaudal richten: zwischen Harnblase und Rektum bzw. Harnblase und Uterus.

  • Mit der kaudalen Hand die Reaktion des Sakrums registrieren.

Bewertung: Beurteilen, ob ein Hypertonus der Lamina SRGVP vorliegt. Zeichen sind:
  • Sofortige Anteriorisierung oder Posteriorisierung des Sakrums bei Dehnung der Lamina

  • Starke Spannung und schlechte Dehnbarkeit der Lamina

  • Schlechte Beweglichkeit der Harnblase

  • Sehr empfindliches Bindegewebe

Behandlung: hinterer Bereich der Lamina SRGVP
Ziel:
  • Beweglichkeit von Harnblase und Rektum bzw. Uterus zu verbessern

  • Befreiung der Gleitflächen zwischen Harnblase und Rektum bzw. Harnblase und Uterus

  • Verringerung der Spannung der Lamina SRGVP zu verringern

Direkte Technik ohne Hebelarm (Non Leverage)
Patient: in Rückenlage, Knie gebeugtNon LeverageLamina SRGVPhinterer Bereich und Füße auf die Liege gestellt
Therapeut: am Kopfende stehend, mit kaudaler Ausrichtung
Ausführung (Abb. 6.43):
  • Mit den Fingerspitzen der 3. und 4. Finger bilateral so weit wie möglich zwischen Harnblase und Rektum bzw. Harnblase und Uterus eindringen.

  • Hinter der Harnblase direkt gegen den Bewegungswiderstand mobilisieren.

Bewertung: Beweglichkeit der Harnblase und des umgebenden Bindegewebes beurteilen, d. h. im dorsalen Bereich der Lamina SRGVP und der peritonealen Gleitflächen.
Indirekte Technik: fasziales Unwinding
Patient: in RückenlageLaminaSRGVPUnwinding, fasziales, UnwindingLamina SRGVPhinterer BereichBeine gebeugt
Therapeut: neben dem Patienten sitzend oder stehend
Handposition:
  • Die kaudale Hand entspannt so unter das Sakrum des Patienten legen, dass Zeige- und Ringfinger mit den Fingerspitzen bilateral den Iliosakralsulkus berühren.

  • Die kraniale Hand auf den Unterbauch legen, mit den Fingerspitzen genau oberhalb der Symphysis pubica und dem Handballen in Nabelhöhe auf die Medianlinie

Ausführung (Abb. 6.44):
  • Mit den Fingerspitzen der Hand auf dem Unterbauch langsam in den Bauchraum eindringen, dabei den Druck kaudalwärts richten: zwischen Harnblase und Rektum bzw. Harnblase und Uterus.

  • Mit der kaudalen Hand das Sakrum bewegen.

  • Sich von der abnehmenden Spannung zur Position mit dem geringsten Widerstand und der wenigsten Spannung führen lassen und sie beibehalten, bis sich die Spannung auflöst.

Kraniokaudale Beweglichkeit von Harnblase, Urethra und Prostata
Eine BewegungseinschränkungHarnblaseBeweglichkeitkraniokaudaleUrethraBeweglichkeit, kraniokaudale, Untersuchung/BehandlungProstataBeweglichkeitkraniokaudale, Untersuchung/Behandlung der Harnblase und der umgebenden Organe nach kranial weist nach Ausschluss von obenliegenden Fixierungen auf eine kaudale Fixierung im Parazystium und Paravaginalbereich hin, z. B.
  • des Beckenbodens und des Bindegewebes in seiner Nähe,

  • der Fossa ischiorectalis,

  • der Membrana obturatoria,

  • des Bindegewebes im Bereich von Urethra und Prostata (beim Mann) oder der Vagina (bei Frauen nicht selten nach komplizierten Entbindungen mit Dammschnitt oder Dammriss).

Wenn die Beweglichkeit nach kranial eingeschränkt ist, kannBlasensenkungfixierte von einer fixierten Blasensenkung gesprochen werden. Die Ursache könnte auch erhöhter Druck eines darüberliegenden Organs oder Diaphragmas sein. Deshalb ist es wichtig, zusätzlich die Beweglichkeit der darüberliegenden Organe zu testen und zu behandeln.
Bewegungseinschränkungen nach kaudal hängen häufig mit Verklebungen zwischen Dünndarm und Harnblase zusammen. Auch hier sollte zusätzlich die Beweglichkeit der darüberliegenden Organe getestet und behandelt werden.
Untersuchung
Über die Membrana obturatoria
Anmerkung: Dieser Test ist nur bei ausreichend lockerer Membrana obturatoria aussagekräftig.
Patient: in Rückenlage, Beine angewinkelt
Therapeut: homolateral neben dem Patienten stehend
Handposition:
  • Mittelfinger oder Daumen der kaudalen Hand in den Bereich der Membrana obturatoria legen.

  • Die kraniale Hand oberhalb der Symphysis pubica flach auf den Unterbauch legen.

Ausführung (Abb. 6.45):
  • Durch leichten Druck nach kranial mit der kaudalen Hand die Harnblase kranialwärts schieben.

  • Gleichzeitig mit der kranialen Hand die Harnblase zunächst suprapubisch kranialwärts ziehen und dabei auf eventuelle Fixierungen von unten achten.

  • Anschließend die Harnblase mit der kranialen Hand nach kaudal mobilisieren und dabei auf eventuelle Fixierungen oberhalb der Harnblase achten.

Über den Beckenboden
Patient: in Rückenlage, Beine angewinkelt
Therapeut: homolateral neben dem Patienten stehend
Handposition:
  • Die Fingerspitzen der kaudalen Hand im Bereich des Perineum anale aufsetzen.

  • Die kraniale Hand oberhalb der Symphysis pubica flach auf den Unterbauch legen.

Ausführung (Abb. 6.46):
  • Durch leichten Druck nach kranial mit der kaudalen Hand die Harnblase kranialwärts schieben. Dabei kann eine Declive-Position sinnvoll sein, d. h. das Fußteil der Liege höher als das Kopfteil einzustellen.

  • Gleichzeitig suprapubisch mit den Fingern der kranialen Hand die Beweglichkeit von Harnblase, Prostata und Urethra beurteilen.

  • Anschließend die Harnblase mit der kranialen Hand nach kaudal mobilisieren und auf Fixierungen oberhalb der Harnblase achten.

Über das rechte und linke Lig. umbilicale mediale – im Sitzen
Patient: entspannt aufLigamentum(-a)umbilicale medialeBeweglichkeit im Sitzen/Liegen der Liege sitzend
Therapeut: hinter dem Patienten stehend
Handposition: Von hinten unter den Armen des Patienten durchgreifen und mit den Fingerspitzen, median vom rechten und linken Lig. umbilicale mediale, den „Kopf“ der Harnblase berühren.
Ausführung (Abb. 6.47): Während der Ausatmung die Harnblase vorsichtig nach kranial anheben, normalerweise lässt sie sich um etwa 2 cm bewegen. Die Finger ziehen erst nach lateral und dann nach kranial.
Über das rechte und linke Lig. umbilicale mediale – im Liegen
Patient: in Rückenlage, Beine angewinkelt, am besten in Declive-Position
Therapeut: homolateral am Kopfende neben dem Patienten stehend
Handposition: Beide Hände parallel auf den Unterbauch legen und mit den Fingerspitzen, median vom rechten und linken Lig. umbilicale mediale, den „Kopf“ der Harnblase berühren.
Ausführung (Abb. 6.48): Während der Ausatmung des Patienten die Harnblase vorsichtig nach kranial anheben, normalerweise lässt sie sich um etwa 2 cm bewegen. Zuerst nach lateral ziehen, an die Ligg. umbilicalia medialia „anhaken“ und dann nach kranial ziehen.
Behandlung
Über die Membrana obturatoria
Ausgangsposition: wie bei der Untersuchung (Abb. 6.45)
Handposition: Mittelfinger oder Daumen der kaudalen Hand im Bereich der Membrana obturatoria aufsetzen.
Ausführung:
  • Durch leichten Druck nach kranial mit der kaudalen Hand die Harnblase kranialwärts schieben.

  • Anschließend die Harnblase mit der kranialen Hand nach kaudal mobilisieren.

Über den Beckenboden
Ausgangsposition: wie bei der Untersuchung (Abb. 6.46)
Handposition: Fingerspitzen der kaudalen Hand im Bereich des Perineum anale aufsetzen.
Ausführung:
  • Durch leichten Druck nach kranial mit der kaudalen Hand Harnblase kranialwärts mobilisieren.

  • Anschließend die Harnblase mit der kranialen Hand nach kaudal schieben.

Über das rechte und linke Lig. umbilicale mediale – im Sitzen
Ausgangsposition: wie bei der Untersuchung (Abb. 6.47)
Handposition: Unter den Armen des Patienten durchgreifen und mit den Fingerspitzen, median vom rechten und linken Lig. umbilicale mediale, den „Kopf“ der Harnblase berühren.
Ausführung: Bei der Ausatmung die Harnblase vorsichtig und sanft nach kranial mobilisieren und während einiger Atemzyklen dort halten.
Über das rechte und linke Lig. umbilicale mediale – im Liegen
Ausgangsposition: wie bei der Untersuchung (Abb. 6.48)
Handposition: mit den Fingerspitzen beider Hände, median vom rechten und linken Lig. umbilicale mediale, den oberen Abschnitt der Harnblase berühren
Ausführung: Bei der Ausatmung die Harnblase vorsichtig und sanft nach kranial anheben und während einiger Atemzyklen dort halten.
Motilität der Harnblase und Induktionsbehandlung
Bei der Motilität handeltHarnblaseMotilitätInduktionsbehandlungHarnblase, Motilität es sich um eine sehr subtile, zyklische Bewegung, die erst spürbar wird, wenn man die Zwerchfellbewegungen bei der Atmung ignoriert. Die Motilität wird mit den Bewegungen, die während der embryologischen Entwicklung stattfinden, in Zusammenhang gebracht. Bei der Harnblase besteht die Motilität in einer Bewegung von kraniodorsal nach kaudoventral, die sich ständig und langsam wiederholt (Abb. 6.49).
Untersuchung
Patient: in Rückenlage, Beine angezogen
Therapeut: neben dem Patienten auf der Liege sitzend
Handposition: Eine Hand flach auf den Bauch des Patienten legen, mit dem Handballen möglichst nah an der Symphysenoberkante auf dem oberen Abschnitt der Harnblase und mit entspannt in Richtung Nabel ausgestreckten Fingern.
Ausführung (Abb. 6.50):
  • Zunächst die abdominalen Atembewegungen wahrnehmen und mitmachen.

  • Sobald ihr Rhythmus der Hand vertraut ist, sich auf andere Rhythmen konzentrieren.

Bewertung:
  • Normalbefund: Die Atembewegungen entsprechen den Motilitätsbewegungen, sind aber schneller.

  • Bei optimaler Motilität der Harnblase sind sanfte, minimale Bewegungen – abwechselnd nach kraniodorsal und dann wieder nach kaudoventral – mit einem Rhythmus von etwa 7–8 Zyklen pro Minute wahrzunehmen.

  • Abweichungen von der normalen Bewegungslinie weisen auf Bewegungseinschränkungen hin und sind diagnostisch aufschlussreich. Verzieht sich die Harnblase beim Einatmen z. B. nach rechts, deutet dies auf Spannungen oder Verklebungen im rechten Beckenbereich hin. Zur Klärung können dann weitere Tests hinzugezogen werden.

Behandlung
Unwinding
Ausgangs- und Handposition: wieUnwindingHarnblase bei der Untersuchung (Abb. 6.50)
Ausführung:
  • Mit der flachen Hand ganz leicht auf den Bauch drücken und auf das Auflösen der Spannung warten.

  • Dann den Entfaltungsbewegungen des Gewebes folgen, bis sich die Verspannung gelöst hat.

  • Möglicherweise ist plötzlich keine Bewegung mehr wahrzunehmen. Dabei handelt es sich um einen Stillpoint, an dem das Gewebe sein neues Gleichgewicht sucht.

  • Wenn die Bewegung nach einiger Zeit (einige Sekunden bis einige Minuten) neu einsetzt, sollte sich die Motilitätsbewegung verbessert haben.

  • Bei Bedarf kann das Unwinding fortgeführt werden, bis die Motilitätsbewegung spürbar besser geworden ist.

Induktion
Ausgangs- und Handposition: wie bei der Untersuchung (Abb. 6.50)
Ausführung:
  • Um den normalen Rhythmus in Gang zu bringen, leichte Motilitätsbewegungen induzieren.

  • Anschließend den Motilitätsbewegungen folgen und sie ganz leicht intensivieren.

  • Auch hier kann ein Stillpoint durchlaufen oder sogar induziert werden.

Untersuchung und Behandlung des Aufhängeapparats von Harnblase und Prostata von rektal
Manche der Untersuchungen und Behandlungen können besser und effektiver auf rektalem bzw. vaginalem Weg ausgeführt werden.

Achtung

  • Eine osteopathische Untersuchung und Behandlung kann nicht die ärztliche Diagnostik und Therapie ersetzen.

  • Vor der Behandlung müssen Kontraindikationen gynäkologisch bzw. urologisch ausgeschlossen worden sein.

  • Rektale bzw. vaginale Techniken dürfen nur vom Arzt oder Heilpraktiker angewandt werden.

Allgemeine Bemerkungen zu denTechnikenrektale/vaginale rektalen bzw. vaginalen Techniken:
  • Der Patient sollte vor der Untersuchung immer die Harnblase entleeren.

  • Rektale bzw. vaginale Untersuchungen werden immer mit eingecremten und behandschuhten Fingern ausgeführt. Die Tube mit der Fettcreme darf nicht mit bloßen Händen berührt werden. Am besten lässt man das Gleitmittel auf einen behandschuhten Finger tropfen.

  • Diese Techniken sind grundsätzlich so sanft und behutsam anzuwenden, dass kein Schmerz und keine Verletzung entsteht. Schmerzen bei der Palpation bedeuten eher eine Kontraindikation für die osteopathische Behandlung.

  • Es ist äußerst wichtig, den Patienten in einem Vorgespräch über den Sinn dieser Techniken aufzuklären. Diese Techniken stellen einen Eingriff in die Intimsphäre dar und können für manche Patienten emotional belastend sein. Es ist Aufgabe des Therapeuten, dem Patienten hier mit Sensibilität und dem nötigen Respekt zu begegnen. Der Patient sollte in angemessener Weise bedeckt werden, z. B. mit einem Tuch über Schenkel und Knie. Wenn diese Techniken mit Einverständnis der Patienten ausgeführt werden, können sie sich als sehr wirkungsvoll erweisen.

  • Da das Bindegewebe im kleinen Becken bei der Frau einige Tage nach Ende der Menstruation die geringste Spannung aufweist, ist dieser Zeitpunkt am vorteilhaftesten für eine intravaginale bzw. intrarektale Behandlung. Am besten werden die Termine mit der Patientin darauf abgestimmt.

Aufhängeapparat der Harnblase
Patient: in Rücken- oder SeitenlageHarnblaseAufhängeapparat, die Beine gebeugt
Therapeut: neben dem Patienten stehend, mit kranialer Ausrichtung
Handposition:
  • Die kraniale Hand mit der Palmarseite suprapubisch auf den Bauch legen, sodass die Fingerspitzen in Richtung Symphyse zeigen.

  • Einen Finger der kaudalen Hand sanft entweder rektal (beim Mann) oder vaginal (bei der Frau) einführen.

Ausführung (Abb. 6.51):
  • Mit dem eingeführten Finger behutsam nach der Rückwand der Harnblase tasten.

  • Während der Ausatmung die Harnblase behutsam mit dem eingeführten Finger der kaudalen Hand nach kranial schieben.

  • Gleichzeitig die Finger der anderen Hand unter die Ligg. umbilicalia haken, um über sie die Harnblase zusätzlich nach kranial zu ziehen.

Untersuchung der Prostata
  • Es wird darauf hingewiesenProstataUntersuchung, dass nur eine ganzheitliche Betrachtung sinnvoll ist! Untersuchung und Behandlung z. B. aller Diaphragmen und Faszien wären wertvoll.

  • Bei der Rektaluntersuchung muss darauf geachtet werden, dass die Harnblase vorher entleert wurde. Die Untersuchung sollte schmerzlos sein.

  • Es sollte auf Rötungen, Ekzeme, Warzen, Fissuren, Fisteln, Hämorrhoiden oder prolabierte Rektumschleimhaut, die eine ärztliche Untersuchung notwendig machen, geachtet werden!

Patient: in Bauchlage, Beine etwas gespreizt und ein Kissen unter den Unterschenkeln
Therapeut: steht oder sitzt neben dem Patienten. Zur Untersuchung werden Fettcreme und Fingerhandschuh verwendet.
Ausführung:
  • Während der Passage des Analkanals wird der Finger nach dorsal gekrümmt, um dem Verlauf von Os coccygis und Os sacrum zu folgen.

  • Zuerst wird der Tonus des Anus evaluiert. Dazu wird der Patient eventuell aufgefordert, den Beckenboden kurz anzuspannen.

  • Sobald der Finger ganz in das Rektum eingeführt ist, wird er um 180° gedreht und die gesamte Umgebung der Rektumwand wird palpiert. Eine glatte und gut verschiebbare Rektumwand ist notwendig. Abweichungen sollten unbedingt vom Arzt kontrolliert werden.

  • Unter Orientierung des Handpalms nach ventral kann die Vorderwand des Rektums und die Prostata untersucht werden.

Achtung

  • Eine Druckschmerzhaftigkeit der Rektumwand kann auf Entzündungsprozesse, Unebenheiten auf Hämorrhoiden, Polypen oder Karzinome hindeuten und sollten unbedingt vom Arzt differenzialdiagnostisch überprüft werden.

  • Am Ende der Untersuchung sollte kein Blut am Handschuh kleben. Falls dies doch der Fall sein, ist eine ärztliche Untersuchung unbedingt notwendig, um differenzialdiagnostisch Hämorrhoiden und Karzinome abzugrenzen.

Auf Folgendes sollte geachtet werden:
  • Größe und Konsistenz der Prostata: Sie fühlt sich normalerweise gummiartig an. Der gesamte Umfang der Prostata sollte abgetastet werden. Bei Hyperplasie ist das meist nicht möglich; dies sollte vom Arzt abgeklärt werden. Es sollte auch auf ödematöse Anschwellungen, die auf Stauungen hindeuten, geachtet werden.

  • Lässt sich die Rektumschleimhaut nicht verschieben, kann es sich um ein Prostatakarzinom handeln. Abklärung durch den Arzt.

  • Druckschmerzhaftigkeit deutet auf eine Entzündung hin und sollte vom Arzt abgeklärt werden.

  • Unebenheiten können auf Steinchen, aber auch auf Tumoren hindeuten und sollten vom Arzt abgeklärt werden.

  • Die Prostata sollte symmetrisch sein und in der Mitte eine Rinne aufweisen. Ein Nichtvorhandensein dieser Rinne kann auf eine Hyperplasie hindeuten und sollte vom Arzt abgeklärt werden.

Nach Ausschluss von Organpathologien durch den Arzt können sanfte Mobilisationen der Prostata nach ventral-dorsal, links-rechts und kranial-kaudal sinnvoll eingesetzt werden.
Aufhängeapparat der Prostata
Patient: in Rückenlage mitProstataAufhängeapparat gebeugten Beinen oder in Bauchlage mit leicht gespreizten Beinen
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition:
  • Mit den Fingerkuppen der kranialen Hand unterhalb des Hodens den Beckenboden berühren.

  • Einen Finger der kaudalen Hand sanft rektal einführen.

Ausführung (Abb. 6.52):
  • Mit der Palmarseite des eingeführten Fingers behutsam die Rückseite der Prostata betasten.

  • Mit den Fingerkuppen der anderen Hand von außen zwischen den Rami inferiores ossis pubis vom Beckenboden aus die Prostata berühren.

  • Mithilfe sehr fein abgestimmter, paralleler Druckrichtungen der beiden Hände die Aufhängeelemente der Prostata sanft nach kraniokaudal, dorsoventral und laterolateral verschieben.

  • Um die Strukturen sehr behutsam zu dehnen und zu mobilisieren, entweder eine direkte Technik oder eine indirekte Technik anwenden, d. h. die Stelle mit der meisten bzw. geringsten Spannung aufsuchen und mit abnehmender Spannung ein Unwinding durchführen.

Bewertung: Normalerweise lässt sich die Prostata als leicht elastische, glatte, etwa 2,5 cm lange und breite Struktur mit einem deutlich ausgeprägten medianen Sulkus palpieren. Sie ragt weniger als 1 cm in das Lumen des Rektums vor.

Achtung

Folgende Befunde deuten auf eine pathologische Veränderung der Prostata hin. In diesen Fällen muss der Patient zum Arzt überwiesen werden und darf nicht osteopathisch behandelt werden:

  • Vergrößerte Prostata, die mehr als 1 cm in das Lumen des Rektums hineinragt

  • Unebene Oberfläche

  • Verschwinden des medianen Sulkus

  • Druckschmerzhaftigkeit

  • Feste Konsistenz, als sei die Prostata prall gefüllt oder fibrosiert

Excavatio rectovesicalis (beim Mann) bzw. Excavatio vesicouterina (bei der Frau)
Patient: in Rücken- oderExcavatiorectovesicalis, Untersuchung/Behandlung Seitenlage, die ExcavatiovesicouterinaUntersuchung/BehandlungBeine gebeugt
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition:
  • Fingerspitzen der kranialen Hand oberhalb der Symphysis pubica auf den Unterbauch aufsetzen.

  • Einen Finger der kaudalen Hand sanft rektal (beim Mann) bzw. vaginal (bei der Frau) einführen.

Ausführung (Abb. 6.53)
  • Mit dem eingeführten Finger der kaudalen Hand behutsam die Rückwand der Harnblase betasten.

  • Mit den Fingerkuppen der kranialen Hand die Organe oberhalb der Symphysis pubica ganz behutsam in Richtung der kaudalen Hand schieben.

  • Mithilfe sehr fein abgestimmter, paralleler Druckrichtungen der beiden Hände die Gleitflächen der Excavatio rectovesicalis (bzw. vesicouterina) sanft nach kraniokaudal, dorsoventral und laterolateral verschieben, um die Spannung in den entsprechenden Septen abzubauen.

  • Um die Strukturen sehr behutsam zu dehnen und zu mobilisieren, entweder eine direkte oder eine indirekte Technik anwenden, d. h. die Stelle mit der meisten bzw. geringsten Spannung aufsuchen und mit abnehmender Spannung ein Unwinding durchführen.

Anmerkung: Es ist zusätzlich notwendig, die Beweglichkeit des Dünndarms und des Sakrums sowie die Outflare-Beweglichkeit der Ilia zu testen und eventuell zu behandeln.

Bindegewebe des Uterus

Wie bei allen viszeralen BindegewebeUterusUterusBindegewebeBehandlungen wird auch beim Uterus nicht das Organ selbst, sondern das Bindegewebe und damit seine Beweglichkeit behandelt. In diesem Fall geht es nicht nur um das Bindegewebe des Uterus, sondern auch um das Bindegewebe der Ovarien, der Eileiter und der Vagina sowie um die Verbindungen zu den Beckenknochen, d. h. zu den Ilia, zum Sakrum und zum Os coccygeus.
Vorbemerkungen
  • Im Abdominalbereich dürfen niemals so harte osteopathische Techniken angewendet werden, dass es zu Verletzungen oder Schmerzen kommen könnte. Es muss die Viskoelastizität des lebendigen Gewebes berücksichtigt werden und man sollte sich Zeit für die Behandlung nehmen. Zartheit und Behutsamkeit dieser Techniken sind entscheidend für den Erfolg.

  • Die Patientin sollte vorher von einem Arzt untersucht werden, um gynäkologische Kontraindikationen auszuschließen. Ein Überschreiten der Befugnisse in Überschätzung der eigenen Fähigkeiten kann weitreichende Folgen für den Therapeuten haben. Für eine genaue Diagnose und zum Ausschluss von Tumoren sind histologische und bakterielle Untersuchungen, Kolposkopie und eventuell eine Biopsie (Kürettage) mit Zytodiagnostik unentbehrlich.

Merke

Seit Januar 2001 dürfen in Deutschland auch Heilpraktiker eine intravaginale oder intrarektale Untersuchung bzw. Behandlung der Geschlechtsorgane vornehmen. Dabei ist eine vorsichtige, behutsame und ethische Herangehensweise angebracht (auch Kap. 6.2.3.10). Eine ärztliche Abklärung vor jeder intravaginalen oder intrarektalen Untersuchung bzw. Behandlung erscheint dennoch notwendig und unerlässlich.

Achtung

Ohne vorherige Untersuchung durch den Gynäkologen sollte nicht behandelt werden.

Ein absolutes Behandlungsverbot besteht bei genitalen Erkrankungen, insbesondere wenn sie unter das Infektionsschutzgesetz fallen.

Erkrankungen und Kontraindikationen
Alle unklaren BeschwerdenUterusBindegewebeBehandlung, KontraindikationenMenstruationszyklusStörungen im Unterbauch sowie Zyklusstörungen sollten vom Gynäkologen abgeklärt werden.
Auf eine Entzündung bzw. Infektion der Geschlechtsorgane können folgende Symptome hinweisen, insbesondere wenn sie kombiniert auftreten:
  • Brennendes Gefühl bei der Miktion

  • Vermehrter und/oder veränderter Fluor vaginalisFluor genitalis/vaginalis: z. B. verfärbt, übel riechend

  • DyspareunieDyspareunie

  • PollakisuriePollakisurie

  • Vaginaler JuckreizJuckreiz, vaginaler

  • Scheidenvorhof- und/oder SchamlippenschwellungSchamlippenschwellungScheidenvorhofschwellung

  • Bläschen, Pusteln, Geschwüre im Genitalbereich

Ovarialzysten und OvarialkarzinomBeiOvarialzystenOvarialkarzinom Ovarialzysten handelt es sich um flüssigkeitsgefüllte Aussackungen, die von einem persistierenden Follikel oder vom Corpus luteum ausgehen. Es besteht ein hohes Risiko, dass Geschwülste des Ovars potenziell maligne sind. Manchmal zeigen sich keine oder nur vage, unklare Symptome, oder es kann zu starken Unterleibsschmerzen, Zyklusstörungen, menstruellen Beschwerden, Stuhlproblemen und Blähungen kommen.
Adnexitis, Oophoritis und SalpingitisEileiterAdnexitisOophoritisSalpingitis und Eierstöcke bilden zusammen die sogenannten Adnexe und können entzündet sein. Die Symptome reichen von starken Unterleibsschmerzen über Palpationsempfindlichkeit, gelblichen, übel riechenden Fluor vaginalis und Fieber bis hin zu LWS-Beschwerden oder eventuell Zeichen einer Peritonitis (Übelkeit, Erbrechen, erhöhte Bauchdeckenspannung). Bei chronischer Entzündung sind die Symptome häufig milder und oft belastungsabhängig.
UterusmyomDabei Uterusmyomhandelt es sich um einen gutartigen Tumor des Myometriums. Treten mehrere Tumoren auf, spricht man von Uterusmyomatose. Ein Myom kommt schätzungsweise bei etwa 20 % der Frauen über 30 Jahre vor. Typische Symptome sind verlängerte und stärkere Regelblutungen, darüber hinaus unklare Unterbauchbeschwerden, Obstipation und Störungen der Miktionsfrequenz.
Zervix- oder KollumkarzinomGebärmutterhalskrebsZervixkarzinomKollumkarzinom ist mit 25 % aller Genitalkarzinome häufig und wird oft erst im fortgeschrittenen Stadium symptomatisch. Typisch sind Zyklusstörungen, vermehrter, eventuell blutiger Fluor vaginalis und Blutungen nach Geschlechtsverkehr. Selten Schmerzen.
Korpus- oder EndometriumkarzinomGebärmutterhöhlenkrebsEndometriumKarzinomKorpuskarzinom kommt häufig vor (30 % aller Genitalkarzinome), allerdings nur selten vor der Menopause. Typisch sind postmenopausale Blutungen und blutiger Fluor vaginalis. Selten schmerzhaft.
UteruspolypDieserUterusPolyp Endometriumtumor ist gutartig und meist symptomlos. Mögliche Symptome sind verstärkter Fluor vaginalis, postkoitale Blutungen oder Blutungsunregelmäßigkeiten.
EndometrioseHierbeiEndometriose befindet sich Gewebe der Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb des Cavum uteri. Dieses ektope Gewebe reagiert ebenfalls mit Blutungen auf die zyklischen Hormonschwankungen. Danach können an den entsprechenden Lokalisationen Verklebungen entstehen. Häufig ist der Douglas-Raum betroffen, wodurch über die Ligg. sacrouterina Auswirkungen auf die Beweglichkeit des Sakrums und des Uterus auftreten können. Zu den Symptomen gehören Dysmenorrhö, Kreuz- und ISG-Beschwerden, Schmerzen beim Koitus und Sport, bis hin zu Dauerschmerzen und Sterilität.
Erkrankungen der äußeren GeschlechtsorganeHautveränderungenGeschlechtsorganeäußere, Erkrankungen, Ausschlag und/oder Schwellungen in diesem Bereich gelten als Kontraindikation.
Relative Kontraindikationen
SchwangerschaftBei SchwangerenSchwangerschaftUterusbindegewebe, Behandlung, Kontraindikation sollte man das Uterusbindegewebe nicht mit direkten Techniken behandeln. Allerdings dürfen Beckenknochen und Beckengelenke behandelt werden (Kap. 2.7).
Intrauterinpessar („Spirale“)Auch bei Frauen mit Intrauterinpessar sollte keine direkte Behandlung des Uterusbindegewebes erfolgen. Beckenknochen und Beckengelenke können jedoch behandelt werden.

Abdominales Screening

Diese Untersuchung (Kap. 4.5.5) dient zur allgemeinen Orientierung über viszerale Bewegungseinschränkungen und Kontraindikationen.

Osteopathische Untersuchung

Sehr wichtig für die UntersuchungOsteopathieUterusregionUntersuchungUterusUntersuchung, osteopathische und Behandlung der Uterusregion ist ein Vertrauensverhältnis zur Patientin und ihre Bereitschaft, möglichst umfassend Auskunft zu geben. Gegebenenfalls sind auch Informationen vom behandelnden Arzt einzuholen.

Merke

Es ist unerlässlich, sich der eigenen Verantwortung zu stellen, insbesondere auf Kontraindikationen zu achten und bei jedem Verdacht auf eine genitale Erkrankung die Patientin zum Arzt zu überweisen.

Anamnese und mögliche Kontraindikationen
Zeitpunkt der letzten MenstruationNormalerweiseOsteopathieUterusregionBehandlung, Kontraindikationen UterusBehandlung, Kontraindikationensetzt die Menarche spätestens im Laufe des 16. Lebensjahrs ein. Ungefähr mit 40 Jahren beginnt das Klimakterium mit unregelmäßigen Menstruationsblutungen, bis die Menstruation schließlich aufhört.
Bei ausbleibender Menstruation (Amenorrhö) Amenorrhösollte in erster Linie eine Schwangerschaft in Betracht gezogen werden. Mögliche Begleitsymptome sind z. B. morgendliche Übelkeit und Erbrechen, Vergrößerung der Brüste oder Spannungsgefühl in den Brüsten. Aber auch Erkrankungen der Ovarien oder der Hypophyse, Anorexia nervosa oder Leistungssport können zur Amenorrhö führen. Die Patientin sollte in diesen Fällen zum Arzt überwiesen werden.
KontrazeptivaIm FalleKontrazeption/Kontrazeptiva eines IntrauterinpessarsIntrauterinpessar (IUP) („Spirale“) darf in der Beckenregion nur sehr vorsichtig behandelt werden. Die Stressbelastung durch manuelle Techniken ist zwar minimal und übersteigt nicht diejenigen Kräfte, die tagtäglich auf den Bauch einwirken, trotzdem sollte auf direkte oder harte Techniken im Becken- und Unterbauchbereich verzichtet werden. Die Behandlung des Uterusbindegewebes ist auf jeden Fall kontraindiziert.
Zyklus und RegelblutungenHierMenstruationszyklusRegelblutungen ist es wichtig, Abweichungen zu erkennen. Eine normale Menstruationsblutung dauert etwa 3–5 Tage und tritt alle 25–35 Tage ein. Der Blutverlust beträgt ungefähr 150 ml.

Merke

Abnorme und unregelmäßigeMenstruationszyklusStörungen Blutungen sollten immer vom Arzt abgeklärt werden, sie können auf Erkrankungen von Uterus oder Ovar hinweisen:

  • OligomenorrhöOligomenorrhö: sehr schwache und seltene Blutung

  • PolymenorrhöPolymenorrhö: häufig auftretende Regelblutung

  • MenorrhagieMenorrhagie: sehr starke und lang (mehr als 5 Tage) anhaltende Blutung; häufig Hinweis auf ein Myom

  • BrachymenorrhöBrachymenorrhö: verkürzte Regelblutung (weniger als 3 Tage)

  • PolymenorrhagiePolymenorrhagie: häufig auftretende und sehr starke Blutung

  • MetrorrhagieMetrorrhagie: Zwischenblutung

Ausfluss (Fluor vaginalis bzw. genitalis)AusflussFluor genitalis/vaginalisAusfluss aus der Vagina ist bei Frauen im gebärfähigen Alter normal. Allerdings sollte er schleimartig, farb- und geruchlos sein. Quelle und Ursache eines vermehrten Ausflusses können sehr unterschiedlich sein. In Betracht kommen z. B.:
  • Hypersekretion von Drüsen in der Vulva oder Cervix uteri

  • Gesteigerte Transsudation im Vaginalbereich

  • Entzündliche oder tumoröse Exsudation

Dies muss zunächst vom Arzt ausgeschlossen werden, bevor eine mechanische oder neurovegetative Störung vermutet wird.
Folgende Symptome können Ursache einer Infektion oder eines malignen Prozesses in Vagina, Zervix oder Uterus sein:
  • Blutbeimengungen

  • Juckreiz oder Brennen

  • trüber, cremefarbener oder weißlicher Ausfluss, der sehr dünn- oder dickflüssig und eitrig ist

Sie müssen immer vom Arzt abgeklärt werden und sind in erster Linie eine osteopathische Kontraindikation.
Unterleibs- oder suprapubische SchmerzenSchmerzen SchmerzensuprapubischeUnterleibSchmerzenstellen so lange eine Kontraindikation dar, bis klar ist, dass sie nicht organisch bedingt sind. Bei akuten Schmerzen im Unterbauch soll die Patientin sofort zum Arzt überwiesen werden.
Dyspareunie, d. h. DyspareunieSchmerzen beim Geschlechtsverkehr, kann auf Spannungen der Beckenfaszien und -bänder (Indikation für eine osteopathische Behandlung) hindeuten, aber genauso auf ein entzündliches Geschehen (Kontraindikation für eine osteopathische Behandlung). Dies sollte zuerst vom Arzt abgeklärt werden.
Anzahl Schwangerschaften/EntbindungskomplikationenDamm- EntbindungKomplikationenund Kaiserschnitt, Scheiden- oder Dammrisse sowie mehrere Schwangerschaften können einen Einfluss auf die Beweglichkeit der Faszien, des Beckenbodens und der Beckengelenke haben.
UnterleibsoperationenJede OperationUnterleibOperationen hinterlässt Narben und wirkt sich auf die Beweglichkeit der Viszeralorgane und Faszien aus. HysterektomienHysterektomie haben in der Regel großen Einfluss auf den gesamten Faszienapparat von Becken und Abdomen, oft sogar des ganzen Körpers.
LWS- und/oder GelenkbeschwerdenDieseLendenwirbelsäuleBlockierungenGelenkbeschwerden Beschwerden hängen oft mit urogenitalen Bewegungseinschränkungen zusammen. Nach Ausschluss von urogenitalen Krankheiten stellen sie eine gute Indikation für osteopathische Techniken dar.
Stauungsphänomene im Becken-Bein-BereichInsbesondereBecken-Bein-Bereich, StauungsphänomeneStauungsphänomene, Becken-Bein-Bereich wenn sie mit menstruellen Beschwerden kombiniert und Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane ausgeschlossen sind, ist bei ihnen eine osteopathische Behandlung indiziert.

Achtung

Als Komplikation bei der Behandlung kann es zu Zeichen einer peritonealen Reizung bis hin zum lebensgefährlichen Schockzustand kommen:

  • Plötzlich auftretende starke Unterleibsschmerzen

  • Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen

  • Tachykardie

  • Starke Bauchdeckenspannung

  • Schockzeichen und Bewusstlosigkeit

Hier muss der Therapeut verantwortungsbewusst reagieren und im Notfall den Notarzt verständigen.

Palpationsbefunde

Merke

Vor der Untersuchung PalpationBefunde, UterusUterusPalpationsbefundesollte die Patientin die Harnblase entleeren.

Der Abdominalbereich wird in Quadranten eingeteilt (Kap. 4.5.5, Abb. 4.23). In diesem Abschnitt liegt der Schwerpunkt auf dem Bindegewebe von Organen im Inguinal- und suprapubischen Bereich.
Patientin: in Rückenlage
Therapeut: seitlich neben der Patientin am Kopfende der Liege stehend
Handposition: Beide Hände flach auf den Unterbauch legen, insbesondere auf die Regionen 1–3 (Kap. 4.5.5, Abb. 4.23, Abb. 4.24).
Ausführung: Leichte Palpation, um die Spannung zu beurteilen und zu vergleichen, wie leicht sich die Organe in den verschiedenen Regionen verschieben lassen.
Lage, Größe, Form und Tonus des Uterus
Kap. 2.6.5.1, Kap. 4.5.5
Die UntersuchungUterusLageUterusGrößeUterusFormUterusTonus des Uterusbindegewebes verläuft ähnlich wie die Untersuchung bei der Harnblase. Eine „mechanische“ Dysfunktion eines der beiden Organe allein kommt selten vor, meist sind sowohl Harnblase als auch Uterus betroffen.
  • Normalerweise befindet sich die Portio uteri in PortiouteriHöhe der Verbindungslinie zwischen beiden Spinae ischiadicae und der Fundus uteri Fundusuterigenau oberhalb der Linea terminalis.

  • Der Uterus ist meist nach vorn gekippt (Anteversio) Anteversio uteriUterusAnteversionmit einem Winkel von etwa 120° zwischen den Achsen von Uterus und Vagina. Manchmal kann er infolge eines Winkels zwischen Cervix und Corpus uteri auch leicht geknickt sein, z. B. nach vornAnteflexio uteriUterusAnteflexion (Anteflexio). Dieser Winkel beträgt normalerweise 135–180°. Die normale Lage des Uterus entspricht daher einer Anteversion mit leichter Anteflexion (Abb. 6.54). Sie kommt zustande, weil die Ligg. teretia uteri den Fundus nach ventral und die Ligg. sacrouterina die Cervix uteri nach dorsal ziehen.

  • Es kann auch eineUterusRetroversionRetroversio uteri Retroversio uteri mit/ohneUterusRetroflexionRetroflexio uteri Retroflexio uteri vorliegen (Abb. 6.54). Der Grund können Verklebungen im Peritonealbereich, z. B. in der Excavatio rectouterina bei Endometriose oder Spannungen der Ligg. suspensoria ovarii sein.

  • Bei schlanken Frauen kann die anteriore Uterusposition als leichte Vorwölbung oberhalb der Symphysis pubis sichtbar sein. Wenn die Vorwölbung vom Nabel bis zur Symphyse reicht, ist eine posteriore Uterusposition mit Senkung (Ptose) des Dünndarms oder der gesamten Bauchorgane zu vermuten. Solche Vorwölbungen sollten auch im Stehen und in Rückenlage inspiziert werden.

Die Größe des Uterus hängt vom Alter, der Anzahl der Schwangerschaften und Entbindungen sowie vom Gesundheitszustand des Organs ab.
  • Eine Vergrößerung des Uterus, die nicht auf Schwangerschaft zurückzuführen ist, kann bedeuten, dass ein Tumor oder Myom vorliegt. Daher sollte die Patientin immer sofort zum Gynäkologen überwiesen werden. In diesem Zusammenhang sollte auch auf Zeichen wie eine verstärkteUterusVergrößerung/Verkleinerung und/oder verlängerte Regelblutung geachtet werden. Selbst wenn die Patientin keine Schmerzen oder Beschwerden hat, muss sie zum Arzt überwiesen werden, da eine Geschwulst, vor allem bei Malignität, sehr schnell wachsen kann.

  • Eine Verkleinerung des Uterus spricht eher für hormonelle Störungen und sollte vom Arzt überprüft werden. Oft ist der Uterus hierbei sehr rigide und unbeweglich. Möglicherweise sind als zusätzliche Zeichen z. B. Zyklusstörungen vorhanden.

Orientierende Palpation
Patientin: in Rückenlage, mitPalpationorientierende, UterusUterusPalpation, orientierende einem Kissen unter den Beinen
Therapeut: seitlich neben der Patientin am Kopfende der Liege stehend
Handposition: Zum Palpieren die Finger einer Hand etwa 2 cm oberhalb der Symphysis pubica aufsetzen.
Ausführung (Abb. 6.55):
  • Mit den Fingern sehr langsam und vorsichtig etwa 2 cm oberhalb der Symphysis pubica in den Bauchraum eindringen und dabei auf Widerstand achten.

  • Recoil-Test: Mit dem Druck der Finger plötzlich nachlassen und das Zurückfedern des Gewebes beobachten.

Bewertung: Auftretender Schmerz gilt als Kontraindikation und muss vom Arzt abgeklärt werden.
Uterus
Zu den wichtigsten Eigenschaften des Uterus zähltUterusBeweglichkeit seine Beweglichkeit und dass er nach einer passiven Verschiebung in seine ursprüngliche Lage zurückkehren kann. Bei normaler Lage lässt sich der Fundus uteri suprapubisch und oberhalb der Harnblase als etwas festere Masse tasten, die leicht zur Seite rutschen kann. Kotballen (Skybala) fühlen sich dagegen fester und härter an. Sie liegen auch eher in der Nähe des Colon sigmoideum, d. h. neben oder genau oberhalb des Fundus uteri. Vor dem Uterus befindet sich meist nur wenig Darmgewebe, außer bei einer Dünndarmsenkung.
  • Im Fall einer Dünndarmsenkung istUterusDünndarmsenkungDünndarmSenkung, Uterus genau oberhalb der Symphysis pubica deutlich eine vorgeschobene Masse spür- und sichtbar. Diese Vorwölbung stellt sich oft postnatal ein. Häufig klingt die Perkussion bei Dünndarmgewebe vor dem Uterus etwas „hohler“.

  • Der Fundus uteri fühlt sich normalerweise glatt und eben an. Oberflächenveränderungen lassenUterusOberflächenveränderungen Geschwülste wie Myome, Zysten oder Tumoren vermuten und sollten grundsätzlich vom Arzt abgeklärt werden.

  • Der Tonus des UterusUterusTonuserhöhter und seiner Aufhängebänder verändert sich im Laufe des menstruellen Zyklus. Kurz vor und während der Ovulation sowie vor allem prämenstruell kommt es oft zu Tonuserhöhungen.

  • Ist der Fundus uteri nicht zu spüren, weist das auf eine Retroversio, Retroflexio oder Senkung des Uterus hin. Dabei muss es sich nicht direkt um eine Beweglichkeitsstörung handeln. Um weitere Aussagen treffen zu können, wird die Beweglichkeit nach anterior getestet.

  • Der Uterus verändert normalerweise abhängig von der Körperhaltung seine Lage. Eine Positionsänderung des UterusUterusLageveränderte ist also an sich nichts Besonderes. Vom Arzt muss jedoch ausgeschlossen werden, dass keine raumfordernden Prozesse oder postentzündlichen bzw. postoperativen Verwachsungen dafür verantwortlich sind. Problematisch wird eine Lageveränderung erst, wenn der Uterus in einer bestimmten Lage fixiert ist und sich nicht mehr verschieben lässt. Hier kann eine osteopathische Behandlung indiziert sein.

Genaue Informationen zu Lage, Größe, Form und Tonus des Uterus und der Ovarien lassen sich nur durch vaginale bzw. rektale Palpation oder bildgebende Verfahren gewinnen.

Zusammenfassung

Position und Beweglichkeit des Uterus sind abhängig von Faktoren wie:

  • Druck des „Eingeweidepakets“ und Beweglichkeit der Diaphragmen, insbesondere des abdominalen Diaphragmas

  • Spannung der Uterusmuskulatur, der Faszien und Ligamente des Uterus und des Bandapparats des Beckens

  • Tonus des Beckenbodens und seiner Faszien

Ovarien
Normalerweise liegenOvarien die Ovarien medial der beiden Spinae iliacae anteriores inferiores (SIAI) genau oberhalb der Linea terminalis und so tief im Becken, dass sie nicht tastbar sind. Jede Vergrößerung inOvarienVergrößerung diesem Bereich sollte daher vom Arzt abgeklärt werden.
Sind organische Erkrankungen ausgeschlossen, sollte die Spannung in diesem Bereich vorsichtig untersucht werden. Ein Hypertonus des M. iliopsoas und seiner Faszien hat einen großen Einfluss auf das Ovar und seine Aufhängebänder. In diesem Zusammenhang könnte man auch vom Iliopsoas-Syndrom oder „Genito-iliopsoatic Syndrome“ sprechen (Kap. 3.8.6, Kap. 3.10).
„Federnde Aufhängung“ des Uterus in drei Ebenen
Schematisch lässt sich die „Aufhängung“ UterusAufhängeapparatfedernderund damit die Beweglichkeit des Uterus in drei Ebenen testen (Abb. 6.56).
In dorsoventraler Ebene
Rechtes und linkes Lig. teres uteri setzen oben am Fundus uteri an und sorgen dafür, dass der Uterus wieder in seine normale Lage zurückkehrt, z. B. nach Entleerung der Harnblase, die ihn im gefüllten Zustand nach dorsal drückt. Geburtsbedingte Überdehnungen dieser Bänder oder Verklebungen bzw. Verwachsungen in der Excavatio rectouterina können jedoch verhindern, dass der Uterus wieder seine normale Lage einnimmt.
Bei Hypertonus des Lig. teres uteriLigamentum(-a)teres uteriHypertonus HypertonusLigamentum(-a)teres uterikann die Hüftextension aufgrund einer Ilium-anterior-IS-Läsion erschwert und die Blasenfüllung behindert sein. Möglich ist auch eine Empfindlichkeit der Schamlippen beim Sexualverkehr oder eine fixierte Anteflexions-/Anteversionshaltung des Uterus. Ein Hypertonus des Lig. teres uteri kann eine dankbare Indikation für eine osteopathische Behandlung darstellen.
Rechtes und linkes Lig. sacrouterinum ziehenLigamentum(-a)sacrouterinumHypertonus unten im Zervixbereich den Uterus, z. B. nach Entleerung des Rektums, wieder in seine normale Lage zurück. Ein Hypertonus der Ligg. sacrouterinaHypertonusLigamentum(-a)sacrouterina kann zu Beweglichkeitseinschränkungen des Sakrums führen, den Stuhlgang erschweren und den Uterus in einer Anteflexions-/Anteversionshaltung fixieren. Auch dieser Hypertonus kann eine dankbare Indikation für eine osteopathische Behandlung sein.
In laterolateraler Ebene
Lig. latum uteri und ParametriumLigamentum(-a)latum uteriParametrium sind wichtig für den seitlichen Halt des Uterus. Bei Hypertonus oder Verklebungen im Bereich des homolateralen Lig. latum uteri, des Lig. ovarii proprium und des Lig. suspensorium ovarii kann es zu einer Seitneigung des Uterus (Dextropositio oder Sinistropositio) kommen. Auch Inflare- und IS-posterior-Läsionen des Iliums spielen hier eine Rolle. Die Seitneigung des Uterus kann aber auch Folge eines raumfordernden Prozesses, insbesondere im Ovarialbereich, sein.

Merke

Bei lateralen Abweichungen sollte vom Arzt immer zuerst geklärt werden, ob organische oder raumfordernde Prozesse vorliegen.

Neuere anatomische Studien stellen die Existenz von festen Bindegewebszügen, die vom Uterus zur lateralen Beckenwand verlaufen und in der klassischen Literatur bisher als Lig. cardinale zusammengefasst wurden, in Frage [153]. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen sind hier dringend erforderlich.

In kraniokaudaler Ebene
Hier spielen neben den zuvor genannten Strukturen auch der Beckenboden, die Membrana obturatoria und das Zwerchfell eine Rolle.
Lymphknotenbefund
Wie bei der UntersuchungUterusLymphknotenbefund der Harnblase sollte bei tastbaren inguinalen Lymphknoten auf Größe, Verschieblichkeit, Festigkeit und Schmerzhaftigkeit geachtet werden.

Achtung

Die Patientin sollte bei verdächtigen Lymphknotenschwellungen sofort zum Arzt überwiesen werden.

Auf folgende Symptome, die immer eine ärztliche Abklärung notwendig machen, sollte geachtet werden:
  • Fieber (über 38 °C)

  • Nachtschweiß

  • Plötzlicher und unbeabsichtigter Gewichtsverlust

  • Fremdkörpergefühl im Unterbauch

  • Unspezifische Darmsymptome wie Blähungen oder Schmerzen beim Stuhlgang

  • Unklare Unterbauchbeschwerden

Einige osteopathische Indikationen
Die Symptomatik bei „Spannungssyndromen“ OsteopathieIndikationen, Auswahlder Beckenfaszien ist so vielfältig und umfangreich, dass hier lediglich einige Punkte herausgegriffen werden.
Menstruationszyklus
Angesichts der vielen funktionellenMenstruationszyklusBehandlung, osteopathische Zusammenhänge, neuralen Einflüsse und hormonellen Regelkreise, die beim weiblichen Zyklus eine Rolle spielen können (Kap. 2.6.5.5), wird deutlich, dass sich Zyklusstörungen nicht so einfach erklären bzw. behandeln lassen. Hier ist eine Zusammenarbeit mit dem Arzt unerlässlich. Unter Umständen kann es sinnvoll sein, mit dem Gynäkologen oder der Hebamme gemeinsam einen Behandlungsplan aufzustellen.

Die osteopathische Behandlung zielt vor allem darauf, Spannungen der faszialen Elemente zu lösen, um die Durchblutung zu verbessern und sekundär auch den Hormonhaushalt zu harmonisieren.

Eingriffe in den weiblichen Zyklus, z. B. durch hormonelle oder intrauterine Kontrazeptiva, wirken sich weitschweifend im Körper aus (Kap. 2.6.5.6). Auch von den hormonellen Regelkreisen wird nicht allein das Erfolgsorgan, hier das Endometrium, sondern der gesamte Organismus beeinflusst. Funktionell kann man die erste und zweite Zyklushälfte und das prämenstruelle Stadium unterscheiden. Allgemein entstehen bei einem hormonellen Ungleichgewicht oft Stimmungsschwankungen.
Erste Zyklushälfte
Das physiologische ÖstrogenübergewichtMenstruationszyklusÖstrogenübergewichtÖstrogene, Menstruationszyklus sorgt für:
  • Bessere Hautdurchblutung und schönere Haut

  • Leistungssteigerung und Ausgeglichenheit (Parasympathikus-Einfluss überwiegt)

  • Bessere Stimmungslage und größere Libido

  • Bessere Stoffwechselfunktionen und Knochenaufbau

Zweite Zyklushälfte
Das hier physiologische ProgesteronübergewichtMenstruationszyklusProgesteronübergewichtProgesteron, Menstruationszyklus sorgt für:
  • Schlechtere Hautdurchblutung und unreine Haut

  • Schlechtere Stoffwechselfunktionen

  • Haarverlust (Kopf) und vermehrte Körperbehaarung

  • Müdigkeit, Gereiztheit, Depression, Unausgeglichenheit (Sympathikus-Einfluss überwiegt)

  • Anstieg der Körpertemperatur um ungefähr 0,5 °C

Prämenstruelles Syndrom
Als prämenstruelles Syndrom (PMS) Prämenstruelles Syndrom (PMS)bezeichnet man eine Reihe von Beschwerden, die kurz vor der Menstruation auftreten und unmittelbar nach dem Einsetzen der Regelblutung wieder verschwinden, wie z. B.:
  • Gereiztheit, Unausgeglichenheit, Depression, verminderte Libido

  • Wassereinlagerung und Ödemneigung

  • „Schwere“ Beine und Wadenkrämpfe

  • Schlafstörungen

  • Vegetative Labilität, Steigerung der Atemfrequenz und des Blutdrucks

  • Kopfschmerzen

  • Erbrechen

  • Spannungsgefühl in den Mammae

  • Leichte Kreuzschmerzen

Dieses Syndrom ist durch mangelnde Koordination zwischen den faszialen und den knöchernen Strukturen im Becken charakterisiert. Dadurch kann die Spannung des Beckenbodens und des bindegewebigen Halteapparats nachlassen, und oft kommt es sekundär zu einer Gebärmuttersenkung.
Gebärmuttersenkung
Der Descensus uteri oderDescensus uteriGebärmuttersenkung die Gebärmuttersenkung ist Zeichen einer fehlenden Tensegrity im weiblichen Becken. Im Gefolge der Gebärmuttersenkung können sich wegen der engen Beziehungen zwischen Scheidenvorderwand und Harnblase einerseits sowie zwischen Scheidenhinterwand und Rektum andererseits auch die Vaginalwände, die Harnblase (Zystozele) und der Mastdarm (Rektozele) senken (Abb. 6.57b). Im Extremfall kann es zum Uterusprolaps kommen, bei dem der Uterus die Vagina nach außen stülpt (Abb. 6.57c). Typisch ist folgende Kombination von Symptomen:
  • Schweregefühl im Unterbauch

  • Kreuzschmerzen, manchmal mit Ausstrahlung in den Plexus sacralis

  • Obstipation

  • Pollakisurie

  • Stressinkontinenz

  • Hämorrhoiden

  • Krampfadern in den Beinen

Hinweis

Wichtig ist bei Senkungen von Organen immer, ausgeglichene intraabdominale Druckverhältnisse wiederherzustellen. Dazu ist es notwendig, die verschiedenen Diaphragmen osteopathisch zu behandeln und für eine Wiederherstellung der Tensegrity der Beckenelemente (Muskeln, Gelenke, Faszien) zu sorgen.

Sind die feine Druckabstimmung im Becken und die Spannungen von Faszien und Muskeln gestört, ist auch die Bauchhöhle mitbetroffen; die kranialwärts gerichtete Sogwirkung ihres niedrigeren Drucks verringert sich oder ist vollständig aufgehoben. Infolgedessen lastet das komplette Gewicht des „Eingeweidepakets“ auf den Organen des kleinen Beckens und dem Beckenboden.
Begünstigt wird ein Descensus uteri auch durch eine Beckenbodenschwäche, die nach einem Einriss und/oder einer Überdehnung des M. levator ani während der Entbindung entsteht oder durch eine zu frühe Belastung des Beckenbodens im Wochenbett bedingt sein kann.
Osteopathisch sind folgende Elemente zu testen und bei der Behandlung zu berücksichtigen:
  • Intraabdominale Druckverhältnisse und „Ausgeglichenheit“ des Zwerchfells

  • Mobilität der darüberliegenden Abdominalorgane

  • Tonus des urogenitalen Aufhängeapparats

  • Tonus und Gesundheitszustand des Beckenbodens und der zugehörigen myofaszialen Systeme

Bemerkenswert ist, dass die normale Anteversion-Anteflexion des Uterus einer Senkung entgegenwirkt. Das Corpus uteri wird bei erhöhtem intraabdominalem Druck gegen die Symphysis pubica und die Cervix uteri gegen das Corpus adiposum fossae ischiorectalis und den M. levator ani gedrückt. Bei Retroflexio uteri dagegen befindet sich die Zervix in der Längsachse der Vagina und wird dadurch schneller nach unten weggeschoben (Abb. 6.58).

Hinweis

Eine vorsichtige Mobilisation des faszialen Uterusgewebes nach der Entbindung kann sinnvoll sein, um wieder eine Anteversio uteri und normale Druckverhältnisse im Bauchraum herzustellen.

Dass eine osteopathische Behandlung hier hilfreich sein kann, mag folgendes Beispiel verdeutlichen.
FallbeispielEine Patientin mit starkem Uterusprolaps, deren Gebärmutterhals bei einer intravaginalen Untersuchung bereits nach Einführen des untersuchenden Fingers um 2–3 cm zu spüren war, die über rezidivierende ISG-Blockierungen und Stressinkontinenz klagte, wurde vom Gynäkologen überwiesen. Nach etwa sechs osteopathischen Behandlungen mit Aufbau der Beckenbodenmuskulatur war die Patientin beschwerdefrei. Inzwischen ist sie seit über einem Jahr beschwerdefrei, kommt aber auf eigene Initiative weiter zum Beckenbodentraining. Entgegen allen Erwartungen hat sich auch die Uterusposition deutlich verbessert.
Fazilitierte Rückenmarksegmente (Th10–L2 und S2–S4)
Wenn durch SpannungenRückenmarksegmentfazilitiertesTh10–L2 und S2–S4 im Bereich der Faszien und Aufhängungselemente von Uterus und Ovarien das „Gate-Control-System“ im Hinterhorn des Rückenmarks gehemmt wird, kann es zu einer Reizüberflutung des Segments kommen (Kap. 2.5.8.5).
Typische Symptome sind (Kap. 2.5.6.2):
  • Kreuz- und UnterleibsschmerzenKreuzschmerzenUnterleibsschmerzen mit rezidivierenden Blockierungen von Th10–L2 und der Beckengelenke, die oft zyklusabhängig sind

  • Ausstrahlung, Bindegewebsverhärtung und erhöhte Schmerz- und Druckempfindlichkeit in den Dermatomen Th10–L2 und S2–S4

  • HypertonusHypertonusparavertebrale Muskulatur Paravertebrale Muskeln, Hypertonusder paravertebralen Muskeln und der Faszien bestimmter Muskelketten, z. B. der Inflare-Muskelketten bei Spannungen oberhalb des kleinen Beckens und der Outflare-Muskelketten bei Spannungen im kleinen Becken

Auch hier werden ausstrahlende Schmerzen oft als Nervenschmerzen fehlinterpretiert. Da eine Wirbelsäulen- und Bandscheibenuntersuchung aber meist negativ ausfällt, sind die Beschwerden sehr schwierig zu erklären.
Zyklusbedingte Symptome und Schmerzen können auf eine Endometriose hindeuten und sollten zuerst immer vom Gynäkologen abgeklärt werden. Nach Ausschluss organischer Krankheiten kann es bei einer Beckentorsion sinnvoll sein, die Faszien und Bänder der Beckenorgane osteopathisch zu untersuchen und zu behandeln.
Durchblutungsstörungen in Becken und Beinen
Das „typisch weibliche“ Problem derBeckenDurchblutungsstörungenDurchblutungsstörungen, Becken/Beine kalten Füße hat seinen Ursprung häufig in Spannungen im Beckenbereich und damit zusammenhängenden schlechten Druckverhältnissen. Noch häufiger sind venöse Stauungen und Krampfadern Folge einer Spannungsproblematik. Das bevorzugt im linken Bein auftretende Cockett-Syndrom wird in Kap. 2.4.1 besprochen.

In diesen Fällen ist eine gute Tensegrity bzw. ausgeglichene Spannung der verschiedenen faszialen, muskulären, artikulären und ligamentären Strukturen nicht nur Ziel der Behandlung, sondern auch ein Mittel der Prävention.

Iliopsoas-Syndrom
Dieses Syndrom tritt rechtIliopsoas-Syndrom häufig auf, ist aber leider noch wenig bekannt. Seine Ätiologie und Symptomatik können vielschichtig sein (Kap. 3.10).

Untersuchungs- und Behandlungstechniken für die Beweglichkeit des Uterus

Theorie Kap. 2.6.5.3, Kap. 2.6.5.4
GetestetUterusBeweglichkeitUntersuchungs-/Behandlungstechniken werden die viszeralen „Gelenk“- bzw. Gleitflächen und die Aufhängebänder des Uterus. Im Vergleich zu parietalen Läsionen sind die Bewegungseinschränkungen hier oft sehr gering. So kann bereits eine minimale Entspannung der Organfaszien eine erstaunliche Wirkung zeigen und die Belastung der Gefäße und Nerven im umliegenden Gewebe stark reduzieren. Die faszialen Strukturen sind vergleichbar mit empfindlichen „Tonus-Messgeräten“ und regeln über die Muskelketten die Spannungssituation im Becken (Feedback).

Wichtige Vorbemerkungen

  • Die Patientin sollte vor der Untersuchung immer die Harnblase entleeren.

  • Ohne vorherigen Ausschluss von Kontraindikationen durch einen Arzt sollte nicht behandelt werden.

  • Schmerzen bei der Untersuchung oder Behandlung gelten als Kontraindikation, bis sie vom Arzt abgeklärt wurden.

  • Kurz vor der Regelblutung sollten die Techniken nicht angewandt werden, da in dieser Phase die fasziale Spannung im kleinen Becken am größten ist.

  • Intrauterinpessare sind eine Kontraindikation für die Behandlung des Uterusbindegewebes.

Verklebungen zwischen Uterus und Dünndarm, Harnblase, Zäkum oder Colon sigmoideum
Diese Strukturen sollteUterusVerklebungen, faszialeVerklebungen, faszialeUterus man sich kurz in frontaler und sagittaler Ebene vergegenwärtigen. Angewandt werden die gleichen Techniken wie bei der Behandlung der Harnblase, die dort ausführlich beschrieben sind (Kap. 6.1.3.1).
Bei der Palpation oberhalb der Symphysis pubica bemerkt man sehr schnell den Widerstand des Darmgewebes, das sich nicht oder nur schlecht nach dorsal schieben lässt. Alle Kontaktflächen des Uterus mit Dünn- und Dickdarm sollten in verschiedenen Richtungen und wiederholt getestet werden. Erfahrungsgemäß können „Verschlackungen“ eine Anterior- oder Posterior-Läsion des Iliums auslösen.
Es ist didaktisch hilfreich, die Mobilisation in vier Bereichen des Unterbauchs vorzunehmen (Abb. 6.59):
  • Linker Bereich (Colon sigmoideum), Abb. 6.59a

  • Mittlerer-unterer Bereich (Dünndarm), etwas oberflächlicher, Abb. 6.59b

  • Mittlerer-unterer Bereich (Excavatio vesicouterina), etwas tiefer, Abb. 6.59c

  • Rechter Bereich (Zäkum), Abb. 6.59d

Lig. teres uteri und Excavatio vesicouterina
Diese Strukturen sollteExcavatiovesicouterinaUntersuchung/BehandlungLigamentum(-a)teres uteriUntersuchung/Behandlung man sich kurz in frontaler und sagittaler Ebene vergegenwärtigen.
Das Lig. teres uteri, gelegentlich auch als Lig. rotundum bezeichnet, sorgt normalerweise für das Zurückfedern des Uterus aus einer Retropositio. Durch einen Hypertonus dieses Bands können allerdings ebenso wie durch Verklebungen in der Excavatio vesicouterina funktionelle Beschwerden ausgelöst werden, da sie zu einer reaktiven Verspannung myofaszialer Ketten, insbesondere der GPM (geraden posterioren Muskelketten) führen und dadurch häufig Ilium-anterior-Läsionen aufrechterhalten.
Typische Symptome bei Hypertonus des Lig. teres uteriLigamentum(-a)teres uteriHypertonusHypertonusLigamentum(-a)teres uteri sind z. B.:
  • Schlechte Füllungskapazität der Harnblase mit Pollakisurie und Nykturie: Das Corpus uteri wird durch die hypertonen Bänder nach vorn gezogen und bedrängt die Harnblase, die sich nicht richtig füllen kann.

  • Schmerzen im Leisten- und Schamlippenbereich bei der Hüftextension: Da das Lig. teres uteri durch den Canalis inguinalis in den Vaginalbereich einstrahlt, wird es beim Strecken der Hüfte gedehnt. Aufgrund der dichten nozizeptiven Versorgung wird dies oft als schmerzhaft empfunden.

  • Überempfindlichkeit und Schmerzen in den homolateralen Schamlippen können beim Sexualverkehr für Probleme sorgen.

Untersuchung in Rückenlage
Patientin: in Rückenlage, ein Kissen unter den Beinen, Declive-Position der Liege
Therapeut: neben der Patientin stehend
Handposition: Fingerspitzen einer Hand etwa 2 cm oberhalb der Symphysis pubica auf den Unterbauch setzen.
Phase 1
Ausführung (Abb. 6.60):
  • Langsam und vorsichtig, eventuell senkrecht mit den Fingerkuppen etwa 2 cm oberhalb der Symphysis pubica in den Bauchraum eindringen.

  • Auf Widerstand achten und testen, wie sich der Uterus nach dorsal schieben lässt.

Bewertung: Widerstand und entsprechende Spannung beurteilen.
Phase 2
Ausführung:
  • Recoil-Test: Den Druck plötzlich loslassen und das Zurückfedern des Gewebes beobachten.

  • Beweglichkeit des Uterus sowohl links als auch rechts etwas nach paramedian testen.

Bewertung:
  • Normalbefund: Der Fundus uteri ist als etwas festere Masse spürbar; bei ventralem Druck gleitet er nach hinten und federt beim Loslassen relativ schnell wieder zurück in seine normale Lage.

  • Lässt sich der Uterus nur schlecht und mit deutlich erhöhter Spannung nach posterior bewegen, weist das auf einen Hypertonus des Lig. teres uteri oder eine Verklebung in der Excavatio vesicouterina hin.

Behandlung in Rückenlage
Indirekte Technik des Unwinding
Ausgangsposition: wie bei derUnwindingLigamentumteres uteriUnwindingExcavatio vesicouterina Untersuchung
Handposition: Die kaudale Hand flach auf den Unterbauch legen, mit dem Handballen etwa 2 cm oberhalb der Symphysis pubica.
Ausführung (Abb. 6.61):
  • Sich sehr vorsichtig mit dem Handballen an die Spannung des Bands anlehnen und warten, dass sie nachlässt (Unwinding).

  • Jeder Veränderung im Gewebe folgen.

Untersuchung in Seitenlage
Dieser Test kann z. B. bei Hypertonus des rechten Lig. teres uteri durchgeführt werden.
Patientin: in heterolateraler (linker) stabiler Seitenlage, das unten liegende (linke) Bein gebeugt
Therapeut: hinter der Patientin stehend
Handposition:
  • Die kraniale (linke) Hand auf den Unterbauch legen, mit den Fingerspitzen in kaudaler Richtung bis etwa 2 cm oberhalb und rechts der Symphysis pubica.

  • Mit der kaudalen (rechten) Hand das homolaterale obere (rechte) Bein der Patientin im Kniebereich umgreifen und führen.

Ausführung (Abb. 6.62):
  • Mit den Fingerkuppen der kranialen (linken) Hand sehr langsam und vorsichtig etwa 2 cm oberhalb und rechts der Symphysis pubica in den Bauchraum eindringen und die Gebärmutter äußerst sanft nach dorsal schieben.

  • Das homolaterale (rechte) Bein der Patientin mit der kaudalen (rechten) Hand in Hüftextension führen.

  • Das rechte Lig. teres uteri wird dabei vorsichtig gedehnt.

  • Anschließend durch plötzliches Loslassen sein Zurückfedern (Recoil) testen.

Behandlung in Seitenlage
Direkte Technik mit langem Hebelarm
Ausgangs- und Handposition: wie beiLigamentum(-a)teres uteridirekte Technik der Untersuchung (Abb. 6.62)
Ausführung:
  • den Fundus uteri mit der kranialen (linken) Hand nach dorsokaudal fixieren und das homolaterale (rechte) gebeugte Bein der Patientin vorsichtig mit der kaudalen (rechten) Hand in coxofemorale Extension heben

  • sich an den Widerstand anlehnen und warten, bis die Spannung nachlässt, dann das Band sanft und vorsichtig dehnen

  • eventuell kann man sich auch langsam und rhythmisch dem Widerstand annähern und das Gewebe rhythmisch mobilisieren

Oberer Lig.-latum-uteri-Bereich – Mesometrium
Diese StrukturenMesometrium Ligamentum(-a)latum uterioberer Bereichsollte man sich kurz in frontaler Ebene. Das Lig. latum uteri wird aus didaktischen Gründen in drei Bereiche eingeteilt: Mesometrium, Parametrium und Paravagina (Kap. 2.6.5.2, Abb. 2.155).
Das Lig. latum uteri sorgt normalerweise dafür, dass der Uterus aus einer Seitneigung zur normalen Position zurückfedert. Es bildet einen Führungskanal für Arterien, Venen und Nerven des Uterus. Ein Hypertonus im oberen Lig.-latum-uteri-Bereich kann allerdings funktionelle Beschwerden auslösen, indem Muskelketten, insbesondere die Inflare- oder KAM-Ketten, aktiviert werden. Dadurch wird zunächst eine Lockerung des Beckenbodens induziert und in zweiter Linie eine Senkung vorprogrammiert. Senkungen führen wiederum oft dazu, dass Inflare-Läsionen des homolateralen Iliums aufrechterhalten werden, die wiederum die Beweglichkeit des Sakrums beeinträchtigen.
Typische Symptome bei einemLigamentum(-a)latum uteriHypertonusHypertonusLigamentum(-a)latum uteri Hypertonus im kranialen Bereich des Lig. latum uteri sind z. B.:
  • Inflare-Läsionen des Iliums

  • Störungen der Gefäßversorgung von Uterus und Ovar, oft mit Hormonstörungen verbunden

  • Funktionelle, nichtorganische Infertilität aufgrund von Bewegungseinschränkungen des in diesem Ligament verlaufenden Eileiters

  • Schmerzhafte Ovulation

  • ISG-Problematik und Kreuzschmerzen

  • Schlechte Durchblutung (Krampfadern und „kalte Füße“) und Ödeme in den Beinen

Mobilisierung in Rücken- oder Seitenlage ohne Hebelarm
Patientin: in Rückenlage, einLigamentum(-a)latum uteriMobilisierung in Rücken-/Seitenlage Kissen unter den Knien
Therapeut: etwas mehr zum Kopfteil der Liege neben der Patientin stehend, mit kaudaler Ausrichtung
Handposition: Fingerspitzen beider Hände etwa 2 cm oberhalb der Symphysis pubica aufsetzen, bilateral neben dem Uterus.
Phase 1
Ausführung (Abb. 6.63):
  • Sehr langsam und vorsichtig mit den Fingerspitzen bilateral neben dem Uterus in den Bauchraum eindringen.

  • Den Uterus nach links und rechts verschieben.

Bewertung: Seitenvergleich von Beweglichkeit und Spannung
Phase 2
Ausführung: Recoil-Test: mit dem Druck nach lateral plötzlich nachlassen und das Zurückfedern des Gewebes beobachten.
Bewertung:
  • Normalbefund: Der Uterus federt beim Loslassen relativ schnell wieder zurück in seine normale Lage.

  • Lässt sich der Uterus nur schlecht nach links oder rechts bewegen und nimmt dabei die Spannung deutlich zu, sodass er sehr schnell wieder zurückfedert, deutet dies auf einen Hypertonus des heterolateralen Lig. latum uteri hin.

Behandlung in Rücken- oder Seitenlage ohne Hebelarm
Indirekte Technik
Ausgangs- und Handposition: wie bei der Untersuchung
Ausführung (Abb. 6.63):
  • Den Uterus sehr vorsichtigLigamentum(-a)latum uteriindirekte Technik mit der einen Hand in die Richtung schieben, in der sich das Lig. latum uteri am meisten entspannt.

  • Mit der anderen Hand abwarten, dass sich die noch vorhandene Spannung spontan löst (Kap. 2.2.3) und jeder Veränderung im Gewebe folgen.

Direkte Technik
Ausgangs- und Handposition: wieLigamentum(-a)latum uteridirekte Technik bei der Untersuchung
Ausführung:
  • Mit der einen Hand den Fundus uteri zur Seite schieben und sich direkt an den Widerstand anlehnen.

  • Abwarten, bis die Spannung nachlässt und das hypertone Ligament dann sehr behutsam dehnen.

Alternative: Empfehlenswert ist auch die heterolaterale Seitenlage der Patientin.
Behandlung: Direkte Technik in Rückenlage mit langem Hebelarm
Anmerkung: dargestellt am BeispielLigamentum(-a)latum uteridirekte Technik eines Hypertonus des linken Lig. latum uteri (Abb. 6.64)
Variante 1
Patientin: in Rückenlage
Therapeut: homolateral (links) neben der Patientin sitzend, mit kranialer Ausrichtung
Handposition:
  • Die kaudale (linke) Hand seitlich auf den Unterbauch legen, die Fingerspitzen etwa 2 cm oberhalb der Symphysis pubica und homolateral (links) neben dem Uterus.

  • Mit der kranialen (rechten) Hand das homolaterale (linke) Bein der Patientin umgreifen und führen.

Ausführung:
  • Sehr langsam und vorsichtig mit den Fingerspitzen der kaudalen (linken) Hand neben dem Uterus in den Bauchraum eindringen und den Uterus nach rechts fixieren.

  • Das homolaterale (linke) Bein der Patientin, um 90° in der Hüfte gebeugt, mit der kranialen (rechten) Hand in Außenrotation und Outflare des Iliums führen, bis das homolaterale (linke) Lig. latum uteri spürbar unter Spannung kommt.

  • Sich direkt an den Widerstand anlehnen und warten, bis die Spannung nachlässt.

  • Danach das hypertone Band sehr behutsam dehnen.

  • Zusätzlich kann die Patientin ihre homolaterale (linke) Hüfte nach innen rotieren; allerdings sollte die Patientin wissen, dass es sich nicht um eine Kraftübung handelt und deshalb nur minimal drücken.

  • Dagegenhalten und keine Bewegung zulassen, damit die Patientin eine isometrische Kontraktion von 5–10 Sekunden Dauer gegen den Widerstand ausführen kann.

  • In der Entspannungsphase das Ligament weiter dehnen und die Hüfte leicht nach außen rotieren.

Anmerkung: In dieser Position kann auch eine Untersuchung und Mobilisation des ISG in verschiedenen Ebenen durchgeführt werden; daher ist diese Haltung die bevorzugte Position.
Variante 2
Patientin: in Rückenlage, beide Beine gebeugt und auf dem Oberschenkel des Therapeuten abgestützt
Therapeut: heterolateral (rechts) neben der Patientin stehend, mit kranialer Ausrichtung, den kaudalen Fuß auf die Behandlungsliege gestellt
Handposition:
  • Die kraniale (linke) Hand auf den Unterbauch legen, mit den Fingerspitzen etwa 2 cm oberhalb der Symphysis pubica und homolateral (links) neben dem Uterus.

  • Mit der kaudalen Hand die Beine im Kniebereich umfassen und führen.

Ausführung (Abb. 6.65):
  • Sehr langsam und vorsichtig mit den Fingerspitzen der kranialen (linken) Hand neben dem Uterus in den Bauchraum eindringen und den Uterus nach rechts fixieren.

  • Um eine Outflare-Bewegung des homolateralen (linken) Iliums zu erreichen, beide Knie der Patientin von sich weg und ihre Füße zu sich hin bewegen.

  • Diese Bewegung weiter führen, bis das homolaterale (linke) Lig. latum uteri spürbar unter Spannung kommt und sich direkt an den Widerstand anlehnen.

  • Warten, bis die Spannung nachlässt und das hypertone Band dann sehr behutsam dehnen.

Behandlung: Indirekte Technik in Rückenlage mit langem Hebelarm
Anmerkung: dargestellt am BeispielLigamentum(-a)latum uteriindirekte Technik eines Hypertonus des linken Lig. latum uteri (Abb. 6.66)
Handposition:
  • Die kraniale (linke) Hand seitlich flach auf den Unterbauch legen, mit dem Daumen etwa 2 cm oberhalb der Symphysis pubica und rechts neben dem Uterus.

  • Mit der kaudalen (rechten) Hand die Beine im Kniebereich umfassen und führen.

Ausführung:
  • Sehr langsam und vorsichtig rechts vom Uterus in den Bauchraum eindringen und den Uterus nach links schieben (Entspannung des linken Lig. latum uteri).

  • Um eine Inflare-Bewegung des homolateralen (linken) Iliums zu erreichen, beide Knie der Patientin mit der kaudalen Hand zu sich hin und ihre Füße von sich weg führen.

  • Die Stellung aufsuchen, in der das Lig. latum uteri am wenigsten gespannt wird.

  • Diese Position beibehalten, bis sich die restliche Spannung aufgelöst hat (Unwinding).

Unterer Lig.-latum-uteri-Bereich – Parametrium und Paravagina
Diese Strukturen sollte manParavaginaParametriumLigamentum(-a)latum uteriunterer Bereich sich kurz in frontaler Ebene vergegenwärtigen.
Das Lig. latum uteri wird aus didaktischen Gründen in drei Bereiche eingeteilt: Mesometrium, Parametrium und Paravagina (Kap. 2.6.5.1, Abb. 2.155). Die beiden letzteren sind am besten über den Beckenboden zu erreichen.
Typische Symptome bei Hypertonus des Lig. latum uteriLigamentum(-a)latum uteriHypertonusHypertonusLigamentum(-a)latum uteri in diesem kaudalen (parametrialen und paravaginalen) Bereich sind z. B.:
  • Outflare-Läsionen des Iliums

  • Funktionelle Beschwerden, da durch den Hypertonus reaktiv Muskelketten aktiviert werden, insbesondere die Outflare- oder KPM-Ketten

  • Funktionelle Blasenbeschwerden, z. B. „instabile“ Blase oder Stressinkontinenz

  • Schmerzen beim Koitus

Behandlung
Hier wird auf die Behandlung des Beckenbodens (Kap. 6.1.3.4) verwiesen. Der einzige Unterschied zu den dort beschriebenen Techniken ist, dass man möglichst tief in das Gewebe in Richtung der Vagina (vor allem kranialwärts und leicht dorsal) eindringen sollte, um die Wirkung spezifisch auf das Parakolpium (Paravagina) bzw. Parametrium zu richten. Manchmal kann es notwendig sein, zuerst das Ilium in leichte Outflare-Stellung (gebeugte Hüfte in Außenrotation, Abb. 6.67) zu bringen. Das Ilium anschließend wieder Inflare zurückzuführen ist möglich, aber nicht notwendig.
Lig. suspensorium ovarii, Lig. ovarii proprium und Mesosalpinx
Diese Strukturen sollteMesosalpinxUntersuchung/Behandlung Ligamentum(-a)suspensorium ovariiUntersuchung/BehandlungLigamentum(-a)ovarii propriumUntersuchung/Behandlung man sich kurz in frontaler und sagittaler Ebene vergegenwärtigen.
Bei Bänderschwäche und gleichzeitig erhöhtem Druck im Abdomen kann es zum OvarialprolapsOvarialprolaps kommen. Dabei sind die Beschwerden ähnlich diffus wie bei einem Hypertonus dieser ovariellen Aufhängebänder, aber meist deutlich weniger schmerzhaft. Die Symptomatik ist bei beiden Ligamenten teilweise auf eine Durchblutungsstörung zurückzuführen.
In Zusammenhang mit einer Iliopsoas-Symptomatik (Kap. 3.10) sind auch diese beiden Bänder häufig hyperton und sorgen dann durch Reizung der Proprio- und Nozizeptoren – häufig im Bereich des Plexus lumbalis – für eine Schmerzausstrahlung.
Typische Symptome bei einem Hypertonus derHypertonusLigamentum(-a)suspensorium ovariiHypertonusLigamentum(-a)ovarii proprium beiden Ligamente und beim Ovarialprolaps sind z. B.:
  • Diffuse, uni- oder bilaterale Kreuzschmerzen, oft belastungsabhängig und bei Anspannung der Hüftbeuger.

  • Diffuse, suprasymphysäre Unterbauchschmerzen.

  • Inflare-Läsionen des Iliums auf der betroffenen Seite durch Spannung des M. iliacus.

  • Hormonstörungen.

  • Iliopsoas-Symptomatik mit skoliotischer Haltung der LWS.

  • Beim Hypertonus der Aufhängebänder steigt das Ovar hoch und beim Hypotonus mit Ovarialprolaps senkt es sich. Die reaktive Spannung ist beim Hypertonus erheblich höher als bei einem Prolaps.

  • Homolateraler diffuser Hüftgelenksschmerz und Beweglichkeitseinschränkung.

Achtung

Vor einer osteopathischen Behandlung sollten organische Ursachen (z. B. Zyste oder Neoplasma) durch einen Arzt ausgeschlossen werden.

Untersuchung und Behandlung: Direkte Technik in Rücken- oder Seitenlage ohne Hebelarm
Patientin: in Rückenlage, ein Kissen unter den Beinen; eine sehr gute Alternative ist die heterolaterale Seitenlage
Therapeut: homolateral neben der Patientin stehend
Handposition (Abb. 6.68):
  • Die kraniale Hand flach auf den Unterbauch legen, Fingerspitzen in Richtung der Symphysis pubica.

  • Die kaudale Hand in Höhe der SIAI und medial des medialen Iliopsoasrands auflegen.

Ausführung:
  • Mit der kranialen Hand sehr langsam und vorsichtig etwa 2 cm oberhalb der Symphysis pubica in den Bauchraum eindringen.

  • Den Fundus uteri zur entgegengesetzten Seite fixieren (Abb. 6.69).

  • Mit den Fingerkuppen der kaudalen Hand sanft in Höhe der SIAI in kraniolateraler Richtung in den Bauchraum eindringen, um die Spannung in Höhe des Ovars zu testen.

Bewertung: Spannungsverhältnisse beurteilen, auch im Seitenvergleich
Anmerkung: Das Ovar selbst ist aufgrund seiner tiefen Lage nicht direkt zu tasten. Daher wird die Spannung im umliegenden Gewebe untersucht und man stellt sich dann auf die Richtung dieser Ligamente ein.

Funktionell betrachtet der Autor diese Bänder als eine fasziale Verbindung zwischen der hinteren oberen Ecke des Fundus uteri und der Faszie des homolateralen M. iliopsoas mit Zwischenschaltung des Ovars.

Achtung

Sollten das Ovar vergrößert oder verhärtet und Verwachsungen oder Schmerzen in diesem Bereich wahrnehmbar sein, sollte die Patientin zunächst zum Gynäkologen überwiesen werden.

Merke

Pathologische Veränderungen tretenExcavatiorectouterinapathologische Veränderungen oft versteckt im Bereich der Excavatio rectouterina auf und werden unter Umständen erst spät entdeckt. Man sollte daran denken, dass 25 % der Ovarialtumoren bösartig sind und dass bei Frauen 15 % aller Geschwülste von den Ovarien ausgehen.

Sind organische Ursachen dagegen ausgeschlossen, handelt es sich um funktionelle Beschwerden und Spannungen in diesem Bereich, die mit den hier beschriebenen Techniken sinnvoll behandelt werden können.

Die Behandlung (Abb. 6.69) wird genauso ausgeführt wie der Test, wobei zusätzlich sehr behutsam und langsam eine Traktion nach lateral und kranial in Höhe des Ovars ausgeführt wird. Oft kann es auch sinnvoll und notwendig sein, den M. iliopsoas ebenfalls zu behandeln.

Hinweis

Um überhaupt in die Nähe des Ovars zu gelangen, muss manchmal zuerst das Zäkum oder das Colon sigmoideum behandelt werden. In diesem Bereich kommen sehr häufig Verklebungen vor. Zusätzlich kann häufig eine Darmsanierung und Ernährungsumstellung erforderlich sein.

Untersuchung und Behandlung: Indirekte Technik in Rückenlage ohne Hebelarm
Variante 1
Patientin: in Rückenlage, einOvarienUntersuchung/Behandlung Kissen unter den Beinen
Therapeut: homolateral neben der Patientin stehend oder sitzend
Handposition: Eine Hand flach neben die homolaterale SIAI legen.
Ausführung:
  • Bei der Untersuchung mit dem Hypothenar sehr langsam und vorsichtig etwas medial der SIAI in den Bauchraum eindringen.

  • Bei der Behandlung (Abb. 6.70) nach dem Eindringen in Höhe des Ovars sehr behutsame Bewegungen zum Punkt mit der geringsten Spannung hin ausführen.

  • Es kann energetisch sinnvoll sein, zur Entspannung eine leichte Linksdrehung (gegen den Uhrzeigersinn) mit dem Hypothenar auszuführen.

Bewertung: Spannung in Umgebung des Ovars in der Tiefe des Bauchraums beurteilen.
Variante 2
Patientin: in Rückenlage, beide Beine gebeugt und auf dem Oberschenkel des Therapeuten abgestützt
Therapeut: homolateral (links) neben der Patientin stehend, mit kranialer Ausrichtung, den kaudalen Fuß auf die Behandlungsliege gestellt
Handposition (Abb. 6.71):
  • Mit der kaudalen (linken) Hand die Beine der Patientin im Kniebereich umfassen und führen.

  • Die kraniale (rechte) Hand etwas medial der SIAI und homolateral (links) neben dem Uterus auflegen.

Ausführung:
  • Sehr langsam und vorsichtig mit den Fingerspitzen der kranialen (rechten) Hand in den Bauchraum eindringen.

  • Auch eine indirekte Behandlung ist möglich. Dazu die beiden Knie der Patientin von sich weg und ihre Füße zu sich hin führen, um eine Inflare-Bewegung des homolateralen (linken) Iliums zu erreichen.

  • Jeweils die Stellung aufsuchen, in der die Spannung am geringsten ist, und sie beibehalten, bis sich die restliche Spannung auflöst (Unwinding).

Lig. sacrouterinum
Man sollte sichLigamentum(-a)sacrouterinumHypertonusLigamentum(-a)sacrouterinumUntersuchung/Behandlung kurz die in Abb. 6.72 dargestellten Strukturen vergegenwärtigen. Das Ligament setzt gemeinsam mit dem M. piriformis an der Facies pelvica des Sakrums an und hat daher großen Einfluss auf die Mobilität sowohl des Sakrums als auch des Uterus. Da es einen Durchgang für das Rektum aufweist, kann es bei einem Hypertonus des Bands zu einer Verengung des Rektums kommen.

Hinweis

Wie hoch ihr Ansatz am Sakrum wirklich ist, lässt sich für die beiden Ligg. sacrouterina nicht genau angeben. In der Praxis ist es sicher besser, dies individuell zu untersuchen anstatt sich auf theoretische Angaben zu verlassen.

Typische Symptome bei einem HypertonusHypertonusLigamentum(-a)sacrouterinum des Lig. sacrouterinum sind z. B.:
  • SI-anterior- oder SI-posterior-Läsionen des Sakrums um eine transversale Achse oder schräge Achse, je nachdem, wie hoch der Ansatz am Sakrum ist

  • Fixierte Anteflexion oder Anteversion des Uterus

  • Stressinkontinenz durch Druck auf die Harnblase

  • Verstopfung, venöse Stauung bzw. Hämorrhoidenbeschwerden (häufig zyklusbedingt) durch Einengung des Rektums

  • Außenrotationsläsionen der Hüfte

  • Hypertonus des M. piriformis

  • Dyspareunie durch Dorsalverlagerung der Cervix uteri

  • Diffuse Kreuz- und ISG-Schmerzen

Untersuchung in Rückenlage
Patientin: in Rückenlage, eventuell ein Kissen unter den Beinen
Therapeut: neben der Patientin stehend
Handposition (Abb. 6.73):
  • Die kaudale Hand flach und entspannt unter das Sakrum der Patientin legen (wie beim faszialen Test des Sakrums).

  • Die kraniale Hand flach auf den Unterbauch legen, mit den Fingerspitzen in Richtung Symphysis pubica.

Phase 1
Ausführung: Mit der kranialen Hand etwa 2 cm oberhalb der Symphysis pubica sehr langsam und vorsichtig in den Bauchraum eindringen und den Uterus nach dorsal schieben.
Bewertung: Die dabei entstehende Spannung und den Widerstand sowie die Reaktion (Anteriorisierung oder Posteriorisierung) des Sakrums wahrnehmen.
Phase 2
Ausführung: Mit dem Druck plötzlich nachlassen (Recoil-Test) und das Zurückfedern des Gewebes beobachten.
Bewertung:
  • Recoil und Reaktion des Sakrums beurteilen.

  • Bei einem Hypertonus des Lig. sacrouterinum lässt sich der Uterus nur schlecht zur Retroversion bringen. Es entsteht viel Spannung und der Uterus federt beim Loslassen des Drucks auch sofort zurück.

  • Typisch für einen Hypertonus ist auch, dass sich das Sakrum beim Versuch, den Uterus in eine Retroversion zu schieben, sofort um eine transversale oder schräge Achse anteriorisiert oder posteriorisiert.

Behandlung über den Beckenboden
Direkte Technik in Seitenlage
Patientin: in Seitenlage, Ligamentum(-a)sacrouterinumdirekte TechnikBeine gebeugt
Therapeut: in Höhe des Beckens hinter der Patientin stehend
Handposition:
  • Die Fingerspitzen der kaudalen Hand median und etwas dorsal vom Tuber ischiadicum ausgestreckt auf das Perineum aufsetzen.

  • Die kraniale Hand suprapubisch auf den Unterbauch legen, mit den Fingerspitzen in Richtung der Symphysis pubica.

Ausführung (Abb. 6.74):
  • Mit den Fingerspitzen der kaudalen Hand in kranialer Richtung in das Perineum eindringen, etwas mehr dorsal als bei der Behandlung der Harnblase.

  • Durch suprapubische Palpation mit der kranialen Hand möglichst viel Informationen aufnehmen.

  • Bei Ausatmung der Patientin langsam tiefer ins Perineum eindringen, bis der Druck der kaudalen Hand spürbar in Höhe der Cervix uteri ankommt.

  • Dann den Druck mit den Fingerspitzen der kaudalen Hand nach ventrokranial verlagern, um das Lig. sacrouterinum vorsichtig zu dehnen.

Direkte Technik in Bauchlage
Patientin: in Bauchlage, ein KissenLigamentum(-a)sacrouterinumdirekte Technik unter dem Bauch, neutrale Kopfhaltung
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Vorbereitung: Beide Beine der Patientin so weit in Adduktion und Innenrotation bringen, dass die Bewegung des jeweiligen Iliums mit den Fingerspitzen im Iliosakralsulkus spürbar ist. Diese Beinposition beibehalten.
Handposition:
  • Mit der kaudalen Hand auf den rechten und linken AIL des Sakrums aufstützen.

  • Die kraniale Hand in entgegengesetzter Fingerrichtung direkt auf die kaudale Hand legen.

Ausführung (Abb. 6.75):
  • Wie beim Sakrum (bilateral SI anterior, Kap. 5.5.1, bzw. posterior, Kap. 5.5.2).

  • Beim Einatmen beide AIL des Sakrums nach ventrokranial drücken, um das Sakrum zu posteriorisieren, bzw. die Sakrumbasis nach ventrokaudal drücken, um es zu anteriorisieren.

  • Beim Aus- bzw. Einatmen den Druck beibehalten.

  • Einige Male wiederholen, dabei die Patientin eventuell bitten, nach dem Ein- bzw. Ausatmen die Luft anzuhalten.

  • Es ist wichtig, das Sakrum während mehrerer Atemzyklen in seiner Position zu halten, um dem Lig. sacrouterinum Zeit zu geben, sich zu lockern und zu entspannen.

Bewertung: Entscheidend ist die Reaktion des Sakrums auf eine erhöhte Spannung des Lig. sacrouterinum.
Direkte Technik in Rückenlage
Patientin: in Rückenlage, eventuellLigamentum(-a)sacrouterinumdirekte Technik ein Kissen unter den Beinen
Therapeut: neben der Patientin stehend
Handposition:
  • Die kaudale Hand flach und entspannt unter das Sakrum der Patientin legen.

  • Die Fingerspitzen der kranialen Hand etwa 2 cm oberhalb der Symphysis pubica gestreckt auf den Unterbauch aufsetzen.

Ausführung (Abb. 6.76):
Phase 1: Sehr langsam und vorsichtig mit den Fingerspitzen suprapubisch in den Bauchraum eindringen.
Phase 2:
  • Langsam weiter in den Bauchraum eindringen, so gut es der Widerstand zulässt.

  • Gleichzeitig mit der kaudalen Hand das Sakrum um eine transversale oder schräge Achse nach posterior oder nach anterior rotieren.

  • Als direkte Technik versuchen, das Ligament zu dehnen und das Sakrum in Richtung der Bewegungseinschränkung zu bewegen und zu halten.

  • Als indirekte Technik versuchen, das Ligament zu entspannen und das Sakrum in die läsionsfreie Richtung zu bewegen und es dort zu halten, um dem Gewebe die Möglichkeit zur Entfaltung zu geben.

Bewertung: Bei einem Hypertonus des Lig. sacrouterinum lässt sich der Uterus nur schlecht nach dorsal schieben, wobei viel Spannung mit Positionsänderung des Sakrums entsteht.
Behandlung des M. piriformis und Korrektur von Außenrotationsläsionen der Hüfte
Im Zusammenhang mit demHüfte/HüftgelenkAußenrotationsläsionenKorrekturAußenrotationsläsion, HüfteKorrektur Musculus(-i)piriformisBehandlungLig. sacrouterinum ist es wichtig zu überprüfen, ob eventuell eine Hüftläsion oder ein Hypertonus und VerkürzungMusculus(-i)piriformisBehandlung des M. piriformis vorliegt, da sie sich auf Dauer einstellen können. Die entsprechenden Untersuchungen und Behandlungen sind in Kap. 4.6.2.3 und Kap. 5.2 beschrieben.
Verklebungen der Excavatio rectouterina
Diese Struktur sollte man sichExcavatiorectouterinaVerklebungen, faszialeVerklebungen, faszialeExcavatio rectouterinaExcavatiorectouterinaUntersuchung/Behandlung kurz in sagittaler Ebene vergegenwärtigen.
Verklebungen der Excavatio rectouterina führen zu ähnlichen Symptomen wie ein Hypertonus des Lig. sacrouterinum. Das Beschwerdebild ist aber bis auf die Verstopfung weniger intensiv und weniger ausgedehnt. Beim Mann sollte die Excavatio rectovesicalis auf ähnliche Art und Weise untersucht und behandelt werden.
Untersuchung
Patientin: kniet im Vierfüßlerstand auf der Liege, auf beiden Händen abgestützt
Therapeut: neben der Patientin stehend oder sitzend, mit Ausrichtung nach kaudal
Handposition:
  • Die kraniale Hand flach auf das Sakrum legen.

  • Die Fingerspitzen der kaudalen Hand etwa 2 cm oberhalb der Symphysis pubica senkrecht auf den Bauch aufsetzen.

Ausführung (Abb. 6.77):
  • Phase 1: Mit der kaudalen Hand sehr langsam und vorsichtig senkrecht in den Bauchraum eindringen und dabei auf den Widerstand achten.

  • Phase 2: Während des Eindringens immer wieder mit dem Druck plötzlich nachlassen (Recoil-Test).

Bewertung:
  • Phase 1: Widerstand und entstehende Spannung beurteilen. Bei Verklebungen ist sie sehr tief und erst spät zu spüren.

  • Phase 2: Recoil des Gewebes und das Zurückfedern des Uterus nach vorn beurteilen. Bei Verklebungen fehlt dieses Zurückfedern fast vollständig.

Behandlung
Ausgangsposition: wie bei der Untersuchung
Handposition: Die Fingerspitzen beider Hände etwa 2 cm oberhalb der Symphysis pubica und bilateral neben dem Uterus senkrecht auf den Bauch aufsetzen.
Ausführung (Abb. 6.78):
  • Sehr langsam und vorsichtig mit den Fingerspitzen in den Bauchraum eindringen.

  • Versuchen, neben dem Uterus so tief wie möglich zu gelangen und ihn zu umgreifen.

  • Den Uterus sanft hin und her schaukeln und versuchen, ihn unter Mitwirkung der Schwerkraft und der Atmung nach ventral zu mobilisieren, d. h. die Patientin bitten, in den Bauch einzuatmen und ihn locker zu lassen.

Fixierte Uterussenkung
Man sollte sich kurz die AufhängestrukturenUterusSenkung, fixierteGebärmuttersenkungfixierte, Behandlung in frontaler, transversaler und sagittaler Ebene vergegenwärtigen.
Symptome
  • Häufig abdominale Beschwerden und schlechte Verdauung

  • Häufig Retroversio uteri

  • Schwäche oder schlechte „Kondition“ des Beckenbodens

  • Hoher intraabdominaler Druck und schlechte Mobilität des Zwerchfells

  • Bei starker Senkung oder Prolaps auch Zystozele und Rektozele

  • Muttermund tief in der Vagina (Patientin fragen, wie tief)

  • Stress- und/oder Dranginkontinenz

Behandlung (grundsätzlich auf verschiedenen Ebenen):
  • Beckenbodentraining

  • Mobilisation der Gebärmutter nach kranial

  • Ausgleichsbehandlung: Zwerchfell normalisieren und eventuelle Einschränkungen der höher gelegenen Organe behandeln

  • Allgemeine Ratschläge und Aufklärung, z. B. dass eine gute körperliche Kondition und Fitness zu empfehlen sind, dass ein sitzender Lebensstil verhängnisvolle Folgen für den Beckenboden, die Beckenorgane und Beckengelenke haben kann usw.

Wegen möglicher Wechselwirkungen ist es notwendig, zunächst alle Verspannungen rund um den Uterus zu lösen, bevor er angehoben wird.

Hinweis

Der Autor setzt manchmal unterstützend Elektromyogramm (EMG), Elektrostimulation und Biofeedback-Gerät ein, da den Patientinnen häufig das Körpergefühl und die Fähigkeit zur bewussten Kontrolle des Beckenbodens fehlt.

Behandlungstechnik
Patientin: in Rückenlage, Beine angewinkelt, Declive-Stellung der Liege
Therapeut: neben der Patientin stehend, in Höhe des Kopfteils der Liege
Handposition: Beide Hände bilateral auf den Unterbauch legen, mit den Fingerspitzen kurz vor der Symphysis pubica.
Ausführung (Abb. 6.79):
  • Sehr behutsam und vorsichtig genau oberhalb der Symphysis pubica in den Bauchraum eindringen.

  • Versuchen, die Finger unter das rechte und linke Lig. teres uteri zu haken und den Uterus während der Ausatmung der Patientin nach dorsal und kranial anzuheben.

  • Eventuell den Uterus mit beiden Händen nach kranial fixieren und die Patientin bitten, die Beine langsam auszustrecken, ohne sie dabei anzuheben.

Untersuchung und Induktionsbehandlung der Uterusmotilität
Bei der Motilität einesInduktionsbehandlungUterus, Motilität UterusMotilitätUntersuchung/InduktionsbehandlungViszeralorgans handelt es sich um sehr subtile, zyklische Bewegungen, die erst spürbar werden, wenn man die Atembewegungen des Zwerchfells ignoriert. Die Motilität wird mit Bewegungen, die während der embryologischen Entwicklung stattfinden, in Zusammenhang gebracht.
Die Entwicklung der Genitalorgane steht nach Moore und Persaud [112] in sehr enger Beziehung zur Entwicklung des Ausscheidungssystems. Somit dürften Uterus und Harnblase eine identische Motilität, die aus einer sich wiederholenden Bewegung von kraniodorsal nach kaudoventral besteht, aufweisen.
Barral [7] beschreibt die Motilität der Ovarien als eine sanfte, rhythmische Drehbewegung im und gegen den Uhrzeigersinn. Ist diese normalerweise gleichmäßige Bewegung in einer Richtung kürzer und schneller und in der anderen Richtung verlangsamt und verzögert, deutet dies auf eine Motilitätsstörung hin.
Die hier beschriebene Technik (Abb. 6.80) ist als Feinabstimmung zu betrachten und bildet oft den Abschluss einer Behandlung.
Patientin: in Rückenlage, Beine angezogen
Therapeut: neben der Patientin auf der Liege sitzend
Handposition: Die kraniale Hand flach auf den Bauch der Patientin mit dem Handballen so nah wie möglich an der Symphysenoberkante und mit entspannt in Richtung Nabel ausgestreckten Fingern legen.
Ausführung:
  • Eine Bewegung induzieren und den dann auftretenden Bewegungen behutsam folgen, ohne das Gewebe zu reizen.

  • Eventuell die Schaukelbewegung durch leichte Induktion ausgleichen oder bei zu viel „Unruhe“ einen Stillpoint integrieren, d. h. einige Zeit keine weitere Bewegung zulassen.

Anmerkung: Die Korrektur ist erfolgreich, wenn das Organ wieder eine rhythmische und ausgeglichene Schaukelbewegung aufnimmt. Beim Uterus handelt es sich dabei um eine Schaukelbewegung nach dorsokranial und ventrokaudal.

Hinweis

Untersuchung und Induktionsbehandlung der OvarmotilitätOvarienMotilität, Untersuchung/Induktionsbehandlung sind identisch. Allerdings wird der Thenar oder Hypothenar in diesem Fall sanft auf das entsprechende Ovar gelegt, das dann nach erfolgreicher Behandlung wieder seine typische links- und rechtsdrehende Bewegung aufnimmt.

Gynäkologische Untersuchung und Behandlung des Uterus mit vaginalen oder rektalen Techniken
Manche Untersuchungen undUterusUntersuchung/Behandlung, gynäkologische Behandlungen lassen sich besser von vaginal oder rektal ausführen. Einige Möglichkeiten sollen hier der Vollständigkeit halber kurz beschrieben werden.

Achtung

Eine osteopathische Untersuchung und Behandlung kann keinesfalls die ärztliche Diagnostik und Therapie ersetzen. Kontraindikationen müssen vorher gynäkologisch bzw. urologisch ausgeschlossen werden.

Vorbemerkungen zu den rektalen bzw. vaginalen Techniken

Merke

Diese Techniken dürfen nur vom Arzt bzw. Heilpraktiker angewandt werden.

  • Die Patientin sollteTechnikenrektale/vaginale vor der Untersuchung immer die Harnblase entleeren.

  • Rektale bzw. vaginale Untersuchungen werden immer mit Fettcreme und Fingerhandschuh durchgeführt. Die Tube mit der Fettcreme darf nicht mit bloßen Händen berührt werden. Am besten lässt man das Gleitmittel auf einen behandschuhten Finger tropfen.

  • Diese Techniken müssen grundsätzlich so sanft und behutsam durchgeführt werden, dass sie weder Schmerzen noch Verletzungen hervorrufen. Palpationsschmerzen sind eher eine Kontraindikation für die osteopathische Behandlung.

  • Es ist äußerst wichtig, die Patientin in einem Vorgespräch über den Sinn dieser Techniken aufzuklären, denn sie bedeuten einen Eingriff in die Intimsphäre und können für manche Patientin emotional belastend sein. Es ist Aufgabe des Therapeuten, der Patientin einfühlsam und mit dem nötigen Respekt zu begegnen. Die Patientin sollte in angemessener Weise bedeckt werden, z. B. mit einem Tuch über Schenkel und Knie. Wenn diese Techniken mit dem Einverständnis der Patientin angewandt werden, können sie sehr wirkungsvoll sein.

  • Da die Spannung des Beckenbindegewebes einige Tage nach der Menstruation am geringsten ist, eignet sich dieser Zeitpunkt am besten für die intravaginale bzw. intrarektale Behandlung. Deshalb sollten die Termine mit der Patientin darauf abgestimmt werden.

Untersuchung und Behandlung des Lig. sacrouterinum von rektal
Anmerkung: dargestellt am BeispielLigamentum(-a)sacrouterinumrektale Untersuchung/Behandlung einer Retroversio uteri
Patientin: in Rücken- oder Seitenlage, die Beine gebeugt
Therapeut: am Fußende stehend
Handposition:
  • Einen Finger der kaudalen Hand sanft und behutsam in das Rektum einführen.

  • Mit den Fingern der kranialen Hand Unterstützung über die Bauchdecke geben.

Ausführung (Abb. 6.81):
  • Mit dem eingeführten Finger der kaudalen Hand die Rückseite der Cervix uteri betasten.

  • Mit den Fingerkuppen der kranialen Hand den Bauchinhalt oberhalb der Symphysis pubica zur Seite schieben und sehr behutsam den Fundus uteri berühren.

  • Mit dem eingeführten Finger die Cervix uteri behutsam vom Sakrum weg mobilisieren und beidseits auf die Reaktion des Lig. uterosacrale achten.

  • Die Strukturen eventuell sehr behutsam dehnen und mobilisieren, und zwar

    • mit einer direkten Technik oder

    • mit einer indirekten Technik durch Aufsuchen der Stelle mit der geringsten Spannung bzw.

    • durch Unwinding bei abnehmender Spannung.

Es ist zusätzlich notwendig, die Beweglichkeit des Sakrums zu testen und bei Bedarf zu behandeln.
Untersuchung und Behandlung des Lig. teres uteri von vaginal
Anmerkung: dargestellt am BeispielLigamentum(-a)teres uterivaginale Untersuchung/Behandlung einer Anteversio uteri
Patientin: in Rücken- oder Seitenlage, die Beine gebeugt
Therapeut: am Fußende stehend
Handposition:
  • Einen oder zwei Finger der kaudalen Hand behutsam in die Vagina einführen.

  • Mit den Fingern der kranialen Hand über die Bauchdecke Unterstützung geben.

Ausführung (Abb. 6.82):
  • Mit dem/den eingeführten Finger(n) der kaudalen Hand die Cervix uteri am Hinterrand des Scheidengewölbes betasten.

  • Mit den Fingerkuppen der kranialen Hand den Bauchinhalt oberhalb der Symphysis pubica zur Seite schieben und sehr behutsam den Fundus uteri berühren.

  • Mit dem/den eingeführten Finger(n) die Cervix uteri behutsam nach ventral schieben und mit der kranialen Hand gleichzeitig den Fundus uteri vorsichtig nach dorsal drücken, um den Uterus in Retroversion zu bringen und beidseits das Lig. teres uteri testen bzw. behandeln zu können.

  • Die Strukturen eventuell sehr behutsam dehnen und mobilisieren, und zwar

    • mit einer direkten Technik oder

    • mit einer indirekten Technik durch Aufsuchen der Stelle mit der geringsten Spannung bzw.

    • durch Unwinding bei abnehmender Spannung.

Es ist zusätzlich notwendig, die Beweglichkeit der Ilia und des Sakrums zu testen und bei Bedarf zu behandeln.
Untersuchung und Behandlung des Lig. latum uteri von vaginal
Patientin: in Rückenlage, dieLigamentum(-a)latum uterivaginale Untersuchung/Behandlung Beine gebeugt
Therapeut: am Fußende neben der Patientin stehend
Handposition:
  • Einen oder zwei Finger der kaudalen Hand behutsam in die Vagina einführen.

  • Mit den Fingern der kranialen Hand über die Bauchdecke Unterstützung geben.

Ausführung (Abb. 6.83):
  • Mit dem/den intravaginal eingeführten Finger(n) die Cervix uteri am lateralen (z. B. linken) Rand des Scheidengewölbes betasten.

  • Mit den Fingerkuppen der kranialen Hand den Bauchinhalt oberhalb der Symphysis pubica zur Seite schieben und den Fundus uteri sehr behutsam am heterolateralen (rechten) Rand berühren.

  • Mit dem/den intravaginal eingeführten Finger(n) die Cervix uteri sehr behutsam nach rechts schieben und mit der kranialen Hand gleichzeitig den Fundus uteri nach links drücken, um den Uterus in eine Seitneigung nach links zu bringen und das rechte Lig. latum uteri testen und behandeln zu können.

  • Die Strukturen eventuell sehr behutsam dehnen und mobilisieren, und zwar

    • mit einer direkten Technik oder

    • mit einer indirekten Technik durch Aufsuchen der Stelle mit der geringsten Spannung bzw.

    • durch Unwinding bei abnehmender Spannung.

  • Anschließend die andere Seite testen.

Es ist zusätzlich notwendig, die Beweglichkeit der Ilia und des Sakrums zu testen und bei Bedarf zu behandeln.
Untersuchung und Behandlung des Uterusaufhängeapparats von vaginal
Patientin: in Rücken- oder SeitenlageUterusAufhängeapparatvaginale Untersuchung/Behandlung, die Beine gebeugt
Therapeut: am Fußende stehend
Handposition:
  • Einen oder am besten zwei Finger der kaudalen Hand sehr behutsam in die Vagina einführen und das Scheidengewölbe aufsuchen. Dazu ist eine Eindringtiefe von mindestens 6–8 cm erforderlich.

  • Einen Finger ventral und den anderen Finger dorsal an die Cervix uteri legen.

  • Mit der kranialen Hand über die Bauchdecke Unterstützung geben.

Ausführung (Abb. 6.84):
  • Mit den Fingerkuppen der kranialen Hand den Bauchinhalt oberhalb der Symphysis pubica zur Seite schieben und sehr behutsam den Fundus uteri berühren.

  • Gleichzeitig mit den intravaginal eingeführten Fingern behutsam die Cervix uteri fassen und den Uterus nach kranial schieben.

  • Durch parallele Feinabstimmung beider Hände und sanften Druck auf die Aufhängestrukturen den Uterus nach kraniokaudal, dorsoventral und laterolateral verschieben.

  • Anschließend mit der kaudalen Hand die Cervix uteri vorsichtig fixieren und das Corpus uteri mit der kranialen Hand in verschiedene Richtungen bewegen.

  • Eventuell die Cervix uteri auch entgegengesetzt zum Corpus uteri bewegen.

Bewertung:
  • Normalbefund: Der Uterus, d. h. Corpus und Cervix uteri, lässt sich normalerweise schmerzlos bewegen.

  • Schmerzen können auf eine Erkrankung des Organs hindeuten und sollten zuerst vom Arzt abgeklärt werden.

  • Sind organische Ursachen dagegen ausgeschlossen, handelt es sich um funktionelle Spannungen in diesem Bereich, die mit den hier beschriebenen Techniken sehr gut behandelt werden können.

  • Wenn der Muttermund bereits kaudal in der Vagina zu tasten ist, legt das eine Gebärmuttersenkung nahe, die eine Indikation für eine osteopathische Behandlung darstellt.

Es ist zusätzlich notwendig, auch die Beweglichkeit der Ilia, des Sakrums und des Beckenbodens zu testen und bei Bedarf zu behandeln.
Untersuchung und Behandlung der Ovar-Aufhängung, der Mesosalpinx und der lateralen Excavatio rectouterina von vaginal
Patientin: in Rückenlage, dieOvarienAufhängebänder, Behandlungvon vaginalMesosalpinxUntersuchung/Behandlungvon vaginalExcavatiorectouterinavaginale Untersuchung/Behandlung Beine gebeugt
Therapeut: am Fußende stehend
Handposition:
  • Einen Finger der kaudalen Hand in die Vagina einführen.

  • Die kraniale Hand zur Unterstützung flach auf die Bauchdecke legen.

Ausführung (Abb. 6.85):
  • Mit dem intravaginal eingeführten Finger das Scheidengewölbe (Fornix vaginae) auf der zu untersuchenden Seite aufsuchen.

  • Behutsam am medialen Rand des M. levator ani und am M. obturatorius internus entlang kranialwärts zum Ovar und zur Excavatio rectouterina vortasten.

  • Mit der kranialen Hand den Unterbauch sehr behutsam in Richtung der kaudalen Hand schieben.

  • Durch parallele Feinabstimmung beider Hände und sanften Druck versuchen, die lateralen Gleitflächen in der Excavatio rectouterina sowie die faszialen Aufhängungen von Ovar (Lig. suspensorium ovarii an der Fascia iliaca) und Eileiter nach kraniokaudal, dorsoventral und laterolateral zu verschieben.

  • Die Strukturen eventuell sehr behutsam dehnen und mobilisieren, und zwar

    • mit einer direkten Technik oder

    • mit einer indirekten Technik durch Aufsuchen der Stelle mit der geringsten Spannung bzw.

    • durch Unwinding bei abnehmender Spannung.

Anmerkung: Es sind oft Verklebungen in der Excavatio rectouterina oder Spannungen dieser faszialen Aufhängungsstrukturen vorhanden.
Zusätzlich sollte auch die Beweglichkeit von Zäkum und Colon sigmoideum, die Outflare-Beweglichkeit der Ilia, die Beweglichkeit des Sakrums nach posterior und die Mobilität des M. iliopsoas (bilateral) untersucht und bei Bedarf behandelt werden.
Behandlung der schwangeren Patientin

Achtung

Kontraindikationen

Kontraindikationen solltenOsteopathieKontraindikationen, SchwangerschaftSchwangere Patientin, Behandlung/Kontraindikationen immer vorher vom behandelnden Arzt ausgeschlossen werden! Es darf niemals ohne vorherige ärztlich-gynäkologische Untersuchung behandelt werden.
  • So darf z. B., wenn die Gefahr eines Aborts oder einer Plazentalösung besteht, osteopathisch nicht im Bereich der Gebärmutter behandelt werden.

  • Bei einer Risikoschwangerschaft darf nicht im abdominalen Bereich und nicht im Bereich des Beckens behandelt werden.

  • Thrusts und HVLA-Techniken am Becken sind bei der schwangeren Patientin absolut kontraindiziert.

  • Während der zweiten Schwangerschaftshälfte dürfen sakrale Techniken nur äußerst vorsichtig angewendet werden.

  • Die in diesem Kapitel beschriebene osteopathische Behandlung darf nur nach dem 4. Schwangerschaftsmonat ausgeführt werden.

Es muss unbedingt darauf geachtet werden, dass sowohl die Untersuchung als auch die Behandlung schmerzfrei abläuft. Die hier beschriebenen „viszeralen“ Techniken werden nicht mit der Intensität der parietalen Behandlung durchgeführt. Jede Art von Schmerzen soll vom Arzt zunächst abgeklärt werden, bevor im Bauchbereich weiter behandelt werden darf. Es wird als selbstverständlich vorausgesetzt, dass bei dieser Behandlung viel osteopathische Erfahrung notwendig ist.
Behandlungsansätze
Die Ligg. sacrouterinaOsteopathieBehandlungsansätze, Schwangerschaft üben gemeinsam mit dem Gewicht des Uterus und des Fetus eine erhebliche Zugspannung (Tensile Stress) Tensile StressSakrum, Schwangerschaftauf das Sakrum der Mutter aus. Daher muss auf Instabilität, insbesondere im Bereich L5–S1, bei der Schwangeren geachtet werden.

Achtung

Bei Instabilität ist höchste Vorsicht bei den Mobilisationen geboten!

Es ist wichtig, die Myofaszialketten der Schwangeren schon während der Schwangerschaft zu optimieren und nicht bis nach der Entbindung zu warten. Die Übungen, die in Kap. 7 besprochen werden, können gut auch bei Schwangeren in der ersten Schwangerschaftshälfte und in reduzierter Form auch noch in der zweiten Schwangerschaftshälfte durchgeführt werden. Lediglich auf die Atmung und Beweglichkeit des Zwerchfells sollte besonders geachtet werden, damit nicht gepresst wird. Es ist außerdem wichtig, Pausen einzulegen und Überlastung zu vermeiden.
Außerdem sollte das Zwerchfell gedehnt und neu „erzogen“ werden, weil es durch das Wachstum des Fetus oft hyperton und in Hochstand eingestellt wird. Die Mobilisationen der Ilia und des Sakrums sind bei der Schwangeren extrem wichtig und können, wie in Kap. 5 besprochen, ausgeführt werden.

Achtung

Thrusts und HVLA-Mobilisationen sind absolut kontraindiziert! Es werden nur sanfte und langsame Mobilisationen durchgeführt.

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Gleitflächen zwischen dem Uterus und das umliegende Gewebe behandelt werden sollten, damit dem Fetus passiv mehr Bewegungsfreiheit gegeben und der Uterus der Mutter entspannt wird. Durch eingeengte intrauterine räumliche Verhältnisse können Stresssituationen für die knorpeligen und artikulären Anlagen des Fetus entstehen. Skoliosen, Hüftdysplasien, Schädeldeformitäten usw. sind damit prädestiniert. Deswegen kann es präventiv durchaus sehr sinnvoll sein, das umgebende Gewebe der Gebärmutter von Spannungen zu befreien.
Vor allem bei einer Beckenendlage ist es sinnvoll, sehr behutsam Spannungen der peritonealen Gleitflächen und der Weichteile der Mutter rund um den Bereich des Beckens und der unteren Extremitäten des Kindes zu lösen und die Gleitfähigkeit zu verbessern. Damit wird die Belastung dieses Bereichs des Kindes gemindert und eine möglichst sinnvolle Arbeit zur Prävention einer Hüftdysplasie geleistet.

Hinweis

Der Einsatz dieser Techniken kann auch ratsam sein, falls der Fetus sich nicht in die übliche Schädellage dreht. Der Autor nimmt an, dass eine zu hohe Spannung im Muskelgewebe des Uterus bzw. im umgebenden Gewebe das „Verharren“ des Fetus in seiner Haltung auslösen kann.

Die Gefahr einer Uterusruptur durchUterusRuptur vorhandene Narben eines früheren Kaiserschnitts ist insbesondere bei fortgeschrittener Gravidität groß. Die Wand der Gebärmutter kann so dünn werden, dass ein Abort drohen kann! Deswegen wäre es vernünftiger, Frauen mit vorausgegangener Sectio vor einer weiteren Schwangerschaft zu behandeln. Durch behutsame Mobilisationen des umgebenden Gewebes und später durch zarte Mobilisationen der Gebärmutterwand selbst sollte man versuchen, diese Narben vorsichtig zu lösen. Die Behandlung soll eher sanft und öfters wiederholt werden, damit die muskuläre Wand des Uterus angeregt wird, sich zu stärken.

Exkurs: Hüftluxation und Hüftdysplasie des Kindes

Bei der angeborenen Hüftluxation handeltHüftluxation, angeborene es sich wahrscheinlich um ein multifaktorielles Krankheitsbild, bei dem sowohl mechanische, genetische als auch funktionelle Faktoren des mütterlichen und fetalen Organismus eine Rolle spielen können. So können mitunter auch postnatale exogene Einflüsse zusammenwirken und zur Instabilität des Coxofemoralgelenks (CFG) und letztendlich zur Dysplasie der Hüfte führen.
Bei der Hüftgelenkdysplasie stehtHüftgelenkdysplasie die Minderentwicklung der Hüftpfanne im Vordergrund (Pfannendysplasie). Begleitend kann eine Fehlentwicklung des koxalen Femurendes vorliegen, z. B. Coxa valga et antetorta.
Mechanische Faktoren sind z. B. Raumnot des Fetus im Uterus (Abb. 6.86). Der Bewegungsspielraum des Fetus ist durch die feste, noch nicht gedehnte Bauch- und Gebärmuttermuskulatur und myofaszialen Strukturen der Mutter eingeschränkt. Dadurch steckt der Fetus so fest im mütterlichen Becken, dass er seine Lage nicht verändern und auch nicht strampeln kann. Die physiologische Hüft- und Kniebeugung unterbleibt deswegen. Köhler und Zimmer [87] geben an, dass weltweit akzeptiert wird, dass neben der durch mütterliche Hormone ausgelöste Überdehnbarkeit des Hüft-Kapsel-Apparats des Fetus auch Extremstellungen der Kindshüfte in utero eine wichtige Rolle bei der Entstehung der kongenitalen Hüftluxation spielen können. Es regt zum Nachdenken an, dass etwa 60 % aller betroffenen Kinder Erstgeburten sind [15].
Auch Beckenendlagen spielen bei der Entstehung einer Luxationshüfte eine wesentliche Rolle. Bei 30–50 % der betroffenen Kinder war eine Beckenendlage vorhanden [15]. Weil sich bei der Beckenendlage der Fetus meist in einer linken Seitenlage (d. h. Rücken des Fetus auf der rechten Seite der Mutter) befindet, wird der linke Oberschenkel und die linke Hüfte des Fetus verstärkt gegen das mütterlichen Sakrum gedrückt. Die linke Hüfte des Fetus wird dadurch mehr flektiert und adduziert, was wiederum dazu führen kann, dass die linke Hüfte häufiger als die rechte von einer Luxation betroffen sein kann.
Auch bei anderen durch intrauterine Zwangshaltungen zustande kommenden Krankheitsbildern, wie z. B. dem angeborenen muskulären Schiefhals, treten Hüftluxationen gehäuft auf.
Hormonelle Faktoren können ebenfalls eine Instabilität forcieren. Mütterliche Östrogene und andere Hormone (Relaxin), die unmittelbar vor der Geburt eine Relaxation der Beckenbänder bewirken, spielen bei der Instabilität bzw. Luxation des CFG ebenso eine Rolle, da ihre pharmakologische Wirkung nicht nur auf das mütterliche Becken beschränkt bleibt, sondern auch zu einer vorübergehenden Instabilität des CFG und dessen Kapsel beim Neugeborenen führt.
Exogene Faktoren haben früher eine Rolle gespielt: Die Praxis, das Neugeborene unmittelbar nach der Geburt an den Füßen zu halten und damit eine „gewaltsame“ Streckung der Hüften zu erzwingen, kann auch zur Luxation führen und wird deswegen nicht mehr praktiziert!
Neuromuskuläre Erkrankungen, Myelomeningozelen, Zerebralparese usw. sind ätiologische Faktoren, die zu einer Instabilität des CFG führen können [16].
Untersuchung der Position des Fetus in der zweiten Schwangerschaftshälfte

Achtung

Es sollte vorher vom Arzt bestätigt werden, dass kein Risiko eines Schwangerschaftsabbruchs besteht!

Diese BehandlungFetus, Untersuchung der Position, 2. Schwangerschaftshälfte sollte äußerst sanft und komplett schmerzfrei ausgeführt werden, damit kein Risiko einer plötzlichen Plazentalösung entsteht. Das Ziel der Behandlung besteht aus einem Abbau der Spannungen rund um die Gebärmutter und nicht aus einem passiven Verdrehen oder Verändern der Position des Fetus.
Ausgangsposition: Patientin in Rückenlage, die Beine angewinkelt und durch ein Kissen abgestützt. Eventuell kann auch die Seitenlage eingenommen werden.
Therapeut: neben der Patientin stehend
Phase 1: Abtasten des Fundus uteri
Um die 24. SchwangerschaftswocheFundusuteriAbtasten, SchwangerschaftSchwangerschaftFundus uteri, Abtasten befindet sich der Fundus uteri in Nabelhöhe, in der 32. Schwangerschaftswoche ungefähr in der Mitte zwischen Nabel und Proc. xiphoideus und ab der 36. Schwangerschaftswoche in Höhe des Rippenbogens. Bei der Erstgebärenden entstehen zu Beginn der 37. Schwangerschaftswoche oft Senkwehen, wobei der Kopf des Kindes tief in das Becken hineingesenkt wird. Bei Mehrgebärenden fehlen diese Senkwehen oft, weil der Kopf des Kindes erst viel später, häufig erst bei den Presswehen, ins Becken eintritt.
Ausführung:
  • Mit der kaudalen Hand palpiert der Therapeut behutsam von außen den Beckeneingangsbereich.

  • Mit der kranialen Hand übt er einen sehr vorsichtigen Gegendruck kaudalwärts im Bereich des Rippenbogens aus.

Meist (zu 95 %) befindet sich der Kopf des Fetus nach dem 7. Monat im Beckeneingangsbereich. Trotzdem wird zuerst der Fundusstand der Gebärmutter ertastet und gespürt, welcher Teil des Kindes sich im Fundus uteri befindet. Der Kopf ist als eine gleichmäßig runde Konsistenz tastbar (Abb. 6.87). Der Steiß des Kindes ist eher uneben, unregelmäßig und abwechselnd härter und weicher. Manchmal gibt die Mutter an, dass sie Beinbewegungen des Kindes in diesem Bereich spürt. Gelegentlich sind im Bereich des Steißes kleinere Körperteile (untere Extremitäten) spürbar. Wenn man das Becken des Kindes (als Test) verschiebt, bewegt sich – im Gegensatz zur Kopfbewegung des Kindes – der gesamte Körper mit.
Wenn man die Kopfposition orten kann und eine Schädellage vorhanden ist, sollte man probieren, ob der Kopf des Kindes leicht verschiebbar oder eher fixiert ist. Eine fixierte Position des Kopfes bedeutet, dass es sich schon im Becken der Mutter abgesenkt hat. Eine verschiebbare Position des Kopfes deutet darauf, dass es sich noch immer außerhalb des Beckeneingangs der Mutter befindet.
Durch sehr behutsame und sanfte, langsam sich wiederholende Mobilisationen mit der kranialen Hand kann man die Weichteile und Spannungen, die den Fundus uteri umgeben, detonisieren und die Gleitflächen durchsaften oder sozusagen „einölen“.
Phase 2: Abtasten der seitlichen Flächen der Gebärmutter
Ausführung: Der TherapeutSchwangerschaftGebärmutter, Abtasten der seitlichen Flächen legt beide Hände bilateral von außen neben den Uterus:
  • Eine Hand sichert die Position der Gebärmutter.

  • Die andere Hand tastet zart und behutsam die Konturen ab.

Der Rücken des Fetus präsentiert sich dabei als eine etwas uniforme, aber trotzdem „geriffelte“, konvexe Struktur. Die abdominale Seite des Fetus ist weniger uniform und die Extremitäten präsentieren sich wie kleine Teile, teils spitz, teils stumpf mit kleinen Vorwölbungen. Sobald man das Gefühl hat, dass sich etwas unter seiner Hand bewegt oder verschieben lässt, hat man die Gewissheit, die abdominale Seite des Kindes zu fühlen (Abb. 6.88).
Durch sehr behutsame und sanfte, langsam sich wiederholende Mobilisationen mit der kranialen Hand kann man die Weichteile und Spannungen, die die seitlichen Flächen der Gebärmutter umgeben, detonisieren und die Gleitflächen durchsaften oder sie sozusagen „einölen“.
Mobilisation der peritonealen Gleitflächen zwischen Uterus und angrenzenden Organen

Achtung

Es sollte vorher vom Arzt bestätigt werden, dass kein Risiko eines Schwangerschaftsabbruches besteht!

Diese BehandlungPeritoneale GleitflächenMobilisation, SchwangerschaftUterusGleitflächen, peritoneale, Mobilisation, SchwangerschaftSchwangerschaftperitoneale Gleitflächen, Mobilisation muss äußerst sanft und komplett schmerzfrei ausgeführt werden, damit kein Risiko einer plötzlichen Plazentalösung entsteht. Das Ziel der Behandlung besteht aus einem Abbau der Spannungen rund um die Gebärmutter und nicht aus einem passiven Verdrehen oder Verändern der Position des Fetus.
Es lassen sich für das Wachstum des Fetus funktionell wichtige peritoneale Gleitflächen zwischen dem Uterus und den abdominalen Organen der Mutter nachweisen, die zunehmend belastet werden.
Ausgangsposition: Patientin befindet sich in Rückenlage, die Beine sind angewinkelt und durch ein Kissen abgestützt.
Therapeut: neben der Patientin stehend
Ausführung: Der Therapeut palpiert behutsam mit beiden Händen die verschiedenen Gleitflächen ab, indem er
  • mit der einen Hand einen sehr dezenten Gegendruck auf den Uterus ausübt und

  • mit der anderen Hand das umliegende Gewebe behutsam verschiebt.

Durch behutsame, sich wiederholende Gleitbewegungen können die Gleitflächen verbessert und Spannungen abgebaut werden (Abb. 6.89).
Es ist wichtig, folgende Gleitflächen auf ihre Gleitfähigkeit zu inspizieren: jeweils zwischen
  • Uterus und Rektum

  • Uterus und Harnblase

  • Uterus und Dünndarm

  • Uterus und Colon ascendens bzw. Colon descendens

  • Uterus und Colon transversum

  • Uterus und Magen

  • Uterus und Leber

  • Uterus und dem Retroperitonealraum mit den retroperitonealen Organen

Es kann auch sehr interessant sein, die Bauchmuskeln und insbesondere den M. rectus abdominus abzutasten. Nicht selten kann man Triggerpunkte (druckempfindliche punktuelle Verhärtungen) in der Bauchmuskulatur finden. Durch eine langsame, sanfte zirkuläre Massage kann man den Triggerpunkt „einweichen“.
Durch Spannungen bzw. Verklebungen in diesen Gleitflächen kann es zu Verstopfungen, Pollakisurie, Sodbrennen, Kurzatmigkeit, funktionellen Herzbeschwerden, Stauungen und Ödeme in den Beinen usw. kommen.
Detonisierung des Lig. teres uteri
Ausgangsposition: PatientinLigamentum(-a)teres uteriDetonisierung in Rückenlage, die Beine angewinkelt und durch ein Kissen abgestützt. Eventuell kann auch die Seitenlage eingenommen werden.
Therapeut: neben der Patientin stehend
Ausführung (Abb. 6.90):
Indirekte Technik:
  • Mit der kaudalen Hand tastet der Therapeut im Leistenbereich die A. femoralis und stellt die Finger kraniomedial von der A. femoralis auf, damit er das (am Ende des dritten Trimenons fingerdicke) Lig. teres uteri behutsam nach kraniomedial führen kann.

  • Die kraniale Hand tastet den Fundus uteri auf der homolateralen Seite nach Spannungen ab. Etwas kaudal vom homolateralen Fundusbereich schiebt der Therapeut das Lig. teres uteri sehr behutsam nach kaudolateral und hält es so, bis er eine Spannungsabnahme im Lig. teres uteri wahrnimmt.

Direkte Technik:
  • Mit der kaudalen Hand tastet der Therapeut im Leistenbereich die A. femoralis und stellt die Finger kraniomedial von der A. femoralis auf, damit er das Lig. teres uteri dort behutsam nach kaudolateral fixieren kann.

  • Die kraniale Hand tastet den Fundus uteri auf der homolateralen Seite nach Spannungen ab. Etwas kaudal vom homolateralen Fundusbereich „hakt“ sich der Therapeut in das Lig. teres uteri ein und führt es sehr behutsam nach kraniomedial, wobei er die Spannung im Lig. teres uteri aufnimmt und es insbesondere achtsam dehnt.

Behandlung des Triggerpunkts des M. rectus abdominis
Ausgangsposition: Patientin in RückenlageMusculus(-i)rectus abdominisTriggerpunktbehandlung, die Beine angewinkelt und durch ein Kissen abgestützt. Eventuell kann auch die Seitenlage eingenommen werden.
Therapeut: neben der Patientin stehend
Ausführung:
  • Mit der kaudalen Hand tastet der Therapeut im Leistenbereich die A. femoralis und visualisiert das Lig. teres uteri auf dieser Seite (z. B. rechts). Gleichzeitig visualisiert er eine Linie vom homolateralen (rechten) SIAS zum Umbilicus. In Höhe des Schnittpunkts zwischen der Visualisierungslinie des (rechten) Lig. teres uteri und der Verbindungslinie SIAS-Umbilicus findet man manchmal einen empfindlichen Triggerpunkt im M. rectus abdominis, der in dieser Höhe über das Lig. teres uteri zieht.

  • Der Therapeut dringt nun in Höhe des Triggerpunkts sehr behutsam und langsam senkrecht in die Tiefe ein, bis er den Triggerpunkt deutlich tasten kann. Er behält den Druck auf dem Triggerpunkt bei, bis die Spannung nachlässt. Dies kann gelegentlich einige Minuten dauern.

  • Manchmal kann es auch sinnvoll sein, eine äußerst kleine zirkuläre Massage auf dem Triggerpunkt durchzuführen oder auch kraniale Techniken einzusetzen. Eventuell stabilisiert er die Lage des Uterus durch einen leichten Gegendruck mit der anderen Hand auf der heterolateralen (linken) Seite des Uterus.

Behandlung des Beckeneingangs und Beckenausgangs
Es ist wichtig, vor allemSchwangerschaftBeckeneingang/-ausgang, Behandlung die Inflare und Outflare-Beweglichkeit der Ilia sowie die Anterior- und Posterior-Beweglichkeit des Sakrums zu untersuchen, weil sie die Durchmesser des mütterlichen Beckens (Kap. 2.7.1) erheblich beeinträchtigen und damit auch den Geburtsvorgang erschweren können.
Die Untersuchungen dazu sind in Kap. 4.6, die Behandlungen in Kap. 5 beschrieben. Diese Behandlungen sollten äußerst sanft und behutsam durchgeführt werden. Auch die Untersuchung und Behandlung des Beckenbodens (Kap. 6.1.3.4) sind wesentliche Bestandteile der Untersuchung bzw. Behandlung der schwangeren Patientin.

Beweglichkeit des Rektum-Bindegewebes

Merke

Vor einer UntersuchungRektumBeweglichkeit und Behandlung der Rektumbeweglichkeit sind Fragen zum Stuhlgang zu stellen und die Angaben ggf. zu überprüfen. Jede Rot-, Schwarz- oder Entfärbung des Stuhls sollte vom Arzt abgeklärt werden.

Die meisten Veränderungen des Stuhlgangs (z. B. Durchfall und Verstopfung) haben ihren Ursprung oberhalb des Rektums. Die Ursache sollte immer vom Arzt abgeklärt werden.

Bei Hämorrhoiden, vor allemHämorrhoiden im unteren Enddarm, ist es sinnvoll, die Druck- und Spannungsverhältnisse im Becken zu untersuchen und zu behandeln (Kap. 2.4). Wichtig ist, dass im Rektalbereich das venöse Blut von den Vv. rectales inferiores zur V. pudenda interna geführt wird, die dann durch die Beckenfaszien und das Foramen infrapiriforme zur V. iliaca interna zieht. Die Vv. rectales mediae laufen direkt zur V. iliaca interna und können bei Beckenproblemen in Mitleidenschaft gezogen sein. Die Vv. rectales superiores münden in die V. mesenterica inferior, die ihrerseits zur V. portae strömt und damit bei Abdominal- oder Leberbeschwerden in Mitleidenschaft gezogen werden. Daher kann sich jegliche Spannungsänderung der Faszien (Becken-, Bauch- als auch Leberregion) oder ein Engpass im Bereich der Foramina auf das Gefäßsystem im Rektalbereich auswirken.
Die Beweglichkeit des Rektums hängt zusammen mit der Beweglichkeit
  • der darüberliegenden Organe und des Dickdarms,

  • der Harnblase (beim Mann),

  • der Gebärmutter (bei der Frau),

  • des Sakrums,

  • des Os coccygis

  • und des Beckenbodens.

Zur Orientierung der Strukturen im männlichen Becken Abb. 2.132 und im weiblichen Becken Abb. 2.133.

Merke

Die Motilität des Rektums ist schwierig zu fühlen.

Zum größten Teil sind die Techniken, mit denen sich die Beweglichkeit des Rektums untersuchen bzw. behandeln lässt, schon bei den anderen Organen beschrieben worden.

Dorsoventrale, laterolaterale und kraniokaudale Beweglichkeit des Rektums

Anmerkung: UntersuchungRektumBeweglichkeit und Behandlung orientieren sich an der Behandlung des Beckenbodens, die bei der Harnblase besprochen werden (Kap. 6.1.3.4).
Patient: in Seiten- oder Rückenlage, die Beine angewinkelt
Therapeut: neben dem Patienten stehend
Handposition: Daumen oder Fingerspitzen einer Hand nacheinander an unterschiedlichen Stellen rund um den Anus aufsetzen, zunächst ventral davon.
Ausführung:
  • Mit den Fingerspitzen erst ventral, dann dorsal und schließlich links und rechts vom Anus in das Gewebe eindringen.

  • Das Gewebe jeweils sternförmig in verschiedene Richtungen und nach kranial verschieben (Abb. 6.29).

Kraniale Beweglichkeit des Rektums

Anmerkung: Diese Technik wird bei Rektozele oder einem DarmprolapsDarmprolaps mit FixierungenRektozeleBehandlungRektumBeweglichkeit mit Fixierungen angewendet (Abb. 6.91).
Patient: in Rückenlage, Beine angewinkelt, Liege in Declive-Position
Therapeut: rechts neben dem Patienten stehend
Ausführung:
  • In der linken Fossa iliaca mit der Palpation beginnen.

  • Langsam und vorsichtig am Unterrand des Colon sigmoideum eindringen und ihm weiter nach median folgen.

  • Anschließend zwischen Colon sigmoideum und Fundus uteri so tief wie möglich nach dorsokaudal in Richtung des Rektums eindringen.

  • Parallel zur Ausatmung des Patienten das Rektum nach kranial anheben.

Merke

Wenn diese Technik gut ausgeführt wird, spürt der Patient manchmal ein Ziehen im After.

Allgemeine Entstauungstechnik für das kleine Becken

Bei dieserBeckenkleinesEntstauungstechnik, allgemeineEntstauungstechnik, allgemeine, kleines Becken Methode nach Stapfer und Brandt [122] wird die Pumpwirkung der Beckenbodenmuskeln, der Adduktoren und der Außenrotatoren der Hüfte dazu benutzt, die Blutversorgung im kleinen Becken zu verbessern und es zu entstauen. Da die Muskeln über das arteriovenöse System an die gleichen Stammgefäße (A. iliaca interna bzw. V. iliaca externa) wie die Beckenorgane angeschlossen sind, wirkt sich die verbesserte Zirkulation auch auf die Versorgung und Entstauung dieser Organe aus. Da ein Muskel, wenn er arbeitet, 6- bis 10-mal mehr Blut mobilisiert als in Ruhe, wäre es am besten, ihn zu einem rhythmischen An- und Entspannen in Zusammenarbeit mit dem Zwerchfell anzuregen.
Die vorgestellten Übungen eignen sich für alle Stauungs- und Versorgungsprobleme im Becken-, Bein- und Hüftbereich, bei Krampfadern, Hämorrhoiden, Hormonstörungen der Ovarien und des Uterus, kalten Füßen und geschwollenen Beinen. Der Patient sollte dazu angeregt werden, weiterhin regelmäßig Gymnastik zu betreiben.
Übung 1
Patient: in Rückenlage, Beine angewinkelt, Liege in Declive-Position
Therapeut: neben dem Patienten stehend oder sitzend
Vorbereitung: Den Patienten bitten, beide Knie gleichzeitig anzuheben und so zu halten.
Phase 1
Handposition: Der Therapeut legt beide Hände auf die Außenseite der beiden angehobenen Knie des Patienten (Abb. 6.92a).
Ausführung: Den Patienten auffordern, beim Ausatmen die Knie auseinanderzudrücken. Dabei durch leichten Druck nach innen Widerstand leisten, den Patienten aber „gewinnen“ lassen.
Phase 2
Handposition: Der Therapeut legt beide Hände auf die Innenseite der Knie, während der Patient einatmet. Die Unterarme sind dabei leicht überkreuzt (Abb. 6.92b).
Ausführung:
  • Den Patienten auffordern, beim Ausatmen die Knie zusammenzudrücken. Dabei durch leichten Druck nach außen Widerstand leisten, den Patienten aber „gewinnen“ lassen.

  • Diese Übung einige Male wiederholen und Phase 1 und 2 abwechseln.

  • Danach soll der Patient die Beine wieder langsam auf der Liege ablegen und sich entspannen.

Übung 2
Patient: in Rückenlage, beide Füße auf der Liege aufgestellt
Vorbereitung: Den Patienten bitten, das Becken hochzuheben (Brücke machen) und es dort zu halten.
Phase 1
Handposition: Beide Hände auf die Außenseite der beiden Knie legen (Abb. 6.93a).
Ausführung: Den Patienten auffordern, beim Ausatmen die Knie auseinanderzudrücken. Dabei durch leichten Druck nach innen Widerstand leisten, den Patienten aber „gewinnen“ lassen.
Phase 2
Handposition: Während der Patient einatmet, beide Hände auf die Innenseite der Knie legen, die Unterarme sind dabei leicht überkreuzt (Abb. 6.93b).
Ausführung:
  • Den Patienten auffordern, beim Ausatmen seine Knie zusammenzudrücken.

  • Wieder durch leichten Druck nach außen Widerstand leisten.

  • Diese Übung einige Male wiederholen.

  • Danach soll der Patient die Beine wieder langsam auf der Liege aufstellen und sich entspannen.

„Großes abdominales Manöver“

Anmerkung: Methode nachAbdominales Manöver, großesBeckenabdominales Manöver, großes Stapfer und Brandt [122]
Patient: in Rückenlage, Beine angewinkelt, Liege in Declive-Position
Therapeut: am Kopfende der Behandlungsliege stehend
Vorbereitung: Die Bauchhaut nach kaudal ausstreichen („Hautgewinn“).
Handposition: Mit den ulnaren Kanten beider Hände die inneren Organe paketartig umfassen.
Ausführung (Abb. 6.94):
  • Versuchen, das gesamte intestinale Organpaket bilateral aus den Fossae iliacae zu „löffeln“.

  • Wenn der Patient ausatmet, das Organpaket nach kranial schieben und es während der Einatmung dort halten.

  • Zur Unterstützung des venösen Rückflusses beim Anheben des Organpakets mit den Händen einen leicht vibrierenden Druck nach dorsomedian ausüben.

  • Diesen Vorgang 3- bis 4-mal wiederholen.

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