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B978-3-437-56011-8.00006-X

10.1016/B978-3-437-56011-8.00006-X

978-3-437-56011-8

Entwicklung des Kolons. a: Darmschlingen nach erfolgter Darmdrehung. Die Zäkumaussackung befindet sich im rechten Oberbauch. b: Von dort wächst sie abwärts in den rechten Unterbauch. Endgültige Lage der Darmschlingen.

Entwicklung des Anorektalkanals aus der Kloake. a: Der Enddarm mündet in die Kloake. Entoderm und Ektoderm liegen in der Kloakenmembran direkt aneinander. b: Das Septum urorectale wächst gegen die Kloakenmembran vor. c: In der 7. Woche ist dies abgeschlossen, an der Kontaktstelle entsteht das Perineum, der hintere Abschnitt wird zur Analmembran.

Form und Gliederung des Dickdarms (Ansicht von ventral, Omentum majus und Colon transversum nach kranial umgeschlagen)

Lage des Zäkums

Lage von Colon ascendens, Colon transversum und Colon descendens

Lage der Flexura coli sinistra

Lage des Colon sigmoideum. Die Pfeile zeigen auf die Gleitschicht zwischen Mesocolon sigmoideum und Mesocolon descendens.

Lage des Rektums. a: Beim Mann. b: Bei der Frau.

Lage des Dickdarms mit Mesocolon transversum und Mesocolon sigmoideum. Mesocolon ascendens und Mesocolon descendens verschmelzen in sekundär retroperitonealer Lage mit dem parietalen Bauchfell.

Verlauf der Radix des Mesocolon transversum

Fixation des Colon ascendens bzw. Colon descendens (nicht abgebildet) durch die Toldt-Faszie und Verlauf der Treitz-Faszie

Arterielle Versorgung des Dickdarms

Arterielle Versorgung des Rektums (Ansicht von dorsal)

Venöser Abfluss des Dickdarms

Venöser Abfluss des Rektums (Ansicht von dorsal)

Lymphknoten des Dickdarms

Lymphknoten des Rektums

Hinweiszeichen auf eine Dysfunktion

Palpation des Colon ascendens

Palpation des Colon descendens

Palpation des Colon sigmoideum

Motilität des Kolons im Exspir

Mobilität des Kolons nach Barral und Mercier (Frontalebene)

Test der posterioren Anheftung des Zäkums

Test der inferioren Anheftung des Zäkums

Test der Spannung des Colon ascendens

Test der Spannung der Flexura coli dextra

Test der Spannung der Flexura coli sinistra

Test der Spannung des Colon descendens

Test der Spannung des Mesocolon sigmoideum

Mobilisation der posterioren Anheftungsstellen des Zäkums

Mobilisation der inferioren Anheftungsstelle des Zäkums

Mobilisation des Colon ascendens

Mobilisation der Flexura coli dextra in frontaler Ebene

Mobilisation der Flexura coli dextra in sagittaler Ebene

Mobilisation der Flexura coli dextra in horizontaler Ebene

Mobilisation der Flexura coli sinistra in frontaler Ebene

Mobilisation der Flexura coli sinistra in sagittaler Ebene

Mobilisation der Flexura coli sinistra in horizontaler Ebene

Mobilisation des Colon descendens

Mobilisation des Colon sigmoideum

Normalisierung der ileozäkalen Invagination

Normalisierung der ileozäkalen Invagination (indirekte Ausführung)

Mobilisation des Zäkums

Mobilisation des Colon ascendens

Mobilisation des Colon descendens

Dehnung des Mesosigmoideums

Allgemeine Induktionstechnik für das Kolon

Lokale Induktionstechnik für das Kolon

Ausatmungsdysfunktion Zäkum, Colon ascendens

Ausatmungsdysfunktion Colon ascendens, Flexura coli dextra, rechtes Colon transversum

Ausatmungsdysfunktion linkes Colon transversum, Flexura coli sinistra, Colon descendens

Ausatmungsdysfunktion Colon descendens und Colon sigmoideum

Dickdarm

Therapeut auf den Fotos:

Michel Puylaert

  • 6.1

    Embryologie Herwig Hahn von Dorsche200

  • 6.2

    Anatomie Torsten Liem201

    • 6.2.1

      Funktion201

    • 6.2.2

      Aufbau201

    • 6.2.3

      Topografische Anatomie203

    • 6.2.4

      Gefäßversorgung, Lymphwege, Innervation212

  • 6.3

    Dysfunktionen Torsten Liem (6.3.1, 6.3.3, 6.3.4), Michel Puylaert (6.3.1, 6.3.2)218

    • 6.3.1

      Ursachen218

    • 6.3.2

      Kompensationsme-chanismen219

    • 6.3.3

      Folgen220

    • 6.3.4

      Differenzialdiagnosen220

  • 6.4

    Diagnostik der Dysfunktionen Torsten Liem (6.4.1, 6.4.2), Michel Puylaert (6.4.2–6.4.8)221

    • 6.4.1

      Symptome221

    • 6.4.2

      Inspektion221

    • 6.4.3

      Reflexzonen und Hinweiszeichen221

    • 6.4.4

      Perkussion223

    • 6.4.5

      Palpation224

    • 6.4.6

      Motilität227

    • 6.4.7

      Mobilität228

    • 6.4.8

      Tests229

  • 6.5

    Behandlung der Dysfunktionen Torsten Liem (6.5.15), Michel Puylaert (6.5.1–6.5.14)235

    • 6.5.1

      Mobilisation des Zäkums (nach Barral)235

    • 6.5.2

      Mobilisation des Colon ascendens (nach Barral)237

    • 6.5.3

      Dreidimensionale Mobilisation der Flexura coli dextra237

    • 6.5.4

      Dreidimensionale Mobilisation der Flexura coli sinistra239

    • 6.5.5

      Mobilisation des Colon descendens (nach Barral)241

    • 6.5.6

      Mobilisation des Colon sigmoideum (nach Brandt)242

    • 6.5.7

      Normalisierung der ileozäkalen Invagination (nach Weischenck)243

    • 6.5.8

      Mobilisation des Zäkums244

    • 6.5.9

      Mobilisation des Colon ascendens (nach Weischenck)245

    • 6.5.10

      Mobilisation des Colon descendens (nach Weischenck)246

    • 6.5.11

      Dehnung des Mesosigmoideums247

    • 6.5.12

      Allgemeine Induktionstechnik für das Kolon248

    • 6.5.13

      Lokale Induktionstechnik für das Kolon248

    • 6.5.14

      Fasziale Behandlung des Kolons (modifiziert nach Finet und Williame)249

    • 6.5.15

      BEFNT-Integration des Dickdarms254

Embryologie

Herwig Hahn von Dorsche
Embryologie:DickdarmDickdarmDickdarm:EmbryologieAus dem MitteldarmMitteldarm bildet sich durch rasches Längenwachstum die Nabelschleife, die ungefähr am 32. Tag der Entwicklung ausgebildet ist (5.1). Der kaudale Schenkel der NabelschleifeNabelschleife bildet den unteren Abschnitt des Ileums, das Zäkum mit Appendix, das Colon ascendens sowie das rechte und mittlere Drittel des Colon transversum.
Die Nabelschleife wächst sehr schnell in Länge und Umfang. Der Dünndarm bildet dabei eine Reihe von Schlingen, der Dickdarm nicht. Dieses rasche Längenwachstum bei gleichzeitiger Vergrößerung der Leber führt aus Platzmangel im Bauchraum zur teilweisen Verlagerung von Darmschlingen aus dem Bauchraum heraus und wird als physiologischer Nabelbruch:physiologischerNabelbruch bezeichnet. Am Ende des 3. Monats gelangen die Darmschlingen wieder in die Leibeshöhle zurück.
Während des physiologischen Nabelbruchs und Längenwachstums sowie bei der Rückkehr der Nabelschleife in die Leibeshöhle dreht sich diese um ca. 270° gegen den Uhrzeigersinn um ihre Längsachse, wobei die A. mesenterica superior als Achse fungiert: DarmdrehungDarmdrehung. Das Zäkum kehrt als letzter Abschnitt in die Bauchhöhle zurück und kommt im rechten oberen Quadranten unter dem rechten Leberlappen zu liegen (Abb. 6.1a). Von dort wächst es nach unten in die rechte Fossa iliaca und bildet dadurch die Flexura coli dextra (Flexura hepatica) und das Colon ascendens (Abb. 6.1b). Im Verlauf dieser Entwicklung entsteht am unteren Ende des Zäkums der Wurmfortsatz, die Appendix vermiformis. Deren Lagevariationen kommen durch den Deszensus des Zäkums zustande. Nach der Rückkehr der Darmschlingen in die Leibeshöhle verwachsen die Mesenterien mit der hinteren Leibeswand, sodass das Colon ascendens sekundär retroperitoneal liegt.
Das linke Drittel des Colon transversum, das Colon descendens, Colon sigmoideum, Rektum und der obere Abschnitt des Analkanals gehen aus dem EnddarmEnddarm hervor, dessen unteres Ende in die KloakeKloake mündet. Der untere Abschnitt des Analkanals mit dem After entsteht aus der Kloake (Abb. 6.2).
Zwischen Enddarm und AllantoisAllantois entsteht das Septum Septum urorectaleurorectale, das die Kloake in zwei Abschnitte unterteilt, einen vorderen, den primitiven Sinus Sinus urogenitalisurogenitalis, und einen hinteren, den AnorektalkanalAnorektalkanal. Das Septum wächst gegen die Kloakenmembran vor. An der Kontaktstelle entsteht das primitive Perineum, vorn mit der Urogenital- und hinten mit der Analmembran. Gegen Ende der 7. Woche zerreißt die Analmembran, der After ist offen.

Anatomie

Torsten Liem

Funktion

  • Eindicken der unverdauten Speisereste durch Funktion:DickdarmDickdarm:AnatomieAnatomie:DickdarmWasserentzug

  • Resorption von Wasser, Elektrolyten, Vitaminen

  • Schleimbeimischung, damit der Kot gleitfähig wird

  • Kotspeicherung bis zur Defäkation

Aufbau

Aufbau:DickdarmAn der Valva Valva ileocaecalisileocaecalis (Bauhin-Bauhin-KlappeKlappe) geht das Ileum in den Dickdarm über. Er ist ca. 1,2 m lang und wird unterteilt in Zäkum (Blinddarm s. ZäkumBlinddarm), Kolon (Grimmdarm s. KolonGrimmdarm) und Rektum (Mastdarm s. RektumMastdarm) (Abb. 6.3).
Der Dickdarm unterscheidet sich vom Dünndarm durch
  • TänienTänien: 3 Längsmuskelbänder zum Weitstellen der Darmwand; sie kommen vor als:

    • Taenia libera: freiliegend am gesamten Kolon,

    • Taenia omentalis: am Colon transversum, mit dem Omentum majus verwachsen und von diesem verdeckt,

    • Taenia mesocolica: am Colon transversum, mit dem Mesokolon verwachsen und von diesem verdeckt.

  • HaustrenHaustren und Plicae Plicae semilunaressemilunares: Ausbuchtungen zwischen den Tänien, die durch Einschnürungen voneinander getrennt sind, die wiederum durch Kontraktionen der Ringmuskulatur entstehen. Dabei werden Schleimhautfalten aufgeworfen, die ins Darmlumen hineinragen (= Plicae semilunares). Ausbuchtungen und Schnürringe ändern ihren Platz.

  • Appendices Appendices omentalesomentales: Serosaausbuchtungen mit Fettinhalt

Zäkum
  • ZäkumAnatomie:ZäkumBlinddarm, d. h. blind endender Abschnitt des Dickdarms unterhalb der Einmündung des Ileums

  • Am distalen Ende konvergieren die 3 Tänien und bilden die Längsmuskulatur der Appendix Appendix vermiformisvermiformis (Wurmfortsatz s. Appendix vermiformisWurmfortsatz), die eine MesoappendixMesoappendix besitzt (Fortsetzung des Dünndarmmesenteriums).

Kolon
  • KolonColon Colon ascendensascendens: steigt Anatomie:Kolonvom Zäkum auf der rechten Körperseite bis zur Flexura coli Flexura coli dextradextra bei der Leber auf

  • Colon Colon transversumtransversum: erstreckt sich von der Flexura coli dextra bis zur Flexura coli Flexura coli sinistrasinistra bei der Milz

  • Colon Colon descendensdescendens: steigt von der Flexura coli sinistra auf der linken Körperseite bis etwa auf Höhe der linken SIAS ab und geht dort ins

  • Colon Colon sigmoideumsigmoideum über, das S-förmig gebogen ist.

Rektum
  • RektumAmpulla Ampulla rectirecti: reicht Anatomie:Rektumvom Colon sigmoideum bis zur Flexura Flexura sacralissacralis, die einen etwa rechtwinkligen Knick nach vorn bildet (wie die Krümmung des Os sacrum nach vorn konkav); ca. 7–8 cm vom Anus entfernt; auf Höhe des Douglas-Raums (Excavatio rectouterina bei der Frau bzw. Excavatio rectovesicalis beim Mann) springen von rechts eine hohe Falte (Kohlrausch-Kohlrausch-FalteFalte) und von links 1–2 Falten ins Darmlumen vor, die alle als Plicae transversae Plicae transversae rectirecti bezeichnet werden und echte Schleimhautfalten sind, die an Ort und Stelle bleiben.

  • Von dort zieht ein nicht eigens bezeichneter Teil bis zur Flexura Flexura perinealisperinealis, die einen etwa rechtwinkligen Knick nach hinten bildet (nach vorn konvex).

  • Canalis Canalis analisanalis: reicht bis zum Anus; wird in der internationalen Nomenklatur als selbstständiger Darmabschnitt behandelt; am Verschluss des Analkanals beteiligen sich M. sphincter ani M. sphincter ani internusinternus, M. sphincter ani M. sphincter ani externusexternus und M. levator M. levator aniani mit dem M. M. puborectalispuborectalis als vorderem Teil (Abb. 6.8a, b).

Topografische Anatomie

Lage (Abb. 6.3)
Lage:DickdarmDurch die embryonale Darmdrehung umrahmt der Dickdarm den Dünndarm.
Valva ileocaecalis
  • Intraperitoneal gelegen, Lage:Valva ileocaecalis

  • in Höhe des McBurney-Punkts (in der Mitte einer gedachten Linie von SIAS zum Nabel), etwa am

  • Unterrand von L4.

Zäkum (Abb. 6.4)
  • Intraperitoneal Lage:Zäkumgelegen, aber dennoch nur wenig beweglich, da die angrenzenden Darmabschnitte fixiert sind (Varietät: frei bewegliches Caecum mobile),

  • in der rechten Fossa iliaca auf dem M. iliacus,

  • Verlauf: schräg nach inferior, anterior und medial

Appendix vermiformis
  • Intraperitoneal gelegen

  • Lage Lage:Appendix vermiformissehr variabel, je nachdem, ob die Darmdrehung vollendet wurde,

  • zu ⅔ hinter dem Blinddarm (retrozäkal), zu ⅓ vom Blinddarm Richtung Becken absteigend, selten vor oder hinter dem Ileum.

  • Abgang der Appendix in Höhe des McBurney-McBurney-PunktPunkts (in der Mitte einer gedachten Linie von SIAS zum Nabel); schmerzhafter Druckpunkt bei Appendizitis

  • Spitze der Appendix in Höhe des Lanz-Lanz-PunktPunkts (Punkt im rechten Drittel einer Verbindungslinie zwischen beiden SIAS); schmerzhafter Druckpunkt bei Appendizitis-SchmerzpunkteAppendizitis

Colon ascendens (Abb. 6.5)
  • Sekundär retroperitoneal Lage:Colon ascendensgelegen, wenig beweglich,

  • lateral vom Rand des M. rectus abdominis,

  • Verlauf: vertikal, von inferior und anterior nach superior und posterior,

  • medial und anterior leicht konkav.

Flexura coli dextra (FCD)
  • Unter Lage:Flexura coli dextradem rechten Rippenbogen auf Höhe der X. Rippe bzw. von Th12–L3,

  • posterior des unteren Leberrandes,

  • Winkel von 70–80°.

Colon transversum (Abb. 6.5)
  • Intraperitoneal Lage:Colon transversumgelegen, sehr variable Lage aufgrund seiner Beweglichkeit

  • Hängt am Mesocolon transversum und wie eine Girlande zwischen FCD und FCS nach unten

  • Normalerweise liegt sein tiefster Punkt auf Höhe des Nabels, er kann aber auch bis ins kleine Becken herabhängen.

Flexura coli sinistra (FCS) (Abb. 6.6)
  • Unter Lage:Flexura coli sinistradem linken Rippenbogen auf Höhe der VIII. Rippe bzw. von Th12–L2

  • Liegt kranialer, lateraler und posteriorer als FCD

  • Ist beweglicher als die rechte Kolonflexur

  • Winkel von ca. 50°

Colon descendens (Abb. 6.5)
  • Sekundär retroperitoneal Lage:Colon descendensgelegen, wenig beweglich

  • Übergang ins Colon sigmoideum auf Höhe der linken Crista iliaca

  • Sein iliakaler Teil verläuft vom posterioren Teil der Crista iliaca nach kaudal am lateralen Rand des M. psoas major entlang bis ca. 3–4 cm oberhalb des Lig. inguinale.

  • Liegt posteriorer als das Colon ascendens.

Colon sigmoideum (Abb. 6.7)
  • Intraperitoneal gelegen, in seiner Lage Lage:Colon sigmoideumbeweglich,

  • am Mesosigmoideum s. Mesocolon sigmoideumMesosigmoideum aufgehängt,

  • steigt vom medialen Rand des linken M. psoas major in Richtung Promontorium auf und anschließend nach kaudal, posterior und medial zum Rektum ab.

  • Übergang ins Rektum in Höhe von S2–S3

Rektum (Abb. 6.8a, b)
  • Retroperitoneal Lage:Rektumgelegen, ab Flexura perinealis extraperitoneal

  • Steigt von S3 auf der Vorderseite von Os sacrum und Os coccygis ab

  • Da das Peritoneum von der Vorderseite des Rektums auf Harnblase bzw. Uterus umschlägt, entsteht die Excavatio rectovesicalis bzw. rectouterina.

Mesocolon transversum (Abb. 6.9)
  • Radix Lage:Mesocolon transversum (Radix) (Wurzel): Mesocolon transversum15–18 cm lange parietale Anheftung

  • Viszeraler Rand: am Colon transversum

  • Verlauf der Radix: von rechts etwas schräg nach links oben, überquert auf Höhe des rechten Nierenhilum (etwa in Höhe der IX. Rippe am Rippenbogen) das Duodenum 2, dann den Pankreaskopf und zieht an der Vorderkante von Pankreaskörper und -schwanz entlang zum Milzhilum (Abb. 6.10).

  • A. und V. colica media verlaufen darin.

Mesocolon sigmoideum (Abb. 6.7, 6.9)
  • Radix Lage:Mesocolon sigmoideum (Radix)(Wurzel): Mesocolon sigmoideumgezackte parietale Anheftung

  • Viszeraler Rand: am Colon sigmoideum

  • Verlauf der Radix: vom Ende der Verwachsungszone des Colon descendens quer oder leicht ansteigend nach superior und medial zu L4/L5, dann in der Mittellinie auf dem Os sacrum nach kaudal bis S3, überquert Ureter, A. und V. iliaca communis sowie A. und V. testicularis/ovarica.

  • A. und V. mesenterica inferior sowie Aa. und Vv. sigmoideae verlaufen darin.

Faszien (Abb. 6.6, 6.11)
  • Toldt-Toldt-FaszieFaszie: dichtes Bindegewebe, das Colon ascendens und Colon descendens auf der Rückseite überzieht und fixiert; entsteht infolge der sekundär retroperitonealen Lage des Colon ascendens bzw. descendens durch Verschmelzung des Mesocolon ascendens bzw. descendens mit dem parietalen Bauchfell.

  • Treitz-Treitz-FaszieFaszie: feste Anheftung des ursprünglich viszeralen (Duodenum-)Peritoneums und des peritonealen Peritoneums an der hinteren Bauchwand, ist durch lockeres Bindegewebe mit der Fascia transversalis (posterior) verbunden.

Nachbarschaftsbeziehungen (Abb. 6.4, 6.5, 6.6, 6.7, 6.8. 6.9, 6.10)
  • Zäkum: grenzt Nachbarschaftsbeziehungen:Dickdarmanterior an die vordere Bauchwand, in leerem Zustand durch Dünndarmschlingen getrennt, posterior an Peritoneum parietale posterius, subperitoneale Fettschicht, Fascia iliaca mit N. cutaneus femoris lateralis und N. genitofemoralis, subfasziale Schicht mit N. femoralis sowie M. iliopsoas, medial an Dünndarmschlingen, Valva ileocaecalis, A. und V. iliaca externa, A. und V. testicularis bzw. ovarica und M. psoas, lateral an Weichteilgewebe der Fossa iliaca, kaudal an Fossa iliaca.

  • Appendix vermiformis: Aufgrund der Lagevarianten und wechselnden Länge ist praktisch der gesamte Bauchraum mögliches Nachbargebiet; im typischen Fall grenzt sie jedoch posterior an Fascia iliaca, M. iliopsoas und Peritoneum, anterior an vordere Bauchwand, medial an Dünndarm, lateral an Zäkum, kaudal an A. und V. iliaca externa, Ureter, A. und V. testicularis bzw. ovarica, u. U. an Rektum, Ovar, Tuba uterina, Harnblase oder N. obturatorius.

  • Colon ascendens: grenzt anterior inferior an vordere Bauchwand (evtl. Dünndarm), anterior superior an Facies visceralis des rechten Leberlappens, posterior an Toldt-Faszie (trennt Colon ascendens von Fascia iliaca → oberer Teil der Fossa iliaca, Faszie des M. quadratus lumborum → Fossa lumbalis, Fascia perirenalis → untere rechte Niere), Fascia transversalis auf M. quadratus lumborum und M. transversus abdominis, medial an Dünndarm (meist Ileum) und rechte Niere, lateral an laterale Bauchwand und Diaphragma.

  • Flexura coli dextra: anterior an X. Rippe und Facies visceralis des rechten Leberlappens, posterior an rechte Niere (variabel vom unteren Pol bis Nierenbucht) und Fascia perirenalis, medial an Duodenum 2, lateral an Diaphragma und Lig. phrenicocolicum dextrum, evtl. an Lig. hepatoduodenale.

  • Colon transversum: anterior an Facies visceralis des rechten Leberlappens, Gallenblase und Omentum majus (→ Bursa omentalis → vordere Bauchwand), posterior an Mesocolon transversum, rechte Niere, Duodenum 2, 3 und 4, Pankreaskopf, Dünndarm und linke Niere, kranial an Leber, Curvatura major des Magens und Milz, kaudal an Dünndarm.

  • Flexura coli sinistra: anterior an Curvatura major des Magens, posterior an linke Niere, kranial an Facies colica der Milz, Diaphragma und Lig. phrenicocolicum, medial an Curvatura major des Magens, lateral an Diaphragma, laterale Bauchwand und Rippen

  • Colon descendens: anterior an Dünndarm (meist Jejunum), posterior an linke Niere, Toldt-Faszie (grenzt Colon descendens ab von Fascia iliaca → oberer Teil der Fossa iliaca, Faszie des M. quadratus lumborum → Fossa lumbalis, Fascia perirenalis → lateraler Rand der linken Niere), A. und V. iliaca externa, lateral an laterale Bauchwand, kaudal und medial an M. psoas major.

  • Colon sigmoideum: Wegen der freien Beweglichkeit wechselt das Nachbargebiet, v. a. bei Enteroptose im Alter; grenzt posterior an Mesocolon sigmoideum, kranial an Dünndarm, kaudal anterior an Harnblase oder Uterus, Lig. latum uteri, kaudal posterior an Rektum (bis L3), medial an Dünndarm, lateral an medialen Rand des M. psoas major, linken Ureter.

  • Rektum: posterior an Os sacrum, Os coccygis, A. und V. sacralis mediana, Aa. und Vv. sacrales laterales, Äste der A. und V. rectalis superior, kaudal an Beckenboden, lateral bei leerem Rektum an Colon sigmoideum und Dünndarm, bei vollem Rektum an Peritoneum (→ Ureter, Ovar, Tuba uterina), an A. und V. iliaca interna, Lymphknoten, Plexus sacralis, autonome Nerven (Beckenteil des Grenzstrangs, parasympathische Nn. splanchnici pelvici), kranial an Colon sigmoideum, anterior bei der Frau an Vagina und Cervix uteri, die durch das Septum rectovaginale und die Excavatio rectouterina (Douglas-Raum) vom Rektum getrennt sind, anterior beim Mann an Prostata, Harnblase, Samenblasen, Ductus deferens und Ureter, die durch das Septum rectovesicale und die Excavatio rectovesicalis vom Rektum getrennt sind.

  • Canalis analis: umgeben von kranial nach kaudal: Fascia pelvis, M. levator ani (Fascia diaphragmatis pelvis superior/inferior), Sphincter ani externus, anterior an Urethra, bei der Frau an Vagina, posterior an Rektum.

Fixationen (Abb. 4.5, 6.5, 6.6, 6.10, 6.11)
Fixationen:DickdarmColon transversum und Colon sigmoideum sind die beweglichsten Teile des Dickdarms und werden deshalb am stärksten durch den Turgoreffekt und abdominalen Druck beeinflusst. Die einzelnen Kolonabschnitte werden durch folgende Strukturen fixiert:
  • Zäkum: superior durch Peritonealfalte an hintere Bauchwand (Toldt-Faszie), inferior und medial durch unteren Teil des Mesenteriums

  • Colon ascendens: auf 3 Seiten von Peritoneum überzogen, durch das es gegen Fossa lumbalis gedrückt wird, posterior durch Toldt-Faszie an hintere Bauchwand

  • Flexura coli dextra: Peritoneum, Lig. Lig. hepatocolicumhepatocolicum (von der Facies visceralis des rechten Leberlappens zur FCD und Vorderseite der rechten Niere), Lig. Lig. cystoduodenalecystoduodenale (vom Gallengang zum Duodenum und weiter zur FCD; Teil des Omentum minus), Lig. phrenicocolicum Lig. phrenicocolicum dextrumdextrum (vom Zwerchfell zur FCD, setzt sich oft im Mesocolon transversum und Omentum majus fort)

  • Colon transversum: Lig. Lig. gastrocolicumgastrocolicum (von Curvatura major des Magens zum Colon transversum, Teil des Omentum majus. Nach seiner Durchtrennung gelangt man in die Bursa omentalis 10.2.3), dennoch ist das Colon transversum rechts beweglicher als links; Mesocolon Mesocolon transversumtransversum (Mesenterialfalte zur hinteren Bauchwand, im mittleren Teil lang, an den Kolonflexuren kurz) ist im rechten Teil fix (Meso am Pankreaskopf) und im linken Teil mobil (Meso am Pankreaskörper) aufgehängt.

  • Flexura coli sinistra: Peritoneum, Lig. phrenicocolicum Lig. phrenicocolicum sinistrumsinistrum (vom Zwerchfell zur FCS)

  • Colon descendens: posterior durch Toldt-Faszie an hintere Bauchwand

  • Colon sigmoideum: Mesocolon Mesocolon sigmoideumsigmoideum nach posteroinferior an hintere Bauchwand

  • Rektum: M. M. puborectalispuborectalis und Beckenboden

Gleitflächen
Zäkum
  • direkte Gleitflächen: Dünndarm, Gleitflächen:DickdarmPeritoneum parietale posterius

  • indirekte Gleitflächen: Fascia iliaca, M. iliopsoas

Appendix
  • direkte Gleitflächen: Peritoneum, Dünndarm, Zäkum

  • indirekte Gleitflächen: Fascia iliaca, M. psoas major

  • u. U. bei Tiefstellung (25 % der Patienten) entweder retrozäkal → Rektum oder anterozäkal → Ovar oder Harnblase

Colon ascendens
  • direkte Gleitflächen: Dünndarm, laterale Bauchwand (Peritoneum parietale), Facies visceralis der Leber

  • indirekte Gleitflächen: Toldt-Faszie (getrennt von Fascia iliaca, Faszie des M. quadratus lumborum, Fascia perirenalis), rechter Ureter, Duodenum 2, Diaphragma

Flexura coli dextra
  • direkte Gleitflächen: Facies visceralis der Leber

  • indirekte Gleitflächen: Fascia perirenalis (→ Niere), Duodenum 2, Diaphragma

Colon transversum
  • direkte Gleitflächen: Leber, Omentum majus (→ vordere Bauchwand), Mesocolon transversum (rechts: rechte Niere, Duodenum 2; links: Pankreaskopf, Duodenum 3 und 4, Dünndarm, linke Niere), Dünndarm

  • indirekte Gleitflächen: Curvatura major des Magens, Milz, Corpus pancreatis

Flexura coli sinistra
  • direkte Gleitflächen: Curvatura major des Magens, Milz, linke Niere, laterale Bauchwand (Peritoneum parietale)

  • indirekte Gleitflächen: Diaphragma

Colon descendens
  • direkte Gleitflächen: Dünndarm, bei gefülltem Darm Colon sigmoideum

  • indirekte Gleitflächen: Toldt-Faszie (getrennt von Fascia iliaca, Faszie des M. quadratus lumborum, Fascia perirenalis), Fascia transversalis, M. psoas major

Colon sigmoideum
  • direkte Gleitflächen: Mesocolon sigmoideum (→ Ureter), Dünndarm, Harnblase oder Uterus

  • indirekte Gleitflächen: Rektum, M. psoas major

Rektum
  • direkte Gleitflächen: bei der Frau: Uterus, Vagina; beim Mann: Blase, Colon sigmoideum; Dünndarm

  • indirekte Gleitflächen: Prostata, Os sacrum, Os coccygis, M. piriformis, bei vollem Rektum: Peritoneum (→ Ureter, Ovar)

Gefäßversorgung, Lymphwege, Innervation

Arterien
Die den Dickdarm:GefäßversorgungDickdarm versorgenden Gefäßversorgung:DickdarmArterien:DickdarmArterien A. mesenterica A. mesenterica superiorsuperior und A. mesenterica A. mesenterica inferiorinferior (Abb. 6.12) entspringen der Aorta abdominalis. Die Grenze der Versorgungsgebiete dieser beiden Arterien liegt wie die Grenze für die Versorgung des kranialen und pelvinen Parasympathikus (s. u.) etwa zwischen linkem Drittel des Colon transversum und FCS am Cannon-Böhm-Cannon-Böhm-PunktPunkt.
Zäkum und Appendix vermiformis
Werden vom Endast der A. mesenterica superior, der A. A. ileocolicaileocolica, versorgt. Sie gibt 3 Äste ab: A. caecalis A. caecalis anterioranterior und A. caecalis A. caecalis posteriorposterior zum Zäkum sowie die in der Mesoappendix zur Appendix ziehende A. A. appendicularisappendicularis.
Kolon
Ein kleinerer unterer Teil des Colon ascendens wird von der A. ileocolica, der Rest bis zur FCD von der A. colica A. colica dextra/sinistradextra, die beide aus der A. mesenterica superior entspringen, versorgt. Etwa die rechten ⅔ des Colon transversum werden von der A. colica A. colica mediamedia aus der A. mesenterica superior, etwa die linken ⅓ von der A. colica sinistra aus der A. mesenterica inferior versorgt. A. colica media und A. colica sinistra anastomosieren: Riolan-Riolan-AnastomoseAnastomose oder A. A. marginalismarginalis. Auch am Dickdarm ziehen sich Gefäßarkarden entlang, die Aa. Aa. rectaerectae.
Die A. colica sinistra zieht zum Colon descendens.
2–3 Aa. Aa. sigmoideaesigmoideae aus der A. mesenterica inferior verlaufen im Mesocolon transversum und versorgen das Colon sigmoideum. Die oberste A. sigmoidea anastomosiert mit der A. coli sinistra.
Rektum
Wird von 5 Arterien versorgt (Abb. 6.13), die miteinander anastomosieren. Bei einem Verschluss der A. rectalis superior können die anderen Arterien die Versorgung des Rektums nicht kompensieren.
  • A. rectalis A. rectalis superiorsuperior, der unpaare Endast der A. mesenterica inferior; erreicht das Rektum von dorsal über das Mesocolon sigmoideum und teilt sich meist in 2 Äste auf, die sich an der Vorder- und Hinterseite der Ampulla recti verzweigen; anastomosiert mit der A. sigmoidea ima.

  • A. rectalis A. rectalis mediamedia dextra et sinistra, die paarigen Äste der A. iliaca interna (die aus der A. iliaca communis nach deren Aufteilung in die A. iliaca interna und A. iliaca externa hervorgeht) ziehen oberhalb des M. levator ani zum mittleren Rektumabschnitt.

  • A. rectalis A. rectalis inferiorinferior dextra et sinistra, die paarigen Äste der A. pudenda interna (die aus der A. iliaca interna entspringt) ziehen unterhalb des M. levator ani in der Fossa ischioanalis zum Canalis analis.

Venen
Zäkum, Appendix und Kolon
Die Venen:DickdarmVenen folgen weitgehend den Arterien (Abb. 6.14):
  • V. V. appendicularisappendicularis, V. caecalis V. caecalis anterioranterior, V. caecalis V. caecalis posteriorposterior → V. ileocolica → V. mesenterica superior → V. portae hepatis

  • V. colica V. colica dextradextra, V. colica V. colica mediamedia → V. mesenterica superior → V. portae hepatis

  • V. colica V. colica sinistrasinistra, Vv. Vv. sigmoideaesigmoideae → V. mesenterica inferior → V. splenica → V. portae hepatis

Rektum
Die Venen bilden unter der Schleimhaut und um das Rektum ein Geflecht, Plexus venosus Plexus venosus rectalisrectalis, aus dem das Blut über den Arterien entsprechende Venen abfließt (Abb. 6.15):
  • V. rectalis V. rectalis superiorsuperior → V. mesenterica inferior → V. splenica → V. portae hepatis

  • Vv. rectales Vv. rectales mediaemediae → V. iliaca interna → V. iliaca communis → V. cava inferior

  • Vv. rectales Vv. rectales inferioresinferiores → V. pudenda interna → V. iliaca interna → V. iliaca communis → V. cava inferior

Zwischen den Abflussgebieten der V. mesenterica inferior zur V. portae hepatis und der V. iliaca interna zur V. cava inferior bestehen Verbindungen: portokavale portokavale AnastomosenAnastomosen. Bei Stauung im Pfortaderkreislauf:StauungPfortaderkreislauf → HämorrhoidenHämorrhoiden.
Lymphwege
Lymphwege:DickdarmDer Lymphabfluss erfolgt zu den regionalen Lymphknoten (Abb. 6.16, 6.17): vom
  • Zäkum und Appendix vermiformis zu Nll. appendiculares, Nll. precaecales, Nll. retrocaecales → Nll. Nll. ileocoliciileocolici → Nll. mesenterici superiores →

  • Colon ascendens, Colon transversum und Colon descendens zu Nll. Nll. mesocolicimesocolici (Nll. paracolici, Nll. colici dextri, Nll. colici medii, Nll. colici sinistri) → Nll. mesenterici superiores →

  • Colon sigmoideum zu Nll. mesenterici inferiores (Nll. Nll. sigmoideisigmoidei) → Nll. mesenterici superiores →

  • Rektum entsprechend der Gefäßversorgung zu

    • Nll. rectales Nll. rectales superioressuperiores → Nll. mesenterici inferiores → Nll. mesenterici superiores →

    • Nll. Nll. pararectalespararectales → Nll. iliaci interni → Nll. iliaci communes → Nll. lumbales →

    • Nll. inguinales Nll. inguinales superficialessuperficiales → Nll. iliaci externi → Nll. iliaci communes → Nll. lumbales →

Einmündung über Nll. coeliaci → Trunci lymphatici intestinales → Cisterna chyli → Ductus thoracicus.
Innervation
Innervation:DickdarmDer Sympathikus hemmt die Darmmotorik und Drüsensekretion, der Parasympathikus aktiviert sie. Beide Systeme arbeiten aber zusammen und ergänzen sich.
Die Grenze der Innervation durch den Plexus mesentericus Plexus mesentericus superiorsuperior und den Plexus mesentericus Plexus mesentericus inferiorinferior bzw. den N. vagus und die Nn. splanchnici pelvici liegt etwa zwischen linkem Drittel des Colon transversum und FCS am Cannon-Böhm-Cannon-Böhm-PunktPunkt.
Rektum:InnervationDickdarm:InnervationDer M. sphincter ani M. sphincter ani internusinternus wird unwillkürlich vom Sympathikus (Nn. splanchnici sacrales), der M. sphincter ani M. sphincter ani externusexternus willkürlich vom N. pudendus, der M. M. puborectalispuborectalis vom Plexus sacralis (S3–4) innerviert.
Die intramuralen (oder enterischen) Nervengeflechte des Plexus Plexus myentericusmyentericus (Innervation der Muskelwand des Darms) und des Plexus Plexus submucosussubmucosus (Innervation der Schleimhautmuskulatur und Drüsen) können auch unabhängig vom Sympathikus und Parasympathikus arbeiten, werden aber über das vegetative System moduliert, z. B. laufen intestinointestinale Reflexe darüber ab: Dehnung der Darmwand → Kontraktion der Muskelwand.

Dickdarm- und Rektuminnervation

Tab. 6.1
InnervationSegment, KerngebietVerlaufUmschaltung
sympathisch Kolon bis Cannon-Böhm-PunktTh12–L1 →→ Grenzstrang (Truncus sympathicus) → Nn. splanchnici thoraciciPlexus mesentericus superior
sympathisch Kolon ab Cannon-Böhm-PunktL1–L2 →→ Plexus aorticus abdominalis, Nn. splanchnici pelviciPlexus mesentericus inferior
sympathisch RektumL1–L2 →→ Plexus hypogastricus, lumbale GrenzstrangganglienPlexus mesentericus inferior
parasympathisch Kolon bis Cannon-Böhm-PunktNucleus dorsalis nervi vagiMedulla oblongata → N. vagus (X) → Plexus oesophageusPlexus coeliacus, teils intramural
parasympathisch Kolon ab Cannon-Böhm-Punktsakraler Parasympathikus S2–S5Nn. splanchnici pelvici, Plexus hypogastricus inferior, N. hypogastricusGanglia pelvica, teils intramural
parasympathisch Rektumsakraler Parasympathikus S2–S5Nn. splanchnici pelvici über Plexus rectalesGanglia pelvica, teils intramural

Dysfunktionen

Torsten Liem (6.3.1, 6.3.3, 6.3.4), Michel Puylaert (6.3.1, 6.3.2)

Ursachen

Parietale Dysfunktionen
  • Art. sacroiliaca

  • Verspannung des M. psoas major oder M. quadratus lumborum

  • Unvollständige Magendrehung

Viszerale Dysfunktionen
  • Spannungen in Organwand (glatte Muskulatur), Bändern, Mesos, Dysfunktionen:DickdarmDickdarm:DysfunktionenPeritoneum

  • Alle Organe in der Umgebung des Dickdarms können über Gleitflächen, ligamentäre und fasziale Verbindungen die Beweglichkeit des Dickdarms einschränken: z. B. Niere, Leber, Dünndarm.

  • Missverhältnis zwischen negativem intrathorakalem Druck und positivem intraabdominellem Druck

  • Colon ascendens neigt eher und häufiger zur Spastik als Colon descendens, v. a. im Anfangsteil nahe der Radix mesenterii

Ligamente
  • Lig. phrenicocolicum

  • Lig. renocolicum (Peritonealfalte zwischen Niere und Flexura coli dextra und sinistra)

  • Lig. gastrocolicum

  • Lig. duodenocolicum (Verlängerung des Omentum minus)

  • Tuffier-Tuffier-LigamentLigament (Peritonealfalten medial und lateral des Zäkums)

Nervale Störungen
  • N. vagus: bei Dysfunktionen der oberen HWS, der Schädelbasis, vorderen Halsfaszie

  • Sympathikus auf Höhe Th12–L2

  • Ganglion coeliacum, Ganglion mesentericum superius

  • Meißner- und Auerbach-Plexus

Störungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • Stauung der V. portae

  • Störung der A. mesenterica superior bzw. inferior (z. B. Arteriosklerose, Panarteriitis nodosa), wobei die Kolonflexuren, die Valva ileocaecalis und der Übergang vom Colon descendens zum Colon sigmoideum besonders anfällig für Störungen sind, da dort die Vaskularisation etwas vermindert ist und bevorzugt Entzündungen entstehen.

Endokrine Störungen
  • Schilddrüsenüberfunktion → DiarrhöDiarrhö

  • Schilddrüsenunterfunktion → ObstipationObstipation

Psyche
  • Psychovegetative Störungen → Reizkolon (Altersgipfel 30–40 Jahre)

  • Psychische Faktoren und Autoimmunprozesse spielen eine entscheidende Rolle bei der Colitis Colitis ulcerosaulcerosa und beim Morbus Morbus CrohnCrohn.

Weitere Ursachen
  • Darminfektionen, Darmmykose

  • Fehlernährung (z. B. übermäßiger Zuckerkonsum)

  • Dysbakterie/Dysbiose: kann z. B. zu abnormer Spannung zwischen Zäkum und Peritoneum parietale posterius führen.

Kompensationsmechanismen

Merke

Ein Großteil der genannten Kompensationsmechanismen:DickdarmKompensationsmechanismen ist rein hypothetisch und bedarf weiterer Untersuchungen.

  • Abstützen von Colon ascendens und Colon descendens auf der Nierenloge durch die Toldt-Faszie

  • Selbstregulation: Kolon und Magen beeinflussen sich gegenseitig; Erhöhung der Tension (Spannung) im Magen und Stimulation des gastrokolischen Reflexes.

  • Unterstützung des Kolons durch Zwerchfell, untere Rippen und thorakolumbalen Übergang

  • Ausgleich von Spannungsänderungen des Kolonrahmens durch den Dünndarm

  • Kompensation durch die Elastizität der Mesos von Colon transversum, Colon sigmoideum und Zäkum

  • Übernahme einer Stützfunktion durch das Peritoneum parietale

  • Aktivierung verschiedener kompensatorischer Kräfte, u. a. durch metabolische und hormonelle Signale aus Pankreas, Duodenum und Dünndarm

  • Haltefunktion: Alle Ligamente (z. B. Lig. hepatocolicum, Tuffier-Ligament) können bei stärkeren Zugkräften fibrosieren.

  • Haltgebung durch Inflare- oder Outflare-Bewegungen des Beckens

  • Herstellung des Gleichgewichts durch Ausbildung einer Skoliose

  • Kompensation durch Tonusänderung des M. psoas major

  • Kompensatorische Stabilisation bei Zug und Druck an Dickdarmgefäßen: So könnten bei einer Senkung des Colon transversum z. B. Wandtonus und lokaler Gefäßdruck der A. mesenterica superior bzw. inferior und deren Äste als zugfeste Stützstrukturen der Senkung entgegenwirken.

Folgen

  • Schmerzen: thorakolumbaler und lumbosakraler Übergang, Iliosakralgelenke

  • Reaktive Arthritiden (postinfektiös)

  • Bei abnormer Spannung des Colon ascendens und Colon descendens, v. a. im Anfangsteil nahe der Radix mesenterii:

    • Spannung an der Toldt-Faszie → Spannung am M. psoas major

    • Fixation der Art. sacroiliaca → Os sacrum meist in relativer Nutation

  • Spastisches Colon ascendens zieht Colon sigmoideum und rechtes Lig. phrenicocolicum nach posterior (evtl. Th10–L2 NSR rechts, Os sacrum in Torsion anterior R/R).

  • KolondysfunktionKolondysfunktion → Beeinträchtigung von Niere (Lig. renocolicum) oder Leber (Lig. hepatocolicum)

  • ZäkumdysfunktionZäkumdysfunktion → Störung der Gleitfunktion der Fascia iliaca

  • Fixierung des Zäkums am Peritoneum parietale posterius und der Toldt-Faszie:

    • Störung der A. und V. iliaca externa → beeinflusst Durchblutung der unteren Extremitäten

    • Funktionsstörung des N. femoralis → Schmerzen und sensible Ausfälle auf der Vorderseite des Oberschenkels, des N. cutaneus femoris lateralis → sensible Ausfälle und Schmerzen auf der Außenseite des Oberschenkels, des N. genitofemoralis → Schmerzen und sensible Ausfälle auf der Innenseite des Oberschenkels

    • Hypertonie des M. psoas major

  • Das intramurale Nervensystem reagiert als Erstes auf lokale schädliche Einflüsse (75 % aller Immunzellen des gesunden Organismus befinden sich in der Darmmukosa und produzieren Antikörper, z. B. in den Peyer-Plaques).

Differenzialdiagnosen

  • Colitis Differenzialdiagnosen:Dickdarmdysfunktionulcerosa

  • Morbus Crohn

  • AppendizitisAppendizitis

  • Enteritis

  • Colon irritabile

  • Divertikulitis, Divertikulose

  • Polypen (Adenome)

  • Kolonkarzinom

  • Hämorrhoiden

  • Leisten-, Schenkel-, Femoralhernie

  • Kolonmykosen

Diagnostik der Dysfunktionen

Torsten Liem (6.4.1, 6.4.2), Michel Puylaert (6.4.2–6.4.8)

Symptome

  • Symptome:DickdarmdysfunktionDickdarm:Diagnostik der DysfunktionenBlähungen

  • Flatulenz

  • Borborygmen

  • Bauchkrämpfe

  • Obstipation

  • Diarrhö

  • Blutbeimengung des Stuhls (immer fachärztliche Abklärung!)

  • Schmerzen auf Vorderseite des Oberschenkels (N. femoralis)

  • Schmerzen auf Außenseite des Oberschenkels (N. cutaneus femoris lateralis)

  • Schmerzen auf Innenseite des Oberschenkels und Hoden (N. genitofemoralis)

Inspektion

  • Patient Inspektion:Dickdarmdysfunktionversucht, seinen Rücken zu stützen: im Stehen mit der Hand, im Sitzen mit einem Polster.

  • Kolonflexuren unbeweglich, unterer Thorax bewegt sich wenig, besonders bei der Einatmung: bei Ptose

  • Generelle Tendenz zur Dickdarmsenkung und Wölbung unterhalb des Nabels: bei Atonie

  • Verkrampfung (Schutzspannung) der Muskulatur: bei Darmentzündungen (Dünn- und Dickdarm)

  • Schwellung unter linkem Rippenbogen: Hinweis auf Dysfunktion der FCS

  • Verdickung im Gallenblasenbereich: Hinweis auf Dysfunktion der FCD

Reflexzonen und Hinweiszeichen (Abb. 6.18)

Dermatom
  • anterior: Th9–Reflexzonen:DickdarmdysfunktionDermatom:DickdarmL2

  • posterior: Th9–Th12, L1–L4, S3

Dermalgiereflexe nach Jarricot
  • anterior:

    • Colon ascendens: Dermalgiereflexe nach Jarricot:DickdarmTh10 rechts, ¼-Kreis rechts unter dem Nabel

    • Colon descendens: Th11–Th12 (fingerbreite Zone von lateral superior nach medial inferior)

    • Colon sigmoideum: Th12 (fingerbreite Zone von lateral superior nach medial inferior)

    • Rektum: L1 (fingerbreite Zone von lateral superior nach medial inferior)

Neurolymphatische Reflexe nach Chapman
Mesoappendix und Appendix
  • anterior: am vorderen Ende der XII. Rippe, auf der kranialen Chapman-Reflexe:DickdarmFläche

  • posterior: lateral im 11. Interkostalraum rechts

Spastisches Kolon
  • anterior: Zone vom Kolon:spastischesTrochanter major bis 2 cm oberhalb des Knies am lateralen Oberschenkel

  • posterior: L2, L3 und L4 bis zur Crista iliaca

Atonisches Kolon
  • anterior: zwischen SIAS und Trochanter Kolon:atonischesmajor

  • posterior: Rückseite der XI. Rippe bis zum Proc. transversus von Th11

Rektum
  • anterior: Innenseite des Oberschenkels, oberhalb des Trochanter minor

  • posterior: ISG und Os sacrum unterhalb von S2

Triggerpunkte
  • Zäkum: auf einer Linie vom Nabel zur rechten SIAS, im lateralen Triggerpunkte:ZäkumTriggerpunkte:KolonTriggerpunkte:DickdarmDrittel

  • Colon ascendens: rechts auf einer Linie von der X. Rippe zur SIAS, Mitte des Colon ascendens

  • Colon descendens: links auf einer Linie von der VIII. Rippe zur SIAS, Mitte des Colon descendens

  • Colon sigmoideum: in der linken Fossa iliaca oberhalb der Mitte des Lig. inguinale

Periostschmerzpunkte
Mesoappendix (peritonealer Ansatz des Appendix)
  • anterior: rechte Crista Periostschmerzpunkte:Dickdarmiliaca

  • posterior: rechte Crista iliaca

Spastisches Kolon
  • anterior: Rippenbogen, SIAS beidseitig, linker R. ossis Kolon:spastischespubis

  • posterior: Procc. transversi von L1–L5, Os sacrum (S2)

Atonisches Kolon
  • anterior: Rippenbogen, SIAS Kolon:atonischesbeidseitig

  • posterior: Procc. transversi von L1–L5, Os sacrum (S2)

    • Colon ascendens: rechte Crista iliaca

    • Colon descendens: linke Crista iliaca

Rektum (Dysfunktion oder Stimulation)
  • anterior: beide Rr. ossis Rektumdysfunktion:Schmerzpunktepubis

  • posterior: Os sacrum (S2), kaudaler Teil des rechten Os ischii

Knap-Punkte
Appendix, Kolon
  • posterior: Procc. spinosi von Knap-Punkte:DickdarmL1–L5, zwischen den Procc. transversi von L5 und S1, auf rechter oder linker Crista iliaca am inferioren Rand des Dreiecks von J. L. Petit (zwischen M. latissimus dorsi und M. obliquus abdominis externus)

Rektum
  • anterior: R. ossis pubis rechts und links

  • posterior: Rückfläche des Os coccygis

Muskuläre Hinweiszeichen
  • Hypertonie Hinweiszeichen:Dickdarmdysfunktionvon

    • paravertebraler Muskulatur Th11–L5

    • M. obliquus externus und M. obliquus internus

    • M. psoas major

    • Mm. intercostales Th8–Th12

    • M. quadratus lumborum

    • M. levator ani

Vertebrale Hinweiszeichen
  • Dysfunktion Th12–L3

  • Dysfunktion L4/L5, ISG (nach Barral)

Kostale Hinweiszeichen
  • Bewegungseinschränkung der rechten X. Rippe: Flexura coli dextra

  • Bewegungseinschränkung der linken VIII. Rippe: Flexura coli sinistra

Perkussion

Da auch Magen und Dünndarm gashaltig sein können, ist der Dickdarm nur gegen Leber und Milz sicher abgrenzbar.

Perkussion von Zäkum, Colon ascendens und Colon descendens
Patient: Perkussion:ZäkumPerkussion:Colon descendensPerkussion:Colon ascendensliegend
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Ausführung: In der Fossa iliaca dextra beginnen und nach kranial perkutieren.
Bewertung: Auf die Qualität des Klopfschall:DickdarmKlopfschalls (sonor) achten, um die Spannung und den Luftgehalt zu beurteilen.
Perkussion des Colon transversum
Patient: Perkussion:Colon transversumliegend
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Ausführung: Von rechts nach links perkutieren, wobei das Colon transversum sehr schwer abzugrenzen ist.
Bewertung: Auf die Qualität des Klopfschalls (sonor an der rechten, matt an der linken Kolonflexur) achten, um die Spannung und den Luftgehalt zu beurteilen.
Perkussion des Colon sigmoideum
Patient: Perkussion:Colon sigmoideumliegend
Therapeut: stehend, auf der linken Seite des Patienten
Ausführung: vom Colon descendens ausgehend bis zum Colon sigmoideum perkutieren
Bewertung: Auf die Qualität des Klopfschalls (matt) achten, um die Spannung und den Luftgehalt zu beurteilen.

Palpation

Palpation des Zäkums
Patient: in Rückenlage, beide Beine Palpation:Zäkumangestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition: Die Fingerbeeren ca. 3 Finger breit medial der SIAS unterhalb der Linie zwischen den SIAS und oberhalb des Lig. inguinale auf die laterale Seite des Zäkums legen.
Ausführung: Zuerst die laterale Seite, dann das gesamte Zäkum palpieren (unter den Fingern rollen lassen).
Bewertung: Auf Position, Form, Dichte (verhärtet oder weich), Volumen und Beweglichkeit achten. Das Zäkum ist nur bei Dysfunktionen exakt zu palpieren.
  • Normalbefund: unauffälliger, elastischer Widerstand.

  • Wulst, Verhärtung oder Geräusche können auf eine Zäkumdysfunktion:PalpationsbefundZäkumdysfunktion hinweisen.

Merke

Bei Frauen liegt das Zäkum oft etwas kaudaler.

Palpation von Colon ascendens und Colon descendens (Abb. 6.19, 6.20)
Patient: in Rückenlage, beide Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten (für das Colon ascendens) oder linken Seite (für das Colon descendens) des Patienten
Handposition:
  • Palpation:Colon ascendensPalpation des Colon ascendens: Fingerspitzen rechts zwischen X. Rippe und Zäkum lateral des M. rectus abdominis aufsetzen.

  • Palpation:Colon descendensPalpation des Colon descendens: Fingerspitzen links zwischen VIII. Rippe und Colon sigmoideum lateral des M. rectus abdominis aufsetzen.

  • Die Daumen lateral an die Bauchwand, die Hände nebeneinander legen.

Ausführung:
  • Mit den Fingerspitzen sanft in den Bauchraum eindringen, zuerst nach posterior und anschließend nach lateral bis zur medialen Seite des Kolons.

  • Mit den Daumen Gegendruck nach medial ausüben.

  • Das Colon ascendens lässt sich direkt durch die Bauchwand (lateral des Duodenums 2) palpieren.

  • Das Colon descendens ist nur über das Omentum majus und die Dünndarmschlingen zu palpieren.

Bewertung: Auf Position, Form, Dichte (verhärtet oder weich), Volumen und Beweglichkeit achten.
  • Normalbefund: elastischer Widerstand

  • Erhöhte Spannung oder Druckschmerzhaftigkeit kann auf eine Dysfunktion hinweisen.

Palpation des Colon transversum
Patient: in Rückenlage, beide Beine Palpation:Colon transversumangestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten oder linken Seite des Patienten
Handposition: Fingerspitzen links und rechts neben den Bauchnabel legen; je nach Spannung kann das Colon transversum ober- oder unterhalb des Bauchnabels liegen.
Ausführung: In den Bauch eindringen und in der frontalen Ebene palpieren.
Bewertung: Auf Position, Form, Dichte (verhärtet oder weich), Volumen und Beweglichkeit achten.
  • Normalbefund: unauffälliger, elastischer Widerstand

  • Bei Dysfunktionen findet man oft ein 1,5 cm breites, bewegliches Band, das u. U. auch noch druckschmerzhaft ist.

Merke

Das Colon transversum ist schwer zu palpieren. Es kann verschiedene Formen annehmen, z. B. die eines „M“, „V“, „W“, „U“. Daher wird das Colon transversum fast immer mit Hilfe der Kolonflexuren behandelt.

Palpation des Colon sigmoideum (Abb. 6.21)
Patient: in Rückenlage, beide Beine Palpation:Colon sigmoideumangestellt
Therapeut: stehend, auf der linken Seite des Patienten
Handposition: Fingerspitzen ca. 4 Finger breit medial der linken SIAS an die laterale Seite des Colon sigmoideum legen.
Ausführung: Mit den Fingerspitzen durch die Dünndarmschlingen in Richtung der Fossa iliaca sinistra palpieren.
Bewertung: Auf Position, Form, Dichte (verhärtet oder weich), Volumen und Beweglichkeit achten. Das Colon sigmoideum ist nur bei Dysfunktionen exakt zu palpieren.
  • Normalbefund: Das Colon sigmoideum ist in der Regel beweglich und nicht sehr schmerzhaft. Den Strang kann man unter den Fingern rollen lassen.

  • Schmerzen, Geräusche, Verhärtungen können auf eine Dysfunktion hinweisen.

Motilität

Im Exspir können folgende Motilität:DickdarmBewegungen unterschieden werden (Abb. 6.22):
  • Allgemeine Bewegung des gesamten Kolons, das ab dem Zäkum eine drehende Bewegung im Uhrzeigersinn macht. Der Dickdarm nähert sich der Mittelachse des Körpers.

  • Lokale Bewegungen:

    • Das Zäkum bewegt sich im Uhrzeigersinn nach medial.

    • Das Colon sigmoideum rotiert nach medial und kranial.

    • Der Mittelteil des Colon transversum senkt sich.

    • Colon ascendens und Colon descendens führen eine Rotationsbewegung um die Längsachse aus.

Palpation
Kolonmotilität in ihrer Gesamtheit
Patient: in Palpation:KolonmotilitätRückenlage
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Die linke Hand mit dem Handballen auf das Zäkum legen, die Finger am Colon ascendens entlang.

  • Die rechte Hand auf das Colon descendens legen, den Handballen auf das Colon sigmoideum.

Bewertung: Amplitude, Kraft, Leichtigkeit und Symmetrie der Bewegung beurteilen.
  • Normalbefund: Beide Hände machen gleichzeitig eine Rotation im Uhrzeigersinn.

  • Andere Bewegungen können auf eine Dysfunktion hinweisen.

Merke

Dickdarm und Dünndarm haben sich embryologisch gemeinsam entwickelt und sind topografisch eng miteinander verbunden. Daher kann man die Motilität dieser beiden Organe schwer voneinander unterscheiden. Sie werden gleichzeitig getestet.

Motilität der einzelnen Kolonabschnitte
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Palpation:Motilität einzelner KolonabschnittePatienten
Handposition: Hand flächig auf den jeweils zu prüfenden Anteil des Dickdarms legen.
Bewertung: Amplitude, Kraft, Leichtigkeit und Symmetrie der Bewegung beurteilen.
  • Normalbefund: Das Zäkum bewegt sich im Uhrzeigersinn nach medial, Colon ascendens und Colon descendens führen eine Rotationsbewegung um die Längsachse aus, der Mittelteil des Colon transversum senkt sich, das Colon sigmoideum rotiert nach medial und kranial.

  • Eine andere lokale Bewegung kann auf eine Dysfunktion hinweisen.

Mobilität

Mobilität nach Finet und Williame
Bei der Einatmung kommt es zu folgenden Mobilität nach Finet und Williame:DickdarmBewegungen (Abb. 6.23):
  • Zäkum:

    • Senkung

    • Bewegung nach anterior

    • Neigung nach posterior

    • Seitneigung nach rechts

  • Colon ascendens:

    • Senkung

    • Bewegung nach anterior

    • Neigung nach anterior

    • Seitneigung nach medial

  • Flexura coli dextra:

    • Senkung

    • Bewegung nach anterior

    • Seitneigung nach links

    • Transversale Bewegung nach links

  • Colon transversum:

    • Senkung

    • Bewegung nach anterior

    • Neigung nach anterior

    • Seitneigung nach links

    • Transversale Bewegung nach links

  • Flexura coli sinistra:

    • Senkung

    • Bewegung nach anterior

    • Neigung nach posterior

    • Seitneigung nach links

  • Colon descendens:

    • Senkung

    • Bewegung nach anterior

    • Neigung nach anterior

    • Seitneigung nach medial

    • Transversale Bewegung nach links

  • Colon sigmoideum

    • Senkung

    • Bewegung nach anterior

    • Neigung nach anterior

    • Bewegung nach lateral um eine Achse, die durch die Anheftung der Wurzel des Mesocolon sigmoideum gebildet wird

    • Seitneigung nach links

Anmerkung:
  • Die Flexuren und das Colon transversum senken sich deutlicher als Colon ascendens und Colon descendens.

  • Colon ascendens und Colon descendens nähern sich an und treffen dabei auf den Dünndarm, der sich nach lateral bewegt.

Mobilität nach Barral und Mercier
Bei der Einatmung kommt es zu folgenden Mobilität nach Barral und Mercier:DickdarmBewegungen (Abb. 6.24):
  • Kolon insgesamt nach kaudal

  • Zäkum nach lateral, kranial und ventral

  • Kolonflexuren nach kaudal, etwas nach medial und ventral

  • Colon transversum nach kaudal (abhängig vom Füllungszustand: je voller, desto höher, dadurch weniger Bewegung)

  • Colon sigmoideum nach lateral, kranial und ventral

Palpation
Palpation der Kolonmobilität
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Palpation:KolonmobilitätPatienten
Handposition:
  • Den rechten Handballen auf das Colon sigmoideum, die Finger auf das Colon descendens legen, Finger zeigen in Richtung der linken Kolonflexur.

  • Den linken Handballen auf das Zäkum legen, Finger zeigen in Richtung der rechten Kolonflexur.

Bewertung: Während der Atemphasen Amplitude, Kraft, Leichtigkeit und Symmetrie der Bewegung beurteilen.
  • Normalbefund: Bei der Einatmung bewegen sich Colon ascendens und Colon descendens nach kaudal, Colon sigmoideum und Zäkum nach lateral.

  • Andere oder keine Bewegungen können auf eine Dysfunktion des Kolons hinweisen.

Tests

Test der posterioren Anheftung des Zäkums (Abb. 6.24)
Patient: in Seitenlage, Zäkum:Anheftung, TestBeine leicht Tests:Dickdarmgebeugt
Therapeut: stehend, hinter dem Patienten, auf Höhe des Beckens
Handposition:
  • Die Daumen beider Hände in die Tiefe zwischen Außenseite des Zäkums und Crista iliaca legen.

  • Die restlichen Finger flach auf den Bauch in Richtung Colon descendens legen.

Ausführung: Handgelenke strecken und Druck nach superomedial in Richtung Nabel ausüben.
Bewertung: Die Elastizität des Gewebes beurteilen.
  • Normalbefund: elastischer Widerstand

  • Starker Widerstand weist auf eine eingeschränkte Beweglichkeit hin.

Merke

Die Handposition hängt von der Lage des Zäkums ab. Bei Frauen liegt das Zäkum oft tiefer als bei Männern.

Test der inferioren Anheftung des Zäkums (Abb. 6.25)
Patient: in Rückenlage, Beine Zäkum:Anheftung, Testangestellt
Therapeut: stehend, auf der linken Seite des Patienten, auf Thoraxhöhe
Handposition: Mit den Fingerspitzen beider Händen in der rechten Fossa iliaca interna den tiefsten Teil des Zäkums greifen.
Ausführung: Den inferioren Teil des Zäkums nach kranial ziehen.
Bewertung: Die Elastizität des Gewebes beurteilen.
  • Normalbefund: elastischer Widerstand

  • Starker Widerstand weist auf eine eingeschränkte Beweglichkeit hin.

Test der Spannung des Colon ascendens (Abb. 6.26)
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Mit beiden Händen das Colon Colon ascendens:Spannungstestascendens zwischen Flexura coli dextra und Zäkum greifen.

  • Die Daumen befinden sich lateral, die restlichen Finger an der Innenseite des Colon ascendens.

Ausführung: Colon ascendens nach medial schieben und nach lateral ziehen.
Bewertung: Die Elastizität des Gewebes beurteilen.
  • Normalbefund: Das Colon ist elastisch und kehrt schnell in die Ausgangslage zurück.

  • Verspannung, Unbeweglichkeit oder Schmerzen können auf eine Passagestörung hinweisen.

Test der Spannung der Flexura coli dextra (Abb. 6.27)
Patient: sitzend, leicht nach vorne gebeugt, Beine hängend, Arme neben dem Körper
Therapeut: stehend, hinter dem Patienten
Handposition:
  • Mit dem rechten Arm die rechte Achsel untergreifen, den linken Arm über die linke Schulter legen.

  • Mit den Fingerspitzen beider Hände auf Höhe der X. Rippe anterolateral unter die Leber greifen und Kontakt mit der Flexura coli dextra aufnehmen.

Ausführung: Die Flexura coli Flexura coli dextra:Spannungstestdextra leicht nach medial und kranial ziehen.
Bewertung: Die Elastizität des Gewebes beurteilen.
  • Normalbefund: elastischer Widerstand

  • Verspannungen können auf eine Verengung der FCD, eine Verspannung des Colon ascendens oder des Colon transversum hinweisen.

Merke

Dieser Test kann auch als Mobilisation verwendet werden.

Test der Spannung des Colon transversum
Das Colon Colon transversum:Spannungstesttransversum wird über die Kolonflexuren getestet. Es gibt keine eigenen Tests, weil die Lage des Colon transversum sehr variabel ist.
Test der Spannung der Flexura coli sinistra (Abb. 6.28)
Patient: sitzend, leicht nach vorne gebeugt, Beine hängend, Arme neben dem Körper
Therapeut: stehend, hinter dem Patienten
Handposition:
  • Mit dem linken Arm die linke Achsel untergreifen, den rechten Arm über die rechte Schulter legen.

  • Mit den Fingerspitzen beider Hände posterolateral unter den linken Rippenbogen greifen und Kontakt mit der Flexura coli sinistra aufnehmen.

Ausführung: Die Flexura coli Flexura coli sinistra:Spannungstestsinistra nach kranial und lateral ziehen.
Bewertung: Die Elastizität des Gewebes beurteilen.
  • Normalbefund: elastischer Widerstand

  • Verspannungen können auf eine Verengung der FCS, eine Verspannung des Colon descendens oder des Colon transversum hinweisen.

Merke

Dieser Test kann auch als Mobilisation verwendet werden.

Test der Spannung des Colon descendens (Abb. 6.29)
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: sitzend, auf der linken Seite des Patienten
Handposition:
  • Mit beiden Händen das Colon descendens zwischen Flexura coli sinistra und Colon sigmoideum greifen.

  • Die Daumen befinden sich posterolateral, die restlichen Finger an der Innenseite des Colon descendens.

Ausführung: Colon Colon descendens:Spannungstestdescendens nach medial schieben und nach lateral ziehen.
Bewertung: Die Elastizität des Gewebes beurteilen.
  • Normalbefund: Das Colon descendens ist elastisch und kehrt schnell in seine Ausgangslage zurück.

  • Verspannungen, Unbeweglichkeit und/oder Schmerzen können auf eine Passagestörung des Colon descendens hinweisen.

Merke

Das Colon descendens liegt dorsaler als das Colon ascendens und ist schwieriger zu palpieren. Zur besseren Palpation daher zuerst die Dünndarmschlingen sanft zur Seite schieben.

Test der Spannung des Mesocolon sigmoideum (Abb. 6.30)
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Finger zwischen linker Crista iliaca und Colon sigmoideum bis zum Peritoneum parietale posterius vorschieben.

  • Kontakt mit dem Mesocolon Mesocolon sigmoideum:Spannungstestsigmoideum aufnehmen.

Ausführung: Zug in Richtung Bauchnabel ausüben.
Bewertung: Die Elastizität des Gewebes beurteilen.
  • Normalbefund: elastischer Widerstand

  • Starker Widerstand oder Schmerzen können auf eine Restriktion des Mesocolon sigmoideum hinweisen. Der Test ist meist etwas unangenehm.

Fasziale Diagnostik des Kolons: Shift und/oder Induktion
Patient: in Rückenlage, Beine Kolon:fasziale Diagnostikausgestreckt
Therapeut: stehend, links vom Patienten auf Höhe des Beckens für Zäkum, Colon ascendens, Flexura coli dextra und Colon transversum bzw. rechts vom Patienten auf Höhe des Beckens für Flexura coli sinistra, Colon descendens und Colon sigmoideum
Handposition:
  • Für die transversale Verschiebung (Shift): Eine Hand posterior auf die LWS und andere Hand jeweils auf die Projektionsfläche des zu testenden Kolonabschnitts legen.

  • Für die anteroposteriore Induktion: Die Fingerbeeren übereinander auf die Projektionsfläche des zu testenden Kolonabschnitts legen.

Ausführung:
  • Shift:Kolondiagnostik, faszialeShift: transversale Verschiebung der oberflächlichen Faszien; als Variante: kraniokaudale Verschiebung.

  • Induktion:Kolondiagnostik, faszialeInduktion: Druck nach posterior ausüben, dann den Druck plötzlich loslassen.

Bewertung der beiden Tests:
  • Normalbefund: Freie Beweglichkeit, die Faszien federn zurück.

  • Zähes oder fehlendes Zurückfedern deutet auf eine Dysfunktion hin.

Behandlung der Dysfunktionen

Torsten Liem ( 6.5.15 ), Michel Puylaert ( 6.5.1–6.5.14 )

Mobilisation des Zäkums (nach Barral)

Indikation: Spasmen, Verklebungen, PeristaltikstörungenDickdarm:BehandlungBehandlung:DickdarmdysfunktionPeristaltikstörungen
Mobilisation der posterioren Anheftungsstellen (Abb. 6.31)
Patient: in rechter Seitenlage, Beine leicht Zäkum:Anheftung, MobilisationMobilisation:Zäkumangewinkelt
Therapeut: stehend, auf Beckenhöhe hinter dem Patienten
Handposition:
  • Mit den Daumen in der Tiefe die Innenseite des Zäkums aufsuchen.

  • Mit den restlichen Fingern die Außenseite des Zäkums greifen.

  • Tief in den Bauch eindringen, um so nah wie möglich an die Anheftungsstelle des Zäkums zu kommen.

Ausführung: Mit Druck der Daumen nach lateral und einem Zug mit den restlichen Finger nach medial das Zäkum mobilisieren, bis ein Gefühl von Weichheit und Elastizität eintritt; die Mobilisation unterhalb der Schmerzgrenze ausführen.
Mobilisation der inferioren Anheftungsstelle (Abb. 6.32)
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf Thoraxhöhe
Handposition: Mit den Fingerspitzen in der rechten Fossa iliaca interna den tiefsten Teil des Zäkums greifen.
Ausführung: Zug nach kranial und medial ausüben, bis ein Gefühl von Weichheit und Elastizität eintritt; wegen der empfindlichen benachbarten Strukturen (u. a. N. femoralis, N. genitofemoralis) die Mobilisation sanft und unterhalb der Schmerzgrenze ausführen.

Mobilisation des Colon ascendens (nach Barral) (Abb. 6.33)

Indikation: Förderung der Dickdarmfunktion, Fixierungen, die eine Mobilitätsstörung des Dickdarms Mobilisation:Colon ascendensColon ascendens:Mobilisationverursachen
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: sitzend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition: Mit beiden Händen das Colon ascendens greifen; die Daumen befinden sich posterolateral, die restlichen Finger an der Innenseite des Colon ascendens.
Ausführung: Zuerst einen Zug nach ventral, dann Druck nach medial ausführen, bis ein Gefühl von Weichheit und Elastizität eintritt.

Dreidimensionale Mobilisation der Flexura coli dextra

Indikation: Verengung, Mobilisation:Flexura coli dextraFlexura coli dextra:MobilisationVerspannung
Patient: in linker Seitenlage, beide Beine gebeugt
Therapeut: stehend, hinter dem Patienten
Mobilisation in frontaler Ebene (Abb. 6.34)
Handposition: Beide Hände nebeneinander auf die rechte X. Rippe legen, die Daumen liegen dabei dorsal, die restlichen Finger ventral.
Ausführung: Auf Höhe der X. Rippe und im kraniokaudalen Verlauf der Kolonflexur in der Ebene der vorderen Axillarlinie Druck in Richtung Nabel ausüben und die Rippen passiv zurückfedern lassen, bis ein Gefühl von Weichheit und Elastizität eintritt.
Mobilisation in sagittaler Ebene (Abb. 6.35)
Handposition:
  • Eine Hand dorsal in Höhe der Flexura coli dextra auflegen.

  • Die andere Hand ventral unterhalb des rechten Rippenbogens legen.

Ausführung: Mit beiden Händen eine gegenläufige Bewegung ausführen:
  • Mit der ventralen Hand die Flexura coli dextra nach kranial und anteromedial bringen.

  • Die dorsale Hand nach anterior und kaudal bewegen.

  • Mobilisation ausführen, bis ein Gefühl von Weichheit und Elastizität eintritt.

Mobilisation in horizontaler Ebene (Abb. 6.36)
Handposition: Beide Hände auf die rechte X. Rippe legen, die Daumen liegen dabei dorsal, die restlichen Finger ventral.
Ausführung: Zug in Richtung des Proc. xiphoideus ausführen, bis ein Gefühl von Weichheit und Elastizität eintritt.

Dreidimensionale Mobilisation der Flexura coli sinistra

Indikation: Verengung, Mobilisation:Flexura coli sinistraFlexura coli sinistra:MobilisationVerspannung
Patient: in linker Seitenlage, beide Beine gebeugt
Therapeut: stehend, hinter dem Patienten
Mobilisation in frontaler Ebene (Abb. 6.37)
Handposition: Beide Hände nebeneinander auf die linke VIII. Rippe legen, die Daumen liegen dabei dorsal, die restlichen Finger ventral.
Ausführung: Auf Höhe der VIII. Rippe und im kraniokaudalen Verlauf der Kolonflexur in der Ebene der hinteren Axillarlinie Druck in Richtung Nabel ausüben und die Rippen passiv zurückfedern lassen, bis ein Gefühl von Weichheit und Elastizität eintritt.
Mobilisation in sagittaler Ebene (Abb. 6.38)
Handposition:
  • Eine Hand dorsal in Höhe der Flexura coli sinistra auflegen.

  • Die andere Hand ventral unterhalb des linken Rippenbogens legen.

Ausführung: Mit beiden Händen eine gegenläufige Bewegung ausführen:
  • Mit der ventralen Hand die Flexura coli sinistra nach kranial und anteromedial bringen.

  • Die dorsale Hand nach anterior und kaudal bewegen.

  • Mobilisation ausführen, bis ein Gefühl von Weichheit und Elastizität eintritt.

Mobilisation in horizontaler Ebene (Abb. 6.39)
Handposition: Beide Hände auf die linke VIII. Rippe legen, die Daumen liegen dabei dorsal, die restlichen Finger ventral.
Ausführung: Zug in Richtung des Proc. xiphoideus ausführen, bis ein Gefühl von Weichheit und Elastizität eintritt.

Mobilisation des Colon descendens (nach Barral) (Abb. 6.40)

Indikation: Förderung der Dickdarmfunktion, Fixierungen, die eine Mobilitätsstörung des Dickdarms Mobilisation:Colon descendensColon descendens:Mobilisationverursachen
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: sitzend, auf der linken Seite des Patienten
Handposition: Mit beiden Händen das Colon decendens greifen; die Daumen befinden sich posterolateral, die restlichen Finger an der Innenseite des Colon descendens
Ausführung: Zuerst Zug nach ventral, dann Druck nach medial ausführen, bis ein Gefühl von Weichheit und Elastizität eintritt.

Mobilisation des Colon sigmoideum (nach Brandt) (Abb. 6.41)

Indikation: Verengung, Verspannung, Schmerzen im Mobilisation:Colon sigmoideumColon sigmoideum:MobilisationISG
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition: Fingerspitzen an der Innenseite des linken Ileums entlang schieben und Kontakt mit dem inferioren Teil des Colon sigmoideum aufnehmen.
Ausführung:
  • Während der Ausatmung die Sigmaschlinge in Richtung rechter Schulter ziehen und sie während der Einatmung dort halten.

  • Technik beenden, wenn das Colon sigmoideum weicher und beweglicher geworden ist.

Merke

Mit dieser Technik wird gleichzeitig das Rektum gehoben, was bei Rektumprolaps:BehandlungRektumprolaps oder Defäkationsstörungen günstig ist. Nach Barral wird die Technik in 2 Phasen ausgeführt: zuerst den Sigmateil links des M. psoas major, dann den Teil rechts des M. psoas major behandeln.

Normalisierung der ileozäkalen Invagination (nach Weischenck) (Abb. 6.42, 6.43)

Indikation: Normalisierung des Übergangs vom Ileum zum Zäkum bei Dysfunktion der Valva ileocaecalis, Invagination:ileozäkale, Behandlungileozäkale Invagination:NormalisierungDarmeinstülpungDarmeinstülpung
Patient: in linker Seitenlage, Hüfte und Knie angezogen
Therapeut: stehend, hinter dem Patienten
Handposition:
  • Mit den Fingerbeeren der linken Hand die viszerale Masse auf Höhe der Fossa iliaca sinistra in Richtung Fossa iliaca dextra heben.

  • Den rechten Daumen an die Außenseite des rechten Ileums legen und mit den restlichen Fingern die Innenseite des Zäkums greifen: Dadurch wird das Zäkum in der Fossa iliaca dextra festgehalten.

Ausführung:
  • Während die rechte Hand das Zäkum festhält, den Kontakt der linken Hand am Bauch lösen und die Fingerspitzen auf das Ileum terminale legen, so nah wie möglich an die Valva ileocaecalis.

  • Während der Ausatmung sanft mit der linken Hand in Richtung Symphyse nach kaudal und posterior drücken.

  • Mehrmals wiederholen, bis ein elastischer Widerstand spürbar wird.

Variation
Indirekte Ausführung: den Bauch halten und abwarten, bis sich die Spannung löst.

Merke

Diese Technik ist schwierig und erfordert viel Feingefühl, ist aber sehr wirksam, besonders bei Kindern, deren Darm noch sehr beweglich ist.

Mobilisation des Zäkums (Abb. 6.44)

Indikation: Spasmen, Beweglichkeitseinschränkungen, zur allgemeinen Befreiung des Zäkum:MobilisationMobilisation:ZäkumOrgans
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf der linken Seite des Patienten
Handposition:
  • Die rechte Hand auf die anterolaterale Seite des rechten Rippenbogens legen.

  • Mit den rechten Fingerspitzen Kontakt zum lateralen Teil des Zäkums an der Innenseite des rechten Ileums aufnehmen.

Ausführung:
  • Während der Ausatmung mit der rechten Hand den Thorax leicht nach posterokranial drücken, um Kolon und Zäkum unter Spannung zu bringen.

  • Mit der linken Hand zum Nabel hin vibrierenden Druck auf das Zäkum ausüben.

  • Vibrierenden Druck anwenden, bis die Gewebe deutlich elastischer geworden sind.

Mobilisation des Colon ascendens (nach Weischenck) (Abb. 6.45)

Indikation: verminderte Beweglichkeit des Colon Colon ascendens:Mobilisationascendens (Voraussetzung: Wirbelsäule und Flexura coli dextra sind frei beweglich), Förderung der Mobilisation:Colon ascendensVerdauung
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt; hält sich mit der rechten Hand an der Kante fest und hat den linken Arm über dem Kopf oder entspannt auf dem Brustkorb liegen.
Therapeut: stehend, auf der linken Seite des Patienten
Handposition:
  • Mit beiden Händen das Becken rechts und links greifen, die Unterarme liegen an den Oberschenkeln.

  • Das Becken zur linken Seite drehen, ohne es aus der Körperachse zu bringen, bis es senkrecht und 90° gegenüber Schultergürtel gedreht ist.

  • Knie des Patienten auf die Oberschenkel oder auf dem Tisch ablegen.

  • Die linke Hand breitflächig auf den kaudalen Teil des Colon ascendens oberhalb der rechten Crista iliaca legen, die Finger sind nach posterior gerichtet.

  • Die rechte Hand auf den rechten Rippenbogen legen.

Ausführung:
  • Während der Ausatmung mit der linken Hand den kaudalen Teil des Colon ascendens nach anterior ziehen und mit der rechten Hand den Thorax nach posterokranial drücken.

  • Position während der Einatmung halten.

  • Die Technik beenden, wenn sich das Colon nicht weiter dehnen lässt, wenn elastischer Widerstand und keine Verspannung mehr spürbar ist.

Merke

Aufgrund der anatomischen Verbindungen von Flexura coli dextra, Colon transversum und rechtem M. psoas major werden alle drei Strukturen bei dieser Technik gleichzeitig gedehnt.

Mobilisation des Colon descendens (nach Weischenck) (Abb. 6.46)

Indikation: verminderte Beweglichkeit des Colon Colon descendens:Mobilisationdescendens (Voraussetzung: Wirbelsäule ist frei beweglich), Förderung der Mobilisation:Colon descendensVerdauung
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt, hält sich mit linker Hand an der Kante fest und legt den rechten Arm über den Kopf
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Mit beiden Händen das Becken rechts und links greifen, die Unterarme liegen an den Oberschenkeln.

  • Das Becken zur rechten Seite drehen, ohne es aus der Körperachse zu bringen, bis es senkrecht und 90° gegenüber dem Schultergürtel gedreht ist.

  • Knie des Patienten auf die Oberschenkel oder auf dem Tisch ablegen.

  • Die linke Hand flach auf den kaudalen Teil des Colon descendens oberhalb der linken Crista iliaca legen, die Finger sind nach posterior gerichtet.

  • Die rechte Hand links auf die VIII. bis X. Rippe legen.

Ausführung:
  • Während der Ausatmung mit der rechten Hand den kaudalen Teil des Colon descendens nach anterior ziehen und mit der linken Hand den Thorax nach posterokranial drücken.

  • Position während der Einatmung halten.

  • Die Technik beenden, wenn sich das Colon nicht weiter dehnen lässt und elastischer Widerstand spürbar ist.

Merke

Aufgrund der anatomischen Verbindungen von Flexura coli sinistra, Colon transversum und linkem M. psoas major werden alle drei Strukturen bei dieser Technik gleichzeitig gedehnt.

Dehnung des Mesosigmoideums (Abb. 6.47)

Indikation: HämorrhoidenHämorrhoiden, Beweglichkeitseinschränkungen des Colon sigmoideum, Defäkationsstörungen, Verbesserung der Mesocolon sigmoideum:DehnungTrophik
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt, auf die Ellenbogen gestützt, um den Bauch zu entspannen
Therapeut: stehend, rechts des Patienten
Handposition:
  • Die linke Hand auf die rechte Schulter legen.

  • Mit der rechten Hand in der Tiefe Kontakt zur Außenseite des Colon sigmoideum aufnehmen.

Ausführung: Dehnung nach ventrokranial in 2 Phasen:
  • 1. Phase: Colon sigmoideum in Richtung der rechten Schulter des Patienten ziehen.

  • 2. Phase: Ohne die aufgebaute Spannung zu lösen, Colon sigmoideum in Richtung Bauchnabel ziehen.

  • Die Manipulation ist erfolgreich, wenn der Patient den Zug bis zum Anus spürt.

Allgemeine Induktionstechnik für das Kolon (Abb. 6.48)

Indikation: gestörte Motilität des Kolon:allgemeine InduktionstechnikInduktionstechnik:KolonDickdarms
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Den linken Handballen auf das Zäkum legen, die Finger auf dem Colon ascendens sind zur Flexura coli dextra gerichtet.

  • Den rechten Handballen auf das Colon sigmoideum legen, die Finger auf dem Colon descendens sind zur Flexura coli sinistra gerichtet.

Ausführung: Der Hauptbewegung (Drehung im oder gegen den Uhrzeigersinn) des Kolons folgen, bis sich die Fixierung löst und wieder eine fließende Kolonbewegung in beiden Richtungen stattfindet.

Lokale Induktionstechnik für das Kolon (Abb. 6.49)

Indikation: lokale Kolon:lokale InduktionstechnikInduktionstechnik:KolonSpasmen
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, auf der Seite der Spasmen
Handposition: Handfläche oder Handballen auf die betroffene Stelle legen.
Ausführung:
  • Die leichtere Bewegungsrichtung verstärken, in der Regel handelt es sich dabei um eine Drehbewegung im oder gegen den Uhrzeigersinn.

  • Dazu Druck nach dorsal ausüben, bis eine deutliche Entspannung spürbar ist.

Merke

Nach Barral wird jede lokale Behandlung mit einer allgemeinen Induktion abgeschlossen, um das Gleichgewicht (Homöostase) wiederherzustellen.

Fasziale Behandlung des Kolons (modifiziert nach Finet und Williame)

Zäkum, Colon ascendens
Ausatmungsdysfunktion (Abb. 6.50)
Indikation: fasziale Ausatmungsdysfunktion:Zäkum und Colon ascendens, fasziale BehandlungEinschränkung fasziale Behandlung (mod. nach Finet und Williame):Kolonnach kaudal, Kolon:fasziale Behandlung (mod. nach Finet und Williame)Verstopfung
Patient: in Rückenlage, Beine ausgestreckt
Therapeut: stehend, rechts vom Patienten auf Höhe des Beckens
Handposition:
  • Die rechte Hand liegt auf dem Zäkum, die Finger sind zum Nabel gerichtet.

  • Die linke Hand umgreift von lateral das Colon ascendens, unmittelbar kaudal des Rippenbogens.

Ausführung:
  • Druck nach posterior ausüben, um die fasziale Ebene zu erreichen.

  • Die rechte Hand gegen den Uhrzeigersinn und die linke Hand im Uhrzeigersinn drehen. Beide Hände nach kaudal ziehen.

  • Die Stellung beibehalten oder diesen Vorgang 2–3× wiederholen, bis es zu einer Spannungslösung kommt.

Einatmungsdysfunktion
Indikation: fasziale Einschränkung Einatmungsdysfunktion:Zäkum und Colon ascendens, fasziale Behandlungnach kranial, Schmerzen im Epigastrium, Verdauungsstörungen:Kolonbehandlung, faszialeVerdauungsstörungen
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, rechts vom Patienten auf Höhe des Beckens
Handposition:
  • Die rechte Hand liegt auf dem Zäkum, die Finger sind zum Nabel gerichtet.

  • Die linke Hand umgreift von lateral das Colon ascendens, unmittelbar kaudal des Rippenbogens.

Ausführung:
  • Druck nach posterior ausüben, um die fasziale Ebene zu erreichen.

  • Die rechte Hand im Uhrzeigersinn und die linke Hand gegen den Uhrzeigersinn drehen. Beide Hände nach kranial ziehen.

  • Die Stellung beibehalten oder diesen Vorgang 2–3× wiederholen, bis es zu einer Spannungslösung kommt.

Colon ascendens, Flexura coli dextra, rechtes Colon transversum
Ausatmungsdysfunktion (Abb. 6.51)
Indikation: fasziale Einschränkung nach kaudal, Ausatmungsdysfunktion:Colon ascendens, Flexura coli dextra und Colon transversum, fasziale BehandlungVerstopfung
Patient: in Rückenlage, Beine ausgestreckt
Therapeut: stehend, rechts vom Patienten auf Höhe des Beckens
Handposition:
  • Die linke Hand umgreift von lateral das Colon ascendens, unmittelbar kaudal des Rippenbogens.

  • Die rechte Hand liegt flach auf dem Bauch, kaudal des rechten Rippenbogens.

Ausführung:
  • Druck nach posterior ausüben, um die fasziale Ebene zu erreichen.

  • Beide Hände im Uhrzeigersinn drehen und nach kaudal ziehen.

  • Die Stellung beibehalten oder diesen Vorgang 2–3× wiederholen, bis es zu einer Spannungslösung kommt.

Einatmungsdysfunktion
Indikation: fasziale Einschränkung nach Einatmungsdysfunktion:Colon ascendens, Flexura coli dextra und Colon transversum, fasziale Behandlungkranial, Schmerzen im Epigastrium, Verdauungsstörungen
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, rechts vom Patienten auf Höhe des Beckens
Handposition:
  • Die linke Hand umgreift von lateral das Colon ascendens, unmittelbar kaudal des Rippenbogens.

  • Die rechte Hand liegt flach auf dem Bauch, kaudal des rechten Rippenbogens.

Ausführung:
  • Druck nach posterior ausüben, um die fasziale Ebene zu erreichen.

  • Beide Hände gegen den Uhrzeigersinn drehen und nach kranial ziehen.

  • Die Stellung beibehalten oder diesen Vorgang 2–3× wiederholen, bis es zu einer Spannungslösung kommt.

Variante: Der Therapeut steht am Kopfende des Patienten und positioniert die Hände entsprechend.
Linkes Colon transversum, Flexura coli sinistra, Colon descendens
Ausatmungsdysfunktion (Abb. 6.52)
Indikation: fasziale Einschränkung nach kaudal, Ausatmungsdysfunktion:Colon transversum, Flexura coli sinistra und Colon descendens, fasziale BehandlungVerstopfung
Patient: in Rückenlage, Beine ausgestreckt
Therapeut: stehend, rechts vom Patienten auf Höhe des Beckens
Handposition:
  • Die rechte Hand umgreift von lateral das Colon descendens, unmittelbar kaudal des Rippenbogens.

  • Die linke Hand liegt medial von der rechten Hand flach auf dem Bauch, kaudal des rechten Rippenbogens.

Ausführung:
  • Druck nach posterior ausüben, um die fasziale Ebene zu erreichen.

  • Die rechte Hand gegen den Uhrzeigersinn und die linke Hand im Uhrzeigersinn drehen. Beide Hände nach kaudal ziehen.

  • Die Stellung beibehalten oder diesen Vorgang 2–3× wiederholen, bis es zu einer Spannungslösung kommt.

Einatmungsdysfunktion
Indikation: fasziale Einschränkung nach kranial, Einatmungsdysfunktion:Colon transversum, Flexura coli sinistra und Colon descendens, fasziale BehandlungVerdauungsstörungen
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, rechts vom Patienten auf Höhe des Beckens
Handposition:
  • Die rechte Hand umgreift von lateral das Colon descendens, unmittelbar kaudal des Rippenbogens.

  • Die linke Hand liegt medial von der rechten Hand flach auf dem Bauch, kaudal des rechten Rippenbogens.

Ausführung:
  • Druck nach posterior ausüben, um die fasziale Ebene zu erreichen.

  • Die rechte Hand im Uhrzeigersinn und die linke Hand gegen den Uhrzeigersinn drehen. Beide Hände nach kranial ziehen.

  • Die Stellung beibehalten oder diesen Vorgang 2–3× wiederholen, bis es zu einer Spannungslösung kommt.

Variante: Der Therapeut steht am Kopfende des Patienten und positioniert die Hände entsprechend.
Colon descendens und Colon sigmoideum
Ausatmungsdysfunktion (Abb. 6.53)
Indikation: fasziale Einschränkung nach kaudal, Ausatmungsdysfunktion:Colon descendens und Colon sigmoideum, fasziale BehandlungVerstopfung
Patient: in Rückenlage, Beine ausgestreckt
Therapeut: stehend, rechts vom Patienten auf Höhe des Beckens
Handposition:
  • Die rechte Hand umgreift von lateral das Colon descendens, unmittelbar kaudal des Rippenbogens.

  • Die linke Hand liegt auf dem Colon sigmoideum, die Finger sind zum Nabel gerichtet.

Ausführung:
  • Druck nach posterior ausüben, um die fasziale Ebene zu erreichen.

  • Die rechte Hand gegen den Uhrzeigersinn und die linke Hand im Uhrzeigersinn drehen. Beide Hände nach kaudal ziehen.

  • Die Stellung beibehalten oder diesen Vorgang 2–3× wiederholen, bis es zu einer Spannungslösung kommt.

Einatmungsdysfunktion
Indikation: fasziale Einschränkung nach kranial, Einatmungsdysfunktion:Colon descendens und Colon sigmoideum, fasziale BehandlungVerdauungsstörungen
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, rechts vom Patienten auf Höhe des Beckens
Handposition:
  • Die rechte Hand umgreift von lateral das Colon descendens, unmittelbar kaudal des Rippenbogens.

  • Die linke Hand liegt auf dem Colon sigmoideum, die Finger sind zum Nabel gerichtet.

Ausführung:
  • Druck nach posterior ausüben, um die fasziale Ebene zu erreichen.

  • Die rechte Hand im Uhrzeigersinn und die linke Hand gegen den Uhrzeigersinn drehen. Beide Hände nach kranial ziehen.

  • Die Stellung beibehalten oder diesen Vorgang 2–3× wiederholen, bis es zu einer Spannungslösung kommt.

Variante: Der Therapeut steht am Kopfende des Patienten und positioniert die Hände entsprechend.

BEFNT-Integration des Dickdarms

(2.4.2)
Indikation: Dickdarm:BEFNT-IntegrationBEFNT-Integration:DickdarmDickdarmdysfunktion
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf Höhe des Beckens: auf der rechten Seite des Patienten für den Abschnitt von der Valva ileocaecalis bis zum Colon transversum, auf der linken Seite für den Abschnitt von der Flexura coli sinistra bis zum Colon sigmoideum.
Handposition: Mit beiden Händen den zu behandelnden Teil des Dickdarms umfassen.
  • Valva ileocaecalis: Finger beider Hände medial und Daumen lateral an die Valva ileocaecalis legen und sie umgreifen.

  • Zäkum: Finger beider Hände medial und Daumen lateral ans Zäkum legen und es umgreifen.

  • Colon ascendens: Finger beider Hände medial und Daumen lateral ans Colon ascendens anlegen und es umgreifen.

  • Flexura coli dextra: Mit linkem Daumen und Zeigefinger das Colon ascendens von medial und mit rechtem Daumen und Zeigefinger das Colon transversum von kaudal an der Kolonflexur umfassen.

  • Colon transversum: Mit beiden Händen das Colon transversum umfassen, die Daumen liegen ihm kaudal und die Finger kranial an.

  • Flexura coli sinistra: Mit rechtem Daumen und Zeigefinger das Colon ascendens von medial und mit linkem Daumen und Zeigefinger das Colon transversum von kaudal an der Flexur umfassen.

  • Colon descendens: Finger beider Hände lateral und Daumen medial ans Colon descendens legen und es umgreifen.

  • Colon sigmoideum: Vom medialen Rand des linken M. psoas in Richtung Promontorium aufsteigend das Colon sigmoideum mit Daumen und Fingern umfassen.

Point of balanced entodermal tension (PBET)
  • Resistenz der entodermalen Struktur auf sanften Druck hin testen und die Dichte der Struktur bewerten.

  • Der entodermalen Spannung der Dickdarmwand in die Position bzw. in die Form folgen, in der sie am besten ausgeglichen ist (→ PBET).

  • Dabei die embryonalen Kraftvektoren berücksichtigen.

Neuronale Inhibition
  • Eine Hand auf verschiedene Ebenen des Rückens legen, die andere Hand im jeweiligen Dickdarmbereich liegen lassen.

  • Falls es einen Bereich am Rücken gibt, in dem sich der Dickdarm unter der Hand entspannt bzw. seine Bewegungseinschränkung sich verbessert, die Hand dort liegen lassen: in der Regel auf Höhe von Th10–L2 (sympathische Innervation), im kraniozervikalen Übergangsbereich (parasympathische Innervation) oder ventral ca. 2 Querfinger oberhalb (Plexus mesentericus superior) bzw. unterhalb des Bauchnabels (Plexus mesentericus inferior) oder anterior vom Os sacrum (Ganglia pelvica).

  • Durch sanften konstanten Druck eine Inhibition im jeweiligen Bereich ausführen.

Point of balanced fascial tension (PBFT): z. B. des Zäkums
  • Die fasziale Beweglichkeit passiv oder aktiv atemsynchron oder aktiv unabhängig zur Atemaktivität testen.

  • Das Spannungsgleichgewicht der faszialen Strukturen des jeweiligen Dickdarmanteils einstellen (dazu ggf. die Hände anders positionieren): versuchen, den therapeutisch induzierten Gleichgewichtszustand der viszerofaszialen Spannungen zu erreichen, in dem sie gleichmäßig in allen Richtungen ausgeglichen sind.

  • Dazu wird in der Regel der jeweilige Dickdarmanteil in die Position begleitet, in die er sich leicht bewegen lässt.

  • Um die unterschiedlichen Spannungsmuster der Aufhängungen (und faszialen Gleitflächen) des Dickdarmanteils zu kopieren, wird die Krafteinwirkung der Hände an sie angepasst bzw. ihnen angeglichen (z. B. in der Zäkumregion; zu weiteren Dickdarmabschnitten 6.2.3 und 6.2.4).

    • Über die Fixationen: nach superior durch Peritonealfalte/Aufhängung an der hinteren Bauchwand, nach inferior und mediosuperior durch inferioren Teil des Mesenteriums sowie die zug- und biegungsfeste A. ileocolica und deren Äste (A. caecalis anterior und A. caecalis posterior).

    • Uber die Gleitflächen: Dünndarm, Peritoneum parietale posterius, Fascia iliaca, M. iliopsoas.

  • Dazu ggf. eine Hand vom Zäkum lösen und z. B. auf M. iliopsoas, Dünndarm oder Ileozäkalklappe legen.

  • Einstellung eines PBFT (evtl. mit leichter Kompression) → minimale Bewegungen im faszial-ligamentären viskoelastischen Umfeld des Zäkums treten auf → ein neues Gleichgewicht etabliert sich → eine physiologischere Bewegungsamplitude wird palpierbar, evtl. entsteht ein Stillpunkt; Zäkum danach in die Ausgangslage zurückbringen.

Anschließend können Techniken wie balanced dynamic tension und balanced fluid tension (BDT, BFT) angewendet werden. Darauf achten, weder bei der Untersuchung noch bei der Behandlung bis an die Bewegungsgrenzen zu gehen.

Merke

Besonders auf Mesocolon transversum und Mesocolon sigmoideum und deren Radix achten. Diese sind nicht selten an Fixierungen des Dickdarms beteiligt, und zwar häufiger, wenn die zug- bzw. biegungsfesten Arterien in diesen Strukturen verlaufen.

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