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B978-3-437-56011-8.00014-9

10.1016/B978-3-437-56011-8.00014-9

978-3-437-56011-8

Entwicklung der Harnblase. a: Unterteilung der Kloake in Sinus urogenitalis und Anorektalkanal durch das Septum urorectale in der 5. Woche. b: Bildung des Perineums durch Vorwachsen des Septum urorectale und Verlagerung der Mündungsstellen von Ureter und Urnierengang im Alter von 8 Wochen.

Aufbau der Harnblase

Lage der Blase im kleinen Becken (Medianschnitte). a: bei der Frau, b: beim Mann

Faszienverhältnisse und Lage der Blase im kleinen Becken (Ansicht von links)

Nachbarschaftsbeziehungen der Harnblase (beim Mann, linker Paramedianschnitt)

Arterielle Versorgung und venöser Abfluss des Harnblase

Lymphgefäße und Lymphknoten der Harnblase

Hinweiszeichen auf eine Dysfunktion

Palpation der Harnblase

Motilität der Harnblase im Exspir (Sagittalebene)

Palpation der Harnblasenmotilität

Test der Spannung des Lig. umbilicale medianum

Test der Elastizität der rechten Membrana obturatoria

Mobilitätstest der Harnblase

Faszialer Spannungstest für die Harnblase

Direkte Mobilisationstechnik der Harnblase

Heben der Harnblase und Dehnung der Urethra

Lösung von Verklebungen mit dem Dünndarm

Dehnung des Lig. pubovesicale

Mobilisation der Harnblase mit langem Hebel

Dehnung des Lig. umbilicale medianum

Entspannung der rechten Membrana obturatoria

Induktion der Harnblasenmotilität

Harnblase

Therapeut auf den Fotos:

Michel Puylaert

  • 14.1

    Embryologie Herwig Hahn von Dorsche456

  • 14.2

    Anatomie Michel Puylaert457

    • 14.2.1

      Funktion457

    • 14.2.2

      Aufbau457

    • 14.2.3

      Topografische Anatomie458

    • 14.2.4

      Gefäßversorgung, Lymphwege, Innervation461

  • 14.3

    Dysfunktionen Michel Puylaert464

    • 14.3.1

      Ursachen464

    • 14.3.2

      Kompensations-mechanismen465

    • 14.3.3

      Folgen465

    • 14.3.4

      Differenzialdiagnosen465

  • 14.4

    Diagnostik der Dysfunktionen Michel Puylaert466

    • 14.4.1

      Symptome466

    • 14.4.2

      Inspektion466

    • 14.4.3

      Reflexzonen und Hinweiszeichen466

    • 14.4.4

      Perkussion467

    • 14.4.5

      Palpation467

    • 14.4.6

      Motilität468

    • 14.4.7

      Mobilität469

    • 14.4.8

      Tests470

  • 14.5

    Behandlung der Dysfunktionen Torsten Liem (14.5.13), Michel Puylaert (14.5.1–14.5.12)473

    • 14.5.1

      Allgemeine Entspannungstechnik für Diaphragma pelvis und Diaphragma urogenitale473

    • 14.5.2

      Direkte Mobilisationstechnik der Harnblase473

    • 14.5.3

      Heben der Harnblase und Dehnung der Urethra474

    • 14.5.4

      Lösung von Verklebungen mit dem Dünndarm475

    • 14.5.5

      Dehnung des Lig. pubovesicale475

    • 14.5.6

      Mobilisation der Harnblase mit langem Hebel476

    • 14.5.7

      Dehnung des Lig. umbilicale medianum476

    • 14.5.8

      Entspannung der Membrana obturatoria (z. B. rechts)477

    • 14.5.9

      Kombinierte Technik: Entspannung der Membrana obturatoria und Mobilisation der Harnblase (z. B. rechts)478

    • 14.5.10

      Entspannung des Anulus superficialis inguinalis478

    • 14.5.11

      Induktion der Harnblasenmotilität479

    • 14.5.12

      BEFNT-Integration der Harnblase479

Embryologie

Herwig Hahn von Dorsche
HarnblaseEmbryologie:HarnblaseBereits Harnblase:Embryologiein der 4. Woche ist die KloakeKloake als gemeinsamer Endabschnitt des Verdauungs- und Harnsystems ausgebildet. In sie mündet die Allantois ein, der embryonale Harnsack, der während der weiteren Entwicklung degeneriert. In der 5. Woche entwickelt sich das Septum Septum urorectaleurorectale, eine Bindegewebsmembran, die anschließend zur Kloakenmembran vorwächst und die Kloake in einen vorderen Abschnitt, den primitiven Sinus Sinus urogenitalisurogenitalis, und einen hinteren Abschnitt, den AnorektalkanalAnorektalkanal, unterteilt (Abb. 14.1a). Der Bereich der Kloakenteilung durch das Septum urorectale wird äußerlich als Beginn des späteren Damms (Perineum) sichtbar.
Der Sinus urogenitalis gliedert sich in folgende Abschnitte:
  • Der obere Abschnitt erweitert sich zur HarnblasenanlageHarnblasenanlage; der von seinem Scheitel zum Nabel ziehende Allantoisgang (UrachusUrachus)Allantoisgang (Urachus) verödet zu einem fibrösen Strang, dem Lig. umbilicale Lig. umbilicale medianummedianum.

  • Aus dem mittleren Abschnitt (Pars pelvina) entstehen beim Mann die Pars prostatica und die Pars membranacea der Urethra, die Prostata sowie Bulbourethraldrüsen und bei der Frau die gesamte UrethraUrethra.

  • Der untere Abschnitt (Pars phallica) wird durch die Urogenitalmembran abgeschlossen; aus ihm geht beim Mann die Pars spongiosa der Urethra und bei der Frau das Vestibulum vaginae hervor.

Die Harnleiter münden bis zur 7. Woche gemeinsam mit den Urnierengängen in den Sinus urogenitalis. Mit zunehmender Ausdehnung der Harnblase lösen sich die Urnierengänge von den Ureteren, die dann direkt in die Blase münden, während die UrnierengangUrnierengänge zum Blasenhals herabwandern (Abb. 14.1b). Die Mündungsstellen werden zum Trigonum Trigonum vesicaevesicae.

Anatomie

Michel Puylaert

Funktion

  • Sammeln des Harnblase:FunktionHarnblase:AnatomieAnatomie:HarnblaseHarns Funktion:Harnblase(Fassungsvermögen 300–500 ml), ab einer Blasenfüllung von ca. 200 ml kommt es zum Harndrang.

  • Kontrollierte Abgabe des Harns durch Kontraktion des M. sphincter vesicae und Erweiterung des Blasenhalses bei gleichzeitiger Öffnung des Ostium urethrae internum und Entspannung des M. sphincter urethrae.

Aufbau

Die Form der Aufbau:HarnblaseHarnblase (Vesica Vesica urinaria“\t“Siehe Harnblaseurinaria) hängt vom Füllungszustand ab. Entleert wird sie vom Dünndarm zusammengepresst, mit zunehmender Füllung ist sie zuerst breit, flach und von oben eingedellt und wird dann kugelförmig. Man unterscheidet ohne scharfe Grenze (Abb. 14.2):
  • Apex Apex vesicaevesicae (Harnblasenscheitel): dort befindet sich das Lig. umbilicale medianum (14.2.3, Fixationen).

  • Corpus Corpus vesicaevesicae (Harnblasenkörper): Hauptteil der Harnblasenwand

  • Fundus Fundus vesicaevesicae (Harnblasengrund): Boden der Harnblase mit Uretermündungen; die Schleimhaut eines dreieckigen Feldes, des Trigonum Trigonum vesicaevesicae, bleibt immer glatt und faltenlos; dessen Eckpunkte sind die Einmündungsstellen der Ostium ureterisUreteren (Ostia ureterum), die durch die Plica interureterica verbunden sind, und die Austrittsstelle der Urethra (Ostium urethrae Ostium urethrae internuminternum).

  • Cervix Cervix vesicaevesicae (Harnblasenhals): Übergang in Urethra am Ostium urethrae internum; in dieses ragt die Uvula Uvula vesicaevesicae hinein, die die Blase abdichtet und keinen Urin durchlässt.

Die beiden Harnleiter verlaufen seitlich schräg durch die Harnblasenwand und münden am Ostium ureterisin die Harnblase ein. So entsteht eine Art Druckverschluss, der ein Zurückströmen des Urins aus der Harnblase verhindert.

Topografische Anatomie

Lage (Abb. 14.3, 14.4)
  • Lage:HarnblaseBlasenkörper zur Peritonealhöhle, Blasengrund zum Beckenboden gerichtet

  • Hinter der Symphyse subperitoneal im kleinen Becken auf dem Beckenboden gelegen

  • Je mehr die Harnblase gefüllt ist, desto mehr schiebt sie sich zwischen Bauchwand und Bauchfell nach kranial.

  • Apex vesicae, hinterer und seitlicher Teil des Corpus vesicae sind von Peritoneum überzogen, am Apex vesicae schlägt das Peritoneum auf die vordere Bauchwand um.

  • Das Peritoneum sinkt seitlich der Harnblase zur Fossa Fossa paravesicalisparavesicalis ein.

  • An der Harnblasenhinterwand zieht das Peritoneum

    • beim Mann bis zur Samenblase, schlägt dort auf das Rektum um und bildet die Excavatio Excavatio rectovesicalisrectovesicalis als Peritonealtasche,

    • bei der Frau bis zum Blasengrund, schlägt dort auf die Vorderwand des Uterus um und bildet die Excavatio Excavatio vesicouterinavesicouterina als Peritonealtasche.

  • Bei leerer Blase bildet das Peritoneum eine Reservefalte (Plica vesicalis Plica vesicalis transversatransversa).

  • Zwischen Symphysis pubica und Harnblase befindet sich ein Spaltraum mit lockerem Bindegewebe, das Spatium Spatium retropubicumretropubicum bzw. der Retzius-Retzius-RaumRaum, der die Bewegungen der Harnblase erleichtert.

Nachbarschaftsbeziehungen (Abb. 14.3, 14.5)
  • kranial: Dünndarm, Colon sigmoideum, bei der Frau Nachbarschaftsbeziehungen:HarnblaseUterus

  • kaudal: Diaphragma urogenitale (Beckenboden), beim Mann Prostata und Ligg. puboprostatica

  • ventral: Os pubis (dazwischen liegt Spatium retropubicum)

  • dorsal: bei der Frau Uterus und Vagina, beim Mann Rektum

  • lateral: bei der Frau Lig. latum und Excavationes paravesicales, beim Mann dorsolateral Glandula vesiculosa und Ductus deferens

Fixationen (Abb. 14.3, 14.5)
  • Lig. umbilicale Lig. umbilicale medianummedianum: vom Apex vesicae Fixationen:Harnblaseals Rest des obliterierten UrachusUrachus (= embryonaler Verbindungsgang zur Allantois) auf Höhe der Linea alba zum Nabel, verläuft in der Plica umbilicalis Plica umbilicalis medianamediana (medianen Nabelfalte)

  • Lig. umbilicale Lig. umbilicale medialemediale: verläuft beidseits vom höchsten lateralen Punkt des Blasenkörpers – als Rest der verödeten Nabelarterie (A. umbilicalis) – jeweils in der Plica umbilicalis Plica umbilicalis medialismedialis (mediale Nabelfalte) zum Nabel.

  • Lig. Lig. pubovesicalepubovesicale: vom Harnblasengrund zur Symphyse

  • Lig. Lig. puboprostaticumpuboprostaticum: beim Mann von der Prostata und damit vom Blasenhals zur Symphyse

  • Septum Septum vesicovaginalevesicovaginale: Bindegewebsband bei der Frau zwischen Blasenkörper und Vagina

  • Septum Septum rectovaginalerectovaginale: Bindegewebsband bei der Frau zwischen Rektum und Vagina, Teil der Fascia rectovaginalis

  • Septum Septum rectoprostaticumrectoprostaticum: Bindegewebsband beim Mann zwischen Rektum und Prostata sowie Blasenhals, Teil der Fascia Fascia rectoprostaticarectoprostatica (Denonvillier-Denonvillier-FaszieFaszie)

Gleitflächen
  • direkte Gleitflächen beim Mann: Peritoneum, Gleitflächen:HarnblaseOs pubis, Prostata, Mündungen der Samenleiter und Samenbläschen (sind bindegewebig aneinander befestigt)

  • direkte Gleitflächen bei der Frau: Peritoneum, Cervix uteri, Vagina, Beckenboden

  • indirekte Gleitflächen beim Mann: Dünndarm, Rektum, Beckenboden, M. obturatorius internus

  • indirekte Gleitflächen bei der Frau: Dünndarm, Rektum, Corpus uteri, Beckenboden, M. obturatorius internus

Gefäßversorgung, Lymphwege, Innervation

Arterien
Gefäßversorgung:HarnblaseArterien:HarnblaseHarnblasenarterien Harnblase:Gefäßversorgungentspringen der A. iliaca A. iliaca internainterna (Abb. 14.6):
  • Aa. vesicales A. vesicalis superiorsuperiores: Äste der proximalen A. umbilicalis aus der A. iliaca interna; distal des Abgangs dieser Arterien verödet die A. umbilicalis nach der Geburt zum Lig. umbilicale mediale; versorgen Apex vesicae und Blasenkörper.

  • A. vesicalis A. vesicalis inferiorinferior: direkter Ast der A. iliaca interna; versorgt den Blasengrund.

Venen
Venen:HarnblaseIm Bereich des Harnblasengrundes bildet der Plexus venosus Plexus venosus vesicalisvesicalis (Abb. 14.6) ein dichtes Venengeflecht, aus dem das Blut über die Vv. vesicalesVv. vesicales in die V. iliaca interna fließt → V. iliaca communis → V. cava inferior.
Lymphwege (Abb. 14.7)
Lymphwege:HarnblaseDer Lymphabfluss erfolgt zu den regionären Nll. Nll. paravesicalesparavesicales (Nll. prevesicales, Nll. vesicales laterales, Nll. postvesicales) → Nll. iliaci interni → Nll. iliaci communes → Trunci lymphatici lumbales → Cisterna chyli → Ductus thoracicus.
Innervation
Innervation:HarnblaseDer M. detrusor M. detrusor vesicaevesicae wird Harnblase:Innervationvom Parasympathikus aktiviert/kontrahiert und vom Sympathikus gehemmt. Der M. sphincter M. sphincter urethraeurethrae wird willkürlich vom N. pudendus innerviert.

Innervation der Harnblase

Tab. 14.1
InnervationSegment, KerngebieteVerlaufUmschaltung
sympathischTh12–L2 →→ Grenzstrang (Truncus sympathicus) → Nn. splanchnici lumbalesGanglion mesentericum inferius auf Plexus vesicalis
parasympathischS2–S4→ Nn. splanchnici pelviciPlexus hypogastricus inferior

Dysfunktionen

Michel Puylaert

Ursachen

Parietale Dysfunktionen
  • Os ilium

  • Os pubis

  • Os sacrum

  • Os coccygis

  • L1/L2

Viszerale Dysfunktionen
  • Alle Organe Harnblase:Dysfunktionenin der Umgebung der Blase Dysfunktionen:Harnblasekönnen über Gleitflächen, ligamentäre und fasziale Verbindungen die Beweglichkeit der Harnblase einschränken: Peritoneum, Dünndarm, Colon sigmoideum, Rektum, Prostata, Uterus, Vagina

  • Veränderungen des abdominalen Drucks, besonders bei Harnblasenptose

Ligamente
  • Lig. pubovesicale

  • Lig. umbilicale medianum

  • Ligg. umbilicalia medialia

  • Lig. puboprostaticum

Nervale Störungen
  • Nn. splanchnici lumbales L1/L2 (Blasenverschluss)

  • Nn. pelvici S2–S4 (Blasenöffnung)

Störungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • Stauungen im kleinen Becken

  • Kompression des Plexus venosus vesicalis

Endokrine Störungen
  • Ungleichgewicht zwischen Östrogenen und Progesteron beeinflusst die Blasenfunktion → oft leichte Inkontinenz vor der Periode und Besserung danach

  • Klimakterium

Psyche
  • Depression und Frustration

  • Stress oder Angst → oft eine Outflare-Dysfunktion des Beckens → Verspannung des kleinen Beckens (z. B. bei introvertierten Jugendlichen)

Weitere Ursachen
  • Höheres Alter, möglicherweise durch trophische Störungen und muskulären Hypotonus

  • Häufiges Husten, z. B. bei chronischen Lungenerkrankungen

Kompensationsmechanismen

Merke

Ein Großteil der genannten Kompensationsmechanismen:HarnblaseKompensationsmechanismen ist rein hypothetisch und bedarf weiterer Untersuchungen.

  • Da die Blase wie in einem Trichter liegt, kompensieren alle Organe, die kranial der Blase liegen, nach deren Möglichkeiten.

  • Hochstellung des Zwerchfells

  • Versuch einer Spannungsänderung durch Zug am Mesenterium und an der Radix des Dünndarms

  • Spannungsänderung der Lamina pubovesico-utero-rectosacralis → optimale Kompensation jedes Organs

  • Kompensation der Druckänderungen der Harnblase durch die venösen „Kissen“ (Plexus von Santorini)

  • Spannungsänderung der Membrana obturatoria → optimaler Halt für die Harnblase → Beeinflussung der Versorgung der Hüfte durch N. obturatorius sowie A. und V. obturatoria → Hüften bewegen sich mehr in Innen- oder Außenrotation (Hypertonus des M. piriformis)

  • Kompensation der viszeralen Kette Leber, Lig. teres uteri, Nabel, Urachus durch Spannungserhöhung

  • Skoliose, Anteversion oder Torsion des Beckens, Lordose

  • Kompensation des Os sacrum hat möglicherweise Rückwirkung auf Dura mater und Schädel

  • Kompensatorische Haltefunktion über Zug- und Haltesystem der obliterierten Arterien (nach von Hayek): über die Kontinuität der anterior verlaufenden Bänder (Lig. venosum, Lig. teres hepatis, Lig. umbilicale mediale, Lig. umbilicale medianum), über die A. hypogastrica zur Aorta und nach kranial zum Zwerchfell, über die Zwerchfellfaszie zur V. cava inferior und weiter zum Lig. venosum.

Folgen

  • (Stress-)InkontinenzInkontinenz

  • Blasensenkung

  • Ptose und Fixation der Harnblase

  • Fehlstellungen der Gebärmutter

  • HarnblasenentzündungHarnblasenentzündungen (rezidivierend)

  • Verspannung der paravertebralen Muskulatur (besonders im Lendenbereich und kleinen Becken)

  • Dysfunktionen von Os ilium, Os sacrum, Os coccygis

Differenzialdiagnosen

  • Differenzialdiagnosen:HarnblasendysfunktionZystitis

  • Blasensteine

  • Reizblase (neurogene Blase)

  • Inkontinenz

  • Bilharziose

  • Harnblasentumoren

Diagnostik der Dysfunktionen

Michel Puylaert

Symptome

  • Symptome:HarnblasendysfunktionInkontinenzHarnblase:Diagnostik der DysfunktionenInkontinenz

  • Schmerzen beim Wasserlassen

  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

  • Gefühl von allgemeiner Verspannung und Steifheit

  • Allgemeines Schweregefühl (besonders bei Blasenptose)

Inspektion

Typische Inspektion:HarnblasendysfunktionZeichen für eine Blasendysfunktion gibt es kaum, da die Harnblase innerhalb des kleinen Beckens wie in einem Trichter liegt und oft Opfer anderer Dysfunktion ist.
Es können zwei Grundmuster erkannt werden:
  • Verschiebung des Beckens nach anterior im Stehen und Außenrotation der unteren Gliedmaßen, um die Spannung von Beckenboden und pelvitrochanterischer Muskulatur zu erhöhen: z. B. bei Inkontinenz

  • Verschiebung des Beckens nach posterior im Stehen und Innenrotation der unteren Gliedmaßen, um die Spannung von Beckenboden und pelvitrochanterischer Muskulatur zu verringern: z. B. bei Zystitis

Bei Dysfunktionen, die kranialer oder kaudaler liegen:
  • Gestörtes posturales Gleichgewicht: anteroposteriore Haltungsstörungen

  • Gewölbter Unterbauch kann erhöhten Druck auf die Blase ausüben.

  • Narben stören die fasziale Beweglichkeit, z. B. nach Kaiserschnitt.

  • Hüftfehlstellungen können über die Membrana obturatoria eine Fehlspannung auf die Harnblase übertragen.

Reflexzonen und Hinweiszeichen (Abb. 14.8)

Dermatom
  • anterior: Th10-Reflexzonen:HarnblaseHarnblase:ReflexzonenDermatom:HarnblaseTh12

  • posterior: L1–L5 und S2

Dermalgiereflexe nach Jarricot
  • anterior: oberhalb der Symphyse im Dermatom Dermalgiereflexe nach Jarricot:HarnblaseTh12

Neurolymphatische Reflexe nach Chapman
  • anterior: um den Nabel Chapman-Reflexe:Harnblase

  • posterior: Proc. transversus von L2

Triggerpunkte
  • unmittelbar kranial der Symphysis pubica Triggerpunkte:Harnblase

Periostschmerzpunkte
  • anterior: Symphysis pubica Periostschmerzpunkte:Harnblase

  • posterior: Procc. transversi von L1–L5

Knap-Punkte
  • anterior: auf der anterioren Fläche rechts und links der Symphysis pubica Knap-Punkte:Harnblase

  • posterior: etwas lateral des Proc. transversus von L1 rechts und links unter der XII. Rippe

Muskuläre Hinweiszeichen
  • Hypertonie Hinweiszeichen:Harnblasendysfunktionvon

    • Beckenbodenmuskulatur

    • M. erector spinae im Bereich der LWS

Vertebrale Hinweiszeichen
  • Dysfunktion von L2–L3

Perkussion

Da die entleerte Harnblase posterokaudal der Symphysis pubica liegt, ist keine Perkussion möglich.

Palpation

Um Harndrang zu vermeiden, die Blase vor Untersuchung und Behandlung immer entleeren lassen.

Palpation der Harnblase (Abb. 14.9)
Patient: in Rückenlage, beide Beine Palpation:HarnblaseHarnblase:Palpationaufgestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition: Beide Hände nebeneinander auf die Bauchdecke legen, die Fingerspitzen unmittelbar kranial und jeweils 2 cm lateral der Symphysis pubica.
Ausführung: Die Finger sanft nach dorsal, kaudal und medial bewegen, um Kontakt mit der Spitze des Blasenfundus aufzunehmen.
Bewertung: Elastizität des Gewebes beurteilen.
  • Normalbefund: weich-elastisches Palpationsgefühl. Da die Harnblase im entleerten Zustand untersucht wird, ist sie schwer zu palpieren. Sie bleibt immer unter den Rr. superiores ossis pubis. Eine gefüllte Blase kann bis zu 3 cm über das Os pubis ragen. Wenn der Patient bei der Palpation einen HarndrangHarndrang verspürt, ist das selbstverständlich kein Hinweis auf eine Dysfunktion.

  • Ein festes Palpationsgefühl im Bereich der Symphysis pubica deutet auf eine ligamentäre Störung (z. B. des Lig. pubovesicale) hin.

Motilität

Im Exspir bewegt sich der Apex vesicae Motilität:Harnblasenach dorsal und kranial (Abb. 14.10).
Palpation der Harnblasenmotilität (Abb. 14.11)
Patient: in Palpation:HarnblasenmotilitätHarnblasenmotilität:PalpationRückenlage
Therapeut: stehend, neben dem Patienten
Handposition:
  • Eine Hand mit der Handwurzel knapp oberhalb der Symphyse auflegen, sodass die Finger flach auf dem Bauch liegen und der Mittelfinger zum Nabel zeigt.

  • Die andere Hand unter das Os sacrum legen, die Fingerspitzen sind dabei nach kranial gerichtet.

Bewertung: Amplitude, Kraft, Leichtigkeit und Symmetrie der Blasenbewegung“\t“Siehe unter HarnblaseBlasenbewegung beurteilen.
  • Normalbefund: Während der Inspir-Phase wird die obere Hand nach kranial und dorsal und die untere am Os sacrum nach kaudal und ventral bewegt.

  • Eine Restriktion deutet auf eine Senkung oder ein verkürztes Band (z. B. Lig. pubovesicale) hin.

Mobilität

Mobilität nach Finet und Williame
Die Blase wurde von Finet und Williame nicht untersucht.
Mobilität nach Barral und Mercier
Bei der Einatmung bewegt sich die Harnblase Mobilität nach Barral und Mercier:Harnblasenach dorsal und kranial (Abb. 14.10).
Palpation
Palpation der Harnblasenmobilität
Patient: in Rückenlage, Hüften und Knie leicht Palpation:HarnblasenmobilitätHarnblasenmobilität:Palpationgebeugt
Therapeut: stehend, neben dem Patienten, auf Beckenhöhe
Handposition: eine Hand flach auf den Bauch legen mit dem Handballen oberhalb der Symphyse, die Finger sind zum Nabel gerichtet
Ausführung: mit dem Handballen nach dorsokranial zum Bauchnabel hin drücken
Bewertung: Amplitude, Kraft, Leichtigkeit und Symmetrie der Blasenbewegungen beurteilen.
  • Normalbefund: Die Blase bewegt sich harmonisch mit der Atembewegung.

  • Bewegungsveränderungen deuten auf eine Blasensenkung oder verkürzte Bänder hin.

Tests

Um einen HarndrangHarndrang zu vermeiden, die Harnblase vor Untersuchung und Behandlung immer entleeren lassen.

Test der Spannung des Lig. umbilicale medianum (Abb. 14.12)
Patient: in Tests:HarnblaseRückenlage
Therapeut: stehend, neben dem Patienten
Handposition: Die Fingerspitzen nebeneinander senkrecht auf eine gedachte Linie vom Nabel zur Symphysis pubica legen.
Ausführung: Die Fingerspitzen nach dorsal bewegen, bis eine Art runde Sehne deutlich spürbar wird.
Bewertung: Elastizität der Gewebe beurteilen.
  • Normalbefund: Das Lig. umbilicale Lig. umbilicale medianum:Testmedianum ist unauffällig und fühlt sich elastisch an.

  • Eine feste, verspannte Sehne deutet auf eine Instabilität der Harnblase:InstabilitätHarnblase hin. Manchmal sind Mikrorisse palpierbar.

Test der Elastizität der Membrana obturatoria (z. B. rechts) (Abb. 14.13)
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf der zu untersuchenden Seite (z. B. rechts), auf Beckenhöhe des Patienten
Handposition:
  • Mit dem rechten Daumen an der Sehne des M. adductor longus entlang nach kranial und etwas lateral in Richtung Foramen obturatorium palpieren.

  • Mit der linken Hand das homolaterale Darmbein durch leichten Druck auf die Crista iliaca nach kaudal fixieren.

Ausführung:
  • Druck nach kranial und leicht dorsal ausüben und den Patienten auffordern, dabei tief ein- und auszuatmen.

  • Beide Seiten vergleichen.

Bewertung: Elastizität der Gewebe beurteilen.
  • Normalbefund: Die elastische kraniokaudale Bewegung der Membrana Membrana obturatoria:Testobturatoria während der Atmung ist mit dem Daumen palpierbar.

  • Deutlicher Widerstand oder keine Bewegung während der Atmung deuten auf eine Hypertonie der Membran und eine Fixierung der Harnblase hin.

Merke

Ausführung und Bewertung dieses Tests sind schwierig und bedürfen einiger Erfahrung.

Mobilitätstest der Harnblase (Abb. 14.14)
Patient: sitzend, leicht nach vorne gebeugt, gegen den Therapeuten gelehnt Harnblasenmobilität:Test
Therapeut: stehend, hinter dem Patienten
Handposition:
  • Mit den Armen den Thorax umfassen.

  • Mit den Händen kraniodorsal der Symphyse und lateral des M. rectus abdominis Kontakt zum Apex der Blase aufnehmen.

  • Alternativ unter dem Nabel das Lig. umbilicale medianum aufsuchen.

Ausführung:
  • Leichten Druck nach posterior ausüben, um die Blase an der posterioren Wand zu fixieren.

  • Dann Zug nach kranial induzieren, um die Blase nach kranial zu bewegen.

  • Darauf achten, dass Haut und Bauchmuskulatur dabei nicht gespannt werden.

Bewertung: Elastizität der Gewebe beurteilen.
  • Normalbefund: Die Blase lässt sich ca. 2 cm nach kranial anheben. Am Lig. umbilicale medianum ist elastischer Widerstand palpierbar.

  • Verhärtungen und Verspannungen deuten auf eine fixierte Harnblase, u. U. eine Ptose, hin.

Faszialer Spannungstest für die Harnblase (Abb. 14.15)
Patient: in Harnblase:faszialer SpannungstestRückenlage
Therapeut: stehend, auf Beckenhöhe des Patienten
Handposition: Den Handballen einer Hand unmittelbar kranial der Symphyse auf die Bauchdecke legen, die Finger sind nach kranial gerichtet.
Ausführung: Handballen nach kraniodorsal bewegen, um die Harnblase in der Tiefe nach kranial zu verschieben.
Bewertung: Elastizität der Gewebe beurteilen.
  • Normalbefund: Elastische Widerstand der Harnblase ist palpierbar.

  • Unverschieblichkeit der Harnblase deutet auf eine Blasenfixierung hin.

Behandlung der Dysfunktionen

Torsten Liem (14.5.13), Michel Puylaert ( 14.5.1–14.5.12 )

Harnblase:BehandlungBehandlung:HarnblasendysfunktionUm einen Harndrang zu vermeiden, die Harnblase vor Untersuchung und Behandlung immer entleeren lassen.

Allgemeine Entspannungstechnik für Diaphragma pelvis und Diaphragma urogenitale

Indikation: gestörte Trophik, Mobilitätsverlust des Uterus, Diaphragma urogenitale:EntspannungstechnikDiaphragma pelvis:EntspannungstechnikHämorrhoiden
Patientin: in Seitenlage, Kissen unter dem Kopf und evtl. zwischen den Knien
Therapeut: stehend, vor dem Patienten, auf Höhe der Beckens; hat mit dem Oberkörper engen Kontakt zum Becken
Handposition:
  • Die kraniale Hand auf Höhe der SIPS, der Unterarm liegt auf der posterolateralen Seite der Crista iliaca.

  • Die kaudale Hand liegt medial am Tuber ischiadicum.

Ausführung:
  • Mit dem Oberkörper verschiedene Druckrichtungen einstellen (z. B. Inflare/Outflare).

  • Die Hände positionieren das Os coxae in die leichtere Stellung (z. B. anterior/posterior).

  • Variante: Dehnung der Gewebe in die eingeschränkte Richtung ausführen.

  • Die Technik beenden, wenn sich die Beckenhälfte fest-elastisch anfühlt.

Anmerkung: Die Technik eignet sich auch zur Behandlung der Gebärmutter und der Prostata.

Direkte Mobilisationstechnik der Harnblase (Abb. 14.16)

Indikation: BlasensenkungBlasensenkung, InkontinenzInkontinenz Mobilisation:HarnblaseHarnblase:Mobilisationstechnik
Patient: sitzend, leicht nach vorne gebeugt, gegen den Therapeuten gelehnt
Therapeut: stehend, hinter dem Patienten
Handposition:
  • Mit den Armen den Thorax umfassen und

  • mit den Händen jeweils kraniodorsal der Symphyse und lateral des M. rectus abdominis Kontakt zum Apex vesicae aufnehmen.

Ausführung:
  • Den Patienten langsam aufrichten, ohne den Fixpunkt (Apex) loszulassen; dabei wird das Aufhängungssystem der Blase gedehnt.

  • Vorgang wiederholen, bis ein elastisches Gefühl spürbar wird.

  • Die Finger dann auf einer gedachten Linie vom Nabel zum Os pubis weiter kranial bis zum Nabel legen.

  • Den Patienten aus der Kyphose mehrmals langsam aufrichten, bis ein elastisches Gefühl spürbar wird; dabei werden weitere Strukturen in Verbindung mit der Harnblase gedehnt (z. B. Omentum majus, Dünndarm, Peritoneum, Uterus, Prostata).

Heben der Harnblase und Dehnung der Urethra (Abb. 14.17)

Indikation: BlasensenkungBlasensenkung, Urethra:DehnungInkontinenzHarnblase:HebenInkontinenz
Patient: in Rückenlage, beide Beine angestellt
Therapeut: stehend, rechts oder links am Kopfende des Patienten
Handposition:
  • Beide Hände übereinander über die Symphyse legen, die Finger sind nach kaudal gerichtet.

  • Haut nach kaudal schieben und Druck nach dorsal ausüben.

Ausführung:
  • Während der Ausatmung das Gewebe nach kranial ziehen und es während der Einatmung kranial halten; davon wird auch die Elastizität der Urethra günstig beeinflusst.

  • Nach 8–10 Wiederholungen die Finger jeweils auf den Bereich lateral des M. rectus abdominis verlagern.

  • Während der Ausatmung wieder Zug nach kranial ausüben, um auf die Ligg. umbilicalia einzuwirken; der Zug kann abwechselnd nach kranial links oder kranial rechts ausgeübt werden.

  • Technik beenden, wenn sich die Harnblase nach kranial mobilisieren lässt und elastischer Widerstand palpierbar ist.

Lösung von Verklebungen mit dem Dünndarm (Abb. 14.18)

Indikation: Ptose, Verklebungen Harnblase:Verklebungen mit Dünndarm lösen
Patient: in Rückenlage, beide Beine angestellt
Therapeut: stehend, rechts oder links am Kopfende des Patienten
Handposition: Mit beiden Händen den Dünndarm breitflächig und zangenförmig greifen, die Fingerspitzen zeigen dabei zur Symphyse.
Ausführung:
  • Während der Ausatmung den Dünndarm nach kranial ziehen, dabei mit den Händen eine leichte Supinationsbewegung ausführen und vibrieren.

  • Während der Einatmung leicht dagegenhalten,

  • 8–10× wiederholen.

  • Hierbei werden auch eventuelle Verklebungen mit dem Colon sigmoideum, Zäkum oder Uterus gelöst.

Merke

Der Patient kann nach Anweisung diese Technik als Selbstbehandlung anwenden (z. B. 1× tgl.), um die Trophik der gesamten Region zu verbessern und die Wirkung der Behandlung zu stabilisieren.

Dehnung des Lig. pubovesicale (Abb. 14.19)

Indikation: Ptose, Verspannungen, Lig. pubovesicale:DehnungVerklebungen
Patient: in Rückenlage, beide Beine angestellt, ein Kissen unter den Knien
Therapeut: stehend, rechts oder links am Kopfende des Patienten
Handposition:
  • Hände flach nebeneinander auf die Bauchdecke legen, die Fingerspitzen leicht kranial der Symphyse.

  • Mit den Fingerspitzen jeweils 2 cm lateral der Symphyse nach dorsokaudal eindringen, um den Bereich zwischen Os pubis und Blase zu erreichen.

Ausführung:
  • Alle Verklebungen oder Bewegungseinschränkungen mit leichtem Druck oder kreisförmigen Massagebewegungen lösen, dabei die Finger von lateral nach medial bewegen.

  • Dadurch werden das Lig. pubovesicale und das Lig. Lig. puboprostaticum:Dehnungpuboprostaticum beeinflusst.

  • Die Technik beenden, wenn die Finger aufeinandertreffen und nur noch elastischer Widerstand besteht.

Mobilisation der Harnblase mit langem Hebel (Abb. 14.20)

Indikation: Ptose, Verspannungen, Verklebungen, Mobilisation:HarnblaseInkontinenzInkontinenzHarnblase:Mobilisationstechnik
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, auf Beckenhöhe des Patienten
Handposition:
  • Mit einer Hand die angewinkelten Beine des Patienten halten oder einen Fuß auf die Liege stellen, Unterschenkel des Patienten auf die Oberschenkel legen und die Knie halten.

  • Die Fingerspitzen der anderen Hand auf die gedachte Linie von der Symphyse zum Nabel legen oder zangenförmig lateral des M. rectus abdominis und posteroinferior der Symphyse die Harnblase greifen.

Ausführung:
  • Während die Beine in verschiedene Richtungen (Extension, Seitneigung etc.) bewegt werden, mit der anderen Hand Lig. umbilicale medianum oder Harnblase mobilisieren oder fixieren.

  • Diese Technik ermöglicht zahlreiche Variationen durch die Beinbewegungen, sodass der Therapeut jeden Bereich erreichen kann.

  • Die Technik beenden, wenn überall elastischer Widerstand palpierbar ist.

Dehnung des Lig. umbilicale medianum (Abb. 14.21)

Indikation: Verspannungen, nach Durchführung der Lig. umbilicale medianum:DehnungBlasenmobilisierung
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, seitlich des Patienten
Handposition: Die Finger senkrecht auf eine gedachte Linie vom Nabel zur Symphyse legen und nach dorsal drücken, um Kontakt zum Lig. umbilicale medianum aufzunehmen.
Ausführung:
  • Um das Lig. umbilicale medianum auseinanderzuziehen, die Hände in gegenläufige Richtungen bewegen oder eine Hand an einer Stelle festhalten und mit der anderen Hand die Dehnung ausüben.

  • Die Technik beenden, wenn elastischer Widerstand palpierbar ist.

Entspannung der Membrana obturatoria (z. B. rechts) (Abb. 14.22)

Indikation: Verspannung, Verklebungen, Membrana obturatoria:EntspannungHüftgelenkdysfunktion
Patient: in Rückenlage, rechtes Bein angestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten, auf Beckenhöhe
Handposition:
  • Mit dem rechten Daumen unter der Sehne des M. adductor longus nach kranial und etwas lateral in Richtung Foramen obturatorium palpieren.

  • Mit der linken Hand das homolaterale Darmbein durch leichten Druck auf die Crista iliaca nach kaudal fixieren.

Ausführung:
  • Phase 1: Sanfte kreisförmige Massagebewegungen ausführen, um die Zone zu entspannen; es kann auch das Hüftgelenk mobilisiert werden, um die Kontaktaufnahme des Daumens zu erleichtern.

  • Phase 2: Während der Ausatmung mit dem Daumen Druck nach kranial ausüben, während der Einatmung den Druck leicht nachlassen.

  • Technik beenden, wenn sich die Membrana obturatoria und ihre Umgebung elastisch anfühlen und die kraniokaudale Atembewegung gut wahrnehmbar ist.

Merke

Die Manipulation erfolgt zwar unter der Schmerzgrenze, ist aber für den Patienten oft leicht unangenehm.

Kombinierte Technik: Entspannung der Membrana obturatoria und Mobilisation der Harnblase (z. B. rechts)

Indikation: Verklebungen, Inkontinenz, Prostatadysfunktion, HüftgelenkdysfunktionHarnblase:Mobilisationstechnik Membrana obturatoria:Entspannung
Patient: in Rückenlage, rechtes Bein angestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten, auf Beckenhöhe
Handposition:
  • Mit dem rechten Daumen hinter der Sehne des M. adductor longus nach kranial und etwas lateral in Richtung Foramen obturatorium palpieren.Variante: Der Daumen liegt anterior der Sehne des M. adductor longus.

  • Mit dem linken Daumen lateral des M. rectus abdominis oder an der lateralen Seite der Harnblase sanft in den Anulus inguinalis superficialis eindringen.

Ausführung:
  • Beide Daumen zueinander drücken.

  • Technik beenden, wenn sich die Gewebe zwischen beiden Daumen und ihre Umgebung elastisch anfühlen und die kraniokaudale Atembewegung gut wahrnehmbar ist.

Entspannung des Anulus superficialis inguinalis

Indikation: Schmerzen im kleinen Becken, Störung der lymphatischen und venösen Zirkulation Anulus inguinalis superficialis:Entspannung
Patientin: in Rückenlage, Beine aufgestellt
Therapeut: stehend, vor dem Patienten, auf Höhe des Beckens
Handposition:
  • Den Zeigefinger der kaudalen Hand kranial und lateral des Tuberculum pubicum auf den Leistenring legen.

  • Die kraniale Hand liegt unmittelbar kranial der Symphysis pubica und stabilisiert den Unterbauch.

Ausführung:
  • Sanft in den Canalis Canalis inguinalisinguinalis eindringen und nach verspannten Stellen suchen.

  • Eine leichte Kreisbewegung ausführen oder konstanten Druck ausüben, bis die Spannung nachlässt.

Induktion der Harnblasenmotilität (Abb. 14.23)

Indikation: Motilitätsdysfunktion, nach Durchführung der Induktion:HarnblasenmotilitätHarnblasenmotilität:InduktionMobilisation
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, auf Beckenhöhe des Patienten
Handposition: Eine Hand auf die Bauchdecke legen, den Handballen auf die Symphyse, die Finger zum Nabel gerichtet.
Ausführung:
  • Durch leichten Druck die Exspir-Bewegung der Blase nach dorsokranial etwas verstärken.

  • Dann halten, bis sich die Bewegung wieder harmonisch anfühlt.

Merke

Häufig ist eine Erwärmung des gesamten Bereichs ein Zeichen der Entspannung.

BEFNT-Integration der Harnblase

(2.4.2)
Indikation: Dysfunktion der Harnblase:BEFNT-IntegrationBEFNT-Integration:HarnblaseHarnblase
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: stehend, seitlich des Patienten, auf Beckenhöhe
Handposition:
  • Die rechte Hand flach auf den Bauch legen, den Handballen oberhalb der Symphyse, die Finger sind zum Nabel gerichtet.

  • Hand in den Bauchraum einsinken und die Harnblase sanft in die Hand kommen lassen.

  • Die linke Hand auf das Os sacrum legen, die Finger zeigen nach kranial.

Point of balanced entodermal tension (PBET)
  • Resistenz der entodermalen Struktur auf sanften Druck hin testen und die Dichte der Struktur bewerten.

  • Der entodermalen Spannung der Harnblasenwand in die Position bzw. in die Form folgen, in der sie am besten ausgeglichen ist (→ PBET).

  • Dabei die embryonalen Kraftvektoren berücksichtigen.

Neuronale Inhibition
  • Die linke Hand auf verschiedene Ebenen des Rückens legen, dabei die rechte Hand im Bereich der Harnblase liegen lassen.

  • Falls es einen Bereich am Rücken gibt, in dem sich die Harnblase unter der Hand entspannt bzw. sich ihre Bewegungseinschränkung verbessert, die Hand dort liegen lassen: in der Regel auf Höhe von L1–L3 (sympathische Innervation), S2–S4 (parasympathische Innervation) oder ventral unterhalb des Bauchnabels (Ganglion mesentericum inferius) oder anterior vom Os sacrum (Plexus hypogastricus inferior).

  • Durch sanften konstanten Druck eine Inhibition im jeweiligen Bereich ausführen.

Point of balanced fascial tension (PBFT)
  • Fasziale Beweglichkeit passiv oder aktiv atemsynchron oder aktiv unabhängig zur Atemaktivität testen.

  • Spannungsgleichgewicht der faszialen Strukturen der Harnblase einstellen, d. h. versuchen, den therapeutisch induzierten Gleichgewichtszustand der viszerofaszialen Spannungen zu erreichen, in dem sie gleichmäßig in allen Richtungen ausgeglichen sind.

  • In der Regel die Harnblase in die Position begleiten, in die sie sich leicht bewegen lässt.

  • Um die unterschiedlichen Spannungsmuster der Aufhängungen (und faszialen Gleitflächen) der Harnblase zu kopieren, die Krafteinwirkung der Hände an sie anpassen bzw. ihnen angleichen.

    • Über die Fixationen: nach superior zum Nabel (Lig. umbilicale medianum, Ligg. umbilicalia medialia), vom Blasengrund zur Symphyse (Lig. pubovesicale), vom Blasenkörper zur Vagina (Septum vesicovaginale), nach superior (Aa. vesicales superiores, A. vesicalis inferior) vom Rektum zur Vagina bzw. Prostata.

    • Über die Gleitflächen beim Mann: direkt zum Peritoneum, Os pubis, zur Prostata, Mündung der Samenleiter und Samenbläschen, indirekt nach superior zum Dünndarm, nach posterior zum Rektum, nach inferior zum Beckenboden, nach inferolateral zur Fascia obturatoria interna.

    • Über die Gleitflächen bei der Frau: direkt zum Peritoneum, zur Cervix uteri, Vagina, indirekt nach superoanterior zum Dünndarm, nach superoposterior zum Corpus uteri, nach posterior zum Rektum, nach inferior zum Beckenboden, nach inferolateral zur Fascia obturatoria interna.

  • Dazu ggf. eine Hand z. B. auf die Ligg. umbilicalia medialia, den Dünndarm oder die Symphyse legen.

  • Einstellung eines PBFT (evtl. mit leichter Kompression) → minimale Bewegungen im faszial-ligamentären viskoelastischen Umfeld der Harnblase treten auf → ein neues Gleichgewicht etabliert sich → eine physiologischere Bewegungsamplitude wird palpierbar, evtl. entsteht ein Stillpunkt; Harnblase in die Ausgangslage zurückbringen.

Anschließend können Techniken wie balanced dynamic tension und balanced fluid tension (BDT, BFT) angewendet werden. Darauf achten, weder bei der Untersuchung noch bei der Behandlung bis an die Bewegungsgrenzen zu gehen.

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