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B978-3-437-56011-8.00013-7

10.1016/B978-3-437-56011-8.00013-7

978-3-437-56011-8

Entwicklung der Niere und des Harnleiters. a: Schematische Darstellung des intermediären Mesoderms für Vor-, Ur- und Nachniere. Im Zervikalbereich ist es segmentiert, im Thorakal- und Lumbalbereich bildet es den unsegmentierten nephrogenen Strang. b: Entwicklung der exokrinen Einheit in der Nachniere. Glomerulus und tubulärer Apparat entstehen aus dem Mesenchym, Verbindungsstück und Sammelrohr aus der Ureterknospe. Sammelrohr und tubulärer Apparat eines Nephrons müssen sich vereinigen, andernfalls entstehen Nierenzysten. c: Zustand nach Aszensus der Niere. Der Ureter mündet als Fortsetzung des Nierenbeckens in die Kloake. Die Urniere ist fast vollständig degeneriert.

Aufbau von Niere und Ureter (Ansicht von ventral, schräger vertikaler Halbierungsschnitt). a: Darstellung von Rinde, Mark und Nierenbecken nach Entfernung der Gefäße und des Fettgewebes im Nierensinus. Die Pfeile geben die Harnflussrichtung von den Pyramiden zu den Nierenkelchen an. b: Darstellung von Rinde, Mark, Becken und Hilum der Niere.

Lagebeziehung der Nieren und Ureteren zu Rippen, Wirbelsäule und Medianlinie

Lage der Nieren und Ureteren im Retroperitonealraum (Ansicht von ventral)

Faszienverhältnisse der Nieren (Paramedianschnitte). a: Ansicht von medial rechts. b: Ansicht von medial links.

Lagebeziehung der Pars pelvica des Ureters zu Gefäßen und Nerven

Lage der Pars pelvica des Ureters vor Eintritt in die Harnblase beim Mann (Ansicht von dorsokranial)

Lage der Pars pelvica des Ureters vor Eintritt in die Harnblase bei der Frau (Ansicht von dorsokranial)

Nieren und benachbarte Organe. BF = Berührungsfeld. a: Ventralseite (Ansicht von ventral). b: Dorsalseite (Ansicht von dorsal)

Arterielle und venöse Versorgung von Niere und Ureter

Lymphgefäße und Lymphknoten von Niere und Ureter

Hinweiszeichen auf eine Dysfunktion

„Klassische“ Palpation der rechten Niere

„Klassische“ Palpation der linken Niere

Motilität der rechten Niere im Inspir (Frontalebene)

Mobilität der rechten Niere nach Barral und Mercier (Frontalebene)

Palpation der rechten Nierenmobilität I

Palpation der Nierenmobilität II

Rebound-Test (rechte Niere)

Fasziale Verschieblichkeit der Niere

Mobilitätstechnik für die Niere in Rückenlage

Mobilitätstechnik für die Niere im Sitzen

Behandlung einer Nierenptose (z. B. rechts)

Kombinierte Technik zur Behandlung einer Nierenptose mit einem Bein (z. B. rechts)

Dehnung der Fascia perirenalis (z. B. links)

Induktionstechnik für die Niere (Motilität)

Lösung einer lokalen Verspannung des Ureters

Dehnung des Ureters

Innervation von Niere und UreterUreter:InnervationNiere:InnervationInnervation:UreterInnervation:Niere

Tab. 13.1
Innervation Segment, Kerngebiete Verlauf Umschaltung
sympathisch Th10–Th12 → → Grenzstrang (Truncus sympathicus) → N. splanchnicus minor Ganglion coeliacum auf Plexus aorticorenalis, für Ureter auch auf Plexus uretericus
parasympathisch S1–S4 → Nn. splanchnici pelvici über Plexus aorticorenalis intramural

Niere und Ureter

Herwig Hahn von Dorsche

(13.1)

Torsten Liem

(13.5.9)

Michel Puylaert

(13.2–13.4, 13.5.1–13.5.8) und Therapeut auf den Fotos:

Michel Puylaert

  • 13.1

    Embryologie Herwig Hahn von Dorsche418

  • 13.2

    Anatomie Michel Puylaert420

    • 13.2.1

      Funktion420

    • 13.2.2

      Aufbau420

    • 13.2.3

      Topografische Anatomie423

    • 13.2.4

      Gefäßversorgung, Lymphwege, Innervation429

  • 13.3

    Dysfunktionen Michel Puylaert432

    • 13.3.1

      Ursachen432

    • 13.3.2

      Kompensations-mechanismen433

    • 13.3.3

      Folgen434

    • 13.3.4

      Differenzialdiagnosen434

  • 13.4

    Diagnostik der Dysfunktionen Michel Puylaert434

    • 13.4.1

      Symptome434

    • 13.4.2

      Inspektion435

    • 13.4.3

      Reflexzonen und Hinweiszeichen435

    • 13.4.4

      Perkussion437

    • 13.4.5

      Palpation438

    • 13.4.6

      Motilität439

    • 13.4.7

      Mobilität440

    • 13.4.8

      Tests442

  • 13.5

    Behandlung der Dysfunktionen Torsten Liem (13.5.10), Michel Puylaert (13.5.1–13.5.9)444

    • 13.5.1

      Mobilitätstechnik für die Niere in Rückenlage444

    • 13.5.2

      Mobilitätstechnik für die Niere im Sitzen445

    • 13.5.3

      Behandlung einer Nieren-ptose (z. B. rechts)446

    • 13.5.4

      Kombinierte Technik zur Behandlung einer Nierenptose mit einem Bein (z. B. rechts)447

    • 13.5.5

      Dehnung der Fascia perirenalis (z. B. links)448

    • 13.5.6

      Induktionstechnik für die Niere (Motilität)449

    • 13.5.7

      Lösung einer lokalen Verspannung des Ureters449

    • 13.5.8

      Dehnung des Ureters450

    • 13.5.9

      Fasziale Behandlung der Niere (modifiziert nach Finet und Williame)451

    • 13.5.10

      BEFNT-Integration der Niere (z. B. rechts)452

Embryologie

Herwig Hahn von Dorsche
UreterNiereEmbryologie:UreterEmbryologie:NiereDie Nierenentwicklung Ureter:EmbryologieNiere:Embryologiegeschieht in 3 Stufen. Zuerst wird die Vorniere angelegt, dann folgen Ur- und Nachniere. Die exokrinen Einheiten des Nierensystems entstehen aus dem intermediären Mesoderm (Abb. 13.1a).
Beim menschlichen Embryo ist die VorniereVorniere nur eine vorübergehende Bildung, die sich in der 3. Woche entwickelt und aus 7–10 soliden Strängen oder Kanälchen im Zervikalbereich besteht. Die Segmente des intermediären Mesoderms dieses Abschnitts werden als NephrotomeNephrotome bezeichnet. Die Enden der Kanälchen vereinigen sich miteinander zum longitudinalen VornierengangVornierengang. Am Ende der 5. Woche ist das Vornierensystem verschwunden.
In der 4.–5. Woche entsteht die UrniereUrniere in der Thorakal- und Lumbalregion. Die segmentale Gliederung ist aufgehoben, das intermediäre Mesoderm bildet einen zusammenhängenden nephrogenen nephrogener StrangStrang. Die exokrinen Kanälchen wachsen schnell, krümmen sich S-förmig und werden zu Urnierenkanälchen. Ihr abführender Schenkel mündet in den UrnierengangUrnierengang oder Wolff-GangWolff-Gang. Am medialen Ende der UrnierenkanälchenUrnierenkanälchen entsteht ein Glomerulus (Kapillarknäuel) mit der Bowman-Kapsel. Das Nierenkörperchen ist vorhanden. Am Ende des 2. Monats bildet sich die Urniere z. T. zurück. Im kaudalen Abschnitt bleiben einige Kanälchen erhalten, die beim männlichen Embryo zu den Ductuli efferentes Ductuli efferentes testistestis (abführenden Hodenkanälchen) werden und beim weiblichen Embryo als funktionslose Reste im Gekröse des Eileiters liegen bleiben. Aus dem Urnierengang geht beim männlichen Embryo der Ductus Ductus deferensdeferens hervor (16.1), beim weiblichen bildet sich dieser zurück.
Als letztes Ausscheidungsorgan entwickelt sich die definitive Niere, die NachniereNachniere. Aus dem kaudalen Abschnitt des Urnierengangs sprosst in der 4. Woche (um den 33. Tag) nach dorsokranial die Ureterknospe aus, über die sich kappenförmig das metanephrogene Blastem der Sakralsegmente stülpt. Die Enden der UreterknospeUreterknospe erweitern sich zu einem Bläschen. Aus dem Stiel entsteht der Ureter (Harnleiter“\t“Siehe UreterHarnleiter), der in die Kloake mündet (Abb. 13.1c), aus dem Bläschen das NierenbeckenNierenbecken. Dieses bildet 2–3 größere Aufzweigungen, an deren Enden jeweils 2 Knospen, die NierenkelcheNierenkelche, entstehen. Diese teilen sich weiter auf und bilden Sammelrohre, NierenSammelrohre, die über Verbindungsstücke an die Nephrone angeschlossen sind.
Unter dem induktiven Einfluss der wachsenden Gangknospe treten am Rand des metanephrogenen metanephrogenes BlastemBlastems Zellanhäufungen auf. Diese differenzieren sich zu Nierenbläschen, aus denen die Nierenkanälchen aussprossen. Bläschen und Kanälchen bilden zusammen ein NephroneNephron. Der proximale Nephronabschnitt wird zur Bowman-Bowman-KapselKapsel, in die eine kapillarähnliche Schlinge einwächst und sie ausbuchtet. Ein NierenglomerulusNierenglomerulus entsteht. Der distale Abschnitt gewinnt Anschluss an ein Verbindungsstück und damit an das Sammelrohrsystem. Durch Längenwachstum bildet sich aus den NierenkanälchenNierenkanälchen der tubuläre Apparat, der aus proximalem Tubulus contortus, Henle-Henle-SchleifeSchleife und distalem Tubulus Tubulus contortuscontortus besteht (Abb. 13.1b). Finden die Enden von Nierenkanälchen und Sammelrohr nicht zueinander, endet das Kanälchen blind, und es entstehen NierenzystenNierenzysten.
Durch das Wachstum des Embryos wird die Nachniere, die ursprünglich im Bereich des Beckens liegt, nach kranial verlagert: Aszensus der Aszensus der NierenNieren. Dadurch wird der Ureter in die Länge gezogen. In der 2. Hälfte der Schwangerschaft nimmt die Niere ihre Funktion auf.

Anatomie

Michel Puylaert

Funktion

Niere
  • Entfernung Ureter:AnatomieNiere:AnatomieAnatomie:UreterAnatomie:Nierevon Stoffwechselendprodukten Funktion:Niereund Giftstoffen aus dem Blut und deren Ausscheidung als harnpflichtige Substanzen

  • Regulation des Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts

  • Hormonproduktion von

    • ReninRenin, das den Blutdruck beeinflusst

    • ErythropoetinErythropoetin für die Blutbildung

Ureter
  • Weiterleitung des Harns Funktion:Uretervon der Niere zur Harnblase durch peristaltische Bewegungen

Aufbau

Niere
Aufbau:NiereDie Niere hat ein bohnenförmiges Aussehen. Sie ist von innen nach außen umgeben (Abb. 13.5) von einer
  • Capsula Capsula fibrosafibrosa (Organkapsel), einer derben kollagenfaserhaltigen Kapsel um die NierenkapselNiere

  • Capsula Capsula adiposaadiposa (Fettkapsel (Niere)Fettkapsel), in der die Niere und die auf ihrem oberen Pol liegende Nebenniere eingebettet sind; dorsal ist mehr Fettgewebe vorhanden als ventral

  • Fascia Fascia renalisrenalis (Gerota-Gerota-FaszieFaszie), die als Fasziensack Niere:FasziensackNiere und Nebenniere mit der Fettkapsel umschließt; sie erstreckt sich von der XI. Rippe bis zur Crista iliaca und besteht aus einem vorderen und hinteren Blatt, die sich kranial über die Zwerchfellfaszie und lateral in der Lamina propria des Peritoneums vereinigen.

Man unterscheidet an der uneröffneten Niere (Abb. 13.2b):
  • Margo lateralis: den konvexen lateralen Rand

  • Margo medialis: den konkaven medialen Rand mit dem Nierenhilum in der Mitte (s. u.)

  • Facies anterior: die gewölbte Vorderfläche

  • Facies posterior: die platte Hinterfläche

  • Extremitas superior: den oberen Nierenpol

  • Extremitas inferior: den unteren Nierenpol

Am NierenhilumNierenhilum (Hilum Hilum renalerenale) treten Blutgefäße, Ureter und Nerven ein bzw. aus. Nach innen erweitert es sich zur Nierenbucht (Sinus Sinus renalisrenalis)Nierenbucht, die das NierenbeckenNierenbecken (Pelvis Pelvis renalisrenalis) und die großen Gefäße beherbergt. Im Nierenhilum liegen
  • kranial bzw. in der Mitte die A. renalis,

  • in der Mitte bzw. anterior die V. renalis,

  • kaudal bzw. dorsal der Ureter.

Schneidet man die Niere von lateral nach medial auf, können NierenparenchymNierenparenchym und Hohlraumsystem der Niere unterschieden werden (Abb. 13.2a, b).
Das Parenchym gegliedert sich in die NierenrindeNierenrinde (Cortex Cortex renalisrenalis) als körnige Außenschicht und das NierenmarkNierenmark (Medulla Medulla renalisrenalis) als „streifige“ Innenschicht. In der Nierenrinde befinden sich die Glomeruli und die gewundenen Anteile, im Nierenmark die geraden Anteile der Nierentubuli. Stellenweise reicht die Rinde bis ans Nierenbecken; diese NierensäulenNierensäulen heißen Columnae renales. Durch die Columnae Columnae renalesrenales wird das Nierenmark in 10–20 keilförmige Bereiche, die Pyramides Pyramides renalesrenales, unterteilt. Jede Markpyramiden, NiereMarkpyramide bildet mit der umgebenden Rinde eine funktionelle Einheit, einen NierenlappenNierenlappen (Lobus Lobus renalisrenalis). Die stumpfen Kuppen der Pyramiden ragen in die Kelche des Nierenbeckens hinein und werden NierenpapillenNierenpapillen (Papillae Papillae renalesrenales) genannt. Auf jeder Papille münden ca. 10–30 Papillengänge, NierePapillengänge (Ductus Ductus papillarespapillares), die durch den Zusammenfluss mehrerer Sammelrohre entstehen.
Das Niere:HohlraumsystemHohlraumsystem besteht aus den NierenkelcheNierenkelchen (Calices Calices renalesrenales), in die die Nierenpapillen mit ihren Papillengängen hineinragen, die sich zum NierenbeckenNierenbecken (Pelvis Pelvis renalisrenalis) vereinigen. Das Nierenbecken verjüngt sich zum Ureter. Je nach Form unterscheidet man
  • ein trichterförmiges, meist kleines Nierenbecken mit guter Harnableitung,

  • ein weiträumiges Nierenbecken des ampullären Typs mit kurzen Nierenkelchen und schlechter Entleerung oder

  • ein baumartig verzweigtes Nierenbecken des dendritischen Typs mit langen Nierenkelchen.

Ureter
Aufbau:UreterEr verbindet das Nierenbecken mit der Harnblase und ist ca. 30 cm lang. Man unterscheidet Ureterabschnitte2 Abschnitte:
  • Pars abdominalis (Bauchteil) vom Nierenbecken bis zur Beckeneingangsebene und

  • Pars pelvica (Beckenteil) von der Beckeneingangsebene bis zur Mündung in die Harnblase (Ostium ureteris) seitlich hinten.

Der UreterengenUreter besitzt 3 physiologische Engen:
  • am Übergang vom Nierenbecken in den Ureter,

  • an der Kreuzungsstelle von A. und V. iliaca communis,

  • beim Durchtritt durch die Harnblasenwand.

Topografische Anatomie

Lage (Abb. 13.3–13.8)
Nieren
  • Retroperitoneal beidseits Lage:Nierenlateral der Wirbelsäule Niere:Anatomiegelegen

  • Die rechte Niere liegt wegen der Leber ca. eine halbe Wirbelhöhe kaudaler als die linke; rechts in Höhe von Th12 bis L3, links von Th11–L2.

  • Der obere Nierenpol liegt oft unter dem Trigonum lumbocostale, einer Muskellücke, die nur von der Zwerchfellfaszie verschlossen ist → entzündliche Prozesse können vom retrorenalen Raum in den Pleuraraum aufsteigen.

  • Die unteren Nierenpole liegen ca. 3 Fingerbreit oberhalb der Darmbeinschaufeln und sind durch den M. psoas major nach lateral (30° von der Mittellinie) und nach ventral (30° zur Frontalebene) gekippt → obere NierenpoleNierenpole konvergieren.

  • Vorderflächen liegen unmittelbar unter dem Peritoneum, außer

    • medialer Rand der rechten Niere, der dem Duodenum angelagert ist,

    • Bereich im unteren Drittel der rechten Niere, den die Wurzel des Mesocolon transverum überquert,

    • y-förmiger Bereich der linken Niere, über den die Wurzeln des Mesocolon transversum und des Lig. splenorenale verlaufen.

  • Durch bewegliche Aufhängung an den Blutgefäßen → atemverschiebliche Lage, wobei die Nieren eine Kreisbahn um die Abgangspunkte der Nierenarterien aus der Bauchaorta beschreiben.

  • Der Höhenunterschied zwischen Ein- und Ausatmung beträgt ca. 3 cm.

  • Das NierenhilumNierenhilum liegt auf Höhe von L1–L2, das NierenbeckenNierenbecken in der Nierenbucht reicht von der Höhe des Proc. costalis von L1 bis in Höhe der Mitte von L3.

  • Dorsal bildet der Grynfelt-Grynfelt-RaumRaum einen guten Zugangsweg zu den Nieren; er wird lateral und kaudal vom M. obliquus abdominis internus, medial vom M. erector spinae, kranial von der XII. Rippe begrenzt.

Ureter
  • Retroperitoneal Ureter:AnatomieLage:Uretergelegen

  • Abgang: kaudal und medial von den Nierengefäßen aus dem Nierenbecken auf Höhe von L2 und ca. 4 cm von der Körpermittellinie entfernt

  • Verlauf: in einem sanften medial-konvexen Bogen zunächst nach mediokaudal, dann parallel zur LWS und vor den ISG, ventral der A. und V. iliaca communis vor deren Gabelung in der Nähe der Spina ischiadica, in einem Bogen nach medial zur Harnblase

  • An der seitlich schrägen Mündung (durch die Harnblasenwand) in die Harnblase entsteht eine Art Druckverschluss, der ein Zurückströmen des Urins aus der Harnblase verhindert.

  • In seinem Verlauf

    • unterkreuzt er A. und V. testicularis beim Mann bzw. A. und V. ovarica bei der Frau,

    • überkreuzt er die Teilungsstelle der A. und V. iliaca communis,

    • unterkreuzt er den Ductus deferens beim Mann bzw. die A. uterina bei der Frau.

  • Bei der Frau tritt er, bevor er die A. ovarica unterkreuzt, in das Lig. latum uteri ein.

  • Die gesamte Pars abdominalis liegt auf dem M. psoas.

Nachbarschaftsbeziehungen
Niere (Abb. 13.9)
  • Rechte Niere: Nachbarschaftsbeziehungen:Niereposterior Niere:Lage-/Nachbarschaftsbeziehungenkraniolateral an Diaphragma, Pleura, XII. Rippe und Recessus costodiaphragmaticus, posterior an M. psoas major, M. quadratus lumborum, M. transversus abdominis, N. subcostalis, N. iliohypogastricus, N. ilioinguinalis, N. intercostalis XI bei tiefer Inspiration, kranial an Nebenniere, ventral und lateral an Lobus dexter der Leber, medial an Duodenum 2, kaudal an Mesocolon transversum, Flexura coli dextra und Jejunum

  • Linke Niere: posterior kraniolateral an Diaphragma, Pleura, XI. und XII. Rippe und Recessus costodiaphragmaticus, posterior an M. psoas major, M. quadratus lumborum, M. transversus abdominis, N. subcostalis, N. iliohypogastricus, N. ilioinguinalis, N. intercostalis XI bei tiefer Inspiration, kranial medial an Nebenniere, kranial ventral an Magenrückseite, ventral lateral an Milz, medial an Pankreasschwanz und Bursa omentalis, ventral kaudal an Mesocolon transversum, Flexura coli sinistra und Jejunum

  • Die Fascia postrenalis bedeckt den M. quadratus lumborum und den M. psoas, die Fascia prerenalis das Hilum und ist durch die Toldt-Faszie mit dem Kolon verbunden (links mehr als rechts).

Ureter (Abb. 13.4, 13.6, 13.7, 13.8)
  • Pars abdominalis: Nachbarschaftsbeziehungen:Ureterventral Ureter:Lage-/Nachbarschaftsbeziehungenan Fascia renalis (Gerota-Faszie), A. und V. testicularis bzw. A. und V. ovarica, rechts ventral an Duodenum 2 (über Treitz-Faszie), A. ileocolica, Radix mesenterii und Mesocolon ascendens (Toldt-Faszie), links ventral an A. mesenterica inferior, Truncus sympathicus, Duodenum 4 und Mesosigmoideum, dorsal an M. psoas major und N. genitofemoralis

  • Pars pelvica: lateral an Äste der A. iliaca interna, ventral an A. uterina bzw. Ductus deferens, dorsal an ISG, rechts dorsal an A. iliaca externa, links dorsal an A. iliaca communis

Fixationen
Niere (Abb. 13.5)
  • Blutdruck, der im Gefäßstiel Fixationen:Niereherrscht

  • thorakale Ansaugung (Unterdruck) und abdominaler Druck

  • Capsula Capsula adiposaadiposa, in die die Niere und die auf ihr liegende Nebenniere eingebettet sind

  • Fascia Fascia renalisrenalis (Gerota-Gerota-FaszieFaszie), die Niere, Nebenniere und Capsula adiposa umhüllt, besteht aus den 2 Blättern, die sich kranial in der Zwerchfellfaszie und lateral in der Lamina propria des Peritoneums vereinigen.

    • Fascia Fascia prerenalisprerenalis: zieht über die Vorderfläche der Niere und ist teilweise durch die Toldt-Faszie verstärkt, einer sekundären Verwachsung vom Mesocolon ascendens (rechts) bzw. Mesocolon descendens (links) und dem primären parietalen Peritoneum

    • Fascia Fascia postrenalispostrenalis: retroperitoneales Bindegewebe, das über die Hinterfläche der Niere zieht, setzt medial an der Wirbelsäule an

Ureter (Abb. 13.4, 13.6–13.8)
  • Lockeres Bindegewebe, Fixationen:UreterTunica adventitia verbindet den Ureter mit der Umgebung.

Gleitflächen
Niere
  • direkte Gleitflächen:NierenGleitflächen: Fascia renalis, Capsula adiposa renalis

  • indirekte Gleitflächen rechte Niere: Diaphragma, Recessus costodiaphragmaticus, XII. Rippe, Faszie des M. psoas und M. quadratus lumborum, Flexura coli dextra, Duodenum 2, Leber (Lobus dexter), rechte Nebenniere

  • indirekte Gleitflächen linke Niere: Diaphragma, Recessus costodiaphragmaticus, Lig. phrenicocolicum, XI. und XII. Rippe, Colon transversum, Milz, Pankreasschwanz, Jejunum, Faszie des M. psoas und M. quadratus lumborum, linke Nebenniere

Ureter
  • direkte Gleitflächen: Gleitflächen:UreterPeritoneum

  • indirekte Gleitflächen rechter Ureter: M. psoas, Duodenum 2, rechte Toldt-Faszie, Colon ascendens, V. und A. ovarica bzw. testicularis, rechte Niere, V. cava inferior, Radix mesenterii

  • indirekte Gleitflächen linker Ureter: M. psoas, linke Toldt-Faszie, Colon descendens, V. und A. ovarica bzw. testicularis, Aorta abdominalis, Mesocolon sigmoideum

Gefäßversorgung, Lymphwege, Innervation

Arterien (Abb. 13.10)
Niere
Niere:GefäßversorgungGefäßversorgung:NiereArterien:NiereEtwa auf Höhe von L1 entspringt aus der Aorta abdominalis kaudal des Ursprungs der A. mesenterica superior die A. renalis. Die rechte A. A. renalisrenalis entspringt weiter kranial als die linke, ist länger, verläuft steiler absteigend und zieht normalerweise dorsal der V. cava inferior zur rechten Niere.
In der Regel teilt sich die A. renalis in 2 Hauptäste, den R. anterior und R. posterior, die sich weiter aufzweigen. Etwa 5–7 getrennte Äste entstehen, die Segmentarterien, die jeweils ein Nierensegment bzw. einen Teil davon versorgen. Sie können aber auch direkt aus der Aorta entspringen.
NierenkreislaufWeiterer Kreislauf innerhalb der Niere: A. A. interlobarisinterlobaris (Zwischenlappenarterie) verläuft an den Grenzen der Nierenlappen → A. A. arcuataarcuata (Bogenarterie) zieht ohne Arkadenbildung an der Mark-Rinden-Grenze entlang → A. A. interlobularisinterlobularis (Zwischenläppchenarterie) steigt zwischen 2 Nierenläppchen auf → Arteriola glomerularis Arteriola glomerularis afferensafferens (zuführende Arteriole) zieht zum Glomerulus → Rete capillare Rete capillare:glomerulareglomerulare (arterielles Wundernetz des Nierenkörperchens) presst Primärharn ab → Arteriola glomerularis Arteriola glomerularis efferensefferens (wegführende Arteriole) leitet das gefilterte, aber noch sauerstoffreiche Blut aus dem Glomerulus ab → Rete capillare Rete capillare:peritubulareperitubulare (Kapillarnetz der Nierenkanälchen) → V. V. interlobularisinterlobularis (Zwischenläppchenvene) nimmt Blut aus dem Kapillarnetz der Nierenrinde auf → Vv. V. arcuataarcuatae (Bogenvenen) bilden untereinander Arkaden → V. V. interlobarisinterlobaris (Zwischenlappenvene) zieht zwischen Nierenlappen zur V. renalis. Einige Aa. interlobulares ziehen als Aa. perforantes zur Nierenoberfläche.
Auch das Nierenbecken wird durch die A. renalis versorgt, der NierenbeckenkreislaufNierenbeckenkreislauf ist jedoch vom Nierenkreislauf unabhängig.
Ureter
Ureter:GefäßversorgungGefäßversorgung:UreterArterien:UreterIn der Ureterwand wird ein dichtes Arteriengeflecht gebildet. Die Rr. ureterici entspringen aus mehreren Gefäßen:
  • A. renalis aus der Aorta abdominalis für das obere Drittel

  • A. A. testicularistesticularis bzw. A. A. ovaricaovarica aus der Aorta abdominalis für das mittlere Drittel

  • A. iliaca A. iliaca communiscommunis für das mittlere Drittel

  • A. vesicalis A. vesicalis superiorsuperior, A. vesicalis A. vesicalis inferiorinferior, A. ductus A. ductus deferentisdeferentis bzw. A. A. uterinauterina aus der A. iliaca interna für das untere Drittel.

Venen (Abb. 13.11)
Niere
Venen:NiereDie V. renalis mündet in die V. cava inferior. Die linke V. V. renalisrenalis liegt wie in einer Zange zwischen Aorta (überkreuzt diese ventral) und A. mesenterica superior (unterkreuzt diese dorsal) und ist länger als die rechte.
Auch der Abfluss aus dem Nierenbecken erfolgt über die V. renalis, der Nierenbeckenkreislauf ist jedoch vom Nierenkreislauf (Arterien) unabhängig.
Ureter
Der Abfluss aus dem Ureter erfolgt über Venen:Ureterdie
  • V. renalis im oberen Drittel → V. cava inferior

  • V. V. testicularistesticularis bzw. V. V. ovaricaovarica im mittleren Drittel → rechts direkt in V. cava inferior, links über V. renalis in V. cava inferior

  • V. iliaca V. iliaca communiscommunis im mittleren Drittel → V. cava inferior

  • Vv. Vv. vesicalesvesicales, Vv. ductus Vv. ductus deferentisdeferentis bzw. Vv. Vv. uterinaeuterinae im unteren Drittel → V. iliaca interna → V. iliaca communis → V. cava inferior.

Lymphwege
Niere
Der Lymphabfluss Lymphwege:Niereerfolgt zu folgenden regionalen Lymphknoten entlang der großen Bauchgefäße (Abb. 13.11): Nll. Nll. lumbaleslumbales (Nll. preaortici, Nll. postaortici, Nll. aortici laterales, Nll. precavales, Nll. postcavales, Nll. cavales laterales) → Trunci lymphatici lumbales → Cisterna chyli → Ductus thoracicus.
Ureter
Der Lymphabfluss Lymphwege:Uretererfolgt zu den regionalen Lymphknoten (Abb. 13.11)
  • Nll. lumbales

  • Nll. iliaci Nll. iliaci communescommunes (Nll. iliaci communes laterales, Nll. iliaci communes intermedii, Nll. iliaci communes mediales, Nll. promontorii, Nll. subaortici) →

  • Nll. iliaci externi (Nll. iliaci Nll. iliaci externiexterni laterales, Nll. iliaci externi intermedii, Nll. iliaci externes mediales, Nll. interiliaci) → Nll. iliaci communes →

  • Nll. iliaci Nll. iliaci interniinterni → Nll. iliaci communes

  • → Trunci lymphatici lumbales → Cisterna chyli → Ductus thoracicus.

Innervation

Dysfunktionen

Michel Puylaert

Ursachen

Parietale Dysfunktionen
  • Th7–Dysfunktionen:UreterDysfunktionen:NiereTh11

  • VII. bis XI. Rippe

  • Fehlspannung des M. psoas major

  • L1–L3

  • HWS und Schädelbasis (Reizung des N. vagus)

  • Os sacrum (Reizung der Nn. pelvici)

  • Becken (z. B. Ilium in outflare): Störung des Ureters bei Linea Ureter:Dysfunktionenterminalis

  • Verminderung der Mobilität des Zwerchfells

  • Fehlspannung des Beckenbodens

Viszerale Dysfunktionen
  • NierenptoseNierenptose (meist rechts wegen Leber und Kolon)

  • Alle Organe in der Umgebung der Niere:DysfunktionenNiere können über Gleitflächen, ligamentäre und fasziale Verbindungen die Beweglichkeit einschränken: Peritoneum parietale posterior, Mesocolon transversum, Flexura coli dextra, Duodenum 2, Leber, Milz, Pankreas, Magen, Colon transversum, Flexura coli sinistra, Dünndarm.

Ligamente
  • Nebennieren-Nieren-Verbindung (Lig. interadrenorenale): Verschmelzung der Lamina pre- und postrenalis, die die Nebenniere umringt und an der Unterseite des Zwerchfells anhaftet

  • Lig. lienorenale (zwischen Milz und Niere)

Nervale Störungen
  • N. vagus bei Dysfunktionen der oberen HWS, Schädelbasis, vorderen Halsfaszie

  • N. pelvici bei Dysfunktionen des Os sacrum

  • Sympathikus auf Höhe Th10–L3

  • Plexus renalis

  • Plexus hypogastricus

Störungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • Stauung des Blutabflusses (V. renalis)

  • Störung der A. renalis (z. B. Arteriosklerose)

  • Blutdruckstörungen (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System oder idiopathisch)

Endokrine Störungen
  • Pankreas: Diabetes mellitus kann Mikroangiopathie verursachen

  • Hypothalamus und Hypophyse: Störung des ADH-Sekretion (ADH = antidiuretischen Hormon)

Psyche
  • Depression (veränderter Grundtonus)

  • Existenzängste haben negative Wirkung auf die Niere (empirisch).

Weitere Ursachen
  • Nierensteine

  • Gewichtsabnahme (plötzliche) → Verlust des Fettgewebes um die Niere → Ptose

  • Durch schnelle Druckveränderung bei der Entbindung wird → Nierensenkung begünstigt und Ureter an der Linea terminalis komprimiert.

  • Bewegungsmangel

  • Arbeitshaltung (einseitige Belastung)

  • Vibrationen (z. B. Motorradfahren)

Kompensationsmechanismen

Merke

Ein Großteil der genannten Kompensationsmechanismen:UreterKompensationsmechanismen:NiereKompensationsmechanismen ist rein hypothetisch und bedarf weiterer Untersuchungen.

  • Fibrosierung von Lig. renocolicum, Lig. phrenicocolicum und Lig. cysticocolicum bei Ptose, um dem kaudalen Zug entgegenzuwirken

  • Zunahme der gesamten Bauchspannung, um einer oder beiden Nieren Halt zu geben → evtl. Entwicklung einer Hypertension

  • Zunahme der Spannung von Colon ascendens und Colon descendens → Stabilisation der Nieren durch Toldt-Faszien

  • Kompensatorische Fixierung der unteren Rippen in Ein- oder Ausatmungsposition über Zwerchfell und Kolonflexuren

  • Anpassung des parietalen Systems durch Spannungsänderungen von M. psoas major und M. quadratus lumborum

  • Entwicklung einer thorakolumbalen Skoliose

  • Kompensatorische Stabilisation bei Zug und Druck an Nierengefäßen: bei Senkniere könnten Wandtonus und lokaler Gefäßdruck der A. renalis (in geringerem Ausmaß über den Inhalt der V. renalis) als zugfeste Haltestruktur der Senkung entgegenwirken.

Folgen

  • Inkontinenz

  • Hyperhidrose (verstärktes Schwitzen, besonders nachts)

  • Ödeme

  • (arterielle) Hypertonie

  • Urintrübung

  • (unspezifische) Verdauungsstörungen mit Spasmen

  • Veränderungen der Statik (Fehlbelastung der unteren Extremitäten)

  • Schulterproblematik durch Verspannung oder reflektorisch

  • Oberschenkelschmerzen (über N. femoralis)

  • Schwierigkeit, die Arme oben zu halten (Fasziendehnung eingeschränkt)

  • Rückenschmerzen (bewegungsunabhängig)

Differenzialdiagnosen

  • Akutes Nierenversagen/chronische Differenzialdiagnosen:UreterdysfunktionDifferenzialdiagnosen:NierendysfunktionNiereninsuffizienz

  • Harnwegsinfekt

  • Pyelonephritis

  • Urolithiasis

  • Glomerulonephritis

  • Nephritis

  • Kongenitale Anomalien

  • Nephrotisches Syndrom

  • Nierenarterienstenose

  • Tumor (z. B. Hypernephrom = Nierenzellkarzinom)

Diagnostik der Dysfunktionen

Michel Puylaert

Symptome

  • Symptome:UreterdysfunktionSymptome:NierendysfunktionKopfschmerzen Ureter:Diagnostik der DysfunktionenNiere:Diagnostik der Dysfunktionen

  • Schmerzen beim Wasserlassen

  • Müdigkeit

  • Lumbalgie: nach Barral typischer Schmerz beim Aufwachen, lässt nach dem Aufstehen schnell nach und kommt abends wieder

  • NierenptoseNierenptose:

    • Grad 1: Schmerzen entlang der 12. Rippe, beim Einatmen (N. subcostalis)

    • Grad 2: tiefe Bauchschmerzen bis in Leiste und Genitalien (N. iliohypogastricus, N. ilioinguinalis)

    • Grad 3: Schmerzen vom Canalis inguinalis bis zum Genitalbereich (N. genitofemoralis, N. cutaneus femoris lateralis)

    • Grad 4: Schmerzen im Oberschenkel bis zum Knie (N. femoralis)

  • Schmerzen homolaterales Knie (Reizung N. femoralis)

  • Schmerzen im betroffenen Nierenbereich durch Niesen (erhöhter Druck)

  • Unwohlsein nach dem Trinken, besonders nach schnellem Trinken

Inspektion

Die allgemeine Inspektion:NierendysfunktionInspektion ergibt seltener Hinweise auf Nierendysfunktionen. Diese sind oft symptomlos und lösen Krankheitserscheinungen an anderer Stelle aus. Nur einige Zeichen können auf eine Nierendysfunktion hinweisen. Eine Differenzialdiagnose ist aber unentbehrlich (z. B. Ödeme durch Herzinsuffizienz oder durch die Niere bedingt).
  • Blässe: renale Anämie

  • Aufgedunsenes Gesicht: z. B. bei Glomerulonephritis

  • Ödeme, v. a. morgens an Händen und Füßen, oder Lidödem: z. B. bei chronischer Pyelonephritis

  • Skoliose oder Fehlhaltung in LWS-Bereich: durch Nierenkapselspannung

  • Deutliche Pulsation im Abdomenbereich: evtl. Hufeisenniere

Reflexzonen und Hinweiszeichen (Abb. 13.12)

Dermatom
Niere
  • anterior: Th8–Niere:ReflexzonenDermatom:NiereL3 Reflexzonen:Nierendysfunktion

  • posterior: Th8–L3

Ureter
  • anterior: Th12–Ureter:ReflexzonenReflexzonen:UreterdysfunktionDermatom:UreterL1

  • posterior: Th12–L1

Dermalgiereflexe nach Jarricot
Niere
  • anterior: runde Zone (Durchmesser 1,5 cm) medial und leicht kranial der Dermalgiereflexe nach Jarricot:NiereSIAS

Ureter
  • anterior: von der SIAS aus nach kaudal, parallel zum Leistenband im Dermatom Dermalgiereflexe nach Jarricot:UreterL1

Neurolymphatische Reflexe nach Chapman
Niere
  • anterior: 2 cm kranial des Nabels, rechts und links der Linea Chapman-Reflexe:Nierealba

  • posterior: rechts und links zwischen Procc. transversi von Th12–L1

Ureter
  • anterior: Symphysis Chapman-Reflexe:Ureterpubica

  • posterior: Proc. transversus L2 links und rechts

Triggerpunkte
Niere
  • Nierenbecken: Guyon-Punkt (unter der XII. Rippe am Rand der paravertebralen Muskulatur) Triggerpunkte:Nierenbecken

  • Nieren: zwischen XI. und XII. Rippe, an der Spitze der XII. Triggerpunkte:NiereRippe

Ureter
  • 4 Fingerbreit rechts und links des Triggerpunkte:UreterNabels

  • Kreuzungspunkt einer gedachten vertikalen Linie durch die Symphysis pubica und einer horizontalen Linie zwischen beiden SIAS

Periostschmerzpunkte
Niere
  • anterior: SIAS

  • posterior: XI. und XII. Rippe, Procc. transversi von L1–Periostschmerzpunkte:NiereL3

Ureter
  • anterior: Mitte der Crista iliaca an der Periostschmerzpunkte:UreterAußenseite

  • posterior: Procc. transversi von L1–L5

Knap-Punkte
Niere
  • anterior: Knap-Punkte:Nierekeine

  • posterior: unterhalb der XII. Rippe lateral des Proc. transversus

Ureter
  • anterior: Symphysis Knap-Punkte:Ureterpubica

  • posterior: Os coccygis, unterhalb der XII. Rippe, lateral des Proc. transversus

Muskuläre Hinweiszeichen
  • Hypertonie Hinweiszeichen:Nierendysfunktionvon

    • M. psoas major

    • M. trapezius (Pars descendens)

    • M. iliacus

    • M. quadratus lumborum

    • paravertebraler Muskulatur (Th11–L1)

    • Mm. intercostales 11 und12

    • M. obliquus abdominis internus

    • M. obliquus abdominis externus

    • M. cremaster

Vertebrale Hinweiszeichen
Niere
  • Dysfunktion Th10–Hinweiszeichen:NierendysfunktionTh11

Ureter
  • Dysfunktion Th11–Hinweiszeichen:UreterdysfunktionTh12

Perkussion

Niere und Ureter können nicht direkt perkutiert werden.
Test für klopfschmerzhaftes Nierenlager
Patient: sitzend, Oberkörper leicht nach vorne Perkussion:NierenlagerNierenlager:Perkussiongebeugt
Therapeut: stehend, hinter dem Patienten
Handposition: Eine Hand breitflächig in die homolaterale Regio inguinalis legen.
Ausführung: Auf Höhe der XI. und XII. Rippe mit der lockeren Faust der anderen Hand großflächig perkutieren.
Bewertung: Beide Seiten auf Klopfschmerz testen.
  • Normalbefund: keine Schmerzen.

  • Bei Klopfempfindlichkeit den Patienten an einen Arzt verweisen.

Palpation

„Klassische“ Palpation der Niere (Abb. 13.13, 13.14)
Patient: in Rückenlage, beide Beine Palpation:NiereNiere:Palpationangestellt
Therapeut: stehend, auf der zu palpierenden Seite
Handposition:
  • Palpation rechte Niere:

    • Die linke Hand dorsal auf die Nierenloge legen, der Mittelfinger liegt dabei kaudal der XII. Rippe.

    • Mit den Fingerspitzen der rechten Hand sanft an der medialen Seite des Zäkums etwas kranial der Ileozäkalklappe in die Tiefe vordringen.

  • Palpation linke Niere:

    • Die rechte Hand dorsal auf die Nierenloge legen, der Mittelfinger liegt dabei kaudal der XI. Rippe.

    • Mit den Fingerspitzen der linken Hand sanft an der Innenseite des Colon sigmoideum in die Tiefe vordringen, ohne dabei die A. iliaca zu komprimieren.

Palpation der linken Nierenmobilität I

Ausführung:
  • Die ventrale Hand am M. psoas major entlang nach kranial führen, dabei mit der dorsalen Hand konstanten Druck nach ventral ausüben.

  • Der untere Pol der rechten Niere befindet sich 1 Finger unterhalb und 2–3 cm rechts lateral vom Bauchnabel.

  • Der untere Pol der linken Niere befindet sich 2–3 cm links lateral vom Bauchnabel.

Bewertung: Auf Position, Form und Beweglichkeit achten.
  • Normalbefund: Die Niere ist relativ weich, schmerzlos und hat einen ebenen Rand.

  • Schmerzen oder Härte des Organs deuten auf eine Nierenstörung hin und sollten schulmedizinisch abgeklärt werden, u. a. um Tumore auszuschließen.

Palpation des Ureters
Patient: in Rückenlage, beide Beine Palpation:Ureterangestellt
Therapeut: stehend, auf Höhe des Beckens
Handposition: Hände mit nach dorsal gerichteten Fingerspitzen nebeneinander an die laterale Seite des M. rectus abdominis legen.
Ausführung: In einem Winkel von 60° zur Horizontalen in den Bauch eindringen und den Ureter auf dem M. psoas major tasten.
Bewertung: Auf Position, Form und Beweglichkeit achten.
  • Normalbefund: Der Ureter ist kaum palpierbar. Unter Umständen ist ein weicher, schmerzloser Schlauch auf dem M. psoas major zu palpieren.

  • Schmerzhafte Palpation und harte Stellen deuten auf eine Ureterdysfunktion hin.

Motilität

Bei Inspir kommt es zu folgenden Motilität:NiereBewegungen der NierenmotilitätNiere (Abb. 13.15):
  • Senkung

  • Abweichung von der Medianlinie nach lateral, besonders am unteren Pol.

Palpation
Palpation der Nierenmotilität
Patient: in Rückenlage, beide Beine Palpation:NierenmotilitätNierenmotilität:Palpationangestellt
Therapeut: stehend, auf der zu palpierenden Seite
Handposition: Handwurzel der sensibleren Hand lateral und leicht unterhalb des Nabels auf die Bauchdecke legen.
Ausführung: Den Dünndarm mit leichtem Druck nach kranial schieben, um die Nierenbewegung (besonders am unteren Pol) wahrzunehmen.
Bewertung: Amplitude, Kraft, Leichtigkeit und Symmetrie der Nierenbewegung beurteilen.
  • Normalbefund: Während der Inspir-Phase bewegt sich die Niere nach kaudal und weicht von der Mittellinie nach lateral ab.

  • Abweichungen von dieser Bewegung können auf eine Nierendysfunktion hinweisen.

Mobilität

Mobilität nach Finet und Williame
Bei der Einatmung kommt es zu folgenden Bewegungen der NierenmobilitätNiere: Mobilität nach Finet und Williame:Niere
  • Senkung

  • Bewegung nach anterior

  • Kippbewegung leicht nach posterior am Ende der Einatmung

  • nur bei der linken Niere: leichte Adduktion.

Mobilität nach Barral und Mercier
Bei der Einatmung kommt es zu folgenden Bewegungen der Niere (Abb. 13.16): Mobilität nach Barral und Mercier:Niere
  • Bewegung nach lateral und kaudal

  • Kippbewegung des oberen Pols nach anterior.

Palpation
Palpation der Nierenmobilität I (Abb. 13.16, 13.17)
Patient: in Rückenlage, beide Beine Palpation:NierenmobilitätNierenmobilität:Palpationangestellt
Therapeut: stehend, auf der zu palpierenden Seite
Handposition:
  • Palpation rechte Niere:

    • Die linke Hand dorsal auf die Nierenloge legen, der Mittelfinger liegt dabei kaudal der XII. Rippe.

    • Mit den Fingerspitzen der rechten Hand sanft an der medialen Seite des Zäkums etwas kranial der Ileozäkalklappe in die Tiefe dringen.

  • Palpation linke Niere:

    • Die rechte Hand dorsal auf die Nierenloge legen, der Mittelfinger liegt dabei kaudal der XII. Rippe.

    • Mit den Fingerspitzen der linken Hand sanft an der Innenseite des Colon sigmoideum in die Tiefe dringen, ohne dabei die A. iliaca zu komprimieren.

Ausführung:
  • Die ventrale Hand am M. psoas major entlang nach kranial führen.

  • Der untere Pol der rechten Niere befindet sich 1 Finger unterhalb und 2–3 cm rechts lateral vom Bauchnabel.

  • Der untere Pol der linken Niere befindet sich 2–3 cm links lateral vom Bauchnabel.

Bewertung: Amplitude, Kraft, Leichtigkeit und Symmetrie der Nierenbewegung beurteilen.
  • Normalbefund: Die Niere führt synchron zur Atmung eine kraniokaudale Bewegung durch.

  • Fehlende Bewegungen deutet auf eine Nierendysfunktion hin.

Palpation der Nierenmobilität II (Abb. 13.19)
Patient: in Rückenlage, beide Beine Palpation:NierenmobilitätNierenmobilität:Palpationangestellt
Therapeut: stehend, am Kopfende auf der nicht zu palpierenden Seite
Handposition: Beide Hände übereinander legen und mit den Fingerspitzen Kontakt mit dem unteren Pol der kontralateralen Niere aufnehmen.
Bewertung: Amplitude, Kraft, Leichtigkeit und Symmetrie der Nierenbewegung beurteilen.
  • Normalbefund: Bewegung der Niere in Richtung der Fingerspitzen während der Einatmung.

  • Fehlende Bewegung deutet auf eine Nierendysfunktion hin.

Tests

Perkussion einer Hydronephrose (nach Surraco)
Patient: sitzend, leicht kyphosiert, beide Beine hängen Tests:NierePerkussion:Hydronephrosefrei
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite
Handposition: die rechte Hand unterhalb des Rippenbogens auf den Bauch legen und einen leichten Druck nach dorsal ausüben
Ausführung: mit 2 oder 3 Fingern der linken Hand rechts lateral des M. erector spinae kurze Stöße auf die unteren Rippen und kaudal dazu ausüben
Bewertung: Auf ventralen Bewegungsausschlag achten.
  • Normalbefund: Unauffällig.

  • Eine Vibration oder Flüssigkeitsbewegung deutet auf eine HydronephroseHydronephrose (HarnstauungsniereHarnstauungsniere) hin.

Rebound-Test (z. B. rechts) (Abb. 13.20)
Patient: in Rückenlage, beide Beine Rebound-Test:Niereangestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite
Handposition:
  • Fingerbeeren des linken Zeige- und Mittelfingers dorsal auf den Grynfelt-Grynfelt-RaumRaum (lateral und kaudal vom M. obliquus abdominis internus, medial vom M. erector spinae, kranial von der XII. Rippe begrenzt) legen.

  • Fingerspitzen der rechten Hand an die Innenseite des Zäkums, kranial der Ileozäkalklappe legen (etwas oberhalb der Verbindungslinie zwischen rechter SIAS und Nabel)

Ausführung: Mit dem linken Mittelfinger rhythmisch Impulse nach ventral geben, während die rechte Hand die Bewegung wahrnimmt.
Bewertung: Leichtigkeit und Freiheit der Bewegung beurteilen, besonders des unteren Nierenpols.
  • Normalbefund: Die Niere ist frei beweglich, und die ventrale Hand nimmt den Impuls wahr.

  • Erhöhte Spannung im Grynfelt-Raum kann auf eine Nierendysfunktion hindeuten.

Fasziale Verschieblichkeit der Niere (Abb. 13.21)
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten für die rechte Niere:fasziale VerschieblichkeitNiere
Handposition:
  • Die linke Hand dorsal auf den Grynfelt-Raum (lateral und kaudal vom M. obliquus abdominis internus, medial vom M. erector spinae, kranial von der XII. Rippe begrenzt) legen.

  • Die rechte Hand ventral gegenüber der linken Hand auflegen.

Ausatmungsdysfunktion

Ausführung:
  • Beide Hände aufeinander zu drücken, um einen guten Kontakt mit den Gewebe zu erreichen.

  • Ohne den Druck loszulassen, mit beiden Händen eine fasziale Verschiebung nach kaudal und kranial ausüben.

Bewertung: Leichtigkeit und Freiheit der Bewegung beurteilen.
  • Normalbefund: In beiden Richtungen ist elastischer Widerstand spürbar.

  • Eine kaudale oder kraniale Einschränkung deutet auf eine fasziale Störung im Nierenbereich hin.

Behandlung der Dysfunktionen

Torsten Liem ( 13.5.10 ), Michel Puylaert ( 13.5.1–13.5.9 )

Mobilitätstechnik für die Niere in Rückenlage (Abb. 13.22)

Niere:BehandlungDie Technik Niere:Mobilitätstechnikdarf nicht schmerzhaft Behandlung:Nierendysfunktionsein, um eine Abwehrspannung oder Gewebeverletzung zu vermeiden.

Außerdem die Aorta abdominalis nicht komprimieren.

Indikation: Ptose, Mobilitätsverlust, fasziale Verklebung
Patient: in Rückenlage, beide Beine angestellt
Therapeut: stehend, am Kopfende auf der nicht zu behandelnden Seite
Handposition:
  • Für die rechte Niere eine Hand über die andere legen und zwischen Zäkum und M. rectus abdominis in die Tiefe gehen.

  • Für die linke Niere eine Hand über die andere legen und zwischen Colon sigmoideum und M. rectus abdominis in die Tiefe gehen.

  • Die Fingerspitzen liegen auf dem äußeren Rand des M. psoas major, untere Hand hakenförmig beugen.

Ausführung:
  • Während der Ausatmung die Niere am unteren Pol nach kranial drücken und vibrieren.

  • Druck während der Einatmung halten

  • In der Regel reichen 8–10 Wiederholungen, um den normalen elastischen Widerstand zu spüren.

  • Behandlung mit Recoil beenden: am Ende der Bewegung nach einer minimalen Übertreibung sofort loslassen.

Mobilitätstechnik für die Niere im Sitzen (Abb. 13.23)

Indikation: Ptose, Mobilitätsverlust, fasziale Niere:MobilitätstechnikVerklebung
Patient: sitzend, gegen den Therapeuten gelehnt
Therapeut: stehend, hinter dem Patienten
Handposition:
  • Für die rechte Niere das linke Knie unter die linke Achsel stellen; linken Arm über die linke Schulter legen und rechten Arm unter der rechten Achsel durchführen.

  • Für die linke Niere das rechte Knie unter die rechte Achsel stellen; rechten Arm über die rechte Schulter legen und linken Arm unter der linken Achsel durchführen.

  • Mit den Fingerspitzen beider Hände unteren Nierenpol fassen.

  • Patient leicht nach vorne beugen und somit eine LWS-Kyphose einstellen, um Bauchdeckenspannung zu verringern.

Ausführung:
  • Während der Ausatmung Niere nach kranial anheben, während der Einatmung die Position halten.

  • 8–10× wiederholen, bis elastischer Widerstand spürbar ist.

  • Um den Druck auf die rechte Niere zu verringern, kann der Rumpf während der Ausführung etwas nach links rotiert werden (anteriorisiert die Niere); für die Behandlung der linken Niere den Rumpf entsprechend nach rechts rotieren.

Behandlung einer Nierenptose (z. B. rechts) (Abb. 13.24)

Indikation: Nierenptose:BehandlungBehandlung:NierenptosePtose
Patient: in Rückenlage, beide Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf der zu behandelnden Seite
Handposition:
  • Die rechte Hand auf die Projektionsfläche der rechten Niere auf den Bauch legen (1 Querfinger breit lateral und kaudal des Nabels), die Handwurzel liegt dabei unterhalb des unteren Nierenpols.

  • Mit den Fingerspitzen der linken Hand in Höhe des Grynfeldt-Raums (lateral und kaudal vom M. obliquus abdominis internus, medial vom M. erector spinae, kranial von der XII. Rippe begrenzt) Kontakt aufnehmen.

Ausführung:
  • Während der Ausatmung mit Vibrationen Druck nach kranial und medial ausüben.

  • Während der Einatmung wird der Druck gehalten.

  • Je nach Grad der NierenptosePtose Druck ausüben:

    • Grad 1. nach kranial, medial und leicht dorsal

    • Grad 2: nach kranial, dorsal und in Innenrotation

    • Grad 3: nach kranial, dorsal und in Außenrotation

  • Technik kann mit Recoil beendet werden: am Ende der Bewegung nach einer minimalen Übertreibung sofort loslassen.

  • Die Technik wird beendet, wenn normaler elastischer Widerstand palpierbar ist.

Merke

Die Niere wird nicht in ihre Ausgangslage zurückkehren. Ziel ist es, einen Umgebungsreiz auszuüben und eine propriozeptive Veränderung zu erreichen. Dadurch kann sich die physiologische Mobilität und Funktion der Niere wieder normalisieren.

Kombinierte Technik zur Behandlung einer Nierenptose mit einem Bein (z. B. rechts) (Abb. 13.25)

Indikation: Ptose, Nierenptosefasziale Nierenptose:BehandlungBehandlung:NierenptoseVerklebung
Patient: in Rückenlage, rechtes Bein angestellt
Therapeut: stehend, am Kopfende der Behandlungsliege
Handposition:
  • Mit der rechten Hand das Knie des Patienten umgreifen und

  • die linke Hand auf die Projektionsfläche der Niere (lateral des M. rectus abdominis, rechts 1 Querfinger unterhalb des Nabels, links auf Nabelhöhe) legen und mit dem Os pisiforme Kontakt zum unteren Pol aufnehmen.

Ausführung:
  • Mit der rechten Hand das Bein in Abduktion, Adduktion und langsam in Flexion bewegen.

  • Mit der linken Hand Zug nach kranial und dorsal an der Niere ausüben.

  • Bei Ptose 2. Grades Niere zusätzlich in Innenrotation bewegen.

  • Bei Ptose 3. Grades Niere zusätzlich in Außenrotation bewegen.

  • Technik beenden, sobald elastischer Widerstand spürbar ist.

Dehnung der Fascia perirenalis (z. B. links) (Abb. 13.26)

Indikation: Dehnung der Fascia perirenalis, DehnungNierenfaszie, Wiederherstellung der Elastizität der Nierenloge
Patient: in rechter Seitenlage, am Rand der Bank; hält das rechte (gebeugte) Knie mit den Händen umgriffen, das linke Bein hängt hinter der Bank
Therapeut: stehend, hinter dem Patienten, ihn mit dem Rumpf stabilisierend
Handposition:
  • Die kraniale Hand unter den linken Rippenbogen und

  • die kaudale Hand auf die laterale Seite des linken Knies legen.

Ausführung:
  • Während der Einatmung den Patienten auffordern, das linke Bein leicht zu abduzieren; dabei dagegenhalten und den Rippenbogen nach kranial begleiten.

  • Während der Ausatmung das linke Bein in Adduktion bringen und den Rippenbogen nach kranial halten.

  • Technik beenden, wenn die Dehnungsgrenze erreicht ist.

Induktionstechnik für die Niere (Motilität) (Abb. 13.27)

Indikation: fasziale Nierenmotilität:InduktionVerklebungen, Adhäsionen im Nierenlager, nach Ausführung der Niere:InduktionstechnikMobilisation
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, auf der zu behandelnden Seite des Patienten
Handposition: Die linke Hand flach auf die Projektionsfläche der Niere legen (lateral des M. rectus abdominis, rechts 1 Querfinger unterhalb des Nabels, links auf Nabelhöhe), mit der Handwurzel inferior des unteren Pols.
Ausführung:
  • Motilitätsbewegung wahrnehmen; dann die leichtere Bewegungsrichtung verstärken und die andere passiv begleiten.

  • Technik beenden, wenn sich die Niere im Inspir und Exspir in einem harmonischen Rhythmus (ca. 5–8×/min) bewegt.

Merke

Damit sich die Niere in allen Ebenen harmonisch bewegen kann, empfiehlt Barral, eine Nierenbehandlung immer mit einer Induktionstechnik zu beenden.

Lösung einer lokalen Verspannung des Ureters (Abb. 13.28)

Indikation: Ureterschmerzen bei der Behandlung:UreterdysfunktionPalpation, Ureter:lokale Verspannung lösenNierenptose
Patient: in Rückenlage, beide Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf der zu behandelnden Seite des Patienten
Handposition:
  • Beide Hände übereinander legen.

  • Die Fingerspitzen auf die Projektionsfläche des Ureter:BehandlungUreters legen (laterale Seite des M. rectus abdominis).

Ausführung:
  • Mit den Fingerspitzen langsam nach dorsal eindringen, um mit der Fixation Kontakt aufzunehmen.

  • Druck nach dorsal und eine Rotationsbewegung im/gegen den Uhrzeigersinn ausüben.

  • Druck halten, bis sich die Verspannung gelöst hat.

  • Anschließend diese Stelle leicht dehnen: mit einer Hand nach kaudal, mit der anderen nach kranial ziehen.

Dehnung des Ureters (Abb. 13.29)

Indikation: Nierenptose, Ureter:DehnungUreterverspannung
Patient: in Rückenlage, ein Kissen unten dem Knie
Therapeut: stehend, auf der nicht zu behandelnden Seite
Handposition:
  • Mit der kaudalen Hand am Kreuzungspunkt der Verbindungslinie zwischen beiden SIAS und einer vertikale Linie durch das Tuberculum pubicum Kontakt zum Ureter und

  • mit der kranialen Hand Kontakt zum unteren Nierenpol aufnehmen.

Ausführung:
  • Mit der kaudalen Hand den Ureter nach kaudal ziehen, während die kraniale Hand die Niere bei der Ausatmung nach kranial schiebt.

  • Technik beenden, wenn ein elastischer Widerstand spürbar ist.

Fasziale Behandlung der Niere (modifiziert nach Finet und Williame)

Ausatmungsdysfunktion
Patient: in fasziale Behandlung (mod. nach Finet und Williame):NiereRückenlage
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten für die rechte Niere:fasziale Behandlung (mod. nach Finet und Williame)Niere Ausatmungsdysfunktion:Nierenbehandlung, fasziale
Handposition:
  • Die linke Hand dorsal auf den Grynfelt-Raum (lateral und kaudal vom M. obliquus abdominis internus, medial vom M. erector spinae, kranial von der XII. Rippe begrenzt) legen.

  • Die rechte Hand ventral gegenüber der linken Hand auflegen.

Ausführung:
  • Beide Hände aufeinander zu drücken, um einen guten Kontakt mit den Gewebe zu erreichen.

  • Ohne den Druck loszulassen, mit beiden Händen eine fasziale Verschiebung nach kaudal und kranial ausüben.

  • Nur bei der linken Niere wird zusätzlich noch eine Adduktionsbewegung ausgeführt.

  • Die Stellung beibehalten oder diesen Vorgang 2–3× wiederholen, bis es zu einer Spannungslösung kommt.

Einatmungsdysfunktion
Patient: in Einatmungsdysfunktion:Nierenbehandlung, faszialeRückenlage
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten für die rechte Niere
Handposition:
  • Die linke Hand dorsal auf den Grynfelt-Raum (lateral und kaudal vom M. obliquus abdominis internus, medial vom M. erector spinae, kranial von der XII. Rippe begrenzt) legen.

  • Die rechte Hand ventral gegenüber der linken Hand auflegen.

Ausführung:
  • Beide Hände aufeinander zu drücken, um einen guten Kontakt mit den Gewebe zu erreichen.

  • Ohne den Druck loszulassen, mit beiden Hände eine fasziale Verschiebung nach kranial ausüben.

  • Nur bei der linken Niere wird zusätzlich noch eine Abduktionsbewegung ausgeführt.

  • Die Stellung beibehalten oder diesen Vorgang 2–3× wiederholen, bis es zu einer Spannungslösung kommt.

Anmerkung: Die fasziale Behandlung der linken Niere ist auch für die Milz gültig.

BEFNT-Integration der Niere (z. B. rechts)

(2.4.2)
Indikation: Dysfunktion der Niere:BEFNT-IntegrationBEFNT-Integration:NiereNiere
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Die rechte Hand ca. 2 cm rechts lateral etwas unterhalb des Bauchnabels auflegen, die Finger sind nach kranial gerichtet.

  • Die Hand in den Bauchraum einsinken und die Niere sanft in die Hand kommen lassen.

  • Die linke Hand am Rücken auf Höhe der Dornfortsätze von Th12–L3 rechts neben die Wirbelsäule legen.

Point of balanced entodermal tension (PBET)
  • Resistenz der entodermalen Struktur auf sanften Druck hin testen und die Dichte der Struktur bewerten.

  • Patient auffordern, tief ein- und auszuatmen.

    • Während der Ausatmung der Niere mit den Händen nach kranial folgen.

    • Während der Einatmung mit den Händen leichten Widerstand nach kranial ausüben, sodass die Niere deutlich in die Hand hineingedrückt wird.

  • Der entodermalen Spannung der Nieren in die Position bzw. in die Form folgen, in der die Spannung am besten ausgeglichen ist (→ PBET).

  • Dabei die embryonalen Kraftvektoren berücksichtigen.

Neuronale Inhibition
  • Linke Hand auf verschiedene Ebenen des Rückens legen, rechte Hand im Nierenbereich liegen lassen.

  • Falls es einen Bereich am Rücken gibt, in dem sich die Niere unter der Hand entspannt bzw. ihre Bewegungseinschränkung sich verbessert, die Hand dort liegen lassen: in der Regel in Höhe von Th10–Th12 (sympathische Innervation), im kraniozervikalen Übergangsbereich (parasympathische Innervation) oder ventral etwa 3–4 Querfinger oberhalb des Bauchnabels (Ganglion coeliacum).

  • Durch sanften konstanten Druck eine Inhibition im jeweiligen Bereich ausführen.

Point of balanced fascial tension (PBFT)
  • Fasziale Beweglichkeit passiv oder aktiv atemsynchron oder aktiv unabhängig zur Atemaktivität testen.

  • Spannungsgleichgewicht der faszialen Strukturen der Niere einstellen: versuchen, den therapeutisch induzierten Gleichgewichtszustand der viszerofaszialen Spannung zu erreichen, in dem sie gleichmäßig in allen Richtungen ausgeglichen sind.

  • In der Regel wird die Niere in die Position begleitet, in die sie sich leicht bewegen lässt.

  • Um die unterschiedlichen Spannungsmuster der Aufhängungen (und faszialen Gleitflächen) der Niere zu kopieren, die Krafteinwirkung der Hände an sie anpassen bzw. ihnen angleichen:

    • Über die Fixationen: nach kranial zum Zwerchfell, nach lateral zum Peritoneum (Fascia renalis), nach anterior zum Mesocolon ascendens bzw. descendens (Fascia prerenalis, Toldt-Faszie), nach posterior zur Wirbelsäule (Fascia postrenalis), nach medial zur A. und V. renalis.

    • Über die Gleitflächen: direkt zur Fascia renalis, Capsula adiposa renalis, indirekt rechts nach posterokranial zum Diaphragma, Recessus costodiaphragmaticus, zur XII. Rippe, nach posteromedial zur Faszie des M. psoas, nach posterior zur Faszie des M. quadratus lumborum, nach posterolateral zur Faszie des M. transversus abdominis, Flexura coli dextra, nach posterior zum Duodenum 2, zur Leber (Lobus dexter), nach kraniomedial zur rechten Nebenniere, indirekt links nach posterokranial zum Diaphragma, Recessus costodiaphragmaticus, Lig. phrenicocolicum, XI. und XII. Rippe, Colon transversum, Milz, Pankreasschwanz, Jejunum, nach posteromedial zur Faszie des M. psoas, nach posterior zur Faszie des M. quadratus lumborum, nach posterolateral zur Faszie des M. transversus abdominis, nach medial-kranial zur linken Nebenniere.

  • Dazu ggf. eine Hand von der Niere lösen und z. B. auf Flexura coli dextra, A. renalis oder M. psoas legen.

  • Einstellung eines PBFT (evtl. mit leichter Kompression): minimale Bewegungen im faszial-ligamentären viskoelastischen Umfeld der Niere treten auf → ein neues Gleichgewicht etabliert sich → eine physiologischere Bewegungsamplitude wird palpierbar, evtl. entsteht ein Stillpunkt; dann die Niere in die Ausgangslage zurückbringen.

Anschließend können Techniken wie balanced dynamic tension und balanced fluid tension (BDT, BFT) angewendet werden. Darauf achten, weder bei der Untersuchung noch bei der Behandlung bis an die Bewegungsgrenzen zu gehen.

Merke

Den Ureter Ureter:BEFNT-IntegrationBEFNT-Integration:Ureterentsprechend der oben dargestellten Vorgehensweise behandeln.

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