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B978-3-437-56011-8.00012-5

10.1016/B978-3-437-56011-8.00012-5

978-3-437-56011-8

Entwicklung des Pankreas. a: Um den 30. Tag ist die dorsale Anlage stärker ausgeprägt als die ventrale. Die ventrale Anlage liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Leber- und Gallenblasenanlage. b: Das dorsale Pankreas wächst schneller und bildet den größeren Teil des Organs. c: In der 6. Woche ist das ventrale Pankreas um das Duodenum herum nach dorsal gewandert. d: Es verschmilzt mit dem dorsalen Pankreas und bildet den Hauptausführungsgang (Ductus pancreaticus), der mit dem Ductus choledochus an der Papilla duodeni major ins Duodenum einmündet.

Gliederung des Pankreas (Ansicht von ventral)

Lage des Pankreas zur Wirbelsäule

Pankreas mit Nachbarorganen (Ansicht von ventral)

Peritoneale und ligamentäre Lagebeziehungen des Pankreas. Schnitt in der Sagittalebene auf Höhe der rechten (a) und linken (b) Medioklavikularlinie

Querschnitt durch die Bursa omentalis (Schnitt in der Transversalebene, Ansicht von kranial)

Arterielle Versorgung des Pankreas

Lymphgefäße und Lymphknoten des Pankreas

Hinweiszeichen auf eine Dysfunktion

Palpation des Sphincter Oddi

Palpation des Caput pancreatis

Palpation des Corpus pancreatis

Palpation der Cauda pancreatis

Vierpunkt-Prüfung des Pankreas

Mobilität des Pankreas nach Finet und Williame (Sagittalebene)

Test des Lig. gastrolienale

Aortenpulsation im Epigastrium

Entspannung des Sphincter Oddi

Mobilisation des Pankreas

Motilitätstechnik im Sitzen

Motilitätstechnik für das Pankreas

Vierpunkt-Technik

Dehnung des Lig. gastrolienale

Ausatmungsdysfunktion

Pankreas

Therapeut auf den Fotos:

Uwe Senger

  • 12.1

    Embryologie Herwig Hahn von Dorsche388

  • 12.2

    Anatomie Torsten Liem389

    • 12.2.1

      Funktion389

    • 12.2.2

      Aufbau389

    • 12.2.3

      Topografische Anatomie391

    • 12.2.4

      Gefäßversorgung, Lymphwege, Innervation394

  • 12.3

    Dysfunktionen Torsten Liem (12.3.1, 12.3.3, 12.3.4), Michel Puylaert (12.3.2)396

    • 12.3.1

      Ursachen396

    • 12.3.2

      Kompensations-mechanismen397

    • 12.3.3

      Folgen397

    • 12.3.4

      Differenzialdiagnosen397

  • 12.4

    Diagnostik der Dysfunktionen Torsten Liem (12.4.1, 12.4.2), Michel Puylaert (12.4.3), Uwe Senger (12.4.4–12.4.8)398

    • 12.4.1

      Symptome398

    • 12.4.2

      Inspektion398

    • 12.4.3

      Reflexzonen und Hinweiszeichen398

    • 12.4.4

      Perkussion399

    • 12.4.5

      Palpation399

    • 12.4.6

      Motilität403

    • 12.4.7

      Mobilität404

    • 12.4.8

      Tests406

  • 12.5

    Behandlung von Dysfunktionen Torsten Liem (12.5.9), Michel Puylaert (12.5.8), Uwe Senger (12.5.1–12.5.7)408

    • 12.5.1

      Entspannung des Sphincter Oddi408

    • 12.5.2

      Mobilisation des Pankreas409

    • 12.5.3

      Motilitätstechnik im Liegen410

    • 12.5.4

      Motilitätstechnik im Sitzen411

    • 12.5.5

      Motilitätstechnik für das Pankreas (nach Barral)411

    • 12.5.6

      Vierpunkt-Technik412

    • 12.5.7

      Dehnung des Lig. gastrolienale413

    • 12.5.8

      Fasziale Behandlung des Pankreas (modifiziert nach Finet und Williame)414

    • 12.5.9

      BEFNT-Integration des Pankreas415

Embryologie

Herwig Hahn von Dorsche
PankreasPankreas:EmbryologieEmbryologie:PankreasDas exokrine Pankreas entwickelt sich aus einer dorsalen (Beginn am 26. Tag) und einer ventralen Anlage (Beginn am 28. Tag) (Abb. 12.1). Die ventrale Knospe entwickelt sich unterhalb der Leberanlage in enger Beziehung zum Gallengang, die dorsale auf der gegenüberliegenden Seite der Leberknospe. Beide Pankreasanlagen sind Ausstülpungen des entodermalen Epithels und entstehen am unteren Ende des Vorderdarms.
Die ventrale Anlage wandert bei der Darmdrehung nach dorsal um das Duodenum herum (Drehung). Dadurch ist ihr Wachstum dorsokranial gerichtet. Außerdem dreht sie sich um ihre Längsachse und verschmilzt schließlich mit dem dorsalen Pankreas. So ist es zu erklären, dass die Rückfläche des Pankreaskopfes von der ventralen Anlage gebildet wird. Ferner bildet sie den Proc. uncinatus.
Die dorsale Anlage bildet den größten Teil des Pankreas: Körper, Schwanz und einen Teil des Kopfes.
Im 2. Monat beginnt die Läppchengliederung des Pankreas am Gangsystem. Im 3. Monat startet die Ausbildung der Azini in Form von kappenartigen Zellgruppen an den Gangknospen.
Später vereinigen sich Parenchym und Ausführungsgänge. Der gemeinsame Hauptausführungsgang, der Ductus Ductus pancreaticuspancreaticus (Wirsung-Wirsung-GangGang), wird vom gesamten ventralen Pankreasgang und vom Endabschnitt des dorsalen Pankreasgangs gebildet. Er mündet auf der Papilla duodeni major. Der proximale Anteil des dorsalen Pankreasgangs kann obliterieren oder als Ductus pancreaticus Ductus pancreaticus accessoriusaccessorius (Santorini-Santorini-GangGang) erhalten bleiben, der auf der Papilla duodeni minor mündet.
Der endokrine Anteil des Pankreas, die Langerhans-Inseln, differenzieren sich an der dorsalen Pankreasanlage aus dem Gangepithel und beginnen erst mit ihrer Entwicklung, wenn das exokrine Pankreasgewebe aus einem verzweigten Gangsystem besteht. In der 9.–10. Woche entwickeln sich die 4 Hauptzelltypen, die vorwiegend Insulin, Glukagon, Somatostatin und pankreatisches Polypeptid bilden.
Diese Zellen sind schon beim Embryo funktionell aktiv, was für die Wachstumsvorgänge des gesamten fetalen Organismus von Bedeutung ist. Nach komplizierten Umbauvorgängen haben die Langerhans-Inseln ab der 26. Woche eine zelluläre Zusammensetzung wie zum Zeitpunkt der Geburt.

Anatomie

Torsten Liem

Funktion

  • Exokriner Teil: Pankreas:exokrinesBildung und Ausschüttung Pankreas:AnatomieFunktion:PankreasAnatomie:Pankreasvon

    • „Bauchspeichel“, einem dünnflüssigem, bikarbonatreichen Sekret zur Neutralisation des sauren Speisebreis im Duodenum

    • TrypsinogenTrypsinogen und ChymotrypsinogenChymotrypsinogen zur Enzymspaltung und zum Proteinabbau

    • α-<03B1>-AmylaseAmylase zur Stärkespaltung

    • PankreaslipasePankreaslipase zum Abbau von Triglyzeriden zu Monoglyzeriden und freien Fettsäuren

  • Endokriner Teil (= Langerhans-Inseln, InselorganInselorgan): Pankreas:endokrinesLangerhans-InselnBildung und Ausschüttung von

    • GlukagonGlukagon, das den Blutzuckerspiegel erhöht; Antagonist des Insulins

    • InsulinInsulin, das als einziges Hormon den Blutzuckerspiegel senkt; Antagonist des Glukagons

    • pankreatischem pankreatisches PolypeptidPolypeptid, das die Bildung von Salzsäure im Magen hemmt; Antagonist des Gastrins

    • SomatostatinSomatostatin, das über den Hypothalamus die Insulin- und Glukagonsekretion hemmt

Aufbau

Funktionell unterscheidet Aufbau:Pankreasman einen exokrinen und einen endokrinen Pankreasanteil (12.2.1). Anatomisch-topografisch wird das s-förmige Pankreas (Abb. 12.2) gegliedert in
  • Caput Caput pancreatispancreatis (Kopf): Der vom „C“ des Duodenums umgebene Teil bis zur Incisura pancreatis; besitzt einen nach unten hakenförmig gebogenen Proc. Proc. uncinatusuncinatus (von Winslow), der sich um die V. mesenterica superior schlingt.

  • Corpus Corpus pancreatispancreatis (Körper): Hauptteil mit dreieckigem Querschnitt mit oberer, vorderer und unterer Kante

  • Cauda Cauda pancreatispancreatis (Schwanz): geht ohne scharfe Grenze aus dem Körper hervor.

Das Ausführungsgangsystem besteht aus einem
  • Hauptausführungsgang, dem Ductus Ductus pancreaticuspancreaticus (Wirsung-GangWirsung-Gang): durchzieht die Drüse in ganzer Länge, sammelt viele kleine Drüsengänge und mündet auf der Papilla duodeni Papilla duodeni majormajor (Vater-Vater-PapillePapille, Papilla Papilla VateriVateri) zusammen mit dem Ductus choledochus ins Duodenum; an seinem Ende im Bereich der Ampulle kann er durch den M. sphincter ductus M. sphincter ductus pancreaticipancreatici verschlossen werden, um einen Rückfluss von Darminhalt oder Galle in den Ductus pancreaticus zu verhindern.

  • Nebenausführungsgang, dem bei 40 % der Sektionen gefundenen Ductus pancreaticus Ductus pancreaticus accessoriusaccessorius (Santorini-Santorini-GangGang): mündet auf der Papilla duodeni Papilla duodeni minorminor ins Duodenum.

Topografische Anatomie

Lage (Abb. 12.3)
  • sekundär retroperitoneal, Lage:Pankreasdorsal der Bauchwand anliegend, Vorderseite von Peritoneum überzogen

  • Caput: in der Konkavität (C-förmige Schlinge) des Duodenums; posterior L2–L3; anterior Nabel

  • Corpus: posterior L1–L2, XII. Rippe links; anterior vom Nabel zum Knorpel der VII. und VIII. Rippe

  • Cauda: posterior X. bis XII. Rippe; anterior VII. bis VIII. Rippe

Nachbarschaftsbeziehungen (Abb. 12.4)
  • Caput: umgeben vom Nachbarschaftsbeziehungen:PankreasDuodenum (Pars superior, descendens, horizontalis), posterior an V. cava inferior und rechte Niere grenzend, anterior an Mesocolon transversum, medial an A. und V. mesenterica superior (verlaufen in der Incisura pancreatis), lateral an Ductus choledochus mit Sphincter Oddi (M. sphincter ampullae hepatopancreaticae)

  • Corpus: posterior an Aorta abdominalis, V. cava inferior, linke Nebenniere und linke Niere grenzend, anterior an Pylorus (zwischen Magen und Pankreas befindet sich die Bursa omentalis), superior an Leber und A. hepatica communis aus dem Truncus coeliacus, inferior an Mesocolon transversum und Dünndarm (Flexura duodenojejunalis)

  • Cauda: lateral an Milzhilum grenzend, posterior über Hilum und Mitte der linken Niere ans untere Ende der linken Nebenniere, anterior an Flexura coli sinistra und Magen (zwischen Magen und Pankreas befindet sich die Bursa omentalis), inferior an linke Niere, superior an A. und V. splenica und Bursa omentalis

Fixationen (Abb. 12.5)
  • Duodenum: Einbindung des Fixationen:PankreasPankreaskopfes

  • Mesocolon Mesocolon transversumtransversum: Radix mesocoli transversi verläuft quer über Caput, Corpus und Cauda pancreatis

  • Treitz-Treitz-FaszieFaszie: feste Anheftung an der hinteren Bauchwand (peritoneale Duplikatur durch Verklebung des viszeralen und parietalen Peritoneums während der Fetalzeit und Verschmelzung mit dorsaler Bauchwand)

  • Plica Plica gastropancreaticagastropancreatica: nicht immer vorhandene ligamentäre Verbindung zum Corpus gastricum

  • Lig. Lig. gastrosplenicumgastrosplenicum: Verbindung von der Milz mit der Curvatura major des Magens

Gleitflächen
Das Pankreas ist an der Hinterseite und rundherum fest mit den umgebenden Strukturen verbunden (Peritoneum parietale posterior, Duodenum). Das Ende des Pankreasschwanzes steckt frei beweglich im Lig. phrenicosplenicum (Milzstiel). Eine direkte Gleitflächen:PankreasGleitfläche gibt es mit der Bursa Bursa omentalisomentalis (Abb. 12.6) an der Vorderseite.

Gefäßversorgung, Lymphwege, Innervation

Arterien
Pankreas:GefäßversorgungGefäßversorgung:PankreasArterien:PankreasPankreasarterien (Abb. 12.7) entspringen aus Ästen des Truncus coeliacus und der A. mesenterica superior aus der Bauchaorta. Abgänge und Verlauf weisen eine große Variabilität auf.
Der Truncus coeliacus Truncus coeliacusteilt sich in 3 Äste auf: A. splenica, A. gastrica sinistra und A. hepatica propria.
An der Versorgung des distalen Teils des Corpus und der Cauda pancreatis beteiligen sich folgende Arterien:
  • A. A. splenicasplenica: verläuft parallel zum Oberrand des Pankreas und gibt die A. pancreatica A. pancreatica dorsalisdorsalis, die A. pancreatica A. pancreatica magnamagna und die A. caudae A. caudae pancreatispancreatis ab.

  • A. hepatica communis: teilt sich in A. hepatica propria und A. gastroduodenalis auf, deren Äste die A. pancreaticoduodenalis superior anterior und A. A. pancreaticoduodenalis:superior anterior/posteriorpancreaticoduodenalis superior posterior sind.

Von der A. mesenterica A. mesenterica superiorsuperior geht die A. pancreaticoduodenalis inferior ab, die sich in die A. A. pancreaticoduodenalis:inferior anterior/posteriorpancreaticoduodenalis inferior anterior und A. pancreaticoduodenalis inferior posterior aufteilt. Sie versorgen Caput und medialen Teils des Corpus pancreatis.
Anastomosen bilden
  • auf der ventralen Pankreasseite

    • A. pancreaticoduodenalis superior anterior und A. pancreaticoduodenalis inferior anterior

  • auf der dorsalen Pankreasseite

    • A. pancreaticoduodenalis superior posterior und A. pancreaticoduodenalis inferior posterior

    • A. pancreatica A. pancreatica inferiorinferior (d. h. A. pancreatica dorsalis, A. pancreatica magna und A. caudae pancreatic)

Venen
Venen:PankreasDie Vv. Vv. pancreaticaepancreaticae münden in V. splenica und V. mesenterica superior → V. portae hepatis.
Lymphwege
Lymphwege:PankreasDer Lymphabfluss (Abb. 12.8) erfolgt zu den regionalen Lymphknoten:
  • Nll. Nll. pancreaticoduodenalespancreaticoduodenales superiores und inferiores aus dem Pankreaskopf →

  • Nll. Nll. pancreaticipancreatici superiores und inferiores aus Pankreaskörper und -schwanz →

→ Nll. coeliaci → Trunci lymphatici intestinales → Cisterna chyli → Ductus thoracicus.
Innervation
Pankreas:InnervationInnervation:PankreasDer Sympathikus bewirkt eine Hemmung der Insulinsekretion und Steigerung der Glukagonsekretion.
Der Parasympathikus bewirkt eine Steigerung der Insulinsekretion.

Pankreasinnervation

Tab. 12.1
InnervationSegment, KerngebieteVerlaufUmschaltung
sympathischTh5–Th9 →→ Grenzstrang (Truncus sympathicus) → N. splanchnicus major, N. splanchnicus minorPlexus coeliacus und z. T. Plexus mesentericus superior auf Plexus pancreaticus
parasympathischNucleus dorsalis nervi vagiMedulla oblongata →
→ N. vagus (X) → Truncus vagalis anterior et posterior → Plexus coeliacus → zum Pankreas
intramural

Dysfunktionen

Torsten Liem (12.3.1, 12.3.3, 12.3.4), Michel Puylaert (12.3.2)

Ursachen

Parietale Dysfunktionen
  • Obere HWS und Schädelbasis (→ N. vagus) Pankreas:DysfunktionenDysfunktionen:Pankreas

  • Th5–Th9 (→ Sympathikus)

  • L2–L3 (anatomische Lage)

Viszerale Dysfunktionen
  • Einschränkung der Gleitfläche der Bursa omentalis

  • Dysfunktionen von Magen und Duodenum

  • Dysfunktionen der Milz

  • Dysfunktion Zäkum oder Valva ileocaecalis: über Radix mesenterii

  • Dysfunktion von Leber, Gallenblase über Ductus choledochus

  • Dysfunktion vom Omentum minus über gemeinsamen Ausführungsgang an der Papilla duodeni major

  • Enteroptose

Ligamente
  • Treitz-Faszie: bei Narben, Fixationen oder entzündlichen Prozessen der hinteren Bauchwand

  • Lig. splenorenale (→ Niere links)

  • Lig. gastrosplenicum (→ Milz, Magen)

  • Radix mesenterii (→ Dünndarm, Zäkum)

Nervale Störungen
  • N. vagus: bei intrakraniellen Prozessen, Dysfunktionen der Schädelbasis, der oberen HWS, vorderen Halsfaszien, des Mediastinums oder Zwerchfells

  • Sympathikus auf Höhe Th5–Th9, intraspinal oder paravertebral

  • Plexus coeliacus

Störungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • Stauung der V. portae, Ösophagusvenen

Weitere Ursachen
  • Mangelernährung (chronisch)

  • Alkoholmissbrauch

  • Schlag oder Fall auf den Rücken

  • Unfälle

Kompensationsmechanismen

Merke

Ein Großteil der genannten Kompensationsmechanismen:PankreasKompensationsmechanismen ist rein hypothetisch und bedarf weiterer Untersuchungen.

  • Abstützen auf Duodenum durch Treitz-Faszie

  • Unterstützung des Pankreaskopfes durch rechte Niere und Duodenum 2 und des Pankreasschwanzes durch die Ligamente von Milz und Magen

  • Stabilisation durch mittleres und unteres Blatt von Glenard

  • Selbstregulation: Veränderung der Spannungsverhältnisse innerhalb des ersten Blatts von Glenard

  • Bildung eines stabilisierenden Korsetts durch A. und V. mesenterica superior und inferior

  • Kompensation des parietalen Systems durch Rotation von Th9

Folgen

  • Verdauungsstörungen

  • Störung der Blutzuckerregulation

  • Gallenstau bei Spannung des Sphincter Oddi

  • Druck auf A. mesenterica superior → Verminderung der arteriellen Durchblutung von Dünndarm, Zäkum, Colon ascendens, ersten ⅔ des Colon transversum

  • Druck oder Zug auf die Aorta (Druck ist bei allgemeiner oder lokaler viszeraler Hypertension, Zug bei viszeraler Ptose zu erwarten) → Verminderung der arteriellen Durchblutung von Becken, Beckenorganen, unteren Extremitäten

  • Beeinflussung der Nierendurchblutung (Aa. renales)

  • Venöse Stauung: Portalsystem (→ Abfluss Magen, Dünndarm, Dickdarm, Nieren, linker Eierstock bzw. Hoden, Vv. renales und z. T. lumbale Wirbelsäule links), kavales System (→ Abfluss untere Extremität, Becken, LWS)

  • Lymphstauung (Pankreas liegt auf der Cisterna chyli)

  • Durch die Beziehung zur Aorta hat das Pankreas Einfluss auf große vitale Zentren wie Herz und auf präaortale und paravertebrale Sympathikusganglien.

  • Psyche: allgemeine Müdigkeit, Depression

Differenzialdiagnosen

  • Pankreatitis (akute und chronische) Differenzialdiagnosen:Pankreasdysfunktion

  • Pankreaskarzinom (v. a. Pankreaskopfkarzinom)

  • Diabetes mellitus

Diagnostik der Dysfunktionen

Torsten Liem (12.4.1, 12.4.2), Michel Puylaert (12.4.3), Uwe Senger (12.4.4–12.4.8)

Symptome

  • Übelkeit Symptome:PankreasdysfunktionPankreas:Diagnostik der Dysfunktionen

  • Brechreiz bis Erbrechen

  • Völlegefühl

  • Schmerzen im Epigastrium, plötzlich auftretend und lang andauernd, Ausstrahlung in Rücken, Flanken oder in die Seite möglich; Embryonalhaltung, gekrümmte Haltung vermindert den Schmerz

  • Schmerzen:PankreasdysfunktionSchmerzen zwischen den Schulterblättern

  • Schmerzen nach Nahrungsaufnahme im Epigastrium (bei lang andauerndem Verlauf), selten im Rücken

  • Meteorismus

  • Maldigestion, Malabsorption oder Blutzuckerregulationsstörung führen zu Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Kachexie

  • Stuhl: breiig, pastenartig, fettglänzend, stinkend (wie faule Eier)

Inspektion

Zur direkten Befunderhebung des Pankreas gibt die Inspektion keine Hinweise.

Reflexzonen und Hinweiszeichen (Abb. 12.9)

Dermatom
  • anterior: Th6–Th9 Reflexzonen:PankreasPankreas:ReflexzonenDermatom:Pankreaslinks

  • posterior: Th6–Th9 links

Dermalgiereflexe nach Jarricot
  • anterior: vom Nabel aus 45° nach links kranial, im Dermatom Th9 Dermalgiereflexe nach Jarricot:Pankreas

Neurolymphatische Reflexe nach Chapman
  • anterior: 7. ICR links, nahe dem Chapman-Reflexe:PankreasKnorpel

  • posterior: links zwischen Procc. transversi von Th6 und Th7

Triggerpunkte
  • Sphincter Oddi: auf der Linie vom Nabel zur rechten Schulter, 3 Querfinger vom Nabel entfernt Triggerpunkte:Sphincter OddiTriggerpunkte:Pankreas

Periostschmerzpunkte
  • anterior: IX. und X. Rippenknorpel Periostschmerzpunkte:Pankreaslinks

  • posterior: IX. und X. Rippen links in der Medioklavikularlinie

Knap-Punkte
  • anterior: 8. und 9. ICR links am Knap-Punkte:PankreasRippenbogen

  • posterior: 9. ICR, 5 Querfinger lateral der Procc. spinosi

Muskuläre Hinweiszeichen
  • Ziehen, subkostal Hinweiszeichen:Pankreasdysfunktionlinks

Vertebrale Hinweiszeichen
  • Dysfunktion C6–Th1, Th5–Th9

Perkussion

Das Pankreas kann nicht perkutiert werden.

Palpation

  • Pankreas:PalpationPalpation:PankreaslagePalpation der C-förmigen Schlinge des Duodenums und der Flexura duodenojejunalis (5.4.5) zur Positionsbestimmung des Pankreas mit indirektem Kontakt

  • Positionsbestimmung mit direktem Kontakt von Caput und Corpus pancreatis (5.4.5)

  • Palpation der Milz bzw. des Milzhilums (11.4.5) zur indirekten Positionsbestimmung der Cauda pancreatis

  • Positionsbestimmung mit direktem Kontakt der Cauda pancreatis (11.4.5)

Merke

Das Pankreas immer in Rückenlage mit angestellten Beinen und erhöht liegendem Kopf palpieren, da es tief im Bauchraum lokalisiert ist. Bauchmuskeltonus und erhöhte Organtension der aufliegenden Organe können so neutralisiert werden.

Da das Organ empfindlich ist, langsam vorgehen und zu starken Kontakt vermeiden.

Palpation des Sphincter Oddi (Abb. 12.10)
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten oder linken Seite des Patienten
Handposition: Das Os pisiforme einer Hand auf den Sphincter Sphincter Oddi:PalpationPalpation:Sphincter OddiOddi etwa 2–3 Querfinger oberhalb des Nabels auf der Linie vom Nabel zur Mitte des rechten Schlüsselbeins legen.
Ausführung: Den lokalen Spannungszustand des Sphincter Oddi palpieren.
Bewertung: Auf Verschieblichkeit, Konsistenz und lokale Verhärtung achten.
  • Normalbefund: Der Sphinkter ist im gleichen Tonus wie die Umgebung.

  • Eine harte, centgroße Spannung deutet auf eine Sphinkterdysfunktion hin.

Palpation des Caput pancreatis (Abb. 12.11)
Patient: in Rückenlage, Beine Palpation:Caput pancreatisangestellt
Therapeut: stehend, auf der linken Seite des Patienten
Handposition:
  • Mit der rechten Hand die viszerale Masse leicht von der linken Flanke aus nach medial schieben.

  • Den linken Daumen lateral auf den rechten M. rectus abdominis auf Höhe der Pars descendens des Duodenums legen (rechts auf einer Linie zwischen Mitte der Klavikula und Bauchnabel, 2–3 Fingerbreit oberhalb des Bauchnabels).

Ausführung:
  • Daumen nach dorsal und medial schieben, um

  • Außenseite der Pars descendens des Duodenums zu palpieren.

  • Daumen auf die mediale Seite der Pars descendens des Duodenums verschieben, dort

  • Abgrenzung zum Pankreas (wellige Oberfläche, drüsenartige Konsistenz) palpieren.

Bewertung: Auf Größe, Verschieblichkeit, Konsistenz, lokale Verhärtung, Beziehung zum Duodenum achten.
  • Normalbefund: Das Pankreas ist praktisch nicht zu palpieren.

  • Bei Dysfunktionen kann man eine lokale oder globale Verhärtung des ansonsten weichen, welligen Drüsengewebes palpieren. Zudem kann ein faszialer Zug oder eine verringerte Verschieblichkeit zur Umgebung, v. a. zum Duodenum, spürbar sein.

Palpation des Corpus pancreatis (Abb. 12.12)
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt, Kopf auf einem Palpation:Corpus pancreatisKissen
Therapeut: stehend, auf der linken Seite des Patienten
Handposition: Fingerspitzen der 2.–4. Finger beider Hände leicht links auf Höhe des Bauchnabels auf den Bauch legen.
Ausführung:
  • Mit den Fingerspitzen von kaudal in einem Winkel von 60° langsam schräg in die Tiefe der abdominalen Masse gehen.

  • Die Finger von kaudal nach kranial bis zum Corpus pancreatis hochschieben (das Pankreas hat eine wellige Oberfläche und drüsenartige Konsistenz).

  • Dabei die Pars horizontalis des Duodenums als Referenzpunkt verwenden.

Bewertung: Auf Größe, Verschieblichkeit, Konsistenz, lokale Verhärtung, Beziehung zum Duodenum achten.
  • Normalbefund: Das Pankreas ist praktisch nicht zu palpieren.

  • Bei Dysfunktionen kann man eine lokale oder globale Verhärtung des ansonsten weichen, welligen Drüsengewebes palpieren. Zudem kann ein faszialer Zug oder eine geringere Verschieblichkeit zur Umgebung, v. a. zum Duodenum, spürbar sein.

Palpation der Cauda pancreatis (Abb. 12.13)
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt Palpation:Cauda pancreatis
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Den rechten Zeige- und Mittelfinger lateral des linken M. rectus abdominis auf Höhe des Bauchnabels legen.

  • Mit der linken Hand die linken unteren Rippen von lateral stützen.

Ausführung:
  • Die rechten Finger mit einer Rotationsbewegung in Richtung Milz und gleichzeitig nach dorsal schieben, bis der Pankreasschwanz erreicht wird.

  • Gleichzeitig die unteren Rippen auf Höhe der Milz nach medial ziehen.

  • Um eine Hypertension (erhöhte Organspannung) oder einen Hypertonus (erhöhte Muskelspannung, hier der Bauchmuskeln) zu vermeiden, kann alternativ mit den Daumen palpiert werden: Dabei mit den übrigen Fingern die abdominale Masse von außen her etwas anheben, um eine Tonus- bzw. Tensionsentspannung zu erreichen.

Bewertung: Auf Größe, Verschieblichkeit, Konsistenz, lokale Verhärtung, Beziehung zum Duodenum achten.
  • Normalbefund: Das Pankreas ist praktisch nicht zu palpieren.

  • Bei Dysfunktionen kann man eine lokale oder globale Verhärtung des ansonsten weichen, welligen Drüsengewebes palpieren. Zudem kann ein faszialer Zug oder eine geringere Verschieblichkeit zur Umgebung, v. a. zur Milz, spürbar sein.

Vorsicht bei der Palpation: Dorsal dieser Region befindet sich die Einmündung der V. mesenterica inferior in die V. splenica. Bei Spannungen in dieser Region kann es daher vermehrt zu Drainageproblemen, v. a. des Colon sigmoideum, kommen, z. B. bei bereits vorhandenen inneren Hämorrhoiden.

Motilität

Im Exspir kommt es zu folgenden Motilität:PankreasBewegungen:
  • Rotation nach rechts von Proc. uncinatus und Caput pancreatis

  • Rotation nach links von Corpus und Cauda pancreatis

Palpation
Palpation der Pankreasmotilität
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt, Kopf auf einem Pankreasmotilität:PalpationPalpation:PankreasmotilitätKissen
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Das rechte Os pisiforme auf den Sphincter Oddi legen, d. h. auf die Linie vom Nabel zur Mitte des rechten Schlüsselbeins, etwa 2–3 Querfinger oberhalb des Nabels.

  • Rechte Handfläche und Finger auf die Längsachse des Pankreas legen.

Bewertung: Auf Amplitude, Kraft, Leichtigkeit und Symmetrie der Motilitätsbewegung des Pankreas achten.
  • Normalbefund: Das Pankreas macht eine Schaukelbewegung. In der Inspir-Phase senken sich die Handwurzel und die Fingerspitzen nach dorsal. In der Exspir-Phase ist es entgegengesetzt.

  • Andere Pankreasbewegungen während der In- und Exspir-Phase deuten auf eine Pankreasdysfunktion hin.

Vierpunkt-Prüfung des Pankreas (Abb. 12.14)
Patient: in Pankreas:Vierpunkt-PrüfungRückenlage
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Den rechten Zeigefinger etwa 3 Querfinger unterhalb des Proc. xiphoideus auf den Pylorus legen.

  • Den rechten Daumen auf den Winkel zwischen Pars descendens und Pars horizontalis des Duodenums legen, d. h. etwa 2 Querfinger rechts lateroinferior des Nabels.

  • Den linken Zeigefinger auf die Flexura duodenojejunalis legen, d. h. etwa 2 Querfinger links laterosuperior des Nabels.

  • Den linken Daumen auf den Winkel zwischen Pars superior und Pars descendens des Duodenums legen, d. h. etwa 3 Querfinger rechts lateral und superior des Nabels.

Bewertung: Über die Fingerkontakte auf dem Duodenum auf Amplitude, Kraft, Leichtigkeit und Symmetrie der Bewegungen während der In- und Exspir-Phase achten, um Motilität und Bewegungsfreiheit des Pankreas so mit indirektem Kontakt zu beurteilen.
  • Normalbefund: Während der Inspir-Phase drehen sich die 4 Kontaktpunkte im Uhrzeigersinn und kommen sich näher (konvergieren). Während der Exspir-Phase drehen sich die 4 Kontaktpunkte gegen den Uhrzeigersinn und entfernen sich voneinander (divergieren).

  • Andere Pankreasbewegungen während der In- und Exspir-Phase deuten auf eine Pankreasdysfunktion hin.

Mobilität

Zum besseren Verständnis der PankreasmobilitätPankreasbewegung führe man sich die topografische Lage vor Augen (12.2.3):
  • 1.

    Das Pankreas hat tief im Bauchraum wenig Bewegungsmöglichkeiten.

  • 2.

    Es ist um Wirbelsäule und Aorta herumgewunden: Das Corpus liegt am weitesten anterior, Cauda und Caput liegen eher posterior → bei der Atmung macht dadurch das Corpus pancreatis die größte Bewegung in kraniokaudaler Richtung.

Mobilität nach Finet und Williame
Bei der Einatmung kommt es zu Mobilität nach Finet und Williame:Pankreasfolgenden Bewegungen (Abb. 12.15):
  • Leichte Senkung, Corpus senkt sich mehr als Caput und Cauda pancreatis → Verlängerung des Pankreas in der Gesamtlänge

  • Leichte Rotation nach anterior

  • Rotation von Cauda und Caput nach dorsal

  • Auseinandergehen und eine Art Anlegen oder Anpressen an die Wirbelsäule.

Mobilität nach Barral und Mercier
Bei der Einatmung kommt es zu folgenden Mobilität nach Barral und Mercier:PankreasBewegungen (Abb. 12.15):
  • Leichte Senkung, Corpus senkt sich mehr als Caput und Cauda pancreatis → Verlängerung des Pankreas in der Gesamtlänge

  • Leichte Rotation nach anterior

  • Rotation von Cauda und Caput nach dorsal und Auseinandergehen.

Palpation
Palpation der Pankreasmobilität
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt, Kopf auf einem Pankreasmobilität:PalpationPalpation:PankreasmobilitätKissen
Therapeut: stehend, auf der linken Seite des Patienten
Handposition: Zeige- und Mittelfinger oder Daumen einer Hand jeweils an den Pankreaskopf und den Pankreasschwanz legen.
Bewertung: Pankreasbewegungen während der Atmung bewerten. Die Wahrnehmung auf das Absenken und Aufsteigen des Organs sowie auf das Auseinandergehen und Zusammenziehen an seinen Enden richten. Auf Amplitude, Kraft, Leichtigkeit und Symmetrie der Bewegung achten.
  • Normalbefund: Bei der diaphragmalen Atembewegung bewegt sich das Pankreas harmonisch und ohne Restriktion mit. Während der Einatmung senkt sich das Organ und seine Enden entfernen sich voneinander. Während der Ausatmung steigt das Organ und seine Enden nähern sich einander an.

  • Eine Abweichung dieser Bewegungen deutet auf eine Pankreasdysfunktion hin.

Ist ein Mobilitätsverlust wahrzunehmen, kann auf 2 Arten weiter getestet werden:
  • direkt: Impuls in die eingeschränkte Bewegungsrichtung geben; liegt eine Dysfunktion vor, zeigt sich der Mobilitätsverlust bei Impulsgabe noch deutlicher.

  • indirekt: Ausdruck der Mobilität an der Bewegungsgrenze und Ausdruck der Motilität in der Position der uneingeschränkten Richtung vergleichen; in der Position der eingeschränkten Richtung verliert die Motilität deutlich an Ausdruck, somit liegt eine Dysfunktion (zumindest kompensatorischer Art) vor.

Tests

Test des Lig. gastrolienale (Abb. 12.16)
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt, Kopf auf einem Tests:PankreasLig. gastrolienale:TestKissen
Therapeut: stehend, auf der linken Seite des Patienten
Handposition:
  • Die Finger der rechten Hand auf die unteren Rippen auf Höhe der Milz legen; Daumen mit Hautreserve unter den Rippenbogen schieben.

  • Die linke Hand auf den Dünndarm legen, den Daumen dabei mediokaudal direkt neben den rechten Daumen platzieren.

Ausführung:
  • Mit den Fingern der rechten Hand die unteren Rippen nach medial ziehen.

  • Den rechten Daumen langsam tief nach links lateral und kranial unter den Rippenbogen schieben und vorsichtig die Milz von mediokaudal fixieren.

  • Mit den Fingern der linken Hand die abdominale Masse umgreifen und zur Milz ziehen.

  • Mit dem linken Daumen unmittelbar neben dem rechten Daumen den Pankreasschwanz palpieren.

Bewertung: Das Ligament auf Konsistenz und Zug prüfen.
  • Normalbefund: ligamentäres, festelastisches Gefühl

  • Erhöhte Elastizität deutet auf Organptose, MilzptoseMilzptose, SplenomegalieSplenomegalie oder Bindegewebeschwäche hin.

  • Verminderte Elastizität deutet auf Mobilitätsverlust von Pankreas, Milz oder Magen hin, die Hämodynamik der Milz kann vermindert sein.

Fasziale Diagnostik des Pankreas: Shift und/oder Induktion
Patient: in Rückenlage, Beine Pankreas:fasziale Diagnostik (Shift oder Induktion)ausgestreckt
Therapeut: stehend, rechts vom Patienten auf Höhe des Beckens
Handposition:
  • Für die transversale Verschiebung (Shift:PankreasShift): Die linke Hand posterior unter die XI. und XII. Rippen und auf die LWS legen. Die rechte Hand liegt flach auf der Projektionsfläche des Pankreas, der Handballen auf dem Caput pancreatis, die Finger auf der Cauda pancreatis.

  • Für die anteroposteriore Induktion:PankreasInduktion: Nur Handballen oder Fingerbeeren auf das Caput pancreatis legen.

Ausführung:
  • Shift: kraniokaudale und kaudokraniale Verschiebung der oberflächlichen Faszien

  • Induktion: Druck nach posterior ausüben, dann den Druck plötzlich loslassen.

Bewertung der beiden Tests:
  • Normalbefund: Freie Beweglichkeit, die Faszien federn zurück.

  • Zähes oder fehlendes Zurückfedern deutet auf eine Dysfunktion hin.

Aortenpulsation im Epigastrium (Abb. 12.17)
Patient: in AortenpulsationRückenlage
Therapeut: stehend, auf der linken Seite des Patienten
Handposition: Mit dem rechten Daumen die Aorta auf der Medianlinie ca. 3 Querfinger unterhalb des Proc. xiphoideus palpieren.
Bewertung: Auf Pulsationen achten.
  • Normalbefund: Keine Pulsation tastbar.

  • Eine Pulsation ist bei Zug an der A. mesenterica superior (z. B. bei Dysfunktion des Dünndarms), einer Pankreasdysfunktion, einem aortalen Problem (z. B. Stenose, Verkalkung) oder arterieller Hypertonie zu palpieren. Zur Differenzierung mit der linken Hand dem Dünndarmpaket, dann dem Zäkum und Colon ascendens in die fasziale Entspannung folgen. Vermindert sich dabei die Stärke der Pulsation, deutet dies auf einen Zug an der A. mesenterica superior hin, bleibt die Stärke der Pulsation gleich, ist das ein Hinweis auf eine Pankreasdysfunktion.

Die Palpation sehr dosiert ausführen, um nicht durch den Palpationsdruck eine Pulsation auszulösen.

Behandlung von Dysfunktionen

Torsten Liem ( 12.5.9 ), Michel Puylaert ( 12.5.8 ), Uwe Senger ( 12.5.1–12.5.7 )

Merke

Behandlung:PankreasdysfunktionenDas Pankreas Pankreas:Behandlungsteht aufgrund seiner Lage und Funktion mit allen Organen in enger Verbindung. Es integriert Informationen der Bauchorgane direkt auf mechanischem, faszialem, arteriellem, venösem, lymphatischem, vegetativem, physiologischem und hormonellem Weg. Umgekehrt hat eine Pankreasdysfunktion und auch ein therapeutischer Eingriff globale und vielfältige Folgen. Die zentrale Stellung des Pankreas bedingt daher ein äußerst sensibles Vorgehen des Therapeuten in der manuellen Diagnostik und Therapie.

Entspannung des Sphincter Oddi (Abb. 12.18)

Indikation: Sphincter Oddi:EntspannungSpannung auf dem Sphinkter (Gefühl einer harten centgroßen Struktur, mit eingeschränkter Sekretion des exokrinen Pankreas und der Galle), zur Therapie der Dysfunktion oder als Vorbereitung, um Stauung vor Pankreasbehandlungen zu vermeiden
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten oder linken Seite des Patienten
Handposition: Os pisiforme einer Hand auf den Sphincter Oddi etwa 2–3 Querfinger vom Nabel rechts auf die Medioklavikularlinie legen.
Ausführung:
  • Während der Atmung den Sphinkterbewegungen in rechte und linke Rotation folgen.

  • Am Ende einer Atembewegung einen lang gezogenen Impuls horizontal, fortlaufend in Bewegungsrichtung auf den Sphinkter setzen.

  • Die Behandlung wird bei Entspannung des Sphincter Oddi beendet, sobald sich das harte Gefühl unter dem Os pisiforme neutralisiert hat.

Mobilisation des Pankreas (Abb. 12.19)

Indikation: Mobilitätsverlust des Pankreas:MobilisationMobilisation:PankreasPankreas
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Mit den linken Fingerspitzen unmittelbar oberhalb des Nabels nach dorsal in den Bauchraum gehen und breitflächig Kontakt mit dem Pankreaskopf und -körper aufnehmen.

  • Mit den rechten Fingerspitzen in gleicher Weise Kontakt mit dem Pankreasschwanz bis -körper aufnehmen; frontal in einer Linie ausgerichtet und auf der Kleinfingerseite etwas höher (Richtung Milzhilum).

  • Die Fingerspitzen befinden sich in einer Linie und halten breitflächig Kontakt mit dem Organ.

Ausführung:
  • Während der Einatmung die Pankreasbewegungen in kaudaler Richtung verstärken.

  • Während der Ausatmung die Pankreasbewegung in kranialer Richtung verstärken.

  • Technik nicht mehr als 10 Atemzyklen wiederholen.

Motilitätstechnik im Liegen

Indikation: Motilitätseinschränkung des Pankreas:MotilitätstechnikPankreas
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Mit Zeige- und Mittelfinger der linken Hand unmittelbar oberhalb des Nabels in die Tiefe palpieren und Kontakt mit dem Pankreaskopf aufnehmen.

  • Mit Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand eine Handbreit vom Sternum entfernt unter dem linken Rippenbogen in die Tiefe palpieren und Kontakt mit dem Pankreasschwanz aufnehmen.

Ausführung:
  • Zunächst der Motilitätsbewegung folgen, dann entweder

    • Motilitätsbewegung betonen: Dazu am Ende der Inspir-Bewegung einen direkten Motilitätsimpuls zur Verlängerung der Längsachse und am Ende der Exspir-Bewegung einen direkten Motilitätsimpuls zur Verkürzung der Längsachse des Organs geben; oder

    • Motilitätsbewegung zur Position des bestmöglichen Ausdrucks gefolgt und diese Position halten (indirekte Technik zum Spannungsausgleich vom Organ zur Umgebung).

  • Beide Vorgehensweisen können wechselweise kombiniert werden.

  • Die Behandlung so lange ausführen, bis sich der Ausdruck der Motilität verbessert.

Motilitätstechnik im Liegen

Motilitätstechnik im Sitzen (Abb. 12.21)

Indikation: Motilitätseinschränkung des PankreasPankreas:Motilitätstechnik
Patient: sitzend, am Therapeuten angelehnt
Therapeut: stehend, hinter dem Patienten
Handposition:
  • Von kranial aus mit linkem Zeige- und Mittelfinger eine Handbreit vom Sternum entfernt unter dem linken Rippenbogen in die Tiefe palpieren und Kontakt mit dem Pankreasschwanz aufnehmen.

  • Von kranial aus mit rechtem Zeige- und Mittelfinger direkt oberhalb des Nabels in die Tiefe palpieren und Kontakt mit dem Pankreaskopf aufnehmen.

Ausführung:
  • Zunächst der Motilitätsbewegung folgen, dann entweder

    • Motilitätsbewegung betonen: Dazu am Ende der Inspir-Bewegung einen direkten Motilitätsimpuls zur Verlängerung der Längsachse und am Ende der Exspir-Bewegung einen direkten Motilitätsimpuls zur Verkürzung der Längsachse des Organs geben; oder

    • Motilitätsbewegung zur Position des bestmöglichen Ausdrucks gefolgt und diese Position halten (indirekte Technik zum Spannungsausgleich vom Organ zur Umgebung).

  • Beide Vorgehensweisen können wechselweise kombiniert werden.

  • Die Behandlung so lange ausführen, bis sich der Ausdruck der Motilität verbessert.

Motilitätstechnik für das Pankreas (nach Barral) (Abb. 12.22)

Indikation: Motilitätseinschränkung des Pankreas:MotilitätstechnikPankreas
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Das rechte Os pisiforme auf den Sphincter Oddi legen, d. h. auf die Linie vom Nabel zur Mitte des rechten Schlüsselbeins etwa 2–3 Querfinger oberhalb des Nabels.

  • Handfläche und Finger auf die Längsachse des Pankreas legen.

Ausführung: Während Inspir und Exspir die Motilitätsbewegungen des Organs verstärken, bis sich der Ausdruck der Motilität verbessert.

Vierpunkt-Technik (Abb. 12.23)

Indikation: regionale Spannung, Vierpunkt-Technik, PankreasPankreasmotilität:Vierpunkt-TechnikMotilitätseinschränkung des Pankreas:Vierpunkt-TechnikPankreas
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Den rechten Zeigefinger auf den Pylorus (etwa 2 Querfinger unterhalb des Proc. xiphoideus), den rechten Daumen auf den Winkel zwischen Pars descendens und Pars horizontalis des Duodenums legen.

  • Den linken Zeigefinger auf die Flexura duodenojejunalis, den linken Daumen auf den Winkel zwischen Pars superior und Pars descendens des Duodenums legen.

Ausführung:
  • Im Inspir die konvergierende Bewegung des Pankreas im Uhrzeigersinn verstärken.

  • Im Exspir die divergierende Bewegung des Pankreas gegen den Uhrzeigersinn verstärken.

Bei dieser Technik kann der Reiz auf die Inselzellen unmittelbar danach zu einer HypoglykämieHypoglykämie führen. Der Patient erlebt dies als Schwäche-, Schwindelgefühl, starke Müdigkeit o. Ä. Darauf hinweisen und dem Patienten ggf. etwas Traubenzucker geben oder ihn bitten, noch 10 Minuten zur Beobachtung in der Praxis zu bleiben.

Dehnung des Lig. gastrolienale (Abb. 12.24)

Indikation: Elastizitätsverlust des Lig. gastrolienale:DehnungLigaments
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt, Kopf auf einem Kissen
Therapeut: stehend, auf der linken Seite des Patienten
Handposition:
  • Finger der rechten Hand auf die unteren Rippen auf Höhe der Milz legen, Daumen mit Hautreserve unter den Rippenbogen schieben.

  • Die linke Hand auf den Dünndarm legen, Daumen nach mediokaudal führen und direkt neben dem rechten Daumen platzieren.

Ausführung:
  • Mit den Fingern der rechten Hand die unteren Rippen nach medial ziehen.

  • Den rechten Daumen langsam tief nach links lateral und kranial unter den Rippenbogen schieben und vorsichtig die Milz von mediokaudal fixieren.

  • Mit den Fingern der linken Hand die abdominale Masse umgreifen und zur Milz ziehen.

  • Mit dem linken Daumen unmittelbar neben dem rechten Daumen Kontakt mit dem Pankreasschwanz aufnehmen.

  • Durch Auseinanderbewegen der Daumen das Ligament dehnen.

Merke

Die Dehnung kann auch mit der Ausatmung oder Luftanhalten nach der Ausatmung kombiniert und verstärkt werden, um sich den tonischen Verhältnissen besser anzupassen.

Fasziale Behandlung des Pankreas (modifiziert nach Finet und Williame)

Ausatmungsdysfunktion (Abb. 12.25)
Indikation: fasziale Einschränkung nach kaudal, Schmerzen im Epigastrium, Pankreas:fasziale Behandlung (mod. nach Finet und Williame)fasziale Behandlung (mod. nach Finet und Williame):PankreasAusatmungsdysfunktion:Pankreasbehandlung, faszialeMalabsorption
Patient: in Rückenlage, Beine ausgestreckt
Therapeut: stehend, rechts vom Patienten auf Höhe des Beckens
Handposition:
  • Die linke Hand posterior unter die XI. und XII. Rippen und die LWS legen.

  • Die rechte Hand liegt flach auf der Projektionsfläche des Pankreas, der Handballen auf dem Caput pancreatis, die Finger auf der Cauda pancreatis

Ausführung:
  • Beide Hände nach kaudal ziehen.

  • Die Stellung beibehalten oder diesen Vorgang 2–3× wiederholen, bis es zu einer Spannungslösung kommt.

Einatmungsdysfunktion
Indikation: fasziale Einschränkung nach kranial, Schmerzen im Epigastrium, Malabsorption:PankreasbehandlungEinatmungsdysfunktion:Pankreasbehandlung, faszialeMalabsorption
Patient: in Rückenlage
Therapeut: stehend, rechts vom Patienten auf Höhe des Beckens
Handposition:
  • Die linke Hand posterior unter die XI. und XII. Rippen und die LWS legen

  • Die rechte Hand liegt flach auf der Projektionsfläche des Pankreas, der Handballen auf dem Caput pancreatis, die Finger auf der Cauda pancreatis.

Ausführung:
  • Beide Hände nach kranial ziehen.

  • Die Stellung beibehalten oder diesen Vorgang 2–3× wiederholen, bis es zu einer Spannungslösung kommt.

BEFNT-Integration des Pankreas

(2.4.2)
Indikation: Dysfunktion des Pankreas:BEFNT-IntegrationBEFNT-Integration:PankreasPankreas
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Das rechte Os pisiforme auf den Sphincter Oddi legen, auf eine gedachte Linie vom Nabel zur Mitte des rechten Schlüsselbeins, etwa 2–3 Querfinger oberhalb des Nabels.

  • Rechte Handfläche und Finger auf die Längsachse des Pankreas legen.

  • Die rechte Hand in den Bauchraum einsinken lassen und das Pankreas sanft in die Hand kommen lassen.

Point of balanced entodermal tension (PBET)
  • Resistenz der entodermalen Struktur auf sanften Druck hin testen und die Dichte der Struktur bewerten.

  • Der entodermalen Spannung des Pankreas in die Position bzw. in die Form folgen, in der sie am besten ausgeglichen ist (→ PBET).

  • Dabei die embryonalen Kraftvektoren berücksichtigen.

Neuronale Inhibition
  • Die linke Hand auf verschiedene Ebenen des Rückens legen, die rechte Hand dabei im Bereich des Magens liegen lassen.

  • Falls es einen Bereich am Rücken gibt, in dem sich das Pankreas unter der Hand entspannt bzw. seine Bewegungseinschränkung sich verbessert, die Hand dort liegen lassen: in der Regel auf Höhe Th6–Th9 (sympathische Innervation), im kraniozervikalen Übergangsbereich (parasympathische Innervation) oder ventral etwa 2–4 Querfinger oberhalb des Bauchnabels (Ganglion coeliacum, Plexus mesentericus superior).

  • Durch sanften konstanten Druck eine Inhibition im jeweiligen Bereich ausführen.

Point of balanced fascial tension (PBFT)
  • Die fasziale Beweglichkeit passiv oder aktiv atemsynchron oder aktiv unabhängig zur Atemaktivität testen.

  • Spannungsgleichgewicht der faszialen Strukturen des Pankreas einstellen, d. h. versuchen, den therapeutisch induzierten Gleichgewichtszustand der viszerofaszialen Spannung zu erreichen, in dem sie gleichmäßig in allen Richtungen ausgeglichen sind.

  • In der Regel wird das Pankreas in die Position begleitet, in die es sich leicht bewegen lässt.

  • Um die unterschiedlichen Spannungsmuster der Aufhängungen (und faszialen Gleitflächen) des Pankreas zu kopieren, die Krafteinwirkung der Hände an sie anpassen bzw. ihnen angleichen:

    • Über die Fixationen: vom Pankreaskopf nach medial zum Duodenum, nach anterior zur Radix mesocoli transversi, nach posterior zur hinteren Bauchwand (Treitz-Faszie), unregelmäßig zum Corpus gastricum (Plica gastropancreatica), von der Spitze des Pankreasschwanzes nach lateral zur Milz (Lig. splenorenale, Lig. gastrosplenicum), nach kranial über die A. pancreatica dorsalis, die A. pancreatica magna (→ A. splenica), über die A. pancreaticoduodenalis inferior anterior und die A. pancreaticoduodenalis inferior posterior (→ A. gastroduodenalis → A. hepatica communis) sowie über die A. pancreaticoduodenalis superior (→ posterior des Pankreas gelegene A. mesenterica superior).

    • Über die Gleitflächen: zur Bursa omentalis.

  • Dazu eine Hand ggf. vom Pankreas lösen und z. B. auf Duodenum, Mesenterium oder Milz legen.

  • Einstellung eines PBFT (evtl. mit leichter Kompression) → minimale Bewegungen im faszial-ligamentären viskoelastischen Umfeld des Pankreas treten auf → ein neues Gleichgewicht etabliert sich → eine physiologischere Bewegungsamplitude wird palpierbar, evtl. entsteht ein Stillpunkt → das Pankreas in die Ausgangslage zurückbringen.

Anschließend können Techniken wie balanced dynamic tension und balanced fluid tension (BDT, BFT) angewendet werden. Dabei darauf achten, weder bei der Untersuchung noch bei der Behandlung bis an die Bewegungsgrenzen zu gehen.

Merke

Das Pankreas ist nur indirekt erreichbar. Bei der Palpation und Behandlung keinen Druck auf das Pankreas ausüben.

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