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B978-3-437-56011-8.00007-1

10.1016/B978-3-437-56011-8.00007-1

978-3-437-56011-8

Befestigung des Darmrohrs über seine gesamte Länge – ventral durch das Mesenterium ventrale bis zur Nabelschleife und dorsal durch das Mesenterium dorsale – an der Leibeswand

Entwicklung der Leber im ventralen Mesenterium, Entwicklung von Magen, Milz und Pankreas im dorsalen Mesenterium. Die Pfeile zeigen die Drehungsrichtung der Organe an.

Entstehung von Ligamente:EntstehungLigamenten und Verlagerung der Bauchorgane

Lage der Bursa omentalis als Spaltraum und Ausstülpung des Omentum majus

Lage der Recessus und Drainagewege in der Peritonealhöhle

Lage der Zugangswege zur Bursa omentalis (Ansicht von links lateral)

Peritonealfalten. a: Mesenterium. b: Omentum. c: Ligament

Bedeckung der dorsalen Bauchhöhlenwand mit Peritoneum (Ansicht von ventral). Die Verklebungsstellen von Colon ascendens und Colon descendens sind mit * gekennzeichnet.

Lagebeziehungen von Organen zum Peritoneum. a: Intraperitoneale Lage. b: Primär retroperitoneale Lage. c: Sekundär retroperitoneale Lage.

Lagebeziehungen der Peritonealabschnitte zu den Oberbauchorganen und Begrenzungen der Bauchhöhle

Großes abdominales Manöver bei allgemeiner abdominaler Hypotension

Großes abdominales Manöver bei allgemeiner abdominaler Hypertension

Peritoneum (Bauchfell)

Therapeut auf den Fotos:

Uwe Senger

  • 7.1

    Embryologie der Peritonealhöhle Rainer Breul258

  • 7.2

    Anatomie Rainer Breul260

    • 7.2.1

      Funktion260

    • 7.2.2

      Aufbau260

    • 7.2.3

      Topografische Anatomie265

    • 7.2.4

      Gefäßversorgung, Lymphwege, Innervation267

  • 7.3

    Dysfunktionen Uwe Senger269

    • 7.3.1

      Ursachen269

    • 7.3.2

      Kompensationsme-chanismen269

    • 7.3.3

      Folgen269

    • 7.3.4

      Differenzialdiagnosen270

  • 7.4

    Diagnostik der Dysfunktionen Uwe Senger270

    • 7.4.1

      Symptome270

    • 7.4.2

      Inspektion270

    • 7.4.3

      Reflexzonen und Hinweiszeichen270

    • 7.4.4

      Perkussion270

    • 7.4.5

      Palpation270

    • 7.4.6

      Motilität270

    • 7.4.7

      Mobilität270

    • 7.4.8

      Tests270

  • 7.5

    Behandlung der Dysfunktionen Uwe Senger272

    • 7.5.1

      Großes abdominales Manöver bei allgemeiner abdominaler Hypotension272

    • 7.5.2

      Großes abdominales Manöver bei allgemeiner abdominaler Hypertension273

Embryologie der Peritonealhöhle

Rainer Breul
PeritoneumPeritonealhöhle:EmbryologieEmbryologie:Peritoneum/PeritonealhöhleBauchfell (Peritoneum)Die BauchhöhleBauchhöhle, Cavitas Cavitas peritonealisperitonealis, bildet den Abschnitt der primitiven Leibeshöhle, der nach Ausbildung des Zwerchfells von der Pleura- und Perikardhöhle abgetrennt ist. In der 4. Embryonalwoche ist das Darmrohr:HaltestrukturenDarmrohr auf der ventralen Seite bis zum Beginn der NabelschleifeNabelschleife durch das Mesenterium ventrale und auf der dorsalen Seite in gesamter Länge durch das Mesenterium dorsale an der Leibeswand befestigt (Abb. 7.1). Unterhalb der Nabelschleife ist nur das dorsale Mesenterium:ventraleMesenterium:dorsaleMesenterium angelegt.
Etwa um die 5. Embryonalwoche wächst in das Mesogastrium Mesogastrium ventraleventrale die Leberanlage ein. Hierdurch wird der zwischen vorderer Leibeswand und Leber verbleibende Abschnitt des ventralen Mesenteriums zum Lig. falciforme Lig. falciforme hepatishepatis (Abb. 7.2).
Aus dem zwischen Leber und Magen gelegenen Teil des Omentum minus entsteht das Lig. Lig. hepatogastricumhepatogastricum. Neben dem Magen entwickeln sich auch Milz und Pankreas im Mesogastrium dorsale. Der zwischen Magen und Milz gelegene Abschnitt des Mesogastrium dorsale wird zum Lig. Lig. gastrosplenicumgastrosplenicum. Das Lig. Lig. splenorenalesplenorenale stellt eine Fortsetzung des Lig. gastrosplenicum dar (Abb. 7.3).
Zu dieser Zeit beginnt mit der Drehung des Magens nach links und der Verlagerung des Mesogastrium dorsale an die hintere Leibeswand (Abb. 7.3) die Ausbildung der Bursa Bursa omentalisomentalis, ein mit Bauchfell bedeckter Spaltraum (Abb. 7.4).
Als dessen Aussackung entsteht das große Netz, das Omentum Omentum majusmajus, wobei in den meisten Fällen postnatal das vordere und hintere Blatt der Ausstülpung unterhalb des Magens miteinander verlöten (Abb. 7.4). Die Bursa omentalis bleibt über eine kleine Öffnung, das Foramen Foramen omentaleomentale, mit der Bauchhöhle verbunden.
Nach der Darmdrehung verschmelzen die Gekröse“\t“Siehe MesosGekröse des Duodenums sowie des Colon ascendens und Colon descendens mit der hinteren Bauchwand, sodass diese Organe anschließend retroperitoneal liegen. Der Anfangsteil des Duodenums sowie Jejunum, Ileum, Colon transversum, Colon sigmoideum, Appendix vermiformis und der obere Teil des Rektums behalten ihre eigenen Mesenterien als Haltestruktur und liegen intraperitoneal.

Anatomie

Peritoneum:Anatomie Anatomie:Peritoneum Rainer Breul

Funktion

  • Peritoneum:FunktionFunktion:PeritoneumÜberkleidung der Organe mit einer serösen Haut (7.2.2)

  • Befestigung der Organe des Bauchhöhle

  • Separation der Organe → Ermöglichung von Organbewegungen

  • Luftdichter Abschluss der Bauchhöhle

  • Gewährleistung eines reibungsfreien Gleitens der Organe gegeneinander

  • Flexible Anpassung an Form- und Volumenveränderungen der jeweiligen Darmabschnitte sowie der Bauchhöhle

  • Hohe mechanische Beanspruchbarkeit durch die ausgedehnten interzellulären Kontaktflächen der Mesothelzellen

  • Abwehrfunktion: bei entzündlichen Erkrankungen von Organen der Bauchhöhle Abwehr, Abgrenzung, Abdeckung sowie Verklebung eines erkrankten Organs bzw. Organabschnitts

    • Bei Verunreinigungen der Bauchhöhle z. B. durch Bakterien werden diese innerhalb von Minuten mit der Peritonealflüssigkeit über die Poren im Diaphragma abtransportiert; Voraussetzungen für diese physiologische Elimination sind eine normale Zwerchfellaktivität und physiologische Druckverhältnisse im Thorax.

    • Bei Infektionen können Abwehrzellen schnell aus dem subserösen Bindegewebe in die freie Bauchhöhle gelangen und mit Hilfe von Makrophagen Aufgaben wie Phagozytose oder Bakteriolyse übernehmen.

    • Überschreitet die Anzahl der pathogenen Keime die Grenze von 105 Zellen/ml Peritonealflüssigkeit, ist keine wirksame Abwehrfunktion mehr möglich.

    • Bei Peritonitis können giftige Stoffe sehr schnell in den Kreislauf eintreten.

Aufbau

Peritoneum:AufbauAufbau:PeritoneumDas Peritoneum:MesothelzellenPeritoneum ist eine seröse Haut und besteht aus flachen, einschichtigen polygonalen Epithelzellen, die mechanisch fest und stark verformbar sind. Synonym werden sie auch als Mesothelzellen oder Serosaepithel bezeichnet. Sie besitzen als Haltestrukturen gut ausgebildete Desmosomen und ruhen auf einer Basalmembran von etwa 50–100 nm Dicke. An ihrer Oberfläche sind die Mesothelzellen:PeritoneumMesothelzellen mit Mikrovilli besetzt, die im Mittel einen Durchmesser von ca. 0,1 μm und eine Länge von 2 μm haben.
Die vom Peritoneum bedeckte Oberfläche beträgt etwa 2 m2. Als seröse Haut ist das Peritoneum ständig von einem Feuchtigkeitsfilm überzogen und spiegelnd glatt. Gleichzeitig sorgt ein mukopolysaccharidhaltiger Überzug der Mesothelzellen an der Oberfläche des Peritoneums für eine gute Wasserbindungsfähigkeit. Zusammen mit dem Flüssigkeitsfilm wird ein nahezu reibungsfreies Gleiten der Organe gegeneinander ermöglicht.
An der Unterseite der Mesothelzellen befinden sich Fortsätze, die bis ins subperitoneale Bindegewebe reichen und dort verankert sind. Zwischen den Mesothelzellen, v. a. im Bereich des Zwerchfells, liegen Poren, die Anschluss an das Lymphgefäßsystem haben und die Bauchhöhle drainieren. Durch diese Öffnungen können Lymphozyten und Makrophagen in die Peritonealhöhle eingeschleust werden, um sich an der Abwehr zu beteiligen. Besondere Bedeutung für die Abwehr haben die Maculae Maculae lacteaelacteae (MilchfleckenMilchflecken) im Omentum majus, die neben Lymphozyten als Abwehrzellen Makrophagen, Granulozyten und Mastzellen enthalten. In umgekehrter Richtung können zelluläre Bestandteile der peritonealen Flüssigkeit über diese Poren ausgeschleust und an das Lymphsystem abgegeben werden.
In der Peritonealhöhle befinden sich etwa 20 ml einer Flüssigkeit, die im Sinne einer Transsudation aus dem subserösen Kapillarbett austritt und durch die Interzellularräume der Mesothelien in die Peritonealhöhle gelangt. Diese seröse PeritonealflüssigkeitPeritonealflüssigkeit wird ständig erneuert. Das Omentum majus ist wegen seiner großen Oberfläche an der Transsudation stark beteiligt. Bei Eiweißmangelzuständen, Nierenerkrankungen, Stau in der Pfortader usw. kann es jedoch zu einer starken Vermehrung der peritonealen Flüssigkeitsmenge (Aszites, Hydrops) kommen.
Innerhalb der Bauchhöhle bildet das Peritoneum flächige Begrenzungen, die sich den wechselnden Raumverhältnissen der Baucheingeweide sehr flexibel anpassen können. Hierbei wird die Peritonealhöhle:Spalträume (Recessus)Peritonealhöhle in zahlreiche Spalträume:Peritonealhöhlekapillare Spalträume (Recessus:PeritonealhöhleRecessus) untergliedert, die ihrerseits in Ausdehnung und Lage variabel sind (Abb. 7.5, 7.8). Dabei fließt die Peritonealflüssigkeit zwischen den kapillaren Spalten der aneinander liegenden Organe zu den Hauptresorptionsstellen bzw. -flächen der Peritonealhöhle an der Unterseite des Zwerchfells sowie zum Omentum majus. Über Poren in den Mesothelien wird die Flüssigkeit in die subserösen Lymphgefäßsysteme drainiert.
An Bauchorganen wie Milz, Leber und Ovar ist das subseröse Bindegewebe des viszeralen Peritoneums besonders dünn und zart. Kräftiger ist es in Bauchhöhlenbereichen ausgebildet, in denen größere (physiologische) mechanische Beanspruchungen vorkommen, wie etwa am Darm durch den häufig schnell wechselnden Füllungszustand sowie durch dessen Motilität. Abhängig vom Ernährungszustand ist im subserösen Bindegewebe des Peritoneums meist mehr oder weniger reichlich Fettgewebe eingelagert.
Peritoneum:RegenerationsfähigkeitDie Regenerationsfähigkeit des Peritoneums ist sehr gut und geht von Fibroblasten und/oder Retikulumzellen aus, die sich im submesothelialen Bindegewebe befinden. Nach Verletzungen oder operativen Eingriffen ist eine schnelle peritoneale WundheilungWundheilung:peritoneale zu beobachten, die sich in einigen Aspekten von der Heilung epithelialer Wunden unterscheidet. Nach einer Verletzung des Peritoneum viscerale erfolgt eine rasche Defektdeckung durch die Einwanderung mesothelialer Zellen aus dem Bindegewebe sowie aus den Wundrändern. An gegenüberliegenden Serosaflächen führt das Austreten von Fibrin zu einer zügigen Verklebung, die normalerweise durch eine nachfolgende Fibrinolyse wieder beseitigt wird. Daraus resultiert eine verwachsungsfreie SerosaheilungWundheilung:Serosadefekte, weshalb eine Übernähung von SerosadefekteSerosadefekten bzw. die Naht des Peritoneums nicht notwendig ist. Bleibende Verklebungen entstehen meistens, wenn Nähte eine Ischämie verursacht haben. Außerdem wird durch die Ischämie die physiologische Fibrinolyse verhindert.
Formal unterscheidet man zwischen
  • Peritoneum parietale: kleidet die Peritoneum parietaleBauchfell- bzw. Peritonealhöhle wie einen geschlossenen Raum vollständig aus,

  • Peritoneum viscerale: überzieht die Peritoneum visceralefrei beweglichen Organe in der Bauchhöhle, liegt direkt dem Parenchym auf; lediglich die Area nuda der Leber bleibt unbedeckt.

Im Bauchraum grenzen die vom Peritoneum viscerale überzogenen Organe, durch einen kapillaren Spalt getrennt, entweder an Nachbarorgane oder an die mit Peritoneum parietale bedeckte Bauchwand und bilden hierbei zahlreiche Bauchfelltaschen. In den BauchfelltaschenBauchfelltaschen können sich Darmabschnitte einklemmen, Entzündungen ausbreiten bzw. Eiter ansammeln. Auch für die Kenntnis operativer Zugangswege sind sie wichtig. Die größte Tasche ist die Bursa Bursa omentalisomentalis (Abb. 7.6, Abb. 5.6, Abb. 12.5), ein Spaltraum in der Frontalebene, dessen einzigen offenen Zugang von ca. 3 cm Breite das zwischen dem freien Rand des Omentum minus (Lig. Lig. hepatogastricumhepatogastricum) und der V. cava inferior befindliche Foramen epiploicumForamen Foramen omentaleomentale (epiploicum) bildet. Zur Lage aller anderen Taschen (Recessus): Abb. 7.5.
Von Peritoneum viscerale bedeckte Organe bedürfen der kontinuierlichen Versorgung durch ab- und zuführende Leitungsbahnen, die in den Bindegewebsplatten der Mesenterien (Gekröse, Mesos)Mesenterien untergebracht sind.
Mesenterien (Gekröse, Mesos (Mesenterien)Mesos) (Abb. 7.7a):
  • verbinden als mobile ventrale und/oder dorsale Haltestrukturen das Darmrohr:HaltestrukturenDarmrohr mit der Bauchwand; hierbei ist zu bedenken, dass die Bauchorgane den Bauchraum vollständig ausfüllen, sich gegenseitig tragen und in ihrer Lage halten

  • bestehen aus beiden Peritonealblättern und einer dazwischenliegenden Tela subserosa, in der Blut-, Lymphgefäße und Nerven verlaufen

  • werden beidseitig vom Peritoneum viscerale überzogen

  • dienen der Fettspeicherung und Abwehr (enthalten viele Makrophagen)

  • am Mesenterialstiel bzw. der -wurzel (Radix) schlägt das parietale auf das viszerale Peritoneum um; hier liegt die Ein- und Austrittsstelle für die Gefäße zum Mesenterium.

Das embryonale Mesenterium ventrale wird durch das Einwachsen der aus der Duodenalanlage stammenden Leber in ein vorderes Mesenterium:ventraleMesenterium:dorsaleMesenterium (Mesohepaticum ventrale = Lig. falciforme hepatis) und in ein Mesenterium dorsale (= Omentum minus, Omentum minus Abb. 7.7b) untergliedert. Es enthält zwischen den beiden Blättern des Peritoneum viscerale zu- und abführende Leitungsbahnen.
Das Omentum Omentum majusmajus (Abb. 7.7b), das sich während der Embryonalzeit als Peritonealduplikatur von der großen Kurvatur des Magens aus nach ventral ausstülpt, ist über das Lig. gastrocolicum mit dem Colon transversum verwachsen und führt an seiner Basis die Gefäße der großen Kurvatur.
Ligamente:PeritoneumLigamente verlaufen als verstärktes, mit Peritoneum viscerale überzogenes subperitoneales Bindegewebe zwischen zwei Organen bzw. Organ und Bauchwand (Abb. 7.7c).

Topografische Anatomie

Lage
Lagebeziehung:PeritonealorganeDas Peritoneum kleidet die BauchhöhleBauchhöhle, Cavitas Cavitas peritonealisperitonealis, aus (Abb. 7.8, 11.4). Die Bauchhöhle ist sowohl beim Mann als auch bei der Frau (Öffnungen der Tubae uterinae enden jedoch frei in der Bauchhöhle) luftdicht durch das Peritoneum abgeschlossen.
Man unterscheidet aufgrund der Lagebeziehung von Organen zum Bauchfell
  • intraperitoneale Organe:intraperitonealeintraperitoneale OrganeOrgane, die von Peritoneum viscerale überzogen und über ein Mesenterium mit dem Peritoneum parietale verbunden sind (Abb. 7.9a),

  • primär retroperitoneale retroperitoneale OrganeOrgane:retroperitonealeOrgane, die fast vollständig hinter dem Peritoneum liegen und meistens an der hinteren Bauchwand mit dichtem Bindegewebe befestigt sind (Abb. 7.9b),

  • sekundär retroperitoneale Organe, die in der Embryonalzeit zunächst intraperitoneal liegen und durch Umlagerung und Reduktion des Mesenteriums in eine retroperitoneale Lage kommen (Abb. 7.9c).

Nachbarschaftsbeziehungen (Abb. 7.10, 7.8)
  • kranial: an der Unterseite Nachbarschaftsbeziehungen:Peritoneumdes Zwerchfells fest mit dessen Muskelfaszie und dem Centrum tendineum verbunden

  • ventral und lateral: auf der Fascia transversalis liegend

  • dorsal: überspannt Binde- und Fettgewebe im Spatium Spatium retroperitonealeretroperitoneale sowie die Vorderflächen der darin gelegenen Organe (Pankreas, Nieren, Nebennieren, Duodenum, Colon ascendens, Colon descendens)

  • kaudal: geht an der Linea terminalis kontinuierlich in die Beckenhöhle über und liegt den Organen des Retroperitonealraums (Vesica urinaria, Uterus, Ovarien, Rektum) auf.

Fixationen
Fixationen:PeritoneumDie Verbindung des Peritoneums zu den benachbarten Wänden und Organen ist regional unterschiedlich fest bzw. straff.
Alle Bauchorgane sind rundum mit Peritoneum viscerale überzogen, mit Ausnahme der Area nuda der Leber. Die im Folgenden aufgeführten Verbindungen gehen von den ventralen bzw. dorsalen Mesenterien als Hüllstrukturen des Organs aus und nicht vom Organ selbst, das sich in der Hülle befindet. Somit stellt das Peritoneum eine mehr oder weniger kontinuierlich durch den gesamten Bauchraum verlaufende Struktur dar, innerhalb der die Bauchorgane liegen. Das unterstreicht die zentrale Rolle des Peritoneum:VerbindungsstrukturenPeritoneums: Es verbindet, stützt, leitet Informationen weiter, transportiert, ermöglicht Mobilität, ist für die Abwehr zuständig und enthält zur Ernährung der Organe dienende Versorgungsgefäße.
Verbindungsstrukturen zwischen den Organen sind:
  • Magen:

    • Omentum majus

    • Omentum minus (Lig. hepatoduodenale und Lig. hepatogastricum)

    • Lig. gastrophrenicum

    • Lig. gastrosplenicum

  • Duodenum:

    • Treitz-Faszie

    • Omentum minus (Lig. hepatoduodenale)

    • Lig. cystoduodenale

    • Mesocolon transversum

  • Jejunum, Ileum:

    • Mesenterium

  • Zäkum:

    • Plica (Lig.) ileocaecalis superior

    • Plica (Lig.) ileocaecalis inferior

  • Colon ascendens:

    • Toldt-Faszie

  • Flexura coli dextra:

    • Lig. phrenicocolicum dextrum

    • Lig. hepatocolicum

    • Lig. cystocolicum

    • Lig. renocolicum

    • unbenannte Verbindung zum Peritoneum parietale posterius

  • Colon transversum:

    • Mesocolon transversum

    • Omentum majus

    • Lig. hepatocolicum

    • Lig. gastrocolicum

  • Flexura coli sinistra:

    • Lig. phrenicosplenicum

    • Lig. phrenicocolicum sinistrum

    • Lig. sustentaculum splenicum

  • Colon sigmoideum:

    • Mesosigmoid, erste und zweite Wurzel (Radix)

  • Leber:

    • Lig. coronarium, vorderer und hinterer Schenkel

    • Lig. triangulare dextrum und sinistrum

    • Lig. hepatorenale

    • Lig. falciforme hepatis

    • Lig. teres hepatis

    • Omentum minus

    • Lig. hepatocolicum

    • Lig. venosum

  • Gallenblase:

    • Lig. cystoduodenale

    • Lig. cystocolicum

  • Pankreas:

    • Treitz-Faszie

    • Lig. pancreaticosplenicum

    • Mesocolon transversum

    • Mesenterium

  • Milz:

    • Lig. phrenicosplenicum

    • Lig. gastrosplenicum

    • Lig. pancreaticosplenicum

    • Lig. splenocolicum

    • Lig. sustentaculum splenicum

  • Blase:

    • Lig. pubovesicale

    • Lig. umbilicale medianum (Urachus)

    • Lig. umbilicale mediale dextrum und sinistrum

Gefäßversorgung, Lymphwege, Innervation

Arterien
Peritoneum:GefäßversorgungGefäßversorgung:PeritoneumDas Peritoneum parietale ist durch eine gute Vaskularisation gekennzeichnet. Seine Arterien:PeritoneumArterien stammen aus den Aa. A. subcostalissubcostales, A. lumbalislumbales, A. intercostalisintercostales sowie den Aa. A. phrenica inferiorphrenicae inferiores und den Aa. A. epigastrica superior/inferiorepigastricae superiores und inferiores.
Das Peritoneum viscerale erhält seine reichliche Vaskularisation durch Äste der Aa. A. mesentericamesentericae.
Venen
Venöses Blut aus dem Peritoneum parietale fließt über Venen:PeritoneumVenen der Bauchwand ab und wird hauptsächlich über die V. V. azygosazygos und V. V. hemiazygoshemiazygos in die V. cava V. cava superiorsuperior und über die Vv. iliacae V. iliaca:externa/communisexternae und communes in die V. cava V. cava inferiorinferior drainiert.
Das Peritoneum viscerale gehört primär zum Einzugsgebiet der V. portae V. portae hepatishepatis. Venen am Magenfundus und der Milz drainieren über die Vv. phrenicae V. phrenica inferiorinferiores.
Lymphwege
Die Lymphwege:PeritoneumLymphgefäße im Peritoneum verlaufen parallel zu den Arterien und sind engmaschig untereinander verbunden. Im Bereich des Centrum tendineum des Zwerchfells sind sie besonders zahlreich. Sie leiten die Lymphflüssigkeit hauptsächlich durch Poren im Zwerchfell über verschiedene mediastinale Lymphwege oder direkt zum Ductus thoracicus weiter.
Im Peritoneum parietale drainieren Lymphgefäße aus der ventrolateralen Bauchwand in Lymphkollektoren der lateralen Thoraxwand, aus der dorsalen Bauchwand in lumbale Lymphstämme bzw. den Ductus thoracicus.
Innervation
Peritoneum:InnervationInnervation:PeritoneumSomatosensible AfferenzenAfferenzen:somatosensible aus dem Peritoneum parietale verlaufen in den Rr. ventrales der Segmentnerven (C3–C4, Th11–Th12, L1–L2). Je nach Ursache können abdominale Schmerzen vom Peritoneum parietale, von den ursprünglich freien Mesenterien des Colon ascendens und Colon descendens, den Haltebändern der Leber (Ligg. coronaria, Lig. falciforme hepatis) sowie vom Omentum minus ausgehen. Als Schmerzursachen kommen mechanische, chemische, thermische etc. Reize in Frage. Aufgrund der Innervationsverhältnisse sind die Schmerzen sehr gut lokalisierbar.
Somatosensible Afferenzen aus der Serosa von Magenfundus, Milz, Leber, Gallenblase und Lig. hepatoduodenale (als Peritoneum viscerale) verlaufen über sensible Nervenfasern in den Nn. phrenici zu den Spinalganglien von C3, C4 und C5.
Viszerosensible Afferenzen Afferenzen:viszerosensibledes Peritoneum viscerale stammen aus Nervenfasern, die meist parallel zu Mesenterialgefäßen verlaufen und deren Rezeptoren im subserösen Gewebe der Bauchhöhlenorgane liegen. Die Perikaryen der zugehörigen viszerosensiblen Nervenfasern liegen entweder in einem der wandständigen vegetativen Plexus eines Organs oder in einem vom Rezeptor entfernten Spinalganglion. Die Afferenzen erreichen das zugehörige Spinalganglion größtenteils über die Plexus mesenterici inferior oder superior und über die Nn. splanchnici. Das Peritoneum viscerale ist kaum schmerzempfindlich, wobei jedoch der Zug an Bauchorganen und Mesenterien als schmerzhaft empfunden wird. Die Patienten sehen sich allerdings nicht in der Lage, den Schmerz zu lokalisieren.

Dysfunktionen

Peritoneum:Dysfunktionen Dysfunktionen:Peritoneum Uwe Senger

Ursachen

Parietale Dysfunktionen
  • Th9 bis Steißbein

  • Rippen VIII bis XII

  • Os coxae und Os sacrum

Viszerale Dysfunktionen
  • v. a. alle intraperitonealen und sekundär retroperitonealen Organe

Ligamente
  • Lig. gastrocolicum

  • Lig. coronarium

  • Lig. phrenicocolicum

Nervale Störungen
  • Plexus lumbalis

  • Plexus solaris

Weitere Ursachen
  • Exsikkose

  • Infektionen

  • Traumata

  • Operationen, Narben

  • Allergien

Kompensationsmechanismen

Keine spezifischen vorhanden.

Folgen

Je nach Lokalisation wirken sich Dysfunktionen auf Mobilität, Motilität, Abwehr, arterielle, venöse, lymphatische und neurologische Informationsleitung aus. Es können direkte lokale/regionale oder globale Folgen sein, abhängig von der Größe und Lokalisation des primären Mobilitätsverlusts. Je nach Kompensationsfähigkeit des Individuums bauen sich sekundäre, kompensatorische Funktionen oder Dysfunktionen auf, z. B.:
  • Störung der serösen Flüssigkeitsproduktion und -aufnahme → fehlende Gleitfähigkeit der beiden Blätter → Störung von Mobilität und Motilität

  • Störung der Abwehr (besonders wegen des Omentum majus)

  • Störung der Beweglichkeit der Mesos

Differenzialdiagnosen

  • PeritonitisDifferenzialdiagnosen:PeritoneumdysfunktionenPeritonitis

  • Aszites

  • Bauchwandhernien

  • Tumore

Diagnostik der Dysfunktionen

Uwe Senger

Merke

Peritoneum:Diagnostik der DysfunktionenDie Beschreibung der Diagnostik beschränkt sich auf das Peritoneum als Ganzes. Einzelheiten zu den Organen ▸ jeweilige Organkapitel.

Symptome

Keine spezifischen vorhanden.

Inspektion

Es gibt keine speziellen relevanten Hinweise auf eine Peritoneumdysfunktion → bei jeweiligen Organen nachsehen.

Reflexzonen und Hinweiszeichen

Es gibt keine Reflexzonen für das Peritoneum als Ganzes → bei jeweiligen Organen nachsehen.

Perkussion

Nicht möglich.

Palpation

Das gesamte Abdomen leicht palpieren, um festzustellen, ob ein Bereich extrem schmerzhaft ist → Verdacht auf Peritonitis. Ansonsten bei jeweiligem Organ nachsehen.

Motilität

Im Exspir bewegt sich der mediale Teil nach anterior und der laterale Teil nach medial.

Mobilität

Für das Peritoneum als Ganzes nicht gegeben → bei jeweiligen Organen nachsehen.

Tests

Global Listening im Stehen
Patient: Tests:PeritoneumGlobal Listening:im Stehenstehend
Therapeut: stehend, seitlich vom Patienten
Handposition:
  • Eine Hand quer auf den Kopf

  • und die andere Hand in Längsrichtung auf das Os sacrum legen.

Ausführung: Bei vollständiger Passivität des Patienten wahrnehmen, zu welchem Körperteil die Hände und damit zwangsläufig die darunter liegenden Gewebe gezogen werden.
Bewertung: Über die faszialen Spannungsrichtungen von oben und von unten den organisierenden Fixpunkt lokalisieren. Daraus ergibt sich ein Hinweis auf die Region und die Tiefenlage einer Dysfunktion. So kann z. B. ein Zug nach rechts, kaudal und ventral auf die Region um das Zäkum hinweisen.
Global Listening im Sitzen
Patient: Global Listening:im Sitzensitzend
Therapeut: sitzend, seitlich oder hinter dem Patienten
Handposition:
  • Eine Hand quer auf den Kopf

  • und die andere Hand in Längsrichtung auf das Os sacrum legen.

Ausführung: Bei vollständiger Passivität des Patienten wahrnehmen, zu welchem Körperteil die Hände und damit zwangsläufig die darunter liegenden Gewebe gezogen werden.
Bewertung: Über die faszialen Spannungsrichtungen von oben und von unten den organisierenden Fixpunkt lokalisieren. Bei diesem Test wird der Einfluss der unteren Extremität ausgeschlossen. Das Ergebnis wird mit dem des Global Listening im Stehen verglichen. Stimmen die Befunde im Stehen und Sitzen nicht überein, kann dies auf eine zusätzliche parietale Dysfunktion in der unteren Extremität hinweisen.
Global Listening im Liegen
Patient: in Global Listening:im LiegenRückenlage
Therapeut: erst am Kopf-, dann am Fußende
Handposition:
  • Am Kopfende 2.–5. Finger beider Hände unter das Os occipitale legen.

  • Am Fußende den rechten und linken Unterschenkel mit beiden Händen von dorsal umgreifen oder die Hände auf die Fußrücken legen.

Ausführung: einmal am Kopfende und einmal am Fußende testen
  • Bei vollständiger Passivität des Patienten wahrnehmen, zu welchem Körperteil die Hände und damit zwangsläufig die darunter liegenden Gewebe gezogen werden.

  • Bei der Ausführung von kaudal kann u. U. durch leichten Zug an den Unterschenkeln bzw. Füßen der fasziale Zug deutlicher palpiert werden.

Bewertung: Über die faszialen Spannungsrichtungen den organisierenden Fixpunkt lokalisieren. Daraus ergibt sich ein weiterer Hinweis auf Region und Tiefenlage einer Dysfunktion.
Local Listening
Patient: in Rückenlage, Beine Local Listeningangestellt
Therapeut: neben dem Patienten stehend oder sitzend
Handposition: Eine Hand flach auf den Bauch des Patienten legen, Fingerspitzen zeigen zum Kopf, der Handteller liegt auf dem Bauchnabel.
Ausführung: Bei vollständiger Passivität des Patienten wahrnehmen, zu welchem Körperteil die Hände und damit zwangsläufig die darunter liegenden Gewebe gezogen werden.
Bewertung:
  • Normalbefund: Bei normaler Organfunktion sind die zu palpierenden Faszialbewegungen ungerichtet und entfalten sich frei in Abhängigkeit von Eigenrhythmus der Expansion und Retraktion (= Inspir/Exspir oder Außenrotation/Innenrotation).

  • Besteht ein Fixpunkt, auf den sich die Faszienbewegungen richten, deutet dies auf eine Dysfunktion hin. Dabei wird die palpierende Hand vom betreffenden Organ in Dysfunktion angezogen.

Behandlung der Dysfunktionen

Uwe Senger

Merke

Behandlung:PeritoneumdysfunktionDie Beschreibung der Therapie beschränkt sich auf das Peritoneum:BehandlungPeritoneum als Ganzes. Einzelheiten zu den Organen ▸ jeweilige Organkapitel.

Großes abdominales Manöver bei allgemeiner abdominaler Hypotension (Abb. 7.11)

abdominales Manöver, großes:HypotensionIndikation: mobilisierende und vorbereitende Technik bei allgemeiner Hypotension:abdominale, ManöverHypotension, abdominale Hypotensionum anschließend bei besserer allgemeiner Organspannung eine spezifische, dysfunktionsgerichtete Therapie durchzuführen
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt, Bank am Kopfende etwa um 10–20° dekliniert
Therapeut: stehend, am Kopfende des Patienten
Handposition:
  • Die linke Hand oberhalb des linken Schambeins und die rechte Hand oberhalb des rechten Schambeins auflegen.

  • Die Finger sind nach medial gerichtet und die Fingerspitzen liegen aneinander.

  • Kleinfingerseite und ulnare Handkante werden kranial des Schambeins tief unter die viszerale Masse geschoben.

Ausführung:
  • Während der Ausatmung die viszerale Masse mobilisierend in Richtung Zwerchfell ziehen und eventuell vibrieren.

  • Während der Einatmung Position halten.

  • Durchgang über etwa 10 Atemzyklen wiederholen, bis sich die viszerale Masse nicht mehr nach kranial verschieben lässt.

Merke

Bei der Behandlung einen Hautvorschub verwenden und mit wenig Kraft arbeiten.

Großes abdominales Manöver bei allgemeiner abdominaler Hypertension (Abb. 7.12)

abdominales Manöver, großes:Hypertensionabdominale HypertensionIndikation: hämodynamische und vorbereitende Technik bei allgemeiner Hypertension:abdominale, ManöverHypertension, um anschließend bei besserer allgemeiner Organspannung eine spezifische, dysfunktionsgerichtete Therapie durchzuführen
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt, Bank am Kopfende etwa um 10–20° dekliniert
Therapeut: stehend, am Kopfende des Patienten
Handposition:
  • Die linke Hand oberhalb des linken Schambeins und die rechte Hand oberhalb des rechten Schambeins auflegen.

  • Die Finger sind nach medial gerichtet und die Fingerspitzen liegen aneinander.

  • Kleinfingerseite und ulnare Handkante werden kranial des Schambeins tief unter die viszerale Masse geschoben.

Ausführung:
  • Während der Einatmung die viszerale Masse halten und eventuell vibrieren.

  • Während der Ausatmung die viszerale Masse weiter halten.

  • Durchgang über 6–10 Atemzyklen wiederholen, bis sich die Hypertension gelöst hat.

Merke

Allgemein bei Hypertension die Strukturen komprimieren, um eine Art Pumpbewegung durch das Zwerchfell zu erzeugen.

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