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B978-3-437-56011-8.00016-2

10.1016/B978-3-437-56011-8.00016-2

978-3-437-56011-8

Entwicklung der Prostata. Sie entsteht aus Knospen, die aus der Urethra hervorgehen, an der Einmündung des Wolff-Gangs in den Sinus urogenitalis.

Aufbau der Prostata. a: Frontalschnitt. b: Transversalschnitt.

Lage und Nachbarschaftsbeziehungen der Prostata (Medianschnitt)

Arterielle Versorgung und venöser Abfluss der Prostata

Lymphwege und Lymphknoten der Prostata. LA = Lymphabfluss

Hinweiszeichen auf eine Dysfunktion

Entspannung der Lamina sacro-recto-genito-vesico-pubica

Innervation der ProstataPlexus prostaticusInnervation:Prostata

Tab. 16.1
Innervation Segment, Kerngebiete Verlauf Umschaltung
sympathisch L1–L3 → → Grenzstrang (Truncus sympathicus) → Nn. splanchnici lumbales Plexus prostaticus (Ausläufer des Plexus hypogastricus inferior)
parasympathisch S2–S4 → Nn. splanchnici pelvici Plexus prostaticus

Prostata

Therapeut auf den Fotos:

Michel Puylaert

  • 16.1

    Embryologie516

  • Herwig Hahn von Dorsche

  • 16.2

    Anatomie517

  • Michel Puylaert

    • 16.2.1

      Funktion517

    • 16.2.2

      Aufbau517

    • 16.2.3

      Topografische Anatomie518

    • 16.2.4

      Gefäßversorgung, Lymphwege, Innervation520

  • 16.3

    Dysfunktionen522

  • Michel Puylaert

    • 16.3.1

      Ursachen522

    • 16.3.2

      Kompensations-mechanismen522

    • 16.3.3

      Folgen523

    • 16.3.4

      Differenzialdiagnosen523

  • 16.4

    Diagnostik der Dysfunktionen523

  • Michel Puylaert

    • 16.4.1

      Symptome523

    • 16.4.2

      Inspektion523

    • 16.4.3

      Reflexzonen und Hinweiszeiche523

    • 16.4.4

      Perkussion525

    • 16.4.5

      Palpation525

    • 16.4.6

      Motilität525

    • 16.4.7

      Mobilität525

    • 16.4.8

      Tests526

  • 16.5

    Behandlung der Dysfunktionen526

  • Torsten Liem ( 16.5.3 ), Michel Puylaert ( 16.5.1–16.5.2 )

    • 16.5.1

      Drainage und Entspannung der Prostata (interne Technik)526

    • 16.5.2

      Entspannung der Lamina sacro-recto-genito-vesico-pubica527

    • 16.5.3

      BEFNT-Integration der Prostata528

Dieses Kapitel behandelt nicht nur die ProstataProstata, sondern auch Organe, die eng mit ihr verbunden sind:

  • Pars prostatica der Urethra:Pars prostaticaUrethra

  • Ostium urethrae Ostium urethrae internuminternum, direkt unterhalb der Blase

  • Ductus Ductus ejaculatoriiejaculatorii

Embryologie

Herwig Hahn von Dorsche
Prostata:EmbryologieEmbryologie:ProstataFür die Entwicklung des Ductus Ductus deferensdeferens ist der Wolff-GangWolff-Gang (UrnierengangUrnierengang) von Bedeutung, der von der Urniere in die KloakeKloake führt. Er entsteht teils aus der Vorniere und teils aus der Urniere und ist bereits am 26. Tag voll ausgebildet (Abb. 15.2).
Zur Ausbildung des Ductus deferens beim männlichen Geschlecht müssen im fetalen Hoden die Leydig-Zellen mit der Bildung der Androgene (Testosteron) und die Sertoli-Zellen mit der des Anti-Müller-Hormons (Müllerian Regression Factor, MRF) begonnen haben, das die Ausbildung des Müller-Gangs, der für das weibliche Geschlecht von Bedeutung ist (14.1), unterdrückt.
In der 12.–13. Woche bildet sich aus dem Wolff-Gang der Hoden, und in der 20. Woche sind Verbindungen zwischen HodenHoden und NebenhodenNebenhoden hergestellt. Im 4.–5. Monat folgt die Glandula Glandula vesiculosavesiculosa.
Die Prostata ist aufgrund ihrer Lage unter der Harnblase und um die Urethra herum ein Abkömmling des Sinus urogenitalis. In der frühen Fetalperiode (ca. in der 12. Woche) entsteht sie an der Einmündung des Wolff-Gangs in den Sinus Sinus urogenitalisurogenitalis aus Knospen, die aus der Urethra hervorgehen (Abb. 16.1). Die Entwicklung der Prostata im engeren Sinne beginnt mit der Aussprossung zahlreicher Drüsengänge (ca. in der 14. Woche). Dieser Vorgang wird durch das zellreiche Gewebe der unmittelbaren Umgebung veranlasst, das später als sog. M. M. prostaticusprostaticus zum Bindegewebe und der glatten Muskulatur in der Prostata wird.

Anatomie

Michel Puylaert

Funktion

  • Produktion und Speicherung eines Prostata:FunktionFunktion:Prostatadünnflüssigen, trüben, sauren (pH 6,45) Sekrets, das u. a. Zitronensäure und hydrolytische Enzyme enthält.

  • Abgabe dieses Sekrets bei der Ejakulation fördert die Bewegungsfähigkeit der Spermien.

Aufbau

Die Prostata:AnatomieAufbau:ProstataProstata hat Anatomie:Prostataungefähr die Form und Größe einer Kastanie und ist von anterior nach posterior abgeflacht (Abb. 16.2). Sie wiegt 20–25 g, ist 3,2–4,2 cm lang, 3,5–5 cm breit und 1,7–2,3 cm dick. Sie besteht aus 30–50 Einzeldrüsen, die durch Bindegewebe und glatte Muskulatur verbunden sind und über die Ausführungsgänge, Ductuli Ductuli prostaticiprostatici, in die Urethra münden. Sie wird von einer festen bindegewebigen Organkapsel, Capsula Capsula prostaticaprostatica, umgeben. Diese liegt unter der Fascia Fascia prostaticaprostatica, die aus der viszeralen Beckenfaszie hervorgeht. Man unterscheidet zwischen
  • Basis Basis prostataeprostatae, die der Harnblase zugewandt ist und den Abgang der Urethra umgreift, und dem

  • Apex Apex prostataeprostatae, der dem Diaphragma urogenitale zugewandt und leicht kegelförmig ist.

Die Prostata wird anatomisch unterteilt in:
  • Lobus dexter: rechts der Urethra

  • Lobus sinister: links der Urethra

  • Lobus medius (= Isthmus Isthmus prostataeprostatae) zwischen Urethra und den beiden Ductus Ductus ejaculatoriiejaculatorii

Die Begrenzung der Seitenlappen (Lobus dexter und sinister) ist unscharf. Es gibt nur an der posterioren Seite eine mittlere Rinne.
Klinisch wird die Prostata nach pathologischen und topografischen Gesichtspunkten in 3 konzentrische Zonen eingeteilt, eine
  • periurethrale Mantelzone, unmittelbar um die Urethra herum,

  • Innenzone (Transitionalzone, ProstataTransitionalzone, Übergangszone, zentrale Zone), die in etwa dem Lobus medius entspricht und die periurethrale periurethrale Mantelzone, ProstataMantelzone umschließt, und eine

  • periphere Zone, die in etwa den Seitenlappen entspricht und an die anatomische Kapsel angrenzt.

Topografische Anatomie

Lage (Abb. 16.3)
  • Die Lage:ProstataProstata liegt extraperitoneal im subperitonealen Raum zwischen Diaphragma urogenitale und Harnblase und umgibt die Urethra.

  • Ihre anteriore Fläche steht vertikal.

  • Ihre posteriore Fläche liegt schräg anterokaudal unmittelbar unterhalb der Kohlrausch-Kohlrausch-FalteFalte (Plica Plica transversalistransversalis) und ist ca. 3–4 cm vom After entfernt durch die Fascia Fascia rectoprostaticarectoprostatica (Denonvillier-Denonvillier-FaszieFaszie) vom Rektum getrennt.

Nachbarschaftsbeziehungen (Abb. 16.3, 14.5)
  • kranial: Fundus Nachbarschaftsbeziehungen:Prostatavesicae

  • ventral: ca. 2 cm hinter Os pubis, Lig. puboprostaticum, Santorini-Plexus

  • dorsal: über Fascia rectoprostatica ans Rektum angrenzend

  • kaudal: Fascia diaphragmatis urogenitalis superior

  • lateral: Levatorschenkel

  • umschließt Urethra

Fixationen (Abb. 16.3)
Die Fixationen:ProstataProstata ist grundsätzlich stabil im Beckenbindegewebe fixiert.
  • Lig. Lig. puboprostaticumpuboprostaticum: von Prostata zur Symphyse

  • Lig. Lig. rectoprostaticumrectoprostaticum: von Prostata zum Rektum

  • Lamina sacro-recto-genito-vesico-Lamina sacro-recto-genito-vesico-pubicapubica: Bindegewebezüge des Subperitonealeraums, die Os pubis und Os sacrum verbinden und alle Organe verankern, die dazwischen liegen

Gleitflächen
  • direkte Gleitflächen: Blase, Gleitflächen:ProstataLamina sacro-recto-genito-vesico-pubica, Denonvillier-Faszie

  • indirekte Gleitflächen: Rektum, M. levator ani

Gefäßversorgung, Lymphwege, Innervation

Arterien
Gefäßversorgung:ProstataProstataarterien Arterien:Prostatasind die Rr. Rr. prostatici (A. vesicalis inferior)prostatici der A. vesicalis A. vesicalis inferiorinferior, die aus der A. iliaca interna entspringt (Abb. 16.4). Prostata:Gefäßversorgung
Venen
Die Venen Venen:Prostatabilden den Plexus venosus Plexus venosus prostaticusprostaticus (Santorini-Santorini-PlexusPlexus), der hufeisenförmig zwischen Fascia prostatica und Capsula prostatica liegt und mit dem Plexus venosus Plexus venosus vesicalisvesicalis (Abb. 16.4) anastomosiert → Vv. vesicales → V. iliaca interna → V. iliaca communis → V. cava inferior.
Lymphwege (Abb. 16.5)
Lymphwege:ProstataDer Lymphabfluss erfolgt zu den regionalen Nll. iliaci Nll. iliaci externiexterni und Nll. iliaci Nll. iliaci interniinterni → Nll. iliaci communes → Trunci lymphatici lumbales → Cisterna chyli → Ductus thoracicus.
Innervation

Dysfunktionen

Michel Puylaert

Ursachen

Parietale Dysfunktionen
  • LWS, v. a. L1–L3 Prostata:DysfunktionenDysfunktionen:Prostata

  • Os sacrum

  • Os pubis

  • Os ilium (oft Outflare)

Viszerale Dysfunktionen
  • Alle Organe in der Umgebung der Prostata können über Gleitflächen, ligamentäre und fasziale Verbindungen die Beweglichkeit einschränken: Diaphragma urogenitale, Rektum, Blase.

Ligamente
  • Lamina sacro-recto-genito-vesico-pubica

  • Lig. puboprostaticum

Nervale Störungen
  • Sympathikus auf Höhe L1–L3

  • Parasympathikus auf Höhe S2–S4

Vaskuläre Störungen
  • Venöse Stauung im Plexus venosus prostaticus

Endokrine Störungen
  • Durch eine Verschiebung im Hormonhaushalt (ab 40. Lebensjahr) kommt es oft zu einer benignen Prostatahyperplasie, benigne (BPH)Prostatahyperplasie (BPH), BPH (benigne Prostatahyperplasie)besonders im zentralen Drüsenanteil.

Psyche
  • Psychische Reize werden über die Lumbal- und Sakralregion des Rückenmarks vermittelt → Reizung des Sympathikus im lumbalen Bereich → Kontraktion der glatten Muskulatur der akzessorischen Geschlechtsdrüsen (u. a. der Prostata).

Kompensationsmechanismen

Merke

Ein Großteil der genannten Kompensationsmechanismen:ProstataKompensationsmechanismen ist rein hypothetisch und bedarf weiterer Untersuchungen.

  • Hochstellung des Zwerchfells

  • Versuch einer Spannungsänderung durch Zug am Mesenterium und an der Radix des Dünndarms

  • Spannungsänderung der Lamina sacro-recto-genito-vesico-pubica → optimale Kompensation jedes Organs

  • Kompensation der viszeralen Kette Leber, Lig. teres uteri, Nabel, Urachus durch Spannungserhöhung

  • Skoliose, Anteversion oder Torsion des Beckens, Lordose

  • Kompensation des Os sacrum hat möglicherweise Rückwirkung auf Dura mater und Schädel

Folgen

  • Dysfunktion des Os sacrum und der LWS

  • Abnorme Spannung von

    • Beckenboden

    • Symphysis pubica

    • Blasengegend (z. B. Urethra)

Differenzialdiagnosen

  • Prostatitis Differenzialdiagnosen:Prostatadysfunktion

  • Prostataabszess

  • Prostataadenom (benigne Prostatahyperplasie, BPH)

  • Prostatakarzinom

Diagnostik der Dysfunktionen

Michel Puylaert

Symptome

  • Häufiger Symptome:ProstatadysfunktionProstata:Diagnostik der DysfunktionenHarndrang

  • Zu geringer Druck beim Wasserlassen

  • Gestörtes Wohlbefinden, Schlappheitsgefühl

  • Schmerzen im Unterbauch

  • Nachlassendes Sexualleben

Inspektion

Nur die intrarektale Palpation gibt Hinweise auf eine Dysfunktion der Prostata, es gibt keine zuverlässigen externen Zeichen.

Reflexzonen und Hinweiszeichen (Abb. 16.6)

Dermatom
  • anterior: Reflexzonen:ProstataProstata:ReflexzonenDermatom:ProstataTh11

  • posterior: keines

Dermalgiereflexe nach Jarricot
  • anterior: in der Mitte einer gedachten Linie zwischen Symphysis pubica und Dermalgiereflexe nach Jarricot:ProstataNabel

Neurolymphatische Reflexe nach Chapman
  • anterior: auf der lateralen Seite des Chapman-Reflexe:ProstataOberschenkels, vom Trochanter major bis ca. 5 cm oberhalb des Kniegelenks, Symphysis pubica

  • posterior: zwischen SIPS und Proc. spinosus von L5

Triggerpunkte
  • nicht vorhanden

Periostschmerzpunkte
  • anterior: R. superior ossis Periostschmerzpunkte:Prostatapubis

  • posterior: Os sacrum (bei S2), Art. sacrococcygea

Knap-Punkte
  • anterior: Crista obturatoria ossis pubis, am Foramen Knap-Punkte:Prostataobturatum

  • posterior: posteriore Fläche des Os coccygis

Muskuläre Hinweiszeichen
  • Hypertonie Hinweiszeichen:Prostatadysfunktionvon

    • Beckenbodenmuskulatur

    • pelvitrochanterischen Muskeln

Vertebrale Hinweiszeichen
  • Dysfunktion von Th12–L2

  • Dysfunktion Sakrum

  • Dysfunktion der Articulatio sacrococcygea

Perkussion

Die Prostata kann nicht perkutiert werden.

Palpation

Intrarektale Palpation der Prostata
Patient: in Rückenlage, Beine leicht Prostata:intrarektale PalpationPalpation:Prostataabduziert
Therapeut: stehend, auf der rechten oder linken Seite des Patienten, auf Beckenhöhe
Handposition:
  • Eine Hand flach auf das Os sacrum legen.

  • Den Zeigefinger der anderen Hand auf den Anus legen, die Hand ist dabei in Supination und der Finger zum Nabel gerichtet.

Ausführung:
  • Mit dem Zeigefinger leicht gegen den Anus drücken und den Patienten auffordern, 3–5 Sekunden lang dagegen anzuspannen.

  • Bei der folgenden Entspannung den Finger bis zum Grundgelenk mühelos ins Rektum gleiten lassen.

  • Die Hand in Pronation drehen und etwas unterhalb der Kohlrausch-Falte die Prostata palpieren.

  • In der Mitte des posterioren Teils ist eine Rinne gut tastbar, die zur weiteren Orientierung dient.

Bewertung: Auf Position, Form, Dichte (verhärtet oder weich), Volumen und Beweglichkeit (Motilität und Mobilität) achten.
  • Normalbefund: Festigkeit des Gewebes wie beim Augapfel (prall-elastisch wie Hartgummi), keine Knoten tastbar.

  • Fehlende Abgrenzbarkeit, höckrige oder unregelmäßige Oberfläche und isolierte harte Knoten deuten auf ein Karzinom hin. Prostata:auffällige Tastbefunde

  • Eine deutliche Vergrößerung oder ein verstrichener Sulcus spricht für eine benigne Hyperplasie.

  • Eine sehr schmerzhafte Struktur deutet auf eine Entzündung hin.

  • Fluktuation deutet auf einen Abszess hin.

Motilität

Es gibt keine Motilität:ProstataMotilität der Prostata bzw. kann man sie nicht von der Motilität der anderen Organe unterscheiden.

Mobilität

Es gibt, wenn überhaupt, eine sehr begrenzte Mobilität:ProstataMobilität der Prostata, die abhängig ist von den umgebenden Strukturen, wie z. B. der Lamina sacro-recto-genito-vesico-pubica.

Tests

Externer Drucktest für die Prostata
Patient: in Rückenlage, Beine Tests:ProstataProstata:externer Drucktestangestellt
Therapeut: stehend, seitlich des Patienten
Handposition: Daumen einer Hand zwischen Anus und Skrotum legen.
Ausführung: Druck nach kranial ausüben.
Bewertung: Auf Dichte (verhärtet oder weich), Volumen und Beweglichkeit achten.
  • Normalbefund: kein Druckschmerz, elastisches Gewebegefühl.

  • Schmerzhafter Druck und ein festes Palpationsgefühl des Perineums können auf eine Dysfunktion der Prostata hinweisen.

Elastizitätstest der Lamina sacro-recto-genito-vesico-pubica
Patient: in Rückenlage, Beine leicht angestellt, Blase und Rektum Lamina sacro-recto-genito-vesico-pubica:Elastizitätstestentleert
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Den linken Daumen rechts und die anderen Finger links der Symphyse auf die Projektionsfläche der Lamina legen (2 cm lateral der Symphysis pubica).

  • Die rechte Hand unter das Os sacrum legen, Zeige- und Ringfinger befinden sich dabei auf Höhe der Iliosakralgelenke.

Ausführung:
  • Testung des anterioren Teils der Lamina mit der linken Hand: zuerst Druck nach dorsal, dann eine leichte Verschiebung nach rechts und nach links ausführen.

  • Testung des posterioren Teils der Lamina mit der rechten Hand: Flexion, Extension und Lateralflexion nach rechts und links ausführen, während die linke Hand nicht bewegt wird.

Bewertung: Auf die Konsistenz des Gewebes achten.
  • Normalbefund: elastisches Gewebegefühl.

  • Schmerzen oder Verspannungen weisen auf eine Dysfunktion der Lamina bzw. auf eine Störung zwischen Os pubis und Os sacrum hin.

Behandlung der Dysfunktionen

Torsten Liem ( 16.5.3 ), Michel Puylaert ( 16.5.1–16.5.2 )

Drainage und Entspannung der Prostata (interne Technik)

Indikation: gutartige Prostatavergrößerung, Stauung im kleinen Behandlung:ProstatadysfunktionBecken Prostata:EntspannungstechnikProstata:DrainagetechnikProstata:Behandlung
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt und leicht gespreizt, Blase und Rektum entleert
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Eine Hand flach auf das Os sacrum legen.

  • Den Zeigefinger der anderen Hand auf den Anus legen, die Hand ist dabei in Supination und der Finger zum Nabel gerichtet.

Ausführung:
  • Mit der externen Hand sanften Druck in Richtung Nabel ausüben und mit dem Zeigefinger leicht gegen den Anus drücken.

  • Den Patienten auffordern, 3–5 Sekunden lang dagegen anzuspannen.

  • Bei der folgenden Entspannung den Finger bis zum Grundgelenk mühelos ins Rektum gleiten lassen.

  • Sobald der Zeigefinger die Prostata berührt, leichte (Scheibenwischer-)Bewegungen entlang der medianen Rinne nach rechts und links ausführen.

  • Mit der externen Hand leicht vibrierenden Druck zum Os sacrum hin ausüben – mobilisiert die Prostata und begünstigt den venösen Rückfluss.

  • Die Technik beenden, wenn sich das Organ und seine Umgebung weich-elastisch anfühlen.

  • Die Behandlung darf nicht schmerzhaft sein und nicht zu lange dauern, um Reizungen zu vermeiden.

Entspannung der Lamina sacro-recto-genito-vesico-pubica (Abb. 16.7)

Indikation: Stauung im kleinem Becken, Lamina sacro-recto-genito-vesico-pubica:EntspannungstechnikStörung des venösen Rückflusses in den unteren Extremitäten
Patient: in Rückenlage, Beine leicht angestellt, Blase und Rektum entleert
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Den linken Daumen rechts und die anderen Finger links der Symphyse auf die Projektionsfläche der Lamina legen (2 cm lateral der Symphysis pubica).

  • Die rechte Hand unter das Os sacrum legen, Zeige- und Ringfinger befinden sich dabei auf Höhe der Iliosakralgelenke.

Ausführung:
  • Zur Entspannung des anterioren Teils der Lamina mit der linken Hand zunächst Druck nach dorsal, dann Druck in Richtung der erhöhten Spannung nach rechts oder links ausüben.

  • Zur Entspannung des posterioren Teils der Lamina mit der rechten Hand eine Flexion, Extension und Lateralflexion nach rechts und links, je nach Spannungszustand, ausführen, während die linke Hand nicht bewegt wird.

  • Die Dehnung so lange ausführen, bis eine Entspannung zu palpieren ist.

  • Im Anschluss die Bewegungsrichtungen erneut testen.

BEFNT-Integration der Prostata

(2.4.2)
Indikation: Dysfunktion an der Prostata:BEFNT-IntegrationBEFNT-Integration:ProstataProstata
Patient: in Rückenlage, Beine angestellt und leicht gespreizt, Harnblase und Rektum entleert
Therapeut: stehend, auf der rechten Seite des Patienten
Handposition:
  • Linke Hand flach auf das Os sacrum legen.

  • Mit dem Zeigefinger der rechten Hand in den Anus hineingleiten und die Prostata palpieren.

Point of balanced entodermal tension (PBET)
  • Resistenz der entodermalen Struktur auf sanften Druck hin testen und die Dichte der Struktur bewerten.

  • Der entodermalen Spannung der Prostata in die Position bzw. in die Form folgen, in der sie am besten ausgeglichen ist (→ PBET).

  • Dabei die embryonalen Kraftvektoren berücksichtigen.

Neuronale Inhibition
  • Die linke Hand auf verschiedene Ebenen des Rückens legen, die rechte Hand im Bereich der Prostata liegen lassen.

  • Falls es einen Bereich am Rücken gibt, in dem sich die Prostata unter der Hand entspannt bzw. sich ihre Bewegungseinschränkung verbessert, die Hand dort liegen lassen: in der Regel auf Höhe von L1–L3 (sympathische Innervation), S2–S4 (parasympathische Innervation) oder ventral auf der Vorderseite des Os sacrum (Plexus prostaticus).

  • Durch sanften konstanten Druck eine Inhibition im jeweiligen Bereich ausführen.

Point of balanced fascial tension (PBFT)
  • Fasziale Beweglichkeit passiv oder aktiv atemsynchron oder aktiv unabhängig zur Atemaktivität testen.

  • Spannungsgleichgewicht der faszialen Strukturen der Prostata einstellen: versuchen, den therapeutisch induzierten Gleichgewichtszustand der viszerofaszialen Spannungen zu erreichen, in dem sie gleichmäßig in allen Richtungen ausgeglichen sind.

  • In der Regel wird die Prostata in die Position begleitet, in die sie sich leicht bewegen lässt.

  • Um die unterschiedlichen Spannungsmuster der Aufhängungen (und faszialen Gleitflächen) der Prostata zu kopieren, die Krafteinwirkung der Hände an sie anpassen bzw. ihnen angleichen.

    • Über die Fixationen: nach anterior zur Symphyse (Lig. puboprostaticum), nach posterior zum Rektum (Lig. rectoprostaticum), seitlich zur Lamina sacro-recto-genito-vesico-pubica.

    • Über die Gleitflächen: direkt zur Blase, Lamina sacro-recto-genito-vesico-pubica und Denonvillier-Faszie, indirekt zum Rektum und M. levator ani.

  • Dazu ggf. die Hand vom Os sacrum lösen und z. B. auf die Symphyse legen.

  • Einstellung eines PBFT (evtl. mit leichter Kompression) → minimale Bewegungen im faszial-ligamentären viskoelastischen Umfeld der Prostata treten auf → ein neues Gleichgewicht etabliert sich → eine physiologischere Bewegungsamplitude wird palpierbar, evtl. entsteht ein Stillpunkt. Dann die Prostata in die Ausgangslage zurückbringen.

Anschließend können Techniken wie balanced dynamic tension und balanced fluid tension (BDT, BFT) angewendet werden. Darauf achten, weder bei der Untersuchung noch bei der Behandlung bis an die Bewegungsgrenzen zu gehen.

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