© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-58830-3.00012-X

10.1016/B978-3-437-58830-3.00012-X

978-3-437-58830-3

Wichtige Teile der EntzündungskaskadeEntzündungskaskade. Rot eingezeichnet sind die Angriffspunkte von häufig verwendeten Entzündungshemmern.

[O582, O584, L143]

Nitrosativer Stress durch vermehrte Bildung von NO und Peroxynitrit. NO wird durch das Enzym NO-Synthase (Nitroxidsynthase) aus L-Arginin gebildet. Dabei fallen als Nebenprodukte Citrullin und Wasser an. Reagiert nun ein NO-Molekül mit Superoxid, das aus dem mitochondrialen Stoffwechsel stammt, entsteht das sehr aggressive Peroxynitrit. Da Peroxynitrit weitaus stärker als NO an Proteine, DNA und Lipide bindet, kann es bleibende Schäden an Enzym-, Gen- und Zellstrukturen auslösen. Darüber hinaus fördert Peroxynitrit die Bildung weiterer NO-Moleküle, sodass eine als Stickstoffmonoxid/Peroxynitrit-Zyklus (NO/ONOO--Zyklus) bezeichnete Kaskade eingeleitet wird.

[O582, O584, L143]

Periphere Mechanismen der Schmerzentstehung:periphere MechanismenSchmerzentstehung

[O582, O584, L143]

Stationen der Schmerzleitung:StationenSchmerzleitung

[L127]

Mögliche Angriffspunkte einer Schmerztherapie:pharmakologische, AngriffspunkteSchmerztherapie

[O582, O584, L143]

Wichtige phytotherapeutisch genutzte Pflanzen: a) Beinwell , b) Brennnessel , c) Cayennepfeffer , d) Fichte , e) Johanniskraut , f) Waldkiefer , g) Meerrettich , h) Ackerminze , i) Rosmarin , j) Weißer Senf , k) Steinklee , l) Kiefer

  • a)

    [J787]

  • b)

    [J787]

  • c)

    [J787]

  • d)

    [E628]

  • e)

    [O225]

  • f)

    [J787]

  • g)

    [O225]

  • h)

    [M222]

  • i)

    [J787]

  • j)

    [M222]

  • k)

    [O216]

  • l)

    [E628]

Arachidonsäure-Stoffwechsel: ASS hemmt die Zyklooxygenase und damit die Umwandlung von Arachidonsäure in Prostaglandine.

[L143]

Wichtige Entzündungsmediatoren der Makrophagen und neutrophilen Granulozyten

Tab. 12.1
Entzündungsmediatoren Beispiele
Enzyme Proteasen, Phospholipasen etc.
Arachidonsäurederivate Prostaglandine, Leukotriene
Radikale H2O2, NO, Peroxynitrit, Superoxid etc.
Zytokine proinflammatorische Zytokine wie Interleukin 1 oder Tumornekrosefaktor-

Wichtige Phytotherapeutika, die sich bei muskuloskelettalen Erkrankungen bewährt haben. (d Tag, EL Esslöffel, Kps. Kapsel, Std. Stunden, Tabl. Tabletten)Weichteilrheumatismus:TerpentinölWeichteilrheumatismus:SenfsamenumschlägeWeichteilrheumatismus:RosmarinölWeichteilrheumatismus:MinzölWeichteilrheumatismus:MeerrettichwurzelWeichteilrheumatismus:KiefernnadelölWeichteilrheumatismus:JohanniskrautölWeichteilrheumatismus:FichtennadelölWeichteilrheumatismus:EukalyptusölSchmerzlinderung:TeufelskrallenwurzelSchmerzlinderung:Salizylate (Weidenrinde)Schmerzlinderung:CayennepfefferfrüchteSchmerzlinderung:BrennnesselextrakteSchmerzlinderung:Boswelliasäuren (Weihrauch)Schmerzlinderung:BeinwellRotölPhytotherapeutika:muskuloskelettale ErkrankungenOsteoarthrose:CayennepfefferfrüchteOsteoarthritis:TeufelskrallenwurzelOsteoarthritis:Salizylate (Weidenrinde)Osteoarthritis:BrennnesselextrakteOsteoarthritis:Boswelliasäuren (Weihrauch)Osteoarthritis:Beinwellmuskuloskelettale Erkrankungen:PhytotherapeutikaMuskelzerrung:TeebaumölMuskelschmerzen:TerpentinölMuskelschmerzen:SenfsamenumschlägeMuskelschmerzen:RosmarinölMuskelschmerzen:MinzölMuskelschmerzen:MeerrettichwurzelMuskelschmerzen:KiefernnadelölMuskelschmerzen:KampferMuskelschmerzen:JohanniskrautölMuskelschmerzen:FichtennadelölMuskelschmerzen:EukalyptusölJohanniskrautölFibromyalgie:TeufelskrallenwurzelEntzündungshemmung:WeidenrindeEntzündungshemmung:TeufelskrallenwurzelEntzündungshemmung:SalizylateEntzündungshemmung:BrennnesselextrakteEntzündungshemmung:Boswelliasäuren (Weihrauch)Entzündungshemmung:BeinwellArthrosen:SenfsamenumschlägeArthrosen:Heublumenkompressen

Tab. 12.2
Arzneidroge Indikation/Darreichungsform Präparat/Dosierung Bemerkung
Beinwellwurzel/-kraut/-blätter Osteoarthritis, Entzündungshemmung, Schmerzlinderung, Folgen stumpfer Traumen
Ausschließlich äußerliche Anwendung:
5–20 % Trockendroge oder
30–35 % Fluidextrakt
Kytta-Plasma: Umschlagpaste zur äußerlichen Anwendung. 1–2/d, jeweils bis zu 5 Std. EinwirkzeitKytta-Salbe: 2–4/d Salbenstrang von 3–6 cm einmassieren.
Traumaplant-Salbe: mehrmals täglich im betroffenen Bereich einmassieren
Tägliche Höchstmenge von 100 g für Pyrrolizidin-Alkaloide darf nicht überschritten werden
Brennnesselextrakt Osteoarthritis,Entzündungshemmung, Schmerzlinderung
Mittlere Tagesdosis: 8–12 g
Hox Alpha: 2–3 1 Kps./d
Natu-lind 600: 2 1 Kps./dRheuma-Hek: 2 2 Kps./d
Zur Anwendung von Hox Alpha, Natu-lind und Rheuma-Hek sind Studien vorhanden
Cayennepfefferfrüchte Osteoarthrose,Schmerzlinderung, Durchblutungsförderung Capsamol Salbe: 2–3/d dünn einreiben
Jucurbum Wärme-Emulsion: 2–3/d dünn einreiben
Cave: längere Anwendung an einer Stelle kann zur Nervenschädigung führen
Eukalyptusöl Muskelschmerzen, Folgen stumpfer Traumen, Weichteilrheumatismus
Äußerliche Anwendung: 5- bis 20-prozentige ölige oder halbfeste (Salbe) Zubereitung bzw.
5- bis 10-prozentige wässrige Äthanolmischung (Tinktur)
mehrmals täglich einige Tropfen Eukalyptusöl auf schmerzende Areale
Tumarol-Creme: 2/d 3–4 cm Salbenstrang einreiben (Kombi-Präparat Eukalyptusöl, Kampfer, Menthol)
Cave: zunächst kleinflächig einreiben, um Allergie auszuschließen
Fichtennadelöl Muskelschmerzen, Folgen stumpfer Traumen, Weichteilrheumatismus
Flüssige oder halbfeste Zubereitung mit 10- bis 15-prozentigem Fichtennadelöl
mehrmals täglich (Salben, Gele, Emulsionen und Öle als Badezusatz) anwenden
Fertigarzneimittel sind nicht verfügbar
Cave: zunächst kleinflächig einreiben, um Allergie auszuschließen
Heublumen Arthrosen, Folgen stumpfer Traumen
Äußerliche Anwendung als feucht-heiße Kompressen
Florapress Kompressen: In Wasserdampf erhitzen und auf 40 C abkühlen lassen, dann auf die betroffenen Stellen auflegen, Einwirkzeit 30–60 Minuten
Johanniskrautöl Muskelschmerzen, Folgen stumpfer Traumen, Weichteilrheumatismus
Darreichung als Rotöl, d. h. als Mischung mit anderen Pflanzenölen im Verhältnis 1:10
Johanniskraut-Rotöl: betroffene Stelle einreiben oder mit Öl getränkte Kompresse mehrere Stunden einwirken lassen
Kombinationspräparat: Dolo-cyl-Öl: mehrmals täglich 2–5 ml einreiben
Wegen möglicher lichtsensibilisierender Eigenschaften muss während der Therapie mit Johanniskrautöl auf intensive Sonnenbestrahlung verzichtet werden
Kampfer Muskelschmerzen, Folgen stumpfer Traumen, Arthritiden
Bei äußerlicher Anwendung max. 25-prozentigen Kampfer verwenden, halbfeste Zubereitung:
10–20 %, Kampferspiritus: 1–10 %
Camphoderm N Emulsion: mehrmals täglich dünn einreiben
Balsamka Schmerzbalsam: mehrmals täglich dünn einreiben (Kombi-Präparat mit Kampfer, Menthol, ätherischem Nelkenöl)
Höhere Dosierungen können zu schweren Vergiftungen führen
Kiefernnadelöl Muskelschmerzen, Folgen stumpfer Traumen, Weichteilrheumatismus
Äußerliche Anwendung: flüssige oder halbfeste Zubereitungen mit 10- bis 15-prozentigem Kiefernnadelöl
Fertigarzneimittel nicht verfügbar
An betroffenen Stellen mehrmals täglich Kiefernnadelöl einmassieren
Cave: zunächst kleinflächig einreiben, um Allergie auszuschließen
Meerrettichwurzel Muskelschmerzen, Folgen stumpfer Traumen, Weichteilrheumatismus
Zubereitung mit Senfölen (max. 2 %) als Meerrettichauflage
Frisch geraspelten Meerrettich (ca. 2 EL) 1–2 cm dick auftragen, Kompresse auf den zu behandelnden Bereich legen und mit Leintuch abdecken
Minzöl Muskelschmerzen, Folgen stumpfer Traumen, Weichteilrheumatismus
Halbfeste oder ölige Zubereitung mit 5- bis 20-prozentigem Öl
JHP Rödler Japanisches Heilpflanzenöl: mehrmals täglich wenige Tropfen einreiben Cave: zunächst kleinflächig einreiben, um Allergie auszuschließen
Rosmarinöl Muskelschmerzen, Folgen stumpfer Traumen, WeichteilrheumatismusHalbfeste oder ölige Zubereitung mit 6- bis 10-prozentigem Öl Als Fertigarzneimittel nicht verfügbar
Kombinationspräparat: Dolo-cyl-Öl: 2–5 ml mehrmals täglich einreiben (zusätzlich mit Eukalyptusöl, Kampfer, Menthol)
Senfsamen Muskelschmerzen, Folgen stumpfer Traumen, Weichteilrheumatismus, Arthrosen
Pulverisierte Droge: Tagesdosis von 60–240 g als Breiumschläge
Sano Gold Senfkörner: 1–2/d Breiumschlag Cave: nicht länger als 2 Wochen anwenden, da sonst evtl. Reizung des Nierenepithels
Steinkleekraut Folgen stumpfer Traumen
Darreichung: geschnitten als Tee, als Fluidextrakt, als Trockenextrakt (Tabletten), als Urtinktur in anderen Flüssigkeiten
Meli Rephastasan Flüssigkeit: 3/d einige Tropfen an der betroffenen Stelle einmassieren Cave: nicht zusammen mit Gerinnungshemmern einnehmen
Teebaumöl (nur nach australischem Arzneibuchstandard verwenden) Muskelzerrung, Folgen stumpfer Traumen
Massageöl mit 30–40 % Teebaumöl für äußerliche Anwendung
Fertigarzneimittel nicht verfügbar
Teebaumöl mehrmals täglich an betroffenen Stellen einmassieren
Cave: zunächst kleinflächig einreiben, um Allergie auszuschließen
Terpentinöl Muskelschmerzen, Folgen stumpfer Traumen, Weichteilrheumatismus
Massageöl mit 40–50 % Terpentinöl für äußerliche Anwendung, alternativ 20-prozentige Salbe
Fertigarzneimittel nicht verfügbar
Terpentinöl/Salbe mehrmals täglich an betroffenen Stellen einmassieren
Cave: zunächst kleinflächig einreiben, um Allergie auszuschließen
Teufelskrallenwurzel Osteoarthritis, Entzündungshemmung, Schmerzlinderung, Folgen stumpfer Traumen, Schmerzen bei Fibromyalgie.Tagesdosis 4,5 g Droge bzw. Extrakt (mit ca. 50–100 mg Harpagosid) Doloteffin Tabl.: 32/d
Pascoe-Agil Tabl.: 22/d
Flexi-loges Tabl.: 21/d
Rivoltan Tabl.: 21/d
Sogoon Tabl.: 21/d
Cave: in der Schwangerschaft nicht ohne ärztliche Abklärung!
Weidenrinde (Salizylate) Osteoarthritis, Entzündungshemmung, Schmerzlinderung
Mittlere Tagesdosis:60–120 g Salicin
Assalix Dragees: 21/d
Proaktiv Kps.: 21/d
Kombinationspräparat Phytodolor Tinktur: 330–40 Tropfen/d
(Extrakt aus Weiden-, Eschenrinde und Goldrutenkraut)
Nebenwirkungen:Magen-Darm-Beschwerden, Überempfindlichkeit
Weihrauch (Boswellia serrata) Osteoarthritis, Entzündungshemmung, Schmerzlinderung
Mittlere Tagesdosis:600–1.200 mg
Ayurmedica H15 Tabl.: 2–31/d
Olibanum RA-Weihrauch Tropfen: 2–330–50/d

Wichtige, häufig bei muskuloskelettalen Erkrankungen angewendete AllopathikaZahnschmerzen:antipyretische AnalgetikaThromboseprophylaxe:antipyretische AnalgetikaSchmerzen:Opioid-AnalgetikaSchmerzen:nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)Schmerzen:Neuraltherapie mit ProcainSchmerzen:MuskelrelaxanzienSchmerzen:antipyretische Analgetikarheumatische Erkrankungen/Beschwerden:nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)muskuloskelettale Erkrankungen:AllopathikaMuskelverspannungen:MuskelrelaxanzienKopfschmerzen:antipyretische AnalgetikaFieber:nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)Fieber:antipyretische AnalgetikaFibromyalgie:nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)Entzündungsreaktion:nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)Entzündungshemmung:GlukokortikoideAllopathika bei muskuloskelettalen Erkrankungen

Tab. 12.3
Wirkstoff/Präparate(Beispiele) Indikation und Dosierung (Erwachsener, 70 kg) Nebenwirkungen Bemerkungen
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
DiclofenacVoltaren Schmerzen im Rahmen rheumatischer oder degenerativ entzündlicher Gewebereaktionen, Fieber, Entzündungsreaktionen, entzündliche Schwellungen
25–150 mg/d
Magen- und Darmbeschwerden bis hin zur Ulkusbildung, Überempfindlichkeitsreaktionen, Leberschädigung Irreversible Hemmung der Zyklooxygenase
IbuprofenAktren Schmerzen, Entzündungen, Fieber
200–2.400 mg/d
wie Diclofenac, allerdings etwas besser magenverträglich Diclofenac und Ibuprofen sind die weltweit am häufigsten verordneten Schmerzmittel
CoxibeCelebrex wie Diclofenac
100–400 mg/d
wie Diclofenac, allerdings weniger ausgeprägte gastrointestinale Beschwerden;gelegentlich Anämie, Tinnitus und Urtikaria Auch als selektive COX-2-Hemmer bezeichnet
Piroxicam Schmerzzustände des Bewegungsapparats500–1.250 mg/d Hautausschlag, Magen- und Darmulkus, Ödeme, Leber-, Nierenschädigung, Hypertonie
Naproxen Schmerzen bei rheumatischen/degenerativen Entzündungen, Schwellungen
250–1.250 mg/d
wie Diclofenac, zusätzlich erhöhte Schlaganfallneigung
Indometacin Rheumatische Erkrankungen, Gicht, Fibromyalgie
25–200 mg/d
Magen- und Darmulkus, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Depressionen, Leberschäden, in seltenen Fällen lebensbedrohliche Agranulozytose
Glukokortikoide
PrednisolonDecortin H Entzündungshemmung bei rheumatisch oder degenerativ entzündlichen Gewebereaktionen
5–100 mg/d
Blutzuckererhöhung, Pergamenthaut, Stammfettsucht, Osteoporose und vieles mehr Prednisolon ist 4-mal potenter als Kortisol
DexamethasonFortecortin Dexamethason ist 30-mal potenter als Kortisol
Antipyretische Analgetika
AzetylsalizylsäureAspirin Thromboseprophylaxe, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Fieber
500–3.000 mg/d
Übelkeit, Sodbrennen, Erbrechen, evtl. Asthma-Attacke. Bei regelmäßiger Einnahme Reizung der Magenschleimhaut Cave: kontraindiziert bei Kindern unter 14 Jahren
Antipyretische Analgetika
Paracetamol Schmerzen, Fieber
500–1.200 mg/d
Anstieg der Leber-Transaminasen (selten), allergische Reaktion oder Agranylozytose (sehr selten) Cave: auf Grapefruit verzichten, sonst wird Abbau von Paracetamol gehemmt
MetamizolNovalgin Schmerzen, Fieber
500–2.500 mg/d
Allergische Hautreaktion, Blutdruckabfall; sehr selten Agranulozytose, Analgetika-Asthma und Nephrotoxikose Metamizol ist (von allen antipyretischen Analgetika) am stärksten schmerzstillend und fiebersenkend
Muskelrelaxanzien
TetrazepamMusaril Schmerzhafte Muskelverspannungen
50–200 mg/d
Halluzinationen, Gangunsicherheit, Artikulationsstörungen
TolperisonMydocalm Schmerzhafte Muskelverspannungen
150–450 mg/d
Müdigkeit, verlangsamte Reaktionen, Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen
FlupirtinKatadolon Schmerzhafte Muskelverspannungen, starke Schmerzen
100–600 mg/d
Müdigkeit, Schwindel, Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen; häufig Depressionen, Zittern, Kopfschmerzen und Mundtrockenheit; sehr selten allergische Reaktionen
Opioid-Analgetika
MorphinSevredol Chronische Schmerzen, die nicht erfolgreich mit anderen Schmerzmitteln nach dem WHO-Stufenschema behandelt werden können
10–300 mg/d
Bei Überdosierung Atemlähmung; sonst eher leichte Nebenwirkungen wie Übelkeit, Müdigkeit, Obstipation (häufig, aber meist nach 1–3 Wochen deutlich abklingend)
Lokalanästhetika als Neuraltherapeutika
Procain Schmerzen, diverse Gesundheitsstörungen mit gesteigertem Sympathikotonus;zur lokalen Injektion Allergische Hautreaktionen, Ödembildung, Urtikaria, Atemnot; selten Übelkeit und Erbrechen Anwendung nicht als Lokalanästhetikum, sondern als Neuraltherapeutikum

Der pharmakologische Ansatz in der Behandlung von Rückenschmerzen

Pathik Hagemann

Thomas Kia

  • 12.1

    Grundlagen der Entzündungsphysiologie und der Schmerzentstehung378

    • 12.1.1

      Entzündungsreaktion und Entzündungsmediatoren378

    • 12.1.2

      Schmerzentstehung und Schmerzwahrnehmung380

  • 12.2

    Phytotherapie bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen384

    • 12.2.1

      Indikationen384

    • 12.2.2

      Monographien wichtiger Phytotherapeutika385

  • 12.3

    Allopathische Pharmakotherapie bei Rückenschmerzen391

    • 12.3.1

      Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)391

    • 12.3.2

      Glukokortikoide393

    • 12.3.3

      Antipyretische Analgetika393

    • 12.3.4

      Muskelrelaxanzien394

    • 12.3.5

      Antidepressiva und Neuroleptika394

    • 12.3.6

      Opioid-Analgetika394

    • 12.3.7

      Lokalanästhetika als Neuraltherapeutika395

  • 12.4

    Orthomolekulare Pharmakotherapie bei Rückenschmerzen396

    • 12.4.1

      Vitamin E397

    • 12.4.2

      Vitamin D398

    • 12.4.3

      Vitamin C398

    • 12.4.4

      Vitamin B12399

    • 12.4.5

      Magnesium400

    • 12.4.6

      Mangan401

    • 12.4.7

      Molybdän401

    • 12.4.8

      Hyaluronsäure, Glukosamin und Chondroitin402

Der beste Arzt ist die Natur. Sie heilt aller Krankheiten und spricht nie Böses über einen Kollegen.

Galen

Zentrales Thema dieses Buches sind Rückenschmerzen:PharmakotherapieRückenschmerzen aus osteopathischer Sicht unter Einbeziehung von zusätzlichen diagnostischen und therapeutischen Optionen. Zu osteopathisch arbeitenden Therapeuten kommen nicht selten Patienten, die bereits an anderer Stelle Hilfe wegen ihrer Beschwerden gesucht haben. Viele von ihnen, insbesondere chronische Schmerzpatienten, haben eine Pharmakotherapie:RückenschmerzenPharmakotherapie verordnet bekommen. Deshalb ist ein pharmakologisches Grundwissen über die am häufigsten eingesetzten Medikamente allein schon wichtig für das Verständnis, welche gewollten und ungewollten Reaktionen sie im Körper auslösen können. Einige Osteopathen sind zudem gleichzeitig Ärzte oder Heilpraktiker, sodass die parallele Nutzung einer medikamentösen medikamentöse Therapie:RückenschmerzenTherapie für diese Therapeutengruppe eine Option darstellt. Da einige der verwendeten Substanzen nicht rezeptpflichtig sind, wird auch der Osteopath, der nicht Arzt oder Heilpraktiker ist, seinen Patienten in diesem Zusammenhang vielleicht hier und da eine Empfehlung für ein orthomolekulares oder phytotherapeutisches Präparat geben wollen.

Ziel dieses Kapitels ist es, eine kurze Übersicht über die pharmakologischen Substanzen zu geben, die bei Rückenschmerzen:pharmakologische SubstanzenRückenschmerzen zur Anwendung kommen. Patienten mit chronischen Rückenschmerzen werden vor allem mit Medikamenten behandelt, die ihre Schmerzen reduzieren und Entzündungsprozesse hemmen sollen. Daher werden zunächst wichtige Grundlagen der Entzündungsphysiologie und der Schmerzentstehung betrachtet. Anschließend besprechen wir die pharmakologischen Substanzen nach folgender Einteilung: allopathische, orthomolekulare und phytotherapeutische Pharmaka.

MERKE

Ziel der Pharmakotherapie:ZielePharmakotherapie:RückenschmerzenPharmakotherapie ist es,

  • Schmerzen zu lindern bzw. zu beseitigen,

  • die Lebensqualität des Patienten zu verbessern,

  • normale Aktivitäten des täglichen Lebens zu ermöglichen,

  • die Arbeitsfähigkeit zu erhalten,

  • bleibende Funktionseinschränkungen und eine Progredienz der Erkrankung, insbesondere nach anfangs leichter Entzündung, zu verhindern.

Grundlagen der Entzündungsphysiologie und der Schmerzentstehung

Entzündungen:Physiologie, GrundlagenIm Fokus stehen hier Rückenschmerzen, an denen in den meisten Fällen entzündliche Reaktionen beteiligt sind.
Unter EntzündungenEntzündungen:KardinalsymptomeEntzündung sind in diesem Zusammenhang vor allem Reaktionen des (Gefäß-)Bindegewebes auf physikalische oder chemische Reize, auf ein Trauma oder eine Drucksteigerung zu verstehen, beispielsweise bei Bandscheibenvorfall, Spinalkanalstenose oder chronisch erhöhtem Muskeltonus. Kardinalsymptome einer Entzündung sind Rötung (Rubor), Schwellung (Tumor), lokale Überwärmung (Calor), Schmerz (Dolor) und eine gestörte Funktion (Functio laesa).

Entzündungsreaktion und Entzündungsmediatoren

EntzündungsmediatorenEine EntzündungsreaktionEntzündungsreaktion dient dazu, die Entzündungsursache rasch zu beseitigen, um ein Voranschreiten der Schädigung zu vermeiden. Dafür werden Zellen des Immunsystems aktiviert, insbesondere GranulozytenGranulozyten, Monozyten, MakrophagenMakrophagen und Lymphozyten (Tab. 12.1). Diese Immunzellen:EntzündungsreaktionImmunzellen bringen unterschiedliche Abwehrmechanismen in Gang. Dabei wird eine Vielzahl an Mediatorstoffe:ImmunzellenMediatorstoffen gebildet, die einen wichtigen Beitrag zur Abwehr leisten, aber gleichzeitig auch für die entzündlichen Symptome verantwortlich sind. Welche Mediatoren in welcher Menge gebildet werden, ist jeweils von der Enzymausstattung der Zellen abhängig.
Eine Schlüsselrolle bei jeder Entzündung spielen proinflammatorische Derivate der Arachidonsäure, insbesondere Prostaglandine und Leukotriene. Sie entstehen durch Aktivierung der lipidspaltenden Phospholipase A2 (PLA2), die als zytosolisch gelöstes Enzym vorkommt (Abb. 12.1). Wird das Enzym durch eine Noxe (meist proinflammatorische Zytokine) aktiviert, spaltet es Membranphospholipide in Arachidonsäuremoleküle und Lysophospholipide auf, die beide anschließend ins Zellinnere gelangen.
  • Arachidonsäure:ProstaglandineArachidonsäure:LeukotrieneArachidonsäure kann entweder über das Enzym Zyklooxygenase (COX) in diverse ProstaglandineProstaglandine umgewandelt werden oder über Lipoxygenase (LPO) in LeukotrieneLeukotriene. Dabei entstehen potente Entzündungsmediatoren:ProstaglandineEntzündungsmediatoren:LeukotrieneEntzündungsmediatoren, vor allem Prostaglandin E2 und Leukotrien B4.

  • Prostaglandin E2 (PGE2) wirkt gefäßerweiternd und steigert die Permeabilität der Blutgefäße. Dies führt zur Schwellung und Rötung des Gewebes. Zusätzlich löst PGE2 durch Absenken der Reizschwelle von Schmerzrezeptoren eine Hyperalgesie:ProstaglandineHyperalgesie (gesteigerte Schmerzempfindlichkeit) aus. Die ebenfalls durch die PLA2 freigesetzten Lysophospholipide:HistaminausschüttungLysophospholipide sind zytotoxisch und führen zur Ausschüttung von Histamin:EntzündungHistamin aus Mastzellen, was die Gefäßerweiterung und Permeabilität im Entzündungsbereich noch weiter steigert.

Eine weitere Gruppe von Entzündungsmediatoren:Zytokine, proinflammatorischeEntzündungsmediatoren:Tumornekrosefaktor-<03B1> (TNF-<03B1>)Entzündungsmediatoren sind proinflammatorische Zytokine. Ein wichtiger Vertreter dieser Molekülklasse ist der Tumornekrosefaktor- (TNF-)Tumornekrosefaktor-<03B1> (TNF-<03B1>), ein Peptid, das Teile der Entzündungskaskade dominiert. TNF- entsteht unter Vermittlung des Transkriptionsfaktors NF-B, der das Ablesen des TNF--Gens im Zellkern ermöglicht. Nach seiner Freisetzung moduliert und verstärkt TNF- die Entzündungsreaktion noch – durch die Bildung weiterer proinflammatorischer Zytokine:proinflammatorischeZytokine, beispielsweise Interleukin-1, oder diverser Selektine (membrangebundene Glykoproteine), die zur Einwanderung von Leukozyten aus der Blutbahn in das entzündete Gewebe führen.
Neben Prostaglandinen und Leukotrienen bilden aktivierte Leukozyten:aktivierteLeukozyten auch abbauende Enzyme bei Entzündungsreaktion:Leukozyten, aktivierteEntzündungsreaktionen. Diese lysosomalen Enzyme haben die Aufgabe, zelluläre Bruchstücke abzuräumen. Die ebenfalls freigesetzten Matrixmetalloproteinasen können die extrazelluläre Matrix abbauen und damit Schädigungen im Knorpel, Knochen und Bindegewebe fördern. Über den gesteigerten mitochondrialen Stoffwechsel aktivierter Leukozyten entstehen außerdem vermehrt Sauerstoffradikale. Die in aktivierten Leukozyten induzierbare Nitroxidsynthase führt dazu, dass vermehrt Stickstoffmonoxid (NO)Stickstoffmonoxid (NO) gebildet wird. Sie setzt eine Kettenreaktion in Gang, an deren Ende eine vermehrte Bildung von NO und PeroxynitritPeroxynitrit steht; dies wird auch Stress:nitrosativerals nitrosativer nitrosativer StressStress bezeichnet. Da Radikale sowohl auf den Muskelstoffwechsel als auch auf neuronale Mechanismen Einfluss haben, sind sie für Diagnostik und Therapie in der osteopathischen Praxis von großer Bedeutung (Abb. 12.2).
Die langfristigen Folgen von chronischem nitrosativem Stress:nitrosativernitrosativer StressStress hat Dr. Bodo Kuklinski (2008) am Beispiel von Patienten mit HWS-HWS-Syndrom:nitrosativer StressSyndrom untersucht. So zeigen Patienten, die nach einem Schleudertrauma an einem HWS-Syndrom leiden, sehr häufig Symptome einer Multisystemerkrankung. Laborchemisch finden sich bei ihnen Anzeichen einer chronischen Belastung durch nitrosativen Stress.

Schmerzentstehung und Schmerzwahrnehmung

SchmerzentstehungSchmerz ist die Bezeichnung für ein Spektrum von Empfindungen, deren Charakter höchst unterschiedlich sein und deren Intensität von unangenehm bis unerträglich reichen kann. Schmerzreize:NozizeptorenSchmerzreize werden von Nozizeptoren:SchmerzreizeNozizeptoren in der Haut und den Eingeweiden aufgenommen, die durch Dehnung, Temperaturänderung sowie freigesetzte Substanzen (K+, zelluläre Proteine, Zytochrome etc.) bei Gewebeläsionen erregt werden (Abb. 12.3). Die Zellkörper der bipolaren, afferenten 1. Neurone liegen in Spinalganglien.
Periphere Mechanismen
Schmerzentstehung:periphere MechanismenAn der SchmerzleitungSchmerzleitung sind marklose Fasern (C-C-Fasern:SchmerzleitungFasern, Leitungsgeschwindigkeit 0,5–2 m/s) und myelinisierte Fasern (A-A<03B4>-Fasern, SchmerzleitungFasern, 5–30 m/s) beteiligt. Die freien Nervenendigungen der A-Fasern sprechen auf starken Druck oder Hitze an, während die Nervenendigungen der C-Fasern empfindlich auf chemische Reize (H+, K+, Histamin, Bradykinin u. a.) reagieren, die infolge einer Gewebeschädigung oder Entzündung auftreten. Bei Überdehnung oder Spasmen glattmuskulärer Bauchorgane kommt es zu starken viszeralen Schmerzen, die durch eine begleitende Hypoxie unterhalten werden.
Wenn im Rahmen einer Entzündungsreaktion Mediatoren wie Leukotriene, Prostaglandin E2 und Histamin die Nozizeptoren:sensibilisierteNozizeptoren sensibilisiert haben, können auch ansonsten unterschwellige Reize Schmerzen auslösen (HyperalgesieHyperalgesie). Ein Gewebetrauma kann die Blutgerinnung aktivieren und damit die Ausschüttung von Bradykinin und SerotoninSerotonin bewirken.
  • Serotonin führt über einen Gefäßverschluss eine Ischämie mit extrazellulärer Anhäufung von K+ und H+ herbei, die bereits sensibilisierte Nozizeptoren zusätzlich reizt.

  • Histamin:ÖdembildungHistamin, BradykininBradykinin und Prostaglandin E2 wirken vasodilatierend und steigern die Gefäßpermeabilität. Die Folge ist ein lokales Ödem, das den Gewebedruck erhöht und dadurch ebenfalls die Nozizeptoren erregt.

  • Da Nozizeptoren auf die Reizung mit der Freisetzung von Peptiden wie Substanz P und CGRP (calcitonin gene-related peptide) reagieren, wird die Entzündung noch weiter gefördert.

Zentrale Mechanismen
Schmerzentstehung:zentrale MechanismenAfferenzen aus Organen und von der Hautoberfläche werden zum Teil im Rückenmark zusammengeführt, d. h., sie konvergieren auf gleichen Neuronen im Rückenmark. Somit löst die Erregung von Nozizeptoren in einem Organ Schmerzempfindungen in den Hautarealen aus, deren Afferenzen im gleichen Rückenmarksegment umgeschaltet werden.
A- und C-Fasern C-Fasern:SchmerzleitungA<03B4>-Fasern, Schmerzleitungtreten über die Hinterwurzel ins Rückenmark ein und ziehen nach der Umschaltung auf ein Folgeneuron sowie einem Seitenwechsel im Vorderseitenstrang zum Thalamus (Abb. 12.4).
Von dort werden Schmerzinformationen auf zwei getrennten thalamokortikalen Wegen weitergeleitet:
  • Das laterale thalamokortikale thalamokortikales System:lateralesSystem führt von lateral gelegenen Thalamuskernen zum somato sensorischen somatosensorischer Kortex:SchmerzinformationenKortex und vermittelt kognitive Schmerzinformationen:thalamokortikales SystemSchmerzinformationen.

  • Das mediale thalamokortikale System thalamokortikales System:medialesleitet Schmerzinformationen:AssoziationsarealeSchmerzinformationen von medialen Thalamuskernen zu Assoziationsarealen im präfrontalen Kortex weiter, insbesondere zum Gyrus Gyrus cinguli:Schmerzinformationencinguli.

Durch entsprechende Verschaltung entstehen dann sensorische (u. a. Wahrnehmung von Lokalisation und Intensität), affektive (Leiden), motorische (Schutzreflexe, Muskeltonus, Mimik) und vegetative Komponenten der Schmerzempfindung:KomponentenSchmerzempfindung (Blutdruckänderung, Tachykardie, Pupillenerweiterung, Schweißausbruch, Übelkeit). Gehemmt wird die Umschaltung im Rückenmark und Thalamus von absteigenden Bahnen aus dem Kortex, dem zentralen Höhlengrau und den Raphekernen, die Noradrenalin, Serotonin und vor allem Endorphine freisetzen.
Die bewusste Schmerzwahrnehmung:bewussteSchmerzwahrnehmung entsteht also in der Großhirnrinde, vor allem im somatosensorischen Kortex. Die Projektion von Schmerzfasern ins limbische System erklärt, weshalb sich Schmerzen unmittelbar emotional bzw. auf das Befinden auswirken.
Umgekehrt haben Emotionen über das limbische System auch Einfluss auf die subjektive Schmerzwahrnehmung:subjektiveSchmerzwahrnehmung, die sie abschwächen oder verstärken können.

Wirkung von Prostaglandinen

Bei Entzündungsreaktion:ProstaglandineEntzündungsreaktionen freigesetzte Prostaglandine:EntzündungsreaktionProstaglandine können das Schmerzgeschehen auf drei Ebenen beeinflussen, indem sie
  • in der Peripherie Nozizeptoren stimulieren und die Reizschwelle von C-Fasern absenken,

  • im Rückenmark eine lokale Sensibilisierung auslösen und

  • im Thalamus an der supraspinalen Schmerzverarbeitung beteiligt sind.

PGE2 stimuliert stärker als andere Prostaglandine die Freisetzung von Schmerzmediatoren im Rückenmark wie Substanz P, CGRP, Glutamat, Aspartat, NO, Histamin und Bradykinin.
PGI2 ist ein noch stärkerer Schmerzmediator als PGE2 und verursacht die kurz nach einem starken Schmerzreiz auftretenden extremen Schmerzen.
Mögliche Angriffspunkte einer pharmakologischen Schmerztherapie
Schmerztherapie:pharmakologische, AngriffspunkteDie SchmerzempfindungSchmerzempfindung:Beeinflussung lässt sich folgendermaßen beeinflussen (Abb. 12.5):
  • Ausschaltung der Schmerzursache,

  • Senkung der Nozizeptorempfindlichkeit (NSAR, Lokalanästhetika, Phytotherapeutika),

  • Unterbrechung der Schmerzleitung (Lokalanästhetika),

  • Blockade der Umschaltung von Schmerzimpulsen im Rückenmark (Opioide),

  • Hemmung der Schmerzwahrnehmung (Opioide, Narkotika) und

  • Beeinflussung der Schmerzverarbeitung (Antidepressiva).

Phytotherapie bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen

Rückenschmerzen:PhytotherapieIn der Therapie chronischer SchmerzenSchmerzen:chronische wird das analgetische Potenzial pflanzlicher Extrakte bisher zu wenig beachtet. Vor allem wegen ihres niedrigen Nebenwirkungsrisikos eignen sich PhytotherapeutikaPhytotherapeutika gut zur Langzeitanwendung bei chronischen Schmerzpatienten. Es gibt extern (topisch) bzw. intern (oral) anwendbare Analgetika mit milder bis mittelstarker Wirkung. Viele Phytotherapeutika werden bevorzugt bei muskuloskelettalen Problemen der Extremitäten eingesetzt (z. B. Gonarthrose). Nicht selten ist eine Fehlhaltung der Wirbelsäule Folge einer Schonhaltung im Beinbereich. In diesen Fällen kann man die Haltungssteuerung durch eine Phytotherapie unterstützen.
  • Zur oralen Anwendung sind alkoholische Tinkturen und Trockenextrakte in Form von Tabletten, Dragees oder Kapseln frei verkäuflich in Apotheken erhältlich.

  • Zur topischen Anwendung kommen Salben, Cremes, Gele, Linimente und alkoholisch-wässrige Lösungen infrage.

Die meisten Phytotherapeutika wirken symptomatisch, d. h., sie können nur die Beschwerden lindern, aber nicht die kausale SchmerztherapieSchmerztherapie:Phytotherapeutika ersetzen. Einige pflanzliche Zubereitungen können auch kausal wirken, indem sie z. B. Matrixmetalloproteinasen hemmen, die für KnorpelschädenKnorpelschäden:Phytotherapeutika verantwortlich gemacht werden. Besteht schon eine Knorpelschädigung, reicht eine alleinige Phytotherapie allerdings nicht mehr aus. Als kausale Therapie müssen hier die Stressoren am Gelenk neutralisiert werden, um die Gelenkachse zu zentrieren.

Indikationen

Phytotherapeutika:IndikationenTypische Indikationen bei Erkrankungen des Bewegungsapparats sind:
  • Weichteil- und Muskelschmerzen, Phytotherapeutika:Weichteil- und Muskelschmerzenz. B. durch kleinste Muskelfaserrisse, Myogelosen, Muskelkrämpfe, Muskelhartspann, Tendopathien, Periarthropathien, Bursitiden. MuskelschmerzenMuskelschmerzen:Rubefazienzien infolge sportlicher Überlastungen oder durch Fehlhaltungen werden äußerlich mit RubefazienzienRubefazienzien:Weichteil- und Muskelschmerzen ( hautrötende Reizstoffe) behandelt. Durch den Hautreiz werden körpereigene antiphlogistische und schmerzstillende Substanzen freigesetzt. Letztere können auf dem Blutweg sogar weiter entfernte Schmerzquellen erreichen. Rubefazienzien besitzen zudem eine muskelrelaxierende Wirkung.

  • Degenerative und entzündliche Gelenkerkrankungen (OsteoarthritisOsteoarthritis:Phytotherapeutika): Degenerative Phytotherapeutika:Gelenkerkrankungen, degenerative und entzündlicheGelenkerkrankungen:degenerativeGelenkerkrankungenGelenkerkrankungen:entzündliche gehen mit Zerstörung des Gelenkknorpels und einer Entzündung der Innenschicht der Gelenkkapsel einher. Die Gelenkdegeneration wird immer von einer Entzündungsreaktion begleitet. Eine dauerhaft bestehende Fehl- und Überbelastung (beim Bergabgehen wurde das Knie dick) kann dann zu einer aktivierten Arthrose führen. Das betroffene Gelenk ist geschwollen, überwärmt und sehr schmerzhaft. Bei aktivierten ArthrosenArthrosen:Phytotherapeutika wird man eher analgetisch wirksame Mittel einsetzen und bei nichtaktivierten Arthrosen Phytotherapeutika:Arthrosenhyperämisierende Extrakte.

  • Stumpfe Verletzungen: Hierzu zählen Verstauchungen, Zerrungen, Prellungen, Hämatome und Quetschungen. In der Regel werden stumpfe VerletzungenVerletzungen:stumpfe ausschließlich mit Salben, Cremes, Gelen, Linimenten und Fett-Öl-Auszügen behandelt. Die Auswahl der PhytotherapeutikaPhytotherapeutika:stumpfe Verletzungen richtet sich nach der angestrebten Wirkung: antiphlogistisch-analgetisch, abschwellend, resorptionsfördernd oder ödemprotektiv.

Phytotherapeutika

Je nach Indikation können folgende Phytotherapeutika zur Anwendung kommen:

Weichteil- und Muskelschmerzen

Weichteilschmerzen:PhytotherapeutikaMuskelschmerzen:PhytotherapeutikaKampfer, Eukalyptusöl, Fichtennadelöl, Kiefernnadelöl, Minzöl, Rosmarinöl, Terpentinöl, Johanniskrautöl, Cayennepfefferextrakte sowie Meerrettichwurzel-, Senfsamen- oder Weißkohlblätterauflagen.

Osteoarthritis

  • aktivierte Arthrose Osteoarthritis:Phytotherapeutika (analgetisch): Brennnesselkraut/-blätter, Teufelskrallenwurzel, Weidenrinde, Beinwellwurzel/-kraut/-blätter, Kampfer, Arnikablüten

  • nichtaktivierte Arthrosen:PhytotherapeutikaArthrose (hyperämisierend): Cayennepfefferfrüchte, Heublumen, weiße Senfsamen

Stumpfe Verletzungen

  • analgetisch/antiphlogistisch: Verletzungen:stumpfeArnikablüten, Beinwell, Kampfer, Johanniskrautöl, Minzöl

  • abschwellend: Beinwell

  • resorptionsfördernd: Arnikablüten, Johanniskrautöl

  • ödemprotektiv: Rosskastaniensamen, Steinkleekraut

Monographien wichtiger Phytotherapeutika

Nachfolgend werden im Sinne einer kurzen Monographie die wichtigsten Phytotherapeutika Phytotherapeutika:Monographienin alphabetischer Reihenfolge vorgestellt. Fotos der jeweiligen Pflanzen (Abb. 12.6) und die wichtigsten Informationen für Therapeuten (Tab. 12.2) ergänzen die Darstellung.
Beinwellwurzel/-kraut/-blätter
Beinwell Beinwell(Abb. 12.6a) ist eine Heilpflanze, die vor allem in Europa und Nordafrika vorkommt und schon seit Jahrhunderten zur Schmerzbehandlung nach stumpfen Traumen und Knochenbrüchen Anwendung findet. Wirkstoffe sind in der Wurzel, in den Blättern und im Kraut enthalten und werden zur Arzneimittelherstellung genutzt. Die wichtigsten Wirkstoffe von Beinwell sind Fruktane (Schleimstoffe) sowie bis zu 1,5 % Allantoin, Cholin, Gerbstoffe, Rosmarinsäure und Spuren von Pyrrolizidinalkaloiden.
  • Indikationen: Beinwellpräparate werden vor allem zur Entzündungshemmung Entzündungshemmung:Beinwellund Schmerzlinderung Schmerzlinderung:Beinwellbei Osteoarthritiden und nach stumpfen Traumen eingesetzt.

  • Anwendung: ausschließlich äußerlich.

Brennnesselextrakt
Brennnesseln (Abb. 12.6b) sind eine weltweit verbreitete Gewächsgruppe. Brennnesselextrakte Brennnesselextrakteenthalten vor allem Flavonoide, unterschiedliche Caffeoylchinasäuren, Kaliumsalze und Kieselsäure als Wirksubstanzen. In den Brennhaaren finden sich vor allem biogene Amine wie Histamin, Serotonin und Acetylcholin.
  • Wirkung: Insbesondere die Caffeoylchinasäuren verringern die ZytokinproduktionZytokinproduktion:Hemmung durch Brennnesselextrakte und damit auch die Bildung von TNF-. Dadurch wirken diese Präparate deutlich antiphlogistisch.antiphlogistische Wirkung:Brennnesselextrakte

  • Anwendung: Neben wirkstoffhaltigen Tabletten oder Kapseln kann frisch gepresster Pflanzensaft bzw. eine Teezubereitung genutzt werden.

Cayennepfefferfrüchte
Cayennepfeffer (Abb. 12.6c) stammt ursprünglich aus dem Amazonasgebiet in Südamerika. Heute wird er als Gewürz weltweit in nahezu allen tropischen Ländern angebaut. Seine Schärfe geht auf das in den Cayennepfefferfrüchten Cayennepfefferfrüchteenthaltene Capsicain zurück, das neben Vitamin C zu den wichtigsten Inhaltsstoffen gehört.
  • Wirkung: Capsicain führt über eine lokale Vasodilatation Vasodilatation:durch Capsicainzur Mehrdurchblutung und somit auch Erwärmung.

  • Hauptindikationen sind Schmerzen im Bewegungsapparat, z. B. bei Arthrosen oder nach stumpfen Traumen. Anwendung äußerlich als Pflaster, Salbe oder Emulsion.

Eukalyptusöl
Der Eukalyptusbaum gehört zur Gruppe der Blaugummibäume und ist in Australien und Indonesien heimisch. Das aus den Blättern gewonnene ätherische Öl enthält vor allem Cineol, Monoterpene und Flavonoide.
Eukalyptusöl Eukalyptusölwird wegen seiner durchblutungssteigernden und entzündungshemmenden Wirkung zwar auch zur Behandlung von Muskelschmerzen Muskelschmerzen:Eukalyptusölnach einem stumpfen Trauma oder bei Weichteilrheumatismus Weichteilrheumatismus:Eukalyptusöleingesetzt. Sein Hauptanwendungsgebiet sind jedoch Erkältungskrankheiten Erkältungskrankheiten:Eukalyptusölder Atemwege.
Fichtennadelöl
Fichten (Abb. 12.6d) gehören zur Familie der Kieferngewächse und kommen nahezu weltweit vor. Das aus Fichtennadeln gewonnene ätherische Öl enthält vor allem Bornylacetat und Borneol.
Fichtennadelöl Fichtennadelölwird wegen seiner schwach antiseptischen und durchblutungssteigernden Wirkung auch zur Behandlung rheumatischer Beschwerden rheumatische Erkrankungen/Beschwerden:Fichtennadelölgenutzt. Seine Hauptindikation sind Atemwegskatarrhe.Atemwegskatarrh:Fichtennadelöl
Heublumen
Heublumen Heublumenoder Grasblüten sind ein Gemisch aus den Blüten-, Blatt- und Stängelteilen unterschiedlicher Wiesenpflanzen. Je nach Erntestandort gibt es deutliche Unterschiede bei den Inhaltsstoffen. Die wichtigsten sind Cumaringlykoside, Furanocumarine, ätherische Öle und Gerbstoffe.
Heublumenkompressen lösen eine lokale Mehrdurchblutung aus und stimulieren kutiviszerale Reflexe. Deshalb werden sie bei degenerativen rheumatischen Erkrankungen rheumatische Erkrankungen/Beschwerden:Heublumenkompressenoder nach einem Weichteiltrauma Weichteiltrauma:Heublumenkompressenangewendet.
Johanniskrautöl
Das ursprünglich in Europa, Nordafrika und Teilen Südasiens verbreitete Johanniskraut (Abb. 12.6e) wird heute fast auf der ganzen Welt angebaut. Als Wirkstoffe enthält es Hypericine, Hyperforin, Flavonoide, Gerbstoffe und kleine Mengen ätherischer Öle.
Die bekannte antidepressive Wirkung antidepressive Wirkung:Johanniskrautölvon Johanniskrautöl Johanniskrautölvermitteln vor allem die Hypericine und das Hyperforin. Wegen seiner wundheilungsfördernden und durchblutungssteigernden Wirkung wird es auch zur Behandlung von Verletzungen und Muskelschmerzen Muskelschmerzen:Johanniskrautölverwendet.
Kampfer
Kampfer Kampferkommt in Gewächsen vor, kann aber auch synthetisch hergestellt werden. Es ist ein farbloses bis weißliches, krümeliges Pulver aus sehr weichen Kristallen. Kampfer riecht eukalyptusartig und schmeckt bitter und scharf.
Wirkung:
  • bei äußerlicher Anwendung durchblutungssteigernd und wärmend,

  • bei oraler Anwendung vor allem schleimlösend.

Kiefernnadelöl
Kiefern (Abb. 12.6f) sind Nadelbäume, die bis zu 1.000 Jahre alt werden können und vorwiegend auf der nördlichen Halbkugel wachsen. Das aus ihren Nadeln gewonnene Kiefernnadelöl Kiefernnadelölist reich an ätherischen Ölen (u. a. Pinen und Camphen).
Atemwegserkrankungen Atemwegserkrankungen:Kiefernnadelölsind die Hauptindikation des Öls, bei rheumatischen Beschwerden rheumatische Erkrankungen/Beschwerden:Kiefernnadelölwird es auch lokal angewendet.
Meerrettichwurzel
Meerrettich Meerrettich(Abb. 12.6 g) gehört zur Gruppe der Kreuzblütler. Seine Wurzeln werden als Gemüse, Gewürz oder pharmakologisch genutzt. In den frischen Wurzeln sind unterschiedliche Glucosinolate enthalten, die beim Zerkleinern der Wurzeln als flüchtige Senföle den scharfen Geschmack vermitteln.
Wegen seiner hyperämisierenden (durchblutungssteigernden) Wirkung wird Meerrettich äußerlich bei Muskelschmerzen Muskelschmerzen:Meerrettichwurzelangewandt.
Minzöl
Die Pflanzengattung der Minzen Minzöl(Abb. 12.6h) ist überwiegend auf der nördlichen Halbkugel beheimatet. Aus Minzeblättern kann ein Öl gewonnen werden, das reich an ätherischen Ölen mit Monoterpen-Derivaten ist.
Bei lokaler Anwendung bewirkt es eine Mehrdurchblutung und leichte örtliche Anästhesie. Indikationen sind deshalb Muskelschmerzen Muskelschmerzen:Minzölund neuralgiforme Schmerzen.neuralgiforme Schmerzen:Minzöl
Rosmarinöl
Der intensiv aromatisch duftende Rosmarin (Abb. 12.6i), eine in Europa weitverbreitete Kräuterpflanze, ist vor allem im Mittelmeerraum beheimatet. Aus seinen Blättern wird ein Öl gewonnen, das insbesondere ätherische Öle wie Cineol, Kampfer, Borneol und Pinen enthält.
Bei äußerlicher Anwendung wirkt Rosmarinöl Rosmarinölanalgetisch, antiinflammatorisch und durchblutungssteigernd. Deshalb kommt es bei rheumatischen Beschwerden rheumatische Erkrankungen/Beschwerden:Rosmarinölzum Einsatz.
Senfsamen
Senf wird aus den Samen von Senfpflanzen hergestellt. Senfsamen Senfsamen(Abb. 12.6j) enthalten Senfglykoside (u. a. Sinalbin) und ätherisches Senföl.
Wegen der bakteriostatischen, entzündungshemmenden und schmerzlindernden Wirkung kommen bei Patienten mit degenerativen GelenkerkrankungenGelenkerkrankungen:degenerative oder Weichteilrheumatismus Weichteilrheumatismus:Senfsamenumschlägelokale Senfsamen-Breiumschläge zur Anwendung.
Steinklee
Steinklee Steinklee(Abb. 12.6k) ist in Europa und Asien weitverbreitet. Er wird zur Blütezeit geerntet. Das getrocknete Kraut enthält Cumarine, die neben Flavonoiden und Saponinen zu seinen wichtigen Inhaltsstoffen gehören.
Steinkleekraut wirkt antiödematös und beschleunigt die Wundheilung. Indikationen:
  • venöse und lymphatische Stauungen Stauungen:venöse und lymphatische, Steinkleekraut(innere Anwendung)

  • Prellungen Prellungen:Steinkleekrautund Verstauchungen Verstauchungen:Steinkleekraut(äußerliche Anwendung).

Teebaumöl
Der Teebaum gehört zur Gruppe der Myrtengewächse und kommt vor allem in sumpfigen Gegenden Australiens vor. Aus seinen Blättern wird ein ätherisches Öl gewonnen, das unter anderem diverse Terpine und Cineole enthält.
  • Teebaumöl Teebaumölwirkt antiinflammatorisch, antibakteriell, antimykotisch und virostatisch.

  • Indikationen: lokale äußerliche Anwendung bei Muskelzerrungen Muskelzerrung:Teebaumölund Förderung der Wundheilung.Wundheilung:Teebaumöl

Terpentinöl
Terpentinöl Terpentinöl(Terpentin) wird durch Destillation aus Kiefernbalsam (Abb. 12.6l) gewonnen.
  • Seine ätherischen Öle wirken hyperämisierend und antiseptisch.

  • Bei rheumatischen rheumatische Erkrankungen/Beschwerden:Terpentinöloder neuralgischen Beschwerden neuralgische Beschwerden:Terpentinölwerden die betroffenen Stellen mehrmals täglich mit einigen Tropfen Terpentinöl eingerieben.

Teufelskrallenwurzel
Die Teufelskralle Teufelskrallenwurzelwächst vor allem in Südafrika und Namibia. Ihre Wurzeln enthalten eine Vielzahl an Wirkstoffen, wobei als die wichtigsten das sog. Harpargosid und Flavonoide zu nennen sind.
  • Teufelskrallenpräparate wirken stark antiphlogistisch, abschwellend und analgetisch.

  • Indikationsgebiete sind Osteoarthrosen Osteoarthrose:Teufelskrallenwurzelund andere entzündliche Gelenkbeschwerden:TeufelskrallenwurzelGelenkbeschwerden.

  • Teufelskralle kann als Tee, Tinktur oder Fertigpräparat verabreicht werden.

Weidenrinde (Salizylate)
Weiden findet man in Europa und Asien; sie kommen als Sträucher und Bäume vor. Die Inhaltsstoffe der Weidenrinde Weidenrindewerden zur Behandlung von Entzündungen und Schwellungen genutzt. Die wichtigsten dieser Inhaltsstoffe sind Salizylalkoholglykoside, Flavonoide, Phenolcarbonsäuren und Gerbstoffe. Nach ihrer Resorption entsteht aus dem wichtigsten Salizylalkoholglykosid, dem Salicin, in der Leber die für entzündungshemmende Effekte verantwortliche Salizylsäure. Die Salze der Salizylsäure werden Salizylate Salizylategenannt und finden schon seit Jahrhunderten Anwendung als schmerzlindernde, entzündungshemmende Entzündungshemmung:SalizylateSubstanzen. Ihr Wirkmechanismus ist mit dem der Zyklooxygenase-Hemmer vergleichbar, d. h., sie hemmen die Bildung der Prostaglandine. Da sie Gerbstoffe enthalten, sind diese Präparate häufig nicht gut verträglich. Die in Aspirin enthaltene Azetylsalizylsäure (ASS) Entzündungshemmung:Azetylsalizylsäure (ASS)Azetylsalizylsäure (ASS)ist wohl das bekannteste entzündungshemmende Schmerzmittel der Neuzeit.
Weihrauch (Boswellia serrata)
Ein sehr gut verträglicher Lipoxygenase-Hemmer Lipoxygenase-Hemmer:Weihrauchist Weihrauch,Weihrauch (Boswellia serrata) der phytotherapeutisch schon seit vielen Jahrhunderten u. a. zur Behandlung von Entzündungen Entzündungshemmung:Boswelliasäuren (Weihrauch)genutzt wird (natürlich nicht inhalativ, sondern durch orale Zufuhr). Der Wirkstoff des Weihrauchs, die Boswelliasäure, ist ein potenter Hemmstoff der Lipoxygenase und verringert dadurch die Produktion der Leukotriene, von denen einige als Entzündungsmediatoren wirken. Als biologisch aktive Komponente von Boswelliasäuren wurden Triterpene im Weihrauchharz von Boswellia serrata Boswellia serrata (Weihrauch)identifiziert. Belegt ist unter anderem ihre entzündungshemmende und immunsuppressive Wirkung.immunsuppressive Wirkung:Boswellia serrata (Weihrauch)
Klinische Untersuchungen an Patienten mit rheumatischen Beschwerden,rheumatische Erkrankungen/Beschwerden:Boswelliasäuren Colitis ulcerosa und Morbus Crohn zeigten vielversprechende Effekte. Die entzündungshemmende Wirkung von Boswelliasäuren wird direkt mit ihren Zielenzymen in Verbindung gebracht; bislang wurden die 5-Lipoxygenase, die B-Kinasen und die Elastase als solche Zielenzyme identifiziert. Zudem modulieren Boswelliasäuren proinflammatorische Zellen. Wegen der guten Verträglichkeit eignen sich Boswelliasäuren vor allem zur Behandlung chronischer Entzündungen.Entzündungen:chronische, Boswelliasäuren Die therapeutische Dosis liegt zwischen 400 und 1.200 mg/Tag.

Allopathische Pharmakotherapie bei Rückenschmerzen

Pharmakotherapie:allopathischeDie allopathische Behandlung von Rückenschmerzen Rückenschmerzen:Pharmakotherapieist in erster Linie eine symptomatische Therapie, die vor allem auf Schmerzlinderung Schmerzlinderung:Medikamenteund Entzündungshemmung ausgerichtet ist. Die verwendeten Medikamente sind meist stärker analgetisch und entzündungshemmend als ihre phytotherapeutischen Pendants, besitzen aber leider auch stärkere Nebenwirkungen.Pharmakotherapie:allopathische
Hier werden die wichtigsten, schulmedizinisch verwendeten Wirkstoffe beziehungsweise Medikamente in Gruppen zusammengefasst besprochen und anschließend ihre wichtigsten therapeutischen Aspekte in einer Übersicht dargestellt (Tab. 12.3).

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Entzündungshemmende Schmerzmittel mit einem nichtsteroidalen Molekülaufbau können zur symptomatischen Behandlung rheumatischer Beschwerden eingesetzt werden; man bezeichnet sie als nichtsteroidale Antirheumatika Antirheumatika, nichtsteroidale (NSAR)(NSARNSAR (nichtsteroidale Antirheumatika)). Als wichtigste Vertreter dieser Medikamentenklasse weisen sog. Zyklooxygenase-Hemmer Zyklooxygenase-Hemmer (COX-Hemmer)allerdings schwerwiegende gastrointestinale und renale Nebenwirkungen auf. Für die anfangs nur als Schmerzmittel und Antiphlogistika verabreichten NSAR gibt esheute immer mehr Anwendungsgebiete, z. B. die Infarktprophylaxe mit ASS.
Das Enzym Zyklooxygenase (COX) kommt in zwei Subtypen vor: als COX-1 und COX-2. Während COX-1 in vielen Geweben regelmäßig vorhanden ist, wird COX-2 meist erst durch Entzündungsvorgänge induziert. Die nichtsteroidalen Antirheumatika sind die wichtigsten Hemmstoffe der Prostaglandin- und Leukotriensynthese. Ihre Wirksamkeit beruht auf der Fähigkeit, die Zyklooxygenaseaktivität zu blockieren (COX-HemmerCOX-Hemmer). Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe ist Aspirin (Wirkstoff Azetylsalizylsäure Azetylsalizylsäure (ASS)bzw. ASS), das COX-1 bzw. COX-2 und damit die Bildung der Prostaglandine irreversibel hemmt (Abb. 12.7, vgl. auch Abb. 12.1).
Ein unerwünschter Effekt von nichtsteroidalen Antirheumatika nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)kann darin bestehen, dass es durch die vermehrte Verfügbarkeit von Arachidonsäure bei Hemmung der Zyklooxygenase zur gesteigerten Biosynthese von Lipoxygenase-Produkten kommt. Die kompensatorische Überproduktion von Leukotrienen (LT), bei der auch starke Bronchokonstriktoren wie LTB4 und LTC4 entstehen, wird (mit)verantwortlich für das Analgetika-AsthmaAnalgetika-Asthma gemacht. Weitere unerwünschte Nebeneffekte der COX-1-Hemmung sind eine verlängerte Blutungszeit und Magenschleimhautschäden.
Die antientzündliche Wirkung lässt sich vor allem auf die COX-2-Hemmung zurückführen. In Kenntnis der unterschiedlichen Enzymfunktionen wurde Ende der 1990er-Jahre eine neue Substanzklasse entwickelt, die zumindest teilweise selektiv die COX-2-Isoform hemmen kann. Diese Untergruppe der NSAR wird als selektive COX-2-Hemmer COX-2-Hemmer:selektive(Coxibe) bezeichnet. Dazu zählten vier in Deutschland zugelassene Substanzen: das Celecoxib (z. B. Celebrex), Rofecoxib (z. B. Vioxx), Parecoxib (z. B. Dynastat) und Valdecoxib (z. B. Bextra).

Der Fall Rofecoxib

Rofecoxib, HerzinfarktfälleRofecoxib musste jedoch 2003 vom deutschen Markt genommen werden, da vermehrt Herzinfarkte und Schlaganfälle nach der Einnahme aufgetreten waren. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war das Risiko dem Hersteller (Merck USA) bekannt. Anstatt es offenzulegen, wurde es im Gegenteil sogar noch vertuscht. Nach Recherchen der FDA (Food and Drug Association, oberste Arzneimittelbehörde in den USA) sind weltweit vermutlich mehr als 27.000 Fälle von Herzinfarkt und plötzlichem Herztod im Zeitraum zwischen 1999 und September 2004 durch das Präparat Vioxx ausgelöst worden.
In einem ersten Verfahren wurde Merck bereits zu 253 Millionen Dollar Schadensersatz verurteilt, doch es sind noch viele weitere Gerichtsverfahren anhängig.
Azetylsalizylsäure, Piroxicam, Indometacin und Ibuprofen hemmen bevorzugt COX-1, Diclofenac, Meloxicam und Naproxen hemmen COX-1 und COX-2, während Celecoxib und Rofecoxib zu den selektiven COX-2-Inhibitoren gehören.
Ein kurzfristiger Einsatz (einige Tage) solcher Medikamente kann meist ohne die Gefahr schwerwiegender Nebenwirkungen COX-Hemmer:Nebenwirkungenin Betracht gezogen werden. Insbesondere zur Durchbrechung des Teufelskreises von Schmerzen und Entzündungsreaktionen können sie manchmal gute Dienste leisten. Bei längerfristiger Anwendung steigt das Risiko, dass sich Magenschleimhautentzündungen Magenschleimhautentzündung:NSARbis hin zum Ulkus entwickeln. Daneben können Überempfindlichkeitsreaktionen Überempfindlichkeitsreaktionen:NSARund Nierenschäden Nierenschäden durch NSARauftreten.

Glukokortikoide

Die antiphlogistisch wirkenden GlukokortikoideGlukokortikoide:antiphlogistische WirkungGlukokortikoide greifen auf mehreren Ebenen ins Entzündungsgeschehen ein. Durch verminderte Synthese von Zytokinen (TNF- und Interleukin-1) hemmen sie eine Vielzahl von Entzündungsreaktionen. Sie unterdrücken auch die Prostaglandin- und Leukotriensynthese,Leukotriensynthese:Hemmung durch Glukokortikoide allerdings durch einen völlig anderen Mechanismus als Zyklooxygenasehemmer. Glukokortikoide induzieren die Bildung von Lipocortin, einem Protein, das Phospholipase A2 und damit die Freisetzung von Arachidonsäure aus Membranlipiden hemmt. Dementsprechend wurden sowohl die Leukotrien- als auch die Prostaglandinsynthese Prostaglandinsynthese:Hemmung durch Glukokortikoideblockiert (Abb. 12.7). Beide Wirkungen, die Hemmung der Prostaglandin-/Leukotriensynthese einerseits und die Hemmung der Zytokinproduktion andererseits, können dosisabhängig das Immunsystem fast vollständig blockieren. Aus diesem Grund erhielten Patienten früher nach Implantation eines Spenderorgans eine hochdosierte Glukokortikoidtherapie,Glukokortikoidtherapie:Immunsuppression um durch diese Immunsuppression eine Abstoßungsreaktion zu verhindern. Wegen starker Nebenwirkungen wurde bald auf Glukokortikoide verzichtet, als zu dem Zweck andere Immunsuppressiva zur Verfügung standen. Dexamethason Dexamethasonist der meistverwendete Wirkstoff dieser Medikamentenklasse.
In der osteopathischen Praxis leiden Patienten, die Kortison Kortisontherapie:rheumatische Erkrankungeneinnehmen, häufig an rheumatischen oder chronisch entzündlichen Erkrankungen Kortisontherapie:Colitis ulcerosawie beispielsweise Colitis ulcerosa.Colitis ulcerosa:Kortisontherapie Bei längerfristigem Einsatz kann sich die Beschaffenheit des Bindegewebes durch solche Medikamente verändern, da vermehrt Proteoglykane gebildet werden. Diese Moleküle haben ein hohes Wasserbindungsvermögen, was eine ödemartige Veränderung des Gewebes bewirken kann. Die Entwicklung einer Pergamenthaut Pergamenthaut:durch Kortisontherapieund Stammfettsucht Stammfettsucht:durch Kortisontherapiesind weitere sichtbare Veränderungen durch eine höher dosierte Kortisontherapie. Glukokortikoide können außerdem den Blutzuckerspiegel Blutzuckerspiegel:Erhöhung durch Glukokortikoideerhöhen und zu Osteoporose Osteoporose:durch Glukokortikoideführen.

Antipyretische Analgetika

Paracetamol sowie die Pyrazolonderivate Metamizol und Propyphenazon werden zur Unterscheidung von Opioid-Analgetika als antipyretische Analgetika Analgetika, antipyretischebezeichnet, weil sie fiebersenkend wirken.
Paracetamol Paracetamolist bei Zahn- und Kopfschmerzen Kopfschmerzen:Paracetamolwirksam, aber weniger bei entzündlichen und viszeralen Schmerzen. Der Wirkmechanismus ist unbekannt. Paracetamol wird im Körper an Glukuronsäure, Glutathion oder Schwefelsäure gebunden und in dieser Form renal ausgeschieden. Bei hohen Dosen (ca. 10 g) reicht der Glutathion-Vorrat der Leber nicht mehr zur Entgiftung aus; das Molekül reagiert mit Bestandteilen der Leberzellen und kann dadurch zu einer Leberzellnekrose Leberzellnekrose:durch Paracetamolführen. Möglicherweise kommt es bei regelmäßigem und jahrelangem Gebrauch von Paracetamol zu einer Nierenfunktionsstörung:durch ParacetamolNierenfunktions störung. Unter der Einnahme von Paracetamol Paracetamoldarf auf keinen Fall Grapefruit gegessen werden, denn in der Grapefruit Grapefruit und Paracetamolbefinden sich Substanzen, die paracetamolabbauende Enzyme in der Leber hemmen, sodass es zu einer gefährlichen Akkumulation von Paracetamol kommen könnte.
Metamizol ist das wirksamste der antipyretischen Analgetika und lindert auch viszerale Schmerzen. Der Wirkmechanismus ist unbekannt. Die Einnahme von Metamizol Metamizolkann mit dem sehr seltenen, aber ernsten Risiko einer Agranulozytose Agranulozytose durch Metamizolverbunden sein. Bei Metamizol:Agranulozytoseentsprechend sensibilisierten Patienten kann besonders nach intravenöser Gabe ein Metamizol:KreislaufschockKreislaufschock Kreislaufschock durch Metamizolauftreten.

Muskelrelaxanzien

MuskelrelaxanzienDie kleinste Baueinheit eines Skelettmuskels sind quergestreifte Muskelfasern, deren Kontraktion über Impulse der zugehörigen motorischen Nerven ausgelöst wird. Entsprechend den geplanten Bewegungsabläufen sendet das Gehirn zunächst Impulse ins Rückenmark. Dort erreichen sie -Motoneurone im Vorderhorn des Rückenmarks, deren Fortsätze gebündelt als motorischer Nerv zu den Skelettmuskeln Skelettmuskeln:motorische Nervenziehen. Über die Hinterwurzel ins Rückenmark gelangende sensible Reize können auch ohne Mitwirkung des Gehirns einfache Reflexbewegungen bewirken. Um zu verhindern, dass die ständig im Rückenmark eintreffenden sensiblen Reize eine Übererregung motorischer Nerven motorische Nerven:Skelettmuskelnbzw. eine Dauerkontraktion der Muskeln verursachen, sind zwischen die Nervengeflechte, über die sich die Impulse im Rückenmark ausbreiten, hemmende Nervenzellen (sog. inhibitorische Interneurone)Interneurone:inhibitorische geschaltet.
Die neuromuskuläre Erregungsübertragung neuromuskuläre Erregungsübertragungvon Erregungsübertragung:neuromuskuläremotorischen Nerven auf die Skelettmuskelfasern findet über folgende Stufen an der motorischen Endplatte Endplatten:motorische, Erregungsübertragungstatt:
  • Durch den Nervenimpuls wird Acetylcholin aus der Nervenendigung freigesetzt, das sich an Acetylcholin-Rezeptoren der motorischen Endplatte bindet.

  • Die Rezeptorbindung führt zur Depolarisation der motorischen Endplatte, mit einem fortgeleiteten Aktionspotenzial im umgebenden Sarkolemm.

  • Das führt in der Muskelfaser zur Ausschüttung von Ca2+ aus dem Speicherort, dem sarkoplasmatischen Retikulum.

  • Der Anstieg der Ca2+-Konzentration ruft eine Kontraktion der Myofilamente hervor.

Indem sie die Wirkung hemmender Interneurone im Rückenmark verstärken, senken Myotonolytika Myotonolytikaden Muskeltonus. Sie eignen sich zur Behandlung schmerzhafter Muskelverspannungen,Muskelverspannungen:Myotonolytika z. B. bei chronisch erhöhtem Muskeltonus.Muskeltonus:Myotonolytika
Benzodiazepine Benzodiazepineverstärken die hemmende Wirkung des Überträgerstoffs GABA an GABAA-Rezeptoren. Tetrazepam Tetrazepam(Musaril) ist ein weitverbreitetes Medikament aus dieser Gruppe. Tolperison Tolperison(Mydocalm), ein Piperidinabkömmling, verringert den peripheren Muskeltonus und wirkt am Hirnstamm. Flupirtin Flupirtin(Katadolon) ist ein fiebersenkendes Muskelrelaxans, dessen ZNS-Wirkung über eine Beeinflussung der Kaliumkanäle vermittelt wird.
Gemeinsam ist allen diesen Präparaten, dass sie die Wachheit (Vigilanz) beeinflussen. Aus diesem Grund fühlen sich viele Patienten nach der Einnahme wie benebelt und nicht mehr in der Lage, konzentrierte Tätigkeiten zu verrichten. Weitere bekannte Muskelrelaxanzien:NebenwirkungenNebenwirkungen dieser Substanzklasse sind Abhängigkeit, Mundtrockenheit, Miktionsbeschwerden und psychische Erregungszustände.

Antidepressiva und Neuroleptika

In den letzten Jahren zeichnet sich zunehmend die Tendenz ab, auch Antidepressiva Antidepressiva:Schmerztherapieoder Neuroleptika Neuroleptika:Schmerztherapiezur Schmerztherapie Schmerztherapie:Antidepressiva oder Neuroleptikaeinzusetzen, um vor allem die Schmerzwahrnehmung Schmerzwahrnehmung:Einfluss von Antidepressiva und Neuroleptikazu beeinflussen. Im Rahmen dieser Abhandlung wird diese Substanzklasse nicht näher erörtert.

Opioid-Analgetika

Opioid-Analgetika Opioid-Analgetikawerden entsprechend dem WHO-Stufenschema WHO-Stufenschema, Schmerztherapiezur Behandlung von chronischen Schmerzen angewandt, die sich mit anderen Schmerzmitteln Schmerztherapie:WHO-Stufenschemanicht (mehr) erfolgreich kontrollieren lassen. Wir erwähnen sie hier nur der Vollständigkeit halber. In der osteopathischen Praxis sind Patienten, die solche Medikamente einnehmen, eher selten vertreten. In der Regel sind es Tumorpatienten Tumorpatienten:Opioid-Analgetikaoder Patienten mit Sinterungsfrakturen,Sinterungsfrakturen:Opioid-Analgetika die wegen Kontraindikationen nicht operiert werden können.
Morphin Morphinist ein häufig verwendetes Opioid-Analgetikum, dessen Wirkung durch hemmende Effekte im Gehirn und Rückenmark vermittelt wird. Seine Bindung an Opioid-Rezeptoren führt zur Modulation der Schmerzweiterleitung Schmerzleitung:Modulation durch Morphin(Rückenmark) und der Schmerzwahrnehmung Schmerzwahrnehmung:Modulation durch Morphin(Gehirn). Hinsichtlich der Nebenwirkungen sind Opioid-Analgetika eigentlich sehr gut zu steuern, doch bei Überdosierung droht eine Atemdepression,Atemdepression:durch Opioid-Analgetika die tödlich enden kann.

Lokalanästhetika als Neuraltherapeutika

Bei der Neuraltherapie nach Huneke Neuraltherapie nach Hunekekommt das Lokalanästhetikum Procain zum Einsatz. Die gezielte Injektion von Procain Procain:Neuraltherapiesoll das vegetative Nervensystem beeinflussen und sowohl lokale als auch segmentale Reaktionen herbeiführen. Dazu werden vegetative Strukturen durch gezieltes Umspritzen mit Procain reversibel blockiert. Diese vorübergehende Impulsunterbrechung erfolgt in der Absicht, die vegetativen Membranfunktionen im Injektionsgebiet zu normalisieren, damit sich gestörte Regelkreise wieder harmonisieren können.
Das Lokalanästhetikum Lokalanästhetika:NeuraltherapieProcain wurde erstmals 1904 hergestellt. Bei seiner Anwendung in der Neuraltherapie ist der Begriff Lokalanästhetikum allerdings irreführend, da Procain Procain:sympathikolytische Wirkungseinen Einsatz dort nicht dieser Eigenschaft, sondern vielmehr seiner sympathikolytischen Potenz verdankt. Procain wirkt sympathikolytisch, antiinflammatorisch und zusätzlich perfusionssteigernd.

Orthomolekulare Pharmakotherapie bei Rückenschmerzen

Pharmakotherapie:orthomolekulareDie Bezeichnung orthomolekular stammt vom Pionier dieser Medizinrichtung, dem mehrfachen Nobelpreisträger Linus Pauling. Als orthomolekular orthomolekulare Medizin:Rückenschmerzenbeschrieb Pauling natürliche Stoffwechselsubstanzen, die in pharmakologischer Dosierung zu therapeutischen Zwecken genutzt werden können. Wichtige Beispiele für orthomolekulare Verbindungen sind Vitamine, Aminosäuren, Mineralien, Spurenelemente oder spezielle Fettsäuren. Einige dieser Verbindungen, die für Patienten mit Rückenschmerzen Rückenschmerzen:orthomolekulare Medizinin Betracht kommen, werden im Folgenden kurz skizziert. Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll nur einen Einblick in die hochkomplexe orthomolekulare Medizin vermitteln. Ein intensives Studium dieser Richtung kann dazu beitragen, die Effektivität der Behandlung unserer Patienten deutlich zu verbessern.

MERKE

Orthomolekulare Medizin (OM) versteht sich als Medizin der richtigen Moleküle, d. h., alle Substanzen, die physiologisch im Körper vorkommen, werden in entsprechender Dosierung dazu eingesetzt, Stoffwechselreaktionen im Körper zu beeinflussen.

Vitamin E

Funktionen
Antioxidative Wirkung
Vitamin EIm aeroben Metabolismus des Organismus entstehen permanent Sauerstoffradikale Sauerstoffradikale:Lipidperoxidationbzw. reaktive Sauerstoffverbindungen Sauerstoffverbindungen, reaktive (ROS)(reactive oxygen species, ROSreactive oxygen species (ROS)), die Fette, Proteine, Kohlenhydrate und die DNA schädigen können. In Zellmembranen führen Sauerstoffradikale (oder andere) zum Phänomen der LipidperoxidationLipidperoxidation, einer Kettenreaktion mit Zerstörung der Membranstrukturen.
Tokopherole und Tokotrienole sind bekannt für ihre effektive Hemmung der Lipidperoxidation in Nahrungsmitteln und biologischen Systemen. Als fettlösliche (lipophile) Substanz kann sich Vitamin E in Zellmembranen einlagern und sein Wasserstoffatom auf freie Radikale (Fettsäure-, Peroxid- oder Hydroxylradikale) übertragen. Wegen ihrer starken Affinität zu Lipidperoxid-Radikalen können diese Verbindungen unter Bildung von Vitamin-E-Radikalen entgiftet werden. Da Vitamin-E-Radikale aufgrund der chemischen Struktur der Tokopherole Tokopherolerelativ stabil sind, führen sie einen Abbruch der radikalischen Kettenreaktion herbei. Durch weitere Antioxidanzien Antioxidanzien(Vitamin C oder reduziertes Glutathion) werden Tokopherylradikale regeneriert.
Antiinflammatorische Wirkung
Vitamin E:EntzündungshemmungVitamin E kann in hohen Dosen ( 400 mg) Entzündungsreaktionen direkt oder indirekt hemmen, indem es ein Schlüsselenzym der Entzündungskaskade, die Zyklooxygenase, hemmt und damit die Bildung proinflammatorischer Prostaglandine (PGE2) unterbindet. Der indirekte entzündungshemmende Effekt Entzündungshemmung:Vitamin Eberuht auf der antioxidativen Eigenschaft von Vitamin E gegenüber freien Radikalen, die zu einer Zerstörung von Zellmembranen führen und proinflammatorisch wirken.
Weitere Funktionen
Weitere Einsatzgebiete, die hier nicht weiter ausgeführt werden sollen, sind Diabetes mellitus, Katarakt, chronisches Müdigkeitssyndrom, Arteriosklerose, Krebstherapie.
Nahrungsquellen und Bedarf
Vitamin E Vitamin E:Nahrungsquellen und Bedarfkommt vorwiegend in pflanzlichen Quellen wie Pflanzensamen und Nüssen (Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Walnüsse) sowie pflanzlichen Ölen (Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl) vor.
Einen erhöhten Vitamin-E-Bedarf haben Rückenschmerzpatienten,Rückenschmerzpatienten:Vitamin-E-Bedarf wenn anamnestisch typische Zeichen von erhöhtem oxidativem Stress vorliegen: z. B. Leistungssport, Rauchen, Alkoholkonsum, toxische Belastung oder Resorptionsstörungen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.
Empfohlene Anwendung
Vitamin E Vitamin E:als Antiphlogistikumwird v. a. im Rahmen entzündlicher GelenkerkrankungenGelenkerkrankungen:entzündliche als Antiphlogistikum in Dosierungen von 1.000 IE/Tag angewandt. Um tatsächlich die richtige Dosierung zu erreichen, muss bei einer Therapie mit Vitamin E darauf geachtet werden, welches Präparat ein Patient einnimmt. Da vor allem -D-Tokopherol pharmakologisch wirksam ist, gilt es zu beachten, dass bei Kombinationspräparaten aus - und -D-Tokopherol quasi nur die Hälfte der auf der Verpackung angegebenen Vitamin-E-Menge zur Verfügung steht. Gute Vitamin-E-Präparate sollten ausschließlich die Wirkform enthalten.
Bei sehr hohen Dosen von mehr als 3 g/Tag wurden vereinzelt Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Muskelschwäche beschrieben, die jedoch nach dem Absetzen schnell verschwanden.

Vitamin D

Vitamin D Vitamin Dwird in der Haut synthetisiert. Deshalb ist es im eigentlichen Sinne kein Vitamin, sondern ein Vitamin D:HormonHormon (D-Hormon) und wird nur noch aus historischen Gründen als Vitamin bezeichnet. Chemisch ist Vitamin D den Steroiden sehr ähnlich. Es entsteht aus der Vorstufe Cholesterin, das in 7-Dehydrocholesterin (Provitamin Ausgangssubstanz der Vitamin-D-Synthese) umgewandelt wird. Unter UV-B-Einfluss (Sonnenstrahlen) wird in der Haut zunächst Provitamin D3 und schließlich Vitamin D3 (Cholecalciferol)Cholecalciferol synthetisiert. Die biologisch aktive Form ist das 1,25-Dihydroxycholecalcitriol (CalcitriolCalcitriol). Vitamin D spielt eine wesentliche Rolle bei der Regulierung des Kalziumspiegels Kalziumspiegel:Vitamin Dim Blut und beim Knochenaufbau (ausführliche Darstellung des Metabolismus Kap. 3.4.1).
Funktionen
  • Knochen: Vitamin D Vitamin D:Funktionenstimuliert die Knochenmineralisation Knochenmineralisation:Vitamin Dund die Osteocalcin1

    1

    Osteocalcin ist ein Peptidhormon und Teil der extrazellulären nichtkollagenen Knochenmatrix. Ein Mangel geht mit verminderter Bruchfestigkeit und Einengung des Markraums der Knochen einher, wie es bei der Osteoporose der Fall ist. Darüber hinaus scheint es eine blutzuckersenkende und fettabbauende Wirkung zu haben.

    -Produktion in den Osteoblasten. Chronisch erniedrigte Werte führen zu einer Demineralisierung des Skeletts und zu Knochenschmerzen, auch im axialen System.

  • Darm: Vitamin D fördert die Kalziumaufnahme und stimuliert die Differenzierung sowie Proliferation einer gesunden gastrointestinalen Schleimhaut.

  • Niere: Vitamin D fördert die Reabsorption von Kalzium in den Nieren.

  • Weichteil- und Nervenregeneration:Nervenregeneration:Vitamin D Infolge einer abnormen Zellproliferation, z. B. bei einem Gewebetrauma, werden vermehrt Fibroblasten, Lymphozyten etc. gebildet. Vitamin D hemmt die abnorme Zelldifferenzierung und fördert die Regeneration Weichteilregeneration:Vitamin Dmyofaszialer und neuraler Strukturen.

  • Weitere Funktionen: In zahlreichen Körpergeweben befinden sich Vitamin-D-Rezeptoren, sodass es i. d. R. bei vielen Krankheiten eingesetzt werden kann: z. B. bei Herz-Kreislauf-, Autoimmun- oder Krebserkrankungen.

Nahrungsquellen
Vitamin D:NahrungsquellenVitamin-D-reiche Nahrungsquellen sind Lebertran, Seefische Seefische, Vitamin D(Hering, Makrele) und Süßwasserfische Süßwasserfische, Vitamin D(Aal, Lachs). Unter optimalen Bedingungen – Sonnenlicht im Sommer, 42. Breitengrad (Höhe Rom), heller Hauttyp – produziert die Haut täglich 6 IE/cm2, das entspricht einer Menge von ca. 10.000 IE Vitamin D (1 g Vitamin D 40 Internationale Einheiten [IE]).
Empfohlene Anwendung
In allen Bevölkerungsschichten ist häufig eine Unterversorgung mit Vitamin D anzutreffen. Bei nachweislichem Mangel, Vitamin-D-Mangel:KnochenschmerzenKnochenschmerzen Knochenschmerzen:Vitamin-D-Mangelund gestörter Weichteilregeneration Vitamin-D-Mangel:Weichteilregeneration, gestörtesind tägliche Einnahmen von 4.000 IE über einen langen Zeitraum unbedenklich.

Vitamin C

Funktionen
Vitamin C:FunktionenVitamin C Vitamin CVitamin C:antioxidative Wirkungist wie Vitamin E ein Radikalfänger mit antioxidativer Wirkung. Es entfaltet seine Wirkung im wässrigen Milieu des gesamten Körpers und ist an der Erneuerung von Vitamin E beteiligt, d. h. indirekt antiinflammatorisch wirksam (s. o.).
Bindegewebs- und Matrixregeneration
Zur Regeneration von Weichteilen Weichteilregeneration:Vitamin Cist ein regelrechter Ablauf der Kollagensynthese Kollagensynthese:Vitamin Cunerlässlich. Vitamin C induziert die Bildung von Hydroxyprolin aus der Aminosäure L-Prolin. Hydroxyprolin dient nicht nur zur Synthese von Kollagen, sondern ist auch für dessen mechanische Eigenschaften verantwortlich. Als Sulfatgruppenträger ermöglicht Vitamin C die Bildung von Glykosaminoglykanen (s. u.). Eine reibungslose Synthese dieser Verbindungen ist für die Regeneration der Matrix unentbehrlich, da Glykosaminoglykane Glykosaminoglykanenach Pischinger die Informationsübertragung zwischen den Zellen ermöglichen.
Analgetischer und Antistress-Effekt
Vitamin C kann bei einer Muskelüberlastung die Schmerzen Muskelschmerzen:Vitamin Cabschwächen und in pharmakologischer Dosierung analgetisch wirken.
Da Stress mit einem vermehrten Verbrauch von Vitamin C einhergeht (Stresshormone werden Vitamin-C-abhängig gebildet), können Patienten mit chronischem StressStress:chronischer von einer Substitution profitieren.
Weitere Funktionen
Vitamin C hat weitreichende Einsatzmöglichkeiten, deren Erläuterung den Rahmen dieses Buches sprengen würde, unter anderem Katecholaminsynthese, Entgiftung, Blutbildung, Immunmodulation, Antitumortherapie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen etc.
Nahrungsquellen
Vitamin C:Obst und GemüseFrisches Obst und Gemüse tragen zur Vitamin-C-Versorgung bei. Besonders reich an Vitamin C sind Acerola-Kirschen, Sanddorn, Johannisbeeren, Kiwi, Tomaten, Kohlsorten und Spinat. Viele Gemüsesorten enthalten eine Ascorbatoxidase, die beim Zerkleinern aktiviert wird. Daher droht ein erheblicher Vitamin-C-Verlust, wenn Obst oder Gemüse nicht sofort verzehrt wird.
Empfohlene Anwendung
Mangelsituationen sind selten. Bei Rückenschmerzen Rückenschmerzpatienten:Vitamin Cwird Vitamin C nur im Rahmen der Matrixdynamisierung Matrixdynamisierung:Vitamin Cund Entgiftungstherapie substituiert. Vitamin C:therapeutische DosenTherapeutische Dosen liegen zwischen 2 und 30 g/Tag. Zur oralen Hochdosistherapie empfiehlt sich ein gepuffertes Präparat, um eine Magenschleimhautreizung zu verhindern.

Vitamin B12

Vitamin B12 gehört zu einer Gruppe chemischer Verbindungen, die man als Cobalamine Cobalaminebezeichnet. Vitamin B12 Vitamin B12ist essenziell für die Zellteilung, Blutbildung und Nervenfunktion.
Funktionen
  • Nervensystem: Vitamin B12:FunktionenVitamin B12 ist wichtig für die aktive Zellteilung und die Neubildung von Zellen. Es ist an der Produktion von Neurotransmittern sowie an der Synthese der Myelinscheiden von Nerven beteiligt. Typische Symptome einer Vitamin-B12-Unterversorgung im hier behandelten Kontext sind Parästhesien und Hypästhesien der Extremitäten sowie ein gestörtes Tast-, Vibrations- und Schmerzempfinden.

  • Analgetische Wirkung: Vitamin B12:analgetische WirkungBei Rückenschmerzpatienten Rückenschmerzpatienten:Vitamin B12zeigt Vitamin B12 in pharmakologischer Dosierung (5000–10.000 g/Tag) analgetische Eigenschaften.

  • Weitere Funktionen: Vitamin B12 wird v. a. bei Blutbildungsstörungen, chronischem Müdigkeitssyndrom und funktionellen Mitochondriopathien (z. B. nitrosativer Stress) eingesetzt.

Nahrungsquellen und Bedarf
Vitamin B12:NahrungsquellenVitamin B12 kommt in tierischen Lebensmitteln wie Leber, Fleisch, Fisch, Ei und Milch vor.
Ein Mangel Vitamin-B12-Mangelentsteht durch unzureichende Zufuhr (Veganer) oder unzureichende Resorption aus dem Magen-Darm-Trakt. Für die Aufnahme ist der sog. Intrinsic-Faktor aus dem Magensaft unabdingbar. Der Intrinsic-Faktor bindet Vitamin B12 in einem Komplex und schützt es vor den Verdauungsenzymen. Im terminalen Ileum wird es in den Körper aufgenommen. Daher weisen Patienten mit einem Vitamin-B12-Mangel:Intrinsic-Faktor-MangelIntrinsic-Faktor-Mangel Intrinsic-Faktor-Mangel:Vitamin-B12-Mangel(nach Magen-OP oder durch Typ-A-Gastritis) sowie mit Entzündungen am Ileum (Morbus Crohn) typischerweise einen Vitamin-B12-Mangel auf. Bei Patienten mit einem chronischen Müdigkeitssyndrom und nitrosativem Stress nitrosativer Stresszeigt sich dagegen ein funktioneller Vitamin-B12-Mangel:funktioneller durch nitrosativen StressMangel an Vitamin B12, d. h., in ihrem Blut ist ausreichend Vitamin B12 vorhanden, das aber nicht den endogenen Anforderungen genügt.
Empfohlene Anwendung
Vitamin B12:DosierungDie pharmakologische Dosierung beträgt bis zu 1.000 g/Tag und sollte nur oral verabreicht werden, wenn die Aufnahme sichergestellt ist (kein Intrinsic-Faktor-Mangel und intakte Ileozäkalregion).

Magnesium

Bis heute sind ca. 300 Enzymreaktionen Enzymreaktionen:Magnesiumbekannt, deren Aktivität von Magnesium Magnesiumabhängig ist. 60 % der Magnesiumreserven im Körper befinden sich in Knochen Magnesium:Reserven im Körperund weitere 20 % in den Muskeln.
Funktionen
Energiestoffwechsel
Magnesium:FunktionenEine Hauptfunktion unseres metabolischen Systems besteht darin, die mit der Nahrung aufgenommenen Nährstoffe im Zitratzyklus und in der Atmungskette in chemische Energie Energiestoffwechsel:Magnesiumumzuwandeln. Für die Enzymaktivität bei diesen Vorgängen ist Magnesium notwendig. Trägheit, Abgeschlagenheit, Schwäche sowie Neigung zu Muskelkrämpfen Muskelkrämpfe:Magnesiummangelkönnen Zeichen eines Magnesiummangels sein.
Neuromuskuläre Reizübertragung
Magnesium spielt eine wichtige Rolle bei der Reizübertragung Reizübertragung:neuromuskuläre, Magnesiumin Nerven und Muskeln. Im Rahmen der funktionellen Wirbelsäulenrehabilitation ist eine ausreichende Versorgung mit Magnesium dringend notwendig.
Detonisierung der Muskulatur
Bei Patienten mit chronischem Muskelhartspann Muskelhartspann:Detonisierung mit Magnesiumscheint Magnesium einen regulierenden (detonisierenden) Effekt zu haben, der sich offenbar darauf zurückführen lässt, dass Magnesium an unspezifischen Bindungsstellen für Troponin C und Myosin mit Kalzium konkurriert.
Knochenstoffwechsel
Magnesium ist ein Strukturbestandteil von Knochen Knochen:Magnesiumund mit Vitamin D zusammen an deren Regeneration beteiligt. Unter dem hormonellen Einfluss von Östrogen wird mehr Magnesium ins Knochengewebe aufgenommen; das erklärt die steigende Häufigkeit einer Osteoporose,Osteoporose:Magnesiumsubstitution wenn in der Menopause der Östrogenspiegel abfällt. Viele Autoren halten die Magnesiumsubstitution für eine Grundvoraussetzung einer guten Osteoporosetherapie.
Weitere Funktionen
Weitere Einsatzmöglichkeiten für Magnesium sind kardiovaskuläre Erkrankungen und das chronische Müdigkeitssyndrom.
Nahrungsquellen und Mangel
Magnesium:NahrungsquellenGute Magnesiumquellen sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Sesam. Ein Magnesiummangel Magnesium:Mangelkommt verbreitet vor. Seit Langem ist bekannt, dass die landwirtschaftlich genutzten Böden immer mehr auslaugen und die Pflanzen deshalb relativ wenig Magnesium enthalten. Infolgedessen ernähren sich auch Tiere und Menschen als Teil des Ökosystems magnesiumarm. Mindestens 40 % der Bevölkerung sind nach Schätzungen unterversorgt.
Empfohlene Anwendung
Magnesium:therapeutische DosisDie therapeutische Dosis liegt bei 500–1.500 mg/Tag. Für eine gute Bioverfügbarkeit ist die Art der Magnesiumverbindung wichtig. Organische Magnesiumsalze Magnesiumsalzewerden meist besser aufgenommen (z. B. Magnesiumorotat, Magnesiumaspartat oder Magnesiumzitrat).

Mangan

Mangan Manganist ein essenzielles Spurenelement und wichtiger Bestandteil vieler Enzyme Enzymsysteme:Manganunseres Körpers.
Funktionen
  • Bindegewebsregeneration: Bindegewebsregeneration:ManganMangan Mangan:Bindegewebsregenerationwird zur Aktivierung der Glykosyltransferase benötigt. Glykosyltransferase ist an der Synthese von Proteoglykanen beteiligt. Bei niedrigen Werten werden daher nur eingeschränkt Hyaluronsäure, Chondroitinsulfat etc. gebildet, die für die Knorpelregeneration Knorpelregeneration:Manganwichtig sind. Mangan scheint dementsprechend auch den Knochenaufbau bzw. die Knochenregeneration Knochenregeneration:Manganzu beeinflussen.

  • Weitere Einsatzmöglichkeiten ergeben sich durch die Mangan:antioxidative Wirkungantioxidative Wirkung sowie bei gestörter Glukosetoleranz, Infertilität, Allergien etc.

Nahrungsquellen
Gute Manganquellen Mangan:Nahrungsquellensind Vollkornprodukte, Nüsse, Sojabohnen, Wurzeln und Knollen (Rübe, Pastinake, Schwarzwurzel). Problematisch ist die Manganversorgung bei Patienten, die sich im Wesentlichen mit tierischen Erzeugnissen und Fastfood ernähren.
Empfohlene Anwendung
Eine Mangansubstitution kommt bei Patienten mit Rückenschmerzen Rückenschmerzen:Mangansubstitutionin Betracht, wenn die Regeneration von Knochen und myofaszialen Strukturen unterstützt werden soll oder eine Pyrrolurie2

2

Kryptopyrrolurie (KPU) und Hämopyrrollaktamurie (HPU) sind kontrovers diskutierte Stoffwechselstörungen, denen vielfältige gesundheitliche Folgen zugeschrieben werden. Im muskuloskelettalen System führen diese Stoffwechselstörungen zu Rücken- und Gelenkschmerzen, hyperflexiblen Gelenken, Muskelzuckungen/-krämpfen und -schwäche.

(KPU, HPU) vorliegt. Die pharmakologische Dosierung liegt bei 2–50 mg/Tag.

Molybdän

Molybdän Molybdänist ein wichtiger Kofaktor in vielen zellulären Enzymsystemen.Enzymsysteme:Molybdän
Funktionen
  • Molybdän ist als Kofaktor der Sulfitoxidase an der Umwandlung schädlicher Sulfidverbindungen in Sulfate beteiligt und damit wichtig für die Knorpelgesundheit.

  • Weitere Anwendungsgebiete für Molybdän sind Entgiftungstherapien und Kariesschutz.Kariesschutz, Molybdän

Nahrungsquellen
Molybdän ist v. a. in Petersilie, Dill und Hülsenfrüchten enthalten.
Eine Unterversorgung ergibt sich in der Regel durch eine erhöhte Sulfitbelastung. Sulfite sind weitverbreitet und werden als Konservierungsmittel eingesetzt (v. a. in Wurstwaren).
Empfohlene Anwendung
Eine Sulfitbelastung bzw. übermäßiger Molybdänverbrauch kann zu Weichteilschmerzen, neurogenen Dysfunktionen und Kopfschmerzen führen. Die pharmakologische Dosis liegt bei 100 g/Tag. Entscheidend ist aber eine Veränderung des Lebensstils.

Hyaluronsäure, Glukosamin und Chondroitin

Hyaluronsäure Hyaluronsäureist Bestandteil der Synovialflüssigkeit und von Knorpelgewebe.Knorpelgewebe:Hyaluronsäure Sie besitzt eine hohe Wasserbindungskapazität und wirkt sich daher günstig auf Hyaluronsäure:GelenkknorpelGelenkknorpel Gelenkknorpel:Hyaluronsäureaus, indem sie ihm Elastizität und Stabilität verleiht.
Hyaluronsäure-Präparate (Suplasyn, Ostenil und GO-ON) können entweder in das betroffene Gelenk Gelenkinjektionen:Hyaluronsäureinjiziert oder oral verabreicht werden. Für die Anwendung haben zahlreiche Studien morphologisch positive Effekte nachgewiesen. An diesem Punkt setzt auch die klassische Substitutionstherapie an: 3–5 Injektionen in einwöchigem Abstand direkt ins Gelenk können 6–12 Monate lang Wirkung zeigen.

MERKE

Infektionsgefahr

Gelenkinjektionen:InfektionsgefahrWegen der potenziellen Gefahr Infektionsgefahr:intraartikuläre Injektioneneiner Gelenkinfektion wird die intraartikuläre Anwendung in der osteopathischen Praxis kaum eine Rolle spielen. Sie wird allerdings überhaupt nicht empfohlen, da die Fachgesellschaften sie wegen des beschriebenen Risikos ablehnen. Kommt es zu einer iatrogenen, infizierten Arthritis:iatrogeneArthritis, sind auch die Bedingungen für eine prothetische Versorgung äußerst schlecht.

Struktur bestimmt Funktion

Fasziale und artikuläre Impulstechniken haben sich als sehr effektive manuelle Therapie erwiesen. Zu beachten ist aber, dass die Struktur die Funktion bestimmt. Wenn der point of no return erreicht ist, wird eine endoprothetische Versorgung wahrscheinlich die beste Wahl für den Patienten sein.
Glukosaminsulfat Glukosaminsulfat:Gelenkknorpelist ein wesentlicher Bestandteil der Glykane im Gelenkknorpel.Gelenkknorpel:Glukosaminsulfat Als oral einzunehmendes Medikament oder sog. Nahrungsergänzung fördert es in Kombination mit Glukosaminsulfat:und ChondroitinChondroitin Chondroitin und Glukosamindie Bildung von Proteoglykanen in den Knorpelzellen. Wissenschaftliche Studien konnten in den vergangenen Jahren eine Strukturverbesserung des Gelenkknorpels Gelenkknorpel:Strukturverbesserungdurch diese Art der Anwendung nachweisen. Gängige Präparate wie beispielsweise Donna 200 oder Jointflex enthalten oft Extrakte aus Grünlippenmuscheln,Grünlippenmuschelextrakte die reich an Chondroitin und Glukosamin sind.
Die Einnahme oraler Chondroprotektiva Chondroprotektivabzw. Chondroregenerativa stellt einen langfristigen Therapieansatz dar, um vor allem eine Verlangsamung degenerativer Gelenkprozesse zu erreichen.

Literatur

Aldridge ZaubermoleküleBirkhäuser Verlag, 2000

S. Aldridge Zaubermoleküle 2000 Birkhäuser Verlag

Biesalski, 1997

H.K. Biesalski Vitamine 1997 Thieme Stuttgart

Grandt and Grandt, 2010

Grandt M, Grandt M. Antibiotika aus der Natur. 3. Aufl. Kopp Verlag, 2010.

Huneke, 1975

F. Huneke Das Sekundenphänomen 4. Aufl. 1975 Haug Stuttgart

Kuklinski, 2008

B. Kuklinski Das HWS-Trauma: Ursachen, Diagnosen und Therapie 3. Aufl 2008 Aurum Verlag

Schilcher/Kammerer/Wegener, 2010

Schilcher Kammerer Wegener Leitfaden Phytotherapie 4. Aufl. 2010 Urban und Fischer München

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen