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B978-3-437-58830-3.00009-X

10.1016/B978-3-437-58830-3.00009-X

978-3-437-58830-3

Aufbau von Proteoglykanen mit angelagerten Glykosaminoglykanen

[E352]

Aufbau des Bindegewebe:Pischinger-RaumBindegewebes bzw. des Pischinger-Pischinger-RaumRaums. Die eingezeichneten Pfeile deuten die Richtung des Stofftransports an: Sauerstoff- und Nährstoffabgabe aus den Arteriolen sowie Aufnahme von CO2 an den Venolen und Aufnahme von diversen Schlackenstoffen an den Endigungen der Lymphgefäße.

[L127]

Schematische Darstellung des Entgiftungssystems der Leber:BiotransformationLeber. Nicht ausscheidungsfähige Stoffe, meist lipophile Homotoxine, werden durch chemische Prozesse im Rahmen der Biotransformation in ausscheidungsfähige (wasserlösliche) Stoffe umgewandelt.

[O583]

Das monodirektionale Klappensystem:monodirektionales, LymphsystemKlappensystem in Lymphgefäßen

[E419]

Allgemeine Übersicht über den Lymphabfluss

[L190]

Matrixbelastung, metabolischer Stau und Entgiftung

[O583]

Quellen der Säuren:AusscheidungswegeSäurebelastung und deren wichtigste Ausscheidungswege

[O584, L143]

Übersicht über die Säure-Basen-Regulation

[L143]

Matrixdynamisierung

Pathik Hagemann

Thomas Kia

Philip Van Caille

  • 9.1

    Aufbau und Funktion des Bindegewebes310

    • 9.1.1

      Grundsubstanz und Grundregulation nach Pischinger310

    • 9.1.2

      Bindegewebszellen313

    • 9.1.3

      Fasertypen des Bindegewebes313

  • 9.2

    Gewebeheilung313

    • 9.2.1

      Entzündungen314

    • 9.2.2

      Organisation und Heilung314

  • 9.3

    Das lymphatische System315

    • 9.3.1

      Störungen des Flüssigkeitstransports317

    • 9.3.2

      Therapieansätze bei Störungen des lymphatischen Systems321

  • 9.4

    Säure-Basen-Haushalt und Matrix322

    • 9.4.1

      Bedeutung des pH-Werts322

    • 9.4.2

      Quellen der Wasserstoffionenbelastung324

    • 9.4.3

      Regulation des Säure-Basen-Haushalts325

    • 9.4.4

      Störungen im Säure-Basen-Haushalt327

    • 9.4.5

      Bedeutung der Bindegewebsmatrix für die Stabilität des pH328

Der Zellbegriff ist genau genommen nur eine morphologische Abstraktion. Biologisch gesehen kann er nicht ohne das Lebensmilieu der Zelle genommen werden.

Alfred Pischinger

In den ersten Kapiteln ist deutlich geworden, dass Chronizität und Therapieresistenz von Beschwerden nur durchbrochen werden können, wenn entsprechende Voraussetzungen für Heilungsprozesse geschaffen werden. Ziel einer effektiven Behandlung ist es, den Patienten aus einer Starre wieder in Bewegung zu bringen. Der Patient bzw. sein Gewebe wird durch gezielte Therapieformen in die Lage versetzt, den Anstoß zur Normalisierung wahrzunehmen und umzusetzen. Wenn Zellen über ausreichendes Regulationspotenzial verfügen, kann der Prozess der Selbstheilungsprozess:MatrixSelbstheilung in Gang gebracht werden. Die Matrix:SelbstheilungsprozessMatrix mit ihren komplex vernetzten humoralen, vaskulären und sensorischen Systemen ist dabei die wichtigste Struktur, die eine Regeneration und Selbstheilung letztendlich ermöglicht oder auch blockiert.

Aufbau und Funktion des Bindegewebes

Bindegewebe:Aufbau und FunktionWie bestimmt der Aufbau des Bindegewebes seine Funktion?
Das Bindegewebe ist Bestandteil aller Organe und Strukturen im Organismus. Es besteht aus einer Population spezialisierter Bindegewebszellen, die untereinander keine direkten Verbindungen haben und in große Mengen interzellulärer Substanz bzw. Matrix\ts.a. GrundsubstanzMatrix eingebettet sind. Wegen der großen Unterschiede im Aufbau einzelner Gewebe wird das Bindegewebe auch als das Chamäleon der Gewebearten bezeichnet.

MERKE

Das Bindegewebe weist drei wichtige Elemente auf: Grundsubstanz\ts.a. MatrixGrundsubstanz, Zellen und Fasern.

Die extrazelluläre Matrix besteht aus der sog. Grundsubstanz mit darin eingebetteten Fasern. Bindegewebszellen:extrazelluläre MatrixBindegewebszellen und extrazelluläre Matrix:extrazelluläreMatrix haben innerhalb des jeweiligen Gewebetyps sehr unterschiedliche Eigenschaften, die dessen Aufgaben und Funktionen bedingen. Die extrazelluläre Matrix kann beispielsweise sehr reißfest (wie bei Sehnen) oder sehr stabil und kompakt (wie bei Knochen) sein. Im Gegensatz dazu liegt im Blut eine fast vollständig flüssige Matrix vor.
Bindegewebe:Entwicklung aus MesenchymBindegewebe entwickelt sich aus dem embryonalen Mesenchym:embryonalesMesenchym und ist sehr variabel vaskularisiert. Knorpelgewebe ist beispielweise völlig avaskulär, faseriges Bindegewebe wird mäßig durchblutet und andere Bindegewebstypen können auch stark vaskularisiert sein.
Die Matrix stellt in der Regel den entscheidenden Faktor für die Funktionsfähigkeit des Bindegewebes dar. Sowohl mechanisch-chemische als auch energetische Eigenschaften des Bindegewebes werden durch die Qualität und Dynamik der MatrixMatrix vermittelt.

Grundsubstanz und Grundregulation nach Pischinger

Als GrundsubstanzGrundsubstanz bezeichnet man das scheinbar unstrukturierte Material, das den Raum zwischen den Zellen und Fasern des Bindegewebes füllt. Es ist eine inkonstante, gelartige Substanz aus interstitieller Flüssigkeit, die Haftproteine, Proteoglykane, freie Nervenendigungen (v. a. von vegetativen Fasern) und Lymphgefäße enthält.
Haftproteine HaftproteineGrundsubstanz:Haftproteinewie Fibronektine, Laminine und andere Proteine üben eine Kleberfunktion aus; sie tragen dazu bei, die Zellen an anderen Matrixstrukturen zu befestigen.
Proteoglykane ProteoglykaneGrundsubstanz:Proteoglykanesind Moleküle mit einer zentralen Proteinkette, von der zahlreiche Zuckerketten, sog. Glykosaminoglykane (GAGs) abzweigen, sodass sich eine farnähnliche Fächerstruktur ergibt (Abb. 9.1).
Glykosaminoglykane (GAGs) Matrix:Glykosaminoglykane Glykosaminoglykanebestehen aus unverzweigten Polysaccharidketten (Ketten aus vielen aneinanderhängenden Zuckermolekülen), die unterschiedlich häufig im Organismus vorkommen. Durch spezielle Glykosaminoglykan-Typen erhält die extrazelluläre Matrix in verschiedenen Geweben ihre speziellen Eigenschaften im Hinblick auf Diffusionsfähigkeit oder Bindung anderer extrazellulärer Substanzen. Wegen der Sulfatierung tragen die Moleküle stark negative Ladungen, durch die sich die Bindungsfähigkeit für Kationen (auch H+-Ionen)
und Wasser erhöht. Glykosaminoglykane können aufgrund ihrer Zusammensetzung in vier Gruppen eingeteilt werden:
  • Hyaluronsäure

  • Chondroitinsulfat und Dermatansulfat

  • Keratansulfat

  • Heparansulfat und Heparin

Mit Ausnahme der Hyaluronsäure sind die Glykosaminoglykane mit Proteinen zu Proteoglykanen verknüpft. All diesen Verbindungen gemeinsam ist eine hohe Wasserbindungsfähigkeit:ProteoglykaneProteoglykane:WasserbindungsfähigkeitWasserbindungsfähigkeit, die aus dem polaren Molekülaufbau resultiert. So vielseitig wie ihre Struktur sind auch die Funktionen der Proteoglykane:SignaltransduktionProteoglykane:PufferfunktionProteoglykane:DiffusionProteoglykane. Ihre wichtigsten Aufgaben sind:
  • Ausbildung wasserhaltiger Gele

  • Pufferfunktion für saure Stoffwechselprodukte

  • Beteiligung an der Signaltransduktion (Signalübertragung) zwischen Zellen

  • Regulation der Funktion und Aktivität bestimmter Proteine

  • Filterfunktion und Diffusionsstrecke

HyaluronsäureHyaluronsäure und ChondroitinsulfatChondroitinsulfat kommen außerdem oft im Rahmen einer orthomolekularen Therapie bei Patienten mit degenerativen Veränderungen des muskuloskelettalen Systems zum Einsatz (Kap. 12.3.2).
Die innerhalb der Grundsubstanz:FasernGrundsubstanz:DiffusionGrundsubstanz eingebetteten Fasern verleihen ihr eine netzartige Stabilität und wirken hemmend auf Diffusionsvorgänge. Als Diffusion bezeichnet man den passiven Transport von Substanzen zwischen zwei Kompartimenten mit unterschiedlich hoher Substanzkonzentration. Dabei bewegen sich Ionen und Moleküle grundsätzlich vom Ort der höheren Konzentration zum Kompartiment mit der niedrigeren Konzentration. Folgende Faktoren beeinflussen die DiffusionDiffusion:
  • Konzentrationsunterschiede

  • Dicke der Zellmembranen, die durchdrungen werden müssen

  • Umgebungstemperatur

  • Form der gelösten Teilchen und

  • Eigenschaften des Lösungsmittels selbst

Diffusion:im BindegewebeDiffusion ist ein langsamer, aber im Bindegewebe:DiffusionBindegewebe ständig ablaufender Prozess. Ein gutes Beispiel für Diffusion und Aktivität im Bindegewebe bzw. zwischen extra- und intrazellulärem Raum ist der Austausch von Sauerstoff. Aus den Kapillaren kommt ständig Sauerstoff in die Zellen, da dort eine geringere O2-Konzentration herrscht. In der Zelle wird Sauerstoff zur Energiegewinnung verbraucht, wodurch das O2-Konzentrationsgefälle zwischen intra- und extrazellulärem Kompartiment bestehen bleibt. Auf diese Weise findet ständig und ununterbrochen eine Sauerstoffdiffusion:BindegewebeSauerstoffdiffusion aus den kapillären Endstromgebieten zu den Zellen statt. Dabei wird in den Zellen Kohlendioxid produziert, das wiederum über Diffusion in den interzellulären Raum und von dort in die venösen Blutgefäße gelangt.
Die mit diesem Aufbau des Bindegewebe:Aufbau und FunktionBindegewebes verbundenen Funktionen werden nach Pischinger auch als Grundsystem der Grundsystem der Regulation (Pischinger)Regulation bezeichnet (Abb. 9.2). Pischinger, der als Anatom an der Universität Wien forschte und lehrte, war der erste Wissenschaftler, der die immense Bedeutung des Bindegewebes für alle Zellfunktionen erkannte. Pischingers System der Pischinger-System der GrundregulationGrundregulation hat von Heine am anatomischen Institut der Universität Witten/Herdecke weiterentwickelt. Auch das von Lamers, van Wijk und Linnemans aus Utrecht (NL) entwickelte Basis-Bio-Regulations-System (BBRS)Basis-Bio-Regulations-System (BBRS) basiert auf Pischingers System. Es beschreibt, wie die wichtigsten Vitalprozesse unter Kontrolle des zentralen Nervensystems im Pischinger-Pischinger-RaumRaum ablaufen. Dies umfasst Vorgänge wie die Zellstoffwechselaktivität und die Zellatmung, die Steuerung der Durchblutung, des Energiehaushalts und des Säure-Basen-Gleichgewichts.
Beim Auftreten einer Störung im Organismus werden als erste Reaktion auf den Reiz Maßnahmen im Grundsystem ausgelöst, die eine weitere Entgleisung des Organismus verhindern sollen. Unter optimalen Bedingungen kann eine pathologische Irritation dadurch sofort neutralisiert werden. Die zuvor genannten Forscher haben aufgezeigt, dass sehr viele Faktoren Störungen im Grundsystem hervorrufen können. Langzeit- bzw. chronische Störungen wie Narben, Herdinfektionen, Verklebungen, Degenerationen oder akute Störungen wie Infekte und Traumen können sowohl zu lokalen Beschwerden als auch zu Auswirkungen auf den ganzen Organismus führen. Wird immer wieder eine Reaktion des Bindegewebes stimuliert, entwickeln sich zwei sehr wichtige Phänomene:
  • Der Organismus des Patienten wird reizempfindlicher und

  • Dysfunktionen:ChronifizierungDysfunktionen zeigen eine Tendenz zur Chronifizierung.

Praxisbezug

Patienten mit einer Störung im Grundsystem erweisen sich in der osteopathischen Praxis häufig als therapieresistent. Therapeutische Reize können im Bindegewebe solcher Patienten nur eine eingeschränkte Reaktion bewirken.
Auch das genetische Potenzial von Bindegewebszellen lässt sich nur insoweit vollständig ausschöpfen, als die extrazelluläre Matrix:epigenetische FaktorenMatrix bzw. die dynamische Grundsubstanz es zulässt. Dies hat etwas damit zu tun, dass Milieuparameter wie der pH-Wert oder die Temperatur als epigenetische Faktoren wirken und die funktionelle Nutzung der DNA mit beeinflussen können. Entgleist das Basis-Bio-Regulations-System, wird auch das vegetative Nervensystem gestört und eine inadäquate Reizverarbeitung ist die Folge.
Anfang der 30er-Jahre publizierte Prof. Eppinger von der Wiener Schule eine Arbeit mit dem Titel: Die Permeabilitätspathologie als die Lehre vom Krankheitsbeginn. Darin hat er dargestellt, dass Krankheit bzw. Beschwerden aufgrund von Permeabilitätsänderungen der Zellen im Gewebe entstehen. In dieser Arbeit wird die Bedeutung der humoralen Funktionen in krankem und gesundem Gewebe aufgezeigt. Das Zellmilieu:BindegewebeZellmilieu des Bindegewebe:ZellmilieuBindegewebes ist der eigentliche Ort, an dem sich die primären Regulationsprozesse eines lebenden Organismus abspielen.

Matrixdynamisierung

Bei der Behandlung unterschiedlichster Strukturen in einem Organismus sollte immer auch das umgebende Zellmilieu, also die Matrix, mitbehandelt werden. Das ist mit dem Begriff MatrixdynamisierungMatrixdynamisierung gemeint.

Bindegewebszellen

Jeder Bindegewebetyp weist eine bestimmte Art von Zellen auf. Die undifferenzierten Grundtypen dieser BindegewebszellenBindegewebszellen sind aktive mitotische Zellen, die Grundsubstanz und Fasern produzieren. Je nach Gewebetyp können sie als FibroblastenFibroblasten im allgemeinen Bindegewebe, als ChondroblastenChondroblasten im Knorpel, als OsteoblastenOsteoblasten im Knochengewebe oder als hämatopoetische Stammzellen:hämatopoetischeStammzellen im Knochenmark beschrieben werden. Hämatopoetische Stammzellen produzieren allerdings keine Matrix.
Im ausgereiften Zustand verringern diese Bindegewebszellen:GeweberegenerationBindegewebszellen ihre Aktivität. Im Fall einer Verletzung können ausgereifte Zellen allerdings erneut mit einer Mehrproduktion von Matrix reagieren, um eine entsprechende Regeneration des Geweberegeneration:BindegewebszellenGewebes einzuleiten.
Im Bindegewebe finden sich auch noch andere Zelltypen, wie Fettzellen und mobile Zellen, die aus dem Blutkreislauf ins Bindegewebe einwandern. Zu den mobilen Zellen gehören weiße Blutzellen wie Neutrophile, Eosinophile und Lymphozyten sowie Mastzellen, Makrophagen und Plasmazellen, deren gemeinsame Funktion die Immunabwehr ist.

Fasertypen des Bindegewebes

Die in der Grundsubstanz eingebetteten Fasern sind allesamt komplexe Proteine, die für Stabilität im Bindegewebe:FasertypenBindegewebe sorgen. Dabei kommen drei Fasertypen vor: Kollagenfasern, elastische und retikuläre Fasern.
  • Kollagenfasern sind die am stärksten belastbaren und häufigsten Bindegewebsfasern. Sie entstehen aus den Vorstufen von Kollagenmolekülen, die von Bindegewebszellen gebildet und in den Extrazellularraum abgegeben werden. Dort lagern sich diese Prokollagenmoleküle zu dicken Kollagenfasern aneinander. Der molekulare Aufbau verleiht ihnen eine fast unglaubliche Reißfestigkeit: KollagenfasernKollagenfasern:ReißfestigkeitKollagenfasern sind relativ stärker als Stahldrähte des gleichen Durchmessers.

  • Elastische Fasern elastische Fasernsind lange, dünne, vernetzte Fasern in der extrazellulären Matrix:elastische FasernMatrix. Sie enthalten ein gummiartiges Eiweiß, das Elastin genannt wird und für die elastische Fasern:DehnbarkeitDehnbarkeit des Gewebes verantwortlich ist. Durch diese elastische Qualität kann sich das Bindegewebe dehnen, bis sich die Kollagenfasern anspannen. Elastische Fasern finden sich vermehrt in Geweben, die möglichst dehnbar sein sollten, z. B. in der Wirbelsäule (Lig. flavum), Haut, Lunge oder Blutgefäßen.

  • Retikuläre Fasern retikuläre Fasernsind kurze, dünne, kollagenähnliche Fasern. Sie sind vor allem um Gefäße und Organe herum zu finden. Retikuläres Bindegewebe:retikuläre FasernBindegewebe ist das wichtigste Material zum Auffüllen der Räume zwischen den Organen.

Gewebeheilung

Eine Voraussetzung für die Heilung von Gewebeschädigungen ist, dass Zellen sich teilen und wandern können. Zellteilung und Zellmigration werden durch Wachstumsfaktoren ermöglicht, die aus einem verletzten Gewebe freigesetzt werden. Die GewebeheilungHeilung kann in zwei unterschiedlichen Formen stattfinden: durch Regeneration:GewebeheilungRegeneration oder Fibrosierung:GewebeheilungFibrosierung. Welcher Heilungsprozess stattfinden wird, ist vom Gewebetyp und von der Schwere der Verletzung abhängig. Unter Regeneration Geweberegenerationversteht man den Ersatz von beschädigtem Gewebe durch identisches gesundes Gewebe. Wird ein verletztes Gewebe durch NarbengewebeNarbengewebe ersetzt, spricht man Gewebeheilung:Fibrosierungvon Fibrosierung.

Entzündungen

Die Entzündungsreaktion Entzündungsreaktion:Gewebeheilungist der erste Schritt zur Gewebeheilung:EntzündungsreaktionGewebeheilung nach einer Verletzung. Posttraumatisch sorgen verletzte Zellen, Makrophagen, Mastzellen und andere Zellen für die Freisetzung von EntzündungsmediatorenEntzündungsmediatoren, zu denen unter anderem Histamin und Bradykinin gehören. Insbesondere HistaminHistamin wirkt dilatierend auf Blutgefäße und erhöht außerdem deren Permeabilität (Durchlässigkeit). Das hat zur Folge, dass spezifische Leukozyten wie Neutrophile oder Monozyten, aber auch Plasma mit Gerinnungsfaktoren und Antikörpern ins verletzte Gewebe gelangen.
Durch die Entzündung und Verletzung abgestorbene Zellen werden abgebaut und über ein intaktes, gut funktionierendes lymphatisches System abtransportiert.

Organisation und Heilung

Schon während des Entzündungsprozesses beginnt das verletzte System, sich zu reorganisieren. Im Verletzungsbereich ausgetretenes, geronnenes Blut wird durch GranulationsgewebeGranulationsgewebe ersetzt. Granulationsgewebe ist reich an Kapillaren, die aus dem umliegenden Gewebe in den traumatisierten Bereich einwachsen. Gewebeheilung:FibroblastenProliferierende Fibroblasten im Granulationsgewebe:FibroblastenGranulationsgewebe produzieren Wachstumsfaktoren und Kollagenfasern – damit verheilt der verletzte Bereich. Während die Makrophagen u. a. Blutgerinnsel abbauen, bilden die Fibroblasten:WachstumsfaktorenFibroblasten:KollagenfasernFibroblasten weitere Kollagenfasern:FibroblastenKollagenfasern. Wenn genügend neue Matrix produziert ist, wechseln die Fibroblasten in einen reduzierten Funktionsmodus über oder sterben gezielt ab (durch Apoptose programmierter und kontrollierter Zelltod).
Regenerative Kapazität von Gewebe
Was bedeutet gute Heilung und welche Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle?
Gewebetypen:RegenerationsfähigkeitDie Regenerationsfähigkeit:GewebeRegenerationsfähigkeit eines verletzten Bereichs ist stark vom Gewebetyp und von der physiologischen Heilungsdynamik der Matrix:HeilungsdynamikMatrix abhängig. Eine gute Heilung des Gewebes stellt wieder einen Zustand vergleichbarer physiologischer Qualitäten wie vor der Verletzung her. Eine schlechte Heilung führt dagegen zu vermehrter Narbenbildung. NarbengewebeNarbengewebe ist zwar sehr fest und kompakt, aber nicht flexibel und elastisch. Es kann also die normale Gewebefunktion nicht ersetzen.
Epithelien, Knochen und Fasergewebe regenerieren sich in der Regel sehr gut, glattes Muskelgewebe und faseriges Bindegewebe nur mäßig gut, Skelettmuskelgewebe und Knorpel hingegen relativ schlecht. Neben solchen gewebetypischen, genetisch bestimmten Faktoren spielt auch die Verfügbarkeit von Bausteinen zur molekularen Regeneration eine wichtige Rolle bei der Heilung. So ist beispielsweise jede Form von Bindegewebe:ReparaturBindegewebsreparatur (vor allem die Kollagensynthese) auf Vitamin C angewiesen. Ausreichende Mengen an essenziellen Aminosäuren, der Spurenelemente Zink und Magnesium sowie der Vitamine C, E und A sind ebenfalls wichtige Voraussetzungen für eine effektive Wundheilung. Da die Bereitstellung dieser Substanzen für Bindegewebszellen über Diffusionsvorgänge in der Matrix erfolgt, hat auch die Funktionsfähigkeit der Matrix Einfluss auf die Heilungskapazität eines Gewebes.

MERKE

Je günstiger der Gewebetyp und je besser die Qualität der Matrix:Qualität, GewebeheilungMatrix, desto besser verläuft die Gewebeheilung:MatrixqualitätHeilung bzw. desto weniger Narbengewebe wird gebildet.

Viele strukturelle Techniken in der Osteopathie führen zu einer lokalen Entzündung, die bewusst ausgelöst wird, um die Regeneration des Gewebes zu induzieren.

Schwingungen und Rhythmusverlust
Forschungen im Bereich der Zellbiologie haben gezeigt, dass die Leistungsfähigkeit von Zellen direkt vom Zustand der extrazellulären Matrix abhängt. Wissenschaftler aus Erlangen haben herausgefunden, dass bei geschädigten Zellen bzw. Zellgruppen in Dysfunktion das Zeitmuster gestört ist. Wenn physiologische Geweberhythmen, physiologischeGeweberhythmen verloren gehen, treten Defizite im physikalisch-chemischen Zellmetabolismus auf. Die Zellstrukturen ziehen sich zusammen, ihre rhythmische Aktivität kommt zum Erliegen und es finden Veränderungen im Bindegewebe statt, die am Anfang noch reversibel sind. Es ist bekannt, dass sich irreversible Veränderungen im Gewebe manifestieren können, wenn Stoffwechselstörungen lange genug bestehen bleiben.
Gewebeheilung:MatrixdynamikZur Heilung von verletztem Bindegewebe und zu seiner Dynamisierung sind also zwei Faktoren sehr wichtig:
  • Die Matrix muss dynamisch reaktionsfähig sein, d. h. mit entsprechenden Reaktionen auf Reize antworten können. Oberstes Ziel ist demnach die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der lokalen Homöostase. Eine gesteigerte Sympathikusaktivität führt immer zur Hemmung der Matrixdynamik:GewebeheilungMatrixdynamik.

  • Die Matrix braucht entsprechende Anreize, um die Zellen zu reaktivieren und die zellulären Rhythmen wieder in Bewegung zu versetzen. Viele bekannte Techniken wie General Osteopathic Treatment (GOT), harmonisierende Lederman-Techniken oder eine Matrixmobilisierungstherapie setzen solche Reize durch repetitive rhythmische Impulse.

Das lymphatische System

Das aus unterschiedlichen Strukturen aufgebaute LymphsystemLymphsystem stellt neben dem Blutkreislauf das zweite Flüssigkeitstransportsystem im menschlichen Körper dar. Seine wichtigsten Aufgaben sind:
  • Bildung und Transport der Lymphflüssigkeit durch Lymphkapillaren, -gefäße und -gänge,

  • immunologische Verarbeitung der LymphflüssigkeitLymphe durch Lymphknoten und -gewebe sowie die lymphatischen Organe.

Wenn man die TransportsystemeTransportsysteme für Körperflüssigkeiten im menschlichen Organismus betrachtet, wird schnell deutlich, dass das Haupttransportsystem das Herz-Kreislauf-System ist. Das Herz erzeugt durch seine zentrale Pumpwirkung den Druck, der für die Bewegung des Blutes notwendig ist. So gelangen die notwendigen Nährstoffe für die Zellen über das arteriöse Kapillarnetz in die Endstromgebiete und über den Extrazellularraum weiter zu den Zielzellen. Der Abtransport von Schlackenstoffen und Toxinen sowie von CO2 erfolgt über das venöse sowie das lymphatische System.
Diese Dynamik vermittelt uns den Eindruck, dass in diesem System ständig ein Transport in zwei Richtungen abläuft. Während die Zufuhr von Substanzen zum Extrazellularraum Extrazellularraum:Zufuhroft ohne Probleme gelingt, kann deren Elimination unvollständig sein. Das venöse System ist nur teilweise in der Lage, das Grundsystem von belastenden Stoffen zu befreien. Dies liegt einerseits daran, dass Fette und fettlösliche (lipophile) Homotoxine1

1

Der Begriff Homotoxine wurde von dem Arzt Hans-Heinrich Reckeweg geprägt. Homotoxine sind Schadstoffe, die durch metabolische Prozesse vom Körper selbst produziert werden (Endotoxine) und Schadstoffe, die der Mensch von außen zu sich nimmt (Umweltgifte Exotoxine).

nicht in das venöse System übertreten können. Nur das Lymphsystem ist in der Lage, diese Stoffe aus dem Interstitium abzutransportieren. Andererseits ist auch die Sogwirkung des venösen Rückstroms nicht so stark, dass Homotoxine:lipophileHomotoxine vollständig aus der Matrix aufgenommen und abtransportiert werden. Das Lymphsystem:Drainage des ExtrazellularraumsLymphsystem ist in diesem Zusammenhang ein unentbehrliches, paralleles Transportsystem, das zur Drainage des Extrazellularraums Extrazellularraum:Drainage über Lymphsystembenötigt wird.
Lymphkapillaren sind dünnwandige, mit einschichtigem Endothel ausgekleidete Gefäße. Sie durchziehen den Extrazellularraum und drainieren das Grundsystem von belastenden Stoffen. Nebenprodukte des Zellstoffwechsels wie Makromoleküle, Toxine und Mikroorganismen fließen in einem gut funktionierenden Lymphsystem in monodirektionaler Richtung ins Gefäßsystem ab. Stauen sich diese Homotoxine, können sie die Übertragung von Mediatoren in der Matrix blockieren und dadurch einen Mangelzustand von Substanzen für enzymatische Prozesse bewirken.
Mit dem Einschleusen von Toxinen in das lymphatische System ist ihre Elimination natürlich noch nicht beendet. Nachdem der Lymphfluss im Blutgefäßsystem gemündet ist, werden wasserlösliche Toxine:AusscheidungToxine im Wesentlichen renal ausgeschieden. Lipophile Toxine:wasserlöslicheToxine:lipophileToxine müssen zunächst in die Leber aufgenommen und dort in eine ausscheidungsfähige (wasserlösliche) Form umgewandelt werden (Abb. 9.3). Dieser Teil des Stoffwechsels, also der Umbau nicht ausscheidungsfähiger Substanzen in eine ausscheidungsfähige Form, wird auch als BiotransformationBiotransformation Toxine:Biotransformationbezeichnet und ist überwiegend in der Leber lokalisiert.

Matrixdynamik und lymphatisches System

Das lymphatische System bzw. die Stoffwechseldynamik spielen eine Schlüsselrolle für die Funktion des Grundsystems und beeinflussen ganz erheblich die Matrixdynamik:LymphsystemMatrixqualität. Dynamik und Funktion der Matrix sind direkt proportional mit der physiologischen Transportfähigkeit des Lymphsystem:MatrixdynamikLymphsystems verbunden.
Das lymphatische System verfügt nicht über eine Pumpe wie das kardiovaskuläre System. Der Lymphfluss stellt sich als langsame Bewegung mit niedrigem Druck dar, wobei sehr unterschiedliche Flüssigkeitsvolumina bewegt werden. Die Bandbreite reicht von 2 Liter/Tag in Ruhe bis zu 20 Liter/Tag bei hoher Aktivität. Die Mechanismen, die den LymphflussLymphfluss ermöglichen, hängen mit unterschiedlichen physiologischen Funktionen zusammen:
  • Lymphgefäße:Klappensystem, monodirektionalesLymphgefäße können durch ihre Kontraktion und Entspannung die Flüssigkeit voranbewegen. Dabei verhindert ein monodirektionales Klappensystem den Rückfluss (Abb. 9.4). Diese physiologische Lymphfluss:LymphgefäßdynamikLymphgefäßdynamik kann durch eine neurovegetative Entgleisung beeinträchtigt werden. Ein dominanter Sympathikotonus ist nicht selten Ursache eines metabolischen Staus bzw. eines eingeschränkten Toxinabtransports (Kap. 10, Einzelheiten zu den neurovegetativen Funktionen und Dysfunktionen).

  • Lymphfluss:Zwerchfell/AtmungDas Zwerchfell bzw. die Atmung ist die zweite Kraft für die Bewegung der Lymphe. Die dynamischen Druckänderungen durch ein funktionierendes Diaphragma sind entscheidend für die Beförderung der Lymphflüssigkeit vom Bauchraum in den Thorax. Auch hier verhindern Klappen einen Reflux.

  • Lymphfluss:MuskelkontraktionenAls dritter Faktor sind Muskelkontraktionen der entscheidende und wichtigste Motor für die Dynamik im Lymphsystem. Durch Druckänderungen bei der muskulären Anspannung und Entspannung wird die Lymphe in das nächste von Klappen getrennte Kompartiment gepumpt. Hier wird deutlich, wie wichtig Bewegung, Sport und Training für die Qualität der Matrix bzw. die Drainage des Extrazellularraums sind.

Nachdem Toxine aus dem Extrazellularraum in die Lymphe gelangt sind, fließen sie zum venösen System, wobei zunächst immer Lymphknoten passiert werden. Der Abtransport läuft über immer größer werdende Lymphgefäße:Abtransport von ToxinenLymphgefäße:
  • Rechts: aus der rechten Hälfte von Oberkörper, oberen Extremitäten und Gesicht zum rechten Ductus:lymphaticusDuctus lymphaticus

  • Links: aus den unteren Extremitäten, Bauch, Becken, linkem Arm, linker Oberkörper- und Gesichtshälfte und dem Hals zum Arcus ductus thoracici

Der rechte Ductus lymphaticus mündet in die rechte V. Vena subclaviasubclavia, der Arcus ductus thoracici in die linke V. subclavia. So fließt die Lymphe schließlich ins venöse Blutsystem ab (Abb. 9.5).
Die Lymphflüssigkeit:und interstitielle FlüssigkeitLymphflüssigkeit:BlutplasmaLymphflüssigkeit besteht aus Blutplasma, das ins Interstitium ausgetreten ist und sich mit der interstitiellen Flüssigkeit vermischt hat. Alles, was nicht ins Blutkapillarnetz rückresorbiert wird, muss vom lymphatischen System als Lymphe abtransportiert werden. Aus diesem Grund sind interstitielle interstitielle Flüssigkeit:und LympheFlüssigkeit und Lymphe sehr ähnlich zusammengesetzt. Unter physiologischen Bedingungen ergänzen sich die Blut- und Lymphkapillaren also optimal, denn zur effektiven Reinigung bzw. dynamischen Drainage der Matrix:Drainage über LymphsystemMatrix werden sowohl das arteriovenöse als auch das lymphatische System benötigt.

Praxisbezug

Diese Zusammenhänge erklären, warum das Lymphsystem eine so große Bedeutung im Rahmen der sog. HomotoxikologieHomotoxikologie besitzt. Nur eine gesunde Matrix, die ihre Giftstoffe effektiv ausscheidet, kann auf Reize reagieren, die eine sinnvolle Änderung im Körper anregen sollen.

Störungen des Flüssigkeitstransports

Flüssigkeitstransport:StörungenMan muss einen deutlichen Unterschied zwischen einem metabolisch bedingten Stau und einer venösen Stauung machen (Abb. 9.6). Sicherlich beeinflussen sich beide Systeme gegenseitig, aber wo liegt der Ursprung eines kongestiven Problems? Hat ein Reflux oder eine Stagnation im venösen Blutkreislauf z. B. die Beckenbeschwerden ausgelöst? Oder liegt die Ursache in einer chronisch gesteigerten Reizempfindlichkeit des Bindegewebes durch einen Lymph- bzw. einen metabolischen Stau?
Venöser Stau
venöser Stau:physiologischerUnter physiologischen Bedingungen kommt es z. B. bei der Erektion des Penis zu einem venösen Stau, der den venösen Abfluss behindert und somit zu einem Druckanstieg im Schwellkörper führt.
Ein venöser venöser StauStau kann aber auch venöser Stau:pathologischerpathologische Ursachen haben:
  • venöse Insuffizienz,

  • Links- oder Rechtsherzinsuffizienz,

  • portaler Hochdruck bei einem prähepatischen, intrahepatischen oder posthepatischen Rückstau mit Überbelastung der portokavalen Anastomosen.

Eine globale Herzinsuffizienz:ÖdembildungHerzinsuffizienz kann zu einem bilateralen Ödembildung:HerzinsuffizienzÖdem der unteren Extremitäten führen, während eine einseitige periphervenöse Insuffizienz mit einem unilateralen Ödem der gleichen Seite einhergeht.
Die Symptomatologie, die uns im Rahmen der Matrixbelastung:BeinödemeMatrixbelastung am meisten interessiert, ist ein Stau in den Beinen, wobei ein Lymphstau ähnliche Symptome wie ein venöser Stau hervorruft. Insbesondere bei schwächer ausgeprägten Beinödeme:MatrixbelastungBeinödemen kann es leicht zur Verwechslung mit einem metabolischen Stau kommen.
Die Ursache einer venösen oder chronisch venösen venöse InsuffizienzInsuffizienz liegt in der Dekompensation des Klappensystems. Dadurch entsteht in oberflächlichen, tiefen oder perforierenden Venenklappen:DekompensationVenen ein Rückfluss von Blut. Der für diese Dekompensation verantwortliche erhöhte venöse Druck induziert neben den makro-
und mikrozirkulatorischen Änderungen auch dermale, perikapilläre Fibrinanhäufungen, eine Leukozytenakkumulation und Aktivierung von Zytokinen. VarizenVarizen sind die bekannteste Form einer pathologischen venösen Stauung und Insuffizienz. Hierbei handelt es sich um ein rein strukturelles Problem.

MERKE

Eine venöse venöse KongestionKongestion kann mit einem breiten Symptomenkomplex verbunden sein. Diese Beschwerden sind, wie in der Osteopathie bekannt, nicht immer krankheitsspezifisch. Es ist bei der Anamnese wichtig herauszufinden, ob sich die Beschwerden durch Veränderung der Körperposition oder das Aktivieren der Muskelpumpe bessern.

In diesem Buch sollen nicht schwere strukturelle Pathologien mit Folgen wie Aszites, massiven Ödemen, Zyanose usw. im Vordergrund stehen. Hier geht es vielmehr um Patienten mit Rückenbeschwerden:durch Stau bzw. KongestionRückenbeschwerden, die oft chronisch sind und einen Stau bzw. eine Kongestion als Ursache haben können.

Praktische Relevanz

Den Unterschied zwischen einer venösen und einer metabolisch bedingten Kongestion erkennen zu können, ist eine notwendige Voraussetzung für die Planung einer effektiven Therapiestrategie.
Venöse Stauungszeichen
Auf eine chronische, mehr oder weniger funktionelle oder strukturelle venöse Insuffizienz:Zeichenvenöse venöse StauungszeichenStauung und Insuffizienz können folgende Zeichen hindeuten:
  • Müdes Gefühl, manchmal auch Schmerzen in Beine:müdeBeinen, Becken und Lumbosakralbereich:SchmerzenLumbosakralbereich. Besonders typisch ist die Zunahme der Beschwerden bei längerem Stehen oder Sitzen.

  • Nächtliche Krämpfe, evtl. mehrmals pro Woche; Schmerzen in den Beinen Beine:Schmerzenoder Schweregefühl im Lumbosakralbereich:SchweregefühlLumbosakralbereich, die das Liegen im Bett unmöglich machen. Mikrozirkulatorische Änderungen im venösen System oder eine Erregung spinaler Motoneurone könnten diese Beschwerden erklären.

  • Pitting-Pitting-ÖdemÖdem: Ödeme Beinödememit Druckdellen sind in der Regel erste Zeichen eines dekompensierenden venösen Kreislaufsystems. Oft ist die Stauung besonders am Tagesende ausgeprägt und verschwindet über Nacht oder bei Bewegung. Die Patienten müssen meist mehrmals in der Nacht urinieren, was bei einem metabolischen Stau viel seltener der Fall ist. Hier ist das Ödem meist konstant ausgeprägt.

Die Intervertebralräume werden von den Lumbalvenen:Drainage der IntervertebralräumeLumbalvenen drainiert.
  • Vv. lumbales 1 und 2: Sie werden auf der rechten Seite über die rechte V. lumbalis ascendens und die V. azygos drainiert. Auf der linken Seite fließen sie über die linke V. lumbalis ascendens in die V. hemiazygos ascendens, durch das Zwerchfell und dann weiter über die V. azygos ab.

  • Vv. lumbales 3 und 4: Auf der linken und auf der rechten Seite münden sie direkt in die V. cava inferior.

  • Vv. lumbales 5: Ihre Drainage findet rechts und links über die V. iliolumbalis oder direkt in die V. iliaca externa statt und somit über die V. cava inferior durch das Zwerchfell.

Anatomisch und mechanisch betrachtet ist das Zwerchfell als entscheidende Schnittstelle in diesem System erkennbar. Jeder Faktor, der zu einem Rückstau in den Lumbalvenen:RückstauLumbalvenen führt, kann einen zusätzlichen negativen Reiz für die Spinalnerven bedeuten und dadurch eine Schmerzsteigerung bewirken. Eine intervertebrale Stauung kann Beschwerden im gesamten Wirbelsäulenbereich provozieren.
In der Regel bessern sich solche Rückenbeschwerden:Besserung durch BewegungRückenbeschwerden deutlich bei Bewegung. Denn durch die Zunahme der diaphragmalen Aktivität bzw. stärker ausgeprägte abdominothorakale Druckschwankungen und die Muskelpumpe wird der venöse Kreislauf dynamisiert und der gereizte dekompensierte Bereich etwas besser entstaut. Wenn der Patient seine Dekompensierung nicht selbst durch Aktivität verbessern kann, fällt er nach der zirkulatorischen Anregung wieder in sein altes Staumuster zurück, sodass sich seine Beschwerden mehr oder weniger auf die gleiche Weise darstellen werden.
Wichtige therapeutische Ansätze sind hier die Behandlung des Diaphragmas, der Zwerchfellschenkel, des M. iliopsoas mit seinen viszeralen Verbindungen sowie Techniken und Maßnahmen, die einen abdominalen Überdruck reduzieren.
Metabolischer Stau
metabolischer StauPatienten mit einer funktionellen Störung des lymphatischen Systems zeigen in der Regel keine typischen Beschwerden, die eindeutig auf das Lymphsystem:funktionelle StörungLymphsystem hinweisen. Die Patienten haben keine Krankheitszeichen im Sinne einer typischen lymphatischen Erkrankung. Als Therapeut fragt man sich bei solchen Patienten, ob ein lymphatischer lymphatischer StauStau und/oder eine homotoxikologische Belastung des Grundsystems verantwortlich oder mitverantwortlich für die Rückenbeschwerden des Patienten sind.
Da die Stauung im lymphatischen System eine Störung im Basis-Bio-Regulations-System bzw. der Matrix nach sich zieht, wird eine Kettenreaktion ausgelöst. Darum kann die Symptomatologie sehr ausgeprägt bis unspezifisch und undifferenziert sein.
Anamnestische Zeichen
Der Patient zeigt in der Regel chronische, meist therapieresistente Beschwerden. Solche funktionellen Störungen sind für die Schulmedizin oft nur schwer zu erfassen. Die Rückenbeschwerden:funktionelle lymphatische StörungRückenbeschwerden sind oft im lumbalen und/oder thorakalen Bereich lokalisiert.
Weitere Beschwerden, die gehäuft bei einer funktionellen lymphatischen Störung auftreten, sind chronische Müdigkeit:chronischeMüdigkeit (Chronic Fatigue Syndrome, Chronic Fatigue Syndrome (CFS):lymphatische DysfunktionCFS) und ein chronischer, subakuter Entzündungszustand (silent inflammation). Im Rahmen einer globalen lymphatischen Dysfunktion kann auch eine Störung der zerebrospinalen Drainage hinzukommen. Die zerebrospinale Drainagezerebrospinale Drainage:Störung findet normalerweise über drei Wege statt:
  • über die sinusoidalen und arachnoidalen Villi,

  • entlang der Wirbelsäule über die Spinalnerven in paravertebrale lymphatische Strukturen und

  • über die kranialen Nerven (Nn. olfactorius, opticus, trigeminus und vestibulocochlearis).

Die zerebrospinale Flüssigkeit fließt dann weiter über faziale, zervikale und thorakale Lymphgefäße ab. Eine homotoxikologische Belastung:Nervensystemhomotoxikologische chronische Belastung des Nervensystem:homotoxikologische BelastungNervensystems kann die Folge sein und verursacht möglicherweise auch chronische Müdigkeit.
Pathophysiologische Aspekte
Subklinische, chronische Entzündungsprozesse:subklinische chronischeEntzündungsprozesse, sog. Silent Silent InflammationInflammation, werden heute in den Industrienationen als ursächlich für viele chronische Erkrankungen wie Weichteilrheuma, entzündliche Rückenbeschwerden oder neurodegenerative Erkrankungen angesehen. Dabei handelt es sich um inflammatorische Prozesse in verschiedenen Organsystemen und/oder Gewebestrukturen, die oft über lange Zeit ohne spezifische Symptomatik, nicht selten auch ganz ohne klinische Symptome ablaufen.
Häufig lassen sich lediglich einige auffällige labordiagnostische Werte wie leicht erhöhte Entzündungsmarker oder eine proinflammatorische Fettsäuren-Dysbalance nachweisen.
Der zentrale Mechanismus dieser Entzündungsprozesse:TranskriptionsfaktorenEntzündungsprozesse ist die Aktivierung von sog. Transkriptionsfaktoren wie NF-kB. Diese TranskriptionsfaktorenTranskriptionsfaktoren (Moleküle, die steuernd auf die DNA einwirken) vermitteln zelluläre Reaktionen auf störende Einflüsse von außen, wie Infekte, homotoxikologische Schadstoffe oder freie Radikale. Dabei werden beispielsweise proinflammatorische Proteine/Peptide gebildet, die eine chronische, niederschwellige, proinflammatorische proinflammatorische StoffwechselsituationStoffwechselsituation im Organismus aufrechterhalten. Solche längerfristigen Störungen des Stoffwechsels sind mitverantwortlich für die Entstehung vieler chronischer Erkrankungen und Beschwerden.
Klinische Zeichen
Folgende Symptome können bei einem metabolisch bedingten metabolischer StauStau auftreten:
  • Schmerzpunkt auf der linken Seite, 2–3 cm lateral und kranial von der linken Brustwarze: sog. lymphatischer Provokationspunktlymphatischer Provokationspunkt Provokationspunkt:lymphatischernach Raymond Perrin.

  • Pitting-Pitting-ÖdemÖdem: Das konstant vorhandene Ödem ist in der Regel geringer ausgeprägt als bei einem dekompensierenden Kreislaufsystem (Herzinsuffizienz). Die Stauung ist auch hier am Tagesende oft stärker ausgeprägt, verschwindet aber meist nicht ganz über Nacht oder bei Bewegung.

  • Epigastrischer epigastrischer SchmerzSchmerz im Bereich des Plexus coeliacus bzw. der Cisterna chyli.

  • Somatische Dysfunktion der BWS-DysfunktionBWS in Höhe von Th4–Th6, oft in Extension sowie mit Abnahme der physiologischen Kyphose und erhöhter Empfindlichkeit dieser Segmente.

  • Lymphvarikose:Infraklavikuläre Sichtbare lymphatische, variköse Veränderungen werden gehäuft links und rechts in der infraklavikulären Region beobachtet.

  • Infolge einer gestörten Drainage lymphpflichtiger Stoffe aus dem ZNS in extrakranielle Lymphgefäße und/oder einer Überproduktion lymphpflichtiger Stoffe im ZNS kann sich die kraniale Dynamik verringern.

Drainage
Lymphdrainage:intrakranielleNach heutigem Wissensstand befinden sich weder im ZNS (Gehirn und Rückenmark) noch in den Meningen Lymphgefäße. Da jedoch lymphpflichtige lymphpflichtige Substanzen:NervensystemSubstanzen im Nervensystem:lymphpflichtige SubstanzenNervensystem anfallen, müssen diese auch eliminiert werden. Dies geschieht durch folgendes System:
  • Entlang von Hirnnerven und deren Durchtrittsstellen im knöchernen Schädel bewegt sich die Lymphflüssigkeit nach extrakraniell.

  • 40–50 % der intrakraniellen lymphpflichtigen Last werden durch die in der vorderen Schädelgrube gelegene Siebbeinplatte (Lamina cribrosa des Os ethmoidale) drainiert.

  • In speziellen Spalträumen der zerebralen Blutgefäßwände (Virchow-Robin-Virchow-Robin-RäumeRäume) bewegt sich die lymphpflichtige Last von intrakraniell in die extrakraniellen Lymphgefäße, die wiederum in die tiefen seitlichen Halslymphknoten münden.

Systematik funktioneller Störungen des lymphatischen Systems
Die funktionellen Störungen des lymphatische Störungen:funktionelle, Systematiklymphatischen Systems lassen sich in drei große Gruppen einteilen:
  • 1.

    Sehr starke Belastung und Aktivität des gesamten lymphatischen Systems: Bei dieser Art von Aktivität handelt es sich eigentlich um eine Reaktion auf eine extrazelluläre homotoxikologische Belastung:Lymphsystemhomotoxikologische Ansammlung von belastenden Stoffen. Die Matrix ist sozusagen mit unerwünschten Substanzen belastet, die so schnell wie möglich abtransportiert werden sollten. Das Lymphsystem:homotoxikologische BelastungLymphsystem bringt über seine Vasa lymphatica das Transportsystem in einen Zustand von Erregung und Überaktivität, um die Homöostase zu erhalten. In diesem Fall zeigen sich oft keine typischen Symptome, die dem Lymphsystem zuzuordnen sind.

  • 2.

    Überbelastung bzw. lymphatischer lymphatischer StauStau in einem oder mehreren spezifischen Bereichen wie Leber, Lunge, Dickdarm usw. Man spricht auch von einer lokalen lymphatischen Blockade: Hier zeigen sich erste Zeichen eines lymphatischen Staus. Ein bekanntes Zeichen bei lokaler Dekompensierung ist der Schmerz in Höhe des Plexus coeliacus bzw. der Cisterna chyli bei einem Stau im Bereich des Dünndarms und der Trunci Trunci lumbales:lymphatischer Staulumbales. In den Trunci lumbales dexter und sinister sammelt sich Lymphe aus den unteren Extremitäten, aus dem Becken, von Teilen der Bauchwand, aus dem Urogenitaltrakt und den paarigen Bauchorganen. Dass der Lumbalbereich in dem Fall anfällig für eine metabole Starre ist, erscheint logisch.

  • 3.

    Belastung bzw. Entgleisung in Form einer Kombination aus beiden Varianten: Dabei tritt ein starker lokaler lymphatischer lymphatischer Stau:und metabole StarreStau (z. B. im lumbalen Bereich) zusammen mit einer kompletten Überbelastung des ganzen Transportsystems und einer metabolen Starre der Matrix auf. In dem Fall werden sich mehrere der oben genannten klinischen Zeichen manifestieren.

Therapieansätze bei Störungen des lymphatischen Systems

Die Behandlung eines lymphatischen lymphatische Störungen:TherapieansätzeStaus stützt sich auf zwei Aspekte: Das lymphatische System braucht einen Input-Stop der Homotoxine, Wasser und Bewegung.
Der Faktor Bewegung lymphatische Störungen:Bewegungwurde bereits angesprochen. In den meisten Fällen kann der Patient selbst seine Bewegungsintensität steigern und dadurch beispielsweise die Wadenpumpe trainieren. In bestimmten Fällen ist jedoch eine Therapie notwendig, um z. B. eine lymphatische Kongestion aufgrund einer Zwerchfellproblematik zu lösen. Dies ist den Betroffenen selbst nicht möglich.
Was aber ist mit der Behandlung durch Wasser gemeint? Physiologisch befinden sich etwa 57 % des gesamten Körperwasser:Intra- und ExtrazellularraumKörperwassers im Intrazellularraum und 43 % im Extrazellularraum. Wasserkompartimente:im KörperWasserkompartimente im Körper sind:
  • Plasmaflüssigkeit,

  • intrazelluläres Wasser,

  • interstitielle Flüssigkeit,

  • transzelluläres Wasser und

  • die Flüssigkeit in Fasern, Knorpel und anderen Bindegewebestrukturen.

Das Verhältnis von extra- zu intrazellulärem Wasser (EZW/EZW/IZW-QuotientIZW) sollte zwischen 0,6 und 0,8 liegen. Ein Quotient unter 0,54 weist auf eine DehydrierungDehydrierung hin. Obwohl die totale Menge an Körperwasser unverändert bleibt, kann es wegen der unterschiedlichen Verteilung von geladenen Teilchen zu einer Verschiebung zugunsten des extrazellulären Wassers kommen. Unter diesen Bedingungen können Ödeme oder extrazelluläre Staus entstehen.
Was heißt gesundes Wasser?
Louis Claude Vincent ist der Begründer der Bio-Elektronischen Terrain-Analyse (BE-T-A)Bio-Elektronische Terrain-Analyse (BE-T-A). Er entwickelte die Methode in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts, um ein aussagekräftiges und praktikables Verfahren zur Wasserqualitätsanalyse zur Verfügung zu haben.
Vincent führte in Frankreich Tausende von Wasseruntersuchungen durch und untersuchte die Trinkwasser:QualitätTrinkwasserqualität vieler französischer Städte. Dabei fand er u. a. heraus, dass an Orten mit hartem, mineralreichem Wasser die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich höher lag als an Orten mit weichem, mineralarmem Wasser. So korreliert z. B. die Benutzung von chloriertem Trinkwasser auch mit einer höheren Krebsrate.
Nach Vincents Untersuchungen soll gesundes Wasser folgende BE-T-A-BE-T-A-Werte, WasserqualitätWerte haben:
  • pH-pH-Wert:WasserWert von 6,2–6,8 (Maßeinheit für den Säuregrad oder die H+-Ionen-Konzentration bzw. die Protonenverfügbarkeit einer wässrigen wässrige Lösung:pH-WertLösung)

  • rH-Wert von 22–28 (Maßeinheit für den Oxidations- bzw. Reduktionszustand einer wässrigen Lösung): Ist viel Wasserstoff verfügbar, ist die Lösung reduziert, ist wenig Wasserstoff verfügbar, ist die Lösung oxidiert. Der rH-rH-Wert:WasserWert drückt die Verfügbarkeit von Wasserstoff und damit die Verfügbarkeit oder den Energiereichtum der Elektronen in wässrigen Lösungen wässrige Lösung:rH-Wertlebender Systeme aus. Energiereiche Elektronen werden im extrazellulären Bereich des Menschen immer durch Wasserstoff transportiert, den wir über die Lebensmittel aufnehmen. In der Atmungskette der Mitochondrien werden die energiereichen Elektronen auf Sauerstoff übertragen und ihre Energie zur ATP-Bildung verwendet.

  • R-Wert > 6.000 Ohm (Maßeinheit für die Gesamtionenstärke einer wässrigen Lösung): Ein niedriger R-R-Wert:WasserWert bedeutet, dass sich viele freie Ionen in der Lösung wässrige Lösung:R-Wertbefinden, ein hoher R-Wert, dass sich wenige freie Ionen in der Lösung befinden.

Trinkwasser:WiderstandNach Vincent ist der Widerstand (R) der wichtigste der drei Parameter. Seine langjährigen Untersuchungen belegen, dass Krankheit und Sterbehäufigkeit mit dem Widerstand des getrunkenen Wassers korrelieren: je niedriger der Widerstand, desto ungünstiger. Gutes Wasser soll einen R-Wert von mindestens 6.000 Ohm haben. Das Leitungswasser von Städten und auch ländlichen Gemeinden liegt jedoch häufig bei 2.000 Ohm und darunter.
Richtlinien zur täglichen Trinkmenge:täglicheTrinkmenge weichen manchmal etwas voneinander ab. In der Regel ist für Erwachsene 1 Liter Wasser pro 30 kg Körpergewicht pro Tag ein gutes Maß. Lebensmittel enthalten oft überraschend viel Wasser. Bei Obst und Gemüse sind es 90 % und mehr, bei Joghurt, Quark und Kartoffeln etwa 80 %. Im menschlichen Körper fungiert Wasser als Baustoff, Lösungs- und Transportmittel.

Säure-Basen-Haushalt und Matrix

Bedeutung des pH-Werts

Der pH-pH-WertWert und die Temperatur sind zwei Faktoren, die für das Milieu lebender Systeme von größter Bedeutung sind. Dies ist dadurch begründet, dass beide Faktoren starken Einfluss auf die Raumstruktur (Konformation:ProteineKonformation) von Proteinen haben und dadurch deren Funktionsfähigkeit bestimmen. Proteine:RaumstrukturProteine:FunktionsfähigkeitProteine sind in lebenden Organismen sozusagen die Tausendsassas, da sie an nahezu allen biologischen Funktionen beteiligt sind, sei es in Form von Gerüstproteinen, Antikörpern, Enzymen oder anderen Funktionsformen.
Jedes Protein verfügt über Milliarden von Möglichkeiten, als dreidimensionales, räumliches Molekül in Erscheinung zu treten, aber nur eine dieser Raumstruktur:ProteineRaumstrukturen lässt es biologisch sinnvoll agieren. Wie Proteine ihre sog. native Raumstruktur unmittelbar nach ihrer Bildung an Ribosomen einnehmen bzw. finden, ist nach wie vor ungeklärt. Tatsache ist jedoch, dass diese biologisch relevante Raumstruktur von Proteine:BindungenProteinen maßgeblich durch Bindungen der Primär-, Sekundär- und Tertiärstruktur bestimmt wird. Innerhalb der Tertiärstruktur von Proteinen finden sich sowohl Ionenbindungen:ProteineIonenbindungen zwischen unterschiedlich geladenen Aminosäureresten als auch Van-der-Waals-Van-der-Waals-Bindungen:ProteineBindungen zwischen nichtpolaren Aminosäureseitenketten. Während Van-der-Waals-Bindungen schnell durch eine Temperaturerhöhung aufgebrochen werden, wirkt sich eine veränderte H+-Ionen-Konzentration (Protonenkonzentration, pH-Wert) auf die Ionenbindungen aus:
  • Sinkt der pH-pH-Wert:IonenbindungenWert, stehen mehr H+-Ionen zur Verfügung, die sich an negativ geladene Aminosäurereste anlagern und diese dadurch neutralisieren. Sie stehen nun nicht mehr für Ionenbindungen zur Verfügung, sodass es zu einer Veränderung der pH-Wert:Raumstruktur von ProteinenRaumstruktur und damit der Funktionsfähigkeit des Proteins kommt.

  • Eine Erhöhung des pH-Werts führt zur Abgabe von H+-Ionen aus den Aminosäureresten eines Proteins. Nun sind mehr negativ geladene Stellen in einem Protein verfügbar, sodass neue Ionenbindungen entstehen können. Dadurch wird die Konformationsänderung:pH-WertKonformation eines Proteins ebenfalls verändert.

In kleinen Bereichen des pH-Spektrums werden solche Effekte zur Steuerung von Proteinen genutzt, wie man am Beispiel des Hämoglobins sehen kann. Fließt sauerstoffbeladenes Hämoglobin in ein Gewebe mit niedrigem pH-Wert, wandern die vermehrt vorliegenden H+-Ionen teilweise in die Erythrozyten und lagern sich dem Hämoglobin an. Dadurch wird eine Konformationsänderung:HämoglobinKonformationsänderung des Moleküls ausgelöst, die die Abgabe von Sauerstoff erleichtert. Dieser geniale Mechanismus bewirkt also, dass sich Sauerstoff in Geweben mit hohem Sauerstoffbedarf (was die pH-Erniedrigung signalisiert) leichter vom Hämoglobin:KonformationsänderungHämoglobin abkoppeln kann. In der Physiologie wird dieser Zusammenhang als Bohr-Bohr-EffektEffekt bezeichnet.

Fieber

Die Abhängigkeit der Proteinkonformation vom pH und von der Temperatur ist also der Grund, warum beispielsweise ein Mensch mit FieberFieber über 42 C sterben kann. Infolge des hohen Temperaturanstiegs verändert sich die Konformationsänderung:FieberKonformation seiner Proteine so stark, dass sie ihre biologischen Funktionen nicht mehr übernehmen können.
Genauso fatal können sich aus den genannten Gründen Veränderungen des physiologischen pH-Werts auswirken. Der pH-pH-Wert:VeränderungenWert des menschlichen Blutes liegt zwischen 7,37 und 7,45. Die Konstanz dieser physiologischen Wasserstoffionenkonzentration ist für einen regelrechten Ablauf der verschiedenen Stoffwechselvorgänge von elementarer Bedeutung. Da durch diverse Stoffwechselprozesse immer wieder Säuren im Organismus entstehen, muss es auch Mechanismen geben, um diese Säuren wieder zu eliminieren.
Um Veränderungen der Normwerte von pH und Temperatur zu verhindern, haben sich im Laufe der Evolution Mechanismen herausgebildet, die zur Stabilisierung dieser Parameter dienen:
  • Mit den Schweißdrüsen entwickelte sich das Schwitzen, das eine effektive Möglichkeit der Wärmeabgabe darstellt und Temperaturerhöhungen entgegenwirkt. Zittern führt umgekehrt zur Erwärmung des Körpers.

  • Puffersysteme:pH-WertPuffersysteme wiederum sind in der Lage, Veränderungen des physiologischen pH-Werts in einem bestimmten Umfang abzupuffern, sodass eine Zufuhr oder Verminderung von H+-Ionen in diesem Bereich ohne direkte Auswirkungen bleibt.

MERKE

Die Konformation bzw. Raumstruktur eines Proteins Proteine:pH-abhängige Konformationist entscheidend für seine biologischen Eigenschaften. Nur in der nativen Form erfüllt ein Eiweiß seine biologische Funktion.

Die Konformation von Proteinen ist u. a. vom pH abhängig, weswegen der pH-pH-Wert:ProteinkonformationWert in engen Grenzen stabil gehalten werden muss.

Quellen der Wasserstoffionenbelastung

Während unterschiedlicher Stoffwechselprozesse fallen im Säugetierorganismus verschiedene Säuren an, wie z. B. KohlensäureKohlensäure, Salzsäure, Ketonkörper oder Milchsäure. Kohlensäure stellt eine flüchtige Säure dar, da sie durch das Enzym Carboanhydrase über die Zwischenstufe Bikarbonat (Hydrogencarbonat) in CO2 und H2O zerlegt werden und das dabei gebildete CO2 über die Lunge abgeatmet werden kann.
Die restlichen im Stoffwechsel anfallenden Säuren:StoffwechselSäuren sind nicht flüchtig und müssen über andere Mechanismen aus dem Körper eliminiert werden, wobei die Nieren eine wichtige Rolle spielen (Abb. 9.7).
Folgende Mechanismen tragen zu einer metabolischen Protonenbelastung:metabolischeProtonenbelastung bei:
  • Laktatbildung:GlykolyseLaktatbildung: In anaeroben Stoffwechselsituationen, wie sie z. B. bei starker körperlicher Beanspruchung im Skelettmuskel entstehen, ist keine ausreichende Regeneration des für die Glykolyse nötigen NAD+ über die Atmungskette möglich (Sauerstoffmangel in der Atmungskette). Um einen Stillstand der Glykolyse zu verhindern, wird in dieser Situation Pyruvat zu Laktat reduziert. Dabei wird NADH zu NAD+ regeneriert, was den Fortgang der Glykolyse:LaktatbildungGlykolyse ermöglicht. Läuft eine derart anaerobe Glykolyse verstärkt ab, kann eine LaktatazidoseLaktatazidose im ganzen Körper entstehen.

  • Ketonkörperbildung:HungerstoffwechselKetonkörperbildung: In Hungerstoffwechselsituationen oder im Rahmen Ketonkörperbildung:Insulinmangeleines Insulinmangel:KetonkörperbildungInsulinmangels (diabetogene Stoffwechsellage) kommt es zu einer stark gesteigerten Fettsäureoxidation (-Oxidation) in der Leber. Dies führt durch eine spezielle Stoffwechselkonstellation zur vermehrten Produktion von Acetessigsäure und -Hydroxybuttersäure, die in dissoziierter Form als Acetoacetat und -Hydoxybutyrat die Ketonkörper darstellen. Über dabei frei werdende Protonen kann sich eine KetoazidoseKetoazidose entwickeln.

  • Bildung von H2SO4: Im Rahmen des Methionin- und Cysteinstoffwechsels (zwei Aminosäuren) anfallende H2S- und H2SO3-Moleküle werden unter Abgabe ihrer Wasserstoffe als H+ und durch anschließende Oxidation zu SO42-Ionen umgewandelt.

Aber auch die nachfolgend genannten Nahrungsmittel und Ernährungsgewohnheiten tragen zu einer Protonenbelastung:durch NahrungsmittelProtonenbelastung im Organismus bei:
  • Säurehaltige Lebensmittel: In vielen Nahrungsmittel:säurehaltigeNahrungsmitteln sind Säuren wie Zitronen-, Phosphor- (meist in Form von Dihydrogenphosphat, H2PO4) oder Ascorbinsäure enthalten. Im basischen Milieu des Dünndarms geben sie ihre Protonen ab.

  • Proteinreiche Nahrung: Auch eine eiweißreiche Ernährung:eiweißreicheErnährung kann eine Erniedrigung des Blut-pH-pH-Wert:Erniedrigung durch eiweißreiche ErnährungWerts bewirken, da beim Abbau schwefelhaltiger Aminosäuren (Methionin, Cystein) SO42 anfällt. Beim Abbau von Arginin und Lysin werden ebenfalls Wasserstoffionen freigesetzt.

Milch und Milchprodukte werden in vielen Quellen als basische Nahrungsmittel beschrieben. Mindestens genauso viele Quellen behaupten genau das Gegenteil. Leider kann keines der beiden Lager schlüssig aufzeigen, wie denn der jeweilige Effekt vermittelt werden soll. Durch Studien scheint jedoch mittlerweile gesichert zu sein, dass sich der Konsum von Milch und Milchprodukten negativ auf den Kalziumhaushalt des Menschen auswirkt. Das Risiko einer Osteoporose ist dort am höchsten, wo die Menschen vermehrt Milch und Milchprodukte sowie andere proteinreiche Nahrungsmittel in hohem Maße verzehren. In Ländern mit niedrigem Milch(produkte):Osteoporose-RisikoMilchkonsum liegt hingegen das Osteoporose-Osteoporose:Milch(produkte)Risiko um ein Vielfaches niedriger. Auf die Problematik von Beta-Casein und Beta-Casomorphin-7 (Milcheiweiße, die durch genetisch veränderte Kuharten vermehrt in die Milch gelangen), bei denen ein Zusammenhang zur Pathogenese des Typ-1-Diabetes sowie anderer Autoimmunerkrankungen vermutet wird, soll an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden.
Eine vegetarische Ernährung:vegetarischeErnährung bzw. der vermehrte Verzehr von Obst und Gemüse (jedenfalls solange nicht Insektizide, Pestizide oder sonstige Toxine den positiven Effekt dieser Nahrungsmittel zerstören) wirkt sich hingegen alkalisierend auf den Blut-pH-Wert aus.

Regulation des Säure-Basen-Haushalts

Säure-Basen-Haushalt:RegulationUm den pH-Wert innerhalb seiner physiologischen Grenzen zu halten, müssen sich im Organismus Abgabe und Aufnahme von Protonen die Waage halten (Abb. 9.8).
Die täglich anfallenden flüchtigen (CO2) und nichtflüchtigen (v. a. NH4+ und H2PO4) Säuren müssen demnach ständig kompensiert werden. Zu diesem Zweck stehen dem Organismus drei RegulationsmechanismenRegulationsmechanismen zur Verfügung:
  • Neutralisation oder Abgabe von H+-Ionen durch Puffersysteme

  • Regulation des CO2-Partialdrucks durch die Atmung (pulmonale Regulation)

  • Regulation der H+- bzw. HCO3-Ausscheidung durch die Niere (renale Regulation)

Regulation durch Puffersysteme
PuffersystemePuffersysteme:pH-WertPuffersysteme sind Lösungen aus schwachen Säuren und ihren konjugierten Basen. Sie besitzen die Fähigkeit, in einem bestimmten pH-Bereich Protonen sowohl aufzunehmen als auch abzugeben, wodurch sie den pH-pH-Wert:PuffersystemeWert in diesem Bereich stabilisieren können. In biologischen Flüssigkeiten wirken meist mehrere Puffersysteme gleichzeitig. Die Gesamtheit der wirksamen anionischen Gruppen im Blut (Pufferbasenkonzentration) stellt ein Maß für Säure-Basen-Verschiebungen durch nichtflüchtige Säuren im Blut dar. Kommt es im Blut zu einer positiven oder negativen Abweichung vom Normwert, so bezeichnet man dies als BasenüberschussBasenüberschuss bzw. BasendefizitBasendefizit (positiver bzw. negativer Base Base Excess, positiver/negativerExcess). Die Pufferkapazität ist am größten, wenn sich der pK-Wert eines Puffers möglichst nahe am pH-Wert der Lösung befindet.

MERKE

Puffersysteme sind konjugierte Säuren/Basen-Paare, die in einem bestimmten pH-Bereich Protonen aufnehmen oder abgeben können und so den pH-Wert in diesem Bereich stabilisieren.

Phosphatpuffer
PhosphatpufferUnter den oben genannten Aspekten hat das Dihydrogenphosphat-Hydrogenphosphat-Puffersystem mit 6,8 den günstigsten pK-pK-WertWert aller im Blut vorkommenden Puffer. Dennoch ist seine Pufferwirkung im Blut aufgrund der geringen Konzentration im Blutplasma nicht sonderlich hoch. Hydrogenphosphat wird jedoch in den Nierentubuli konzentriert, was die Pufferkapazität erhöht. Es spielt daher eine wichtige Rolle als Puffer bei der Ausscheidung von Protonen mit dem Harn.
Hämoglobinpuffer
Quantitativ ist der Hämoglobin-Hämoglobinat-Puffer das wichtigste Puffersystem im Blut. Ihm kommt vor allem bei der Pufferung der bei CO2-Aufnahme in Erythrozyten entstehenden H+-Ionen Bedeutung zu. Der HämoglobinpufferHämoglobinpuffer verhält sich nach der Sauerstoffabgabe an die Gewebe wie eine Base und nimmt Wasserstoffionen auf. Dabei kann sauerstofffreies Hämoglobin mehr H+-Ionen aufnehmen als oxygeniertes Hämoglobin (Haldane-Effekt).
Proteinpuffer
Auch ProteinpufferProteinpuffer sind bevorzugt intrazellulär von Bedeutung. Bei einem physiologischen pH-Wert liegen Proteine im Blutplasma überwiegend als Anionen vor. Sie spielen dementsprechend v. a. bei azidotischer Stoffwechsellage eine Rolle. Ähnlich wie beim Hämoglobinpuffer ist unter physiologischen Bedingungen vorwiegend die Pufferwirkung der Histidinseitenketten relevant, da deren pK-Wert dem physiologischen pH-Wert am nächsten kommt. Der pK-Wert von anderen Aminosäureseitenketten liegt jeweils weiter vom physiologischen pH-Wert des Blutes entfernt.
Bikarbonatpuffer
Dem BikarbonatpufferBikarbonatpuffer kommt wegen seiner engen Verbindung zu den pulmonalen und renalen Regulationsmechanismen besondere Bedeutung zu.
Bei der Carboanhydrase-Reaktion fällt flüchtiges CO2 an, das über die Lunge abgeatmet werden kann. In Ruhe werden so 15 Mol CO2 pro Tag abgegeben. Das für die Pufferung benötigte Bikarbonat wird v. a. in der Niere gebildet.
Dieses Puffersystem ist wegen seiner schnellen Anpassungsfähigkeit entscheidend für die Aufrechterhaltung des physiologischen pH-pH-Wert:BikarbonatpufferWerts im Organismus. Im Gegensatz zum geschlossenen System (bei konstanter Gesamtkonzentration) der anderen Puffer stellt der Bikarbonatpuffer ein offenes System dar. Das bedeutet, dass die CO2- und HCO3-Konzentrationen über die Lunge bzw. Niere reguliert werden können.
  • Bei Vorliegen einer erhöhten H+-Ionen-Konzentration im Blut wird das Gleichgewicht des Puffersystems durch vermehrtes Abatmen von CO2 nach rechts verschoben, was eine kompensatorische Senkung der Protonen zur Folge hat (Protonen reagieren vermehrt mit HCO3 zum Zwischenprodukt H2CO3).

  • Umgekehrt kann bei einer Alkalose die H+-Ionen-Konzentration im Blut kompensatorisch erhöht werden, indem durch Hypoventilation die Menge des abgeatmeten CO2 verringert wird. Dadurch verschiebt sich das Gleichgewicht des Bikarbonatpuffers nach links, was eine Erhöhung der Protonen im Blut zur Folge hat.

An der Niere kann die Menge des ausgeschiedenen Bikarbonats ebenfalls durch den Bikarbonatpuffer variiert und kontrolliert werden.

MERKE

Der Bikarbonatpuffer:AtemregulationBikarbonatpuffer stellt das quantitativ wichtigste Puffersystem im Blut dar. Seine größte Bedeutung liegt darin, dass CO2 über die Lunge abgeatmet werden kann.

Damit stellt es ein offenes Puffersystem dar, dessen Gleichgewicht durch Veränderung der Atemintensität reguliert werden kann.

Respiratorische Regulation
Die Regulation des Säure-Basen-Gleichgewichts über die Lunge wird durch zwei Mechanismen ermöglicht. Bei vermehrter Kohlendioxidproduktion durch den Stoffwechsel steigt auch der CO2-Partialdruck in der Extrazellularflüssigkeit, was zu einem erhöhten Druckgefälle zwischen Blut und Ausatmungsluft in den Alveolen führt. Es kommt somit zu einer gesteigerten Abgabe von Kohlendioxid ohne Veränderung der Atemtätigkeit.
Zusätzlich bewirkt eine erhöhte Wasserstoffionenkonzentration im Blut, dass das Atmungszentrum über Chemorezeptoren aktiviert wird. Es kommt zu einer gesteigerten alveolären Ventilation mit vermehrtem Abatmen von CO2, woraus eine gesteigerte Ausscheidung von Säureäquivalenten resultiert.
Umgekehrt reagiert der Körper auf eine Zunahme des Basengehalts mit HypoventilationHypoventilation, um den pH-pH-Wert:respiratorische RegulationWert wieder in den physiologischen Bereich zu senken.
Renale Regulation des pH-Werts
Die Niere:Elimination von SäurenNiere trägt durch die Elimination nichtflüchtiger (fixer) Säuren zur Konstanz des Blut-pH-Werts bei. Im Durchschnitt werden pro Tag 40 bis 60 mmol H+ v. a. in Form von Schwefelsäure ausgeschieden, doch die Niere ist auch in der Lage, die Säureausscheidung je nach pH-pH-Wert:renale RegulationWert in gewissen Grenzen auf maximal 1 mol H+ pro Tag zu steigern.
Zur renalen Ausscheidung von Säuren gibt es mehrere Mechanismen, bei denen die sezernierten Protonen im Tubulus an Puffersubstanzen gekoppelt werden. So entstehen titrierbare Säuren, deren Menge im Urin bestimmt werden kann. Es kommt zu einer Harnsäuerung, die niedrige pH-Werte von bis zu 4 erreichen kann. Quantitativ sind die titrierbaren Säuren und die Ammoniumionen am bedeutsamsten.
Die renale Säureausscheidung geschieht auf folgende Weise:
  • als freie Säure (H+),

  • als titrierbare Säuren:titrierbareSäuren (v. a. H2PO4),

  • als NH4+ (Ammoniumionen) oder

  • durch Resorption und Regeneration von zuvor filtrierten HCO3-Ionen.

Störungen im Säure-Basen-Haushalt

Säure-Basen-Haushalt:StörungenEntgleist der pH-pH-Wert:VeränderungenWert aufgrund eines zu großen Anfalls von Säuren oder Basen, werden anhand der pH-Veränderung verschiedene Störungen differenziert. Liegt der Blut-pH-Wert unter 7,37, spricht man von einer Azidose. Ein Wert über 7,43 wird als Alkalose bezeichnet. Eine Senkung unter 6,8 ist ebenso wenig mit dem Leben vereinbar wie ein Anstieg über 7,8.
Veränderungen des pH-Werts sind von Verschiebungen der Kaliumionen begleitet. Bei Vorliegen einer AzidoseAzidose strömen vermehrt H+-Ionen in den Intrazellularraum (IZR), um einen Konzentrationsausgleich zwischen IZR und Extrazellularraum (EZR) zu erreichen. Dieser H+-Transport über Zellmembranen geschieht hauptsächlich in Form eines Antiports, bei dem K+-Ionen in umgekehrter Richtung, also aus dem IZR ins Blut, strömen. Folglich ist eine Azidose mit einer HyperkaliämieHyperkaliämie verbunden, die sich v. a. auf die Erregungsbildung am Herzen negativ auswirkt. Bei Vorliegen einer AlkaloseAlkalose fließen H+ und K+ in die jeweils entgegengesetzte Richtung, was eine HypokaliämieHypokaliämie auslöst.
Nach dem Entstehungsmodus können diese beiden Störungen noch weiter unterschieden werden. Liegt die Ursache der pH-Verschiebung im respiratorischen System, spricht man von einer respiratorischen Azidose:respiratorischeAlkalose:respiratorischeAzidose bzw. Alkalose. Sind Stoffwechselstörungen, renale oder intestinale Funktionsstörungen verantwortlich, wird dies als metabolische Azidose:metabolischeAlkalose:metabolischeAzidose bzw. Alkalose bezeichnet.
  • Respiratorische Säure-Basen-Säure-Basen-Störungen:respiratorischeStörungen werden renal kompensiert. Im Falle einer Alkalose vermindert die Niere ihre Bikarbonatresorption. Eine Azidose gleicht sie durch vermehrte Säureausscheidung, Bildung von Bikarbonat und dessen Resorption aus.

  • Metabolische Säure-Basen-Säure-Basen-Störungen:metabolischeStörungen werden hauptsächlich durch Anpassung der Atmung ausgeglichen. Einer Alkalose kann durch HypoventilationHypoventilation entgegengewirkt werden. Eine HyperventilationHyperventilation lässt durch vermehrte CO2-Abatmung den pH-Wert steigen. Zusätzlich greift auch hier eine renale Gegenregulation.

Die angesprochenen Abweichungen des Blut-pH-Werts stellen allerdings entweder extreme Belastungen des Organismus oder akut auftretende Komplikationen dar.

MERKE

Chronische Belastungen des Säure-Basen-Haushalts können durch die Pufferwirkung des Bindegewebes lange Zeit kompensiert werden, ohne dass es zu pH-Verschiebungen im Blut kommt.

Bedeutung der Bindegewebsmatrix für die Stabilität des pH

pH-Wert:Bedeutung der MatrixDer Stoffwechsel der einzelnen Zellen ist abhängig von der Zusammensetzung und Funktionsbereitschaft des umgebenden Milieus, der Matrix:Bedeutung für pH-StabilitätMatrix, in der die Zellen eingebettet liegen. Jeder Stoffaustausch zwischen Zellen und umliegenden Strukturen, beispielsweise Arteriolen, Venolen oder Lymphgefäßen, verläuft durch die Bindegewebsmatrix. Gleichzeitig fungiert das Bindegewebe auch als Depot für Stoffwechselmetaboliten aller Art.
Wie oben (Kap. 9.1) erwähnt, setzt sich das Bindegewebe:MatrixBindegewebe aus der Matrix und Bindegewebszellen zusammen. Die Matrix besteht aus der Grundsubstanz, die sich vor allem aus Proteoglykanen mit angelagerten Glykosaminoglykanen und darin eingebetteten Fasern aufbaut. Die hohe Anzahl von polaren Gruppen (-OH, COO-, SO42-) in den Glykosaminoglykanen bewirkt nicht nur eine immense Wasserbindungskapazität der Grundsubstanz:WasserbindungskapazitätGrundsubstanz:Bindung saurer MetabolitenGrundsubstanz, sondern auch die Fähigkeit, saure Metaboliten aus dem intrazellulären Stoffwechsel binden und wieder abgeben zu können. Nehmen die Kohlenhydratanteile im Bindegewebe zu, steigt auch die Anzahl der polaren Gruppen. Man kann also sagen, dass die Pufferkapazität:MatrixPufferkapazität der Matrix für saure Stoffwechselmetaboliten mit der Höhe des Kohlenhydratanteils im Bindegewebe korreliert.
Eine zunehmende Säurebelastung der MatrixSäurebelastung wirkt sich durch die Zwischenlagerung von Säuren in der Matrix:SäurebelastungMatrix auf deren Funktionsbereitschaft aus. Nach Pischinger und anderen ist darin eine entscheidende Komponente für die Entstehung chronischer Beschwerden zu sehen. Durch vermehrte Bindung von Säuren im Bindegewebe:ÜbersäuerungBindegewebe kommt es bei anhaltender Übersäuerung:BindegewebeÜbersäuerung zu einer Protein-Säureverschlackung, die mit Elastizitätsverlust:durch Protein-SäureverschlackungElastizitätsverlust, Schwellungsphänomenen und Störungen im Stofftransport einhergeht. Dadurch entsteht eine meist langfristige Minderversorgung mit Sauerstoff, die zu einem vermehrt anaeroben Stoffwechsel der betroffenen Zellen führt. Dabei wird vermehrt MilchsäureMilchsäure gebildet, was einen Teufelskreis in Gang setzt.
Da neben Natrium und Kalium auch Kalzium zur Neutralisierung von Säuren benötigt wird, erscheint ein Zusammenhang mit der Entkalkung von Knochen und der Entwicklung einer Osteoporose nachvollziehbar. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum die Behandlung einer Übersäuerung:MatrixdynamisierungÜbersäuerung einen wichtigen Teil der Matrixdynamisierung:gegen ÜbersäuerungMatrixdynamisierung darstellt.
In Bezug auf das Hauptthema dieses Buches, nämlich die Grenzen der Osteopathie für ein besseres Verständnis von Rückenschmerzpatienten:entsäuernde MaßnahmenRückenschmerzpatienten zu überschreiten und andere Behandlungsansätze zu integrieren, bedeutet dies, unter Umständen neben osteopathischen Techniken auch entsäuernde Maßnahmen bei einem Patienten anzuwenden. Dies ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn Patienten anamnestisch und symptomatisch Zeichen einer Übersäuerung zeigen und die Beschwerden nicht traumatisch bedingt sind, sondern sich langsam entwickelt haben oder bereits chronifiziert vorliegen.
Behandlung einer Säurebelastung der Matrix
Säurebelastung der Matrix:BehandlungRollt man Kibler-Kibler-Hautfaltentest:Säurebelastung der MatrixHautfalten parallel zur Wirbelsäule von kaudal nach kranial, sind vor allem säurebelastete Areale schmerzhaft. Übersäuertes Gewebezeigt sich oft minderdurchblutet mit bläulich livider Verfärbung. Das ursprünglich geschmeidige Unterhautbindegewebe wird fest, hart und druckschmerzhaft. Die betroffenen Hautareale wirken geleeartig; auch Zellulitis weist auf eine lokale Übersäuerung:Matrix, BehandlungÜbersäuerung des Bindegewebes hin.
Die Behandlung eines säurebelasteten Bindegewebes zielt vor allem darauf ab, die Säureausscheidung zu stimulieren und eine zunehmende Neutralisierung des pH-pH-Wert:Neutralisierung, ErnährungsregelnWerts im Bindegewebe zu erreichen. Zur Entsäuerung des Organismus können beispielsweise gezielt aufgestellte Ernährungsregeln:EntsäuerungErnährungsregeln therapeutisch genutzt werden. Die wichtigsten Prinzipien einer solchen Ernährung sind:
  • Reduktion säurebildender Nahrungsmittel

  • Vermehrte Zufuhr basisch wirkender Nahrungsmittel, evtl. auch Basenpulver (enthalten meist Natriumbikarbonat, Kalziumkarbonat, Kaliumbikarbonat und Natriumphosphat)

  • Hohe Wasserzufuhr

  • Spezielle Teesorten zur Säureausscheidung

Auch die äußerliche Anwendung von basischen Entschlackungsbädern kann therapeutisch sinnvoll sein, wie sich in vielen Kurbetrieben und Thermalbädern immer wieder bei Schmerzpatienten zeigt.

Patientenbesprechung

Angelika

Von unseren vier Patienten weist Angelika wahrscheinlich die höchste Matrixbelastung auf. Ihre Rückenbeschwerden sind chronisch. Nicht mechanische Ruhe, sondern im Gegenteil Bewegung ohne allzu große Belastung bewirkt eine Linderung der Schmerzen. Der unruhige Schlaf könnte ebenfalls mit ihrer MatrixbelastungMatrixbelastung zu tun haben. Die nächtliche Hydrolyse, durch die sich der Gelzustand des Bindegewebes in einen flüssigen umwandelt, ist vermutlich von einer physiologischen zu einer mehr inflammatorischen Hydrolyse geworden.

Katabolismus

Aller Wahrscheinlichkeit nach übt zudem eine chronische Dysbalance des Säure-Basen-Gleichgewichts einen permanenten Reiz auf das autonome Nervensystem aus. Das hat eine Hypersympathikotonie bzw. einen fast katabolen Dauerzustand zur Folge. Im KatabolismusKatabolismus sind jedoch Heilung, Entspannung und Regeneration beeinträchtigt. Die Schlafqualität fängt an, darunter zu leiden.

Metabolisches Syndrom

Neben dieser Problematik zeigt Angelika alle Parameter eines metabolischen metabolisches SyndromSyndroms: Stammfettsucht, Dyslipidämie, Bluthochdruck, Insulinresistenz, prothrombotischer und proinflammatorischer Zustand. Ihre hochglykämische Kost und ihr Übergewicht haben eine Insulinresistenz bewirkt: Die Insulinrezeptorempfindlichkeit ist gesunken, sodass unter anderem hohe Konzentrationen Insulin ausgeschüttet werden. Leider führt das dazu, dass überschüssige Glukosemoleküle in der Leber in Fettsäuren umgewandelt und diese anschließend als Fett im Fettgewebe gespeichert werden.

Leaky-Gut-Syndrom

Ihr drittes Problem ist die viszerale Situation. Angesichts der chronischen Matrixbelastung und des metabolischen Staus muss ein Leaky-Gut-Leaky-Gut-SyndromSyndrom in Betracht gezogen werden. Alle Zeichen und Beschwerden lassen diese Möglichkeit stark vermuten. Man könnte Angelikas Situation als Störung der normalen intestinalen Ökologie beschreiben. Die Homöostase zwischen Darminhalt und den Abwehrbarrieren im Darm ist außer Kontrolle geraten. Eine gestörte Funktionalität dieses Ökosystems beeinträchtigt durch chronische Belastung des Extrazellularraums und aller Entgiftungssysteme das Wohlbefinden insgesamt. Gestört sind folgende vier Barrieren:
  • die Darmflora als mikrobielle Barriere,

  • der Darmschleim als humorale Barriere,

  • die Darmschleimhaut als anatomische Barriere und

  • das darmassoziierte Immunsystem als immunologische Barriere.

Beim Leaky-Gut-Syndrom sind die Barrieren gefallen und der Feind kann eindringen. Eine Hyperpermeabilität der Darmwand hat sich eingestellt, nun kann eine langsame, chronische Invasion von belastenden Substanzen und Organis-
men stattfinden. Die Folgen sind Intoxikation, Überbelastung der Entgiftungssysteme, Matrixbelastung, metabolischer Stau, Immunreaktionen wie Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Meteorismus, Völlegefühl usw.

Prognose

Zusammenfassend kann man sagen, dass lokale Reize an der Wirbelsäule bei Angelika wahrscheinlich wenig bewirken werden. Nur ein Gesamtbehandlungskonzept mit genügender Compliance vonseiten der Patientin dürfte zu einer Besserung der Beschwerden führen. Mit Sicherheit wird sich dann, neben den Rückenschmerzen, auch das ganze Wohlbefinden verändern.

Günter

Günter isst vielleicht nicht ganz gesund und nimmt sich auch nicht immer die Zeit dazu, aber vom Typ her (und seinen Beschwerden nach zu urteilen) neigt er eher zu mechanischen als zu metabolen Beschwerden. Er hat immer relativ rasch und gut auf manualtherapeutische Behandlungen reagiert. Ein Blick auf seinen Säure-Basen-Status wäre natürlich nicht schlecht, aber nicht primär notwendig.

Roland

Obwohl Roland eigentlich ein gesunder Sportler ist und versucht, sich auf eine gute Weise zu ernähren, sollten der oxidative Stress, die funktionelle Übersäuerung und das frühere Weichteiltrauma (mit Bildung von Narbengewebe) nicht unterschätzt werden. Für eine metabolische Komponente seines Leidens sprechen eventuell die Ruhebeschwerden und die komplette Beschwerdefreiheit beim Sport. Er selbst ist natürlich mit seinem Sportpensum der perfekte Motor für sein lymphatisches System. Vielleicht ist hier also die Höhe der multifaktoriellen Belastung entscheidend.

Inge

Bei Inge stehen zwei metabolische Faktoren therapeutisch im Vordergrund: die Regulierung ihres Blutzuckers und ihrer Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Aus Sicht ihrer metabolen extra zellulären Dynamik ist es günstig, dass sie sich vegetarisch ernährt und dadurch einer Übersäuerung entgegenwirkt.
Wie bei Angelika muss auch bei Inge der Verdacht auf ein Leaky-Gut-Syndrom abgeklärt werden. Nahrungsmittelunverträglichkeiten:Leaky-Gut-SyndromNahrungsmittelunverträglichkeiten gehören zu den häufigsten Zeichen einer hyperdurchlässigen Darmwand. Eine Störung der immunologischen Barriere kann hier ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

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