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B978-3-437-58930-0.00013-1

10.1016/B978-3-437-58930-0.00013-1

978-3-437-58930-0

Testen der äußeren Augenmuskeln [4]

Weber-Test (a): Untersuchung auf Lateralisation; Rinne-Test: Vergleich der Knochenleitung am Proc. mastoideus (b) und der Luftleitung (c) [10]

Lymphbahnen des Kopf-, Gesichts- und Halsbereichs [2]

Hautant-Test

Magnus-De Kleyn-Test

Orthognathe Kraftübertragung im Schädel

Seitenabweichung bei der Mundöffnung

Palpation der Schilddrüse und des umgebenden Gewebes.

Traktionsscreening – Lauschstation Kopf

Kompressionsscreening – Lauschstation Kopf

Listening- und Rhythmusscreening – Lauschstation Kopf

Fasziales Screening – Lauschstation Nacken

Fasziales Screening – Lauschstation Hals

Fasziales Screening – Lauschstation obere Extremitäten

Fasziales Screening – Lauschstation Sternum

Fasziales Screening – Lauschstation BWS

Fasziales Screening – Lauschstation Sakrum

Fasziales Screening – Lauschstation Bauch

Fasziales Screening – Lauschstation untere Extremitäten

Fasziales Screening – Lauschstation zentrale Myofaszialkette

Fasziales Screening – Lauschstationen Sakrum und Nacken

Fasziales Screening – Lauschstationen Sternum und Pubis

Fasziales Screening – ventrale Lauschstationen Schulter und heterolaterale Hüfte

Allgemeine Untersuchung und Grundregeln für Therapeuten

Zur Untersuchung und Behandlung habe ich eine Art ArbeitsleitfadenArbeitsleitfaden entwickelt, den man der Reihe nach beim Patienten durchgehen kann und abhängig von der vorhandenen Störung mehr oder weniger intensiv ausarbeiten sollte. Dieser Leitfaden lässt sich selbstverständlich jederzeit erweitern oder komprimieren!

Ich habe bewusst darauf verzichtet, jede mögliche Handhabung einer Technik zu präsentieren, und ich werde bestimmt auch nicht darstellen, wie jede einzelne Struktur im Schädel- oder Wirbelsäulenbereich untersucht bzw. behandelt werden muss. Stattdessen habe ich viel Energie investiert, um ein strukturiertes Vorgehen in Verbindung mit einem breiten praktischen Untersuchungs- und Behandlungsschema des Schädels zu entwickeln, ohne dabei dogmatisch erscheinen zu wollen. Die Individualität des Patienten soll gewahrt bleiben.

Ich bin überzeugt, dass der Leser, nachdem er dieses Buch gründlich durchgearbeitet und praktische Seminare besucht hat, dazu befähigt sein wird, die beschriebenen osteopathischen Grundprinzipien (Kap. 2) bei Bedarf auch auf ähnliche, hier nicht beschriebene Strukturen anzuwenden.

Folgende wichtige Elemente gilt es explizit zu berücksichtigen. Sie sollten deswegen praktisch auch immer durchgetestet bzw. behandelt werden:

  • Zunächst dient eine ausführliche AnamneseAnamnese und allgemeine Untersuchung:allgemeineUntersuchung dazu, schon vorab einerseits möglichst viele Informationen zu sammeln und andererseits die Kontraindikationen besser einschätzen zu können (siehe unten).

  • Ein fasziales Screenen:faszialesScreenen des ganzen Körpers hilft, nicht-lineare Zusammenhänge auch zwischen weiter entfernten Körperregionen aufzuspüren (Kap. 13.5).

  • Untersuchung und Behandlung der myofaszialen und artikulären Wirbelsäulenstrukturen, insbesondere der HWS, im Hinblick auf Spannungsfreiheit (Kap. 14)

  • Untersuchung und Behandlung der myofasziale myofaszialen Strukturen:SpannungsfreiheitStrukturen, die am Schädel ansetzen, im Hinblick auf Spannungsfreiheit:myofasziale StrukturenSpannungsfreiheit (Kap. 15)

  • Untersuchung und Behandlung der SchädelsuturenSchädelsuturen (Kap. 16)

  • Untersuchung und Behandlung von Spannungsmustern des Schädels und der SchädelforaminaSchädelforamina: Optimierung der Compliance der Schädelknochen (Kap. 17)

  • Untersuchung und Behandlung der Schädelforamina mit venolymphatischen und zerebrospinalen Pumptechniken (Kap. 18)

  • Untersuchung und Behandlung der viskoelastischen Eigenschaften der Meningen (Kap. 19)

  • Aktives Aufbauen von CopingstrategienCopingstrategien mit Atemübungen und Körperhaltungen (Kap. 20).

Es kann sinnvoll sein, einen ausführlichen Anamnesebogen auszuarbeiten. Als Anleitung kann dieses Kapitel hervorragend zu Rate gezogen werden. Manchmal ist es auch sinnvoll, ausführlichere Fragebogen erst nach dem ersten Gespräch mitzugeben, sodass die Patienten die Fragen vollständig und mit Bedacht zu Hause ausfüllen können.

Beim ersten Termin empfiehlt es sich auf jeden Fall, eine allgemeine (kurze) Anamnese zu erheben (Kap. 13.1.1).

Allgemeine Untersuchung und Anamnese

Es ist sinnvoll und hilfreich, Fragebögen und Selbstbeurteilungsinstrumente bei der Erhebung der AnamneseAnamnese und bei der Untersuchung einzusetzen. Man sollte Patienten niemals vorschnell stigmatisieren oder katalogisieren!
Die nachfolgenden Anamnesefragen dienen als Orientierung und sollten durch weitere gezielte, spezifisch auf den Patienten zugeschnittene Fragen ergänzt werden!

Ein globales Anamnese-Schema

Allgemeine Anamnese
  • 1.

    Anamnese:allgemeine Äußeres Erscheinungsbild:AnamneseErscheinungsbild des Patienten (unvoreingenommen beurteilen!). Wie akut ist sein pathologischer Zustand? Wie geht der Patient mit seiner Krankheit um? Wirkt er sehr mitgenommen oder versteckt er die Krankheit eher?

  • 2.

    Türöffner-Türöffner-Fragen:AnamneseFragen: Was kann ich für Sie tun? Weswegen sind Sie hier? Wo haben Sie Probleme? Was für Probleme? Verändern diese sich unter Umständen, z. B. durch äußere Einflüsse? Daran zeigt sich, wie der Patient sich verhält und wie er seine Krankheit sieht, welche Erwartungen er an die Therapie stellt.

  • 3.

    Gibt es akute Beschwerden? Wie und wann haben sie angefangen? Gibt es eindeutige Ursachen für die Erkrankung? Wann verschlimmern sich die Beschwerden? Wann bessern sich die Beschwerden?

  • 4.

    Welche Befunde:AnamneseBefunde liegen vor? Sind z. B. Röntgen- oder MRT-Bilder oder Arztberichte vorhanden? Sind weiterführende Untersuchungen bzw. Überweisung zu einem Arzt/Spezialisten notwendig? Sind Kontraindikationen für eine osteopathische Behandlung vorhanden?

  • 5.

    Bestehen chronische Erkrankungen? Frühere Erkrankungen/Operationen/Unfälle? Kinderkrankheiten? Besonderheiten bei der eigenen Geburt?

  • 6.

    Welche Erkrankungen naher Verwandter (Eltern, Geschwister, Kinder) sind bekannt?

  • 7.

    Wie erklärt sich der Patient seine Krankheit? Welche Ursachen spielen seiner Meinung nach eine Rolle?

  • 8.

    Muss der Patient Medikamenteneinnahme:AnamneseMedikamente einnehmen? Wird er momentan behandelt? Leidet er an Allergien? (Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente nachschauen)

    • Nimmt oder hat er vor kurzem Antibiotika (z. B. Penicillin) verabreicht bekommen?

    • Nimmt oder hat er regelmäßig Herzmittel (z. B. Betablocker, Digitalis), Mittel gegen hohen Blutdruck (z. B. ACE-Hemmer) oder Blutgerinnungshemmer (z. B. Marcumar, Tramexan, Sintron) eingenommen?

    • Nimmt oder hat er regelmäßig Mittel zur Entwässerung (z. B. Lasix, Hygroton) oder Abführmittel eingenommen?

    • Braucht oder hat er regelmäßig Cortison oder ähnliche Mittel, Insulinspritzen oder Tabletten gegen Zuckerkrankheit oder Schilddrüsenmittel benötigt?

    • Werden regelmäßig Hormone (z. B. Antibabypille) oder andere Medikamente, nach denen noch nicht gefragt wurde, eingenommen?

    • Ist er in den letzten Monaten geimpft worden?

  • 9.

    Wie ist der momentane Gesundheitszustand:AnamneseGesundheitszustand des Patienten?

    • Blutwerte? Blutdruck? Puls? Schwindligkeit?

    • Ernährung? Wie sieht die Ernährung im Tagesverlauf aus? Wird selber gekocht oder in der Kantine gegessen? Wie viel Obst und Gemüse wird am Tag verzehrt?

    • Verdauung? Stuhlgang/Wasserlassen? Treten Schmerzen beim Wasserlassen auf?

    • In welcher Verfassung sind Zähne? Augen? Ohren? Wie ist das Gleichgewicht?

    • Leidet der Patient unter Schlafstörungen? Sind B-Zeichen vorhanden?

    • Treibt der Patient Sport? Wie viel bewegt er sich täglich?

    • Raucht der Patient, und wenn ja, wie viel? Trinkt er Alkohol, und wenn ja, wie viel?

  • 10.

    Leidet der Patient unter Stress:AnamneseStress? Wenn ja, unter welcher Art von Stress? Erfordert seine Tätigkeit z. B. langes Sitzen, schweres Heben, ist sie mit Lärmbelastung verbunden? Hat er beruflich viel Stress? Macht sein Job ihm Spaß? Gibt es sonstige Belastungen im Job (z. B. Probleme mit Vorgesetzten und Kollegen, drohender Arbeitsplatzverlust)?

  • 11.

    Ist der Patient kranken- und sozial versichert? Hat er vor, nach seiner Gesundung wieder in den Job zurückzukehren?

  • 12.

    Zeigt der Patient Ängste? Reagiert er abwesend, depressiv oder antriebslos?

  • 13.

    Wie fühlt sich der Patient allgemein? Wie steht er im Leben? Sieht er sich eher als Optimist oder als Pessimist? Muss ein weitergehender psychischer Befund erhoben werden?

  • 14.

    Lebt der Patient in seiner Familie oder Partnerschaft eingebunden? Hat er Kinder? Geschwister? Wie ist das Verhältnis untereinander?

  • 15.

    Sollte der Patient oder der Therapeut sonst noch was wissen? Diese Frage gibt dem Patienten abschließend noch die Möglichkeit, Themen einzubringen, die er selber als wichtig erachtet und die der Therapeut nicht direkt angesprochen hat.

Schmerzmessung (numerische Rating-Skala)
Auch wenn Schmerz sozusagen subjektiv ist und die Schmerzwahrnehmung verzerrt sein kann, halte ich es für respektvoll und sinnvoll, Patienten selbst ihre Schmerzen und Beschwerden beschreiben zu lassen. Weil ein Körper nicht ohne Bewusstsein leben kann, kann er auch nicht ohne Bewusstsein krank sein und Schmerzen haben!
Die folgende Skala zur Selbsteinschätzung von Schmerzen:SelbsteinschätzungsskalaSchmerzen beruht auf der Chronic Pain Grading Chronic Pain Grading Scale:SchmerzmessungScale von Korff et al. (1992) in einer eigenen Modifikation:
Unsicherheitsfaktoren
Folgende Angaben können auf eine ernste Störung hindeuten und sollten zu großer Vorsicht mahnen. Diese Angaben sind eher als Kontraindikationen:Überweisung zum ArztKontraindikationen zu werten und zu einer Überweisung:bei KontraindikationenÜberweisung des Patienten zum Arzt veranlassen:
  • Zustand nach einem frischen Trauma (Autounfall, schwerer Sturz)

  • Tumorprozesse in der Vorgeschichte

  • B-Symptomatik: Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust ohne Diät

  • Fehlende diagnostische Angaben

  • Unfähigkeit des Patienten, sich selbst zu beobachten und sein eigenes Denken zu reflektieren (z. B. in einer akuten psychotischen Phase)

  • Starke akute/stark ausstrahlende Schmerzen.

Anamnese der Stressfaktoren

Ob man mit dieser Arbeit bereits bei der ersten Konsultation anfangen kann bzw. soll, gilt es individuell und situationsbedingt abzuwägen. Die Kommunikation zwischen Patient und Therapeut sollte in beiden Richtungen stattfinden! Gegenseitiges Verstehen hat einen starken Einfluss auf die Basis der Patienten-Therapeuten-Patienten-Therapeuten-Beziehung:KommunikationBeziehung. Vermeiden Sie es beispielsweise, unverständliche Instruktionen mit viel Fachterminologie zu geben.
Bereits im Erstgespräch:AnamneseAnamnese:ErstgesprächErstgespräch kann man versuchen, die sieben Modalitäten abzufragen, die laut Lazarus die Persönlichkeit eines Menschen ausmachen und die er als Anamnese:BASIC-I. D.BASIC I. D.BASIC I. D.:nach Lazarus angibt (Lazarus 1989):
  • 1.

    B Verhalten (behavior)Verhalten (behavior), beispielsweise Aggressivität, Trinken, nur das Negative sehen. Fragen Sie: Was würden Sie gerne tun? Womit möchten Sie gerne aufhören?

  • 2.

    A Affekte (affects)Affekte (affects), beispielsweise Angst, Depressionen. Fragen Sie: Was bringt Sie zum Lachen? Was macht Sie traurig? Leiden Sie unter negativen Emotionen wie Angst, Depression, Schuldgefühlen?

  • 3.

    S Empfindungen (sensations)Empfindungen (sensations), beispielsweise Schmerzen, Parästhesien. Fragen Sie: Was empfinden Sie als besonders angenehm? Was als besonders unangenehm?

  • 4.

    I Vorstellungen (imagery)Vorstellungen (imagery). Fragen Sie: Wie schätzen Sie Ihre Zukunft ein? Was gefällt Ihnen (nicht) an der Art, wie Sie sich wahrnehmen?

  • 5.

    C Kognitionen (cognition)Kognitionen (cognition). Fragen Sie: Was interessiert Sie besonders? Was ist Ihnen besonders wertvoll und wichtig?

  • 6.

    I zwischenmenschliche Beziehungen:zwischenmenschlicheBeziehungen (interpersonal interpersonal relationshipsrelationships). Fragen Sie: Wer ist der wichtigste Mensch in Ihrem Leben? Was erwarten Sie von anderen? Was erwarten andere von Ihnen?

  • 7.

    D Drogen (drugs)Drogen und biologische Faktoren (drugs-biology). Fragen Sie: Wie ernähren Sie sich? Wie steht es mit Sport und Ihrer körperlichen Fitness? Nehmen Sie irgendwelche Medikamente oder Drogen?.

Ein BASIC-I. D.-Profil liefert interessante Ergebnisse und zeigt, dass auch Psychotherapeuten:BASIC-I. D.-ProfilPsychotherapeuten eher eine subjektive Diagnose anstreben als sich an der bekannten Einteilung nach der ICD-Liste, Kapitel V (F00–F99) zu orientieren (Kap. 3.12).Patienten:Anamnesebogenosteopathische Patienten:AnamnesefragebogenAnamnesebogen:osteopathische Patienten

Empfehlung für die Praxis

In der osteopathischen Praxis empfiehlt es sich vielleicht eher, zuerst einen allgemeinen Anamnesebogen (Kap. 13.1.1) ausfüllen zu lassen und den Patienten nicht gleich zu Beginn mit vielen intimen Fragen zu bedrängen. Ein langsames Herantasten und ein behutsames Anpassen der Untersuchungs- und Behandlungsstrategie hat sich aus meiner Erfahrung bewährt.

Die nachfolgenden Fragen können dann im Laufe der weiteren Sitzungen oder eventuell als Hausaufgabe nach der ersten Sitzung integriert werden. Es ist dabei wichtig, dem Patienten Patienten:Fragen zur Gesundheitzu erklären, was diese Fragen mit seiner Pathologie bzw. Gesundheit zu tun haben.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass Patienten, wenn sie verstehen lernen, wie Körper, Geist, Seele und soziales Umfeld miteinander verknüpft sind, durchaus positiv und dankbar auf eine intensive Befragung und das empathische Interesse des Therapeuten reagieren. Oft fügen sie sogar (traurigerweise) hinzu, dass sich noch nie jemand so viel Zeit für sie genommen hat.
Fragen zu Makrostressfaktoren
  • IstMakrostressfaktoren:Fragen der Lebenspartner des Patienten gestorben?

  • Hat der Patient die Scheidung seiner Eltern erlebt? Hat er ein oder beide Elternteile früh verloren?

  • Ist der Patient selbst von seinem Lebenspartner getrennt oder seine Ehe geschieden?

  • Hat der Patient eine Haftstrafe verbüßt?

  • Hat der Patient einen oder mehrere Familienangehörige (z. B. ein Kind) und/oder Freunde durch Tod verloren?

  • Leidet der Patient oder ein naher Verwandter an einer schweren Erkrankung?

  • Hat der Patient seinen Job verloren und/oder befindet er sich in einer finanziellen Notlage?

  • Gibt es noch andere Faktoren, die der Patient selber als große (Stress-)Belastung ansieht?

Fragen zu Mikrostressfaktoren
  • LebtMikrostressfaktoren:Fragen der Patient in Streit mit Freunden oder Familienangehörigen?

  • Lebt der Patient in Streit mit seiner Lebensgefährtin/seinem Lebensgefährten?

  • Hat der Patient Probleme am Arbeitsplatz?

  • Hat der Patient finanzielle Sorgen?

  • Hat der Patient Probleme mit seinen Kindern, Geschwistern oder Eltern?

  • Was bereitet ihm Stress? Was bereitet ihm Freude?

  • Gibt es noch andere Faktoren, die der Patient selber als kleinere (Stress-)Belastung ansieht?

Persönlichkeits- und psychosoziale Anamnese (Vorgeschichte des Kranken, psychischer Befund und soziales Umfeld)

EsAnamnese:psychosoziale ist wichtig zu erkennen, ob der Patient professionelle psychologische oder psychiatrische Hilfe braucht und ob daher eine Überweisung zum Psychologen bzw. Psychiater notwendig ist. Die nachfolgenden Fragen sind Beispiele dafür, wie man sich ein Bild vom Patienten machen kann, ohne ihn zu stigmatisieren oder in eine Schublade zu stecken. Wichtig ist auch zu erfahren, ob der Patient mit Problemen, Gefühlen oder Krisen zu kämpfen hat, für die er keinen erfolgreichen Lösungsansatz oder keine Bewältigungsstrategie findet.
  • Wie ist das äußere Erscheinungsbild des Patienten? Gepflegt? Verwahrlost?

  • Wie ist sein Bewusstseinszustand? Wach? Präsent? Aufmerksam?

  • Ist der Patient antriebsgesteigert und unruhig oder starr und gehemmt?

  • Haben Sie das Gefühl, mit dem Patienten in Kontakt getreten zu sein? Reagiert er realitätsbewusst?

  • Funktioniert das Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis des Patienten?

  • Ist die Beschreibung der Situation und der Beschwerden angemessen? Wirkt der Patient dabei euphorisch – gleichgültig – niedergeschlagen?

  • Beispielhafte Fragen Anamnesefragen:nach psychischer Verfassungzur psychischen Verfassung: psychische Verfassung:FragenbeispieleHatten Sie jemals das Gefühl, nicht Sie selbst zu sein oder sich in einer fremden Umgebung zu befinden? (Frage Anamnesefragen:nach Depersonalisationnach Depersonalisation)

  • Depersonalisation:Anamnesefragen Was sorgt dafür, dass Sie sich glücklich/nicht so glücklich fühlen? Was würden Sie gerne tun bzw. lassen? Haben Sie Angst vor bestimmten Sachen, Personen, Situationen? Haben Sie jemals Dinge gehört oder gesehen, die es nicht gibt? (Frage Anamnesefragen:nach Wahrnehmungsstörungennach Belastungen, Wahrnehmungsstörungen Wahrnehmungsstörungen:Anamnesefragenund Halluzinationen)

  • Hat das Schicksal Ihnen oder Ihrer Familie übel mitgespielt? (Frage Anamnesefragen:nach Belastungennach traumatischen Belastungen)

  • Belastungen:Anamnesefragen Fühlen Sie sich oft gestresst? Wo tritt der Stress hauptsächlich auf (z. B. in der Arbeit)? Wie reagieren Sie (mit Kopfschmerzen, Magenschmerzen) auf Stress?(Frage Anamnesefragen:nach Somatisierungnach Somatisierung)

  • Somatisierung:Anamnesefragen Was bringt Sie zum Lachen? Was bringt Sie zum Weinen oder macht Sie traurig? Leiden Sie unter Angst, Ärger, Depression, Schuld- oder anderen negativen Gefühlen? Fühlen Sie sich grundlos ängstlich, niedergeschlagen? (Frage Anamnesefragen:nach affektiven Störungennach affektiven Störungen)

  • affektive Störungen:Anamnesefragen Wie betrachten Sie sich selbst? Sind Sie zufrieden mit Ihrer Situation? Was werden Sie in der Zukunft tun? Würden Sie gerne was ändern? (Frage Anamnesefragen:nach Ich-Störungennach Ich-Störungen)

  • Ich-Störungen:Anamnesefragen Was sind Ihre Hauptinteressen und Beschäftigungen? Was tun Sie in der Freizeit? Was sind Ihre Hobbys und Interessen? Treiben Sie Sport? Lesen Sie gerne Bücher? (Frage Anamnesefragen:nach Kognition und Aktivitätennach Kognition –Kognition:AnamnesefragenAktivitäten:Anamnesefragen Denken, Bewusstsein, Gedächtnis – und nach Aktivität/Sport)

  • Wer sind die wichtigsten Menschen in Ihrem Leben? Gibt es Stress mit bestimmten Menschen, mit denen Sie sich nicht gut verstehen? (Frage Anamnesefragen:Kontaktstörungennach Kontaktstörungen)

  • Kontaktstörungen:Anamnesefragen Haben Sie einen großen Freundeskreis? Haben Sie eine große Familie? Treffen Sie sich oft? Reicht Ihnen das oder ist es eher zu selten für Sie? (Frage Anamnesefrage:nach sozialem Umfeldnach dem sozialen Umfeld)

  • soziales Umfeld:Anamnesefragen Wie ernähren Sie sich? Nehmen Sie irgendwelche Medikamente? Trinken Sie? Rauchen Sie? (Frage nach Essstörungen, Suchtverhalten)

  • Suchtverhalten:Anamnesefragen Was würden Sie gerne verändern in Ihrem Leben? Gibt es Personen, die gegen Sie sind?Was sind Ihre besonderen Talente und Stärken? Was sind Ihre Schwächen?

Spezifische Fragen zu psychischen Störungen finden Sie darüber hinaus in Kapitel 3.13.
Beispielhafte Fragen zur Gefühlsoffenheit
Die nachfolgenden Fragen sollen keine Diagnosestellung ermöglichen, sondern einen Einblick geben, wie offen oder verschlossen Patienten mit ihren Gefühlen Gefühlsoffenheit:FRagenbeispieleumgehen.
Bitten Sie den Patienten, mit sehr zutreffend, zutreffend, unklar, wenig zutreffend oder keinesfalls zutreffend zu antworten:
  • Wenn Sie nach Ihren Gefühlen gefragt werden, wissen Sie oft keine Antwort.

  • Sie sind sich unsicher, mit welchen Worten Sie Ihre Gefühle beschreiben sollen.

  • Wenn andere Menschen deutlich ihre Gefühle zeigen (z. B. mit Weinen), haben Sie Schwierigkeiten, deren Gefühle nachzuempfinden.

  • Sie können Ihre eigenen Gefühle mit vielen Beispielen beschreiben.

  • Manchmal regen sich Leute über Sachen oder Menschen auf, ohne dass Sie nachvollziehen können, warum.

  • Bekannte haben Ihnen vorgehalten, dass Sie schlecht zuhören und mitfühlen können.

  • Wenn Sie aufgeregt oder schlecht gelaunt sind, können Sie den Grund dafür nur schwer beschreiben.

  • Sie sprechen gern mit anderen über emotionale Erlebnisse.

  • Es fällt Ihnen leicht, die Bedürfnisse und Gefühle von anderen Menschen zu erahnen.

  • Sie treffen Entscheidungen nur nach reiflicher Überlegung und nie aus dem Bauch heraus.

  • Sie fragen oft andere Menschen, wie sie sich an Ihrer Stelle fühlen würden.

  • In problematischen Situationen bekommen Sie oft Bauch- oder Kopfschmerzen oder ähnliche Symptome.

  • Sie verhalten sich oft sehr spontan und entscheiden sich gänzlich unerwartet und unüberlegt.

  • Man wirft ihnen manchmal Kaltherzigkeit und Gefühllosigkeit vor.

Entspannungsübungen:Alexithymie

Empfehlungen für die Praxis

Bei verschlossenen Patienten (Alexithymie oder Gefühlsblindheit) kann es sinnvoll sein, Entspannungsübungen sowie Übungen zur Gefühls- und Körperwahrnehmung in die Behandlungsstrategie einzubauen.

Bei starker Verschlossenheit kann es notwendig sein, den Patienten zum Psychologen oder Psychiater zu überweisen.

Anamnese der salutogenen Faktoren

Fragen zu salutogenen Faktoren
Folgende Fragen nach Anamnesefragen:zu salutogenen FaktorenRessourcen, Stärken und Schwächen sind im Hinblick auf die Salutogenese interessant.
Individuelle salutogene Faktoren:
  • Was erfüllt mein Leben? Was ist mein Lebenssinn? Welche Ziele erfolge ich im Leben?

  • Kann ich frei und verantwortungsvoll über mein Leben bestimmen? Gestalte ich mein Leben so, wie ich es will? Bin ich zufrieden mit meinem momentanen Leben?

  • Würde ich neue Wege finden? Bin ich bereit, Neues zu lernen? Bin ich schnell für neue Dinge zu begeistern?

  • Anamnesefragen:zu salutogenen FaktorenBin ich eher ängstlich und lehne neue Aufgabenstellungen erst mal ab, oder nehme ich sogar abenteuerliche Herausforderungen bereitwillig an?

  • Achte ich mich selbst? Vertraue ich auf mein Wissen und meine Fähigkeiten?

  • Sehe ich meiner Zukunft optimistisch entgegen? Wie kann ich meine Zukunft besser gestalten? Verliere ich bei Rückschlägen schnell die Hoffnung?

  • Bewege ich mich genügend (täglich)? Welche Bewegungsarten liegen mir und tun mir gut? Welche Bewegungsarten sollte ich meiden?

Soziale salutogene Faktoren:
  • Anamnesefragen:zu salutogenen FaktorenBin ich wirtschaftlich und finanziell unabhängig? Komme ich mit dem Geld, das ich verdiene, aus?

  • Liebe und respektiere ich meine Mitmenschen und meine Familie? Kann ich mich in andere Menschen einfühlen?

  • Kann ich anderen Menschen zuhören und ihnen einen klugen Rat geben?

  • Kann ich Menschen, die mir Unrecht getan haben, vergeben?

  • Habe ich Freunde, denen ich mein Herz ausschütten darf?

  • Tue ich anderen Menschen gerne etwas Gutes? Schätze ich menschliche Nähe? Fühle ich mich in meinem sozialen Umfeld geborgen?

  • Bin ich teamfähig oder arbeite ich lieber alleine?

  • Werde ich von meinen Mitmenschen und meiner Familie geachtet und anerkannt?

  • Lebe ich in Harmonie? Gibt es Menschen oder Situationen, die mich fürchterlich stressen?

  • Hätte ich gerne mehr Freunde?

  • Würde ich gerne meinen Arbeitsplatz wechseln? Erfüllt mich mein Job mit Zufriedenheit? Finde ich berufliche Anerkennung?

Emotionale salutogene Faktoren:
  • Anamnesefragen:zu salutogenen FaktorenKann ich mich an schönen Dingen (Natur, Musik, Kunst) erfreuen?

  • Kann ich bescheiden und demütig sein oder muss ich unbedingt ständig erzählen, was ich alles schon geleistet habe?

  • Lache ich gerne und bringe ich andere gerne zum Lachen?

  • Bin ich mir der guten Dinge, die mir passieren, bewusst?

  • Überlege ich gut, was ich sage, damit ich es später nicht bereuen muss?

  • Glaube ich an einen höheren Sinn des Lebens?

Bei diesen Fragen geht es einerseits um die Selbstfindung des Patienten und andererseits darum, dass der Therapeut gemeinsam mit dem Patienten nach Stärken und Schwächen sucht, um Coping- und Hilfestrategien für bestehende Problemfälle aufzustellen. Es ist wichtig, lösbare von unlösbaren Problemen zu differenzieren und die Stärken des Patienten zu Hilfe zu nehmen.
Selten liegt nur ein kausaler Faktor vor, und das Veranschaulichen, wie manche Faktoren miteinander verkettet sind, kann Patienten neuen Mut geben und alternative Lösungswege aufzeigen.
Krankheit:als Warnung Krankheit:Bedeutung

Was Krankheit bedeuten kann

Eine Krankheit erzwingt mit ihren Symptomen Beachtung und Aufmerksamkeit. Oft zeigt sie dem Patienten ungeschminkt und knallhart, dass etwas nicht richtig läuft! Krankheit ist als Warnung zu verstehen, (kurz) innezuhalten und sein Leben zu inspizieren. Sie verlangt, die ursächlichen Faktoren anzugehen. Zur Bekämpfung der Ursachen reicht es nicht, einfach nur die Symptome zu betäuben.

Wenn im Flugzeug eine Kontrolllampe aufleuchtet und davor warnt, dass etwas nicht richtig funktioniert, kann es katastrophale Folgen haben, wenn man nicht die Ursache behebt, sondern nur die Kontrolllampe ausschaltet!

Zwischen ursächlichen Faktoren und zusätzlich belastenden Faktoren unterscheiden zu können, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Patient, Arzt (Psychologe, Therapeut) und Verwandtschaft sollten daraufhin gemeinsam nach Strategien suchen, mit denen sich sowohl die Krankheitsursachen als auch Krankheitsursachen:und zusätzliche Belastungendie komplementären Stressfaktoren mildern Stressfaktoren:zusätzlich zur Krankheitsursacheund abbauen lassen. Hierbei ist es sehr wichtig, nach aktiven und passiven Ressourcen des Patienten, auch im Ressourcen des Patientensozialen Umfeld, zu suchen, um seine Gesundung zu unterstützen. Der Patient sollte lernen, eigenverantwortlich seine Stärken einzusetzen und an seinen Schwächen zu arbeiten.
Darüber hinaus verschafft es dem Therapeuten auch die Möglichkeit, Kontraindikationen zu Kontraindikationen:Überweisung zum Arzt/Psychologenerkennen und den Patienten eventuell zu einem Facharzt oder Psychologen zu überweisen.

Allgemeine Untersuchung im Schädel-Hals-Nackenbereich

Allgemeine Anamnese in Bezug auf den Schädel-Hals-Nackenbereich

Sowohl ein Geburtstrauma als auch ein Verkehrsunfalltrauma, Muskelhypertonien bzw. Muskelverkürzungen, psychoemotionale Störungen oder Kiefergelenkprobleme können eine wesentliche Belastung für den Schädel darstellen. Deswegen sollte sorgfaltig und gründlich eine ausführliche Anamnese erhoben Anamnese:Kopf-Hals-Nackenbereichwerden.
Es ist sinnvoll, explizit nach entsprechenden Einwirkungen im Kopf-, Hals- und Nackenbereich zu fragenKopf-, Hals- und Nackenbereich:Anamnese:
  • Verlief die eigene Geburt problematisch (evtl. die Mutter dazu befragen)? War es eine Zangengeburt? Trat unmittelbar nach der Geburt ein Schiefhals oder eine Plagiozephalie auf?

  • Hat der Patient ein Trauma (z. B. Schädel-Hirn-Trauma, Verkehrsunfall, Stürze) erlitten?

  • Wurde er im Kopf-, Hals- oder Nackenbereich (z. B. Schilddrüse) operiert?

  • Trägt der Patient ein künstliches Gebiss oder Teilprothesen?

  • Gab es Zahnextraktionen? Bestehen Kiefergelenkprobleme oder komplexe Zahnfehlstellungen?

  • Wie sieht es mit der Arbeitshaltung des Patienten aus? Übt er z. B. eine sitzende Tätigkeit aus? Wie viel oder wenig bewegt sich der Patient in der Arbeit bzw. in der Freizeit?

  • Wie steht es mit der Sehstärke des Patienten? Hat sich die Sehschärfe in letzter Zeit verändert? Liegen Gesichtsfeldausfälle vor? Trägt der Patient eine Sehhilfe und wenn ja, wie lange schon?

  • Leidet der Patient momentan unter Schmerzen (z. B. Kopfschmerzen, Gesichtsschmerzen, Nackenschmerzen) oder Schwindelgefühlen?

  • Wie empfindlich sind die Gelenke und die myofaszialen Strukturen der HWS?

  • Wie ist der Zustand der Wirbelsäule, insbesondere der HWS? Liegen Bandscheibenprobleme oder in die oberen bzw. unteren Extremitäten ausstrahlende Schmerzen vor?

  • Leidet der Patient unter Stimmproblemen? Ist er häufig heiser?

  • Leidet der Patient unter Schluckbeschwerden? Besteht ein Globusgefühl?

  • Leidet der Patient unter einem Engegefühl im Halsbereich? Ist eine sicht- oder tastbare Schwellung im Bereich der Schilddrüse vorhanden?

  • Hat der Patient Sprachstörungen (Dysarthrien)?

  • Gibt es sonstige Beschwerden?

  • Welche ärztlichen Befunde liegen vor?

Kopfschmerzen

Anamnese:KopfschmerzenKopfschmerzen kommen Kopfschmerzen:Anamneserelativ häufig vor und können vielfältige Ursachen haben. Kopfschmerzen werden von sensiblen Nervenfasern geleitet. Dabei kann man grob zwischen dem N. trigeminus (Gesichts- und Stirnbereich sowie Meningen der vorderen und mittleren Schädelgrube), dem N. glossopharyngeus und N. vagus (Meningen der hinteren Schädelgrube) und dem Plexus cervicalis, vor allem C2 und C3 (Scheitel- und Hinterkopfbereich sowie Meningen der hinteren Schädelgrube), unterscheiden.
Da Kopfschmerzen aber auchKopfschmerzen:differenzialdiagnostische Fragen Teil einer sehr ernsthaften Pathologie (z. B. Tumor, Abszess, Blutgerinnsel, Meningitis) sein können, sollte zur differenzialdiagnostischen Abgrenzung immer gezielt nachgefragt werden nach:
  • Art des Kopfschmerzes

  • Schmerzlokalisation

  • Verteilungsmuster (zeitliches Auftreten) des Kopfschmerzes

  • Vorboten

  • Begleiterscheinungen

  • Möglichen Auslösern des Kopfschmerzes: Bewegung? Alkoholgenuss oder bestimmte Speisen (z. B. tyraminhaltige Nahrungsmittel wie Schokolade oder Hartkäse)? Stress? In Zusammenhang mit der Menstruation?

  • Blutdruck

  • Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule und der Myofaszialketten

  • Entzündungen im Bereich des Kopfes

  • Meningitis-Zeichen

Kopfschmerzursachen
Die allgemeine Ursache von Schmerzen ist ein Kopfschmerzen:Ursachenthermischer, mechanischer oder chemischer Reiz von Schmerzrezeptoren. Bei Migräne gilt es Migräne:Serotonin-Rezeptorenals gesichert, dass Serotonin-Rezeptoren, die sichSerotonin-Rezeptoren:Migräne u. a. in der glatten Muskulatur der intrakranialen extrazerebralen Gefäße befinden, eine bedeutende Rolle spielen. Bestimmte Serotonin-Rezeptoren sollen hauptsächlich an präsynaptischen Endigungen der C-Fasern lokalisiert sein und dort die Freisetzung von Schmerz- und Entzündungsmediatoren regulieren (Mutschler et al. 2005).
Meiner Meinung nach wird die mechanische Stauungskomponente beim Entstehen von Kopfschmerzen manchmal Kopfschmerzen:mechanische Stauungstark unterschätzt. Deshalb sollten die Drainagewege des Schädels und die Sinus durae matris einen festen Platz in der Routineuntersuchung und Behandlung bekommen!
Lokalisation von Nozizeptoren im Kopfbereich:
  • Extrakraniell:

    • in Teilen der Augen: Iris und Kornea

    • in Suturen: als mutmaßliche Gelenkverbindungen können Suturen auch als Schmerzquelle fungieren (Bryce et al. 2005).

    • in den Kopfgelenken

    • Subokzipitalmuskulatur

  • Intrakraniell:

    • in Teilen der Dura mater, einschließlich Tentorium cerebelli, Falx cerebri und Falx cerebelli

    • in Arterien, die innerhalb der Dura verlaufen

    • in großen Arterienstämmen an der Schädelbasis

    • in großen intrakraniellen Venen und den Sinus durae matris

Innervation
  • Der N. trigeminus versorgt sensibel das Gesicht, den vorderen Anteil der Kopfhaut und die Kopfhaut:sensible InnervationDura mater der Dura mater:sensible Innervationoberen und mittleren Schädelgrube bis zum Tentorium cerebelli.

  • Die Nervenwurzeln C2 und C3 versorgen sensibel den hinteren Anteil der Kopfhaut und, gemeinsam mit dem N. glossopharyngeus (IX) und dem N. vagus (X), die Dura mater der hinteren Schädelgrube ab dem Tentorium cerebelli.

  • Die Nervenwurzel C1 gibt meistens nur motorische Äste ab.

Allgemeine Einteilung von Kopfschmerzen
  • Kopfschmerzen:EinteilungArtikuläre Kopfschmerzen (wie Spannungskopfschmerzen)

  • SpannungskopfschmerzenVasomotorische Kopfschmerzen (wie Kopfschmerzen:vasomotorischeMigräne und MigräneCluster-Kopfschmerzen)

  • Cluster-KopfschmerzenOrganische Kopfschmerzen (bei Kopfschmerzen:organischeHirnblutungen oder zerebralen Venenthrombosen)

  • Neoplastische Kopfschmerzen (bei Kopfschmerzen:neoplastischeHirntumoren)

  • Stauungskopfschmerzen (bei StauungskopfschmerzenLiquorabflusshindernis, aber auch bei Hypertonie der Hals-, Nacken- und Kopfmuskulatur mit venöser Stauung im Kopf)

  • Neuralgische Kopfschmerzen (wie Kopfschmerzen:neuralgischeTrigeminusneuralgien und TrigeminusneuralgienGlossopharyngeusneuralgien)

  • Meningealer Kopfschmerz (bei Meningitis)

  • Meningitis:KopfschmerzenMedikamentös induzierte Kopfschmerzen (wie Analgetikakopfschmerz bei Analgetikakopfschmerzenunkontrollierter, häufiger Einnahme)

  • Psychogene Kopfschmerzen (bei Kopfschmerzen:psychogeneDepressionen)

  • Nicht klassifizierbarer Kopfschmerz (wie Kopfschmerzen:nichtklassifizierbaremanchmal bei HNO-Affektionen, Husten usw.)

Art und Begleitsymptome von Kopfschmerzen
Fragen Sie nach folgenden Begleitsymptomen von Kopfschmerzen:
Kopfschmerzen:BegleitsymptomeSchwindel? Sehstörungen? Hörstörungen? Geruchsstörungen?
Schmerzcharakter bei einigen häufiger auftretenden Pathologien
  • Subarachnoidale und intrazerebrale Blutungen lösen schlagartig heftige, vernichtende Kopfschmerzen aus.

  • Kopfschmerzen:SchmerzcharakterWiederholte, anfallsartige Kopfschmerzen lassen eher eine Migräne, Cluster-Kopfschmerzen oder Neuralgien der Hirnnerven vermuten.

  • Bei der Trigeminusneuralgie handelt Trigeminusneuralgie:SchmerzcharakterTrigeminusneuralgie:Auslöseres sich um blitzartig einschießende heftige Schmerzen im Gesichtsbereich, die sich astorientiert ausbreiten.

    • Als Auslöser können kalte Luft, eine Berührung bestimmter Gesichtsbereiche oder Kaubewegungen in Betracht kommen. Auf die Schmerzattacke können vegetative Reaktionen wie eine Rötung und vermehrte Sekretion der Tränen-, Nasen- und Speicheldrüsen folgen.

    • Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt; man vermutet aber, dass die Kompression eines Trigeminusastes durch ein Gefäß eine wichtige Rolle spielt (Poeck & Hacke 2006).

    • Die neurologische Untersuchung ergibt meistens keine Auffälligkeiten. Oft kann der Schmerz an bestimmten Hautregionen im Verlauf des Trigeminusastes ausgelöst werden. Es ist demzufolge sinnvoll, die Nervenaustrittspunkte der Trigeminusäste mit leichtem Druck zu untersuchen (Kap. 13.2.3).

  • Subakute, diffuse Kopfschmerzen, die sich langsam steigern und mit Nackensteifigkeit einhergehen, lassen eine Meningitis vermuten.Meningitis:Kopfschmerzen Beim Vollbild zeigen sich heftigste Kopfschmerzen, verbunden mit einer massiven Nackensteife bis hin Nackensteife:Meningitiszum Opisthotonus, Licht- und Lärmempfindlichkeit, positives Lasgue-Zeichen (bilateral), positives Kernig- und Brudzinski-Zeichen.

  • Ein chronisch diffuser, gleich bleibender Kopfschmerz lässt eher an einen Spannungskopfschmerz denken.

  • Spannungskopfschmerzen:Schmerzcharakter Ein chronisch diffuser, über Wochen langsam zunehmender Kopfschmerz mit neurologischer Symptomatik lässt einen raumfordernden Prozess vermuten. Etwa 30 % aller Patienten mit Hirntumoren klagen Hirntumoren:Kopfschmerzenaber nie über Kopfschmerzen (Soyka Kopfschmerzen:Hirntumoren1989).

  • Kopfschmerzen in Verbindung mit allergischen Reaktionen können mit Medikamenten Medikamenteneinahme:Kopfschmerzenzusammenhängen, z. B. eine Urtikaria nach Penicillineinnahme oder ein Angioödem nach der Einnahme von ACE-Hemmern (Bork 1999). Auch Analgetika und NSAR Analgetikakopfschmerzenkönnen bei unkontrollierter und/oder häufiger Einnahme Kopfschmerzen auslösen.

Hormonelle Störungen
Tumoren im Bereich der Hypophyse sorgen oft für eine Überfunktion der Hypophyse. Nach einem Schädel-Hirn-Trauma können in 30 bisSchädel-Hirn-Trauma können:Hypophyseninsuffizienz 70 % der Fälle hormonelle Störungen durch hormonelle Störungeneine posttraumatische Hypophyseninsuffizienz auftretenHypophyseninsuffizienz:nach Schädel-Hirn-Trauma, die häufig nicht erkannt werden (Schneider et al. 2004).
Nachfolgend eine kurze Übersicht über hormonelle Störungen und hormonelle Störungen:SymptomeSymptome:
  • Mangel an ACTH-Mangel:SymptomeACTH (adrenokortikotropes bzw. nebennierenrindenstimulierendes Hormon): bleiche ACTH (adrenokortikotropes Hormon)Haut, Schwäche, Müdigkeit, Apathie, Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen in Stresssituationen, adrenokortikotropes Hormon\t\"Siehe ACTHGewichtsverlust, Hypoglykämie

  • ACTH-Überproduktion:SymptomeÜberproduktion von ACTH: Cushing-Syndrom mit Fettsucht, Vollmondgesicht, Striae rubrae, vermehrter Behaarung, tiefer Stimmlage

  • Mangel an TSH-Mangel:SymptomeTSH (schilddrüsenstimulierendes Hormon): TSH (schilddrüsenstimulierendes Hormon)schilddrüsenstimulierendes Hormon\t\"Siehe TSHHerunterfahren der Stoffwechselprozesse mit Frieren und Kälteintoleranz, trockene, schuppige Haut, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Wesensveränderung, RR niedrig, Puls niedrig (Hashimoto-Thyreoiditis Autoimmunerkrankung)

  • TSH-Überproduktion:SymptomeÜberproduktion von TSH: Exophthalmus (retroorbitales Ödem), Augenmuskelbefall, RR hoch, Puls hoch, Gewichtsabnahme, schlechtes Einschlafen, Nervosität, feuchtwarme Haut (Basedow-Syndrom)

  • Mangel anFSH (follikelstimulierendes Hormon)LH (luteinisierendes Hormon) FSH und LH (follikelstimulierendes und luteinisierendes Hormon):

    • follikelstimulierendes Hormon\t\"Siehe FSHbei luteinisierendes Hormon\t\"Siehe LHder LH-Mangel:bei der FrauFSH-Mangel:bei der FrauFrau: Ausbleiben der Regel, Hitzewallungen, verminderte Achsel- und Schambehaarung, Atrophie der Mamma, Infertilität, Osteoporose, Ausbleiben des Milchflusses in der Stillzeit (Prolaktin)

    • beim MannFSH-Mangel:beim MannLH-Mangel:beim Mann: Abnahme der Muskelmasse, Abnahme der Libido, Infertilität, Osteoporose, kleine weiche Testes

  • LH-Überproduktion:SymptomeFSH-Überproduktion:SymptomeÜberproduktion von FSH und LH: Hyperprolaktinämie mit Galaktorrhö (gesteigerter Milchfluss), Zyklusstörungen, Depression, Angstzustände

  • Mangel an Wachstumshormon: Abnahme Wachstumshormon-Mangel:Symptomeder Muskelmasse, Kleinwuchs, Zunahme des Fettgewebes, Kleinwuchs, abnehmende Leistungsfähigkeit, vermindertes seelisches Wohlbefinden

  • Überproduktion von Wachstumshormon: Wachstumshormon-Überproduktion:SymptomeGigantismus, Akromegalie, Wachstum von Nase, Zunge und Lippen, Arthralgien, Arthrosen, Stimmungslabilität, Akne

  • Oxytocin Oxytocinverursacht Uteruskontraktionen (Wehen) und das Einschießen der Milch. Über Störungen ist wenig bekannt.

Allgemeine Inspektion und Untersuchung des Kopfes

Allgemeine Inspektion
Die allgemeine Inspektion und die dynamische Untersuchung des Patienten werden Patienten:InspektionPatienten:dynamische Untersuchunghier nur kurz angeschnitten und als Grundwissen vorausgesetzt.
Globale statische Inspektion
  • Aus Inspektion:globale statischedem Meatus acusticus externus sollte das Senklot des Kopfes idealerweise in der Sagittalebene durch die Schultergelenke, die Hüftgelenke und direkt ventral des Außenknöchels verlaufen.

  • Aus der Sutura sagittalis sollte das Senklot des Kopfes idealerweise in der Frontalebene durch die Sakrummitte verlaufen und mittig zwischen den Füßen auftreffen.

  • Bilaterale Orientierungspunkte des Beckens sind Becken:VerdrehungBecken:AsymmetrieSIPS, SIAS, Crista iliaca und Trochanter major. Unterscheiden Sie bei Asymmetrie zwischen einer Beckenverdrehung und einer Beinlängendifferenz (Meert Beinlängendifferenz:Beckenasymmetrie2009).

  • Eine Rotation oder seitliche Neigung des Kopfes deutet auf eine Hypertonie der Hypertonie:Schulter-/NackenmuskulaturSchulter-/Nackenmuskulatur hin.

  • Ein Schulter- oder Klavikula-Hochstand deutet Schulter-HochstandKlavikula-Hochstandauf asymmetrische Spannungen in der Schulter-/Nackenmuskulatur hin.

  • Eine Rotation des Schultergürtels gegenüber dem Beckengürtel deutet auf Spannungen in den kreuzenden Myofaszialketten hin.

Globale dynamische Untersuchung
Man lässt Untersuchung:globale dynamischeden Patienten im Stehen Bewegungen in allen Bewegungen:im StehenEbenen ausführen:
  • Flexion/Extension der kompletten Wirbelsäule

  • Seitneigung der kompletten Wirbelsäule nach links und rechts

  • Rotation der kompletten Wirbelsäule nach links und rechts

Achten Sie dabei auf eventuell eingeschränkte Regionen und Ausstrahlungen!
Bei Hypertonie und/oder Verkürzungen der MFK können Spannungskopfschmerzen (Spannungskopfschmerzen:Hypertonie der MFKeventuell mit Stauungsphänomenen) auftreten. Erfahrungsgemäß sind Probleme der unteren HWS häufig HWS-Probleme:viszerale Störungendurch viszerale Störungen und viszerale Störungen:HWS-ProblemeProbleme der Kopfgelenke durch Kopfgelenke:psychoemotionaler Stresspsychoemotionale Stressfaktoren bedingt.
Lassen Sie den Patienten im Sitzen folgende Bewegungen ausführenBewegungen:im Sitzen:
  • Flexion/Extension der HWS und der oberen BWS: Stellen Sie sich dabei die Bewegungen der interapophysären Gelenke (IAG, Facetten- oder Wirbelgelenke) vor.

  • Seitneigung: Stellen Sie sich dabei die Bewegungen der IAG vor und achten Sie auf segmentale Spannungen oder Blockierungen! Zeigen sich Unterschiede im Seitenvergleich? Treten Schmerzen auf? Kommt es zur Ausstrahlung?

  • Rotation in neutraler Haltung: Stellen Sie sich dabei die Bewegungen der IAG vor und achten Sie auf segmentale Spannungen oder Blockierungen! Zeigen sich Unterschiede im Seitenvergleich? Treten Schmerzen auf? Kommt es zur Ausstrahlung?

  • Rotation bei maximaler Flexion der HWS (Kinn auf Brust): Bewegungseinschränkungen und Schmerzen in dieser Ausgangsposition deuten meistens auf eine Störung im Bereich der Kopfgelenke hin. Da Kopfgelenke:Störungdie mittlere und untere HWS jetzt durch die Bänder- und Kapselspannung relativ fixiert ist, findet die Rotation vor allem in den Kopfgelenken statt, während die Rotationskomponenten der mittleren und unteren Halswirbel ausgeschaltet sind.

  • Seitneigung bei rotierter HWS: Bewegungseinschränkungen und Schmerzen in dieser Ausgangsposition deuten meistens auf eine Störung im Bereich der mittleren und unteren HWS hin. Die Bewegung der Seitwärtsneigung findet jetzt vor allem in der mittleren und unteren HWS statt.

Blutdruck- und Temperaturmessung
Eine arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) kann Bluthochdruck:KopfschmerzenKopfschmerzen auslösen. Fieber stellt Fieber:Kontraindikationstets eine Kontraindikation für osteopathische Behandlungen dar und osteopathische Behandlung:Kontraindikationensollte ärztlich abgeklärt werden.
Untersuchung von Augen und Pupillen
Kontraindikationen und Vorsichtsregeln
  • Augenschmerzen und AugenschmerzenDruckschmerzhaftigkeit des Auges können AugenuntersuchungAugen:Druckschmerzenauf retrobulbäre Prozesse hindeuten und sollten immer von einem Arzt untersucht werden.

  • Rötungen, Augen:RötungGefäßzeichnungen und Farbänderungen der Skleren und Konjunktiven deuten auf entzündliche oder andere Ursachen hin und sollten von einem Arzt abgeklärt werden.

  • Wenn Patienten eine Sehhilfe tragen, Sehhilfe:Kopfschmerzensollte man immer nachfragen, ob sie auch passt. Mögliche Zusammenhänge zwischen Kopfschmerzen, Kopfschmerzen:SehhilfeSchwindligkeit und schlechtem Sehvermögen bei Trägern von Sehhilfen sollten vom Augenarzt überprüft werden.

  • Ein Nystagmus sollte Nystagmusgrundsätzlich immer vom Arzt untersucht werden (verdächtig auf eine intrazerebrale Blutung, Meningitis oder multiple Sklerose).

  • Augen- und Pupillenstellung: Die PupillenstellungAugen sollen sich in einer symmetrischen Stellung befinden.

    • Abweichungen (Schielen) sollte Schielen:Untersuchung durch Augenarztein Augenarzt untersuchen.

    • Das Vorstehen eines Auges kann auf einen retrobulbären Tumor oder entzündlichen Prozess oder auf einen Morbus Basedow hindeuten und sollte deswegen immer vom Arzt abgeklärt werden.

  • Eine Stauungspapille kann StauungspapilleZeichen einer Raumforderung sein. Auch Sehstörungen (SehstörungenGesichtsfeldausfälle) müssen Gesichtsfeldausfälleimmer ärztlich abgeklärt werden. Es ist sinnvoll nachzufragen, ob sich die Sehstärke in der letzten Zeit verändert hat.

  • Anisokorie ist eine Anisokorieunterschiedliche Weitstellung der Pupille. Sie kann angeboren sein, aber auch auf einen Tumor hindeuten und sollte immer vom Arzt abgeklärt werden.

  • Ein Horner-Syndrom mit der Horner-Syndrom:SymptomtriasTrias Miosis (Pupille Miosis:Horner-Syndromeng), Ptose (Ptose:Horner-SyndromAugenlidsenkung) und Enophthalmus (Enophthalmus:Horner-SyndromZurücksinken des Augapfels) ist typisch bei einem akuten Anfall von Cluster-Kopfschmerzen, kann aber auch auf einen Tumor im Bereich der Lungenspitze oder der A. carotis hinweisen und sollte unbedingt ärztlich abgeklärt werden.

Untersuchung der Pupillenreaktion
Dabei wird die Lichtreaktion der Pupillen PupillenuntersuchungAugenuntersuchung:Lichtreaktion der Pupillenkontrolliert. Der Patient befindet sich in Rückenlage.
  • Bitten Sie den Patienten, in Richtung einer Lichtquelle (ca. 1 m entfernt) zu blicken, und decken Sie sein Auge zunächst ab. Decken Sie das Auge wieder auf und beobachten Sie die Reaktion der Pupille (Miosis) auf das Miosis:Pupillenreaktioneinfallende Licht.

  • Wiederholen Sie diesen Vorgang und beobachten Sie das nicht abgedeckte Auge dabei. Dieses Auge soll Augenuntersuchung:konsensuelle ReaktionAugenuntersuchung:Akkommodationsreaktionebenfalls mit einer Miosis auf die Lichtreizung des anderen Auges reagieren (konsensuelle Reaktion).

  • Alskonsensuelle Reaktion:Pupillen weiteren Test bitten Sie den Patienten, zuerst in die Ferne und dann plötzlich auf Ihren Finger in Höhe seiner Nasenwurzel zu blicken. Auch hierbei muss sich eine Miosis der Pupille zeigen (Akkommodationsreaktion).

Akkommodationsreaktion:PupillenWiederholen Sie diese drei Schritte auf der anderen Seite! Jede Störung der Pupillenreaktion muss von einem Augenarzt oder Neurologen überprüft werden.
Testen der äußeren Augenmuskeln
Der Patient wird aufgefordert, mit seinem Blick dem Finger des Untersuchers zu folgen (Abb. 13.1):
  • Fingerbewegung nach oben und lateral-oben: Testen des M. rectus superior

  • Bewegung nach unten und lateral-unten: Testen des M. rectus inferior

  • Bewegung nach medial: Testen des M. rectus medialis

  • Bewegung nach lateral: Testen des M. rectus lateralis

  • Bewegung nach medial-oben: Testen des M. obliquus inferior

  • Bewegung nach medial-unten: Testen des M. obliquus superior.

Augenbewegungen und Sichtfeld kontrollieren
Lassen Sie den Patienten mit den Augen die Bewegungen Ihres Fingers verfolgen und sein Sichtfeld beschreiben. Achten Sie auf kompensatorische Haltungsänderungen des Kopfes. Abweichungen der Augenmotorik lassen Augenmotorik:Abweichungenauf Pathologien der Augennerven (N. Augennerven:Pathologienoculomotorius, N. trochlearis, N. abducens) schließen und sollen unbedingt vom Augenarzt untersucht werden.
  • Latentes Schielen (Heterophorie):Man lässt Schielen:latentesHeterophorieden Patienten einen entfernten Gegenstand mit den Augen fixieren. Nun deckt man ein Auge ab und gibt es dann plötzlich wieder frei. Wenn das abgedeckte Auge bei plötzlicher Freigabe eine langsame Einstellbewegung ausführt, spricht das für latentes Schielen. Der Patient sollte zum Augenarzt überwiesen werden.

Augendruck kontrollieren
Tasten Sie mit beiden Zeigefingern behutsam den Augapfel ab. Augapfel:TastdruckDrücken Sie ihn sehr zart und äußerst vorsichtig dorsalwärts zusammen. Stützen Sie dabei die Hände ab, damit der ausgeübte Druck nicht zu stark wird und kein Glaukomanfall ausgelöst wird.
Bei einem starken Härtegefühl soll der Patient zum Augenarzt überweisen werden. Eine zuverlässige Messung des Augeninnendrucks kann nur vom Arzt mit einem Tonometer ausgeführt werden.
Augeninnendruck:erhöhter Glaukomanfall:Symptome Glaukom Katarakt Linsentrübung:Katarakt neurologische Ausfälle:Hirntumor/-blutung

Pathologische Veränderungen

  • Neurologische Ausfälle deuten auf ernsthafte Pathologien wie einen Hirntumor oder eine Hirnblutung hin. Testen Sie zusätzlich das Gleichgewicht und die motorische Koordination im Stehen!

  • Katarakt oder grauer Star: Linsentrübung durch Eindringen von Kammerwasser zwischen die Linsenfasern. Das kann traumatisch, entzündlich oder systemisch sein, aber auch auf einen Diabetes mellitus hinweisen. Der Patient sollte zum Arzt überweisen werden!

  • Glaukom oder grüner Star: erhöhter Augeninnendruck durch ein Abflusshindernis in den Venen der Sclera (Lederhaut) (Sinus venosus sclerae oder Schlemm-Kanal), verbunden mit heftigen Schmerzen, ödematöser Hornhauttrübung, steinhartem Bulbus, weiter Pupille bei fehlendem oder trägem Lichtreflex, Sehstörungen. Der Patient muss zum Arzt überwiesen werden!

  • Ein Glaukomanfall äußert sich mit:

  • heftigen Augenschmerzen, die sich innerhalb von Stunden aufbauen

  • erhöhtem Augeninnendruck

  • Pupillenerweiterung mit fehlendem oder trägem Lichtreflex und

  • Sehstörungen.

Untersuchung des Hörvermögens
Man bittet den Hörvermögen:UntersuchungPatienten, ein Ohr mit einem Finger zuzuhalten, und flüstert ihm aus etwa 50 cm Flüstern:HörtestEntfernung etwas zu. Dann vergleicht man das Testergebnis mit dem des anderen Ohrs.
  • Rinne-Test (Vergleich von LuftRinne-Test:Stimmgabel- und Knochenleitung): Eine vibrierende Stimmgabel wird mit ihrer Stimmgabel:Rinne-TestBasis so lange auf den Processus mastoideus aufgesetzt, bis der Patient nichts mehr hört. Dann hält man die Stimmgabel schnell vor den Gehörgang und fragt den Patienten, ob er noch einen Ton hören kann (Abb. 13.2). Im Normalfall und auch bei Innenohrschäden gilt, dass die Innenohrschäden:Luft-/KnochenleitungLuftleitung länger als die Knochenleitung ist. Bei Mittelohrerkrankungen ist hingegen die Mittelohrerkrankungen:Luft-/KnochenleitungKnochenleitung länger als die Luftleitung.

  • Weber-Test (Untersuchung auf Weber-Test:StimmgabelLateralisation): Man setzt die Lateralisation:Tönevibrierende Stimmgabel mit der Basis auf Stimmgabel:Weber-Testdie Mitte des Schädels und fragt den Patienten, wo er den Ton hört (Abb. 13.2). Normalerweise wird er den Ton gleichmäßig im ganzen Kopf und in beiden Ohren hören. Bei unilateralen Mittelohrentzündungen ist der Ton stärkerMittelohrentzündungen:Lateralisation im erkrankten Ohr, bei Innenohrschwerhörigkeit dagegen besser im Innenohrschwerhörigkeit:Lateralisationgesunden Ohr zu hören.

Bei einem positiven Rinne- und/oder Weber-Test sollte der Patient zum Arzt überwiesen werden.
Untersuchung des Schädels
Bei der Inspektion des Schädels achtet man auf Schädeluntersuchung:INspektionKnoten, Schuppen oder Läsionen der Kopfhaut, der Ohren, der Nase und der Lippen. Diese sollten von einem Arzt untersucht werden.
Palpation
Die Palpation des Schädels gibt Hinweise auf Schädeluntersuchung:Palpationseine Compliance (Nachgiebigkeit) und zeigt beim Säugling, ob Schädelknochen an den Suturen übereinander geschoben sind und ob sich die Fontanellen zu früh geschlossen haben (Kraniosynostose oder Kraniostenose).
Achten Sie auf folgende Punkte:
  • Form (Symmetrie) des Kopfes

  • Kopfumfang, Gewicht und Größe des Kindes

  • Form der Fontanellen

  • Form der Suturen

  • Biegsamkeit der Schädelknochen

  • Geweberhythmus oder Kraniosakralrhythmus

Achten Sie auf eine Plagiozephalie (Kap. 11.6.2).
Plagiozephalie Abweichungen der kindlichen Kopfform:
  • Palpable Randerhöhungen von Suturen (Osteophytose) Suturen:SynostoseSuturen:Osteophytoseoder das Fehlen von Suturen (Synostose), insbesondere der Sutura coronalis, der Sutura sagittalis und der Sutura lambdoidea, lassen eher eine Kraniosynostose vermuten.

  • OhrenKraniosynostose: Bei Plagiozephalie und Kraniosynostose befinden sich die Ohren an einer asymmetrischen Position.

  • Augen: Die Augenstellung:PlagiozephalieAugenstellung:KraniosynostoseVerbindungslinie der Augen sollte horizontal sein. Bei Plagiozephalie und Kraniosynostose sind die Augenhöhlen oft asymmetrisch angeordnet.

  • Gesichtsasymmetrie: Eine Plagiozephalie geht häufiger mit einer Gesichtsasymmetrie einher als eine Gesichtsasymmetrie:PlagiozephalieGesichtsasymmetrie:KraniosynostoseKraniosynostose, wobei die Stirn auf der Seite der okzipitalen Abflachung vorgewölbt ist.

  • Eine kahle Stelle, oft unilateral, lässt eher eine Plagiozephalie und Hypertonie der Nackenmuskeln vermuten.

  • Ein Schiefhals mit unilateral Schiefhals:PLagiozephalie, sekundäreeingeschränkter Beweglichkeit des Kopfes führt oft sekundär zur Plagiozephalie. Es ist daher Plagiozephalie:Schiefhalswichtig, asymmetrische Spannungen im Halsbereich, die sich natürlich auf den Kopf auswirken, mit zu behandeln.

  • Neurologische und motorische Auffälligkeiten müssen von einem Kinderarzt bzw. Neurologen untersucht werden.

Zeichen von übermäßigem Stress entlang einer Sutur:
  • Vorspringende Kanten der Sutur mit Osteophytose

  • Suturen:Zeichen von StressSuturen:Zeichen Osteophytose Fibröse Verklebungen, bei denen faseriges Gewebe über der Sutur spürbar ist

  • Stufenbildungen

  • Erweiterung der Sutur mit Fibrosierung

  • Suturen:StufenbildungenSuturen:ÖdemeSuturen:Fibrosierung Ödematöse Zonen oder punktuelle Aufquellung der Sutur

  • Sutur nicht als Spalt tastbar.

Weitere Tests und Befunde
  • Perkussion der Schädelkalotte: Ein deutlicher Schädelkalotte:KlopfschmerzKlopfschmerz des Schädeldachs Klopfschmerz:Schädelkalottekann auf entzündliche oder raumfordernde Knochenprozesse oder auf eine Meningitis hindeuten.

  • Druck bzw. Kopfschmerzen beim Vornüberbeugen:

    • Bei einer Sinusitis entstehen durch Sinusitis:KopfschmerzendieKopfschmerzen:Sinusitis Drucksteigerung beim Vornüberbeugen typische Schmerzen. Fragen Sie nach vorhergehenden Infektionen (Erkältung, Lungenentzündung, Endokarditis) und perkutieren Sie dann sorgfältig die Nebenhöhlen (Sinus frontalis, Sinus maxillaris und Cellulae mastoideae) in neutraler Position! Ein Klopfschmerz über der StirnhöhleKlopfschmerz:Sinusitis, Kiefer- und Keilbeinhöhle deutet auf eine Sinusitis hin. Wegen der Sinusitis:KlopfschmerzGefahr einer Meningitis sollte der Patient zum Arzt überweisen werden.

    • Tritt erst nach längerem Bücken leichter Druck und ein Schwindelgefühl auf, spricht das Schwindelgefühl:Hypertonie der MFKeher für eine Hypertonie der Myofaszialketten.

  • DruckpalpationMyofaszialketten:Hypertonie der Nervenaustrittspunkte der Trigeminusäste: Üben Sie leichten Druck auf das Foramen supraorbitale (N. ophtalhmicus), auf das Foramen infraorbitale (N. maxillaris) und auf das Foramen mentale (N. mandibularis) aus. Dabei auftretender Druckschmerz kann auf eine Trigeminusneuralgie, aber auch auf eineTrigeminusneuralgie:Druckschmerz Meningitis oder eine Nasennebenhöhlenentzündung hindeuten. Der Patient sollte zum Arzt überwiesen werden.

Untersuchung der Hals- und Kopfregion
Achten Sie insbesondere auf:
  • Schwellungen in der supra- und infraklavikulären Region: Entzündlich veränderte Lymphknoten sind druckempfindlich vergrößert. Maligne vergrößerte Lymphknoten sind gewöhnlich nicht druckempfindlich, aber fest (gummiartig) und mit unregelmäßiger Oberfläche zu tasten. Sie neigen außerdem dazu, mit dem umliegenden Gewebe zu verbacken. Entzündliche und maligne Zeichen sollten immer von einem Arzt untersucht werden!

  • Schwellungen und Vergrößerungen im Bereich der Schilddrüse (Struma)

  • StrumaSchilddrüsenvergrößerungOperationsnarben (v. a. nach einer Schilddrüsenoperation)

  • Neurovegetative Symptome wie Nausea und Schwindel

  • Anzeichen einer Hirndrucksteigerung (diese Symptome Hirndrucksteigerung:Zeichenmüssen unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden!):

    • Kopfschmerz

    • Benommenheit und Schläfrigkeit

    • Erbrechen

    • Sehstörungen

  • Achten Sie beim Abtasten der Lymphknoten im Halsbereich Lymphknoten:im Halsbereichinsbesondere auf Halsbereich:Untersuchung der LymphknotenSchwellungen, Oberflächenbeschaffenheit, Festigkeit, Verklebungen und Druckempfindlichkeit in folgenden Bereichen (Abb. 13.3) (Meert 2007):

    • Angulus venosus: dorsal der Klavikula

    • Truncus lymphaticus jugularis internus: unterhalb des M. sternocleidomastoideus

    • Truncus lymphaticus cervicalis anterior profundus und Truncus lymphaticus cervicalis anterior superficialis: ventral des M. sternocleidomastoideus

    • Truncus lymphaticus cervicalis posterior ( lateralis) superficialis et profundus: dorsal des M. sternocleidomastoideus

    • Lymphknotenring um den Kopf: submental, submandibulär, präaurikulär, retroaurikulär und subokzipital.

Verdachtszeichen

Vergrößerungen und Verbackungen der Lymphknoten mit dem umgebenden Gewebe sowie unregelmäßige Wucherungen können maligne sein und müssen unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden!

Provokationstests im Bereich der HWS
Vorsichtsregeln
Lymphknoten:VerdachtszeichenBesondere Vorsicht ist geboten bei folgenden Symptomen:
  • Starken HNO-SymptomeNackenschmerzen, besonders wenn sie Nackenschmerzenmit weiteren Symptomen kombiniert sind, wie z. B.

  • Schluckbeschwerden

  • Dysarthrien

  • Koordinationsschwierigkeiten (Dysdiadochokinese)

  • Nystagmus und/oder Sehstörungen

  • Neurovegetativen Störungen: Übelkeit, Erbrechen (Nausea), Schwitzen

  • Schwindelgefühl (Vertigo) oder Tinnitus, die ganz verschiedene Ursachen haben können.

Diese Symptome sollten immer von einem HNO-Arzt abgeklärt werden!
Tests und Kontraindikationen
Karotisdruckversuch: Man tastet behutsam Karotisdruckversuchden Bereich der Karotisgabel (Abzweigung der A. carotis interna und A. carotis externa) ab und achtet darauf, ob durch den Druck Bewusstseinsstörungen, Herzrhythmusstörungen oder Schwindligkeit ausgelöst werden, die auf ein Karotissinussyndrom hindeuten können. Das Karotissinussyndrom:Kontraindikation für HWS-Technikenmuss immer von einem Arzt untersucht werden. Techniken im Halsbereich sind in dem Fall kontraindiziert.
Perkussion der Processus spinosi: Ein diffuser Klopfschmerz im Bereich eines Klopfschmerz:WirbelWirbels und/oder eines benachbarten Wirbels bei der Perkussion kann auf eine Pathologie der Wirbelknochen (Haarriss? OsteoporoseWirbelknochenpathologie:Klopfschmerz? Metastase?) hindeuten. Dies sollte zur Vorsicht mahnen und von einem Arzt abgeklärt werden.
Positive neurologische Testbefunde sollten zur Vorsicht mahnen und stellen eine Kontraindikation für harte und schnelle Techniken dar.
Romberg-Test: Der Patient wird Romberg-Testaufgefordert, mit geschlossenen Augen stehen zu bleiben und dann auf der Stelle zu gehen. Ein sofortiger Verlust des Gleichgewichts lässt eine zerebelläre Pathologie vermuten.
Hautant-Testzerebelläre Pathologie:Romberg-Test: Die Patientin sitzt, Hautant-Testder Therapeut steht hinter ihr. Die Arme der Patientin sind nach vorne ausgestreckt (Abb. 13.4).
  • Die Patientin wird aufgefordert, ihre Augen zu schließen, während der Therapeut den Kopf der Patientin in Extension und Rotation erst zur einen und dann zur anderen Seite führt. Die Patientin soll beide Arme gleich hoch halten und schnelle Pronations-/Supinationsbewegungen in umgekehrter Richtung mit den Armen ausführen. Achten Sie dabei auf Kraft- und Koordinationsverluste.

  • Der Test fällt positiv aus (Hinweis auf eine Störung im Bereich der A. vertebralis oder des Kleinhirns), wenn die Patientin Kleinhirnstörung:Hautant-Testihre Arme nicht hoch halten kann, mit einem Arm ausweicht oder Koordinationsschwierigkeiten bekommt.

Magnus-De Kleyn-Test: Die Patientin Magnus-De Kleyn-Testbefindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt am Kopfende.
  • Der Therapeut führt eine passive Extension, maximale Seitneigung und Rotation zur homolateralen Seite aus, um die Einengung des Intervertebralkanals und eine eventuelle Reizung der A. vertebralis durch Osteophyten zu testen (Abb. 13.5).

  • Die Patientin wird gefragt, ob sie Schmerzen, Schwindel oder Übelkeit verspürt. Auch die Reaktion der Pupillen wird beobachtet; deren Weite muss identisch bleiben.

  • Nach Angaben von Chrast et al. kommt es bei der heterolateralen Rotation und homolateralen Seitneigung zum Großteil zu einem physiologischen Verschluss der A. vertebralis (Chrast et al. 1962). Laut Prof. Ringelstein ist die Abklemmung der Vertebralarterie bei einer extremen Vertebralarterie:Abklemmung, physiologischeheterolateralen Kopfrotation bei jungen Menschen als physiologisch anzusehen und wird durch eine simultane Durchflusssteigerung in der homolateralen A. vertebralis kompensiert (Ringelstein 1997). Nur wenn bereits ein Verschluss einer A. vertebralis vorliegt, wird der Test nach De Kleyn also positiv ausfallen! Man sollte demzufolge auf eine Mobilisation in Endstellungen (maximale Rotation oder Seitneigung) verzichten.

Kompression in Flexion und in Extension:
  • HWS-Flexion:KompressionsschmerzenHWS-Extension:KompressionsschmerzenWerden Schmerzen ausgelöst, sollte dies zur Vorsicht mahnen und erst geklärt werden, woher der Schmerz kommt, bevor die HWS weiter mobilisiert wird.

  • Arthrotische Veränderungen, vor allem Osteophytenarthrotische Veränderungen:Kontraindikation im Bereich der Unkovertebral- und interapophysären Gelenke, und eine Arteriosklerose der Karotis- und Arteriosklerose:KontraindikationWirbelarterienwände können bei starken Rotationen eine Gefahr darstellen und gelten als Kontraindikation für schnelle und kraftvolle Techniken!

Extreme Rotations- und Extensionsbewegungen sollten grundsätzlich immer vermieden werden!
Weitere absolute Kontraindikationen für schnelle und/oder kraftvolle Techniken sind:
  • Säuglinge, Kinder und ältere Patienten

  • Zentrale neurologische Störungen mit beeinträchtigter Muskelkoordination: z. B. MS, Parkinson-Krankheit, Spastik

  • Spina bifida und Arnold-Chiari-Syndrom

  • Wallenberg-Syndrom (möglicherweise eine Komplikation von HWS-Manipulationen)

  • Hypermobilität bzw. Instabilität

  • Neurologische Ausfälle in der oberen Extremität

  • Down-Syndrom

  • Hyperlordose der mittleren und unteren HWS: keine kräftige Mobilisation durchführen!

Wenn diagnostische Untersuchungsergebnisse (Röntgen, MRT, CT) fehlen, ist immer Vorsicht angebracht. Sind entsprechende Bilder vorhanden, sollte man diese immer zuerst anschauen und eventuell Rücksprache mit dem Arzt halten.

Untersuchung des kraniomandibulären Systems

Untersuchung des Kauapparats

  • Sind Schädel- und kraniomandibuläres System:UntersuchungGesichtsasymmetrien (Plagiozephalie) vorhanden?

  • Ist Plagiozephaliedie mimische Muskulatur verspannt? Liegen Tics vor? Presst oder knirscht der Patient mit den Zähnen? Liegen starke Zahnabdrücke an der Zunge vor?

  • Treten Bewegungsstörungen und Gelenkgeräusche der Kiefergelenke beim Öffnen und Kiefergelenke:GeräuscheKiefergelenke:BewegungsstörungenSchließen des Mundes auf?

  • Sind die Kaumuskeln (M. temporalis, M. masseter, M. pterygoideus medialis, M. pterygoideus lateralis) druckempfindlich (Kap. 15.3)?

  • Passen die Zähne in der Schlussstellung richtig aufeinander? Benutzt der Patient beim Kauen beide Seiten?

  • Bestehen dysgnathe Kräfte?

    • Um das zu Dysgnathie:Spateltestprüfen, kann man einen Holzspatel quer auf die Oberkieferzähne in Höhe der ersten Molaren auf beiden Seiten legen. Diese Linie sollte parallel zu den Linien, die man imaginär durch beide Öffnungen der Gehörgänge, durch die Mitte der Augen und durch die Anguli mandibulae zieht, verlaufen.

    • Bei einer orthognathen Kraftübertragung verlaufen diese orthognathe Kraftübertragung:SpateltestKraftübertragung:orthognatheLinienKraftübertragung:dysgnathe parallel zueinander (Abb. 13.6). Bei einer dysgnathen Kraftübertragung verlaufen diese Liniendysgnathe Kraftübertragung:Spateltest nicht parallel. Deshalb wirken die vom Kauapparat weitergeleiteten Kräfte schief und dysharmonisch auf den Schädel ein (Kap. 12.3).

    • Dann legen wir den Holzspatel in der Sagittalebene auf eine Reihe der Oberkieferzähne und vergleichen sie mit der anderen Seite. Beide Ebenen sollten parallel zur Ebene der Gehörgänge und der Spina nasalis anterior verlaufen.

    • Ist das nicht der Fall, sollte der Patient zum Zahnarzt oder Kieferorthopäden überwiesen werden, weil sich die Kräfte beim Kauen und Schlucken asymmetrisch im Schädel ausbreiten.

  • Lässt sich der Mund ungehindert öffnen? Die Mundöffnung sollte ohne eine S-Mundöffnung:DeviationMundöffnung:Deflektionförmige Ausweichbewegung (Deviation) oder eine Abweichung Deviation:Mundöffnungam Ende der Öffnungsbewegung (Deflektion) ablaufen (Abb. 13.7Deflektion:Mundöffnung).

    • Solche Abweichungen deuten auf eine asymmetrische Verspannung der Kaumuskulatur bzw. auf einen Kaumuskulatur:Verspannungblockierten Discus articularis im gleichseitigen Kiefergelenk hin.

    • Meistens lassen sich diese Abweichungen mit osteopathischen Techniken für die Kaumuskulatur und die myofaszialen Schädel- und Halsstrukturen gut beheben.

    • Knackgeräusche im Kiefergelenk deutenKnackgeräusche:Kiefergelenk auf eine Kiefergelenk:Knackgeräuschereponierbare Luxation des Discus articularis hin.

  • Einen Hinweis auf Bruxismus geben Schlifffacetten an den Frontzähnen, Schlifffacetten:BruxismusEmpfindlichkeit der Kaumuskulatur sowie seelische und emotionale Stressfaktoren.

  • Zahnfehlstellungen, fehlende Zähne, Abweichung der Zahnbogenform? Gab es schwierige Zahnextraktionen? Besteht eine Temperaturempfindlichkeit einzelner Zähne? Bei auffälligen Zahnfehlstellungen sollte der Patient zumZahnfehlstellungen:Überweisung zum Zahnarzt/Kieferorthopäden Zahnarzt bzw. Kieferorthopäden überwiesen werden.

  • Wie viele Zahnimplantate, Kronen, Brücken usw. sind vorhanden?

Weitere Störungen
  • Atemfunktion: Kann der Patient mit Atemfunktiongeschlossenem Mund entspannt durch die Nase atmen? Findet in Ruhe eine Bauchatmung statt?

  • Sprachstörungen: Man sollte beim SprachstörungenGespräch mit dem Patienten auf die Aussprache von Wörtern mit S-, F-, G-, K-, D-Lauten achten. Eventuell kann man nach der Position der Zunge beim Artikulieren dieser Laute fragen. Bei auffälligen Schwierigkeiten sollte der Patient zum Logopäden überwiesen werden.

Die Untersuchung der Kaumuskulatur wird in Kapitel 15.3 besprochen.

Untersuchung der Zunge

Größe, Form und Position der Zunge
  • Unilaterale Atrophien sollten ärztlich abgeklärt werden.

  • Starke Beläge, Rötungen, Narben, Furchen, Knoten, Ulzerationen der Zunge sollten ärztlich abgeklärt werden.

  • Achten Sie auf Zahnabdrücke (Impressionen) in der Zahnabdrücke:ZungeZunge, die meistens auf eine unausgeglichene emotionale Stressbewältigung hindeuten.

  • Das Zungenbändchen (Frenulum linguae) darf nicht zu weit Zungenbändchen (Frenulum linguae)vorne angewachsen sein (Ankyloglossum), weil sonst die AnkyloglossumMobilität der Zunge beeinträchtigt wird.

  • Zungenlage: Normalerweise ist die Vorderzunge in Ruhelage gesenkt und die Hinterzunge angehoben. Die Zunge sollte nicht an die Zähne gepresst sein.

    • Bei übermäßigem Zungendruck gegen die Schneidezähne kann ein Kreuzbiss entstehen.

    • Bei Kreuzbissretrahierter Zunge kann ein Distalbiss entstehen.

    • Bei Distalbissinterdentaler Zungenlage kann ein offener Biss entstehen.

  • Die offener Biss:ZungenlageZunge muss sich sowohl anspannen als auch entspannen können. Betasten Sie die Zunge und achten Sie dabei auf die Spannung. Abweichungen von der Mittellinie beim Herausstrecken der Zunge deuten auf eine Funktionsstörung des N. hypoglossus hin.

Spezielle Funktionsuntersuchung der Zunge
  • Lassen Sie den Patienten schnell und eventuell auch langsam folgende Zungenbewegungen ausführen:

    • von Zungenbewegungen:FunktionsuntersuchungZunge:FunktionsuntersuchungMundwinkel zu Mundwinkel

    • auf und ab (La-la-la-la-Laute)

    • kreisförmig links- und rechtsherum

    • herausstrecken und wieder zurückziehen

    • in Richtung der Kinnspitze und

    • in Richtung der Nasenspitze.

  • Der Patient soll auch versuchen

    • mit der Zunge einen vorgehaltenen Holzspatel wegzudrücken

    • die Zunge breit bzw. schmal zu machen

    • zu schnalzen (Zungenspitze laut vom Gaumendach abschnellen lassen).

  • Mit einem Holzspatel wird die Sensibilität der Zunge überprüft.

  • Zunge:SensibilitätNachfragen und überprüfen, ob die Zunge bei feinmotorischen Aufgaben zwischen die Zähne geschoben wird (Interdentalität).

  • Bestehen athetoide, unwillkürliche, auffällige Zungenbewegungen? Weil sie auf ZNS-Zungenbewegungen:athetoideLäsionen hindeuten können, sollten sie ärztlich abgeklärt werden.

  • Während der Artikulation auf die Artikulation:ZungenbeweglichkeitZungenbeweglichkeit achten: Lassen Sie Zungenbeweglichkeit:ArtikulationKinder beispielsweise verschiedene Wörter oder das Alphabet langsam nachsprechen.

Untersuchung von Hals und Pharynx

Achten Sie dabei auf Asymmetrien, Schwellungen und Narben im Halsbereich.
  • Mit der PalpationHalsbereich:Untersuchung werden das Halsbereich:PalpationOs hyoideum, die Cartilago thyreoidea, die Cartilago cricoidea und die Trachea voneinander abgegrenzt. Die unterhalb des Os hyoideum tastbare Prominentia laryngea befindet sich beim Mann in Höhe des 4./5. Halswirbels. Der Kehlkopf steht bei der Frau meistens etwas höher.

  • Die Glandula parotidea (Parotis) ist vor dem Ohr, hinter dem R. mandibulae und oberhalb des Kieferwinkels zu tasten. Schwellungen vor den Ohrmuscheln und oberhalb der Kieferwinkel können auf eine Schwellung der Glandula parotidea, einen Parotistumor oder auf Mumps hindeuten. Der Patient sollte zum Arzt überwiesen werden.

  • Die Glandulae submandibulares und sublinguales sind normalerweise kaum am Mundboden tastbar. Bei Mundboden:PalpationVerhärtungen und Druckempfindlichkeit kann ein Speichelstein oder eine Entzündung Speichelstein:Druckempfindlichkeitvorliegen. Dies sollte von einem Arzt überprüft werden.

  • Vergleichen Sie bilateral den Zwischenraum zwischen dem M. sternocleidomastoideus und der Schilddrüse. Die Zwischenräume sollten gleich groß sein. Achten Sie auch darauf, ob die Trachea von der Mittellinie abweicht. Solche Abweichungen können auf Narben, Verklebungen oder Fibrosierungen im Lungengewebe hindeuten.

  • Untersuchung der Schilddrüse:

    • Die Finger der Schilddrüsenuntersuchungeinen Hand werden auf den unteren Anteil der Cartilago thyroidea gelegt, während die andere Hand den M. sternocleidomastoideus umgreift und ihn medianwärts in Richtung des Schilddrüsenlappen führt (Abb. 13.8).

    • Schilddrüsenlappen:Palpation Man tastet den Schilddrüsenlappen und den Isthmus der Schilddrüse behutsam ab und Schilddrüsenisthmus:Palpationvergleicht beide Seiten. Dazu kann es notwendig sein, dass die Patientin den Hals leicht überstreckt und Schluckbewegungen ausführt. VerhärtungenSchluckbewegungen:Schilddrüsenuntersuchung, Verwachsungen mit dem umgebenden Gewebe oder schnelles Wachstum sind besonders verdächtig auf Malignität und sollten unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden! Leichte Vergrößerungen der Schilddrüse gegen Ende des Zyklus, während der Schwangerschaft und in der Pubertät sind dagegen physiologisch bzw. normal.

  • Man bittet die Patientin, den Mund zu öffnen, und drückt die Zunge mit einem Finger oder einem Zungenspatel in der Mitte nach unten, sodass man den Pharynx gut einsehen kann. Pharynx:Untersuchung mit ZungenspatelWährend die Patientin Aah sagt, wird auf das Anheben des Gaumensegels geachtet, um die Funktion des N. vagus zu beurteilen. Darüber hinaus achtet man auf Farbe, Symmetrie, Ödeme, Schleimhautulzera und Vergrößerungen Schleimhautulzera:Pharynxoder Vereiterung der Tonsillen. Weiße Beläge aus Tonsillen:VereiterungTonsillen:BelägeExsudat auf der geröteten Schleimhaut sprechen für eine akute Pharyngitis. In dem Fall sollte Pharyngitisdie Patientin zum Arzt überwiesen werden.

Fasziales Screenen

Ein Grundprinzip der Physik lautet, dass auf ein Gewebe einwirkende Belastungen sich in inneren Gewebespannungen äußern, die entweder vom Körper absorbiert werden und eventuell sogar für Deformierungen sorgen oder die Struktur zusammenbrechen lassen. Aus dieser Sicht ist es wichtig, nach Spannungen im Körper zu suchen und diese zu lösen, bevor sich mit der Zeit Verformungen (z. B. Skoliosen, Osteophyten, Entzündungen, Verkalkungen) einstellen! Das Screenen auf Spannungen und Screenen:faszialesdas Lösen Spannungen:fasziales Screeningvorhandener Spannungen könnte man durchaus als eine wichtige präventive Maßnahme betrachten! Die nachfolgend beschriebenen Screening- und faszialen Behandlungstechniken eignen sich besonders dazu. Es wäre in dieser Hinsicht beispielsweise interessant, idiopathische Skoliosen mit faszialen Techniken zu untersuchen und zu behandeln.
Das Lauschen der Sprache der Bindegewebe im Körper des Patienten setzt viel praktische Übung mit empirischer Begleitung voraus, die sich in einem Buch weniger gut vermitteln lässt. Deswegen sei zusätzlich auf die praktischen Seminare des DFO (Deutsches Fortbildungsinstitut für Osteopathie – www.dfo-zentrum.de) hingewiesen!
Voraussetzungen: Es hängt sowohl von den individuellen Reaktionen des Gewebes als auch von der Tagesform des Patienten und den individuellen Fähigkeiten des Therapeuten ab, wie viele Lauschstationen benötigt werden, um den Körper des Patienten durchscreenen zu können. Je geübter ein Therapeut ist, desto weniger Lauschstationen braucht er gewöhnlich und desto gezielter kann er beim Lauschen bestimmte Regionen und Gewebe anpeilen.
Lauschstationen: Im Anschluss habe ich ohne Anspruch auf Vollständigkeit einige wichtige Lauschstationen als Beispiele Lauschstationen:Durchforsten des Körpersbeschrieben. Grundsätzlich sind folgende Parameter zur Durchforstung des Körpers geeignet:
  • Listening der faszialen Anziehungskraft Listening-Screening

  • Traktion des Listening-ScreeningGewebes Traktionsscreening

  • Kompression des TraktionsscreeningGewebes Kompressionsscreening

  • Qualität des KompressionsscreeningGeweberhythmus Rhythmusscreening.

Man kann mit Rhythmusscreeningverschiedenen Belastungsstufen (Intensitäten) arbeiten:
  • Stufe 1

    • Belastungsstufen (Intensitäten) Eine Traktion der Stufe 1 besteht Traktion:Stufe 1aus einer minimalen Belastung (100-Gramm-Bereich), mit der vor allem die Kollagenfasern des Bindegewebes Kollagenfasern:straffengestrafft werden können, was eher mit einem direkten Behandlungsweg (Entfernung/Dehnung) vergleichbar ist. Dadurch lassen sich leichte Verklebungen zwischen den Kollagenfasern lösen.

    • Durch eine Kompression der Stufe 1 werden die Kollagenfasern dagegen gelockert (Kollagenfasern:lockernentspannt) und in eine Wellenform gebracht (die Zügel also sozusagen gelockert), was eher mit einem indirekten Weg (Annäherung) vergleichbar ist. Hiermit lassen sich vor allem Flüssigkeiten in Bewegung versetzen. Sie werden sozusagen in den interstitiellen Raum reingelassen.

    • Mit Stufe 1 wird vor allem der Geweberhythmus dazu angeregt, seine Regulationskräfte im Gewebe zu entfalten.

  • Stufe 2

    • Eine Traktion der Stufe 2 besteht Traktion:Stufe 2aus einer gesteigerten Belastung (ein bis mehrere Kilogramm), mit der die Kollagenfasern nun gedehnt werden. Wird diese zweite Traktionsstufe hauptsächlich an einer Faszie ausgeübt, erreicht man schnell die maximale Dehnbarkeit, weil Kollagenfasern nur bis zu 5 % dehnbarKollagenfasern:maximale Dehnbarkeit sind. Es muss deswegen mit viel Fingerspitzengefühl und Übung gearbeitet werden. Dies zielt darauf, Verklebungen zwischen den einzelnen Kollagenfasern zu lösen und die Elastizität des Gewebes aufrechtzuerhalten.

    • Bei einer Kompression der Stufe 2 werden nunKompression:Stufe 2 eher die Flüssigkeiten aus dem Gewebe herausgedrängt und die Fasern zusammengefaltet.

  • Stufe 3

    • Eine Traktion der Stufe 3 besteht Traktion:Stufe 3Kompression:Stufe 3aus einer Belastung, die zunehmend die Dehnbarkeit des Gewebes überschreitet, sodass es zu Verschiebungen zwischen den verschiedenen Fasern und Geweben kommt.

    • Nun sollen sowohl bei der Traktion als auch bei der Kompression vor allem Verklebungen zwischen den Faszienblättern, den Kollagenfasern und der extrazellulären Matrix gelöst werden.

    • Sowohl bei der Traktion als auch bei der Kompression wird Flüssigkeit aus dem Gewebe herausgedrückt.

    • Wenn man rhythmisch zwischen Traktion und Kompression (Stufe 1 bis 3) abwechselt, führt dieser intensive Pumpmechanismus zu einem stärkeren Flow der Flüssigkeiten.

  • Stufe 4

    • Traktion und Kompression der Traktion:Stufe 4Stufe 4 sind so stark, dass sie eine plastische Deformierung (mit Restdeformierung) auslösen.

    • Diese Stufe kommt seltener und nur sehr behutsam zur Anwendung, beispielsweise zur Behandlung von Narbengewebe. Man sollte sich Narbengewebe:Traktion/Kompression Stufe 4vorher immer gut überlegen, ob die Belastung gezielt eingesetzt werden kann und kein anderes Gewebe überlastet wird!

    • Die Zielsetzung besteht darin, bestehende kollagene Verbindungen gezielt zu zerstören und eine bleibende Deformierung mit Umstrukturierung Deformierung:bleibendeder Gewebezusammensetzung anzupeilen.

Auffällige Bereiche:
  • Beim Listening macht vor allem die Listening:auffällige BereicheRichtung, in die man gezogen bzw. geschoben (weggedrückt) wird, auf auffällige Bereiche aufmerksam.

  • Bei der Traktion fallen vor allem die Traktion:auffällige BereicheGewebe auf, die sich nicht straffen, dehnen bzw. verschieben lassen. Bei der Kompression lassen sich solche straffen Gewebe oft leichter zusammenschieben, als zögen sie sozusagen die Kompressionskraft an. Man muss bei der Kompression allerdings Kompression:auffällige Bereicheunterscheiden, ob es eher daran liegt, dass die eine Seite sich nicht zusammenschieben lässt (gestaut ist) oder dass sich die andere Seite leichter zusammenfalten lässt! Oft kann eine konkrete Aussage nur dann getroffen werden, wenn man die Ergebnisse der Traktion mit den Ergebnissen der Kompression vergleicht.

  • Beim Geweberhythmus ist es vor allem die Geweberhythmus:auffällige Bereicheveränderte Qualität der harmonischen Wellenbewegung (harmonisch und gleich stark in beiden Richtungen: mit Anschwellen und Abschwellen, Innen- und Außenrotation), die uns auf ein Gewebe aufmerksam machen sollte.

    • Ein schlecht spürbarer Geweberhythmus deutet auf lokale Geweberhythmus:schlecht spürbarerVerklebungen und eine Verschlackung im betreffenden Gewebe hin.

    • Ein asymmetrischer Rhythmus deutet eher auf Geweberhythmus:asymmetrischerVerklebungen hin, die weiter weg im Gewebe liegen (Kap. 11.7.3).

Praktische Bedeutung

Durch das Zusammenführen der palpatorisch getesteten Bewegungsqualitäten von Geweben lassen sich auffällige Gebiete und Regionen aufspüren, die dann in weiterführenden Untersuchungen genauer durchleuchtet werden müssen.

  • Handelt es sich beispielsweise eher um eine Stauung, Verklebung oder Narbenbildung?

  • Um welches Gewebe oder Organ handelt es sich?

  • Müssen eventuell weitere (ärztliche und/oder osteopathische) diagnostische Verfahren eingeleitet werden?

Zudem lassen sich die beschriebenen Ausgangspositionen und Varianten (abwechselnde Traktion und Kompression) auch sehr gut als venolymphatische Pumptechniken in den jeweiligen Geweben anwenden.

Lauschstation Kopf

Pumptechniken:venolymphatischeBewegungsqualitäten:auffällige BereicheAusgangsposition: Die Lauschstationen:KopfPatientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung: Fasziales Screenen als
  • Kopf:fasziales ScreenenTraktionsscreening (Abb. 13.9): Der Therapeut Traktionsscreening:Kopfumgreift mit beiden Händen bilateral das Schädeldach der Patientin in Höhe der Schläfen und übt mit den Fingern eine behutsame Traktion (Stufe 1 bis 2) des Schädeldachs kranialwärts aus. Er lauscht auf die Reaktion des Gewebes und achtet darauf, wie weit er mit seiner Traktion das Gewebe straffen und darüber hinaus kaudalwärts in den Schädel bzw. in den Körper der Patientin (meningeal-faszial) eindringen kann. Er untersucht und bewertet zusätzlich die Fähigkeit des Gewebes, sich straffen, entfalten und dehnen zu lassen. Bindegewebsverstrickungen (Verklebungen zwischen Kollagenfasern bzw. Matrixmolekülen) und Verklebungen im Gewebe fallen dabei negativ auf.

  • Kompressionsscreening (Abb. 13.10): Danach Kompressionsscreening:Kopfberührt er das Schädeldach mit den flachen Händen und übt eine behutsame Kompression (Stufe 1 bis 2) kaudalwärts aus. Er lauscht erneut der Reaktion des Gewebes auf die ausgeübte Kompression und beurteilt, wie gut sich das Gewebe zusammenfalten und die Flüssigkeit verschieben lässt. Stauungen und Stauchungen im Gewebe fallen dabei negativ auf.

  • Listening-Screening (Abb. 13.11): Beim Listening befinden sich beide Hände im Listening-Screening:Kopfkompletten Kontakt mit dem Schädel. Dabei sind die Finger des Therapeuten so weit gespreizt, dass sich die Ohren der Patientin zwischen Mittel- und Ringfinger befinden und die Handflächen auf der Schädeldecke liegen. Der Therapeut spürt der Zugrichtung zwischen seinen Händen nach, ob es ihn beispielsweise mehr kaudalwärts zum Foramen magnum oder mehr lateralwärts zu einem Schädelknochen, einer Sutur oder einer Meninx hinzieht. Zuerst erspürt er, ob sich die Quelle eher im Schädel selber oder weiter kaudal im Körper befindet. Danach kann eventuell nach bestimmten Belastungsmustern im Schädel gesucht werden (Kap. 11.7.3).

  • Rhythmusscreening (Abb. 13.11): Beim Rhythmusscreening:KopfGeweberhythmus verfolgt und bewertet der Therapeut die Stärke, Geschwindigkeit, Symmetrie und Harmonie der Anschwell- und Abschwellbewegung des Schädels.

Behandlungsmöglichkeiten:
  • Begleiten und Behandlung:direkter WegVerstärken (direkter Weg): Das Gewebe Verstärken:An- und Abschwellbewegungwird in der Anschwellbewegung einer Traktion kranialwärts unterzogen bzw. in der Abschwellbewegung kaudalwärts komprimiert, um es zu begleiten und die Bewegung, die nicht so gut geht, zu verstärken.

  • Pendelbewegung (indirekter Weg): Wie bei PendelbewegungBehandlung:indirekter Wegeinem Pendel kann man zuerst die Bewegung, die bereits gut läuft, verstärken, um danach von der stärker ausholenden Rückschlagbewegung des Pendels zu profitieren und dadurch eine Korrektur der schwächeren Bewegung zu erreichen. In diesem Fall wäre es sinnvoll, die Anschwellbewegung mit einer Traktion in der Längsachse oder die Abschwellbewegung mit einer Kompression in der Längsachse zu begleiten bzw. zu verstärken.

  • Pumpbewegung: Sie dient dazu, sowohl die PumpbewegungAbschwell- (eventuell mit Kompression) als auch die Anschwellbewegung (eventuell mit Traktion) zu begleiten und zu verstärken.

  • Still-point (Stillpunkt) induzieren: Still-point:induzierenBegleiten Sie das Gewebe in der Richtung, die leichter geht. Das Ganze wird über die darauf folgenden Zyklen immer weiter ausgebaut (d. h. die Bewegung, die nicht gut geht, abgebremst, und die Bewegung, die gut geht, verstärkt), bis sich ein Stillpunkt einfädeln lässt.

Lauschstation Nacken

Ausgangsposition: Die Lauschstationen:NackenPatientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung (Abb. 13.12): Fasziales Screenen als
  • Nacken:fasziales ScreenenTraktions- und Traktionsscreening:NackenKompressionsscreening:NackenKompressionsscreening: Der Therapeut umgreift mit beiden Händen den Nacken der Patientin und setzt die Finger dabei in einem bestimmten Halsbereich (z. B. kraniozervikal oder zervikothorakal) an. Er übt eine behutsame Traktion kranialwärts bzw. Kompression kaudalwärts (Stufe 1 bis 2) am Nacken aus. Dabei lauscht er auf die Reaktion (insbesondere) der Nackengewebe und beurteilt, wie weit er mit seiner Traktion kaudalwärts in den Körper der Patientin (faszial) eindringen bzw. durchdringen kann und wie gut sich das Gewebe straffen, entfalten und dehnen bzw. falten und komprimieren lässt.

  • Listening-Screening: Beim Listening achtet der Therapeut darauf, Listening-Screening:Nackenob eher ein kranialwärts (Richtung Schädel) oder ein kaudalwärts gerichteter Zug (zu einer Schulter? Körpermitte?) vom Gewebe ausgeübt wird.

  • Rhythmusscreening: Beim Geweberhythmus Rhythmusscreening:Nackenbeurteilt der Therapeut die Stärke, Geschwindigkeit, Symmetrie und Harmonie der Anschwellbewegung (mit Aufrichtung der HWS) und der Abschwellbewegung (mit Zusammensacken der HWS).

Behandlungsmöglichkeiten:
  • Begleiten und Verstärken (Behandlung:direkter Wegdirekter Weg): Das Gewebe Verstärken:An- und Abschwellbewegungwird in der Anschwellbewegung (Aufrichtung) einer Traktion unterzogen bzw. in der Abschwellbewegung (Zusammensacken) kaudalwärts komprimiert, um es zu begleiten und die Bewegung, die schlechter geht, zu verstärken.

  • Pendelbewegung (indirekter Behandlung:indirekter WegWeg): In diesem PendelbewegungFall wäre es sinnvoll, entweder die kraniokaudale Anschwellbewegung (Aufrichtung) mit einer kranialwärts gerichteten Traktion oder die kraniokaudale Abschwellbewegung (Zusammenstauchung) mit einer kaudalwärts gerichteten Kompression zu begleiten bzw. zu verstärken. Die Bewegung, die besser geht, wird verstärkt.

  • Pumpbewegung: Sie dient dazu, sowohl die PumpbewegungAbschwellbewegung (Zusammensackung) als auch die Anschwellbewegung (Aufrichtung) zu begleiten und zu verstärken.

  • Still-point (Stillpunkt) induzieren: Still-point:induzierenBegleiten Sie das Gewebe in der Richtung, die leichter geht. Das Ganze wird über die darauf folgenden Zyklen noch weiter ausgebaut (die Bewegung, die nicht gut geht, abgebremst und die Bewegung, die gut geht, verstärkt), bis sich ein Stillpunkt einfädeln lässt.

Lauschstation Hals

Ausgangsposition: Die Lauschstationen:HalsPatientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung (Abb. 13.13): Fasziales Screenen als
  • Hals:fasziales ScreenenListening-Screening: Beim Listening achtet der Therapeut darauf, Listening-Screening:Halsob eher ein kranialwärts (Richtung Mundboden – suprahyale Muskulatur) oder ein kaudalwärts gerichteter Zug (zum Sternum – infrahyale Muskulatur) vom Gewebe ausgeübt wird.

  • Rhythmusscreening: Beim Geweberhythmus Rhythmusscreening:Halsbeurteilt der Therapeut die Stärke, Geschwindigkeit, Symmetrie und Harmonie der Kranial- und Kaudalverschiebung des Os hyoideum.

Behandlungsmöglichkeiten:
  • Begleiten und Verstärken (Behandlung:direkter Wegdirekter Weg): Das Os Verstärken:An- und Abschwellbewegunghyoideum wird bei der Abschwellbewegung kranialwärts bzw. bei der Anschwellbewegung kaudalwärts begleitet, um die Richtung, die am schlechtesten geht, zu verstärken.

  • Pendelbewegung (indirekter Behandlung:indirekter WegWeg): Das Os Pendelbewegunghyoideum wird bei der Anschwellbewegung kaudalwärts bzw. bei der Abschwellbewegung kranialwärts begleitet, um Richtung, die am besten geht, zu verstärken.

  • Pumpbewegung: Sie dient sowohl dazu, die PumpbewegungAbschwell- als auch die Anschwellbewegung zu begleiten und zu verstärken.

  • Still-point (Stillpunkt) induzieren: Still-point:induzierenFolgen Sie dem Gewebe in der Richtung, die leichter geht, indem Sie das Os hyoideum begleiten. Das Ganze wird über die darauf folgenden Zyklen noch weiter ausgebaut (die Bewegung, die nicht gut geht, abgebremst und die Bewegung, die gut geht, verstärkt), bis sich ein Stillpunkt einfädeln lässt.

Lauschstation obere Extremität

Ausgangsposition: Die Lauschstationen:obere ExtremitätPatientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut steht am Kopfende der Liege.
Ausführung (Abb. 13.14): Fasziales Screenen als
  • Traktions-Kompressionsscreening: Der Therapeut führt eine Traktions-Kompressionsscreening:obere Extremitätoder beide obere Extremitäten der Patientin in Elevation und umgreift einen oder beide Unterarme oberhalb des Handgelenks der Patientin. Er übt eine behutsame Traktion bzw. Kompression (Stufe 1 bis 2) des Arms kranial- bzw. kaudalwärts aus. Er lauscht auf die Reaktion (insbesondere) der ventralen Gewebe und achtet darauf, wie weit er mit seiner Traktion bzw. Kompression kaudalwärts in den Körper der Patientin (faszial) eindringen kann.

    • Wird die Traktion in einer Innenrotationsstellung der oberen Extremität Innenrotationsstellung:Traktion über KPMausgeführt, geht der Zug mehr über die kreuzenden posterioren Myofaszialketten (KPM) in den dorsalen Bereich des Thorax (Meert 2009).

    • Wird die Traktion in einer Außenrotationsstellung der oberen Extremität Außenrotationsstellung:Traktion über KAMausgeführt, geht der Zug mehr über die kreuzenden anterioren Myofaszialketten (KAM) in den ventralen Bereich des Thorax (Meert 2009).

  • Listening-Screening: Beim Listening prüft der Therapeut durch Listening-Screening:obere Extremitätverschiedene Handpositionen am Handgelenk, Unterarm oder Oberarm, wohin ihn das Gewebe stärker zieht.

  • Rhythmusscreening: Beim Geweberhythmus Rhythmusscreening:obere Extremitätbeurteilt der Therapeut die Stärke, Geschwindigkeit, Symmetrie und Harmonie der Außenrotation mit gestreckter oberer Extremität und die Innenrotation mit Verkürzung der oberen Extremität.

Behandlungsmöglichkeiten:
  • Begleiten und Verstärken (Behandlung:direkter Wegdirekter Weg): Das Gewebe Verstärken:An- und Abschwellbewegungwird in der Abschwellbewegung komprimiert und nach innen rotiert bzw. in der Anschwellbewegung elongiert und nach außen rotiert, um die Richtung, die am schlechtesten geht, zu begleiten und zu verstärken.

  • Pendelbewegung (indirekter Behandlung:indirekter WegWeg): Dabei wirdPendelbewegung entweder die Anschwellbewegung mit einer Elongierung und Außenrotation oder die Abschwellbewegung mit einer Kompression und Innenrotation in der Richtung, die am besten geht, verstärkt und begleitet.

  • Pumpbewegung: Sie dient dazu, sowohl die PumpbewegungAbschwellbewegung mit Kompression und Innenrotation als auch die Anschwellbewegung mit Elongierung und Außenrotation zu begleiten und zu verstärken.

  • Still-point (Stillpunkt) induzieren: Still-point:induzierenBegleiten Sie das Gewebe in der Richtung, die leichter geht. Das Ganze wird über die darauf folgenden Zyklen noch weiter ausgebaut (die Bewegung, die nicht gut geht, abgebremst und die Bewegung, die gut geht, verstärkt), bis sich ein Stillpunkt einfädeln lässt.

Lauschstation Sternum

Ausgangsposition: Die Lauschstationen:SternumPatientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut steht neben der Patientin.
Ausführung (Abb. 13.15): Fasziales Screenen als
  • Sternum:fasziales ScreenenSchubscreening: Der Therapeut berührt das Schubscreening:SternumSternum der Patientin mit der flachen Hand und übt während der Ein- bzw. Ausatmung behutsam einen kranial- bzw. kaudalwärts gerichteten Schub (Stufe 1 bis 2) am Sternum aus. Er lauscht der Reaktion der ventralen Gewebe und achtet darauf, wie weit er mit seiner Schubbewegung kaudal- bzw. kranialwärts in den Körper der Patientin (faszial) eindringen kann.

  • Listening-Screening: Beim Listening legt der Therapeut eine Hand Listening-Screening:Sternumflach auf das Sternum und prüft, wohin ihn das Gewebe stärker zieht bzw. schiebt. Alle Finger und die gan

  • ze Hand beteiligen sich am dreidimensionalen Listening, um bestimmte verklebte/verspannte bzw. gestaute Bereiche im Hals, Thorax, Mediastinum und Abdominalbereich aufzuspüren.

  • Rhythmusscreening: Um den Geweberhythmus zu Rhythmusscreening:Sternumbeurteilen, legt der Therapeut eine Hand flach auf das Sternum und achtet auf die Stärke, Geschwindigkeit, Symmetrie und Harmonie der Ventralbewegung des Sternums (mit einer dorsalen Biegung zwischen Manubrium und Corpus sterni) und der Dorsalbewegung des Sternums (mit einer ventralen Biegung zwischen Manubrium und Corpus sterni verbunden).

Behandlungsmöglichkeiten:
  • Begleiten und Verstärken (Behandlung:direkter Wegdirekter Weg): Das Sternum Verstärken:An- und Abschwellbewegungwird in der Abschwellbewegung kaudalwärts geschoben und gestreckt bzw. in der Anschwellbewegung kranialwärts geschoben und gebeugt, um es zu begleiten und die Bewegung, die schlechter geht, zu verstärken.

  • Pendelbewegung (indirekter Behandlung:indirekter WegWeg): In diesem PendelbewegungFall wird die Bewegung des Sternums, die besser geht, begleitet und verstärkt.

  • Pumpbewegung: Sie dient dazu, sowohl die PumpbewegungAbschwellbewegung mit einem kaudalen Schub und Streckung des Sternums als auch die Anschwellbewegung mit einem kranialen Schub und Beugung des Sternums zu begleiten und zu verstärken.

  • Still-point (Stillpunkt) induzieren: Still-point:induzierenBegleiten Sie das Gewebe in der Richtung, die leichter geht. Das Ganze wird über die darauf folgenden Zyklen noch weiter ausgebaut (die Bewegung, die nicht gut geht, abgebremst und die Bewegung, die gut geht, verstärkt), bis sich ein Stillpunkt einfädeln lässt.

Lauschstation BWS

Ausgangsposition: Die Lauschstationen:BWSPatientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung (Abb. 13.16): Fasziales Screenen als
  • BWS:fasziales ScreenenTraktions-Kompressionsscreening: Der Therapeut legt beide Traktions-Kompressionsscreening:BWSHände flach bilateral unter die Rippen bzw. die Brustwirbel Th5–Th9 der Patientin und übt eine behutsame Traktion (Stufe 1 bis 2) kranialwärts bzw. eine leichte Kompression (Stufe 1 bis 2) kaudalwärts aus. Er lauscht der Reaktion (insbesondere) der dorsalen Gewebe und achtet darauf, wie weit er mit seiner Traktion bzw. Kompression kaudalwärts in den Körper der Patientin eindringen kann.

  • Listening-Screening: Beim Listening legt der Therapeut eine Hand Listening-Screening:BWS(oder beide Hände) flach unter die BWS, um dreidimensional beurteilen zu können, wohin ihn das Gewebe stärker zieht. Auf die Weise versucht er, bestimmte verklebte/verspannte bzw. gestaute Bereiche im Thorax und in der Wirbelsäule aufzuspüren.

  • Rhythmusscreening: Beim Geweberhythmus Rhythmusscreening:BWSbeurteilt der Therapeut die Stärke, Geschwindigkeit, Symmetrie und Harmonie der Anschwellbewegung (mit Aufrichtung der BWS und Außenrotation der Rippen) und der Abschwellbewegung (mit Zusammensackung der BWS und Innenrotation der Rippen).

Behandlungsmöglichkeiten:
  • Begleiten und Verstärken (Behandlung:direkter Wegdirekter Weg): Die BWS wirdVerstärken:An- und Abschwellbewegung in der Abschwellbewegung kaudal- bzw. in der Anschwellbewegung kranialwärts geschoben, um sie zu begleiten und die Bewegung, die schlechter geht, zu verstärken.

  • Pendelbewegung (indirekter Behandlung:indirekter WegWeg): In diesem PendelbewegungFall wird die Bewegung der BWS, die besser geht, begleitet und verstärkt.

  • Pumpbewegung: Sie dient dazu, sowohl die PumpbewegungAbschwellbewegung mit einem kaudalen Schub als auch die Anschwellbewegung mit einem kranialen Schub zu begleiten und zu verstärken.

  • Still-point (Stillpunkt) induzieren: Still-point:induzierenBegleiten Sie das Gewebe in der Richtung, die leichter geht. Das Ganze wird über die darauf folgenden Zyklen noch weiter ausgebaut (die Bewegung, die nicht gut geht, abgebremst und die Bewegung, die gut geht, verstärkt), bis sich ein Stillpunkt einfädeln lässt.

Lauschstation Sakrum

Ausgangsposition: Die Lauschstationen:SakrumPatientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut steht neben der Patientin.
Ausführung (Abb. 13.17): Fasziales Screenen als
  • Sakrum:fasziales ScreenenTraktions-Kompressionsscreening: Der Therapeut legt eine HandTraktions-Kompressionsscreening:Sakrum flach unter das Sakrum der Patientin und übt eine behutsame Traktion (Stufe 1 bis 2) kaudalwärts bzw. eine leichte Kompression (Stufe 1 bis 2) kranialwärts aus. Er lauscht der Reaktion (insbesondere) der dorsalen Gewebe und achtet darauf, wie weit er mit seiner Traktion bzw. Kompression kaudal- bzw. kranialwärts in den Körper der Patientin eindringen bzw. durchdringen kann.

  • Listening-Screening: Beim Listening legt der Therapeut eine Hand Listening-Screening:Sakrumflach unter das Sakrum, um beurteilen zu können, wohin ihn das Gewebe stärker zieht. Alle Finger und die ganze Hand beteiligen sich am dreidimensionalen Listening, um bestimmte verklebte/verspannte bzw. gestaute Bereiche im Becken aufzuspüren.

  • Rhythmusscreening: Beim Geweberhythmus Rhythmusscreening:Sakrumbeurteilt der Therapeut die Stärke, Geschwindigkeit, Symmetrie und Harmonie der Posteriorisierungs- und der Anteriorisierungsbewegung des Sakrums. Die stärkere bzw. schnellere Richtung des Geweberhythmus zeigt an, in welcher Richtung mehr Spannung herrscht.

Behandlungsmöglichkeiten:
  • Begleiten und Verstärken (Behandlung:direkter Wegdirekter Weg): Das Sakrum Verstärken:An- und Abschwellbewegungwird begleitet, während es in der Abschwellbewegung ante- oder posteriorisiert bzw. in der Anschwellbewegung poste- oder anteriorisiert wird, um die Bewegung, die schlechter geht, zu verstärken.

  • Pendelbewegung (indirekter Behandlung:indirekter WegWeg): In diesem PendelbewegungFall wird die Bewegung des Sakrums, die besser geht, begleitet und verstärkt.

  • Pumpbewegung: Sie dient dazu, sowohl die PumpbewegungAbschwellbewegung (mit Poste- oder Anteriorisierung) als auch die Anteriorisierung:SakrumAnschwellbewegung (mit Ante- oder Posteriorisierung) des Sakrums zu begleiten undPosteriorisierung:Sakrum zu verstärken.

  • Still-point (Stillpunkt) induzieren: Still-point:induzierenBegleiten Sie das Sakrum in der Richtung, die leichter geht. Das Ganze wird über die darauf folgenden Zyklen noch weiter ausgebaut (die Bewegung, die nicht gut geht, abgebremst und die Bewegung, die gut geht, verstärkt), bis sich ein Stillpunkt einfädeln lässt.

Lauschstation Bauch

Ausgangsposition: Die Lauschstationen:BauchPatientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut steht neben der Patientin.
Ausführung (Abb. 13.18): Fasziales Screenen als
  • Bauch:fasziales ScreenenListening-Screening: Beim Listening legt der Therapeut eine Hand Listening-Screening:Bauchflach auf den Bauch der Patientin, direkt oberhalb der Symphyse, und prüft, wohin ihn das Gewebe stärker zieht. Alle Finger und die ganze Hand beteiligen sich am dreidimensionalen Listening, um bestimmte verklebte/verspannte oder gestaute Bereiche im Bauch aufzuspüren.

  • Rhythmusscreening: Beim Geweberhythmus Rhythmusscreening:Bauchbeurteilt der Therapeut die Stärke, Geschwindigkeit, Symmetrie und Harmonie der Anschwell- und Abschwellbewegungen des Bauches.

Behandlungsmöglichkeiten:
  • Begleiten und Verstärken (Behandlung:direkter Wegdirekter Weg): Der Bauch Verstärken:An- und Abschwellbewegungwird in der Abschwellbewegung kranial- bzw. in der Anschwellbewegung kaudalwärts geschoben, um ihn zu begleiten und die Bewegung, die schlechter geht, zu verstärken.

  • Pendelbewegung (indirekter Behandlung:indirekter WegWeg): In diesem PendelbewegungFall wird die Bewegung des Bauches, die besser geht, begleitet und verstärkt.

  • Pumpbewegung: Sie dient dazu, sowohl die PumpbewegungAbschwellbewegung mit einem kaudalen Schub als auch die Anschwellbewegung mit einem kranialen Schub zu begleiten und zu verstärken.

  • Still-point (Stillpunkt) induzieren: Still-point:induzierenBegleiten Sie den Bauch in der Richtung, die leichter geht. Das Ganze wird über die darauf folgenden Zyklen noch weiter ausgebaut (die Bewegung, die nicht gut geht, abgebremst und die Bewegung, die gut geht, verstärkt), bis sich ein Stillpunkt einfädeln lässt.

Lauschstation untere Extremität

Ausgangsposition: Die Lauschstationen:untere ExtremitätPatientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut steht am Fußende.
Ausführung (Abb. 13.19): Fasziales Screenen als
  • Traktions-Kompressionsscreening: Der Therapeut umgreift einenTraktions-Kompressionsscreening:untere Extremität oder beide Unterschenkel der Patientin oberhalb des oberen Sprunggelenks und übt kranial- bzw. kaudalwärts eine behutsame Traktion bzw. Kompression (Stufe 1 bis 2) an dem einen/an beiden Beinen aus. Er lauscht der Reaktion der Gewebe und achtet darauf, wie weit er mit seiner Traktion bzw. Kompression kranialwärts in den Körper der Patientin (faszial) eindringen kann.

    • Wird die Traktion in einer Innenrotationsstellung der unteren Extremität Innenrotationsstellung:TRaktion über KPMausführt, geht der Zug mehr über die kreuzenden posterioren Myofaszialketten (KPM) in den Rückenbereich (Meert 2009).

    • Wird die Rückenbereich:Traktion über KPMTraktion in einer Außenrotationsstellung der unteren Extremität Außenrotationsstellung:Traktion über KAMausführt, geht der Zug mehr über die kreuzenden anterioren Myofaszialketten (KAM) in den ventralen Thorax- und Bauchbereich (Meert 2009).

  • Listening-Screening: Beim Listening prüft der Therapeut durch Listening-Screening:untere Extremitätverschiedene Handpositionen am Sprunggelenk, Unterschenkel und Oberschenkel, wohin ihn das Gewebe stärker zieht.

  • Rhythmusscreening: Beim Geweberhythmus Rhythmusscreening:untere Extremitätbeurteilt der Therapeut die Stärke, Geschwindigkeit, Symmetrie und Harmonie der Außenrotation mit Streckung der unteren Extremität und die Innenrotation mit Verkürzung der unteren Extremität. Der Rhythmus wird am Fuß, Unterschenkel und Oberschenkel verglichen.

Behandlungsmöglichkeiten:
  • Begleiten und Verstärken (Behandlung:direkter Wegdirekter Weg): Das Gewebe Verstärken:An- und Abschwellbewegungwird in der Abschwellbewegung komprimiert und nach innen rotiert bzw. in der Anschwellbewegung elongiert und nach außen rotiert, um seine Bewegung zu begleiten und zu verstärken.

  • Pendelbewegung (indirekter Behandlung:indirekter WegWeg): In diesem PendelbewegungFall wäre es sinnvoll, entweder die Anschwellbewegung mit Elongierung und Außenrotation oder die Abschwellbewegung mit Kompression und Innenrotation zu begleiten bzw. zu verstärken.

  • Pumpbewegung: Sie dient dazu, sowohl die PumpbewegungAbschwellbewegung mit Kompression und Innenrotation als auch die Anschwellbewegung mit Elongierung und Außenrotation zu begleiten und zu verstärken.

  • Still-point (Stillpunkt) induzieren: Still-point:induzierenBegleiten Sie das Gewebe in der Richtung, die leichter geht. Das Ganze wird über die darauf folgenden Zyklen noch weiter ausgebaut (die Bewegung, die nicht gut geht, abgebremst und die Bewegung, die gut geht, verstärkt), bis sich ein Stillpunkt einfädeln lässt.

0 Gerade Lauschstationen

Hier sind beliebig viele Kombinationen möglich, die eventuell anhand der vorgefundenen Spannungen ausgewählt werden sollten.
Beispiele
Beispiel 1: Lauschstationen Os occipitale und Bauch
Screenen der zentralen Lauschstationen:Os occipitale und BauchMyofaszialkette (Abb. 13.20):
  • Der Therapeut legt eine Hand flach unter das Os occipitale und die andere Hand flach auf den Bauch der Patientin, um während derBauch:Screenen der zentralen MFK Einatmung (Zwerchfellatmung) zu testen, wie das Os occipitale auf die Kaudalisierung des Zwerchfells reagiert.

  • Dann kombiniert er die Zwerchfelleinatmung und die Anschwellphase des Geweberhythmus (Flexion des Kraniosakralrhythmus), bei der das Os occipitale in eine biomechanische Extension ( kraniosakrale Flexion) kippt. Dazu schiebt der Therapeut die Pars basilaris des Os occipitale behutsam nach kranial und die Squama occipitalis nach kaudal, während er gleichzeitig behutsam die Hände auseinander führt (Traktionsstufe 1 bis 2).

  • Er prüft, wie das Gewebe der zentralen Myofaszialkette (MFK) darauf reagiert.

Myofaszialkette\t\"Siehe MFK Auswertung des Tests:
  • Die zentrale MFK ist gut dehnbar, wenn das Gewebe gleichzeitig die Kaudalbewegung des Zwerchfells und der subdiaphragmalen Organe und die Kranialbewegung der Pars basilaris des Os occipitale zulässt.

  • Die zentrale MFK ist hyperton und schlecht dehnbar, wenn das Gewebe nicht gleichzeitig die Kaudalbewegung des Zwerchfells und der subdiaphragmalen Organe und Kranialbewegung der Pars basilaris des Os occipitale zulässt und wenn die Pars basilaris des Os occipitale während der Zwerchfelleinatmung nach kaudal gezogen wird.

Beispiel 2: Lauschstationen Sakrum und Nacken
Dorsale myofasziale und artikuläre Gewebe (Rücken) (Abb. 13.21):
  • Der Therapeut legt eine Hand flach unter das Sakrum und die andere Hand flach unter die HWS der Patientin.

  • Er übt eine behutsame Traktion (Stufe 1 bis 2) bzw. Kompression (Hände auseinander bzw. zueinander führen) aus.

  • Dabei lauscht er der Reaktion der dorsalen Gewebe und achtet darauf, wie gut erGewebe-Screening:dorsales mit seiner Traktion bzw. Kompression in den Körper der Patientin (faszial) durchdringen kann, um nach Störstellen zwischen seinen Händen zu suchen.

Beispiel 3: Lauschstationen Sternum und Pubis
Ventrale myofasziale und viszerale Gewebe (Abb. 13.22):
  • Der Therapeut legt eine Hand flach auf das Sternum und die andere Hand mit dem Handballen auf die kraniale Fläche der Symphysis pubica der Patientin.

  • Er übt eine behutsame Traktion (Stufe 1 bis 2) bzw. Kompression (Hände auseinander bzw. zueinander führen) aus.

  • Dabei lauscht er der Reaktion der ventralen Gewebe und achtet darauf, wie gut erGewebe-Screening:ventrales mit seiner Traktion bzw. Kompression in den Körper der Patientin (faszial) eindringen bzw. durchdringen kann, um nach Störstellen zwischen seinen Händen zu suchen.

Behandlungsmöglichkeiten
  • Begleiten und Verstärken (Behandlung:direkter Wegdirekter Weg): Die Bewegung des Gewebes, die nicht so gut geht, wird verstärkt.

  • Pendelbewegung (indirekter Behandlung:indirekter WegWeg): Hierbei Pendelbewegungwird eine Korrektur angestrebt, indem die Bewegung, die bereits gut läuft, verstärkt wird, um dann von der stärker ausholenden Rückschlagbewegung des Pendels zu profitieren.

  • Pumpbewegung: Sie dient dazu, sowohl die PumpbewegungAnnäherungs- als auch die Auseinanderbewegung zu begleiten und zu verstärken.

  • Still-point (Stillpunkt) induzieren: Still-point:induzierenBegleiten Sie das Gewebe in der Richtung, die leichter geht. Das Ganze wird über die darauf folgenden Zyklen noch weiter ausgebaut (die Bewegung, die nicht gut geht, abgebremst und die Bewegung, die gut geht, verstärkt), bis sich ein Stillpunkt einfädeln lässt.

1 Gekreuzte Lauschstationen

Auch hier sind wiederum beliebig viele Kombinationen möglich, die eventuell anhand der vorgefundenen Spannungen ausgewählt werden sollten.
Beispiel: ventrale Lauschstationen Schulter und heterolaterale Hüfte
Durchführung (Abb. 13.23):
  • Der Therapeut legt eine Hand flach auf eine Schulter und die andere Hand flach Schulter:fasziales Screeningventral auf die heterolaterale Hüftregion der Patientin.

  • Er übt Hüftregion:fasziales Screeningeine behutsame Traktion (Stufe 1 bis 2) bzw. Kompression (Hände auseinander bzw. zueinander führen) aus.

  • Dabei lauscht er der Reaktion der ventralen Gewebe und achtet darauf, wie gut erGewebe-Screening:ventrales mit seiner Traktion bzw. Kompression in den Körper der Patientin durchdringen kann, um nach Störstellen zwischen seinen Händen zu suchen.

Behandlungsmöglichkeiten:
  • Begleiten und Verstärken (Behandlung:direkter Wegdirekter Weg): Die Bewegung des Gewebes, die nicht so gut geht, wird verstärkt.

  • Pendelbewegung (indirekter Behandlung:indirekter WegWeg): Hierbei Pendelbewegungwird eine Korrektur angestrebt, indem die Bewegung, die bereits gut läuft, verstärkt wird, um dann von der stärker ausholenden Rückschlagbewegung des Pendels zu profitieren.

  • Pumpbewegung: Sie dient dazu, sowohl die PumpbewegungAnnäherungs- als auch die Auseinanderbewegung zu begleiten und zu verstärken.

  • Still-point (Stillpunkt) induzieren: Still-point:induzierenBegleiten Sie das Gewebe in der Richtung, die leichter geht. Das Ganze wird über die darauf folgenden Zyklen noch weiter ausgebaut (die Bewegung, die nicht gut geht, abgebremst und die Bewegung, die gut geht, verstärkt), bis sich ein Stillpunkt einfädeln lässt.

Nach Gefühlsniederschlägen suchen

Die Patienten sollten lernen, ihre Aufmerksamkeit auf versteckte Spannungen und Unbehagen in ihrem Körper zu fokussieren.

Mit den oben beschriebenen Behandlungs- und zusätzlichen Entspannungstechniken, Verbalisierungs- und Copingstrategien kann versucht werden, in bestimmten Körperregionen vorgefundene Spannungen (Unbehagen) zuerst zu lokalisieren, sie zu umschreiben, dann zu fühlen und diese Emotionen zuletzt aufzuweichen.

Manchmal kann es notwendig und auch möglich sein, sie durch angemessenere Gefühle zu ersetzen (Kap. 20).

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