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B978-3-437-58930-0.00004-0

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Der Mensch aus ganzheitlicher Sicht

Zellatmung und Energiegewinnung

Die Leber als Entgiftungsorgan

Passive Transportwege durch die Zellmembran: Diffusion (links) und Osmose (rechts)

Zellwachstum und Zellteilung: verschiedene Checkpoints und Möglichkeiten für eine Entscheidung der Zelle

Aufbau der endothelialen Oberflächenschicht (EOS)

Zusammenhänge zwischen Querschnittsfläche und Strömungsgeschwindigkeiten im großen Kreislauf, in Höhe der Aorta und V. cava im Liegen dargestellt. [3]

Vasomotorik des Lymphsystems. [11]

Der interstitielle Flow (Fließen der interstitiellen Flüssigkeiten) bildet zusammen mit den Strukturproteinen eine mechanische Umgebung für die Zellen.

Fluidale abschwellende (Extension) und anschwellende (Flexion) Schädelbewegung. [11]

Geweberhythmus im ganzen Körper mit (links) einer primären Inspiration und (rechts) einer primären Exspiration (Meert 2007). [2]

Fluidale Biomechanik des Schädels und der Meningen im Kraniosakral- oder Geweberhythmus (Meert 2007). [2]

Zwei harmonische Wellen (W1 und W2) mit gleicher Amplitude und leichter Phasenverschiebung interferieren zu einer einzigen Welle (W3) mit einem komplexen Amplitudenwechsel.

Konstruktive und destruktive Interferenzmuster

Interferierende Wellen des Patienten und des Therapeuten. [11]

Neutrales Beobachten der Rhythmen beim Patienten und Therapeuten. [11]

Der Osteopath muss lernen, sich und seine Wahrnehmungen zu zentrieren. [11]

Kraniosakrale und venolymphatische Prinzipien in Bezug zum Geweberhythmus

Rhythmus und Schwingungen

Nichts steht still, sondern alles bewegt sich, alles schwingt.
Rhythmen im Körper (BiorhythmenBiorhythmen) bilden eines der großen Geheimnisse des Lebens, die sich, wie Untersuchungen zeigen, nicht einfach und bequem messen, geschweige denn interpretieren lassen! Die Organe von Menschen, Tieren und Pflanzen haben alle ihre eigenen Aktivitätsrhythmen (Meert 2007).
Rhythmus und Synchronizität sind im Universum stark verbreitet, angefangen von den Atomen bis hin zu den Planeten. Schwingungen:LichtgeschwindigkeitSchwingungen sind aus energetischer Sicht die effizienteste Bewegungsart. Denken wir nur daran, dass Licht eigentlich nichts anderes als eine sich ausbreitende Schwingung darstellt.
Manche Wissenschaftler sind sogar der Ansicht, dass Eigenschwingungen der Materie:EigenschwingungenMaterie vermutlich den bedeutsamsten strukturbildenden Faktor im Universum ausmachen, wenn wir beispielsweise an Biorhythmen, Farben, Töne, Musik oder Worte denken. Sie deuten die logarithmisch fraktalen Eigenschwingungsprozesse der Materie im Universum als Melodie der Schöpfung.

Schwingungen und molekulare Gymnastik

Das Sonnensystem und die Galaxie schwingen. Jedes Atom, jedes Molekül, jede Zelle, selbst jedes Organ in unserem Körper schwingt! Molekulare Schwingungen:molekulareSchwingungen finden im unglaublichen Bereich von Femtosekunden (10–15 s) statt. Moleküle vollführen dabei eine Gymnastik mit Rotationen und Schwingungen über mehrere hundert Pikosekunden (10–12 s) und können dabei neuerdings mit der Ultrakurzzeit-Laserspektroskopie beobachtet werden. Nicht nur die Struktur der Moleküle:SchwingungenMoleküle, sondern auch ihre Wechselwirkungen untereinander bestimmen letztendlich die Eigenschaften der makroskopischen Stoffe (Wachtveitl & Riehn 2003).
Wachtveitl und Riehn stellen die chemischen Bindungen zwischen Atomen in einem Molekül vereinfacht durch mechanische Federn dar, wobei die Härte der Feder der Stärke der chemischen Bindung entspricht. Wird nun Energie, z. B. in Form von Wärme oder Licht, zugeführt, bewegen sich die einzelnen Atome im Molekül und federn zurück, was das Moleküle:SchwingungenMolekül zum Schwingen bringt. Ist die Energiezufuhr groß genug, um durch starke Schwingungen eine chemische Reaktion auszulösen, zerreißen die Federn der Atome:Bindungen als FedernAtome und es werden Atome freigesetzt (Wachtveitl & Riehn 2003). Wenn man sich vorstellt, wie vielfältig, hochkomplex und mit welcher extrem hohen Geschwindigkeit diese Reaktionen ablaufen, kann man nur staunen über diese molekulare Hochleistungsgymnastik.

Heilende Wirkung von Rhythmen

Monotone TrommelrhythmenTrommelrhythmen haben die Menschheit schon immer fasziniert und berührt.
Wie sehr Rhythmen die Hirnströme von Menschen beeinflussen können, wird bei Epilepsie-Patienten deutlich. Diese Rhythmen scheinen die sinnliche Wahrnehmung zu verengen (sog. sensory deprivation). Schamanen benutzen beispielsweise einen monotonen Trommelrhythmus, um einen besonders kreativen Bewusstseinszustand zu erreichen. In der Medizin werden heute vor allem niedrige Frequenzen (unter 100 Hz) in der Elektrotherapie:Niedervolt-TENSElektrotherapie (Niedervolt-Niedervolt-TENS:ElektrotherapieTENS Microamperage Transcutaneous Electrical Nerve Stimulation) eingesetzt. Beim Therapeutic Touch scheint eine schwankende Frequenz zwischen 0,3 und 30 Hz die Reparatur unterschiedlicher Gewebe zu stimulieren (Oschman 2000). Oschman zufolge spricht einiges dafür, dass das Zellwachstum, die DNA- und Proteinsynthese sowie die Zellatmung (Vasomotion) durch Infrarotstrahlen, Mikrowellen und Licht, aber auch durch pulsierende Magnetfelder, die von der menschlichen Hand bei der Handauflegung ausgehen, beeinflusst werden können (Oschman 2006).
Der französische Neurophysiologe Jean Marie Charcot (1825–1893) berichtete bereits im 19. Jahrhundert über die Wirkung von Eisenbahnfahrten auf Parkinson-Parkinson-Patienten:RüttelstuhlPatienten. Er entwickelte daraufhin sogar einen chaise trepidante (Rüttelstuhl) zur Behandlung seiner Parkinson-Patienten.
Griffin meint dagegen, dass man sich von Vibrationen, die auf ein aktives, dynamisches, komplexes und intelligentes System wie den Menschen einwirken, keinen einzelnen, einfachen oder leicht vorhersehbaren Effekt erwarten darf (Griffin 2004).
Fröhlich wies darauf hin, dass von jedem Element der lebenden Matrix Vibrationen (Oszillationen:MatrixOszillationen) mit ganz unterschiedlichen Frequenzen ausgehen und sich innerhalb des Organismus ausbreiten (Oschman 2006). Manche Schwingungen haben sogar Wellenlängen von sichtbarem Licht. Jedes Molekül, jede Zelle, jedes Gewebe und jedes Organ hat anscheinend eine ideale Resonanzfrequenz:idealeResonanzfrequenz, die seine Aktivitäten koordiniert.

Deterministisches Chaos

Obwohl die Koordination der Herzkammern sehr wichtig für das effiziente Pumpen des Blutes ist, zeigt sich auch beim HerzrhythmusHerzrhythmus eine erstaunliche Variabilität: je variabler das Herz schlagen kann, desto gesünder ist es!
Das Eindrucksvollste dabei ist die mathematische Struktur, die sich unter dieser Variabilität verbirgt und sie von einer beliebigen Zufälligkeit unterscheidet. Die mathematische fraktale fraktale StrukturenStruktur dieses sogenannten deterministischen deterministisches ChaosChaos:deterministischesChaos führt zwar zu einem lokal nicht vorhersagbaren (chaotischen) Verhalten (d. h., ähnliche Ursachen haben nicht unbedingt ähnliche Wirkungen), aber die Intervalle scheinen trotzdem global durch eine Art magische Anziehungskraft in einem abstrakten mathematischen Phasenraum begrenzt zu sein. Die mathematisch chaotische Struktur folgt sozusagen den Regeln einer deterministischen Dynamik. Untersucht man das beispielsweise anhand der Spektralanalyse mittels Fourier-Transformation, wird eine fraktale Dynamik, also ein geometrisches Muster mit einem hohen Grad an immer wiederkehrender Selbstähnlichkeit, sichtbar.Symphonie des Lebens:KörperrhythmusKörperrhythmus:Symphonie des Lebensfraktale Strukturen:lebendige Prozesse

Magische Konversation in einem lebendigen Organismus

Fraktale Strukturen liegen allen lebendigen Prozessen zugrunde. Die unzählbaren fraktalen Strukturen interferieren miteinander und scheinen trotzdem eine Art magische mathematische Konversation miteinander zu führen, die bis jetzt noch niemand entschlüsseln konnte!

Um es anders, nicht-mathematisch, auszudrücken, möchte ich jeden Körperrhythmus (auch den Herzrhythmus) mit einem Musiker vergleichen, der bei der Symphonie des Lebens mitspielt. Das Orchester der Körpersysteme spielt die Symphonie des Lebens, einen komplexen Rhythmus des Blues of life. Jeder Solist (jeder Körperrhythmus) scheint frei zu improvisieren, bleibt aber trotzdem auf magische Art in Einklang mit dem ganzen Orchester des Lebens.

Kohärenz und Synchronizität

Es ist hierbei interessant, den Begriff der Kohärenz zu erwähnen. In der Physik bezeichnet Kohärenz Kohärenz:Definitiondie Eigenschaft von Wellen, Interferenzen zu ermöglichen. Im medizinischen Bereich könnten wir von einer optimalen Synchronisierung von Körperrhythmen sprechen.
Ho definiert Kohärenz wie folgt: Coherence is a state in which every part of the body is intercommunicating and therefore functioning in the most efficient and coordinated way. (Ho 2008, S. 176). Weitere wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema der Kohärenz in menschlichen Körperrhythmen Körperrhythmen:Kohärenzwären zu begrüßen.
McCraty et al. haben mit Messungen des Herzrhythmus zeigen können, dass Emotionen Emotionen:Herzrhythmusden Herzrhythmus Herzrhythmus:und Emotionenund die Art, wie das Herz schlägt, beeinflussen (McCraty et al. 2006). Positive Emotionen, wie Liebe oder Anerkennung, scheinen im Gegensatz zu negativen Gefühlen, wie Ärger oder Frust, mehr kohärente Herzrhythmen hervorzurufen und allgemein mit Wohlbefinden und einer Verbesserung der kognitiven, sozialen und physischen Leistungen einherzugehen, was sie als psychophysiologische Kohärenz Kohärenz:Herzrhythmusdes Herzens deuteten (McCraty 2005).
Es ist spannend zu beobachten, dass sich, wenn man den Herzrhythmus simultan mit dem Rhythmus des Blutdrucks und dem Atemrhythmus misst und gleichzeitig eine geübte Versuchsperson auffordert, sich an angenehme Erlebnisse zu erinnern, die drei Rhythmen erstaunlicherweise anscheinend synchronisieren (McCraty et al. 2006)!
Untersucher des Institute of HeartMath vermuten, dass die elektromagnetischen Wellen des Herzens mit den Feldern von Organen und anderen Strukturen interagieren und dass sich dabei sozusagen Hologramm-ähnliche Interferenzmuster aufbauen, die über die Aktivität aller Körperfunktionen Aufschluss geben. Umgekehrt würde auch das Herz wiederum über die Aktivität aller Körperfunktionen informiert, was sich anscheinend in Veränderungen des Herzrhythmus widerspiegelt. Auch hier sind noch weitere wissenschaftliche Untersuchungen notwendig, um die volle Tragweite dieser Angaben begreifen zu können.
Wahrnehmungsstörungen:durch hochfrequente Vibrationen Vibrationsreize:variable Parkinson-Krankheit:variable Vibrationsreize Multiple Sklerose:variable Vibrationsreize

Klinische Bedeutung ungeordneter Schwingungen

Wie sehr ungeordnete Schwingungen auch für Ordnung in Bewegungsabläufen sorgen können, zeigte das sportwissenschaftliche Team um Dr. Haas, das ein Training mit ständig wechselnden Reizen (stochastischen Resonanzen) entwickelt hat (Haas et al. 2006). Die Sportwissenschaftler warnen davor, dass gleichförmige, hochfrequente und chronische Vibrationen, beispielsweise beim täglichen Arbeiten mit vibrierenden Maschinen, zu Wahrnehmungs- und Durchblutungsstörungen oder zu einer verminderten Reflexaktivität führen können. Andererseits lässt sich jedoch die Koordination durch variable Vibrationsreize verbessern, die, indem sie das Zusammenspiel von Rezeptoren, Gehirn und Muskeln anregen, Hormone und Neurotransmitter, ja sogar verschiedene Hirnareale aktivieren und damit effizientere Bewegungsantworten hervorrufen. Es werden bestimmte biochemische Stoffe (neurotrophe Faktoren) freigesetzt, die den Funktionsverlust und die Degeneration von Neuronen hemmen und sogar für neue Verknüpfungen zwischen Neuronengruppen sorgen.

Laut dieser Forschergruppe sind solche Vorgänge nicht nur bei Sportlern, sondern auch bei neurodegenerativen Pathologien wie der Parkinson-Krankheit, multipler Sklerose und nach Nerventraumata von Bedeutung!

In Therapie und Diagnose scheint der Rhythmus neuerdings wiederentdeckt zu werden. Auch ich möchte in diesem Buch darauf hinweisen, dass es die wertvolle Möglichkeit gibt, die Körperflüssigkeiten rhythmisch anzuregen. In der Hinsicht möchte ich betonen, dass sich auch Emotionen und Ängste in Kräfte umwandeln können, die für Stauungen sorgen. Der Weg in die Krankheit ist damit gebahnt. Rhythmik und Bewegung bilden die natürliche Grundlage von Dynamik und Leben. Über den Rhythmus der Atmung, ungehindert freie Körperbewegungen und psychische Beweglichkeit kann man die Harmonie der dynamisch-rhythmischen Regelmechanismen unterstützen, um eine bessere Kohärenz Kohärenz:durch Rhythmenanzustreben.

Das Meer in uns

Entwicklung

Als allererste mechanische Kohärenz der Kohärenz:EvolutionEvolution Evolution:Kohärenzentstand eine Vorstufe der Zellen als ein hydraulisches Gebilde aus Flüssigkeitsfüllung und Membran. Vielkernige Einzeller befreiten sich eigentlich vom Meer, indem sie eine einfache Membran zur Abgrenzung und zum Stoffaustausch ausbildeten. Sie haben sozusagen einen Teil des Meeres in sich aufgenommen und tragen diese extrazelluläre Flüssigkeit wie einen maßgeschneiderten Mantel ständig mit sich herum. Vor Hunderten von Millionen Jahren, lange bevor sich das kardiovaskuläre System und die Lunge entwickelten, wurde das Zirkulieren von Sauerstoff und Nährstoffen durch eine Art von Gezeiten-Peristaltik aufrechterhalten.

Im Rhythmus der Gezeiten

Vor dem Auftreten von Atmung und Herzschlag ließ dieser alte Rhythmus sozusagen als Fortführung der Gezeiten des Meeres die interstitiellen Flüssigkeiten fließen. Ist der ominöse Geweberhythmus oder Kraniosakralrhythmus vielleicht mit diesem Rhythmus vergleichbar (Kap. 4.8)?

Rhythmus:der GezeitenJe komplizierter tierische Organismen wurden, desto wichtiger waren – neben der Fortbewegungsfähigkeit – Mobilität und MobilitätMotilität (MotilitätEigenbewegungen, Peristaltik) der inneren Organe und innere Organe:PeristaltikGewebe. Innere Organe ermöglichen es, dass Nahrung und Blut durch den Körper gepumpt und ausscheidungspflichtige Stoffe ausgetrieben werden, und unterstützen damit das Fließen der interstitiellen Flüssigkeiten.
Alle Zellen sind kinetisch in Form von Anziehung bzw. Abstoßung durch die Bewegungen der Materialien (Aufnahme von Nährstoffen und Abgabe von Stoffwechselprodukten) miteinander verbunden (Blechschmidt 2004). Dieses Wechselspiel zwischen dem Aufnehmen und Abgeben von Stoffen und zwischen Anziehung und Abstoßung ist eine Voraussetzung für das Anordnen der Zellen in einer bestimmten Zusammensetzung und für das Aufrechterhalten der Form.

Flüssigkeiten und Funktion

Nur beim Vorhandensein eines gewissen Füllungszustands können Faszien gestrafftFaszien:hydraulische Füllung und die flexiblen myofaszialen Verspannungs- und Kontraktionselemente in einen funktionstüchtigen Zustand (mit synergistischen und antagonistischen Aktionen) geschaltet werden. Die hydraulische Füllung ist also eindeutig notwendig für die mechanische Funktionstüchtigkeit!
Gutmann Funktionstüchtigkeit:hydraulische Füllungbetont, dass die Gestalt eines Lebewesens keinesfalls mehr als zufällig angesehen werden darf, weil jede Form Ausdruck eines durch gestalterische und architektonische Bauelemente erzwungenen Arrangements ist (Gutmann 1995). Wir möchten hier den gesamten Körper als eine Körper:als HydroskelettHydroskelett-Hydroskelett-Konstruktion:des KörpersKonstruktion betrachten. Man kann sich vorstellen, dass die Entwicklung der Gewebe und des Körpers von biodynamischen Gestaltungskräften geprägt ist. Diese mechanischen Überlegungen sollten mit biochemischen Überlegungen zu sammengelegt werden, um die komplexen Zusammenhänge besser zu verstehen.
Beim Erwachsenen bestehen etwa 60 % des Körpergewichts und beim Kind sogar etwa 70 % des Körpergewichts aus Wasser. Die Wasser-Anteil:KörpergewichtZusammensetzung der extrazellulären Flüssigkeit (das Meer in unserem Körper) wird genau reguliert, damit das Milieu, das die Zellen umgibt, konstant bleibt. Das Bemühen um ein stabiles inneres Milieu, an dem fast alle Organsysteme des Körpers beteiligt sind, wird als Homöostase Homöostasebezeichnet. Damit alle Organsysteme aufeinander abgestimmt werden können, stehen verschiedene Kommunikationswege, beispielsweise über sehr schnelle elektrische und elektrochemische Signale des Nervensystems, über schnelle mechanische und elektromagnetische Signale des Fasziensystems und über langsame humorale und chemische Signale des Kreislaufsystems, zur Verfügung.
Durch die Bindegewebsmatrix und die Bindegewebsmatrix:und interstitielle Flüssigkeitinterstitiellen Flüssigkeiten sind alle Gewebe des Körpers kontinuierlich verbunden. Es entsteht ein flüssiges Netzwerk, in dem Flüssigkeiten, EnergienFlüssigkeiten:Informationsfluss, Gedanken – oder allgemeiner gesagt Informationen – zu allen Bereichen des Körpers fließen können. Stress (im weitesten Sinne des Wortes) hat Einfluss auf die flüssige Grundsubstanz (Matrix) und kann die Zellmembranen mit Signalen bombardieren.

Bedeutung des freien Flusses

Der freie Flüssigkeits- und Informationsfluss nimmt für mich eine zentrale Rolle in Bezug auf die Gesundheit ein!

Man sollte auch bedenken, dass Elektrizität und Energie, aber auch Flüssigkeitsströmungen sich interessanterweise den Weg des geringsten Widerstandes suchen! Das bedeutet, dass sich ein Strom um eine Stauung oder einen Defekt herum bewegen wird. Das Beheben von Stauungen kann demzufolge sowohl präventiv als auch palliativ und kurativ sinnvoll sein.

Informationsfluss:freierFlüssigkeiten:StauungenFlüssigkeiten:freier FlussDer Mensch hat als Vielzeller mindestens drei Zufuhrwege für Zufuhrwegematerielle Substanzen und Informationen, nämlich den Gastrointestinaltrakt (Nahrung), Gastrointestinaltrakt:Zufuhr von Nahrungdie Lunge (Sauerstoff) Lunge:Zufuhr von Sauerstoffund die Sinne (Sinneswahrnehmungen). Man könnte Sinneswahrnehmungen:Zufuhr von Informationenhier eventuell noch (als vierten Zufuhrweg) die genetischen Anlagen hinzurechnen. Zudem verfügt der Mensch über mindestens fünf Ausscheidungswege, nämlich den AusscheidungswegeDarm (Stuhl), die Lunge (Ausatmung), die Nieren (Urin), die Haut (Schweiß) und die Kommunikationswege (Sprechen, KommunikationswegeBerührung, Bewegung) (Abb. 4.1).
Spannend ist dabei, wozu wir die Emotionen rechnen: Betrachten wir sie eher als abzuführende (verarbeitete) Reaktionsprodukte, als zuführende (verarbeitende) Zwischenwege oder biodynamische Gestaltungskräfte, oder als beides? Emotionen sollen allerdings gelebt und gefühlt werden und sich nicht stauen! Indem der Mensch alles mit seinen Sinnen zerlegt und es mit Denkprozessen und Emotionen schöpferisch wieder zusammensetzt, erlebt er das Beobachtete als Ganzes (Kap. 1.14).
Die intrazellulären Flüssigkeiten sorgen Flüssigkeiten:Zufuhr und Abtransportgenauso wie die interzellulären (Lymphe) und intravaskulären Flüssigkeiten (Blut) für die Anlieferung von Nährstoffen, Sauerstoff, Zytokinen, Hormonen, Neurotransmittern, Wachstums- und Reparaturfaktoren und für den Abtransport von Abfallstoffen, Zytokinen, Hormonen usw. Neben diesen biochemischen Prozessen sollen aber auch Emotionen, Energie, Sprache, Informationen fließen und im Fluss bleiben!

Die aerobe und anaerobe Zell- und Gewebeatmung (Mikrozirkulation) und Energiegewinnung

Ehringer et al. gaben das Fassungsvermögen des gesamten interstitiellen Raums mit 11 bis 21 l Flüssigkeit an. Es ist damit mindestens viermal so groß wie das des zirkulierenden Plasmavolumens mit 2,1 bis 2,8 l (Ehringer et al. 1979)! Die große Schwankungsbreite sei durch Unterschiede im Körperbau und der Größe des Blutvolumens bedingt.
Um überleben zu können, brauchen Zellen eine Zellen:Energiegewinnungpermanente Zufuhr von Energie. Sie gewinnen diese Energie meistens durch die Oxidation von Glukose. Aber auch durch die Oxidation anderer Stoffe (Fettsäure, Proteine) oder durch Gärung können Zellen Energie gewinnen.

Energiegewinnung

In menschlichen Zellen findet Zellen:Energiegewinnungbevorzugt ein aerober Glukoseabbau (also wenn Glukoseabbau:anaeroberGlukoseabbau:aeroberSauerstoff zur Verfügung steht) statt, und zwar in den Mitochondrien. Ein anaerober Glukoseabbau in Form der alkoholischen Gärung (Endprodukt GärungEthanol) und der Milchsäuregärung (Endprodukt Milchsäure 2-Hydroxypropansäure) ist ebenfalls möglich, wird von den Zellen aber eher als Reservesystem gesehen. Dieser anaerobe Glukoseabbau läuft im Zytoplasma ab. Auch im Zytoplasma einer Zelle müssen übrigens die Flüssigkeiten fließen können (als Zytoplasmaströmung)!
Die Mitochondrien waren früher Mitochondrien:aerobe Energiegewinnunganscheinend eigenständige Mikroorganismen (Prokaryonten), bevor sich unsere Zellen sie im Laufe der Evolution einverleibt haben, um sozusagen eigene kleine Kraftwerke zur aeroben Energiegewinnung zur VerfügungEnergiegewinnung:Mitochondrien zu haben (Endosymbiontentheorie). Zellen besitzen durchschnittlich etwa 2.000 Mitochondrien. Glukose eignet sich Glukose:Energiegewinnungbesonders gut dazu, schnell und in großen Mengen Kraft (Energie, ATP) freizusetzen. Fettsäuren können dagegen nur Energie zur Verfügung stellen, wenn ausreichend Sauerstoff vorhanden ist und nicht zu schnell Kraft benötigt wird.

Eine Metapher der Atmungskette

Man sollte bei der Zellatmung (aerober Glukoseabbau) eigentlich besser von einer Atmungskette sprechen, die teils im Zytoplasma und teils in den Mitochondrien stattfindet. Um die Zelle nicht zu zerstören, reihen sich viele kleine chemische Schritte (Redoxsysteme) aneinander, was man sich wie eine Kette von Wasserträgern bei der Löscharbeit vorstellen kann: Jeder Träger kippt das Wasser aus seinem Eimer in den leeren Eimer des nächsten Trägers. Das Wasser in den Eimern entspricht sozusagen den Elektronen, die weitergereicht werden, und die Eimer sind die Elektronenträger. Man könnte die Atmungskette also auch als Elektronentransportkette betrachten.

Die Elektronentransportkette:AtmungsketteAtmungskette:ZytoplasmaAtmungskette:MitochondrienAtmungskette:ElektronentransportElektronen, die beim Stoffwechsel und bei der Oxidation von Glukose (C6H12O6) in der Zelle entstehen, werden auf Sauerstoff übertragen und Sauerstoff:Zellatmungreduzieren den Sauerstoff dadurch zu Wasser unter Freisetzung von ATP, freien Radikalen und CO2. Vielerorts in den Zellen werden Elektronen freigesetzt und sofort von Elektronentransportern aufgenommen. Diese führen die Elektronen der Atmungskette zu. Der Mensch muss allerdings ständig Sauerstoff einatmen, der die Elektronen der sogenannten Elektronen:AtmungsketteAtmungskette aufnehmen kann. Dazu müssen die Mitochondrien unbedingt genügend Sauerstoff über die inter- und intrazelluläre Matrix bekommen! Nur so können sie Elektronen durch die Atmungskette fließen lassen Atmungskette:Elektronenund Energie bereitstellen, die zum Antrieb der ATP-Synthese benötigt wird.
Der Prozess der aeroben Zellatmung lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:
Die chemischen Schritte der Zellatmung werden nachfolgend stark vereinfacht wiedergegeben!

Die chemischen Schritte der Zellatmung

Anaerobe Zellatmung
Der anaerobe Glukoseabbau findet bei Mensch und Tier als Glykolyse in Form der Glykolyse:MilchsäuregärungMilchsäuregärung statt. Bei Bakterien und Hefen findet die anaerobe Respiration dagegen in Form einer alkoholischen Gärung statt. Die anaerobe ATP-Gewinnung im Zuge der Glykolyse wird als Substratkettenphosphorylierung bezeichnet. Bei der Milchsäuregärung entsteht letztendlich Milchsäure (Laktate), die entweder so lange im Gewebe gespeichert wird, bis wieder Sauerstoff verfügbar ist, oder aber in der Leber zu Kohlendioxid und Wasser abgebaut bzw. im Muskel zum Aufbau von Glykogen genutzt wird. Allerdings entsteht bei der anaeroben Zellatmung nicht so viel Energie (nur ca. 2 mol ATP/mol Glukose) wie bei der aeroben Zellatmung (ca. 38 mol ATP/mol Glukose).
Aerobe Zellatmung
Durch passives Einströmen von Protonen in das Mitochondrium wird ATP synthetisiert. Um einen Ausgleich des Konzentrationsgefälles zu vermeiden, müssen ständig aktiv neue Protonen in den Membranzwischenraum hineingepumpt werden. Die dazu benötigte Energie wird durch die Reaktion von NADH/H+ (Nicotinamid-Adenin-Dinucleotid-Hydrogen oder auch Coenzym 1) mit Sauerstoff bereitgestellt. Bei dieser Reaktion werden je 2 Protonen und Elektronen vom NADH/H+ auf Sauerstoff übertragen. Da diese Reaktion aber zu energiereich für die Zelle ist, muss sie mit Hilfe von Coenzymen (NAD, NADP, FAD) in mehrere ungefährliche Schritte zerlegt werden, was man als Elektronentransportkette sehen kann.
  • 1.

    ElektronentransportketteGlykolyse: Auch beim aeroben Glukoseabbau bildet die Glykolyse den ersten Reaktionskomplex. Bei der Glykolyse wird Glukose in zehn chemischen Reaktionen zerlegt und zu zwei Molekülen Pyruvat und zwei Molekülen ATP (Energie) umgewandelt. Das geschieht durch eine zweifache oxidative Phosphorylierung, also durch Abspaltung eines Wasserstoffions (H+) und Anlagerung eines Phosphatrestes (P). Die Glykolyse läuft im Zytoplasma der Zellen ab.Die Bilanz der Glykolyse schaut Glykolyse:Bilanz (Formel)folgendermaßen aus:

  • 2.

    Oxidative Decarboxylierung: Hierbei wird durch einen komplizierten Reaktionsmechanismus 1 CO2 aus Pyruvat abgespalten (Decarboxylierung) und es werden 2 Wasserstoffionen (H+) auf NAD+ (oxidiertes Nicotinamid-Adenin-Dinucleotid) übertragen (Redoxreaktion). Die dadurch entstehende Essigsäure (Acetat) wird an Coenzym A (CoA) gebunden, sodass Acetyl-CoA (aktivierte Essigsäure) entsteht. Die oxidative Decarboxylierung findet in den Mitochondrien statt.Die BilanzMitochondrien:Decarboxylierung, oxidative der oxidativen Decarboxylierung schaut folgendermaßen aus:

  • 3.

    Zitratzyklus (Zitronensäurezyklus): Der hochkomplexe Zitratzyklus fängt mit dem Zitratzyklus:MitochondrienKohlenhydratmolekül Acetyl-CoA an und findet in den Mitochondrien statt.

    • Der I.Mitochondrien:Zitratzyklus Komplex (NADH-Dehydrogenase) nimmt alle NADH-Elektronen (reduziertes Nicotinamid-Adenin-Dinucleotid-Hydrogen), die in unseren Zellen anfallen, auf und pumpt daraufhin Protonen (H+-Ionen) aus den Mitochondrien heraus.

    • Der II. Komplex (Succinat-Dehydrogenase) nimmt von FADH2 (Flavin-Adenin-Dinucleotid) die Elektronen auf, ohne aber Protonen aus den Mitochondrien zu pumpen.

    • Das Membranmolekül Ubichinon (Keton) der Mitochondrien nimmt den Wasserstoff der ersten beiden Komplexe auf und wird dabei zu Ubichinol (Alkohol) reduziert. Ubichinol gibt seine Elektronen dann an den III. Komplex weiter.

    • Der III. Komplex wirkt wieder als Protonenpumpe und transportiert Protonen aus den Mitochondrien heraus. Die Elektronen werden dabei an das Protein Cytochrom c abgegeben, das sie zum IV. Komplex transportiert.

    • Der IV. Komplex (Cytochrom-Oxidase) überträgt die Elektronen auf Sauerstoff, der damit zum Wasser reduziert wird.Die Bilanz des Zitratzyklus schaut Zitratzyklus:Bilanz (Formel)folgendermaßen aus:

  • 4.

    Endoxidation: Insgesamt stehen nun 10 NADH (2 durch Glykolyse und 2 mal 4 aus dem Zitratzyklus) und 2 FADH2 zur Verfügung. Die Endoxidation liefert daraus Endoxidation:ATP-Gewinnungeine Ausbeute von 2 mol ATP/mol Glukose durch Glykolyse und 36 mol ATP/mol Glukose aus der oxidativen Atmungskette.

    • Anmerkung: Die hier angegebenen Zahlen der synthetisierten ATP-Moleküle, die traditionell dem NADH und FADH2 zugeordnet wurden, gelten mittlerweile als fraglich (Rassow et al. 2008). Die tatsächlichen Zahlen sind noch unklar, aber die bisherigen Zahlenangaben eindeutig zu hoch.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zellen normalerweise (wenn genügend Sauerstoff vorhanden ist) eine aerobe Zellatmung mit einem größeren Energiegewinn betreiben, wobei aber eine große Anzahl von freien Radikalen entsteht.

Zu den komplexen Prozessen der aeroben Zellatmung werden außerdem verschiedene Mikronährstoffe (Aminosäuren, Vitamine usw.) benötigt. Wenn jedoch nicht genügend Sauerstoff vorhanden ist oder Mikronährstoffe fehlen (z. B. auch bei schlechter Durchblutung), wird als Sparmodus/-programm auf die anaerobe Zellatmung (Vergärung) umgeschaltet, mit weniger Energiegewinn. Da dieser anaerobe Weg schnell (wenn auch wenig) Energie liefert, ohne Sauerstoff zu brauchen, und dabei keine freie Radikale anfallen, kann er beispielsweise während der Zellteilung sinnvoll sein.

Vergärung und Verbrennung (Oxidation)
Mikronährstoffe:Zellatmung, (an)aerobeAllerdings wird, sozusagen als Abfallprodukt, bei der anaeroben Zucker-Vergärung Milchsäure produziert, die vom Körper neutralisiert werden muss. Das kann zu einer Übersäuerung und Schwächung des Immunsystems und letztendlich zur Entstehung von chronischen Krankheiten führen. Coy und Möller vermuten, dass durch die Umschaltung von der Verbrennung auf die Vergärung von Glukose als Hauptenergielieferant Krebszellen aggressiv werden (Coy & Möller 2009).
Wenn wieder genügend Sauerstoff vorhanden ist, wird Sauerstoff:Glukoseabbauim günstigsten Fall die anaerobe Vergärung gestoppt und wieder auf die aerobe Zellatmung umgestellt. Ausschlaggebend dafür, ob Zellen eher aerob oder anaerob Glukose abbauen, ist einerseits die Verfügbarkeit von Sauerstoff und Mikronährstoffen (was wiederum mit derMikronährstoffen:Glukoseabbau Durchblutung und dem Fließen der Körperflüssigkeiten zusammenhängt) und andererseits die Enzymaktivität des TKTL-1-Gens (Transketolase-like-1-Gen), die Anzahl an freien Radikalen sowie die Funktionalität der Mitochondrien (Abb. 4.2)!
Durch Oxidation entstehen in Oxidation:Sauerstoffradikalebiologischen Prozessen beispielsweise aus Sauerstoff viele Sauerstoffradikale (Superoxid-Radikal, Sauerstoffradikale:OxidationHydroperoxid-Radikal, Hydroxyl-Radikal), die als Oxidationsmüll in die Grundsubstanz des Bindegewebes eingelagert werden können (Heine 1997, Pischinger 1998). Weil freie Radikale sowohl wichtige Proteine des Stoffwechsels als auch Zellmembranlipide und sogar die DNA angreifen und schädigen können (Veränderung des Erbgutes), gibt es Schutzmechanismen in Form von Radikalfängern (Scavenger) und Antioxidanzien wie Vit. C, Vit. E, Pflanzenöle (z. B. Polyphenole, Flavonoide), Beta-Carotin, Coenzyme und Spurenelemente. Allerdings müssen diese Antioxidanzien durch eine gesunde Antioxidanzien:gesunde Ernährungnatürliche Ernährung und ein gesundes Makro- und Mikroumfeld aufgenommen und über eine optimale Durchblutung zu den Zellen transportiert werden!
Zu einer gesunden natürlichen Ernährung gehören der tägliche Ernährung:gesundeVerzehr von frischem Gemüse und Obst mit einem breiten Spektrum bioaktiver Inhaltsstoffe (wie sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine, Mineralien) bei starker Reduzierung von glukose- und stärkehaltigen Lebensmitteln. Dabei sollten hauptsächlich reif geerntetes Gemüse und Obst der Saison und ungesättigte Fettsäuren wie Omega-3- (enthalten z. B. in Leinsamenkörnern, Leinöl, Fisch) und Omega-6-Fettsäuren, verzehrt werden.
Die Versorgung mit Sauerstoff, sowohl durch gesundeSauerstoffversorgung:Bewegung im Freien Bewegungsvielfalt im Freien als auch (bei Bedarf) durch venolymphatische Pumptechniken und Sauerstofftherapie, spielt präventiv Sauerstofftherapieeine außerordentlich wichtige Rolle. Vor allem Krebszellen, die ihre Energieversorgung mit Hilfe der Vergärung decken, überleben im hypoxischen Gewebe. Eine Hypoxie im Gewebe erzeugt sozusagen einen Selektionsdruck zugunsten von gärenden Krebszellen, die bei Aufrechterhaltung der hypoxischen Situation wahrscheinlich invasiv werden und Metastasen bilden.
Auch emotionaler Stress trägt durch die Oxidation von Katecholaminen (Oxidation:StressAdrenalin, Noradrenalin, Dopamin) zur Radikalenlast bei!
Störung der Mitochondrienfunktion
Folgende Faktoren stehen im Verdacht, die Mitochondrienfunktion einzuschränken oder Mitochondrienfunktion:schädliche Faktorensogar die Mitochondrien zu zerstören und damit eine anaerobe Vergärung zu begünstigen: Antibiotika, Sauerstoffmangel, Nitrit als Konservierungsstoff, Schmerzmittel, Medikamente mit Nitroverbindungen, Antioxidanzienmangel, Aminosäurenmangel, Mangel an ungesättigten Fettsäuren, Übersäuerung, chronische Entzündungen, chronische Stressbelastungen, Chemotherapie (Kremer 2006).
Weil Mitochondrien viele hundert Proteine enthalten, die sie nicht selbst herstellen können, ist eine ausreichende Zufuhr von Aminosäuren wichtig. Auch hier Aminosäuren:Zufuhr für Mitochondriensind Abwechslung und Vielfalt bei der Auswahl der Nahrungsmittel vorteilhaft!
Bei zu reichlichem Verzehr tierischer Eiweiße können verstärkt gesundheitsschädliche Fäulnis- und Abbauprodukte (z. B. Indol, Ammoniak) im Darm gebildet werden. Diese werden zum Teil resorbiert und müssen dann von der Leber entgiftet werden, wasLeber:Entgiftungsfunktion zu einer Überlastung von Leber und Nieren führen kann (Abb. 4.3). Zusätzlich wird zur Verstoffwechselung von Aminosäuren eine Vielzahl von Vitaminen und Mineralstoffen (vor allem Vit. B2, Vit. B6, Folsäure, Magnesium, Zink) benötigt. Bei einem Mangel an diesen Mikronährstoffen können toxische (Stoffwechsel-)Zwischenprodukte und toxische Abbauprodukte der Aminosäuren entstehen!

Hypoxie und Krebsentstehung

Wenn die Zellen den anaeroben Weg der Zellatmung wählen, weil entweder zu wenig Sauerstoff, zu viele freie Radikale bzw. zu wenige Antioxidanzien vorhanden sind oder das Transketo lase-like-1-Gen aktiv ist, wird allerdings sehr wenig ATP produziert. Das könnte hypothetisch dazu führen, dass die Zellen anfangen, sich zu teilen, um gemeinsam mehr Energie produzieren zu können. Könnte dies die Krebsentstehung durch Krebsentstehung:HypoxieMinderdurchblutung bzw. Hypoxie Minderdurchblutung\t\"Siehe auch Hypoxievielleicht in ein Hypoxie\t\"Siehe auch Minderdurchblutungbesonderes Licht rücken? Hierzu sind selbstverständlich noch weitere wissenschaftliche Untersuchungen notwendig.
Die Sauerstoffversorgung des Gewebes und damit der Hämoglobinspiegel im Blut spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit des Gewebes, die direkt mit der Durchblutungsrate zusammenhängt (Vaupel & Harrison 2004). Hypoxie ist das Resultat eines gestörten Gleichgewichts zwischen Sauerstoffversorgung und Sauerstoffverbrauch und ein charakteristisches Merkmal solider Tumoren. Eine Hypoxie kann Tumorzellen auf Hypoxie:Tumorzellenzweierlei Arten beeinflussen, entweder als Stressor, der das Zellwachstum hemmt und sogar den Zelltod einleitet, oder als Faktor, der eine maligne Zellvermehrung (Proliferation) mit proteomischen und genomischen Veränderungen der Zellen anregt. Bei Krebspatienten sollten Hypoxie und Krebspatienten:HypoxieKrebspatienten:AnämieAnämie daher möglichst vermieden bzw. behandelt werden, um die Prognose zu verbessern (Vaupel & Harrison 2004). Bei Brustkrebspatientinnen kann bereits eine geringfügige Anämie einen großen ursächlichen Faktor für das Entstehen einer Hypoxie oder Anoxie Hypoxie:Brustkrebsdarstellen (Vaupel et al. 2003).
Hypoxie (Sauerstoffmangel) sorgt sowohl für metabolische Anpassungen (Vasodilatierung) als auch für Änderungen der Gentranskription und Proteinexpression in Zellen und Geweben! Vor allem der Metabolismus der Endothelzellen scheint äußerst Endothelzellen:Hypoxieanfällig für ischämische Veränderungen zu sein. Die Endothelzellen produzieren Endothelzellenverschiedene Faktoren, die Thrombozyten (Aktivierung), Leukozyten (Aktivierung und Infiltration) und glatte Muskelzellen (Differenzierung und Proliferation) beeinflussen.
Die Sauerstoffversorgung wird durch Sauerstoffversorgung:Parameterverschiedene Parameter wie arterielle O2-Sättigung, Hämoglobinkonzentration (Hämatokrit), Blutfluss zum Organ, arteriovenöses O2-Shunting, kapillare Oberfläche usw. bestimmt.
Hypoxie und Angiogenese
Es ist auch wichtig zu betonen, dass die Produktion von VEGF (vascular endothelial growth factor) angeregt wird, wenn VEGF (vascular endothelial growth factor):SauerstoffmangelZellen nicht über genügend Sauerstoff verfügen! Laut Zent und Pozzi können Endothel-ähnliche Krebszellen offenbar eine extrazelluläre Matrix mit reichlich vaskulogenetischen Netzwerken bilden, in der sich die einsprossenden und umgebenden Blutgefäße mit dem sich entwickelnden Tumor verbinden und die sogar führend an der Entwicklung der intratumoralen Flüssigkeit beteiligt ist (Zent & Pozzi 2010). Eine tumorvermittelte Lymphangiogenese scheint zur Lymphangiogenese:TumorenVerbreitung der Tumorzellen auf dem Lymphweg beizutragen. Dabei sollen wiederum verschiedene vaskuläre Wachstumsfaktoren (wie VEGF-A, VEGF-C, VEGF-D, VEGF-R1, VEGF-R2) eine Rolle spielen. Beide Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass wir über unsere reduktionistische Sichtweise (Analysieren der Rolle von individuellen Molekülen) aber nicht vergessen dürfen, wie komplex das ganze System ist, und uns auch überlegen müssen, wie jeder Mitspieler (Zellen, Moleküle, Umgebungsfaktoren) in das große Schema hineinpasst (Zent & Pozzi 2010).
So scheinen beispielsweise Tumorzellen mit Tumorzellen:EntzündungssignaleEntzündungssignalen Immunzellen Entzündungssignale:Tumorzellenanzulocken. Makrophagen produzieren dabei Wachstumsfaktoren, die von den Tumorzellen gebraucht werden können. Neben der Prävention von Hypoxie und Anämie scheint es daher wichtig zu sein, auf chronische Entzündungen im Körper (z. B. versteckte Zahnwurzelentzündungen, Darmentzündungen, Magenschleimhautreizungen) zu achten und chronische Stresssituationen abzubauen bzw. möglichst zu vermeiden.
Warburg-Effekt
Leider ist noch nicht geklärt, ob es vielleicht sinnvoll wäre, präventiv die Blutversorgung (und demzufolge auch die Sauerstoffversorgung der Zellen) zu verbessern sowie den Zuckerkonsum zu reduzieren, um eine anaerobe Stoffwechselsituation und Entartung weiterer Zellen zu vermeiden!
Der deutsche Biochemiker O. H. Warburg (1883–1970) gab bereits 1924 an, dass sich der Stoffwechsel aggressiver Tumorzellen von dem gesunder Tumorzellen:Glukoseabbau zu LaktatZellen unterscheidet. Er fand heraus, dass Krebszellen Glukose – trotz vorhandenem Sauerstoff (!) – nicht aerob zu CO2, sondern anaerob zu Laktat (Milchsäure) abbauen (vergären) Laktat (Milchsäure)können, was als sogenannter Warburg-Effekt bekannt wurde. Warburg-EffektWarburgs Erkenntnisse wurden von der klassischen Medizin lange Zeit leider wenig beachtet. Studien neueren Datums deuten darauf hin, dass Mutationen der mitochondrialen DNA oder der Enzyme des Zitratzyklus den Warburg-Effekt unterstützen (Kim & Dang 2006).
Ein erhöhter Glukoseumsatz und eine vermehrte Laktatbildung gelten als prognostisch ungünstige Parameter und tragen aktiv zu einem höheren Malignitätsgrad des Tumors bei (Walenta et al. Tumoren:Laktatbildung, vermehrteTumoren:Glukoseumsatz, erhöhter2004). Die erhöhte und schnellere Verstoffwechslung von Zucker durch Krebsgewebe macht man sich beispielsweise bei der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zunutze, da sie Bereiche mit erhöhtem Glukoseumsatz darstellt.
Zudem beeinflusst die erhöhte Laktatkonzentration (> 8 mol/g) das Mikroumfeld des Tumors und begünstigt damit das Tumorwachstum (Walenta et al. 2004). Denn sie sorgt für eine:
  • Resistenz gegenüber säureinduzierter Zelltoxizität

  • Aktivierung der Produktion von Hyaluronsäure durch tumorassoziierte Fibroblasten. Hyaluronsäure beschleunigt das Gewebewachstum.

  • Hochregulierung der Produktion von Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) und Hypoxia-VEGF (vascular endothelial growth factor):Tumormalignitätinducible Factor-1(HIF1). VEGF ist ein Hypoxia-inducible Factor-1<03B1> (HIF1<03B1>)Wachstumsfaktor, der neue Gefäße wachsen lässt und damit die Malignität erhöht. HIF1 ist

  • ein Faktor, der über eine Transkription verschiedener Gene dafür sorgt, dass sich Zellen und Gewebe besser an eine Hypoxie anpassen. Hypoxie steigert beispielsweise die Glykolyse in Tumoren.

  • Synthese von CO2 (daraus entsteht dann H2CO3); dies bewirkt eine Übersäuerung der umgebenden Matrix und lässt dadurch vermehrt benachbarte gesunde Zellen absterben.

TKTL1-Enzymaktivität

Die Forschergruppe um Dr. Coy am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg entdeckte das TKTL1-Gen, dessen Enzym TKTL1 (Transketolase-like-1) – unabhängig von Sauerstoff (!) – für die Vergärung von Glukose und Milchsäurebildung zur Energieversorgung der Krebszelle verantwortlich ist (Coy et al. 2005). Bei Sauerstoffmangel stirbt das Gewebe nicht wie bisher vermutet komplett ab, sondern manche Zellen schalten ihre Energieversorgung auf die anaerobe Vergärung um!

Krebszellen scheinen das selbst dann zu tun, wenn Sauerstoff vorhanden ist. Durch die Aktivierung des TKTL1-Enzyms in Krebszellen (TKTL1-positive Zellen) sind diese in der Lage, unabhängig von der Sauerstoffkonzentration anaerob durch Vergärung Energie aus Glukose zu gewinnen. Wenn genügend Glukose zur Verfügung steht, können TKTL1-positive Krebszellen ausreichend Energie gewinnen und sich über Zellteilungen ständig vermehren. Dabei wird in großen Mengen Milchsäure gebildet. Das nun saure Umfeld behindert die Angriffe natürlicher Killerzellen (NK-Zellen) und trägt dazu bei, dass die Krebszellen die Bildung der für sie schädlichen Sauerstoffradikale umgehen können. Die Milchsäure scheint auch die interzellulären Kontakte zu zerstören und eine Matrixdegeneration auszulösen. Vor allem ein Entzug von Glukose (Diät) als zusätzliche Behandlungsstrategie sollte die aggressiven Krebszellen zum Absterben zwingen.

Laut Xu et al. ist das Enzym TKTL1 für ein beschleunigtes Wachstum und die Überlebensfähigkeit von Tumorzellen notwendig (Xu et al. 2009).

Komplizierte Sachlage bei Krebs
Vergärung:durch TKTL1-EnzymTKTL1-Enzym (Transketolase-like-1)Krebszellen:TKTL1-positiveLaktat\t\"Siehe auch MilchsäureWie kompliziert die Sachlage bei näherer Betrachtung ist, zeigen Untersuchungen, dass Krebszellen sich erstaunlicherweise an regionale Änderungen in der Sauerstoffzufuhr anpassen können (Semenza 2008). Krebszellen, die unter hypoxischen Krebszellen:hypoxische (anaerobe)Bedingungen kultiviert werden, verringern die oxidative Phosphorylierung, müssen aber große Mengen Glukose konsumieren, um ihre Energiehomöostase aufrechtzuerhalten. Sie wandeln Glukose in Laktat um und scheiden es dann aus. Aerobe Krebszellen dagegen nehmen über den Krebszellen:aerobeMonocarboxylat-Transporter-1 (MCT1 – ein Transportmolekül, das Glukose in die Krebszelle hineinträgt) Laktat auf und nutzen es für die oxidative Phosphorylierung. Semenza beschreibt dies als eine Art metabolische Symbiose zwischen hypoxischen (anaeroben) und aeroben Krebszellen (Semenza 2008). Dadurch Krebszellen:metabolische Symbiosewird die eingeschränkt verfügbare Menge an Glukose und Sauerstoff optimal genutzt. Man hofft, über eine Inhibierung des MCT1 neue Krebstherapien aufbauen zu können.
Es sei darauf hingewiesen, dass selbstverständlich auch Nahrungsstoffe und Abfallstoffe den gleichen Weg zurücklegen müssen wie Sauerstoff. Deswegen haben wir die Zellatmung hier vereinfacht als Transport- und Bewegungsvorgänge in und zur Zelle vorgestellt.
Die Diffusionsstrecke vom Kapillarbett zum Gewebe ist manchmal relativ groß und vom Konzentrationsgefälle (Partialdruckgefälle) abhängig. Da jede Zelle O2 verbraucht, wird die interstitielle Flüssigkeit mit zunehmendem Abstand von der Kapillare ärmer an O2. Schon bei einem Zehntelmillimeter Abstand von der Kapillare haben näher gelegene Zellen den kompletten Sauerstoff aufgebraucht (Gillies & Gatenby 2007). Den Überlebensvorteil, ohne Sauerstoffversorgung weiterwachsen zu können, machen sich Krebszellen anscheinend zunutze. Krebszellen:Unabhängigkeit von SauerstoffDieseKrebszellen:Resistenz Zellen entwickeln darüber hinaus durch ihre Unabhängigkeit von Sauerstoff und Durchblutung auch noch eine Resistenz gegen Chemo- und Strahlentherapie.

Empfehlungen zur Prävention

Die Durchblutung und damit auch Durchsaftung des Bindegewebes (Vasomotion, Peristaltik) müssen funktionell reguliert und angepasst werden können.

Als präventive Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Gesundheit sind sowohl venolymphatische Pumptechniken als auch tägliche aktive Gymnastik- und Bewegungsübungen an der frischen Luft, Meditations- und Entspannungsübungen, Ernährungsmaßnahmen (Zuckerkonsum reduzieren, Überfluss vermeiden, Obst und Gemüse mindestens 5/Tag konsumieren) u. v. m. zu empfehlen!

Still betonte: präventive Maßnahmen:zur GesunderhaltungDurchsaftung:BindegewebeNicht den Kranken zu heilen ist die Pflicht des Operateurs, sondern einen Teil des ganzen Systems so wieder zu korrigieren, dass die Lebensflüsse fließen und das ausgetrocknete Feld bewässern können. (Still 2002, S. 91)
Was würde sich besser dazu eignen, die Flüssigkeiten durch das Bindegewebe und in bzw. aus der Zelle zu führen, als rhythmische Vorgänge? Es stellt sich aber die Frage, welcher Pumpmechanismus sich dahinter verbirgt. Das Herz kann diese Funktion postkapillar eindeutig nicht übernehmen! Reichen chemische Konzentrationsgefälle, arteriovenöse Druckunterschiede und sogenannte Brownsche Molekularbewegungen (temperaturabhängige Bewegung der Moleküle) dazu aus? Oder könnte es sein, dass ein wunderbar minutiöser Rhythmus, in Form der Vasomotion und Peristaltik (Geweberhythmus oder Kraniosakralrhythmus), diese Aufgabe unterstützt?

Der Zelltransport

Der Mensch trägt als vielzelliges Lebewesen die extrazelluläre Flüssigkeit (das Meer) sozusagen mit Flüssigkeit:extrazelluläresich herum. Die Zusammensetzung dieser Flüssigkeit um die Zellen herum wird genau reguliert, um eine konstante Umgebung (inneres Milieu) für das Überleben der Zellen zu schaffen. Die Zellen bildenZellen:als offenes System dabei aus Sicht der Kybernetik sozusagen ein offenes System, was bedeutet, dass sie auf offenes System:Zellenden Austausch von Wärme, Nährstoffen, Sauerstoff, Abfallstoffen, Informationen, Energie usw. mit der Umgebung angewiesen sind. Dazu verfügt der Körper über Regelkreise zwischen verschiedenen Organsystemen. Durch Spannungen (wie Muskelverspannungen, Energiezysten, Narben, Gelenkblockierungen, Verschlackungen) und Stauungen können die Mikrozirkulation und die Regelmechanismen Mikrozirkulation:Stauungengehemmt werden und dementsprechend Dysbalancen, ja sogar Pathologien, ausgelöst werden (Kap. 2.5).
Es erscheint einleuchtend, dass eine Zelle bzw. ein Organ nur aufgrund einer guten Mikrozirkulation optimal funktionieren kann. Das Interesse der Wissenschaft richtet sich momentan anscheinend auch auf MRT-Untersuchungen der Mikrozirkulation, sodass wir in der näheren Mikrozirkulation:ZellenZukunft auf spannende Ergebnisse gefasst sein dürfen.
Still hob hervor: Die Seele des Menschen mit allen Strömungen des reinen lebendigen Wassers scheint in den Faszien seines Körpers zu verweilen. (Still 2002)
Zellmembranen trennen den Extrazellular- vomZellmembranen:selektive Barriere Intrazellularraum und bilden selektive Barrieren. Stoffe können entweder passiv, aktiv oder mittels Zytose (durch Abkapselung von Membranteilen) in oder aus der Zelle transportiert werden.

Passiver Transport

Beim passiven Transport wird die treibende Kraft leicht verständlich durch Konzentrations- und Partialdruckunterschiede gebildet. Dabei wandern Stoffe, deren Konzentration ausgeglichen werden kann, entweder selbst durch semipermeable Membranen ( Diffusion) oder das Membranen:semipermeableLösungsmittel (Diffusion:passiver TransportWasser), in dem sie sich befinden ( Osmose) (Abb. 4.4). Auch Osmose:passiver TransportUltrafiltration (durch ein hydrostatisches Ultrafiltration:passiver TransportDruckgefälle) und der sogenannte Gibbs-Donnan-Effekt (auf beiden Seiten einer Gibbs-Donnan-Effekt:passiver Transportselektiv permeablen Membran ungleich verteilte Ionen) sind weitere Beispiele eines passiven Transports.
Reichen aber Konzentrationsgefälle auch in der komplexen Matrix des Bindegewebes aus, um eine Stauung der interstitiellen Flüssigkeiten zu vermeiden?
Anscheinend nicht, weil beispielsweise die Lymphgefäße und auch andere Gefäße über Lymphgefäße:peristaltische Eigenmotorikeine peristaltische Eigenmotorik verfügen, die für eine aktive Umwälzung des interstitiellen Raums sorgen kann.
Die extrazelluläre (interstitielle) Flüssigkeit unterscheidet sich vor allem hinsichtlich der Elektrolytkonzentrationen von der intrazellulären Flüssigkeit. Interstitiell sind Natrium- und Chlorid-Ionen, intrazellulär hingegen Kalium- und Phosphat-Ionen vorherrschend. Membrankanäle (Ionenkanäle) und Aquaporine (Membrankanäle:(Ionenkanäle)Membranproteine, die Aquaporine:(Membranproteineteilweise Membranproteinewasserdurchlässig sind) können zusätzlich richtige Kanäle für Ionen bzw. für Wasser bilden. Diese Kanäle können sich dank ihres Gating-Mechanismus (kontrollierter Durchlass) sozusagen wie eine Art Tor öffnen bzw. schließen.
In der Zelle finden sich hohe Konzentrationen großer Anionen (Proteine, organische Phosphate), die nicht die Zellmembran passieren können. Unter diesem kolloidosmotischen Druck würde permanent Wasser in die kolloidosmotischer Druck:durch AnionenZelle einströmen, was auf Dauer zu einer Zellschwellung und zum Zerplatzen der Zelle führen würde, wenn nicht zusätzlich aktive Pumpmechanismen zur Verfügung stehen würden.

Aktiver Transport

Deshalb verfügt jede Zelle zusätzlich über aktive Transportsysteme wie Ionenpumpen (Na/K-Pumpe) und Ionenpumpen:aktiver TransportCarriersysteme; wegen der semipermeablen Carriersysteme:aktiver TransportEigenschaften der Zellmembran spielt auch der Gibbs-Donnan-Effekt eine Rolle. Ein aktiver Gibbs-Donnan-EffektTransport durch die Membran ist sogar Transport:aktiverentgegen dem Konzentrationsgefälle möglich. Dazu muss allerdings richtig Energie aufgebracht werden!
Bei der Na/K-Pumpe handelt es sich Na/K-Pumpe:Natrium-/KaliumionenbeispielsweiseNa/K-Pumpe:aktiver Transport um Membranproteine, die unter ATP-Verbrauch Membranproteine:Na/K-Pumpeeinerseits die in die Zelle einströmenden Na+-Ionen zurück in den Extrazellulärraum und andererseits die ausströmenden K+-Ionen zurück in den Intrazellulärraum transportieren. Zusätzlich durch die Diffusion der positiv geladenen K+-IonenDiffusion:Kalium-/Chloridionen ein Membranpotenzial (negativ im Zellinneren), das negativ geladene Cl--Ionen aus der Zelle treibt und die intrazelluläre Chloridkonzentration deutlich unter die extrazelluläre Konzentration verringert. Dadurch wird die intrazelluläre Osmolalität so weit gesenkt, dass kein Wasser mehr in die Zelle hineinströmt.
Carriersysteme bestehen aus Transportproteinen, die spezifische Moleküle oderTransportproteine:Carriersysteme Stoffe kurzzeitig binden und durch die Zellmembran befördern können. Stoffe können aber auch in Teilen der Membran verpackt durch die Zelle transportiert werden.

Vasomotion und Chemoprävention

Die intrazelluläre Flüssigkeit ist in der Zelle Flüssigkeit:intrazelluäreeingeschlossen. Über die Zellmembranen wird ein reger Stoffaustausch mit der extrazellulären Flüssigkeit unterhalten und über Flüssigkeit:extrazelluläreRezeptoren ausführlich mit der Umgebung kommuniziert.
Die extrazelluläre Flüssigkeit kann man grob einteilen in einen relativ schnell beweglichen Anteil, das intravaskuläre Blutplasma, und einen langsameren Anteil,Blutplasma die interstitielle Flüssigkeit.

Mikrozirkulation im Interstitium

Klassisch wird die interstitielle Flüssigkeit leider oft als praktisch unbeweglich angesehen. Trotzdem verteilen sich injizierte Stoffe auch im interstitiellen Raum, was auf eine gewisse Umwälzung schließen lässt. Was ich als Mikrozirkulation oder Zell- und Gewebeatmung bezeichnet habe, wird von der Osteopathie im kranialen Bereich vitalistisch als Kraniosakralrhythmus oder Breath of Life definiert.

Durch Verspannungen, Mikrozirkulation:interstitieller RaumFlüssigkeit:interstitielleVerklebungen, Gelenk-, Muskel- und myofasziale Blockierungen können Flüssigkeiten und damit z. B. auch Nährstoffe, Abfallstoffe, Energie gestaut werden. Das lässt sich vielleicht allgemein als Kompartmentsyndrom bezeichnen. Es führt dazu, dass Kompartmentsyndrom:Stauung von Flüssigkeiten und Energienatürliche Funktionen und Entwicklungen gehemmt werden.
Bei der Zellteilung und im Fall einer DNA-Schädigung Zellteilungbesteht die Möglichkeit, dass es zu einer Reparatur, einer Apoptose oder einer Proliferation von Zellen kommt (Abb. 4.5). Für die Reparatur, aber vor allem auch, um eine Proliferation vermeiden zu können, braucht die Zelle verschiedene Aminosäuren, Vitamine, Spurenelemente, Folsäure, Sauerstoff, Polyphenole usw.
Die Arbeitsgruppe Chemoprävention am Deutschen Prävention:von KrebsKrebsforschungszentrum sucht in diesem Sinne beispielsweise nach geeigneten Nahrungsbestandteilen, um Krebs vorzubeugen. So zeigen Krebs:Präventionbeispielsweise epidemiologische Untersuchungen, dass Äpfel und Apfelsaft ein präventives Potenzial in Bezug auf Lungen- und Darmkrebs haben (Boyer & Liu 2004, Gerhäuser 2007). Pflanzen scheinen diese Stoffe, die sich vor allem in der Schale befinden, herzustellen, um sich selbst zu schützen, etwa vor Keimen oder starker UV-Strahlung. Eine besondere Rolle spielen offenbar sekundäre Pflanzenstoffe, wie beispielsweise Polyphenole (Procyanidine, Epicatechine, Quercetin, Resveratrol). Polyphenole sollen die Menge an reaktionsfreudigen Sauerstoffverbindungen (ROS – Reactive Oxygen Species) in der Zelle reduzieren. Weil eine zu hohe ROS-Konzentration in der Zelle das Erbgut schädigt, beugen diese Pflanzenstoffe einer Entartung der Zelle vor. Unser Körper nimmt diese Polyphenole mit der Nahrung auf, aber wie siePolyphenole:Krebsprävention genau wirken, ist noch nicht ganz verstanden, lässt jedoch einiges für die Prävention von Krebs erhoffen.

Zwei wichtige Hinweise

Mehr Obst und Gemüse

Dennoch sei darauf hingewiesen, dass viele Stoffe unerwünschte Nebeneffekte haben und eine Überdosis an Mikronährstoffen auch schaden kann, sodass hier dringend weitere Untersuchungen notwendig sind.
Obst und Gemüse sind eindeutig nicht durch Pillen ersetzbar. Das Deutsche Krebsforschungszentrum warnt vor synthetisch hergestellten Vitaminen und Mineralstoffen und empfiehlt stattdessen, mehr Gemüse und Obst zu essen, mindestens fünf Portionen pro Tag!

Durchblutung verbessern

Es sei auch darauf hingewiesen, dass diese Mikronährstoffe über die Flüssigkeiten zu den Zellen transportiert werden müssen. Eine Anregung der Durchblutung und des interstitiellen Flusses (Flow) erscheint demnach unerlässlich. Rhythmische Pumptechniken können genauso wie regelmäßige Bewegung oder der Abbau von physischen und psychischen Stressfaktoren hierbei einen wertvollen Beitrag leisten.

Mikrozirkulation und interstitieller Flow

Mikrozirkulation

Einführung
Pumptechniken:Anregung der DurchblutungObst und Gemüse:essenMikronährstoffe:ÜberdosierungKlopp hält die Mikrozirkulation für den funktionell wichtigsten Teil desMikrozirkulation menschlichen Blutkreislaufs, weil hier der Stoffaustausch mit den Organzellen und auch die ersten immunologischen Reaktionen ablaufen (Klopp 2008). Ich möchte zudem darauf hinweisen, dass sich die interstitielle Mikrozirkulation in Form der Zytoplasmaströmung auch Mikrozirkulation:interstitielleintrazellulär weiter fortsetzt!
Man schätzt die Anzahl der Mikrogefäße im ganzen menschlichen Körper auf 2 109 (Tuma et al. 2008). Die Mikrogefäße bilden unregelmäßige, komplexe NetzwerkeMikrogefäße, die abhängig vom Gewebe unterschiedliche Strukturen aufweisen. Wegen der unregelmäßigen und asymmetrischen Architektur und der Topographie (räumliche Anordnung) ist es schwierig, allgemein gültige Eigenschaften eines typischen Mikrogefäßes zu beschreiben. Man benutzt oft mathematische Simulationen, um verschiedene Parameter (wie Durchmesser, Strömungsgeschwindigkeit, Hämatokritwert, Druck) in den verschiedenen parallelen Ästen einschätzen zu können.
Mikrozirkulation/-gefäße
Es gibt zunehmend Beweise für eine rege Kommunikation zwischen Mikrogefäßen. Für die Mikrozirkulation sind folgende Mikrogefäße wichtig:
  • Mikrozirkulation:MikrogefäßeArteriolen regulieren die Mikrogefäße:Mikrozirkulationlokale Blutzufuhr zum Gewebe und verfügen dazu über glatte Muskelzellen, die eine Vasokonstriktion und Vasodilatierung ermöglichen. Sie können ihren Durchmesser um bis zu 50 % verändern. Distale Arteriolen sind sogar imstande, sich komplett zu Arteriolen:Vasokonstriktion und Vasodilatierungschließen. Arteriolen können auf eine sehr große Anzahl unterschiedlicher Reize reagieren (beispielsweise mit einer Vasokonstriktion, wenn sich der intravaskuläre Druck Vasokonstriktion:Arteriolenerhöht, und mit Vasodilatierung, wenn der Flow zunimmt). Auch auf Vasodilatierung:Arteriolenchemische Signale reagieren die Arteriolen; eine Reduktion der O2-Spannung und verschiedene chemische Mediatoren (z. B. EDRF, Endothelium Derived Relaxing Factor) bewirken eine Vasodilatierung. Die Reaktion der Mikrogefäße wird durch Anzahl und Größe der verschiedenen Stimuli reguliert.

  • Kapillaren besitzen sehr dünne Wände und sind Kapillaren:Austauschfunktionprimär für den Austausch zwischen Blut und Gewebe zuständig.

  • Venulen sind wichtig für den Austausch von VenulenMakromolekülen, für den postkapillaren Widerstand und die Immunabwehr. Eine Extravasation von Leukozyten (Austritt aus der Extravasation:von AbwehrzellenExtravasation:aus VenulenBlutbahn ins Gewebe) findet anscheinend nur in den postkapillaren und größeren Venulen (bis 50 m) statt (Meert 2007). Die Extravasation von Abwehrzellen dauert ca. 25 min und das Durchqueren des Endothels etwa 1–2 min (Tuma 2008).

  • Lymphkapillaren sind meistens größer als Blutkapillaren Lymphkapillarenund verfügen erst als weiter distale Lymphgefäße über glatte Muskelzellen (Tuma 2008). Die nebeneinanderliegenden Endothelzellen überlappen sich und sind durch EndothelzellenAnkerfilamente (Kollagen- und Retikulinfasern) mit demAnkerfilamente:EndothelzellenAnkerfilamente:Lymphkapillaren umgebenden Interstitium verbunden. Sie unterstützen die interstitielle Strömung zum Lymphsystem (Meert 2007). Die überlappenden Verbindungen bilden offene interzelluläre Kontakte oder sozusagen unidirektionale Klappen, die interstitielle Flüssigkeiten und große Partikel zum Lymphgefäß leiten. Bei Flüssigkeitsansammlungen werden die Venulen eher zugedrückt, während die Lymphgefäße durch die Ankerfilamente gerade dann geöffnet werden. ExperimenteAnkerfilamente:Lymphgefäße zeigten, dass Lymphkapillaren, denen Ankerfilamente fehlen, bei einem Lymphkapillaren:AnkerfilamenteÖdem kollabieren! Normalerweise sind die Lymphgefäße nur minimal gefüllt. Eine Zunahme des interstitiellen Flüssigkeitsdruck von 7 mm Hg auf +2 mmHg führt zum Aufblähen der Lymphgefäße und steigert den Lymphfluss. Wenn der interstitielle Druck über +2 mmHg ansteigt, kann das interstitieller Druck:Ödembildunginterstitieller Druck:LymphflussLymphsystem aber nicht mehr mithalten, sodass ein großes Ödem entsteht (Tuma 2008).

Es ist beeindruckend, dass die Mikrogefäße der Mikrozirkulation ca. 74 % des Gesamtquerschnittes im Strombett des Blutkreislaufs bilden (Klopp 2008). Laut Klopp wird allgemein akzeptiert, dass Mikrozirkulationsstörungen eine sehr große Rolle bei der EntstehungMikrozirkulationsstörungen von Funktionsstörungen und Pathologien der Organe spielen. Er hebt zudem besonders hervor,Organe:Bedeutung der Mikrozirkulation dass ohne entsprechende Beteiligung der Mikrozirkulation keine Funktionssteigerung, Heilung oder Regeneration in den Organen möglich wäre.
Im Kapillarbereich sind die Gefäßwände besonders dünn und haben entweder Poren oder Interzellularfugen (offenes oder fenestriertes Endothel) bzw. ein spezielles Barrieresystem (geschlossenes oder kontinuierliches Endothel), wenn diese fehlen (Meert 2007).

Besonderheiten der Gefäßwände

Vasomotion (Vasomotorik)
Die glatte Muskulatur der Gefäßwand, vor allem der kleineren Arterien und Arteriolen, aber auch der Lymphkapillaren, weist spontane, rhythmische Lymphkapillaren:VasomotionKontraktionen auf, die als spontane oder originäre Vasomotion (Vasomotorik) gedeutet wird (Meert Vasomotion:LymphkapillarenVasomotion:Arteriolen2007). Aber auch die lymphatischen Endothelzellen verfügen über Aktin, Myosin, Tubulin undEndothelzellen andere zytoplasmatische regulatorische Proteine, die potenziell eine Kontraktilität und Motilität vermuten lassen. Die Ankerfilamente sorgen für eine feste Verbindung Ankerfilamente:Lymphgefäßezwischen den initialen Lymphgefäßen (Lymphkapillaren) und der interstitiellen Matrix. Bei Lymphkapillaren:AnkerfilamenteÄnderungen der in der Bindegewebsmatrix wirkenden Kräfte werden sich demzufolge auch die lymphatischen Funktionen verändern! Durch Klappen in den Lymphgefäßen und die Freisetzung endothelialer Lymphgefäße:Freisetzung endothelialer FaktorenFaktoren (wie Stickstoffmonoxid, Prostanoide, Endothelin, Acetylcholin, Substanz P, ATP) wird der Lymphstrom in die richtige Richtung geleitet. Wenn der Lymphstrom zum Erliegen kommt, entsteht eine unüberwindbare osmotische Dysbalance.
Von Tuma et al. wird die lymphatische Vasomotion (aktive Lymphpumpe) sogar mit der Herzpumpe verglichen (Lymphpumpe:(Vasomotion)Tuma et al. 2008)! Druckverhältnisse und Strömung der interstitiellen Flüssigkeiten, neuronaler Input und humorale Faktoren modulieren den Tonus der Lymphgefäße. Es ist noch nicht geklärt, welche Lymphgefäße:Tonuskontraktilen und regulatorischen Proteine für die besonderen Muskelmechanismen der Lymphgefäße verantwortlich sind.
Arteriolen können durch ihre Vasomotorik (Arteriolen:VasomotionVasomotion) die Perfusion des nachgeschalteten Vasomotion:ArteriolenKapillarbereichs variieren. Damit tragen sie auch zur Regulation des Kreislaufs und insbesondere der Mikrozirkulation bei. Ein gemeinsames, allgemein anerkanntes Konzept der Durchblutungsregulation im Bereich der Mikrozirkulation gibt es Durchblutungsregulation:Mikrozirkulationaber nicht (Deetjen 2005). Die spontane Vasomotion wirkt wie der rhythmische Gezeitenwechsel von Ebbe und Flut. Die Mechanismen sind noch weitgehend unbekannt, und es werden unterschiedliche Hypothesen vertreten (Meert 2007). Einerseits wird von neurovegetativ gesteuerten Schrittmacherzellen (Appenzeller 2000, Jaffrin & Goubel 1998Schrittmacherzellen:Kapillargefäße) und andererseits von Endothelfaktoren (z. B. EDRF, endothelium-derived Endothelfaktoren:Kapillargefäßerelaxing factor, und EDCF, endothelium-derived constricting factor) ausgegangen, die Einfluss auf die glatte Muskulatur der Kapillargefäße haben und Informationen über das Blut und die Gefäßwand vermitteln (Deetjen 2005, Jaffrin & Goubel 1998).
Klopp gibt an, dass glatte Muskelzellen, u. a. in der Wand der Gefäße, phylogenetisch sehr alt sind und mit spontanen Kontraktionen auf eine Dehnung ihrer Zellmembran reagieren können (Klopp 2008).
Endotheliale Oberflächenschicht (EOS)
Die Endothelschicht der Gefäßwände wird in der Fachliteratur als Gefäßwände:Oberflächenendothelendotheliale Oberflächenschicht (endothelial surface layer) endotheliale Oberflächenschicht (EOS)beschrieben (Tuma et al. 2008). Die endothelial surface layer:Gefäßwändeexakte Zusammensetzung dieser endothelialen Oberflächenschicht ist noch nicht ganz entschlüsselt (Abb. 4.6).
Dass sie bei Diabetes erheblich weniger ausgebildet sein soll, lässt pathophysiologische Implikationen vermuten. Auch bei einer Entzündung soll es zu einer Zerstörung der endothelialen Oberflächenschicht durch Enzyme kommen. Untersuchungen, bei denen das Plasma durch künstliche Flüssigkeiten ersetzt wurde, liefern falsche Ergebnisse, weil die Wandschicht ausgeschwemmt wird.
Das Oberflächenendothel sorgt für eine Mechanotransduktion von Oberflächenendothel:SchutzfunktionScherbelastungen durch die Blutströmung. Simulationsversuche zeigen, dass die endotheliale Wandschicht die Erythrozyten vor einer Schädigung beim Passieren der unregelmäßigen Mikrozirkulationswege schützt. Die Integrität der Endothelwand schützt außerdem vor Ödemen.
Deshalb ist sowohl bei Infusionen als auch bei manuellen faszialen Techniken in der Nähe von Gefäßen größte Vorsicht geboten!

Interstitielle und lymphatische Flüssigkeiten

Durch die normale selektive Permeabilität der Kapillaren haben Lymphe und interstitielle Kapillarpermeabilität:selektiveFlüssigkeiten eine Lymphe:Proteinkonzentrationniedrigere Proteinkonzentration als das Blutserum. Eine Ausnahme bildet die Lymphe im Gastrointestinaltrakt, die bestimmte Proteine (z. B. Immunglobulin A oder alkalische Phosphatase) in höheren Konzentrationen als das Blutserum enthält.
Die Lipidkonzentration in der Lymphe kann, abhängig von der Ernährung, stark Lymphe:Lipidkonzentrationschwanken. Langkettige Fettsäuren, die primär durch die Lymphgefäße transportiert werden, lassen die Darmlymphe (Chylus) manchmal milchig ausschauen. Durch Darmlymphe (Chylus):LipideLipide scheinen sich die Lymphströmung und lymphatische Funktionen zu verändern, aber die Mechanismen sind noch nicht geklärt (Tuma et al. 2008).
Diffusions- und Strömungsgesetzmäßigkeiten
Als treibende Kraft der Mikrozirkulation wird teilweise die passive Diffusion Mikrozirkulation:passive Diffusionangegeben, bei der ein Fluss von einer Diffusion:Mikrozirkulationhöheren zu einer niedrigeren Konzentration für einen passiven Transport sorgt, bis sich ein Gleichgewicht einstellt.
Das Diffusionsgesetz nach Fick besagt, dass sich bei Diffusionsgesetz:nach Fickkonstanter Fick-DiffusionsgesetzTemperatur und konstantem Druck die Menge des diffundierenden Stoffes Q direkt proportional zum Konzentrationsunterschied c, der Zeit t und der Diffusionsfläche A und umgekehrt proportional zum Diffusionsweg x und der Dicke der Membran d verhält. Zudem gibt es einen spezifischen Proportionalitätsfaktor (Diffusionskonstante D).
Der Diffusionsweg x soll proportional zur Quadratwurzel der Zeit t sein (Klopp 2008). Daraus folgt, dass eine Verdopplung des Diffusionsweges eine Vervierfachung der Diffusionszeit bedeutet.
Klinke und Silbernagl geben Diffusionsstrecken von 0,1–1 m zwischen Kapillaren in der Lunge (Alveolarmembran) sowie zwischen 20 m (Myokard) und 80 m (Skelettmuskel) in peripheren Organen an (Klinke & Silbernagl 1996).

Interstitieller Flow

Das Auftreten von spontanen rhythmischen Oszillationen des Gefäßtonus (spontane Vasomotion und intrinsische Gefäßtonus:spontane OszillationenPumpwirkung) ist Vasomotion:spontanebereits seit langem bekannt. Diese spontane Vasomotion tritt nicht nur bei kleinen Kapillargefäßen, sondern auch bei großen Arterien auf. Aber die Mechanismen und ihre funktionelle Bedeutung sind noch nicht geklärt.
Man weiß beispielsweise wenig über die kleinen Flüssigkeitsströmungen im interstitiellen Raum (interstitial flow), die notwendig sind, um Proteine und Signalstoffe aus der Blutbahn zu den interstitiellen Zellen und umgekehrt zu transportieren. Manche Proteine sind anscheinend zu groß, um einfach zwischen den Blutkapillaren hindurchdiffundieren zu können.
Rutkowski und Swartz betonen, dass der interstitielle Flow ein wichtiger Regulator der interstitielle Flow:Proteintransportinterstitielle Flow:MorphogeneseMorphogenese (Gewebeentwicklung) ist und die Morphogenese:interstitieller Flowinterstitiellen Zellen über den Zustand ihrer extrazellulären Mikroumgebung informiert. Lymphozyten und Tumorzellen werden vom interstitiellen Flow sogar zu den drainierenden Lymphgefäßen gelotst (Rutkowski & Swartz 2007).
Treibende Kraft
Wenn man die Strömungsgeschwindigkeit und die Druckverhältnisse im Kreislauf Strömungsgeschwindigkeit:im KreislaufStrömungsgeschwindigkeit:im KapillarbereichStrömungsgeschwindigkeit:im interstitiellen Bereichbetrachtet, fällt unmittelbar auf, dass der venöse Blutdruck herzwärts kontinuierlich abnimmt und dass die Strömungsgeschwindigkeit im Kapillarbereich und demzufolge auch im interstitiellen Bereich praktisch null ist (Abb. 4.7 und Abb. 7.9). Hier stellt sich die Frage, was denn eigentlich die interstitiellen Flüssigkeiten vorwärtspumpt und fließen lässt.
Der Blutdruck bleibt im postkapillaren und venösen Bereich tatsächlich sehr niedrig (einige mmHg) und es fragt sich, ob dieser minimale Druck, das Konzentrationsgefälle, die Kontraktionen der Skelettmuskulatur, die Pumpbewegungen des Zwerchfells und die Ansaugkraft des Herzens während der Diastole (Füllungsphase) ausreichen, um die interstitiellen Flüssigkeiten durch die Zwischenzellräume und das Blut durch die Venen zurück zum Herzen zu treiben (Abb. 4.7).
Littlejohn äußerte 1902 die Vermutung, dass eine Kraft, der es gelingt, das Blut durch die Kapillaren zu treiben, größer sein müsste als die Kraft des Herzens und demzufolge die Kapillaren zerreißen würde. Deswegen könne der Schlüssel zum interstitiellen Zirkulationssystem nicht allein im Herzen gesucht werden (Littlejohn 2008). Sutherland behauptete, dem Metabolismus läge ein Ebbe und Flut-Mechanismus zugrunde. Er bezeichnete dies als Gezeitenbewegungen des gesamten Wasserkörpers namens Ozean (Sutherland 2004). Spielt bei diesem Transport vielleicht doch eine geheimnisvolle (noch nicht verstandene) Kraft, eine Art Matrix-Seele, ähnlich wie die Gezeiten in den Ozeanen der Welt, eine Rolle? Kann es sein, dass die tatsächliche Stimulation der interstitiellen Zirkulation von der peristaltischen Tätigkeit oder dem Geweberhythmus winziger Blutgefäße abhängt (Meert 2007)?
Die eigenständige, also vom Herzen unabhängige Pulsation (spontane Vasomotion) der präkapillaren Arteriolen beträgt etwa 4 bis 10 Kontraktionen pro Minute (Földi et al. 2005). Die durchschnittliche Kontraktionsfrequenz der Lymphgefäße wird in Ruhe mit 10–12/min angegeben (Von Rautenfeld et al. 1996). Dieser Rhythmus kann sich bei Belastung um das 20-Fache steigern. Klopp gibt für die spontane Vasomotion eine Frequenz von 1–10/min an und betont, man wisse heute, dass eine gestörte Mikrozirkulation und Organperfusion im Krankheitsfall mitMikrozirkulationsstörungen:Ausfall der Vasomotion Restriktionen oder sogar mit einem Ausfall der spontanen Vasomotion einhergehe (Klopp 2008).
Die treibende Kraft einer einzelnen kleinen Pumpe (Lymphangion) in den Lymphgefäßen würde LymphpumpeLymphangion:(Lymphpumpe)selbstverständlich nicht ausreichen, um die Lymphe den ganzen Weg bis zum jugulären Venenwinkel (lymphatische Endstation) zu transportieren. Deswegen sind im Lymphsystem viele kleine Pumpen und Klappen Lymphsystem:peristaltische Wellenaneinandergereiht und so organisiert, dass peristaltische lymphatische Wellen durch den Körper laufen. Durch die Einwirkung verschiedener extralymphatischer Kräfte werden die Druck- und Strömungsmuster im lymphatischen Netzwerk noch komplizierter. Das Aktivitätsniveau der umgebenden Gewebe und Organe (z. B. Herzaktivität, Zwerchfellaktivität, Atmung, Arterienpulse, Peristaltik) hat einen enormen Einfluss auf die lymphatischen Wellen.

Geweberhythmus

Es erscheint logisch, dass sich eine Art Synchronisation dieser kleinen Wellenbewegungen einstellen muss. Hypothetisch soll hier der Geweberhythmus als Interferenzmuster der peristaltischen Kontraktionswellen (Vasomotion) der Gefäße betrachtet werden.

Besonderheiten des interstitiellen Flows
Vasomotion:und GeweberhythmusGeweberhythmus:und VasomotionDie interstitiellen Flüssigkeiten bewegen sich in einer dreidimensionalen Bindegewebsmatrix und strömen daher um Fibroblasten, Bindegewebsmatrix:interstitieller FlowAbwehrzellen, Kollagenfasern, Matrixmoleküle und eventuell sogar Tumorzellen herum.
In Knorpel gibt es keine Lymphgefäße und die interzellulären Abstände sind so groß, dass der interstitielle Flow durch mechanische Belastung/Entlastung vorangetrieben wird.
Interstitielle Fließgeschwindigkeit
Im Unterschied zu den intravaskulären Flüssigkeiten (Blut, Lymphe) fließt die interstitielle Flüssigkeit im Allgemeinen viel langsamer und in alle Richtungen. Wenn Lymphgefäße sich füllen, dichten sie ihr Wandendothel ab, während überlappende Zellverbindungen einen Rückfluss verhindern, sodass die Lymphpumpen einen interstitiellen Flow in Richtung der Lymphkapillaren anregen (interstitieller Flow:Lymphpumpeninterstitieller Flow:FließgeschwindigkeitSwartz et al. 2008).
Wegen der aufwändigen Messmethode und Interpretationsschwierigkeiten gibt es nur sehr wenige In-vivo-Messungen der interstitiellen Fließgeschwindigkeit. Die Geschwindigkeit des interstitiellen Fließgeschwindigkeit:interstitieller FlowFlows variiert je nach Messung zwischen 0,1 und 4,0 m/s (Rutkowski & Swartz 2007). Der interstitielle Flow wird vor allem durch Plasma angetrieben, interstitieller Flow:und Blutplasmadas die Blutkapillaren Blutplasma:und interstitieller Flowverlässt und zu einem Lymphgefäß drainiert wird. Wie Rutkowski und Swartz (2007) betonen, bleibt sogar bei einer Blockierung von Lymphgefäßen ein interstitieller Flow durch die Reabsorption von Plasma in den postkapillären Venulen aufrechterhalten.
Wenn Lymphe gegen einen erhöhten Druck abtransportiert werden muss, können sich Lymphgefäße (bis zu einer gewissen Grenze) verstärkt Lymphgefäßtonuskontrahieren und ihren Tonus anpassen. Wenn sie dagegen die Lymphe gegen abnehmenden Druck ableiten, verringern sich ihre Kontraktilität und ihr Tonus (Swartz et al. 2008).
Einflussfaktoren und Wirkungen des interstitiellen Flows
Partikel mit einem Durchmesser von 7–12 nm scheinen optimal durch das Interstitium transportiert werden zu können. Dieses Wissen wird zur Entwicklung von neuen Impfstoffen und Biomaterialien genutzt. Ab einer Größenordnung von 70–100 nm scheinen die Partikel jedoch kaum noch durch das Interstitium transportiert, sondern von Lymphkapillaren aufgenommen zu werden (Reddy et al. 2006).
Obwohl der interstitielle Flow sehr langsam ist, kann er wichtige Effekte interstitieller Flow:Effekteausüben: unter anderem auf die Morphogenese und Funktion des Gewebes, auf die Verteilung der ausgeschiedenen Proteine (z. B. Proteasen, Glykosidasen, Zytokine), auf die Zellmigration, die Zelldifferenzierung und die Remodellierung der Matrix.
Sowohl Abwehrzellen als auch Tumorzellen scheint der interstitielle Flow als Wegweiser zu funktionellen interstitieller Flow:Wegweiser für Abwehr- und ImmunzellenLymphgefäßen und zu den nächstgelegenen Lymphknoten zu dienen.
Rutkowski und Swartz betonen, dass der interstitielle Flow sowohl die mechanische als auch die biochemische Umgebung der Zelle beeinflusst. Er ist für die lymphatische Organisierung notwendig, und Experimente zeigten, dass sich lymphatische Endothelzellen nicht zu funktionellen Lymphgefäßen Endothelzellen:lymphatischeentwickelten, wenn eine interstitielle Strömung fehlte (Rutkowski & Swartz 2007).
Helm et al. gaben Synergien zwischen dem langsamen interstitiellen Flow (in der Größenordnung von einigen Mikron pro Sekunde) und dem endothelialen Wachstumsfaktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) an, durch die sich kapillarartige VEGF (vascular endothelial growth factor):Synergien mit interstitiellem FlowStrukturen in der extrazelluläre Matrix bilden. Sowohl der interstitielle Flow als auch der VEGF haben einzeln eine interstitieller Flow:und VEGFgeringere Wirkung als kombiniert (Helm et al. 2005).
Was passiert, wenn der interstitielle Flow eingeschränkt oder blockiert ist, kann man an einem Lymphödem sehen. Rutkowski und Swartz deuten einen Lymphödemstarken interstitiellen Flow als frühes Zeichen einer Entzündungsreaktion (Rutkowski & Swartz 2007).
Experimentell ließ sich mit lymphoszintigrafischen Untersuchungen zeigen, dass eine reduzierte Pumpwirkung aufgrund von Kontraktilitätsstörungen der Lymphgefäße nach Brustkrebsoperationen zur Entstehung von Lymphödemen beiträgt (Modi et al. 2007).
In Tumoren besteht häufiger ein höherer Tumoreninterstitieller Flüssigkeitsdruck, und neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Proliferation von Tumorzellen durch Herabsetzung des intratumoralen Drucks gemindert werden könnte (Hofmann et al. 2006).

Auswaschfunktion der interstitiellen Lymphe

Die Gesamtfläche aller Blutkapillaren eines Erwachsenen ermöglicht es, dass etwa 240 Liter Wasser pro Minute durch die semipermeable Kapillarwand in beiden Richtungen zwischen Blutbahn und Interstitium diffundieren und ultrafiltriert werden können (Földi et al. 2005). Das entspricht einer unvorstellbaren Gesamtmenge von 345.600 Liter Wasser am Tag und unterstreicht die wichtige Auswaschfunktion des interstitiellen Lymphsystems!

Hierbei sollen transmembranäre Lymphsystem:AuswaschfunktionWasserkanäle und Proteine (Aquaporin-1) eine wichtige Rolle spielen. Da auch eine kleine Menge von Eiweißmolekülen (z. B. Albumine, Globuline, Fibrinogen, Lipoproteine) aus dem Kapillarbereich ins Interstitium gelangt, ist die Gewebeflüssigkeit immer eiweißhaltig, sodass sich ein kolloidosmotischer Druck im Interstitium aufbaut. Laut Földi et al. (2005) binden Proteine, die den Kapillarbereich verlassen, nicht nur Wasser, sondern auch Vitamine, Hormone, Bilirubin, Fettsäuren und Metalle an sich. Diese Proteine schleppen demzufolge wichtige Stoffe mit ins Proteine:im InterstitiumInterstitium und stellen sie dort den Zellen zur Verfügung! Allerdings ist der kolloidosmotische Druck im Gewebe normalerweise kleiner als der im kolloidosmotischer Druck:im InterstitiumBlut, wodurch sich ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren ergibt.
Die Grundsubstanz enthält elektrisch geladene Matrixmoleküle undGrundsubstanz:Gelzustand Kollagenfasern und wechselt daher zwischen einem permeablen Sol- und einem weniger permeablen Gelzustand, in dem sie physiologisch keine frei fließenden Flüssigkeiten, sondern nur Flüssigkeiten in Kolloidform aufweist. Lee zufolge lassen Flüssigkeiten:in Kolloidformsich in der extrazellulären Matrix Kalziumwellen mit einem Rhythmus von 4–6/min feststellen (Findley & Schleip 2007). Nur im Fall eines pathologischen Ödems kann sich eine größere Wasseransammlung bilden.
Nach Angaben von Földi et al. (2005) sind mehr als 99 % der Gewebeflüssigkeit in Gelform gebunden, während die restlichen 1 % in einem prälymphatischen Kanalsystem fließen. Wir können in diesem Sinne die Baueinheiten des Bindegewebes als Matrisome oder Mikrovakuolen deuten. Dabei handelt es Matrisome:Bindegewebesich um einen Sol-/Mikrovakuolen:BindegewebeGelzustand, in dem die kolloidalen Eiweißmoleküle in der Gelzustand:MatrixGewebeflüssigkeit verteilt sind. Wie Földi et al. (2005) betonenGewebeflüssigkeit:Gelform, stellt die Vasomotion bei der Strömung in den prälymphatischen Kanälen eine wichtige treibende Kraft dar! Ob die Eiweißkonzentration der Lymphe tatsächlich nicht mit derjenigen der Gewebeflüssigkeit identisch ist (Földi et al. 2005), muss durch weitere wissenschaftliche Untersuchungen überprüft werden.

Druckverhältnisse im Kapillarbereich und Lymphpumpe

Druckverhältnisse
Da das lymphatische Endothel keine kontinuierliche Basalmembran und nur schwache interzelluläre Verbindungen hat, ist es leicht permeabel für Flüssigkeiten, Proteine und kolloidale Nanopartikel (Swartz et al. 2008). Der effektive Filtrations- bzw. Resorptionsdruck im Kapillarbereich ist von folgenden Druckverhältnissen abhängig:Kapillarbereich:Druckverhältnisse
  • Der Kapillardruck (d. h. der Blutdruck in Kapillaren) sorgt für Kapillardruck:Filtrationeine Filtration (Filterwirkung aus den Kapillaren heraus). Der Kapillardruck ist im arteriellen durchschnittlich höher als im venösen Kapillarbereich.

  • Der Gewebedruck direkt um die Kapillaren (perivaskulär) herum sorgt für eine Resorption (in die Kapillaren hinein gerichtete Kraft).

  • Der kolloidosmotische Druck im Blut erzeugt eine resorbierende Sogwirkung (in die Kapillaren hinein).

  • Der kolloidosmotische Druck im Gewebe sorgt für eine Filterung (aus den Kapillaren heraus).

Zwischen den filtrierenden und resorbierenden Kräften herrscht normalerweise ein komplex austariertes Gleichgewicht (Starling-Gleichgewicht), indem im arteriellen Kapillarbereich eher Starlingsches Gleichgewicht:Kapillarbereicheine Filtration und im venösen Kapillarbereich:Starlingsches GleichgewichtKapillarbereich:ResorptionKapillarbereich:FiltrationKapillarbereich eher eine Resorption stattfindet. Da die arterielle Filtration (100 %) meistens etwas größer ist als die venöse Resorption (90 %), erfolgt zusätzlich noch eine Resorption (10 %) durch das Lymphgefäßsystem. Welche onkotischen und hydrostatischen Mechanismen für die Lymphbildung zuständig sind, ist komischerweise noch nicht genau entschlüsselt (Tuma et al. 2008)!
Das Kapillarsystem muss aber weiterhin als dynamisches (eigenständig aktives) System betrachtet werden (Abb. 4.8)!
Nach Angaben von Tuma et al. gibt es keinen konstanten positiven Druckgradienten innerhalb des lymphatischen Systems. Meistens müssen die Lymphangione Extrakräfte produzieren (lymphatische Vasomotion oder intrinsische Lymphpumpe), um die Vasomotion:Lymphpumpenegativen Druckgradienten zwischen Lymphpumpe:Vasomotionangrenzenden Lymphsegmenten überwinden zu können (Tuma et al. 2008).
  • In den Lymphgefäßen der unteren Extremitäten beträgt der mittlere systolische Druck in Ruhe und in Rückenlage 13,5 8,01 mmHg und die Pulsfrequenz 2,42 1,88/min.

  • In der aufrechten Position mit Dorsalextension der Zehen beträgt der systolische Druck in den Beinlymphgefäßen maximal 23,8 6,15 mmHg und die Pulsfrequenz Beinlymphgefäße:systolischer Druck5,5 1,04/min.

  • Der Druck im Ductus thoracicus scheint durchschnittlich bei 14–22 mmHg zu liegen. Nur während der Einatmung fällt der Druck im Ductus thoracicus auf einen leicht negativen oder positiven Wert ab (Tuma et al. 2008). Trotzdem kann ein kurzer negativer Druck im Ductus thoracicus nur die Flüssigkeiten im Thorax beeinflussen (ansaugen), nicht aber die Flüssigkeiten in den unteren Extremitäten!

Lymphpumpe und Lymphströmung
Die Lymphpumpe sorgt dafür, dass die Lymphflüssigkeit in den Lymphpumpe:interstitieller FlowLymphgefäßen strömt und unterstützt den interstitiellen Flow. Das Lymphangion (eigenständig pumpendes lymphatisches Segment) verfügt genauso wie das Herz über einen Autoregulationsmechanismus (Frank-Starling-Mechanismus) und eine neurovegetative Steuerung (Kap. 7.4). Wenn das Lymphangion stärker gefüllt ist (größere Wanddehnung) oderLymphangion mehr sympathischen Input bekommt, erhöhen sich die Frequenz und das Schlagvolumen der Lymphpumpe.
Gashev et al. geben an, dass die lymphatische Strömung (Flow) durch mehrere extrinsische Faktoren beeinflusst werden kann, beispielsweise durch die Pulsation benachbarter Blutgefäße, durch die Bewegung der Skelettmuskeln und des umgebenden Gewebe und durch die Sogwirkung der Atmung (Gashev et al. 2002). Eine anhaltende Muskelaktivität (myofasziale Verspannung!) sorgt aber eher für eine Abnahme des Lymphflusses. Auch das Verzweigungsmuster der Lymphgefäße, deren Äste an den Verbindungspunkten oft über keine Klappen verfügen, ermöglicht teilweise eine retrograde Strömung. Die Lymphströmung weist also ein hochkompliziertes Muster mit Lymphströmung:retrogradeLymphströmung:extrinsische FaktorenFluktuationen der Größenordnung wie auch der Strömungsrichtung auf.
Die Lymphströmung und die Lymphpumpe geben sich anscheinend Lymphströmung:Lymphpumpegegenseitig ein Lymphpumpe:LymphströmungFeedback, sodass die Summe der passiven und aktiven Strömungen die totale Lymphströmung bildet. Bei vermehrter Lymphbildung könnte Lymphströmung:totaleLymphströmung:passiveLymphströmung:aktivedie passive Lymphströmung die Antriebskraft des aktiven Pumpmechanismus überwiegen, sodass die Kontraktionen der Lymphangione vorübergehend und energiesparend eingestellt werden können. Weil es aber auch regional unterschiedliche Druckverhältnisse, anatomische Lagebeziehungen und Abflusswiderstände gibt, wird es vermutlich auch regionale Unterschiede in der Funktion der aktiven Lymphpumpe geben.
Laut Gashev et al. (2002) bilden die glatten Muskelzellen in der Wand des Ductus thoracicus eine schwächere Lymphpumpe als die in den mesenterialen Lymphgefäßen. Allerdings werden noch weitere Untersuchungen benötigt, um die Mechanismen besser zu verstehen. Interessanterweise zeigte sich, dass sich die Frequenz der Lymphangiomotorik in den mesenterialen Lymphgefäßen und im Ductus thoracicus der Ratte durch eine induzierte Lymphströmung verringert und sich ihr Durchmesser insgesamt Lymphströmung:induziertevergrößert (Gashev et al. 2002).
Nach Angaben von Venugopal et al. scheint die Koordination der Lymphangione die durchschnittliche Strömung in den Lymphangione:LymphströmungLymphgefäßen nur minimal zu beeinflussen. Das hat den Vorteil, dass einzelne Lymphangione flexibel bleiben und sich selbstständig (unabhängig) an die lokalen Bedingungen anpassen können. Lokal ist sogar ein retrogrades Anspannen von Lymphsegmenten möglich, indem sich die Einlassklappe des Lymphangions schließt und damit wahrscheinlich eine unnötige Inhibition von lymphatischen Kontraktionen während der normalen Pumpaktivität verhindert wird (Venugopal et al. 2007).
Die Sogwirkung der Zwerchfellatmung sorgt intrathorakal für einen Unterdruck und intraabdominal für einen Überdruck bei der Einatmung. Die Lymphflüssigkeit des Bauchraums und des Halses fließt dadurch in den Thoraxraum bzw. in den Venenwinkel.
Darüber hinaus sollen auch Spannungen im Bindegewebe, ausgelöst durch Muskelhypertonien, Vernarbungen und Verschlackungen des Bindegewebes, Einfluss auf den Gewebedruck und den Kapillardruck haben.
Die Lymphendothelzellen können Autakoide wie Endothelin (Lymphendothelzellen:AutakoideVasokonstriktion) und NO (Autakoide:LymphendothelzellenStickstoffmonoxid Vasodilatation) ausschütten und dadurch die Lymphangiomotorik modulieren.

Vasomotion als Ganzkörperrhythmus

Nilsson und Aalkjaer haben darauf hingewiesen, dass Traube-Hering-Mayer-Oszillationen (Fluktuationen des Pulsdrucks; vgl. Meert 2007) mit der Vasomotion verwechselt werden können (Nilsson & Aalkjaer 2003). Traube-Hering-Mayer-Oszillationen entsprechen einem Ganzkörperrhythmus, Traube-Hering-Mayer-Oszillationenwohingegen eine Vasomotion lokal auftritt. Traube-Hering-Mayer-Oszillationen wurden bereits im 19. Jahrhundert beschrieben und sind auf den Herzschlag, auf Thoraxbewegungen während der Zwerchfellatmung und auf bisher unbekannte Mechanismen zurückzuführen. Bei der Vasomotion kommt es aber unabhängig von den Vasomotion:Oszillationenphysiologischen Rhythmen des Herzens und der Zwerchfellatmung zu Oszillationen.
Die Vasomotion geht von der Gefäßwand aus und entsteht eindeutig nicht einfach infolge des Herzrhythmus, der Zwerchfellatmung oder des neuronalen Inputs.
Wissenschaftliche Untersuchungen der Vasomotion werden dadurch erschwert, dass sie oft unvorhersagbar ist, sich schwierig reproduzieren lässt und in verschiedenen Körperregionen (z. B. femoral in Vergleich zu zervikal) unterschiedlich stark sein kann. Bei Versuchstieren scheint die Vasomotion in unterschiedlichen Perioden unerwartet zu stoppen, und auch durch Anästhesie wird sie unterdrückt. Sowohl das Vorkommen als auch die Intensität und Qualität der Vasomotion sind sehr variabel.
Es wird angenommen, dass Vasomotion im Allgemeinen im Zustand der Minderperfusion Vasomotion:Minderperfusionauftritt (Schmidt 1996), und experimentell Minderperfusion:Vasomotionließ sich nachweisen, dass sie die Gewebeperfusion verbessert (Sakurai & Terui 2006). Es scheint, als ob auch die Anhäufung von Metaboliten und Änderungen des Gewebe-pH-Werts eine wichtige Rolle für die Vasomotion spielen.
Nilsson und Aalkjaer meinen, dass Traube-Hering-Mayer-Oszillationen auf Schwankungen in der efferenten Aktivität Traube-Hering-Mayer-Oszillationenvasokonstriktorischer Nerven zurückzuführen sind (Nilsson & Aalkjaer 2003). Durch In-vitro-Untersuchungen fand man heraus, dass ein direkter neuronaler Einfluss offenbar nicht notwendig ist, obwohl Noradrenalin und andere vasoaktive Substanzen (wie Vasopressin oder Neuropeptid Y) die vasoaktive Substanzen:Stimulation der VasomotionVasomotion zu stimulieren scheinen.
Die Aktivität der Vasomotion:vasoaktive Substanzenglatten Muskelzellen der Gefäßwände wird elektrisch koordiniert und synchronisiert. Die elektrische Kommunikation und Weiterleitung von elektrischen (elektromagnetischen) Potenzialen ist als einzige Form der Kommunikation schnell genug, um diese Oszillationen zu ermöglichen.
Es ist weiterhin umstritten, ob eine Art Pacemaker-Muskelzellen (Schrittmacherzellen) für die Koordination der Vasomotion zuständigSchrittmacherzellen:Vasomotion sein könnten (Meert 2007).
Harhun et al. fanden interstitielle Cajal-Zellen in der Wand der V. portae von Kaninchen (Harhun et al. 2005). Cajal-Zellen vermitteln zwischen den autonomen Nerven und Cajal-Zellen:Schrittmacherfunktionden glatten Muskelzellen des Darmtrakts. Man vermutet, dass sie eine Art Schrittmacherfunktion für die Darmaktivität erfüllen.
Nilsson und Aalkjaer vertreten noch eine andere Hypothese, nämlich die einer Koordination und Synchronisation (Entrainment) von allen oszillierenden glatten EntrainmentGefäßmuskelzellen. Das könnte beispielsweise auf Oszillationen in der Aktivität der Natriumpumpe zurückzuführen sein, aber der genaue Mechanismus ist noch unklar. Andere Wissenschaftler betrachten wiederum eher das sarkoplasmatische Retikulum, die Kalziumpumpe, die Glykosylierung oder Stickstoffmonoxid (NO) als wichtige Faktoren der Vasomotion (Aalkjaer & Nilsson 2005). Hier wäre natürlich noch weitere Forschung erwünscht.

Funktionelle Bedeutung der Vasomotion und des interstitiellen Flows

Auch über die Funktionalität der Vasomotion wird diskutiert. Meyer et al. geben an, dass ein oszillierender Durchmesser für eine bessere Blutströmung sorgen kann als ein konstanter Gefäßdurchmesser (Meyer et al. 2002). Die Vasomotion bewirkt sozusagen einen geringeren vaskulären Vasomotion:FunktionStrömungswiderstand. Auch für die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und für die Filtration im Kapillarbereich und Sauerstoffversorgung:Vasomotionim Interstitium scheintFiltration:Vasomotion die Vasomotion sehr wichtig zu sein.
Akute und chronische Entzündungen
Antigenpräsentierende Zellen und Lymphozyten müssen enorme Strecken zwischen einem betroffenen, pathogen veränderten Gewebe und den Lymphknoten zurücklegen! Unter diesem Aspekt ist es unbedingt notwendig, sich Gedanken über den Sinn der akuten Entzündungsreaktion zu machen. Das Ziel einer akuten Entzündung besteht darin, Abwehrzellen (dendritische Entzündung:akuteZellen, antigenpräsentierende Abwehrzellen:akute EntzündungsreaktionZellen, NK-Zellen, Granulozyten, Makrophagen) und humorale Abwehrfaktoren (Immunglobuline, Zytokine) an den Ort der Schädigung bzw. zum nächstgelegenen Lymphknoten zu lotsen, wo weitere Abwehrspezialisten (B- und T-Lymphozyten) warten. Der Körper versucht sozusagen, dem Abwehrsystem eine Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit der Krankheit zu geben, und benutzt dazu z. B. eine akute Entzündung mit Fieber. Man darf zudem nicht vergessen, dass lymphatische Organe und Schleimhäute in besonderer Weise miteinander vernetzt sind und Informationen austauschen (Meert 2007)! Es braucht weitere wissenschaftliche Untersuchungen, um diese Vorgänge vollständig verstehen zu können.
Tuma et al. vermuten, dass sich bei einer akuten Entzündung interstitielle Flüssigkeit ansammelt, die für eine Dehnung der Lymphgefäßwände sorgt und damit die Lymphströmung steigert. Sie bemängeln aber, dass das bisher noch kaum untersucht worden ist. Nach ihren Angaben ist bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eine beachtliche Morbus Crohn:lymphalymphatische Beteiligunglymphatische Obstruktion und Colitis ulcerosa:lymphatische BeteiligungDilatation im Darmbereich feststellbar und das Lymphsystem bei beiden entzündlichen Krankheiten stark involviert. Infolge eines chronischen interstitiellen Ödems wird die lymphatische Funktion beeinträchtigt,Ödem:chronisches interstitielles was sich in einer Ansammlung von toten Zellen, Bakterien, Proteinen und Makromolekülen äußert und zu einer Hypoxie und Fibrosierung des Gewebes führen kann (Tuma et al. 2008)! Wenn sklerosierende Mittel in die mesenterialen Lymphgefäße und Lymphknoten injiziert wurden, entstanden sogar ähnliche Schleimhautulzerationen und subseröse Fibrosierungen wie bei der granulomatösen und regionalen Enteritis. Leider fehlten aber Kontrollgruppen bei diesen Studien.
Die Freisetzung von Entzündungsmediatoren in Kombination mit einer gesteigerten Entzündungsmediatorenvaskulären Permeabilität spielt bei der Regulation der Funktionen der Lymphgefäße eine große Rolle.

Wichtige Hinweise zu chronischen Entzündungen

Chronische Entzündungen haben (im Gegensatz zu akuten Entzündungen) auf Dauer immer weniger mit einer Abwehrreaktion des Körpers zu tun und sollten unbedingt vermieden werden!

Interstitieller Flow als Informations- und Stichprobenlieferant
Entzündungen:chronischeIm Vergleich zu statischen Konditionen scheinen die Endothelzellen, sowohl der Lymphgefäße mit lockeren EndothelzellenEndothelzellen:LymphgefäßeEndothelzellen:Blutgefäßeinterzellulären Verbindungen als auch der Blutgefäße mit festen interzellulären Verbindungen, drastische morphologische Änderungen durch den interstitiellen Flow durchzumachen (Ng et al. 2004). Mittlerweile wirdinterstitieller Flow:Morphologie der Endothelzellen allgemein akzeptiert, dass mechanische Kräfte wie durch Flüssigkeiten ausgeübte Scherkräfte oder Verformungen der extrazellulären Bindegewebsmatrix eine Rolle bei der Regulation der Morphogenese von Blutkapillaren und der Morphologie von Morphogenese:BlutkapillarenEndothelzellen spielen (Ng et al. 2004).
Morphologie:EndothelzellenDendritische Zellen sind typische antigenpräsentierende Zellen, die so positioniert sind, dass sie Antigene aus antigenpräsentierende Zellen:dendritischedem peripheren interstitiellen Raum aufnehmen und zum nächstgelegenen Lymphknoten transportieren können. Darüber hinaus wird allgemein angenommen, dass Lymphkapillaren Chemokine (Chemokin-Ligand 21, CCL21) aussenden, Lymphkapillaren:Chemokineum durch Chemotaxis dendritische Zellen anzulocken, die über den richtigen dendritische ZellenChemokinrezeptor (CCR) verfügen. Chemokine (CCL21), die dendritische Zellen anlocken sollen, Chemokinebefinden sich meistens als Marker (Wegweiser) auf der Oberfläche der Lymphkapillaren.
Dendritische Zellen liefern sozusagen kontinuierlich Stichproben dendritische Zellen:Antigenpräsentationund Entzündungssignale mit der interstitiellen Flüssigkeit zu den Lymphknoten, wo andere interstitieller Flow:dendritische Zellenunreifeinterstitieller Flow:antigenpräsentierende Zellen dendritische Zellen und Makrophagen sie auf potenzielle Antigene überprüfen (Antigenpräsentation). Neben einem wichtigen Informationsaustausch finden dort auch Lernprozesse zwischen den Abwehrzellen statt. Die Lymphknoten, in denen Abwehrzellen vorhanden sind, werden damit auf eine erhöhte Wachsamkeit eingestellt, die Immunantwort entsprechend angepasst und optimiert. Durch aktivierte dendritische antigenpräsentierende Zellen, die den Lymphknoten schließlich über antigenpräsentierende Zellen:dendritischehochendotheliale Venulen (HEV) verlassen, erhöht sich die Chance, den passenden antigenspezifischen T-Lymphozyten zu finden (Meert 2007). Zellmigration und Zellkommunikation sind hochkomplexe Prozesse und erfordern eine Spezialisierung von verschiedenen Zytokinen und Rezeptoren (Swartz et al. 2008). Neuere Studien deuten darauf hin, dass die Glykosaminoglykane der extrazellulären Matrix sowohl geometrisch (mechanisch) als auch elektrostatisch (durch ihre negativen Ladungen) Moleküle ausgrenzen können, was beispielsweise bei der Aufnahme von Molekülen in Tumorgewebe eine Rolle spielt (Wiig H. et al. 2008).
Einfluss der interstitiellen Flüssigkeitsströmung auf das Zellverhalten
Untersuchungen haben zudem auch belegt, dass sich die Vasomotion unter pathologischen Zuständen ändert. Stansberry et al. fanden beispielsweise heraus, dass die Intensität der Vasomotion bei Diabetes-Patienten erniedrigt ist (Vasomotion:bei DiabetesStansberryVasomotion:bei arterieller Hypertension et al. 1996). Andererseits scheint sie bei chronischer arterieller Hypertension (weniger bei akuter Hypertension) aber zuzunehmen.
Rutkowski und Swartz zufolge gibt es zunehmend Hinweise dafür, dass die Glykokalix eine wichtige verstärkende Rolle bei der Übertragung von Scherbelastungen durch Flüssigkeitsströmungen auf die Zelloberfläche spielt (Rutkowski & Swartz 2007). Dass Zellen den interstitiellen Flow wahrzunehmen scheinen, lässt auf wichtige interstitieller Flow:und extrazelluläre MatrixVerbindungen zwischen der Zelle und der extrazellulären Matrix schließen (Abb. 4.9). Die Faserarchitektur der Bindegewebsmatrix scheint hierbei eine außerordentliche Rolle zu spielen, und selbst kleine Modifikationen der lokalen extrazellulären Matrix können bereits große Veränderungen in der mechanischen Umgebung der Zelle hervorrufen (Pedersen et al. 2007).
Ng und Swartz untersuchten das Verhalten von Fibroblasten bzw. Fibrozyten in einer dreidimensionalen Gewebekultur. Sie Fibrozyten:Verhalten in Gewebekulturfanden heraus, dass die Fibrozyten bei hohen Fließgeschwindigkeiten der interstitiellen Flüssigkeiten eine kleine, Fließgeschwindigkeiten:Verhalten von Fibrozytenrunde Form annehmen, während sie sich bei langsamen Fließgeschwindigkeiten eher senkrecht zur Flussrichtung orientieren. Bei Stillstand der Flüssigkeiten kommt es zu einer ungeordneten Ausrichtung der Zellen (Ng & Swartz 2003).
Sogar bei Tieren bzw. Pflanzen fließen die Flüssigkeiten im Zytoplasma bzw. Protoplasma der Zellen, was Biologen schon länger als Zytoplasmaströmung oder Cyclosis bekannt ist. Einerseits kann diese CyclosisFlüssigkeitsbewegung bei amöboiden Bewegungen helfen und andererseits den Transport von Metaboliten, Enzymen, Nährstoffen, genetischen Informationen usw. unterstützen.
Jiang et al. untersuchten, wie sich mechanische Belastungen auf die Zellform und damit das Verhalten der Zelle auswirken. So fragten sie sich: Wenn man die Zellverhalten:mechanische BelastungZellform:mechanische BelastungZelle tropfenförmig verändert, bewegt sie sich dann in Richtung des stumpfen oder des spitzen Endes? In 82 % der Fälle bewegten sich Zellen mit einer Tropfenform oder Dreiecksform (asymmetrische Belastung) in Richtung des stumpfen Endes. Bei Zellen mit einer Kreisform (symmetrische Belastung) gab es keine bevorzugte Richtung (Jiang et al. 2005).
Ohne den interstitiellen Flow zu den Lymphgefäßen würde der Transport von interstitieller Flow:ProteintransportProteinen, Makromolekülen, Viren, Nanopartikeln nur durch Diffusion und damit äußerst langsam stattfinden. Swartz et al. bezeichnen die Lymphgefäße interessanterweise als Sinnesorgane des Lymphgefäße:Sinnesorgane des ImmunsystemsImmunsystems (Swartz et al. 2008).
In neueren Behandlungsstrategien werden dendritische Zellen und Monozyten ex vivo (außerhalb des Lebendigen) mit Antigenen und Reifungsfaktoren in Kontakt gebracht, kultiviert und danach dem Patienten zurückinjiziert (Timmerman et al. 2002, Wang et al. 2002). Dabei gibt es allerdings immer noch mehrere logistische und ökonomische Schwierigkeiten sowie therapeutische Einschränkungen (Swartz et al. 2008).
Einfluss des transmuralen Drucks auf die lymphatische Vasomotion
Eine Zunahme des transmuralen Drucks bis auf Werte zwischen 3 und 15 cm Wassersäule (zwischen 2,21 und 11,03 mmHg) soll positiv-inotrope (Änderung der Kontraktionskraft) und positiv-chronotrope (Änderung der Kontraktionsfrequenz) Effekte auf die Lymphgefäße haben (Tuma et al. 2008). Stärkere Erhöhungen desLymphgefäße:transmuraler Druck transmuralen Drucks (über 15 cmH2O bzw. 11,03 mmHg) scheinen dagegen transmuraler Druck:Wirkung auf Lymphgefäßeeher einen negativen Einfluss auf die lymphatischen Pumpmechanismen zu haben.

Potenzieller Nutzen venolymphatischer Pumptechniken

Ich hoffe, mit den von mir entwickelten venolymphatischen Pumptechniken einen kleinen positiven logistischen Beitrag leisten zu können (Meert 2007). Das vorbereitende Aufweichen und Durchsaften des Bindegewebes mit faszialen Lösungstechniken und das anschließende Pumpen im Bereich des bindegewebigen Netzwerks zielt darauf, den Transport von Abwehrzellen, Sauerstoff, Zytokinen und humoralen Abwehrfaktoren durch den interstitiellen Flow zu verbessern und die Lymphangiomotorik mit den biodynamischen Gestaltungskräften zu aktivieren.

Es wäre zu wünschen, dass diese Hypothese durch experimentelle Untersuchungen bestätigt bzw. revidiert und verfeinert wird.

Das Prinzip der Selbstschöpfung und Selbstbewegung

Pumptechniken:venolymphatischeinterstitieller Flow:Verbesserung durch venolymphatische PumptechnikenEin Lebewesen ist ein kreisförmig geschlossener Prozess. Leben – das sind Moleküle, die mehr von ihresgleichen hervorbringen. Das sind Strukturen, die sich selbst erhalten. Das ist Fleisch, das Fleisch erschafft, zunächst einmal ganz ohne sich um die Welt da draußen zu kümmern, formulierte es der estnische Biosemiotiker K. Kull (zit. nach Weber 2007). Kull betonte, dass ein Lebewesen dabei seinem inneren Antrieb folgt und sich nicht zwanghaft an physikalische Gesetze hält. Genetische und Umgebungseinflüsse werden sozusagen zum Ziel der Selbsterhaltung interpretiert. Das verstößt gegen unser Kausalitätsprinzip, demzufolge es für jede Reaktion eine Ursache geben muss. Kull plädierte dafür, dass wir neben dem Prinzip der Kausalität auch noch ein Prinzip der Selbstbewegung brauchen.Kausalitätsprinzip

Was Organismen zusammenhält

Organismen werden von einer mächtigen Kraft zusammengehalten – nämlich dem Empfinden, was gut für sie ist und was ihnen nicht schadet!

Für den chilenischen Biologen SelbstbewegungsprinzipVarela sind Lebewesen keine Objekte. Maschinen können zwar Stoff verarbeiten und Dinge herstellen, aber nicht sich selbst (Varela 1995). Die Essenz des Organischen besteht laut Varela darin, dass eine lebendige Zelle ihre eigenen Bauteile ständig neu produziert und repariert! Eine Zelle betreibt sozusagen eine Art Selbstschöpfung, die man Zellen:Selbstschöpfungsich als materielle Umsetzung des Prinzips derSelbstschöpfung:von Zellen Subjektivität vorstellen könnte!
Eine lebendige Zelle beherrscht die Atome, aus denen sie aufgebaut ist, und kann übrigens selber darüber entscheiden, Suizid (Apoptose) zu begehen oder Reparatur- und Wachstumsprozesse anzuregen.
Sutherland erkannte, dass die Fähigkeit, sich in Bewegung auszudrücken, lebendes von totem Gewebe unterscheidet. Er betrachtete die rhythmische Bewegung, die er am Schädel von lebendigen Menschen tasten könnte, als Atmung des Gewebes, die es brauche, um optimal zu funktionieren. Er postulierte eine geheimnisvolle Intelligenz (Potency of the Breath of Life), die wie eine Welle durch den Körper schwappen und sich als Energie frei in den Körperflüssigkeiten entfalten könne. Diese Potency scheint den Körperflüssigkeiten sozusagen infundiert Potency:Körperflüssigkeitenzu sein, die den ganzen Körper bewässern und dabei diese vitale Kraft verteilen. Demzufolge ist ein uneingeschränktes Fließen der Körperflüssigkeiten essenziell für die Verteilung der biodynamischen PotencyKörperflüssigkeiten:Potency und die Aufrechterhaltung der Gesundheit.
Das bringt uns zu zwei Basisprinzipien der Osteopathie:
  • Leben äußert sich in Bewegung.

  • Es besteht ein Osteopathie:Basisprinzipienklarer Zusammenhang zwischen Leben und Bewegung.

Neben der Vasomotion, der Zytoplasmaströmung und der Leben und Bewegung:OsteopathieLebendigkeit der Gewebe wirken viele rhythmische Vorgänge von außen und von innen auf den Körper ein, die wir nun direkt anschließend erläutern wollen.

Der Kraniosakralrhythmus: eine Arbeitshypothese zwischen Wissen und Glauben

Es gibt kaum ein Thema, das innerhalb der manualmedizinischen und osteopathischen Behandlungsszene so kontrovers diskutiert wird wie der Kraniosakralrhythmus. Es gibt verschiedene Bezeichnungen für den KraniosakralrhythmusKraniosakralrhythmus, wie etwa primärer respiratorischer Mechanismus (PRM) oder auch Atem des Lebens (Breath of Life). Persönlich würde ich lieber vom Geweberhythmus sprechen.

Kommunikationssysteme und Interferenzschwingungen

GeweberhythmusFlüssigkeiten transportieren die Informations- oder Signalstoffe Flüssigkeiten:SignalstoffeFlüssigkeiten:Informationsstoffeder Kommunikationssysteme des Körpers: des Signalstoffe:Transport durch FlüssigkeitenHormonsystems, des peripheren/autonomen Nervensystems, des Immunsystems und des zentralen Nervensystems (Nervensystem:zentralesNervensystem:peripheresKap. 2.3.12).
Rezeptor-Effektor-Proteine auf den Zellmembranen bilden das Substrat des Bewusstseins auf der Zellebene. Nun müssen aber alle Informationen Bewusstsein:Zellebeneaus den Millionen Zellen zu einem Ganzen zusammengefügt und für das Lebewesen formatiert werden.
Oschman zufolge denkt man bei der biologischen Kommunikation im menschlichen Körper zwar immer noch zuerst an das Nerven- und Kreislaufsystem, es müsse aber trotzdem eine Art Hochgeschwindigkeits-Kommunikationssystem geben, das er sich in Form von elektromagnetischen Hochgeschwindigkeits-Kommunikationssystem:elektromagnetische FelderFeldern vorstellt (Oschman 2003)! Dieses Kommunikationssystem beinhaltet sowohl das Nerven- und das Kreislaufsystem als auch das Immunsystem und alle anderen Körpersysteme. Dieses System kann man auch einfach als lebende Matrix bezeichnen!
Zellen sind an der Innenseite ihrer Membran negativ geladen. Bei Bewegungen des Kollagengerüsts, bei denen sich die negativ geladenen Proteoglykane und die positiv geladenen Kollagenfasern der Bindegewebsmatrix verschieben, entstehen elektrische Felder. Diese Bindegewebsmatrix:elektrische Felderelektrischen Felder werden auf der elektrische Felder:MatrixMolekularebene millionenfach gleichzeitig produziert. Sie führen zu kollektiven oder kooperativen Phänomenen oder zu sogenannten systemischen oder ganzheitlichen Regulationen, indem die schwachen Schwingungen aneinandergekoppelt werden, sodass riesige (aus molekularer Sicht) Interferenzschwingungen auf der Körperebene entstehen. Alle Kommunikationswege beeinflussen sich dabei gegenseitig, und über die Interferenzschwingungen kommt es zu koordinierten Aktivitäten wie Stoffwechsel, Interferenzschwingungen:elektrische FelderBewegung, Denken, Ausscheidung, Reproduktion, Abwehr usw.

Zusammenführen bzw. trennen

Wie Szent-Györgyi betonte, entsteht beim Zusammenführen von zwei Dingen etwas von neuer Qualität, das sich nicht als Eigenschaft der einzelnen Bestandteile ausdrücken lässt. Umgekehrt gilt, dass immer etwas verlorengeht, wenn man Dinge trennt oder wegschneidet, vielleicht sogar das wesentlichste Merkmal (zit. nach Oschman 2006).

Die unterschiedlichen Schulen bzw. Sichtweisen in der komplementären Medizin führen logischerweise auch zu unterschiedlichen Behandlungsformen und Herangehensweisen.
Flüssige Informationen und Geweberhythmus
Szent-Györgyi verglich Proteine interessanterweise mit Stromkabeln (Leitern) für Elektronen. Er betrachtete Elektronen, Protonen und vielleicht auch andere subatomare Teilchen als die Kommunikationseinheiten des Lebens. Er bedauerte, dass Biologen sich mit der makroskopischen Ebene (der Anatomie), der mikroskopischen Ebene (Zellen) und derEbene(n):makroskopischeEbene(n):mikroskopische molekularen Ebene (Proteine) beschäftigen, darüber aber die vierte DimensionEbene(n):molekulare Ebene(n):submolekulare– die submolekulare oder elektronische Ebene – einfach vergessen (Oschman 2003).
Es gibt meiner Meinung nach eine Art Intelligenz, die in Gestalt von flüssigen Informationen oder Schwingungen in allen Körpersystemen fließt und die ich arbeitshypothetisch als GeweberhythmusKörpersysteme:flüssige Informationen (Kraniosakralrhythmus) oder Atem des Lebens (Breath of lifeGeweberhythmus) angeben möchte. Oschman spricht in diesem Sinne Atem des Lebensvon der Breath of lifelebenden Matrix (Oschman 2003). Man braucht den Geist und die Seele eigentlich nicht nur im Kopf oder im Herzen zu suchen, sondern wir finden sie überall im Körper. Auf der Molekularebene gibt es laut Pert keinen Unterschied mehr zwischen Körper und Geist (Pert 2007).
The rhythmic, involuntary mobility of the tissues and fluids and the various tides are all totally integrated with each other and with the body as a unit. (Becker 1997)

Körperrhythmen

Es fließen ständig Informationen, angetrieben von und in Form von Körperrhythmen. Alle Körperrhythmen zusammen bilden eine symphonische Körpermusik in der lebenden MatrixKörperrhythmen, die wir als Gefühle wahrnehmen.
Frequenzbereiche
Es gibt eine Unmenge an rhythmischen Vorgängen in unserem Körper, die wir nach Rohen allgemein in drei Bereiche einteilen können (Rohen 2000, Meert 2007):
  • Die Rhythmik des Informationssystems offenbart sich beispielsweise in Frequenzen der Nervenaktivitäten oder im EEG. Sie unterliegt den Einflüssen der Außenwelt und stellt sich daher als sehr wechselhaft oder frequenzmoduliert dar. Die Frequenz dieses Informationssystems hängt eng mit dem ZNS zusammen und deckt sozusagen den Informationssystem:RhythmikInformationssystem:FrequenzHochfrequenzbereich des Körpers ab (etwa 1–1.000 pro Sekunde), der vor allem Hochfrequenzbereich:des Körpersvom Umfeld bestimmt wird.

  • Dem steht der Niederfrequenzbereich des Körpers (etwa 2–3 pro Minute bis 1 pro Tag) gegenüber,Niederfrequenzbereich:des Körpers der mit der Rhythmik des Stoffwechselsystems übereinstimmt. Dieser Rhythmus zeigt sich beispielsweise Stoffwechselsystem:Rhythmikals Peristaltik bei der Stoffwechselaktivität, der Verdauung, im Schlaf-wach-Rhythmus und er dient eher zur Erholung. Diese niedrigen Frequenzen werden autonom gesteuert und sind eigentlich in gewissem Maße genetisch oder auch phylogenetisch vorprogrammiert. Oder sollten wir lieber eine innere Logik angeben? Wir wissen im Grunde so gut wie nichts über die Steuerung dieser Rhythmik.

  • Zwischen dem Hochfrequenz- und dem Niederfrequenzbereich befindet sich das Transport- und Verteilungssystem. Es soll beispielsweise über die Rhythmen von Atmung und Kreislauf eine Art Puffersystem zwischen den beiden vorher beschriebenen Frequenzbereichen bilden. Interessant ist hier v. a. die Atemfrequenz, die wir zwar willentlich steuern können, die aber trotzdem auch häufig unbewusst beeinflusst wird. Hier besteht eine sehr interessante Interaktion zwischen Bewusstsein und Atmung.

Es bedarf folglich einer Steuerung und Regelung der hochkomplexen Funktionen der verschiedenen Organsysteme, wie der Atmungs- (Tiefe, Frequenz), Kreislauf- (Blutvolumen, Blutdruck, Atmung:SteuerungZusammensetzung) und HerzfunktionenKreislauf:Steuerung (Frequenz, Schlagvolumen), der Ausscheidungs- und Herzfunktionen:SteuerungVerdauungsfunktionen.
Pert zufolge ist jedes Peptid, das irgendwo vorkommt, auchVerdauungsfunktionen:Steuerung im Atemzentrum (Formatio reticularis der Medulla oblongata) zu finden (Pert 2007). Veränderungen in der Häufigkeit und Intensität der Atemzüge und die Menge und Art der vom Hirnstamm ausgeschütteten Peptide beeinflussen sich gegenseitig! Laut Pert können sich Peptide durch die Atmung schnell im Liquor cerebrospinalis Peptide:und Atmungausbreiten, und sie hält es für Atmung:Peptidedenkbar, dass dieses Peptidsubstrat die wissenschaftliche Begründung für die Heilwirkung einer bewusst gesteuerten Atmung bilden kann.
Interferenz und Synchronisierung
Nach Angaben von Fischer sollen bei Körpertemperatur beispielsweise Atomkerne 1022 pro Sekunde, Atome 1015 pro Sekunde, Moleküle etwa 109 pro Sekunde, eine Zelle dagegen nur noch ungefähr 103 pro Sekunde schwingen (Fischer 2002). Daraus wird deutlich, dass die Schwingungsfrequenz umso niedriger wird, je größer und komplexer ein System ist.Schwingungsfrequenz
Interferenz und Synchronisierung erscheinen in einem derartigen Mensch-InterferenzSystem nicht Synchronisierungunwichtig, verbunden mit einer Kohärenz im Sinne eines Zustands, in dem die verschiedenen Ebenen und Einheiten desKohärenz Menschen optimal miteinander kommunizieren und damit höchst effizient und koordiniert funktionieren. Interferenz und Synchronisierung finden im Bindegewebe statt, und es wäre wünschenswert zu untersuchen, was die Schwingungen im wunderbaren Matrixnetz des Bindegewebes ermöglicht. Zur funktionellen Integration dieser unzähligen Regulierungsvorgänge wäre ein simples An/Aus viel zu primitiv!
In den homöostatischen Regelkreisen wird über Rückkopplungsschleifen einem zu kleinen (bzw. zuRegelkreise:Rückkopplungsschleifen großen) Ist-Wert mit einer Rückkopplungsschleifen:RegelkreiseVerstärkung (bzw. Abschwächung) des Signals gegengesteuert. Plötzlich auftretende Unregelmäßigkeiten können dadurch mittels wellenförmiger Abweichungen im Regelsystem abebben. Zusätzlich verfügt der Körper über wichtige Rezeptoren, die durch Drosselung bzw. Öffnung der Zufluss- und Abflusshähne (Vasomotorik) und durch frühzeitige Gegensteuerung helfen, größere Schwankungen möglichst zu vermeiden. Es sind also durchaus wellenförmige Vorgänge im Stoffwechselregulierungssystem vorhanden. Rhythmische Regulierungen bieten dem Organismus den Vorteil, sich effizienter auf periodisch wiederkehrende Ereignisse einzustellen und rechtzeitig einzugreifen, statt unvorbereitet von einem Ereignis überrascht zu werden. Im Laufe der Evolution haben sich aus dieser Sicht bestimmte, vererbbare Rhythmen herausgebildet.
Das Leben gehört den Lebendigen, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein, hatte bereits Johann Wolfgang von Goethe verkündet.
Ist es eigentlich vorstellbar, dass im Chaos des Stoffwechsels eine synchronisierte rhythmische Kraft, der Atem des Lebens (Breath of life) oder Geweberhythmus, eine gewisse Rolle spielt?
Biologische Rhythmen scheinen öfter aneinandergekoppelt zu sein. Dabei werden Biorhythmen sowohl von einer Art inneren Uhr (im Thalamus) als auch Biorhythmen:Kopplungvon äußeren Impulsgebern aus der Umgebung (Sonne, Mond, von Menschenhand erzeugte Felder) gesteuert und beeinflusst. Atemfrequenz und Herzfrequenz sind beispielsweise harmonisch (aber auchAtemfrequenz:und Herzfrequenz variabel) Herzfrequenz:und Atemfrequenzgekoppelt. Es scheint eine präzise Koordination für jede Art von Aktivität im lebendigen System zu geben.
Fühlen und Zuhören
Die klassische Medizin beschränkt sich manchmal leider nur auf die technisch-apparative Seite von materiellen Prozessen, die greif- und messbar sind und somit mathematisch präzise erfasst oder digitalisiert werden können. Wenn man sich nur auf dieser physikalisch-technischen Informationsebene bewegt, ohne zu tasten, zu fühlen und empathisch zuzuhören, geht leider ein Teil der Ganzheitlichkeit des Patienten-Menschen verloren. Die Kunst des Fühlens und Zuhörens wird man damit niemals kennenlernen. Sowohl die Konstitution undFühlen und Zuhören authentische Widerstandsfähigkeit des individuellen Menschen als auch sein persönliches Umfeld werden dabei gerne übersehen.
Die Untersuchung und Behandlung sollte eigentlich bei jedem Patienten mindestens eine tiefgehende Palpation umfassen, dazu ein unvoreingenommenes Zuhören und Lauschen auf die Gewebe sowie ein intensives empathisches Gespräch mit dem Patienten. Im Übrigen sei die Frage erlaubt, ob man sich überhaupt mit einem Patienten befassen kann, wenn man ihn nicht anfasst? Dazu möchte ich erneut Goethe zitieren: Wo man nichts sehen kann, ist Fühlen keine Schande.

Entrainment von Oszillationen

Neurobiologen halten es für möglich, dass die Synchronisation (Entrainment) der oszillatorischen Antworten in räumlich getrennten Regionen ein Mechanismus ist, der dazu dienen könnte, ein Muster von allgemeinen und zusammenhängenden Merkmalen zu erstellen und Zellgemeinschaften einzurichten, die durch die Phase und Frequenz der kohärenten Oszillationen charakterisiert sind (Ho 2008).

Mathematiker haben bewiesen, dass Synchronisation (Entrainment) die Regel in jeder Population ist, in der von verschiedenen Oszillatoren jeder mit jedem anderen interagiert.

Es ist dabei spannend zu erwähnen, dass jede Zelle einen Oszillator darstellt.

Gibt es eine Art intelligente Phasenkopplung?
SynchronisationOszillationen:kohärenteEntrainmentSynchronisation entsteht durch Absorption der Oszillationsenergie und resultiertSynchronisation:Phasenkopplung in einer Phasenkopplung (in Phase zueinander schwingen). Das kann man sowohl bei Phasenkopplung:SynchronisationSchwärmen von Vögeln oder Insekten, die in der Luft tanzen, beobachten, als auch bei Fischschwärmen oder beim Konzert von Hunderten von Heuschrecken. Aber auch die Schrittmacherzellen des Herzens, die Netzwerk-Neuronen des Hippokampus oder die insulinproduzierenden Zellen des Pankreas weisen alle jeweils synchronisierte elektrische Aktivitäten auf (Kap. 4.1). Auch beim Gehen beispielsweise schwingen die unteren Extremitäten in Phasen zueinander, die simultan in elektrischen Aktivitäten des motorischen Zentrums im Gehirn reflektiert werden. Man hat bisher ganz selbstverständlich angenommen, dass die Phasenkopplung der astronomisch hohen Anzahl von molekularen und zellulären Phasenkopplung:akkurateEnergiemaschinen des Körpers ganz akkurat und präzise abläuft.
Könnte es eine Art akkurates Gezeitensystem geben, das einerseits Schwankungen innerhalb der Regel- und GezeitensystemVersorgungssysteme bis hinunter auf die Molekularebene abpuffert und andererseits für Bewegung und damit auch für eine Regeneration des Flüssigkeitsmantels um die Zellen sorgt? Ist es möglich, dass Schwankungen im Versorgungssystem als Interferenzmuster den besagten geheimnisvollen Geweberhythmus auslösen? Oder gibt es eine noch nicht bekannte Anima matricis, eine Art GeweberhythmusSeele der Matrix des Bindegewebes, die diesen Rhythmus lenkt und den gewissen Unterschied zwischen lebendig und tot ausmacht?
Swedenborg, Still, Littlejohn, Sutherland, Jealous, Sills, Kern, Milne, Becker und viele andere Osteopathen sprechen von einem biodynamischen Ansatz, den sie von einer angeborenen Lebenskraft und innewohnenden Ganzheit ableiten, die Sutherland als Breath of Life definierte.
Andere Osteopathen und auch viele Mediziner betrachten diesen Ansatz als esoterisch. Sind wir tatsächlich nicht mehr als reine Chemie und demzufolge nur eine Ansammlung von Aminosäureketten, Lipiden und Kohlenhydraten? Oder gibt es übergreifende und regulierende Körperrhythmen, die wir bisher nicht verstehen und erst noch in die Wissenschaft integrieren lernen müssen?

Der Atem des Lebens als Anima matricis – eine eigene Interpretation

Messbarkeit des Kraniosakralrhythmus

Mehrere Untersuchungen zur Intertester- und Intratester-Reliabilität legen den Schluss nahe, dass es keinerlei Übereinstimmung der quantitativen Befunde gibt, wenn verschiedene Osteopathen den Kraniosakralrhythmus eines einzelnen Patienten untersuchen (Sommerfeld et al. 2004, Moran & Gibbons 2001, Rogers et al. 1998, Hanten et al. 1998). Diese Untersuchungen haben die Gemüter innerhalb und außerhalb der osteopathischen Szene verständlicherweise hochkochen lassen und für erbitterte Glaubenskriege gesorgt.
Moskalenko et al. führten Messungen des Kraniosakralrhythmus mit der hochfrequenten elektrischen Widerstandsmethode (high Kraniosakralrhythmus:PalpationKraniosakralrhythmus:Messungfrequency electrical impedance method) durch und verglichen die Ergebnisse mit der manuellen Palpation (Moskalenko et al. 2005). Obwohl sich leicht unterschiedliche Werte beim Vergleich ergaben, betonten sie die Wichtigkeit der instrumentellen Messung des Kraniosakralrhythmus. Die Unterschiede erklärten sie sich aus der Komplexität des Schädels: Da manche Knochen dem Kraniosakralrhythmus folgen können und andere wiederum nicht, käme es zu manuellen Fehlinterpretationen. Außerdem könnten den palpierenden Fingern bei geringer Tastempfindlichkeit einige Fluktuationen entgehen. Laut Moskalenko et al. soll hierin auch die Erklärung für die Angabe verschiedener kraniosakraler Rhythmen (langsame, mittlere und schnelle Tide) liegen (Moskalenko et al. 2005).
Die nach der osteopathischen Behandlung eintretenden Änderungen lassen sich aber mit der manuellen und instrumentellen Messung vergleichbar gut erfassen. Eine instrumentelle Messung hat auf jeden Fall den Vorteil einer größeren Messgenauigkeit Messung:Kraniosakralrhythmusund ermöglicht es, Fluktuationen anderen Ursprungs, wie etwa Bewegungen durch die Zwerchfellatmung oder durch arterielle Druckschwankungen, vom Kraniosakralrhythmus zu unterscheiden.

Kritische Anmerkung

Es wäre aber unendlich schade, die Validität der kraniosakralen Behandlung einzig und allein an der Reliabilität des Kraniosakralrhythmus festzumachen!

Es gibt mehrere Themen, die mindestens genauso wichtig sind; denken wir beispielsweise an die Spannungsfreiheit der Suturen, die Compliance (Viskoelastizität) der Schädelknochen, die Ansätze der myofaszialen Strukturen am Schädel, die Ein- und Austrittsstellen der Blutgefäße des Schädels oder die Vasomotion der kranialen Gewebe!

Wenn man den Geweberhythmus oder den Kraniosakralrhythmus als ein Interferenz- oder Entrainmentmuster betrachtet, dürfte es eigentlich nicht überraschen, dass die Intratester- und Intertester-Reliabilität der Quantität dieses Rhythmus uns nicht unmittelbar weiterhelfen kann.

Verschiedene kraniosakrale Rhythmen
Die Angaben zu den Geweberhythmus:InterferenzmusterGeweberhythmus:Entrainmentkraniosakralen Rhythmen variieren sehr stark zwischen 0,25 und bis zu 14 Zyklen pro Minute:
  • Becker spricht beispielsweise von einer schnellen Tide mit 8–12/min und einer langsamen Tide mit 0,4/min (Becker 1997).

  • Tide:schnelleTide:langsameJealous Tide:mittlereunterscheidet zusätzlich noch eine mittlere Tide mit 2,5/min (Jealous 1997).

  • Podlas stellte mittels CT verschiedene Rhythmen von 2,5/min bis 0,25/min fest (Podlas 1984).

Die schnelle Tide wird meistens als Kraniosakralrhythmus angegeben. Daneben spricht man von einer mittleren und einer langsamenKraniosakralrhythmus:Tiden Tide (Sills 2001, Kern 2005). Kern beschreibt, wie sich der Breath of Life in diesen drei Tiden übermittelt (Kern 2005). Es stimmt nachdenklich, dass Sutherland selber nie genaue quantitative Angaben zur Frequenz des Kraniosakralrhythmus gemacht hat, sondern dass dies erst nach ihm passierte.
Nach den biodynamischen Ansätzen befindet sich in unserer Mitte, dem sogenannten Kern, eine dynamische Stille, die unserer tiefsten Natur entspricht. Die fünf Kernverbindungen Stille:dynamischebestehen aus dem Liquor cerebrospinalis, dem zentralen Nervensystem, Hirn- und KernverbindungenRückenmarkshäuten (Meningen), Schädelknochen und Sakrum. Dieser essenzielle Grundstatus (dynamische Stille) liegt wie der Boden der Ozeane unseren Wesenszügen und unserer Persönlichkeit zugrunde (Kern 2005).
Viele spirituelle Lehren suchen nach diesem erleuchteten Zustand durch Konzentration und Rückzug auf sich selbst. Aus physiologischer Sicht könnte man es sich wie einen Zustand vorstellen, in dem der Herzrhythmus, Atemrhythmus, Geweberhythmus und die Hirnwellen kohärent interferieren.
Meiner Meinung nach handelt es sich bei den von Osteopathen angegebenen langsamen, mittleren und schnellen Tiden um eine langsam zunehmende, gemeinsame Interferenzbewegung (von Patient und Therapeut) von einer anfänglich schnelleren zu einerInterferenzbewegung:Tiden Interferenzbewegung:Still-pointdarauf folgenden langsameren Tide bis hin zu einem (wünschenswerten) Still-point (und umgekehrt: von einer langsamen zur schnellen Bewegung). Dabei sollte es vor allem der Therapeut sein, der den Patienten in eine Verlangsamung seines Geweberhythmus mitnimmt, und nicht umgekehrt. Der Therapeut sollte dementsprechend überprüfen, Geweberhythmus:Tidenob er selber entspannt und ausgeglichen genug ist.

Dynamische Stille

Für jeden Menschen (auch für den Therapeuten!) ist es wichtig und erstrebenswert, sich regelmäßig durch Ruhepausen, Meditation, Entspannung herunterzufahren und eine dynamische Stille in seiner Mitte zu suchen.

Das ist eine wichtige Voraussetzung, seine Gesundheit und Ausgeglichenheit zu bewahren und den Stoffwechsel zu optimieren.

Sutherlands Konzept
Die Bewegungsmuster der kranialen Knochen Stille:dynamischeimdynamische Stille Rahmen des Kraniosakralrhythmus bilden bekanntlich Bewegungsmuster:Schädelknochenein polarisierendes Paradigma in der Osteopathie. Die zuerst von Sutherland aufgestellte mechanistische Theorie sollte vernünftigerweise in ihrem historischen Kontext betrachtet werden, also im Zeitalter der Postmoderne. Die Neuerungen der industriellen Revolution mit ihren Achsen, Rädern, Dampfmaschinen und Antriebsstangen hallten noch stark nach. Ganz im Geiste der damaligen Zeit kombinierte Sutherland dann auch die mechanistischen Bewegungen der paarigen Schädelknochen als eiernde Zahnradbewegungen mit den vitalistisch pulsierenden Schädelknochen:BewegungenPumpbewegungen des Gehirns, die das Os sphenoidale antreiben sollten. Zudem betrachtete er (durch die aufblühenden Naturwissenschaften zunehmend fundiert) die Elektrizität als vitale Kraft, die es ermöglichte, Sauerstoff und Gesundheit im menschlichen Körper zu verbreiten.
Darüber hinaus war Sutherland von dem Vergleich der Sutura sphenosquamosa des menschlichen Schädels mit den Kiemen eines Fisches angetan. Er suchte nach einem Erklärungsmodell für die Funktion der Beweglichkeit der Suturen und fand sie in Form eines primären Atemmechanismus. Demzufolge Suturenbeweglichkeit:nach Sutherlandbezweifelte er die Ansicht seiner Kollegen, dass die Suturen früh verknöchern. Er war überzeugt, dass die Gewebe und alle Zellen atmen, und versuchte deshalb, die feinen Bewegungen der Gewebe aufzuspüren.

Wissenschaftlichkeit

Sutherland forderte ebenso wie Still, dass Kritik im wissenschaftlichen Sinn geübt werden müsse, um Wissen zu erlangen und nicht nur Informationen zu sammeln!

Berühmt sind mittlerweile seine Selbstversuche. So untersuchte er die Mobilität der kranialen Suturen, indem er einen umgebauten Football-Helm auf seinem Kopf festzurrte und den Schädel einer zunehmenden Kompression aus verschiedenen Richtungen aussetzte. Dabei stellte er (bzw. seine Frau) an sich selbst Symptome wie z. B. Druck, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Verwirrtheit fest.

Sutherland hat den Rest seines Lebens damit zugebracht, die Bedeutung von Spannungen und Bewegungseinschränkungen im kranialen Bereich zu untersuchen.

Sutherlands kraniales Konzept gründet auf Swedenborgs Suturenbeweglichkeit:Selbstversuche SutherlandsVorstellungen (Hartmann 2010) (Kap. 1.6.1). Das kraniales Konzept:Sutherlandschwedische kraniales Konzept:SwedenborgUniversalgenie Swedenborg hatte im 18. Jahrhundert eine intrinsische rhythmische Bewegung des Gehirns und der beweglichen Schädelnähte in Form einer Expansion und Kontraktion mit entsprechenden Bewegungen der kranialen Membranen und Knochen angegeben (Swedenborg 1938). Obwohl Swedenborg sehr interessante Auffassungen vertrat, wurde er wegen seiner theosophischen Lehre und seiner Gespräche mit Engeln und Geistern von den damaligen Gelehrten leider stark kritisiert (Kap. 1.6.1). Gross hält Swedenborg trotzdem für einen Neurowissenschaftler, der seiner Zeit weit voraus war (Gross 1997).
Gehirnpulsationen
Pulsationen des Gehirns und Druckschwankungen innerhalb des Schädels, die meist nach traumatischen Schädelknochendefekten beobachtet wurden, haben schon sehr früh die Aufmerksamkeit der Untersucher auf sich gezogen. Schon Hippokrates und Galen waren Hirnbewegungen im Rhythmus von Puls und Atmung bekannt.
Im 19. Jahrhundert führte man diese Hirnbewegungen:PulsationenHirnbewegungen:DruckschwankungenBewegungen (Pulsationen, Druckschwankungen) zunehmend auf eine passive Anhebung des Gehirns durch angrenzende Arterien, auf respiratorische Bewegungen des Liquors und auf Veränderungen der Blutfüllung des Schädels zurück. Mittlerweile ist eine inhärente Motilität nicht nur des Gehirns und des Rückenmarks, sondern auch des Gewebes wissenschaftlich bestätigt. Bei Motilität:inhärenteder Untersuchung der Gehirnpulsationen mittels MRT (Greitz et al. 1992) zeigte sich, dass Aktin, Mikrotubuli und Flimmerhaare (Kinozilien) an dieser Motilität beteiligt sind.
Bedeutung für die Praxis
Eine Reduktion der kraniosakralen Arbeit auf einen festgelegten Kraniosakral-/Geweberhythmus erscheint mir wie die kraniosakrale Arbeit:wichtige Strukturen/Elementetraurige Entwürdigung eines wunderbaren Lebensprozesses.
Es sollen mindestens folgende Strukturen und Elemente untersucht und bei Bedarf behandelt werden (ohne Anspruch auf Vollständigkeit). Die Wahrheit liegt dabei, individuell unterschiedlich, im fluktuierenden Matrixnetz irgendwo in der Mitte:
  • venöse Abflüsse des Schädels und der Wirbelsäule,

  • myofasziale Ansätze am Schädel,

  • suturale Spannungen,

  • intraossäre Spannungen,

  • meningeale Spannungen,

  • Mobilität der Schädelknochen,

  • emotionale Spannungen,

  • biomagnetische und elektrische Felder, sowohl des Patienten als auch des Therapeuten.

Ein Vergleich zwischen den Kraniosakralrhythmen von verschiedenen Patienten wird demzufolge sicherlich erschwert werden. Auch dass gleichzeitig an verschiedenen Körperstellen eines Patienten Rhythmen spürbar sind, ist schwer interpretierbar.

Metaphysik oder Physiologie?

Sommerfeld et al. geben an, dass nicht geklärt ist, was ein Therapeut als primären respiratorischen Mechanismus (Kraniosakralrhythmus, Geweberhythmus, Atem des Lebens) wahrnimmt. Sie deuten diesen Mechanismus deswegen eher als ein metaphysisches und weniger als ein physiologisches Konzept (Sommerfeld et al. 2004).
Viele Osteopathen, Kraniosakraltherapeuten und Körpertherapeuten spüren Bewegungen am Schädel, doch wenn sie sich diese feinen Schädelbewegungen mit komplexen mechanischen Drehachsen der einzelnen Schädelknochen bildlich vorstellen wollen, sind sie verunsichert und kommen spätestens bei den mechanistischen Beschreibungen der Zahnradbewegungen des Os temporale oder des Os zygomaticum und beim Versuch, die einzelnen Knochenbewegungen zusammenzufügen, ins Schleudern.
Über kirchliche und medizinische Dogmen
Wenn man dazu noch diese Komplexität evidenzbasiert messen will und sich ihr ohne jegliches Fingerspitzengefühl anzunähern versucht, droht man tatsächlich schnell in ein Dogma der katholischen Kirche, wie manche Kritiker den Kraniosakralrhythmus abtun, abzurutschen (Von Heymann & Kohrs 2006). Man könnte sich allerdings auch fragenKraniosakralrhythmus:als Dogma, ob das Fehlen eines Beweises auch wirklich einen Beweis für das Fehlen darstellt?
Thure von Uexküll merkte kritisch an, die Humanmedizin suche mit naturwissenschaftlichen Methoden nach den maschinellen Zusammenhängen im Organismus und kümmere sich dabei wenig darum, dass sie auf diesem Wege keine Aussicht hat, jemals den Kranken als Subjekt in den Blick zu bekommen (v. Uexküll 1980). Das Dogma der katholischen Kirche führte im Mittelalter dazu, dass jede Handlung von der Gewissheit (und der Angst) vor Vergeltung im Jenseits durchdrungen war. Mittlerweile ist jede medizinische Handlung von der Gewissheit durchdrungen, dass die Wirklichkeit aus isolierten Materieteilchen und biochemischen Reaktionen besteht und die Erlösung des Menschen durch den technischen Fortschritt erfolgen wird. Die moderne Medizin und die moderne Osteopathie haben anscheinend Gott verjagt und durch Wissenschaft und Technik ersetzt. Die Institution, die darüber wacht, ist nun nicht mehr die katholische Kirche, sondern die evidenzbasierte Wissenschaft (☺).
Die Beiträge von beispielsweise Gottfried Leibniz, Karl Ernst von Baer, Claude Bernard, Franz Josef Gall und unzähligen anderen werden leider gerne vergessen oder sogar belächelt. Kant hatte eigentlich bereits den Glauben an das Ding an sich, den Glauben an die Materie (neuerdings Genetik und Biochemie), als ein Dogma entlarvt.
Ich glaube trotzdem, dass der anfänglich mechanistische Versuch von Sutherland, die Komplexität von Suturen, Meningen, myofaszialen Strukturen zu erklären, eine äußerst wertvolle Hypothese in der Geburtsstunde der Osteopathie dargestellt hat! Erst im Alter von 75 Jahren begann Sutherland, den Breath of Life und die Potency oder das flüssige Licht innerhalb der Flüssigkeiten in die Diagnose und Behandlung Potency:als inhärente Krafteinzubeziehen. Diese geheimnisvolle Kraft (Potency) kann den Körper von innen heraus (als selbstkorrigierendes System), ohne äußere Krafteinwirkung des Behandlers, ändern und als biodynamische Kraft bezeichnet werden. Sutherland vertraute nun mehr auf die inhärente Kraft oder Intelligenz (Breath of Life) im Liquor cerebrospinalis als korrigierende Kraft, und nicht mehr so sehr auf die Breath of Life:als inhärente KraftDruckanwendung oder die Technik des Therapeuten.

Flüssigkeitshypothese und fluidale Schädelbewegungen

Im Sinne einer Ehrerbietung gegenüber Swedenborg, Still und Sutherland erscheint mir die Zeit nun reif geworden, ihre Flüssigkeitshypothese weiterzutragen. Ich möchte demzufolge die Bewegungen der 28 Schädelknochen (inklusive FlüssigkeitshypotheseGehörknöchelchen) von festgelegten Achsen abkoppeln und sie im Rahmen der Körperflüssigkeiten lieber als geschmeidig- weiche fluidale Wellenbewegungen der Vasomotion denn Körperflüssigkeiten:fluidale Bewegungenals knarrend ächzende Radbewegungen beschreiben. Die Bewegungen fühlen sich Vasomotion:fluidale Bewegungenentsprechend eher an- und abschwellend an, wie schaukelnde, pumpende Atembewegungen im ganzen Körper.
Die Schädelknochen drehen sich nicht nur, sondern dehnen sich Atembewegungen:an- und abschwellendegewissermaßen auch viskoelastisch aus und schrumpfen wieder zusammen.
An- und abschwellende Schädelbewegung
Nach der kraniosakralen Theorie erlaubt das Tentorium cerebelli durch seine räumliche Verschiebung (Horizontalisierung) während der Anschwellbewegung (Flexion) ein laterolaterales Verbreitern (Anschwellen) des Schädels. Gleichzeitig wird Anschwellbewegung (Flexion):kraniosakraleaber durch die Viskoelastizität der Falx cerebri und Falx cerebelli eine größere Dehnung dieser Strukturen in kraniokaudaler und dorsoventraler Richtung verhindert. Darüber hinaus verschieben sich Falx cerebri, Falx cerebelli und die spinale Dura mater kaudalwärts, um der Anteriorisierungsbewegung des Sakrums zu folgen. Somit schwillt der Schädel während der Flexionsphase (Anschwellphase) hauptsächlich in laterolateraler Richtung an sowie in Flexionsphase:Anschwellphasekraniokaudaler und dorsoventraler Richtung ab, wenn sich das Sakrum anteriorisiert (Abb. 4.10).
Während der kraniosakralen Abschwellbewegung (Extension) verschiebt sich das Tentorium cerebelli räumlich (Vertikalisierung) und lässt Abschwellbewegung (Extension):kraniosakraleein laterolaterales Verschmälern (Abschwellen) des Schädels zu. Durch dieses Abschwellen verschieben sich Falx cerebri, Falx cerebelli und die spinale Dura mater kranialwärts, was mit einem Posteriorisieren des Sakrums und einer Zunahme des Schädeldurchmessers in kraniokaudaler und dorsoventraler Richtung einhergeht (Abb. 4.10). Es fehlen allerdings wissenschaftliche Beweise für diese kraniosakrale Arbeitshypothese.

Praktische Bedeutung

Jede Sutur, jede myofasziale Struktur, die am Schädel ansetzt, jede Spannung eines Schädelknochens (z. B. posttraumatisch), kann diese fluidale Mobilität stören. Es wäre demzufolge sinnvoll, die Beweglichkeit der einzelnen Strukturen (Suturen, Schädelknochen, Muskeln, Meningen) zu testen und bei Bedarf zu behandeln.

Welche Bereiche des Schädels (Körpers) und speziell welche Schädelknochen die Anschwell- und Abschwellphase mehr/weniger oder gar nicht mitmachen, mit welcher Intensität und Qualität sie es tun, erscheint mir wichtiger, als die Frequenz des Geweberhythmus herauszufinden.

Während der primären Inspiration (Anschwellphase) schwillt nicht nur Suturenbeweglichkeitder Schädel an, sondern der ganze Körper richtet sich auf (Mittellinie). Anschwellphase:primäre InspirationDabei vollführen die lateralen Körperteile eine Art Außenrotation (weg von der Körpermitte). Die kreuzenden posterioren Myofaszialketten (KPM, vgl. Meert 2009) können hierbei unterstützend wirken, indem sie die Myofaszialketten:kreuzende posteriore (KPM)Extremitäten in eine Außenrotation und die Körpermitte zum Aufrichten führen (Abb. 4.11).
Während der primären Exspiration (Abschwellphase) schwillt nicht nur der Schädel ab, sondern der Körper rollt sich in einer Art InnenrotationAbschwellphase:primärfe Exspiration (zur Körpermitte hin) zusammen und sackt dabei auch etwas in sich zusammen. Das Zusam mensacken in der Mittellinie und die Körperdrehung zur Mitte (Innenrotation) hin wird vor allem von den kreuzenden anterioren Myofaszialketten (KAM, vgl. Meert 2009) unterstützt (Abb. 4.11).
Daraus lassen sich wertvolle Myofaszialketten:kreuzende anteriore (KAM)Überlegungen ableiten:
  • Sind vielleicht Hypertonien der an ihnen ansetzenden myofaszialen Elemente dafür verantwortlich, dass Schädelknochen eine schlechte Bewegungsqualität aufweisen? Durch die Kaumuskulatur wird beispielsweise gerne die Mobilität des Os sphenoidale, der Ossa temporalia und der Ossa parietalia eingeschränkt, und in diesen Muskeln schlagen sich häufig emotionale Belastungen und Sorgen nieder.

  • Ein anderes Beispiel ist das Trio aus Galea aponeurotica, M. occipitofrontalis und M. temporoparietalis, das die Knochen des Schädeldachs gerne in Extension hält und fixiert.

  • Sind Suturen möglicherweise posttraumatisch verkeilt und behindern dadurch die Gewebeatmung des Schädels? Und/oder liegen emotionale Belastungen, negative Gedanken, ein verspanntes Zwerchfell vor, die den Geweberhythmus blockieren?

  • Ist dieser Mensch vielleicht so dogmatisch-halsstarrig oder verängstigt und verkrampft, dass er unfähig ist, psychoemotional loszulassen, sich einen Schutzpanzer zugelegt oder eine Mauer um sich errichtet hat und dadurch in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist?

Feinheit der Bewegungsqualität

Die minimalen Bewegungen der Schädelknochen beim Geweberhythmus lassen sich meiner Meinung nach kaum mit groben angulären Gelenkbewegungen um starre Bewegungsachsen vergleichen. Umso interessanter ist es, sich über die Zusammensetzung, den Aufbau und die Funktion der Suturen Gedanken zu machen (Kap. 11.5).

Vergleichbarkeit von Geweberhythmus und Vasomotion

Gewebe führen mit ihren interstitiellen Flüssigkeiten (und damit unvermeidlich auch mit Energie!) pulsierende Eigenbewegungen (Peristaltik), im Sinne der Vasomotion oder Zell-/Gewebeatmung, aus (Meert 2007). Es ist schwierig, diese flüssige, lebendige Bewegung mit den kraniosakralen Bewegungen der Schädelknochen um genau festgelegte Achsen vergleichen bzw. kombinieren zu wollen. Es handelt sich dabei aber eigentlich um extrem kleine Anschwell- und Abschwellbewegungen, wobei sich die Bewegung im Bereich einer Sutur in einer Größenordnung von etwa 250 m ( mm) abspielt (Zanakis et al. 1996) und zusätzlich minimale viskoelastische (intraossäre) Verformungen der Schädelknochen stattfinden (Abb. 4.12).
Der Schädel als Wasserballon
Aus meiner Sicht ist es aber sinnvoll, den sogenannten Kraniosakralrhythmus (Geweberhythmus) mit der geschmeidigen gezeitenähnlichen Vasomotion der Gefäße und den Atembewegungen des Geweberhythmus:Vergleich mit VasomotionZwerchfells zu vergleichen und auch hämodynamische Aspekte zu integrieren (Kap. 7). Die damit zusammenhängenden rhythmischen Druckänderungen in verschiedenen Körperkompartimenten (Abdomen, Thorax) ähneln dem Aufblasen und Entleeren eines Wasserballons. Allerdings gibt es am Schädel ein Zuggurtungsprinzip (Halteseil) durch die Meningen mit zusätzlichen individuellen Verstrebungen durch die Suturen. Es bleibt Zuggurtungsprinzip:Schädeldeswegen sinnvoll, die Meningen:ZuggurtungsprinzipBeweglichkeit der verschiedenen Schädelknochen bei Bedarf einzeln zu untersuchen bzw. zu behandeln!
Weil der Schädel neben Suturen und myofaszialen Ansätzen über eine Rahmenkonstruktion verfügt, die sowohl aus knöchernen Schädel:als\\"Wasserballon\\"Verstärkungen in den Wänden des Wasserballons als auch aus Zuggurtungen und Bändern (Meningen und myofasziale Strukturen) innerhalb des Ballons aufgebaut ist, erscheint es einleuchtend, dass der Schädel nicht schön rund und in allen Bereichen gleichmäßig stark anschwillt. Genau das geben Osteopathen bei der Palpation auch an (Kap. 11.4). So entsteht beim Verbreitern des Schädels in der Anschwellphase (Flexion) ein Zug am Tentorium cerebelli, der sich auf die Falx cerebri überträgt, sodass der laterolaterale Durchmesser zunimmt und gleichzeitig der kraniokaudale und dorsoventrale Durchmesser des Schädels abnimmt (Abb. 4.10).
Rhythmische Stoffwechselbewegungen
Bei den rhythmischen Vasomotionsbewegungen des Gewebes und der Flüssigkeiten spielen mehrere Elemente wie Atmung, Peristaltik, myofasziale Vasomotionsbewegungen:ElementeKontraktionen, von außen einwirkende Belastungen, Herzrhythmus, Eigendynamik der Gefäße usw. eine Rolle.
Auch im Stoffwechselgeschehen treten rhythmische Wellen- und Sogbewegungen im Interstitium und Kapillarbereich auf. Während der Anspannungsphase der glatten Muskel- und Endothelzellen der Kapillarbereich:FiltrationKapillaren findet eineKapillarbereich:Anspannungsphase Filtration aus den Gefäßen ins Anspannungsphase:KapillarenInterstitium und während der Entspannungsphase der glatten Muskel- und Endothelzellen der Kapillaren umgekehrt eine Reabsorption aus dem Interstitium Entspannungsphase:Kapillarenin die venösen (zu 90 %) und Kapillarbereich:Reabsorptionlymphatischen (zu 10 Kapillarbereich:Entspannungsphase%) Kapillaren statt. Diese Bewegungen sind meiner Meinung nach wichtige Elemente der primären Inspiration bzw. primären Exspiration des Kraniosakralrhythmus.

Verschiedene Richtungen innerhalb der Osteopathie

Im Hinblick auf die Bewegungen der Schädelknochen haben sich allgemein folgende große Richtungen entwickelt:
  • Sutherland sprach von einer Osteopathy in Schädelknochen:Bewegungenthe cranial field und wollte sowohl biomechanische als auch Osteopathie-Richtungen:osteopathy in the cranial fieldbiodynamische Kräfte einsetzen. Sutherland machte wie Still eine Entwicklung im Laufe seines Lebens durch, die ihn von seinem anfänglich biomechanischen Ansatz (geprägt von Achsen und Zahnrädern) mit den Jahren zu mehr biodynamischen Sichtweisen führte, wobei er zunehmend mit der inhärenten Kraft des Breath of Life arbeitete. Nach ihm fand eine Aufteilung in verschiedene Ansätze statt, und zwar nicht nur im kranialen Bereich, sondern im ganzen Arbeitsfeld der Osteopathie (Kap. 2.3 und Kap. 2.5.1Kap. 2.3Kap. 2.5.1).

  • Von der Kranialen Osteopathie werden die Bewegungen der Schädelknochen meistens als Osteopathie-Richtungen:kraniale Osteopathiesynchrone Bewegungen beschrieben. Normalerweise bewegen sich alle Schädelknochen rhythmisch Schädelknochen:Bewegungengleichzeitig in eine Flexion (Außenrotation) und danach alle gleichzeitig in eine Extension (Innenrotation). Man kann diesen Ansatz als biomechanisch bezeichnen. Hierbei werden vor allem mobilisierende Kräfte von außen (eingreifende mechanische Technik im Vordergrund) angewandt.

  • In der Chiropraktik werden stattdessen gegenläufige Bewegungen angegeben: So bewegt sich einer der paarigen Chiropraktik:SchädelknochenbewegungenSchädelknochen in Außenrotation und der andere gleichzeitig in Innenrotation (z. B. Ossa parietalia oder Ossa temporalia). Dieser Ansatz ist oft sehr mechanisch und physikalisch geprägt.

  • Von der Sakrookzipitaltechnik und angewandten Kinesiologie werden Schlüsselstellen am Schädel aufgesucht, um die assoziierten SakrookzipitaltechnikMuskeln auf ihre Stärke bzw. Schwäche zu Kinesiologie:angewandtetesten und Informationen über den Körperzustand zu erhalten.

  • Manche spirituellen Richtungen der sogenannten Kraniosakraltherapie deuten den Kraniosakralrhythmus weniger als Knochenbewegung, denn als Bewegung des Kraniosakraltherapie:Schädelknochenbewegungenelektrisch-energetischen Körperfeldes aus Informationen und Intelligenz. Menschen mit medialen Fähigkeiten scheinen dieses Feld spüren und sogar sehen zu können. Die mechanistischen Bewegungen der Schädelknochen um Achsen werden von der Kraniosakraltherapie weggelassen und stattdessen biodynamisch verschiedene Bewusstseinsebenen angesteuert und emotionale sowie psychologische Aspekte mit berücksichtigt (Upledger 1999, Milne 1995, Sills 2001, Kern 2005). Auch das Fließen des Qi und Reinkarnationsebenen werden manchmal integriert. Man könnte es darauf zuspitzen, dass sich die biodynamischen Ansätze vor allem auf Kräfte von innen heraus (inhärente oder innewohnende Selbstheilungskräfte) konzentrieren. Milne biodynamische Ansätzebetrachtet beispielsweise die Bewegung jedes einzelnen Schädelknochens als ähnlich starkes individuelles Erkennungsmuster eines Menschen wie seine Handschrift oder sein Fingerabdruck (Milne 1995).

  • Als Erweiterung der kranialen Osteopathie und Kraniosakraltherapie möchte ich hier die geschmeidigen, fluidalen Anschwell- und Abschwellbewegungen des Schädels angeben, die mit dem komplexen Geweberhythmus (Vasomotion, Zellatmung) in Verbindung Schädelbewegungen:fluidalestehen. Schädelbewegungen:an- und abschwellendeShea spricht in diesem Zusammenhang von biodynamic craniosacral therapy (Shea 2007, 2008). Diese Bewegungen können synchron oder asynchron ablaufen. Der Idealzustand wären wahrscheinlich völlig synchrone Schädelknochen- und Gewebebewegungen, mit gleichen Phasen aller Körperrhythmen, was aber eher unerreichbar erscheint oder dem man wahrscheinlich nur (wenn überhaupt) in einem tiefen Meditationszustand näherkommen kann. Physiologie und Funktionalität bedeuten demzufolge nicht unbedingt synchrone Vollkommenheit!

Wichtige Anmerkung

Ich möchte darauf hinweisen, dass ich in diesem Buch keine Wertung zwischen den verschiedenen theoretischen Ansätzen für die Arbeit im kranialen Bereich vornehme.

Ich möchte mich ausdrücklich von einer Scharlatanisierung einzelner Sichtweisen distanzieren und habe deswegen die verschiedenen Therapieansätze zu einer kraniosakralen Osteopathie zusammengefügt. Denn alle beschriebenen Ansätze beinhalten wertvolle Aspekte! Die Terminologie verwende ich wertfrei und gemischt.

Auch hier halte ich es für angebracht, ein Sowohl als auch zuzulassen und nicht zu polarisieren! Es dürfte eben sinnvoll sein, manchmal mehr biomechanisch und manchmal mehr biodynamisch zu agieren!

Kohärenz statt fester Rhythmen
Das Streben nach Kohärenz (Angleichung der verschiedenen Rhythmen, auch Entrainment oder Synchronisation genannt) und nach größerer Variabilität (Rhythmen:KohärenzRhythmen beschleunigen, Rhythmen:Entrainmentabbremsen oder sogar kurz stoppen können), also nach einem gewissen Variabilität:RhythmenZusammenhang (nicht nur bei der Rhythmen:VariabilitätBehandlung, sondern auch im tagtäglichen Leben), erscheint mir sinnvoller, als einen illusorischen festen (langsamen, mittleren oder schnellen) Rhythmus anzustreben.
Praktisch kann es hilfreich sein, zumindest Atem-, Herz- und Gewebefrequenz zu verlangsamen, zu harmonisieren und aufeinander abzustimmen. Dazu ist es wichtig, die Aufmerksamkeit nach innen (auf den Atemrhythmus oder auf den Geweberhythmus des Patienten) zu lenken und kognitive Aktivitäten und Atemrhythmus:Herz- und Gewebefrequenz harmonisierenAblenkungen beiseite zu schieben. Die Wahrnehmungskompetenz lässt sich durchaus vergrößern, und jedem Patienten und Therapeuten stellt sich die Aufgabe, für eine Ontogenese seiner Wahrnehmungskompetenz zu sorgen.
Studien zur Heartrate Variability belegen, wie wichtig die Variabilität der Herzfrequenz für ein gesundes Herz ist. Wissenschaftler wie Niels Birbaumer zeigten sogar, Variabilität:Herzfrequenzdass sich Epilepsieanfälle vermeiden Herzfrequenz:Variabilitätlassen, wenn der Patient sich auf die langsamen kortikalen Potenziale im EEG konzentriert (Kotchoubey et al. 1996, Rockstroh et al. 1993, Kaiser et al. 2001).
Selbstverständlich können von außen einwirkende Belastungen einzelne Schädelknochen und Gewebe zu einer gewissen Energiespeicherung zwingen, was sich aber über die myofaszialen Verbindungen, die reziproken Membranen und die einzigartigen Schädelknochen meistens auf den ganzen Schädel auswirkt. Jedes Gewebe kann so seine eigene Geschichte beinhalten. Die gespeicherte Energie und Spannung mit kraniosakralen Techniken aufzulösen, kann dabei eine sinnvolle Behandlung darstellen.
Erklärungsmodelle für den Kraniosakralrhythmus
Seit Sutherland sind Osteopathen auf der Suche nach einem geeigneten Modell, um den Kraniosakralrhythmus zu erklären.
Die wichtigsten Erklärungsmodelle möchte ich hier in Kurzform wiedergeben:
  • Sutherland Kraniosakralrhythmus:Erklärungsmodelleund Magoun gaben das pulsierende Gehirn mit der Erklärungsmodelle:Kraniosakralrhythmusperiodischen Kontraktion der Astrozyten als hydraulische Pumpe für die Bewegung des Liquor cerebrospinalis (LCS) an (Magoun 1976). Feinberg und Mark konnten mit MRT-Untersuchungen eine pulsierende Bewegung des Gehirns synchron zur Systole des Herzens feststellen (Feinberg & Mark 1987).

  • Becker macht extrakraniale Muskeln für die Bewegung des LCS verantwortlich (Becker 1977). Ferguson vertritt eine neuromuskuläre Hypothese, der zufolge der Kraniosakralrhythmus (CSR) von den Muskeln ausgeht (Ferguson 1991).

  • Upledger gibt die rhythmische LCS-Produktion im Plexus choroideus als Motor für den Kraniosakralrhythmus an (Upledger 1983).

  • Laut Nortons Gewebedruck-Hypothese (tissue pressure model) spielen kardiovaskuläre und respiratorische Oszillationen gemeinsam eine Rolle (Norton 1991 und 1996). Interessanterweise hält er sowohl Druckschwankungen beim Patienten als auch beim Therapeuten für wichtig.

  • McPartland und Mein haben mit der Entrainment-Hypothese eine weitere interessante Hypothese aufgestellt (McPartland & Mein 1997). Sie besagt, dass alle Rhythmen, Fluktuationen und elektrischen Felder des Körpers miteinander in Einklang kommen und sich dann letztendlich im CSR widerspiegeln.

  • Als Nelson et al. mit Laser-Doppler-Flowmetrie und Palpationsuntersuchungen den Kraniosakralrhythmus mit Traube-Hering-Mayer-Oszillationen verglichen, fanden sie eine erstaunliche Übereinstimmung (Nelson et al. 2001). Diese Oszillationen entstehen vermutlich durch Vasomotions- und Blutdruckschwankungen.

  • Walter et al. beschrieben drei Wellentypen von Änderungen des intrakranialen Drucks: A-Wellen, B/C-Wellen und P-Wellen (Walter et al. 2002, Meert 2007).

  • Oschman betrachtet die Patient-Therapeut-Beziehung interessanterweise unter dem Aspekt einer Energiekopplung mit Interferenzmuster (Oschman 2003 und 2006).

Zusammenfassung und Ausblick

Zusammenfassend wird deutlich, dass es sich beim Kraniosakralrhythmus um ein komplexes Geschehen handelt, das noch nicht ganz verstanden wird.
Der Osteopath befindet sich dabei in einer seltsamen Schieflage, einer etwas schizophrenen Situation: Denn einerseits besteht seine Aufgabe darin, den Patienten zu berühren und sich damit auch einen sehr individuell-geprägten, einzigartigen Eindruck von diesem Menschen zu verschaffen, wobei es keine festgelegten, optimalen Referenzen gibt. Jeder Mensch ist eben ein Unikum und Individualität ist das, was Leben ausmacht und sich in keinem starren Gesetz verankern lässt. Andererseits müsste er aber aus Sicht der sogenannten Evidence-based Medicine Reproduzierbarkeit anstreben und Daten und Erfahrungen sammeln, damit eine sinnvolle Strategie und ein besseres Verständniskonzept ausgearbeitet werden kann.
Das Unmögliche wagen
Warum sollte es aber eigentlich unmöglich sein, hierbei das Logische mit dem Künstlerischen, das Denken mit dem Fühlen, das Widerspruchsfreie mit dem Lebendigen, Unerwarteten zu kombinieren? Sollten Naturwissenschaften nicht auch Lebenswissenschaften sein?
Man müsste eigentlich nur den Denkrahmen etwas lockern und einräumen, dass verschiedene Wahrheiten sich gegenseitig ergänzen können (Kap. 1). Wie in der Quantenphysik Materie sowohl Teilchen als auch Welle ist, so ist auch ein lebendiges Wesen als Körper-Geist sowohl Stoff als auch Geist/Seele und damit eindeutig ein Subjekt! Es erscheint mir mittlerweile etwas unüberlegt, über genaue Angaben zur Frequenz des Geweberhythmus (Kraniosakralrhythmus) und zur Bewegungsrichtung eines Schädelknochens streiten zu wollen.

Kein starrer Rhythmus

Beim Gewebe- oder Kraniosakralrhythmus scheinen sowohl passive (z. B. elastische Eigenschaften der Gefäße) als auch aktive Elemente (wie Vasomotion und Muskelaktivität) eine wesentliche Rolle zu spielen. Aus dieser Sicht ist es selbstverständlich kein starrer, einfach linear reproduzierbarer Rhythmus zu erwarten, genauso wenig wie fixe Bewegungsachsen bei den fluidalen Schädelbewegungen!

Milne weist zu Recht darauf hin, dass es armselig und kontraproduktiv wäre, den Kopf des Patienten an Muster aus dem Lehrbuch anzupassen (Milne 1995)!

Interferenzmuster und Variabilität des Rhythmus
Die kraniosakrale Osteopathie Kraniosakralrhythmus:aktive und passive ElementeGeweberhythmus:aktive und passive Elementeermöglicht es meiner Meinung nach, Patienten mit einem einzigartigen Tanz in Richtung einer schöpferischen Pause (Still-point) zu führen. Bewegung ist eindeutig Austausch von Informationen und demzufolge eine Form der Kommunikation. Das sollte weder überbewertet Bewegung:als Kommunikationsformnoch verworfen werden. Es bietet eben eine Chance für den Patienten, wenn auch nicht mehr. Die Viskoelastizität und Durchsaftung des Gewebes ist dabei so etwas wie der Bindestrich im Wort psycho-somatisch.
Verschiedene Oszillationen im Körper des Patienten interferieren miteinander und zeigen ein situationsgebundenes Interferenzmuster.
Das Beispiel (Oszillationen:Interferenzmuster Abb. 4.13) mit den zwei Wellen (W1 und W2) macht deutlich, wie komplex, wechselvoll, Interferenzmuster:Oszillationenindividuell und situationsgebunden unterschiedlich das Interferenzmuster (W3) im Körper eines Menschen ablaufen muss, wenn entsprechend viele Wellen miteinander interferieren. Denken Sie dabei etwa an die oben angegebenen Frequenzbereiche von Körperrhythmen (Kap. 4.7).
Logischerweise ist es da schwierig, eine Frequenz festzulegen, die mit Gesundheit übereinstimmen soll. Im Gegenteil, Gesundheit wird sogar eher durch die Variabilität des Rhythmus/Interferenzmusters geprägt sein. Demzufolge ist es wichtiger, den Geweberhythmus aufzuspüren Variabilität:Interferenzmusterund seine Qualität (Wie stark? Harmonisch? MitInterferenzmuster:Variabilität Still-points?) und Variabilität (Kann die Frequenz verlangsamt Geweberhythmus:Variabilitätoder beschleunigt bzw. gestoppt werden?) zu beurteilen statt allein die Quantität auszuwertenVariabilität:Geweberhythmus.
Nicht nur die Oszillationen des Patienten, sondern auch die Oszillationen des Behandlers spielen hierbei eine Rolle! Mit den Hands-on-Therapien entsteht nämlich zusätzlich noch ein zwischenmenschliches Interferenzmuster zwischen dem Patienten und dem Behandler, das mehr ist als nur ein internes Interferenzmuster beim Patienten (Abb. 4.15).
Um erneut Szent-Györgyi zu zitieren: Wenn man zwei Dinge zusammenbringt, produziert die Natur Interferenzmuster:Patient und Therapeutdemzufolge etwas Neues von neuer Qualität, die sich nicht als Eigenschaft der einzelnen Bestandteile ausdrücken lässt. Umgekehrt geht, wenn man Dinge trennt, immer etwas verloren, das vielleicht sogar das wesentlichste Merkmal war. (Oschman 2006, S. 119) Der Therapeut und der Patient produzieren gemeinsam, jeweils mit ihrem eigenen Geweberhythmus, ein neues Interferenzmuster von neuer Qualität! Wird die Palpation des Interferenzmusters eines Patienten einfach unterlassen, können wiederum wesentliche Merkmale verlorengehen und unbemerkt bleiben.
Destruktive und konstruktive Interferenz
Der Therapeut kann, wenn er dem Gewebe lauscht, beispielsweise zuerst über den leichter palpierbaren Atemrhythmus Kontakt aufnehmen, um im Rhythmus des Patienten mitzuschwingen und zu pumpen. Danach kann er seine Aufmerksamkeit zunehmend nach innen (in den Patienten) lenken und den Geweberhythmus des Patienten aufsuchen. Es ist eine sehr interessante Beobachtung, ob das Gewebe selbst Still-points setzt bzw. sie Geweberhythmus:Still-pointsakzeptieren/zulassen kann, wenn man sie induziert. Es kann aber genauso wichtig sein, sich bewusstzumachen,Still-points:Geweberhythmus dass man sich als Therapeut manchmal zurückhalten sollte, damit keine negativ wirkende Interferenz zwischen Patient und Therapeut entsteht.
Bei einem konstruktiven Interferenzmuster treffen die Wellenberge sozusagen genau aufeinander, was zu einer Verstärkung der Wellen führt. Bei dem destruktiven Interferenzmuster:konstruktivesInterferenzmuster trifft dagegen ein Wellenberg auf ein Wellental, was zu einer Abschwächung oder sogar Stilllegung der Wellen Interferenzmuster:destruktivesführt (Abb. 4.14).

Worin die Kunst besteht

Die Kunst oder das Können im Umgang mit Rhythmen und Wellen liegt darin, eine gemeinsame Welle zu finden. Dazu sollte der Therapeut seine Wellen so lenken, dass sie mit denen des Patienten interferieren, damit sozusagen gezielt eine Verstärkung (konstruktive Interferenz) oder auch eine kurzzeitige Abflachung (eventuell bis hin zu einem Still-point) der Welle (destruktive Interferenz) entsteht (Abb. 4.15).

Interferenzmuster als Hypothese
Obwohl aus der Chronobiologie bekannt ist, dass die Interferenzmuster:konstruktivesinnere Uhr Interferenzmuster:destruktivessich mit regelmäßig wiederkehrenden Umgebungsfaktoren (sogenannten Zeitgebern) synchronisiert und dass ChronobiologieOrganismen (leuchtende Glühwürmchen, zirpende Grillen) in Gruppen anscheinend ihren Rhythmus aufeinander abstimmen, sei allerdings darauf hingewiesen, dass die hier dargestellte Kohärenz, Synchronisation oder das Entrainment von Biorhythmen nur als praktische Hypothese dient. Aus wissenschaftlicher Sicht sorgt sie leider immer noch für heftige Biorhythmen:Entrainment-HypotheseMeinungsunterschiede und Skepsis. Dieser Mechanismus scheint weitaus subtiler zu sein, als es der momentane Stand der Wissenschaft erkennen lässt. Deswegen sollten wir auch sehr vorsichtig und undogmatisch mit solchen empirischen Erkenntnissen umgehen. Wir haben bereits angeführt, dass es beim Umgang mit Menschen menschelt und man ironischerweise zunehmend in eine Welt der Fuzzy Logic (unscharfen Logik) gerät (Kap. 2.3.14).
Wir sollten aber trotzdem nicht aufgeben und auch weiterhin versuchen, über Hypothesen eine Fuzzy Logic (unscharfe Logik)wissenschaftliche Basis für die Kunst der Osteopathie zu erarbeiten. Praktisch fängt man vielleicht am besten mit einfachen, aber trotzdem nicht unwichtigen Dingen wie einer sorgsamen Kontaktaufnahme mit dem Patienten und Beruhigen eines gestressten (Atem-)Rhythmus an.
Der richtige Umgang
Es stellt sich nun praktisch die Frage, ob die Körperrhythmen des Patienten eher beschleunigt oder abgebremst werden sollten. Manchmal kann es tatsächlich auch sinnvoll sein, über eine so genannte destruktive Interferenz (und zwar nur kurzfristig) einen sogenannten Still-point bei einem Patienten zu induzieren.
Auch die Frage Soll ich eingreifen oder es vielleicht einfach geschehen lassen? erscheint hier Still-point:induzierendurchaus angebracht!
Nicht jeder Mensch und nicht jedes Abwehrsystem ist stark genug, eine eingreifende Behandlung zu vertragen, geschweige denn zu überstehen. Das sollte man sich immer im Voraus überlegen, wenn man stark (mechanisch, chemisch, energetisch und/oder psychisch) eingreifen will. Manchmal ist eben weniger mehr. Es kann demzufolge manchmal sinnvoll sein, weniger einzugreifen und stattdessen passiv lenkend eine Ruhepause einzuleiten. Dazu eignen sich kraniosakrale Techniken besonders gut.
Es ist wünschenswert und lohnt sich, als Therapeut sozusagen nicht gespalten, sondern wohl durchdacht (anamnestische und diagnostische Hinweise berücksichtigen) und intuitiv-gefühlvoll (Emotionen, Rhythmen, Gespräche) an die Untersuchung und Behandlung des Patienten heranzugehen. Beides kann sich hervorragend ergänzen!
Menschen und Zellen vernetzen
Es stimmt nachdenklich, dass die Selbstheilungskräfte eines Organismus eigentlich von der rhythmischen Ordnung vegetativer Funktionen abhängig sind.
Anders ausgedrückt: Der Selbstheilungskräfte:und RhythmenVerlust des Rhythmus bedeutet eine Death-Line.
Mit einem Werbeslogan und einer Illustration möchte ich meine romantische Leidenschaft für die Rhythmen:SelbstheilungskräfteOsteopathie kundtun: Osteopathy is connecting people (Abb. 4.15).
Im Gehirn sind unendlich viele Netzwerke von Zellen miteinander verknüpft. Wenn sie alle gleichzeitig eingeschaltet wären, würde Gehirn:Netzwerke von Zellenwahrscheinlich ein fürchterliches Chaos in unserem Kopf entstehen und wir könnten in dem ganzen Wirrwarr wahrscheinlich nur noch ein 5-dimensionales (auf allen 5 Sinneskanälen) ohrenbetäubendes Rauschen, Knistern, Blitzen, Zucken usw. wahrnehmen. In unserem Gehirn müssen also bestimmte Netzwerke selektiv aktiviert bzw. deaktiviert werden!
Laut Singer und auch Bauer befinden sich alle an einer bestimmten gemeinsamen Aktion (Wahrnehmung) beteiligten neuronalen Netzwerke in einem zeitgleichen (simultanen), phasengleichen (synchronen), rhythmischen bioelektrischen Aktivitätszustand auf (Bauer 2002, Singer 1995)! Die Frequenz dieser bioelektrischen Aktivität soll bei etwa 40 Hertz liegen. Ist es nicht Aktivitätszustand:bioelektrischerunglaublich spannend, dass Phasengleichheit und Rhythmizität sich sozusagen als Bindemittel und Ordnungsmerkmal der Gehirnaktivität präsentieren?
Lipton betont, dass es ausreichend wissenschaftliche Hinweise dafür gibt, dass wir für therapeutische Zwecke Wellen in maßgeschneiderten Frequenzen erzeugen können, genauso wie wir auch neue Medikamente mit ganz bestimmten chemischen Wellenfrequenzen:therapeutischeStrukturen herstellen können (Lipton 2008). Als Beispiele könnte man den Einsatz von Schallwellen bei der Zerstörung von Nierensteinen oder auch MRT- und PET-Untersuchungen anführen.

Wellenartige Harmonie

Auch wenn es manchem Leser weit hergeholt erscheinen mag, möchte ich folgenden spirituellen Vergleich zum Thema kurz erläutern. Menschen, die eine Nahtod-Erfahrung gemacht haben, erzählen alle ohne Ausnahme von einem langsam wiegenden, wellenartigen schwebenden Zustand der Harmonie, der sich ekstatisch und vollkommen anfühlt.

Nach dem Stillstand der Hirnwellen, des Herzschlags und der Atmung soll es noch zwanzig bis vierzig Minuten dauern, bis der Kraniosakralrhythmus verebbt ist (Milne 1995). Das gleicht einer langsamen Lösung des Geistes vom Körper, bis am Ende der älteste Puls des Körpers als letzter Lebenspuls erlischt.

Persönlich habe ich jahrelang schwer mehrfach behinderte Kinder betreut. Auch dabei fiel mir auf, dass sanft wiegende, rhythmische Bewegungen diese Kinder in einen glückseligen Zustand versetzen konnten. Beim Snoezelen auf einem Wasserbett erschien es mir oft so, als könnte man auf einer tieferen Bewusstseinsebene einen Kontakt zu den Kindern herstellen.

Manche Wissenschaftler sind der Auffassung, dass man ein Phänomen, dessen Existenz unklarNahtod-Erfahrung:Schwebezustand ist, nicht Harmoniezustand:Nahtod-Erfahrungversuchen sollte zu messen! Einstein hat aber in einem Gespräch mit Heisenberg Folgendes gesagt: Es ist unmöglich, nur beobachtbare Größen in eine Theorie aufzunehmen. Es ist vielmehr die Theorie, die entscheidet, was man beobachten kann. Ähnlich äußerte sich Prof. Dr. Primas, der sich mit theoretischer Physik und mathematischen und philosophischen Problemen der modernen Quantenmechanik beschäftigt: Erst wenn neue Bilder Einfluss gewinnen, können wir neue Fakten wahrnehmen.
Goethe glaubte, dass auch die Erde ein- und ausatmet, was er als Systole und Diastole angab. Der wunderbare Körper des Menschen, das komplexe In- und Miteinander von Körper, Seele und Geist, Instinkt und Bewusstsein, atmet als Mikrokosmos genauso ein und aus. Sutherland sprach in seiner Philosophie vom Atem des Lebens und äußerte bescheiden, er habe nichts anderes getan, als den Vorhang zur Seite zu ziehen, um einen Blick weiter nach vorn zu ermöglichen.

Arbeitshypothese zum Geweberhythmus

Als therapeutische Arbeitshypothese (ohne dies überbewerten zu wollen) möchte ich die Gezeiten des interstitiellen Meeres als Flexions- oder Anschwellmuster und als Extensions- oder Abschwellmuster des Geweberhythmus bezeichnen.

Wie ein Meer oder ein Ozean mit Wellen und Gezeiten wird auch das innere Meer, aus Matrix und interzellulären Flüssigkeiten, von seinen Schwankungen und Gezeiten (Vasomotion) umgewälzt.

Es ist eigentlich wunderbar, wie Rhythmen mit erstaunlich wenig Kraft etwas zu Festes und Starres lösen und Stauungen verhindern können.

Es soll besonders darauf hingewiesen werden, dass dieser Rhythmus nicht nur auf das Geweberhythmus:Arbeitshypothesekraniosakrale System Vasomotionbeschränkt ist, sondern sich in jedem Gewebe des Körpers auffinden lässt, weswegen die Bezeichnung Geweberhythmus vielleicht eher angebracht wäre. Dass wir beispielsweise etwa 28.000-mal pro Tag atmen, hat nicht nur aus chemischer Sicht (Sauerstoff-Kohlendioxid), Geweberhythmussondern auch unter Aspekten der Flüssigkeitsdynamik erhebliche Bedeutung!
Flüssigkeitsdynamische und gesund erhaltende Funktion
Man sollte als Osteopath sowohl die Flüssigkeiten als auch alles andere Fließende (Energie, Gedanken, Emotionen) in Bewegung versetzen und in Bewegung halten, damit Krankheit weniger die Flüssigkeiten:in Bewegung haltenChance hat, sich niederzuschlagen, damit Festes verflüssigt und Starres gelockert wird.
Wenn man zudem noch die Kaskadenentwicklung einer Krankheit betrachtet, dürfte deutlich werden, dass es präventiv sehr sinnvoll ist, Flüssigkeiten in Bewegung zu halten (Kap. 2.3.15)
Neben dem Herzen und den Druckverhältnissen in den hydraulischen und pneumatischen Räumen bilden die Diaphragmen wichtige Pumpmechanismen, wie ich bereits früher dargestellt habe (Meert 2007). Rhythmisch-harmonische sanfte KräfteDiaphragmen:rhythmisches Pumpen, die unter anderem von den Diaphragmen ausgehen, melkenPumpmechanismen:Diaphragmen sozusagen die verschiedenen Körperregionen und sorgen für einen besseren Transport der Flüssigkeiten. Vorausgesetzt, die Drainagewege sind frei! Es ist sehr sinnvoll, bei den verschiedenen Rhythmen (zumindest bei Herzfrequenz, Atemrhythmus und Geweberhythmus) mehr Kohärenz (Abstimmung) anzustreben.
So gesehen, können auch rhythmisch-pulsierende Behandlungstechniken wie Pumpelemente im Körper eingesetzt werden. Viele indische und indianische Traditionen oder auch die Physiotherapie greifen auf Atemübungen Behandlungstechniken:pumpendezurück, um die Lebenskraft zu stärken. Eigentlich ist erstaunlich wenig Kraft notwendig, um Einfluss auf den Körper bzw. auf ein Gewebe auszuüben! Wie wunderbar Atemübungenkönnen induzierte Still-points hierbei wirken! Meiner Meinung nach ist es möglich, dass Patienten durch ein Zurückgewinnen von Rhythmus und Still-points wieder neue Kraft schöpfen können!
In der modernen Zeit, in der Stressfaktoren und Reizüberflutung unseren Körper pausenlos bombardieren, soll das Ergebnis (nicht nur die Reaktion an sich, sondern auch die daraus resultierende Gesundheit oder Krankheit) trotzdem geordnet, berechenbar oder überlegt sein? Ich hoffe zutiefst, dass sich darauf eine positive Antwort geben lässt.

Tipps für das praktische Vorgehen

Vergessen Sie bitte nicht, auf das Atmen, den Puls und die Gewebeatmung des Patienten zu achten. Zentrieren und fokussieren Sie sich dabei zuerst auf Ihren eigenen Atemrhythmus, bevor Sie in das Gewebe Ihres Patienten eintauchen. Lauschen Sie zuerst auf den Atemrhythmus und den Herzpuls des Patienten, bevor Sie sich konzentrativ in den Geweberhythmus des Patienten abseilen.

Ein schneller, gehetzter, starrer Rhythmus, der sich wenig beeinflussen (vor allem kaum abbremsen) lässt, deutet in Kombination mit subjektiv angegebenen Symptomen wie Müdigkeit, Depressivität, Gereiztheit auf einen Mangel an Kohärenz hin.

Es kann sinnvoll sein, Patienten behutsam beizubringen, wie sie in Übereinstimmung mit ihrem Körper und seinen Gezeiten, mit Ebbe (Abschwellung und Innenrotation) und Flut (Anschwellung und Außenrotation) und den Pausen dazwischen, tanzen lernen können, um ihr Gewebe wieder intensiver und harmonischer zu durchsaften.

Ein weiterer Vergleich

Körperflüssigkeiten sind sozusagen das Wasser, in dem der Fisch-Mensch schwimmt. Im Schlaf schwimmen Fische langsam und ziellos herum, während sich ihre Flossen träge und rhythmisch weiterbewegen. Das Aquarium, in dem der Fisch-Mensch schwimmt, benötigt ein Umwälz- und Filtersystem, das sich in Form des Geweberhythmus äußert (Abb. 4.1). Tragen Sie durch die Behandlung dazu bei, diesen Filter- und Umwälzungsprozess zu verstärken!
Hall, der die interkulturelle Kommunikation als anthropologische Wissenschaft begründete, gab Atemrhythmusan, dass rhythmische Botschaften eine außerordentlich starke Macht entfalten und genauso unsichtbar wie die Schwerkraft sind (Hall 1990). Wenn sich zwei Menschen konstruktiv unterhalten, scheinen sich ihre Hirnwellen zusammenzufügen und wie zwei Zahnräder eines Getriebes durch Transmissionsriemen miteinander verbunden zu sein.

Breath of Life

Erst im Alter von 75 Jahren fing Sutherland an, vielleicht als spiritualistische Reaktion auf die damalige Vormachtstellung des Mechanismus und des Materialismus, sich mit dem Unsichtbaren, der vitalistischen Lebenskraft im Liquor cerebrospinalis zu befassen. Er berichtete von Bewegungen der Schädelknochen unter dem Einfluss eines geheimnisvollen Rhythmus, den man am Schädel tasten könne, und Liquor cerebrospinalis:Lebenskraftverwendete dafür zum ersten Mal den spirituellen Begriff Atem des Lebens (breath of life). Dieser Begriff stammt aus dem Buch Genesis 2 der Bibel, das Sutherland sehr beeindruckte. Es handelt davon, wieAtem des Lebens Gott aus dem Staub der Erde den Menschen erschuf und ihm den Breath of LifeAtem des Lebens in seine Nasenflügel einhauchte, damit der Mensch eine lebendige Seele bekäme. Manchmal sprach Sutherland auch von einer geheimnisvollen Macht (Potency), die sich wie ein zündender Funke, wie flüssiges Licht (liquid light) oder wie Flüssigkeit in einer Flüssigkeit (liquid within a liquid) zu den unwillkürlichen PotencyFlüssigkeitswellen verhalte.
Innerhalb des Schädels und im ganzen Körper scheint ein regelmäßiger, aber unabhängiger Pumpmechanismus zu existieren. Sutherland vertrat die Ansicht, dass die primäre Atmung aus einem periodischen Anstieg und Abfall des Liquordrucks besteht, und verglich sie mit einer Bewegung, die durch Inhalation anflutet und durch Exhalation verebbt. Die Energiequelle für diese Gezeitenbewegungvermutete erLiquordruck:Anstieg und Abfall in einer Batterie oder Energiequelle, die den Saft enthält und sich im Schädel zentriert. Sutherland vermittelte zudem den Eindruck, dassGezeitenbewegung:primäre Atmung es sich hierbei um mehr als eine simple Übertragung von elektrischen Impulsen handeln müsste.

Konzept der Suturenbeweglichkeit

Die Gezeitenbewegung sorgt an allen kranialen Suturen für Bewegung. Wir werden die Beweglichkeit der Suturen später erläutern (Kap. 9.4). Das Konzept der Osteopathie im kranialenGezeitenbewegung:Suturenbewegung Bereich besagt, dass die kraniale Druckwelle sich über die Meningen vom Schädel bis zum Sakrum ausbreitet. Weil zusätzlich auch noch Liquor cerebrospinalis über die Foramina intervertebralia und die verschiedenen Schädelforamina austritt, sollen die Gezeiten alle Gewebe erreichen und damit auch überall am Körper zu fühlen sein.
Die kranialen Suturen bleiben laut Sutherland während des ganzen Lebens beweglich. Spannungen und suturale Bewegungseinschränkungen können viele Pathologien hervorrufen, von einer Suturen:BeweglichkeitSinusitis, über Kopfschmerzen bis hin zu orthopädischen und internistischen Funktionsstörungen. Sutherland deutete sogar an, dass durch Restriktionen der normalen Fluktuation des Liquor cerebrospinalis Änderungen des pH-Werts und der CO2-Konzentration verursacht werden. Durch eine Restriktion der kranialen (membranösen) Gelenkverbindungen verändert sich die Aktivität des Liquor cerebrospinalis, der Lymphe und des Blutes. Genau in diesem Moment beginnt sich dann eine intrakraniale Pathologie zu entwickeln (Sutherland 2004).
So wie ein Klavierstimmer Disharmonien wahrnimmt, indem er auf den Klang und Rhythmus der Saiten hört, oder so wie ein Automechaniker Motorenprobleme am Motorengeräusch bzw. am Rhythmus erkennt (Sutherland 2004), sollten wir als osteopathische Mechaniker laut Sutherland zusätzliche Informationen über den Körper sammeln, indem wir dessen Rhythmen studieren.
Sutherland wies beispielsweise darauf hin, dass eine willentliche tiefe Einatmung die Amplitude des primären Atemmechanismus (Kraniosakralrhythmus, Geweberhythmus) beeinflusst. Es ist übrigens interessant, dass Sutherland selbst nie Zahlenangaben zum Kraniosakralrhythmus gemacht hat. Das taten andere für ihnKraniosakralrhythmus:Einatmung und lenkten damit das Interesse (vielleicht zu sehr?) verstärkt auf die Frequenz des kraniosakralen Rhythmus. Für Sutherland waren vor allem der Stillpunkt (Still-point) und der Scheitelpunkt der Macht (Potency) zwischen den Wellen der Gezeiten von therapeutischem Interesse.

Neudefinition und Kritik

Bei der Suche nach Erklärungen für den Gezeitenbewegung:Still-pointGezeitenbewegung:ScheitelpunktKraniosakralrhythmus benutzt die Osteopathie Gezeitenbewegung:Potencyneuerdings energetische und elektromagnetische Begriffe, um ihrem mechanistischen und materialistischen Ruf zu entfliehen. Demnach wird der Körper nicht mehr von Achsen, sondern nun von Wellen und Potenzen angetrieben (Handoll 2004). Handoll betrachtet die Potency interessanterweise als Energie oder Potenzial, damit etwas geschieht oder sich etwas verändert und den Kraniosakralrhythmus als Fluktuation in den Flüssigkeiten. Diese Fluktuation lässt sich allerdings nur fühlen und beurteilen, wenn sich Kraniosakralrhythmus:Fluktuation in Flüssigkeitendas Bewusstsein des Therapeuten von denKraniosakralrhythmus:Energie (Potency) üblichen quantitativen Denkmustern befreit hat. Handoll betrachtet eine Blockade als unausgewogenes Verhältnis zwischen der Energie im Körper des Patienten und der homogenen Energie des Universums. Sowohl der Kraniosakralrhythmus als auch sein Ertasten entziehen sich dabei einer objektiven Messbarkeit.
Sommerfeld bemängelt, dass die Osteopathie damit aber im Grunde genommen demselben Materialismus verhaftet bleibe, den sie zu überwinden versucht (Sommerfeld 2004), und plädiert dafür, eine menschengerechte, dem Individuum gerecht werdende Therapie und Diagnostik zu entwickeln. Damit wird eindeutig die reproduzierbare Ebene der Wissenschaft verlassen, sodass man sich auf (hoffentlich konstruktive) Kritik gefasst machen muss! Stellvertretend für diese Kritiken äußerte Prof. Hartmann vom College of Osteopathic Medicine (University of New England): Kraniosakrale Osteopathie ist ein Glaubenssystem und keine Medizin! (Hartmann 2002)
Gerade im Bereich der variablen Rhythmen verfügt der Osteopath aber über die einmalige Chance, seine Behandlung individuell zu gestalten und den methodisch-konzeptuell vorgeschriebenen Behandlungs- und Untersuchungskatalog (nach Schema F) zu ergänzen. Diese Individualität der osteopathischen Sichtweise birgt andererseits auch eindeutig die methodologische Gefahr, dass die Behandlung vorerst als nicht-reproduzierbar und Individualität:osteopathische Behandlungdamit unwissenschaftlich abgestempelt wird! Von Piekartz warnt aus praktischer Sicht davor, Schleudertraumata, Organstörungen und psychoemotionale Probleme des Patienten nur mit minimalen passiven (kraniosakralen) Bewegungen und nach einer Wunschdiagnose zu therapieren – und Patienten damit der Gefahr einer Chronifizierung auszusetzen (von Piekartz 2008).
Green et al. legten zwar einen systematischen Überblick und eine kritische Beurteilung der wissenschaftlichen Beweiskraft der kraniosakralen Therapie vor, merkten aber selber kritisch dazu an, dass es im Rahmen ihrer Arbeit bei manchen Themen (z. B. zerebrospinale Flüssigkeit) unmöglich war, alle vorhandenen Daten- und Literaturquellen zu konsultieren (Green et al. 1999). Sie gaben beispielsweise an, dass eine gewisse Mobilität der kranialen Suturen (zumindest bis zu einem gewissen Alter) sowie ein kraniosakraler Rhythmus existieren, es allerdings keine Beweise oder Studien gäbe, dass die Suturenbeweglichkeit oder der Kraniosakralrhythmus zuverlässig von einem Therapeuten getastet werden könnten.

Osteopathische Grundlagenforschung ist nötig

Schon Sutherland äußerte vielsagend: Der Stamm der gewaltigen Eiche besitzt zu einem gewissen Grad Flexibilität, bis sie zu einem saftlosen Stamm verkommt. Das Gleiche könnte man vom Schädel sagen, solange er Flüssigkeit enthält. (Sutherland 2004)
Es besteht also eindeutig die wichtige Aufgabe für Osteopathen, einerseits Daten zu sammeln, um ihre klinische Erfahrung mit lebenden Strukturen und die theoretischen Grundlagen zu überprüfen und anzupassen, und andererseits zur Stützung und Sicherung der Hypothesen klinische Studien und Effektivitätsnachweise durchzuführen! Hier besteht aber noch großer Handlungsbedarf hinsichtlich der Ausarbeitung von Parameter der kranialen Untersuchungs- und Behandlungstechniken (Kraft, Geschwindigkeit, Dauer, Frequenz)! Solange die Grundlagen und Parameter der osteopathischen Techniken nicht exakt definiert sind, besteht nämlich die Gefahr, Äpfel mit Birnen zu vergleichen!
Die Osteopathie darf sich hierbei nicht hinter einem spirituellen Mäntelchen verstecken, sondern sollte diese Herausforderung annehmen und in einen Dialog eintreten!
Es ist schade, dass der Schädel immer noch zu wenig als dynamisches lebendiges System betrachtet wird. Stattdessen dienen der Kraniosakralrhythmus und seine schlechte Intertester-Reliabilität als Stein des Anstoßes und als Argument, eine interessante Therapiemöglichkeit zu diskreditieren. Dabei sind die interessanteren Themen beispielsweise die Suturen, die Flüssigkeitsdynamik, die Schädelforamina und die myofaszialen Gewebestrukturen.
Ich glaube, dass eine Überarbeitung der Grundlagen der kraniosakralen Osteopathie ein erster sinnvoller Schritt sein könnte. Ich hoffe, mit dieser Arbeit dazu beitragen zu können, dass die klinische Evidenz der kraniosakralen Techniken und die Grundlagen der kraniosakralen Osteopathie besser verstanden, überdacht und ausgearbeitet werden.
Dazu werden in den nachfolgenden Kapiteln folgende Grundlagen erörtert:
  • Arteriovenöse Versorgung des Rückenmarks und der Wirbelsäule

  • Arteriovenöse Versorgung des Gehirns und des Schädels

  • Kraniale Suturen und Foramina sowie Mechanik und Rheologie des Schädels

  • Meningen und Sinus durae matris und ihre funktionelle Bedeutung

  • Flüssigkeitsdynamik des Liquor cerebrospinalis und des arteriovenösen Blutes im Schädel-/Hirnbereich

Sich-Einstellen auf den Patienten

Hier bietet sich aber auch die Chance, mit einer selbstkritischen Offenheit für empirische Erkenntnisse und Ideen, durch Palpation und Eintauchen in den individuellen Geweberhythmus des Menschen Goethes Urphänomen ( die Idee der Wirklichkeit) gewahr zu werden. Da muss ich allerdings Prof. Hartmann mit seiner Kritik Recht geben, denn man braucht dazu tatsächlich auch einen Glauben bzw. eine Philosophie! Ob ein unwissenschaftlicher Glauben nun als negativ zu bewerten ist, muss jeder Kliniker-Mediziner-Therapeut für sich entscheiden.
Die einmalige Beschaffenheit eines jeden Menschen bedeutet, dass nicht alles, was bei dem einen Wirkung zeigt, auch gleichermaßen bei einem anderen erfolgreich sein muss. Vielmehr sollte die Kunst von Osteopathen darin bestehen, sich selbst zurückzustellen, um Patienten beobachten zu können (Abb. 4.16). Aus dieser subjektiven Beobachtungsposition kannOsteopathen:sich auf Patienten einstellen er dann seinen Sender auf die Frequenz des Patienten einstellen und anfangen, die Qualität der Wellen beispielsweise durch Abbremsen bzw. Beschleunigen des Geweberhythmus zu beeinflussen und Still-points zu induzieren. Die Visualisierung einer faszialen Spannung, die den Geweberhythmus stört, sollte zu einem besseren Gewahrwerden der Wirklichkeit verhelfen.

Auf einer Wellenlänge

Ich möchte es etwas populistisch mit der Suche nach einer multidimensionalen gemeinsamen Wellenlänge vergleichen. Dort kann der Patient in Begleitung des Therapeuten wieder das Atmen, das Tanzen, das Fördern des venolymphatischen Abflusses, aber auch das Stillstehen und Neu-Anfangen erlernen(Abb. 4.15 und Abb. 4.16).

Ist eine Standardisierung immer sinnvoll?
Es fragt sich darüber hinaus, ob es tatsächlich möglich bzw. sinnvoll ist, Wellenlänge:gemeinsamedie Untersuchung und Behandlung eines Menschen zu standardisieren? Fryette brachte es prägnant auf den Punkt: Wenn ein Arzt sagt, dass er gestern genau den gleichen Fall gehabt hat, hat er seinen ersten Fehler in diesem Fall gemacht. (Fryette 1954).
Aus neurovegetativen Untersuchungen und Studien zum Placebo-Effekt ist deutlich geworden, dass sowohl auf Seiten des Patienten als auch des Behandelnden Glaube und Erwartungen eine gewisse Rolle spielen (Kap. 2.2.2). Persönlich bin ich davon Patienten:Glaube und Erwartungenüberzeugt, dass darüber hinaus das Empfinden des Patienten:EmpfindenPatienten, das Empfinden seiner Gewebe und seiner Zellen sogar eine erhebliche Rolle spielt.
Ist es denn nicht paradox, dass gerade in unserer modernen Zeit, in der die wissenschaftliche Medizin mehr zu bieten hat als jemals zuvor, sich viele Patienten der alternativen Medizin zuwenden? Wenn alternative Behandlungsmethoden wirklich nur Humbug sind, fragte sich Lown, warum wurde dann 1992 ein Büro für Alternative Medizin in den heiligen Hallen der National Institutes of Health in Washington eingerichtet (Lown 2002)?
Sich Zeit nehmen
Neben der Rhythmizität sollte der Osteopath normalerweise noch über eine weitere Fähigkeit verfügen, nämlich die Bereitschaft, sich für den Patienten Zeit zu Osteopathen:Zeit für PatientenOsteopathen:Gespräch mit Patientennehmen und sich respektvoll und behutsam an die Bedürfnisse Osteopathen:Listeningdieses Menschen heranzutasten. Dazu gehört neben einer sorgfältigen Erhebung der familiären und sozialen Anamnese und dem Integrieren von Befunden aus bereits stattgefundenen Untersuchungen auch das Zuhören in Bezug auf die emotionalen und seelischen Sorgen des Patienten. Das Gespräch mit dem Patienten hat aus meiner Sicht genauso seine Berechtigung im osteopathisch-medizinischen Alltag wie das berührende Listening des Gewebes und die labordiagnostischen und differenzialdiagnostischen Aspekte. So wie das Berühren in der klassischen Medizin anscheinend verlorenging, sind Sprache und Emotionen leider manchmal auch in der modernen Osteopathie zur Nebensache geworden.

Belastungen als Risikofaktoren berücksichtigen

Statistische Daten zeigen beispielsweise eine Tendenz bei Ehepaaren auf, dass nach dem Verlust eines Partners binnen eines Jahres auch der/die andere stirbt. Psychische Belastungen wie eine unbefriedigende und schlecht bezahlte Arbeit, Existenzängste oder Arbeitslosigkeit stellen Risikofaktoren für eine koronare Herzkrankheit und andere Krankheiten dar.

Ist es demnach nicht sinnvoll, die Emotionalität, den Umgang mit Stress, die Belastungen und vor allem auch die Belastbarkeit des Patienten bei der Anamnese und Behandlung einzubeziehen? So wäre beispielsweise die Integration folgender Ansatzpunkte in der Untersuchung bzw. Behandlung erstrebenswert:

  • Wie hoch ist die Grundspannung, die der Patient zeigt? Kann er gut loslassen und sich entspannen?

  • Wie gut kann er sich Ihren Händen hingeben? Kennt er es überhaupt, abzuschalten und Pausen einzulegen?

  • Wie steht es beispielsweise mit der Spannung und Mobilität des Zwerchfells und des Beckenbodens? (In diesen Diaphragmen spiegelt sich nämlich häufig die Emotionalität des Patienten wider.)

  • Wie reagiert der Patient auf Nachfragen zu Themen wie Angst, Stress/Belastung, Sozialkontakten, Freundschaften, Traumata?

  • Wie reagiert er überhaupt auf Angst, auf Stress? Mit emotionaler Abwehr? Körperlich mit Herzrasen, Schwitzen? Oder vielleicht mit emotionalen und körperlichen Reaktionen?

  • Wie viel redet der Patient, wie verbalisiert er sich? Sind ihm Wissenschaftlichkeit und das Verständnis der Behandlung wichtig?

Lown spricht diesbezüglich von der Kunst, dem Patienten bei der Diagnosestellung zuhören zu können (Lown 2002). Einmalig erhobene Befunde (Blutbild, Hormonstatus) können sich im Laufe des Tages verändern und geben damit nur eine Momentaufnahme des Patienten wieder! Die Medikamentendosis nur an einer solchen statischen Momentaufnahme auszurichten, ohne eine individuelle Anpassung an Körpergewicht, Entgiftungs- und Ausscheidungskapazität vorzunehmen, erscheint allein aus dieser Sicht bereits suspekt.
Wenn wir darüber hinaus von ganzheitlichen/integrativen Ansätzen in der Osteopathie und der Medizin sprechen möchten, wird es höchste Zeit, Seele und Körper nicht länger zu trennen, weder beim Patienten noch beim Therapeuten-Arzt.

Point of Balance und indirekte Techniken

Magoun spricht von einem Point of balanced membranous tension und definiert ihn als Punkt im Bewegungsumfang eines Gelenkes, wo die Membranen ausbalanciert sind zwischen der normalen Spannung, die beim freien Bewegungsumfang vorhanden istPoint of balanced membranous tension, und der erhöhten Spannung, die als Folge unphysiologischer Spannungen und Bewegungen eines Gelenkes entsteht. Demzufolge ist es der neutralste Punkt, der unter dem Einfluss aller vorherrschenden Belastungen und Muster möglich ist und an dem die vorhandenen Spannungen auf ein Minimum reduziert werden. (Magoun 1976, S. 99)
Der Osteopath sucht mit indirekten Techniken nicht nach einer Barriere oder Grenze der Beweglichkeit, sondern versucht eine dreidimensionale Gelenkposition zu finden, in der die Weichteile (Muskeln, Faszien, Ligamente, Meningen) am Techniken:indirektewenigsten Spannung aufbauen und die Gewebe demzufolge am ehesten loslassen können (Kap. 11.7.3). Wenn man diese Stellung beibehält, können inhärente Kräfte und Flüssigkeiten wirksam werden und das Gewebe bekommt die Möglichkeit, sich zu entfalten und zu entspannen. Diese Methode ist komplett ungefährlich und schmerzfrei und eignet sich demnach besonders für die Schmerztherapie.

Still-points als schöpferische Pausen

Es erscheint mir sinnvoll, noch kurz auf die Pausen im Rhythmus einzugehen. Nach Nortons Angaben lässt sich beispielsweiseSchmerztherapie:indirekte Techniken die Frequenz des Kraniosakralrhythmus (Geweberhythmus) von 4,4/min auf 2,5/min nach einem Stillpunkt reduzieren (Norton 1992).
Stress und Reizüberflutung spielen heute eine nicht Kraniosakralrhythmus:Still-pointsunwichtige Rolle im Krankheits-, bzw. Gesundheitsgeschehen. Geweberhythmus:Still-pointsNatürliche Pausen und Still-points (Stillpunkte) sind wichtige Taktgeber und ermöglichen ein Resetting, um wieder im Einklang mit unseren eigenen Rhythmen und den Rhythmen der Umgebung zu schwingen. Still-points:natürliche (schöpferische) PausenStill-points sind meiner Meinung nach unabhängige Lösungsmomente, sie bieten die Möglichkeit, Dampf abzulassen, Belastungen abzuschütteln und mit aufbauenden Gedanken eine neue Kohärenz zu finden. Still-points sind sozusagen schöpferische Pausen.
Ich möchte einen Still-point gerne als Möglichkeit sehen, von Traumata und Stressfaktoren gespeicherte Eindrücke zu entkoppeln und demzufolge Spannungen im Still-points:Spannungen lösenKörper sowie Flüssigkeits- und Still-points:Flüssigkeits-/Energiestauungen auflösenEnergiestauungen aufzulösen. Durch das Entstauen von Flüssigkeiten können sich neue Kräfte entwickeln und entfalten. Schlafstörungen und das Burn-out-Syndrom lassen sich als Beispiele für Krankheiten unseres Körperrhythmus ansehen.
Genauso wie beim Geweberhythmus, ist es auch bei der Zwerchfellatmung wichtig, den Moment zwischen Ausatmung und Einatmung zu betrachten. Oft vergessen wir, dass es diese Pause zwischen den Atemzügen (vor allem nach der Ausatmung) überhaupt gibt und dass wir sie willentlich ausdehnen können. Diese Atempause kann kraftvoll, erfrischend und schöpferisch sein. Dazu muss der Osteopath zuerst an sich arbeiten und lernen, sowohl neutral zu beobachten als auch seine Konzentrations- und Zentrierungsfähigkeiten zu schärfen Atempause(Abb. 4.17)!

Empfehlungen zur Vorgehensweise

Hüten Sie sich bitte davor, ins Gewebe des Patienten einzutauchen wenn Sie selber krank, disharmonisch, übel gelaunt oder aggressiv gestimmt sind! In diesem Fall erscheint es sinnvoller, sich bei der Behandlung mehr auf oberflächlichere (mechanische) Ebenen des Patienten zu konzentrieren.
Bringen Sie dem Patienten bei, seinen eigenen Atemrhythmus und seine Atempausen wahrzunehmen, und üben Sie mit ihm, langsam zu atmen und die Atempause auszudehnen!
Weg von einem starren, fest vorgeschriebenen Rhythmus möchte ich folgende drei Stadien bei der Behandlung Atempausen:verlängernvorschlagen (Abb. 4.17):
  • Insgesamt lohnt es sich, das Gewebe des Patienten zuerst in einem vom Osteopathen vorgegebenen Rhythmus mit Pumptechniken zu behandeln, um es zu durchsaften und das Bindegewebe allgemein aufzulockern (z. B. rhythmische Mobilisation, Global Body Adjustment, fasziale Lösungstechniken). Damit lernt man das Gewebe des PumptechnikenPatienten und seine Reaktionen besser kennen und befreit die Faszien von Spannungen, Verklebungen, Ablagerungen. Sowohl die Viskosität (Widerstandsfähigkeit) und Elastizität als auch die Gewebeaktivität (Anspannungsfähigkeit? Kraft? Entspannungsfähigkeit? Eigendynamik? Vasomotion?) bieten interessante Ansatzmöglichkeiten für die Therapie. Man kann Rhythmus als Hauptparameter der Technik einsetzen und dabei vor allem auf die entspannende, pumpende Qualität und weniger auf die Quantität des Rhythmus achten! Rhythmus hat immerhin den großen Vorteil, dassRhythmus:Pumptechniken mit wenig Kraft (und eventuell auch mit geringer Bewegungsamplitude) trotzdem Gewebe und Flüssigkeiten in Bewegung versetzt werden können.

  • Danach kann man sich beispielsweise auf den Rhythmus der Zwerchfellatmung zentrieren und zunehmend tiefer ins Gewebe des Patienten eintauchen, um die aufgewühlten Schlacken- und Stoffwechselstoffe abzutransportieren und neue NährstoffeFokussierung:auf Zwerchfellatmung zuzuführen.

  • Letztendlich kann man dann dem Geweberhythmus (Kraniosakralrhythmus) des Patienten lauschen und diesen Rhythmus anzapfen und verstärken bzw. ihn abbremsen, um die Natur und die Selbstheilungskräfte ihre Arbeit erledigenFokussierung:auf Geweberhythmus zu lassen.

Die Fokussierung auf einen bewussten Rhythmus und auf nonverbale Vorgänge, zuerst beispielsweise auf die Zwerchfellatmung und danach auf den Geweberhythmus, verlängert automatisch die Atemphasen und ermöglicht es dem Therapeuten und dem Patienten, sich auf noch langsamere Rhythmen und tiefere Ebenen einzulassen und sich sogar in Richtung von Still-points zu bewegen.

Wichtige Voraussetzungen

Eine ausreichende Anpassungsfähigkeit an die äußeren Gegebenheiten und vor allem die Fähigkeit, sich beim Runterfahren zu verlangsamen oder kurz innehalten zu können, sind wichtige Eigenschaften des individuellen Geweberhythmus der Patienten.
Durch akustische oder taktile Angaben des Therapeuten können Patienten ihre Rhythmen und ihre Dysrhythmien kennenlernen und bewusst Einfluss auf sie nehmen. Sie sollen dabei auch Still-points oder Momente des Innehaltens kennenlernen, durch die das Gewebe eine Möglichkeit bekommt, sich zu regenerieren, einen neuen Schritt zu machen oder mit einem anderen Rhythmus zu beginnen. Aber auch Still-pointsdie Möglichkeit, den Rhythmus zu beschleunigen bzw. abzubremsen oder einfach variabler zu gestalten, sollte unbedingt hervorgehoben werden!
Natürlich geben osteopathische Behandlungstechniken nur eine kleine Hilfestellung. Meditation, Lichttherapie, Stressabbau, Tanzen, Bewegung im Freien und an der frischen Luft sind genauso wichtig für den Patienten.
Hier wäre vielleicht eine kleine Pause angebracht, damit diese Idee neue Anregungen bekommen kann, weil hoffentlich klargeworden ist, dass es sich hierbei in Bezug auf die wissenschaftliche Beweislage letztendlich nur (aber immerhin) um Ermunterungen und Zukunftsmusik handelt!

Variabilität und Vielfalt

Um es plastisch auszudrücken: Unser Gehirn kann nur neue Ideen ausbrüten, wenn es von anderen Gedanken befruchtet wird.

Zudem möchte ich vorsichtig betonen, dass weder das Starre noch das Chaotische, weder Ordnung noch Durcheinander an sich als falsch oder als richtig angesehen werden sollten, solange sie nur vorübergehend auftreten! Den idealen Kraniosakral-/Geweberhythmus, den es unbedingt zu erreichen gilt, gibt es also glücklicherweise nicht.

Das wunderbare Farbenspiel einer einfühlsamen Variabilität, die ungezwungene Kompromissbereitschaft, sowohl Leistung als auch Entspannung zu bewirken und manchmal sogar stillzustehen, gewinnen damit eindeutig einen höheren Stellenwert!

Sutherland beschrieb den primären Atemmechanismus wie folgt: Es ist die Stille (Reglosigkeit) der Gezeiten, welche die Potency, die Macht besitzt, nicht die Variabilitätstürmischen Wellen, die an der Küste aufprallen. Als ein Mechaniker des menschlichen Körpers können Sie die Fluktuation bis zu dieser kurzen rhythmischen Periode, bis zu dieser Reglosigkeit herunterfahren, vorausgesetzt, Sie haben das mechanische Prinzip der Fluktuation der Gezeiten verstanden. Dann erst beginnen Sie das Anschwellen der Ozeane und den Unterschied zwischen den Gezeiten, den Wellen etc. zu verstehen. (Sutherland 1990, S. 16)
Interessant und lustig zugleich ist, sich folgendes Beispiel vor Augen zu halten:
  • Ein Hund atmet durchschnittlich 36-mal/min und lebt durchschnittlich 18 Jahre.

  • Ein Mensch atmet durchschnittlich nur 18-mal/min und lebt durchschnittlich 72 Jahre.

  • Eine Schildkröte atmet durchschnittlich nur noch 4-mal/min und lebt dafür durchschnittlich 300 Jahre!

Darf ich zum Schluss noch lakonisch hinfügen: Wer langsamer atmet, lebt länger, oder philosophierend noch weiter gedacht: Wer nicht mehr atmet, lebt ewig?
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) haben Bewegung und das Fließen auch eine zentrale Bedeutung. Ich möchte mich der TCM mit diesem Leitthema anschließen:
Worms will not eat living wood where the Bewegung:Bedeutung in der TCMvital sap is flowing;
rust will not hinder the opening of a gate Fließen:Bedeutung in der TCMwhen the hinges are used each day.
Movement gives health and life.
Stagnation brings disease and death.

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