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B978-3-437-58930-0.00012-X

10.1016/B978-3-437-58930-0.00012-X

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Die Schädelkompartimente – Ansicht von lateral [10]

Foramina im Bereich des unteren (sphenobasilaren) Schädelkompartiments [4]

Der N. mandibularis und seine Äste [4]

Gleichgewichts- und Hörorgan mit Endolymphe [4]

Querschnitt durch einen Bogengang der Cochlea [4]

Schallleitung in der Cochlea [4]

N. canalis pterygoidei, Fossa pterygopalatina und Plexus caroticus internus [4]

Verlauf des N. facialis, des N. petrosus major und der Chorda tympani im Bereich des Mittelohrs [4]

Canalis caroticus und Canalis nervi facialis (Fazialisknie) im Os temporale [5]

Das Mittelohr (schematische Zeichnung) [4]

Das Mittelohr (anatomische Zeichnung) [4]

Der N. maxillaris und das Ganglion pterygopalatinum [4]

Verlauf des N. tympanicus und des N. petrosus minor [4]

Äste des N. facialis [4]

Os temporale (Ansicht von unten). Achten Sie auf das Foramen stylomastoideum, die Fissura petrotympanica und den Canalis musculotubarius.

Canalis musculotubarius und Tuba auditiva [4]

Verlauf des N. glossopharyngeus [4]

Verlauf des N. accessorius [4]

Rechter Canalis condylaris (mit dunklerem Draht markiert) und rechter Canalis nervi hypoglossi (mit hellerem Draht markiert)

Foramina im vorderen Schädelbereich [4]

Öffnungen in der knöchernen Orbita [4]

Die Orbita mit Öffnungen und durchziehenden Leitungsbahnen [4]

Der N. ophthalmicus (V1) und seine Äste [4]

Verbindungen zwischen Gesichtsvenen, orbitalen Venen und intrakraniellen Venen [4]

Der Tränenapparat [4]

Innervation der Tränendrüse [4]

Foramen ethmodiale anterius und Kanal zur Lamina cribrosa [4]

Nasenhöhle und Nasennebenhöhlen [4]

Venöse Versorgung der Nasenhöhle [4]

Kiefergelenk bei geschlossenem (links) und geöffnetem Mund (rechts) [4]

Schematische Darstellung des Os temporale [10]

Aufbau der dorsalen Gelenkkapsel in Ruhelage

M. temporalis (Ansicht von lateral) [4]

M. masseter (Ansicht von lateral) [4]

M. pterygoideus lateralis (Ansicht von lateral) [4]

M. pterygoideus medialis (Ansicht von lateral) [4]

Physiologie der Mundöffnungs- und Mundschließungsbewegungen [10]

Mahlbewegung oder Laterotrusion [10]

Schädelkompartimente und Engpässe für kraniale Leitungsbahnen

Einführung

Die Foramina:SchädelForamina des SchädelforaminaSchädels sind mit Dura mater ausgekleidet und es befinden sich fast immer venöse Plexus in ihrem Bereich. Neben Arterien und Nerven ziehen auch kleinere Venen durch diese Foramina. Sowohl knöcherne als auch meningeale, myofasziale und emotionale Spannungen können sich auf die durchziehenden Leitungsbahnen auswirken und funktionelle Störungen im Versorgungsgebiet auslösen.
In der kraniosakralen Osteopathie geht man davon aus, dass die Synchondrosis:sphenobasilaris (SSB)Synchondrosis sphenobasilaris (SSB) eine erhöhte Beweglichkeit und Flexibilität besitzt und damit auch Läsionen oder Strainmuster entwickeln kann. Diese Synchondrose verknöchert aber sehr früh, etwa ab dem 16. bis 18. Lebensjahr (Rosenbauer et al. 1998, Rauber & Kopsch 1987). Es kann sich somit nur um viskoelastische Deformierungen bzw. Spannungen der kompletten Schädelsphäre handeln, wobei Kräfte nicht nur zentral auf die SSB, sondern dreidimensional auf und im Schädelinneren wirken (Kap. 11.7).
Es erscheint sinnvoll, sowohl die physiologischen Anschwell- und Abschwellbewegungen der Gewebeatmung (Kraniosakralrhythmus) im Bereich der Schädelknochen und ihrer Foramina als auch unphysiologische viskoelastische Deformierungen und gespeicherte Spannungen (z. B. bei Traumata, länger anhaltenden Belastungen und Verspannungen) zu betrachten (Kap. 4.8).
Zudem ist es sinnvoll, sich den Verlauf der durch die Schädelforamina:LeitungsbahnenSchädelforamina ziehenden Leitungsbahnen vor Augen zu halten.
Durch die Kombination aus Visualisieren und Palpieren dieser knöchernen, membranösen und myofaszialen Deformierungs- und Spannungsmuster im Schädelbereich mit guten anatomischen Kenntnissen der Schädelöffnungen und durchziehenden Leitungsbahnen hat man eine hervorragende Basis dafür geschaffen, um die kraniosakrale Symptomatik und die funktionellen Störungen des Patienten durch kraniale Spannungsmuster besser verstehen zu können.
Ein Ziel der osteopathischen kranialen Behandlung besteht darin, die Spannungen, die sich im Bereich der Schädelforamina:SpannungenSchädelforamina aufbauen und sich direkt auf die durchziehenden Gefäße und Nerven auswirken, abzubauen. Das dient erstens zu einer direkten Verbesserung der arteriellen Durchblutung, der venolymphatischen und zerebrospinalen Drainage und der Innervierung der versorgten Gebiete. Zweitens hätte eine Befreiung der vegetativen Nerven eine verbesserte neurovegetative Steuerung der Vasomotorik der versorgten Gebiete zur Folge.

Foramina und Entrapment-Syndrome im Schädelbereich

A. T. Still hat ursprünglich die Bezeichnung Osteopathie damit begründet, dass etwas Festeres – manchmal eine knöcherne-knorpelige Struktur (Osteon), manchmal auch nur ein verspanntes Gewebe – für eine Einengung von Leitungsbahnen sorgt und damit eine Pathologie (Pathos) auslöst. Nun – es gibt wohl kaum einen Bereich, in dem das deutlicher sichtbar und tastbar wird, als im Schädel!SuturenSchädelknochenEntrapmentEngpass-Syndrome

Definitionen

Schädelknochen sind pneumatisierte und durchlöcherte viskoelastische Strukturen, durch die Leitungsbahnen hindurchziehen und die durch Dehnfugen (Suturen) so miteinander verbunden sind, dass sie eine Sphäre bilden!

Man könnte parietale Läsionen im Schädelbereich als Entrapment- oder Engpass-Syndrome beschreiben.

Es kommt zum Entrapment einer neurovaskulären Struktur (Nerven-Gefäßbündel als neurale und arteriell-venös-lymphatische Kombination), wobei die Wand der lymphatischen Gefäße schwächer ist als die der venösen Gefäße und die Wand der venösen Gefäße wiederum schwächer als die der arteriellen Gefäße ist. Nerven wurden früher übrigens als sehnige Adern umschrieben. Bei Spannungen an den Durchtrittsstellen entstehen demzufolge oft zuerst venolymphatische Stauungen, die dann wiederum die Nerven- und arteriellen Strukturen komprimieren und belasten.
Anstatt sich die Symptomatik des jeweiligen Spannungsmuster Spannungsmustereinzuprägen, erscheint es didaktisch sinnvoller, sich durch eine Visualisierung der Schädelkompartimente Schädelkompartimente:Leitungsbahnendie durchziehenden Leitungsbahnen zu merken. Mit allgemeinen Screeningtests (Kap. 17.2) und Spannungsmuster-Tests (Kap. 17.3) lässt sich der Schädel damit übergreifend untersuchen.
Man kann den Schädel allgemein in Kompartimente unterteilen.
Vergessen Sie nicht, dass es vor allem die funktionelle und regelmäßige Bewegung ist, die Suturen offen und beweglich und das Gewebe funktionell und viskoelastisch hält. Dazu ist das Durchbewegen der verschiedenen Schädelkompartimente und Spannungsmuster gut geeignet!
Für die anatomische Beschreibung der Foramina und der durchziehenden Leitungsbahnen erscheint es mir übersichtlicher und effizienter, nur sieben größere Schädelkompartimente zu unterscheiden (Abb. 12.1). Wir besprechen dann pro Kompartiment die vorhandenen Foramina und Leitungsbahnen.
Auch für einen allgemeinen Screeningtest des Schädels lassen sich die sieben Kompartimente gut nutzen (Kap. 17.2).
Es gibt die folgenden sieben großen Schädelkompartimente:
  • 1.

    SchädelkompartimenteSchädelbasis mit dem Boden der mittleren Schädelgrube als unteres (sphenobasilares) Kompartiment, in dem vor allem die Foramina der Schädelbasis (Schädelbasis:ForaminaForamen lacerum, Foramen ovale, Foramen spinosum etc.) und die durchziehenden Leitungsbahnen eine Rolle spielen.

  • 2.

    Schädeldach mit dem Dach der vorderen, mittleren und hinteren Schädelgrube als oberes (parieto-temporo-frontales) Kompartiment, in dem vor allem die Foramina des Schädeldachs (Schädeldach:ForaminaForamen parietale, Foramen frontale etc.) und die durchziehenden Leitungen eine Rolle spielen.

  • 3.

    Gesichtsschädel mit dem Boden der vorderen Schädelgrube als vorderes (fronto-maxillo-zygomatico-nasales) Kompartiment, in dem vor allem die Foramina der Orbita Orbita:Foraminaund des Gesichtsschädels (Gesichtsschädel:ForaminaFissurae orbitales etc.) und die durchziehenden Leitungsbahnen sowie die Nasennebenhöhlen eine Rolle spielen.

  • 4.

    Hinterkopf Hinterkopf:Foraminamit dem Boden der hinteren Schädelgrube als hinteres (okzipito-mastoidales) Kompartiment, in dem vor allem die Foramina des Os occipitale (Canalis nervi hypoglossi, Canalis condylaris, Foramen jugulare) und die durchziehenden Leitungsbahnen eine Rolle spielen.

  • 5.

    Medianebene als medianes (palatino-vomero-ethmoido-sphenoidales) Kompartiment, Kompartiment:medianesin dem die Maxilla, die unpaaren Schädelknochen und die Luftsinus eine Rolle spielen.

  • 6.

    Linkes und rechtes Kiefergelenk sowie Zahnhalteapparat, Mandibula und das jeweilige Os temporale mit dem jeweiligen Foramen stylomastoideum, Foramen mastoideum, Foramen und Canalis mandibulae. Diese bilden das linke und rechte laterale (temporomandibuläre) Kompartiment.

Das untere (sphenobasilare) Kompartiment des Schädels: SSB und Schädelbasis

Kompartiment:lateralesDieses Kompartiment bildet den Boden der mittleren Schädelgrube und ist wegen der enormen Anzahl an Foramina besonders interessant. Durch myofasziale und viskoleastische Spannungen im unteren Kompartiment des Schädels Schädelkompartiment:untereskönnen die durchziehenden Strukturen in den Foramina der Schädelbasis Schädelbasis:Foraminaeingeengt werden (Abb. 12.2).
Folgende Foramina und Hohlräume sind im unteren Schädelkompartiment zu beachten:
  • Foramen ovale

  • Meatus (Porus) acusticus internus

  • Innenohr mit knöchernen Hohlräumen (Vestibulum mit Canales semicirculares und Cochlea), membranartigen Gängen (Ductus cochlearis) und häutigen Säckchen (Utriculus und Sacculus)

  • Hiatus canalis nervi petrosi majoris und Foramen lacerum

  • Canalis caroticus

  • Fissura petrotympanica

  • Aditus ad antrum mastoideum

  • Foramen rotundum

  • Foramen spinosum

  • Hiatus nervi tympanici und Hiatus canalis nervi petrosi minoris

  • Foramen stylomastoideum

  • Canalis musculotubarius

  • Canaliculus tympanicus

Foramen ovale
In der Wurzel der Ala major des Os sphenoidale befindet sich dorsolateral vom Foramen rotundum das Foramen ovale. Das Foramen Foramen:ovaleovale ist ca. 7 mm lang, 3–4 mm breit und wird vom N. mandibularis (V3), seinem R. meningeus und vom Plexus venosus foraminis ovalis durchquert (Von Lanz-Wachsmuth 2004).
Nervenstrukturen
Der N. mandibularis zieht senkrecht durch das Foramen ovale, um dann zwischen dem M. tensor veli palatini und dem M. pterygoideus lateralis kaudalwärts zu verlaufen. Er bekommt parasympathische und sympathische Fasern aus dem Ganglion oticum, das unterhalb des Foramen ovale liegt.
Hierbei zweigen verschiedene Äste vom N. mandibularis ab (Abb. 12.3):
  • Der R. meningeus nervi mandibularis zieht gemeinsam mit der A. meningea media durch das Foramen spinosum zurück zur Dura mater in der mittleren Schädelgrube, zum Sinus sphenoidalis und zu den Cellulae mastoideae, um sie sensibel zu innervieren.

  • Der N. masticatorius versorgt mit motorischen Ästen die Kaumuskeln: NKaumuskeln:N. masticatorius. massetericus, Nn. temporales profundi, N. pterygoideus lateralis, N. pterygoideus medialis.

  • N. buccalis für Wangenmuskeln (MWangenmuskeln:N. buccalis. buccinator) und -schleimhaut.

  • Der N. auriculotemporalis bekommt neurovegetative Fasern vom Ganglion oticum. Er verläuft hinter dem Processus condylaris der Mandibula und dann am Vorderrand der Ohrmuschel zur (sensiblen) Versorgung der Glandula parotis, der Ohrmuschel, des äußeren Gehörgangs (Meatus acusticus externus), des Trommelfells (Membrana tympanica) und des Kiefergelenks.

  • Der N. lingualis zieht über den M. pterygoideus medialis zur hinteren Rachenwand und in die Mundhöhle. Dort verbindet er sich mit der Chorda tympani (Ast des N. facialis). Gemeinsam verlaufen sie dann zum Ganglion submandibulare, wo sie sympathische Fasern aufnehmen, und weiter zur Zunge. Der N. lingualis leitet sensible Informationen und Geschmacksempfindungen aus den vorderen zwei Dritteln der Zunge (Rr. linguales), der Schleimhaut des Mundbodens und des hinteren Rachenbereichs sowie parasympathische und sympathische Nervenimpulse zu den sublingualen und submandibulären Speicheldrüsen.

  • Der N. alveolaris inferior gibt zunächst den N. mylohyoideus als motorischen Ast zur Versorgung des M. mylohyoideus und des M. digastricus ab, bevor er dann lateral vom M. pterygoideus lateralis durch das Foramen mandibulae in den Canalis mandibulae eintritt und den Unterkiefer als N. mentalis durch das Foramen mentale verlässt. Der N. mentalis versorgt die Haut im Kinn- Kinnbereich:N.mentalisund Mandibulabereich, Haut und Schleimhaut der Unterlippe und den unteren Wangenbereich. Der N. alveolaris inferior sorgt für die sensible Innervation der Unterkieferzähne (Rr. dentales) und des Zahnfleischs auf der bukkalen Seite sowie der Schleimhaut und Haut der Unterlippe.

Spannungs-/Engpass-Symptome
Spannungen, venöse Stauungen und Einengung im Bereich des Foramen ovale können zu einem Sensibilitätsverlust Sensibilitätsverlust:Kinn- und Kieferbereichund zu Schmerzempfindungen im Kinn-, Kiefer- und Schläfenbereich und in den vorderen zwei Dritteln der Zunge (N. lingualis) führen sowie z. B. Unterkiefer-Zahnschmerzen (N. alveolaris inferior), eine Hypertonie Hypertonie:Kaumuskulaturder Kaumuskulatur, Funktionsstörungen der Glandula parotis oder Schmerzen im Kiefergelenk Kiefergelenk:Schmerzenhervorrufen.
Meatus acusticus internus
Der Meatus acusticus internus befindet sich direkt unter der Margo superior partis petrosae des Os temporale. Die Dura mater stülpt sich in den inneren Gehörgang Gehörgang:innererhinein und kleidet ihn, dünner werdend, bis an den Fundus meatus acustici interni aus.
Der Meatus acusticus internus bildet den Durchgang für die A. und V. labyrinthi, den N. facialis (VII) und den N. vestibulocochlearis (VIII).
Der N. facialis verlässt diese Gruppe innerhalb des Felsenbeins und zieht zwischen Mittelohr und Innenohr in den Canalis facialis ein und biegt dabei in einem Winkel von 90 (sogenanntes Fazialisknie) Fazialisknienach kaudal um. Nach der Abgabe von Ästen (N. petrosus major, N. stapedius und Chorda tympani) verlässt der Gesichtsnerv Gesichtsnervden Schädel durch das Foramen stylomastoideum.
Der N. vestibulocochlearis teilt sich im Os temporale in den N. cochlearis und N. vestibularis auf.
  • Der N. vestibularis zieht zu den drei Bogengängen (Bogengänge:(Canales/Ductus semicircularesCanalis/Ductus semicircularis posterior, Canalis/Ductus semicircularis anterior und Canalis/Ductus semicircularis lateralis) und zum häutigen Labyrinth (Utriculus und Sacculus) des Gleichgewichtsorgans. Gleichgewichtsorgan:N. vestibularisGleichgewichtsorgan:LabyrinthDie Rezeptoren des Utriculus Utriculus:Rezeptorenregistrieren Dreh- Drehbeschleunigungen:Utriculus-Rezeptorenund vertikale Beschleunigungen, die Rezeptoren des Sacculus Sacculus:RezeptorenLinearbeschleunigungen Linearbeschleunigungen:Sacculus-Rezeptorenund die Rezeptoren der Bogengänge Bogengänge:RezeptorenBewegungen in allen drei Ebenen (Abb. 12.4).

  • Der N. cochlearis tritt an der Basis cochleae in die Cochlea ein. Äste des N. cochlearis durchziehen die Lamina spiralis, um die Rezeptoren des Hörorgans (Hörorgan:(Organum spirale)Hörorgan:N. cochlearisOrganum spirale) zu innervieren.

Spannungen im Bereich des Os temporale können das Gleichgewicht und das Gehör negativ beeinflussen. Hierbei spielen natürlich auch die Kiefergelenke und die Kaumuskulatur eine wichtige Rolle.
Das Innenohr mit seinen Hohlräumen
Das Innenohr (Auris interna) Innenohr (Auris interna)besteht aus einer Reihe knöcherner Kanäle und Hohlräume (knöchernes Labyrinth) im Inneren der Pars petrosa des Os temporale, die auf ihrer Innenseite wiederum von membranartigen Gängen und Schläuchen ausgekleidet sind. Das membranöse (häutige) Labyrinth Labyrinth:häutiges (membranöses)schwimmt sozusagen im knöchernen Labyrinth. Das knöcherne Labyrinth besteht aus dem Vestibulum, den drei Bogengängen (Canales/Ductus:semicirculares"\t""Siehe BogengängeCanales:semicirculares"\t""Siehe BogengängeDuctus semicirculares) Bogengänge (Canales/Ductus semicirculares)und der Cochlea. Die drei Bogengänge bilden gemeinsam Utriculus und Sacculus das Gleichgewichtsorgan, Gleichgewichtsorgandie Cochlea Cochlea:Hörorganbildet das Hörorgan.
Hörorgan:CochleaDas Vestibulum Vestibulum:labyrinthilabyrinthi bildet den zentralen Abschnitt der knöchernen Hohlräume, zwischen den Bogengängen und der Cochlea, und beinhaltet das ovale Fenster, an dem der Stapes (Steigbügel) ansetzt. Die knöchernen Kanäle (Canales semicirculares) und die Schnecke (Hörschnecke"\t""Siehe CochleaCochlea) sind mit einer klaren Flüssigkeit (Perilymphe) gefüllt, die die membranösen Kanäle und Hohlräume umspült. Vom Vestibulum verläuft ein schmaler Kanal, der Aqueductus oder Canaliculus vestibuli, zur Drainage durch das Felsenbein, der mit der Apertura canaliculi vestibuli dorsal vom Meatus acusticus internus auf der Facies posterior der Pars petrosa ossis temporalis mündet.
Lagebeziehungen
Die membranösen Abschnitte sind mit Endolymphe (Endolymphe:LabyrinthFlüssigkeit im häutigen Labyrinth) gefüllt und folgendermaßen angeordnet (Abb. 12.4):
  • Der Ductus cochlearis in der knöchernen Cochlea mündet im Sacculus.

  • Sacculus:Ductus cochlearisDie drei Ductus semicirculares (Bogengänge) in den knöchernen Canales semicirculares münden in den Utriculus.

  • Utriculus:Ductus/Canales semicircularesSacculus und Utriculus sind zwei membranöse Säckchen bzw. Schläuche im knöchernen Vestibulum.

  • Vestibulum:SacculusVestibulum:Utriculus Der Ductus Ductus:endolymphaticusendolymphaticus nimmt über den Ductus utriculosaccularis die Endolymphe aus dem Sacculus und Utriculus im knöchernen Vestibulum auf und leitet sie im knöchernen Aqueductus vestibuli zum Saccus Saccus:endolymphaticusendolymphaticus. Der Saccus endolymphaticus ist eine epidurale Aussackung an der Apertura canaliculi vestibuli; dort findet die Resorption der Endolymphe inEndolymphe:Resorption den subarachnoidalen Liquor cerebrospinalis statt.

Auch die Perilymphe (Perilymphe:LabyrinthFlüssigkeit zwischen dem häutigen und knöchernen Labyrinth des Innenohrs) gelangt über den Canaliculus vestibuli perilymphaticus zur Hinterfläche der Pars petrosa ossis temporalis, unterhalb des Meatus acusticus internus, wo sie ebenfalls in den subarachnoidalen Liquor cerebrospinalis resorbiert wird.
Die Rezeptoren in den drei Bogengängen (Ductus semicirculares) des Gleichgewichtsorgans Gleichgewichtsorgan:Bewegungsrezeptorenregistrieren Bewegungen in allen drei Ebenen und leiten diese Informationen zum N. vestibularis des N. vestibulocochlearis (VIII) weiter.
Der im Querschnitt dreieckige Ductus cochlearis unterteilt die Cochleagänge in die mit Perilymphe Perilymphe:Scala vestibuliPerilymphe:Scala tympanigefüllte Scala vestibuli und Scala tympani, sodass in der Ohrschnecke (Hörorgan) eigentlich drei mit Flüssigkeiten gefüllte Tunnel bestehen (Abb. 12.5):
  • Ductus cochlearis mit Endolymphe

  • Endolymphe:Ductus cochlearis Scala vestibuli mit Perilymphe

  • Scala tympani mit Perilymphe.

Hörempfinden
In den bindegewebigen und mit Epithel ausgekleideten Ductus cochlearis ragt das Organum spirale (Corti-Organ Corti-Organ:Hörzellenmit Hörzellen) hinein. Trifft eine Schallwelle Schallwellenauf das Trommelfell, bewegt sich das Trommelfell (Trommelfell:Schallwellenund mit ihm auch die Gehörknöchelchen) nach medial, weil der Malleus am Trommelfell verankert ist. Da die Gehörknöchelchen Gehörknöchelchen:Schwingungmiteinander artikulieren, wird demzufolge die Basis stapedis in das ovale Fenster gedrückt. Die vom Trommelfell übertragene Schallwelle Schallwellen:Trommelfellversetzt die Gehörknöchelchen also in eine Schwingung, die sich auf das ovale Fenster überträgt. Dadurch wird wiederum die Perilymphe inPerilymphe:Flüssigkeitswelle der Scala vestibuli der Cochlea in Bewegung versetzt. Diese Flüssigkeitswelle Flüssigkeitswelle:Perilymphewird in der Cochlea weitergeleitet und bringt die Basilarmembran zum Schwingen, was eine Stimulation der Hörzellen (Hörzellen:Organum spiraleakustische Rezeptoren) im Organum spirale zur Folge hat (Abb. 12.5 und Abb. 12.6). Diese Rezeptorzellen leiten die Signale über den N. vestibulocochlearis (VIII) zum Gehirn weiter, das diese Signale in Töne übersetzt.
Wenn Geräusche zu laut sind, können sich die Mm. tensores tympani (am Malleus befestigt) und Mm. stapedii (am Stapes befestigt) kontrahieren und die Kette der Gehörknöchelchen Gehörknöchelchen:Versteifungversteifen. Das Trommelfell wird dadurch stärker gespannt und die Schallübertragung verringert. Ein Krampf des M. stapedius verursacht eher ein Klingen oder Rauschen im Ohr (Tinnitus).
Gefäßversorgung
TinnitusFür die arterielle Versorgung des knöchernen Labyrinths Labyrinth:arterielle Versorgungsorgen:
  • die A. tympanica anterior, ein Ast der A. maxillaris,

  • die A. stylomastoidea, ein Ast der A. auricularis posterior,

  • der R. petrosus, ein Ast der A. meningea media.

Das häutige (membranöse) Labyrinth Labyrinth:venöse Drainagewird durch die A. labyrinthi, meistens ein Ast der A. inferior anterior cerebelli, versorgt.
Die venöse Drainage erfolgt über die V. labyrinthi, die in den Sinus petrosus inferior oder den Sinus sigmoideus abfließt.
Spannungssymptome
Einengung und Spannungen im Bereich des Os temporale können z. B. zu funktionellen Hörstörungen, HörstörungenGleichgewichtsstörungen, GleichgewichtsstörungenSchwindelgefühl Schwindelgefühloder Tinnitus Tinnitusführen.
Hiatus canalis nervi petrosi majoris und Foramen lacerum
Der Hiatus Hiatus:canalis nervi petrosi majoriscanalis nervi petrosi majoris ist eine knöcherne Rinne, die oben auf der Pars petrosa ossis temporalis liegt und nach ventromedial zum Canalis caroticus und Foramen Foramen:lacerumlacerum zieht (Abb. 12.2).
Lagebeziehungen und Funktion
Der N. N.:petrosus majorpetrosus major entsteht aus parasympathischen Fasern des N. facialis (VII) und zieht, nach dem Durchtritt durch den Canalis nervi petrosi majoris in die mittlere Schädelgrube, auf dem Felsenbein unter der Dura nach vorne medial zum Foramen lacerum. Er durchquert die Knorpelplatte, die das Foramen Foramen:lacerumlacerum beim Lebenden ausfüllt, und verläuft dann, gemeinsam mit dem N. N.:petrosus profunduspetrosus profundus (Ast des sympathischen Plexus caroticus internus) und mit motorischen Fasern der Chorda Chorda:tympanitympani (Ast des N. facialis) für den M. levator veli palatini, als N. canalis pterygoidei durch den 2 cm langen Canalis pterygoideus zum Ganglion pterygopalatinum in der Fossa pterygopalatina. Die parasympathischen Fasern (N. petrosus major) werden im Ganglion Ganglion:pterygopalatinumpterygopalatinum umgeschaltet, während die sympathischen Fasern (N. petrosus profundus) ohne Unterbrechung durch das Ganglion pterygopalatinum hindurchziehen (Abb. 12.7 und Abb. 12.8).
Funktion: Der N. petrosus major innerviert die Tränendrüsen, Tränendrüsen:N. petrosus majordie Nasen- und Gaumendrüsen und etliche kleine Schleimdrüsen und begleitet deswegen den N. maxillaris.
Das Foramen Foramen:lacerumlacerum befindet sich zwischen der Pars basilaris des Os occipitale, der Ala major des Os sphenoidale und dem Apex partis petrosae des Os temporale (Abb. 12.2). Es ist durch Faserknorpel abgedichtet und bildet damit die Synchondrosis sphenopetrosa (Von Lanz-Wachsmuth 2004). Es wird, wie bereits erwähnt, vom N. petrosus major und N. petrosus profundus durchquert.
Gefäß- und Nervenversorgung
Der Plexus venosus caroticus internus und der sympathische N. caroticus internus ( sympathische Plexus caroticus internus) ziehen intrakranial direkt oberhalb am Foramen lacerum vorbei. Der venöse Plexus caroticus internus verbindet den Sinus cavernosus mit der V. V.:jugularis internajugularis interna bzw. mit dem Plexus venosus pterygoideus.
Der sympathische Plexus (bzw. N.) caroticus internus, der gemeinsam mit der A. A.:carotis internacarotis interna durch den Canalis carotis zieht und mit ihr dann letztendlich im Schädel direkt kranial des Foramen lacerum aufsteigt, versorgt vasomotorisch die Gefäße im Kopf und über den N. petrosus profundus die Tränendrüse.
Stauungs- und Spannungssymptome
Stauungen im Bereich des Foramen lacerum können funktionelle Störungen der arteriellen und venösen Hirnversorgung verursachen. Zudem können Einengungen und Spannungen im Bereich des Hiatus canalis nervi petrosi majoris zu einer Funktionsstörung des M. stapedius mit Überempfindlichkeit gegen Lärm/Töne, zu Sekretionsstörungen der Tränen-, Nasen- und Gaumenschleimhautdrüsen sowie zu einer Sinusitis führen.
Canalis caroticus
Der Canalis caroticus des Os temporale (Abb. 12.9) ist ein gekrümmter, nach ventromedial verlaufender Kanal mit einer Weite von ca. 6–7 mm bei Erwachsenen (Lang 1995).
Neurovaskuläre Strukturen und Funktion
Er wird von der A. carotis interna, vom Plexus venosus caroticus internus und vom Plexus sympathicus caroticus internus (N. caroticus internus) durchzogen.
  • Die A. A.:carotis internacarotis interna und der Plexus venosus caroticus internus versorgen die Hirnstrukturen der mittleren und vorderen Schädelgrube.

  • Der Plexus sympathicus caroticus internus versorgt die Tränendrüse, die Speicheldrüsen, Schleim- und Spüldrüsen, Gefäße, den M. dilatator pupillae, die Mm. tarsales (Muskeln der Augenlider zum Erweitern des Lidspaltes) und den M. orbitalis (im Boden der Orbita; bildet ein federndes Widerlager für das Auge).

Stauungs- und Spannungssymptome
Spannungen und Stauungen im Bereich des Canalis caroticus können funktionelle Störungen (z. B. der Konzentration, Augen, Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhaut, Tränendrüsen) auslösen.
Fissura petrotympanica (Glaser-Spalte)
Die Fissura Fissura:petrotympanicapetrotympanica (Glaser-Spalte) Glaser-Spalteist eine Spalte in der Unterfläche des Os temporale, die sich zwischen der Pars petrosa und der Pars tympanica (hufeisenförmiger Ring, der den äußeren Gehörgang bildet), etwas dorsomedial vom Mandibulaköpfchen befindet (Abb. 12.8 und 12.15).
Neurovaskuläre Strukturen
Aus der Fissura petrotympanica treten die Chorda tympani (Ast des N. facialis) sowie die A. und V. tympanica anterior aus.
Die Chorda tympani entspringt im Canalis nervi facialis aus dem N. facialis (VII) und zieht durch die Paukenhöhle (Cavum tympani) im Os temporale (deswegen Chorda tympani), um dann durch die Fissura petrotympanica aus dem Schädel in die Fossa infratemporalis, dorsal des Kiefergelenks, überzutreten. Die Chorda tympani verläuft medial des M. pterygoideus lateralis kaudalwärts und vereinigt sich dort mit dem N. N.:lingualislingualis, einem Ast des N. mandibularis (V3). Der N. lingualis zieht dann mit der Chorda tympani an der Innenfläche des R. mandibulae zum Mundboden.
Die Chorda tympani führt:
  • sekretorische parasympathische Fasern parasympathische Fasern:Chorda tympanifür die Speicheldrüsen des Mundbodens, für die Zungendrüsen und Drüsen in der Schleimhaut des Mundbodens,

  • Geschmacksfasern Geschmacksfasern:Chorda tympanifür die Zunge,

  • sensible Fasern sensible Fasern:Chorda tympanifür die Zungenschleimhaut,

  • motorische Fasern motorische Fasern:Chorda tympanifür den M. levator veli palatini.

Spannungssymptome
Bei Spannungen in diesem Bereich und im Bereich der Kiefergelenke kann es unter anderem zur Reizung der Chorda tympani mit Geschmacksstörungen (vGeschmacksstörungen. a. mangelhafte süße Geschmackswahrnehmung), Trockenheit der Mundbodenschleimhaut durch mangelnde Speichelproduktion Speichelproduktion:mangelndeder Mundbodenspeicheldrüsen und Parästhesien im Zungenbereich kommen (Abb. 12.8, Abb. 12.10 und Abb. 12.11).
Aditus ad antrum mastoideum
Der Aditus adAditus:ad antrum mastoideum antrum mastoideum ist ein knöcherner Kanal im Os temporale, der den Eingang der Paukenhöhle zum Antrum mastoideum, einen Hohlraum mit luftgefüllten Kammern (Cellulae mastoideae), bildet (Abb. 12.9).
Über den Aditus ad antrum mastoideum können Mittelohrentzündungen Mittelohrentzündungen:Ausbreitungbei einer schlechten Drainage des Mittelohrs (über die Tuba auditiva) zum Pharynx daher leicht auf das Antrum Antrum:mastoideummastoideum übergreifen und eine Mastoiditis auslösen. Weil das Antrum mastoideum und das Mittelohr nur durch das dünne Tegmen tympani (knöchernes Dach des Mittelohrs) von der mittleren Schädelgrube getrennt sind, besteht bei einer Mastoiditis sogar die Gefahr, dass es zu einer Perforation der Entzündung mit Komplikationen wie einer Osteomyelitis, Osteomyelitis:durch MastoiditisMeningitis Meningitis:durch Mastoiditisoder eines Hirnabszesses Hirnabszess:durch Mastoiditiskommt, sodass eine akute Entzündung oder Infektion des Processus mastoideus immer ärztlich betreut werden sollte!
Foramen rotundum
Das Foramen Foramen:rotundumrotundum des Os sphenoidale liegt dorsokaudal von der Fissura orbitalis superior und ist eigentlich ein kurzer Kanal, der die mittlere Schädelgrube mit der Fossa pterygopalatina verbindet (Abb. 12.2).
Durch das Foramen rotundum treten der N. maxillaris (V2) und das Rete venosum canalis rotundi hindurch. Der N. maxillaris gibt vor dem Verlassen des Schädels die Rr. tentorii und Rr. meningei ab, die das Tentorium cerebelli und die Dura mater der mittleren Schädelgrube sensibel versorgen. Der N. maxillaris zieht dann von der mittleren Schädelgrube durch das Foramen rotundum in die Fossa pterygopalatina.
Dort teilt er sich in seine drei Hauptanteile auf (Abb. 12.12): N. pterygopalatinus, N. zygomaticus und N. infraorbitalis.
Hauptäste des N. maxillaris
Der N. pterygopalatinus besteht aus Rr. ganglionares, die vom Ganglion Ganglion:pterygopalatinumpterygopalatinum abgehen, und erhält dort auch parasympathische Fasern des N. facialis (VII) zugeteilt. Die parasympathischen Fasern des N. facialis ziehen über den N. intermedius, N. petrosus major und N. canalis pterygoidei zum Ganglion pterygopalatinum. Der N. canalis pterygoidei führt sowohl parasympathische als auch sympathische Fasern des Plexus sympathicus caroticus internus, die sich als N. petrosus profundus dem N. canalis pterygoidei anschließen, um zum Ganglion pterygopalatinum zu ziehen. Die parasympathischen Fasern werden im Ganglion pterygopalatinum umgeschaltet, während die sympathischen und sensiblen Fasern ohne Umschaltung durch das Ganglion hindurch verlaufen.
Der N. pterygopalatinus zieht dann vom Ganglion pterygopalatinum kaudalwärts und gibt verschiedene Schleimhautäste ab (Abb. 12.12):
  • Rr. orbitales ziehen durch die Fissura orbitalis inferior, um den M. orbitalis (der bei seiner Kontraktion den vor ihm liegenden Fettkörper und das Auge nach ventral abdrängt) sympathisch zu innervieren. Einige Rr. orbitales setzen sich durch das Foramen ethmoidale posterius zu den Nasennebenhöhlen fort und versorgen dort die Schleimhaut sensibel und die Schleimdrüsen sekretorisch.

  • Rr. nasales ziehen durch das Foramen sphenopalatinum direkt medianwärts zur Nasenhöhle, deren Schleimhaut sie sensibel und sekretorisch versorgen. Ein besonders großer Ast ist der N. N.:nasopalatinusnasopalatinus. Er verläuft auf der kranialen Fläche des Gaumens zum Canalis incisivus, wo er sich mit dem N. nasopalatinus der anderen Seite vereinigt, und tritt durch den Canalis incisivus in die Mundhöhle ein, um das Zahnfleisch der oberen Schneidezähne und die Schleimhaut des Gaumens Gaumenschleimhaut:Innervationsensibel und sekretorisch zu versorgen.

  • Der R. pharyngeus zieht durch feine Kanälchen im Corpus ossis sphenoidalis zum Rachendach, um die Schleimhaut dort und im Sinus sphenoidalis sensibel und sekretorisch zu versorgen.

  • Der N. N.:palatinus majorpalatinus major zieht im Canalis pterygopalatinus, zwischen dem Vorderrand des Processus pterygoideus und der Lamina perpendicularis des Os palatinum, senkrecht nach kaudal, wobei er einige Rr. nasales zur Schleimhaut der unteren Nasenmuschel abgibt. Der N. palatinus major tritt dann durch das Foramen palatinum majus des Os palatinum, direkt medial des letzten Backenzahns hindurch. Er versorgt die Schleimhaut des harten Gaumens imGaumenschleimhaut:Innervation hinteren Bereich sensibel und sekretorisch.

  • Der N. palatinus minor N.:palatinus minorzieht ebenfalls im Canalis pterygopalatinus senkrecht nach kaudal zur Mundhöhle und durchquert dabei ein oder zwei Foramina palatina minora. Er versorgt sensibel und sekretorisch die Schleimhaut im Bereich des weichen Gaumens Gaumenschleimhaut:Innervationund der Tonsilla palatina. Der N. palatinus minor führt außerdem noch motorische Fasern für den M. levator veli palatini.

Der N. infraorbitalis ist der stärkste Ast des N. maxillaris und zieht durch die Fissura orbitalis inferior zur Orbita. Auf dem Weg gibt er verschiedene Äste ab:
  • Die Nn. alveolares superiores posteriores, medii und anteriores versorgen mit verschiedenen Rr. die Schleimhaut des Sinus maxillaris und ziehen dann vom Sinus maxillaris kaudalwärts, wo sie verschiedene Rr. dentales zu den oberen Zähnen und zum Zahnfleisch auf der bukkalen Seite abgeben (Abb. 12.12).

  • Der N. infraorbitalis Nervus(-i):infraorbitaliszieht dann gemeinsam mit dem N. zygomaticus durch das Foramen infraorbitale, um für die sensible Innervation der Haut im lateralen Teil der äußeren Nase (Rr. nasales), der Haut des unteren Augenlids (Rr. palpebrales) und der Haut der Wange und der Oberlippe (Rr. labiales) zu sorgen.

Der N. zygomaticus Nervus(-i):zygomaticuszieht vom Ganglion pterygopalatinum durch die Fissura orbitalis inferior zur Orbita. Er verläuft an der lateralen Wand der Orbita durch einen kleinen Kanal des Os zygomaticum und versorgt die Haut und das Periost im Bereich des Jochbeins.
  • Ein kleiner Ast steigt als R. communicans an der lateralen Orbitawand auf und verbindet sich mit dem N. lacrimalis des N. ophthalmicus. Gemeinsam ziehen sie zur Tränendrüse, deren Sekretion sie regeln.

Stauungs- und Spannungssymptome
Spannungen, venöse Stauung und Einengung im Bereich des Foramen rotundum können zu starken Kopfschmerzen imKopfschmerzen Bereich des Tentorium cerebelli, einem Sensibilitätsverlust Sensibilitätsverlustund verminderter Schmerzempfindung im Oberkiefer-, Nasen- und Jochbogenbereich, zu Zahnschmerzen imZahnschmerzen Oberkiefer (N. alveolaris superior), zu Funktionsstörungen und Empfindlichkeit der Schleimhäute (Trockenheit) im Gaumen-, Pharynx- und Nasenhöhlenbereich führen.
Foramen spinosum
Das Foramen Foramen:spinosumspinosum liegt im dorsolateralen Ausläufer der Ala major ossis sphenoidalis, etwas dorsolateral vom Foramen ovale (Abb. 12.2). Es ist ca. 2–3 mm lang und ca. 2 mm breit (Von Lanz-Wachsmuth 2004).
Strukturen und Funktion: Durch das Foramen spinosum treten die A. meningea media, der R. meningeus des N. mandibularis und der Plexus venosus foraminis spinosi hindurch. Der R. meningeus versorgt die Dura mater der mittleren Schädelgrube und die Schleimhaut der Cellulae mastoideae sensibel. Der Plexus venosus foraminis spinosi verbindet die Vv. meningeae mediae mit dem venösen Plexus pterygoideus.
Stauungssymptome: Stauungen in dem Bereich können funktionelle Störungen des R. meningeus des N. mandibularis mit starken Kopfschmerzen Kopfschmerzenauslösen.
Hiatus nervi tympanici und Hiatus canalis nervi petrosi minoris
Der Hiatus nervi tympanici ist eine kleine Öffnung zwischen dem Foramen jugulare und dem Canalis caroticus.
Fasern aus dem Nucleus salivatorius inferior (Hirnstamm) verlassen den Schädel mit dem N. glossopharyngeus (IX) durch das Foramen jugulare. Der N. tympanicus Nervus(-i):tympanicuszweigt dann vom N. glossopharyngeus ab, zieht durch den Hiatus Hiatus:nervi tympanicinervi tympanici des Os temporale zurück in den Schädel zum Mittelohr (Mittelohr:NervengeflechtCavitas tympani). In der Schleimhaut des Promontoriums des Mittelohrs bildet der N. tympanicus gemeinsam mit sympathischen Ästen (Nn. caroticotympanici) des Plexus Plexus:caroticus internuscaroticus internus ein Nervengeflecht, den Plexus Plexus:tympanicustympanicus (Abb. 12.13). Dieser Plexus tympanicus innerviert die Schleimhaut des Mittelohrs, des Mastoids und der Tuba auditiva sensibel, parasympathisch und sympathisch.
Der Hiatus canalis nervi petrosi minoris ist eine knöcherne Rinne, die oben auf der Pars petrosa ossis temporalis liegt und nach ventromedial zum Foramen Foramen:lacerumlacerum zieht (Abb. 12.2). Ein Ast des Plexus tympanicus, der N. petrosus minor, zieht gemeinsam mit der A. und V. tympanica superior vom Mittelohr durch den Hiatus Hiatus:canalis nervi petrosi minoriscanalis nervi petrosi minoris zur mittleren Schädelgrube (Fossa cranii media) und dann durch das Foramen lacerum zum Ganglion Ganglion:oticumoticum, nahe dem Ursprung des M. pterygoideus medialis. Postganglionäre parasympathische Fasern verlassen das Ganglion oticum und vereinigen sich mit dem N. auriculotemporalis des N. mandibularis, um zur Glandula parotidea weiterzuziehen.
Spannungs- und Stauungssymptome: Spannungen, venöse Stauung und Einengung im Bereich des Hiatus nervi tympanici und des Hiatus canalis nervi petrosi minoris können beispielsweise zu rezidivierenden Mittelohrentzündungen, MittelohrentzündungenMastoiditis Mastoiditisund Funktionsstörungen der Ohrspeicheldrüse führen.
Foramen stylomastoideum
Das Foramen Foramen:stylomastoideumstylomastoideum befindet sich zwischen dem Processus styloideus und dem Processus mastoideum (Abb. 12.15). Durch dieses Foramen treten die motorischen Fasern des N. facialis (VII), die durch den Meatus acusticus internus in das Os temporale gelangen, wieder aus dem Os temporale aus.
Der N. facialis besteht einerseits aus rein motorischen und andererseits aus sekretorischen, sensorischen und sensiblen Fasern. Die drei Letzteren sind zum Großteil in einem Teilabschnitt des Nervs zum N. intermedius vereint. Die motorischen Fasern des N. facialis verlassen den Schädel zum Großteil durch das Foramen stylomastoideum. Nur ein kleiner Teil der motorischen Fasern bleibt im Felsenbein, um als N. stapedius den M. stapedius zu versorgen.
Äste des N. facialis
Der N. facialis teilt sich nach Verlassen des Foramen stylomastoideum in drei Richtungen auf (Abb. 12.14):
  • Der nach dorsal ziehende N. auricularis posterior Nervus(-i):auricularis posteriorenthält einen kleinen Teil sensibler Fasern für Hautareale im Bereich der Ohrmuschel und motorische Fasern für den M. occipitalis der Kopfschwarte.

  • Der R. digastricus und der R. stylohyoideus ziehen nach kaudal, um den Venter posterior des M. digastricus und den M. stylohyoideus motorisch zu versorgen.

  • Vom Plexus parotideus ziehen etliche Fasern nach ventral, die sich innerhalb der Glandula parotidea fächerförmig aufteilen, um als Rr. temporales, Rr. zygomatici, Rr. buccales, Rr. marginales mandibulae und Rr. colli die Gesichtsmuskeln zu innervieren.

Der N. facialis hat auch etliche Äste (N. intermedius) Nervus(-i):intermediusinnerhalb der Pars petrosa ossis temporalis:
  • Der N. stapedius Nervus(-i):stapediusversorgt motorisch den M. stapedius, der die Schallleitung imSchallleitung:im Mittelohr Mittelohr Mittelohr:Schallleitungdadurch reguliert, dass er die Steigbügelplatte stärker spannt und weniger beweglich macht. Das trägt zur Dämpfung von lauten Geräuschen bei und beugt einer Überempfindlichkeit des Gehörs vor.

  • Durch den N. petrosus major Nervus(-i):petrosus majorwerden die Tränen-, Nasen- und Gaumendrüsen sowie die Schleimdrüsen im Versorgungsgebiet des N. maxillaris parasympathisch innerviert.

  • Die Chorda Chorda:tympanitympani ist für die parasympathische Versorgung der Speicheldrüsen im Mundbodenbereich und der Zungendrüsen, für einen Teil der Geschmacksfasern und für die sensible Versorgung der Zunge sowie für die motorische Versorgung des M. levator veli palatini zuständig.

  • Der R. communicans cum plexu tympanico zieht zum Plexus tympanicus des N. glossopharyngeus und hilft wahrscheinlich mit, die Schleimhaut im Mittelohr und in der Tuba auditiva zu versorgen.

Spannungssymptome
Bei Spannungen im Bereich des Foramen stylomastoideum können sich motorische Störungen der Gesichts- und Mundbodenmuskulatur, Sensibilitätsstörungen imSensibilitätsstörungen:Ohrmuschel Bereich der Ohrmuschel oder Hörstörungen Hörstörungenzeigen (z. B. Überempfindlichkeit gegenüber lauten Tönen). Auch Kiefergelenkprobleme Kiefergelenkproblemekönnen Spannungen im Bereich des Foramen stylomastoideum verursachen.
Canalis musculotubarius
Auf der kaudalen Fläche der Schädelbasis liegt medial vom Foramen ovale und Foramen spinosum die Öffnung des Canalis Canalis:musculotubariusmusculotubarius (Abb. 12.15). Dort befindet sich eine Knochenrinne, die den Ansatz für die Tuba Tuba:auditiva (Eustachi-Röhre)auditiva (Eustachi-Röhre) Eustachi-Röhre"\t""Siehe Tuba auditivaund für den M. tensor tympani bildet.
Die Tuba auditiva verbindet das Mittelohr Mittelohr:Tuba auditivamit dem Nasopharynx und sorgt für den Druckausgleich Druckausgleich:Tuba auditivaund das Ablaufen von Schleimhautsekreten des Mittelohrs. Die Tuba auditiva besteht aus einem knöchernen Abschnitt, der an die Paukenhöhle anschließt und ca. 11–12 mm lang ist, und aus einem 24–25 mm langen knorpeligen Abschnitt, der seitlich oben in den Nasopharynx Nasopharynx:Tuba auditivaNasopharynx:Canalis musculotubariusmündet (Abb. 12.16) (Lang 1995). Vom Canalis musculotubarius zieht sie in einem Winkel von 30–40 zur Horizontalebene nach ventromediokaudal zum Nasopharynx.
Der M. tensor tympani entspringt am knorpeligen Abschnitt der Tuba auditiva, an der Ala major ossis sphenoidalis und an seiner knöchernen Halbrinne (Semicanalis musculi tensoris tympani). Der Muskel zieht zur Paukenhöhle Paukenhöhle:M. tensor tympaniund inseriert am Malleus. Bei Kontraktion des M. tensor tympani wird das Manubrium mallei in die Paukenhöhle gezogen, wodurch sich das Trommelfell Trommelfell:M. tensor tympanistärker anspannt und die Schallübertragung verringert wird. Dieser Muskel wird vom N. mandibularis innerviert.
Spannungssymptome
Spannungen können sowohl vom Pharynxbereich mit der zentralen MFK und dem Zwerchfell als auch vom Os temporale oder vom Kiefergelenk ausgehen. Dadurch kann es zu rezidivierenden Mittelohrentzündungen, Mittelohrentzündungenzu funktionellen Störungen des Druckausgleichs Druckausgleich:Störungenbeim Überwinden von Höhenunterschieden (z. B. Bergsteigen, im Flugzeug) oder zu funktionellen Hörstörungen (HörstörungenÜberempfindlichkeit gegenüber lauten Tönen) kommen.
Canaliculus tympanicus
Zwischen dem Ansatz des Processus styloideus und dem Canalis caroticus befindet sich der Canaliculus Canaliculus:tympanicustympanicus (Abb. 12.15). Durch den Canaliculus tympanicus verläuft der N. tympanicus in Begleitung der A. und V. tympanica inferior.
Spannungssymptome: Spannungen im Bereich des Canaliculus tympanicus können funktionelle Hörstörungen (HörstörungenÜberempfindlichkeit gegenüber lauten Tönen) verursachen.
Spannungen:sphenobasiläre sphenobasiläre Spannungen:Symptome

Zusammenfassung

Sphenobasiläre Spannungen können allgemein folgende Symptomatik auslösen:

  • Parästhesien (Haut im Kinn-, Mund-, Unter- und Oberkiefer-, Nasen- und Jochbeinbereich)

  • funktionelle Kiefergelenk- und Kaumuskelstörungen

  • starke Kopfschmerzen

  • Schwindel, Gleichgewichtsstörungen

  • Tinnitus, funktionelle Hörstörungen

  • Entzündung und Trockenheit der Schleimhaut im Bereich des Mundbodens, Gaumens und der Nasenhöhle

  • Entzündung und Trockenheit der Nasennebenhöhlenschleimhaut (Sinusitis)

  • funktionelle Zahnschmerzen, Parodontitis im Unterkiefer- und Oberkieferbereich

  • funktionelle Schluckstörungen und Zungenbrennen

  • funktionelle Stimmprobleme

  • Geschmacksstörungen der Zunge

  • rezidivierende Mittelohrentzündungen und Mastoiditis

Das hintere (okzipitomastoidale) Kompartiment des Schädels: der Hinterkopf

Myofasziale und Hinterkopf:Foraminaviskoelastische Spannungen im hinteren Kompartiment des Schädels können Strukturen einengen, die durch Foramina im okzipitomastoidalen Bereich ziehen (Abb. 12.1).
Folgende Foramina und Hohlräume sind im hinteren Schädelkompartiment zu beachten:
  • Foramen jugulare

  • Canalis nervi hypoglossi

  • Canalis condylaris

  • Foramen mastoideum

  • Foramen occipitale

  • Foramen magnum

Foramen jugulare
Das Foramen jugulare wird Foramen:jugulareventrolateral von der Incisura jugularis der Pars petrosa ossis temporalis und dorsomedial von der Incisura jugularis der Pars lateralis ossis occipitalis begrenzt. Es ist etwa ca. 12–13 mm lang und ca. 6–7 mm breit (von Lanz-Wachsmuth 2004). In den Incisurae des Os temporale und des Os occipitale sind oft unregelmäßig ausgebildete Knochensporne vorzufinden, die als Processus intrajugulares bezeichnet werden. Durch diese Processus und Duralamellen wird das Foramen jugulare oft in eine ventromediale Pars nervosa und eine dorsolaterale Pars vasculosa aufgeteilt und von einer Bindegewebsplatte abgedichtet, die die intrakraniale Dura mater mit dem extrakranialen Periost des Schädels verbindet.
Neurovaskuläre Strukturen
Durch die Pars nervosa des Foramen jugulare ziehen der N. glossopharyngeus, der N. vagus, der N. accessorius und der Sinus petrosus inferior hindurch.
Durch die Pars vasculosa des Foramen jugulare ziehen der Sinus sigmoideus, die A. meningea posterior als meningealer Ast der A. occipitalis und der A. pharyngea ascendens sowie der R. meningeus des N. vagus, der hier wieder in den Schädel eintritt.
Nervenäste und ihre Funktion
Der N. glossopharyngeus innerviert vor allem den Zungen- und Schlundbereich, die Paukenhöhle und die Glandula parotidea und reguliert den Blutdruck. Vor dem Blutdruckregulation:N. glossopharyngeusVerlassen des Schädels gibt er Rr. meningei zur Versorgung der Meningen in der hinteren Schädelgrube ab. Nach dem Verlassen des Foramen jugulare zweigen verschiedene Äste vom N. glossopharyngeus ab (Abb. 12.17):
  • Der N. tympanicus, der durch den Nervus(-i):tympanicusCanaliculus tympanicus zur Paukenhöhle zieht (Abb. 12.13), versorgt die Schleimhaut der Paukenhöhle und der Tuba auditiva, Teile der Cellulae mastoideae und die Innenfläche des Trommelfells sensibel. Der N. tympanicus durchquert das Dach der Paukenhöhle und setzt sich dann als N. petrosus minor auf der Nervus(-i):petrosus minorOberfläche der Pars petrosa ossis temporalis fort. Der N. petrosus minor zieht unter der Dura zum Foramen lacerum und von dort weiter zum Ganglion oticum (ca. 1 cm unterhalb des Foramen ovale), wo diese parasympathischen Fasern umgeschaltet werden und gemeinsam mit sympathischen Fasern und mit dem N. auriculotemporalis (Ast des N. mandibularis) zur Glandula parotidea ziehen.

  • Der R. stylopharyngeus Ramus(-i):stylopharyngeusist für die motorische Innervierung des M. stylopharyngeus zuständig.

  • Rr. pharyngei sorgen Ramus(-i):pharyngeifür die motorische Innervierung der Pharynxmuskulatur, für die sensible Innervierung der Pharynxschleimhaut und für die parasympathische sekretomotorische Innervierung der Schleimdrüsen.

  • Rr. tonsillares Ramus(-i):tonsillaressorgen für die motorische Innervierung der Schlundhebermuskeln und des weichen Gaumens, für die sensible und sekretomotorische Innervierung der Schleimhaut und Drüsen im Bereich der Gaumenbögen und des lymphatischen Rachenrings mit den Tonsillen.

  • Rr. linguales sind für die sensible Versorgung der Schleimhaut des hinteren Zungendrittels, für die Geschmacksempfindung und für die sekretomotorische Innervierung der Spüldrüsen des Zungengrundes zuständig.

  • Der R. sinus carotici Ramus:sinus caroticiinnerviert die Chemorezeptoren des Glomus caroticum (Kontrolle der O2-Konzentration im Blut) und die Barorezeptoren des Sinus caroticus (Kontrolle des Blutdrucks).

Der N. vagus Blutdruckkontrolle:Sinus caroticusverdankt seinen Namen (vagus von lat. umherschweifend) seinem weitverzweigten Netz im ganzen Körper. Der N. vagus verfügt über alle vier Faserqualitäten des Gehirns, d.Faserqualitäten:sensibleFaserqualitäten:sensorischeFaserqualitäten:vegetative Faserqualitäten:motorischeh. über sensible, sensorische, motorische und vegetative (parasympathische) Qualitäten.
Nach seinem Durchtritt durch das Foramen jugulare gibt der N. vagus folgende Äste ab:
  • Der R. meningeus wendet sich durch das Foramen jugulare zurück in den Schädel und versorgt Teile der Dura mater in der hinteren Schädelgrube.

  • Der R. auricularis zieht durch den Canaliculus mastoideus nach dorsolateral und tritt in Nähe der Fissura tympano

  • mastoidea aus. Von ihm werden die Hinterfläche der Ohrmuschel, die dorsale und kaudale Wand des äußeren Gehörgangs und die Außenfläche des Trommelfells sensibel versorgt.

  • Rr. pharyngei sowie der N. laryngeus superior und der N. laryngeus recurrens versorgen mit motorischen Fasern die Pharynx- und Larynxmuskulatur, mit sensiblen Fasern die Pharynx- und Larynxschleimhaut und mit sekretorischen Fasern die Drüsen der Pharynx- und Larynxschleimhaut.

  • Rr. cardiaci Ramus(-i):cardiaci thoraciciRamus(-i):cardiaci cervicalescervicales superiores und inferiores und Rr. cardiaci thoracici bewirken eine Senkung des arteriellen Blutdrucks und der Herzfrequenz.

  • Rr. pericardiaci innervieren den Herzbeutel sensibel.

  • Rr. thymici sind für die sensible und vasomotorische Versorgung des Thymus (gemeinsam mit sympathischen Fasern) zuständig.

  • Rr. bronchiales sind für die motorische Versorgung (Kontraktion) der glatten Bronchialmuskulatur und die sensible Versorgung (ohne Schmerzempfindung) der Lunge verantwortlich (Samandari 1994).

  • Rr. oesophagei innervieren die Speiseröhre motorisch (Anregung der Peristaltik) und sensibel.

  • Peristaltik:Rr. oesophagei (N. vagus) Rr. viscerales gehen zu allen Bauch- und Beckenorganen und innervieren sie motorisch (Anregung der Peristaltik und Relaxierung Peristaltik:Rami viscerales (N. vagus)der Sphinktermuskulatur im Verdauungstrakt). Ihre genaue Wirkung auf die Bauch- und Beckengefäße sowie auf etliche Bauch- und Beckenorgane (z. B. Milz, Leber, Nebennieren) ist noch nicht eindeutig geklärt (Appenzeller et al. 1999).

Der N. accessorius ist ein rein Nervus(-i):accessoriusmotorischer Nerv für den M. trapezius und den M. sternocleidomastoideus (Abb. 12.18). Die meisten seiner Wurzelfasern entspringen dem zervikalen Rückenmark und ziehen zuerst kranialwärts durch das Foramen magnum in den Schädel, um sich mit den Fasern aus dem Hirnbereich (eigentlich handelt es sich hierbei um Vagusfasern) zu vereinigen, und verlassen den Schädel dann kaudalwärts durch das Foramen jugulare. Nach dem Austritt aus dem Foramen jugulare teilt sich der N. accessorius sofort in einen R. medialis und einen R. lateralis auf:
  • Der R. medialis zieht zum N. vagus.

  • Der R. lateralis bildet den eigentlichen Anteil des N. accessorius und zieht unterhalb des M. sternocleidomastoideus und des M. trapezius kaudal- und dorsalwärts.

Gefäße
Die A. meningea posterior zieht als Endast der A. pharyngea ascendens kranialwärts durch das Foramen jugulare zur hinteren Schädelgrube, um die Meningen zu versorgen (Kap. 9.2).
Spannungssymptome: Spannungen in diesem Bereich können die Versorgung der Meningen einschränken und meningeale Verspannungen und Kopfschmerzenmeningeale Verspannungen verursachen.
Der KopfschmerzenSinus petrosus inferiorSinus:petrosus inferior und der Sinus sigmoideus ziehenSinus:sigmoideus gemeinsam durch das Foramen jugulare und münden in die V. jugularis interna.
Spannungssymptome: Spannungen in diesem Bereich können die venösen Umgehungswege zusätzlich belasten und eine venöse Stauung im Bereich der venöse Stauung:Sinus durae matrisSinus durae matris mit Kopfschmerzen verursachen (KopfschmerzenKap. 6.3.1 und Kap. 7.8Kap. 6.3.1Kap. 7.8).
Spannungssymptome
Im Foramen jugulare können sich erfahrungsgemäß relativ schnell funktionelle Spannungen durch die mastoidale und okzipitale Muskulatur aufbauen. Insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern können Spannungen und Stauungen im Spannungen:Foramen jugulareBereich des Foramen jugulare eine Hypertonie des M. sternocleidomastoideus und des M. trapezius bewirken und dadurch einen Teufelskreis mit Schiefhals, Schluck- und SchiefhalsSaugstörungen in Gang setzen.
SaugstörungenStauungen im Bereich des Stauungssymptome:Foramen jugulareForamen jugulare können sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen zu weit verbreiteten funktionellen Störungen führen, wie beispielsweise:
  • im Bereich des Pharynx- und Larynx: Dysphagie (DysphagieSchluckstörungen), Dysphonie (SchluckstörungenStimmprobleme), DysphonieSchleimhautirritation, rezidivierende Tonsillitis, Zungenbrennen

  • im Bereich des Gehörs: Hörstörungen, rezidivierende HörstörungenMittelohrentzündungen

  • im Bereich Mittelohrentzündungendes Mediastinums: Herz- und Blutdruckprobleme (Tachykardie, Hypertonie)

  • Tachykardieim HypertonieLungenbereich: bronchiale (Asthma-ähnliche) Störungen

  • im Bereich der Speiseröhre: Achalasie, Refluxsymptome

  • Achalasieim Bereich des Verdauungstrakts: Blähungen, Verdauungsstörungen

  • im Kopf- und Halsbereich: Kopfhaltung mit KISS-Problematik, Schiefhals

Canalis condylaris
KISS-ProblematikSchiefhalsDer Canalis condylaris Canalis:condylarisverbindet meistens das Foramen jugulare mit dem Bereich direkt dorsal des Condylus occipitalis (Abb. 12.19). Sein Durchmesser schwankt zwischen 1 und 2 mm (Von Lanz-Wachsmuth 2004).
Durch die Canales condylares ziehen die Vv. emissariae condylares und verbinden beidseits jeweils den intrakraniellen Sinus sigmoideus mit dem Plexus venosus vertebralis externus der HWS (Kap. 6.3.1).
Spannungssymptome: Bei Spannungen, die erfahrungsgemäß oft subokzipital auftreten, können sich (Stauungs-)Kopfschmerzen im Bereich der KopfschmerzenSchädelbasis einstellen.
Canalis nervi hypoglossi
Oberhalb des Condylus occipitalis entspringt am Innenrand des Foramen magnum der Canalis nervi hypoglossi.Canalis:nervi hypoglossi Er verläuft schräg von dorsomedial nach ventrolateral und endet direkt medial vom Foramen jugulare mit einem ventralen Ansatz am Condylus occipitalis (Abb. 12.19). Der Canalis nervi hypoglossi ist ca. 8–9 mm lang und hat einen Durchmesser von ca. 5 mm (Von Lanz-Wachsmuth 2004). Oft lassen sich (in 39 % von 142 Präparaten) kleine knöcherne Zungen, Lingulae, in der inneren Öffnung des Canalis feststellen (Lang 1995). Die Dura mater, die auf beiden Dura mater:Canalis nervi hypoglossiSeiten die Canales nervi hypoglossi vollständig auskleidet, ist mit der straffen äußeren Periostschicht verbunden.
Neurovaskuläre Strukturen: Im Canalis nervi hypoglossi verlaufen der Plexus venosus canalis hypoglossi und der N. hypoglossus. Der Plexus venosus canalis hypoglossi umgibt den N. hypoglossus und verbindet den intrakraniellen Sinus petrosus inferior, den Plexus marginalis, den Sinus basilaris und den Plexus venosus foraminis occipitalis mit dem extrakraniellen Plexus venosus suboccipitalis, dem Plexus venosus vertebralis externus posterior der HWS und der V. jugularis interna (Kap. 6.3.1).
Stauungssymptome: Stauungen im Bereich des Canalis nervi hypoglossi können funktionelle Störungen des N. hypoglossus mit Hypertonie im Zungenbereich Hypertonie:Zungenbereichund subokzipitale Kopfschmerzen auslösen.
Foramen mastoideum, Foramen occipitale und Foramen magnum
Kopfschmerzen:subokzipitaleDas Foramen mastoideum bildetForamen:mastoideum eine Öffnung in Höhe des Sinus sigmoideus, an der dorsalen Fläche des Processus mastoideus (Abb. 12.15).
  • Hier zieht die V. emissaria mastoidea hindurch, die den intrakraniellen Sinus sigmoideus mit dem extrakraniellen Plexus venosus suboccipitalis verbindet (Kap. 6.3.1).

  • Bei Spannungen im Bereich des Foramen mastoideum können sich Stauungskopfschmerzen im Bereich der StauungskopfschmerzenSchädelbasis einstellen.

Das Foramen occipitale Foramen:occipitalebefindet sich in Höhe der Protuberantia occipitalis Protuberantia:occipitalis externaexterna.
  • Hier zieht die V. emissaria occipitalis hindurch, die den intrakraniellen Confluens sinuum oder den Sinus transversus mit dem extrakraniellen Plexus venosus suboccipitalis oder den Vv. occipitales verbindet (Kap. 6.3.1).

  • Bei Spannungen und Hypertonie im Bereich des Foramen occipitale können sich Stauungskopfschmerzen im hinteren StauungskopfschmerzenSchädelbereich (Protuberantia occipitalis externa) einstellen.

Das Foramen (occipitale) magnum befindet sich zwischen den beiden okzipitalen Kondylen. Es hat eine Länge von ca. 35 mm und eine Breite von ca. 30 mm.
  • Der Plexus venosus foraminis occipitalis zieht durch das Foramen magnum und Foramen:magnumverbindet die intrakraniellen Sinus occipitalis und Sinus marginalis mit den extrakraniellen Plexus venosi vertebrales internus anterior und internus posterior. Dabei entstehen Anastomosen zwischen dem Plexus venosus vertebralis internus und dem Plexus venosus vertebralis externus, die durch die atlantookzipitalen und atlantoaxialen Bänder und Muskeln hindurch dringen müssen (Kap. 6.3.1).

  • Bei Hypertonien im subokzipitalen Bereich des Foramen magnum kann es zu einer intrakraniellen Stauung im Cerebellumbereich kommen, die funktionelle Beschwerden mit Koordinationsschwierigkeiten und KoordinationsschwierigkeitenKopfschmerzen hervorrufen kann.Kopfschmerzen

Dysphagie Geschmacksstörungen Koordinationsstörungen Kopfschmerzen Mittelohrentzündungen okzipitomastoidale Spannungen:Symptome Schiefhals Spannungen:okzipitomastoidale

Zusammenfassung

Okzipitomastoidale Spannungen können allgemein folgende Symptomatik auslösen:

  • rezidivierende Entzündungen und Trockenheit der Schleimhaut im Pharynxbereich

  • funktionelle Schluckstörungen (Dysphagie)

  • rezidivierende Mittelohrentzündungen

  • funktionelle Störungen der Ohrspeicheldrüse

  • Geschmacksstörungen der Zunge

  • Hypertonie des M. sternocleidomastoideus und des M. trapezius mit einem funktionellen Schiefhals

  • Stimmprobleme, Stottern, empfindliche Stimmbänder

  • starke Kopfschmerzen im hinteren Schädelbereich

  • Herz- und Blutdruckprobleme

  • Funktionsstörungen der Thorax-, Bauch- und Beckenorgane

  • Koordinationsstörungen

  • Verdauungsstörungen, Blähungen

  • Funktionale Störungen der Bauch- und Beckenorgane

Das obere (parieto-temporo-frontale) Kompartiment des Schädels: das Schädeldach

Die Kopfschwarte erstreckt sich Schädeldach:Foraminavon den beiden Arcus superciliares bis zur Protuberantia occipitalis externa und zur Linea nuchalis superior. Sie bildet eine mehrschichtige Struktur aus Haut, straffem Bindegewebe, der Aponeurose (Galea aponeurotica oder Aponeurosis epicranialis) Galea aponeuroticazwischen dem VenterAponeurosis:epicranialis frontalis und dem Venter occipitalis des M. occipitofrontalis, lockerem Bindegewebe und dem Pericranium.
Die Vv. emissariae, die über Foraminae in den Vena(-ae):emissariaeSchädelknochen (Foramina parietalia, Foramina frontalia) austreten, verbinden die intrakraniellen Sinus durae matris und die Vv. diploicae mit oberflächlichen (extrakraniellen) Venen des Schädels. Sie können aber individuell sehr unterschiedlich ausgebildet sein (Kap. 6.3.1).
  • Durch Spannungsmuster im oberen Schädelbereich verschlechtert sich die DrainageSchädelkompartiment:oberes des Sinus sagittalis superior, der Ossa parietalia und des Os frontale besonders in Situationen, in denen sich ein Überdruck installieren kann, wie etwa bei Überdruck:SpannungsmusterSportaktivitäten, Temperaturschwankungen oder einem abrupten Lagewechsel.

  • Als Symptome stellen sich oft nur Spannungskopfschmerzen, Schwindel, schlechte SpannungskopfschmerzenVerschieblichkeit der SchwindelKopfschwarte und Nackensteife (Steifheit und Empfindlichkeit Nackensteifeder HWS) ein.

  • Abhängig davon, wie gut der Patient kompensieren kann, zeigen sich zusätzlich meistens leichtere, seltener schwere Kompensationsmechanismen. Bei Überdruck im kranialen Bereich kann also Überdruck:KOmpensationsmechanismenkompensatorisch vermehrt ein Abfluss über die Vv. emissariae frontales und Vv. emissariae parietales erfolgen.

  • Die Galea aponeurotica bedeckt das Periost der Schädelknochen und besteht in Höhe der Ossa parietalia etwa aus 10 bis 15 übereinandergestapelten Schichten Kollagenfasern. Zwischen der Galea aponeurotica und dem Schädelperiost befindet Galea aponeuroticasich Verschiebegewebe, zwischen der Galea aponeurotica und der Haut lockeres und fettreiches Bindegewebe. Weil die Galea aponeurotica im okzipitalen Bereich (Linea nuchalis superior) einen knöchernen Ansatz hat und ventral über die Stirnmuskulatur an der Margo supraorbitalis ansetzt, können Spannungen und Verklebungen der Galea aponeurotica den dorsoventralen Durchmesser Galea aponeurotica:VerklebungenGalea aponeurotica:Spannungenund damit auch die Vv. emissariae parietales, die Vv. diploicae und die Sutura coronalis einengen.

  • Der bilaterale M. temporoparietalis (und M. auricularis superior) entspringt im Bereich der Ohrmuschel und strahlt im Scheitelbereich in die Galea aponeurotica ein. Bei Spannungen in den Mm. temporoparietales kann der laterolaterale Durchmesser eingeengt und dementsprechend auch wieder eine Stauung der Vv. emissariae parietales induziert werden.

Das vordere (fronto-maxillo-zygomatico-nasale) Kompartiment des Schädels: der Gesichtsschädel

Eine erhöhte Spannung im Gesichtsbereich des Schädels kann nicht nur funktionelle GesichtsschädelStörungen, sondern auch eine äußerst ernsthafte Symptomatik zur Folge haben, weil die Verbindungen zwischen den Knochenelementen in diesem Bereich relativ dünn sind!
Folgende Foramina und Hohlräume sind im vorderen Schädelkompartiment zu beachten (Abb. 12.20):
  • Schädelkompartiment:vorderesOrbita

  • Fissura orbitalis superior und Fissura orbitalis inferior

  • Canalis opticus

  • Canalis nasolacrimalis

  • Foramen ethmoidale anterius und Foramen ethmoidale posterius

  • Lamina cribrosa ossis ethmoidalis

  • Foramen supraorbitale

  • Sulcus infraorbitalis, Canalis infraorbitalis und Foramen infraorbitale

  • Nasenhöhle und Nasennebenhöhlen

Orbita
Die Orbita hat die Form einer Pyramide mit ventral liegender Basis und nach dorsal-median gerichteter Spitze. Dorsal in der Augenhöhle befinden sich der Canalis opticus und die Fissura orbitalis superior. Kaudal verläuft die Fissura orbitalis inferior schräg von dorsal-median nach ventrolateral.
Aufbau
Die Orbita setzt sich ziemlich komplex aus Orbita:Aufbauverschiedenen Schädelknochen zusammen (Abb. 12.21). Lateral wird sie durch die Facies orbitalis ossis zygomatici und die Facies orbitalis alae majoris ossis sphenoidalis begrenzt. Die mediale Wand der Orbita wird von der Lamina orbitalis ossis ethmoidalis, vom Os lacrimale und vom Processus frontalis maxillae gebildet. Das Dach der Orbita besteht aus der Pars orbitalis ossis frontalis und der Ala minor ossis sphenoidalis, der Boden der Orbita aus dem Processus orbitalis maxillae und dem Processus orbitalis ossis palatini.
Die Orbita enthält zahlreiche Öffnungen (Orbita:ÖffnungenAbb. 12.21):
  • Canalis opticus

  • Fissura orbitalis superior und Fissura orbitalis inferior

  • Foramen ethmoidale anterius und Foramen ethmoidale posterius

  • Sulcus infraorbitalis

  • Canalis nasolacrimalis

Im Bereich der Foramina geht das Periost der Knochen, die die Orbita bilden ( Periorbita), in die periostale Schicht der PeriorbitaDura mater über. Die Periorbita enthält sympathisch innervierte glatte Muskelfasern (M. orbitalis), die den Bulbus oculi etwas nach vorne ziehen. Bei einer Schädigung des Sympathikus kann dieser M. orbitalis gelähmt werden und der Bulbus oculi in die Augenhöhle zurücksinken (Enophthalmus).
Äußere Augenmuskeln
Die Orbita Enophthalmuswird von den äußeren Augenmuskeln (extraokuläre Muskeln) mit ihren Augenmuskeln:äußereFaszienhüllen und vom Corpus adiposum orbitae (Fettkörper) ausgefüllt. Die Faszien des M. rectus medialis und des M. rectus lateralis bilden Haltebänder (Ligg. palpebralia oder Check ligaments), die den Aktionsradius der äußeren Augenmuskeln einschränken und sie am medialen und lateralen Rand der Orbita anheften.
Störungen und Erkrankungen
Spannungen im Bereich der Orbita können visuelle Orbita:SpannungenWahrnehmungsstörungen verursachen. Es kann zu Störungen der Augenbewegungen, Hypertonie der äußeren Augenmuskeln, Störungen der Winkeleinstellung Augenmuskeln:Hypertonie(Winkelfehlsichtigkeit), Störungen der Sehschärfe, zu Visus- oder Sehstörungen mit Beeinträchtigung der gesamtenSehstörungen visuellen Wahrnehmung kommen, was sich manchmal durch Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Lese- Kopfschmerzenund Schreibfehler oder Konzentrationsstörungeneine gestörte Feinmotorik äußert. Es wäre sinnvoll, hier mit einem Augenarzt und Optometristen zusammenzuarbeiten, der sich auf funktionale Optometrie spezialisiert hat.
Beim Glaukom oder grünen Star entsteht durch Glaukomeine grüner Star\t\"Siehe GlaukomAbflussbehinderung in Venen der Sclera (Lederhaut) (Sinus venosus sclerae oder Schlemm-Kanal) ein erhöhter Augeninnendruck Schlemm-Kanal:GlaukomSchlemm-Kanal:Abflussbehinderungmit heftigen Schmerzen im Augenbereich, ödematöser Hornhauttrübung, steinhartem Bulbus, weiter Pupille (mit fehlendem oder trägem Lichtreflex) und Sehstörungen. In dem Fall muss der Patient Sehstörungen:Glaukomunbedingt zum Arzt überwiesen werden. Weil die Vv. vorticosae in die V. ophthalmica inferior bzw. superior münden, kann es präventiv oder im Anfangsstadium sinnvoll sein, die Orbitaknochen osteopathisch mit Pumptechniken zu behandeln.
Bei einer Katarakt oder grauem Star entsteht eine Katarakt:LinsentrübungLinsentrübung, grauer Star\t\"Siehe Kataraktweil Kammerwasser zwischen die Linsentrübung:KataraktLinsenfasern eingedrungen ist. Das kann traumatisch, entzündlich oder systempathologisch bedingt sein oder auch auf einen Diabetes mellitus hinweisen. Deshalb sollte immer eine diagnostische Abklärung durch einen Arzt erfolgen! Eine osteopathische Intervention ist eher kontraindiziert!
Es ist sinnvoll, die Augenbewegungen zu testen. Dazu verweisen wir auf den praktischen Teil (Kap. 13.2.2).
Canalis opticus
Der Canalis opticus befindet sich dorsal an Canalis:opticusder Pyramidenspitze der Orbita und zieht durch den Wurzelbereich der Ala minor ossis sphenoidalis (Abb. 12.22). Die Unterseite des Canalis opticus ist ca. 5 mm und die Oberseite ca. 10 mm lang, während das Lumen mindestens 5 mm breit ist (von Lanz-Wachsmuth 2004). Die Dura mater setzt sich in der Periostauskleidung des Canalis opticus fort. Die Pia mater, die den N. opticus vom Chiasma Pia mater:Sehnervopticum bis zum Eintritt in den Bulbus oculi begleitet, ist fest mit dem Sehnerv verbunden.
Im fest umrandeten Sehnerv:Chiasma opticumCanalis opticus des Os sphenoidale ziehen der N. opticus und die A. ophthalmica von der mittleren Schädelgrube zur Orbita.
Mechanische Spannungen im Bereich des Canalis opticus müssen relativ groß, also eher traumatisch oder raumfordernd, sein, um die durchziehenden Strukturen beeinträchtigen zu können. Deswegen sei extra darauf hingewiesen, dass Störungen des Sehnervs unbedingt von einem Augenarzt überprüft werden sollten, um raumfordernde Prozesse auszuschließen!
Fissura orbitalis superior
Wesentlich anfälliger für mechanische Spannungen ist hingegen die Fissura orbitalis superior, die von den dünneren Knochenelementen der Ala major und der Ala minor ossis sphenoidalis gebildet wird (Abb. 12.22). Diese Fissur verläuft im Boden der Orbita von mediokaudal nach Orbitaboden:Fissura orbitalis superiorlaterokranial. Sie ist durchschnittlich ca. 20 mm lang und 6 mm breit (Von Lanz-Wachsmuth 2004). Die Fissura orbitalis superior wird durch den gemeinsamen Ursprung der geraden äußeren Augenmuskeln in drei Abschnitte unterteilt und deren Muskelspannung hat durchaus Einfluss auf die durchziehenden Leitungsbahnen!
Durch die Fissura orbitalis superior ziehen der N. oculomotorius, der N. trochlearis, der N. ophthalmicus, der N. abducens und die V. ophthalmica superior hindurch (Abb. 12.22).
Äste des N. ophthalmicus
Der N. ophthalmicus (ein Ast des N. trigeminus) teilt sich in drei Äste auf: den N. lacrimalis, den N. frontalis und den N. nasociliaris (Abb. 12.23):
  • Der N. lacrimalis versorgt mit parasympathischen undNervus(-i):lacrimalis sympathischen Fasern die Tränendrüse, den lateralen Teil des oberen Tränendrüse:N. lacrimalisAugenlids und die Konjunktiva (mehrschichtiges BindehautepithelKonjunktiva:N. lacrimalis, das die Rückseite des Ober- und Unterlids sowie zum Teil die Außenfläche des Bulbus oculi bedeckt).

  • Der N. frontalis hat zwei Endäste: den N. supraorbitalis und den N. supratrochlearis.

    • Der N. supratrochlearis versorgt sensibel die Konjunktiva, die Haut des Oberlids und des unteren medialen Stirnbereichs.

    • Der N. supraorbitalis verlässt die Orbita durch das Nervus(-i):supraorbitalisForamen supraorbitale bzw. durch die Incisura supraorbitalis und versorgt sensibel die Haut des Oberlids, der Stirn und der Nasenwurzel.

  • Der N. nasociliaris gibt verschiedene Äste ab:

    • einen sensiblen Ast zum Ganglion ciliare,

    • Nn. ciliares longi mit sensiblen Fasern zum Bulbus oculi und mit sympathischen Fasern zum M. dilatator pupillae,

    • einen N. ethmoidalis posterior, der durch das Foramen ethmoidale posterius zieht und die Cellulae ethmoidales (Siebbeinzellen) und den Sinus sphenoidalis innerviert,

    • einen N. ethmoidalis anterior, der durch das Foramen ethmoidale anterius zieht und die Schleimhaut der Nasen- und der Nasennebenhöhlen sowie die Meningen der vorderen Schädelgrube sensibel versorgt,

    • einen N. infratrochlearis, der den medialen Bereich des Ober- und Unterlids, der Stirn und der Nasenwurzel sensibel versorgt.

Spannungs- und Stauungssymptome
Spannungen im Bereich der Fissura orbitalis superior können eine Stauung in der Orbita hervorrufen. Dadurch kann sowohl der venöse Abfluss von der Orbita zur Schädelhöhle venöse Abfluss-Stauung:Orbitaals auch von der Schädelhöhle zur Orbita unterbrochen werden. Dadurch kann sich ein kompensatorisches Lidödem bzw. ein Ödem in der mittleren LidödemSchädelgrube entwickeln. Auch Augenschmerzen, tränendes Auge, eine AugenschmerzenKonjunktivitis, Nebenhöhlenentzündung (KonjunktivitisSinusitis ethmoidalis oder NebenhöhlenentzündungSinusitis sphenoidalis), eine Reizung der motorischen Augennerven (beispielsweise mit Schielen, Koordinationsstörungen der SchielenAugenmotorik oder herabhängendem Oberlid), Parästhesien im Hautbereich der Augenlider, der Stirn und der Nase sowie Schleimhautprobleme der Nasen- und Nasennebenhöhlen können entstehen.
Weil die Orbita zusätzlich sowohl über die Gesichtsvenen als auch über den venösen Plexus pterygoideus (über die Fissura orbitalis inferior) drainiert werden kann, ist eine Spannungsfreiheit der Kaumuskulatur sehr wichtig.
Fissura orbitalis inferior
Die Fissura orbitalis inferior wird oben von Fissura:orbitalis inferiorder Ala major des Os sphenoidale, unten von der Facies orbitalis der Maxilla, medial von der Wurzel der Ala major des Os sphenoidale und lateral vom Os zygomaticum begrenzt (Abb. 12.21 und Abb. 12.22). Die mediale Begrenzung der Fissura orbitalis inferior liegt direkt ventral vom Ausgang des Foramen rotundum und direkt oberhalb der Fossa pterygopalatina. Der an der Ala major ossis sphenoidalis ansetzende M. temporalis und auch die Bissstellung von Maxilla und Mandibula können großen Einfluss auf die Fissura orbitalis inferior ausüben! Diese Fissur verläuft im Boden der Orbita von dorsomedial nach Orbitaboden:Fissura orbitalis inferiorventrolateral. Die Fissur ist um ihre Längsachse so verdreht, dass ihr mediales Ende fast horizontal und ihr laterales Ende fast frontal steht. Sie ist durchschnittlich ca. 30 mm lang und ca. 3–5 mm breit (Von Lanz-Wachsmuth 2004).
Gefäße und Nerven: Durch die Fissura orbitalis inferior ziehen die A. infraorbitalis der A. maxillaris, die V. infraorbitalis (zum Plexus pterygoideus), die V. ophthalmica inferior (bildet entweder eine Verbindung zum Plexus venosus pterygoideus oder – durch die Fissura orbitalis superior – zum Sinus cavernosus) und der N. infraorbitalis des N. maxillaris hindurch (Abb. 12.24).
Spannungen im Bereich der Fissura orbitalis inferior können Ödeme und Parästhesien in der Haut desÖdeme Orbita-, Parästhesieninfraorbitalen und Nasenbereichs sowie Zahnschmerzen und Parodontitis im ZahnschmerzenOberkieferbereich verursachen.Parodontitis
Canalis nasolacrimalis
Die Tränendrüse (Glandula lacrimalis) befindet Tränendrüse:(Glandula lacrimalissich am laterokranialen Rand der knöchernen Orbita und wird von der Sehne des M. levator palpebrae superioris geteilt. Sie mündet mit ca. zehn Ausführungsgängen in der oberen Fornix conjunctivae und bildet die Tränenflüssigkeit, die unter anderem Elektrolyte, TränenflüssigkeitImmunglobuline, antimikrobielle Proteine, Muzine und Wasser enthält. Die Tränenflüssigkeit sammelt sich medial im Lacus lacrimalis (Tränensee) und wird über die Lacus lacrimalis (Tränensee)Tränenkanälchen (Canaliculi lacrimales) zu dem TränenkanälchenSaccus Canaliculus(-i):lacrimaleslacrimalis (Tränensack) im unteren Nasengang abgeleitet (Saccus lacrimalis (Tränensack) Abb. 12.25). Der genaue Abfluss-/Drainagemechanismus ist noch nicht ganz geklärt.
Innervation der Tränendrüse (Abb. 12.26):
  • Sensible Afferenzen aus der Tränendrüse werden vom N. lacrimalis (Ast desTränendrüse:Innervation N. ophthalmicus) geleitet.

  • Parasympathische sekretomotorische Fasern verlaufen mit dem N. petrosus major (Ast des N. facialis) durch den Hiatus canalis nervi petrosi majoris und weiter als N. canalis pterygoidei zum Ganglion pterygopalatinum. Im Ganglion pterygopalatinum werden die präganglionären parasympathischen Fasern auf postganglionäre parasympathische Fasern umgeschaltet. Die postganglionären Fasern ziehen mit dem N. zygomaticus (Ast des N. maxillaris) und dann mit dem N. lacrimalis (Ast des N. ophthalmicus) zur Tränendrüse.

  • Postganglionäre sympathischeTränendrüse:Innervation Fasern aus dem Ganglion cervicale superius ziehen als Plexus sympathicus caroticus internus (umgibt die A. carotis interna) in den Schädel hinein und verlassen dann das Geflecht um die A. carotis interna als N. petrosus profundus. Der sympathische N. petrosus profundus schließt sich dem N. canalis pterygoidei zum Ganglion pterygopalatinum an. Die sympathischen Fasern verlaufen ohne Umschaltung durch das Ganglion pterygopalatinum hindurch und ziehen dann gemeinsam mit den parasympathischen Fasern zum N. zygomaticus und weiter zum N. lacrimalis und letztendlich zur Tränendrüse.

Spannungen im Bereich der Tränendrüse:InnervationCanalis nasolacrimalis können mit funktionellen Störungen der Tränenproduktion zusammenhängen.
Foramen ethmoidale anterius, Foramen ethmoidale posterius und Lamina cribrosa des Os ethmoidale
Tränenproduktion:StörungenDas Os ethmoidale ist in die Incisura ethmoidalis des Os frontale eingebettet. Das Foramen ethmoidale anterius hat einen Durchmesser von ca. 1–2 mm und liegt in der medialen Orbitawand, meistens im Bereich der Sutura frontoethmoidalis oder etwas kranial von dieser Naht im Os frontale. An das Foramen ethmoidale anterius schließt sichForamen:ethmoidale anterius ein 2–14 mm langer, oft nur unvollständig geschlossener Kanal an, der von den Cellulae ethmoidales und manchmal vom Sinus frontalis zur vorderen Schädelgrube und zur Lamina cribrosa des Os ethmoidale zieht (Abb. 12.27).
Auch das Foramen ethmoidale posterius liegt in der medialen Orbitawand. Es ist meistens kleiner als das Foramen ethmoidale anterius und befindetForamen:ethmoidale posterius sich nahe der Stelle, an der sich Os frontale, Os sphenoidale und Os ethmoidale vereinigen. Das Foramen ethmoidale posterius bildet auch den Anfang eines oft nur unvollständig geschlossenen Kanal, der durch die Cellulae ethmoidales zur Lamina cribrosa zieht.
Neurovaskuläre Strukturen und ihre Funktion
Durch das Foramen ethmoidale anterius ziehen die A. und V. ethmoidalis anterior (Ast der A./V. ophthalmica) und der N. ethmoidalis anterior (Ast des N. ophthalmicus), die dann weiter auf der Lamina cribrosa verlaufen und durch ein zweites Foramen ethmoidale anterius lateral von der Crista galli in die Nasenhöhle eindringen.
  • Die A. ethmoidalis anterior verzweigt sich in der vorderen Schädelgrube in Äste zur Dura (A. meningea anterior) und zur Nasenhöhle. Sie versorgt die mediale und laterale Nasenwand (Schleimhaut).

  • Der N. Nasenschleimhaut:A. ethmoidalis anteriorethmoidalis anterior versorgt die Haut um die Nasenlöcher herum und an der Nasenspitze (Nasenhaut:N. ethmoidalis anteriorKap. 12.2.5).

Durch das Foramen ethmoidale posterius ziehen die A. und V. ethmoidalis posterior (Ast der A./V. ophthalmica) und der N. ethmoidalis posterior (Ast des N. ophthalmicus). Auch sie verlaufen weiter auf der Lamina cribrosa und ziehen an der Vereinigung des Os ethmoidale, Os frontale und Os sphenoidale durch ein zweites Foramen ethmoidale posterius zur Nasenhöhle.
  • Die A. ethmoidalis posterior versorgt die kranialen Abschnitte der medialen und lateralen Nasenwand.

  • Der N. ethmoidalis posteriorNasenwand:A. ethmoidalis posterior versorgt die Schleimhaut der Cellulae ethmoidales und des Sinus sphenoidalis, aber normalerweise nicht die Nasenhöhle (Kap. 12.2.5).

Lamina cribrosa
Die Nn. olfactorii verlaufen auf der Lamina cribrosa (Abb. 12.27) ventralwärts und werden bei ihrem Durchtritt durch die 15–20 Löcher der Lamina cribrosa (Samandari 1994) von duralen, mit Liquor cerebrospinalis gefüllten Hülsen begleitet. Die Nn. olfactorii sind in der Nasenhöhle in die Nasenschleimhaut und in die Knochen und Muscheln der Nase eingebettet und können damit durchaus empfindlich auf viskoelastische Spannungen der Knochen und Schleimhäute reagieren. Weil das Os ethmoidale in einer Aussparung des Os frontale liegt, übertragen sich Spannungen des Os frontale oft auch auf das Os ethmoidale.
Neben den Nn. olfactorii ziehen auch die Nn. ethmoidales anterior und posterior (Äste des N. ophthalmicus) sowie die Aa. ethmoidales anterior und posterior (Äste der A. ophthalmica) und die Vv. ethmoidales anterior und posterior (Äste der V. ophthalmica superior) durch die Lamina cribrosa des Os ethmoidale. Diese Leitungsbahnen sind zuvor durch das Foramen ethmoidale anterius aus der Orbita bzw. durch das Foramen ethmoidale posterius oben auf die Lamina cribrosa gelangt, wo sie je einen R. meningeus zur (sensiblen und arteriovenösen) Versorgung der Dura mater in der vorderen Schädelgrube abgeben. Nach dem Durchtritt durch die Lamina cribrosa versorgen sie das Periost der Nasenknochen, die Haut des Nasenrückens (bis zur Nasenspitze) sowie die Schleimhaut der Nasenscheidewand und der lateralen Nasenhöhlenwand.
Spannungen im Bereich der Lamina cribrosa des Os ethmoidale können funktionelle Störungen des Riechsinnes zur Folge haben. Durch Engpässe für diese Leitungsbahnen können Kopfschmerzen, Sensibilitätsstörungen, KopfschmerzenEntzündungen, Trockenheit der Schleimhaut im Stirn- und Nasenbereich und SchleimhauttrockenheitSchleimhautentzündungParästhesien in der Nasenspitze ausgelöst werden.
Nasen- und Nasennebenhöhlen
Auch die Nasennebenhöhlen (Sinus paranasales) sind häufig Nasennebenhöhlen:(Sinus paranasales)bei Sinus:paranasales (Nebenhöhlen)Spannungen im frontomaxillären Bereich betroffen. Eine rezidivierende Infektanfälligkeit der Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhaut kann sowohl durch eine schlechtere Durchblutung mit Stauung oder sogar Atrophie der venösen Schwellkörper in der Nasenschleimhaut als auch durch ein schlechtes Abtransportieren des Schleimes ausgelöst werden.
Vor Nebenhöhlenoperationen kann es durchaus sinnvoll sein, zuerst eine konservative osteopathische Behandlung zum Lösen der Spannungen in den osteopathische Behandlung:vor NebenhöhlenoperationenSchädelknochen, aus denen die Nasen- und Nasennebenhöhlen aufgebaut sind, durchzuführen (Kap. 12.2.5).
Foramen supraorbitale
Das Foramen supraorbitale am Oberrand der Foramen:supraorbitaleOrbita kann auch als Einkerbung, Incisura supraorbitalis, auftreten. Der N.Incisura:supraorbitalis supraorbitalis, ein Ast des N. ophthalmicus, zieht gemeinsam mit der A. supraorbitalis (Ast der A. ophthalmica) und der V. supraorbitalis (kommuniziert mit den Vv. ophthalmicae und der V. angularis) durch das Foramen hindurch. Sie versorgen das Oberlid, die Stirn und die Nasenwurzel.
Spannungen in Höhe des Foramen supraorbitale können Parästhesien und Schwellungen in diesen Bereichen auslösen.
Sulcus infraorbitalis, Canalis infraorbitalis und Foramen infraorbitale
Durch den Sulcus infraorbitalis oder das Foramen Sulcus:infraorbitalisinfraorbitale am Unterrand der Foramen:infraorbitaleOrbita ziehen der N. infraorbitalis (Ast des N. maxillaris), die A. infraorbitalis (Ast der A. maxillaris) und die V. infraorbitalis (kommuniziert mit der V. angularis bzw. V. facialis und dem venösen Plexus pterygoideus). Sie versorgen das untere Augenlid, die Nase und die Oberlippe.
Spannungen in Höhe der Canales infraorbitales können Parästhesien und Schwellungen in diesen Bereichen auslösen.

Das mittlere (palatino-vomero-ethmoido-sphenoidale) Kompartiment: die Medianebene

Die Medianebene des Schädels wird durch die Medianebene:des SchädelsVerbindung der Schädelkompartiment:mittleresMaxillae (Sutura palatina mediana), das Vomer, die Lamina perpendicularis des Os ethmoidale, das Os sphenoidale (Sinus sphenoidalis), die Falx cerebri und die Falx cerebelli gebildet. Von der Medianebene aus werden Belastungen zur Schädelbasis, zur vorderen und mittleren Schädelgrube und zu den lateralen Schädelbereichen (Crista petrosa ossis temporalis) geleitet.
Die Medianebene spielt auch bei den Nasen- und Nasennebenhöhlen eine wichtige Rolle.
Es wäre behandlungstechnisch sinnvoll, direkt auf die durchziehenden Gefäße einwirkende Spannungen abzubauen, um die Durchblutung der versorgten Gebiete (Mukosa der Nasenhöhle und Nasennebenhöhlen) zu verbessern. Zudem hätte eine Befreiung der vegetativen Nerven eine verbesserte neurovegetative Steuerung der Vasomotorik in den Versorgungsgebieten zur Folge. Dazu wollen wir anschließend die Engpässe und Durchtrittslöcher der Gefäße und Nerven näher studieren.
Nasenhöhle
Die paarig angelegte Nasenhöhle wird vom Nasenseptum (Septum nasiNasenhöhle) unterteilt. An das Nasenseptum Nasenseptum (Septum nasi)schließen sich dorsokranial die Lamina perpendicularis des Os ethmoidale und dorsokaudal das Vomer an (Abb. 12.27).

Septumdeviation

Bei Erwachsenen ist häufig eine Septumdeviation feststellbar, die ihre Atmung erheblich erschweren kann.

  • Als Ursache werden von der klassischen Medizin Störungen im Wachstumsprozess angegeben.

  • Osteopathisch wird die Ursache hierfür mehr in Spannungen der Schädelknochen und Schädelsuturen (insbesondere des Gesichtsschädels) gesehen, die häufig auf Deformierungs- und Spannungsmuster des Schädels, Verspannungen der Kaumuskulatur oder Kieferfehlstellungen beruhen.

In der Schleimhaut des SeptumdeviationSeptumdeviation:Ursache aus osteopathischer SichtSeptum nasi befindet sich ein Schwellkörper, der den mittleren Nasengang einengen kann. Das Dach der Nasenhöhle bildet das Os ethmoidale. Die seitlichen Wände sind komplizierter aufgebaut, unter Beteiligung der Maxilla, des Os palatinum, der Conchae nasales, des Os ethmoidale und des Os nasale.
Die Conchae nasales (Nasenmuscheln) ragen nach median in die Nasenhöhle Nasenmuscheln:(Conchae nasales)hinein und unterteilen sie in verschiedene Nasengänge (Meati nasi). Jede Nasenmuschel besteht aus einem dünnen Knochen, der von Schleimhaut bedeckt ist (Abb. 12.28 und Abb. 12.29).
  • Die Concha nasalis inferior bildet den unteren Concha(-ae):nasalis inferiorNasengang (Meatus nasi inferior), in den der Nasengang:unterer (Meatus nasi inferior)Ductus nasolacrimalis (Tränennasengang), der Sinus maxillaris und die Tuba auditiva einmünden.

  • Die Concha nasalis media liegt etwas mehr kranialConcha:nasalis media und dorsal. Sie gehört zum Os ethmoidale und bildet den mittleren

  • Nasengang (Meatus nasi medius). In den mittlerenNasengang:mittlerer (Meatus nasi medius) Nasengang münden die Sinus frontalis und maxillaris, die Cellulae ethmoidales anteriores und das Foramen sphenopalatinum ein.

  • Die kurze Concha nasalis superior hängt ventral mit derConcha:nasalis superior Concha nasalis media zusammen und bildet den oberen Nasengang (Meatus nasi superior). Hier münden Nasengang:oberer (Meatus nasi superior)die Cellulae ethmoidales posteriores sowie – in einer Rinne (Recessus sphenoethmoidalis) zwischen Os sphenoidale und Os ethmoidale – der Sinus sphenoidalis.

Die Nasenhöhle ist nach dorsal über rechteckige Choanen (paarige Nasenöffnung) mit dem Nasenrachenraum verbunden.
Nasennebenhöhlen
Bei den Nasennebenhöhlen (Abb. 12.28) handelt es sich um Nasennebenhöhlenpneumatische Räume in der Maxilla (Sinus maxillaris), im Os frontale (Sinus frontalis), im Os ethmoidale (Sinus ethmoidalis) und im Os sphenoidale (Sinus sphenoidalis). Sie befinden sich mit ihrer Leichtbauweise (pneumatisiert) in den Knochenelementen, die statisch weniger beansprucht werden, also zwischen den Quer- und Längsbalken der knöchernen Rahmenkonstruktion des Schädels (Kap. 11.4). Die Nasennebenhöhlen stehen mit dem Hauptraum der Nasenhöhle in Verbindung.
Entwicklung: Die Nasennebenhöhlen entwickeln sich aus Epitheltaschen derNasennebenhöhlen:Anlage und Entwicklung Schleimhaut, die später zur Mündung der Nasennebenhöhlen umfunktioniert werden. Obwohl sie in der Anlage bereits im Fetalstadium nachweisbar sind, entfalten sich die Nasennebenhöhlen erst recht viel später und individuell sehr unterschiedlich. Ihre Ausbildung ist eng mit der Entwicklung des Gebisses verbunden, und zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr erreichen sie ihre endgültige Größe. Durch ihre Verbindung mit der Nasenhöhle vergrößern sie die Oberfläche der Schleimhaut.
Funktion: Die Nasennebenhöhlen dienen einerseits zum Anwärmen und Nasennebenhöhlen:FunktionAnfeuchten der Atemluft und modulieren andererseits die Klangfarbe der Stimme.
Erkrankungen: Spannungen im Bereich der Nasennebenhöhlen können den Drainageweg zur Nasenhöhle Nasennebenhöhlen:Entzündungenverstopfen und damit Entzündungen (Sinusitis) hervorrufen. Durch die direkte SinusitisNachbarschaft zum Hirngewebe und zu den Meningen sind im Fall von eitrigen Entzündungen, tumoralen oder traumatischen Prozessen Komplikationen zu befürchten. Deshalb ist eine Überweisung zum Arzt notwendig.
Sinus frontalis
Der Sinus frontalis (Stirnhöhle) entsteht durchSinus:frontalis sekundäre Stirnhöhle:(Sinus frontalis)Epithelauswüchse im schwindenden Bindegewebe der Nasenkapsel. Es ist eine paarige, aber asymmetrisch angelegte pneumatisierte Höhle im Os frontale. Die individuell sehr unterschiedlich ausgeprägte Stirnhöhle fehlt bei 7 % der Europäer sogar. Sie kann ein Gesamtvolumen von 5–30 ml haben (Rosenbauer et al. 1998, Rauber & Kopsch 1987). Der Sinus frontalis mündet gewöhnlich über einen Canalis nasofrontalis in den mittleren Nasengang. Er kann sich kaudal bis an die Suturae frontonasales und frontomaxillares, dorsal bis in die Pars orbitalis und bis zu 5 cm nach kranial ausweiten.
Cellulae ethmoidales
Bei den Cellulae ethmoidales (Siebbeinzellen, auch Cellulae:ethmoidalesSinus ethmoidalis [Siebbeinzellen:(Cellulae ethmoidales)Siebbeinhöhle]) handelt Sinus:ethmoidalis (Siebbeinhöhle)es sich um eine Ansammlung von Pneumatisationen im Corpus ossis ethmoidalis, die das Siebbeinlabyrinth (Labyrinthus ethmoidalis) mit einem SiebbeinlabyrinthHohlraum in der Größenordnung von insgesamt etwa 10–20 ml bilden. Die Cellulae ethmoidales anteriores und mediae münden über einen Hiatus ethmoidalis im mittleren Nasengang, die Cellulae ethmoidales posteriores im oberen Nasengang.
Sinus sphenoidalis
Der paarige Sinus sphenoidalis (Keilbeinhöhle) liegt alsSinus:sphenoidalis kleine Pneumatisation im Keilbeinhöhle:(Sinus sphenoidalis)Corpus ossis sphenoidalis, dorsal vom Os ethmoidale. Die Keilbeinhöhle mündet über einen Hiatus sphenoidalis im hinteren Teil des Nasenhöhlendachs und hat nur ein Volumen von einigen Millilitern. Manchmal kann sie sich aber bis in die Pars basilaris des Okziputs und bis in die Basis des Processus pterygoideus hinein fortsetzen.
Sinus maxillaris
Der paarige Sinus maxillaris (Kieferhöhle) ist die Sinus:maxillarisgrößte der Nasennebenhöhlen Kieferhöhle:(Sinus maxillaris)mit einem Volumen von jeweils 5 bis 30 ml beim Erwachsenen. Sie wird durch Septen aufgeteilt und kann sich sogar bis in den Processus der Maxilla ausdehnen. Kranial grenzt der Sinus maxillaris an die Orbita und kaudal an die Wurzeln der Oberkieferzähne, nur durch dünne Knochenplatten von ihnen getrennt.

Übergreifende Entzündungen

Entzündliche Prozesse des Sinus maxillaris können sich daher relativ leicht auf die Orbita bzw. auf die Wurzeln der Oberkieferzähne ausweiten. Umgekehrt können aber auch Zahnwurzelentzündungen leicht auf die Schleimhaut des Sinus maxillaris übergreifen.

Die Kieferhöhlen münden über einen Hiatus maxillaris links und rechts in den mittleren Nasengang. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass diese Öffnungen ziemlich weit kranial liegen, sodass Sekrete und Fremdkörper gegen die Schwerkraft zu ihnen hoch transportiert werden müssen. Dazu dient die Bewegung der Flimmerhaare, für deren Funktionalität eine optimale Flimmerhaare:KieferhöhlenschleimhautDurchblutung der Schleimhaut extrem wichtig ist.
Durch die Kieferhöhle ziehen den N. infraorbitalis (Ast des N. maxillaris) und die Vasa infraorbitalia (aus der A./V. maxillaris) zur Versorgung der Haut und Muskulatur im Bereich des Jochbogens.
Spannungen im Bereich des Sinus maxillaris strahlen gerne mit Schmerzen oder Druckempfindlichkeit nach infraorbital aus.
Schleimhaut der Nasen- und Nasennebenhöhlen
Die Schleimhaut der Nasen- und Nasennebenhöhlen besteht aus einer Basalmembran und einem mehrreihigen Flimmerepithel, schleimproduzierenden Becherzellen und nur wenigen Glandulae nasales. Das BecherzellenFlimmerepithel in den Nasennebenhöhlen ist etwa 1 mm Flimmerepithel:Nasennebenhöhlendick und erzeugt einen zur Nasenhöhle gerichteten Strom.
Die Nasenschleimhaut hat verschiedene Aufgaben zu bewältigen. Nasenschleimhaut:AufgabenSie erwärmt und befeuchtet die Atemluft und sorgt zusätzlich über das Flimmerepithel und den Schleim für eine Art VorreinigungFlimmerepithel:Nasenschleimhaut der Atemluft, indem die Bewegung der Flimmerhaare das Nasensekret samt Fremdkörpern und Abfallresten zum Nasenausgang (oder Racheneingang) transportiert. In der Schleimhaut sind viele Lymphozyten und Granulozyten mit Abwehrfunktion enthalten. Sie unterstützt außerdem noch die Riechfunktion und kann einen Niesreflex zur Abwehr auslösen.
Eine Besonderheit stellen die venösen Schwellkörper der Conchae nasales (Plexus cavernosi concharum) sowie des Nasenseptums dar. Eine Schwellung dieser Plexus kommt Nasenseptum:Schwellkörperdurch eine reflektorische Kontraktion der glattmuskulären Sphinkteren der Abflussvenen zustande. In einem periodischen Wechsel (alle 20–30 min) füllen sich die Schwellkörper auf jeder Nasenseite stark an, um die Atemluft anzuwärmen, aber gleichzeitig auch die Luftmenge, die durch die Nase strömen kann, zu steuern. Diese Schwellkörper fehlen in den Nasennebenhöhlen.
Gefäß- und Nervenversorgung der Nasenhöhle und Nasennebenhöhlen
Arterielle Versorgung:
  • Die A. sphenopalatina, ein Ast der A. maxillaris, zieht durch das Foramen sphenopalatinum von der Fossa sphenopalatina ( Fossa pterygopalatina) zur Schleimhaut der Nasen- und Nasennebenhöhlen. Sie Nasenschleimhaut:arterielle VersorgungNasennebenhöhlenschleimhaut:arterielle Versorgungteilt sich dann in die Aa. nasales posteriores, laterales et septi auf.

  • Die A. ophthalmica, ein Ast der A. carotis interna, gibt die A. ethmoidalis anterior und die A. ethmoidalis posterior ab, die durch das Foramen ethmoidale anterius bzw. posterius zur vorderen Schädelgrube und von dort durch die Lamina cribrosa in die Nasenhöhle ziehen.

Venöser Abfluss (Abb. 12.29):
  • (Nasennebenhöhlen:venöser AbflussNasenhöhle:venöser Abflussinkonstant) über die V. nasalis durch das Foramen caecum zum Sinus sagittalis superior

  • über die Vv. ethmoidales anterior et posterior durch die Lamina cribrosa entweder zum Sinus cavernosus oder zur Augenhöhle (Vv. ophthalmicae) und von dort

    • über die V. angularis zu den Vv. faciales (Gesichtsvenen) und direkt zur V. jugularis interna oder

    • über die Fissura orbitalis inferior zum Plexus pterygoideus, von dort zur V. retromandibularis und dann zur V. jugularis interna oder

    • über die Fissura orbitalis superior zum Sinus ophthalmopetrosus und Sinus cavernosus

  • über die Vv. nasales internae durch das Foramen sphenopalatinum zum Plexus pterygoideus, von dort zur V. retromandibularis und dann letztendlich zur V. jugularis interna oder durch die Haut der Nasenöffnung zur V. facialis

  • über die V. nasopalatina durch das Foramen incisivum in die Mundhöhle

Lymphdrainage:
  • entweder zum Nodus lymphaticus submandibularis des kraniozervikalen Lymphknotenrings

  • oder zu den tiefen Nodi lymphatici retropharyngeales der zentralen Sehne

Nervenversorgung:
  • Der N. ophthalmicus gibt über den N. nasociliaris den N. ethmoidalis anterior und den N. ethmoidalis posterior zur sensiblen Versorgung der Schleimhaut im oberen Teil der Nasenhöhle mit Rr. nasales interni ab.

  • Der N. Nasenschleimhaut:Nervenversorgungmaxillaris gibt den N. nasopalatinus ab, der durch das Foramen sphenopalatinum zieht und die Schleimhaut im unteren Teil der Nasenhöhle mit Rr. nasales posteriores sensibel versorgt.

  • Parasympathische Fasern zur Versorgung der Drüsen in der Nasenschleimhaut stammen aus dem N. petrosus major (Ast Nasenschleimhaut:parasympathische Faserndes N. facialis), der im Ganglion pterygopalatinum Synapsen bildet, und ziehen zusammen mit den Fasern des N. maxillaris durch das Foramen sphenopalatinum zur Nasenhöhle.

  • Sympathische Fasern zur Versorgung der Nasenschleimhautgefäße stammen aus dem Karotisgeflecht und Nasenschleimhaut:sympathische Fasernziehen gemeinsam mit den parasympathischen Fasern durch den Canalis pterygoideus zur Fossa sphenopalatina (pterygopalatina) und von dort zusammen mit den Fasern des N. maxillaris durch das Foramen sphenopalatinum zur Nasenhöhle.

Sinusitis
Bei einer chronischen Sinusitis (Beschwerden über mindestens 8 bis 12 Sinusitis:chronischeWochen) liegt außer einer Virus-, Bakterien- oder Pilzinfektion keine klare Ätiologie vor. Folgende Komplikationen sind zu befürchten: Durchbruch zur Orbita, Durchbruch zur Fossa cranii anterior oder Fossa cranii media, Meningitis, Tonsillitis, Laryngitis, Bronchitis, Otitis media usw. Folgende Beschwerden treten bei chronischer Sinusitis auf: dumpfe Gesichts- und Kopfschmerzen, die beim Bücken und Pressen zunehmen, Kopfschmerzenverstopfte Nase, behinderte Nasenatmung, eitriger Sekretabfluss im Rachen, Schnupfen, Husten etc.
In der Schulmedizin wird wegen der Komplikationsgefahr meistens eine medikamentöse Behandlung (Kortikosteroide, Antibiotika, Antihistaminika) eingeleitet oder es werden minimal invasive Nasennebenhöhleneingriffe und Nasenspülungen angewandt, damit der Eiter ablaufen kann.
Osteopathisches Krankheitsmodell einer Sinusitis
Wie bereits vorher öfters angedeutet, ist es niemals allein ein Keim, der die Krankheit auslöst (Kap. 2.3.15). Auch eine Schwächung des Milieus trägt zur Krankheitsentstehung bei und kann für eine venolymphatische Stauung/Schwellung der Schleimhaut sorgen. Diese Schwellung kann den Abfluss des eitrigen Sekrets aus den Nasennebenhöhlenöffnungen verhindern, sodass es zu einer Eiteransammlung in einem Luftsinus kommt.

Prävention

Im Sinne einer Kaskadenentwicklung von Krankheit wäre es präventiv sinnvoll, osteopathisch bereits in der humoralen Phase einer beginnenden Sinusitis einzugreifen und nicht abzuwarten, bis die zelluläre Phase erreicht wird (Kap. 2.3.16).

Dazu eignet sich eine venolymphatische Drainage, die sowohl den Abfluss des viren- und bakterienhaltigen Sekrets angeregen als auch die arterielle Verteilung der verabreichten Medikamente verbessern kann.

Während der Anschwellphase (Sinusitis:osteopathisches ModellSekretabfluss:anregenKrankheitsentwicklung:KaskadeFlexion kraniosakral) des Geweberhythmus (Kraniosakralrhythmus) und der diaphragmalen Geweberhythmus:Anschwellphase (Flexion, Außenrotation)Geweberhythmus:Abschwellphase (Extension, Innenrotation)Atmung findet eine Erweiterung (Außenrotation) der Schädelknochen und damit auch der Luftsinus statt, während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) dagegen eine Schrumpfung (Innenrotation) der Schädelknochen und Luftsinus. Die rhythmischen Anschwell- und Abschwellbewegungen unterstützen die venolymphatische Drainage der Schädelknochen und Luftsinus. Es ist wunderbar, dass man sich dieser Luftsinus:venolymphatische Drainagerhythmischen Vorgänge bei der Untersuchung und Behandlung bedienen kann!
Da die Luftsinus im Kindesalter durch eine Pneumatisierung und Einstülpung von Schleimhaut in den Knochen entstehen, erscheint es logisch, dass sich Spannungen in und um den Knochen sowohl auf die Entwicklung der pneumatisierten Knochen (mit Leichtbaupatent) als auch auf die Durchsaftung und Schleimbildung der dort vorhandenen Schleimhäute auswirken können. Immerhin befinden sich die pneumatischen Hohlräume in mechanisch relativ spannungsfreien Bereichen, um die herum ein fachwerkähnliches Knochengerust gebaut ist, das zur Ableitung der Spannungen und zum Ansatz der Kaumuskulatur dient (Kap. 11.4).

Nachbehandlung bei Sinusitis

Um Rezidive zu vermeiden, kann es sehr sinnvoll sein, nach Abklingen der akuten Sinusitis-Beschwerden die Spannungsmuster in Schädelknochen und Meningen mit osteopathischen Techniken zu lösen. Anschließend empfiehlt es sich, mit venolymphatischen Pumptechniken die venolymphatische Drainage zu verbessern.

Besonders interessant für die Spannungsmuster:SinusitisSinusitis:Nachbehandlung, osteopathischeUntersuchung und Behandlung sind unserer Ansicht nach folgende Bereiche:
  • Durchtrittsstellen für Gefäße und Nerven

    • Os frontale und Os ethmoidale mit dem Foramen caecum als Durchtrittsstelle für die V. nasalis und inkonstant die A. ethmoidalis anterior mit dem gleichnamigen Nerv (N. ethmoidalis anterior)

    • Os ethmoidale mit den Foramina ethmoidalia anterius et posterius als Durchtrittsstelle für die Aa. und Vv. und Nn. ethmoidales anteriores et posteriores sowie für die Lymphgefäße

    • Orbita mit Fissura orbitalis superior und Fissura orbitalis inferior als Durchtrittsstelle für die Vv. ophthalmicae

    • Os palatinum, Os sphenoidale und Kaumuskulatur mit dem Foramen sphenopalatinum als Durchtrittsstelle für die Aa. und Vv. sphenopalatinae und den N. nasopalatinus

    • Maxilla und Os incisivum mit dem Foramen incisivum als Durchtrittsstelle für die A. und V. nasopalatina und den N. nasopalatinus

  • Beweglichkeit und Viskoelastizität der folgenden Strukturen: Os frontale, Maxilla, Os ethmoidale, Os sphenoidale mit ihren Luftsinus

  • Bewegungsrhythmen der Gewebe und Diaphragmen.

Mandibula und Kiefergelenk

Die Articulatio temporomandibularis (Kiefergelenk) ist die Articulatio:temporomandibularis\t\"Siehe Kiefergelenkbewegliche Verbindung zwischen dem Kiefergelenk:(Art. temporomandibularis)Caput mandibulae und der Fossa mandibularis mit dem Tuberculum articulare des Os temporale. Das Gelenk ist von einer Kapsel umgeben. Zwischen den beiden Gelenkflächen ist der faserknorpelige Discus articularis eingeschaltet, der das Kiefergelenk in zwei Kammern unterteilt.
  • Gelenkanteile des Os temporale (Abb. 12.30):

    • Processus postglenoidalis zwischen Fossa glenoidalis und Meatus acusticus externus

    • Fossa glenoidalis oder Fossa mandibularis mit Facies articularis

    • Protuberantia articularis oder Tuberculum articulare ventral von der Fossa mandibularis

  • Gelenkanteile der Mandibula: Das Caput mandibulae kann sehr unterschiedliche Formen und Abmessungen annehmen. Es ist laterolateral und dorsoventral konvex, also meistens bikonvex.

Spannungen im Bereich eines Kiefergelenks wirken sich homolateral auf das Foramen Kiefergelenk:Spannungenstylomastoideum, das Foramen mastoideum sowie das Foramen und den Canalis mandibulae und den Meatus acusticus internus, das Innenohr mit Gleichgewichts- und Hörorgan aus. Wir haben diese Foramina bereits weiter oben besprochen (Kap. 12.2.1).
Knorpel und Funktion des Kiefergelenks
Die Gelenkflächen anderer Gelenke sind von hyalinem Knorpel bedeckt. Die Gelenkflächen des Kiefergelenks sind dagegen von dichtem Bindegewebe (Faserknorpel) bedeckt, das stärker verformbar ist. Die GründeFaserknorpel:Kiefergelenk hierfür werden kontrovers diskutiert. Eigentlich hängen Auflage und Zusammensetzung der Gelenkflächen mit der Funktion zusammen. Die Hypothese, dass Kiefergelenkstrukturen bei der Funktion kompressiv belastet werden, Kiefergelenkstrukturen:KompressionsbelastungKiefergelenkstrukturen:Knorpelwird von immer mehr Untersuchungen gestützt (Bumann 2000). Dass Kiefergelenkstrukturen individuell variabel belastet werden, zeigt sich sowohl in der Knochentrabekelstruktur als auch in der Zusammensetzung des Knorpels:
  • Eine stärkere Kompressionsbelastung führt zur vermehrten Einlagerung von Wasser, Kompressionsbelastung:KiefergelenkflächenFüllstoffen (Proteoglykane wie z. B. Chondroitinsulfat) und Typ-II-Kollagen, das die Auflage der Gelenkflächen leichter verformbar macht.

  • Eine geringere Kompressionsbelastung führt zum vermehrten Einbau von Typ-I-Kollagen, das die Auflage der Gelenkflächen weniger verformbar macht.

Kiefergelenkstrukturen werden funktionell also belastet, sollen sich Kiefergelenkstrukturen:strukturelle Veränderungenaber trotz der Kompressionsbelastung reibungsarm bewegen können. Das kann im Fall von Funktionsstörungen zu einer Adaptation oder Kompensation mit strukturellen Veränderungen führen:
  • progressive Veränderungen Knorpelhypertrophie, Knochendeformation

  • regressive Veränderungen Knorpeldegeneration, Knochendeformation (Osteophyten), Entzündungen, Ankylose

Kiefergelenkanteile des Os temporale
Der hintere Teil der Fossa mandibularis liegt extrakapsulär. Die Fossa mandibularis ist bikonkav. Im Zentrum der Fossa Fossa:mandibularismandibularis ist die Knochenschicht, die sie von der mittleren Schädelgrube trennt, relativ dünn. Bei älteren Leuten kann sie infolge eines Traumas durchbrechen (zentrale Luxation des Caput mandibulae).
Die Gelenkfläche der Fossa mandibularis wird ventral durch das sattelförmige Tuberculum articulare gebildet. Der vordere Teil der Fossa mandibularis und das Tuberculum articulare sind von Faserknorpel bedeckt, der am Übergang von der Fossa zum Faserknorpel:Fossa mandibularisTuberculum am dicksten ist.
Der Knorpelschicht des Caput mandibulae ist im zentralen Bereich dicker als am Rand. Die laterolaterale Achse (Querachse) des Caput mandibulae verläuft schräg von ventrolateral Caput:mandibulaenach dorsomedial, sodass sich die beiden Querachsen in Höhe des Vorderrands des Foramen magnum schneiden und einen nach vorne offenen Winkel von 150–170 bilden.
Aufbau des Os temporale
Am Übergang von der Fossa mandibularis zur Pars tympanica des Os temporale befinden sich drei Fissuren (mit einer ähnlichen Dehnfugenfunktion wie die von kranialen Suturen), die bei einer Diskusverlagerung in 95 % der Fälle ossifizieren. In Gelenken ohneDiskusverlagerung Diskusverlagerung bleiben die normalen Verhältnisse mit offenen Fissuren bestehen (Bumann & Lotzmann 2000)! Diese drei Fissuren sind zwischen den embryologischen Anteilen des Fissuren:Os temporaleOs temporale (Pars squamosa, Pars tympanica und Pars petrosa) gelegen (Abb. 12.31). Es handelt sich um die:
  • Fissura tympanosquamosa

  • Fissura petrotympanica

  • Fissura petrosquamosa

Discus articularis
Der Discus articularis (Gelenkscheibe) ist eine ovale Bindegewebsplatte (oft als Band umschrieben) mit eingelagerten Chondrozyten. Er kann funktionell in drei Teile gegliedert werden:
  • Die Pars anterior (ca. 2 mm dick) oder das vordere Band ist etwas dicker und enthält auch Knorpelzellen und Faserknorpel. Eigentlich handelt es sich hierbei um das straffe kollagene Bindegewebe des vorderen Bandapparates, das in den Faserknorpel der Gelenkscheibe übergeht.

  • Die zentrale Pars intermedia (ca. 1 mm dick) ist dünner und besteht hauptsächlich aus Kollagenfasern, die sagittal verlaufen.

  • Die Pars posterior (ca. 3 mm dick) oder das hintere Band Pars:posteriorist meistens etwas dicker und enthält auch Knorpelzellen und Faserknorpel. Eigentlich handelt es sich hierbei um Faserknorpel des Discus articularis, der in das straffe kollagene Bindegewebe des dorsalen Bandapparates übergeht.

Der Discus articularis ist an seinen Rändern mit der Gelenkkapsel verwachsen und unterteilt die Gelenkhöhle damit in zwei Kammern (Abb. 12.30). Zudem ist er noch am medialen und lateralen Rand des Caput mandibulae befestigt.
In Ruhelage befindet sich die Pars posterior des Discus Ruhelage:Kiefergelenkscheibearticularis auf der Spitze des Caput mandibulae, die Pars intermedia zwischen der ventralen Seite des Caput mandibulae und dem Tuberculum articulare sowie die Pars anterior vor dem Caput mandibulae.
Funktion des Discus articularis
  • Inkongruenz zwischen den Gelenkflächen ausgleichen

  • Bewegliche Gelenkflächen schaffen und damit auch die Beweglichkeit vergrößern

  • Reibung beim Gleiten reduzieren

  • Stoßdämpfer

Der Discus articularis ist viskoelastisch, kann sich aber bei dauernder Fehlbelastung pathologisch verändern.
Pathologien des Discus articularis
  • Diskusperforation, -ossifikation, Fibrosierung der bilaminären Zone, Bildung eines Pseudodiskus in der bilaminären Zone usw.

  • Anteriore Diskusverlagerung

    • reponierbar: anterior verlagerter, nicht-Diskusverlagerungblockierter Diskus mit Klickphänomen (Gelenkknacken), meistens ohne Schmerz

    • nicht reponierbar: blockierter Diskus mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung

  • Diskusperforation mit eventuell arthrotischen Veränderungen der DiskusperforationGelenkflächen, was sich oft mit Schmerzen und Krepitus, v. a. bei Bewegungen unter Kompression, äußert.

Gelenkkapsel und Ligamente
Das Kiefergelenk wird von einer weiten, dünnen Gelenkkapsel Kiefergelenkkapselumschlossen. Die von den Zellen der Membrana Gelenkkapsel:Kiefergelenksynovialis gebildete Synovialflüssigkeit dient zur Ernährung des avaskulären Gelenkknorpels und auch als Gleitmittel.
  • Anheftung der Gelenkkapsel am Os temporale:

    • ventral: etwas vor dem Tuberculum articulare

    • medial und lateral: in der Nähe der Knorpel-Knochen-Grenze

    • dorsal: in der Fossa mandibularis, ventral von der Fissura petrotympanica (Glasersche Spalte)

  • Anheftung der Gelenkkapsel an der Mandibula:

    • ventral, medial und lateral: in der Nähe der Knorpel-Knochen-Grenze des Caput mandibulae

    • dorsal: weiter kaudal, sodass die bilaminäre Zone intraartikulär liegt und ein Recessus gebildet wird.

Im hinteren Anteil der Kiefergelenkkapsel befindet sich eine bilaminäre Zone, die von Kiefergelenkkapsel:bilaminäre ZoneKiefergelenkkapsel:Anheftungmanchen als Teil des Discus articularis betrachtet wird. Sie ist mit dem Discus articularis verbunden und wird in der Literatur auch als retroartikuläres Polster, retrodiskales Fettpolster oder trilaminäre Zone bezeichnet (Abb. 12.32):
  • Die obere Zone oder das Stratum superius besteht aus lockerem Bindegewebe mit elastischen Fasern. Sie ist am Rand der Fissura petrosquamosa und am elastischen Knorpel des äußeren Gehörgangs befestigt und zieht ventralwärts zum Hinterrand des Discus articularis,

  • Die untere Zone oder das Stratum inferius besteht aus straffem Bindegewebe mit kollagenen Fasern. Sie ist an der dorsalen Seite des Collum mandibulae befestigt und relativ stabil, sodass eine anteriore Diskusverlagerung nur bei Überdehnung dieser Fasern möglich ist. Auch die untere Zone zieht ventralwärts zum Hinterrand des Discus articularis.

Zwischen beiden Zonen liegt das Genu vasculosum, in dem Gefäße und Nerven verlaufen und Fett angelagert ist.
Die Kapsel wird durch Ligamente verstärkt, die sie Kiefergelenkkapsel:Ligamentestabilisieren, führen und schützen:
  • Das Lig. laterale entspringt lateral am Tuberculum articulare und zieht schräg nach dorsokaudal zur lateralen Seite des Collum mandibulae. Zwischen dem Lig. laterale und dem M. masseter kann eine kleine Bursa liegen.

  • Das Lig. mediale entspringt medial am Tuberculum articulare und zieht schräg nach dorsokaudal zur medialen Seite des Collum mandibulae.

  • Das Lig. stylomandibulare entspringt am Processus styloideus und zieht zum hinteren Rand des R. mandibulae, wo es in die Faszie des M. pterygoideus medialis einstrahlt. Es wird als Führungsband gesehen.

  • Das Lig. sphenomandibulare entspringt an der Spina sphenoidalis und meistens an der medialen Gelenkkapsel. Es verläuft zwischen den Mm. pterygoidei nach kaudal und inseriert an der Lingula mandibulae. Funktionell hat es kaum Bedeutung.

Die Kaumuskulatur
Die Kaumuskulatur besteht aus M. temporalis, M. masseter, M. Kaumuskulaturpterygoideus medialis und M. pterygoideus lateralis. Die infrahyale Muskulatur ist bei der zentralen MFK beschrieben (Kap. 10).
M. temporalis
  • Ursprung: Der M. temporalis (Abb. 12.33) entspringt fächerförmig mit drei Teilen:

    • Pars anterior von der Ala major ossis sphenoidalis,

    • Pars media vom Os parietale, unterhalb der Linea temporalis inferior, und von der Squama ossis temporalis,

    • Pars posterior vom hinteren Anteil des Processus zygomaticus des Os temporale.

  • Insertion: an der Spitze und der medialen Fläche des Processus coronoideus der Mandibula.

  • Funktion: Mundschließung und Retrusion.

M. masseter
  • Ursprung: Der M. masseter (Abb. 12.34) entspringt mit zwei Teilen am Arcus zygomaticus:

    • Pars superficialis vom Unterrand des Arcus zygomaticus und

    • Pars profunda von der Innenfläche des Arcus zygomaticus.

  • Insertion: am Angulus mandibulae und an der Tuberositas masseterica auf der Außenfläche der Mandibula.

  • Funktion: Mundschließung.

M. pterygoideus lateralis
Man unterscheidet zwei Teile des M. pterygoideus lateralis (Abb. 12.35) mit unterschiedlichen Funktionen:
  • Das Caput superius, das vom Dach der Fossa infratemporalis, lateral des Foramen ovale und des Foramen spinosum, entspringt, zieht zur Fovea pterygoidea der Mandibula (genau unterhalb des Caput mandibulae) und zusätzlich zum Diskus-Kapsel-Komplex des Kiefergelenks.

    • Funktion: Mundschließung, Mahlbewegungen und Ventral-Ziehen des Discus articularis.

  • Das Caput inferius, das an der lateralen Seite der Lamina lateralis des Processus pterygoideus ossis sphenoidalis entspringt, zieht zur Fovea pterygoidea der Mandibula (genau unterhalb des Caput mandibulae).

    • Funktion: Mundöffnung und Mahlbewegungen.

M. pterygoideus medialis
Man unterscheidet zwei Teile des M. pterygoideus medialis (Abb. 12.36).
  • Ursprung:

    • Caput profundum: in der Fossa pterygoidea auf der medialen Seite der Lamina lateralis des Processus pterygoideus ossis sphenoidalis

    • Caput superficiale: auf der lateralen Seite der Lamina lateralis des Processus pterygoideus ossis sphenoidalis, am Processus pyramidalis des Os sphenoidale, am Processus pyramidalis des Os palatinum und am Tuber maxillae.

  • Insertion: Beide Köpfe ziehen nach kaudal zur Tuberositas pterygoidea an der Innenfläche des Angulus mandibulae.

  • Funktion: Mundschließung und Mahlbewegungen.

Beweglichkeit und Biomechanik des Kiefergelenks
Die beiden Kiefergelenke bilden eine funktionelle Kette. Isolierte Bewegungen kommen nicht vor.
Mundöffnung (Abduktion)
Zu den Mundöffnern gehören der M. pterygoideus lateralis (Caput inferius), M. digastricus, M. mylohyoideus und M. geniohyoideus. Beim Mundöffnen wird das Os hyoideum von der infrahyalen Muskulatur als Punctum fixum gehalten.
Das Caput mandibulae rollt bei der Mundöffnung (Abb. 12.37) zuerst nach dorsal und dann nach Mundöffnung:Bewegungkaudal, wobei es gleichzeitig aus der Fossa mandibularis am Tuberculum articulare entlang nach ventrokranial gleitet.
Der Discus articularis gleitet auf dem Caput mandibulae nach dorsal und in der Fossa mandibularis nach ventral. Da sich der venöse Plexus des Genu vasculosum passiv (4- bis 5-fach) erweitert, entsteht ein Unterdruck im dorsalen Bandapparat, und dieser Bereich füllt sich mit Blut.
Dieser Mundöffnungsmechanismus erfordert eine gute Koordination:
  • Wird der Mundöffnungsmechanismus:KoordinationMeniskus vorne gehalten oder zu schnell nach vorne gezogen, ist beim Öffnen ein Klick-Geräusch zu hören, wenn das Caput mandibulae über den Klick-Geräuschhinteren Teil des Discus articularis springt und sozusagen einrastet. Oft spielt die Spannung des M. pterygoideus lateralis hierbei eine Rolle! Weil 22 % seiner Fasern vorne an Kapsel und Gelenkscheibe ansetzen, kann eine Muskelhypertonie dazu führen, dass der Diskus vorne gehalten wird oder sich unkoordiniert bewegt.

  • Kann der Diskus nicht einrasten oder wird er zu stark eingequetscht, blockiert er die Öffnungsbewegung.

  • Am Ende der Öffnungsbewegung kann das Caput mandibulae über den vorderen Teil des Diskus springen und sozusagen ausrasten. Es kommt erneut zu einem Klick-Phänomen. Das Caput mandibulae soll sogar über das Tuberculum articulare springen können.

Mundschließung (Adduktion)
Zu den Mundschließern zählen M. temporalis, M. masseter, M. pterygoideus medialis und M. pterygoideus lateralis (Caput superius).
Das Caput mandibulae rollt beim Mundschließen (Abb. 12.37) nach ventrokaudal und gleitet in Mundschließung:Bewegungender Fossa mandibularis am Tuberculum articulare entlang nach dorsokranial. Der Discus articularis gleitet auf dem Caput mandibulae nach ventral und in der Fossa mandibularis nach dorsal.
Im Genu vasculosum entsteht physiologisch ein Überdruck, durch den es leer gepresst wird. In dem Zusammenhang frage ich mich, inwiefern das Füllen bzw. Entleeren des Genu vasculosum zur Durchblutung bzw. zu Stauungen im Innenohr beitragen könnte. Es wäre spannend, wenn hierzu Untersuchungen angestellt würden.

Praktisch-klinische Bedeutung

Durch einen unphysiologischen Druckanstieg im Genu vasculosum entsteht ein nach ventral auf den Diskus und die bilaminäre Zone gerichteter Kraftvektor, was in einer Überdehnung, Abflachung oder Vorverlagerung (nach anterior) des Discus articularis resultieren kann.

Es ist demzufolge sinnvoll, das Genu vasculosum mit vorsichtigen Pumptechniken zu entstauen.

Mahl- oder Lateralbewegung
Beide Kiefergelenke zeigen dabei eine unterschiedliche Bewegung (Abb. 12.38)Kiefergelenk:Translationsbewegung. Im Idealfall rotiert der Arbeitskondylus (ruhender Kondylus) um eine vertikale Achse, praktisch stellt sich aber Arbeitskondylus (ruhender Kondylus)auf der Arbeitsseite ( Laterotrusionsseite) meistens auch noch eine Kiefergelenk:Laterotrusiongeringe laterale Translationsbewegung des Translationskondylus (schwingender Kondylus) ein (Bennet-Bewegung). Der (ruhende) Kondylus auf Translationskondylus (schwingender Kondylus)der anderen Seite ( Bennet-BewegungMediotrusionsseite) bewegt sich nach ventrokaudal-medial, macht also auch eine Art Kippbewegung, bei der er sich etwas nach kaudal bewegt.
Die Mahlbewegung wird durch den fixierenden M. Kiefergelenk:MahlbewegungKiefergelenk:Kippbewegungtemporalis auf der ruhende Seite und durch den M. pterygoideus lateralis und den M. pterygoideus medialis auf der Arbeitsseite ausgelöst.
Protrusion und Retrusion
Protrusion ist eine Translationsbewegung des Unterkiefers nach ventral. Die Kondylen bewegen sich gleichzeitigUnterkiefer:Protrusion nach ventral aus der Fossa mandibularis. Diese Protrusion wird vor allem von den Mm. pterygoidei laterales undProtrusion:Unterkiefer von den vorderen Anteilen des M. masseter ausgeführt.
Retrusion ist eine Translationsbewegung des Unterkiefers nach dorsal. Die Kondylen bewegen sich gleichzeitig Unterkiefer:Retrusionnach dorsal aus der Fossa mandibularis. Diese Retrusion erfolgt durch die Mundbodenmuskulatur (M. Retrusion:Unterkiefergeniohyoideus, Venter anterior des M. digastricus) und durch horizontale Fasern der Mm. temporales.
Gefäß- und Nervenversorgung des Kiefergelenks
Das Kiefergelenk wird arteriell durch die A. maxillaris (Ast der A. Kiefergelenk:Gefäßversorgungcarotis externa) und die A. temporalis superficialis versorgt. Beide Arterien versorgen auch die Kaumuskulatur.
Der venöse Abfluss findet über die V. temporalis superficialis zur V. jugularis externa, über die V. maxillaris (V. retromandibularis) und den Plexus pterygoideus statt, die in die V. jugularis externa münden.
Die sensible Versorgung erfolgt durch Äste des N. mandibularis (N. auriculotemporalis, N. massetericus). Parasympathisch wird das Kiefergelenk durch einen Gelenkast des Ganglion oticum versorgt, Kiefergelenk:Nervenversorgungder die Produktion der Synovialflüssigkeit stimuliert.
Funktionell ist es wichtig zu betonen, dass sich durch Schmerzrezeptoren in der Kapsel die sympathische Aktivität erhöhen undSchmerzrezeptoren:Kiefergelenk für eine Kiefergelenkkapsel:SchmerzrezeptorenAktivierung der Muskelspindeln sorgen kann, was eine gesteigerte Muskelspannung zur Folge hat.
Im vorderen Kapselanteil sind vermehrt sensible und im hinteren Kapselanteil vermehrt sympathische Fasern zu finden. Die sympathische Versorgung dient vor allem dazu, die Vasomotion zu kontrollieren und das Blutvolumen im Genu vasculosum anzupassen. Sie soll allerdings auch beim Schmerzempfinden eine Rolle spielen (Bumann 2000).

Die Vernetzung des kraniomandibulären Systems

Kiefergelenk- und Kauschmerzen
In einer retrospektiven Studie über neun Jahre mit 130 Patienten stellte Blood fest, dass eine Kiefergelenkdysfunktion (Schmerz oder Druckempfindlichkeit oder mandibuläre Kiefergelenkdysfunktion:FaktorenDeviation bei der Mundöffnung und Druckempfindlichkeit der Kaumuskeln) keine eigenständige Entität darstellt, sondern auf einer Kombination aus strukturellen und kongenitalen Faktoren, Gebrauchs- und Ernährungsverhalten, psychologischen, neurologischen, allergologischen und zirkulatorischen Faktoren, Okklusionsstörungen, iatrogenen Faktoren und Traumata beruht (Blood 1986).
Supraspinale Zentren können sowohl einen hemmenden als auch bahnenden Einfluss auf den Muskeltonus ausüben. Auch das limbische System spielt dabei eine wichtige Rolle.

Schmerzausstrahlung

  • Es ist funktionell wichtig, dass sowohl Afferenzen aus dem Kiefergelenk als auch Afferenzen aus der oberen HWS im Trigeminuskern umgeschaltet werden, sodass die richtige Zuordnung der Afferenzen dem Gehirn Schwierigkeiten bereiten kann. Schmerzen der oberen HWS können also im Kiefergelenk (und umgekehrt) wahrgenommen werden!

  • Muskelschmerzen können vom M. temporalis in die Oberkieferzähne, vom M. masseter in die hinteren Ober- und Unterkieferzähne und vom M. digastricus in die vorderen Unterkieferzähne ausstrahlen.

  • Untersuchungen haben auch gezeigt, dass der M. sternocleidomastoideus immer auch aktiv am Bruxieren beteiligt ist!

  • Im Kiefergelenkdiskus lassen sich postnatal keine Nerven nachweisen, sodass er nicht als Schmerzquelle fungieren kann! Er kann sich auch nicht regenerieren und reagiert entweder mit einer elastischen ( reversibel) oder einer plastischen Verformung ( irreversibel)!

  • Erst wenn der Gelenkknorpel beschädigt ist und der subchondrale Knochen freiliegt, können Schmerzen aus den Knochen entstehen.

Schmerzursachen
Folgende kausale Schmerzausstrahlung:KiefergelenkMuskelschmerzen:Ausstrahlung in ZahnbereichKnochenschmerzen:KiefergelenkKiefergelenk:SchmerzausstrahlungKiefergelenk:DiskusverformungKiefergelenk:AfferenzenBruxismusBruxieren\t\"Siehe BruxismusFaktoren kommen für Schmerzen im Kausystem in Betracht:
Okklusale Störungen: Miehe et al.Schmerzen:durch okklusale Störungen konnten nachweisen, dass sich unter experimentell veränderten okklusalen Bedingungen die Zusammensetzung der Kaumuskulatur verändertokklusale Störungen:Schmerzen (Miehe et al. 1999). Der Zusammenhang von Funktion und Form gilt selbstverständlich auch für das kraniomandibuläre System; daher werden Änderungen der okklusalen Verhältnisse entsprechend auch die Funktion des kraniomandibulären Systems beeinflussen und vice versa!
Hier kann es sinnvoll sein, die Krafteinleitungsebene der Kiefergelenke beim Patienten zu bestimmen (Kap. 13.3). Sie wird durch Kiefergelenk:Krafteinleitungsebenedie Verbindungsebene zwischen den palatinalen Höckern der ersten Molaren und den Schneidekanten der mittleren Schneidezähne im Oberkiefer bestimmt. Bei einer orthognathen Krafteinleitungsebene werden die Kräfte gleichmäßig im Schädel übertragen. Bei Krafteinleitungsebene:orthognatheKrafteinleitungsebene:dysgnatheeiner dysgnathen Krafteinleitungsebene werden die Kräfte schief und dysharmonisch im Schädel weitergeleitet und sorgen demzufolge für mehr Stress.
Haltungsstörungen und myofasziale Störungen: Ahlers et al. wiesen darauf hin, dass auch Fehlhaltungen und Fehlfunktionen der Wirbelsäule Einfluss auf die Fehlhaltungen:Einfluss auf KieferpositionKieferposition haben (Ahlers et al. 2001). Das myofasziale System ist ganzkörperlich bis auf die Zellularebene vernetzt, und alle Körperteile sind über die myofaszialen Strukturen miteinander verbunden. Demzufolge besteht auch ein myofasziale Störungen:FehlhaltungenZusammenhang zwischen dem kraniomandibulären System und Körper(fehl)haltungen. Das kraniomandibuläre System ist als ein Element des myofaszialen Körpersystems sowohl kraniomandibuläres System:Myofaszialkettenmit den geraden als auch mit den kreuzenden Myofaszialketten verbunden (Meert 2009). Wühr betrachtet die Knochen der Schädelbasis und des Gesichtsschädels als funktionelle Fortsetzung der Wirbelsäule und den Zahnbogen des Oberkiefers als Spitze der Wirbelsäule (Wühr 2008).
Kraniosakrale Dysfunktionen: Torsionen und Spannungen in den Schädelknochen und Suturen können zu einer unterschiedlichen Stellung der Ossa temporalia und demzufolge der Kiefergelenke führen (Wühr 2008). In seiner retrospektiven Studie an 130 Patienten mit Kiefergelenkdysfunktionen fand Blood bei 1,5 % der Patienten einen blockierten Kiefergelenkdysfunktionen:und kraniosakrale Dysfunktionenkraniosakralen Mechanismus, bei 17,7 % eine sphenobasiläre Kompression, bei 10,8 % eine eingeschränkte Mobilität der Symphysis sphenobasilaris, bei 13,1 % ein kraniales Strainmuster (vertikal oder lateral), bei 26,9 % eine Kompression der okzipitalen StrainmusterKondylen (unilateral oder bilateral), bei 11,5 % ein schweres artikuläres Strainmuster der frontosphenoidalen Suturen und bei 4 % eine Luxation des Discus articularis des Kiefergelenks (Blood 1986).
Psychosomatische Störungen: Psychosomatische Erkrankungen können sich auch auf den Mund-, Kiefer- und psychosomatische Störungen:Zahn-/Kieferfehlstellungenpsychosomatische Störungen:HaltungsschädenZahnbereich auswirken. Bei Zahn- und Kieferfehlstellungen wie auch bei anderen Haltungsschäden des Körpers (!) sollte immer daran gedacht werden, dass sieHaltungsschäden:psychosomatische Störungen auch psychisch bedingt bzw. verstärkt sein könnten (von Uexküll 2003).

Bruxismus

Dass Bruxismus und eine gesteigerte Zungen-, Augen- und Kaumuskelaktivität vor allem nachts beim Träumen und in anderen Schlafphasen auftreten, scheint auf einen seelisch-emotionalen Verarbeitungsprozess während des Schlafens hinzudeuten, der manchmal eine Erholung im Schlaf verhindert.

Auch beim Alltagsstress lautet die Devise oft: Zähne zusammenbeißen, Augen zu und durch. Manchmal ist es tatsächlich so, dass nicht nur die Zähne, sondern auch die Seele knirscht. Beim Bruxieren sollen übrigens Kräfte von 70–300 N auf einen einzelnen Molaren einzuwirken (Wühr 2008).

Darüber hinaus weiß jeder, dass sich die Stimmung und Gefühlslage eines Menschen auf seine Körperhaltung und Muskelspannung auswirkt.

Nachfragen zum psychoemotionalen und sozialen Netzwerk des Patienten gehören deshalb auch zum Untersuchungs- und Behandlungsfeld des kraniomandibulären Systems.

Wir haben in den vorhergehenden Kapiteln schon Zähneknirschen\t\"Siehe BruxismusBruxismusbesprochen, dass der Mensch ein offenes, hochkomplexes biologisches System mit vielen untereinander vernetzten Teilsystemen darstellt. Es erscheint daher wenig sinnvoll, bei nicht-traumatischen, chronischen Problemen mit einer linearen, reduktionistischen Herangehensweise nach Kausalitäten zu suchen! Bei einer chronischen Erkrankung sammeln sich oft so viele belastende Faktoren, dass wahrscheinlich eher von einer multifaktoriellen Kausalität auszugehen ist (Kap. 2.3.14).
So gesehen gibt es viele Zusammenhänge zwischen Funktionsstörungen der Kiefergelenke, Kopfschmerzen, HWS-Symptomen, vegetativen Symptomen, Schluckstörungen (Dysphagie), Stimmproblemen (Dysphonie) oder Ohrgeräuschen, wie sie in klinischen Untersuchungen beschrieben werden (Ahlers 2001, Bumann 2000). Neuerdings spricht man von kraniomandibulären Dysfunktionen, wenn Funktionsstörungen des Kauapparats durch eine kraniomandibuläre DysfunktionenDysfunktionen:kraniomandibuläreFehlstellung zwischen Schädel und Unterkiefer verursacht sind.
Nur eine vernetzte, integrative Teamarbeit kann auf Dauer bei chronischen, multikausalen Erkrankungen sinnvoll und erfolgreich sein. Viele Zahnärzte und Kieferorthopäden gehen bereits diesen Weg und bieten damit ein Beispiel, wie Netzwerke in der Praxis funktionieren können.

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