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B978-3-437-58930-0.00014-3

10.1016/B978-3-437-58930-0.00014-3

978-3-437-58930-0

Dermatome [9]

Reflextestung des Plexus brachialis [10]

Test mit Flexion-Extension-Seitneigung-Rotation der mittleren und unteren HWS

Palpation der rechten IAG

Test mit Flexion-Extension von C1–C2

Alternativer Flexions-Extensionstest von C1–C2

Sideshift von C1 bei Lateralflexion

Zwangsrotation von C2 bei der Seitneigung

Testen der Rotation von C1–C2

Hypermobilitätstest von C1–C2

Occipital Release Test

a) Test der Flexions-Extensionsbewegung von C0–C1, b) Raum zwischen Ramus mandibularis und Processus transversus bei der Flexion-Extension von C0–C1 [10]

a) Alternativer Test der Flexions-Extensionsbewegung von C0–C1; b) Position der Finger zwischen Okziput und Atlas [10]

Test der Rotationsbewegung von C0–C1

Alternativer Rotationstest von C0–C1 in Rückenlage

Weichteiltechnik für die HWS in Rückenlage

Entfaltung der Kapselstrukturen

Weichteiltechnik für die HWS im Sitzen

Muskelenergietechnik (z. B. Läsion FRS rechts von C5)

Occipital Release

Mobilisation einer bilateralen Extensionsläsion von C0

Mobilisation einer bilateralen Flexionsläsion von C0

Mobilisation einer Extensionsläsion des Okziputs in ERlSr

Mobilisation einer Flexionsläsion des Okziputs in FRrSl

Kinngriff

Ballgriff von ventral

Ballgriff von dorsal

Gapping und Distraction mit Entfaltung der Kapselstrukturen

Okziput in FRlSr: Behandlung mit Minimal Leverage Thrust oder Mobilisation

Laterale Läsion des Atlas nach links: Behandlung durch Mobilisation des Atlas nach rechts

Untersuchung und Behandlung der HWS

Die venöse Drainage des Schädels und Gehirns erfolgt in der aufrechten Position über die venösen Plexus vertebrales, die Vv. cervicales profundae und Vv. vertebrales mit ihren zahlreichen Anastomosen (Kap. 6 und 7Kap. 6Kap. 7), in Rückenlage dagegen mehr über die Vv. jugulares. Die Spannungsfreiheit der myofaszialen Strukturen des Halses und Nackens und insbesondere der Kopfgelenke ist demzufolge äußerst wichtig. Selbstverständlich sind auch der zervikothorakale Übergang, die ganze Wirbelsäule und die Rippen aus ganzkörperlicher Sicht sehr wichtig, aber eine Besprechung dieser Strukturen würde den Rahmen dieses Buches sprengen. Wir beschränken uns deswegen hier hauptsächlich auf die mittlere und obere HWS. Techniken für den zervikothorakalen Übergang sind in meinem vorigen Buch beschrieben (Meert 2007).

Untersuchung der HWS

Neurologische Untersuchung des Plexus cervicalis (C1–C4) und Plexus brachialis (C5–Th1)

Plexus:cervicalisPlexus:brachialisHWS:UntersuchungWenn bei der Anamnese und Untersuchung Hinweise auf eine neurogene Schädigung und/oder Bandscheibenproblematik:neurologische UntersuchungBandscheibenproblematik gefunden werden, ist zusätzlich eine neurologische Untersuchung erforderlich!
Testen Sie sorgfaltig die Kraft (Kennmuskel), die Reflexe und die Sensibilität (Dermatome:SensibilitätDermatom) (Abb. 14.1)! Auffälligkeiten, vor allem ein Kraftverlust, Sensibilitätsstörungen und fehlende Reflexe, sollten zur Vorsicht mahnen und lassen eine Beteiligung der Bandscheiben und Nervenwurzeln vermuten. Der Patient muss zur weiteren Abklärung zum Arzt überwiesen werden!
Rückenmarkssegmente:C1/C2 (Plexus cervicalis) Rückenmarkssegmente C1 und C2:
  • Kennmuskeln:C1/C2Kennmuskeln: subokzipitale Muskulatur. Man lässt den Patienten Nick- und Drehbewegungen mit dem Kopf gegen Widerstand ausführen.

  • Reflexe: keine

  • Sensibilität:C1/C2Sensibilität: Okzipitalbereich

Rückenmarkssegmente:C3/C4 (Plexus cervicalis) Rückenmarkssegmente C3 und C4:
  • Kennmuskeln:C3/C4Kennmuskeln: Zwerchfell und M. trapezius, Mm. scalenii und M. levator scapulae. Man lässt den Patienten den Schultergürtel gegen Widerstand anheben.

  • Reflexe: keine

  • Sensibilität:C3/C4Sensibilität: Hals und Nacken

Rückenmarkssegmente:C5 (Plexus brachialis) Rückenmarkssegment C5:
  • Kennmuskeln:C5Kennmuskeln: M. biceps brachii (M. deltoideus). Man lässt den Patienten die Ellenbogengelenke in Body-building-Position gegen Widerstand beugen.

  • Reflexe:BizepssehnenreflexReflexe (Abb. 14.2): Bizepssehnenreflex-TestBizepssehnenreflex. Der Ellenbogen des Patienten liegt gebeugt auf einer Unterlage. Der Therapeut legt einen Finger auf die Bizepssehne des Patienten und prüft durch einen Schlag mit dem Reflexhammer auf diesen Finger die reflektorische Kontraktion des Muskels.

  • Sensibilität:C5Sensibilität: Oberarm lateral

Rückenmarkssegmente:C6 (Plexus brachialis) Rückenmarkssegment C6:
  • Kennmuskeln:C6Kennmuskeln: M. brachioradialis. Man lässt den Patienten bei herabhängenden Armen die Ellenbogengelenke gegen Widerstand beugen.

  • Reflexe:SupinatorreflexReflexe:RadiusperiostreflexReflexe (Abb. 14.2): Radiusperiostreflex-TestRadiusperiostreflex (Supinatorreflex-TestSupinatorreflex). Der Ellenbogen des Patienten liegt gebeugt und in Mittelstellung zwischen Pro- und Supination auf einer Unterlage. Der Therapeut schlägt mit dem Reflexhammer auf das untere Radiusdrittel, um die reflektorische Kontraktion des Muskels zu testen.

  • Sensibilität:C6Sensibilität: Unterarm lateral und Daumen

Rückenmarkssegmente:C7 (Plexus brachialis) Rückenmarkssegment C7:
  • Kennmuskeln:C7Kennmuskeln: M. triceps brachii. Der Patient soll sich mit den Händen abstützen und sich hoch drücken.

  • Reflexe:TrizepssehnenreflexReflexe (Abb. 14.2): Trizepssehnenreflex-TestTrizepssehnenreflex. Der Ellenbogen des Patienten ist gebeugt. Der Therapeut schlägt oberhalb des Olekranons mit dem Reflexhammer auf die Trizepssehne, um die reflektorische Kontraktion des Muskels zu testen.

  • Sensibilität:C7Sensibilität: 2. bis 4. Finger

Rückenmarkssegmente:C8 (Plexus brachialis) Rückenmarkssegment C8:
  • Kennmuskeln: Fingerflexoren (M. flexor pollicis longus, M. flexor digitorum superficialis). Man lässt den Patienten die Finger gegen Widerstand beugen, strecken und spreizen.

  • Reflexe:PronatorreflexReflexe:FingerflexorreflexReflexe (Abb. 14.2): Fingerflexorreflex oder Pronatorreflex (C6–C8):

    • Beim Pronatorreflex-Pronatorreflex-TestTest ist der Ellenbogen des Patienten gebeugt und in einer Mittelstellung zwischen Pro- und Supination. Der Therapeut schlägt mit dem Reflexhammer auf die distale Volarseite des Radius oder der Ulna, um die reflektorische Kontraktion des Muskels zu testen.

    • Beim Fingerflexorreflex-Fingerflexorreflex-TestTest führt der Therapeut eine schnelle Streckbewegung der entspannt gebeugten Finger des Patienten aus, die normalerweise eine reflektorische Fingerbeugung auslöst.

  • Sensibilität:C8Sensibilität: Kleinfinger

Weitere Provokationstests wurden bereits im vorhergehenden Kapitel beschrieben (Kap. 13.2.3).

Untersuchung der mittleren und unteren HWS und der oberen BWS

Flexion-Extension
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt oder liegt auf dem Rücken, der Therapeut steht hinter ihr oder sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung:
  • Unilateral: Der Zeigefinger wird posterior auf das interapophysäre interapophysäre Gelenk\t\"Siehe IAGGelenk (IAG:(interapophysäres Gelenk)IAG, Facetten- oder Wirbelgelenk) gesetzt (Abb. 14.3 und Abb. 14.4).

  • Bilateral: Man kann das IAG auch bilateral mit Daumen und Zeigefinger testen, sollte dabei aber keinen Druck ausüben. Der Therapeut führt den Kopf der Patientin passiv in eine Flexion nach vorn bzw. Extension nach hinten. Die Finger tasten die Divergenz- bzw. Konvergenzbewegung der Wirbelfacetten:KonvergenzbewegungWirbelfacetten:DivergenzbewegungWirbelfacetten.

Seitneigung
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt oder liegt auf dem Rücken, der Therapeut steht hinter ihr oder sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung: Der Therapeut umgreift den Nacken der Patientin mit Daumen und Mittelfinger einer Hand. Diese Finger liegen bilateral auf den IAG von zwei benachbarten Wirbeln. Mit der anderen Hand führt er die HWS in eine Seitneigung, um das Divergieren bzw. Konvergieren der IAG-Bewegung:KonvergierenIAG-Bewegung:DivergierenIAG zu testen.
Alternative: Der Therapeut umgreift mit Daumen und Zeigefinger den Processus spinosus, um dessen Bewegung während der Seitneigung zu testen.
Rotation
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt oder liegt auf dem Rücken, der Therapeut steht hinter ihr oder sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung: Der Therapeut umgreift den Nacken der Patientin mit Daumen und Mittelfinger einer Hand. Diese Finger liegen bilateral auf den IAG von zwei benachbarten Wirbeln. Mit der anderen Hand führt er eine Rotation aus, um das Divergieren bzw. Konvergieren der IAG-Bewegung:KonvergierenIAG-Bewegung:DivergierenIAG zu testen.
Alternative: Es ist auch möglich, die Bewegung der Processus spinosi hierbei zu testen.

Untersuchung der Atlantoaxialgelenke (C1–C2)

Flexion-Extension C1–C2
Flexions-Extensionstest:C1/C2Atlantoaxialgelenke (C1–C2)Ausgangsposition: Die Patientin sitzt oder liegt auf dem Rücken, der Therapeut steht neben ihr oder sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung (Abb. 14.5):
  • Unilateral: Der Zeigefinger wird zwischen den Processus transversi auf der anterioren oder posterioren Seite aufgesetzt.

  • Bilateral: Man kann den Test auch bilateral mit beiden Mittelfingern links und rechts in diesem Raum durchführen.

Der Druck sollte sanft sein, weil diese Region bei Blockierungen besonders empfindlich ist.
Der Therapeut führt den Kopf der Patientin passiv in einer Nickbewegung:(Flexion-Extension)Nickbewegung nach ventral (Flexion) bzw. nach dorsal (Extension).
Alternativer Flexions-Extensionstest C1–C2
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt oder liegt auf dem Rücken, der Therapeut steht hinter ihr oder sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung (Abb. 14.6): Der Therapeut setzt Zeigefinger und Daumen einer Hand behutsam hinten auf den Arcus posterior von C1. Seine andere Hand liegt oben auf dem Kopf der Patientin und führt ihn sanft und langsam in eine Flexion/Extension mit Nickbewegung:Flexion-ExtensionNickbewegung nach vorne bzw. hinten. Die Finger im Subokzipitalbereich achten dabei auf die Gewebespannung und die Beweglichkeit des Atlas.
Sideshift von C1 bei der Lateralflexion
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt oder liegt auf dem Rücken, der Therapeut steht hinter ihr oder sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung (Abb. 14.7): Der Therapeut legt Zeige- und Mittelfinger lateral (z. B. rechts) auf die Processus transversi von C1 und C2. Mit der Lateralflexion:Sideshift von C1Lateralflexion (z. B. nach rechts) wird getestet, ob sich der Processus transversus von C1 nach homolateral (z. B. rechts) verschiebt (Sideshift homolateral).
Zwangsrotation von C2 bei der Seitneigung
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt oder liegt auf dem Rücken, der Therapeut steht hinter ihr oder sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung (Abb. 14.8): Der Therapeut umgreift mit Zeige- und Mittelfinger einer Hand den Processus spinosus von C2 und führt den Kopf der Patientin mit der anderen Hand in eine Seitneigung (z. B. nach links) ohne Rotation. Hiermit lässt sich die sofortige homolaterale Rotation von C2 (nach links) testen und fühlen, ob der Processus spinosus dabei zur heterolateralen Seite (nach rechts) ausweicht.
Testergebnis und therapeutische Konsequenzen: Ein Fehlen der Zwangsrotation deutet auf eine HypermobilitätHypermobilität oder schwere Schädigung der Ligg. alaria hin. Die Behandlung sollte sich in diesem Bereich auf StabilisationsübungenStabilisationsübungen beschränken. Für weitere Untersuchungen sollte eine Überweisung zum Arzt erfolgen.
Rotation C1–C2
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt oder liegt auf dem Rücken, der Therapeut steht hinter ihr oder sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung (Abb. 14.9): Der Therapeut umgreift den Processus spinosus von C2 mit Zeige- und Mittelfinger einer Hand und führt den Kopf der Patientin mit der anderen Hand in eine Rotationstest:von C1/C2Rotation. Er testet hierbei, wie weit er den Kopf und C1 drehen kann, bevor sich der Processus spinosus von C2 mitzudrehen beginnt.
Testergebnis und therapeutische Konsequenzen: Normalerweise ist eine Rotation bis ca. 30 möglich, ohne dass sich der Processus spinosus von C2 mitdreht. Dreht er sich sofort oder sehr schnell mit, deutet das auf eine BlockierungBlockierung oder muskuläre Restriktion:muskuläreRestriktion hin.
Alternativer Rotationstest C1–C2
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung: Der Therapeut fixiert mit Daumen und Zeigefinger einer Hand die Processus transversi (articulares) des Axis und führt mit der anderen Hand den Kopf und Atlas der Patientin in eine Rotation, um die atlantoaxiale Beweglichkeit:atlantoaxialeBeweglichkeit zu beurteilen.
Hypermobilitätstest C1–C2
Hypermobilitätstest:von C1/C2Ausgangsposition: Die Patientin sitzt oder liegt auf dem Rücken, der Therapeut steht hinter ihr oder sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung (Abb. 14.10): Der Therapeut legt einen Daumen sanft auf den Processus transversus von C1 auf einer Seite und den anderen Daumen auf den Processus transversus von C2 auf der anderen Seite. Er testet, ob sich die Wirbel ohne Rotation und ohne Sidebending leicht und stark gegeneinander verschieben lassen.
Testergebnis und therapeutische Konsequenzen: Wenn das der Fall ist, deutet das auf HypermobilitätHypermobilität hin. In diesem Bereich sollten extreme passive Bewegungen und Kraftanwendung vermieden und die Behandlung auf StabilisationsübungenStabilisationsübungen beschränkt werden. Diese Patienten sollten zum Arzt überwiesen werden.

Untersuchung des Atlantookzipitalgelenks (C0–C1)

Occipital Release Test
Atlantookzipitalgelenk (C0–C1)Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung (Abb. 14.11): Der Therapeut zieht das Occipital Release TestOkziput mit den Fingerspitzen der Mittel- und Zeigefinger bilateral in der Längsachse des Körpers zu sich hin und achtet auf den Widerstand, den er dabei spürt.
Wenn sich das Okziput schlecht vom Atlas entfernen lässt, deutet das auf eine Hypertonie:subokzipitale MuskulaturHypertonie der subokzipitalen Muskulatur hin.
Flexion-Extension C0–C1
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt oder liegt auf dem Rücken, der Therapeut steht hinter ihr oder sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung (Abb. 14.12): Der Therapeut setzt den Zeigefinger zwischen der Rückseite des Ramus mandibularis und der Vorderkante des Processus transversus von C1 auf. Der Druck muss behutsam aufgebaut werden, weil diese Region bei Blockierungen besonders empfindlich ist. Der Therapeut führt den Kopf der Patientin passiv in einer Nickbewegung:Flexion-ExtensionNickbewegung nach ventral (Flexion) bzw. nach dorsal (Extension).
  • Die Kondylen des Okziputs rollen bei der Flexionsbewegung:okzipitale KondylenFlexion nach vorne und gleiten zurück, wobei die Mandibula mit nach dorsal genommen wird, sodass sich der Raum zwischen dem Ramus mandibularis und dem Processus transversus von C1 verkleinert. Wird dieser Raum nicht kleiner, deutet das auf eine Extensionsläsion:C0/C1Extensionsläsion von C0–C1 hin.

  • Die Kondylen des Okziputs rollen bei der Extensionsbewegung:okzipitale KondylenExtension nach hinten und gleiten vor, wobei die Mandibula mit nach ventral genommen wird, sodass sich der Raum zwischen dem Ramus mandibularis und dem Processus transversus von C1 vergrößert. Wird dieser Raum nicht größer, deutet das auf eine Flexionsläsion:C0/C1Flexionsläsion von C0–C1 hin.

Danach wird die andere Seite getestet.
Alternativer Flexions-Extensionstest C0–C1
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt oder liegt auf dem Rücken, der Therapeut steht hinter ihr oder sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung (Abb. 14.13): Der Therapeut legt Zeigefinger und Daumen weich auf die Rückseite der Atlantookzipitalgelenke. Seine andere Hand liegt oben auf dem Kopf der Patientin, um ihn sanft und langsam mit einer kleinen Nickbewegung nach ventral bzw. dorsal zu führen. Die Finger im subokzipitalen Bereich achten auf die Spannung des Gewebes und die Beweglichkeit der okzipitalen Kondylen.
Testergebnis und therapeutische Konsequenzen: Wenn sich der Raum zwischen Okziput und Atlas nicht öffnen bzw. schließen lässt, deutet das auf eine Extensions- bzw. Flexionsläsion:C0/C1Extensionsläsion:C0/C1Flexionsläsion von C0–C1 hin. Eine starke Spannung und/oder fehlende Bewegungsbremse sollte zur Vorsicht mahnen, denn dies kann auf eine Instabilität und/oder eine Verletzung des Lig. transversum atlantis hindeuten. Die Patienten sollten in dem Fall zum Arzt überwiesen werden.
Rotation C0–C1
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt oder liegt auf dem Rücken, der Therapeut steht hinter ihr oder sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung (Abb. 14.14): Der Therapeut setzt den Zeigefinger beispielsweise für eine Rotation nach links auf der rechten Seite zwischen der Rückseite des R. mandibularis und der Vorderseite des Processus transversus von C1 auf. Er führt eine passive Rotationstest:C0/C1Rotation des Kopfes zur anderen Seite (nach links) aus und achtet darauf, ob sich der Raum zwischen dem R. mandibularis und dem Processus transversus von C1 (rechts) vergrößert. Das geschieht normalerweise erst gegen Ende der Rotationsbewegung der HWS. Danach wird der Test auf der anderen Seite wiederholt.
Alternativer Rotationstest C0–C1
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung (Abb. 14.15): Der Therapeut berührt mit Daumen und Zeigefinger einer (linken) Hand die Processus articulares der Atlantookzipitalgelenke und legt die andere (rechte) Hand auf den Kopf der Patientin. Während er den Kopf der Patientin dreht, achtet er auf die atlantookzipitale (Gelenk-)Beweglichkeit bei der Rotation des Kopfes.
Seitneigung C0–C1
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt oder liegt auf dem Rücken, der Therapeut steht hinter ihr oder sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung: Der Therapeut setzt die Zeigefinger bilateral zwischen dem anteroinferioren Rand des Processus mastoideus und dem posterosuperioren Rand des Processus transversus von C1 auf. Durch eine Seitneigung (z. B. nach rechts) des Kopfes der Patientin testet er, ob sich dieser Raum (rechts) schließt bzw. (links) öffnet und ob der Atlas einen homolateralen Sideshift (rechts) macht.
Danach führt der Therapeut eine Seitneigung:Sideshift des AtlasSeitneigung zur anderen Seite (nach links) aus und testet, ob sich dieser Raum (rechts) öffnet bzw. (links) schließt und ob der Atlas einen heterolateralen Sideshift (links) macht.

Behandlung der HWS

Merke

Wegen der Verletzungsgefahr von Weichteilen und Gefäßen wenden wir an der Wirbelsäule und insbesondere an der HWS niemals Maximal-leverage-Techniken an, also weder Techniken mit großem Hebelarm noch Techniken mit großer Bewegungsamplitude oder großem Kraftaufwand!

HWS-BehandlungWir werden uns stattdessen voll auf eine feinfühlige Mobilisation und die Anwendung von Minimal-leverage-Techniken Minimal-leverage-Techniken:HWS-Behandlungkonzentrieren, also Techniken mit kleinem Kraftaufwand, kleinem Hebelarm und kleiner Bewegungsamplitude!
Dazu werden wir kombinierte Bewegungen mit sanft wechselnder Richtung der Hebelarme ausführen, bis es optimal (je neutraler, desto sicherer und komfortabler) für den Patienten ist. Die Palpation Palpation:HWS-Behandlungsteht hierbei im Mittelpunkt, und von ihr lässt sich der Therapeut beim Positionieren des Patienten leiten.
Auf diese Art und Weise geht es nicht darum, bis zum Maximum aufzurollen und dann Überdruck zu geben, sondern eher eine wünschenswerte Situation für den Patienten zu erreichen und dabei so nah wie möglich an der neutralen Position zu arbeiten!
Der Akzent liegt neben der sichereren Einstellung (so neutral wie möglich) der Technik zugleich auch auf einer korrekten Zentrierung auf das angepeilte Segment. Zudem darf nur so wenig Kraft wie möglich bei der schnellen Ausführung angewendet werden.

Die Kunst der richtigen Technik

Die Kunst besteht darin, zuerst die myofaszialen Verklebungen zu lösen, sich dann auf das betreffende Segment zu zentrieren und dort eine schnelle, aber nur minimale Kraft und minimale Bewegungsamplitude in einer möglichst neutralen Haltung anzuwenden.

Myofasziale Techniken (Weichteiltechniken) für die obere und mittlere HWS

Es ist vorteilhaft, vor artikulären Techniken zuerst HWS-Behandlung:Weichteil- vor artikulären TechnikenWeichteiltechniken Weichteiltechniken\t\"Siehe auch myofasziale TechnikenWeichteiltechniken:HWS-Behandlunganzuwenden, um die Behandlung sicherer und angenehmer für den Patienten zu gestalten! Häufig erübrigen sich artikuläre Techniken dadurch sogar.
Man kann sich dabei an den Fryette-Regeln Fryette-Regelnorientieren oder sie praktisch auch komplett weglassen. Als Leitfaden dient das Zentrieren auf ein Segment und das palpatorische Aufspüren von Spannungen und Verklebungen. Wichtig ist allerdings eine intensive Betreuung von Studenten durch einen erfahrenen Dozenten, was nur in praktischen Seminaren geleistet und weniger in Buchform vermittelt werden kann.
Wegen der großen Bedeutung einer subokzipitalen Spannungsfreiheit für die Drainage des Schädels und für den freien Durchtritt von Arterien, Venen, Nerven und Lymphbahnen aus und in den Schädel werden Untersuchung und Behandlung der subokzipitalen Muskeln in einem Extrakapitel besprochen (Kap. 15.7.3). Auch die Untersuchung und Behandlung von myofaszialen Strukturen, die am Processus mastoideus, an der Protuberantia occipitalis externa und an den Lineae nuchales ansetzen, werden im nachfolgenden Kapitel besprochen.
Allgemeine myofasziale Technik in Rückenlage
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut steht (links) neben ihr.
Ausführung: Die kraniale (rechte) Hand des Therapeuten stützt den Kopf der Patientin im frontoparietalen Bereich. Die kaudale (linke) Hand des Therapeuten umgreift sanft die betroffene (rechte) Seite der HWS, HWS-Behandlung:myofasziale Techniksodass die Finger auf den myofaszialen Strukturen und IAG liegen (Abb. 14.16).
Während er mit der kranialen (rechten) Hand die Zirkumduktionsbewegung des Kopfes und der HWS steuert, kann er mit verschiedenen Fingern der kaudalen (linken) Hand die segmentale Höhe der Behandlung bestimmen. Der Therapeut zentriert seine Behandlung genau und behutsam sowohl auf die paravertebralen Muskeln als auch auf die Kapselstrukturen der einzelnen interapophysären Gelenke, wobei die Finger der kaudalen (linken) Hand als eine Art Hypomochlion fungieren.
  • Während der Flexions- und heterolateralen Rotationsbewegung Flexions-Rotationsbewegung:Processus articularisFlexions-Rotationsbewegung:Membrana-synovialis-Faltenbewegt sich der Processus articularis inferior des oberen Wirbels auf dem Processus articularis superior des darunterliegenden Wirbels nach ventrokranial. Dabei verrollt die vordere Falte der Membrana synovialis kaudalwärts und die hintere Falte kranialwärts (Abb. 14.17).

  • Während der Extensions- und homolateralen Rotationsbewegung Extensions-Rotationsbewegung:Processus articularisExtensions-Rotationsbewegung:Membrana-synovialis-Faltenbewegt sich der Processus articularis inferior des oberen Wirbels auf dem Processus articularis superior des darunterliegenden Wirbels nach dorsokaudal. Dabei verrollt die vordere Falte der Membrana synovialis kranialwärts und die hintere Falte kaudalwärts (Abb. 14.17).

Behandlungsziel: Angestrebt wird, die Verschieblichkeit und Weichheit der verschiedenen Kapselanteile und ansetzenden myofaszialen Strukturen zu verbessern. Verdickungen, Verklebungen und Empfindlichkeit der Kapselstrukturen und paravertebralen Muskelansätze dienen dabei als Leitfaden, um blockierte Gelenke aufzuspüren. Weil die Kapselstrukturen auchKapselstrukturen:entfalten meniskusähnliche intraartikuläre Falten zwischen den Gelenkfortsätzen aufbauen, bildet das myofasziale Auflockern der Kapsel- und der daran inserierenden Muskel- und Bindegewebsstrukturen eine zentrale Arbeit für die Mobilität der Wirbelsäule (Abb. 14.17).
Meine Arbeitshypothese dazu lautet: Jede Art von Spannung, Hypertonie oder Verklebung zwischen Teilen der Gelenkkapsel und den Muskelansätzen wird zu Blockierungen und Bewegungseinschränkungen im interapophysären Gelenk (IAG) IAG-Blockierungführen. Wird das Falten und Verrutschen der verschiedenen Kapselanteile und der umgebenden Weichteile behindert, kann es zum Verhaken der Gleitschichten kommen.
Praktischer Hinweis: Beim Anwenden der allgemeinen myofaszialen Technik sollten sich die Finger der kaudalen Hand am besten gegenläufig zur Bewegung des Kopfes der Patientin bewegen. Wird beispielsweise der Kopf in eine Flexions- bzw. Extensionsbewegung geführt, verschieben die Finger der kaudalen Hand die myofaszialen Strukturen gleichzeitig kaudal- bzw. kranialwärts. Damit wird das Lösen von Verklebungen und Verklebungen:LösenVerspannungen bezweckt und eine bessere Entfaltung der Kapselstrukturen Kapselstrukturen:Entfaltungermöglicht, was sich auch in einer verbesserten Produktion von Synovialflüssigkeit äußert.
Alternative myofasziale Technik im Sitzen
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt und der Therapeut steht dorsolateral neben ihr.
Ausführung: Mit der kranialen (linken) Hand umgreift er den Kopf der Patientin im Scheitelbereich, während die Finger der kaudalen (rechten) Hand dorsal im Bereich der interapophysären Gelenke und ihrer myofaszialen Strukturen aufgesetzt werden. Die kraniale (linke) Hand führt den Kopf und die HWS in eine Zirkumduktionsbewegung, und die Finger der kaudalen (rechten) Hand verschieben die myofaszialen Weichteile in der Gegenrichtung (Abb. 14.18).
Behandlungsziel: Der Therapeut sucht nach Einschränkungen des Faltens bzw. Entfaltens und nach Verklebungen der Verklebungen:GleitschichtenGleitschichten der myofaszialen und artikulären Gewebe. Durch eine behutsame Mobilisation dieser Strukturen während der Zirkumduktionsbewegung Zirkumduktionsbewegunglässt sich die Mobilität verbessern.
Myofasziale Technik mit kombinierten Hebelarmen bei Flexionsläsion (Beispiel: Läsion FRS rechts von C5)
Flexionsläsion:myofasziale TechnikAusgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt oder steht am Kopfende.
Ausführung: Der Therapeut stützt den Kopf der Patientin mit dem Bauch ab und legt beide Hände unter ihre HWS, mit den Zeige- und Mittelfingern bilateral auf den Processus articulares inferiores von C6 (IAG von C6–C7) (Abb. 14.19).
  • Mit einer leichten, nach kaudal gerichteten Kompression durch den Bauch wird mit den Fingern zuerst eine Flexion im Segment C5–C6 induziert, wobei sich die Patientin entspannen soll. Der Therapeut testet (und behandelt) bilateral die Verschieblichkeit der myofaszialen Strukturen in dieser Position, bevor er sehr behutsam durch eine Extension (C5–C6 nach ventral und den Kopf nach dorsal schieben) das betreffende Wirbelsegment an die Barriere heranführt.

  • Danach lässt er behutsam den Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand auf dem rechten Processus articularis inferior von C5 (IAG von C5–C6) nach kranial gleiten. Ohne die eingestellte Extension zu verändern, führt er eine leichte Translation von C5–C6 nach rechts herbei, um eine segmentale Seitneigung nach links einzustellen, und dreht dann C5 mit den Fingern der rechten Hand mit einer sanften Rotation nach links bis an die Barriere heran, während C6 fixiert wird. Der Therapeut testet und behandelt erneut bilateral die Verschieblichkeit der myofaszialen Strukturen in dieser Position.

  • Unter Beibehaltung dieser dreidimensionalen Positionierung wird die Patientin jetzt aufgefordert, mit den Augen nach links zu schauen. Der Therapeut lässt dabei keine Bewegung zu und erhält den Widerstand ca. 2–3 Sekunden lang aufrecht. Dann soll die Patientin wieder nach vorne schauen.

Dieser Vorgang wird ein paar Mal wiederholt, bis sich die Beweglichkeit verbessert hat.
Myofasziale Technik mit kombinierten Hebelarmen bei Extensionsläsion (Beispiel: Läsion ERS links von C3)
Extensionsläsion:myofasziale TechnikAusgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt oder steht am Kopfende.
Ausführung: Der Therapeut stützt den Kopf der Patientin mit dem Bauch ab und legt beide Hände unter ihre HWS, mit den Zeige- und Mittelfingern bilateral auf den Processus articulares inferiores von C4 (IAG von C4–C5).
  • Mit einer leichten, nach kaudal gerichteten Kompression durch den Bauch wird mit den Fingern zuerst eine Extension im Segment C3–C4 eingestellt, wobei sich die Patientin entspannen soll. Der Therapeut testet und behandelt bilateral die Verschieblichkeit der myofaszialen Strukturen in dieser Position, bevor er sehr behutsam eine Flexion bis an die Barriere induziert, indem er den Kopf der Patientin mit dem Bauch ventralwärts schiebt, um das angepeilte Segment C3–C4 einzustellen.

  • Ohne die eingestellte Flexion zu verändern, lässt er den linken Zeige- und Mittelfinger kranialwärts bis auf den Processus articularis inferior von C3 (IAG von C3–C4) gleiten und führt eine leichte Translation von C3–C4 nach links herbei, um eine Seitneigung rechts zu erreichen. Danach dreht er C3 mit den beiden Fingern der linken Hand in einer weichen Rotation nach rechts bis an die Barriere, während C4 fixiert wird. In dieser Position wird erneut bilateral die Verschieblichkeit der myofaszialen Strukturen getestet (und behandelt).

  • Unter Beibehaltung dieser dreidimensionalen Positionierung wird die Patientin jetzt aufgefordert, mit den Augen so weit wie möglich nach rechts zu schauen. Der Therapeut lässt keine Bewegung zu und erhält den Widerstand ca. 2–3 Sekunden lang aufrecht. Nachher wird die Patientin aufgefordert, wieder nach vorne zu schauen.

Dieser Vorgang wird ein paar Mal wiederholt, bis sich die Beweglichkeit verbessert hat.
Occipital Release bei Kondylenkompression (Impacted Occiput):
Impaktion des Okziputs (Impacted Occiput) Impaktion des Okziputs (Impacted Occiput)bedeutet so viel wie Einkeilung oder Einklemmung der Okziputkondylen in den Facetten des Atlas, die posttraumatisch, beispielsweise nach einer kaudalgerichteten Gewalteinwirkung auf den Kopf, entsteht.
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung: Der Therapeut setzt die Fingerkuppen der Zeige- und Mittelfinger bilateral so zwischen dem Processus spinosus von C2 und der Linea nuchalis inferior des Okziputs auf, dass sich die Mittelfinger berühren. Die Fingerkuppen der Ring- und Kleinfinger liegen bilateral auf dem Okziput (Abb. 14.20).
Die Zeige- und Mittelfinger dringen sanft ins Gewebe ein und nehmen Kontakt mit dem Atlas auf. Der Therapeut wartet, bis er ein Nachgeben des subokzipitalen Gewebes spürt. Mit den Zeige- und Mittelfingern drückt er den Atlas sacht nach ventrokaudal (in Richtung Decke), während Ring- und Kleinfinger das Okziput behutsam nach kranial (zum Therapeuten) ziehen, sodass sich Okziput und Atlas in der Längsachse des Körpers kraniokaudal voneinander entfernen.
Mobilisation einer bilateralen Extensionsläsion des Okziputs
Extensionsläsion:OkziputAusgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung: Der Kopf der Patientin wird vom Therapeuten zuerst in eine Extension geführt, damit er mit Zeige- und Ringfinger einer Hand den Arcus posterior des Atlas aufspüren und fixieren kann. Die andere Hand oder Schulter liegt im Stirnbereich auf dem Kopf der Patientin, vermeidet jedoch ein Zusammendrücken der Nase der Patientin (Abb. 14.21).
  • Die Patientin wird aufgefordert, tief ein- und auszuatmen. Bei der Ausatmung führt die obere Hand den Kopf der Patientin in eine Flexion, während die untere Hand den Atlas ventralwärts fixiert. Bei der Einatmung wird diese Haltung weiter beibehalten.

  • Eventuell sollte die Patientin aufgefordert werden, bei der Einatmung ihren Kopf in Extension zu führen, wobei der Therapeut dagegenhält, um diese Bewegung zu verhindern.

  • Während der Ausatmung entspannt sich die Patientin, und nach der Extension mobilisiert der Therapeut das Okziput dannOkziput:Extensionsläsion, bilaterale passiv postisometrisch in Flexion.

Mobilisation einer bilateralen Flexionsläsion des Okziputs
Flexionsläsion:OkziputAusgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut steht am Kopfende.
Ausführung: Der Therapeut legt seine Zeige-, Mittel- und Ringfinger bilateral unter das Okziput. DieOkziput:Flexionsläsion, bilaterale Daumen werden bilateral sehr behutsam auf die vordere Seite der Processus transversi des Atlas gesetzt (Abb. 14.22).
Bei einer Atembewegung (meistens Einatmung) wird das Okziput (bzwOkziput:Mobilisation mit Atembewegung. der Kopf der Patientin) mit den Fingern beider Hände vorsichtig in eine Extension begleitet bzw. geführt und dort gehalten. Dabei nähern sich die Daumen und Finger des Therapeuten einander an.
Bei der nächsten Atembewegung (meistens Ausatmung) wird das Okziput (bzw. der Kopf der Patientin) von den Fingern weiter nach ventral gehalten, während die Daumen den Atlas sehr behutsam nach dorsal fixieren.
Mobilisation einer Extensionsläsion: Okziput in ER(links)S(rechts)
Extensionsläsion:OkziputAusgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung: Der Therapeut fixiert mit Zeige- und Ringfinger einer (rechten) Hand den Arcus posterior des Atlas. Mit der anderen (linken) Hand umfasst er das Okziput von Okziput:Extensionsläsion ERSdorsal und stabilisiert gleichzeitig mit seiner (linken) Schulter den Kopf der Patientin im Stirnbereich (Abb. 14.23).
  • Die Patientin wird aufgefordert, tief ein- und auszuatmen. Bei der Ausatmung führt der Therapeut mit seiner oberen (linken) Hand (am Okziput) und seiner Schulter den Kopf der Patientin in eine Flexion, Seitneigung (nach links) und Rotation (nach rechts) und fixiert dabei mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger der unteren (rechten) Hand den Atlas. Bei der Einatmung wird diese Haltung beibehalten.Eventuell sollte die Patientin aufgefordert werden, bei der Einatmung den Kopf nach links (Läsionsrichtung) zu drehen, wobei der Therapeut dagegenhält, um diese Bewegung zu verhindern.

  • Bei der darauffolgenden Atembewegung (meistens Ausatmung) entspannt sich die Patientin, während der Therapeut das Okziput nach Flexion, Seitneigung (links) und Rotation (rechts) postisometrisch weiter passiv mobilisiert. Gleichzeitig verschiebt er mit den Fingern der unteren Hand die myofaszialen Gleitschichten und löst die lokalen Spannungen.

Diese Arbeit soll behutsam und gut zentriert angewandt werden. Dadurch erübrigt sich dann meistens der Einsatz von artikulären Techniken.
Mobilisation einer Flexionsläsion: Okziput in FR(rechts)S(links)
Flexionsläsion:OkziputAusgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung (Abb. 14.24): Der Therapeut legt Zeige-, Mittel- und Ringfinger bilateral unter das Okziput und Okziput:Flexionsläsion FRSbringt es passiv schon in eine leichte Extension, Seitneigung (nach rechts) und Rotation (nach links). Die Daumen werden bilateral sehr behutsam auf der vordere Seite der Processus transversi des Atlas gesetzt.
Während einer Atembewegung (meistens Einatmung) wird das Okziput mit beiden Händen vorsichtig noch weiter in die Extension, Seitneigung (rechts) und Rotation (links) geführt und da gehalten. Während das Okziput auch bei der darauffolgenden Atembewegung (meistens Ausatmung) von den Fingern stabilisiert wird, fixieren die Daumen sehr behutsam den Atlas oder schieben ihn eventuell in eine Rotation (rechts).
Gleichzeitig werden mit den Fingern einer Hand die myofaszialen Gleitschichten verschoben und lokale Spannungen gelöst.

Artikuläre Techniken für die obere und mittlere HWS

HWS-Behandlung:artikuläre TechnikenAusgangsposition: Die Patientin befindet sich dabei jeweils in Rückenlage.
Einige klassische Handgriffe
  • 1.

    Kinngriff: DerKinngriff:artikuläre Technik Therapeut steht am Kopfende und umfasst mit einer Hand das Kinn, während die Grundphalanx des Zeigefingers der anderen Hand auf dem Processus transversus des Wirbels in Läsion liegt (Abb. 14.25).

  • 2.

    Ballgriff von Ballgriff:von ventralventral: Der Therapeut steht neben dem Patienten und legt die Mittel- und Endphalangen seiner beiden Mittelfinger bilateral auf die Processus transversi des Wirbels in Läsion (Abb. 14.26).

  • 3.

    Ballgriff von Ballgriff:von dorsaldorsal: Der Therapeut steht am Kopfende und legt die Mittelphalangen seiner beiden Zeigefinger bilateral auf die Processus transversi des Wirbels in Läsion (Abb. 14.27).

HWS-Behandlung:Grundprinzipien

Grundprinzipien beim Behandeln von HWS und Schädel

  • Erheben Sie immer sorgfaltig die Anamnese!

  • Führen Sie immer eine gründliche osteopathische und neurologische Untersuchung durch, um Kontraindikationen auszuschließen!

  • Bei jedem Zweifel und je nach Krankheitsbild des Patienten ist eine Überweisung zum Arzt erforderlich, damit weitere diagnostische Maßnahmen wie Röntgen-, MRT-, Ultraschalluntersuchungen (etc.) durchgeführt werden können!

  • Vorsicht: Niemals mit High Velocity Low Amplitude (HVLA) Thrust in einer maximalen Ausgangsposition (Endstellung) arbeiten!

  • Immer nur mit kleinen Hebelarmen arbeiten und immer myofasziale vor artikulären Behandlungstechniken anwenden!

  • Führen Sie vor schnelleren Techniken immer zuerst einen behutsamen Test mit einem Probezug (Vorthrust) durch. Wenn dabei Schmerzen oder neurologische Symptome auftreten, handelt es sich um eine absolute Kontraindikation!

  • Schmerzen oder neurologische Symptome dürfen niemals ignoriert werden!

Untersuchung und Behandlung ohne Anwendung der Fryette-Regeln
Spüren Sie zuerst mit den vorher beschriebenen Untersuchungstechniken die Höhe eines blockierten Segments auf. Lokalisieren Sie dann mit Ihrer GABE (GABEtherapeutische Fähigkeit, die Gewebequalität, asymmetrische Spannungen, Beweglichkeitseinschränkung und Empfindlichkeit von Strukturen zu ertasten) auf welcher Seite ein interapophysäres Gelenk (IAG) blockiert IAG-Blockierung:GABEist.
Sobald Sie die Seite des blockierten IAG festgestellt haben, können Sie das blockierte Segment sanft und rhythmisch mit einer Seitneigungs- oder mit einer Rotationstechnik mobilisieren.
  • Bei der Seitneigungstechnik wird die HWS Seitneigungstechnik:bei IAG-Blockierungbehutsam zur HWS-Behandlung:SeitneigungstechnikHWS-Behandlung:Rotationstechnikheterolateralen Seite hinübergeneigt, damit sich die Gelenkflächen des blockierten IAG senkrecht voneinander entfernen und damit sich die Kapselstrukturen strecken und entfalten (Gapping) können (Abb. 14.28). Oft lässt sich die Technik gezielter auf das betroffene Segment zentrieren, wenn man zusätzlich eine Rotation zur homolateralen Seite durchführt und weitere Hebelkräfte (Traktion, Shift, Flexion oder Extension) anwendet.

  • Bei der Rotationstechnik wird eine Rotationstechnik:bei IAG-Blockierungbehutsame Rotation zur heterolateralen Seite induziert, damit sich die Gelenkflächen des blockierten IAG parallel zur Gelenkebene voneinander entfernen und verschieben (Distraction) und damit sich die Kapselstrukturen entfalten können (Abb. 14.28). Oft lässt sich die Technik gezielter auf das betroffene Segment zentrieren, wenn man zusätzlich eine Seitneigung zur homolateralen Seite ergänzt und weitere Hebelkräfte (Kompression, Shift, Flexion oder Extension) anwendet.

Klassische Handgriffe und Minimal Leverage Thrust bei C0- bis C7-Läsionen in ESR oder FSR
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut steht am Kopfende.
Ausführung: Der Therapeut wendet den Kinngriff oder einen KinngriffBallgriff (Abb. 14.25, 14.26, 14.27)Ballgriff an und stellt durch die Kombination verschiedener Hebelarme (Flexion/Extension, Seitneigung, Rotation, Kompression/Traktion, Shift) die Endposition ein, die am neutralsten und angenehmsten für die Patientin ist!
Diese Technik sollte immer zuerst behutsam mobilisierend ausgeführt werden. Wenn dies beschwerdefrei möglich ist und trotzdem eine deutliche Barriere spürbar wird, kann eine Minimal-Leverage-Technik angewandt Minimal-Leverage-Technikwerden. Dabei induziert der Therapeut sehr schnell, mit einem Minimum an Kraft und sehr kleiner Bewegungsamplitude (nur 2–3), eine Rotation oder Seitneigung.
Minimal Leverage Thrust oder Mobilisation bei Okziput in Läsion FRlSr oder ERlSr
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt, und der Therapeut steht rechts von ihr.
Ausführung: Der Therapeut stellt zuallererst eine Flexion bzw. Extension des Segments ein. Mit dem Mittelfinger der linken Hand fixiert er den linken Processus transversus des Atlas. Dann mobilisiert er das Okziput durch eine Okziput:MobilisationOkziput:FlexionsläsionOkziput:Extensionsläsionleichte Supination und Flexion des (rechten) Unterarms in Seitneigung links und Rotation rechts, während er den Atlas gleichzeitig nach dorsal fixiert. Mit seinem Körper lenkt der Therapeut den Oberkörper der Patientin in die Gegenrichtung zur vorgenommenen Korrektur und zentriert so die Technik noch mehr auf das betroffene Segment (Abb. 14.29)!
Diese Technik sollte immer zuerst behutsam mobilisierend ausgeführt werden! Wenn dies beschwerdefrei möglich ist und trotzdem eine deutliche Barriere spürbar wird, kann eventuell eine Minimal-Okziput:Minimal-Leverage-ThrustLeverage-Thrust-Technik angewandt Minimal-Leverage-Thrust-Technikwerden. Dabei induziert der Therapeut sehr schnell, mit einem Minimum an Kraft und kleiner Amplitude (nur 2–3), eine leichte Supination und Flexion des Unterarmes, während er gleichzeitig den Atlas nach dorsal fixiert und den Kopf nach rechts rotiert.
Diese Technik erlaubt es, in einer fast neutralen Stellung die Kopfgelenke zu lösen, setzt aber viel Übung und Erfahrung voraus.
Mobilisation einer Atlas lateral-Läsion (z. B. nach links)
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in einer heterolateralen Seitenlage (hier im Beispiel rechts), der Therapeut steht am Kopfende.
Ausführung: Der Therapeut setzt den linken Zeigefinger mit der Fingerspitze lateral auf den linken Processus transversus des Atlas. Mit der rechten Hand lässt er den Kopf der Patientin aus der Neutralstellung langsam in eine Seitneigung nach rechts sinken, während er mit dem linken Zeigefinger gleichzeitig einen behutsam vibrierenden Druck nach rechts auf den linken Processus transversus ausübt und den Atlas nach rechts schiebt (Abb. 14.30).
Diese Technik sollte immer langsam und vorsichtig ausgeführt werden.
Alternative: Diese Technik kann auch in Rückenlage angewandt werden.

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