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B978-3-437-58930-0.00016-7

10.1016/B978-3-437-58930-0.00016-7

978-3-437-58930-0

Orientierungspunkte am Schädel [10]

Deformierungsstufen einer Sutur

Die fünf Suturensysteme des Schädels

Screenen des sagittalen Suturensystems

Screenen des koronalen Suturensystems

Screenen des lambdoidalen Suturensystems

Screenen des kraniofazialen Suturensystems

Screenen des (rechten) temporalen Suturensystems

Palpation des sagittalen Suturensystems

Kaudale Ansicht des Gaumens. Links: Palpation der Sutura palatina mediana. Rechts: Palpation der Sutura incisiva und der Sutura palatina transversa

Untersuchung und Behandlung des sagittalen Suturensystems

Behandlung der Sutura metopica

Behandlung der Sutura internasalis

Sutura intermaxillaris und Sutura palatina mediana

5-Finger-Behandlungstechnik eines schmerzhaften Punktes (Ansicht von lateral)

Dreifingertechnik für das Bregma

Dreifingertechnik für das Lambda

V-Spread der Sutura metopica

Palpation des koronalen Suturensystems

Untersuchung und Behandlung der Sutura coronalis

Alternative Behandlung der Sutura coronalis

Untersuchung und Behandlung der (rechten) Sutura sphenofrontalis

Alternative Untersuchung und Behandlung der Sutura sphenofrontalis

Bilaterale Untersuchung und Behandlung der Sutura sphenofrontalis und der Sutura sphenosquamosa

Untersuchung und Behandlung der Sutura frontozygomatica

Untersuchung und Behandlung der (rechten) Orbita, Sutura sphenofrontalis, Fissura orbitalis superior, Sutura frontoethmoidalis und Sutura frontolacrimalis

Untersuchung und Behandlung der (rechten) Sutura frontomaxillaris

Untersuchung und Behandlung der (rechten) Sutura sphenozygomatica

Untersuchung und Behandlung der (rechten) Fissura orbitalis inferior

Untersuchung und Behandlung der (rechten) Sutura sphenosquamosa

Alternative Untersuchung und Behandlung der (rechten) Sutura sphenosquamosa

Untersuchung und Behandlung der Schädelbasis

Alternative Untersuchung und Behandlung der Schädelbasis

Palpation der Sutura lambdoidea und der Sutura occipitomastoidea

Untersuchung und Behandlung der (rechten) Sutura lambdoidea

Untersuchung und Behandlung der (rechten) Sutura occipitomastoidea

Verlauf des kraniofazialen Suturensystems [5]

Palpation der Sutura frontonasalis, Sutura frontomaxillaris, Sutura nasomaxillaris und Sutura zygomaticomaxillaris

Untersuchung und Behandlung der Sutura lacrimomaxillaris und der Sutura ethmoidomaxillaris

Untersuchung und Behandlung der (rechten) Sutura palatinomaxillaris und der Fossa pterygopalatina

Untersuchung und Behandlung der (rechten) Sutura zygomaticomaxillaris

Untersuchung und Behandlung der (rechten) Sutura incisiva

Untersuchung und Behandlung der (rechten) Sutura palatina transversa

Palpation des temporalen Suturensystems

Untersuchung und Behandlung des (rechten) temporalen Suturensystems

Untersuchung und Behandlung der kranialen Suturen

Wir haben bereits betont, dass Suturen:als WachstumsfugenSuturen:als StoßdämpferSuturen:als DehnfugenSuturen als Dehnfugen oder Stoßdämpfer fungieren (Kap. 11.5). Bei Kindern ist es wichtig, sie zusätzlich auch noch als Wachstumsfugen zu betrachten. Der Aufbau eines suturalen Gelenks ist vergleichbar mit einem Reißverschluss-Prinzip in Kombination mit einem Nut- und Feder-Mechanismus.

Der knöcherne Schädel braucht als Rahmenkonstruktion Zwischenteile zur Spannungsableitung:SuturenSpannungsableitung, wozu sich die Suturen besonders gut eignen. Bei näherer Betrachtung befinden sich diese Dehnfugen auch genau zwischen oder in der Verlängerung der knöchernen Quer- und Längspfeiler der Schädelkonstruktion (Kap. 11.4.2).

Dank der Suturen kann der Schädel einer größeren Belastung (z. B. Aufprall, Schlag, Muskelverspannung) standhalten, ohne auseinanderzubrechen. In den Suturen:SpannungsausgleichSuturen finden keine angulären Artikulationsbewegungen, sondern Spannungsausgleiche statt. Sie helfen, ähnlich wie Bewegungsfugen in Bauwerken, Spannungsrisse und forcierte Spannungen zu vermeiden und lassen demzufolge gewisse spannungs- und belastungsbedingte Form- und Längenänderungen des Schädels zu.

Es erscheint mir wichtig, die Spannungsfreiheit:SuturenSpannungsfreiheit der Suturen:MobilitätSuturen zu untersuchen, auch wenn man nur von einer äußerst geringfügigen Mobilität (etwa 250 m, aber immerhin) sprechen kann.Stoßdämpfer:Suturen

Stoßdämpfer- und Dehnfugenfunktion

Es handelt sich hierbei wohlgemerkt um die Möglichkeit, im Sinne eines Stoßdämpfers oder einer Dehnfuge Belastungen abzufedern bzw. zu verteilen, und weniger um eine anguläre Änderung der Knochenpositionen zueinander.

Dehnfugen:SuturenAls Ursachen für verkeilte oder verspannte Suturen sind einerseits Traumata (Stürze, Autounfall, Geburtstrauma), aber auch Zahnextraktionen Zahnextraktionen:verspannte Suturenund vor allem asymmetrische myofasziale, meningeale und intraossäre Hypertonien bei der Anamnese und Inspektion zu berücksichtigen.

Palpation der kranialen Suturen

Orientierungspunkte am Schädel

Es ist sinnvoll, bei einer Palpation des Schädels Schädel:PalpationSchädel:Orientierungspunktezuerst die lokalen Orientierungspunkte Orientierungspunkte:SchädelBregma, Lambda, Asterion und Pterion aufzusuchen (Abb. 16.1).
  • Bregma: Legen Sie die Hand der Patientin flach auf das Os frontale, sodass die Handwurzel auf ihrer Sutura frontonasalis liegt und die Finger nach dorsal gerichtet sind (Abb. 16.1). Die Spitze des Mittelfingers der Patientin zeigt auf das Bregma. BregmaDas Bregma lässt sich als kleine Delle im Schnittpunkt der Sutura coronalis und der Sutura sagittalis tasten.

  • Lambda: Vom Bregma aus folgt man der Sutura sagittalis nach dorsal, bis man nach etwas mehr als einer kompletten Handbreite der Patientin eine weitere leichte Delle spüren kann. Dieser Punkt Lambda Lambdaliegt an der Schnittstelle der Sutura sagittalis mit der Sutura lambdoidea.

  • Asterion: Auf einer Linie, die den Processus mastoideus mit dem Lambda-Punkt verbindet, befindet sich ein bis zwei Fingerbreit dorsokranial von der Rückseite des Processus mastoideus das Asterion Asterionim Schnittpunkt der Sutura lambdoidea mit der Sutura squamosa (Abb. 16.1).

  • Pterion: Der Pterion-PterionPunkt ist ein bis zwei Patienten-Fingerbreit dorsal von der Sutura frontozygomatica anzutreffen. Allerdings erschwert der M. temporalis die Palpation, durch den man sanft und behutsam hindurch tasten sollte (Abb. 16.1).

Untersuchung von Suturen

Die Untersuchung und die Behandlung von Suturen gehen fließend ineinander über.
Vorgehensweise
Zur Untersuchung einer Sutur eignet sich besonders folgende Vorgehensweise:
  • Aktiver Bewegungstest: Patienten beispielsweise kauen lassen und gleichzeitig die Sutur abtasten. Damit kann eine Sutur Suturen:Bewegungstest beim Kauengenauer lokalisiert werden.

  • Die Ränder der Sutur und das umliegende Gewebe abtasten, um die Qualität des Gewebes und die Druckempfindlichkeit Druckempfindlichkeit:Suturender Sutur Suturen:Druckempfindlichkeitund des Gewebes zu beurteilen.

  • Durch Druckausübung in der Suturebene die Knochen sozusagen parallel zur Suturebene verschieben (Schubbelastung Schubbelastung:Gewebereaktionoder Shear Stress), um die Reaktion des Gewebes zu testen.

  • Die Knochen der Sutur langsam und behutsam zusammendrücken (zusammenschieben), um die Reaktion des Gewebes zu testen

  • Die Knochen der Sutur langsam und behutsam auseinanderziehen (Gapping Gapping:GewebereaktionDisengagement:GewebereaktionAuseinanderziehen:Gewebereaktionoder Disengagement), um die Reaktion des Gewebes zu testen.

Befunde
Durch eine chronische, gleich bleibende Kompressionsbelastung Kompressionsbelastung:Synostosierungentlang der Sutur entwickelt sich allmählich eher eine Synostosierung,Synostosierung:Kompressionsbelastung, chronische während eine chronische, gleich bleibende Traktionsbelastung Traktionsbelastung:Fibrosierungentlang der Sutur eher zu einer Fibrosierung Fibrosierung:Traktionsbelastung, chronischeführt. Wie jedes andere Gelenk braucht auch eine Sutur einen Wechsel zwischen Belastung und Entlastung. Hier wird wiederum deutlich, dass die Belastungen und Entlastungen fließen müssen, um eine optimale Funktionalität aufrechtzuerhalten.
Achten Se bei der Palpation der kranialen Suturen auf folgende Entwicklungsstufen einer Deformierung (Deformierung:kraniale Suturen Abb. 16.2):
  • Ödematöse Zonen ödematöse Zonen:Suturenoder punktuelle Aufquellungen durch Stauung und erhöhte Spannung entlang einer Sutur. Suturen:ödematöse ZonenManchmal kann eine Sutur erweitert sein. Häufig liegt auch eine lokale (punktuelle) Druckempfindlichkeit Druckempfindlichkeit:lokalevor, die als stechender Schmerz (als ob eine Nadel in den Schädel gebohrt wird) beschrieben wird. Manchmal sind auch mehrere Punkte im Verlauf einer Sutur druckempfindlich.

  • Fibröse Verklebungen entstehen auf Dauer, wenn sich Ablagerungen und Verschlackungen im gestauten Gewebe bilden. In dem Fall ist faseriges Gewebe oder eine trophische Gewebeschwäche über die Sutur spürbar. Es können auch Stufenbildungen vorhanden sein, wenn sich die normale Zusammensetzung einer Sutur verändert hat.

  • Bei einer Synostosierung kommt es eventuell zu vorspringenden Kanten der Sutur (Suturen:SynostosierungOsteophytose), zwischen denen keine Suturspalte mehr tastbar ist.

Behandlungstechniken für Suturen

Es ist nicht das Ziel dieses Buches, einen Technikkatalog zu erstellen, sondern vielmehr das strategische Denken in Verbindung mit einer empfindsamen und logischen Palpation zu schulen. Wir werden demzufolge systematisch einige besonders interessante Techniken beschreiben, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.
Folgende Behandlungstechniken Behandlungstechniken:für Suturensind sinnvoll und geeignet:
  • Kompressionstechniken: KompressionstechnikenZusammenschieben der Sutur

  • Traktionstechniken: TraktionstechnikenAuseinanderziehen der Sutur

  • Schubtechniken: Schubtechniken:DeblockierungDruckausübung parallel zur Suturebene, um eine Blockierung des Gelenks aufzulösen (Deblockieren)

  • Pumpen Pumpender Sutur: rhythmischer Wechsel zwischen Kompression und Traktion, eventuell auch mit Schub oder Scherung

  • 5-Finger-Pumptechnik Fünf-Finger-Pumptechnikan schmerzhaften Punkten mit rhythmischem Wechsel zwischen Annäherung und Entfernung vom Punkt

  • V-Spread (V-Spread:(Aufspreizen)Aufspreizen) einer Sutur

  • Still-point Still-point:induziereninduzieren

  • Balanced tension: Balanced tensioneinen ausgeglichenen Balancepunkt ( Tensegrity-Punkt) suchen

Es ist bei den Pumptechniken Pumptechniken:Anschwellphase (Flexion)Pumptechniken:Abschwellphase (Extension)nicht immer möglich genau anzugeben, ob man die suturalen Knochen besser während der Anschwellphase (Anschwellphase:PumptechnikenFlexion kraniosakral) auseinanderführt und sie während der Abschwellphase (Abschwellphase:PumptechnikenExtension kraniosakral) annähert, oder vielleicht gerade umgekehrt. Das kann individuell oder sogar von Sutur zu Sutur stark unterschiedlich sein. Deswegen sind diese Angaben nicht immer bindend, sondern der Therapeut soll sich unbedingt von seinem Palpationssinn leiten lassen, ob er nun während der Anschwellphase oder während der Abschwellphase die Knochen voneinander entfernt bzw. annähert. Die Qualität und Harmonie des Rhythmus, mit dem er dabei an das Gewebe herangeht, ist wichtiger!

Schematische Übersicht und ein Screening der Suturen

Schematische Übersicht

Wir tasten systematisch folgende Suturensysteme Suturensystem(e):schematische Übersichtab:
  • 1.

    Sagittales Suturensystem

  • 2.

    Koronales Suturensystem

  • 3.

    Lambdoidales Suturensystem

  • 4.

    Kraniofaziales Suturensystem

  • 5.

    Temporales Suturensystem

Das Suturensystem bildet ein ingeniöses Stoßdämpfersystem (Abb. 16.3). Es gibt drei relativ frontal gestellte ringförmige Suturensysteme:Suturensystem(e):lambdoidalesSuturensystem(e):koronalesSuturensystem(e):kraniofaziales das lambdoidale, das koronale und das kraniofaziale. Median werden diese drei Suturensysteme durch das sagittale Suturensystem Suturensystem(e):temporalesSuturensystem(e):sagittalesverbunden. Rechts und links sind das lambdoidale und das koronale Suturensystem durch das temporale Suturensystem verbunden. Das koronale Suturensystem ist rechts und links im Bereich der Orbita noch mit dem kraniofazialen Suturensystem verbunden.
Bei spezifischen Indikationen sollen alle Suturen eines betroffenen Schädelknochens untersucht und behandelt werden! Manche Suturen lassen sich trotzdem nur schwer oder gar nicht palpieren, u. a. wenn Weichteilstrukturen sie überlappen (z. B. der M. temporalis, der die Sutura squamosa bedeckt) oder wenn Zwischenknochen (z. B. ein Os Os:incaeincae oder Os interparietale im Lambdabereich) Lambdabereich:Os interparietalevorliegen.

Screening der Suturensysteme

Screeningtechniken Screening:Suturenerlauben es Osteopathen, die Suturen Suturen:Screening im Schnelldurchlaufim Schnelldurchlauf zu überprüfen, um zu sehen, ob bestimmte Suturensysteme genauer untersucht werden sollten. Spürbare Restriktionen, Aufquellungen und/oder Druckempfindlichkeit machen eine weiterführende Untersuchung und Behandlung des jeweiligen Suturensystems zwingend erforderlich.
Sagittales Suturensystem (Scheitelnaht)
ScheitelnahtAusgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende neben der Patientin.
Ausführung: Der Therapeut visualisiert und palpiert zuerst das Bregma Bregmaund Lambda Lambdaam Schädel der Patientin, wobei er diese Punkte mit einer imaginären Linie verbindet. Dann setzt er die Finger beider Hände bilateral und weit gespreizt neben der Sutura Sutura:sagittalissagittalis auf (Abb. 16.4). Er führt beide Schädelhälften der Patientin im Rhythmus der Gewebeatmung (Kraniosakralrhythmus) sanft und behutsam in Richtung der Sutura sagittalis zueinander bzw. danach wieder auseinander, um die Reaktion Gewebereaktion:Sutura sagittalisund Beweglichkeit des sagittalen Suturensystems zu testen.
Koronales Suturensystem (Kranznaht)
KranznahtAusgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage mit dem Kopf nahe am Kopfende. Der Therapeut sitzt am Kopfende neben der Patientin.
Ausführung: Der Therapeut visualisiert und palpiert zuerst das Bregma Bregmaund das Pterion Pterionlinks und rechts am Schädel der Patientin, wobei er diese Punkte mit einer imaginären Linie verbindet. Dann setzt er die weit gespreizten Finger einer Hand auf das Os frontale, ventral der Sutura coronalis, und die weit gespreizten Finger der anderen Hand auf die beiden Ossa parietalia, dorsal der Sutura Sutura:coronaliscoronalis (Abb. 16.5). Er führt beide Schädelhälften der Patientin im Rhythmus der Gewebeatmung (Kraniosakralrhythmus) sanft und behutsam in Richtung der Sutura coronalis zueinander und danach auseinander, um die Reaktion Gewebereaktion:Sutura coronalisund Beweglichkeit des koronalen Suturensystems zu testen.
Lambdoidales Suturensystem (Lambdanaht)
Ausgangsposition: Die Patientin hat in Rückenlage den Kopf zur heterolateralen (linken) Seite gedreht. Der Therapeut sitzt am Kopfende auf der heterolateralen (linken) Seite neben der Patientin.
Ausführung: Der Therapeut visualisiert und palpiert zuerst das Lambda Lambdaund das rechte Asterion Asterionam Schädel der Patientin, wobei er diese Punkte mit einer imaginären Linie verbindet. Dann setzt er die weit gespreizten Finger einer Hand auf das Os occipitale, dorsal der rechten Sutura Sutura:lambdoidealambdoidea, und die weit gespreizten Finger der anderen Hand auf die beiden Ossa parietalia, ventral der Lambdanaht (Lambdanaht Abb. 16.6). Er führt beide Schädelhälften der Patientin im Rhythmus der Gewebeatmung (Kraniosakralrhythmus) sanft und behutsam in Richtung der Sutura coronalis zueinander und danach auseinander, um die Reaktion Gewebereaktion:Sutura lambdoideaund Beweglichkeit des lambdoidalen Suturensystems zu testen.
Kraniofaziales Suturensystem (Gesichtsschädelnaht)
GesichtsschädelnahtAusgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende (links) neben ihr.
Ausführung: Der Therapeut visualisiert und palpiert zuerst die Sutura frontonasalis und die beiden Suturae zygomaticomaxillares am Schädel der Patientin und verbindet sie mit einer imaginären Linie. Er legt einerseits Daumen und Ringfinger seiner kaudalen (linken) Hand bilateral auf die Processus zygomatici maxillae und andererseits Zeige- und Mittelfinger der kaudalen (linken) Hand bilateral auf die Processus frontales maxillae, unterhalb des kraniofazialen Suturensystems. Daumen und Mittelfinger seiner kranialen (rechten) Hand legt er bilateral auf die Ossa zygomatica und die Handfläche auf das Os frontale, kranial des kraniofazialen Suturensystems (Abb. 16.7).
Er führt beide Schädelseiten der Patientin im Rhythmus der Gewebeatmung (Kraniosakralrhythmus) sanft und behutsam in Richtung des kraniofazialen Suturensystems zueinander und danach auseinander, um die Reaktion Gewebereaktion:kraniofaziale Suturenund Beweglichkeit des kraniofazialen Suturensystems zu testen.
Temporales Suturensystem (Schläfenbeinnaht)
SchläfenbeinnahtAusgangsposition: Die Patientin hat in Rückenlage den Kopf zur heterolateralen (linken) Seite gedreht. Der Therapeut sitzt am Kopfende (links) neben der Patientin.
Ausführung: Der Therapeut visualisiert und palpiert zuerst das rechte Pterion Pterionund das rechte Asterion Asterionam Schädel der Patientin, wobei er diese Punkte mit einer imaginären, nach kranial konvexen Linie verbindet, und tastet dann die Sutura squamosa ab. Die Sutura squamosa liegt kaudal der Linea Linea:temporalis superior/inferiortemporalis superior und der Linea temporalis inferior, mit denen sie nicht verwechselt werden darf. Der Therapeut legt eine Hand mit leicht gespreizten und nach kaudal gerichteten Fingern auf das Os parietale, kranial der Sutura Sutura:squamosasquamosa, während er die andere Hand flach auf die Mandibula und den Arcus zygomaticus legt, sodass die nach kranial gerichteten Fingerspitzen die Pars squamosa ossis temporalis direkt oberhalb des Arcus zygomaticus ossis temporalis berühren (Abb. 16.8).
Er führt beide Schädelseiten der Patientin im Rhythmus der Gewebeatmung (Kraniosakralrhythmus) sanft und behutsam in Richtung des temporalen Suturensystems zueinander und danach auseinander, um die Reaktion Gewebereaktion:temporales Suturensystemund Beweglichkeit des temporalen Suturensystems zu testen.

Untersuchung und Behandlung des sagittalen Suturensystems (Scheitel- oder Pfeilnaht)

Das sagittale Suturensystem Suturensystem(e):sagittaleserstreckt sich vom Lambda über die Sutura sagittalis ventralwärts bis zum Bregma und von dort über die Sutura metopica, die Sutura internasalis und die Sutura intermaxillaris bis zur Sutura palatina mediana (Abb. 16.9). Die Sutura metopica synostosiert meistens ab dem 5. bis 6. Lebensjahr und ist dementsprechend beim Erwachsenen gewöhnlich nicht mehr zu tasten. Falls sie im Erwachsenenalter noch existiert, sollte sie auf jeden Fall untersucht und bei Bedarf auch mitbehandelt werden.
Es sei darauf hingewiesen, dass dieses Suturensystem häufig von Traumata (Traumen:sagittales SuturensystemSchlag auf den Kopf oder Sturz), aber auch von meningealen Spannungen Spannungen:meningealeSpannungen:myofasziale(insbesondere der Falx cerebri) betroffen ist. Vergessen wir auch nicht, dass dieses Suturensystem extrakranial von der Galea aponeurotica mit dem M. epicranius und intrakranial von der Falx cerebri überspannt wird, sodass sich myofasziale Spannungen ebenfalls störend auswirken können.
Interessanterweise verläuft auch Du Mai Du Mai (Lenkergefäß):TCModer das Lenkergefäß laut der Traditionellen Chinesischen Medizin über das sagittale Suturensystem, sodass sich hier etliche Akupunkturpunkte finden lassen. In der indischen Medizin entspringt hier das Energiezentrum des Kronenchakra.
Kronenchakra:indische MedizinBei der allgemeinen Palpation und Anamnese werden bereits Informationen über die Compliance (Nachgiebigkeit) des Schädels gesammelt, beispielsweise ob sich bei einem Kind vielleicht Suturen übereinander geschoben oder die Fontanellen zu früh geschlossen (Kraniosynostose oder Kraniostenose) haben.
Manchmal ist es notwendig und sinnvoll, zusätzlich alle Suturen der betreffenden Knochen von Spannungen zu befreien. Manche Suturen sind bei einem anderen Suturensystem beschrieben und werden deswegen hier nicht extra genannt!
Es ist Aufgabe des Therapeuten, sich mit den Suturen der einzelnen Knochen vertraut zu machen, um diese bei Bedarf in der Praxis spezifisch untersuchen und behandeln zu können.

Palpation des sagittalen Suturensystems

Sutura sagittalis
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende neben der Patientin.
Ausführung: Der Therapeut beginnt mit der Palpation am Bregma Bregmaund lässt einen oder mehrere Finger einer Hand von dorsal nach ventral über die Sutura sagittalis, die Sutura metopica, die Sutura internasalis und die Sutura intermaxillaris gleiten (Abb. 16.9).
Er betastet dabei in zickzackförmigem Verlauf die Nahtränder und beurteilt die Breite der Sutur sowie die Beschaffenheit und Druckempfindlichkeit des umgebenden Gewebes. Die Sutura metopica ist meistens nicht mehr tastbar und synostosiert.
Befunde: Zeichen einer Dysfunktion Dysfunktion:Sutura sagittalissind Gewebeveränderungen (z. B. Fibrosierung, Osteophytose, Flüssigkeitsansammlung, Synostosierung), Mobilitätseinschränkung (verminderte Viskoelastizität) und Empfindlichkeit der Sutur.
Sutura palatina mediana, Sutura incisiva und Sutura palatina transversa
Es ist vernünftig, immer gleich im Anschluss die Sutura palatina mediana, die Sutura incisiva und die Sutura palatina transversa zu testen (Abb. 16.10).
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende neben der Patientin und benutzt latexfreie Handschuhe.
Ausführung: Der Therapeut stabilisiert mit einer Hand den Kopf der Patientin im Stirnbereich und palpiert mit der anderen Hand intraoral den Gaumenbereich. Den intraoralen Zeigefinger lässt er nach dorsal gleiten, zuerst über die Sutura palatina mediana bis zum weichen Gaumen, dann über die Sutura incisiva und schließlich über die Sutura palatina transversa (verläuft quer zwischen den beiden zweiten Molaren).
Die Sutura incisiva zieht bilateral jeweils vom Eckzahn (Dens caninus) schräg nach dorsomedian zur Sutura palatina mediana. Da sie normalerweise bereits vor der Geburt synostosiert, ist die Sutura incisiva beim Erwachsenen gewöhnlich nicht mehr zu tasten (Von Lanz & Wachsmuth 2004).
Der Therapeut tastet intensiv die Ränder ab und beurteilt die Breite der Suturen sowie die Beschaffenheit des umgebenden Gewebes. Dabei achtet er besonders auf eine Druckempfindlichkeit der Sutur.
Befunde: Ein minimaler Kamm im Bereich der Sutura palatina mediana wird von der klassischen Medizin als normal eingestuft. Manchmal lässt sich ein sogenannter Torus Torus:palatinuspalatinus, eine mediane Exostose (Exostose:Gaumenstarke knöcherne Vorwölbung mit glatter Schleimhautbedeckung) am harten Gaumen finden. Dieser Knochenvorsprung ist benigne, muss aber bei starkem Wachstum eventuell operativ entfernt werden.
Osteopathisch wird hier eher an eine Innenrotation Innenrotation:Maxillader Maxilla und an laterolaterale Kompressionsspannungen Kompressionsspannungen:laterolateralegedacht (Kap. 11.7.3). Meistens fühlt sich die Sutura palatina transversa im lateralen Bereich so an, als würde man vom Gaumen zur Maxilla eine kleine Stufe hinunterrutschen, während sich im medianen Bereich eher ein kleiner Hügel tasten lässt.

Untersuchungs- und Behandlungstechniken für das sagittale Suturensystem

Mobilitätstest der Sutura sagittalis und Sutura metopica
Mobilitätstest:Sutura sagittalisMobilitätstest:Sutura metopicaUntersucht wird die Qualität der Abfederungsmöglichkeiten der suturalen Verbindungen.
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende neben der Patientin. Er setzt die Finger bilateral neben der zu untersuchenden Sutur auf (Abb. 16.11).
Ausführung:
  • Der Therapeut übt zuerst eine Kompression aus (senkrecht zur Gelenkfläche oder zum Verlauf der Sutur), indem er die Knochen an der Sutur mit den Fingern zueinander schiebt (Abb. 16.11).

  • Danach übt er eine Traktion oder Separation aus (senkrecht zur Gelenkfläche oder zum Verlauf der Sutur), indem er mit den Fingern die Knochen an der Sutur auseinander zieht.

  • Dann wird ein Schub auf die Sutur ausgeübt (parallel an die Gelenkfläche), indem die Finger die Knochen zuerst auf der einen Seite nach kaudal und dann auf der anderen Seite nach kaudal schieben, um die Sutur zu deblockieren.

  • Lassen Sie die Patientin anschließend die Zähne zusammenbeißen, damit Sie die Reaktion und Beweglichkeit der Sutur beurteilen können.

Testen Sie auf diese Weise das sagittale Suturensystem komplett durch.
Behandlung der Sutura sagittalis und Sutura metopica
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende neben der Patientin. Er setzt seine Finger bilateral neben der zu untersuchenden Sutur auf (Abb. 16.12).
Ausführung: Bei der Behandlung kann sowohl direkt als auch indirekt gearbeitet werden.
  • Bei der direkten Behandlung wiederholt der Therapeut die Bewegung (Kompression, Separation oder Schub), die we niger gut durchführbar war, und wartet darauf, dass die Spannung des Gewebes nachlässt.

  • Bei der indirekten Behandlung wiederholt der Therapeut die Bewegung (Kompression, Separation oder Schub), die gut durchführbar war. Dazu werden die Knochen in die Position geschoben, die am leichtesten einzustellen ist, und dort behalten, bis die Spannungen nachlassen.

  • Bei einer aktiv unterstützten Behandlung lassen Sie die Patientin die Zähne zusammenbeißen, während Sie gleichzeitig eine Separation Separation:Sutura sagittalisder Sutur ausführen. Es kann auch sinnvoll sein, eine pumpende Technik anzuwenden. Dabei wird rhythmisch, eventuell im Gewebe- oder Atemrhythmus, zwischen Kompression und Separation der Sutur abgewechselt (eventuell mit Zusammenbeißen der Zähne).

Mobilitätstest und Behandlung der Sutura frontonasalis und Sutura internasalis
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende (links) neben der Patientin. Er legt Daumen und Zeigefinger der kaudalen (linken) Hand bilateral auf die Ossa nasalia und betastet mit einem Finger der kranialen (rechten) Hand die Sutura internasalis. Eventuell wird die kraniale (rechte) Hand zusätzlich auf dem Os frontale abgestützt (Abb. 16.13).
Ausführung:
  • Der Therapeut führt mit der kaudalen (linken) Hand die beiden Ossa nasalia zuerst behutsam zueinander und dann auseinander, um die Qualität der Beweglichkeit zu beurteilen. Danach verschiebt er die Knochen abwechselnd parallel zur Gelenkebene nach dorsal, um die Mobilität Mobilitätstest:Sutura internasalisMobilitätstest:Sutura frontonasalisder Sutura frontonasalis und Sutura internasalis zu testen.

  • Zur Behandlung mobilisiert er die Knochen entweder wiederholt in die Richtung, in der sie sich weniger gut bewegen lassen, oder in die Richtung, in der sie sich gut bewegen lassen. In dieser Position werden sie gehalten, bis eine Entspannung des Gewebes eintritt.

Wenn der Therapeut die Finger seiner kaudalen (linken) Hand etwas mehr auseinander spreizt, berührt er die Processus frontales der Maxilla und kann so auch die Mobilität Mobilitätstest:Sutura nasomaxillarisder Sutura nasomaxillaris untersuchen und behandeln.
Mobilitätstest und Behandlung der Sutura intermaxillaris und Sutura palatina mediana
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende. Er legt seine Daumen extraoral links und rechts auf die Maxilla (sodass die Spitzen zueinander zeigen) und die Zeigefinger intraoral links und rechts auf den Gaumen (auch hier die Fingerspitzen einander zugewandt). Die restlichen Finger stützt er am Kinn oder Mundboden der Patientin ab (Abb. 16.14).
Ausführung:
  • Der Therapeut führt die beiden Oberkieferknochen Oberkieferknochen:Beweglichkeitstestzuerst behutsam zueinander, eventuell während der Abschwellphase (Extension kraniosakral), und achtet auf die Qualität der Beweglichkeit. Dann führt er die beiden Knochen auseinander, eventuell während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral), und beurteilt erneut ihre Beweglichkeit. Schließlich verschiebt er die Knochen (unabhängig vom Geweberhythmus) abwechselnd parallel zur Gelenkebene nach kaudal, um die Qualität der Mobilität zu testen.

  • Zur Behandlung mobilisiert er die Knochen entweder wiederholt in die Richtung, in der sie sich weniger gut (direkte Technik), oder in die Richtung, in der sie sich gut bewegen lassen (indirekte Technik). In dieser Position werden sie gehalten, bis eine Entspannung des Gewebes eintritt.

Um die Sutura palatina mediana sowohl im Bereich des Os incisivum und der Maxilla als auch im Bereich des Os palatinum behandeln zu können, muss diese Technik mit drei verschiedenen Zeigefingerpositionen Zeigefingerpositionen:Sutura palatina medianawiederholt werden: Zuerst liegen die Zeigefinger weit ventral im Bereich des Os incisivum (in Höhe von Zahn 1–3), danach im Bereich des Processus palatinus der Maxilla (in Höhe von Zahn 4–6) und schließlich – für das Os palatinum – im Bereich des Processus alveolaris der Maxilla (in Höhe von Zahn 7–8) (Abb. 16.37).
Fünffingertechnik zur Behandlung eines schmerzhaften Punktes am Schädel
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende neben der Patientin.
Ausführung: Nach Auffinden eines schmerzhaften schmerzhafter Punkt:Fünf-Finger-Technikbzw. druckempfindlichen Punktes setzt der Therapeut alle fünf Finger Fünf-Finger-Technik:Schmerzpunkt am Schädeleiner Hand über diesem Punkt auf (Abb. 16.15).
  • Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) führt er die Finger auseinander.

  • Während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) führt er die Finger zueinander. Es kann sinnvoll sein, hierbei einen Still-point zu benutzen, bis die Spannungen nachlassen.

  • Auch eine pumpende Technik kann sinnvoll sein. Dabei wird rhythmisch, eventuell im Gewebe- oder Atemrhythmus, zwischen Kompression und Traktion des Punktes abgewechselt.

Dreifingertechnik zur Behandlung von Bregma und Lambda
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage mit dem Kopf nahe am Kopfende der Liege. Der Therapeut sitzt am Kopfende (links) neben der Patientin.
Ausführung:
  • Drei-Finger-Technik:Schmerzpunkt am BregmaNach Auffinden eines schmerzhaften bzw. druckempfindlichen Bregma-Punkts setzt der Therapeut den Mittelfinger seiner kaudalen (linken) Hand ventral vom Bregma Bregma:3-Finger-Technikauf dem Os frontale und Zeige- und Mittelfinger der kranialen (rechten) Hand dorsal vom Bregma auf den beiden Ossa parietalia auf (Abb. 16.16).

  • Drei-Finger-Technik:Schmerzpunkt am LambdaNach Auffinden eines schmerzhaften bzw. druckempfindlichen Lambda-Punkts stützt er den Kopf der Patientin mit den Fingerspitzen der kranialen (rechten) Hand ab und legt den Daumen der kranialen (rechten) Hand dorsal von Lambda Lambda:3-Finger-Technikauf das Os occipitale sowie Zeige- und Mittelfinger der kaudalen (linken) Hand ventral von Lambda auf die beiden Ossa parietalia (Abb. 16.17).

  • Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) führt der Therapeut die Finger auseinander.

  • Während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) führt er die Finger zueinander. Es kann sinnvoll sein, hierbei einen Still-point zu benutzen, indem man die Kontaktpunkte auseinander schiebt und diese Position beibehält, bis die Spannungen nachlassen.

  • Auch eine pumpende Technik kann sinnvoll sein. Dabei wird rhythmisch, eventuell im Gewebe- oder Atemrhythmus, zwischen Kompression und Traktion des Punktes abgewechselt.

V-Spread (V-Spreiz-Technik)
Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine V-Spread-Technik V-Spread-Technikanzuwenden. Ich beschreibe hier zwei Möglichkeiten, die von der Vorstellung und Ausführung ziemlich weit auseinander liegen. Versuchen Sie dennoch, sich beide Möglichkeiten anzueignen und sie einzuüben.
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende neben der Patientin. Er setzt Zeige- und Mittelfinger einer Hand V-förmig gespreizt (V-Spread) auf die zu behandelnde Sutur. Die Finger der anderen Hand werden diagonal gegenüber von der zu behandelnden Sutur auf den Schädel gelegt (Abb. 16.18).
Mechanistische Technik:
  • V-Spread-Technik:mechanistische • Ausführung: Die Hand gegenüber der Sutur übt wie eine Art Hebelpunkt kontinuierlich leichten Druck auf den Schädel in Richtung der zu behandelnden Sutur aus. Die über der Sutur gespreizten Finger der anderen Hand führen während der Anschwellphase des Schädels eine Separation der Knochenanteile aus. Der Therapeut zentriert die vereinten Kräfte beider Hände im Bereich der Sutur, um den Spreizeffekt auf die Sutur zu erhöhen.

  • Effekt: Hierbei handelt es sich um den Versuch, das Gewebe durch Anbieten eines Spreizungsreizes Spreizungsreiz:Gewebereaktionzu einer Reaktion zu animieren. Die Reaktion des Gewebes Gewebereaktion:auf Spreizensollte aber in einem Lockerlassen (kein Verkrampfen) bestehen.

  • Praktischer Hinweis: Die Beschreibung des Spreizens dient mehr der Visualisierung als der tatsächlichen Ausführung! Zügeln Sie also bitte den Krafteinsatz und steigern Sie diese Technik immer nur langsam und behutsam!

V-Spread-Technik:Flüssigkeitstechnik Flüssigkeitstechnik:
  • Ziel: Die Hand gegenüber der Sutur schickt sozusagen eine Flüssigkeitswelle Flüssigkeitswelle:Reaktionzu der zu behandelnden Sutur, um die Flüssigkeitsströmung und die Durchsaftung des suturalen Gewebes anzuregen und das Starre, Unbewegliche der Sutur aufzulösen.

  • Ausführung: Es kann sinnvoll sein, diese Technik während eines Stillpunkts anzuwenden.

    • Spüren Sie zuerst den Kraniosakral- oder Geweberhythmus auf und initiieren Sie, wenn möglich, einen Still-point. Während des Still-points schicken Sie eine Flüssigkeitswelle zu der zu behandelnden Sutur, bis ein Lösen der Spannung wahrzunehmen ist. Bei Bedarf wiederholen Sie dieses Vorgehen öfters.

    • Es kann auch sinnvoll sein, die Flüssigkeitswelle Flüssigkeitswelle:Zurückprallenzu Beginn der Anschwellphase (Flexionsphase) loszuschicken. Achten Sie darauf, ob diese Welle aufschlägt und zurückprallt oder von der Sutur sanft absorbiert wird. Ein Zurückprallen der Welle deutet auf eine starke Verspannung der Sutur hin.

Sobald ein Aufweichen der Sutur spürbar wird, können Sie zusätzlich eine behutsame Spreizung (Separation) der Sutur ausführen, indem Sie Zeige- und Mittelfinger behutsam auseinander führen.

Untersuchung und Behandlung des koronalen Suturensystems (Kronen- oder Kranznaht)

Vor allem Traumata, bei denen das Os frontale, die Ossa parietalia oder die Maxilla betroffen sind, können Spannungen im koronalen Suturensystem auslösen. Natürlich können auch hier meningeale und myofasziale Spannungen Spannungen:myofaszialeSpannungen:meningealeeine große Rolle spielen.
Das koronale Suturensystem besteht hauptsächlich aus der Sutura coronalis und teilt sich dann in drei Richtungen auf, wobei Sie für die Visualisierung unbedingt einen Schädel zur Hand nehmen sollten (Abb. 16.3):
  • Die erste Richtung beginnt mit einer dorsalen und kaudalen Fortsetzung der Sutura coronalis, die als Sutura sphenoparietalis und weiter als Sutura sphenosquamosa bis zum Foramen lacerum und zur Schädelbasis reicht.

  • In der zweiten Richtung setzt sich die Sutura coronalis ventral als Sutura sphenofrontalis, Sutura frontozygomatica und in der Orbita als Sutura sphenofrontalis mit der Fissura orbitalis superior bis zum Boden der Orbita fort, um dann letztendlich über die Sutura frontoethmoidalis, die Sutura frontolacrimalis und die Sutura frontomaxillaris Anschluss an das kraniofaziale Suturensystem zu finden.

  • Die dritte Abzweigung geht von der Sutura sphenofrontalis in der Orbita aus und zieht kaudalwärts über die Sutura sphenozygomatica zur Fissura orbitalis inferior.

Das koronale Suturensystem erstreckt sich damit vom Bregma zum Pterion und von dort über die Sutura sphenosquamosa einerseits zum Foramen lacerum und zur Symphysis sphenobasilaris (SSB) und andererseits über die Sutura sphenofrontalis zur Sutura frontozygomatica und über die Orbita zur Sutura frontomaxillaris des kraniofazialen Suturensystems oder über die Sutura sphenozygomatica zur Fissura orbitalis inferior.

Palpation des koronalen Suturensystems

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende neben der Patientin.
Ausführung: Der Therapeut beginnt mit der Palpation am Bregma Bregmaund lässt einen Finger zickzackförmig kaudolateral- und leicht ventralwärts über die Sutura Palpation:koronales Suturensystemcoronalis bis zum Pterion Pteriongleiten. Vom Pterion aus kann die Sutura sphenofrontalis nach kaudoventral in Richtung der Sutura frontozygomatica bzw. nach kaudodorsal in Richtung der Sutura sphenosquamosa weiterverfolgt werden (Abb. 16.19).
Die Sutura sphenozygomatica kann allerdings nicht getastet werden.
Der Therapeut tastet intensiv die Ränder der palpierbaren Suturen ab, um die Breite der Sutur sowie die Beschaffenheit des umgebenden Gewebes zu beurteilen. Er achtet außerdem auf eine Druckempfindlichkeit der Sutur.

Untersuchung und Behandlung des koronalen Suturensystems

Untersuchung und Behandlung der Sutura coronalis
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende (links) neben der Patientin.
Ausführung: Der Therapeut setzt Daumen und Zeigefinger der kranialen (rechten) Hand mit der radialen Kante gespreizt auf die Ossa parietalia, direkt dorsal der Sutura Sutura:coronalisUntersuchungcoronalis. Die Finger der kaudalen (linken) Hand liegen gespreizt auf dem Os frontale, direkt ventral der Sutura coronalis (Abb. 16.20).
  • Zuerst übt er eine Kompression aus (senkrecht zur Gelenkfläche), indem er die Knochen an der Sutur behutsam mit beiden Händen in dorsoventraler Richtung zueinander schiebt.

  • Danach übt er eine Traktion oder Separation aus (senkrecht zur Gelenkfläche), indem er die Knochen an der Sutur mit beiden Händen in dorsoventraler Richtung auseinander zieht.

  • Dann übt er eine Scherung an der Sutur aus (parallel zur Gelenkfläche), indem er das Os frontale bzw. die Ossa parietalia mit den Fingern entgegengesetzt zueinander in kraniokaudaler Richtung verschiebt, um die Qualität der Mobilität zu untersuchen.

  • Zur Behandlung mobilisiert er die Knochen entweder wiederholt in die Richtung, in der sie sich weniger gut (direkte Technik), oder in die Richtung, in der sie sich gut bewegen lassen (indirekte Technik). In dieser Position werden sie gehalten, bis eine Entspannung des Gewebes eintritt.

  • Die Sutur kann auch pumpend behandelt werden. Dabei wird rhythmisch, eventuell im Gewebe- oder Atemrhythmus, zwischen Kompression und Traktion der Sutur abgewechselt.

Alternative Behandlung der Sutura coronalis
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung: Der Therapeut verschränkt die Finger beider Hände über der Sutura metopica. Die beiden Handwurzeln sind bilateral um die Cristae frontales gehakt.
  • Während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) übt der Therapeut mit beiden Händen eine laterolaterale Kompression des Os frontale aus. Er führt das Os frontale ventralwärts von den Ossa parietalia weg und hält es dort, bis eine Entspannung eintritt (Abb. 16.21).

  • Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) führt er das Os frontale dorsalwärts zu den Ossa parietalia hin und hält es dort, bis eine Entspannung eintritt.

Untersuchung und Behandlung der Sutura sphenofrontalis
Unilaterale Technik: z. B. für die rechte Sutura sphenofrontalis
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende auf der heterolateralen (linken) Seite neben der Patientin.
Ausführung: Der Therapeut legt den Kleinfinger der kaudalen (linken) Hand intraoral auf die Außenseite des (rechten) Processus pterygoideus ossis sphenoidalis und den Ring- oder Mittelfinger auf die (rechte) Ala major ossis sphenoidalis auf der Läsionsseite. Mit dem Daumen der kaudalen (linken) Hand fixiert er die Ala major des Os sphenoidale auf der anderen (linken) Seite. Zeige- und Mittelfinger der kranialen (rechten) Hand haken sich auf der Läsionsseite (rechts) hinter den Processus zygomaticus des Os frontale, während sich der Daumen der kranialen (rechten) Hand auf der heterolateralen (linken) Seite am Os frontale abstützt. Der Therapeut fixiert mit der kaudalen (linken) Hand die homolaterale (rechte) Ala major und den homolateralen (rechten) Processus pterygoideus des Os sphenoidale nach dorsal.
  • Untersuchung: Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) führt er das Os frontale auf der Läsionsseite (rechts) nach ventrokranial von der Ala major ossis sphenoidalis weg, um die Qualität der Beweglichkeit Beweglichkeitstest:Sutura sphenofrontaliszu testen (Abb. 16.22).

  • Direkter Behandlungsweg: Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) führt der Therapeut das Os frontale auf der Läsionsseite (rechts) nach ventrokranial von der Ala major ossis sphenoidalis weg und hält es da, bis eine Entspannung eintritt.

    • Dabei kann er sich eventuell mit dem Daumen der kranialen (rechten) Hand abstützen und eine Art Hypomochlion bilden, um das Os frontale besser vom Os sphenoidale wegzuhebeln.

    • Es ist auch möglich, zusätzlich eine Art Seitneigung des Stirnbeins nach links herbeizuführen, um die Hebelwirkung zu verstärken.

  • Indirekter Behandlungsweg: Während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) führt der Therapeut das Os frontale auf der Läsionsseite (rechts) nach dorsokaudal auf die Ala major ossis sphenoidalis zu und hält es da, bis eine Entspannung eintritt.

Alternative (bilaterale) Untersuchung und Behandlung der Sutura sphenofrontalis
Diese Technik wird auch Frontal-lift- Frontal-Lift-Technik:mit Frontal Spreadmit Frontal-spread-Technik genannt.
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung: Die Daumen des Therapeuten liegen in Höhe der Sutura metopica übereinander auf dem Os frontale. Die Finger haken sich bilateral hinter dem Processus zygomaticus des Os frontale fest (Abb. 16.23).
  • Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) führen die Daumen die Sutura metopica nach dorsal, während die Finger die beiden Processus zygomatici nach ventral und nach kranial hebeln. Das Os frontale wird damit in eine Außenrotation Außenrotation:Os frontaleund vom Os sphenoidale weg geführt, um die Suturae sphenofrontales bilateral zu lösen.

  • Während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) lassen die Daumen die Sutura metopica nach ventral zurückkommen, während die Finger die beiden Processus zygomatici nach dorsal und nach kaudal führen. Das Os frontale wird damit in eine Innenrotation Innenrotation:Os frontaleund zum Os sphenoidale hin geführt, um die Suturae sphenofrontales bilateral zu entspannen.

Bilaterale Untersuchung und Behandlung der Sutura sphenofrontalis und der Sutura sphenosquamosa
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung: Die Zeigefinger werden bilateral hinter dem Processus zygomaticus des Os frontale aufgesetzt. Die Mittelfinger liegen bilateral in Höhe der Arcus zygomatici auf der Pars squamosa ossis temporalis (vor dem Ohr), die Ringfinger bilateral in Höhe der Processus mastoidei (hinter dem Ohr) und die kleinen Finger auf der Squama occipitalis. Die Handflächen können (wenn es die Größenverhältnisse zwischen den Händen des Therapeuten und dem Schädel der Patientin erlauben) eventuell flach auf dem Schädeldach liegen. Die Daumen sind leicht zusammen und aufeinander platziert, sodass sie den Schädel eventuell in Höhe des Os frontale berühren oder auch nicht. Die Ring- und Kleinfinger stabilisieren bilateral das Os occipitale.
  • Untersuchung: Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) führen die beiden Zeigefinger bilateral die Processus zygomatici des Os frontale nach ventral, während die beiden Mittelfinger gleichzeitig die Pars squamosa ossis temporalis bilateral nach dorsal führen (Abb. 16.24), um die Beweglichkeit zu testen.

  • Behandlung: Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) führt der Therapeut die beiden Knochen auseinander. Während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) führt er sie wieder zueinander. Er kann ihre Bewegung verstärken und rhythmisch wiederholen oder eine Position aufrechterhalten und warten, bis eine Entspannung eintritt.

Untersuchung und Behandlung der Sutura frontozygomatica
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege, heterolateral (links) zur Läsionsseite (rechts).
Ausführung: Mit der kranialen (rechten) Hand umgreift er das Os frontale kranial der Sutura frontozygomatica. Die Finger der kranialen (rechten) Hand liegen auf dem homolateralen (rechten) Processus zygomaticus des Os frontale und der Daumen auf der heterolateralen (linken) Seite des Os frontale. Mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger der kaudalen (linken) Hand umgreift er das (rechte) Os zygomaticum auf der Läsionsseite kaudal der Sutura frontozygomatica (Abb. 16.25).
  • Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) hebelt der Therapeut mit der kranialen (rechten) Hand den Processus zygomaticus des Os frontale auf der Läsionsseite kranialwärts weg und führt gleichzeitig mit der kaudalen (linken) Hand das Os zygomaticum in eine Außenrotation Außenrotation:Os zygomaticumund nach kaudal.

  • Während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) führt er beide Knochen wieder zueinander.

  • Er kann die Bewegungen verstärken und rhythmisch wiederholen oder in einer Position aufrechterhalten und warten, bis eine Entspannung eintritt.

Untersuchung und Behandlung der Orbita mit Sutura sphenofrontalis, Fissura orbitalis superior, Sutura frontoethmoidalis und Sutura frontolacrimalis
Weil die Sutura frontoethmoidalis und die Sutura frontolacrimalis nicht getastet werden können und auch die Fissura orbitalis superior nicht direkt mit den Fingern erreichbar ist, haben wir uns hier für eine allgemeine Technik zur Weitung Weitungstechnik:Orbitader Orbita Orbita:Weitungstechnikentschieden.
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich dabei in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege, heterolateral (links) zur Läsionsseite (rechts).
Ausführung: Der Daumen der kranialen (rechten) Hand liegt auf dem oberen und der Zeigefinger auf dem unteren Rand der Orbita. Der Daumen der kaudalen (linken) Hand liegt auf dem medialen und der Zeigefinger auf dem lateralen Rand der Orbita (Abb. 16.26).
  • Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) vergrößert der Therapeut mit der kaudalen Hand die Orbita Orbita:Vergrößerung in laterolateraler Richtungin laterolateraler Richtung.

  • Während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) vergrößert er die Orbita Orbita:Vergrößerung in kraniokaudaler Richtungmit der kranialen Hand in kraniokaudaler Richtung.

So kann er die Qualität der Beweglichkeit Beweglichkeitstest:Orbitabeurteilen. Zur Behandlung kann er die Bewegungen verstärken und rhythmisch wiederholen oder eine Bewegungsposition aufrechterhalten und warten, bis eine Entspannung eintritt.
Untersuchung und Behandlung der Sutura frontomaxillaris
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich dabei in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege, heterolateral (links) zur Läsionsseite (rechts).
Ausführung: Mit Daumen, Mittel- und Ringfinger der kaudalen (linken) Hand umgreift er bilateral die Maxilla und legt den Zeigefinger auf der Läsionsseite (rechts) auf den Processus frontalis der Maxilla, direkt kaudal der betroffenen (rechten) Sutura frontomaxillaris. Mit Daumen, Mittel- und Ringfinger der kranialen (rechten) Hand umgreift er bilateral das Os frontale und legt den Zeigefinger auf der Läsionsseite (rechts) auf die Pars nasalis des Os frontale, direkt kranial der betroffenen (rechten) Sutura frontomaxillaris (Abb. 16.27).
  • Während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) hebelt der Therapeut mit der kranialen Hand die Pars nasalis des Os frontale auf der Läsionsseite kranialwärts weg und führt gleichzeitig mit der kaudalen Hand den Processus frontalis der Maxilla nach kaudal.

  • Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) führt er die Knochen zueinander.

  • Der Therapeut kann die Bewegungen verstärken und rhythmisch wiederholen oder eine Bewegungsposition aufrechterhalten und warten, bis eine Entspannung eintritt.

Untersuchung und Behandlung der Sutura frontonasalis
Die Sutura frontonasalis haben wir bereits bei der Untersuchung und Behandlung des sagittalen Suturensystems besprochen (Kap. 16.3.2).
Untersuchung und Behandlung der Sutura sphenozygomatica
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege, heterolateral (links) zur Läsionsseite (rechts).
Ausführung: Der Zeigefinger der kranialen (rechten) Hand liegt auf der Läsionsseite (rechts) auf der Ala major des Os sphenoidale. Mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger seiner kaudalen (linken) Hand umgreift der Therapeut das Os zygomaticum auf der Läsionsseite (rechts) (Abb. 16.28).
  • Während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) führt er die Ala major des Os sphenoidale und das Os zygomaticum auseinander.

  • Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) führt er beide Knochen zueinander und wiederholt die Bewegung.

So lässt sich die Qualität der Beweglichkeit beurteilen. Zur Behandlung kann der Therapeut die Bewegungen verstärken und rhythmisch wiederholen oder eine Bewegungsposition aufrechterhalten und warten, bis eine Entspannung eintritt.
Untersuchung und Behandlung der Fissura orbitalis inferior
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege, heterolateral (links) zur Läsionsseite (rechts).
Ausführung: Zeige- und Mittelfinger der kranialen (rechten) Hand liegen auf der Läsionsseite (rechts) auf der Ala major des Os sphenoidale und der Daumen dient als Hebelpunkt auf der heterolateralen (linken) Seite des Os frontale. Der Zeigefinger der kaudalen (linken) Hand liegt auf der Läsionsseite (rechts) auf dem Processus frontalis und der Mittelfinger auf dem Processus zygomaticus der Maxilla. Der Daumen der kaudalen (linken) Hand dient auf der heterolateralen (linken) Seite der Maxilla als Hebelpunkt (Abb. 16.29).
  • Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) führt der Therapeut die Maxilla ventral- und kaudalwärts und die Ala major ossis sphenoidalis dorsal- und kranialwärts auseinander, damit die Fissura orbitalis inferior geweitet wird.

  • Während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) führt er die Maxilla dorsalwärts und die Ala major ossis sphenoidalis ventralwärts zueinander, damit die Fissura orbitalis inferior verkleinert wird.

Auf die Weise lässt sich die Qualität der Beweglichkeit beurteilen. Zur Behandlung kann der Therapeut die Bewegungen verstärken und rhythmisch wiederholen oder eine Bewegungsposition aufrechterhalten und warten, bis eine Entspannung eintritt.
Untersuchung und Behandlung der Sutura sphenosquamosa
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege, heterolateral (links) zur Läsionsseite (rechts).
Ausführung: Die kraniale (rechte) Hand wird quer unter das Os occipitale gelegt, sodass die Finger auf der Pars squamosa des Os temporale auf der Läsionsseite (rechts) liegen. Mit der kaudalen (linken) Hand umgreift der Therapeut bilateral die Ala major ossis sphenoidalis, sodass die Finger auf der Läsionsseite (rechts) und der Daumen auf der Ala major der heterolateralen (linken) Seite liegt (Abb. 16.30).
Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) hebelt der Therapeut mit der kranialen Hand die Pars squamosa des Os temporale auf der Läsionsseite dorsalwärts weg und führt gleichzeitig die Ala major des Os sphenoidale mit der kaudalen Hand nach ventral. Er hält beide Knochen in dieser Position, bis eine Entspannung eintritt.
Man kann die Knochen auch während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) zueinander führen und sie da halten, bis eine Entspannung einsetzt.
Alternative Technik für die Untersuchung und Behandlung der Sutura sphenosquamosa
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege, heterolateral (links) zur Läsionsseite (rechts).
Ausführung: Die kraniale (rechte) Hand umgreift das Os temporale auf der Läsionsseite (rechts). Bei dieser Fünffingertechnik Fünf-Finger-Technik:Sutura sphenosquamosabefindet sich der Mittelfinger im äußeren Gehörgang, Zeigefinger und Daumen umgreifen den Processus zygomaticus des Os temporale sowie Ring- und Kleinfinger den Processus mastoideus.
Den Kleinfinger seiner kaudalen (linken) Hand legt der Therapeut auf der Läsionsseite (rechts) intraoral auf die Außenseite des Processus pterygoideus des Os sphenoidale und den Mittelfinger extraoral auf die Ala major des Os sphenoidale (Abb. 16.31).
  • Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) wird die Pars squamosa des Os temporale nach kaudolateral und der Processus mastoideus nach kraniomedial gedreht. Gleichzeitig führt der Therapeut die Ala major des Os sphenoidale nach anterior und stabilisiert den Processus pterygoideus des Os sphenoidale.

  • Während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) lässt er die Knochen zurückkehren.

Der Therapeut kann die Bewegungen verstärken und rhythmisch wiederholen oder eine Bewegungsposition aufrechterhalten und warten, bis eine Entspannung eintritt.
Untersuchung und Behandlung der Schädelbasis
Hierzu ist ein allgemeiner Griff zur Kompression-Dekompression der Schädelbasis Schädelbasis:Kompression-Dekompressiongeeignet.
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung: Die eine (rechte) Hand liegt unter dem Os occipitale und umgreift es. Die andere (linke) Hand umgreift bilateral die beiden Alae majores des Os sphenoidale (Abb. 16.32).
  • Während der Abschwellphase (Abschwellphase:Dekompression der SchädelbasisExtension kraniosakral) in Form einer Dekompression der Schädelbasis führt der Therapeut das Os occipitale und das Os sphenoidale auseinander und hält sie da, bis eine Entspannung eintritt.

  • Während der Anschwellphase (Anschwellphase:Kompression der SchädelbasisFlexion kraniosakral) in Form einer Kompression der Schädelbasis führt er die Knochen zueinander und hält sie da, bis eine Entspannung eintritt. Er kann die Bewegungen auch verstärken und rhythmisch wiederholen.

Alternative Untersuchung und Behandlung der Schädelbasis
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung: Die Daumen werden bilateral auf die Ala major des Os sphenoidale und die Finger bilateral auf die Squama occipitalis gesetzt (Abb. 16.33). Die weitere Ausführung erfolgt dann wie oben beschrieben.

Untersuchung und Behandlung des lambdoidalen Suturensystems

Das lambdoidale Suturensystem Suturensystem(e):lambdoidalesleitet Belastungen vom Hinterkopf zur hinteren Schädelbasis und zum Schädeldach ab. Dieses Suturensystem ist individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt und kann sogar ein Os Os:interparietaleinterparietale (Os Os:incaeincae) beinhalten, so das man bei der manuellen Untersuchung und Befundinterpretation vorsichtig sein sollte.
Vor allem Traumata, die das Os occipitale und das Schädeldach betreffen, können Spannungen im lambdoidalen Suturensystem auslösen. Doch auch hier können natürlich meningeale und myofasziale Spannungen Spannungen:myofaszialeSpannungen:meningealeeine große Rolle spielen.
Das lambdoidale Suturensystem besteht hauptsächlich aus der Sutura lambdoidea und der Sutura occipitomastoidea. Es erstreckt sich vom Lambda Lambdazum Asterion Asterionund von dort über die Sutura occipitomastoidea zum Foramen jugulare und über die Fissura petrooccipitalis zur Symphysis sphenobasilaris (SSB).
Mit dem Abtasten der Lambdanaht beginnt man am besten vom Lambda aus.

Palpation des lambdoidalen Suturensystems

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende neben der Patientin.
Ausführung: Ausgehend vom Lambda lässt der Therapeut einen Finger zickzackförmig kaudolateral- und leicht ventralwärts über die Palpation:Sutura lambdoideaSutura lambdoidea bis zum Asterion-Punkt gleiten. Vom Asterion aus kann die Sutura Palpation:Sutura occipitomastoideaoccipitomastoidea weiter nach kaudoventral auf der Rückseite des Processus mastoideus verfolgt werden, bis sich schließlich der Kontakt zur Sutur in der kurzen tiefen Nackenmuskulatur verliert (Abb. 16.34).
Der Therapeut tastet konzentriert die Ränder ab, um die Breite der Sutur sowie die Beschaffenheit des umgebenden Gewebes zu beurteilen. Er achtet zudem auf eine Druckempfindlichkeit der Sutur.

Untersuchung und Behandlung des lambdoidalen Suturensystems

Untersuchung und Behandlung der Sutura lambdoidea
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege, heterolateral (links) zur Läsionsseite (rechts).
Ausführung: Die Fingerspitzen der kranialen (rechten) Hand werden auf die Squama occipitalis aufgesetzt. Dabei achtet der Therapeut darauf, kaudal der Sutura lambdoidea zu bleiben. Mit den Fingern der kaudalen (linken) Hand und abgespreiztem Daumen umgreift er beide Ossa parietalia und achtet darauf, kranial der Sutura lambdoidea zu bleiben (Abb. 16.35).
  • Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) führt der Therapeut die Ossa parietalia ventrokranialwärts und das Os occipitale dorsokaudalwärts auseinander.

  • Während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) führt er die Ossa parietalia dorsokaudalwärts und das Os occipitale ventrokranialwärts wieder zueinander.

Der Therapeut kann die Bewegungen verstärken und rhythmisch wiederholen oder eine Bewegungsposition aufrechterhalten und warten, bis eine Entspannung eintritt.
Untersuchung und Behandlung der Sutura occipitomastoidea
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung: Die heterolaterale (linke) Hand wird quer unter dem Os occipitale aufgelegt, sodass die Finger zur Läsionsseite (rechts) gerichtet sind und die Fingerspitzen medial der Sutura occipitomastoidea liegen.
Unter Anwendung der Fünffingertechnik Fünf-Finger-Technik:Sutura occipitomastoideaumgreift der Therapeut mit seiner homolateralen (rechten) Hand das Os temporale auf der Läsionsseite (rechts). Dabei befindet sich der Mittelfinger im äußeren Gehörgang, Zeigefinger und Daumen fassen den Processus zygomaticus des Os temporale und Ring- und Kleinfinger den Processus mastoideus (Abb. 16.36).
  • Während der Abschwellphase (Abschwellphase:Öffnen der Sutura occipitomastoideaExtension kraniosakral) wird das Os occipitale mit der heterolateralen (linken) Hand nach posterior und zur heterolateralen (linken) Seite geführt. Gleichzeitig bewegt die homolaterale (rechte) Hand den Processus zygomaticus des Os temporale nach kraniomedial und den Processus mastoideus nach kaudolateral, um die Sutura occipitomastoidea zu öffnen oder zu dekomprimieren.

  • Während der Anschwellphase (Anschwellphase:Komprimieren der Sutura occipitomastoideaFlexion kraniosakral) wird das Os occipitale mit der heterolateralen (linken) Hand nach anterior und zur homolateralen (rechten) Seite geführt. Gleichzeitig bewegt die homolaterale (rechte) Hand den Processus zygomaticus des Os temporale nach kaudolateral und den Processus mastoideus nach kraniomedian, wodurch die Sutura occipitomastoidea sozusagen komprimiert wird.

Der Therapeut kann die Bewegungen verstärken und rhythmisch wiederholen oder eine Bewegungsposition aufrechterhalten und warten, bis eine Entspannung eintritt.
Untersuchung und Behandlung der Schädelbasis
Siehe Untersuchung und Behandlung des koronalen Suturensystems (Kap. 16.4).

Untersuchung und Behandlung des kraniofazialen Suturensystems

Vom kraniofazialen Suturensystem Suturensystem(e):kraniofazialeswerden Belastungen des Kauapparates zur vorderen Schädelbasis und zum Schädeldach abgeleitet. Vor allem Traumata des Ober- und Unterkiefers, Zahnextraktionen, ZahnextraktionenBissanomalien (BissanomalienOkklusionsstörungen) Okklusionsstörungenoder dysgnathe Kraftübertragungen Kraftübertragungen:dysgnatheusw. können Spannungen im kraniofazialen Suturensystem auslösen. Aber auch hier können natürlich meningeale und myofasziale Spannungen Spannungen:myofaszialeSpannungen:meningealeeine große Rolle spielen.
Das kraniofaziale Suturensystem, das hauptsächlich aus der Sutura frontonasalis, der Sutura frontomaxillaris, der Sutura lacrimomaxillaris, der Sutura ethmoidomaxillaris, der Sutura palatinomaxillaris besteht, setzt sich von dort in zwei Richtungen fort (Abb. 16.37):
  • lateralwärts zur Fissura orbitalis inferior und Sutura zygomaticomaxillaris sowie

  • kaudalwärts zur Fossa pterygopalatina und medianwärts bis zur Sutura palatina transversa und Sutura incisiva, wo es Anbindung an das sagittale Suturensystem hat.

Ein beachtlicher Teil dieser Suturen befinden sich in der Orbita und ist demzufolge nicht palpabel: So können die Sutura lacrimomaxillaris, die Sutura ethmoidomaxillaris, die Sutura palatinomaxillaris, die Fissura orbitalis inferior und die Sutura zygomaticomaxillaris nicht abgetastet werden.

Palpation des kraniofazialen Suturensystems

Sutura frontonasalis, Sutura frontomaxillaris, Sutura nasomaxillaris und Sutura zygomaticomaxillaris
Die Palpation von Suturen im Bereich der Nasenwurzel beginnt man am besten in Höhe der Glabella (GlabellaStirnbeinerhebung zwischen den Augenbrauen). Der Therapeut tastet den Nasenrücken von der Glabella aus kaudalwärts ab, bis er in einer Vertiefung (Nasion) Nasiondie Sutura frontonasalis erreicht.
  • Die Palpation:Sutura frontonasalisSutura frontonasalis wird lateralwärts durch die Sutura frontomaxillaris fortgesetzt, bis am medialen Rand der Orbita Orbita:Crista lacrimalis anterioreine knöcherne Kante, die Crista lacrimalis anterior, spürbar ist. Die tiefer in der Orbita liegenden Suturen sind nicht palpierbar (Abb. 16.38).

  • Um die Sutura Palpation:Sutura nasomaxillarisnasomaxillaris tasten zu können, visualisiert man zuerst eine Linie zwischen der Sutura internasalis und dem medialen Rand der Orbita. Von der Mitte dieser Linie aus tastet der Therapeut parallel zur Sutura internasalis kaudalwärts die Sutura nasomaxillaris ab.

  • Die Palpation Palpation:Sutura zygomaticomaxillarisder Sutura zygomaticomaxillaris beginnt man am besten am unteren Rand der Orbita, senkrecht unter der Pupille des Patienten, wo oft eine Erweiterung der Sutur vorliegt, die als normal betrachtet werden kann. Die Sutura zygomaticomaxillaris verläuft dann kaudolateral bis zum unteren Rand des Processus zygomaticus der Maxilla (Abb. 16.38).

Das kraniofaziale Suturensystem ist danach nicht mehr weiter dorsalwärts tastbar, sondern kann erst wieder im Bereich des Gaumens mit der Sutura palatina transversa palpiert werden.
Der Therapeut achtet dabei auf die Qualität und Sensibilität des suturalen Gewebes. Zeichen einer Dysfunktion Dysfunktion:kraniofaziale Suturensind: Veränderungen des Gewebes (z. B. Fibrosierung, Osteophytose, Flüssigkeitsansammlung, Synostosierung), Mobilitätseinschränkung und Druckempfindlichkeit.
Sutura incisiva und Sutura palatina transversa
Ihre Palpation haben wir bereits bei der Palpation von Suturen des sagittalen Suturensystems besprochen (Kap. 16.3.1).

Untersuchung und Behandlung des kraniofazialen Suturensystems

Mobilität der Sutura frontonasalis und der Sutura internasalis
Siehe Untersuchung und Behandlung des sagittalen Suturensystems (Kap. 16.3.2).
Mobilität der Sutura frontomaxillaris
Siehe Untersuchung und Behandlung des koronalen Suturensystems (Kap. 16.4.2).
Mobilitätstest und Behandlung der Sutura lacrimomaxillaris und der Sutura ethmoidomaxillaris
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende (links) neben der Patientin.
Ausführung: Mit der kranialen (rechten) Hand umgreift er das Os frontale und legt Zeige- und Mittelfinger auf die Glabella. GlabellaDaumen und Zeigefinger der kaudalen (linken) Hand umfassen bilateral die Processus frontales der beiden Maxillae (Abb. 16.39).
  • Während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) führt die kraniale Hand die Glabella nach dorsokranial und die kaudale Hand die Processus frontales der Maxillae nach kaudal.

  • Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) führt die kraniale Hand die Glabella nach kaudal und die kaudale Hand die Processus frontales der Maxillae nach kranial.

Der Therapeut wiederholt diese Bewegung, bis er eine Entspannung wahrnimmt. Er kann die Bewegung auch verstärken und rhythmisch wiederholen oder eine Bewegungsposition aufrechterhalten und warten, bis eine Entspannung eintritt.
So lässt sich die Qualität und Sensibilität des suturalen Gewebes beurteilen.
Mobilität der Fissura orbitalis inferior
Siehe Untersuchung und Behandlung des koronalen Suturensystems (Kap. 16.4.2).
Mobilitätstest und Behandlung der Sutura palatinomaxillaris und der Fossa pterygopalatina
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege, heterolateral (links) zur Läsionsseite (rechts).
Ausführung: Der Kleinfinger der kaudalen (linken) Hand wird auf der Läsionsseite (rechts) intraoral auf die Außenseite des Processus pterygoideus des Os sphenoidale und der Daumen auf die heterolaterale (linke) Maxilla gelegt. Der Zeigefinger der kranialen (rechten) Hand wird auf der Läsionsseite (rechts) auf den Processus zygomaticus und der Mittelfinger auf den Processus frontalis der Maxilla gelegt, der Daumen berührt dabei die heterolaterale (linke) Maxilla (Abb. 16.40).
  • Während der Anschwellphase (Anschwellphase:Öffnen der Fossa pterygopalatinaFlexion kraniosakral) führt die kraniale (rechte) Hand die Maxilla der Läsionsseite (rechts) in eine Außenrotation, Außenrotation:Maxillaindem sie den Processus zygomaticus und den Processus frontalis der Maxilla zur heterolateralen (linken) Seite und ventralwärts bewegt. Mit der kaudalen (linken) Hand wird gleichzeitig der Processus pterygoideus des Os sphenoidale auf der Läsionsseite (rechts) nach dorsal von der Maxilla weg geführt, um die Fossa pterygopalatina hierdurch zu öffnen.

  • Während der Abschwellphase (Abschwellphase:Schließen der Fossa pterygopalatinaExtension kraniosakral) führt die kraniale (rechte) Hand die Maxilla der Läsionsseite (rechts) in eine Innenrotation und dorsalwärts. Mit der kaudalen (linken) Hand wird gleichzeitig der Processus pterygoideus des Os sphenoidale auf der Läsionsseite (rechts) nach ventral geführt, um die Fossa pterygopalatina hierdurch zu schließen.

Der Therapeut kann die Bewegungen verstärken und rhythmisch wiederholen oder eine Bewegungsposition aufrechterhalten und warten, bis eine Entspannung eintritt.
So lässt sich die Qualität und Sensibilität des Gewebes beurteilen.
Mobilitätstest und Behandlung der Sutura zygomaticomaxillaris
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege, heterolateral (links) zur Läsionsseite (rechts).
Ausführung: Zeige- und Mittelfinger der kaudalen (linken) Hand werden auf der Läsionsseite (rechts) auf den Processus zygomaticus der Maxilla gesetzt. Daumen, Zeige- und Mittelfinger der kranialen (rechten) Hand umgreifen das Os zygomaticum auf der Läsionsseite (rechts) (Abb. 16.41).
  • Während der Anschwellphase (Anschwellphase:Entlasten der Sutura zygomaticomaxillarisFlexion kraniosakral) führt der Therapeut den Processus zygomaticus der Maxilla (Außenrotation) ventromedianwärts und das Os zygomaticum dorsolateralwärts, um die Sutura zygomaticomaxillaris zu entlasten (dekomprimieren).

  • Während der Abschwellphase (Abschwellphase:Kompression der Sutura zygomaticomaxillarisExtension kraniosakral) führt er beide Knochen aufeinander zu, sodass es zur Kompression der Sutura zygomaticomaxillaris kommt.

Der Therapeut kann die Bewegungen verstärken und rhythmisch wiederholen oder eine Bewegungsposition aufrechterhalten und warten, bis eine Entspannung eintritt.
Auf die Weise kann er die Qualität der Beweglichkeit beurteilen.
Mobilitätstest und Behandlung der Sutura incisiva
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung: Der Therapeut umgreift mit Daumen und Zeigefinger einer (linken) Hand das Os incisivum und die Schneidezähne intraoral und setzt den Zeige- oder Kleinfinger der anderen (rechten) Hand intraoral auf den Processus palatinus der Maxilla, dorsal der (rechten) Sutura incisiva (Abb. 16.42).
  • Während der Außenrotation (Anschwellphase, Flexion kraniosakral) führt er die Knochen zueinander.

  • Während der Innenrotation (Abschwellphase, Extension kraniosakral) führt er die Knochen auseinander.

So lässt sich die Qualität der Beweglichkeit Beweglichkeitstest:der Sutura incisivabeurteilen.
Der Therapeut kann die Bewegungen verstärken und rhythmisch wiederholen oder eine Bewegungsposition aufrechterhalten und warten, bis eine Entspannung eintritt.
Mobilitätstest und Behandlung der Sutura palatina transversa
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Ausführung: Der Therapeut legt den Zeige- oder Kleinfinger der einen Hand intraoral auf die Lamina horizontalis des Os palatinum der Patientin, dorsal der Sutura palatina transversa auf der Läsionsseite (rechts). Den Zeige- oder Kleinfinger der anderen Hand legt er intraoral auf den Processus palatinus der Maxilla, ventral der Sutura palatina transversa auf der Läsionsseite (rechts) (Abb. 16.43).
  • Während der Abschwellphase (Extension-Innenrotation kraniosakral) des Geweberhythmus führt er die Knochen zueinander.

  • Während der Anschwellphase (Flexion-Außenrotation kraniosakral) des Geweberhythmus führt er sie auseinander.

So lässt sich die Qualität der Beweglichkeit Beweglichkeitstest:Sutura palatina transversabeurteilen.
Der Therapeut kann die Bewegungen verstärken und rhythmisch wiederholen oder eine Bewegungsposition aufrechterhalten und warten, bis eine Entspannung eintritt.

Untersuchung und Behandlung des temporalen Suturensystems

Vom temporalen Suturensystem Suturensystem(e):temporaleswerden kraniokaudal einwirkende Belastungen des Kauapparats und des Schädeldachs zur mittleren und hinteren Schädelgrube abgeleitet.
Auch dieses Suturensystem ist häufiger von Traumata (wie Schlag auf Kopf oder Sturz) oder meningealen Spannungen (Spannungen:meningealeinsbesondere der Falx cerebri) betroffen. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass dieses Suturensystem extrakranial von der Galea aponeurotica mit dem M. temporoparietalis und dem M. temporalis sowie M. masseter (Kaumuskeln) und intrakranial vom Tentorium cerebelli überspannt wird. Myofasziale Spannungen (Spannungen:myofaszialez. B. Bruxismus) Bruxismuskönnen es dementsprechend ebenfalls beeinflussen und stören.
Das temporale Suturensystem besteht hauptsächlich aus der Sutura Sutura:temporoparietalisSutura:squamosasquamosa (temporoparietalis), die das koronale Suturensystem (Sutura sphenosquamosa) mit dem lambdoidalen Suturensystem (Sutura occipitomastoidea) verbindet. Die Sutura squamosa verläuft vom Pterion Pterionzum Asterion.

Palpation des temporalen Suturensystems

AsterionDie Sutura squamosa ist nicht leicht zu tasten und wird gerne mit der Linea Linea:temporalis inferior/superiortemporalis superior bzw. inferior des Os parietale und Os frontale verwechselt. Deswegen sollte sich der Therapeut zuerst zur Orientierung von der Sutura sagittalis kaudalwärts zum Ohr herunter vortasten. Die Sutura squamosa ist die dritte Linie, die man von kranial nach kaudal spürt, und sie liegt ungefähr 1 bis 2 Querfinger über dem Oberrand des Ohrs. Zur Überprüfung, ob sie richtig lokalisiert wurde, legt man die Finger auf die Sutura squamosa und bittet den Patienten, den Unterkiefer nach links und rechts zu verschieben, sodass man das leicht federnde Öffnen und Schließen der Sutura squamosa spüren kann.
Man beginnt mit der Palpation Palpation:Sutura squamosader Sutura squamosa am besten am Pterion und lässt den Finger zickzackförmig dorsalwärts über die Sutura squamosa bis zum Asterion Asteriongleiten. Im Bereich des Asterions verläuft die Sutura squamosa individuell sehr unterschiedlich und kann manchmal schlecht weiterverfolgt werden.
Der Therapeut tastet konzentriert die Nahtränder ab, um die Breite der Sutur sowie die Beschaffenheit des umgebenden Gewebes zu untersuchen (Abb. 16.44). Er achtet zudem auf eine Druckempfindlichkeit der Sutur.

Untersuchung und Behandlung des temporalen Suturensystems

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende neben der Patientin, homolateral (rechts) zur Läsionsseite (rechts).
Ausführung: Die Finger der kranialen (linken) Hand werden auf der Läsionsseite (rechts) direkt oberhalb der Sutura squamosa auf das homolaterale (rechte) Os parietale gelegt und der Daumen dient als Hebelpunkt auf dem heterolateralen (linken) Os parietale. Finger und Daumen der kaudalen (rechten) Hand umgreifen auf der Läsionsseite (rechts) den Processus zygomaticus des Os temporale (Abb. 16.45).
  • Während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) führt der Therapeut das Os parietale auf der Läsionsseite (rechts) mit der kranialen (linken) Hand nach kranial und das Os temporale auf der Läsionsseite (rechts) mit der kaudalen (rechten) Hand in eine Außenrotation Außenrotation:Os temporaleund nach kaudal.

  • Während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) führt er das Os parietale auf der Läsionsseite (rechts) mit der kranialen (linken) Hand nach kaudal und das Os temporale auf der Läsionsseite (rechts) mit der kaudalen (rechten) Hand in eine Innenrotation Innenrotation:Os temporaleund nach kranial.

Der Therapeut kann die Bewegungen verstärken und rhythmisch wiederholen oder eine Bewegungsposition aufrechterhalten und warten, bis eine Entspannung eintritt.
Auf die Weise lässt sich die Qualität der Beweglichkeit Beweglichkeitstest:Sutura squamosabeurteilen.

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