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B978-3-437-58930-0.00015-5

10.1016/B978-3-437-58930-0.00015-5

978-3-437-58930-0

Myofasziale Schädeldachstrukturen [5]

Ausstreichen in Faserrichtungen des M. temporoparietalis

Ausstreichen in Faserrichtungen des M. occipitofrontalis

Dorsoventrales Lösen und Abheben der Galea aponeurotica

Laterolaterales Lösen und Abheben der Galea aponeurotica

M. orbicularis oculi [4]

Lösen von Spannungen des M. orbicularis oculi und des M. occipitofrontalis

Links: M. orbicularis oris und M. buccinator von ventral. Rechts: M. orbicularis oris und M. buccinator von lateral [4]

Bilaterales Lösen von Spannungen der myofaszialen Kette aus M. orbicularis oris und M. buccinator

Unilaterales Lösen von Spannungen der myofaszialen Kette aus M. orbicularis oris und M. buccinator

Ausstreichen in Faserrichtungen des M. temporalis

Lösen von Spannungen im Bereich des Gleitlagers dorsal des Processus frontalis des Os zygomaticum

Lockern der myofaszialen Ansätze am Processus coronoideus

Intraorales Lösen von myofaszialen Spannungen am Processus coronoideus

Dehnen und Pumpen der Fascia temporalis

Dehnen und Pumpen der temporopterygoidalen Kette

Ausstreichen in Faserrichtungen des M. masseter

Intraorales Ausstreichen in Faserrichtungen des M. masseter

Dehnen und Pumpen der M.-temporalis-M.-masseter-Kette

Intraorales Lösen von Spannungen im Ansatzbereich des M. pterygoideus lateralis am Processus pterygoideus (1)

Intraorales Lösen von Spannungen im Ansatzbereich des M. pterygoideus lateralis am Processus pterygoideus (2)

Lockern des Ansatzes des M. pterygoideus medialis am Angulus mandibulae

Pumpen des M. pterygoideus medialis

Testen und Behandeln der Larynx- und Trachealknorpel-Beweglichkeit

Globale Untersuchung der infrahyalen Muskulatur

Untersuchung und Behandlung des M. omohyoideus (Phase 1)

Untersuchung und Behandlung des M. omohyoideus (Phase 2)

Untersuchung und Behandlung der Mundbodenmuskeln:Untersuchung und BehandlungMundbodenmuskeln (Phase 1 und 2)

Dehnung des M. mylohyoideus

Kraniokaudale Verschiebung des M. mylohyoideus

Ausstreichen des M. mylohyoideus

Spreizen und Pumpen im Bereich der Mandibula

Untersuchung und Behandlung des M. genioglossus

Untersuchung und Behandlung des M. hyoglossus

Untersuchung und Behandlung des M. styloglossus

Untersuchung und Behandlung des M. palatoglossus

Arcus palatoglossus und M. palatoglossus [4]

Untersuchung und Behandlung der Binnenmuskeln der Zunge

Untersuchung und Behandlung der kranialen Anteile der zentralen MFK – Phase 1

Untersuchung und Behandlung der kranialen Anteile der zentralen MFK – Phase 2

Untersuchung und Behandlung der kranialen Anteile der zentralen MFK – Phase 3

Untersuchung und Behandlung der kranialen Anteile der zentralen MFK – Phase 4

Untersuchung und Behandlung der kompletten zentralen MFK

Untersuchung und Behandlung der Kette des M. orbicularis oris (mit M. buccinator + M. constrictor pharyngis superior)

Untersuchung und Behandlung der Kette der Mm. constrictores pharyngis medii

Untersuchung und Behandlung des M. stylopharyngeus

Untersuchung und Behandlung des M. palatopharyngeus und des M. salpingopharyngeus

Untersuchung und Behandlung des M. salpingopharyngeus – Phase 1

Untersuchung und Behandlung des M. salpingopharyngeus – Phase 2

Untersuchung und Behandlung der MFK des M. longus capitis und der Mm. scaleni

Untersuchung und Behandlung der MFK des M. longus capitis und des M. longus colli

Untersuchung und Behandlung des M. salpingopharyngeus, der Mm. tensor und levator veli palatini und der Tuba auditiva

M. sternocleidomastoideus, M. longissimus capitis und M. splenius capitis [4]

Dehnung und Ausstreichen des rechten M. sternocleidomastoideus

Lösen von Verklebungen des rechten M. sternocleidomastoideus

Dehnung und Ausstreichen des rechten M. longissimus capitis und M. splenius capitis – Phase 1

Dehnung und Ausstreichen des rechten M. longissimus capitis und M. splenius capitis – Phase 2 (in vorgedehnter Position)

M. trapezius und subokzipitale Muskeln [4]

Untersuchung und Behandlung des M. trapezius

Lösen von Verklebungen des M. trapezius

Untersuchung und Behandlung des M. rectus capitis posterior minor und des M. rectus capitis posterior major

Untersuchung und Behandlung des rechten M. obliquus capitis inferior

Untersuchung und Behandlung des rechten M. obliquus capitis superior

Untersuchung und Behandlung von myofaszialen Strukturen mit Ansätzen am Schädel

Das Ziel besteht darin, die faszialen Spannungen im Schädelbereich zu reduzieren, um die besten Voraussetzungen für den freien Durchtritt aller arterio-veno-lymphatischen und Nervenleitungsbahnen durch die Schädelöffnungen zu schaffen.

Aus didaktischen und praktischen Erwägungen ist es sinnvoll, die myofaszialen Strukturen in verschiedene Regionen einzuteilen:

  • 1.

    Myofasziale Schädeldachstrukturen (Abb. 15.1)

  • 2.

    Myofasziale Gesichtsstrukturen

  • 3.

    Myofasziale Kaustrukturen

  • 4.

    Myofasziale Hals- und Mundbodenstrukturen

  • 5.

    Myofasziale Strukturen der zentralen Sehne

  • 6.

    Myofasziale Strukturen mit Ansatz am Processus mastoideus

  • 7.

    Myofasziale Strukturen mit Ansatz an der Protuberantia occipitalis externa und den Lineae nuchales

Myofasziale Schädeldachstrukturen: Galea aponeurotica und M. epicranius

Schädeldachstrukturen:myofaszialeZwischen Schädel und Galea aponeurotica befindet sich normalerweise lockeres Bindegewebe. Die Galea aponeuroticaGalea aponeurotica enthält kontraktile Strukturen, nämlich den M.M.:epicranius epicranius, der aus dem M. occipitofrontalis, M. temporoparietalis und den Mm. auriculares besteht.
Funktionell steht der M. epicranius im Dienste der Mimik:M. epicraniusMimik. Bei Hypertonie:Galea aponeuroticaHypertonie bzw. Verklebungen:Galea aponeuroticaVerklebungen der Galea aponeurotica, des M. occipitofrontalis und der Mm. temporoparietales wird die Beweglichkeit (Compliance) der Schädelknochen:Beweglichkeit (Compliance)Schädelknochen erheblich eingeschränkt.
  • Der M. temporoparietalis M.(-i):temporoparietalisist sehr variabel ausgebildet und zieht normalerweise von der Haut der Schläfe, der Wurzel der Ohrmuschel und der Fascia temporalis nach kranial zur Galea aponeurotica:M. temporoparietalisGalea aponeurotica. Oft wird er durch die Äste der A. temporalis superficialis in verschiedene Muskelanteile unterteilt.

  • M. occipitofrontalis:

    • Der Venter frontalis des M. occipitofrontalis verläuft paarig vom Bindegewebe der Augenbrauen und Glabella nach dorsal, wobei er nur mit spärlichen Fasern an den Knochen angeheftet ist, und strahlt dorsal in die Galea aponeurotica:M. occipitofrontalisGalea aponeurotica ein.

    • Der Venter occipitalis des M. occipitofrontalis zieht von der Linea nuchalis suprema des Okziputs nach ventral und strahlt ebenfalls in die Galea aponeurotica ein.

  • Mm. auriculares:

    • Der M. Musculus(-i):auricularis anteriorauricularis anterior zieht von der Fascia temporalis nach dorsal zur Vorderseite der Ohrmuschelwurzel:Mm. auricularesOhrmuschelwurzel.

    • Der M. auricularis superior zieht von der Galea aponeurotica:M. auricularis superiorGalea aponeurotica nach kaudal zur Ohrmuschelwurzel.

    • Der M. auricularis Musculus(-i):auricularis posteriorposterior zieht vom Processus mastoideus nach ventral zur Rückseite der Ohrmuschelwurzel.

Ausstreichen in Faserrichtungen des M. temporoparietalis

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und positioniert den Kopf der Patientin mit einer (linken) Hand in eine heterolaterale (linke) Seitneigung.
Ausführung:
  • Unilateral: Der Therapeut Ausstreichen:des M. temporoparietalisstreicht mit dem Ring-, Mittel- und Zeigefinger der anderen (rechten) Hand behutsam von der Mitte der Galea Galea aponeurotica:Ohrwurzelaponeurotica zur Ohrwurzel nach kaudal und danach in umgekehrter Richtung kranialwärts (Abb. 15.2). Die Arbeitsebene muss tiefer als die Haut und auf den Bereich des Bindegewebes zwischen Schädel und Galea aponeurotica zentriert sein.

  • Bilateral: Der Therapeut positioniert den Kopf der Patientin in Neutralstellung und streicht dann bilateral gleichzeitig mit den Mittel- und Zeigefingern behutsam von der Mitte der Galea aponeurotica zur Ohrwurzel:Galea aponeuroticaOhrwurzel nach kaudal und danach in umgekehrter Richtung nach kranial. Anschließend verschiebt er das Gewebe bilateral von links nach rechts und umgekehrt.

Ausstreichen in Faserrichtungen des M. occipitofrontalis

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und fixiert den Kopf der Patientin mit einer (linken) Hand am Okziput.
Ausführung: Der Therapeut Ausstreichen:des M. occipitofrontalisstreicht mit dem Ring-, Mittel- und Zeigefinger der anderen (rechten) Hand behutsam und intensiv von der Stirn zum Okziput und in umgekehrter Richtung (Abb. 15.3). Insbesondere im Stirnbereich und im Bereich der Linea nuchalis suprema verschiebt er das Gewebe intensiv in dorsoventraler Richtung. Die Arbeitsebene befindet sich im Bindegewebe zwischen Schädel und Galea aponeurotica.

Ausstreichen in Faserrichtungen der Mm. auriculares

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und positioniert den Kopf der Patientin mit einer Hand in eine heterolaterale Seitneigung.
Ausführung:
Der Therapeut Ausstreichen:Mm. auricularesstreicht mit dem Mittel- oder Zeigefinger der anderen Hand behutsam und intensiv:
  • von der sphenotemporalen Fläche nach dorsal zur Wurzel der Ohrmuschelwurzel:Ausstreichen der Mm. auricularesOhrmuschel und in umgekehrter Richtung nach ventral,

  • von der parietotemporalen Fläche nach kaudal zur Wurzel der Ohrmuschel und in umgekehrter Richtung nach kranial,

  • von der okzipitotemporalen Fläche nach ventral zur Wurzel der Ohrmuschel und in umgekehrter Richtung nach dorsal.

Danach verschiebt er das Gewebe intensiv in dorsoventraler bzw. kraniokaudaler Richtung. Die Arbeitsebene befindet sich im Bindegewebe zwischen Schädel und Galea aponeurotica.

Allgemeines Lösen der Galea aponeurotica und des M. epicranius vom Schädel

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt an einer Seite des Kopfendes und positioniert den Kopf der Patientin in einer neutralen Position.
Ausführung:
  • Dorsoventrales Lösen und Abheben der Galea Galea aponeurotica:dorsoventrales Lösen und Abhebenaponeurotica (Abb. 15.4): Der Therapeut legt den Handballen einer Hand auf die Stirn und den anderen Handballen auf das Okziput der Patientin. Er übt leichten Druck (zentriert auf das Bindegewebe zwischen Schädel und Galea aponeurotica) mit den Händen aufeinander zu aus und hebt unter Beibehaltung dieses Drucks die Galea aponeurotica nach kranial vom Schädel ab.

  • Laterolaterales Lösen und Abheben der Galea Galea aponeurotica:laterolaterales Lösen und Abhebenaponeurotica (Abb. 15.5): Der Therapeut legt seine Handballen auf die beiden Schläfen der Patientin. Er übt leichten Druck (zentriert auf das Bindegewebe zwischen Schädel und Galea aponeurotica) mit den Händen aufeinander zu aus und hebt unter Beibehaltung dieses Drucks die Galea aponeurotica nach kranial vom Schädel ab.

Myofasziale Gesichtsstrukturen: M. orbicularis oculi, M. orbicularis oris und M. buccinator

Gesichtsstrukturen:myofaszialePhylogenetisch hat sich die Hautmuskulatur des Rumpfes mehr und mehr nach vorne verschoben und auf die Öffnungen am Kopf konzentriert. Dadurch hat sich die mimische mimische MuskulaturMuskulatur entwickelt. Die mimische Muskulatur:mimischeMuskulatur hat kaum Einfluss auf den Schädel, kann aber trotzdem durch ihre faszialen Auswirkungen über die Myofaszialketten zur Belastung des Gesamtsystems beitragen und damit auch die Belastbarkeit des Patienten verringern. Es ist deswegen sinnvoll, zumindest die größeren mimischen Muskeln in die Behandlung mit einzubeziehen: den M. orbicularis oculi, den M. orbicularis oris und den M. buccinator.

Lösen von Spannungen des M. orbicularis oculi

Anatomie
Verlauf: Der M. orbicularis oculi (Abb. 15.6) besteht aus Pars palpebralis, Pars orbitalis und Pars lacrimalis.
  • Die Pars:palpebralisPars palpebralis ist Bestandteil des Augenlides und zieht ringförmig vom Lig. palpebrale Ligamentum(-a):palpebrale medialemediale (Os lacrimale und Os nasale) zur Raphe palpebralis lateralis.

  • Die Pars:orbitalisPars orbitalis verläuft um den knöchernen Rand der Orbita und zieht ringförmig vom Lig. palpebrale mediale zur Crista lacrimalis und zum Processus frontalis der Maxilla. Einige Fasern der Pars orbitalis sind kranial mit dem Venter frontalis des M. occipitofrontalis verbunden.

  • Die Pars:lacrimalePars lacrimalis strahlt vom Os lacrimale und Saccus lacrimalis hinter dem Lig. palpebrale mediale in die Pars palpebralis ein.

Funktion: Lidfunktion im Dienste der Mimik:M. orbicularis oculiMimik, aber auch Zukneifen der Augenlider zum Schutz vor mechanischen Einwirkungen und starken Lichteinstrahlungen.
Behandlung
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und positioniert den Kopf der Patientin in neutraler Position. Er setzt die Finger beider Hände bilateral über beiden Augenhöhlen auf.
Ausführung: Der Therapeut schiebt seine Finger intensiv und behutsam sternförmig auseinander und erhält diese Dehnung einige Sekunden aufrecht.
Dann nimmt er mit den Fingern einer Hand kreisförmig Kontakt zum M. orbicularis oculi und mit den Fingern der anderen Hand Kontakt zum M. occipitofrontalis auf. Beide Muskeln werden in kraniokaudaler und laterolateraler Richtung auseinander gedehnt, um die faszialen Verbindungen mit der Galea aponeurotica und dem M. occipitofrontalis zu bearbeiten (Abb. 15.7).

Lösen von Spannungen der M.-orbicularis-oris-M.-buccinator-Myofaszialkette

Anatomie
Verlauf:
  • Der M. orbicularis oris (Abb. 15.8) Musculus(-i):orbicularis orisbesteht aus bogenförmigen Muskelfasern, die an senkrecht zur Mundöffnung verlaufenden Zwischensehnen und an den Processus alveolares der Maxilla und Mandibula entspringen und von dort um die Mundöffnung herum in die Ober- und Unterlippe hineinziehen. In den M. orbicularis oris und die Zwischensehnen strahlen Fasern des M. buccinator und Muskelfasern aus der Umgebung des Mundes von kranial, lateral und kaudal ein, die funktionell mit ihm zusammenarbeiten!

  • Der M. buccinator (Abb. 15.8) Musculus(-i):buccinatorhat die Form einer rechteckigen Platte. Er entspringt am Processus alveolaris maxillae, auf einer Verbindungslinie des zweiten Molaren (Mahlzahn) mit der Raphe pterygomandibularis, und zieht nach kaudal, wo er an der Crista buccinatoria der Mandibula inseriert. Kraniale Fasern setzen sich in der Oberlippe und kaudale Fasern in der Unterlippe fort.

    • An der Raphe pterygomandibularis setzt dorsal auch der M. constrictor pharyngis superior an, der den obersten Teil der zentralen Sehne bildet. M. buccinator und M. constrictor pharyngis superior gehen direkt ineinander über.

    • Der M. buccinator wird in Höhe des zweiten Molaren vom Ductus parotideus durchbohrt und ist von der dünnen Fascia buccopharyngea bedeckt.

Funktion:
  • Der M. orbicularis oris passt die Mundform bei der Nahrungsaufnahme:M. orbicularis orisNahrungsaufnahme, Mimik:M. orbicularis orisMimik:M. buccinatorMimik und Artikulation:M. orbicularis orisArtikulation an.

  • Der M. buccinator ist sowohl an der Mimik als auch am Kauakt:M. buccinatorKauakt beteiligt.

Behandlung
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut steht an einer Seite des Kopfendes und positioniert den Kopf der Patientin in neutraler Position.
Ausführung:
  • Bilaterales Lösen (Abb. 15.9): Lösen von Spannungen:bilateralesDer Therapeut legt beide Daumen intraoral gegen die Wangen der Patientin und umgreift sie behutsam bilateral mit den Fingern von außen. Er dehnt die Wangen behutsam auseinander und führt gleichzeitig eine ventrale Traktion auf dem M. buccinator aus. Unter Beibehaltung dieser Dehnung wird die Patientin aufgefordert, aktiv den Mund zu schließen und zu schlucken. Es empfiehlt sich, danach unter leichter Traktion den Geweberhythmus aufzunehmen und einen Pumpeffekt auszuüben.

  • Unilaterales Lösen (Abb. 15.10): Lösen von Spannungen, unilateralesDer Therapeut positioniert das Okziput der Patientin mit einer (rechten) Hand in eine kraniosakrale Flexionsposition (Pars basilaris des Os occipitale kranialwärts und Pars squamosa des Os occipitale kaudalwärts gerichtet). Mit der anderen (linken) Hand fasst er eine Wange der Patientin zwischen Daumen und Zeigefinger und führt eine ventrale Traktion aus. Unter Beibehaltung dieser Dehnung wird die Patientin aufgefordert, aktiv den Mund zu schließen und zu schlucken. Auch hier empfiehlt es sich, unter leichter Traktion den Geweberhythmus aufzunehmen und einen Pumpeffekt auszuüben.

Myofasziale Kaustrukturen

Die anatomische Beschreibung der Kaumuskulatur mit Abbildungen finden Sie in Kapitel 12.2.6.

Untersuchung und Behandlung des M. temporalis

Ausstreichen in Faserrichtungen des M. temporalis und der M.-buccinator-M.-temporalis-Myofaszialkette
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und stützt seine Unterarme bequem ab. Er positioniert den Kopf der Patientin in eine heterolaterale (linke) Seitneigung.
Ausführung:
Der Therapeut hält mit einer (linken) Hand den Mund der Patientin leicht geöffnet, indem er die Wange nach ventrokaudal zieht und die Mandibula zur heterolateralen Seite schiebt. Mit dem Mittel- oder Zeigefinger der anderen Hand (Abb. 15.11) streicht er behutsam:
  • vom Asterion zum Processus coronoideus und in umgekehrter Richtung (horizontaler Verlauf von hinten nach vorne und vice versa)

  • von der Linea temporalis superior zum Processus coronoideus und in umgekehrter Richtung (schräger Verlauf von hinten-oben nach vorne-unten und vice versa)

  • von der Ala major ossis sphenoidalis zum Processus coronoideus und in umgekehrter Richtung (schräg-vertikaler Verlauf von vorn-oben nach hinten-unten und vice versa).

Lösen von Spannungen im Gleitlagerbereich dorsal des Processus frontalis des Os zygomaticum
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und stützt seine Unterarme bequem ab. Er positioniert den Kopf der Patientin in eine heterolaterale (linke) Seitneigung.
Ausführung: Der Therapeut löst Verklebungen und Spannungen im Bereich direkt dorsal des Processus frontalis des Os zygomaticum und drückt dabei sehr behutsam in die Tiefe, bis das Gewebe weicher und besser verschieblich wird (Abb. 15.12).
Lockern der myofaszialen Ansätze am Processus coronoideus
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und stützt seine Unterarme bequem ab.
Ausführung: Der Therapeut legt einen Finger außen in Höhe des Muskelansatzes auf den Processus coronoideus und hält den Mund der Patientin mit der anderen Hand leicht geöffnet. Mit vibrierenden Bewegungen lässt er seinen Finger behutsam in die Tiefe des Gewebes, durch den M. masseter hindurch, zum Ansatz des M. temporalis einsinken (Abb. 15.13).
Intraorales Lösen von Spannungen im Ansatzbereich am Processus coronoideus
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und stützt seine Unterarme bequem ab.
Ausführung: Der Therapeut hält den Mund der Patientin mit einer Hand offen und löst mit dem Zeigefinger der anderen Hand die myofaszialen Spannungen intraoral an der Innenseite des Processus coronoideus bis in den Bereich des dritten Molaren (Abb. 15.14).
Dehnen und Pumpen der Fascia temporalis
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und stützt seine Unterarme bequem ab. Er positioniert den Kopf der Patientin in eine heterolaterale (linke) Seitneigung.
Ausführung:
  • Dehnen:Fascia temporalisDehnen: Mit seiner kranialen (rechten) Hand verschiebt der Therapeut die Fascia temporalis in Höhe der Linea temporalis superior kranialwärts und mit seiner kaudalen (linken) Hand die Mandibula kaudalwärts, sodass sich der Mund der Patientin leicht öffnet. Diese Dehnung wird behutsam aufrechterhalten, bis eine spürbare Entspannung des Gewebes eintritt (Abb. 15.15).

  • Pumptechnik:Pumptechnik:Fascia temporalis Dabei setzt der Therapeut die Finger der kranialen (rechten) Hand im Bereich der Linea temporalis superior ossis parietalis und die Finger der kaudalen (linken) Hand im Bereich der Mandibula auf. Er führt beide Hände abwechselnd aus- bzw. zueinander, um einen Pumpeffekt zu erreichen. Eventuell kann synchron zum Atemrhythmus des Patienten gearbeitet werden.

Dehnen und Pumpen der temporopterygoidalen Kette
temporopterygoidalen Kette:Pumpentemporopterygoidalen Kette:DehnenAusgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und stützt seine Unterarme bequem ab. Er positioniert den Kopf der Patientin in eine heterolaterale (linke) Seitneigung.
Ausführung:
  • Dehnen:Proc. pterygoideusDehnen:Fascia temporalisDehnen: Der Therapeut setzt die Finger der kranialen (rechten) Hand im Bereich der Linea temporalis superior ossis parietalis auf und legt den Zeigefinger der kaudalen (linken) Hand intraoral auf die Außenseite des Processus pterygoideus ossis sphenoidalis. Mit seiner kranialen (rechten) Hand verschiebt er die Fascia temporalis in Höhe der Linea temporalis superior kranialwärts und mit seiner kaudalen (linken) Hand den homolateralen (rechten) Processus pterygoideus behutsam nach median (Abb. 15.16). Diese Dehnung wird behutsam aufrechterhalten, bis eine spürbare Entspannung des Gewebes eintritt.

  • Pumptechnik:Fascia temporalisPumptechnik: Dabei führt der Therapeut beide Hände abwechselnd aus- bzw. zueinander, um einen Pumpeffekt zu erreichen. Eventuell kann synchron zum Atemrhythmus des Patienten gearbeitet werden.

Untersuchung und Behandlung des M. masseter

Ausstreichen in den Muskelfaserrichtungen
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und stützt seine Unterarme bequem ab.
Ausführung: Der Therapeut fixiert den Kopf der Patientin und hält mit einer Hand ihren Mund geöffnet. Mit dem Mittel- und Zeigefinger streicht er dann behutsam vom Arcus zygomaticus zum Angulus mandibulae und vice versa (Abb. 15.17).
Intraorales Lösen von Spannungen der Muskelansätze
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und stützt seine Unterarme bequem ab.
Ausführung: Der Therapeut hält den Mund der Patientin mit einer Hand offen und löst mit dem Zeigefinger der anderen Hand behutsam intraoral die myofaszialen Spannungen der Muskelansätze an der Innenseite des Arcus zygomaticus.
Intraorales Ausstreichen des M. masseter
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und stützt seine Unterarme bequem ab.
Ausführung: Der Therapeut fixiert mit seiner kranialen (rechten) Hand den Kopf der Patientin. Mit der anderen (linken) Hand hält er den M. masseter zwischen Daumen (intraoral) und Zeige- und Mittelfinger (extraoral) und streicht ihn vorsichtig in den Faserrichtungen aus (Abb. 15.18).
Vorsicht: Weil der M. masseter dorsal von der Glandula parotidea überlagert und vom Ductus parotideus durchquert wird, muss besonders behutsam gearbeitet werden. Kräftiges Quetschen des Gewebes ist unbedingt zu vermeiden!
Dehnen und Pumpen der M.-temporalis-M.-masseter-Kette
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und stützt seine Unterarme bequem ab. Er positioniert den Kopf der Patientin in eine heterolaterale (linke) Seitneigung.
Ausführung:
  • Dehnen:Fascia temporalisDehnen:Fascia massetericaDehnen: Der Therapeut setzt die Finger der kranialen (rechten) Hand im Bereich der homolateralen (rechten) Linea temporalis superior ossis parietalis und die Finger der kaudalen (linken) Hand in Höhe des homolateralen (rechten) Angulus mandibulae auf (Abb. 15.19). Mit seiner kranialen (rechten) Hand verschiebt er die Fascia temporalis an der Linea temporalis superior kranialwärts und mit seiner kaudalen (linken) Hand die Fascia masseterica vom Angulus mandibulae behutsam nach kaudal. Diese Dehnung wird behutsam aufrechterhalten, bis eine spürbare Entspannung des Gewebes eintritt.

  • Pumptechnik:Fascia temporalisPumptechnik:Fascia massetericaPumptechnik: Dabei führt der Therapeut beide Hände abwechselnd aus- bzw. zueinander, um einen Pumpeffekt zu erreichen. Eventuell kann synchron zum Atemrhythmus der Patientin gearbeitet werden.

Untersuchung und Behandlung des M. pterygoideus lateralis

Intraorales Lösen von Spannungen im Bereich des Muskelansatzes am Processus pterygoideus und Pumptechnik
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und stützt seine Unterarme bequem ab.
Ausführung:
  • Der Therapeut umgreift die Mandibula und hält den Mund der Patientin mit einer Hand leicht geöffnet. Mit dem Kleinfinger der anderen Hand löst er behutsam intraoral die myofaszialen Spannungen im Bereich der Außenfläche der Lamina lateralis des Processus pterygoideus hinter dem dritten Molaren (Abb. 15.20 und Abb. 15.21).

  • Dann schiebt er die Mandibula mit einer Hand sehr langsam rhythmisch zuerst in eine homolaterale (rechte) Mediotrusion (Dehnen:M. pterygoideus lateralisDehnung des M. pterygoideus lateralis) und danach in eine heterolaterale (linke) Mediotrusion (Annäherung des M. pterygoideus lateralis). Dabei folgen mehrere Zyklen aufeinander.

Pumpen des venösen Plexus pterygoideus
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und stützt seine Unterarme bequem ab.
Ausführung: Der Therapeut setzt den Kleinfinger intraoral in Höhe der Lamina lateralis des Processus pterygoideus auf und richtet den Druck nach dorsal zum M. pterygoideus lateralis (Abb. 15.20 und Abb. 15.21).
Die Patientin wird gebeten, den Mund langsam und rhythmisch zu öffnen und zu schließen. Beim Öffnen des Mundes wird der M. pterygoideus lateralis sanft-behutsam nach lateral Dehnen:M. pterygoideus lateralisgedehnt und beim Schließen des Mundes wird mit der Dehnung nachgelassen, sodass ein rhythmisch Pumpen:Plexus pterygoideuspumpender Effekt auf den Plexus pterygoideus entsteht.

Untersuchung und Behandlung des M. pterygoideus medialis

Lockern des Muskelansatzes am Angulus mandibulae
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und stützt seine Unterarme bequem ab.
Ausführung: Der Therapeut setzt die Finger bilateral extraoral an der Innenseite des Angulus mandibulae auf und lässt sie sanft in die Tiefe eindringen (Abb. 15.22), um die Lockern:Ansatz des M. pterygoideusAnsätze des M. pterygoideus medialis am Angulus mandibulae zu bearbeiten.
Pumpen des Muskelansatzes am Angulus mandibulae
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende und stützt seine Unterarme bequem ab.
Ausführung: Der Therapeut setzt die Finger bilateral extraoral an der Innenseite des Angulus mandibulae auf (Abb. 15.22).
  • Während einer tiefen Einatmung oder Anschwellphase des Geweberhythmus (Flexion des Kraniosakralrhythmus) dringt er sanft tiefer nach kraniolateral in den Mundboden ein und zieht gleichzeitig die Anguli mandibulae auseinander.

  • Während einer tiefen Ausatmung oder Abschwellphase des Geweberhythmus (Extension des Kraniosakralrhythmus) lässt er behutsam wieder mit der Dehnen:Muskelansatz am Angulus mandibulaeDehnung nach.

  • Dies wird über mehrere Atemzyklen wiederholt.

Pumpen des M. pterygoideus medialis
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt neben der Patientin am Kopfende.
Ausführung: Der Therapeut umgreift mit einer (rechten) Hand entweder bilateral oder unilateral die Ala(e) major(es) des Os sphenoidale. Mit der anderen (linken) Hand umgreift er den Unterkiefer von ventral in Höhe der Anguli mandibulae (Abb. 15.23).
  • Während einer tiefen Ausatmung oder Abschwellphase (Extension des Kraniosakralrhythmus) führt er den/die großen Keilbeinflügel mit einer Hand nach dorsokranial und übt gleichzeitig mit der anderen Hand eine kaudale Traktion an der Mandibula aus.

  • Während einer tiefen Einatmung oder Anschwellphase (Flexion des Kraniosakralrhythmus) lässt er behutsam wieder mit der Traktion nach.

  • Dies wird über mehrere Atemzyklen wiederholt.

Myofasziale Strukturen des Halses und Mundbodens

Die anatomische Beschreibung mit Abbildungen der suprahyalen Muskulatur (Mundbodenmuskulatur) finden Sie in Kapitel 10.5.3.

Test und Behandlung der Larynx- und Trachealknorpel-Beweglichkeit

Getestet wird die laterolaterale und kraniokaudale Verschieblichkeit des Os hyoideum, der Cartilago thyroidea, der Cartilago cricoidea und der Trachea:BeweglichkeitstestTrachea gegenüber dem umliegenden Gewebe.
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in entspannter Rückenlage. Der Therapeut sitzt etwas lateral (links) am Kopfende. Der Kopf der Patientin hängt über den Rand der Liege und wird vom Therapeuten mit einem Oberschenkel abgestützt.
Ausführung (Abb. 15.24):
  • Laterolateraler Beweglichkeitstest: Der Therapeut umgreift mit Daumen und Fingerkuppen der kaudalen (linken) Hand nacheinander sehr sanft das Os hyoideum bzw. die Cartilago thyroidea, die Cartilago cricoidea und die Trachea der Patientin. Zwischen Daumen und Fingerkuppen der kranialen (rechten) Hand hält er gleichzeitig den kranial gelegenen Knorpel. Er verschiebt die knorpeligen Strukturen einzeln und behutsam gegeneinander und vergleicht ihre Beweglichkeit danach mit der anderen Seite.

    • Achtung: Hierbei dürfen die Cartilago thyroidea und die Cartilago cricoidea aber nicht laterolateral zueinander verschoben werden, weil dies eine Verletzung der Articulatio cricothyroidea verursachen könnte!

  • Kraniokaudaler Beweglichkeitstest: Der Therapeut umgreift mit den Fingern beider Hände oder mit Daumen und Fingerkuppen der kaudalen (linken) Hand nacheinander sehr sanft das Os hyoideum bzw. die Cartilago thyroidea, die Cartilago cricoidea und die Trachea der Patientin. Zwischen Daumen und Fingerkuppen der kranialen (rechten) Hand hält er gleichzeitig den kranial gelegenen Knorpel. Während der Therapeut die HWS und den Kopf der Patientin mit seinem Bein in Extension führt, fixiert er den kaudal gelegenen Knorpel nach unten und verschiebt den kranial gelegenen Knorpel gleichzeitig nach oben.

  • Dorsoventraler Beweglichkeitstest: Der Therapeut umgreift mit den Fingern beider Hände oder mit Daumen und Fingerkuppen der kaudalen (linken) Hand nacheinander sehr sanft das Os hyoideum bzw. die Cartilago thyroidea, die Cartilago cricoidea und die Trachea der Patientin. Zwischen Daumen und Fingerkuppen der kranialen (rechten) Hand hält er gleichzeitig den kranial gelegenen Knorpel. Während er mit seinem Bein die HWS und den Kopf der Patientin in einem Shift nach ventral führt, fixiert er den kaudal gelegenen Knorpel nach dorsal und verschiebt den kranial gelegenen Knorpel gleichzeitig nach ventral.

Übersicht über die infrahyale Muskulatur

Eine detaillierte anatomische Beschreibung mit Abbildungen der infrahyalen Muskulatur finden Sie in Kapitel 10.3.2.
Die infrahyalen infrahyale MuskelnMuskeln bestehen aus dem Platysma, dem M. sternohyoideus, M. omohyoideus, M. sternothyroideus, M. thyrohyoideus und dem lateralen M. levator glandulae thyroideae. Sie bilden zusammen mit den suprahyalen suprahyale MuskelnMuskeln eine Schlinge und Funktionsgemeinschaft.
Sie unterstützen:
  • Kau- und Schluckmechanismen:infra- und suprahyale MuskelnSchluckmechanismen,

  • Phonationsmechanismen:infra- und suprahyale MuskelnPhonationsmechanismen und die

  • Aufrechterhaltung der Spannung der Lamina pretrachealis, um den venösen Rückstrom des Blutes aus dem Kopf- und Hals-Nacken-Bereich in Rückenlage zu gewährleisten.

Zum Schutz der Glandula thyroidea darf man die Muskeln vom Sternum bis zum Os hyoideum nicht ausstreichen, sondern nur mit Pump-, Dehnungs- und Unwinding-Techniken behandeln!

Globale Untersuchung und Behandlung der infrahyalen Muskeln und der Lamina pretrachealis fasciae cervicalis

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und ihr Kopf hängt über den Rand der Liege. Der Therapeut sitzt in Kopfhöhe lateral (links) neben der Patientin und stützt ihren Kopf auf seinem kranialen Oberschenkel ab.
Ausführung (Abb. 15.25):
  • Phase 1 und 2: Der Therapeut umgreift mit der kranialen (rechten) Hand sehr sanft das Os hyoideum bzw. die Cartilago thyroidea der Patientin. Mit der kaudalen (linken) Hand fixiert er das Manubrium sterni und die medialen Teile der beiden Claviculae nach kaudal.

    • Während der Ausatmung führt er den Kopf und die HWS der Patientin mit dem Oberschenkel vorsichtig in Extension und verschiebt sehr behutsam mit der kranialen (rechten) Hand das Os hyoideum bzw. die Cartilago thyroidea nach kranial und gleichzeitig mit der kaudalen (linken) Hand das Manubrium sterni und die Claviculae weiter nach kaudal, um die Spannung zu prüfen.

  • Phase 3: Der Therapeut umgreift mit der kranialen (rechten) Hand sehr sanft das Os hyoideum und mit der kaudalen (linken) Hand die Cartilago thyroidea der Patientin.

    • Während der Ausatmung führt er den Kopf und die HWS der Patientin mit dem Oberschenkel vorsichtig in Extension und behält diese Position bei.

    • Erst danach verschiebt er dann sehr behutsam mit der kranialen (rechten) Hand das Os hyoideum nach kranial und mit der kaudalen (linken) Hand die Cartilago thyroidea nach kaudal, um die Spannung zu prüfen.

  • Phase 4: In dieser Position ist es sinnvoll, den Gewebe- oder Atemrhythmus der Patientin aufzunehmen, um die Traktionen während der Anschwellphase behutsam zu verstärken und während der Abschwellphase wieder nachzulassen.

    • Durch diese rhythmisch pumpende, nicht-aggressive Behandlung kann zusätzlich auch der Lymphfluss unterstützt werden. Das kann bei funktionellen Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenproblemen besonders hilfreich sein.

Untersuchung und Behandlung des M. omohyoideus

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, und der Therapeut sitzt lateral (rechts) neben der Patientin in Kopfhöhe.
Ausführung:
  • Phase 1: Der Therapeut umgreift mit der kranialen (linken) Hand den Kopf der Patientin. Mit der kaudalen (rechten) Hand fixiert er insbesondere die Spina scapulae einer Schulter der Patientin nach kaudal.

    • Während der Ausatmung führt er den Kopf der Patientin behutsam in eine Lateralflexion zur heterolateralen (linken) Seite und fixiert gleichzeitig weiterhin die Schulter mit der kaudalen (rechten) Hand nach kaudal.

    • Der Therapeut umgreift dann mit der kranialen (linken) Hand sanft das Os hyoideum der Patientin und verschiebt es behutsam zur heterolateralen (linken) Seite, um den (rechten) M. omohyoideus intensiv zu Dehnen:M. omohyoideusdehnen und die Spannung zu testen (Abb. 15.26).

  • Phase 2: Wenn diese Behandlung gut vertragen wird, ist es sinnvoll, den Kopf der Patientin in eine Seitneigung und leichte Rotation zur heterolateralen (linken) Seite zu positionieren. Die Patientin soll mit der heterolateralen (linken) Hand den Kopf in der Stellung fixieren und ihren homolateralen Arm über den Rand der Liege herabhängen lassen.

    • Der Therapeut stellt sich jetzt (rechts) neben die Patientin und dehnt zusätzlich den Processus falciformis der Lamina pretrachealis fasciae cervicalis. Dazu lässt er die Fingerspitzen einer (rechten) Hand etwas kraniolateral des homolateralen (rechten) Sternoklavikulargelenks in die Tiefe eindringen und die Klavikula nach ventrokaudal führen.

    • Mit der anderen (linken) Hand fixiert er die Spina scapulae nach dorsokaudal (Abb. 15.27).

  • In dieser Position ist es sinnvoll, den Gewebe- oder Atemrhythmus der Patientin aufzunehmen, um die Traktionen während der Anschwellphase behutsam zu verstärken und während der Abschwellphase wieder nachzulassen. Durch diese rhythmisch pumpende Behandlung kann zusätzlich auch der Lymphfluss unterstützt werden.

Übersicht über die suprahyale Muskulatur

Eine detaillierte anatomische Beschreibung mit Abbildungen der suprahyalen Muskulatur finden Sie in Kapitel 10.3.2.
Die suprahyalen suprahyale MuskelnMuskeln bestehen aus dem M. digastricus, M. geniohyoideus, M. stylohyoideus und M. mylohoideus. Die Muskeln beider Seiten bilden gemeinsam das Diaphragma:orisDiaphragma oris (Mundboden:(Diaphragma orisMundboden), das die Organe der Mundhöhle (Glandula sublingualis und Zunge) trägt.

Untersuchung und Behandlung des M. digastricus, M. geniohyoideus und M. stylohyoideus

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung:
  • Phase 1 (Abb. 15.28): Der Therapeut setzt den Zeigefinger der kaudalen (linken) Hand behutsam in Höhe der Fossa digastrica (rechts) der Mandibula auf und legt den Mittelfinger der kaudalen (linken) Hand auf das Os hyoideum (rechte Seite) der Patientin.

    • Die Fingerspitzen der kranialen (rechten) Hand dringen median vom (rechten) Processus mastoideus sacht ins Gewebe ein und fixieren das (rechte) Os temporale der Patientin.

    • Dann führt er den Kopf und die HWS der Patientin sehr behutsam in eine Extension, heterolaterale (linke) Seitneigung und heterolaterale (linke) Rotation, bis er unter den Fingern seiner beiden Hände die Spannung spürt.

  • Phase 2 (Abb. 15.28): Anschließend versucht er vorsichtig, die Mandibula, das Os hyoideum und den Processus mastoideus voneinander zu entfernen, um die Spannung zu beurteilen und zu dehnen. Der Therapeut dehnt und entspannt das Gewebe im Geweberhythmus.

Untersuchung und Behandlung des M. mylohyoideus

Der M. mylohyoideus erfüllt meiner Meinung nach die Funktion eines Diaphragmas und übt als Diaphragma oris eine wichtige ausgleichende Tensegrity-Funktion für die zentrale MFK aus!
Dehnung des M. mylohyoideus
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und ihr Kopf hängt über den Rand der Liege. Der Therapeut sitzt am Kopfende und stützt den Kopf der Patientin auf seinen Oberschenkeln ab.
Ausführung: Der Therapeut setzt die Fingerspitzen beider Hände bilateral auf einer Linie von der Spina mentalis bis zum dritten Molaren an der Innenseite der Mandibula auf (Abb. 15.29).
  • Er dringt zuerst behutsam bilateral in die Tiefe ein und gibt dem Gewebe sowie den Glandulae submandibulares und sublinguales ausreichend Zeit und die Möglichkeit, zur Seite hin auszuweichen. Dann beurteilt er die Spannung.

  • Unter Beibehaltung dieser Fingerpositionen führt er den Kopf und die HWS der Patientin mit seinen Oberschenkeln langsam in eine Extension. Dabei Dehnen:M. mylohyoideusdehnt er den M. mylohyoideus. Um Spannungen zu lösen, kann er zusätzlich sehr sacht die Finger in verschiedene Richtungen verschieben.

  • Es kann zudem sinnvoll sein, diese Behandlung an verschiedenen Stellen über die ganze Linie von der Spina mentalis bis zum dritten Molaren zu wiederholen.

Kraniokaudale Verschiebung des M. mylohyoideus
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage (und lässt eventuell ihren Kopf über den Rand der Liege hängen). Der Therapeut sitzt am Kopfende (und stützt eventuell den Kopf der Patientin auf seiner kranialen (rechten) Hand ab).
Ausführung: Der Therapeut legt auf einer Seite den Daumen der kaudalen (linken) Hand intraoral unter die Zunge (kranial auf den Mundboden) und setzt von kaudal (extraoral) die Fingerspitzen der kaudalen (linken) Hand auf den Mundboden der Patientin (Abb. 15.30).
Er verschiebt den Mundboden:Verschiebung, kraniokaudaleMundboden nun behutsam in kraniokaudaler Richtung und bearbeitet das Gewebe von der Spina mentalis bis zum dritten Molaren an der Innenseite der Mandibula. Danach wird die andere Seite untersucht und behandelt.
Ausstreichen des M. mylohyoideus
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung: Der Therapeut stellt die HWS der Patientin in einer leichten Extension ein. Dann setzt er die Fingerspitzen beider Hände bilateral auf die Raphe mylohyoidea, von der Spina mentalis bis zum Vorderrand des Os hyoideum auf (Abb. 15.31).
Er dringt nun behutsam bilateral in die Tiefe ein und gibt dem Gewebe sowie den Glandulae submandibulares und sublinguales ausreichend Zeit, sich anzupassen. Daraufhin wird das Gewebe sehr behutsam und langsam beidseitig nach lateral bis zur Innenseite des Corpus mandibulae Ausstreichen:M. mylohyoideusausgestrichen. Das Ganze wird ein paar Mal wiederholt, bis Entspannung wahrnehmbar ist.
Spreizen und Pumpen im Bereich der Mandibula
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung: Der Therapeut stellt die HWS der Patientin in einer leichten Extension ein. Dann setzt er die Fingerspitzen beider Hände bilateral auf die Innenseite des Corpus mandibulae (Abb. 15.32).
  • Während der Anschwellbewegung des Geweberhythmus spreizt er die Mandibula nach lateral (in Außenrotation).

  • Während der Abschwellbewegung des Geweberhythmus begleitet er die Mandibula wieder zur Ausgangsposition zurück (in Innenrotation).

Bei dieser Technik wird die Spreizbewegung:MandibulaSpreizbewegung der Mandibula:SpreizbewegungMandibula verstärkt.

Übersicht über die Zungenmuskulatur

Eine detaillierte anatomische Beschreibung mit Abbildungen der Zungenmuskulatur finden Sie in Kapitel 10.3.3.
  • Die Außenmuskeln der Zunge bestehen aus: M. genioglossus, M. hyoglossus, M. styloglossus und M. palatoglossus.

  • Die Binnenmuskeln der Zunge bestehen aus: M. longitudinalis superior linguae, M. longitudinalis inferior linguae, M. transversus linguae und M. verticalis linguae.

Untersuchung und Behandlung der Zungenmuskulatur

M. genioglossus
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt in Kopfhöhe neben der Patientin.
Ausführung: Der Therapeut legt den Mittel- und Zeigefinger (oder nur den Kleinfinger) seiner (linken) Hand intraoral unter die Zunge der Patientin, schiebt die Zungenwurzel behutsam nach dorsokranial und erhält diese Position aufrecht.
Die Finger der anderen (rechten) Hand setzt er von außen unter der Mandibula auf den Mundboden und legt den Daumen entweder intraoral auf die Unterkieferzähne oder extraoral auf die Vorderseite der Mandibula (Abb. 15.33). Dann zieht er die Mandibula langsam und sacht nach ventral, während er gleichzeitig die Radix linguae nach dorsal fixiert. Der M. genioglossus wird dadurch gedehnt, und man kann die Spannung beurteilen. Er dehnt und entspannt den Dehnen:M. genioglossusM. genioglossus im Geweberhythmus.
M. hyoglossus
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt in Kopfhöhe (links) neben der Patientin.
Ausführung: Der Therapeut legt den Zeige- und Mittelfinger der kranialen (rechten) Hand intraoral unter die Zunge der Patientin und bittet sie, die Zunge leicht herauszustrecken. Dabei darf das Frenulum linguae nicht gedrückt werden. Mit den Fingern der kaudalen (linken) Hand umgreift er bilateral von außen das Os hyoideum (Abb. 15.34).
Der Therapeut führt die Zungenwurzel jetzt langsam und sacht nach kranial und das Os hyoideum gleichzeitig behutsam nach kaudal. Der Dehnen:M. hyoglossusM. hyoglossus wird dadurch gedehnt, und man kann die Spannung beurteilen. Er dehnt und entspannt den M. hyoglossus im Geweberhythmus.
M. styloglossus
Hier sind Untersuchung und Behandlung am Beispiel des rechten M. styloglossus dargestellt.
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage. Der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung:
  • Der Therapeut umgreift mit einer (der linken) Hand die Zunge der Patientin und achtet besonders darauf, nicht auf das Frenulum linguae zu drücken. Mit der anderen (rechten) Hand hält er das Os temporale mit der 5-Finger-Fünf-Finger-TechnikTechnik: Der Mittelfinger steckt im äußeren Gehörgang, Daumen und Zeigefinger umfassen den Processus zygomaticus des Os temporale, Ring- und Kleinfinger liegen auf dem Processus mastoideus des Os temporale (Abb. 15.35).

  • Während er mit der einen (linken) Hand die Zunge behutsam nach ventral zieht, führt er mit der anderen (rechten) Hand das homolaterale (rechte) Os temporale in eine Außenrotation. So kann die Spannung getestet und das Gewebe anschließend gedehnt und behandelt werden.

Wenn die Patientin es ertragen kann, ist es sinnvoll, in dieser Position ihren Gewebe- oder Atemrhythmus aufzunehmen, um die Traktion während der Abschwellphase (Extensionsphase oder Ausatmung) behutsam zu verstärken und während der Anschwellphase (Flexionsphase oder Einatmung) wieder nachzulassen. Durch diese rhythmisch pumpende Behandlung kann zusätzlich auch der Lymphfluss unterstützt werden.
M. palatoglossus
Hier sind Untersuchung und Behandlung am Beispiel des rechten M. palatoglossus dargestellt.
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung:
  • Die Patientin wird gebeten, die Zunge herauszustrecken. Der Therapeut fasst die Zunge mit seiner (linken) Hand und fixiert sie behutsam nach ventrokaudal. Den Kleinfinger der anderen (rechten) Hand legt er intraoral auf den Zungenrücken und lässt ihn dann nach dorsolateral zum Arcus palatoglossus gleiten.

  • Der Therapeut streicht die Schleimhaut des Arcus palatoglossus behutsam in kraniokaudaler Richtung aus (Abb. 15.36 und Abb. 15.37).

Wenn die Patientin es zulässt, kann zusätzlich der Arcus palatoglossus nach lateral geschoben und gedehnt werden, um die Spannung des Gewebes (M. palatoglossus) zu untersuchen und zu behandeln.
Es ist wiederum sinnvoll, in dieser Position den Gewebe- oder Atemrhythmus der Patientin aufzunehmen, wenn es für sie erträglich ist, um während der Abschwellphase (Extensionsphase oder Ausatmung) die Traktion behutsam zu verstärken und während der Anschwellphase (Flexionsphase oder Einatmung) wieder nachzulassen. Durch diese rhythmisch pumpende Behandlung kann zusätzlich auch der Lymphfluss unterstützt werden.
Untersuchung und Behandlung der Binnenmuskeln der Zunge
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung: Der Therapeut umgreift mit Fingern und Daumen bilateral die Zunge von oben und unten. Er Ausstreichen:Zungenfasernstreicht die Muskelfasern der Zunge von median nach lateral und von dorsal nach ventral sanft und behutsam aus (Abb. 15.38). Danach verschiebt er die Fasern auch in kraniokaudaler Richtung gegeneinander und bearbeitet so alle Bereiche der Zunge.

Die zentrale Myofaszialkette

Übersicht über die Muskeln und myofaszialen Ketten

Allgemein haben wir im Folgenden unterschieden zwischen:
  • Pharynxmuskeln mit Schlundhebern und Schlundschnürern

  • Larynxmuskeln mit inneren und äußeren Kehlkopfmuskeln

  • Myofaszialkette:zentraleMyofaszialkette des M. longus capitis und der Mm. scaleni mit Lungen, Zwerchfell und subdiaphragmalen Organen.

Pharynxmuskeln
Eine detaillierte anatomische Beschreibung mit Abbildungen der Pharynxmuskulatur finden Sie in Kapitel 10.3.1.
Die Pharynxmuskeln:SchlundschnürerPharynxmuskeln:SchlundheberPharynxmuskeln bestehen aus Schlundhebern und Schlundschnürern. Es gibt jeweils 3 Paar Schlundschnürer (Mm. constrictores pharyngis superior, medius und inferior) und 3 Paar Schlundheber (M. palatopharyngeus, M. salpingopharyngeus und M. stylopharyngeus).
Darüber hinaus sind auf jeder Seite des weichen GaumenmuskelnGaumens noch fünf Muskeln am Aufbau und an der Beweglichkeit des weichen Gaumens, des Gaumensegels (Velum palatinum) und des Zäpfchens (Uvula) beteiligt: M. tensor veli palatini, M. levator veli palatini, M. uvulae, M. palatoglossus und M. palatopharyngeus.
Funktion: Die Pharynxmuskeln:FunktionPharynxmuskeln sind vor allem am Schlucken und Würgen beteiligt und sorgen damit auch für eine Drainage des Mittelohrs. Außerdem wirken sie beim Anheben des Pharynx und sogar des Kehlkopfs und des Os hyoideum mit.
Kehlkopfmuskeln
Eine detaillierte anatomische Beschreibung mit Abbildungen der Kehlkopfmuskulatur finden Sie in Kapitel 10.3.2.
  • Die äußeren Kehlkopfmuskeln:äußereKehlkopfmuskeln bestehen aus infrahyalen und suprahyalen Halsmuskeln und dem M. cricothyroideus.

  • Die inneren Kehlkopfmuskeln:innereKehlkopfmuskeln bestehen aus Muskeln, die sich zwischen den Knorpelteilen des Larynx ausspannen. Dabei handelt es sich um: M. cricoarytenoideus posterior, M. cricoarytenoideus lateralis, M. vocalis, M. thyroarytenoideus, M. thyroepiglotticus, M. arytenoideus obliquus, M. arytenoideus transversus und M. aryepiglotticus.

Myofaszialkette des M. longus capitis
Der M. longus capitis bildet mit den Mm. scaleni, der ersten und zweiten Rippe, der Pleura parietalis, den Ligg. phrenicopulmonalia, mit dem Zwerchfell und den subdiaphragmalen Organen (mit Aufhängung am Zwerchfell) eine Myofaszialkette:zentrale\t\"Siehe zentrale MFKMyofaszialkette:des M. longus capitisMyofaszialkette.

Untersuchung und Behandlung

Globale Untersuchung und Behandlung der zentralen MFK
Sowohl bei der Gewebeatmung als auch bei der diaphragmalen Atmung wird die zentrale zentrale MFK:lymphatisches Gewebe\t\"SieheMFK während der Anschwellphase (Flexion)Anschwellphase (Flexion):zentrale MFK bzw. Einatmung relativ gedehnt (verlängert) und während der Abschwellphase (Extension) bzw. Ausatmung relativ verkürzt.
Es verwundert dann auch nicht, dass in die kraniale Aufhängung der zentralen MFK viel lymphatisches Gewebe (Waldeyer-Rachenring) eingelagert ist. Die rhythmischen Atembewegungen können den Lymphfluss und die Immunabwehr erheblich unterstützen!
Untersuchung des kranialen Anteils der zentralen MFK mit der Atmung
zentrale MFK:kranialer TeilAusgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt (links) neben der Patientin in Kopfhöhe.
Ausführung:
  • Phase 1: Mit der kranialen (rechten) Hand stabilisiert der Therapeut den Kopf der Patientin in Höhe des Okziputs. Mit der kaudalen (linken) Hand umgreift er die Mandibula der Patientin (Abb. 15.39).

    • Während der Anschwellphase (Flexion oder diaphragmale Einatmung) übt er eine vorsichtige Traktion ventralwärts an der Mandibula aus und führt gleichzeitig das Okziput in eine kraniosakrale Flexionsbewegung (Pars basilaris ossis occipitalis kranialwärts und Squama occipitalis kaudalwärts).

    • Während der Abschwellphase (Extension oder diaphragmale Ausatmung) lässt er das Gewebe in seine Ausgangsposition zurückkehren.

  • Phase 2: Mit der kranialen (rechten) Hand stabilisiert der Therapeut den Kopf der Patientin in Höhe des Okziputs. Mit der kaudalen (linken) Hand umgreift er intraoral die Zunge der Patientin (Abb. 15.40). Dabei ist besonders darauf zu achten, das Frenulum linguae nicht zu quet-schen.

    • Während der Anschwellphase (Flexion oder diaphragmale Einatmung) übt der Therapeut eine vorsichtige Traktion ventralwärts an der Zunge aus und führt gleichzeitig das Okziput in eine kraniosakrale Flexionsbewegung (Pars basilaris occipitalis kranialwärts und Squama occipitalis kaudalwärts).

    • Während der Abschwellphase (Extension oder diaphragmale Ausatmung) lässt er das Gewebe in seine Ausgangsposition zurückkehren.

  • Phase 3: Mit der kranialen (rechten) Hand stabilisiert der Therapeut den Kopf der Patientin in Höhe des Okziputs. Mit der kaudalen (linken) Hand umgreift er bilateral das Os sphenoidale der Patientin in Höhe der Alae majores (Abb. 15.41).

    • Während der Anschwellphase (Flexion oder diaphragmale Einatmung) führt er das Okziput und das Os sphenoidale gleichzeitig in eine Flexionsbewegung (Pars basilaris ossis occipitalis kranialwärts, Squama occipitalis kaudalwärts und Alae majores ossis sphenoidalis ventrokaudalwärts).

    • Während der Abschwellphase (Extension oder diaphragmale Ausatmung) lässt er das Os sphenoidale und das Okziput in einer Extensionsbewegung wieder zurückkehren.

  • Phase 4: Der Therapeut hält die Ossa temporalia bilateral mit der 5-Finger-Fünf-Finger-TechnikTechnik. Dabei steckt er jeweils den Mittelfinger in den äußeren Gehörgang, während Daumen und Zeigefinger den Processus zygomaticus des Os temporale und Ring- und Kleinfinger den Processus mastoideus des Os temporale umgreifen (Abb. 15.42).

    • Während der Anschwellphase (Flexion oder diaphragmale Einatmung) führt der Therapeut die beiden Ossa temporalia gleichzeitig in eine Außenrotationsbewegung (die Pars squamosa ossis temporalis nach lateroventral und den Processus mastoideus nach median-dorsal) synchron zum Geweberhythmus.

    • Während der Abschwellphase (Extension oder diaphragmale Ausatmung) lässt er die Ossa temporalia in einer Innenrotation wieder zurückkehren.

Rhythmuskopplung:ideale Hypertonie:zentrale MFK Geweberhythmus:Qualität

Hinweise für die Praxis

Der Therapeut bewertet in den verschiedenen Phasen sowohl die Dehnbarkeit des Gewebes als auch die Qualität des Geweberhythmus. Es ist sinnvoll, den Gewebe- oder Atemrhythmus des Patienten aufzunehmen und mit dieser Technik zu verstärken. Die (kraniosakrale) Anschwellbewegung wird am besten auf die diaphragmale Einatmung abgestimmt, während die (kraniosakrale) Abschwellbewegung wunderbar mit der diaphragmalen Ausatmung gekoppelt werden kann.

Erschrecken Sie aber nicht, wenn vor allem bei starken Hypertonien der zentralen MFK genau die umgekehrte Kopplung – kraniosakrale Anschwellbewegung (Flexion) und diaphragmale Ausatmung bzw. kraniosakrale Abschwellbewegung (Extension) und diaphragmale Einatmung spürbar ist.

In dem Fall sollten Sie diese Rhythmuskopplung des Gewebes zunächst unbedingt respektieren! Erst nachdem sich eine ausreichende Entspannung eingestellt hat, wird das Gewebe eventuell die optimale Kopplung der Rhythmen (Anschwellung mit Einatmung und Abschwellung mit Ausatmung) akzeptieren.

Die Patienten können sogar aufgefordert werden, intensiver aus- und einzuatmen. So entsteht eine rhythmisch pumpende Behandlungstechnik, die zusätzlich den Lymphfluss unterstützt.

Untersuchung der kompletten zentralen MFK mit der Atmung
Lymphfluss:rhythmische PumptechnikAnschwellung:mit EinatmungAbschwellung:mit AusatmungAusgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt (etwas links) in Kopfhöhe neben der Patientin.
Ausführung: Mit der kranialen (rechten) Hand stabilisiert der Therapeut den Kopf der Patientin in Höhe des Okziputs. Mit der kaudalen (linken) Hand umgreift er die subdiaphragmalen Organe (Abb. 15.43).
  • Während der Anschwellphase (Flexion oder diaphragmale Einatmung) begleitet er die subdiaphragmalen Organen kaudalwärts und führt gleichzeitig das Okziput in eine kraniosakrale Flexionsbewegung (Pars basilaris ossis occipitalis kranialwärts und Squama occipitalis kaudalwärts).

  • Während der Abschwellphase (Extension oder diaphragmale Ausatmung) lässt er das Gewebe in seine Ausgangsposition zurückkehren.

Die zentrale MFK:GewebespannungGewebespannung und Gewebespannung:zentrale MFKBeweglichkeit werden untersucht und bei Bedarf abgebaut (Spannung) bzw. intensiviert (Beweglichkeit).
  • Wenn das Schädelgewebe der Patientin darauf entspannt reagiert und mitmacht, liegt vermutlich keine Hypertonie der Hypertonie:zentrale MFKzentralen MFK vor,zentrale MFK:Hypertonie weil sie sich dehnen (verlängern) lässt (Abb. 10.26).

  • Kann der Schädel während der (Zwerchfell-)Einatmung keine kraniosakrale Flexion ausführen, sondern verstärkt sich sogar noch die kraniosakrale Extension, liegt eher eine Hypertonie der zentralen Sehne vor.

Folgen Sie bei der Behandlung, wie oben bereits erwähnt, zuerst der Rhythmuskopplung, dieRhythmuskopplung:spontane das Gewebe spontan vorgibt, ohne ihm direkt ein andere Kopplung aufzuzwingen!
Fordern Sie die Patientin dazu auf, intensiver aus- und einzuatmen. Dadurch entsteht eine rhythmisch pumpende Behandlung, die zusätzlich auch den Lymphfluss unterstützt.
Untersuchung und Behandlung der Kette des M. orbicularis oris (mit M. buccinator und M. constrictor pharyngis superior)
Hier am Beispiel der rechten Seite dargestellt.
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt lateral (links) in Kopfhöhe neben ihr.
Ausführung:
  • Mit der kranialen (rechten) Hand umgreift der Therapeut den Kopf der Patientin und führt eine leichte kraniale Traktion und Extension der HWS aus. Diese Position wird beibehalten.

  • Mit der kaudalen (linken) Hand umgreift er eine Wange so nah wie möglich an der Raphe pterygomandibularis. Dabei liegen die Finger extraoral auf der Wange und der Daumen intraoral lateral des Processus pterygoideus ossis sphenoidalis (Abb. 15.44).

  • Der Therapeut übt eine sanfte, fortlaufend intensivierte, ventralwärts gerichtete Traktion auf Traktion:Kette des M. orbicularis orisdie Wange und die Kette des M. orbicularis oris (+ M. buccinator + M. constrictor pharyngis superior) aus, um die Mobilität und Empfindlichkeit dieser Kette zu testen.

  • Bei der Behandlung wird die ventralwärts gerichtete Traktion mit der kaudalen Hand behutsam aufrechterhalten, während die HWS mit der kranialen Hand noch weiter in eine Extension und kranialwärts gerichtete Traktion geführt wird.

Es ist sinnvoll, in dieser Position den Gewebe- oder Atemrhythmus der Patientin aufzunehmen, um die Traktion während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) behutsam zu verstärken und während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) wieder nachzulassen. Durch diese rhythmisch pumpende Behandlung kann zusätzlich auch der Lymphfluss unterstützt werden.
Untersuchung und Behandlung der Kette der Mm. constrictores pharyngis medii und inferiores
Hier am Beispiel der rechten Seite dargestellt.
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt lateral (rechts) in Kopfhöhe neben der Patientin.
Ausführung:
  • Mit der kranialen (rechten) Hand umgreift der Therapeut den Kopf der Patientin und führt eine leichte kraniale Traktion an der HWS aus. Diese Position wird beibehalten.

  • Mit der kaudalen (rechten) Hand fasst er sehr behutsam das Os hyoideum (Abb. 15.45) bzw. die Cartilago thyroidea.

  • Mit einer sanften und progressiv intensivierten, ventrokaudalwärts gerichteten Traktion auf Traktion:Kette der Mm. constrictores pharyngis medii/inferioresdas Os hyoideum bzw. auf die Cartilago thyroidea und auf die Kette der Myofaszialkette:der Mm. constrictores pharyngisMm. constrictores pharyngis medii bzw. inferiores untersucht er die Mobilität und Empfindlichkeit dieser Kette.

  • Bei der Behandlung wird die ventralwärts gerichtete Traktion mit der kaudalen Hand behutsam aufrechterhalten, während die HWS mit der kranialen Hand noch weiter in eine kranialwärts gerichtete Traktion geführt wird.

Es ist sinnvoll, in dieser Position den Gewebe- oder Atemrhythmus der Patientin aufzunehmen, um während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) die Traktion behutsam zu verstärken und während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) wieder nachzulassen. Durch diese rhythmisch pumpende Behandlung kann zusätzlich der Lymphfluss unterstützt werden.
Untersuchung und Behandlung des M. stylopharyngeus
Hier am Beispiel der rechten Seite dargestellt.
Diese Technik funktioniert nur, wenn die Berührung der Pharynxschleimhaut keinen Brechreiz Brechreizauslöst.
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt heterolateral (links) in Kopfhöhe neben der Patientin.
Ausführung:
  • Mit der kranialen (rechten) Hand hält der Therapeut das homolaterale Os temporale der Patientin mit der 5-Finger-Technik. Fünf-Finger-TechnikDabei steckt der Mittelfinger im äußeren Gehörgang, während Daumen und Zeigefinger den Processus zygomaticus des Os temporale und Ring- und Kleinfinger den Processus mastoideus des Os temporale umgreifen (Abb. 15.46).

  • Mit dem Zeige- oder Kleinfinger der kaudalen (linken) Hand wird intraoral behutsam die Schleimhaut des Pharynx dorsolateralwärts abgetastet, bis er den Arcus palatoglossus berührt (Abb. 15.37).

  • Mit der kranialen Hand wird das Os temporale in eine Außenrotation geführt und dort fixiert, während der Therapeut mit dem Zeigefinger der kaudalen Hand den Arcus palatoglossus sehr sacht nach lateral und kaudal dehnt, um die Mobilität und Empfindlichkeit dieser Kette zu untersuchen.

  • Bei der Behandlung wird die Traktion kaudalwärts mit der kaudalen Hand behutsam gesteigert, während die kraniale Hand das Os temporale in Außenrotation hält.

Es ist sinnvoll, in dieser Position den Gewebe- oder Atemrhythmus der Patientin aufzunehmen, um die Traktion während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) behutsam zu verstärken und während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) wieder nachzulassen. Durch diese rhythmisch pumpende Behandlung kann zusätzlich der Lymphfluss unterstützt werden.
Untersuchung und Behandlung des M. palatopharyngeus, des M. salpingopharyngeus und des Lig. sphenomandibulare
Hier am Beispiel der rechten Seite dargestellt.
Diese Technik funktioniert nur, wenn die Berührung der Pharynxschleimhaut keinen Brechreiz Brechreizauslöst.
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt heterolateral (links) in Kopfhöhe neben ihr.
Ausführung:
  • Mit dem Kleinfinger der einen (linken) Hand tastet der Therapeut intraoral behutsam die Zunge und Schleimhaut des Pharynx dorsalwärts ab, bis er den Arcus palatoglossus berührt.

  • Mit einem Holzspatel drückt er den Rücken der Zunge sanft nach kaudal, während der Kleinfinger der anderen (rechten) Hand den Arcus palatoglossus nach kraniolateral schiebt (Abb. 15.47), um die Mobilität und Empfindlichkeit dieser Kette zu untersuchen.

  • Bei der Behandlung wird die Dehnung des M. Dehnen:M. salpingopharyngeusDehnen:M. palatopharyngeuspalatopharyngeus und des M. salpingopharyngeus behutsam noch weiter ausgebaut.

Es ist sinnvoll, in dieser Position den Gewebe- oder Atemrhythmus der Patientin aufzunehmen, um die Traktion während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) behutsam zu verstärken und während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) wieder nachzulassen. Durch diese rhythmisch pumpende Behandlung kann zusätzlich der Lymphfluss unterstützt werden.
Untersuchung und Behandlung des M. salpingopharyngeus
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt neben ihr.
Ausführung:
  • Phase 1: Mit einer (rechten) Hand fasst der Therapeut das homolaterale (rechte) Ohr der Patientin und mit der anderen (linken) Hand umgreift er behutsam ihren Hals von ventral. Während er mit der einen Hand einen Ear-Pull (Ohrzug) nachEar-Pull (Ohrzug) laterokranial ausübt, führt er mit der anderen Hand die Halsstrukturen nach kaudolateral (links) (Abb. 15.48).

  • Phase 2: Mit der einen (rechten) Hand wird das homolaterale (rechte) Ohr der Patientin gehalten und mit dem Kleinfinger der anderen (linken) Hand gleichzeitig der heterolaterale (linke) Arcus palatoglossus nach (links-)lateral geführt (Abb. 15.49).

Auf diese Weise lässt sich die Mobilität und Empfindlichkeit der Gewebe testen.
Untersuchung und Behandlung der MFK des M. longus capitis
MFK des M. longus capitis und der Mm. scaleni
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt am Kopfende. Das Kopfteil der Liege ist abgesenkt.
Ausführung:
  • Mit der kranialen (linken) Hand stabilisiert der Therapeut den Kopf der Patientin in Höhe des Os occipitale. Mit der kaudalen (rechten) Hand umgreift er die homolaterale (rechte) Schulter der Patientin und fixiert diese nach kaudal (Abb. 15.50).

  • Mit der oberen (linken) Hand übt er eine Traktion kranialwärts aus, um die komplette BWS und HWS zu strecken, und führt dann den Kopf und die HWS in einem Shift nach posterior in eine heterolaterale (linke) Seitneigung.

  • Mit dem Zeige- und Mittelfinger der kaudalen (rechten) Hand können die Ansätze der homolateralen (rechten) Mm. scaleni an der ersten und zweiten Rippe sanft von Spannungen gelöst werden.

  • Während der diaphragmalen Einatmung führt der Therapeut unter Beibehaltung der Schulterfixation nach kaudal das Os occipitale (ohne die HWS!) gleichzeitig in eine kraniosakrale Flexionsbewegung (Pars basilaris ossis occipitalis kranialwärts und Squama occipitalis kaudalwärts). Auf diese Weise können die entstehende Spannung und die Beweglichkeit des Os occipitale und der Myofaszialkette des Myofaszialkette:des M. longus capitisMyofaszialkette:der Mm. scaleniM. longus capitis und der Mm. scaleni getestet werden.

Es ist sinnvoll, in dieser Position den Gewebe- oder Atemrhythmus der Patientin aufzunehmen, um die Traktion während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) behutsam zu verstärken und während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) wieder nachzulassen. Durch diese rhythmisch pumpende Behandlung kann zusätzlich der Lymphfluss unterstützt werden.
MFK des M. longus capitis und des M. longus colli
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt (links) am Kopfende. Das Kopfteil der Liege ist abgesenkt.
Ausführung:
  • Mit der einen (rechten) Hand stabilisiert der Therapeut den Kopf der Patientin in Höhe des Os occipitale. Er übt eine Traktion kranialwärts aus, um die komplette BWS und HWS zu strecken, und führt den Kopf und die HWS dann in einem Shift nach posterior (Abb. 15.51). Die Traktion kann eventuell rhythmisch abwechselnd intensiviert bzw. gelockert werden.

  • Mit den Fingern der anderen Hand werden die Muskelfasern und Ansätze des M. Musculus(-i):longus colliMusculus(-i):longus capitislongus colli und des M. longus capitis auf der ventralen Fläche der Wirbelkörper von lateral abgetastet, während Trachea und Ösophagus behutsam nach heterolateral weggeschoben werden.

Das myofasziale Gewebe wird vorsichtig in kraniokaudaler und laterolateraler Richtung mobilisiert, um Spannungen zu lösen. Häufig sind hier Triggerpunkte und TriggerpunkteMyogelosen Myogelosentastbar.
Untersuchung und Behandlung des M. salpingopharyngeus, der Mm. tensor und levator veli palatini sowie der Tuba auditiva
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt (links) am Kopfende.
Ausführung:
  • Mit der einen (rechten) Hand stabilisiert der Therapeut den Kopf der Patientin und übt zunächst eine Traktion kranialwärts aus, um die komplette BWS und HWS zu strecken. Dann legt er den Daumenballen auf den Processus mastoideus der Patientin (Abb. 15.52). Mit der anderen (linken) Hand umgreift er das Abdominalpaket derAbdominalpaket Patientin direkt unter dem Rippenbogen.

  • Während einer diaphragmalen Einatmung schiebt der Therapeut das Abdominalpaket mit der Hand nach kaudal und fordert die Patientin auf, den Bauch vorzuwölben. Gleichzeitig drückt er den Processus mastoideus, eventuell mit einer kraniosakralen Flexionsbewegung gekoppelt, nach median-dorsal. Auf die Weise lässt sich die entstehende Spannung und Beweglichkeit der zentralen Sehne mit dem M. Musculus(-i):salpingopharyngeussalpingopharyngeus testen.

Es ist sinnvoll, in dieser Position den Gewebe- oder Atemrhythmus der Patientin aufzunehmen, um die Traktion während der Anschwellphase (Flexion kraniosakral) behutsam zu verstärken und während der Abschwellphase (Extension kraniosakral) wieder nachzulassen. Durch diese rhythmisch pumpende Behandlung kann zusätzlich der Lymphfluss unterstützt werden.
Während der Anschwellphase (Flexionsphase) kann die Patientin zusätzlich aufgefordert werden, beim Vorwölben des Bauches gleichzeitig zu schlucken.

Myofasziale Strukturen im Bereich des Processus mastoideus

Übersicht über die myofaszialen Strukturen mit Ansatz am Processus mastoideus

  • M. sternocleidomastoideus (Abb. 15.53):

    • Ursprung: am Processus mastoideus und der Linea nuchalis superior

    • Ansatz: mit dem Caput sternale am Manubrium sterni und mit dem Caput claviculare am medialen Klavikuladrittel

  • M. longissimus capitis (Abb. 15.53):

    • Ursprung: an den Processus transversi von Th1–Th3 und an den Processus transversi und articulares von C4–C7

    • Ansatz: am Processus mastoideus

  • M. splenius capitis (Abb. 15.53):

    • Ursprung: an den Processus spinosi von C3–Th3

    • Ansatz: am Processus mastoideus und lateralen Teil der Linea nuchalis

  • M. digastricus (Kap. 10.3.2)

Untersuchung und Behandlung des M. sternocleidomastoideus

Untersuchung
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung: Der Therapeut führt mit einer (linken) Hand den Kopf der Patientin in eine leichte zervikale Flexion (Nickbewegung), heterolaterale (linke) Seitneigung und homolaterale (rechte) Rotation. So kann er die Beweglichkeit testen und den rechten M. sternocleidomastoideus auf Spannungen abtasten.
Behandlung
Ausgangsposition: Zur Behandlung fixiert der Therapeut den Kopf der Patientin in einer zervikalen Flexion, heterolateralen (linken) Seitneigung und homolateralen (rechten) Rotation.
Ausführung:
  • Dehnung und Dehnen:M. sternocleidomastoideusAusstreichen:M. sternocleidomastoideusAusstreichen (Abb. 15.54): Mit den Fingern der anderen (rechten) Hand streicht er die Muskelfasern vom Processus mastoideus bis zum Sternum und zur Klavikula aus und umgekehrt. Er achtet besonders darauf, den Druck nur auf das Muskelgewebe zu richten und die Schilddrüse bzw. die Ohrspeicheldrüse auszusparen.

  • Lösen von Verklebungen (Abb. 15.55):

    • Der Therapeut umgreift mit einer (linken) Hand den Kopf der Patientin und fasst mit Daumen und Fingern der anderen (rechten) Hand den M. sternocleidomastoideus.

    • Während er mit der einen Hand den Kopf der Patientin in eine Rotation bzw. Seitneigung führt, zieht er mit der anderen Hand den M. sternocleidomastoideus in der Gegenrichtung weg.

    • Das wird mehrmals im gesamten Verlauf des M. sternocleidomastoideus wiederholt, bis sich die Verklebungen gelöst haben.

    • Danach wird der Muskel in neutraler Kopfposition abgehoben und in kraniokaudaler Richtung verschoben.

Achten Sie darauf, alle Bereiche des Muskels von oben bis unten zu bearbeiten.

Untersuchung und Behandlung des M. erector spinae (Ansatz am Processus mastoideus)

Untersuchung
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt, der Therapeut steht hinter ihr.
Ausführung: Der Therapeut führt mit einer Hand den Kopf der Patientin in eine leichte zervikale Flexion, heterolaterale (linke) Seitneigung und heterolaterale (linke) Rotation. Auf die Weise kann er die Beweglichkeit testen und dabei die Spannung des rechten M. longissimus capitis und des rechten M. splenius capitis tasten.
Um den Einfluss der gesamten posterioren Myofaszialketten Myofaszialketten:posteriorebeurteilen zu können, wird der Test im Langsitz wiederholt.
Behandlung
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt, der Therapeut steht hinter der Patientin.
Ausführung:
  • Dehnung undDehnen:M. longissimus capitisDehnen:M. splenius capitis Ausstreichen desAusstreichen:M. longissimus capitisAusstreichen:M. splenius capitis rechten M. longissimus capitis und M. splenius capitis:

    • Phase 1: Der Therapeut fixiert den Kopf der Patientin in zervikaler Flexion, heterolateraler (linker) Seitneigung und heterolateraler (linker) Rotation. Mit den Fingern der anderen Hand streicht er die Muskelfasern tief und langsam aus – vom Processus mastoideus bis zu den Processus spinosi der unteren HWS, danach bis zu den Processus spinosi der oberen BWS (Abb. 15.56).

    • Phase 2: Diese Behandlung wird in einer vorgedehnten Position, z.B. im Langsitz (Abb. 15.57) wiederholt. Während des Ausstreichens wird die Patientin dazu aufgefordert, die Knie durchzustrecken, die Füße in Dorsalextension anzuziehen und den Rumpf vornüber zu beugen.

  • Lösen von Lösen:von VerklebungenVerklebungen des Verklebungen:lösenrechten M. longissimus capitis und M. splenius capitis:

    • Der Therapeut umgreift mit einer Hand den Kopf der Patientin von dorsal und dringt mit den Fingern der anderen Hand tief durch den M. trapezius bis zu den Fasern des M. erector spinae ein.

    • Während er den Kopf der Patientin langsam in eine zervikale Flexion mit heterolateraler (linker) Seitneigung und heterolateraler (linker) Rotation führt, verschiebt er die Muskelfasern kraniokaudal und laterolateral, um die Verklebungen zu lösen.

    • Dann wird der ganze Vorgang wiederholt, nachdem die Finger etwas mehr kranial aufgesetzt werden. So lässt sich der ganze Muskelbereich vom zervikothorakalen Übergang bis zum Processus Processus:mastoideusmastoideus etappenweise behandeln.

  • Untersuchung und Behandlung des M. digastricus: Kap. 15.4.6.

Myofasziale Strukturen im Bereich der Protuberantia occipitalis externa und der Linea nuchalis superior

Übersicht über die dort ansetzenden myofaszialen Strukturen

Die Anatomie des M. trapezius und des M. erector spinae wird als bekannt vorausgesetzt Zu den subokzipitalen Muskeln subokzipitale MuskelnMuskeln:subokzipitaleoder tiefen Kopfgelenkmuskeln (Kopfgelenkmuskeln:tiefeAbb. 15.58) zählen:
  • M. rectus capitis Musculus(-i):rectus capitis posterior (major/minor)posterior minor

    • Ursprung: am Tuberculum posterius von C1

    • Ansatz: im medialen Drittel der Linea nuchalis inferior

  • M. rectus capitis posterior major

    • Ursprung: am Processus spinosus von C2

    • Ansatz: im mittleren Drittel der Linea nuchalis inferior

  • M. obliquus capitis Musculus(-i):obliquus capitis inferior/superiorinferior

    • Ursprung: am Processus spinosus von C2

    • Ansatz: am Processus transversus von C1

  • M. obliquus capitis superior

    • Ursprung: am Processus transversus von C1, Tuberculum posterius

    • Ansatz: schräg medial oberhalb des mittleren Drittels der Linea nuchalis inferior

  • M. rectus capitis lateralis ( Musculus(-i):rectus capitis lateralisMMusculus(-i):intertransversarius anterior. intertransversarius anterior)

    • Ursprung: am Processus transversus von C1, Tuberculum anterius

    • Ansatz: am Processus jugularis des Okziputs

Untersuchung und Behandlung der Muskelansätze (M. trapezius und M. erector spinae)

Untersuchung
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt, der Therapeut steht hinter ihr und stützt mit einer Hand den Kopf und mit der anderen Hand die obere BWS der Patientin.
Ausführung: Der Therapeut führt den Kopf und die HWS der Patientin in eine Flexion, während er mit der anderen Hand nach der Spannung in Spannungen:Muskelnansätze an der oberen BWSHöhe der oberen BWS tastet (Abb. 15.59).
Behandlung
Ausstreichen der Muskelansätze (M. trapezius und M. erector spinae)
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt, der Therapeut steht neben ihr und stützt mit einer Hand den Kopf und mit der anderen Hand die obere BWS der Patientin.
Ausführung:
  • Phase 1: Bei einer myofaszialen Bewegungseinschränkung fixiert der Therapeut mit einer Hand den Kopf und die HWS der Patientin in einer Flexionsposition. Mit dem Daumen oder Fingern der anderen Hand streicht er Ausstreichen:M. trapeziusAusstreichen:M. erector spinaedie Fasern des M. erector spinae langsam von kranial in Höhe ihres Schädelansatzes nach kaudal-paravertebral bis in Höhe der unteren BWS aus und umgekehrt. Dabei achtet er darauf, nicht zu tief ins Gewebe einzudringen, sondern im Bereich des M. erector spinae zu bleiben.

  • Phase 2: Der Therapeut beginnt nun in einer neutralen Position der HWS das Muskelgewebe mit einer Hand auszustreichen. Während dieses Ausstreichens nach kaudal führt er den Kopf und die HWS der Patientin mit der anderen Hand in eine Flexion.

  • Phase 3: Die Patientin wird nun in einer vorgedehnten Position behandelt, z.B. im Langsitz oder Stehen mit dem Oberkörper in Bauchlage auf der Liege. Der Therapeut fixiert mit einer Hand den Kopf und die HWS der Patientin in einer Flexionsposition. Mit dem Daumen oder Fingern der anderen Hand streicht er die Fasern des M. trapezius langsam von kranial in Höhe ihres Schädelansatzes nach kaudal-paravertebral bis in Höhe der unteren BWS aus und umgekehrt. Dabei achtet er darauf, nicht zu tief ins Gewebe einzudringen, sondern im oberflächlichen Bereich des M. trapezius zu bleiben. Dann wiederholt er das Ganze, dringt jetzt aber tiefer ins Gewebe ein, um die Fasern des M. erector spinae zu bearbeiten.

Lösen von Verklebungen des M. trapezius
Ausgangsposition: Die Patientin sitzt (oder befindet sich in Rückenlage), der Therapeut steht hinter ihr (oder am Kopfende) und stützt mit einer Hand den Kopf und mit der anderen Hand den lateralen Rand des M. trapezius der Patientin (Abb. 15.60).
Ausführung:
  • Während der Therapeut mit einer Hand den Kopf der Patientin in eine homolaterale bzw. heterolaterale Rotation führt, zieht er den Rand des M. trapezius mit der anderen Hand in der Gegenrichtung (ventral- bzw. dorsalwärts) weg. Das wird mehrmals wiederholt, bis sich die Verklebungen gelöst haben.

  • Danach führt er den Kopf der Patientin in eine heterolaterale bzw. homolaterale Seitneigung, während gleichzeitig die Fasern des M. trapezius in der Gegenrichtung (kaudal- bzw. kranialwärts) verschoben werden.

Achten Sie darauf, alle Bereiche dieses Muskels von oben bis unten zu bearbeiten.

Untersuchung und Behandlung der subokzipitalen Muskeln

M. rectus capitis posterior minor und M. rectus capitis posterior major
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung:
  • Der Therapeut setzt den Zeigefinger und Daumen der einen (rechten) Hand subokzipital weich in Höhe der Linea nuchalis inferior des Os occipitale auf. Mit der anderen (linken) Hand umgreift er den Kopf der Patientin von dorsal und lehnt ihren Scheitel gegen seine (linke) Schulter (Abb. 15.61).

  • Er führt den Kopf und die HWS der Patientin sanft und langsam in eine Flexionsbewegung und fixiert den Kopf in dieser Position. Mit den Fingern der anderen Hand prüft er die subokzipitale subokzipitale Muskulatur:SpannungenSpannung.

  • Dann lässt er die Finger langsam uni- oder bilateral in der Tiefe von der Linea nuchalis inferior des Okziputs bis zum Tuberculum posterius von C1 bzw. zum Processus spinosus von C2 wandern.

  • Danach führt der Therapeut den Kopf und die HWS der Patientin erneut in eine Flexion, dringt mit den Fingern tief ins subokzipitale subokzipitale Muskeln:AusstreichenGewebe ein und streicht die Ausstreichen:subokzipitale MuskelnMuskelfasern in kraniokaudaler Richtung aus, bis die subokzipitale Spannung nachlässt.

M. obliquus capitis inferior
Hier am Beispiel der rechten Seite dargestellt
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung:
  • Der Therapeut legt Zeigefinger und Daumen der einen (rechten) Hand weich bilateral auf die Processus articulares von C2. Mit der anderen (linken) Hand umgreift er den Kopf der Patientin von dorsal, lehnt deren Scheitel gegen seine Schulter und setzt Zeigefinger und Daumen auf die Processus transversi von C1 (Abb. 15.62).

  • Während er mit der rechten Hand den linken Processus transversus von C2 nach ventral fixiert, führt er mit der anderen (linken) Hand, vor allem am rechten Processus transversus von C1, den Kopf und C1 in eine Rotation nach links (Abb. 15.62).

  • Zur Wirkungsverstärkung schiebt er die Fasern des rechten M. obliquus capitis inferior in Musculus(-i):obliquus capitis inferiorverschiedene Richtungen.

M. obliquus capitis superior
Hier am Beispiel der rechten Seite dargestellt.
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung:
  • Der Therapeut legt Zeigefinger und Daumen der einen (rechten) Hand weich bilateral auf die Processus transversi von C1. Mit der anderen (linken) Hand umgreift er den Kopf der Patientin von dorsal und lehnt deren Scheitel gegen seine Schulter.

  • Während er mit dem Daumen der einen (rechten) Hand den rechten Processus transversus von C1 nach ventral fixiert, führt er den Kopf und C1 mit der anderen (linken) Hand in eine Rotation nach rechts (Abb. 15.63).

  • Zur Wirkungsverstärkung schiebt er die Fasern des rechten M. obliquus capitis Musculus(-i):obliquus capitis superiorsuperior in verschiedene Richtungen.

M. rectus capitis lateralis
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende.
Ausführung:
  • Der Therapeut setzt den Zeigefinger einer Hand weich ventral auf den rechten Processus transversus von C1. Mit seiner anderen Hand umgreift er den Kopf der Patientin von dorsal.

  • Während er mit der einen Hand den rechten Processus transversus von C1 sehr behutsam nach dorsal fixiert, führt er den Kopf der Patientin mit der anderen Hand in eine Extension, Seitneigung links und Rotation rechts.

  • Er behält die Position so lange bei, bis die Spannung nachlässt.

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