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B978-3-437-58930-0.00017-9

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978-3-437-58930-0

Der Schädel als Tensegrity-Kugel

Screenen der Schädelbasis und der SSB

Screenen des Hinterkopfes

Screenen des Schädeldachs

Screenen des Gesichtsschädels

Screenen der Medianebene des Schädels

Screenen der linken und rechten Schädelhälfte und der Kiefergelenke

Untersuchung und Behandlung der KTS in laterolateraler Richtung

Untersuchen und Behandeln der KTS in kraniokaudaler Richtung

Untersuchung und Behandlung der KTS in dorsoventraler Richtung

Test und Behandlung einer Biegespannung in der Frontalebene: frontale Biegung nach links bzw. rechts (hier am Beispiel einer frontalen Biegung nach rechts)

Test und Behandlung einer Biegespannung in der Frontalebene: frontale Biegung nach kranial bzw. kaudal

Test und Behandlung einer Biegespannung in der Transversalebene nach rechts bzw. links; hier am Beispiel einer transversalen Biegung nach rechts

Test und Behandlung einer Biegespannung in der Transversalebene nach ventral bzw. dorsal

Test und Behandlung der Biegespannung in der Sagittalebene nach ventral

Test und Behandlung der Biegespannung in der Sagittalebene nach dorsal.

Test und Behandlung einer Biegespannung in der Sagittalebene nach kranial

Test und Behandlung einer Biegespannung in der Sagittalebene nach kaudal

Test und Behandlung einer sagittalen Scherung nach ventral und superior

Test und Behandlung einer frontalen Scherung nach ventral superior und ventral links

Test und Behandlung einer transversalen Scherung nach ventral und superior

Test und Behandlung einer Torsionsspannung in der Sagittalebene, hier am Beispiel einer sagittalen Torsion links superior

Test und Behandlung einer Torsionsspannung in der Frontalebene, hier am Beispiel einer frontalen Torsion rechts superior

Test und Behandlung einer Torsionsspannung in der Transversalebene

Untersuchung und Behandlung von Spannungsmustern des Schädels und der Schädelforamina

Einführung

Viskoelastizität

Lebendes Gewebe, wie beispielsweise der Schädel, verformt sich unter Belastung viskoelastisch, was bedeutet, dass die viskoelastische Deformierung:kriechendeDeformierung:viskoelastischeDeformierung nur langsam (kriechend) einsetzt, bis sich ein Fließgleichgewicht einstellt (Meert 2007 und 2009). Beim Schädel handelt es sich um eine Mischung aus Knochen, Meningen, myofaszialen Strukturen und Flüssigkeiten (Blut und Liquor cerebrospinalis). Die Dura mater kleidet die Innenseite des Schädels komplett als Periost aus und bildet auch noch die Falx cerebri, die Falx cerebelli und das Tentorium cerebelli.
Vom Körper und auch vom Schädel werden ununterbrochen intraossäre, meningeale und suturale Spannungen kompensiert, die mit der Zeit, wenn sie gewisse Grenzen überschreiten, eventuell für Deformierungen der Körper- und Schädelarchitektur sorgen (Kap. 11.7). Es wäre wünschenswert, nicht solange zu warten, bis eine sichtbare und messbare Deformität entsteht, sondern sich bereits vorher auf die spürbaren Spannungen zu konzentrieren. Deswegen möchte ich lieber von Spannungsmuster:des SchädelsSpannungsmustern des Schädels als von Läsionen der Symphysis oder Synchondrosis sphenobasilaris (SSB) sprechen.
Weil die Dura Dura mater:Zuggurtungsprinzipmater auch noch relativ unelastisch ist und über eine besondere räumliche Orientierung verfügt, bewirkt sie eine Art Zuggurtungsprinzip am Schädel (Kap. 9.6). Dadurch kommt es in der Anschwellphase (Flexion kraniosakral)Anschwellphase (Flexion kraniosakral) des Geweberhythmus:AnschwellphaseGeweberhythmus:AbschwellphaseGeweberhythmus (Kraniosakralrhythmus) zu einer Zunahme des laterolateralen und gleichzeitig einer kleinen Abnahme des dorsoventralen und des kraniokaudalen Schädeldurchmessers. In der Abschwellphase (Extension kraniosakral)Abschwellphase (Extension kraniosakral) kommt es hingegen zu einer Abnahme des laterolateralen Durchmessers und gleichzeitig einer kleinen Zunahme des dorsoventralen und kraniokaudalen Schädeldurchmessers (Kap. 4.8).

Belastungen und Spannungsmuster

Es sei darauf hingewiesen, dass sich Belastungen nur selten ausschließlich auf die SSB, sondern vielmehr auf die ganze Schädelsphäre samt Inhalt auswirken (Kap. 11.7).
Die Fähigkeit, Kompressions-, Traktions-, Biegungs-, Scherungs- und Torsionsbelastungen viskoelastisch verarbeiten und nach der Belastungen:viskoelastische ReaktionBelastung wieder viskoelastisch zum ursprünglichen Zustand zurückkehren zu können, entscheidet über die biomechanische Qualität des Gewebequalität:viskoelastischeGewebequalität:biomechanischeGewebes. Ein Gewebe (in diesem Fall die Schädelknochen mit den myofaszialen und meningealen Strukturen) sollte eine gewisse Komprimierbarkeit, Dehnbarkeit, Biegsamkeit, Scher- und Torsionsfähigkeit aufweisen, um nach der Belastung viskoelastisch zurückkehren zu können, aber weder plastisch noch instabil und weder hyperton noch zubetoniert sein.
Empirisch lassen sich zwei Arten von Verspannung im Gewebe angeben (Kap. 11.7.3): eine allgemeine Verspannung-Versteifung des Gewebes (in allen Richtungen einer oder mehrerer Ebenen) und eine unidirektionale Verspannung des Gewebes (in einer Richtung einer Ebene). Um sie festzustellen, kann man entweder die großen Schädelkompartimente (Kap. 12.2 und Kap. 17.2) screenen oder systematisch nach Deformierungs- und Spannungsmustern des Schädels suchen (Kap. 11.7.3 und Kap. 17.3). Wenn sich beim Listening kein deutliches Muster abzeichnet, sollte dort, wo die viskoelastischen Eigenschaften am meisten gelitten haben, nach einem Spannungsmuster:des SchädelsSpannungsmuster des Schädels gesucht werden. Die Viskoelastizität in diesem Bereich kann mit verschiedenen rhythmischen Pumptechniken:ViskoelastizitätPumptechniken behandelt werden, um Engpässe für Leitungsbahnen zu lösen.

Flüssigkeiten und Foramina

Neben den viskoelastischen Gewebeeigenschaften dürfen wir auch nicht vergessen, dass ca. 600 ml Blut pro Minute durch ein Gehirn mit einem Gewicht bzw. Volumen von 1.200 g fließt (Kap. 7.8.5).Fließen:Gedanken und GefühleBelastung:des Schädels

Belastung und ungehindertes Fließen

Die Belastung des Schädels ergibt sich demzufolge aus viskoelastischen Eigenschaften der Schädelstrukturen sowie Flüssigkeitsströmungen und -verschiebungen (Verschiebung des Liquor cerebrospinalis und Ausströmen von venösem Blut durch die kranialen Foramina) mit einer minimalen Verformung der Hirnstrukturen! Denken Sie bitte auch daran, dass Gedanken und Gefühle ungehindert fließen sollen. Ermutigen Sie deshalb den Patienten dazu, seine Gefühle und Gedanken nicht nur zu äußern, sondern sie auch zu leben.

Durch Zentrieren der Druck- und Traktionsrichtungen bei den verschiedenen Untersuchungs- und Behandlungstechniken kann man gezielt bestimmte Schädelbereiche und Foramina Foramina:Leitungsbahnenmit durchziehenden Leitungsbahnen (Gefäß-Nervenbündel) anpeilen. Praktisch relevant sind sieben größere Schädelkompartimente (SchädelkompartimenteGesichtsschädel, Schädeldach, Hinterkopf, Schädelbasis, Medianebene, linke und rechte Schädelhälfte mit Kiefergelenken) und die folgenden Foramina Foramina:Gesichtsschädelund Leitungsbahnen (Leitungsbahnen:Foramina Kap. 12).
Foramina des Gesichtsschädels mit dem Boden und Dach der vorderen Schädelgrube (Kap. 12.2.4):
  • Orbita mit Auge, Fettkörper und Augenmuskeln

  • Fissura orbitalis superior mit N. oculomotorius (III), N. trochlearis (IV), N. ophthalmicus (V1), N. abducens (VI) und V. ophthalmica superior

  • Fissura orbitalis inferior mit A. und V. infraorbitalis, V. ophthalmica inferior und N. infraorbitalis des N. maxillaris

  • Canalis opticus mit N. opticus (II) und A. ophthalmica

  • Canalis nasolacrimalis mit Tränenflüssigkeit

  • Foramen ethmoidale anterius mit N., A. und V. ethmoidalis anterior

  • Foramen ethmoidale posterius mit N., A. und V. ethmoidalis posterior

  • Lamina cribrosa ossis ethmoidalis mit N. olfactorius Aa. und Vv. ethmoidales anteriores und posteriores

  • Foramen supraorbitale mit N., A. und V. supraorbitalis

  • Sulcus infraorbitalis, Canalis infraorbitalis und Foramen infraorbitale mit N., A. und V. infraorbitalis

  • Nasenhöhle und Nasennebenhöhlen mit Schleimhäuten

Foramina der Schädelbasis Schädelbasis:Foramina und LeitungsbahnenForamina:Schädelbasismit dem Boden der mittleren Schädelgrube (Kap. 12.2.1):
  • Foramen ovale mit N. mandibularis (V3), R. meningeus und Plexus venosus foraminis ovalis

  • Meatus (Porus) acusticus internus mit A. und V. labyrinthi, N. facialis (VII) und N. vestibulocochlearis (VIII)

  • Innenohr mit Gleichgewichtsorgan und Gehörapparat

  • Hiatus canalis nervi petrosi majoris mit N. petrosus major, Foramen lacerum mit N. petrosus major, N. petrosus profundus und motorischen Fasern der Chorda tympani

  • Canalis caroticus mit A. carotis interna, Plexus venosus caroticus internus und N. caroticus internus

  • Fissura petrotympanica mit Chorda tympani, A. und V. tympanica anterior

  • Aditus ad antrum mastoideum mit Drainageflüssigkeit

  • Foramen rotundum mit N. maxillaris (V2) und Rete venosum foraminis rotundi

  • Foramen spinosum mit A. meningea media, R. meningeus des N. mandibularis und Plexus venosus foraminis spinosi

  • Hiatus nervi tympanici mit N. tympanicus und Hiatus canalis nervi petrosi minoris mit N. petrosus minor, A. und V. tympanica superior

  • Foramen stylomastoideum mit motorischen Fasern des N. facialis (VII)

  • Canalis musculotubarius mit Tuba auditiva und M. tensor tympani

  • Canaliculus tympanicus mit N. tympanicus, A. und V. tympanica inferior

Foramina des Hinterkopfes Hinterkopf:Foramina und LeitungsbahnenForamina:Hinterkopfmit dem Boden der hinteren Schädelgrube (Kap. 12.2.2):
  • Foramen jugulare mit Sinus petrosus inferior, N. glossopharyngeus (IX), N. vagus (X), N. accessorius (XI), Sinus sigmoideus, A. meningea posterior, A. pharyngea ascendens und R. meningeus des N. vagus

  • Canalis nervi hypoglossi mit N. hypoglossus und Plexus venosus canalis hypoglossi

  • Canalis condylaris mit Vv. emissariae condylares

  • Foramen mastoideum mit V. emissaria mastoidea

  • Foramen occipitale mit V. emissaria occipitalis

  • Foramen magnum mit Plexus venosus foraminis occipitalis, Plexus venosus vertebralis internus anterior und posterior und meningeale Strukturen

Foramina Foramina:Schädeldachdes Schädeldachs Schädeldach:Foramina und Leitungsbahnenmit der vorderen, mittleren und hinteren Schädelgrube (Kap. 12.2.3):
Individuell unterschiedliche Foramina parietalia und Foramina frontalia mit Vv. emissariae und Vv. diploicae sowie Sinus sagittalis superior, Confluens sinuum und Sinus transversus.
Die mediane Schädelebene Schädelebene:medianebildet knorpelig-knöcherne Trennwände zwischen der linken und rechten Schädelhälfte in Form des Vomer, der Lamina perpendicularis des Os ethmoidale und der Cartilago septi nasi. Der Geweberhythmus ist außerordentlich wichtig für die Funktionalität und Durchsaftung der Nasen- und Nebenhöhlenschleimhaut und für die freie Atmung.
Das Kauapparat Kauapparat:Belastungenbildet eine Kraftebene, die viele Belastungen beim Kauen, Schlucken, Beißen etc. zur Abpufferung (Tensegrity-Prinzip) in die beiden Schädelhälften hineinleitet. Von dieser Kraftebene sollten sich die Belastungen Belastungen:symmetrische (orthognathe)Belastungen:asymmetrische (dysgnathe)möglichst symmetrisch (orthognath) im Schädel verteilen, damit keine asymmetrischen (dysgnathen) Spannungsmuster Spannungsmuster:asymmetrische (dysgnathe)dysgnathe Spannungsmusterim Schädel entstehen.

Dreidimensionales Modell

Um der komplexen Sachlage sowohl unter viskoelastischen und rheologischen als auch Tensegrity-Gesichtspunkten besser gerecht zu werden, haben wir die Stress-Strainmuster Stress-Strainmuster:klassischesder klassischen kraniosakralen Osteopathie erweitert und versucht, sie auf die dreidimensionale Schädelsphäre anzuwenden. In der klassischen Osteopathie werden Belastungsmuster leider nur aus der zweidimensionalen Ebene der SSB betrachtet. Die von mir entwickelten dreidimensionalen Stress-Strainmuster Stress-Strainmuster:dreidimensionalesder Schädelsphäre werden nachfolgend ausführlich untersucht und behandelt.
Um eine Begriffsverwirrung zu vermeiden, sei noch mal betont, dass Stress Stress:(Belastung)für Belastung und Strain Strain:(Deformierung)für Deformierung oder Verformung steht.

Screening der großen Schädelkompartimente

Der Schädel Schädelsphäre:viskoelastischesamt Inhalt bildet eine komplexe viskoelastische Sphäre, und in der kranialen Compliance kombinieren sich die mechanischen Eigenschaften der verschiedenen Gewebe mit der Fähigkeit, Flüssigkeiten (Blut und LCS) verschieben zu können.
Es empfiehlt sich wegen dieser Komplexität, sich zuerst einen Überblick über die Situation mit übergreifenden Tests (Screenen) zu verschaffen. Werden dabei auffällige Bereiche der Schädelsphäre Schädelsphäre:Screenenaufgespürt, kann man dort detaillierte mechanische Belastungstests (Belastungstests:mechanischeKompression-Traktion, Biegung, Scherung und Torsion) anwenden (Kap. 17.4).
Wir können die Schädelsphäre Schädelsphäre:Tensegrity-Kugelmit ihren Schädelknochen, Suturen, Meningen, myofaszialen Strukturen und Flüssigkeiten als Tensegrity-Kugel Tensegrity-Kugel:Schädelsphärebetrachten (Abb. 17.1). Auf den Schädel einwirkende Belastungen werden dreidimensional in diesem Raum verteilt und von der ganzen Sphäre absorbiert. Wenn eine physiologische Belastung auf diese Schädelsphäre einwirkt, kehrt sie nach Wegnahme der Belastung viskoelastisch zu ihrer Ursprungsform (Balancepunkt oder Fulkrum) zurück, ohne ihre Integrität zu verlieren (Kap. 11.7.3).
Testmethoden: Beim Screenen lässt sich leicht Folgendes untersuchen bzw. überprüfen:
  • Listening-Test: Listening-Testob sich das Gewebe besonders stark in eine Richtung bewegt

  • Mechanische Belastungstests: Belastungstests:mechanischeob sich das Gewebe qualitativ in bestimmten Richtungen schlecht viskoelastisch verformt (Kap. 11.7.3).

  • Rhythmische Gewebetechniken: Gewebetechniken:rhythmischeob der Geweberhythmus (Kraniosakralrhythmus) harmonisch bzw. disharmonisch abläuft (Kap. 11.7.3).

Selbstverständlich wird hierbei auch nach dem Empfinden des Patienten gefragt. Aufbrechende Emotionen oder Gefühlsaufwallungen sind nichts Seltsames, sondern sollten intensiv mit dem Patienten besprochen werden. Wenn sich herausstellt, dass auch psychisch-emotionale Belastungen Belastungen:psychisch-emotionaleeine wichtige Rolle spielen, sollte gemeinsam mit dem Patienten nach einer Bewältigungsstrategie gesucht werden (Kap. 3 und Kap. 20Kap. 3Kap. 20). Falls schwere psychische Belastungen oder Störungen vorliegen, sollte der Patient zu einem Psychologen überwiesen werden.

Screenen der Schädelbasis und der SSB

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Handposition: Die Finger beider Hände liegen unter dem Os occipitale und beide Daumen bilateral auf der Ala major ossis sphenoidalis (Abb. 17.2).
Ausführung:
  • Während der Anschwellbewegung in der Transversalebene (Flexion kraniosakral) des Schädels begleitet der Therapeut die Schädelknochen an der Schädelbasis aufeinander zu. Entweder folgt er dem Gewebe mit einem Listening oder er verstärkt die dorsoventrale Kompression der Schädelbasis leicht, indem er Daumen und Finger zueinander führt.

  • Während der Abschwellbewegung in der Transversalebene (Extension kraniosakral) begleitet er das Zurückkriechen und Ausdehnen des Gewebes der Schädelbasis.

Er achtet darauf, ob ihn das Listening Listening-Screening:Schädelbasisbesonders stark irgendwohin führt, ob das Gewebe an der Schädelbasis Schädelbasis:Listening-Screeningbesonders hart und unelastisch ist, oder ob der Geweberhythmus (Kraniosakralrhythmus) besonders disharmonisch wirkt.
Mit diesem Griff kann er das Gewebe direkt, indirekt oder pumpend mobilisieren oder auch einen Still-point einfädeln.

Screenen des Hinterkopfes

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Handposition: Die Finger beider Hände liegen flach unter dem Os occipitale, möglichst nah am atlantookzipitalen Übergang. Die Hände werden parallel nebeneinander gehalten und nehmen möglichst großflächig Kontakt mit dem Hinterkopf auf; die Finger sind nach kaudal gerichtet (Abb. 17.3).
Ausführung:
  • Während der Anschwellbewegung (Flexion kraniosakral) des Schädels begleitet der Therapeut die Schädelknochen am Hinterkopf (Okziput bewegt sich sozusagen nach vorne). Entweder folgt er dem Gewebe mit einem Listening oder er verstärkt die Bewegung leicht, indem er die Finger und Handballen auseinander führt.

  • Während der Abschwellbewegung (Extension kraniosakral) begleitet er auch das Zurückkriechen des Gewebes.

Er achtet darauf, ob ihn das Listening Listening-Screening:Hinterkopfbesonders stark irgendwohin führt, ob das Gewebe des Hinterkopfes Hinterkopf:Listening-Screeningbesonders hart und unelastisch ist, oder ob der Geweberhythmus (Kraniosakralrhythmus) besonders disharmonisch wirkt.
Mit diesem Griff kann er das Gewebe direkt, indirekt oder pumpend mobilisieren oder auch einen Still-point einfädeln.

Screenen des Schädeldachs

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage, mit dem Kopf nahe am Kopfende der Liege, und der Therapeut sitzt neben ihr am Kopfende der Liege und ist nach kranial gerichtet.
Handposition: Der Kopf der Patientin wird leicht angehoben, um eine (linke) Hand des Therapeuten mit dem Handballen auf das Os occipitale und die Finger, flach und nach ventrokranial gerichtet, auf das Schädeldach der Patientin zu legen. Die andere (rechte) Hand wird mit dem Handballen auf das Os frontale gelegt, sodass die Finger flach auf dem Schädeldach der Patientin nach dorsokranial gerichtet sind (Abb. 17.4).
Ausführung:
  • Während der Abschwellbewegung in der Sagittalebene (Flexion kraniosakral) des Schädels begleitet der Therapeut die Schädelknochen des Schädeldachs, indem er beide Hände einander annähert. Entweder folgt er dem Gewebe mit einem Listening oder er verstärkt die dorsoventrale und kraniokaudale Kompression des Schädeldachs leicht, indem er beide Hände zueinander führt.

  • Während der Anschwellbewegung in der Sagittalebene (Extension kraniosakral) begleitet er auch das Zurückkriechen des Gewebes.

Er achtet darauf, ob ihn das Listening Listening-Screening:Schädeldachbesonders stark irgendwohin führt, ob das Gewebe des Schädeldachs Schädeldach:Listening-Screeningbesonders hart und unelastisch ist oder ob der Geweberhythmus (Kraniosakralrhythmus) besonders disharmonisch wirkt.
Mit diesem Griff kann er das Gewebe direkt, indirekt oder pumpend mobilisieren oder auch einen Still-point einfädeln.

Screenen des Gesichtsschädels

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt neben (links) ihr am Kopfende der Liege.
Handposition: Der Therapeut legt die kraniale (rechte) Hand flach mit dem Handballen auf das vordere Schädeldach der Patientin, sodass die Finger nach kaudal gerichtet sind und der Daumen und Kleinfinger bilateral den Processus zygomaticus des Os frontale berühren. Der Mittelfinger darf keinen Druck auf die Nase ausüben. Daumen und Mittelfinger (oder Zeige- und Ringfinger) der kaudalen (linken) Hand werden bilateral auf den Processus zygomaticus der Maxillae aufgesetzt (Abb. 17.5).
Ausführung:
  • Während der Abschwellbewegung in der Sagittalebene (Flexion kraniosakral) des Schädels begleitet der Therapeut die Schädelknochen des Gesichtsschädels. Entweder folgt er dem Gewebe mit einem Listening oder er verstärkt die Weitung des Gesichtsschädels Gesichtsschädel:Weitungleicht, indem er Finger und Handballen und auch beide Hände kraniokaudal zueinander führt.

  • Während der Anschwellbewegung in der Sagittalebene (Extension kraniosakral) begleitet er auch das Zurückkriechen des Gewebes.

Er achtet darauf, ob ihn das Listening Listening-Screening:Gesichtsschädelbesonders stark irgendwohin führt, ob das Gewebe des Gesichtsschädels Gesichtsschädel:Listening-Screeningbesonders hart und unelastisch ist oder ob der Geweberhythmus (Kraniosakralrhythmus) besonders disharmonisch wirkt.
Mit diesem Griff kann er das Gewebe direkt, indirekt oder pumpend mobilisieren oder auch einen Still-point einfädeln.

Screenen der Medianebene des Schädels

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt neben (links) ihr am Kopfende der Liege.
Handposition: Der Therapeut legt die kraniale (rechte) Hand flach auf das Schädeldach der Patientin, sodass die Finger nach ventral gerichtet sind und der Mittelfinger auf der Sutura sagittalis liegt. Den Daumen der kaudalen (linken) Hand setzt er extraoral ventral auf die Sutura intermaxillaris und den Zeigefinger intraoral auf die Sutura palatina mediana (Abb. 17.6).
Ausführung:
  • Während der Abschwellbewegung in der Sagittalebene (Flexion kraniosakral) des Schädels begleitet der Therapeut mit beiden Händen die Schädelknochen in der Medianebene des Schädels nach kaudal. Entweder folgt er dem Gewebe mit einem Listening oder er verstärkt die kraniokaudale Kompression und Verschiebung der Medianebene leicht, indem er beide Hände zueinander und nach kaudal führt.

  • Während der Anschwellbewegung in der Sagittalebene (Extension kraniosakral) begleitet er mit beiden Händen die Schädelknochen in der Medianebene des Schädels nach kranial und auch das Zurückkriechen und die kraniale Verschiebung des Gewebes.

Er achtet darauf, ob ihn das Listening Listening-Screening:Medianebene des Schädelsbesonders stark irgendwohin führt, ob das Gewebe der Medianebene des Schädels Medianebene des Schädels:Listening-Screeningbesonders hart und unelastisch ist oder ob der Geweberhythmus (Kraniosakralrhythmus) besonders disharmonisch wirkt.
Mit diesem Griff kann er das Gewebe direkt, indirekt oder pumpend mobilisieren oder auch einen Still-point einfädeln.

Screenen der linken und rechten Schädelhälfte und der Kiefergelenke

Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Handposition: Der Therapeut legt beide Hände bilateral mit dem Handballen auf die Pars squamosa ossis temporalis, sodass die Finger, kaudalwärts gerichtet, bilateral auf dem Corpus mandibulae und dem Angulus mandibulae liegen (Abb. 17.7).
Ausführung:
  • Während der laterolateralen Anschwellbewegung in der Frontalebene (Flexion kraniosakral) des Schädels begleitet der Therapeut die Schädelknochen der lateralen Schädelseiten auseinander. Entweder folgt er dem Gewebe mit einem Listening oder verstärkt leicht die Weitung der rechten und linken Schädelhälfte, indem er die Handballen und die Daumen auseinander führt.

  • Während der laterolateralen Abschwellbewegung in der Frontalebene (Extension kraniosakral) begleitet er auch das Zurückkriechen des Gewebes, indem er Handballen und Daumen zueinander führt.

Er achtet darauf, ob ihn das Listening besonders stark irgendwohin führt, ob das Gewebe der rechten und linken Schädelhälfte besonders hart und unelastisch ist oder ob der Geweberhythmus (Kraniosakralrhythmus) besonders disharmonisch wirkt.
Mit diesem Griff kann er das Gewebe direkt, indirekt oder pumpend mobilisieren oder auch einen Still-point einfädeln.

Umfassende Untersuchung und Behandlung der mechanischen Spannungs- und Deformierungsmuster des Schädels

Von seiner Konstruktion her ist der Schädel Schädelsphäre:Tensegrity-Kugelmit einer Tensegrity-Kugel Tensegrity-Kugel:Schädelsphärevergleichbar und weist viskoelastische Membranen und schwingungsfähige Bögen auf. Diese Tensegrity-Kugel setzt sich wiederum aus einer unendlichen Zahl von kleineren Tensegrity-Strukturen zusammen. Darüber hinaus sollte man die innere Zuggurtung (Verspannung) durch die Meningen, die Schwingungsdämpfung der Nasennebenhöhlen, die äußere Zuggurtung durch die myofaszialen Kopf- und Gesichtsstrukturen sowie die Verschieblichkeit der Flüssigkeiten (Blut und LCS) berücksichtigen.
Wir beschreiben anschließend, wie die Schädelsphäre in jeder Ebene (Sagittal-, Frontal- und Transversalebene) separat verschiedenen Belastungen und Spannungen (Kompressions-Traktionsbelastung, Biegungs-, Scherungs- und Torsionsbelastung) ausgesetzt wird, um die Gewebereaktion Gewebereaktion:SpannungenGewebereaktion:Ebenenertasten und beurteilen zu können.
Wir haben versucht, das Ganze logisch darzustellen, damit es besser nachvollziehbar ist. Praktisch kann es manchmal sinnvoller sein, schneller mit einem Listening voranzukommen. Wenn der Patient und die Zeit es erlauben und wenn die Symptomatik auf sehr komplexe Spannungsmuster Spannungsmuster:Schädelim Schädel hindeutet, kann es aber auch sinnvoll sein, sich die Zeit und Muße für sehr intensive Test- und Behandlungsverfahren zu nehmen.

Behandlungsmöglichkeiten von Spannungsmuster in einzelnen Schädelbereichen oder -kompartimenten

  • Begleiten und mobilisieren (Mobilisieren:direkte Behandlungdirekter Weg): Das Gewebe wird in die Richtung, die weniger gut geht, begleitet, um diese Bewegung zu verstärken, sodass die Blockade sozusagen weggeschoben wird.

  • Pendelbewegung Pendelbewegung:indirekte Behandlungund übertreiben (indirekter Weg): Das Gewebe wird in der Richtung, die gut geht, verstärkt und danach losgelassen, damit es sozusagen wie ein Pendel eine stärkere Rückbewegung ausführt.

  • Pumpbewegung: PumpbewegungDabei werden sowohl die Abschwell- als auch die Anschwellbewegung begleitet und verstärkt.

  • Still-point (Still-point:induzierenStillpunkt) einfädeln: Begleiten Sie das Gewebe in beiden Richtungen und verlangsamen sie diese, bis sich ein Stillpunkt einfädeln lässt. Nach dem Stillpunkt wird das Gewebe erneut in beiden Richtungen begleitet und die Bewegung verstärkt.

  • Point of balanced tension (Tensegrity-Punkt): Point of balanced tension (Tensegrity-Punkt)Der Therapeut führt den Schädel dreidimensional in eine Position, in der sich am wenigsten Spannung aufbaut. In dieser dreidimensionalen Position sind die meningealen, membranösen, intraossären und myofaszialen Spannungen am stärksten ausgeglichen. Sie wird so lange beibehalten, bis eine Entspannung eintritt und das Gewebe losgelassen oder ein Stillpunkt eingefädelt werden kann.

  • Eventuell vorhandene Wechselwirkungen Wechselwirkungen:psychische Belastungen und Spannungenzwischen psycho-sozio-emotionalen Belastungen und Körperspannungen aufdecken, auflösen und so gut wie möglich erfühlen und verbalisieren lassen.

  • Für ursächliche Belastungsfaktoren Belastungsfaktoren:ursächlichesollte gemeinsam mit den Patienten nach einer individuellen Coping-Strategie gesucht werden (Kap. 3.4).

Anmerkung

Diese Behandlungsprinzipien gelten für jede Schädelebene und jede Art von Deformierungs- und Spannungsmustern des Schädels.

Deshalb haben wir die Behandlungsmöglichkeiten aus Platzgründen vorangestellt, damit wir sie nicht jedes Mal zu wiederholen brauchen.

Bilaterale Kompressions-Traktionsspannungen des Schädels

Mit dieser Reihe von mechanischen Belastungs-Entlastungstechniken kann eine detaillierte Untersuchung bzw. Behandlung durchgeführt werden. Man kann dazu entweder nur noch den Schädelbereich anpeilen (Schädelbasis, Hinterkopf, Schädeldach, Gesichtsschädel, Medianebene oder Kiefergelenk mit einer Schädelhälfte), der sich beim Screening (Kap. 17.2) ergeben hat, und alle Ebenen und Belastungsmuster in diesem Bereich der Reihe nach durchtesten und behandeln.
Oder man wählt das arbeitsintensivere Verfahren, wie anschließend dargestellt, und testet alle Ebenen und Schädelebenen:DurchtestenSpannungsmuster für Spannungsmuster:Durchtesten aller Schädelebenenden ganzen Schädel durch, um sie bei Bedarf einzeln zu behandeln.
Laterolaterale Kompressions-Traktionsspannungen der linken und rechten Schädelhälfte
Denken Sie bei solchen Spannungen (Abb. 11.26) sowohl an Kompressionsbelastungen (z. BKompressionsbelastungen:laterolaterale. Hypertonie, Verklebungen, Traumata der Mm. temporoparietales, temporales, auriculares, der Suturae squamosae und der Sutura sagittalis) als auch an Traktionsbelastungen (z. BTraktionsbelastungen:laterolaterale. Hypertonie, Spannungen, Vernarbungen der laterolateralen Fasern des Tentorium cerebelli und des Schädelknochenperiosts). Auch viskoelastische Verformungen mit gespeicherten intraossären Spannungen und Geburtstraumata können eine Rolle spielen.
Untersuchung der laterolateralen KTS
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Handposition für die Untersuchung und Behandlung (Abb. 17.8): Die Daumen werden bilateral auf den Processus zygomaticus des Os frontale, die Zeigefinger bilateral auf das Os zygomaticus, die Mittelfinger bilateral auf den Arcus zygomaticus (vor dem Ohr), die Ringfinger bilateral auf den Processus mastoideus (hinter dem Ohr) und die Kleinfinger auf die Squama occipitalis gelegt. Die Handflächen können (je nach Größenverhältnis der Hände des Therapeuten zum Schädel der Patientin) eventuell flach auf dem Schädeldach liegen.
Ausführung: Der Therapeut testet die Beweglichkeit der verschiedenen Schädelbereiche in laterolateraler Richtung und sucht dabei gezielt nach Spannungen und Mobilitätsverlusten, wie beschrieben (Kap. 11.7.3 und Kap. 17.2).
Er beurteilt die Qualität, Harmonie, Kraft und Symmetrie der Bewegung und die Gewebereaktion.
Befunde: Bei fehlender Viskoelastizität der Schädelkompartimente sind oft Strukturen, die durch die besagten Foramina ziehen, betroffen.
Kraniokaudale Kompressions-Traktionsspannungen des Schädeldachs und der Schädelbasis
Denken Sie dabei sowohl an Kompressionsbelastungen (z. Traktionsbelastungen:kraniokaudaleKompressionsbelastungen:kraniokaudaleB. Hypertonie, Verklebungen, Traumata der Kau-, Nacken- und Rückenstreckmuskeln und der Suturae an der Schädelbasis) als auch an Traktionsbelastungen (z. B. Hypertonie, Spannungen, Vernarbungen der kraniokaudalen Fasern der Falx cerebri, der Falx cerebelli und der spinalen Dura mater). Auch viskoelastische Verformungen mit gespeicherten intraossären Spannungen und Geburtstraumata können eine Rolle spielen.
Untersuchung der kraniokaudalen KTS
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Handposition für die Untersuchung und Behandlung (Abb. 17.9): Der Therapeut legt beide Handwurzeln gegeneinander auf die Mitte des Schädeldachs, sodass die Finger der einen Hand nach ventral und die Finger der anderen Hand nach dorsal gerichtet sind. Die Mittelfinger befinden sich jeweils in der Medianebene der Sutura sagittalis.
Ausführung: Der Therapeut testet die Beweglichkeit der Beweglichkeitstest:Schädelbereiche in kraniokaudaler Richtungverschiedenen Schädelbereiche in kraniokaudaler Richtung, um Spannungen und Mobilitätsverluste aufzuspüren.
Während der Anschwellbewegung (Flexion kraniosakral) des Schädels begleitet er die Schädelknochen und verstärkt sozusagen die kaudalwärts gerichtete Kompression des Schädels, indem er das Schädeldach nach kaudal führt und anschließend auch wieder zurückkriechen lässt.
Er beurteilt jeweils die Qualität, Harmonie, Kraft und Symmetrie der Bewegungen und die Gewebereaktion.
Befunde: Bei fehlender Viskoelastizität der Schädelkompartimente sind oft Strukturen, die durch die besagten Foramina ziehen, betroffen.
Dorsoventrale Kompressions-Traktionsspannungen des Schädels
Denken Sie dabei sowohl an Kompressionsbelastungen (z. Traktionsbelastungen:dorsoventraleKompressionsbelastungen:dorsoventraleB. Hypertonie, Verklebungen, Traumata der Nacken- und Rückenstreckmuskeln, der Galea aponeurotica, des M. epicranius, der Sutura coronalis und der Sutura lambdoidea), als auch an Traktionsbelastungen (z. B. Hypertonie, Spannungen, Vernarbungen der dorsoventralen Fasern der Falx cerebri und der Falx cerebelli). Auch viskoelastische Verformungen mit gespeicherten intraossären Spannungen und Geburtstraumata können eine Rolle spielen.
Untersuchung der dorsoventralen KTS
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Handposition für das Screenen (Abb. 17.10): Der Therapeut legt eine Hand flach unter den Hinterkopf, wobei die Finger nach kaudal gerichtet sind, und eine Hand flach auf den Gesichtsschädel, Finger nach kaudal gerichtet.
Ausführung: Der Therapeut testet die Beweglichkeit der Beweglichkeitstest:Schädelbereiche in dorsoventraler Richtungverschiedenen Schädelkompartimente in dorsoventraler Richtung, um Spannungen und Mobilitätsverluste aufzuspüren.
Während der Abschwellbewegung in der Sagittalebene (Flexion kraniosakral) des Schädels begleitet er die Schädelknochen und verstärkt sozusagen die dorsoventrale Kompression des Schädels, indem er beide Hände zueinander führt und das Gewebe anschließend auch wieder zurückkriechen lässt.
Er beurteilt die Qualität, Harmonie, Kraft und Symmetrie der Bewegung und die Gewebereaktion.

Unilaterale Kompressions-Traktionsspannungen oder Biegespannungen des Schädels

Denken Sie dabei sowohl an Kompressionsbelastungen (z. BKompressionsbelastungen:unilaterale. einseitige Hypertonie, Verklebungen, Traumata der Kaumuskeln, der Galea aponeurotica, der Mm. temporoparietales, der Nacken- und Rückenstreckmuskeln und der Suturae an der Schädelbasis) als auch an Traktionsbelastungen (z. BTraktionsbelastungen:unilaterale. einseitige Hypertonie, Spannungen, Vernarbungen der kraniokaudalen und laterolateralen Fasern des kranialen Periosts, der kranialen Meningen und der spinalen Dura mater). Auch unilaterale viskoelastische Verformungen mit viskoelastische Verformungen:unilateralegespeicherten intraossären Spannungen und Geburtstraumata können eine Rolle spielen.
Befunde: Die Läsion wird nach der Seite benannt, auf der sich der Schädel besser deformieren lässt. Wenn beispielsweise eine Biegung in der Frontalebene Frontalebene:Biegespannungleichter und besser nach rechts möglich ist, handelt es sich um eine frontale Biegespannung (nachBiegespannung:frontale) rechts.
Biegespannung in der Frontalebene
(Abb. 11.45)
Test und Behandlung einer Biegespannung in der Frontalebene (nach links bzw. rechts)
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt auf der heterolateralen (z. B. linken) Seite am Kopfende der Liege.
Handposition: Der Therapeut legt die kraniale (rechte) Hand mit gespreizten Fingern flach auf das Schädeldach und umgreift mit der kaudalen (linken) Hand die Mandibula (Abb. 17.11).
Ausführung: Der Therapeut führt den Kopf äußerst langsam und sanft in eine intraossäre frontale Biegung zur (rechten) Seite (Abb. 11.27).
  • Dabei rotiert er die obere und untere Schädelhälfte in der Frontalebene langsam und behutsam zueinander (nach rechts) und begleitet die Schädelknochen (kraniokaudale Kompression der rechten Schädelhälfte). Dann hebt er die Biegung auf und achtet auch auf das Zurückkriechen des Gewebes zur Neutralstellung.

  • Dann rotiert er die obere und untere Schädelhälfte in der Frontalebene zur anderen Seite (nach links) und begleitet dabei die Schädelknochen (kraniokaudale Kompression der linken Schädelhälfte).

  • Er vergleicht die frontale Biegung nach rechts und nach links miteinander, um beurteilen zu können, zu welcher Seite sich der Schädel leichter führen lässt (frontale Biegung rechts oder links).

Befunde: Eine frontale Biegespannung links ist teilweise (genauso wie eine transversale Biegespannung rechts des Schädels) mit einer kraniosakralen Sidebending-Rotation-links-Läsion der Sidebending-Rotation-links-Läsion:SSBSSB vergleichbar (Abb. 11.28).
Eine frontale Biegespannung rechts ist teilweise (genauso wie eine transversale Biegespannung links des Schädels) mit einer kraniosakralen Sidebending-Rotation-rechts-Läsion der Sidebending-Rotation-rechts-Läsion:SSBSSB vergleichbar (Abb. 11.28 und Kap. 11.7.3).
Test und Behandlung einer Biegespannung in der Frontalebene (nach kranial bzw. kaudal)
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Handposition: Der Therapeut legt seine Hände bilateral auf die linke und rechte Seite des Schädels, sodass die Finger nach kaudal gerichtet sind (Abb. 17.12).
Ausführung: Der Therapeut führt den Kopf äußerst langsam und sanft in eine intraossäre frontale Biegung zur kranialen bzw. kaudalen Seite (Abb. 11.27).
  • Dabei rotiert er die rechte und linke Schädelhälfte in der Frontalebene Frontalebene:Biegung nach kranial/kaudallangsam und behutsam kranialwärts zueinander und begleitet die Schädelknochen (laterolaterale Kompression der kranialen Schädelhälfte). Dann hebt er die Biegung auf und achtet auch auf das Zurückkriechen des Gewebes zur Neutralstellung.

  • Dann rotiert er die linke und rechte Schädelhälfte in der Frontalebene (in die andere Richtung) zur kaudalen Seite und begleitet die Schädelknochen dabei (laterolaterale Kompression der kaudalen Schädelhälfte).

  • Er vergleicht die frontale Biegung nach kranial und nach kaudal miteinander, um beurteilen zu können, zu welcher Seite sich der Schädel leichter führen lässt (frontale Biegung kranial oder kaudal).

Biegespannung in der Transversalebene
(Abb. 11.47)
Test und Behandlung einer Biegespannung in der Transversalebene (nach links bzw. rechts)
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt auf der heterolateralen (linken) Seite.
Handposition: Der Therapeut sitzt umgreift mit einer (linken) Hand flach das Os frontale und die ventrale Schädelseite. Die andere (rechte) Hand liegt flach um den Hinterkopf (Abb. 17.13).
Ausführung: Der Therapeut führt den Kopf äußerst langsam und sanft sozusagen in eine intraossäre transversale Biegung zur (rechten) Seite (Abb. 11.29).
  • Dabei rotiert er die vordere und hintere Schädelhälfte in der Transversalebene Transversalebene:Biegung der Schädelhälften nach rechts/linkslangsam und behutsam auf der rechten Seite zueinander und begleitet die Schädelknochen (dorsoventrale Kompression der rechten Schädelhälfte). Dann hebt er die Biegung auf und achtet auch auf das Zurückkriechen des Gewebes zur Neutralstellung.

  • Danach rotiert er die vordere und hintere Schädelhälfte auf der linken Seite aufeinander zu (dorsoventrale Kompression der linken Schädelhälfte).

  • Er vergleicht die transversale Biegung nach links und nach rechts miteinander, um beurteilen zu können, zu welcher Seite sich der Schädel in der Transversalebene leichter drehen lässt.

Befunde: Eine transversale Biegespannung des Schädels links ist teilweise (genauso wie eine frontale Biegespannung rechts des Schädels) mit einer kraniosakralen Sidebending-Rotation-rechts-Läsion der Sidebending-Rotation-rechts-Läsion:SSBSSB vergleichbar.
Eine transversale Biegespannung des Schädels rechts ist teilweise (genauso wie eine frontale Biegespannung links des Schädels) mit einer kraniosakralen Sidebending-Rotation-links-Läsion der Sidebending-Rotation-links-Läsion:SSBSSB vergleichbar (Kap. 11.7.3 und Abb. 11.28).
Test und Behandlung einer Biegespannung in der Transversalebene (nach ventral bzw. dorsal)
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Handposition: Der Therapeut sitzt am Kopfende und legt die Hände auf die linke und rechte Schädelseite, sodass die Finger nach kaudal gerichtet sind (Abb. 17.14).
Ausführung: Der Therapeut führt den Kopf äußerst langsam und sanft sozusagen in eine intraossäre transversale Biegung nach ventral (Abb. 11.29).
  • Dabei rotiert er die linke und rechte Schädelhälfte in der Transversalebene langsam und behutsam ventralwärts zueinander (laterolaterale Kompression der ventralen Schädelhälfte) und begleitet die Schädelknochen. Dann hebt er die Biegung auf und achtet auch auf das Zurückkriechen des Gewebes zur Neutralstellung.

  • Danach rotiert er die linke und rechte Schädelhälfte nach dorsal aufeinander zu (laterolaterale Kompression der dorsalen Schädelhälfte).

  • Er vergleicht die transversale Biegung nach ventral und nach dorsal miteinander, um beurteilen zu können, zu welcher Seite sich der Schädel in der Transversalebene leichter drehen lässt.

Biegespannung in der Sagittalebene
(Abb. 11.30)
Test und Behandlung einer Biegespannung in der Sagittalebene (nach ventral bzw. dorsal)
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege auf der heterolateralen Seite (z. B. links).
Handposition
  • Sagittale Biegespannung nach ventral: Der Therapeut umgreift mit einer (rechten) Hand flach das Schädeldach, die Finger sind nach ventral gerichtet. Die Finger der anderen (linken) Hand liegen gespreizt auf der Maxilla und sind nach kranial gerichtet (Abb. 17.15).

  • Sagittale Biegespannung nach dorsal: Der Therapeut umgreift mit einer (rechten) Hand flach das Schädeldach. Die Finger liegen auf den Ossa parietalia, der Mittelfinger auf der Sutura sagittalis, und sind nach dorsal gerichtet. Die Finger der anderen (linken) Hand liegen gespreizt auf der Squama occipitalis und sind nach kranial gerichtet (Abb. 17.16).

Ausführung: Der Therapeut führt den Kopf äußerst langsam und sanft sozusagen in eine intraossäre sagittale Biegung nach ventral bzw. dorsal (Abb. 11.30).
  • Dabei rotiert er die obere und untere Schädelhälfte in der Sagittalebene Sagittalebene:Biegung der Schädelhälften nach ventral/dorsallangsam und behutsam ventralwärts zueinander (kraniokaudale Kompression der vorderen Schädelhälfte). Dazu führt er beide Hände aufeinander zu und lässt das Gewebe danach zurückkriechen.

  • Dann rotiert er die obere und untere Schädelhälfte in der Sagittalebene dorsalwärts zueinander (kraniokaudale Kompression der hinteren Schädelhälfte).

  • Er vergleicht die sagittale Biegung nach ventral und nach dorsal miteinander, um beurteilen zu können, zu welcher Seite (Gesichtsschädel oder Gesichtsschädel:sagittale BiegungHinterkopf) sichHinterkopf:sagittale Biegung der Schädel leichter führen lässt.

Test und Behandlung einer Biegespannung in der Sagittalebene (nach kranial bzw. kaudal)
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege auf der heterolateralen Seite (z. B. links).
Handposition
  • Sagittale Biegespannung nach kranial: Der Therapeut umgreift mit beiden Händen das Schädeldach, wobei die Finger der einen (linken) Hand nach ventral und die Finger der anderen (rechten) Hand nach dorsal gerichtet sind (Abb. 17.17).

  • Sagittale Biegespannung nach Biegespannung:sagittale nach kaudalkaudal: Daumen und Finger der kaudalen (linken) Hand werden bilateral auf die Maxilla gesetzt. Die Finger der kranialen (rechten) Hand werden flach unter das Os occipitale gelegt, mit den Fingerkuppen möglichst nah am kraniozervikalen Übergang (Abb. 17.18).

Ausführung: Der Therapeut führt den Kopf äußerst langsam und sanft sozusagen in eine intraossäre sagittale Biegung nach kranial bzw. kaudal (Abb. 11.30).
  • Dabei rotiert er die vordere und hintere Schädelhälfte in der Sagittalebene langsam und behutsam kranialwärts zueinander (dorsoventrale Kompression der oberen Schädelhälfte). Dazu führt er beide Hände aufeinander zu und lässt das Gewebe danach wieder zurückkriechen.

  • Dann rotiert er die vordere und hintere Schädelhälfte in der Sagittalebene kaudalwärts zueinander (dorsoventrale Kompression der unteren Schädelhälfte).

  • Er vergleicht die sagittale Biegung nach kranial und nach kaudal miteinander, um beurteilen zu können, zu welcher Seite (Schädeldach oder Schädeldach:sagittale BiegungSchädelbasis) sichSchädelbasis:sagittale Biegung der Schädel leichter führen lässt.

Scherspannungen des Schädels

Neben unilateralen und sich überkreuzenden Spannungen können Traumata sowie psycho-sozio-emotionale Faktoren bei der Entstehung von Scherspannungen eine Scherspannungen:TraumenScherspannungen:psycho-sozio-emotionale FaktorenRolle spielen.
Befunde: Die Läsion wird nach der Seite benannt, die sich leichter und besser deformieren lässt. Geht beispielsweise eine Scherung in der Sagittalebene linksSagittalebene:Scherung leichter und besser nach ventral, handelt es sich um eine sagittale Scherung linksScherung:sagittale ventral.
Scherspannungen des Schädels in der Sagittalebene
(Abb. 11.32)
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Handposition: Die Zeigefinger werden bilateral hinter dem Processus zygomaticus des Os frontale, in Höhe der Ala major des Os sphenoidale, aufgesetzt. Die Mittelfinger liegen bilateral in Höhe des Arcus zygomaticus (vor dem Ohr), die Ringfinger bilateral auf dem Processus mastoideus (hinter dem Ohr) und die kleinen Finger auf der Squama occipitalis. Die Handflächen können (je nach Größenverhältnis der Hände des Therapeuten zum Schädel der Patientin) eventuell flach auf dem Schädeldach liegen. Die Daumen berühren den Schädel in Höhe des Os frontale oder auch nicht.
Ausführung (Abb. 11.32):
  • Sagittale Scherung ventral links bzw. ventral rechts (Abb. 17.19): Der Therapeut bewegt seine Hände gegenläufig zueinander und verschiebt eine (die linke bzw. rechte) Schädelhälfte in der Sagittalebene ventralwärts und die andere (rechte bzw. linke) Schädelhälfte entgegengesetzt dazu dorsalwärts. Er achtet auf den Gewebewiderstand und nach dem Loslassen auch auf das Zurückkriechen des Gewebes.

  • Sagittale Scherung superior links bzw. superior rechts (Abb. 17.19): Der Therapeut bewegt seine Hände gegenläufig zueinander und verschiebt eine (die linke bzw. rechte) Schädelhälfte in der Sagittalebene kranialwärts und die andere (rechte bzw. linke) Schädelhälfte entgegengesetzt dazu kaudalwärts. Er achtet dabei auf den Gewebewiderstand und nach dem Loslassen auch auf das Zurückkriechen des Gewebes.

Befunde:
  • Eine sagittale Scherspannung ventral links entspricht (genauso wie eine frontale Scherspannung ventral links) einer Lateral Strain links-Läsion der Lateral Strain links-Läsionkraniosakralen Osteopathie (Abb. 11.33).

  • Eine sagittale Scherspannung ventral rechts entspricht (genauso wie eine frontale Scherspannung ventral rechts) einer kraniosakralen Lateral Strain rechts-Läsion (Lateral Strain rechts-LäsionKap. 11.7.3 und Abb. 11.33).

Für eine sagittale Scherung superior links bzw, superior rechts gibt es keine entsprechende kraniosakrale Läsion.
Scherspannungen des Schädels in der Frontalebene
(Abb. 11.34)
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Handposition: Eine (linke) Hand umgreift den Gesichtsschädel in Höhe der Alae majores ossis sphenoidalis. Die andere (rechte) Hand liegt quer am Hinterkopf.
Ausführung (Abb. 11.34):
  • Frontale Scherung ventral links bzw. ventral rechts (Abb. 17.20): Der Therapeut bewegt seine Hände gegenläufig zueinander und verschiebt eine (die vordere bzw. hintere) Schädelhälfte in der Frontalebene Frontalebene:Scherung ventral links/rechtslateralwärts und die andere (hintere bzw. vordere) Schädelhälfte entgegengesetzt dazu lateralwärts. Er achtet dabei auf den Gewebewiderstand und nach dem Loslassen auch auf das Zurückkriechen des Gewebes.

  • Frontale Scherung ventral superior bzw. ventral inferior (Abb. 17.20): Der Therapeut bewegt seine Hände gegenläufig zueinander und verschiebt den Gesichtsschädel kranialwärts und den Hinterkopf in der Frontalebene kaudalwärts. Das entspricht einer frontalen Scherung ventral superior. Er achtet dabei auf den Gewebewiderstand und nach dem Loslassen auch auf das Zurückkriechen des Gewebes.

Befunde:
  • Eine frontale Scherspannung ventral links entspricht (genauso wie eine sagittale Scherspannung ventral links) einer Lateral Strain links-Läsion der Lateral Strain links-Läsionkraniosakralen Osteopathie. Eine frontale Scherung ventral rechts entspricht (genauso wie eine sagittale Scherspannung ventral rechts) einer Lateral Strain rechts-Läsion der Lateral Strain rechts-Läsionkraniosakralen Osteopathie (Abb. 11.33).

  • Eine frontale Scherspannung ventral inferior entspricht einer Vertical Strain inferior-Läsion der Vertical Strain inferior-Läsionkraniosakralen Osteopathie. Eine frontale Scherung ventral superior entspricht einer Vertical Strain superior-Läsion der Vertical Strain superior-Läsionkraniosakralen Osteopathie (Kap. 11.7.3 und Abb. 11.33).

Scherspannungen des Schädels in der Transversalebene
(Abb. 11.35)
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Handposition: Der Therapeut umgreift mit einer (rechten) Hand flach das Schädeldach. Die andere (linke) Hand liegt flach um den Hinterkopf.
Ausführung (Abb. 11.35):
  • Transversale Scherung kranial links bzw. kranial rechts (Abb. 17.21): Der Therapeut bewegt seine Hände gegenläufig zueinander und verschiebt die obere Schädelhälfte in der Transversalebene lateralwärts (links bzw. rechts) und die untere Schädelhälfte entgegengesetzt dazu lateralwärts (rechts bzw. links). Er achtet dabei auf den Gewebewiderstand und nach dem Loslassen auch auf das Zurückkriechen des Gewebes. Danach wiederholt er das Ganze in der anderen Richtung.

  • Transversale Scherung kranial ventral bzw. kranial dorsal (Abb. 17.21): der Therapeut bewegt seine Hände gegenläufig zueinander und verschiebt die obere Schädelhälfte in der Transversalebene ventral- bzw. dorsalwärts und die untere Schädelhälfte entgegengesetzt dazu dorsal- bzw. ventralwärts. Er achtet dabei auf den Gewebewiderstand und nach dem Loslassen auch auf das Zurückkriechen des Gewebes. Danach wiederholt er das Ganze in der anderen Richtung.

Befunde: Wenn beispielsweise die Scherung in der Transversalebene kranial nach links leichter und besser geht, handelt es sich um eine transversale Scherspannung kranial links.

Torsionsspannungen des Schädels

Neben unilateralen und sich überkreuzenden Spannungen können Traumata sowie psycho-sozio-emotionale Faktoren bei der Entstehung von Torsionsspannungen eine Torsionsspannungen:TraumenTorsionsspannungen:psycho-sozio-emotionale FaktorenRolle spielen.
Befunde: Die Läsion wird nach der Seite benannt, auf der sich die Ala minor und die Ala major des Os sphenoidale leichter kranialwärts bewegen (bzw. dorsalwärts rotieren) lassen.
Torsionsspannungen des Schädels in der Sagittalebene
(Abb. 11.36)
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Handposition: Die Zeigefinger werden bilateral hinter dem Processus zygomaticus des Os frontale in Höhe der Ala major des Os sphenoidale aufgesetzt. Die Mittelfinger liegen bilateral in Höhe des Arcus zygomaticus (vor dem Ohr), die Ringfinger bilateral auf dem Processus mastoideus (hinter dem Ohr) und die kleinen Finger auf der Squama occipitalis. Die Handflächen können (je nach Größenverhältnis der Hände des Therapeuten zum Schädel der Patientin) eventuell flach auf dem Schädeldach liegen. Die Daumen berühren den Schädel in Höhe des Os frontale oder auch nicht.
Ausführung: Der Therapeut führt den Kopf äußerst langsam und sanft sozusagen in eine intraossäre Torsion in der Sagittalebene, Sagittalebene:Torsionindem er die eine (z. B. rechte) Schädelhälfte um eine laterolaterale Achse ventralwärts und gleichzeitig die andere (z. B. linke) Schädelhälfte um eine laterolaterale Achse entgegengesetzt dazu dorsalwärts rotiert (Abb. 17.22). Das entspricht einer sagittalen Torsion links superior. Dann lässt er behutsam nach, damit das Gewebe zurückkriechen kann.
Der Therapeut achtet auf die Richtung, in der sich die Torsion leichter herbeiführen lässt.
Torsionsspannungen des Schädels in der Frontalebene
(Abb. 11.37)
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Handposition: Mit einer (z. B. der linken) Hand umgreift er den Gesichtsschädel der Patientin, sodass der Daumen und die Finger bilateral den lateralen Rand der Orbita und die Ala major ossis sphenoidalis berühren. Die andere (rechte) Hand wird flach unter den Hinterkopf gelegt (Abb. 17.23).
Ausführung: Der Therapeut führt den Kopf äußerst langsam und sanft sozusagen in eine intraossäre Torsion in der Frontalebene, Frontalebene:Torsionindem er den Gesichtsschädel um eine dorsoventrale Achse zur einen (z. B. linken) Seite und gleichzeitig den Hinterkopf um eine dorsoventrale Achse zur anderen (z. B. rechten) Seite rotiert. Das entspricht einer frontalen Torsion rechts superior, weil die Ala major ossis sphenoidalis rechts nach kranial wandert. Dann lässt er behutsam nach, damit das Gewebe zurückkriechen kann.
Der Therapeut achtet auf die Richtung, in der sich leichter eine Torsion herbeiführen lässt.
Torsionsspannungen des Schädels in der Transversalebene
(Abb. 11.39)
Ausgangsposition: Die Patientin befindet sich in Rückenlage und der Therapeut sitzt am Kopfende der Liege.
Handposition: Der Therapeut sitzt am Kopfende und umgreift mit einer (linken) Hand flach das Schädeldach in Höhe des Os frontale, wobei die Finger nach lateral (rechts) gerichtet sind. Die andere (rechte) Hand liegt möglichst breit und flach um den Hinterkopf, sodass die Finger (nach links) entgegengesetzt zu den Fingern der anderen Hand zeigen (Abb. 17.24).
Ausführung: Der Therapeut führt den Kopf äußerst langsam und sanft sozusagen in eine intraossäre Torsion in der Transversalebene, Transversalebene:Torsionindem er das Schädeldach um eine kraniokaudale Achse zur einen (z. B. linken) Seite und gleichzeitig den vorderen bzw. hinteren Schädelbasisbereich um eine kraniokaudale Achse zur anderen Seite (rechts) rotiert. Das entspricht einer transversalen Torsion links ventral. Dann lässt er behutsam nach, damit das Gewebe zurückkriechen kann.
Der Therapeut achtet auf die Richtung, in der sich leichter eine Torsion herbeiführen lässt.

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