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B978-3-437-22532-1.00059-8

10.1016/B978-3-437-22532-1.00059-8

978-3-437-22532-1

Ursachen von BlähungenBlähungen

Tab. 59.1
Ursache akut chronisch
Aerophagie +++
Infektion +++
Antibiotikatherapie +++ +
alimentär +++ ++
Immobilisation +++
chronische Obstipation +++
Kohlenhydratmalabsorption +++ +++
Colon irritabile +++
chronische Erkrankungen ++ ++
exokrine Pankreasinsuffizienz +++
behinderte Passage ++ +++
bakterielle Fehlbesiedlung + +++

Blähungen

Michael J. Lentze

Symptombeschreibung

BlähungenBlähungen entstehen durch vermehrten Gasgehalt im Magen-Darm-Trakt. Das Gas kann entweder verschluckt werden (Aerophagie) oder durch Bakterien im Darm aus nicht verdauten Kohlenhydraten gebildet werden und bestehen in erster Linie aus Wasserstoff oder Methan. Zu unterscheiden sind akute und chronische Blähungen. Sie äußern sich durch ein vorgewölbtes (geblähtes) Abdomen, häufig mit tympanitischem Klopfschall oder durch Abgang entsprechender Winde.
An sich besitzen sie keinen Krankheitswert, können jedoch auf diverse pathologische Umstände hinweisen. Subjektiv können sie jedoch als außerordentlich unangenehm empfunden werden und führen nicht selten zu sozialer Isolation.

Ursachen und Diagnostik

In Tab. 59.1 sind die häufigsten Ursachen unter dem Gesichtspunkt der akuten oder chronischen Blähungen aufgelistet. Einzelheiten sind im Text beschrieben.
  • BlähungenAerophagie (Luftschlucken durch zu großes Saugerloch, falsche Fütterungstechnik oder zu hastiges Essen); Diagnose durch Anamnese mit/ohne Beobachtung bei der Mahlzeit.

  • Infektion (Gastroenteritis durch Viren oder Bakterien): Diagnose durch Anamnese: Leitsymptom ist der Durchfall, oft auch bei anderen Haushaltsmitgliedern bzw. im Kindergarten/in der Schule. Bei der körperlichen Untersuchung sind die Darmgeräusche vermehrt, meist besteht zusätzlich Fieber.

  • Behandlung mit Antibiotika und Störung der physiologischen Darmflora. Diagnose durch Anamnese (Gabe der Medikamente, Veränderung von Stuhlkonsistenz und -farbe unter der Antibiotikatherapie).

  • Alimentär (z. B. Apfel, Paprika, Lauch, Sellerie, Bohnen, Erbsen, Linsen, Pflaumen, Rohfasern u. a. m. sowie kohlensäurehaltige Getränke): Diagnose durch eine exakte Ernährungsanamnese, ggf. durch ein entsprechendes Ernährungsprotokoll.

  • Immobilisation im Rahmen akuter Erkrankungen. Diagnose durch die Anamnese.

  • Chronische Obstipation: Diagnose durch eine genaue Stuhl- und Ernährungsanamnese sowie die körperliche Untersuchung, bei der die rektale Untersuchung obligat ist (Kap. 58).

  • Kohlenhydratmalabsorption: Bei Laktoseintoleranz oder Fruktosemalabsorption führt ein erhöhter Kohlenhydratgehalt im Kolon zur vermehrten Gasbildung. Diagnose auch hier durch eine exakte Ernährungsanamnese, u. U. in Verbindung mit einem Ernährungsprotokoll. Beweisend: H2-Atemtest nach Gabe des verdächtigten Kohlenhydrats.

  • Colon irritabile (Reizdarm-Syndrom): Diagnose schwierig, da definitionsgemäß eine organische Genese ausgeschlossen sein muss. Typischerweise nehmen Blähungen, Stuhlunregelmäßigkeiten und diffuse Schmerzen im Laufe des Tages zu, was allerdings auch auf andere Ätiologien zutreffen kann (z. B. chronische Obstipation). Häufig findet sich eine besonders sensible Persönlichkeit, oft auch in Verbindung zu anderen Familienmitgliedern. Zu ausführliche Diagnostik kann die Somatisierung verstärken. Am ehesten typisch ist das „Untypische“ für andere Erkrankungen.

  • Chronische Lebererkrankungen: Die Pfortaderstauung behindert den intraabdominellen Gasaustausch. Diagnose durch Anamnese (angeborene Lebererkrankung, Ikterus etc.) und körperliche Untersuchung (Hepatomegalie, Konsistenz der Leber erhöht, bei portaler Hypertension immer Splenomegalie).

  • Exokrine Pankreasinsuffizienz, z. B. bei Zöliakie, zystischer Fibrose, Shwachman-Diamond-Syndrom: Diagnose durch Anamnese und Befund: Bei der Zöliakie fallen Übellaunigkeit und Beginn der Symptome mit Einführung von (glutenhaltiger) Beikost auf; bei zystischer Fibrose steht der große Appetit im Gegensatz zur Dystrophie; das Shwachman-Diamond-Syndrom zeichnet sich durch eine zyklische Neutropenie, evtl. auch durch Veränderung der langen Röhrenknochen aus. Leitsymptom der exokrinen Pankreasinsuffizienz ist das große Stuhlvolumen in Verbindung mit auffallend stinkendem Geruch. Gelegentlich wird auch sichtbares Fett angegeben („glänziger“ Stuhl). Richtungweisend sind erniedrigte Werte für Chymotrypsin oder Elastase im Stuhl. Der diagnostische Goldstandard Sekretin-Pankreozymin-Test ist sehr invasiv und wird heutzutage kaum mehr durchgeführt.

  • Behinderte Darmpassage infolge von Briden oder Stenose (postoperativ oder durch eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung): Diagnose durch die Anamnese: vorausgegangene Operation, Anhaltspunkte für eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (Gewichtsverlust, Durchfall mit/ohne Blut, Arthralgien, Erythema nodosum, Anämie, beschleunigte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit) und fast immer im Vordergrund stehende Koliken (die konkret erfragt werden müssen; die allgemeine Frage nach „Bauchschmerzen“ ist zu ungenau). Apparative Diagnostik: Röntgenabdomenübersicht mit ungleichmäßiger Verteilung der Luft, bei dringendem Verdacht und unsicherem Befund der Übersichtsaufnahme auch mittels Kontrastmittelgabe und Nachweis des Passagehindernisses. Bei Verdacht auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung Laboruntersuchung, Endoskopie mit Histologie und Röntgen des Dünndarms (nur bei Verdacht auf Morbus Crohn).

  • Bakterielle Fehlbesiedlung bei Syndrom der blinden Schlinge: Diagnose durch Anamnese (vorangegangene Operation mit Entstehung einer blinden Schlinge) und H2-Atemtest.

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