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B978-3-437-22532-1.00107-5

10.1016/B978-3-437-22532-1.00107-5

978-3-437-22532-1

Abb. 107.1

[L106]

Fließschema Kleinwuchs.

Abb. 107.2

[L106]

Klassifizierung von Dysproportionierung und Kleinwuchs nach röntgenmorphologischen Kriterien.DysproportionierungKlassifizierungKleinwuchsKlassifizierung

Abb. 107.3

Schematische Darstellung der verschiedenen Knochendysplasien. a) Normale Konfiguration eines wachsenden Röhrenknochens. b) Epiphysäre Störung (s. a. Röntgenaufnahme Abb. 107.4). c) Metaphysäre Störung (s. a. Röntgenaufnahme Abb. 107.4). d) Diaphysäre Störung (s. a. Röntgenaufnahme Abb. 107.5). e) Normaler Wirbelkörper. f) Spondyläre Störung (s. a. Röntgenaufnahme Abb. 107.6). (aus Emery AEH, Rimoin DL, eds: Principle and Practice of Medical Genetics. New York: Churchill-Livingstone, 1983).

Abb. 107.4

[P473]

Röntgenaufnahme der unteren Extremität bei einem 3 Jahre alten Mädchen mit spondyloepi-(meta-)physärer Dysplasie. Unregelmäßige meta- und epiphysäre Zeichnung mit blasigen Veränderungen. Ausgeprägte Reifungsverzögerung der proximalen Femurepiphyse. (Die Aufnahme wurde freundlicherweise überlassen von Frau Prof. Dr. G. Benz-Bohm, Abt. Kinderradiologie des Institutes für Radiologie der Universität zu Köln.)

Abb. 107.5

[P473]

Röntgenaufnahme der Hand und des Unterarms bei einem 11 Monate alten männlichen Säugling mit kraniometaphysärer Dysplasie. Fehlende diaphysäre Verjüngung von Radius und Ulna und ausgeprägte Verplumpung der Phalangen und Metakarpalia. (Die Aufnahme wurde freundlicherweise überlassen von Frau Prof. Dr. G. Benz-Bohm, Abt. Kinderradiologie des Institutes für Radiologie der Universität zu Köln.)

Abb. 107.6

[P473]

Röntgenaufnahme der Wirbelsäule seitlich bei einem 21 Monate alten männlichen Kleinkind mit spondylometaphysärer Dysplasie Typ Kozlowski. Generalisierte Platyspondylie. (Die Aufnahme wurde freundlicherweise überlassen von Frau Prof. Dr. G. Benz-Bohm, Abt. Kinderradiologie des Institutes für Radiologie der Universität zu Köln.)

Typische mit Osteochondrodysplasien assoziierte FehlbildungenDysproportionierung

Tab. 107.1
Fehlbildung typische assoziierte Skelettdysplasien
  • Enzephalozele

  • dünnes Haupthaar

  • Ohrmuschelzysten

  • Katarakt

  • blaue Skleren

  • Hypertelorismus

  • Myopie

  • Nasenwurzelhypoplasie

  • Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte

  • multiple Lippenbändchen

  • Oligodontie, Zahnverformung

  • Mikrognathie

  • klavikuläre Hypo- oder Aplasie

  • Polydaktylie

  • Kamptodaktylie

  • Nagelagenesie, -hypoplasie

  • tiefsitzender Daumen

  • Ichthyosis

  • überzählige Sakralwirbel

  • Hypogenitalismus

  • intersexuelles Genitale

  • Analatresie

  • Darmatresie

  • Nierenzysten

  • Herzfehler

  • dyssegmentaler Kleinwuchs

  • Knorpel-Haar-Hypoplasie, Ellis-van-Creveld-Syndrom

  • diastropher Kleinwuchs

  • Chondrodystrophia punctata

  • Osteogenesis imperfecta

  • Robinow-Syndrom, kraniometaphysäre Dysplasie u. a.

  • spondyloepiphysäre Dysplasie

  • Akrodysostosis

  • diastrophe Dysplasie, kampomele Dysplasie u. a.

  • Ellis-van-Creveld-Syndrom

  • Ellis-van-Creveld-Syndrom, osteosklerotische Dysplasien

  • kampomele Dysplasie

  • kleidokraniale Dysplasie

  • Ellis-van-Creveld-, Majewski-, Saldino-Noonan-Syndrom

  • kampomele Dysplasie

  • Ellis-van-Creveld-Syndrom

  • diastrophe Dysplasie

  • Chondrodysplasia punctata

  • metatrope Dysplasie

  • Robinow-Syndrom

  • Majewski-Syndrom

  • Saldino-Noonan-Syndrom

  • Saldino-Noonan-Syndrom

  • Majewski-Syndrom, Saldino-Noonan-Syndrom

  • Ellis-van-Creveld-, Majewski-, Saldino-Noonan-Syndrom

Typische mit Osteochondrodysplasien assoziierte DeformitätenDysproportionierung

Tab. 107.2
Deformitäten typische assoziierte Skelettdysplasien
  • Klumpfüße

  • Hautgrübchen

  • Gelenkluxationen

  • Gelenkverbreiterung

  • Gelenkkontrakturen

  • Gelenkhypermobilität

  • Knochenauftreibungen

  • Wirbelsäulenverkrümmung

  • Rippenverkürzung, Thoraxhypoplasie

  • Gibbus

  • Makrozephalie

  • Schädelverformung

  • große vordere Fontanelle

  • Kraniotabes

  • Kraniosynostose

  • eingesunkene Nasenwurzel

  • Dentinogenesis imperfecta

  • diastrophe Dysplasie, kampomele Dysplasie

  • kampomele Dysplasie, diastrophe Dysplasie

  • Larsen-Syndrom

  • Kniest-Syndrom

  • diastrophe Dysplasie u. a.

  • M. Morquio

  • verschiedene metaphysäre Dysplasien

  • diastrophe Dysplasie, metatrophe Dysplasie

  • Thoraxdystrophie, Majewski-Syndrom, Saldino-Noonan-Syndrom

  • Mukopolysaccharidosen

  • Achondroplasie, kraniometaphysäre Dysplasie, diverse letale Skelettdysplasien, osteosklerotische Dysplasien

  • Skelettdysplasien mit Osteopenie

  • kleidokraniale Dysplasie, Chondrodysplasia punctata

  • Osteogenesis imperfecta, Hypophosphatasie

  • Hypophosphatasie, thanatophore Dysplasie

  • Akrosynostose u. a.

  • Osteogenesis imperfecta

Dysproportionierung und Kleinwuchs

Bernd C. Schwahn

Eckhard Schönau

Symptombeschreibung

DysproportionierungKleinwuchsAls Kleinwuchs wird eine Körperhöhe < 2 SD unter der Altersnorm bezeichnet. Die Proportionen der verschiedenen Körperteile zueinander ändern sich altersabhängig. Die während der Säuglingszeit kurzen Extremitäten werden während des Verlaufs der körperlichen Entwicklung bis etwa zum 12. Lebensjahr relativ zum Rumpf länger und erreichen dann erwachsene Proportionen. Die Größe des Kopfes nimmt relativ gesehen ab. Beim Neugeborenen beträgt das Verhältnis Kopfhöhe zu Körperlänge 1:4, mit 6 Jahren 1:6, mit 12 Jahren 1:7, bei Erwachsenen 1:8. Sind die altersbezogenen Größenverhältnisse des Körpers erhalten, liegt ein proportionierter Kleinwuchs vor.

Sind die physiologischen Größenbeziehungen zwischen Kopf, Rumpf und Extremitäten bei einer Körperlänge unter der 3. Perzentile nicht mehr gegeben, spricht man von einem dysproportionierten Kleinwuchs.

Der dysproportionierte Kleinwuchs entsteht aufgrund einer ungleichen Beeinträchtigung des Wachstums verschiedener Skelettabschnitte mit Ausbildung abnorm geformter oder zusammengesetzter Knochen. Statische Fehlbildungen einzelner Knochen oder Knochengruppen werden als Dysostose bezeichnet, eine systemhafte und oft progressive Störung der Knorpel- bzw. Knochenentwicklung dagegen als Osteochondrodysplasie. Bei Letzterer kann weiter zwischen Dysplasie (Wachstumsstörung mit Veränderung von Knochengröße und -form) und Dystrophie (Veränderung der Gewebszusammensetzung) unterschieden werden. Osteochondrodysplasien sind generell genetisch bedingt. Osteodystrophien können auch aufgrund erworbener Störungen der Kalzium-Phosphat-Homöostase entstehen (Abb. 107.1).

Rationelle Diagnostik

Anamnese

Die Familienanamnese gibt Aufschlüsse über eine genetische Ätiologie der Erkrankung: Konsanguinität der Eltern mit erhöhter Wahrscheinlichkeit des Vorliegens rezessiver Erbleiden, weitere kleinwüchsige Familienmitglieder, Fehl- oder Totgeburten aufgrund z. B. letaler Osteochondrodysplasien.
Die Elterngröße ist wichtig zur Beurteilung des Kleinwuchses. Bei milden Manifestationen einer Osteochondrodysplasie (z. B. Hypochondroplasie) kann bei hochwüchsigen Eltern die Patientengröße noch in der Altersnorm liegen. Bezogen auf die ungefähre „genetische Zielgröße“ nach Tanner (Summe der Elternlänge, geteilt durch 2, plus 6,5 cm für Jungen und minus 6,5 cm für Mädchen), liegt jedoch eine Länge deutlich unterhalb des Erwartungswertes vor.
Die Schwangerschaftsanamnese liefert Hinweise auf:
  • ein Polyhydramnion,

  • intrauterine Wachstumsretardierung,

  • verminderte Kindsbewegungen

als Begleiterscheinungen von Skelettdysplasien.
Neonatale respiratorische Adaptationsschwierigkeiten können bei Veränderungen des Nasen-Rachen-Raums oder des Thoraxskeletts vorliegen. Die Patientenanamnese ist wichtig hinsichtlich des Manifestationsalters der Symptomatik, das jedoch nicht unerheblich von der Aufmerksamkeit der Eltern und betreuenden Ärzte abhängt und auch große interindividuelle Schwankungen aufweisen kann.

Körperliche Untersuchung

Auxologie
AuxologieDie Körperlänge wird im 1. und 2. Lebensjahr im Liegen gemessen, ab dem 3. Lebensjahr wird die Körperhöhe im Stehen mithilfe eines Stadiometers ermittelt. Die Körperhöhe ist geringer als die im Liegen gemessene Körperlänge.
Objektivierung der Dysproportionierung
DysproportionierungDurch die Inspektion kann zunächst die Frage beantwortet werden, ob ein symmetrischer Körperbau vorliegt oder asymmetrische Verkürzungen vorhanden sind, die eher für Dysostosen als für Osteochondrodysplasien typisch sind. Das Verhältnis von Extremitätenlänge zu Rumpflänge kann gestört sein. Verkürzte Arme fallen auf, wenn die Fingerspitzen bei hängenden Armen nicht den Beckenkamm erreichen. Der inspektorische Aspekt einer Dysproportionierung kann auf zwei Weisen objektiviert werden.
Die Spannweite der Arme wird bei abduzierten Armen von Fingerspitze zu Fingerspitze ermittelt. Sie erreicht normalerweise bis zum Jugendlichenalter einen Zahlenwert, der höchstens 1 cm unter der Körperhöhe liegt. Bei Jungen mit 10 Jahren und bei Mädchen mit 12 Jahren wird ein Verhältnis von 1 : 1 erreicht, während nach Abschluss des Wachstums die Spannweite die Körperhöhe um bis zu 5 cm übertreffen kann (cave Kontrakturen).
Eine Rumpfverkürzung ist klinisch schwerer zu erkennen. Zur Objektivierung eignet sich die Bestimmung der Sitzhöhe oder des Verhältnisses von Ober- zu Unterlänge.
Die Sitzhöhe wird von der Sitzfläche bis zum Scheitel gemessen und dann mit der Differenz von Körperhöhe und Sitzhöhe in Beziehung gesetzt. Etwa gleichwertig ist das Verhältnis der Länge des oberen Körpersegments von der Oberkante der Symphysis pubis bis zum Scheitel (Oberlänge), dividiert durch die Länge des unteren Körpersegments von der Symphysenoberkante bis zum Boden im Stehen (Unterlänge).
Das Verhältnis von Oberlänge zu Unterlänge ändert sich stark altersabhängig. Bei Geburt beträgt sie 1,70, geht gegen 1,0 bei Pubertätsbeginn und beträgt postpubertär etwa 0,89–0,95.
Lokalisierung der Dysproportionierung
DysproportionierungLokalisierungWichtig zur Differenzierung der Ursachen des dysproportionierten Kleinwuchses ist die Lokalisation der Körperregion mit der stärksten Dysproportionierung. Die Extremitäten können isoliert betroffen sein, meist wird jedoch eine Verkürzung von Rumpf und Extremitäten vorliegen. Eine isolierte Verkürzung von Rumpf oder Händen ist ungewöhnlich.
Es sollten dann folgende Aspekte beachtet werden:
  • Sind die Extremitäten symmetrisch in Länge und Umfang?

  • Welcher Abschnitt der Extremität ist von einer Verkürzung betroffen?

Die Extremitäten haben meist ein Segment mit stärkster Verkürzung. Liegt dieses im proximalen Anteil (Humerus, Femur), spricht man von Rhizomelie, liegt es im mittleren Anteil (Radius, Ulna, Tibia, Fibula), von Mesomelie, bei distaler Verkürzung (Hände, Füße) liegt eine akromele Verkürzung oder Akromikrie vor.
Sind Hände und Füße symmetrisch in Größe und Gestalt? Sind Finger und Zehen symmetrisch in der Länge und proportioniert zur Extremität?
Es kann etwa eine Verkürzung der Finger allein vorliegen (Brachydaktylie) oder eine Verkürzung der Mittelhand (Brachymetakarpie), die jeweils auch einzelne Strahlen oder die gesamte Hand betreffen kann.
Ein verkürzter Rumpf ist in der Regel auf eine Verkürzung der Wirbelsäule bei Abflachung der Wirbelkörper (Platyspondylie) zurückzuführen. Es können auch Segmentationsdefekte (z. B. Halb- oder Blockwirbel) vorliegen. Verschiedene Regionen der Wirbelsäule können besonders stark verkürzt sein (zervikal, thorakal, lumbal), wenn auch die Wirbelsäule in der Regel als Ganzes Veränderungen aufweist. Ein kurzer Hals oder eine zervikale Kyphose weisen auf vorwiegend zervikale Spondylopathien, Thoraxverkürzung, -verkrümmung bzw. -asymmetrie oder Rippenlücken auf thorakale und eine Hyperlordose oder ein Gibbus der LWS auf eher lumbale Veränderungen hin.
Suche nach Begleitfehlbildungen oder Deformierungen
Knöcherne Entwicklungsstörungen führen oft zu sekundären Körperdeformitäten, die ebenso wie begleitende Fehlbildungen extraskelettaler Gewebe krankheitsspezifische Hinweise liefern können (Tab. 107.1, Tab. 107.2). Knochenverbiegungen treten vor allem bei verkürzten oder mechanisch insuffizienten, etwa osteomalazischen oder frakturierten Knochen auf und führen zu Hautgrübchen oder akzessorischen Hautfalten. Weiterhin sollte man sich die folgenden Fragen beantworten:
  • Liegt eine Makrozephalie vor?

  • Sind Anomalien von Muskeln oder Blutgefäßen vorhanden?

  • Ist die Muskelmasse symmetrisch?

  • Sind Finger- und Zehennägel regelrecht angelegt?

  • Sind Kontrakturen der Gelenke vorhanden (z. B. der Ellbogen bei Achondroplasie)?

Klinisch-chemische Untersuchungen

Labordiagnostik
Die grundlegenden Parameter der Kalzium- und Phosphorhomöostase müssen bekannt sein, um rachitische Krankheitsbilder zu erkennen: Kalzium und Phosphat i. S., alkalische Phosphatase und Parathormon.
Die histologische, histomorphometrische und evtl. elektronenmikroskopische Beurteilung einer Knochenbiopsie ist nicht generell notwendig, kann jedoch zur Diagnosestellung unklarer Erkrankungen beitragen (z. B. bei milder Osteogenesis imperfecta).
Stoffwechselstörungen im lysosomalen Abbau komplexer Moleküle werden durch Quantifizierung und Differenzierung von Glykosaminoglykanen, Oligosacchariden oder Sphingolipiden im Urin nachgewiesen und durch enzymatische Untersuchungen in Leukozyten oder Fibroblasten bestätigt. Einige der kongenitalen Störungen der Glykosylierung (CDG) können in einer Serumprobe durch Transferrinelektrophorese mit isoelektrischer Fokussierung erkannt werden. Adenosindesaminidase-Defizienz kann direkt durch Messung der Enzymaktivität bestätigt werden. Zahlreiche Störungen in der Synthese oder im Stoffwechsel komplexer Moleküle können jedoch nur molekulargenetisch diagnostiziert werden. Seit die genetischen Grundlagen der meisten vererbbaren Skeletterkrankungen aufgeklärt werden konnten und wirtschaftliche Methoden zum genetischen Screening – etwa durch multiple parallele Sequenzierung von Kandidatengenen – verfügbar wurden, sind molekulargenetische Untersuchungen zur Bestätigungsdiagnostik in den Vordergrund gerückt.

Technische Untersuchungen

Bei objektivierbarem dysproportioniertem Kleinwuchs ist eine röntgenologische Untersuchung unverzichtbar (Abb. 107.2). Mindestens sollten Hände dorsovolar, Wirbelsäule seitlich, Becken a. p., Knie a. p. und ggf. Schädel seitlich geröntgt werden. Eine komplette Aufnahme des Skeletts ist oft nicht zu umgehen. Die Messung der Knochenmineraldichte liefert zusätzlich Hinweise auf eine Mineralisationsstörung, Osteopenie oder Osteosklerose.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Skelettabschnitten nahe den Wachstumsfugen (Epi-, Meta-und Diaphysen, schematische Darstellung Abb. 107.3, Röntgenbilder Abb. 107.4, Abb. 107.5, Abb. 107.6). Epiphysen können verzögert oder irregulär mineralisiert oder verformt erscheinen. Metaphysen können gebechert, verbreitert, gezähnelt oder irregulär geformt sein. Exostosen oder Enchondrome finden sich bevorzugt metaphysär. Diaphysäre Veränderungen können als Hyperostose oder Hypostose imponieren oder auch eine Osteosklerose oder Osteopenie zeigen. Die Beurteilung der Wirbelsäule beschreibt vorwiegend die Größe, Kontur und Anatomie der Wirbelkörper. Häufige Befunde sind:
  • Platyspondylie

  • Ausziehungen oder Verformungen der Wirbelkanten

  • Spaltbildungen

  • Defektbildungen der Wirbel (Segmentationsstörungen)

  • Spina bifida

  • Verengte Bogenwurzelabstände (Achondroplasie)

Die Thoraxaufnahme dient der Beurteilung der Thoraxgröße und -form. Auffällig ist z. B. ein verengter Thorax, vor allem bei den letalen Skelettdysplasien mit der Folge respiratorischer Insuffizienz. Rippenfrakturen bei Osteogenesis imperfecta oder Skapulaaplasie bei kampomeler Dysplasie sind typische Befunde. Der Schädel kann multiple Schaltknochen bei Hypomineralisation (Osteogenesis imperfecta, Hypophosphatasie) oder eine abnorm große vordere Fontanelle, etwa bei kleidokranialer Dysplasie, aufweisen. Das Becken kann hinsichtlich der Ausbildung der Darmbeine, des Azetabulums oder iliakaler Spornbildung auffällig werden. Die Hände bieten eine Fülle von Abnormitäten der einzelnen Knochen, von denen beispielhaft die proximale Verjüngung von Phalangen und Metakarpalia bei einer Dysostosis multiplex bei Mukopolysaccharidosen genannt werden soll.

Besondere Hinweise

Ausgehend vom Hauptsymptom Dysproportionierung und Kleinwuchs gelingt die Diagnosestellung in vielen Fällen aus der Kombination klinischer und radiologischer Befunde durch den Abgleich der erhobenen Befunde mit entsprechenden Darstellungen in der klinischen Referenzliteratur (z. B. Spranger J et al. Bone Dysplasias: An Atlas of Genetic Disorders of Skeletal Development, Oxford University Press, 3rdedition 2012 und Taybi H und Lachman RS, Radiology of syndromes, metabolic disorders amd skeletal dysplasias, St. Louis, Mosby, 5th edition 2006) bzw. mithilfe computerisierter Diagnosefindungssysteme (POSSUM, Skeletal Dysplasia Diagnostician, London Dysmorphology Database etc.).
Klinische und röntgenologische Verlaufsuntersuchungen sind hilfreich, da das Erscheinungsbild einiger Erkrankungen altersabhängig variieren kann. Die Vorstellung des Patienten bei erfahrenen pädiatrischen Dysmorphologen, Endokrinologen oder Stoffwechselspezialisten, Kinderradiologen oder Humangenetikern sollte in unklaren Fällen erwogen werden.
Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Patienten über elektronische Medien einem Kreis von europäischen Spezialisten zur Mitbeurteilung vorzustellen. Informationen hierzu lassen sich der Homepage des „European Skeletal Dysplasia Network“ (http://www.esdn.org) oder der „International Skeletal Dysplasia Society“ (http://www.isds.ch) entnehmen.
Die in den differenzialdiagnostischen Tabellen beispielhaft erwähnten Erkrankungen stellen eine Auswahl aus einer Vielzahl von über 450 hereditären Skeletterkrankungen dar. Die internationale Klassifikation der konstitionellen Knochenerkrankungen (Warman ML et al. Nosology and classification of genetic skeletal disorders: 2010 revision. Am J Med Genet 155: 943–968, 2011) sollte ergänzend herangezogen werden, um eine nosologische Zuordnung zu weiteren möglichen Diagnosen zu erhalten.
Die kumulative Inzidenz der Osteochondrodysplasien liegt bei 1:3000–1:1000 Geburten. Die häufigste davon, die Achondroplasie, tritt mit 2–4:100000 bereits selten auf. Da die Gruppe der segmental betonten Osteochondrodysplasien viele nicht mit Kleinwuchs assoziierte Erkrankungen umfasst, werden hiervon lediglich einzelne Krankheitsbilder erwähnt.
Eine weitere große Gruppe konstitutioneller Knochenerkrankungen äußert sich nicht mit dem Hauptsymptom des dysproportionierten Kleinwuchses, sondern durch Fehlbildung einzelner Knochen oder Knochengruppen. Sie werden in Dysostosen mit kranialer und fazialer Beteiligung, Dysostosen mit vorwiegender Beteiligung der Wirbelsäule und Dysostosen der Extremitäten eingeteilt und in diesem Kapitel nicht weiter aufgeführt. Die mit Dysmorphien assoziierten chromosomalen Aberrationen führen in der Regel zu einem proportionierten Kleinwuchs und sind ebenso nicht Gegenstand dieses Kapitels.
Wichtig ist, auf eine Dysproportionierung aufgrund von Frakturen oder Deformierungen bei sekundärer Osteoporose hinzuweisen, wie sie z. B. nach folgenden Situationen auftreten kann:
  • Störungen der Bildung von Sexual- oder Schilddrüsenhormonen

  • Maligne Systemerkrankungen

  • Stoffwechsel- oder Nierenerkrankungen

  • Immobilisation

  • Malnutrition

  • Medikation mit Glukokortikoiden

Dysostosis multiplex

Dysostosis multiplexEine große Gruppe von Störungen des lysosomalen Abbaus komplexer Moleküle (Mukopolysaccharidosen, Oligosaccharidosen und Sphingolipidosen) führen – mit wenigen Ausnahmen – zu klinischen Speichersymptomen (Hepatosplenomegalie, Vergröberung der Gesichtszüge, Hernien, Obstruktion der oberen Atemwege, Hörminderung, Hornhauttrübung), zu Störungen des Verhaltens und der psychomotorischen Entwicklung mit Regression, zur Bewegungseinschränkung und zu einem kurzrumpfigem Kleinwuchs. Die mit Mukopolysaccharidosen einhergehende Osteochondrodysplasie führt zu einem typischen radiologischen Erscheinungsbild, das irreführenderweise unter dem Begriff Dysostosis multiplex zusammengefasst wird:
  • Großer dolichozephaler Schädel mit Unterpneumatisierung, J-förmiger Sella turcica und Diploe-Verdickung.

  • Zahnanomalien.

  • Verkürzte Wirbelsäule bei ovalären, höhengeminderten Wirbelkörpern mit Hypoplasie der vorderen oberen Wirbelkanten, zungenförmigen ventralen Ausziehungen und oft Gibbusbildung.

  • In der Beckenaufnahme zeigen sich eine mangelnde Ausbildung der Fossa acetabuli und eine Coxa valga.

  • Die Femurepiphysen weisen eine Entwicklungsstörung auf.

  • Am Thoraxskelett fallen verdickte Rippen und Claviculae auf.

  • Die langen Röhrenknochen zeigen eine armbetonte Erweiterung der Diaphysen und Metaphysen mit dünner Kortikalis sowie eine Verzögerung der epiphysären Ossifikation.

  • Eine diffuse Osteopenie der Hand, proximale Verjüngung der Metakarpalia, Verkürzung und Aufweitung der proximalen und mittleren Phalangen, kleine und dysplastische Karpalknochen sowie eine distale Verschlankung von Ulna und Radius mit Änderung des karpalen Winkels sind typisch.

Bei klinisch und radiologisch begründetem Verdacht lässt sich die Diagnose einer Mukopolysaccharidose durch Nachweis einer erhöhte Ausscheidung oder eines gestörten Musters von Glykosaminoglykanen (Dermatan-, Heparan-, Keratansulfat) im Urin nachweisen. Ein abnormes Ausscheidungsmuster von Oligosacchariden in der Dünnschichtchromatografie des Urins wird bei den Oligosaccharidosen (Mannosidose, Fukosidose, Aspartylglukosaminurie, Galaktosialidose) und bei Gangliosidosen gefunden, vermehrte freie Sialinsäure bei den Sialidosen. Die Diagnose muss anschließend durch Messung der Enzymaktivität in Leukozyten, Fibroblasten oder Serum oder genetische Untersuchungen bestätigt werden. Die Vererbung erfolgt grundsätzlich autosomal-rezessiv (AR), mit Ausnahme der MPS Typ II (XLR).

Differenzialdiagnostische Tabellen

Die Gliederung der differenzialdiagnostischen Tabellen erfolgt nach klinischen und röntgenmorphologischen Kriterien (Abb. 107.2).
Die in den Tabellen angeführten OMIM-Nummern beziehen sich auf den online verfügbaren Katalog „Online Mendelian Inheritance in Man®“ (OMIM® An Online Catalog of Human Genes and Genetic Disorders, Updated 2. September 2016 [Baltimore, MD] World Wide Web URL: https://omim.org).
Verwendete Abkürzungen: AD (autosomal-dominante Vererbung), AR (autosomal-rezessive Vererbung), XLD (X-chromosomal-gebundene dominante Vererbung), XLR (X-chromosomal-gebundene rezessive Vererbung).

Differenzialdiagnose von Dysproportionierung, Kleinwuchs und radiologisch vorwiegend metaphysären Veränderungen (nach Ausschluss der DD Rachitis) Dysproportionierung

Tab. 107.3
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose
kurze Extremitäten mit aufgetriebenen Metaphysen, relativ langer Rumpf Makrozephalie, eingesunkene Nasenwurzel, prominente Mandibula, rhizomel betonte Verkürzung, Hirnnervenkompression, muskuläre Hypotonie; AD, meist spontan heterozygote Achondroplasie (omim 100800) oder bei milden Befunden: Hypochondroplasie (omim 146000) quadratische Beckenschaufeln, relativ lange Fibula, enger Wirbelkanal, verkürzter lumbaler Bogenwurzelabstand
FGFR3
akromel betonte Verkürzung, Bänderschlaffheit, schwache Haarpigmentierung, feines Haupthaar, begleitend: M. Hirschsprung, Malabsorptions-syndrom, Immundefizienz; AR Knorpel-Haar-Hypoplasie (metaphysäre Dysplasie Typ McKusick, omim 250250) metaphysäre Auftreibung, relativ zu lange Fibula, geringe Wirbelkörperabflachung
RMRP
gering verkürzter Rumpf, wechselnd stark verkürzte Extremitäten großer Kopf mit prominenter Stirn, Gelenkauftreibungen, Klumpfüße, deutliche Verkürzung und Verbiegung der langen Röhrenknochen, Gelenkkontrakturen, Bänderschlaffheit; AD metaphysäre Dysplasie Typ Jansen (omim 156400) Hyperkalzämie, generalisierte Demineralisation, hyperostotische und sklerotische Schädelbasis
PTHR1
Verbiegung der Beine, kurzgliedriger Minderwuchs, keine Begleitfehlbildungen; AD metaphysäre Dysplasie Typ Schmid (omim 156500) Erweiterung und Becherung der Metaphysen aller langen Röhrenknochen, vor allem des Femurs
COL10A1
exokrine Pankreasinsuffizienz, Neutropenie, Infektneigung, unterschiedliches Ausmaß der metaphysären Veränderungen, evtl. Leukodystrophie; AR Shwachman-Syndrom
(omim 260400)
metaphysäre Auftreibung, Fragmentierung und evtl. Sklerosierung, Epiphysen unauffällig
SBDS

Differenzialdiagnose von Dysproportionierung, Kleinwuchs und segmental betonter Extremitätenverkürzung Dysproportionierung

Tab. 107.4
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose
mesomele Verkürzung von Unterarm und/oder Unterschenkel ohne deutliche radiologische Strukturveränderungen Mikrognathie, deutliche Extremitätenverkürzung und -verformung, Madelung-Deformität (Subluxation der distalen Ulna); pseudo-AR oder pseudo-AD mesomele Dysplasie (Typ Langer omim 249700, AR oder Dyschondrostosis Leri-Weill omim 127300, AD) Hypoplasie von Mandibula und von Ulna und Fibula
SHOX
Beine mehr als Arme deutlich verkürzt, Klumpfuß, Gangstörung, Einschränkung der Beweglichkeit im Ellbogen; AD mesomele Dysplasie Typ Nievergelt (omim 163400) Hypoplasie von Ulna und Fibula, radioulnare und tarsale Synostose
Duplikation in HOXD Gengruppe
Makrozephalie, vorgewölbte Stirn, Mikrognathie, flaches Gesicht, Hypertelorismus, verkürzte Unterarme, Trichterbrust, mäßiger Kleinwuchs, Hypogenitalismus; AR, AD mesomele Dysplasie Typ Robinow (omim 180700, AD, und 268310, AR) Hypoplasie von Ulna und Fibula, Verkürzung von Metakarpalia und Phalangen, Hemivertebrae
ROR2
akromesomele Veränderungen kurze Unterarme, Hände und Füße, eingeschränkte Ellbogenbeweglichkeit, zervikale Syringomyelie; AR oder AD akromesomele Dysplasie (Grebe, omim 200700 AR), mit Wirbelbeteiligung (Maroteaux, omim 602785, AD) u. a. quadratisch geformte Phalangen, posteriore Radiusköpfchenluxation
GDF5, NPR2
akrale Betonung und Kleinwuchs Maxillahypoplasie, kurze Nase, Prognathie, endokrine Störungen möglich; AD Akrodysostose (omim 101800) konisch geformte Epiphysen mit punktförmiger Verkalkung, beschleunigte Knochenreifung, verringerte Bogenwurzelabstände
PRKAR1A
akrale Betonung und Kleinwuchs starke Wachstumsverzögerung, verkürzte Hände und Füße, verdickte Haut; AD akromikrische Dysplasie (omim 102370) verkürzte Metakarpalia und Phalangen
FBN1
rundes Gesicht, grobe Akren, evtl. geistige Behinderung, Katarakt, tetanische Anfälle; AD, SP Pseudohypopara-thyreoidismus und Varianten (Albright-Osteodystrophie, omim 166350, 174800) Brachymetakarpalie, Brachydaktylie mit strähniger Trabekulierung, Hypokalzämie, Hyperparathyreoidismus
GNAS1
feines, spärliches Haar, charakteristische Fazies mit plumper Nase, langem Philtrum, Mikrognathie, verkürzte Phalangen, kognitive Behinderung, Mikrozephalie, Epilepsie; AD trichorhinophalangeale Dysplasie und verwandte akrofaziale Dysplasien (omim 190350, 150230) kurze Phalangen, zapfenförmige Epiphysen, Mittelphalangen betont betroffen, evtl. Femurepiphyse dysplastisch, Exostosen
TRPS1, EXT1
Verkürzung eines Körpersegments, meist der Extremitäten, mit variabler, auch normaler Endgröße hypoplastische oder fehlende Klavikula, Stirnhöcker, weite Schädelnähte, Zahnanomalien, evtl. Syringomyelie; AD kleidokraniale Dysplasie (omim 119600) Schaltknochen der Schädelnähte, defekte Schlüsselbeine, retardierte Ossifikation der Ossa pubis, kurze Endphalangen
RUNX2

Differenzialdiagnose von Dysproportionierung, Kleinwuchs und deutlicher radiologischer Wirbelsäulenveränderungen Dysproportionierung

Tab. 107.5
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose
kurzrumpfiger Kleinwuchs Brustdeformität möglich, vorzeitige Rippenknorpelverkalkung; AD Brachyolmie Syndrome (omim 113500) generalisierte Platyspondylie, laterale Wirbelausziehungen, Femurepiphyse abnorm, metaphysäre Strukturveränderungen
TRPV4
kurze Extremitäten, Wirbelsäulenverkürzung, kurzer fassförmiger Thorax mit Kielbrust, Klumpfüße, Hände unauffällig, Hypertelorismus, Gaumenspalte, Myopie; AD, spontan kongenitale spondyloepiphysäre Dysplasie (omim 183900 u. a.) Denshypoplasie, birnenförmige Wirbelkörper, verzögertes Knochenalter
COL2A1
wie oben, jedoch milder, Manifestation in der Präpubertät, später Osteoarthropathie mit Gelenk- und Rückenschmerz; XLR Dysplasia spondyloepiphysaria tarda (omim 313400) abgeflachte, zentral aufgeworfen erscheinende Wirbelkörper, Hypoplasie der großen Epiphysen, hypoplastische Beckenschaufeln
SEDL
im Kleinkindesalter manifester Kleinwuchs, keine Dysmorphie; AD spondylometa-physäre Dysplasie Typ Kozlowski (omim 184252 u. a.) Platyspondylie, abnormer Femurhals und Trochanter
TRPV4
von Kleinkindalter an Kielbrust, normale Kopfgröße, Hyperlordose der Halswirbelsäule, aufgetriebene Metaphysen, Hornhauttrübung und Hepatosplenomegalie möglich, normale Intelligenz; AR Mukopolysaccharidose (Typ IV Morquio omim 230500 und Typ VI Maroteaux-Lamy omim 253200) Dysostosis multiplex (s. dort), erhöhte Glykosaminoglykanausscheidung, Erniedrigung der N-Acetyl-Galaktosamin-6-Sulfatase oder β-Galaktosidase in Leukozyten
GALNS, GLB1
ARSB
Kyphoskoliose, schmaler Thorax, Sakralanhängsel, eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit bei Hypermobilität der Finger, neonatale Ateminsuffizienz; AD metatrope Dysplasie (omim 156530) Platyspondylie mit zungenförmiger Deformierung, aufgetriebene keulenförmige Metaphysen, hypoplastische Darmbeine, epiphysäre Dysplasie
TRPV4
zunächst kurzgliedriger, dann kurzrumpfiger Kleinwuchs häufig progrediente Skoliose, Kontrakturen, Gaumenspalte, verdickte zystische Ohrmuscheln, Brachydaktylie und abgespreizter kurzer Daumen, Klumpfuß, Herzfehler; AR diastrophe Dysplasie (omim 222600) weite Metaphysen, flache, spät ossifizierende Epiphysen, irregulär deformierte Wirbelkörper mit lumbal abnehmenden Bogenwurzelabständen, Ossifikation des Ohrknorpels und vorzeitig des Rippenknorpels
DTDST
mit Rumpf- und Extremitätenverkürzung, Verkürzung der Extremitäten überwiegt die des Rumpfes Manifestation im Kleinkindesalter, Proportionen wie bei Achondroplasie, Schädel unauffällig, Bänderschlaffheit, Beinfehlstellung, Besserung im Verlauf des Wachstums; AD Pseudoachondro-plasie (omim 177170) Eine der häufigsten Osteochondrodysplasien abgeflachte, zungenförmige Wirbelkörper, epimetaphysäre Läsionen
COMP
Pectus carinatum, Skoliose, evtl. Gaumenspalte, Amotio retinae, Inguinalhernien; AD spondyloepimeta-physäre Dysplasie Strudwick (omim 184250) kurze Röhrenknochen mit kleinen Epiphysen von proximalem Femur, Humerus und Radius bei vergrößerten Knieepiphysen, leichte metaphysäre Unregelmäßigkeiten, Platyspondylie, schmales Becken
COL2A1

Differenzialdiagnose von Dysproportionierung, Kleinwuchs und Zeichen einer gestörten GewebsbildungDysproportionierung

Tab. 107.6
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose
Schmerzen und Deformierungen oder Knochenauftreibungen, Endgröße nicht regelhaft verringert multiple Exostosen, Nageldystrophie, sekundäre Deformierungen der betroffenen Extremitäten, Kompressionsphänomene der Nerven, Endgröße normal oder leicht vermindert; AD multiple kartilaginäre Exostosen (omim 133700, 133701, 600209) radiologischer Nachweis von ubiquitär lokalisierbaren Exostosen
EXT1, EXT2
multiple knöcherne physennahe Tumoren, später asymmetrische Extremitätenverkürzung; SP Enchondromatose (M. Ollier; in Kombination mit Hämangiomen: Maffucci-Syndrom, omim 166000) umschriebene physennahe asymmetrische Demineralisierungen und evtl. Auftreibung des Knochens
PTPN11, PTHR1
zwischen 5. und 15. Lebensjahr Schmerzen und Deformierung, Frakturen, mono- oder polyostotisch; SP fibröse Dysplasie (Jaffe-Lichtenstein, omim 174800), mit endokrinologischen Ausfallen: McCune-Albright-Syndrom (omim 174800) fleckige Verdichtung oder zystische Aufhellung der Extremitäten oder Schädelknochen, hirtenstabförmiger Femur
GNAS1-Mosaik

Differenzialdiagnose von Dysproportionierung, Kleinwuchs und verminderter Knochenmasse mit erhöhter Strahlentransparenz (Osteopenie) nach Ausschluss einer sekundären Osteoporose Dysproportionierung

Tab. 107.7
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose
Knochendichte verringert mit erhöhter Frakturinzidenz, sekundäre Deformierungen, Kurzgliedrigkeit der Extremitäten nach multiplen Frakturen multiple Frakturen, blaue Skleren, okzipitale Kraniotabes, Schwerhörigkeit, evtl. Dentinogenesis imperfecta, Skoliose möglich, Besserung postpubertär, Blutungsneigung, Bänderschlaffheit, milder Verlauf; AD Osteogenesis imperfecta Typ I nach Sillence und Rimoin (früherer Typ Lobstein, omim 166200 oder 166240) Osteoporose, dünne, zarte Knochen mit Frakturzeichen, multiple Schaltknochen des Schädels, elektronenmikroskopisch vermindertes hypomineralisiertes Osteoid, osteoblastäre Auffälligkeiten
COL1A1, COL1A2
kurzgliedriger Minderwuchs bei Geburt, weite Fontanellen, Muskelhypotonie, blaue Skleren, letaler Verlauf; AD, AR Osteogenesis imperfecta Typ II (früher Typ Vrolik, omim 166210 oder 259400) konnatale multiple Extremitäten- und Rippenfrakturen, ungenügende Ossifizierung des Schädeldaches
COL1A1, COL1A2, CRTAP, LEPRE1, PPIB
Knochendichte verringert mit erhöhter Frakturinzidenz, sekundäre Deformierungen, Kurzgliedrigkeit der Extremitäten nach multiplen Frakturen pränataler Kleinwuchs, multiple kongenitale Frakturen der Extremitäten, Taubheit, progrediente Deformierungen, Dentinogenesis imperfecta, schwerer Verlauf; AD, AR Osteogenesis imperfecta Typ III (omim 259420) zunächst eher verdickte Röhrenknochen, später zarter Knochenbau, evtl. zystische „Popcorn“-Epiphysen
COL1A1, COL1A2, CRTAP, LEPRE1, PPIB, FKBP10, SERPINH1
wie Typ I, jedoch keine persistierenden blauen Skleren, keine Schwerhörigkeit, meist leichter Verlauf, auch bleibende Deformierungen möglich, selten; AD, AR Osteogenesis imperfecta Typ IV omim 166220 s. Typ I, Dentinogenesis imperfecta möglich
COL1A1, COL1A2, CRTAP, FKBP10, SP7
wie Typ IV; selten Osteogenesis imperfecta, andere Formen (Bruck Syndrom …) FKBP10, PLOD2, LRP5
Bein- und Rückenschmerzen beim Schulkind, erhöhte Frakturinzidenz, Spontanheilung nach Adoleszenz, selten; SP idiopathische juvenile Osteoporose (omim 259750) generalisierte Osteoporose, Nachweis von Fischwirbeln oder Wirbelfrakturen?
LRP5
Frühinfantile Manifestation von Dysmorphie, Störung von Wachstums und psychomotorischer Entwicklung Haut- und Bänderschlaffheit, charakteristische Fazies, dünne, brüchige, verdrehte Haare, Hernien, Krampfanfälle; XLR Morbus Menkes (omim 309400) Osteoporose, Schaltknochen, aufgeweitete Metaphysen, metaphysäre Frakturen, Funktionsstörung Cu-abhängiger Enzyme
ATP7A

Differenzialdiagnose von Dysproportionierung, Kleinwuchs und erhöhter Knochenmasse mit verminderter Strahlentransparenz (Osteopetrose) Dysproportionierung

Tab. 107.8
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose
kurzgliedriger Kleinwuchs, häufig Makrozephalie, Verdichtung und Verdickung der Knochen mit erhöhter Frakturinzidenz, Deformierungen, Schmerzen, sekundäre Dysproportionierung charakteristische Gesichtsdysmorphie, Frakturneigung, Extremitätenverkürzung, verzögerter Verschluss der Fontanelle, keine Blutbildungsstörung; AR Pyknodysostose (omim 265800) generalisierte Osteosklerose, Akroosteolysen
CTSK
Frakturneigung, evtl. Kielbrust, verzögerter Fontanellenverschluss, Oligoodontie, Hautatrophien, Hirnnervenausfälle; AR Dysosteosklerose (omim 224300) Schädelknochen verdickt und sklerotisch, Hypopneumatisation, Platyspondylie und Sklerose der Wirbel, verkürzte, verdickte und gebogene Diaphysen, flaschenförmige Metaphysen, epimetaphysäre Sklerose langer Röhrenknochen?
PTHR1
Beginn im Kleinkindesalter, großer Schädel, Verdickung und Deformierung der langen Röhrenknochen, Muskelschwäche, Hörverlust, evtl. blaue Skleren, ähnlich M. Paget; AR Ostiektasie mit Hyperphosphatasie (omim 239000) Verdickung und Auffaserung der Kortikalis (vor allem des Schädels) mit vergröberter Trabekulierung, hyperostotische Inseln der Kalotte, Frakturneigung, AP und Harnsäure erhöht
OPG
Gedeihstörung, Anämie, Hepatosplenomegalie, Hirnnervenausfälle, Infektanfälligkeit, Tod im 1. Lebensjahrzehnt; AR Osteopetrose, frühmanifeste Formen (omim 259700 und 611490) generalisierte Hyperostose und Osteopetrose, metaphysäre Auftreibung
CLCN7, TCIRG1, OSTM1
kurzgliedriger Kleinwuchs, häufig Makrozephalie, Verdichtung und Verdickung der Knochen mit erhöhter Frakturinzidenz, Deformierungen, Schmerzen, sekundäre Dysproportionierung wie oben, Frakturen, Zahnanomalien, Osteomyelitiden, Anämie, Hirnnervenausfälle, variabler Verlauf; AR, selten AD oder XL Osteopetrose, spätmanifeste Formen (omim 259710, 612302, 300301 u. a.) symmetrische Verdichtung, Marmorknochen, metaphysäre Auftreibung, mit ektodermaler Dysplasie und Immunschwäche
RANK, RANKL, PLEKHM1, CLCN7, LRP5, IKBKG, FERMT3, RASGRP2
Kleinwuchs, Hepatosplenomegalie, frühe Manifestation, benigner Verlauf, Basalganglienverkalkung, distale renaltubuläre Azidose; AR Karboanhydratase-II-Defizienz (omim 259730) metabolische Azidose bei Osteopetrose
CA2
Manifestation intrauterin (Polyhydramnion) bis ins 1. Lebenshalbjahr, Reizbarkeit, asymmetrische Betroffenheit, schubweiser Verlauf mit Entzündungszeichen; severe AR, mild AD infantile kortikale Hyperostose Caffey (omim 114000) asymmetrische kortikale Hyperostose von Unterkiefer, Klavikula oder Extremitätenknochen, i. d. R. spontanes Ausheilen
COL1A1
Manifestation im Klein- bis Schulkindesalter, lange Röhrenknochen betroffen, symmetrischer Beinschmerz, Muskelhypotrophie; AD progressive diaphysäre Dysplasie (Camurati-Engelmann, omim 131300) symmetrische endostale und periostale Hypertrophie
TGFB1
Genu valgum, Schädel unauffällig; AR Pyle-Dysplasie (omim 269500) ausgeprägte hyperostotische kolbenförmige Auftreibung der Metaphysen langer Röhrenknochen
SFRP4
Hyperostose und Osteosklerose erhöhte Frakturneigung, Gangstörung oder Schmerzsymptomatik, eher kurzgliedrige Dysproportionierung frühe Manifestation, Makrozephalie, breite Nasenwurzel, Hirnnervenausfälle; AD mildere Form AR Kraniometaphysäre Dysplasie (omim 123000, AD; 218400, AR) Hyperostose von Schädelbasis und evtl. Schädeldach, aufgetriebene Metaphysen wie M. Pyle
ANKH (AD), GJA1 (AR)
wie oben mit Beteiligung des Schädels (kraniotubuläre Dysplasie) frühe Manifestation mit Hypertelorismus, behinderter Nasenatmung, Zahnanomalien, Hirnnervenausfälle, Entwicklungsverzögerung und Kleinwuchs; AD, AR kraniodiaphysäre Dysplasie (AD, omim 122860 and milder variants 269500, 239100) vorwiegend faziale und kraniale Osteosklerose und Hyperostose, diaphysäre Verdickung und Endostose der langen Röhrenknochen mit Verlust der metaphysären Modellierung
SOST
wie oben und kurzer Rumpf bei Skoliose späte Manifestation, kleines Kinn, betonte Supraorbitalwülste, verzögerter Zahnwechsel, Bewegungseinschränkung akraler Gelenke, renale Fehlbildungen, Hirsutismus, pulmonale Obstruktion; XLD frontometaphysäre Dysplasie und weitere Varianten des otopalatodigitalen Syndroms (omim 305620) fehlende Pneumatisation der Stirnhöhlen, frontale faziale und diaphysäre Hyperostose und Sklerose, Mandibulahypoplasie, zervikale Wirbelanomalien, lumbale Platyspondylie, Erlenmeyer-Kolben-Form der Metaphysen
FLNA

Differenzialdiagnose von Dysproportionierung, Kleinwuchs und generalisierter MineralisationsstörungDysproportionierungKleinwuchs

Tab. 107.9
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose
Verkrümmung der langen Röhrenknochen, Genua vara, Gangstörungen, kurzgliedriger Kleinwuchs Auftreibung der Metaphysen mit Doppelhöckerbildung, Kraniotabes, muskuläre Hypotonie, Harrison-Furche, Tetanie, keine Erblichkeit Vitamin-D-Mangel-Rachitis Röntgen der nichtdominanten Hand: Physenverbreiterung, becherförmige Metaphysen mit unscharfer Begrenzung. Osteomalazie, Hyperparathy-reoidismus, Hyperphosphatasie, 25-OH-Vitamin-D im Serum ↓
Rachitis mit fehlendem oder schlechtem Ansprechen auf pharmakologische Vitamin-D-Substitution; AR Vitamin-D-abhängige Rachitisformen (omim 264700, 277420, 277440) Hyperphosphatasie, niedriges Kalzium und Phosphor im Serum, Vitamin-D-Metabolite im Serum normal
VDR, CYP27B1, CYP2R1
Klinik wie oben Rachitis bei hepatobiliären Erkrankungen, Antiepileptika-Therapie, Nierenerkrankungen Kap. 94
Klinik wie oben, Erniedrigung der alkalischen Phosphatase; AD Hypophosphatasie (omim 146300) Rachitiszeichen, Ausscheidung von Phosphoäthanolamin im Urin erhöht, Defekt der alkalischen Phosphatase
ALPL
Klinik wie oben, keine Zeichen des Kalziummangels, progressive Ankylose der WS, Nephrokalzinose, Innenohrschwerhörigkeit; XLD oder AD X-gebundene hypo-phosphatämische Rachitis (omim 307800) Rachitiszeichen, renale Phosphorclearance deutlich ↑, Phosphor im Serum ↓, AP ↑
PHEX (XLD), FGF23 (AD)

Differenzialdiagnose von Dysproportionierung, Kleinwuchs und neonataler Manifestation DysproportionierungKleinwuchs

Tab. 107.10
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose (Gen)
schwere Dysproportionierung, meist nur kurzes postpartales Überleben bei Ateminsuffizienz großer Schädel, kurzer Hals, Extremitäten stark verkürzt, Hydrops fetalis, Herzfehler; AR (I) bzw. AD (II) Achondrogenesis IA, (omim 200600), IB (omim 600972) und II (omim 200610) Ossifikationsstörung von Wirbelsäule, Becken, Schädel, Rippenfrakturen
TRIP11 (IA)DTDST (IB) COL2A1 (II)
Extremitäten verkürzt, schmaler Thorax mit langem Rumpf, Makrozephalie mit evtl. Kleeblattschädel, Hirnfehlbildungen, Herzfehler; AD thanatophore Dysplasie (omim 187600) Verkrümmung und Verkürzung langer Röhrenknochen mit metaphysärer Erweiterung, Wirbelabflachung, Beckenhypoplasie
FGFR3
deutliche Extremitätenverkürzung, schmaler Thorax, ausladendes Abdomen, Polydaktylie, abgeflachtes Gesicht, Gaumenspalte, Fehlbildungen von Gehirn und inneren Organen; AR Kurzripp-Polydaktylie-Syndrome: Saldino-Noonan (omim 613091), Majewski (omim 263520) u. a. kurze Rippen und Röhrenknochen, Platyspondylie, schmales Becken, koronare Wirbelkörperspalten, punktförmige Epiphysenverkalkung
DYNC2H1, NEK1
weite Fontanelle, Kraniotabes, Muskelhypotonie, blaue Skleren, multiple Frakturen mit sekundärer Deformierung und Extremitätenverkürzung; AD, AR schwere Osteogenesis imperfecta (Typ II nach Sillence) Extremitäten- und Rippenfrakturen, ungenügende Ossifizierung des Schädeldaches
COL1A1, COL1A2, CRTAP, LEPRE1, PPIB
Kraniotabes, postpartal Atemstörung, kurze verkrümmte Extremitäten; AR Hypophosphatasie, perinatal letale und infantile Formen (omim 241500) Erniedrigung der alkalischen Phosphatase, Rachitiszeichen, erhöhtes Phosphoethanolamin im Urin
ALPL
wie oben, jedoch Überleben möglich Gelenkkontrakturen, charakteristische abgeflachte Fazies, rhizomele Extremitätenverkürzung, Katarakt, dünnes Haar, ichthyosiforme Hautveränderungen, schwere psychomotorische Retardierung, neurologische Störungen; AR Chondrodysplasia punctata, rhizomele Formen 1–3
(omim 215100, 222765, 600121)
punktförmige Epiphysenverkalkung, kurze Femora und Humeri, koronare Spaltwirbel, Verkalkung von Larynx oder Trachea sichtbarPEX7, DHAPAT, AGPS
langer schmaler Thorax, Verkürzung der Akren betont, evtl. postaxiale Polydaktylie, Dandy-Walker-Malformation, Balkenagenesie, Retinadegeneration, Nageldysplasie, später Nephropathie; AR asphyxierende Thoraxdystrophie (Jeune-Syndrom, omim 208500) kurze Rippen, quadratische Ossa ilii, kurze Mittel- und Endphalangen mit konischen Epiphysen
IFT80, DYNC2H1
kurzgliedriger Kleinwuchs, Verkürzung von Armen und Händen mit Nagelhypoplasie, postaxiale Hexadaktylie, multiple Lippenbändchen, Zahnanomalien, Herzfehler, Epi- oder Hypospadie; AR chondroekto-dermale Dysplasie (Ellis-van-Creveld-Syndrom, omim 225500) schmaler Thorax, charakteristisches Becken, akromesomele Verkürzung der Extremitätenknochen, verbreiterte Metaphysen, Hypoplasie der Tibiaepiphyse, verkürzte und hypoplastische Phalangen
EVC1
kurzgliedriger Kleinwuchs, großer Kopf mit vorspringender Stirn, eingesunkene Nasenwurzel, schmaler Thorax, kurze Extremitäten, Dreizackhand; AD homozygote Achondroplasie (omim 100800) enge Schädelbasis bei großem Hirnschädel, kurze Mandibula, kurze gebecherte Rippen, flache Wirbelkörper, lumbal abnehmende Bogenwurzelabstände, quadratische Beckenschaufeln, rhizomel betonte Verkürzung
FGFR3
wie oben, dabei vorwiegend Verkürzung und Verbiegung der Femora und Tibiae Makrozephalie, Mikrognathie, schmaler Thorax, Kyphoskoliose, Klumpfüße, tracheobronchiale Hypoplasie, muskuläre Hypotonie, evtl. intersexuelles Genitale; AD kampomele Dysplasie (omim 114290) schmale, unregelmäßig geformte Rippen (häufig 11 Paare), Platyspondylie, hypoplastische Halswirbel, Scapulae und Claviculae, Hüftluxation
SOX9

Differenzialdiagnose von Dysproportionierung, Kleinwuchs und radiologisch vorwiegend epiphysären Veränderungen (nach Ausschluss einer Hypothyreose) Dysproportionierung

Tab. 107.11
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose
Verformung oder unregelmäßige Ossifizierung der Epiphysen mit kurz-gliedrigem Kleinwuchs Asymmetrie der Extremitätenverkürzung, Gelenkkontrakturen, Skoliose, flaches Gesicht, Katarakt, Ichthyosis, Alopezie, mentale Retardierung, Taubheit; X-linked Chondrodysplasia punctata, Typ Conradi-Hünermann XLD (omim 302960) oder XLR (omim 302950) punktförmige epiphysäre und spinale Verkalkung mit Dysplasie, Spaltwirbel, verkürzte distale Phalangen bei rezessiver Form
EBP, ARSE
wie oben mit Beteiligung der Wirbelsäule mäßiger kurzgliedriger Kleinwuchs, Kyphoskoliose, Rücken-und Gelenkschmerz, akromel betonte Verkürzung bei schweren Formen; AD, (seltener AR) multiple epiphysäre Dysplasien (omim 132400, und weitere Varianten AD) (omim 226960, AR) unregelmäßige, flache oder kleine Epiphysen, Metakarpalia und Phalangen evtl. auffällig, irreguläre Wirbelkörper, Hüftdysplasie
COMP, COL9A2, COL9A3, MATN3 (AD); COL9A1, DTDST (AR)
wie oben mit Verkürzung des Rumpfs durch stärkere Veränderungen der Wirbelsäule (s. auch dort) kurze Extremitäten, Wirbelsäulenverkürzung, kurzer, fassförmiger Thorax mit Kielbrust, Klumpfüße, Hände unauffällig, Hyper-telorismus, Gaumenspalte, Myopie; AD kongenitale spondyloepiphysäre Dysplasie (omim 183900 und andere Varianten) Denshypoplasie, birnenförmige Wirbelkörper, verzögertes Knochenalter, verzögerte Ossifikation der Femurepiphysen
COL2A1
im Schulkindalter auftretender kurzrumpfiger Kleinwuchs; XLD tardive spondyloepiphysäre Dysplasie (omim 313400) generalisierte lumbal betonte Abflachung der Wirbelkörper, frühe Koxarthrose
SEDL

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