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B978-3-437-22532-1.00104-X

10.1016/B978-3-437-22532-1.00104-X

978-3-437-22532-1

Abb. 104.1

Fußfehlstellungen.

a) Neugeborenes mit Klumpfuß.

b) Kleinkind mit Sichelfuß.

c) Säugling mit Hackenfuß.

Ätiologie der Fußfehlformen

Tab. 104.1
angeboren erworben
  • muskulär

  • Trauma

  • knöchern

  • Entzündung

  • neurogen

  • neurogen

  • Tumoren

Differenzialdiagnose angeborener Fußfehlformen

Tab. 104.2
Stellung des Vorfußes Stellung des Rückfußes
Klumpfuß adduziert + supiniert varus + Fersenhochstand
Sichelfuß adduziert orthograd
Hackenfuß orthograd + maximal dorsal flektierbar orthograd
Knick-Plattfuß leicht proniert
leicht abduziert
Fersenvalgus

Fußfehlstellungen

Jürgen Rütt

Symptombeschreibung

FußfehlstellungenFußfehlstellung treten angeboren oder erworben auf. Somit sind sie einerseits beim Säugling, andererseits beim Kind bzw. Jugendlichen feststellbar. Sie können isoliert vorkommen oder als Teilsymptom einer generalisierten Erkrankung. Anatomisch betrachtet können sie sich auf den Vorfuß bzw. die Zehen, den gesamten Fuß oder auf den Rückfuß mit dem oberen Sprunggelenk beziehen. Dabei sind ossäre, muskuläre, neurogene und/oder arthrogene Veränderungen ursächlich (Tab. 104.1). Doch auch schmerzbedingt werden Fußfehlstellungen vorgefunden. Bei der Diagnostik und damit Zuordnung zum jeweiligen Krankheitsbild stehen Inspektion und Palpation im Vordergrund, ergänzt durch Röntgen und evtl. spezielle Diagnoseverfahren.

Rationelle Diagnostik

Anamnese

Bei angeborenen Deformitäten steht die Familienanamnese im Vordergrund. Bei erworbenen Deformitäten müssen eine mögliche Traumaanamnese erhoben, Fragen nach allgemeinen Krankheitssymptomen (Entzündungserkrankungen – Tumorerkrankungen) gestellt und neurologische Veränderungen eruiert werden.

Körperliche Untersuchung

Angeborene Deformitäten wie Polydaktylien, Syndaktylien und Spaltfüße sind bereits inspektorisch diagnostizierbar. Klumpfuß, Sichelfuß und Hackenfuß bedürfen neben der Feststellung des äußeren Aspektes der zusätzlichen palpatorischen und Bewegungsuntersuchung und der neurologischen Untersuchung:
  • Dabei zeigt der FußfehlstellungKlumpfußKlumpfußKlumpfuß (Abb. 104.1a) die typische Supination und Adduktion des Vorfußes bei gleichzeitigem Spitzfuß mit Hochstand des Kalkaneus und Achillessehnenverkürzung sowie Fersenvarus.

  • Beim SichelfußSichelfußFußfehlstellungSichelfuß (Abb. 104.1b) findet sich bei regelrecht stehendem Rückfuß eine Adduktion des Vorfußes. Davon zu unterscheiden ist der Hallux varus, eine alleinige Adduktionsstellung der Großzehen. Erwähnenswert bezüglich evtl. Differenzialdiagnosen ist die angebliche Adduktion des Fußes bei vermehrtem Innenrotationsgang seitens der Hüftgelenke.

  • Der HackenfußHackenfußFußfehlstellungHeckenfuß (Abb. 104.1c) ist an der maximalen Dorsalflexion des Fußes erkennbar, wobei der Fußrücken die vordere Tibiakante berührt. Bei jeder der drei zuletzt genannten Deformitäten muss die Redressierbarkeit des Fußes beachtet werden, um die adäquate Therapie einzuleiten.

  • Beim kongenitalen PlattfußPlattfußFußfehlstellungPlattfuß mit Talus verticalis liegt ebenfalls ein Kalkaneushochstand vor, aber der Vorfuß steht meist in Abduktion und Pronation, und palpatorisch ist der Talus plantar spürbar (Tab. 104.2).

Beim älteren Kind kann das Gangbild Aufschluss über mögliche Erkrankungen geben, deren Ursachen nicht im Fußbereich selbst zu suchen sind. Hier liegen eher sekundäre Veränderungen vor, wie z. B. beim Spitzfuß oder Steppergang. Auch schmerzbedingte Schonhaltungen täuschen Fußfehlstellungen vor. Schwellung, Rötung und lokale Druckschmerzhaftigkeit geben Hinweis auf die Lokalisation einer evtl. entzündlichen Affektion.
Am oberen Sprunggelenk muss bei entsprechender Traumaanamnese die Stabilitätsprüfung erfolgen. Neben dem oben angesprochenen, eindeutig zu diagnostizierenden kongenitalen Plattfuß müssen noch der flexible Plattfuß, der physiologische Knick-Senkfuß und der neurogene Knick-Plattfuß genannt werden:
  • Beim flexiblen Plattfuß ist das mediale Längsgewölbe aufgehoben, bei verkürzter Achillessehne und Rückfußvalgus ist die Dorsalextension vermindert. Im Zehenspitzenstand ist das Längsgewölbe darstellbar.

  • Der physiologische Knick-SenkfußKnick-SenkfußFußfehlstellungKnick-Senkfuß weist bei Hyperpronation des Vorfußes eine Valgität im Rückfuß auf, die im Zehenspitzenstand vollständig ausgleichbar ist. Weiterhin ist bei korrigiertem Fersenstand eine regelrechte Dorsalflexion im Vorfuß nachweisbar.

  • Der neurogene Knick-PlattfußKnick-PlattfußFußfehlstellungKnick-Plattfuß ähnelt im äußeren Bild dem des flexiblen Plattfußes bei zumeist deutlich stärkerer Ausprägung. Hier ist selten eine aktive Aufrichtung möglich, da eine neuromuskuläre Funktionsstörung zugrunde liegt.

Eine weitere Vorfußfehlstellung ist ebenfalls zu beachten, der jugendliche Hallux valgusHallux valgusFußfehlstellungHallux valgus, der auf einem Metatarsus varus des 1. Zehenstrahles beruht.
Ausdruck einer Fußfehlform kann, wie oben erwähnt, auch die schmerzbedingte Schonhaltung sein. Hier muss bei Schwellung, Rötung und Fieber immer ein mögliches entzündliches Geschehen angenommen werden. Die übliche Diagnostik mit evtl. Szintigrafie und MRT muss eingeleitet werden.

Röntgenuntersuchung

Neben der genauen Darstellung der einzelnen Fußknochen zueinander zur Verifizierung der vorher genannten Deformitäten ermöglicht die Röntgenaufnahme des Fußes in 2 Ebenen die Zuordnung anderer unklarer Fußschmerzen, insbesondere in der Adoleszenz.
Die Osteonekrose am Os naviculare, an den Metatarsalköpfchen und die Osteochondrosis dissecans am Talus sind zu beachten.
Auch die Apophysitis calcanei wird radiologisch bestätigt.
Knochentumoren sind im Fußbereich bei Kindern und Jugendlichen sehr selten. Zu nennen sind als benigne Formen:
  • Kartilaginäre Exostosen

  • Aneurysmatische Knochenzyste

  • Osteoidosteom und Osteoblastom

Als maligne Form wird nur auf das Ewing-Sarkom verwiesen.
Auch Weichteiltumoren, die meist mithilfe des MRT aufgeklärt werden, sind sehr selten.

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