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B978-3-437-22532-1.00044-6

10.1016/B978-3-437-22532-1.00044-6

978-3-437-22532-1

Differenzialdiagnose der Heiserkeit bei kongenitalen LäsionenHeiserkeitLäsionen, kongenitale

Tab. 44.1
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose
laryngeale Malformationen
Heiserkeit kongenitaler Stridor, Inappetenz Laryngomalazie direkte Laryngoskopie i. N., weiche und blasse omegaförmige Epiglottis, aryepiglottische Falte verkürzt
Atemnot, Stridor, Zyanose Krikoarytenoidankylose bds. Stimmlippenstillstand, Elektromyografie des M. vocalis
inspiratorischer Stridor, tonlose Stimme glottisches Segel typischer lupenlaryngoskopischer Befund, Segel in der vorderen Kommissur
in- und exspiratorischer Stridor, Dyspnoe, Husten, Stimme teilweise normal subglottische Stenose direkte Laryngoskopie, ringförmige Enge der Subglottis
häufig Pneumonien, Husten, Aspirationsneigung laryngotracheale Spalte mit ösophagealer Fistel direkte Laryngoskopie i. N., Instillation von Methylenblau, radiologische Verfahren
zystische Läsionen
selten Atemnot, klinisches Bild des Blähhalses Laryngozele direkte Laryngoskopie, Luftfüllung der Laryngozele durch Pressen
häufig asymptomatisch, lange Anamnese Retentionszyste direkte Laryngoskopie, Histologie
Schluckbeschwerden Thyroglossuszyste direkte Laryngoskopie, Schilddrüsendiagnostik
Aspirationssyndrome
Inappetenz pharyngoösophageale Dyskinesie Röntgen-Breischluck, direkte Laryngoskopie, gerötete Stimmlippen
Angiome
Atemnot, Stridor unabhängig von der Stimmbelastung Lymphangiom direkte Laryngoskopie i. N., Histologie
Atemnot, Stridor, Zunahme des Stridors beim Schreien, weitere Manifestationen im Hautbereich Hämangiom direkte Laryngoskopie i. N., meist subglottisch gelegen
Fehlbildungssyndrome
geistige Retardierung, katzenartiges Schreien, Vierfingerfurche, Epikanthus, Hypertelorismus
Schluckstörung
Cri-du-chat-Syndrom
Pseudobulbärparalyse
Chromosomenaberration Chromosom Nr. 5
Anamnese, Computertomografie

Heiserkeit – Halsschmerzen

Georg Mathias Sprinzl

Symptombeschreibung

HeiserkeitHeiserkeitHalsschmerzen und Halsschmerzen zählen zu den Leitsymptomen bei Erkrankungen von Mundhöhle, Pharynx, Larynx und Trachea. Unter dem Symptom der Heiserkeit bzw. der Dysphonie versteht man eine Veränderung der normalen Stimmlage. Halsschmerzen können eine ganze Reihe von Symptomen, wie z. B. Schluckbeschwerden und Ohrenschmerzen, hervorrufen. Das Auftreten von Heiserkeit und Halsschmerzen kann sowohl durch akut entzündliche Veränderungen, durch Tumoren, aber auch durch kongenitale Malformationen verursacht werden. Zielführend bei der Diagnostik derartiger Erkrankungen ist die richtige Deutung von zusätzlich die Erkrankungen begleitenden Symptomen wie z. B. Otalgie, Dyspnoe und Dysphagie.
Bereits minimale Veränderungen im Bereich des Kehlkopfes, z. B. die Existenz eines Stimmlippenpolyps oder eines Papilloms, können, ebenso wie die Verminderung des subglottischen Anblasedrucks durch ein pulmonologisches Problem, zum Symptom der Heiserkeit führen.

Aufgrund der im Säuglings- und Kindesalter wesentlich kleineren intraluminalen Durchmesser der glottischen und subglottischen Region kann die Heiserkeit als Frühsymptom von lebensbedrohlichen Infektionen, wie z. B. der akuten Epiglottitis (Abb. 44.1, Farbtafel), auftreten.

Die Heiserkeit als Symptom bedarf also einer genauen differenzialdiagnostischen Abklärung, da eine Bagatellisierung des Symptoms zu fatalen Folgen für die Patienten führen kann.
Halsschmerzen in Kombination mit den Symptomen Dysphagie, Fieber und Ohrenschmerzen können bei Adoleszenten auf eine akute Tonsillitis hinweisen.

Wichtig ist die Abgrenzung der akuten TonsillitisTonsillitis, akute zum Krankheitsbild des PeritonsillarabszessesPeritonsillarabszess.

Neben der hämatogen verursachten Sepsis ist auch die Komplikation der Kieferklemme und des Zungengrundödems mit möglicher Verlegung der Luftwege gefürchtet (Abb. 44.2, Farbtafel).
Die Inzidenz des Peritonsillarabszesses ist im 2.–3. Lebensjahrzehnt am höchsten. Eher selten wird der Peritonsillarabszess im Kleinkindesalter beobachtet. Im 2. Lebensjahrzehnt lässt sich für das Auftreten des Peritonsillarabszesses ein zweiter Häufigkeitsgipfel erkennen. Das Auftreten der sog. Monozytenangina bei infektiöser Mononukleose wird am häufigsten im 2. Lebensjahrzehnt beobachtet.

Rationelle Diagnostik

Anamnese

Heiserkeit und Halsschmerzen können auf verschiedene Formen der Erkrankungen des oberen Aerodigestivtrakts hindeuten. Wesentlich ist bei der Beurteilung des Krankheitsbildes – soweit möglich – eine ausführliche Anamnese des Patienten selbst. Hinweise auf die Dauer einer Heiserkeit, Zunahme der Beschwerden und Auftreten von Luftnot können richtungweisend für die Einleitung lebensrettender Maßnahmen im Sinne einer sofortigen Sicherstellung der oberen Luftwege sein. Bei Vergiftungen oder bei der Ingestion von Säuren oder Laugen ist die Erhebung der Fremdanamnese hilfreich.
Die Fremdanamnese durch die Eltern und die Kenntnis der verschluckten Fremdkörper sind wesentlich für die Diagnostik und Therapie.
Ebenso kann bei einem Vorliegen einer kongenitalen Anomalie die Auskunft der Mutter und der Geburtshelfer über das zeitliche Auftreten der Beschwerden wichtige Informationen über die Erkrankung geben:
  • Eine Laryngomalazie wird, ähnlich wie die angeborene subglottische Stenose, innerhalb der ersten 3 Lebenswochen symptomatisch werden.

  • Das Auftreten subglottischer Hämangiome wird eher zwischen dem 1. und 3. Lebensmonat beobachtet.

  • Kutane Hämangiome sind in etwa 50 % der Fälle ebenfalls bei Neugeborenen mit subglottischen Hämangiomen vorhanden.

  • Hinweisend für die, in der Regel nicht therapiebedürftige, kongenitale einseitige Stimmlippenparese ist der kraftlose Säuglingsschrei bei normaler Atmung.

  • Beidseitige kongenitale Stimmlippenparesen werden klinisch durch die Leitsymptome Atemnot, Stridor und Zyanose offensichtlich. Erstrangig ist die Tracheostomie zur Sicherstellung der Luftwege erforderlich.

  • Eine genaue Klärung des Geburtsablaufs kann ggf. auf eine traumatisch bedingte Rekurrenslähmung hinweisen.

  • Zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 3. Lebensjahr, meist nach banalen Infekten, wird gehäuft das Auftreten einer Laryngotracheitis (Abb. 44.3, Farbtafel) beobachtet.

  • Die potenziell wesentlich gefährlichere akute Epiglottitis – Entwicklung innerhalb weniger Stunden – tritt meistens zwischen dem 3. und 8. Lebensjahr auf (Abb. 44.1, Farbtafel).

  • Heiserkeit und Atemnot 2–3 Monate nach einem in Intubationsnarkose durchgeführten Eingriff können durch Intubationsgranulome hervorgerufen werden. Liegt der Eingriff nur 2–3 Wochen zurück, kann es sich bei den Symptomen Heiserkeit und Atemnot auch um die Anzeichen einer sich frühzeitig ausbildenden iatrogen bedingten subglottischen Stenose handeln.

Halsschmerzen sind das Leitsymptom für akut entzündliche Affektionen der Tonsillen. Im Kindesalter können jedoch auch allgemeinere Symptome, wie Schüttelfrost, meningeale und abdominale Zeichen das Leitsymptom in den Hintergrund treten lassen. Das rezidivierende Auftreten von akuten Tonsillitiden auf der Grundlage einer chronisch-entzündlich veränderten Gaumen- oder Rachenmandel kann suffizient nur durch eine (Adeno-)Tonsillektomie behandelt werden. Die Fremdanamnese durch Angehörige sowie die Eigenanamnese sind bei der Indikationsstellung zur Operation mit entscheidend.

Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung bei Patienten mit Halsschmerzen und Heiserkeit umfasst eine vollständige Befunderhebung an Ohren, Nase, Kehlkopf und Halsweichteilen. Nur auf diese Weise kann eine suffiziente differenzialdiagnostische und ätiologische Abklärung der Beschwerden erfolgen. Die Schmerzsymptomatik einer akuten Tonsillitis – Halsschmerzen mit Ausstrahlung in die Ohren – kann eine akute Otitis media imitieren. Gerade im Kindesalter können akute Tonsillitiden jedoch auch mit einer akuten Otitis media einhergehen. Nach einer Untersuchung von Ohren und Nase kommt der Inspektion der Mundhöhle bei der Beurteilung der Halsschmerzen eine entscheidende Rolle zu.
Die Inspektion der Mundhöhle sollte bei Kindern mit einer akuten Dyspnoe vorsichtig durchgeführt werden.

Der Spateldruck auf die Zunge bei einem Kind mit akuter Epiglottitis kann aufgrund des reflektorisch ausgelösten Laryngospasmus zu einem sofortigen Verschluss der Luftwege führen.

Die Inspektion wird mit zwei Mundspateln durchgeführt und sollte immer auf einen Seitenvergleich der zu beurteilenden Organe oder Gebiete besonderes Augenmerk legen.

„Einseitige“ Prozesse im HNO-Fachgebiet gelten als malignitätsverdächtig bis zum Beweis des Gegenteils.

Differenzialdiagnostisch müssen einseitige Schwellungszustände in der Region der Gaumenmandel und der seitlichen Pharynxwand ohne das Auftreten lokaler Entzündungsreaktionen auch an generalisierte Lymphknotenerkrankungen denken lassen.
Wichtig ist die Beurteilung der Schleimhaut des gesamten oropharyngealen Raums:
  • Der Lokalbefund der akuten Angina simplex imponiert zumeist mit glasig geschwollenen und geröteten Gaumenmandeln.

  • Die Angina lacunaris weist neben geröteten und vergrößerten Tonsillen auch teilweise konfluierende Beläge auf. Die zunächst als Stippchen auftretenden gelb-weißlichen Beläge sind von der Unterlage gut abwischbar.

  • Im Gegensatz zu den gut abwischbaren Belägen bei einer Angina lacunaris stehen die eher grünlich grauen, schwer abwischbaren – meist die Uvula bedeckenden – Beläge im Rahmen einer Diphtherie. Die angulären Lymphknoten sind schmerzhaft geschwollen. Der Allgemeinzustand der Kinder ist meist deutlich reduziert, sodass einer allgemein-pädiatrischen Untersuchung im Rahmen der Diagnostik ein besonderer Stellenwert zukommt.

  • Die Scharlachangina ähnelt in ihrem klinischen Bild der lakunären Angina. Die Abgrenzung zur Angina lacunaris wird durch das Erkennen der hochroten Schleimhäute der Gaumensegel und der Zunge erleichtert.

  • Die infektiöse Mononukleose tritt als lymphotrophe Viruserkrankung vorwiegend im Jugendlichenalter auf. Halsschmerzen, Fieber über 38,5 °C und vor allem generalisierte Lymphknotenschwellungen sind zu beobachten. Milzschwellung, Lebervergrößerung und Ikterus treten häufig auf. Die Tonsillen sind gerötet und geschwollen, sie können jedoch auch nekrotische Areale zeigen.

  • Ähnlich wie bei der infektiösen Mononukleose treten bei der Tonsillitis ulceromembranacea (Plaut-Vincent-Angina) einseitige Ulzera an der Gaumenmandel mit grau-weißlichen Belägen auf. Es bestehen starke Schluckschmerzen sowie eine regionäre Lymphknotenvergrößerung. Die entzündlichen Reaktionen können auf die Mundschleimhaut übergreifen, die Allgemeinsymptomatik (subfebrile Temperatur) ist jedoch im Vergleich zum klinischen Bild der Erkrankung relativ gering. Die Erkrankung selbst tritt gegen Ende des 1. Lebensjahrzehnts am häufigsten auf.

  • Der Peritonsillarabszess (Abb. 44.2, Farbtafel) entwickelt sich meistens im Anschluss an eine akute Angina, seltener im Rahmen einer chronischen Tonsillitis. Lokal zeigt sich eine massive Vorwölbung im Bereich des Gaumenbogens mit konsekutiver Verdrängung der Uvula zur Gegenseite. Es bestehen erhebliche Schluckbeschwerden, Fieber sowie teilweise eine unterschiedlich ausgeprägte Kieferklemme. Wichtig ist die Beurteilung des Kehlkopfes zum Ausschluss eines begleitenden Ödems im Kehlkopfeingang.

Kehlkopf, Hypopharynx und Trachea können entweder mithilfe der Spiegeltechnik indirekt laryngoskopisch oder durch die Verwendung kleiner Endoskope und Optiken direkt dargestellt werden. Die Untersuchung des Kehlkopfes mit den o. g. Techniken ist, ebenso wie bei der Untersuchung mit flexiblen Nasenoptiken, abhängig von Kooperationsbereitschaft und Alter des Patienten. Abschließend erfolgt die bimanuelle Palpation der Halsweichteile.

Klinisch-chemische Untersuchungen

Gerade bei akut entzündlichen Prozessen ist die Kontrolle der Entzündungsparameter im Blut der Patienten wegweisend. Die Untersuchungen von Blutbild, Blutsenkung und C-reaktivem Protein liefern einerseits differenzialdiagnostisch wichtige Hinweise, lassen andererseits auch den Schweregrad von akuten Infektionen erkennen. Im Rahmen einer Monozytenangina sind serologische Untersuchungen (EBV-Antikörper) und die Differenzierung des Blutbilds – meist ausgeprägte Lymphozytose mit monozytären Zellen – wegweisend. Bei chronischen Tonsillitiden kann die Kontrolle des Anti-Streptolysin-Titers (AST) hilfreich für die Indikationsstellung zur Tonsillektomie sein.
Der Rachenabstrich dient mit dem Nachweis von Corynebacterium diphtheriae zur Diagnosesicherung einer Diphtherie. Viele virale Infekte sind häufig bakteriell überlagert, sodass der Rachenabstrich in diesen Fällen die Entscheidung zur Einleitung einer antibiotischen Therapie erleichtern kann.

Technische Untersuchungen

Die Ultraschalluntersuchung mit hochauflösenden Schallköpfen ist das am minimalsten invasive diagnostische Verfahren zur Darstellung des Kehlkopfes und der Luftröhre. Eine Darstellung des Kehlkopfskeletts selbst sowie der prälaryngealen Muskulatur ist in Grenzen möglich. Limitierungen erhält das Verfahren durch die den Ultraschall auslöschenden Luftsäule der Trachea und des Kehlkopfes.
Nativröntgenaufnahmen (seitlich und a. p.) können Hinweise auf Formanomalien und evtl. vorhandene Fremdkörper des Kehlkopfes und der Trachea geben.
Die Tracheazielaufnahme eignet sich zur Darstellung der Ausdehnung von Trachealstenosen. Der sichere Ausschluss einer Kehlkopffraktur kann durch die Computertomografie gelingen.
Die Durchführung einer Computertomografie kann durch die mangelnde Einsicht und Kooperationsbereitschaft erschwert werden, sodass die Untersuchung teilweise nur in Sedierung oder einer kurzen Narkose möglich ist. Auch hier lässt die seitliche Weichteilaufnahme des Halses wichtige Aussagen über ein nicht sicher manuell palpables Emphysem sowie den Grad der Verletzung zu.
Trotz der technischen Fortschritte auf dem Gebiet der bildgebenden Verfahren ist es auch unter therapeutischen Gesichtspunkten notwendig, eine direkte Inspektion des Kehlkopfes und ggf. auch der Trachea in Allgemeinnarkose durchzuführen. In dieser Untersuchung wird dem Patienten bei rekliniertem Kopf ein starres Rohr in das Niveau von Larynx und Trachea vorgeschoben. Der mikroskopisch unterstützte diagnostische Eingriff kann unter bestimmten Voraussetzungen auch therapeutisch erweitert werden. Glottische Segel, Granulationspolypen (Abb. 44.4, Farbtafel) oder auch Fremdkörper lassen sich unter Anwendung des passenden Instrumentariums (Mikrozangen, Laseradapter) gefahrlos entfernen. Der Vorteil der Untersuchung in Narkose liegt – wegen fehlender Abwehrbewegungen des Patienten – in der sicheren Beurteilbarkeit von Kehlkopf und Luftröhre. Technisch kann die Untersuchung inzwischen auch mit der sog. tubuslosen Jet-Ventilation durchgeführt werden. Der Vorteil dieser Technik liegt in der besseren Übersicht des Operateurs über das Operationsfeld – der meist störende Tubus ist nicht vorhanden – und in der leichteren postoperativen anästhesiologischen Nachbetreuung.

Besondere Hinweise

Die häufigsten Ursachen für Heiserkeit und Halsschmerzen im Säuglings- und Kindesalter sind sicherlich die entzündlichen Prozesse des Kehlkopfes und des Oropharynx.
Kongenitale Fehlbildungen sind zwar weniger häufig, müssen bei Säuglingen jedoch an zweiter Stelle in die differenzialdiagnostischen Erwägungen mit einbezogen werden. Neurogene Ursachen der Heiserkeit spielen eher eine untergeordnete Rolle.
Traumatische Ursachen (Abb. 44.5, Farbtafel), die zu Heiserkeit führen können, wie z. B. eine Fremdkörperaspiration, das Verschlucken von säure- bzw. laugenhaltigen Agenzien, treten relativ häufig im Kleinkindesalter auf. Die Fremdkörperaspiration hat ihren Häufigkeitsgipfel innerhalb des 1.–3. Lebensjahres. Heiserkeit ist das Leitsymptom für laryngeal liegende Fremdkörper. Fremdkörper im Larynx oder in der Trachea findet man relativ selten. Die meisten Fremdkörper liegen in den Hauptbronchien, wobei der rechte Hauptbronchus 4-mal so häufig betroffen ist wie der linke. Neben der Heiserkeit ist der Husten das Hauptsymptom.

Eine häufige Todesursache bei Kindern vom 1. bis zum 6. Lebensjahr ist die Fremdkörperaspiration.

Physiologisch ist die regelmäßig auftretende Heiserkeit von Adoleszenten im Rahmen des Stimmwechsels.

Differenzialdiagnostische Tabellen

Differenzialdiagnose der Heiserkeit bei neurogenen ErkrankungenHeiserkeitErkrankungen, neurogene

Tab. 44.2
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose
supranukleäre Läsionen
Heiserkeit geburtstraumatische Komplikation subdurales Hämatom Punktion des Subduralraums
Krampfanfälle, zunehmender Kopfumfang Hydrozephalus Sonografie, Computertomografie
Spina bifida Meningozele Computertomografie
nukleäre Läsionen
Kopfschmerzen, Meningismus bulbäre Poliomyelitis Liquorbefund
Parästhesien an den Extremitäten, schleichende Tetraplegie Guillain-Barre-Syndrom Liquorbefund, EMG
Drehschwindel, Sehstörung, Ataxie Hirnstammeinklemmung Computertomografie, MRI
periphere Läsionen
Anamnese kardiovaskuläre Anomalien klinischer Verlauf Sonografie
Ptosis, Miosis, Enophthalmus mediastinale Tumoren Computertomografie
Sehstörung, Gaumensegellähmung Myasthenia gravis EMG, Testinjektion eines Cholinesterasehemmers
Anamnese Neuropathien klinischer Verlauf

Differenzialdiagnose der Heiserkeit bei InfektionenHeiserkeitInfektionen

Tab. 44.3
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung derDiagnose
Heiserkeit Husten, keine Dyspnoe Laryngitis simplex hochrote, verdickte Stimmlippen
inspiratorischer Stridor mit exspiratorischem Röcheln, kloßige Sprache, Atemnot Fieber > 38,5 °C, plötzlicher Verlauf, Leukozytose akute Epiglottitis Lokalbefund: geröteter und geschwollener Kehldeckel, Anamnese, Labor
inspiratorischer Stridor, trockener und bellender Husten akute subglottische Laryngitis mäßige Temperaturerhöhung, entzündliche Schwellung unterhalb der Stimmlippen
in- und exspiratorischer Stridor, Rasselgeräusche pulmonal Laryngotracheobronchitis direkte Laryngoskopie, Röntgen-Thorax
Dyspnoe, Stridor, Husten, plötzliches Auftreten nachts spastische Laryngitis Verlauf, Spontanremission
bellender Husten, Stridor, plötzliche Atemnot, langsam progredienter Verlauf Diphtherie direkte Laryngoskopie, Abstrich, klinisches Bild, Nachweis von Pseudomembranen
initial Schwellung im Gaumen oder Gesichtsbereich angioneurotisches Larynxödem direkte Laryngoskopie, ödematöse Schwellung im gesamten Kehlkopfbereich
Husten, Fieber, Otalgie, Atemnot Kehlkopfperichondritis Anamnese, Labor, Kernspintomografie
Husten Masernlaryngitis Anamnese, klinisches Bild
Lungentuberkulose, Husten Kehlkopftuberkulose direkte Laryngoskopie i. N., verdickte Stimmlippe unilateral, Histologie, Kultur, Anamnese
Aphonie, Atembehinderung, Fremdanamnese Kehlkopfsyphilis direkte Laryngoskopie i. N., Serologie, Histologie

Differenzialdiagnose der Heiserkeit infolge Tumoren oder traumatischer ProzesseHeiserkeitTumorHeiserkeitTrauma

Tab. 44.4
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose
gutartige Tumoren
Heiserkeit Tab. 44.1 Zysten
Anamnese, Z. n. Intubation vor 2–3 Wochen Intubationsgranulome direkte Laryngoskopie, Granulom am Proc. vocalis des Arytenoidknorpels
Anamnese Schreiknötchen direkte Laryngoskopie, breitbasig, helles Knötchen am Übergang vom vorderen zum mittleren Stimmlippendrittel
multiples Auftreten zwischen 2.–4. Lebensjahr, inspiratorischer Stridor Papillome direkte Laryngoskopie
Luftnot, Anamnese Neurofibrome direkte Laryngoskopie, Histologie
Tab. 44.1 Hämangiome, Lymphangiome
bösartige Tumoren
Stridor, Luftnot Rhabdomyosarkom Plattenepithelkarzinom direkte Laryngoskopie i. N., Histologie
traumatische Läsionen
Emphysem, Luftnot, Anamnese Kehlkopffraktur Röntgenaufnahme der Halsweichteile, Computertomografie, direkte Laryngoskopie
Luftnot, Anamnese Hämatom direkte Laryngoskopie
Stridor, Schmerzen, Hämoptysis, Husten, Aphonie Kehlkopffremdkörper direkte Laryngoskopie i. N., Röntgenaufnahme der Halsweichteile
Schmerzen, Luftnot, Anamnese Ingestion von Säuren und Laugen direkte Laryngoskopie
iatrogene Ursachen
Anamnese, Z. n. Intubation Arytenoid-Luxation direkte Laryngoskopie
Anamnese Tracheostomie
Anamnese kardiovaskuläre Eingriffe direkte Laryngoskopie

Differenzialdiagnose der Halsschmerzen infolge entzündlicher ProzesseHalsschmerzenEntzündung

Tab. 44.5
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose
Halsschmerzen Fieber, Otalgie, Rötung und Schwellung der Tonsillen Angina catarrhalis simplex klinischer Verlauf
Stippchenbildung an den Tonsillen, konfluierende, gut abwischbare Beläge Angina lacunaris Labor (CRP), Abstrich
Fieber > 38,5 °C, Ikterus, generalisierte Lymphknotenschwellungen Monozytenangina Labor, Oberbauchsonografie
massive Vorwölbung und Rötung eines Gaumenbogens, Schluckstörung, Kieferklemme Peritonsillarabszess Sonografie, Labor, Fieber, Uvula-Ödem
Fieber, Mattigkeit, Schluckschmerzen, Bläschenbildung an Tonsillen und Gaumenbögen Herpangina Serologie, Blutbild
Immundefekt, weißliche Beläge, leicht abwischbar Soorangina klinisches Bild
subfebrile Temperatur, einseitige Tonsillitis Plaut-Vincent-Angina Abstrich
hochrote Schleimhäute, „Himbeerzunge“, massive Lymphknotenschwellungen Scharlachangina Abstrich, Serologie
schwer abwischbare Beläge, leicht vulnerable Schleimhaut Diphtherieangina Labor, Abstrich, Serologie
Rötung und Schwellung der Tonsillen, Leukämie, Z. n. Chemotherapie Angina agranulocytotica klinischer Verlauf, Anamnese
flache, adhärente Tonsillen, gerötete, gefäßinjizierte Gaumenbögen chronische Tonsillitiden AST erhöht, Anamnese
Schleimhautrötung, subfebrile Temperatur akute Pharyngitiden klinischer Verlauf

Differenzialdiagnose der Halsschmerzen infolge nicht entzündlicher Erkrankungen

Tab. 44.6
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose
traumatische Läsionen
Halsschmerzen Blutung, Schluckbeschwerden, Anamnese Pfählungsverletzungen direkte Inspektion, Computertomografie
Schluckbeschwerden, Anamnese Verbrennungen direkte Inspektion
Ingestion toxischer Substanzen
Erbrechen, Schock, Schluckbeschwerden z. B. Säure und Lauge klinisches Bild, Anamnese!
Tumorerkrankungen
Fieber, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß Leukämie Blutbild, Knochenmarkpunktion
fehlende lokale Entzündungszeichen Lymphome Computertomografie, Histologie
einseitiger Tonsillenbefund, Ulkus Plattenepithelkarzinome Histologie

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