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B978-3-437-22532-1.00045-8

10.1016/B978-3-437-22532-1.00045-8

978-3-437-22532-1

Abb. 45.1

[L217]

Differenzialdiagnose der Otalgie.

Ätiologie von OtalgienOtalgie bei Kindern (modifiziert nach J. N. Dolitsky 2003)

Tab. 45.1
Ohrenschmerzen bei Erkrankungen des Ohrs (intrinsische Ohrenschmerzen) äußerer Gehörgang
  • Otitis externa (allergisch/nichtallergisch)

  • Cerumen obturans/andere Fremdkörper

  • Gehörgangsfurunkel

  • Perichondritis

  • präaurikuläre Fistel

  • Insekten

  • Myringitis

  • Trauma (besonders Sturz aufs Kinn)

  • Verletzung durch Ohrreinigung

  • Tumor

Mittelohr, Tuba auditiva und Mastoid
  • Barotrauma

  • Tubenfunktionsstörung

  • akute Mittelohrentzündung

  • Mastoiditis (akut, subakut, chronisch)

  • chronische Schleimhauteiterung

  • Petrositis/otogene Meningitis

  • Tumor

  • genuines Cholesteatom

  • erworbenes Cholesteatom

  • eosinophiles Granulom

  • Wegener-Granulomatose

Fortgeleitete Ohrenschmerzen(topografisch geordnet) Nervus trigeminus
  • Zähne

  • Unterkiefer

  • Kiefergelenk

  • Mundraum (Zunge)

Nervus facialis
  • Bell-Lähmung

  • Tumor

  • Herpes zoster

Nervus glossopharyngeus
  • Rachen- und Gaumenmandeln

  • Oropharynx

  • Nasopharynx

Nervus vagus
  • Larynx/Pharynx

  • Ösophagus

  • Schilddrüse

Trigonum cervicale
  • Lymphknoten

  • mediane oder laterale Halszyste

  • Halswirbelsäule

  • Halsweichteilentzündung

Sonstiges
  • Migräne

  • Neuralgien

  • Nebenhöhlenentzündung

  • zentrales Nervensystem

Bildgebende Diagnostik bei Ohrenschmerzen

Tab. 45.2
hochauflösende Dünnschicht-Computertomografie (CT) im Knochenfenster Standardverfahren zeigt detailliert knöcherne Felsenbeinanatomie (Ossicula, pneumatisierte Zellen, Cochlea, Bogengänge, Fazialiskanal) und pathologische Prozesse (anatomische Variationen, Flüssigkeitsansammlungen, Einschmelzungen, ossäre Destruktionen)
Sonografie Abklärung periaurikulärer Weichteilveränderungen, z. B. vergrößerte Lymphknoten nicht zur Darstellung von Mittelohr und Mastoid geeignet
konventionelle Röntgendurchleuchtung in Projektion nach Schüller zur groben anatomischen Orientierung oder Reserveverfahren Übersicht über Warzenfortsatz, Kiefergelenk, äußerer und innerer Gehörgang, Lage der Schädelbasis und des Sinus sigmoideus; kann große knöcherne Einschmelzungen zeigen
andere Schädelspezialaufnahmen (z. B. Stenvers) obsolet heute durch CT/MR völlig abgelöst
Kernspintomografie spezielle Fragestellungen: zum Ausschluss einer Entzündung im Mittelohr/Mastoid bei klinisch unklarem Befund, Weichteildurchbruch bei Mastoiditis, Tumor, Meningozele bei entzündlichen Erkrankungen mit Ohrenschmerzen als erstes bildgebendes Verfahren nicht indiziert, kann die für Mastoiditis charakteristische Knochenzerstörung nicht zeigen

Ohrenschmerzen

Konrad Stürmer

Karl-Bernd Hüttenbrink

Hans Edmund Eckel

Symptombeschreibung

OhrenschmerzDas Ohr wird auf komplexe Weise sensibel innerviert: Sensible Afferenzen verlaufen im N. trigeminus, N. facialis, N. glossopharyngeus, N. vagus und im Plexus cervicalis. Diese dichte und komplexe Innervation hat zur Folge, dass Ohrenerkrankungen zu besonders heftigen lokalen Schmerzen führen können; andererseits können häufig Erkrankungen, die anatomisch nicht dem Ohr zuzuordnen sind, dennoch zu Ohrenschmerzen führen. Damit können Otalgien einerseits Symptom von intrinsischen Ohrenerkrankungen, andererseits aber auch Symptom einer Reihe von anderen Erkrankungen im Kopf-Hals-Gebiet sein (sog. fortgeleitete Otalgie). Ohrenschmerzen gehören zu den häufigen Krankheitssymptomen im Kindesalter. Wenngleich sie bei Kindern in der Regel auf eine Ohrentzündung hindeuten, können doch auch eine Reihe anderer Krankheitsbilder mit Ohrenschmerzen einhergehen. Einen Überblick über mögliche ätiologische Faktoren gibt Tab. 45.1.
Ohrenschmerzen können sich mit einer Reihe von unterschiedlichen Schmerzqualitäten manifestieren, die häufig bereits eine differenzialdiagnostische Wegweisung zulassen:
  • Heftige stechende akute Schmerzen im Ohr bei akuten Entzündungen des Mittelohrs und des äußeren Ohrs

  • Dumpfe und bohrende Schmerzen „tief im Ohr“ bei der subakuten und der chronischen Mastoiditis

  • Druck- oder Völlegefühl im Ohr, das insbesondere von jungen Kindern nur schwer beschrieben werden kann, bei Tubenfunktionsstörung und bei Erkrankungen des Innenohrs

  • Lästige juckende Missempfindungen bei Erkrankungen der Haut im Bereich von Ohrmuschel und Gehörgang (allergische und nichtallergische Ekzeme, Pilzinfektionen)

OhrenschmerzenOhrenschmerzMittelohrentzündungakuteMittelohrentzündungakute bei akuten Mittelohrentzündungen werden oft als besonders heftig beschrieben. Erwachsene, die solche akuten Mittelohrentzündungen durchgemacht haben, beschreiben später die Schmerzen als so stark und eindrucksvoll, dass sie noch lange Zeit nach Abklingen der Erkrankung in Erinnerung bleiben.

Rationelle Diagnostik

Die Vorgehensweise ist in Abb. 45.1 ersichtlich.
Bei der Untersuchung eines Kindes mit Ohrenschmerzen erfolgt zunächst die Inspektion der Ohrmuschel, der periaurikulären Haut und insbesondere der Haut über dem Planum mastoideum. Ekzeme der Haut und Perichondritiden der Ohrmuscheln äußern sich durch eine Rötung und teigige Schwellung der Haut in den betroffenen Arealen.

Ohrenschmerzen mit retroaurikulärer Rötung und abstehender Ohrmuschel

Bei der akuten MastoiditisOhrenschmerzMastoiditis, akuteMastoiditis, akute findet sich meist eine Rötung und teigige Schwellung der retroaurikulären Haut, verbunden mit einem heftigen Druck- oder Klopfschmerz in diesem Bereich und einem Abstehen der Ohrmuschel (Abb. 45.2, Farbtafel). Charakteristisch ist die Anamnese mit Schnupfen und Ohrenschmerzen (Mittelohrentzündung) ca. 14 Tage vorher, auch mit stummem Intervall bei unzureichender Antibiotikagabe, ggf. auch mit Verlängerung des Vorlaufs diskreter Symptome und unbemerktem Fortschreiten der Knochenzerstörung bei larvierter (okkulter) Mastoiditis (besonders bei: Immundefizienz, Mangelernährung etc.) In der Ohrmikroskopie/Otoskopie zeigt sich typischerweise ein Paukenerguss und ein gerötetes und verdicktes Trommelfell, im fortgeschrittenen Stadium gelegentlich auch eine Absenkung des Gehörgangsdaches. Ein Durchbruch der Knochenzerstörung in die Umgebung führt zu den typischen Komplikationen:
  • Abszedierung nach kaudal in den M. sternocleidomastoideus: Bezold-Mastoiditis mit charakteristischem Schiefhals

  • Abszedierung nach vorn: Gradenigo-Syndrom mit Trigeminusschmerz und ipsilateraler Parese des N. abducens

  • Abszedierung nach oben und medial: Meningitis und Hirnabszess

  • Abszedierung nach innen: Labyrintitis

  • Abszedierung nach hinten: Sinusvenenthrombose/-abszess

Die Diagnostik wird dann vervollständigt durch die bildgebende Diagnostik, die neben der Verschattung der pneumatisierten Zellen eine knöcherne Einschmelzung zeigt, und durch den laborchemischen Nachweis unspezifischer Entzündungsparameter (Blutbild, CRP und BKS deutlich erhöht). Bei den bildgebenden Verfahren ist heute die dünnschichtige Computertomografie (CT) der Felsenbeine zwingend erforderlich, da nur sie die pathognomonische und die Operationsindikation auslösende knöcherne Destruktion zeigen kann. Eine MRT kann nur bei uncharakteristischer Klinik die fehlende Entzündung im Mittelohr und Mastoid belegen (kein Signal bei Luft bzw. intaktem Knochen). Einen Überblick über die gängigen bildgebenden Verfahren gibt Tab. 45.2.

Akute ein- oder beidseitige Ohrenschmerzen ohne Tragusdruckschmerz

Ohrenschmerzakutero. TragusdruckschmerzDie mit weitem Abstand häufigste Ursache für Ohrenschmerzen im Kindesalter ist die akute bakterielle Mittelohrentzündung.

Die Anamnese ist in diesen Fällen oft wenig aussagekräftig. Die Beschwerden entwickeln sich gelegentlich im Anschluss an einen unspezifischen Atemwegsinfekt, häufig aber auch ganz ohne Prodromalerscheinungen. Innerhalb weniger Stunden können die Schmerzen so heftig werden, dass die Eltern notfallmäßig ärztliche Behandlung suchen. Die wichtigste diagnostische Maßnahme ist die Otoskopie. Das Trommelfell wird mit einem Otoskop oder bei der fachärztlichen Untersuchung mit einem Ohrmikroskop beurteilt. Erschwert wird die Untersuchung häufig dadurch, dass bei Kindern der äußere Gehörgang durch Zeruminalpfröpfe verlegt ist. Deren Entfernung mit Kürette und Sauger unter Sicht oder Spülung (bei bekannt intaktem, gesundem Trommelfell) wird von Kindern oft als unangenehm empfunden und durch entsprechende Gegenwehr erschwert. Sie muss jedoch zumindest so weit erfolgen, dass Gehörgang und Trommelfell beurteilt werden können. Der klassische Befund bei der akuten Mittelohrentzündung ist das vorgewölbte und hochrote Trommelfell. Kann ein solcher Befund erhoben werden, sind weiterführende diagnostische Maßnahmen in der Regel zunächst nicht erforderlich und eine adäquate Therapie kann unmittelbar eingeleitet werden. Eine Impedanzprüfung sollte unter diesen Umständen unterbleiben, weil sie dem Kind zusätzliche Schmerzen bereitet und keinen weiterführenden diagnostischen Aussagewert besitzt. Eine Myringitis (isolierte Trommelfellentzündung) kann selten eine akute Otitis media imitieren, wegweisend ist hier in der Regel die Verlaufsbeobachtung unter Therapie.

Chronische Otorrhö und Schallleitungsschwerhörigkeit

OhrenschmerzMittelohrentzündungchronischeMittelohrentzündungchronischeOtorrhö, chronischeChronische Mittelohrentzündungen äußern sich nur selten durch Ohrenschmerzen, häufiger durch eine chronische Otorrhö aus einem defekten Trommelfell und durch eine SchallleitungsschwerhörigkeitSchallleitungsschwerhörigkeit (SLS) (Tonschwellenaudiogramm!).

Zu unterscheiden ist die harmlosere zentrale Trommelfellperforation (mesotympanale Form) mit meist geruchloser Sekretion von der potenziell gefährlichen und zur Operation zwingenden Knocheneiterung mit randständigem Trommelfelldefekt (Cholesteatom) und fötider Sekretion. Schmerzen bei einer chronischen Mittelohrentzündung (besonders beim Cholesteatom) sind als Warnhinweis auf eine aktive Knochenzerstörung und drohende Komplikation anzusehen (analog zur Mastoiditis):
  • Labyrinthitis mit Innenohrschwerhörigkeit, Drehschwindel und Tinnitus

  • Gesichtsnervenlähmung

  • Meningitis und Hirnabszess

  • Sinusthrombose und Sepsis

  • Durchbruch mit Abszedierung in die Umgebung

Akute ein- oder beidseitige Ohrenschmerzen mit Tragusdruckschmerz

Ohrenschmerzakuterm. TragusdruckschmerzDie häufigste Erkrankung des äußeren Gehörgangs ist die unspezifische GehörgangsentzündungGehörgangsentzündung (Otitis externaOtitis externa). Sie ist bei Jugendlichen sehr viel häufiger als bei Kindern vor dem 10.–13. Lebensjahr. Ursächlich ist meist die Reinigung des Gehörgangs mit Wattestäbchen oder Baden in kontaminiertem Wasser (z. B. Whirlpool). Pathognomonisch ist neben dem geröteten, verschwollenen und meist eitergefülltem Gehörgang der Tragusdruckschmerz, der durch Druck auf den Tragus oder vorsichtigen Zug an der Ohrmuschel ausgelöst werden kann.

Eine FollikulitisFollikulitis (GehörgangsfurunkelGehörgangsfurunkel) im Bereich des Gehörgangeingangs kann gelegentlich von der diffusen Otitis externa abgegrenzt werden. Dann zeigt sich eine umschriebene, bei Berührung hochschmerzhafte umschriebene Entzündung, die im weiteren Verlauf einschmelzen kann.

Dumpfer Ohrschmerz nach Flug oder Tauchen

Da Kinder durch eine Vergrößerung der Rachenmandel und häufige Epipharyngitiden besonders oft unter Tubenbelüftungsstörungen leiden, kann es bei akuten Druckwechseln der äußeren Atmosphäre zu einem BarotraumaBarotrauma, OhrenschmerzOhrenschmerzBarotrauma kommen. Dies geschieht am häufigsten im Rahmen einer Erkältung/Schnupfen beim Landeanflug in einem Flugzeug oder beim Tauchen. Es treten heftige Ohrenschmerzen auf, gelegentlich kann es zu Trommelfellzerreißungen kommen. Die Anamnese ist in der Regel richtungweisend, otoskopisch findet sich ein retrahiertes Trommelfell, gelegentlich auch ein Hämatotympanon, eine Gefäßinjektion des Trommelfells oder ein Paukenerguss.

Chronische Belüftungsstörungen der Mittelohren und Paukenergüsse („serous otitis media“, „otitis media with effusion“) bedingen in aller Regel allenfalls geringfügige Ohrenschmerzen, häufiger ein leichtes Druckgefühl im Ohr. Oft ist die (meist geringgradige) Schwerhörigkeit einziges klinisches Symptom. Die Abklärung erfolgt durch wiederholte otoskopische/ohrmikroskopische Untersuchungen und durch Schwellen- und durch die Impedanzaudiometrie (Tympanometrie).

Infektion und Trauma

OhrenschmerzakuterFistel, präaurikulärePräaurikuläre Fisteln führen immer dann zu Otalgien, wenn sie sich im Lauf der Zeit infizieren. Sie sind klinisch an ihrem leicht erhabenen, in der Regel vor der Helixwurzel gelegenen und sondierbarem Fistelmaul erkennbar. Auch infizierte AtheromeOhrenschmerzAtherom, infiziertes der Haut um das Ohr herum führen gelegentlich zu Ohrenschmerzen. Bei retroaurikulärer Lokalisation kann die klinische Abgrenzung zur Mastoiditis schwierig sein. Wegweisend sind dann das Fehlen von Fieber und den laborchemischen Zeichen einer Allgemeininfektion und die CT-Untersuchung des Felsenbeins.
OhrenschmerzLäsion, traumatischeTraumatische Läsionen bereiten wegen der eindeutigen Anamnese in der Regel keine differenzialdiagnostischen Schwierigkeiten. Stumpfe Traumen der Ohrmuschel führen zu Otseromen oder Othämatomen, die durch eine prallelastische Vorwölbung der Haut im Bereich des Cavum conchae imponieren. Ein Schlag auf die Ohrmuschel (Ohrfeige, Kopfsprung ins Wasser) sowie Manipulationen im Bereich des Trommelfells mit langen Gegenständen (Stäbchen) können zu traumatischen Trommelfellperforationen führen. Wenn die Art des Traumas unklar bleibt, muss bei solchen Befunden gezielt nach weiteren Stigmata einer eventuellen Kindesmisshandlung gefahndet werden.
OhrenschmerzFelsenbeinfrakturFelsenbeinfrakturenFelsenbeinfraktur führen zu einer Blutung aus dem Ohr (Felsenbeinlängsfrakturen) oder zu einem Hämatotympanon, Fazialislähmung und Ertaubung mit heftigem Drehschwindel (Vestibularisausfall) des betroffenen Ohrs (Felsenbeinquerfrakturen). Gelegentlich wird eine Liquorrhö aus dem Ohr oder eine Pseudorhinoliquorrhö aus der Nase (Abfluss von Liquor aus dem Mittelohr via Tube in Nase oder Nasenrachen) beobachtet. Eine kraniale Computertomografie zum Ausschluss einer intrazerebralen Blutung ist dann notfallmäßig indiziert. Bei Stürzen auf das Kinn (z. B. Sturz vom Fahrrad) kann es zu einer Impression des Kieferköpfchens mit Fraktur der vorderen Gehörgangswand, Zerreißung der Gehörgangshaut, Blutung aus dem Ohr und evtl. Stenosierung des Gehörgangs kommen. Eine ohrenärztliche und kieferchirurgische Abklärung hat dann umgehend zu erfolgen, weil sowohl Kieferfrakturen als auch Felsenbeinfrakturen dringlich versorgt werden müssen.
OhrenschmerzTumorTumoren der Ohrregion, Neuralgien und Granulomatosen mit Manifestation im Ohrbereich sind im Kindesalter ausgesprochene Raritäten und daher nur ganz ausnahmsweise einmal ursächlich für Ohrenschmerzen.

Fortgeleitete Ohrenschmerzen (nichtotogene Ohrenschmerzen)

OhrenschmerznichtotogenerFortgeleitete Ohrenschmerzen erklären sich durch die bereits dargestellte komplexe Innervation der anatomischen Strukturen des Ohrs. Zu Ohrenschmerzen kann es insbesondere bei Erkrankungen im Bereich des Versorgungsgebietes folgender Nerven kommen:
  • III. Trigeminusast, N. mandibularis (aus dem sich der N. auriculotemporalis abspaltet, der Teile des äußeren Gehörgangs und des Trommelfells innerviert).

  • N. glossopharyngeus (aus dem sich die Jakobson-Anastomose abspaltet, die Teile der Mittelohrschleimhaut, der Eustachischen Röhre und des Trommelfells sensibel innerviert).

  • N. vagus (aus dem sich der Ramus auricularis abspaltet, der das Cavum conchae, Teile des äußeren Gehörgangs und des Trommelfells innerviert; dieser Nerv ist auch verantwortlich für den Hustenreflex, der gelegentlich bei der otoskopischen Untersuchung/Gehörgangsreinigung ausgelöst wird).

  • Plexus cervicalis.

Erkrankungen, die als Begleitsymptom zu Ohrenschmerzen führen können, sind daher Erkrankungen der Zähne und des Unterkieferknochens (typisch: Ohrenschmerzen beim Zahndurchbruch), Erkrankungen im Bereich des Pharynx und insbesondere der Gaumenmandeln (typisch beim Schlucken in das Ohr ausstrahlende Schmerzen), Erkrankungen im Bereich des Nasenrachens, Erkrankungen im Bereich von Kehlkopf, zervikaler Trachea und Ösophagus, Erkrankungen im Bereich der Schilddrüse und Erkrankungen im Bereich des Kiefergelenks (mit typischem Druckschmerz über dem Kiefergelenk beim Zusammenbeißen der Zähne).

Wegweisend ist in allen diesen Fällen die Kombination aus subjektiv erlebten Ohrenschmerzen und objektiv reizlosem Befund im Bereich des äußeren Ohrs, des Gehörgangs und des Trommelfells.

Eine Untersuchung von Mundhöhle, Rachen, Kehlkopf und Schilddrüse deckt dann in der Regel die Ätiologie der Ohrenschmerzen auf. Entzündungen der Ohrspeicheldrüse sind klinisch so auffällig, dass sie kaum fehlgedeutet werden können. Bleibt die klinische Untersuchung der Ohren ohne Befund und ergibt sich also der Verdacht auf eine fortgeleitete Otalgie, so sollte neben einer sorgfältigen Untersuchung von Mundhöhle, Nasenrachen, Mundrachen und Kehlkopf eine zahnärztliche oder kieferchirurgische Untersuchung erfolgen.

Besondere Hinweise

Nicht immer können Mittelohrerkrankungen otoskopisch zuverlässig ausgeschlossen werden: Das genuine Cholesteatom des Mittelohrs (typisch im Kindesalter!) wächst hinter intaktem Trommelfell und bleibt lange asymptomatisch. Erst die ätiologisch unklare Schallleitungsschwerhörigkeit führt zur Entdeckung der weißen Masse hinter dem intaktem und reizlosem Trommelfell in der Ohrmikroskopie (otoskopisch oft übersehen!).
Zum Abschluss jeder Therapie entzündlicher Mittelohrerkrankungen sollte eine audiologische Überprüfung des Hörvermögens erfolgen, um eventuelle bleibende Hörstörungen zu identifizieren!

Differenzialdiagnostische Tabelle

Differenzialdiagnose bei OhrenschmerzenOhrenschmerzDifferenzialdiagnose

Tab. 45.3
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Befunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose
häufig
akut aufgetretene ein- oder beidseitige Ohrenschmerzen ohne Tragusdruckschmerz, häufig akute Rhintis Trommelfell(e) gerötet und vorgewölbt akute bakterielle Otitis media Otoskopie, Audiometrie
akut aufgetretene ein- oder beidseitige Ohrenschmerzen mit Tragusdruckschmerz Gehörgang gerötet und verschwollen, Trommelfell oft nicht beurteilbar Akute unspezifische Otitis externa, Gehörgangsfurunkel Gehörgangsfremdkörper Otoskopie
weniger häufig
Ohrenschmerzen mit retroaurikulärer Rötung, Schwellung, Klopfschmerz und abstehender Ohrmuschel, Schwellung am mastoidalen Ansatz des M. sternocleidomastoideus Trommelfell gerötet, Paukenerguss, Absenkung von Gehörgangsdach und Hinterwand, häufig nach vorangegangener Mittelohrentzündung akute/subakute Mastoiditis dünnschichtiges CT-Felsenbein, im Zweifel: chirurgische Exploration
Rötung der Ohrmuschel bei reizlosem Gehörgang und Trommelfell Hörvermögen nicht beeinträchtigt Ohrmuschel-perichondritis, Erysipel der Ohrmuschel Verlaufsbeobachtung unter Therapie
dumpfer Ohrenschmerz nach Flug oder Tauchen, Schwindel, Tinnitus Trommelfell retrahiert, ggf. Hämatotympanon, ggf. Trommelfelldefekt Barotrauma Verlaufsbeobachtung unter Therapie, Audiometrie
Bläschenbildung der periaurikulären Haut, ggf. mit Hörminderung, Schwindel, Fazialisparese reizloser Gehörgangs- und Trommelfellbefund Zoster oticus Serologie
vorangegangenes Schädeltrauma, Manipulation mit Ohrstäbchen, Fremdkörper im Gehörgang Verletzung von Gehörgang oder Trommelfell, Blutung aus dem Ohr, Hämatotympanon Felsenbein-(Schädelbasis-)Fraktur, Kiefergelenkfraktur, traumatische Trommelfellperforation/-zerreissung Otoskopie, Fazialisfunktion, Vestibularisprüfung, Audiometrie, ggf. CT-Felsenbein bei V. a. Fraktur
prallelastische livide Schwellung der Ohrmuschelvorderseite vorangegangenes stumpfes Ohrmuscheltrauma Othämatom/-serom eindeutiger klinischer Befund, keine weiterführende Diagnostik, chirurgische Therapie
reizlose Befunde im Bereich von Ohrmuschel, periaurikulärer Haut, Gehörgang und Trommelfell Befund an Kiefer, Kiefergelenk, Zähnen, Mundhöhle, Rachen (Tonsillen!), Kehlkopf, Schilddrüse fortgeleiteter Ohrschmerz Untersuchung der Versorgungsgebiete von N. mandibularis, N. glossopharyngeus, N. facialis, N. vagus, Plexus cervicalis
weniger häufig
Haut- und Weichteilverletzungen der Ohrmuscheln weitere Verletzungsspuren an Kopf, Stamm und Extremitäten Kindesmisshandlung spezielle Anamnese, Befragung von Eltern und sozialem Umfeld
periaurikuläre Lymphadenitis Ausschluss entzündlicher Foci im Bereich der Kopfhaut, des Ohrs und der Ohrspeicheldrüsen Lymphadenitis colli (lokal oder systemisch, z. B. Toxoplasmose, Mononukleose) klinische Untersuchung, Sonografie, Labordiagnostik
selten
präaurikuläre Schwellung regelrechter Ohrbefund Parotitis Klinik, Sonografie, Verlaufsbeobachtung
einseitige Schallleitungsschwerhörigkeit durch intaktes Trommelfell durchschimmernde Raumforderung im Mittelohr genuines Cholesteatom Ohrmikroskopie, CT-Felsenbein, operative Therapie

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