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B978-3-437-22532-1.00042-2

10.1016/B978-3-437-22532-1.00042-2

978-3-437-22532-1

Abb. 42.1

[L217/V492]

Torticollis – angeboren oder erworben.Torticollis

Torticollis

Peter Herkenrath

Symptombeschreibung

Der Begriff TorticollisTorticollis beschreibt eine Schiefhaltung des Kopfes und der Halswirbelsäule. Der Kopf ist auf die betroffene Seite geneigt und das Gesicht auf die Gegenseite gedreht. Ein Torticollis entsteht durch Veränderungen an der Halswirbelsäule oder durch eine Imbalance der Halsmuskulatur.

Rationelle Diagnostik

Anamnese

Die Schiefhaltung kann angeboren oder erworben sein (Abb. 42.1). Photos aus der Neugeborenen-und Säuglingszeit sind oft hilfreich und können auf einen angeborenen Torticollis hinweisen. 10–15 % Prozent der Neugeborenen weisen bei Geburt einen Torticollis und eine Schädelasymmetrie infolge einer intrauterinen Zwangshaltung auf. Nicht selten kommt es während der Geburt zu einem zusätzlichen Trauma im Bereich des M. sternocleidomastoideus durch die erzwungene Aufrichtung im Geburtskanal. Durch Muskelfibrose und wachstumsbedingte Verkürzung kann die Schiefhaltung im Verlauf der Monate und Jahre noch zunehmen. Die Häufigkeit ist bei Beckenendlagen und operativ vaginalen Entbindungen erhöht. Weitere Risikofaktoren sind eine Klavikulafraktur und eine Armplexusparese.
Der erworbene Torticollis tritt entweder episodisch im Rahmen einer Akuterkrankung auf oder bleibt permanent. Der paroxysmale Torticollis ist eine benigne Sonderform im Säuglingsalter. Die Anfälle dauern wenige Minuten bis zu 48 Stunden und werden beim ansonsten wachen und gesunden Kind von Blässe, Agitiertheit und Nystagmus begleitet. Bei dystonen Formen ist nach Medikamenteneinnahme (Metoclopramid, Neuroleptika) zu fragen.

Körperliche Untersuchung

Bei entzündlichen und posttraumatischen Zuständen ist die Zwangshaltung gewöhnlich schmerzhaft, oft besteht auch eine Nackensteifigkeit. Eine genauere Untersuchung ist unter Umständen erst nach Analgesie und Muskelrelaxation möglich.
Die Inspektion und Palpation von Kopf, Rachen und Hals liefert in der Regel in Verbindung mit der Anamnese die Verdachtsdiagnose. Eine Schädelasymmetrie spricht für einen angeborenen oder früh erworbenen Torticollis. Beim Säugling achtet man auf prämature Schädelnahtsynostosen. Die Einschränkung der Rotation und der Seitkippung sollte durch Angabe von Winkelgraden präzisiert werden. Der Neurostatus sichert Paresen oder Tonusstörungen (Dystonie, Spastik).

Labor

Die Bestimmung der BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit), Blutbild, CRP (C-reaktives Protein) und CK (Kreatinkinase) kann entzündliche Prozesse aufdecken.

Technische Untersuchungen

Die Sonografie der Halsweichteile kann bei der Differenzierung von entzündlichen Prozessen hilfreich sein. Radiologische Diagnostik ist indiziert bei Verdacht auf Wirbelanomalien, Schädelnahtsynostosen oder traumatische Ursachen. Schädel- und Hals-MR kommen vor allem bei Tumorverdacht und zur weiteren Befundsicherung vor Operationen zur Anwendung.

Besondere Hinweise

Vor Manipulationen gegen Widerstand kann wegen der Gefahr von Luxationen, Frakturen, Nerven- und Gefäßläsionen nur gewarnt werden!

Differenzialdiagnostische Tabelle

Differenzialdiagnose bei Torticollis

Tab. 42.1
Charakterisierung des Hauptsymptoms weiterführende Nebenbefunde Verdachtsdiagnosen Bestätigung der Diagnose
angeborener Torticollis Muskelverkürzung, Hämatom, Schädelasymmetrie muskulärer Torticollis Lokalbefund
Schädelasymmetrie unilaterale Koronar- oder Lambdanahtsynostose Lokalbefund
kurzer Hals Klippel-Feil-Syndrom Rö-HWS
erworbener Torticollis Trauma Subluxation, Wirbelfraktur, Klavikulafraktur
Infekt der oberen Luftwege, retropharyngealer Abszess Subluxation, Grisel-Syndrom Entzündungszeichen, MRT
zervikale Lymphadenopathie Torticollis spasmodicus Lokalbefund
Tine-Test positiv Tuberkulose Kultur, evtl. Biopsie
okuläre Motilitätsstörung, Schielen okulärer Torticollis ophthalmologischer Befund
Nackenschmerzen Tumor der hinteren Schädelgrube, eosinophiles Granulom, Osteoidosteom, Osteomyelitis der HWS Schädel-, HWS-MRT
plus Querschnittssyndrom spinaler Tumor
Plexusparese neurogener Torticollis neurologischer Befund
Dystonie, Spastik Torticollis spasmodicus bei ZNS-Erkrankung neurologischer Befund, Schädel-MRT
Medikamentenanamnese (z. B. Metoclopramid, Neuroleptika), Dystonie medikamenteninduzierter Torticollis
atlantoaxiale Instabilität Down-Syndrom, Skelettdysplasien, juvenile Arthritis Rö-HWS, HWS-MRT
harte, schmerzhafte Muskelknoten Myositis, Fibrodysplasia ossificans
paroxysmaler Torticollis Säuglingsalter benigner paroxysmaler Torticollis Klinik, Verlauf
Bewusstsein klar
Bewusstsein getrübt
kinesiogene paroxysmale Dystonie, nichtkinesiogene paroxysmale Dystonie, Stereotypien
paroxysmale Ataxie, mesiale Frontallappenanfälle, Watanabe-Syndrom
Klinik, Verlauf, EEG, Schädel-MRT, Genetik
Kopfwackeln, Nystagmus beim jungen Säugling Spasmus nutans
horizontales Kopfwackeln, Nystagmus okulomotorische Dyspraxie, Cogan-Syndrom Nystagmografie
gastroösophagealer Reflux Sandifer-Syndrom Klinik, Sono Abdomen

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