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B978-3-437-22255-9.00021-3

10.1016/B978-3-437-22255-9.00021-3

978-3-437-22255-9

HNO-Erkrankungen

Stephan Illing

  • 21.1

    Untersuchungstechniken654

  • 21.2

    Rhinopharyngitis654

  • 21.3

    Sinusitis655

  • 21.4

    Otitis media655

  • 21.5

    Otitis externa656

  • 21.6

    Tonsillitis656

  • 21.7

    Adenoide657

  • 21.8

    Serotympanon658

  • 21.9

    Fremdkörper658

    • 21.9.1

      Nasenfremdkörper658

    • 21.9.2

      Gehörgangsfremdkörper659

  • 21.10

    Nasenbluten659

  • 21.11

    Schwerhörigkeit, Hörminderung660

  • 21.12

    Sprachstörungen662

  • 21.13

    Laryngomalazie und Kehlkopferkrankungen663

Untersuchungstechniken

OtoskopieUntersuchungsverfahren:HNO-ärztlicheOtoskopieInspektion von GehörgangsinspektionGehörgang u. Trommelfell mit Otoskop. Es sollten mind. 2 Größen von Ohrtrichtern vorhanden sein (für Sgl. u. größere Kinder).
Der Gehörgang ist beim Sgl. relativ gerade, daher Inspektion des Trommelfells auch mit kleinem Trichter problemlos möglich. Bei größeren Kindern zum Geradeziehen des Gehörgangs Ohrmuschel nach hinten anheben.
„Gesunde“ Seite zuerst anschauen! Das Kind wehrt sich dann weniger.
RhinoskopieRhinoskopieBenötigt werden Nasenspekulum u. Lichtquelle (HNO-Spiegel). Spekulum in die eine Hand, mit der anderen Hand den Kopf des Pat. fassen. Spekulum schräg von unten einführen, aufspreizen u. dann durch Führen des Kopfes Nasenhöhle inspizieren. Am Ende das Spekulum in leicht geöffnetem Zustand entfernen.
Spekulum nicht zu breit spreizen, da es sonst schmerzhaft ist. Nasenmuscheln u. Septumschleimhaut nicht berühren, da sehr schmerzhaft.
RacheninspektionRacheninspektionMit Lampe u. Spatel. Bei ängstlichen, aber kooperativen Kindern kann auf den Spatel ggf. verzichtet werden. KK beißen oft beharrlich die Zähne zusammen. Spatel vorsichtig zwischen die Zähne bringen u. behutsam vorschieben, bis das Kind kurz würgen muss u. dabei den Mund weit öffnet. Man hat einmal die Chance, die gesamte Mundhöhle kurz zu inspizieren.

Rhinopharyngitis

EpidemiologieRhinopharyngitisPharyngitisHäufigste Infektionskrankheit bei Kindern, in vielen Fällen komb. mit anderen Atemwegssympt. („oberer Atemwegsinfekt“).
ErregerMeist Viren (RS-, Adeno-, Coxsackie-, ECHO-, Parainfluenza-Viren u. a.). Bakt. Inf. meist durch Haemophilus influenzae (nicht Typ B), Pneumo-, Streptok., Moraxella u. a.
Klinik
  • Zu Beginn meist wässriges, später eitrig-grünliches Sekret. Rötung im Rachen mit Schmerzen u. Schluckbeschwerden, evtl. auch Hustenreiz. Ansonsten allg. Infektzeichen, meist nur geringes Fieber

  • Bei Sgl. Trinkschwäche durch behinderte Nasenatmung

  • Bei KK nicht selten auch hohes Fieber

Differenzialdiagnosen
  • Allergische Rhinitis (keine Infektzeichen, anlassbezogen bzw. chron. Verlauf!)

  • Chron. Rhinitis bei vergrößerten Adenoiden

  • Nasale Fremdkörper

  • Blutiger Schnupfen bei jungen Sgl.: Lues

  • Selten: Tu, Polypen, Immundefekt (IgA-Mangel), Liquorrhö

Therapie
  • Bei älteren Kindern keine Ther. nötig, evtl. abschwellende Nasentropfen für einige Tage (z. B. Xylometazolin, Konz. für die jeweilige Altersstufe beachten!)

  • Bei Sgl.: Sekret absaugen, abschwellende Nasentropfen kurz vor der Mahlzeit geben. Cave: Intox. mit Koma durch Xylometazolin u. a. bei jüngeren Sgl. auch bei normaler Dosierung möglich

Sinusitis

Entwicklung der SinusitisNasennebenhöhlenNasennebenhöhlen
  • SiebbeinzellenSiebbeinzellen sind bereits bei Geburt angelegt. Inf. bes. im 1. Lj.

  • KieferhöhlenKieferhöhlen sind bei Sgl. nur spaltförmig vorhanden, radiolog. meist ab ca. 5. Lj. nachweisbar, voll entwickelt bis zur Vorpubertät. Inf. kommen auch vor vollständiger Ausbildung vor, sind dann aber radiolog. nicht sicher zu diagnostizieren, meist jedoch erst nach 4. Lj.

  • StirnhöhlenStirnhöhlen ab 6.–8. Lj. entwickelt. Infektion meist erst ab 10. Lj.

KlinikNicht immer sicher hinweisend. Der zugrunde liegende Infekt bestimmt die Hauptsymptome. Bei Sinusitis Sinusitis:maxillarismaxillaris lokale Rötung, Druckschmerzen. Bei Inf. der Siebbeinzellen Rötung u. Schwellung zur Nasenwurzel hin. KO: Übergreifen auf andere Seite ist Alarmzeichen. Ausgeprägte Zellulitis der Orbita mit Übergang in Abszess kann zur Erblindung führen. Cave: Sinusvenenthrombose.
DiagnostikRö, bei älteren Kindern u. V. a. Sinusitis maxillaris auch Sono.
Therapie
  • Bei fieberhaft eitriger Sinusitis antibiotisch mit Ampicillin, Co-trimoxazol, Cefuroxim

  • Emser Salz o. abschwellende Nasentropfen (Wirkung gleichwertig)

  • Punktionen o. Spülungen sollten bei Kindern Ausnahme sein

  • !

    Bei Sgl. entwickelt sich aus einer Sinusitis ethmoidalis evtl. eine Meningitis!

Übergang in chron. Sinusitis ist möglich, v. a. wenn lokale Abflusshindernisse wie anatomische Abweichungen o. Fremdkörper bestehen. Außerdem bei CF (14.6), Immundefekten, PCD-Sy. (14.7.5).
Bei akuten Allergien der Atemwege (Pollen- o. Milbenallergie) sind v. a. die Schleimhäute der Kieferhöhlen fast immer geschwollen. Wenn keine Lokalsympt. vorliegen, besteht kein Anlass zu spez. Diagn. o. Ther.

Otitis media

DefinitionOtitis:mediaSeröse o. eitrige ein- o. beidseitige entzündl. Erkr. des Mittelohrs. Meist Sekundärinf. bei Nasen-Rachen-Inf., aufsteigend über die Tuba Eustachii bzw. als Folge einer Belüftungsstörung.
ErregerV. a. Pneumok., Haemophilus influenzae, Moraxella, Streptok., Pseudomonas (dann lang dauernde meist grünliche Sekretion), ferner Viren.
Ohrenschmerzen Klinik
  • Klopfende o. stechende Ohrenschmerzen (nach Perforation nachlassend), Fieber, Kopfschmerzen, Lk-Schwellung. Bei Sgl. oft nur uncharakt. Zeichen wie Trinkschwäche, Unruhe

  • Rötung des Trommelfells, zu Beginn oft nur am Rand. Fehlender Reflex. Bei purulenter Otitis auch kissenartige Vorwölbung u. Gefäßinjektion. Nach TrommelfellperforationPerforation rahmiger Eiter, meist keine Einsicht mehr möglich, bei viraler Otitis auch Trommelfelleinziehung u. -rötung

  • Bei Mastoiditis Rötung u. Schwellung hinter der Ohrmuschel bzw. im Mastoidbereich

Diagnostik
  • Otoskopie: Rötung, Trübung, Lichtreflex, Vorwölbung, Eiter

  • Bei Perforation Sekret zur Bakteriologie, bes. bei Rezidiv o. langwierigem Verlauf

  • BB, Entzündungszeichen. Bei V. a. Mastoiditis Rö (Schüller-Stenvers-Aufnahme) bzw. MRT/CT, ggf. Hörtest

TherapieInd. zur Antibiose: Sgl. < 6 Mon.; bds. Otitis in den ersten 3 Lj.; Perforation/Otorrhö; reduz. AZ u. hohes Fieber in allen Altersstufen; Grunderkr. bzw. Immundefekte.
  • Antibiotika, z. B. Amoxicillin 7 d o. Cefuroxim o. nach Antibiogramm

  • Schmerzbekämpfung, z. B. mit Ibuprofen o. Paracetamol

  • Parazentese bei KO o. mangelndem Ther.-Erfolg nach 48–72 h

Komplikationen
  • Meningitis, Hirnabszess: Sgl. sind bes. gefährdet

  • MastoiditisMastoiditis: fortschreitende Inf. aus der Paukenhöhle in die (teils noch nicht) pneumatisierten Räume des Felsenbeins. Verschlechterung meist ab ca. 2 Wo. nach Beginn der Otitis, also eigentlich in der Abheilungsphase. Klin. sind Rötung u. Schwellung hinter dem Ohr bes. wichtig: Dort auch Druckschmerz. Das Ohr kann abstehen. Subfebrile Temperatur bis hohes Fieber. Bei Sgl. oft nur unspez. Krankheitszeichen. Nach rechtzeitiger Antibiotika-Ther. sehr selten

  • Chron. Otitis:chronischeOtitis mit Erguss, Hörstörung, fakultativ Perforation mit chron. Otorrhö: Ther. durch HNO-Arzt konservativ o. operativ

Antibiotika bei Mastoiditis

Bei Mastoiditis hoch dosierte Antibiotika i. v., am besten nach Antibiogramm, außerdem Antrotomie/Mastoidektomie. Immer HNO-Arzt hinzuziehen.

Otitis externa

ÄtiologieOtitis:externaUrsache sind bakt. u. virale Inf., aber auch Superinf. bei Manipulationen o. Fremdkörpern.
Klinik u. Diagnostik
  • Diffuse o. umschriebene Rötung u. Schwellung im Gehörgang, meist zunächst Juckreiz, oft erhebliche Schmerzen (Tragusdruckschmerz). Evtl. Schwerhörigkeit bei Verlegung des Gehörgangs

  • Diagnosestellung durch Otoskopie. Abstrich entnehmen!

TherapieSorgfältige Reinigung des Gehörgangs, evtl. Spülung mit körperwarmem Wasser durch HNO-Arzt; bei größeren Kindern lokale desinfizierende Ther.; bei Sgl. systemisch antibiotisch.

Tonsillitis

ErregerBakterien (Tonsillitisbes. StreptokokkeninfektionStreptok.) u. Viren (EBV, Coxsackie u. a.).

Die Unterscheidung bakt.–viral ist klin. nicht möglich!

KlinikHalsschmerzen, Schluckbeschwerden (bei Sgl. Trinkschwäche), Fieber, Lk-Schwellung. Bei der Inspektion Rötung, Stippchen, Schwellung, Beläge auf den Tonsillen.
Bes. Formen, die auf bestimmte Erreger hinweisen:
  • Scharlach (ScharlachA-Streptok., 6.4.21): Tonsillitis, düsterrote Färbung von Gaumensegel u. Zunge („Himbeerzunge“). Exanthem nicht immer vorhanden!

  • Herpangina (HerpanginaCoxsackie-A-Viren, 6.5.3): Tonsillen u. Gaumenbögen gerötet, mit wasserhellen bis linsengroßen Bläschen bzw. Ulzera

  • Mononukleose (MononukleoseEBV, 6.5.14): Tonsillen oft sehr stark vergrößert; weißlich/gelbliche festhaftende Beläge. Ausgeprägte Lymphadenitis

  • Selten: Angina bei Agranulozytose (schmierige Ulzera u. Nekrosen), Diphtherie (6.4.6), Plaut-Vincent-Angina (meist einseitig, leicht blutende schmierige Beläge), Soorangina. Cave: Malignom

DiagnostikStreptok.-Schnelltest, ggf. Abstrich (bei KK auf pathogene Keime, > 4 J. nur auf Streptok.). Im unkomplizierten Normalfall keine Virusserologie.
Therapie
  • Bei obstruierenden Tonsillen Monitorüberwachung/O2Sättigung

  • Bis zum Ausschluss einer Streptok.-Inf. u. bei Sgl. immer antibiotisch mit Penicillin, alternativ Cephalosporin

  • Bei älteren Kindern u. laborchem. Hinweis auf Virusinf. kann zugewartet werden

  • Ansonsten sympt. Ther.: fiebersenkend, analgetisch, Halswickel

  • Tonsillektomie: Ind.-Stellung durch HNO-Arzt

KomplikationenSpez. Sekundärerkr., je nach Erreger, bes. bei Streptok. (6.4.21). Selten lokale KO: Peritonsillarabszess mit Kieferklemme, Schluckbeschwerden, anhaltendem Fieber, Verdrängung der Tonsille → Ther. durch HNO-Arzt.
TonsillektomieTonsillektomieInd.:
  • Gehäufte bakt. Tonsillitiden (> 3/J.) o. chron. Tonsillitis

  • KO (lokal, systemisch)

  • Behinderte Mundatmung mit obstruktiven Apnoen u./o. alveolärer Hypoventilation

  • V. a. Malignom

Besonderheiten:
  • Tonsillektomie immer stationär. Gefährliche plötzliche Nachblutung nach ca. 1 Wo. nicht vorhersehbar

  • Tonsillotomie (mit Belassung der Tonsillenkapsel) hat geringeres Nachblutungsrisiko, aber abh. von der Methodik (Laser bzw. „heiße“ Methode hat höheres Blutungsrisiko)

Adenoide

DefinitionRachenmandelhyperplasieAdenoideRachenmandelhyperplasie (adenoide Vegetationen).
ÄtiologieUrsache sind chron. bzw. rezidiv. Inf. mit nachfolgender Hyperplasie des lymphatischen Gewebes.
KlinikOffener Mund bzw. Mundatmung, näselnde Sprache, Schnarchen u. unruhiger Schlaf. Inspektion: Schleim-Eiter-Straße an der Rachenhinterwand. Begleitend oft Lk-Schwellung im Kieferwinkel. Rezidiv. Otitiden durch Obstruktion der Tubenöffnung, evtl. auch Schwerhörigkeit durch mangelnde Belüftung des Mittelohrs u. Sekretstau (21.8).
DiagnostikInspektion durch HNO-Arzt; Hörtest.

Obstruktive Apnoe:obstruktiveApnoen werden bei Kindern oft lange übersehen. Die Kinder können durch kloßige Sprache, chron. Müdigkeit u. gelegentlich auch Schluckbeschwerden auffallen. Zur Diagn.: nächtliche Pulsoxymetrie o. Polygrafie.

TherapieAdenotomieAdenotomie bei länger dauernder Sympt. bzw. Hörstörung, rezidiv. Serotympanon, überwiegender Mundatmung. Ind. kann relativ großzügig gestellt werden. OP erfolgt bei sonst gesunden Kindern ambulant. Nachblutungen u. KO sind extrem selten.

Serotympanon

DefinitionSerotympanonAkuter o. chron. TubenmittelohrkatarrhTubenmittelohrkatarrh.
Ätiologie
  • Akut durch Nasen-Rachen-Inf. u. Verlegung der Tubenöffnung mit nachfolgender Störung der Mittelohrbelüftung u. Unterdruck im Mittelohr

  • Chron. durch Adenoide, bei Allergikern, bei CF o. Ziliendyskinesie (PCD), selten anatomisch bedingt o. durch Tu

KlinikHörstörung; Schmerzen sehr wechselnd, oft keine. Inspektion: retrahiertes Trommelfell, evtl. Sekretspiegel o. Blasen.
TherapieBehandlung der Grundkrankheit; abschwellende Nasentropfen nur kurzzeitig, eher Versuch mit topischem Steroid über einige Wochen. Analgetika, z. B. Paracetamol, nach Bedarf. Ohrentropfen sind sinnlos. Bei chron. Serotympanon ggf. Parazentese u. Einlage eines Paukenröhrchens.

Abgrenzung zur Otitis media nicht immer einfach! Bei Sgl. im Zweifel Otitis vermuten u. antibiotisch behandeln. Bei älteren Kindern ist die Gefährdung bei abwartendem Verhalten nicht so groß.

Fremdkörper

Fremdkörper im HNO-Bereich sind naturgemäß klein, meist auch rund, z.B. Perlen, Schrauben, Spielzeugteile, aber auch Nahrungsmittel wie Erbsen u. Linsen. Bei Letzteren Quellneigung beachten. Auch andere Fremdkörper können sich bei längerer Liegezeit verändern.

Nasenfremdkörper

AuftretenNasenfremdkörperFremdkörper:NaseFinden sich am ehesten bei KK, die bei spielerischen Manipulationen Perlen, kleine Spielzeugteile, Erbsen u. a. Nahrungsbestandteile in die Nase bringen. Beim Versuch, den Fremdkörper selbst zu entfernen, stößt ihn das Kind meist weiter in den unteren Nasengang hinein, wo er sich verkeilen kann.
KlinikBei kurzer Liegezeit außer der (einseitigen) AtembehinderungAtembehinderung keine wesentlichen Sympt., sonst meist einseitige eitrige Rhinitis, evtl. sogar blutig.
TherapieAusschneuzen bei Verschluss der freien Seite. Gelingt dies nicht, Extraktionsversuch mit stumpfen Häkchen. Vorher abschwellende Nasentropfen u./o. 1-proz. Lidocain-Lsg. Pinzetten sind ungeeignet! Evtl. Extraktion in Narkose, v. a. bei älteren Fremdkörpern (RhinolithenRhinolithen).

Gehörgangsfremdkörper

AuftretenGehörgangsfremdkörperFremdkörper:GehörgangFinden sich in allen Altersstufen. Bei KK meist Spielmaterial (Perlen etc.), bei älteren Kindern bis Erw. häufig „Instrumentenreste“ nach unsachgemäßen Reinigungsversuchen (Streichholz, Büroklammer etc.). Zeruminalpfröpfe entstehen ebenfalls überwiegend durch Störung der Selbstreinigung (bei Verwendung von Wattestäbchen u. a. Instrumenten).
Klinik
  • Druckgefühl o. Schmerzen im Gehörgang; Abgang von Schorf o. blutigem Sekret, Otitis externa mit sichtbaren Entzündungszeichen; Schwerhörigkeit.

  • Fremdkörper, die ohne Gewalt eingedrungen sind, kommen nur bis zum Isthmus. Dahinter findet man nur Fremdkörper, die von fremder Hand o. durch missglückte Extraktionsversuche dorthin gelangt sind.

  • Die Diagnose wird durch Inspektion gestellt.

Therapie
  • Mechanische Entfernung mit Kürette, Sauger, Ohrhäkchen o. Ausspülen des Gehörgangs mit körperwarmem (!) Wasser

  • Bei festsitzenden o. älteren Fremdkörpern ist Kurznarkose nötig

  • Entfernung von Insekten auch durch Einträufeln von Öl u. anschließendem Ausspülen

Fehlerquellen

  • Entfernungsversuche mit Pinzette erhöhen die Perforationsgefahr für das Trommelfell! Statt ungeeigneten Extraktionsversuchen lieber HNO-Arzt einschalten.

  • An Verletzungen des Trommelfells durch Schlag aufs Ohr, evtl. Sturz aufs Wasser sowie durch Manipulation bzw. Fremdkörper denken. Versorgung durch HNO-Arzt.

Nasenbluten

Meist harmlos, nur sehr selten Ursache einer Massenblutung.

Ätiologie
  • Nasenbohren (Irritation des Locus Kiesselbachi, eines Gefäßgeflechts am vorderen Nasenseptum), Fremdkörper, Rhinitis u. a. Inf., TraumaNasenblutenEpistaxis

  • Seltener Polypen, Gerinnungsstörungen u. andere hämatolog. Erkr., Frakturen; sehr selten Tu

  • Nasale Blutungen aus anderen Quellen (z. B. Ösophagusvarizen) kommen bei Kindern praktisch nicht vor

Diagnostik
  • Inspektion: Blutung aus der Nase, Hinweise auf lokale Ursache, Blut auch an der Rachenhinterwand (bei liegendem Kind o. rückwärts geneigtem Kopf)

  • Weitere Unters. gezielt: Puls u. RR, BB, Gerinnung, Thrombos, Rö

Therapie
  • Ruhe bewahren.

  • Blut nicht herunterschlucken, sondern ausspucken lassen.

  • Nasenflügel der blutenden Seite für ca. 10 Min. an das Septum pressen bei sitzender Position u. leicht nach vorn geneigtem Kopf.

  • Kalte Umschläge/Eiskrawatte in den Nacken (→ lokale Vasokonstriktion).

  • Bei Blutung aus dem vorderen Nasenabschnitt NasentamponadeTamponade mit salbehaltigem Gazestreifen über ca. 4 h. Auch nicht blutende Seite tamponieren, um Gegendruck zu erzeugen. Nach Entfernung der Tamponade evtl. lokalisierte Ätzung des blutenden Gefäßes durch HNO-Arzt.

  • Blutung aus dem hinteren Nasenabschnitt mit Ballonkatheter o. pneumatischem Nasentubus tamponieren (durch HNO-Arzt). Tamponade nicht länger als 2–3 d belassen, da sonst irreversible Schleimhautschädigung möglich ist.

Bei Nasenbluten wird oft Blut verschluckt → Teerstühle bzw. Nachweis von Blut im Stuhl möglich.

Schwerhörigkeit, Hörminderung

Fehlbildungen mit Ohrbeteiligung (SchwerhörigkeitHörminderung 25.2).
Definitionen
  • Periphere Hörstörung: Ursache in Hörorgan o. Schallleitung

  • Zentrale Hörstörung: zerebrale Ursache (→ Neurologie)

Ätiologie
  • Genetisch bei ca. 0,1 % der NG: meist aut.-rez., aber auch dom. o. mitochondrial vererbte Formen. Abklärung durch Pädaudiologen u. Humangenetiker

  • Als Bestandteil eines übergeordneten Sy. (mehrere 100 Sy. mit Hörstörung!)

  • Pränatal erworben: meist durch Inf. wie Rötelnembryopathie, konnatale Lues, Toxoplasmose, Zytomegalie, selten andere Ursachen

  • Perinatal erworben: Asphyxie; Unreife, dadurch Kochleablutung; Kernikterus

  • Postnatal erworben: Meningitis (Pneumok.!) o. Enzephalitis als relativ häufige Ursache! Mumps, Masern, Otitis media u. a. Auslöser sehr selten

  • Zilienfunktionsstörung (PCD 14.7.5)

  • Tox.: Ototox. Medikamente u. Substanzen spielen bei Kindern praktisch keine Rolle. Infrage kommen u. a. Aminoglykoside, Zytostatika (Cyclophosphamid, Cisplatin), Streptomycin

Vorübergehende Hörstörungen:
  • Tubenventilationsstörungen bei Serotympanon o. Otitiden

  • Trauma: Knalltrauma, Verletzungen etc.; chron. Lärmtrauma (Diskotheken, MP3-Player etc.) erst bei längerer Einwirkung von Lautstärken > ca. 90 dB

  • Fremdkörper, Zeruminalpfropf

Klinik
  • Sgl.: keine Reaktionen auf Geräusche. Stummheit o. verzögerte bzw. atypische Sprachentwicklung

  • Sgl.-KK: verzögerte Sprachentwicklung, Pseudodebilität, Aggression, motorische Unruhe etc.

  • SK: Unaufmerksamkeit, „Konzentrationsschwäche“, scheinbares Desinteresse, Leistungsabfall

Einseitige Schwerhörigkeit o. TaubheitTaubheit behindert normale Sprachentwicklung nicht, bewirkt ggf. aber Gleichgewichtsstörung.

Diagnostik
Prinzip:
  • Abklärung von Hörstörungen so früh wie möglich: UNHS = universelles NG-Hörscreening mit geeigneter Methodik (OAE/BERA = AABR, 4.2.7).

  • 25 % der kindl. Hörstörungen entwickeln sich später.

  • Nur bei Früherkennung u. Frühther. (Beginn vor dem 6. LM) ist eine adäquate Sprachentwicklung möglich.

  • Risikopat. (FG, Z. n. Asphyxie, pränatale Inf., genetische Belastung, intrauterine Drogenbelastung) mit TEOAE/AABR untersuchen.

  • Ind. zum Hörtest im späteren Alter: Meningitis, Enzephalitis, Paukenerguss, Ther. mit ototox. Medikamenten (Aminoglykoside), SHT u. bei klin. Hinweisen auf Schwerhörigkeit.

Methoden: Audiometrie
  • Audiometrie mit verschiedenen, dem Alter des Kinds angepassten Methoden

  • Emission(en), otoakustische (OAE)OAE: von der Mitarbeit unabhängig, daher ab NG-Alter u. bei sedierten o. beatmeten Pat. durchführbar, auch als Screeningmethode geeignet. Sensitivität 100 %, Spezifität 90 %

  • BERA (BERAentspricht im Prinzip den AEP bzw. Evozierte Potenziale:akustischAABRAABR; 12.2.1). Einzige echte objektive qualitative u. quantitative Messmethode zum Nachweis einer Hörstörung

  • Reflexaudiometrie (Reflexaudiometriebei NG, Sgl.): Reaktion auf akustischen Reiz wird registriert: nicht sehr zuverlässig, evtl. auch Fehlinterpretation durch Übertragung von KörperschallKörperschall, z. B. bei Schlagen mit der Hand auf die Unterlage.

  • Tympanometrie (TympanometrieImpedanzmessung) bei V. a. Mittelohrschwerhörigkeit, z. B. bei chron. Otitis, Sekretretention

Ergebnisse:
  • Geringgradiger Hörverlust: –25 bis –40 dB

  • Mittelgradiger Hörverlust: –40 bis –60 dB

  • Hochgradiger Hörverlust: –60 bis –90 dB

  • Hörrestigkeit/Taubheit: –90 dB u. mehr Taubheit

Therapie
  • Je nach Ursache u. Grunderkr.

  • Bei Notwendigkeit von HörgerätHörgeräten Anpassung u. Kontrollen durch Pädaudiologen.

  • Kriterium für die gute Funktion sind Toleranz bzw. freiwillige Benutzung durch das Kind u. eine mehr o. weniger ungestörte Sprachentwicklung. Für hörgeschädigte Kinder stehen zahlreiche Spezialeinrichtungen zur Schulung u. permanenten Betreuung zur Verfügung.

  • Ind. für KochleaimplantatKochleaimplantate: Hörverlust > 90 dB, 6-monatiger Trageversuch von Hörgeräten unter logopädischer Ther. erfolglos. Bei frühzeitiger Versorgung (< 6. Lj.) kann in vielen Fällen ein gutes Sprachverständnis erreicht werden. Vorher Pneumokokken-Impfung!

Umgang mit hörgeschädigten Kindern auf Station
  • Umgang mit dem Hörgerät erklären lassen (Anlegen, Einschalten, Regeln, Funktionskontrolle, Batteriewechsel), ebenso praktische Probleme beim jeweiligen Kind

  • Hörgeräte so oft wie möglich tragen lassen

  • Ind. zur Mitaufnahme einer vertrauten Person großzügig stellen

Sprachstörungen

Sprachstörung(en)Physiologische Sprachentwicklung (1.2.2, Tab. 1.5).

Häufig komb. u. in Zusammenhang mit Stimm-Stimmstörungen u. SchluckstörungenSchluckstörungen.

Ätiologie
  • Genetische Faktoren

  • Hirnschädigung:

    • pränatal, z. B. durch Inf.

    • peripartal, z. B. Asphyxie

    • postpartal, z. B. Meningitis, Enzephalitis, Trauma

  • Teilsymptom einer geistigen Entwicklungsstörung: z. B. Chromosomendefekte, Stoffwechseldefekte etc.

  • Periphere Hörstörung, seltener auch Sehstörung

  • Defekte der Sprachorgane: Spaltbildungen, schwere Kiefer- u. Zahnfehlstellungen, Makroglossie

  • Milieueinflüsse: Bei erheblicher sozialer Deprivation kommt es zu einer Sprachentwicklungsstörung.

  • Psychische Störungen: Autismus, Psychosen

Sprachentwicklungsstörungen Klinik
  • Sprachentwicklungsstörungen (Wortschatzdefizite, Dysgrammatismus)

  • Artikulationsstörungen (ArtikulationsstörungenStammeln, Dyslalie: bis ca. 3. [evtl. 4.] Lj. physiolog.) o. audiogen (bei Hörstörung)

  • Resonanzstörung (ResonanzstörungNäselnNäseln): „geschlossen“ bei Adenoiden, Fremdkörpern, verengter Nasenhaupthöhle, „offen“ bei fehlendem Gaumensegelschluss, z. B. bei Gaumenspalte, Paresen des Gaumensegels

  • StotternStottern: Der RedeflussstörungRedefluss ist durch Wiederholungen o. Blockierungen bzw. fehlerhafte Atmung gestört. Stottern entsteht in 70–90 % bis zum 8. Lj. Diagn. u. Ther. durch erfahrenen Therapeuten! Bei ungeeigneter Ther. Möglichkeit der Verschlechterung!

  • PolternPoltern: hastiger, zerfahrener Redefluss mit schwer verständlicher Spontansprache durch Auslassung von Lauten, Silben u. Wörtern, Zusammenziehen von Silben u. längeren Wörtern, Umstellungen etc., dabei dysrhythmische Sprechatmung u. mangelnde Konzentrationsfähigkeit

Diagnostik
  • Eigen-, Familien- u. Sozialanamnese, neurolog. u. ggf. entwicklungsneurolog. Unters. (1.2.3)

  • Spezielle Diagn. (Hörtest, verschiedene Sprachtests) durch Pädaudiologie

Logopädie Therapie
  • Logopädische, kindgemäße, meist spielerische Ther. unter Einbeziehung der Eltern.

  • Bei schweren Störungen Sprachheilkindergarten u. –schule.

  • Die Sprache soll bis zur Einschulung altersgemäß entwickelt sein! Bei späterem Behandlungsbeginn ist die sprachsensible Entwicklungsphase des Kinds verpasst.

Laryngomalazie und Kehlkopferkrankungen

DefinitionenVor allem Sgl. werden oft wegen StridorStridors vorgestellt, der sich bei Inf. verstärkt. Ursachen sind: Kehlkopferkrankungen
  • LaryngomalazieLaryngomalazie (70 %): meist ab Geburt, inspir. Stridor, vermehrt im Wachzustand, beim Trinken, bei Anstrengung

  • Spaltbildungen: Husten beim Trinken, rezid. Pneumonien

  • Stimmbandparese: einseitig relativ unproblematisch, oft sek. z. B. nach Beatmung

  • (Subglottische) Stenosen: (in-) u. exspir. Stridor

  • Fremdkörper, Hämangiome, Papillome, Gefäßfehlbildungen mit Tracheomalazie: je nach Lokalisation u. Grad der Atembehinderung in-/exspir. Stridor, Dyspnoe, Tachypnoe, Trinkprobleme, Gedeihstörung etc.

AlarmsymptomeWeitere Abklärung notw. (ggf. stationär u. notfallmäßig) bei:
  • Apnoen (bei < 10 % der Laryngomalazien)

  • Verstärkung der Symptome im Schlaf

  • Gedeihstörung

  • Regelmäßiges Verschlucken bzw. Husten beim Trinken

  • Kein bzw. sehr leises u. atypisches Schreien

DiagnostikLaryngoskopie (transnasal mit flexiblem Laryngoskop) mit Videodokumentation.
Therapie
  • Eine unkomplizierte Laryngomalazie (ca. 90 %) stabilisiert sich innerhalb von 1–2 J.

  • Bei Alarmsymptomen stat. Aufnahme zum Monitoring, ggf. Supraglottoplastik. Ansonsten der Ursache entsprechend, wenn es keine Laryngomalazie ist.

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