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B978-3-437-22255-9.00025-0

10.1016/B978-3-437-22255-9.00025-0

978-3-437-22255-9

Schema ErbgängeErbgänge und genetische Symbole Vererbungsmuster

[L157]

Fingerhaltung bei Edwards-Syndrom Edwards-Syndrom

[L157]

Ullrich-Turner-Ullrich-Turner-SyndromSyndrom

[L157]

Wiedemann-Beckwith-Wiedemann-Beckwith-SyndromSyndrom

[L157]

Fetales Alkoholsyndrom

[L157]

Begriffsdefinitionen TrisomieTrisomieTranslokationTranslokationPenetranz, GenetikPenetranz, GenetikMosaik, ChromosomenMosaik, ChromosomenMonosomieMonosomieKaryotypKaryotypDeletionDeletionChromosomenmosaikChromosomenmosaikChromosomenChromosomenAllelAllelGenetik

Tab. 25.1
Begriff Definition
Allel Verschiedene Zustandsformen von Genen am selben Genort
Chromosomenmosaik Gleichzeitiges Vorkommen von Zelllinien mit verschiedenen Karyotypen bei einem Individuum (z. B. 45,X- u. 46,XX-Zellen beim Turner-Sy.)
Deletion Verlust eines Chromosomenstücks
Karyotyp Diploider Chromosomensatz eines Individuums, definiert durch Chromosomenzahl, -form u. -größe. Der lange Arm des Chromosoms wird mit q, der kurze Arm mit p abgekürzt
Beispiele
  • 46,XX = numerisch u. strukturell unauffälliger weibl. Karyotyp

  • 46,XY = numerisch u. strukturell unauffälliger männl. Karyotyp

  • 45,X = Monosomie X

  • 47,XY,+21 = numerisch auffälliger, strukturell unauffälliger männl. Karyotyp mit 1 zusätzl. Chromosom 21 (= freie Trisomie 21 bei einem Jungen o. Mann)

  • 46,XX,del(5)(p23) = numerisch unauffälliger, strukturell auffälliger weibl. Karyotyp mit einer terminalen Deletion des kurzen Arms (p) von einem Chromosom 5

  • 46,XX.ish/(del) 22q11.2 (DXS75x1) (TUPLE1x1) = numerisch unauffälliger weibl. Karyotyp, bei dem durch zusätzliche Untersuchungen (Fluoreszenz-In-Situ-Hybridisierung, FISH) mit der in der Klammer angegebenen Probe in der vor der Klammer angegebenen Region (22q11.2) eine Mikrodeletion nachgewiesen werden konnte (es sollten 2 Signale sein, hier war aber nur 1 nachweisbar = X1)

Monosomie Fehlen eines Chromosoms im diploiden Chromosomensatz
Penetranz Durchschlagkraft eines Gens. Anteil in %, mit dem sich ein dominantes o. homozygot rez. Gen im Phänotyp des Trägers manifestiert
Translokation Strukturelle Chromosomenaberration. Anheftung eines Chromosomenstücks o. eines ganzen Chromosoms an ein anderes
Balancierte Translokation Austausch von Chromosomenstücken zwischen 2 Chromosomen ohne Substanzverlust
Begriff Definition
Unbalancierte Translokation Translokation mit Verlust o. Zuwachs von Chromosomenstücken. Oft Folge einer balancierten Translokation bei einem Elternteil
Translokationstrisomie Überzähliges Chromosom ist an ein anderes angeheftet
Freie Trisomie Zusätzliches Chromosom liegt unabhängig von anderen vor

Vererbungsmuster (Erbgänge Abb. 25.1)Vererbung:X-chromosomaleVererbung:X-chromosomaleVererbung:rezessiveVererbung:rezessiveVererbung:dominanteVererbung:dominanteVererbung:autosomaleVererbung:autosomaleHomozygotieHomozygotieHeterozygotieHeterozygotieHemizytogieHemizytogieGenetisch bedingte Erkrankungen:VererbungsmusterGenetisch bedingte Erkrankungen:Vererbungsmuster

Tab. 25.2
Vererbungsmodus Charakteristika
Autosomal-dominant
(aut.-dom.)
Def. Krankheit manifestiert sich bei Heterozygotie der Gene. Übertragung des „kranken“ Gens erfolgt i. d. R. von einem betroffenen Elternteil auf die Kinder. Sporadische Fälle beruhen auf Neumutation
Bsp.
  • Neurofibromatose von Recklinghausen (12.5.3)

  • Tuberöse Hirnsklerose (12.5.3)

  • Marfan-Sy. (25.4.9), Achondroplasie (23.1.1)

! Bei Vorliegen einer aut.-dom. Erkr. nicht automatisch von einem Wdh.-Risiko von 50 % ausgehen, kann Neumutation sein. Eltern genau nach Mikrosympt. untersuchen, an unterschiedliche Penetranz denken. Bei einer Neumutation beträgt das Wdh.-Risiko dagegen nicht 0 %, da ein Keimzellmosaik vorliegen kann. → Wdh.-Risiko 1–5 %
Autosomal-rezessiv
(aut.-rez.)
Def. Nur homozygote Genträger erkranken, d. h., genotyp. Heterozygote sind phänotyp. meist gesund. Heterozygote Elternpaare haben für jedes Kind ein Erkr.-Risiko von 25 %
Bsp.
  • CF (häufigste aut.-rez. Erkr., 14.6)

  • Viele Stoffwechselerkr. (z. B. Phenylketonurie, 11.5.1)

  • Dysmorphiesy. (z. B. Smith-Lemli-Opitz-Sy., 25.2)

! An mögliche molekulargenetische Untersuchung weiterer Angehöriger denken!
X-chromosomal rezessiv
(X-chrom. rez.)
Def. Manifestation des Leidens fast ausschl. bei Männern, da sie das „krank machende“ Gen auf dem X-Chromosom durch das Y-Chromosom nicht ausgleichen können. Frauen sind im heterozygoten Zustand meist gesund
Bsp.
  • Hämophilie A u. B (17.4.1)

  • Muskeldystrophie Typ Duchenne/Becker (12.10.4)

  • X-chrom. geistige Behinderung (25.4.7)

! Heterozygote Mädchen können z. T. klin. erfasst werden (z. B. CK-Erhöhung bei Muskeldystrophie Duchenne)
Cave bei einer Sonderform der X-chrom. geistigen Behinderung, dem Fragilen-X-Sy. Hier können heterozygote Mädchen u. U. betroffen u. gesunde Großväter Überträger sein (Prämutation)
X-chromosomal dominant
(X-chrom. dom.)
Def. Heterozygote Frauen u. hemizygote Männer erkranken
Bsp. Vit.-D-resistente Rachitis (Phosphatdiab., 8.4.4)
! Bestimmte X-chrom. dom. Erkr. führen bei Jungen zum intrauterinen Tod, z. B. Incontinentia pigmenti
Multifaktoriell Def. Krankheit entsteht durch Zusammenwirken von mehreren Genen u. Umweltfaktoren
Bsp.
  • Atopien (15.1)

  • Neuralrohrverschlussstörungen (12.5)

  • Diab. mell. (10.1)

  • LKG-Spalte

  • M. Crohn (13.4.7)

! Prognose u. Wdh.-Risiko hängen sehr von der Anzahl weiterer Betroffener in der Familie ab (Tab. 25.3)

Wiederholungsrisiko häufiger multifaktorieller Spina bifidaKlumpfußHüftluxationHeuschnupfenGenetisch bedingte Erkrankungen:WiederholungsrisikoAtopisches EkzemAsthmaErkrankungen

Tab. 25.3
Erkrankung des Kinds Statistisches Wiederholungsrisiko nach einem betroffenen Kind
Spina bifida Bis 4 %
LKG-Spalte Bis 4 %
Klumpfuß Bis 3 %
Hüftluxation Söhne bis 1 %, Töchter bis 7 %
Asthma 10 % für Asthma, 25 % für Heuschnupfen, 4 % für Neurodermitis
Heuschnupfen 25 % für Heuschnupfen, 6 % für Asthma, 3 % für Neurodermitis
Neurodermitis 7 % für Neurodermitis, 20 % für Heuschnupfen, 6 % für Asthma

Leitsymptome von VierfingerfurcheVierfingerfurcheVierfingerfurcheVACTERL-AssoziationVACTERL-AssoziationVACTERL-AssoziationTrisomie:18Trisomie:18Trisomie:18SynophrysSynophrysSynophrysSyndaktylieSyndaktylieSyndaktylieSturge-Weber-SyndromSturge-Weber-SyndromSturge-Weber-SyndromSandalenlückeSandalenlückeSandalenlückeRetardierungssyndrome:LeitsymptomeRetardierungssyndrome:LeitsymptomeRetardierungssyndrome:LeitsymptomeRadiusaplasieRadiusaplasieRadiusaplasiePolydaktyliePolydaktyliePolydaktyliePhiltrumPhiltrumPhiltrumÖsophagusatresieÖsophagusatresieÖsophagusatresieOmphalozeleOmphalozeleOmphalozeleOhren:tief sitzendeOhren:tief sitzendeOhren:tief sitzendeNierenfehlbildungenNierenfehlbildungenNierenfehlbildungenNase, prominenteNase, prominenteNase, prominenteMyelomeningozeleMyelomeningozeleMyelomeningozeleMuskelhypotonieMuskelhypotonieMuskelhypotonieMikrozephalieMikrozephalieMikrozephalieMikrognathieMikrognathieMikrognathieMakroglossieMakroglossieMakroglossieLippen-Kiefer-Gaumen-SpalteLippen-Kiefer-Gaumen-SpalteLippen-Kiefer-Gaumen-SpalteLidachsenLidachsenLidachsenKrampfanfälleKrampfanfälleKrampfanfälleKleinwuchsKleinwuchsKleinwuchsHypotelorismusHypotelorismusHypotelorismusHypertelorismusHypertelorismusHypertelorismusGroßwuchsGroßwuchsGroßwuchsGesichtsdysmorphieGesichtsdysmorphieGesichtsdysmorphieGesichtsanomalienGesichtsanomalienGesichtsanomalienGenetisch bedingte Erkrankungen:DysmorphiesyndromeGenetisch bedingte Erkrankungen:DysmorphiesyndromeGenetisch bedingte Erkrankungen:DysmorphiesyndromeGelenkkontrakturenGelenkkontrakturenGelenkkontrakturenGelenkbeweglichkeit, abnormeGelenkbeweglichkeit, abnormeGelenkbeweglichkeit, abnormeGallengangsatresieGallengangsatresieGallengangsatresieFistel(n):präaurikuläreFistel(n):präaurikuläreFistel(n):präaurikuläreFehlbildungssyndrome:LeitsymptomeFehlbildungssyndrome:LeitsymptomeFehlbildungssyndrome:LeitsymptomeExtremitäten:HypoplasieExtremitäten:HypoplasieExtremitäten:HypoplasieExtremitäten:FehlbildungenExtremitäten:FehlbildungenExtremitäten:FehlbildungenEhlers-Danlos-SyndromEhlers-Danlos-SyndromEhlers-Danlos-SyndromBehinderung, geistigeBehinderung, geistigeBehinderung, geistigeAugenbrauen, zusammengewachseneAugenbrauen, zusammengewachseneAugenbrauen, zusammengewachseneAdipositasAdipositasAdipositasAchondroplasieAchondroplasieAchondroplasieFehlbildungssyndromen

Tab. 25.4
Anomalie Fehlbildungssyndrome
Anomalien des Gesichts
Erster Eindruck ist oft, das Kind sieht „komisch“ aus. Diesen Eindruck konkretisieren, Auffälligkeiten genau beschreiben
Nach oben außen laufende Lidachsen Down-Sy. (25.4.1)
Nach unten außen laufende Lidachsen Wolf-Sy. (partielle Deletion des kurzen Arms eines Chromosoms 4: SGA, prominente Stirn, Hakennase, LKG-Spalte, Herzfehler, Klitorishypertrophie, Mikrozephalie), Noonan-Sy. (25.4.5; DD), Cri-du-Chat-Sy. (partielle Deletion des kurzen Arms eines Chromosoms 5: SGA, Larynxhypoplasie, typ. „Miauen“, Herzfehler)
Hypertelorismus
(weiter Augenabstand)
Wolf-Sy., Noonan-Sy. (25.4.5, DD), Potter-Sequenz (25.4.11)
Hypotelorismus
(enger Augenabstand)
Pätau-Sy. Holoprosenzephalie-Sy.
Kurze Lidspalten Fetales Alkoholsy. (FAS, 25.5.1), Edwards-Sy. (25.4.2), Dubowitz-Sy. (Kleinwuchs, Mikrozephalie, Ekzem, abstehende Ohren)
Synophrys
(in der Mitte zusammengewachsene Augenbrauen)
Cornelia-de-Lange-Sy. (Kleinwuchs, Mikrozephalus, dichte Augenbrauen, lange Wimpern, hohes Philtrum, schmale Oberlippe, kleine Hände u. Füße)
Prominente Nase Rubinstein-Taybi-Sy. (breite Endphalangen der Daumen u. Großzehen, Herzfehler, Nierenfehlbildungen, Mikrozephalie), Seckel-Sy. (= Vogelkopfzwergwuchs, hochgradige intrauterine Wachstumsretardierung, Mikrozephalie)
Makroglossie Wiedemann-Beckwith-Sy. (25.4.8), angeborene Hypothyreose, Mukopolysaccharidosen
Verstrichenes Philtrum FAS (25.5.1)
Langes Philtrum Cornelia-de-Lange-Sy. (s. o.), Valproat, embryo-/fetopathische maternale PKU
Tief sitzende Ohren Noonan-Sy., Rubinstein-Taybi-Sy. (s. o.), Edwards-Sy. (25.4.2), Down-Sy. (25.4.1), Wolf-Sy.
Präaurikuläre Fisteln Cat-Eye-Sy. (Iriskolobom, antimongoloide Lidachsenstellung, Analatresie, Lungenvenenfehlmündung, Nierenanomalien), Goldenhar-Symptomkomplex (Gesichtsasymmetrie, Mandibulahypoplasie, WS-Anomalie, Herzfehler), Wolf-Sy. (s. o.)
Mikrognathie Edwards-Sy. (25.4.2), Turner-Sy. (25.4.5), Wolf-Sy., Cat-Eye-Sy. (s. o.), Cornelia-de Lange-Sy., Seckel-Sy. (s. o.)
Tiefer Haaransatz im Nacken Turner-Sy. (25.4.5), Noonan-Sy. (25.4.5, DD)
Dünnes Haar Ektodermale Dysplasie (Hautatrophie, Schweiß-/Talgdrüsenhypoplasie), Menkes-Sy. (Kupferstoffwechselstörung mit hypopigmentierten, brüchigen Haupthaaren, geistigem u. körperl. Entwicklungsrückstand)
LKG-Spalte Pätau-Sy., Wolf-Sy., Antiepileptika-Embryofetopathie
Grobe Gesichtszüge Mukopolysaccharidosen
Extremitätenfehlbildungen
Polydaktylie Pätau-Sy., Laurence-Moon-Bardet-Biedl-Sy., Smith-Lemli-Opitz-Sy. (Mikrozephalie, Ptosis, nach oben gerichtete Nasenlöcher, Syndaktylie der 2. u. 3. Zehe, Hypospadie)
Syndaktylie Apert-Sy. (Kraniosynostose, Turmschädel, Exophthalmus, Löffelhände), Smith-Lemli-Opitz-Sy. (s. o.), Cri-du-Chat-Sy. (s. o.)
Sandalenlücke Down-Sy.
Vierfingerfurche Down-Sy., Cornelia-de-Lange-Sy. Smith-Lemli-Opitz-Sy.
Gelenkkontrakturen Arthrogrypose (23.1.2), Potter-Sequenz (25.4.11)
Abnorme Gelenkbeweglichkeit Ehlers-Danlos-Sy. (Bindegewebsstörung mit hyperelastischer Haut, hypertrophe Narben, Suffusionen, Hernien, Megalokornea, Spontanrupturen von Gefäßen), Marfan-Sy.
Extremitätenhypoplasie Varizellen-Embryofetopathie (6.5.27), Amnionbänder
Radiusaplasie Edwards-Sy. (25.4.2), VACTERL-Assoziation (25.4.10), Roberts-Sy. (Mikrozephalie, Kleinwuchs, Phokomelie, Daumenhypoplasie, Kontrakturen, Makropenis, Klitorishypertrophie), Holt-Oram-Sy. (variable Fehlbildungen der oberen Extremitäten u. Herzfehler)
Klein-/Großwuchs, Adipositas
Kleinwuchs, proportioniert Down-Sy., Turner-Sy., Noonan-Sy. (25.4.5, DD), Rubinstein-Taybi-Sy. (s. o.), Seckel-Sy. (s. o.), Silver-Russel-Sy. (prä- u. postnataler Kleinwuchs, relativ großer Hirnschädel, Asymmetrien)
Kleinwuchs, disproportioniert Achondroplasie (aut.-dom., Makrozephalus, Lendenlordose, im Sgl.-Alter Muskelhypotonie, 23.1.1), Knorpel-Haar-Hypoplasie (aut.-rez., überstreckbare Gelenke; feines, spärliches Haar, Immundefekt), Leri-Weill-Sy. (Madelung-Deformität)
Großwuchs Marfan-Sy., Homozystinurie, Klinefelter-Sy., Sy. des Fragilen X im Kindesalter
Adipositas Prader-Willi-Sy. (25.4.6), Laurence-Moon-Bardet-Biedl-Sy., Down-Sy.
Innere Fehlbildungen
Gallengangsatresie Alagille-Sy. (mit Pulmonalstenose, Schmetterlingswirbel)
Herzfehler (7.4, 7.5, 7.6)
Nierenfehlbildungen Embryopathia diabetica, VACTERL-Assoziation, Cat-Eye-Sy. (s. o.), Edwards-Sy. (25.4.2), Turner-Sy. (25.4.5), Prune-Belly Sy. (Hypoplasie der Bauchwandmuskulatur, Nierendysplasie, Megaureteren, Meatusstenose, Kryptorchismus), Klippel-Feil-Sy. (Fusion u. Hypoplasie von HWK mit sek. neurolog. Ausfällen, asymmetrischem Gesicht, Nierenagenesie), Wolf-Sy. (s. o.)
Omphalozele Wiedemann-Beckwith-Sy. (25.4.8)
Ösophagusatresie VACTERL-Assoziation, CHARGE-Sy., Edwards-Sy., DiGeorge-Sy. (Thymushypoplasie, Hypokalzämie, Herzfehler, hypoplastische Mandibula)
Neurologische Auffälligkeiten
Mikrozephalie Angeb. Inf. (25.5), FAS (25.5.1), maternale PKU, Pätau-Sy. (25.4.3), Edwards-Sy. (25.4.2), Wolf-Sy., Rubinstein-Taybi-Sy., Seckel-Sy., Smith-Lemli-Opitz-Sy., Cri-du-chat-Sy.
Geistige Behinderung S. o.; Mikrozephalie u. Fragiles-X-Sy. (25.4.7)
Myelomeningozele Valproat-Embryopathie, Edwards-Sy.
Krampfanfälle Stoffwechselerkr. (11.1), Sturge-Weber-Sy. (Naevus flammeus im Trigeminusbereich), tuberöse Hirnsklerose (White Spots u. Angiofibrome), Neurofibromatose v. Recklinghausen (Café-au-Lait-Flecken u. Neurofibrome)
Erlernte Fähigkeiten Speicherkrankheiten, z. B. Lipofuscinose
Muskelhypotonie M. Werdnig-Hoffmann (12.10.1), Muskeldystrophie Duchenne (12.10.4), Down-Sy., Prader-Willi-Sy., Zellweger-Sy. (peroxisomale Stoffwechselstörung: Hepatomegalie, polyzystische Nieren, Gesichtsdysmorphien)

Teratogene Fetopathien, teratogene NoxenEmbryopathien, teratogene NoxenNoxen und VirusfetopathieVirusembryopathieValproat-EmbryopathieToxoplasmose:FetopathieSyphilisfetopathiePhenytoin-EmbryopathiePhenylketonurie:mütterlicheDiabetes mellitus:mütterlicherAmnionbänderInfektionenZytomegalie, Fetopathie

Tab. 25.5
Noxe/Infektion Symptome
Alkohol Klinik u. Beurteilung (25.5.1)
Phenytoin in Komb. mit Barbituraten Hypotrophie, Mikrozephalie, geistiger u. körperlicher Entwicklungsrückstand, hypoplastische Nägel, Gesichtsdysmorphie, LKG-Spalte, Herzfehler
Syphilisfetopathie Neuralrohrdefekte
Virusembryopathie, z.B. Röteln Mikrozephalie, Hydrocephalus internus, Katarakt, Mikrophthalmus, Herzfehler
Virusfetopathie, z.B. Zytomegalie Hypotrophie, Mikrozephalie, Chorioretinitis, bei Varizellen zusätzlich Hypomelie, Hirnfehlbildung, Herzdilatation; bei Zytomegalie zusätzlich Hepatosplenomegalie
Syphilisfetopathie Bullöser, vesikulärer Hautausschlag an Handinnenflächen u. Fußsohlen, Sattelnase, später spindelförmige Auftreibung der Röhrenknochen mit Bewegungseinschränkung
Parasitäre Fetopathie, z.B. Toxoplasmose Hydrozephalus, intrazerebrale Verkalkungen, Retinopathie
Diabetes mellitus der Mutter (schlecht eingestellt) Herzfehler, eng gestelltes Kolon, kaudale Regressionsdefekte (Sakralagenesie, urolog. Fehlbildungen)
PKU der Mutter Mikrozephalie, Herzfehler, Skelettfehlbildungen
Amnionbänder Unilaterale Extremitätenfehlbildungen, Enzephalozele, Gesichtsspalten

Medizinische Genetik

Stephanie Spranger

  • 25.1

    Grundlagen724

  • 25.2

    Leitsymptome von Dysmorphiesyndromen727

  • 25.3

    Vorgehen bei Verdacht auf genetisch bedingte Erkrankung730

    • 25.3.1

      Anamnese731

    • 25.3.2

      Diagnostik731

  • 25.4

    Häufige Fehlbildungs- und Retardierungssyndrome733

    • 25.4.1

      Down-Syndrom733

    • 25.4.2

      Edwards-Syndrom734

    • 25.4.3

      Pätau-Syndrom734

    • 25.4.4

      Klinefelter-Syndrom735

    • 25.4.5

      Ullrich-Turner-Syndrom736

    • 25.4.6

      Mikrodeletionssyndrome737

    • 25.4.7

      Fragiles-X-Syndrom (Martin-Bell-Syndrom)738

    • 25.4.8

      Wiedemann-Beckwith-Syndrom739

    • 25.4.9

      Marfan-Syndrom739

    • 25.4.10

      VACTERL-Assoziation (VATER-Assoziation)740

    • 25.4.11

      Potter-Sequenz740

  • 25.5

    Teratogene Noxen und Infektionen741

    • 25.5.1

      Fetales Alkoholsyndrom (FAS) und Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD)741

    • 25.5.2

      Weitere teratogene Noxen und Infektionen743

Grundlagen

Bis zu 15 % der Pat. einer Kinderklinik, 1–2 % aller NG haben eine genetisch bedingte Genetisch bedingte ErkrankungenErkr. (Begriffsdef. Tab. 25.1, Vererbungsmuster Tab. 25.2). Dazu zählen:
  • Dysmorphie- o. Fehlbildungssy.

  • Stoffwechselerkr. (11.1), Mukoviszidose (14.6)

  • Neurol. Erkr., einschl. Muskelerkr. (12.10)

  • Erkr. des Skelettsystems, z. B. Achondroplasie, Osteogenesis imperfecta (23.1.1)

  • Phakomatosen (12.5.3)

  • Hämophilie (17.4)

  • Hauterkr., z. B. Ichthyosis (19.2)

  • Erkr. der Sinnesorgane (Auge 20.3, Hörstörungen 21.11)

  • Tubulopathien (8.4)

Leitsymptome von Dysmorphiesyndromen

Bei den Dysmorphie-Fehlbildungssy. ist die Zuordnung zu einem bestimmten DysmorphiesyndromeKrankheitsbild nicht leicht (Leitsymptome Tab. 25.4). Oft wird dann die Diagnose „Dysmorphiesy. unklarer Genese“ gestellt. Die genaue Zuordnung der Störung zu einem definierten Krankheitsbild ist jedoch aus verschiedenen Gründen wichtig:
  • Die richtige Ther. hängt davon ab (z. B. bei Stoffwechselstörungen wie dem Smith-Lemli-Opitz-Sy.).

  • Überflüssige technische Unters. bleiben dem Pat. erspart.

  • Die Prognose für den Pat. kann gestellt werden (Überleben, geistige u. körperl. Entwicklung).

  • Das Wdh.-Risiko für weitere Nachkommen kann den Eltern genannt werden.

Zur Diagnosefindung ist die genaue Beobachtung u. Beschreibung auch von kleinen äußeren Auffälligkeiten u. inneren Fehlbildungen entscheidend. Humangenetiker zu Rate ziehen!

Humangenetiker
  • kennen die neuesten Möglichkeiten molekulargenetischer Diagn. u. Humangenetikkönnen auch die erforderliche Familienunters. koordinieren,

  • erkennen die Mikrosymptome bei Eltern,

  • beraten die Eltern bei weiter bestehendem Kinderwunsch.

.pdfInsb. bei der Komb. von Fehlbildungen mit neurolog. Auffälligkeiten o. geistiger Behinderung nach weiteren Sympt. suchen, um das Krankheitsbild zuordnen zu können.

Vorgehen bei Verdacht auf genetisch bedingte Erkrankung

Die Rahmenbedingungen der ärztlichen Tätigkeit im Kontext von genetischer Beratung u. Diagn. werden vom Gendiagnostikgesetz (GenDG) geregelt, das am 1.2.2010 in Kraft trat. Es regelt die Anforderungen an zulässige genetische Untersuchungen u. genetische Analysen u. beschränkt deren Anwendbarkeit.

Ziel des Gesetzes ist es, die mit der Unters. menschlicher Eigenschaften verbundenen möglichen Gefahren von genetischer Diskriminierung zu verhindern u. gleichzeitig die Chancen des Einsatzes genetischer Unters. für den einzelnen Menschen zu wahren.Genetisch bedingte Erkrankungen:DiagnostikGendiagnostikgesetz

Zur genetischen Diskriminierung gehört die Benachteiligung eines Menschen aufgrund seiner genetischen Disposition, z. B. Träger einer Mutation, die zur Huntington-Krankheit führt.

Das GenDG regelt auch Fragen, die den Versicherungsbereich u. das Arbeitsleben betreffen, sowie Abstammungsgutachten. Genetische Forschung u. Präimplantationsdiagn. (PID) sind davon ausgeschlossen.

Wichtigster Punkt des Gesetzes ist der Arztvorbehalt. Genetische Diagn. darf nur vom Arzt vorgenommen werden.

Neben der schriftlichen Einwilligung in die Unters. nach Aufklärung ist dabei das Konzept genetische Beratung, Diagn., genetische Beratung festgelegt.

Anamnese

  • SS- u.Genetisch bedingte Erkrankungen:Anamnese Geburtsanamnese zur Abgrenzung von genetischen ggü. exogenen Ursachen: Medikamente? Alkohol? Drogen? Strahlenexposition? Akute Erkr. während SS? Chron. mütterliche Erkr., z. B. Diab. mell., Epilepsie? Vorausgegangene Aborte? Blutungen in der SS? Kindsbewegungen normal? Oligohydramnion? Polyhydramnion? Geburtsmodus?

  • Kindliche Anamnese: Apgar, Nabelschnur-pH, GG? Ernährungsschwierigkeiten? Gehäufte Inf.? Meilensteine? Knick in der Entwicklung?

  • Familienanamnese: Stammbaum über mind. 3 Generationen. Familiäre Häufung von Aborten, Totgeburten, ungeklärten Todesursachen? Bei auffälligen Fehlbildungen nach familiärer Häufung fragen, evtl. Familienmitglieder zur Unters. einbestellen; Blutsverwandtschaft?

Selbsthilfegruppe

Genetisch bedingte Erkrankungen:SelbsthilfegruppenBei sehr vielen seltenen, v. a. genetischen Erkr. bietet das Kindernetzwerk Hilfe durch Vermittlung von Kontaktadressen u. Literatur:

  • Kindernetzwerk e. V., Tel. 0 60 21/1 20 30, www.kindernetzwerk.de

  • Informationen zu einzelnen genetisch bedingten Erkrankungen mit Zugang zu Reviewartikeln über orphanet.de

Diagnostik

Chromosomenanalyse
Materialgewinnung Genetisch bedingte Erkrankungen:Diagnostik
  • Aus Vollblut:

    • ChromosomenanalyseI. v. Blutentnahme in steriles, heparinisiertes Röhrchen. Röhrchen anschließend sofort ins humangenetische Labor geben

    • Ind.: V. a. numerische u. strukturelle Chromosomenaberration

  • Aus Fibroblasten (Hautbiopsie): Ind. ist Abklärung eines chromosomalen Mosaiks, Karyotyp-Unters. post Fibroblastenkulturmortem

IndikationenGeistige Behinderung mit/ohne faziale Dysmorphien u. Fehlbildungen, Kleinwuchs, fehlende Pubertätsentwicklung, Großwuchs, Symptomkomb. unklarer Ursache (Dysmorphien u. Fehlbildungen).
Molekular-zytogenetische Untersuchungen
  • FISH; Heparinblut

  • Array-CGH (comparativeZytogenetik genom hybridisation): EDTA-Blut

Indikationen
  • V. a. spezielles Mikrodeletionssy. Bei der Anforderung für eine FISH-Unters. muss deshalb in jedem Fall die Verdachtsdiagnose mitgeteilt werden

  • Array-CGH bei geistiger Behinderung unklarer Genese, mit u. ohne faziale Dysmorphien, Fehlbildungs-/Retardierungssy. u. Autismus-Spektrumstörungen

Molekulargenetische Untersuchungen
Aus Vollblut in EDTA Röhrchen. Dir. Nachweis der Genmutation (z. B. CF).

Welche DNA-DNA-DiagnostikUnters. in D wo durchgeführt wird, kann in jedem/r humangenetischen Institut/Praxis erfragt o. auf der Internetseite des Berufsverbands Deutscher Humangenetiker e.V. eingesehen werden (unter → Diagnostikanbieter): www.BVDH.de.

Zudem bietet auch orphanet.de eine Adressenliste an (z. T. auch für europäische Labore).

Biochemische Untersuchungen
11.1.Molekulargenetik
Materialgewinnung
  • Aus Urin: Screening auf Stoffwechseldefekte der organischen Säuren, AS, Mukopolysaccharide

  • Aus Fibroblasten (Hautbiopsie):

    • Lysosomale FibroblastenkulturEnzyme bei V. a. Mukopolysaccharidosen

    • Nachweis des Enzymdefekts bei V. a. Gangliosidosen, Sphingomyelinosen, metachromatische Leukodystrophie

    • Kollagenanalyse

Ergänzende Untersuchungen
Bei Verdachtsdiagnose zur Verifizierung der Diagnose gezielt durchführen. Verdachtsdiagnose auf Konsilschein festhalten! Sonst wird u. U. nicht zielgerichtet untersucht.
  • Ophthalmolog. Konsil (Glaukom bei Rötelnembryopathie, Korneatrübung bei Mukopolysaccharidosen, Linsenluxation bei Marfan-Sy., Choroideaangiom bei Sturge-Weber-Sy., Lisch-Knötchen bei Neurofibromatose Typ I, kirschroter Fleck bei Lipidosen)

  • Nieren-Sono (Tu bei tuberöser Hirnsklerose, Anomalien bei Klippel-Feil-Sy., Nierenagenesie bei Turner-Sy., Zysten, Tu)

  • Echokardiografie (Aneurysma bei Marfan-Sy., AV-Kanal bei Down-Sy.)

  • Rö-Aufnahmen von Extremitäten u. Schädel, z. B. bei Achondroplasie

  • EEG, CCT, MRT, EMG, NLG bei neurolog. Auffälligkeiten

  • Fotodokumentation

Häufige Fehlbildungs- und Retardierungssyndrome

Down-Syndrom

Häufigste Chromosomenanomalie, 1 : 650 Lebendgeborene.

KaryotypMeist freie Trisomie 21 (95 %), Mosaik mit normalen Zellen (ca. 2 %), Translokationstrisomie (ca. 3 %). Risiko, ein Kind mit freier Trisomie 21 zu bekommen, steigt mit Alter der Mutter (z. B. mit 35 J. 0,5 %, mit 40 J. 2 %). Bei Vorliegen einer balancierten Translokation eines Elternteils Wdh.-Risiko ca. 10 % (bei 21/14-Translokation).
Klinik Trisomie:21 Retardierungssyndrome:genetisch bedingte Fehlbildungssyndrome:genetisch bedingte Down-Syndrom
  • Fazies: flaches Gesicht, nach oben außen laufende Lidachsenstellung, relative Makroglossie, Epikanthus medial, tief liegende Nasenwurzel; kleine, im oberen Teil abgewinkelte Ohrmuschel

  • Auge: helle Iris mit kleinen, weißen Flecken (= Brushfield Spots). Kolobome, Strabismus, Nystagmus, Glaukom

  • Extremitäten/Skelettsystem: Kleinwuchs, Brachyzephalus, kurze, plumpe Hände, Vierfingerfurche, kurze Mittelphalanx des V. Fingers. Abstand zwischen I. u. II. Zehe ↑ (Sandalenfurche). Gelenkbeweglichkeit ↑

  • Innere Organe: Herzfehler (ca. 50 % d. F., meist Septumdefekte, AV-Kanal). Stenosen/Atresien des Verdauungstrakts. Immunschwäche mit gesteigerter Infektanfälligkeit, Neigung zu Malignomen (Leukämien). Beim Mann Hypogonadismus, Infertilität, Frauen meist fertil. Hernien. Obstipationsneigung

  • Neurologie, Psychologie: Im NG- u. KK-Alter Muskelhypotonie; IQ < 50; fehlendes abstraktes Denken; Nachahmungstrieb. Können einfache Arbeiten im Haushalt o. in geschützten Werkstätten ausführen. Kinder meist heiter, froh, anschmiegsam, selten aggressiv; tapsiger Gang

VerlaufAbhängig von Schwere der inneren Fehlbildungen u. Ausprägung der Immunschwäche. Inzidenz von M. Alzheimer erhöht.
Diagnostik
  • Konventionelle Chromosomenanalyse

  • Schnelltest auf Trisomie 21 (Interphase-FISH-Diagn.), über Nacht

TherapieOperative Korrektur der inneren Fehlbildungen, frühzeitig KG, Beratung u. Unterstützung der Eltern, Anbindung an eine sozialpädiatrisches Institution wohnortnah.

Selbsthilfegruppe

Information über Selbsthilfegruppen, Elternvereinigungen, Frühförderung:

Bundesvereinigung Lebenshilfe für geistig Behinderte e. V., Tel. 0 6 421–49 10, www.Lebenshilfe.de

Edwards-Syndrom

Häufigkeit1 : 5 000 Lebendgeburten. Überwiegen des Edwards-Syndromweibl. Geschlechts.
KaryotypMeist freie Trisomie 18, selten Mosaike. Trisomie:18Risiko steigt mit Alter der Mutter.
Klinik
  • Path. SS: vorzeitige Blutungen, Hydramnion

  • SGA

  • Fazies: vorgewölbte, dreieckige Stirn; kurze, meist nach unten außen laufende Lidachsenstellung, Mikrostomie, Epikanthus, Mikrognathie, verstrichenes Philtrum; LKG-Spalte; tief sitzende, dysplastische Ohren

  • Auge: Korneatrübung, Katarakt, Glaukom

  • Extremitäten/Skelettsystem: schmaler Schädel mit prominentem Hinterhaupt. Fingerbeugekontrakturen mit Überlappen des II. u. V. Fingers über den III. bzw. IV. Finger (Abb. 25.2). Radiusaplasie, kurze, dorsalflektierte Großzehen, vorstehender Kalkaneus, verstrichenes Fußgewölbe, Syndaktylien, hypoplastische Nägel

  • Innere Organe: Herzfehler; Nierenanomalien (Hydronephrose, Nierenzysten), Malrotation des Darms, Ösophagusatresie, Omphalozele, Inguinalhernie, Analatresie

  • Neurologie: zunächst Muskelhypotonie, später Muskelhypertonie

  • ZNS: Myelomeningozele, Hydrozephalus, Holoprosenzephalie, Krampfanfälle

VerlaufKaum psychomotorische Entwicklung. 90 % sterben ohne intensivmed. Maßnahmen in den ersten Lebenswo.
DifferenzialdiagnosenFAS (25.5.1), strukturelle Chromosomenaberration.
Diagnostik
  • Konventionelle Chromosomenanalyse

  • Schnelltest auf Trisomie 18 (Interphase-FISH-Diagn.)

TherapieI. d. R. keine.

Selbsthilfegruppe

Kontaktstelle für Eltern betroffener Kinder: LEONA e. V., Tel. 0 44 21–74 86 69, www.leona-ev.de

Pätau-Syndrom

Häufigkeit1 : 5 000 Lebendgeburten.
KaryotypMeist freie Pätau-SyndromTrisomie 13, selten Translokationstrisomie.
Klinik
  • Trisomie:13SGA

  • Fazies: Mikrophthalmie o. Anophthalmie, LKG-Spalte, fliehende Stirn, nach oben außen laufende Lidachsenstellung, tief sitzende, dysplastische Ohren, Mikrognathie

  • Haut: narbige Skalpdefekte entlang der Sagittalnaht, V-förmiges Stirn-/Oberlidhämangiom

  • Auge: Iriskolobom, Choroideakolobom, Katarakt, Hypoplasie des N. opticus

  • Extremitäten/Skelettsystem: Hexadaktylie, Fäustchenstellung der Finger, hyperkonvexe Nägel, prominenter Kalkaneus

  • Innere Organe: Herzfehler, Nierenfehlbildungen (polyzystische Nieren), Omphalozele, Malrotation des Darms, Kryptorchismus, Hypospadie

  • Neurologie: Muskelhypertonie, selten Muskelhypotonie

  • ZNS: Holoprosenzephalie, Kleinhirnanomalien, Krampfanfälle

VerlaufKaum psychomotorische Entwicklung; 90 % sterben im 1. Lj.; Überlebende sind blind, gehörlos, haben Epilepsie
Diagnostik
  • Konventionelle Chromosomenanalyse

  • Schnelltest auf Trisomie 13, über Nacht

TherapieI. d. R. keine.

Selbsthilfegruppe

Kontaktstelle für Eltern betroffener Kinder: LEONA e. V., Tel. 0 44 21–74 86 69, www.leona-ev.de

Klinefelter-Syndrom

Häufigkeit1 : 1 000 aller männl. NG.
KaryotypNumerische Klinefelter-SyndromChromosomenaberration XXY, selten XXXY, XXXXY o. Mosaike.
Klinik
  • Fazies: unauffällig

  • Extremitäten/Skelettsystem: Großwuchs, bei Adulten zusätzlich Stammadipositas. Große Hände u. Füße

  • Gonaden: fehlendes pubertäres Penis- u. Testiswachstum; Hypogonadismus mit Tubulussklerose, Aspermie u. ungenügender Testosteronproduktion. Unterentwickelte Pubes-/Bart- u. Axillarbehaarung

  • Gynäkomastie

  • Neurologie: IQ kann unterdurchschnittlich, aber auch normal sein. Verspätete motorische u. sprachliche Entwicklung u. Verhaltensauffälligkeiten können auftreten

VerlaufSkoliose, Osteoporose, Diab. mell.
DifferenzialdiagnosenMarfan-Sy. (25.4.9).
DiagnostikChromosomenanalyse, Hormonanalyse (hypergonadotroper Hypogonadismus 10.2.4).
TherapieVorstellung beim Kinder- bzw. Erw.-Endokrinologen, u. a. zur Hormonther.

Selbsthilfegruppe

Deutsche Klinefelter-Syndrom-Vereinigung e. V., Tel. 0700–99 94 79 99, www.klinefelter.de

Ullrich-Turner-Syndrom

Häufigkeit1 : 2 500 aller weibl. NG. Ca. 90 % der Fruchtanlagen versterben intrauterin. Pränatales Turner-Sy. kann schweres Krankheitsbild mit generalisiertem progredientem Hydrops sein!Ullrich-Turner-Syndrom
KaryotypMonosomie X. Turner-SyndromSehr häufig Mosaike, da Verlust des X- o. Y-Chromosoms meist nach der Befruchtung auftritt. Nicht vom Alter der Mutter abhängig. Kein erhöhtes Wdh.-Risiko.
Klinik
  • Fazies: nach unten außen laufende Lidachsenstellung, Epikanthus, Ptose, Strabismus, abfallenden Mundwinkeln, Mikrognathie, abstehenden Ohren (Abb. 25.3)

  • Haut: Hand- u. Fußrückenödeme beim NG, multiple Nävi

  • Extremitäten/Skelettsystem: Kleinwuchs, kurzer Hals mit Pterygium colli, tiefer Haaransatz. Schildthorax mit breitem MamillenabstandPterygium; Verkürzung der IV. Mamillenabstand, breiterMetakarpalia u. Metatarsalia

  • Gonaden: Gonadendysgenesie (bindegewebige Ovarien); präpubertär normales, kindliches äußeres Genitale; prim. Amenorrhö

  • Innere Organe: Herzfehler (Aortenisthmusstenose, aberrierende große Gefäße), Nierenanomalien

  • Neurologie: normaler IQ, Schwierigkeiten beim abstrakten u. räumlichen Denken können auftreten

Differenzialdiagnosen
  • Noonan-Sy. (aut.-dom. vererbtes Fehlbildungs-/Retardierungs-Sy. beider Geschlechter ohne Chromosomenaberration mit typ. „Turnerfazies“, Lymphödemen, Pulmonalstenose, Kleinwuchs)

  • Klippel-Feil-Sy. (kurzer, breiter Hals mit tiefer Haargrenze u. überschüssigen Nackenfalten aufgrund von Fehlbildungen der HWS)

DiagnostikChromosomenanalyse, Hormonbestimmung (hypergonadotroper Hypogonadismus, 10.2.4).
Therapie
  • Operative Korrektur der Herz- u. Nierenfehlbildungen

  • Psycholog. Betreuung wg. Kleinwuchs u. Infertilität

  • Regelmäßige kardiolog. Betreuung (Aortenaneurysma)

  • Frühzeitige Vorstellung beim Kinderendokrinologen

Selbsthilfegruppe

Deutsche Ullrich-Turner-Syndrom-Vereinigung e. V., Tel. 0 22 47–75 97 50, www.turner-syndrom.de

Mikrodeletionssyndrome

DefinitionMikrodeletionssy. sind Erkr., bei denen ein lichtmikroskopisch oftMikrodeletionssyndrome nicht sichtbarer Stückverlust spezieller Chromosomenregionen vorliegt.
  • !

    Spezielle kleine Deletionen können durch FISH-Untersuchungen erkannt werden. Bei dieser Laboranforderung muss der Verdacht gezielt geäußert werden. Durch die relativ neu in der Routinediagn. verankerte Array-CGH werden dagegen Mikrodeletionen u. Mikroduplikationen über das gesamte Genom detektiert. Letztlich entspricht die Array-CGH vom Prinzip her einer hochauflösenden Chromosomenanalyse, wenn sie auch molekulargenetisch durchgeführt wird (25.3.2). Das Auflösungsvermögen ist mittlerweile bei ungefähr 200 kb Imbalance. Informationsmaterial zu den einzelnen Mikrodeletions-/-duplikationssy. findet sich z. B. auf der Website der englischen Selbsthilfegruppe www.rare.chromo.org.

Mikrodeletionssyndrom 22q11.2
DefinitionBekannteste u. häufigste (Häufigkeit ca. 1 : 2 000–1 : 3 000) Erkr. ist das Mikrodeletionssy. 22q11.2, das auf einen Stückverlust in der Region 22q11.2 auf dem Chromosom 22 zurückzuführen ist. Dadurch kommt es zur Haploinsuff. der dort lokalisierten, z. T. noch nicht identifizierten Gene.
Syn.: CATCH 22 (C = CATCH-22-Syndromcardiac defect [meist trunkale Herzfehler], A = abnormal face [Hypertelorismus, Telekanthus, kleines Kinn, bulböse Nase], T = Thymushypoplasie [T-Zell-Defekt], C = cleft palate [auch submukös o. nur Gaumensegelinsuff.], H = Hypokalzämie [aufgrund eines Parathormonmangels]).
KlinikDie Symptomkomb. kann unterschiedlich sein. Je nachdem, welches Symptom Leitsymptom ist, werden die Erkr. auch wie folgt bezeichnet:
  • DiGeorge-Sy.: T-Zell-Defekt u. Hypokalzämie

  • DiGeorge-SyndromVelokardiofaziales Sy. (Sphrintzen-Sy.Velokardiofaziales Syndrom): nasale Sprache (Sphrintzen-SyndromGaumensegelinsuff., submuköse Spalte?), auffälliges Gesicht (Telekanthus, bulböse Nase)

  • Takao-Sy. (conotruncal anomaly face syndrome): Herzfehler mit Gesichtsdysmorphien

Die Takao-Syndromgeistige Retardierung ist milde, z. T. besteht sie nur in einer diskreten Entwicklungsverzögerung. Bei Diagnosestellung sollte das Kind, falls noch nicht geschehen, kardiolog. u. endokrinolog. betreut werden. In den meisten Fällen ist die Mikrodeletion neu aufgetreten (ca. 80 %), nur in 20 % d. F. bereits bei den Eltern vorhanden.

Selbsthilfegruppe

Kinder mit DeletionsSyndrom-22q11 e. V., Tel. 0 83 79–13 50, www.kids-22q11.de

Prader-Willi-Syndrom (PWS)
DefinitionFehlen des paternalen Anteils eines bestimmten Bereichs des Prader-Willi-SyndromChromosoms 15, entweder durch eine Mikrodeletion, durch eine maternale, uniparenterale Disomie o. durch Imprintingdefekte. Das PWS ist eine „Imprinting-Erkr.“, das Gen ist noch nicht genau bekannt.
Klinik
  • Fazies: mandelförmige Augen, schmale Stirn

  • Extremitäten/Skelettsystem: Kleinwuchs, kleine Hände u. Füße

  • Innere Organe: Adipositas, Diab. mell. ab der 2. Lebensdekade

  • Gonaden: bei Jungen hypoplastisches Skrotum, Mikropenis, Kryptorchismus

  • Neurologie: Mikrozephalie. Als NG Muskelhypotonie, kaum vorhandener Saug- u. Schluckreflex (Sondenernährung), Besserung der Hypotonie im Laufe der ersten Lj., später psychomotorischer Entwicklungsrückstand, Krampfanfälle

VerlaufSchwer beeinflussbare Adipositas, dadurch Sekundär-KO.
DifferenzialdiagnosenLaurence-Moon- o. Bardet-Biedl-Sy. (aut.-rez., Stammadipositas, Retinitis pigmentosa, Polydaktylie, Genitalhypoplasie, geistiger Entwicklungsrückstand).
TherapieDiät, KG. Vorstellung beim Kinderendokrinologen (Wachstumshormontherapie).

Selbsthilfegruppe

Prader Willi Syndrom Vereinigung Deutschland e. V., Tel. 0 51 41–37 43 27, www.prader-willi.de

Fragiles-X-Syndrom (Martin-Bell-Syndrom)

Häufigkeit u. VererbungFragiles-X-SyndromHäufiger Grund für eine Martin-Bell-Syndromgeistige Behinderung. Häufigkeit wurde lange überschätzt: ca. 1 : 8.000 Jungen.
Der Vererbungsmodus ist kompliziert. An sich geschlechtsgebundene Erkr., die deswegen auch mehr Männer als Frauen betrifft. Ursache ist eine brüchige Stelle am langen Arm des X-Chromosoms. Auf molekulargenetischer Ebene findet man dort eine Amplifikation von CGG-Trinukleotidsequenzen. Von der Anzahl der Trinukleotidwiederholungen hängt das Ausmaß der klin. Sympt. ab. In einem Normalkollektiv findet man 6–54 CGG-Wiederholungen, bei klin. auffälligen Pat. mehr als 200 (Vollmutation). 52–200 Wdh. werden als Prämutation bezeichnet. Aus der Prämutation kann sich bei Weitergabe durch die Mutter eine Vollmutation beim Kind entwickeln.
KlinikMeist hohes Geburtsgewicht, fehlende Sprachentwicklung.
  • Fazies: längliches Gesicht, hohe Stirn, vorstehender Unterkiefer, große, abstehende Ohren

  • Extremitäten/Skelettsystem: im Kindesalter Hochwuchs, überstreckbare Gelenke, auffallend teigige Hände

  • Innere Organe: Aortenbogendilatation, Mitralklappenprolaps

  • Genitale: ab Pubertät Hodenvergrößerung

  • Neurologie: im Kindesalter Hyperaktivität, verzögerte Sprachentwicklung, Autismus, Epilepsie. IQ < 60

DiagnostikMolekulargenetischer Nachweis der Trinukleotidsequenzen (Vollmutation > 200). Durch die Vollmutation kann das Gen (FMR1-Gen) nicht mehr abgelesen werden. Spezielle Anforderung, wird nicht bei der Array-CGH erfasst.

Bei Bestätigung der Verdachtsdiagnose Familienuntersuchung veranlassen.

Selbsthilfegruppe

Interessengemeinschaft Fragiles-X e. V., Tel. 0381–29 64 23 75, www.frax.de

Wiedemann-Beckwith-Syndrom

SynonymExomphalos-Makroglossie-Gigantismus-Sy. Exomphalos-Makroglossie-Gigantismus-SyndromMeist sporadisch, Wiedemann-Beckwith-Syndromselten aut.-dom.
Klinik
  • LGA

  • Fazies: Makroglossie, kleiner Oberkiefer, Weichteilfalten unterhalb der Augen, Kerbenohren, kapilläres Hämangiom Makroglossieüber der Glabella (Abb. 25.4)

  • Skelettsystem: akzelerierte Skelettentwicklung, evtl. Hemihypertrophie

  • Innere Organe: Viszeromegalien, Omphalozele (22.5.2), postnatal Hypoglykämie, Polyglobulie, erhöhtes Tu-Risiko (Wilms-Tu, NNR-Karzinom)

Verlauf
  • Gute Prognose nach Überwinden der postnatalen Adaptationsschwierigkeiten

  • Wachstums- u. Entwicklungsbeschleunigung wird allmählich ausgeglichen

  • In den ersten Lj. ¼–½-jährl. Abdomen-Sono zur Tu-Früherkennung

DifferenzialdiagnosenNG einer diab. Mutter (4.3.6).
DiagnostikUnterschiedliche molekulargenetische Ursachen, u. a. Duplikation des distalen Teils vom kurzen Arm von Chromosom 11 bzw. uniparentale Disomie 11.
TherapieBei ausgeprägter Makroglossie Reduktionsplastik erwägen. Im NG-Alter auf Hypoglykämien achten. Regelmäßige Sono-Kontrolle des Abdomens (bei bestimmten Mutationen erhöhtes Tu-Risiko).

Selbsthilfegruppe

Vermittlung von Kontaktadressen über: Kindernetzwerk e. V., Tel. 0 60 21–1 20 30, www.kindernetzwerk.de

Marfan-Syndrom

DefinitionAut.-dom. vererbte, generalisierte Bindegewebserkr.
KlinikSympt. können bei Marfan-Syndromden Betroffenen sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.
Hauptbefunde:
  • Ektope Linse, meist bilateral u. nach temporal oben

  • Dilatation der Aorta ascendens

  • Aortendissektion (Aorta ascendens)

  • Aortendissektion:Marfan-SyndromDuraektasie

Nebenbefunde:
  • Auge: Myopie, Netzhautablösung, flache Kornea

  • Kardiovaskulär: Mitralklappenprolaps, Kalzifizierung der Mitralklappe, abdom. Aortenaneurysma, Dysrhythmien, Endokarditis

  • Pulmonal: Spontanpneumothorax, restriktive Lungenerkr.

  • Skelettsystem: Hochwuchs, Arachnodaktylie (kleiner Finger u. Daumen einer Hand können das andere Handgelenk umspannen), Skoliose, ArachnodaktylieLordose, Spondylolisthesis, asymmetrischer Pectus excavatum, hoher Gaumen, Zahnstellungsanomalien, überstreckbare Gelenke

  • Haut: Hernien, Striae distensae

DifferenzialdiagnosenHomozystinurie, Klinefelter-Sy., einige Ehlers-Danlos-Sy.
Diagnostik
  • Erstgradverwandter: Beim Pat. müssen 2 Organsysteme betroffen sein, o. es muss mind. 1 Hauptsymptom vorliegen.

  • Kein Erstgradverwandter betroffen: Beim Pat. müssen Symptome des Skelettsystems, von mind. 2 anderen Systemen u. ein Hauptbefund bestehen.

  • Evtl. molekulargenetischer Test (3 Gene sind bekannt).

Therapie u. VerlaufUrsächliche Ther. nicht möglich. Wichtig ist das rechtzeitige Erkennen u. Behandeln der begleitenden Störungen.
  • Engmaschige kardiolog. Kontrollen. Endokarditisprophylaxe bei Aorten- u. Mitralklappeninsuff., evtl. Einnahme von Betablockern

  • Konservativ-orthopädische Korrekturmaßnahmen

  • Augenärztliche Kontrollen (Netzhautablösung)

Selbsthilfegruppe

Deutsche Marfan-Hilfe e. V., Tel. 0700–22 33 40 00, www.marfan.de

VACTERL-Assoziation (VATER-Assoziation)

DefinitionMeist sporadisch. Variable Assoziation von Fehlbildungen von WS, EnddarmVACTERL-Assoziation, Trachea u. Ösophagus, Extremitäten, Herz u. Nieren. Mind. 3 der Hauptsymptome sind für die Diagnosestellung ausreichend.
KlinikVACTERL = Vertebral defects, Anal atresia, Cardiac anomalies, Trachea-Esophageal fistula, Radiusdysplasie o. -aplasie, renale Anomalien, Limb anomalies. Zusätzlich können Fehlbildungen der unteren Extremität, Syndaktylie der Finger, Ohranomalien, Omphalozele, Zwerchfellhernie, LKG-Spalte auftreten.
DifferenzialdiagnosenHolt-Oram-Sy. (radiale Fehlbildungen, Septumdefekte, aut.-dom. erblich), Fanconi-Anämie (17.1.1), TAR-Sy. (aut.-rez. erblich, Thrombozytopenie mit radialen Fehlbildungen; die Daumen sind – anders als bei anderen Erkr. mit radialen Fehlbildungen – allerdings immer vorhanden).

Potter-Sequenz

DefinitionFehlende bzw. mangelhafte fetale Urinproduktion durch Nierenagenesie, Potter-SequenzNierendysplasie, Obstruktion der ableitenden Harnwege. Dadurch Oligohydramnion mit NierenagenesieKompression des Fetus u. daraus resultierenden typ. Fehlbildungen. Vorkommen sporadisch. Selten aut.-dom. Erbgang mit einseitiger Nierenagenesie u. kontralateraler Nierendysplasie.
Klinik8.2.2.
VerlaufAbhängig vom Grad der Lungenhypoplasie; meist infauste Prognose.

Teratogene Noxen und Infektionen

Fetales Alkoholsyndrom (FAS) und Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD)

EpidemiologieRetardierungssyndrome:Infektionen/NoxenNoxe(n), teratogene:AlkoholFehlbildungssyndrome:teratogene Infektionen/NoxenDas FASAlkoholspektrumstörung, fetale ist vermutlich Fetales Alkoholsyndrom (FAS)eine der häufigsten Ursachen angeb. mentaler Retardierung (Prävalenz 0,2–8,2 auf 1.000). Der Schweregrad ist abhängig von der absoluten Menge u. Dauer des Alkoholkonsums während der SS u. insb. davon, ob die Mutter alkoholkrank ist. Die FASD kommt noch Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD)häufiger vor, ist schwerer zu diagnostizieren. Meist Ausschlussdiagnose!
KlinikBeispielsweise:
  • SGA

  • Fazies (Abb. 25.5): kurze Lidspalten, Ptose, verstrichenes Philtrum, schmales Lippenrot, Mikrognathie, LKG-Spalte, Epikanthus, kurzer Nasenrücken

  • Innere Organe: Herzfehler, Nierenfehlbildungen

  • Extremitäten: Kleinwuchs, Endphalangen- u. Nagelhypoplasie

  • Neurologie: Mikrozephalus, im NG-Alter Muskelhypotonie, Hyperexzitabilität, später Hyperaktivität, Konzentrations- u. Lernstörungen. Mentale Retardierung unterschiedlicher Ausprägung

DifferenzialdiagnosenU. a. Trisomie 18 (25.4.2). Cornelia-deLange-Sy., Mikrozephalie-Sy., also auch Mikrodeletionen/-duplikationen.
TherapieKG, Frühförderung.
Diagnostik u. BeurteilungWichtig scheint zu sein, bei einem Kind an die Möglichkeit eines FAS(D) zu denken. Leitliniengetreu kann die Diagnose FAS auch ohne nachgewiesenen Alkoholkonsum der Mutter gestellt werden. Der größere Teil der betroffenen Kinder leidet jedoch eher an FASD.
Gute Informationen auf der Homepage: FAS-World (www.fasworld.de).

Algorithmus zur Abklärung eines fetalen Alkoholsyndroms (aus: S3-Leitlinie Diagnostik des Fetalen Alkoholsyndroms, Kurzfassung, AWMF-Registernr.: 022–025, S. 17) © German Resuscitation Council (GRC) und Austrian Resuscitation Council (ARC) 2015

[P219; L157]

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