© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-22061-6.50547-4

10.1016/B978-3-437-22061-6.50547-4

978-3-437-22061-6

Akute postinfektiöse Glomerulonephritis

J. DÖTSCH

D. MICHALK

DEFINITION UND BASISINFORMATION

Bei der Glomerulonephritis handelt sich um eine akute Immunkomplex-Nephritis, die 1–3 Wochen nach einer akuten Infektion (vorwiegend durch β-hämolysierende Streptokokken, aber auch durch Staphylokokken und Viren) auftritt.
Betroffen sind vor allem Kinder im Alter zwischen 2 und 12 Jahren mit einem Häufigkeitsgipfel im 7.–9. Lebensjahr. Weltweit wird von 9,5–28,5 neuen Fällen pro 100.000 Einwohner und Jahr ausgegangen.

Symptomatik

10–14 Tage nach einer Racheninfektion bzw. 3 Wochen nach einer Hautinfektion mit nephritogenen Streptokokken kommt es zur Hämaturie, in mehr als der Hälfte der Fälle in Form einer Makrohämaturie. In Abhängigkeit vom Schweregrad der entzündlichen Nierenveränderungen entwickeln sich eine Oligurie und Ödeme, vorwiegend im Bereich der Augenlider und der Unterschenkel, sowie eine Hypertension. An Allgemeinsymptomen können sich leichtes Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und/oder Bauchschmerzen einstellen. Die Entwicklung einer dialysepflichtigen akuten Niereninsuffizienz ist selten.

LEITSYMPTOME UND DIAGNOSTIK

Bei der Urinuntersuchung finden sich die Kardinalsymptome des nephritischen Syndroms: Hämaturie, Proteinurie – selten > 1 g/m2 KOF/Tag – und Erythrozytenzylinder. Pathognomonisch ist ein erhöhter Antistreptolysin-(ASL-)Titer bei erniedrigten C3-Spiegeln.

THERAPIE

Kausale Therapie

Elimination der Erreger durch gezielte Antibiotikatherapie, z.B. Penicillin (100.000 IE/kg/Tag) über 10 Tage.

Symptomatische Therapie

Im akuten Stadium:
  • Diät: salzarme Kost bei Ödemen und Hypertonie

  • Trinkmenge: bilanziert bei fortlaufender Gewichtskontrolle

  • Bettruhe: in der Regel nicht notwendig, nur bei schwerem Verlauf (anhaltende Makrohämaturie, Oligo-Anurie, hypertensive Komplikationen)

Medikamentöse Therapie

  • Bei ausgeprägten Ödemen und Herzinsuffizienz: Diuretika, z.B. Furosemid (1–2 mg/kg als Einzeldosis)

  • Bei Hypertonie: konsequente antihypertensive Therapie

  • Bei hypertensiver Enzephalopathie: gegebenenfalls Nierenersatztherapie, Antikonvulsiva

  • Keine Indikation für immunsuppressive Therapie

Nierenersatztherapie

Bei schwerem oligurischen Verlauf ist eine Hämodialyse- oder Peritonealdialyse-Behandlung bis zum Wiedereintreten der Diurese notwendig.
Eine Tonsillektomie ist nur bei sehr häufigen Tonsillitiden indiziert, die so genannte „Herdsanierung” ist überholt.

Prognose

In 95% der Fälle heilt die Erkrankung innerhalb von 6–8 Wochen ab, jedoch können erhöhte Retentionswerte und verminderte C3-Spiegel noch bis zu drei Monaten, eine Erythrozyturie bis zu einem Jahr nach Beginn der Erkrankung nachweisbar sein, ohne dass daraus eine ungünstige Prognose abzuleiten ist.
Stand: Februar 2010

LITERATUR

1

D Michalk Nierenbeteiligung bei Infektionskrankheiten Monatsschrift für Kinderheilkunde 137 1989 632 637

2

G Pan Glomerulonephritis in childhood Current Opinion Pediatr 9 1997 154 159

3

F Ozaltin Apoptosis and proliferation in childhood acute proliferative glomerulonephritis Pediatr Nehprol 20 11 2005 1572 1577

4

B Rodriguez-Iturbe JM Musser The current state of poststreptococcal glomerulonephritis J Am Soc Nephrol 19 10 2008 1855 1864 Epub 2008 Jul 30.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen