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BT12-9783437225659.10001-8

10.1016/BT12-9783437225659.10001-8

T12-9783437225659

Indikationen für eine GK-MRTGanzkörpermagnetresonanztomografieIndikationen

Tab. T12-1
Diagnose Fragestellung
Maligne Tumoren Staging, Tumorausbreitung, Restaging und Follow-up
Langerhans-Zell-Histiozytose (LCH) Ausbreitungsdiagnostik, unifokal vs. multifokal, Therapiemonitoring
Avaskuläre Osteonekrose (AVN) Ausmaß und Schweregrad, Detektion von asymptomatischen Befunden
Chronisch nichtbakterielle Osteomyelitis
(CNO/NBO/CRMO)
Unifokal vs. multifokal, „silent lesion“, Therapiemonitoring
Juvenile idiopathische Arthritis (JIA) Unifokal vs. multifokal, „silent lesion“, Therapiemonitoring
Fiebersyndrome Fokus, Ausmaß der Veränderungen, Tumorausschluss
Tumorprädispositionssyndrome (TPS) Tumorscreening
Nicht akzidentelle Verletzung, Non Accidental Injury (NAI) Kein Standard; ergänzend zur Beurteilung des Ausmaßes der Verletzungen, insbesondere Weichteile und Organbeteiligung (s. AWMF-S3-Leitlinie „Kinderschutzleitlinie“ 027–069)

Beispiel eines GK-MRT-Protokolls aus der pädiatrischen Radiologie der Universitätsklinik Tübingen (nach [6])

Tab. T12-2
Module Region Sequenztyp Orientierung und Phasenkodierrichtung Basismatrix (ohne Interpolation in Ausleserichtung) Anmerkungen
Basismodul Ganzkörper 2D STIR TSE/FSE KoronalFH 384 Bei MSK-Fragestellungen Hände auf das Abdomen lagern
Kopf und Hals 2D STIR TSE/FSE TransversalAP 384 Kaudal bis Aortenbogen
Thorax 2D T2w TSE/FSE mit Fettsättigung mit Atemtrigger TransversalAP 384 Wenn möglich, radiales K-Raum Sampling
Abdomen und Becken 2D T2 TSE/FSE mit Fettsättigung mit Atemtrigger TransversalAP 384 Wenn möglich, radiales K-Raum Sampling
DWI Ganzkörper 2D EPI (SPAIR) 2 b-Werte 50 und 900 s/mm2 TransversalAP 128 Koronale MPRADC KarteKalkulation eines hohen b-Wertes > 1200 s/mm2
Kontrastmittel angehobene Sequenzen Ganzkörper 3D T1w GRE (VIBE) mit Fettsättigung oder Dixon TransversalAP 288–320 Wenn möglich, Aufnahmen in AtemstoppKoronale MPR
Optional weitere Sequenzen und lokale Bildgebung (Gehirn, Gesichtsschädel, Oberbauch-Organe, Wirbelsäule, Extremitäten) in Abhängigkeit der Fragestellung

DWI = Diffusion Weighted Image; STIR = Short T1 Inversion Recovery; TSE = Turbo Spin Echo; FSE = Fast Spin Echo; EPI = Echo Planar Imaging; GRE = Gradient Echo; VIBE = Volumetric Interpolated Breath-hold Examination; SPAIR = Spectral Attenuated Inversion Recovery; FH = Feet Head; AP = anterior-posterior

Ganzkörpermagnetresonanztomografie

Einleitung

Die GanzkörpermagnetresonanztomografieGanzkörpermagnetresonanztomografie (GK-MRT) (GK-MRT) ist eine bildgebende Methode, die unter Nutzung fortgeschrittener Verfahren moderner MRT-Geräte eine hochaufgelöste Darstellung des gesamten Körpers ermöglicht (1–5). Prinzipiell unterscheiden sich unter diesen Voraussetzungen weder Bildqualität noch Bildkontrast von Teilkörperuntersuchungen an Kopf und Körperstamm, wenn alters- und indikationsadaptierte Protokolle zusätzlich angewendet werden (1, 3–7). Einbußen in der Ortsauflösung im Bereich von peripheren Gelenken sind allerdings zu beachten. Eine GK-MR-Angiografie ist möglich (8). Eine GK-MRT ist sowohl bei einer Feldstärke von 1,5 als auch von 3 Tesla durchführbar (9). Die Untersuchungsdauer ist abhängig von der Anzahl der gewählten Bildkontraste sowie weiterer geräte- und messprotokollabhängiger Parameter und kann daher stark variieren. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist eine Anpassung des Protokolls an die Fragestellung zur Begrenzung der Untersuchungszeit erforderlich.
Bekanntermaßen ist die MRT bei soliden Tumoren im Kindes- und Jugendalter Methode der Wahl zur Beurteilung des Lokalbefunds. Sie wird aber zunehmend auch als GK-MRT im Rahmen der systemischen Ausbreitungsdiagnostik durchgeführt (3, 6, 7, 10–33). Insbesondere die osteomedullären Metastasen stehen hierbei im Fokus (22, 23, 26, 32, 34–37). Bei hereditären Syndromen mit erhöhter Tumorfrequenz wird die GK-MRT im Rahmen des Screenings zukünftig eine noch größere Rolle spielen (38–46). Neben den malignen soliden Tumoren bedürfen eine Reihe nicht maligner Erkrankungen z. B. aus dem rheumatischen Formenkreis einer systemischen Ausbreitungsdiagnostik mittels bildgebender Verfahren. Ziel ist es, mittels GK-MRT eine Differenzierung zwischen lokal begrenzter und fortgeschrittener systemischer Erkrankung sowie unter Umständen eine Detektion bisher klinisch stummer Regionen zu erreichen (47–56). Auch die Suche nach einem entzündlichen Fokus ist eine Indikation für die GK-MRT (57).
Die GK-MRT konkurriert mit anderen Verfahren der radiologischen Diagnostik, insbesondere mit der Computertomografie (CT), der Positronenemissionstomografie in Kombination mit der CT (PET/CT) oder MRT (PET/MRT) und der Szintigrafie, die alle mit einer relevanten Strahlenexposition einhergehen können. Generell gilt daher, dass die GK-MRT immer dann zur Anwendung kommen kann, wenn sich bei zumindest gleicher radiologischer Aussagekraft eines der genannten Verfahren einsparen lässt oder wenn die GK-MRT komplementäre Informationen liefert (7, 12, 14–17, 19, 20, 23, 27, 32, 35–37, 43, 47, 48, 50, 51, 53–56, 58–68).
In den letzten beiden Jahrzehnten wurde die diagnostische Genauigkeit der GK-MRT verschiedener pädiatrischer Erkrankungen in erster Linie im Vergleich zu anderen bildgebenden Verfahren untersucht und die Überlegenheit gegenüber konventionellen bildgebenden Methoden außerhalb der Lungenbildgebung gezeigt (15, 27, 32, 35, 36, 52, 54, 55, 64). Aufgrund des Mangels an großen prospektiven und randomisierten Studien liegt für die GK-MRT jedoch kein hoher Evidenzgrad vor.
Aus Sicht der Leitlinienkommission kann aufgrund der hohen Sensitivität der Methode die Gefahr einer Überdiagnostik insbesondere im Umgang mit Zufallsbefunden oder vermeintlichen Pathologien bestehen, wenn die Befunderstellung ohne ausreichende Erfahrung in der pädiatrischen Radiologie erfolgt. Da die GK-MRT in allen Altersstufen sinnvoll eingesetzt werden kann, sind umfangreiche Kenntnisse zur normalen Reifung der Organsysteme eine wesentliche Voraussetzung für eine optimale Befundqualität und Bewertung der erhobenen Befunde.
Ziel dieser Leitlinie ist es, Indikationen zu benennen, bei denen die GK-MRT im Kindes- und Jugendalter empfohlen werden kann, und dafür notwendige, technische Voraussetzungen zu beschreiben.

Schlüsselempfehlungen

Ganzkörpermagnetresonanztomografie Schlüsselempfehlungen
Empfehlung Votum Verhältnis
Mit der Ganzkörpermagnetresonanztomografie (GK-MRT) kann die Ausbreitung von systemischen malignen und nicht malignen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter untersucht werden. Ja 10/10
Für eine klinisch verwertbare diagnostische Aussage der Methode sollten alters- und indikationsadaptierte Protokolle gewählt werden und die Befunderstellung durch in der pädiatrischen Radiologie erfahrene Untersucher erfolgen. Ja 10/10
Zusätzliche Untersuchungen mittels anderer bildgebender Verfahren können indiziert sein. Ja 10/10

Erläuterungen

Indikationen

Maligne Tumoren
Aufgrund der bisherigen Datenlage ergeben sich für eine Reihe von malignen Tumoren Indikationen für eine GK-MRT, die die weitere Bildgebung komplett ersetzen, einsparen oder ergänzen können. Die GK-MRT als Instrument zur Ausbreitungsdiagnostik ist bislang in Therapiestudien der onkologischen nationalen und internationalen Fachgesellschaften (GPOH, SIOP) in der Regel nicht vorgesehen. In den AWMF-Empfehlungen zum Neuroblastom ist die GK-MRT optional vorgesehen (025–008). Es ist jedoch anzunehmen, dass die GK-MRT mit der Weiterentwicklung der Protokolle zukünftig noch mehr Berücksichtigung finden wird. Die Indikationen können dennoch auch jetzt schon an die vorhandenen Studienprotokolle adaptiert werden und die GK-MRT komplementär durchgeführt werden.
Für das Hodgkin-Lymphom (HL) ist die 18F-FDG-PET/CT sowohl im nodalen und extranodalen Staging als auch in der Therapiekontrolle vorgesehen. Die GK-MRT kann in dieser Phase ergänzend durchgeführt werden, insbesondere wenn im Rahmen der PET/CT keine diagnostische CT erfolgte (27). Die Bedeutung der Diffusionsbildgebung (DWI) im Rahmen der Responsbeurteilung ist noch Gegenstand der Forschung. Eine Multizenterstudie aus dem Jahr 2021 bei 68 pädiatrischen Patienten ergab eine hohe Konkordanz zwischen PET/CT und GK-MRT unter Einschluss der DWI für das initiale Staging (69). Darüber hinaus ist die Verringerung der Diffusionsrestriktion als Hinweis auf ein Therapieansprechen zu werten (28, 33). Allgemeingültige Kriterien zur Beurteilung einer kompletten Remission oder auch Schwellenwerte für den Apparent Diffusion Coefficient (ADC) gibt es noch nicht. Darüber hinaus scheint das Ausmaß der Diffusionsrestriktion in der Interimskontrolle prognostische Bedeutung zu haben (28) und kennzeichnet die residuelle Tumorlast mit sehr hoher Sensitivität (33). Für die weitere Verlaufskontrolle nach abgeschlossener Therapie mit der Frage nach Rezidiv und zur Überwachung von therapieassoziierten Komplikationen (z. B. Osteonekrosen) kann die GK-MRT umfassend Aufschluss geben und daher empfohlen werden (58).
Wenn kein PET/CT durchgeführt wird, stellt das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) grundsätzlich eine Indikation für die GK-MRT dar, insbesondere wenn höhere Stadien (Ann-Arbor-Klassifikation > 2) oder eine primär extranodale Manifestation (z. B. Knochen) oder eine ZNS-Beteiligung verdächtigt werden (11–13, 18, 31, 33, 70). Die Diffusionsrestriktion scheint beim aggressiven NHL stärker ausgeprägt zu sein als beim HL (71). Für das großzellige B-Zell-Lymphom konnte gezeigt werden, dass das Risiko für einen Tumorprogress oder für ein Rezidiv signifikant höher ist, wenn das MRT einen Knochenmarkbefall aufdeckt und dabei die ungezielte Biopsie negativ bleibt (14). Für die posttherapeutische Phase gelten im Übrigen die gleichen Empfehlungen wie für das HL.
Bei Weichteilsarkomen (z. B. Rhabdomyosarkome) sowie Osteo- und Ewing-Sarkomen existiert in vielen Fällen bereits eine lokale Schnittbildgebung des Tumors. Ist das nicht der Fall, kann die GK-MRT um die lokale MR-Bildgebung mit ergänzenden Sequenzen und Untersuchungsebenen entsprechend den GPOH-Studien-Vorgaben vervollständigt werden (7, 24). Großer Vorteil der Methode ist, dass bei metastasierten Tumoren in einer einzigen Untersuchung das Ansprechen auf die neoadjuvante Behandlung und der Primärtumor vor lokaler Behandlung erfasst werden können. Für das metastasierte Ewing-Sarkom konnte in einer retrospektiven Auswertung gezeigt werden, dass die konsequente Bestrahlung aller primär mit der GK-MRT erfassten osteomedullären Metastasen ein signifikant höheres Überleben gegenüber einem vergleichbaren Kollektiv sichert (22). Während der Knochen- bzw. Knochenmarkbefall im Vergleich zur Knochenszintigrafie in den meisten Studien mit höherer Treffsicherheit (23, 26, 36, 37, 72) und Weichteilbefunde sowie Hirnmetastasen mit hoher Genauigkeit beurteilt werden können (20, 35), bleibt die Detektion von Lungenmetastasen mittels MRT umstritten (35). Daher muss die Indikation zur CT des Thorax in Abhängigkeit von der Tumorentität und Behandlungssituation großzügig gestellt werden.
Von den embryonalen Tumoren gibt es für das Neuroblastom eine gewisse Evidenz zur Diagnostik mittels GK-MRT (10, 15, 20, 21, 32, 73). Je nach Risikogruppe (niedrig, intermediär, hoch) und Stadium (INSS, International Neuroblastoma Staging System) ist die GK-MRT hilfreich und in jeder Phase der Erkrankung indiziert. Niedrige Stadien (lokal begrenztes Tumorwachstum) und fehlende chromosomale Aberrationen (Amplifikation des MYCN-Onkogens oder Deletionen des kurzen Arms von Chromosom 1) stellen in der Regel keine Indikation dar. Die GK-MRT ist additiv und/oder komplementär zur 123I-MIBG-Szintigrafie (Metaiodobenzylguanidin-Szintigrafie) zu sehen und ersetzt dabei die zusätzlich notwendige Skelettszintigrafie (21, 32). Darüber hinaus wurde für GK-MRT mit Anwendung der DWI – bei generell guter Übereinstimmung mit der 123I-MIBG-Szintigrafie – ein etwas höherer SIOPEN-Score erreicht (74), der für die Prognose bei ossären Metastasen von hoher Relevanz ist (75). Prätherapeutisch kann die lokale Tumorausdehnung hinsichtlich der IDRFs (Image-defined Risk Factors) des INGRSS (International Neuroblastoma Risk Group Staging System) bei angepasstem Untersuchungsprotokoll beurteilt werden. Insbesondere eignet sich die GK-MRT für Multikompartiment-Ausdehnung und die Detektion von Metastasen (6, 20). Die aktuellen Studien zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Abnahme der Diffusionsrestriktion und dem Therapieansprechen gibt (74, 76, 77). Bei okkulten Tumoren im Rahmen eines Opsoklonus-Myoklonus-Syndroms (OMS) kann die 123I-MIBG-Szintigrafie in bis zu 57 % der Fälle negativ sein, wenn ein Ganglioneurom vorliegt (78). Daher ist die GK-MRT als Suchmethode zu favorisieren, nicht zuletzt auch wegen der fehlenden Strahlenexposition (10, 79).
Langerhans-Zell-Histiozytose (LCH)
Der multifokale und/oder multisystemische Herdnachweis hat für Therapie und Verlaufskontrollen erhebliche Konsequenzen. Die GK-MRT ist sensitiver für eine Knochenmarkinfiltration als die röntgenbasierten Verfahren oder die Skelettszintigrafie und die 18F-FDG-PET (52, 55, 56). Aufgrund des primären Befalls des Knochenmarks sowie einer in der Regel raschen Osteodestruktion lässt sich die reduzierte Sensitivität der Szintigrafie erklären. Generell kann die GK-MRT aufgrund der simultanen Erfassung der extraskelettalen Manifestationen einschließlich des ZNS-Befalls beim primären Staging vorteilhaft sein (52, 56). Die mögliche geringere Spezifität der MRT sollte in Abhängigkeit methodischer Aspekte bei der Beurteilung der Ausbreitung und des Therapieansprechens bedacht werden (52), auch um eine unnötige bzw. zu extensive Behandlung zu vermeiden. Die größte aktuelle Studie konnte bei 46 Patienten im Vergleich zur Standardbildgebung mit Röntgen und Szintigrafie bei besserer Sensitivität keine erhöhte Rate von falsch positiven Befunden finden (80).
Avaskuläre Osteonekrose (AVN)
Unter Steroidtherapie oder in Kombination mit einer Hochdosischemotherapie finden sich mehr avaskuläre Nekrosen als klinisch vermutet (58, 81, 82). Die konventionelle Bildgebung ist in frühen Stadien negativ (58, 81, 82). Der Schweregrad und die Lokalisation (z. B. subchondral) sind wichtige Kriterien für die Entscheidung zu einer notwendigen operativen Therapie (58, 81, 82). Bei entsprechender Risikokonstellation ergibt sich daher eine Indikation zur GK-MRT, um rechtzeitig, auch bei asymptomatischen Patienten, besonders die epiphysären/subchondralen Läsionen zu detektieren (58).
Chronische nichtbakterielle Osteomyelitis (CNO)
Die GK-MRT kann mit hoher Sensitivität neben den symptomatischen auch die klinisch stummen Manifestationen z. B. an der Wirbelsäule in einer Untersuchung feststellen und beschleunigt so die Diagnose der Multifokalität aufgrund typischer Befunde (53, 62). Hierbei werden bis zu 45 % mehr Herde detektiert als bei der klinischen Untersuchung (47, 49). Im Vergleich zur konventionellen radiologischen Diagnostik ergib sich eine erheblich verbesserte Detektionsrate (54). Im Vergleich zur Skelettszintigrafie ist die GK-MRT bezogen auf symptomatische Regionen sogar signifikant sensitiver (64). Die Übereinstimmung der Befundung durch verschiedene Untersucher ist gut bis exzellent (83, 84). Differenzialdiagnostische Erwägungen in der Abgrenzung zu malignen Prozessen können mittels der DWI vorgenommen werden (59). Darüber hinaus sind insbesondere Therapieansprechen sowie die gegebenenfalls notwendige Intensivierung der medikamentösen Therapie relevante Indikationen für die GK-MRT (49, 50, 83, 85).
Rheumatische Erkrankungen und Fiebersyndrome
Die MRT ist für verschiedene rheumatische Erkrankungen eine der Grundlagen zur objektiven Beurteilung von Inflammationsaktivität und Gelenkdestruktion in klinischen Studien. So wurden hierfür sowohl für die rheumatoide Arthritis als auch für die Psoriasisarthritis Scoringsysteme entwickelt (86). Für den Einsatz der GK-MRT bei Kindern mit rheumatischer Arthritis gibt es erste Konsensusreports der Outcome Measures in Rheumatology (OMERACT) MRI Working Group, worin anhand eines systematischen Literaturreview auch für die GK-MRT ein Scoringsystem sowohl für Erwachsene als auch für Kinder mit JIA vorgeschlagen wurde (86, 87, 88). Für die juvenile Spondylarthritis wurden charakteristische Befunde für die GK-MRT beschrieben (60) und es wurde gezeigt, dass eine Objektivierung der Enthesitis im Vergleich zum klinischen Befund möglich ist sowie zusätzliche Informationen an Wirbelsäule und Beckenskelett gefunden werden können (89). Dies kann auch für andere Formen der rheumatoiden Arthritis im Einklang mit den Daten für Erwachsene angenommen werden (86). Die Detektion extraskelettaler Befunde in Gehirn, Weichteilen, Muskulatur sind bei einer Reihe von weiteren autoinflammatorischen Erkrankungen von großer Bedeutung. Für die juvenile Dermatomyositis und Polymyositis wurden eine exzellente Korrelation zu klinischen Parametern gefunden und im Verlauf zusätzliche Informationen zum Behandlungserfolg generiert (61). Des Weiteren ließ sich mithilfe der GK-MRT eine gezielte Muskelbiopsie durchführen (51). Indikationen für eine GK-MRT ergeben sich darüber hinaus, wenn klinische und laborchemische Befunde differieren oder wenn Multifokalität mittels anderer Methoden nur eingeschränkt fassbar ist.
Auch Fiebersyndrome und unklare Entzündungskonstellationen, die für eine systemische Erkrankung, einen unerkannten Fokus oder ein bisher unbekanntes malignes Geschehen sprechen, sind Indikationen für eine Ganzkörperbildgebung. So lieferte die GK-MRT in einer Studie bei 24 Patienten in 70 % der Fälle die korrekte Diagnose und in 46 % war es die einzige Methode, die den inflammatorischen Prozess fand (90). Die GK-MRT ohne Strahlenexposition ist hier alternativ zur PET/CT zu sehen (57), wobei vergleichende Studien bislang nicht existieren.
Tumorprädispositionssyndrome (TPS)
Die GK-MRT ist bei asymptomatischen Patienten mit hereditären Tumorprädispositionssyndromen geeignet, um die Entwicklung eines soliden Tumors zu erfassen, wie bereits für das Li-Fraumeni-Syndrom (38, 40, 91) gezeigt. Nach Empfehlung der Li-Fraumeni Syndrome Association Deutschland wird bei Kindern und Jugendlichen ergänzend zur jährlichen MRT-Untersuchung des Kopfes die GK-MRT empfohlen (92, 93). Insbesondere TPS mit erhöhter Strahlensensibilität profitieren von der GK-MRT als Verfahren, das frei ist von ionisierender Strahlung (94). Bei der Neurofibromatose Typ 1 korreliert die in der GK-MRT detektierte Tumorlast von plexiformen Neurofibromen mit der Entwicklung eines malignen peripheren Nervenscheidentumors (MPNST)(42, 46). Dennoch bleibt die Differenzierung zwischen symptomatischen plexiformen Neurofibromen und MPNST problematisch (44). Darüber hinaus müssen Intervalle und die Anwendung weiterer bildgebender Verfahren (z. B. 18F-FDG-PET) in ihrer Wertigkeit abgeschätzt werden (44). Die GK-MRT wird auch für andere Syndrome indiziert (39, 95–97). Die American Association for Cancer Research (AACR) hat in einem Consensus-Workshop zur Etablierung von Screening-Programmen die GK-MRT für weitere TPS (z. B. Hereditary Paraganglioma and Pheochromocytoma Syndrome, Neurofibromatosis Type I and II, Constitutional Mismatch Repair Deficiency) empfohlen (98). Auch für das Rhabdoid Tumor Predisposition Syndrome (RTPS), das DICER1-Syndrom, die Hippel-Lindau Disease und das hereditäre Retinoblastom wird die GK-MRT zunehmend eingesetzt (99).
Nicht akzidentelle Verletzung (NAI)
Während die Schädel-MRT die sensitivste Methode zur Beurteilung von Blutungen, Ischämien und axonalen Schädigungen im Rahmen eines nicht akzidentellen Traumas ist, kann die GK-MRT bisher nicht als alleinige Standardbildgebung bei NAI empfohlen werden. Dem großen Vorteil der umfassenden Diagnostik in einer einzigen Untersuchung (100) steht die nicht ausreichende Sensitivität der allein mittels koronaler STIR durchgeführten GK-MRT für die typischen Skelettbefunde insbesondere beim Säugling gegenüber (101). (AWMF-Leitlinie 064–014 „Verdacht auf Misshandlung bei Kindern – Bildgebende Diagnostik“).

Technische Voraussetzungen

Ganzkörpermagnetresonanztomografietechnische VoraussetzungenDie automatische Tischverschiebung, der Anschluss von multiplen Array-Spulenelementen, die den Körper komplett abdecken und die simultane Signalakquisition durch unabhängige Empfangskanäle sind Grundvoraussetzungen zur Durchführung einer erfolgreichen hochaufgelösten GK-MRT (1–4, 6). Ein großes Field of View (FOV) in Z-Richtung (z. B. 500 mm) einschließlich homogener Fettsättigung ist für die Erfassung des gewünschten Volumens von Relevanz und beschleunigt durch eine geringere Anzahl von Messblöcken die Untersuchung. Daneben sind parallele Bildgebung in allen 3 Raumrichtungen, automatische Tischverschiebung und Spulenwahl für die rasche Durchführung erforderlich. Üblicherweise werden die sich etwas überlappenden koronalen Aufnahmen der einzelnen Köperregionen automatisch zu Ganzkörperschichtdarstellungen zusammengesetzt.

Vorgeschlagene Protokolle

GanzkörpermagnetresonanztomografieProtokolleDa die Aussagekraft der MRT von den gewählten Sequenzen und Sequenzparametern abhängig ist, aber gleichzeitig die Untersuchungsdauer den Patientenkomfort einschränkt, ist der modulare Aufbau eines Sequenzpools, bestehend aus einem Basismodul und erweiternden Sequenzen, essenziell (› Tab. T12-2, Beispiel eines GK-MRT-Protokolls aus der pädiatrischen Radiologie der Universitätsklinik Tübingen) (1–4, 6, 102). Das modulare Konzept erlaubt hierbei eine Adaptation des Protokolls an die jeweilige Indikation. Gleichzeitig werden Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit verbessert.
Eine Ganzkörperdarstellung mittels hochaufgelöster fettgesättigter T2-gewichteter Sequenzen (z. B. STIR) mit Schichtdicken von 3–4 mm in koronaler Orientierung sollte in jedem Fall akquiriert werden. Um mögliche Einschränkungen der diagnostischen Genauigkeit durch Partialvolumeneffekte zu vermeiden, sollten weitere Akquisitionen in transversaler Orientierung zum Beispiel mittels T2-gewichteter und fettgesättigter bzw. STIR-Sequenzen im Bereich von Kopf und Hals sowie Köperstamm erfolgen (1–4, 6, 102). Hierbei sind Sequenzen mit radialer K-Raum-Akquisition und/oder Atemnavigation zur Reduktion von Bewegungsartefakten im Bereich des Körperstamms empfehlenswert. Sagittal orientierte Sequenzen bzw. Reformationen sind bei Fragen zum Achsenskelett notwendig. Erweiterungen des Protokolls durch diffusionsgewichtete und/oder T1-gewichtete Sequenzen vor und nach Kontrastmittelgabe sind in Abwägung des Nutzens zu planen. Hier sind Dixon-Sequenzen vorteilhaft. Bei soliden Tumoren sind Verbesserungen der diagnostischen Sicherheit durch diese Ergänzung zu erwarten.
Unabhängig von Ganzkörperuntersuchungen können mittels der o. g. Voraussetzungen aufgrund der Geräte und Spulenkonfiguration lokale Regionen ohne Einschränkung (Gehirn, Gesichtsschädel und Hals, Oberbauch und Beckenorgane, Wirbelsäule) untersucht werden (1–4, 6). Dies ist besonders bei den Kindern und Jugendlichen zu beachten, die nur in Narkose oder Sedierung untersucht werden können, wenn hierdurch weitere Untersuchungstermine eingespart werden. Die Verlängerung der Untersuchungszeit sollte dann in Relation zur Einsparung weiterer bildgebender Verfahren abgewogen werden (7).
Die Mehrzahl der Protokollempfehlungen für die GK-MRT bei Kindern und Jugendlichen weisen ein festes Field of View (FoV) und eine feste Auflösungsmatrix sowie Schichtdicke und damit Voxelgröße aus (1–4, 6, 40, 102). Allerdings sollten wie üblich in der pädiatrischen MRT-Bildgebung diese Sequenzparameter den verschiedenen Körpergrößen von Säugling über Kleinkind und Kind zu Jugendlichem angepasst werden, da die örtliche Auflösung für die diagnostische Sicherheit von großer Bedeutung ist (103). Dies gilt umso mehr, wenn lediglich eine Schichtebene akquiriert wird. Daher kann folgende Vorgehensweise hilfreich sein: Ausgehend von einer üblichen Auflösungsmatrix (2562–3842) reduziert sich die Voxelgröße durch Anpassung von FoV und in moderatem Maße der Schichtdicke an eine geringere Körpergröße, wodurch die anatomische Auflösung/Bildinformation aber relativ gleichbleibend gehalten werden kann. Allerdings muss der damit einhergehende Signalverlust kompensiert werden (z. B. Erhöhung von Phasen-Oversampling oder Signalmittelungen), wodurch aber die Akquisitionszeit verlängert wird. Deshalb sollte ein optimaler Kompromiss aus tolerablem SNR-Verlust und Messzeit gefunden werden. Hierbei ist es vorteilhaft, dass sich, bedingt durch die Körpergeometrie von kleinen Kindern, die Anzahl der Schichtblöcke/Stationen in Z-Richtung und damit die gesamte Akquisitionsdauer reduzieren lässt. Vorgegebene und auf Körperumfang und Körperlänge optimierte Protokolle erleichtern die Anpassung in der täglichen Routine.

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