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B978-3-437-22061-6.50386-4

10.1016/B978-3-437-22061-6.50386-4

978-3-437-22061-6

Differenzialdiagnosen Gynäkomastie

Tabelle E6-1
Nebenbefunde Verdachtsdiagnose Bestätigung
Neugeborenes Transitorische Hyperplasie Spontane Rückbildung innerhalb von Wochen
Jugendlicher, normale Pubertät, adipös Pubertätsgynäkomastie Lipomastie oder Lipo-Gynäkomastie Spontane Rückbildung Sonographie, BMI ↑
Abdomineller Tumor Nebennierentumor E2 ↑, Sonographie, MRT
Chronische Erkrankungen
  • Niereninsuffizienz

  • Leberzirrhose

  • Unterernährung

Kreatinin ↑, GOT ↑, GPT ↑, Quick ↓, BMI ↓
Medikamente (z.B. Östrogene, Antiandrogene, Diazepam, Spironolacton, Ketoconazol, Omeprazol, Nifedipin, Digitoxin, Captopril, Phenytoin) Arzneimittelinduzierte Gynäkomastie Abklingen nach Absetzen
Haargel, Haarshampoo Östrogeninduzierte Gynäkomastie Verschwinden nach Absetzen
Keine Idiopathische Gynäkomastie Untersuchungen negativ
Familiäre Belastung Familiäre Gynäkomastie Positive Anamnese
Einseitiger kleiner, derber Tumor, exzentrisch, sezernierend Mamma-Karzinom Sonographie, Mammographie
Zeckenbiss Lymphozytom Borrelien-IgM, IgG ↑
Pubertas tarda*, Hochwuchs, Testes (< 6 ml) Klinefelter-Syndrom Multiples X-Syndrom Chromosomenanalyse
Genitalfehlbildung, Untervirilisierung Partielle Androgenresistenz E2 (↑)

*

s. auch Kapitel E3 „Pubertas tarda und Hypogonadismus”

Gynäkomastie

H.-G. DÖRR

G.H.G. SINNECKER

PRÄAMBEL

Eine Brustdrüsenvergrößerung bei männlichen Neugeborenen ist physiologisch. Die Pubertätsgynäkomastie, die bei ca. 60% aller Jungen in der Pubertät mit einem Häufigkeitsgipfel von im Median 14 Jahren auftritt, ist ebenfalls physiologisch. Man tastet meist einen homogenen, subareolär gelegenen Brustdrüsenkörper (selten > 3,5 cm), der oft druckempfindlich ist. Er geht meist nicht über das Stadium B3 hinaus und bildet sich spontan innerhalb von 2 bis 3 Jahren zurück. Dabei ist von besonderer Bedeutung, dass die Genitalentwicklung (sekundäre Geschlechtsmerkmale, Hodengröße) dabei stets normal verläuft. In sehr seltenen Fällen bildet sich eine Pubertätsgynäkomastie nicht spontan zurück und bleibt bis ins Erwachsenenalter bestehen.

DEFINITION UND BASISINFORMATION

Die Ausbildung eines Brustdrüsenkörpers beim männlichen Geschlecht wird als Gynäkomastie bezeichnet. Sie kann eine Normvariante sein (z.B. transitorische Brustdrüsenhyperplasie bei Neugeborenen) oder ein Symptom für eine endokrine Störung.
Sie muss von einer Pseudo-Gynäkomastie (Lipomastie), einer Fettansammlung im Brustbereich ohne Ausbildung eines Drüsenkörpers, unterschieden werden.
Die Pubertätsgynäkomastie ist physiologisch und wird durch eine Imbalance des Verhältnisses von Testosteron zu Östrogenen erklärt. Bei übergewichtigen Jugendlichen kann die Abgrenzung zwischen Lipomastie und Gynäkomastie schwierig sein. Häufig kann auch ein Mischtyp, eine sogenannte Lipo-Gynäkomastie, auftreten.
S. auch Leitlinie Nr. 013/039 (Gynäkomastie) der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.

LEITSYMPTOME

Eine Gynäkomastie kann einseitig oder beidseitig auftreten. Sie kann zu subjektiven Beschwerden wie Spannungsgefühl der Brüste und Berührungsempfindlichkeit der Mamillen führen, sie kann aber auch völlig asymptomatisch sein.
Eine Gynäkomastie kann bei Jugendlichen zu erheblichen psychischen Belastungen führen.

DIAGNOSTIK

Zielsetzung

Abgrenzung pathologischer von physiologischer Gynäkomastie. Die Diagnose einer physiologischen Gynäkomastie ist stets eine Ausschlussdiagnose. Von einer Pubertätsgynäkomastie darf nur gesprochen werden, wenn sie erstmalig in direktem zeitlichem Zusammenhang mit der Pubertät entsteht und sie eindeutig vom umgebenden Fett- und Bindegewebe abgegrenzt werden kann.

Gebräuchliche Verfahren

Anamnese
Familiäres Auftreten, Ernährung, Haargel, chronische Erkrankungen, Behandlung eines Mal-descensus testis, Mumps-Orchitis, Medikamente, Alkohol.
Körperliche Untersuchung
Auxologie und Pubertätsentwicklung nach Tanner (Penislänge, Hodengröße mittels Orchio-meter); Palpation des Brustdrüsenkörpers und der axillären Lymphknoten. Exakte Größen-und Konsistenzbestimmung, wobei Größe und Erscheinungsbild entsprechend der Entwicklung der weiblichen Brust (Tanner B1-5) klassifiziert werden können.
Gegebenenfalls Ultraschall
Differenzialdiagnose: Lipomastie und Gynäkomastie, aber auch zur Größenbestimmung und Verlaufskontrolle.
Laboruntersuchungen
Sie müssen gezielt in Abstimmung mit der klinischen Symptomatik eingesetzt und den verschiedenen Differenzialdiagnosen (s. Tab. E6-1) der Gynäkomastie gerecht werden.
  • Testosteron, Östradiol, SHBG, DHEAS

  • LH, FSH und Prolaktin

  • Leberwerte

  • Tumormarker (β-hCG, α-Fetoprotein)

Bewertung Gynäkomastie

Ausschlussdiagnostik

Die Diagnose einer physiologischen Gynäkomastie ist stets eine Ausschlussdiagnose. Abzugrenzen sind hiervon Fibrosen, Zysten, Entzündungsreaktionen, Traumen mit Hämatom-bildung sowie venöse oder lymphatische Abflussstörungen (s. Leitlinie Nr. 013/039 (Gynäkomastie) der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft).

Nachweisdiagnostik

Bei der Differenzierung der Gynäkomastie in Normvariante auf der einen und pathologische Störungen auf der anderen Seite, stellt das Lebensalter das entscheidende Kriterium dar.

Entbehrliche Diagnostik

Bei den Normvarianten sind Untersuchungen wie Mammographie, CT oder MRT nicht indiziert; eine Biopsie ist obsolet.

Durchführung der Diagnostik

Pädiatrischer Endokrinologe, Ultraschallexperte, Kinderchirurg.

THERAPIE

Medikamentöse Therapie

Bei Androgenmangel oder Östrogenexzess Therapie der Grundkrankheit. Nur in Einzelfällen und bei großer psychischer Belastung: Danazol, Tamoxifen oder Aromatasehemmer per os. Der Erfolg der Therapie ist eher zweifelhaft und hat – wenn überhaupt – nur in den ersten Monaten nach Auftreten der Pubertätsgynäkomastie Aussicht auf Erfolg.

Chirurgische Therapie

Entfernung des Brustdrüsenkörpers bei
  • fehlender Rückbildung der Pubertätsgynäkomastie und psychischer Belastung,

  • Fibrosen,

  • Zysten,

  • Tumoren.

Therapiedurchführung

Pädiatrischer Endokrinologe, Kinderchirurg.

REHABILITATION

Gegebenenfalls psychologische Betreuung.

Kontakt

Leitliniensekretariat der APE
Dr. Anja Moß
AWMF-Leitlinienberaterin
Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie
Interdisziplinäre Adipositasambulanz
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universität Ulm
Eythstr. 24, 89075 Ulm
Tel.: 0731/500 57401
Diese Leitlinie ist gültig ab 01/2011 bis 01/2016.

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