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BL13-9783437225352r.10001-8

10.1016/BL13-9783437225352r.10001-8

L13-9783437225352r

Abb. L 13-1 Anamnese und körperlicher Untersuchungsbefund (modifiziert nach Chiappini et al. 2015)

Abb. L 13-2 Lymphknotenregionen im Kopf-Hals-Bereich

Abb. L 13-3 Nicht zervikale Lymphknotengruppen und Drainagewege

Ursachen für Lymphknotenschwellungen im Kindes- und Jugendalter

Tab. L13-1
1. Infektionen (Auswahl)Bakterien bzw. durch sie verursachte Erkrankungen:A-Streptokokken (GAS), Staphylokokken (meist unilateral)Nicht tuberkulöse Mykobakterien (NTM/MOTT) (meist unilateral)Mycobaterium tuberculosisBartonella henselae (Katzenkratzkrankheit) (meist unilateral)Treponema pallidumBorrelienBrucellenYersinien (Lymphadenitis mesenterialis)Francisella tularensis (Hasenpest)Aktinomyzeten, NocardienChlamydienMykoplasmenViren:Epstein-Barr-Virus (EBV, infektiöse Mononukleose), Cytomegalievirus (CMV), Herpes-simplex-Virus (HSV), Varizella-Zoster-Virus (VZV), humanes Herpesvirus Typ 6 (HHV-6), Parvovirus B19, humanes Immundefizienzvirus (HIV)Masernvirus, Mumpsvirus und Rötelnvirus (auch nach Impfungen), CoxsackievirenRhinoviren, Influenzavirus, Parainfluenzavirus, Respiratory Syncytial Virus (RSV), Adenovirus (ADV)Pilze:Histoplasmen, Blastomyzeten, Kokzidoiden, Dermatophyten (Tinea)Parasiten:Plasmodien, Toxoplasmen, Leishmanien, Trypanosomen, Mikrofilarien, Toxocara
2. Maligne Erkrankungen (Auswahl)Leukämien, Non-Hodgkin- und Hodgkin-LymphomeMetastasen solider Tumoren, z. B. Nasopharynxkarzinome, Rhabdomyosarkome, Neuroblastome, Schilddrüsenkarzinome, Keimzelltumoren, mukoepidermoide Karzinome
3. Lymphoproliferative Erkrankungen (Auswahl)Posttransplant Lymphoproliferative Diseases (PTLD), Morbus Castleman, X-chromosomale lympho­proliferative Erkrankungen (XLP), autoimmunes lymphoproliferatives Syndrom (ALPS)
4. Immunologische Erkrankungen (Auswahl)Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH), Langerhans-Zell-Histiozytosen (LCH), Morbus Rosai-Dorfman (Sinushistiozytose mit massiver Lymphadenopathie, SHML), Kawasaki-Syndrom, systemischer Lupus erythematodes (SLE), systemische juvenile idiopathische Arthritis (sJIA, Morbus Still), PFAPA-Syndrom (periodisches Fieber mit Aphthen), Pharyngitis und Adenitis, Churg-Strauss-Syndrom, Sarkoidose, Common Variable Immunodeficiency (variables Immundefektsyndrom, CVID), IgG4-assoziierte Erkrankung (IgG4-RD), septische Granulomatose (CGD), Wiskott-Aldrich-Syndrom (WAS) u. a.
5. Stoffwechselerkrankungen (Auswahl)Speicherkrankheiten (z. B. Morbus Gaucher, Morbus Niemann-Pick, Morbus Tangier)Amyloidose
6. Medikamenteneinnahme (Auswahl)Phenytoin, Hydralazin, Procainamid, Isoniazid, Allopurinol, Dapson, Carbamazepin, Sulfonamide, Captopril, antiretrovirale Medikamente (durch Immunrekonstitution), Dasatinib

Kardinalfragen zur differenzialdiagnostischen Abklärung von Lymphknotenschwellungen

Tab. L13-2
  • 1.

    Handelt es sich um eine eindeutig pathologische Lymphknotenschwellung?

  • 2.

    Ist die Lymphknotenschwellung im Zeitverlauf progredient und wenn ja, mit welcher Dynamik?

  • 3.

    Gibt es Anhaltspunkte für eine infektiöse Ursache und wie ist das Ansprechen auf eine gegebenenfalls begonnene Therapie?

  • 4.

    Können wegweisende klinische Zusatzbefunde erhoben werden?

  • 5.

    Besteht der Verdacht auf eine maligne Ursache?

  • 6.

    Lokalisation der vergrößerten Lymphknoten (unilateral/bilateral; supraklavikulär = „malignomverdächtig“)?

  • 7.

    Handelt es sich um eine isolierte oder generalisierte Lymphknotenvergrößerung?

Kennzeichen für „alterstypische“ LymphknotenLymphknoten, alterstypische Kennzeichen

Tab. L13-3
  • Größe: < 1 cm (Kieferwinkel < 1,5–2 cm, gelegentlich auch darüber), meist bohnenförmig, auch ­inguinale Lymphknoten größer

  • Meist weiche elastische, gut verschiebliche Lymphknoten

  • Meist keine Schmerzen

  • Keine Entzündungsreaktion

  • Typische Lokalisationen (zervikal und/oder inguinal)

  • Kleinkind- und frühes Schulkindalter

Hinweise auf infektiöse Ursachen einer Lymphknotenschwellung

Tab. L13-4
  • Lokale Eintrittspforten (Parodontitis, Tonsillitis, Kratzspuren bei allergischem Exanthem, andere offene Hautstellen)

  • Hinweise auf eine Kinderkrankheit (Röteln, Masern, Varizellen, Ringelröteln)

  • Lokale Schmerzen, lokales Erythem

  • Generalisiertes Exanthem, Fieber

  • Auslandsreisen, Tierkontakt

Wegweisende klinische Zusatzbefunde bei Lymphknotenvergrößerungen

Tab. L13-5
Klinischer Zusatzbefund Hinweis auf
Exsudative Tonsillopharyngitis A-Streptokokken (GAS), EBV, ADV
Pustel im Drainagegebiet der vergrößerten Lymphknoten Katzenkratzkrankheit (Bartonellose), bakte­rielle Lymphadenitis
Charakteristische Hauterscheinungen SLE, Dermatomyositis, Pilzinfektion
Ekzem, rezidivierende Hautinfektionen Neurodermitis, Hyper-IgE-Syndrom, andere primäre Immundefekte
Exanthem, Enanthem, Himbeerzunge, Lacklippen, Fieber Kawasaki-Syndrom
Anamnese Allergien
Anamnese und Erythema migrans Lyme-Borreliose
Gelenkschwellungen, Knochen-, Weichteil­schmerzen Leukämie, rheumatische Erkrankungen
Enteritis und Gelenkschwellungen Yersinia enterocolitica
Hohes Fieber, Exanthem, Hepatosplenomegalie, Arthritis, hohe Entzündungsparameter Morbus Still (sJIA)
Gedeihstörung, pathologische Infektionsanfälligkeit und/oder sonstige Immundysregulation („­PID-Warnzeichen“) Primärer Immundefekt
Massive Lymphknotenschwellungen Lymphoproliferative Erkrankungen, Lymphome, Metastasen, Rosai-Dorfman-Erkrankung (SHML), ALPS
Z. n. Organ- oder hämatopoetischer Stammzelltransplantation PTLD
Organomegalie und neurologische Symptome Speicherkrankheiten
Vergrößerte gräulich weiße Tonsillen EBV-Infektion
Vergrößerte grauweiße, später bräunlich belegte Tonsillen, süßlicher Foetor ex ore Diphtherie
Vergrößerte, gelborange belegte Tonsillen Morbus Tangier

Weiterführende laborchemische und bildgebende Diagnostik

Tab. L13-6
  • Blutbild mit, wenn möglich, manuellem mikroskopischem Differenzialblutbild sowie Retikulozyten und Retikulozytenproduktionsindex (RPI)

  • CRP, BSG, Kreatinin, LDH (erhöht bei EBV-Primärinfektion und malignen Erkrankungen), Harnsäure (Hyperurikämie durch Tumor-Lyse-Syndrom bei Malignomen)

  • Bei passender Klinik bzw. Anamnese: Serologie für EBV, CMV, B. henselae und Toxoplasmen

  • Bei anamnestischen bzw. klinischen Hinweisen: Serologie für HIV, Tuberkulin-Hauttest (THT)

    (2TU PPD-RT 23; Alter < 5 Jahre) oder Interferon-Gamma-Release Assay (IGRA)

  • Ultraschalluntersuchung des Lymphknotens möglichst mit Dopplersonografie: bei vermehrter zentraler Durchblutung bzw. Einschmelzung hinweisend für eine infektiöse Ursache; bei aufgehobener Lymphknotengrundstruktur, bei runder statt ovalärer Lymphknotenstruktur („short axis to long axis ratio“; S/L-Ratio), peripherem Durchblutungsmuster, möglicherweise hinweisend auf eine maligne Erkrankung (› Tab. L 13-8)

  • Gegebenenfalls Röntgenuntersuchung des Thorax (in 2 Ebenen)

Tab. L 13-7 Erweiterte Diagnostik

  • Serologie für HIV, Bartonellen, Toxoplasmen

  • Mykobakterien (THT, IGRA)

  • Ultraschalluntersuchung von Lymphknoten (› Tab. L 13-8) und Abdomen

  • Röntgenuntersuchung des Thorax

  • Gegebenenfalls mikrobiologische Kultur des Sputums und/oder des Magensafts

  • Gegebenenfalls immunologische Untersuchungen (Immunglobuline, ANA, ANCA, ACE [Sarkoidose] u. a.)

Tab. L 13-8 Klinische und sonografische Kriterien zur Unterscheidung benigner und maligner Lymphknotenschwellungen

Eher benigne Eher maligne
Inguinal, zervikal ventral des M. sternocleidomastoideus Lokalisation Supraklavikulär, axillär, zervikal dorsal des M. sternocleidomastoideus
Meist < 1 cm (1,5–2 cm im Kieferwinkel) Größe > 2 cm (2,5 cm im Kieferwinkel)
Eher weich Konsistenz Unterschiedlich, oft derb
Eher ja Schmerz Eher nein
Ja Verschiebbarkeit Unterschiedlich, meist schlecht
Unterschiedlich Allgemeinsymptome Unterschiedlich
Abhängig von der Ursache, eher langsam Wachstumsverlauf Unterschiedlich, in der Regel rasch progredient, bei Hodgkin-Lymphom evtl. undulierend
Ovale (bohnenförmige) Form (S/L-Achse < 0,5) hiläre Vaskularisation Ultraschall Runde Form (S/L-Achse > 0,5) periphere oder gemischte Vaskularisation

Tab. L 13-9 Aufbereitung und Versendung des Biopsiematerials (nach Möglichkeit mit den entsprechenden mikrobiologischen, pathologischen, immunologischen und onkologischen Laboratorien vorab klären)

Untersuchung Probenaufbereitung
  • 1.

    Zytomorphologie

Biopsie: TupfpräparateKnochenmark: AusstricheErgüsse: Zytozentrifugenpräparate
  • 2.

    Histologie

Biopsie: Fixierung in Formalin, evtl. Frischmaterial für Schnellschnitt
  • 3.

    Immunhistochemie

Biopsie: Fixierung in Formalin, ggf. auch Kryomaterial möglich
  • 4.

    lmmunphänotypisierung vitaler Tumorzellen mittels Durchflusszytometrie

Biopsie: Kulturmedium oder NaCl 0,9 %Knochenmark und/oder Punktatflüssigkeit: Natriumheparin- oder EDTA-Zusatz
  • 5.

    Mikrobiologie

Kultur in Standard- und ggf. Spezialnährmedien, Gram-Färbung, evtl. Ziehl-Neelsen-Färbung oder PCR (Mykobakterien, Bartonellen u. a.)
  • 6.

    Zytogenetik

Frischmaterial: Kulturmedium oder NaCl 0,9 %.
  • 7.

    Sonstige Molekulargenetik

Frischmaterial: NaCl 0,9 % oder Kryokonservierung in flüssigem Stickstoff

Lymphknotenvergrößerung

A. Claviez

U. Behrends

T. Grundmann

U. Kaiser

H.-J. Laws

T. Niehues

H. Schroten

V. Schuster

Diagnostik

Der menschliche Körper beinhaltet schätzungsweise 600 Lymphknoten, von denen etwa die Hälfte im Kopf-Hals-Bereich lokalisiert ist. Als Antwort auf immunologische Stimuli können der Blut- und Lymphfluss etwa um das 25-Fache und die Größe der Lymphknoten um etwa das 15-Fache zunehmen (1). Etwa 90 % der Kinder im Alter von 4–8 Jahren weisen palpable Halslymphknoten auf (2). Die Prävalenz tastbarer Halslymphknoten bei knapp 3600 ansonsten gesunden schwedischen Schulkindern lag bei 28 % (3).
Die Abklärung von Lymphknotenschwellungen im Kindes- und Jugendalter beinhaltet die differenzialdiagnostische Berücksichtigung häufiger wie auch seltener Erkrankungen (4–6). Neben geografischen Besonderheiten (auf Reiseanamnese achten) kommt auch dem Alter der Kinder bezüglich des Erregerspektrums und der Lymphknotenlokalisation eine wichtige Bedeutung zu (7). Vom zeitlichen Verlauf werden akute (1–2 Wochen), subakute (2–6 Wochen) und chronische LymphknotenschwellungenLymphknotenschwellung/-vergrößerung (> 6 Wochen) unterschieden (8).
Zwar handelt es sich ursächlich in den meisten Fällen um benigne, reaktive, meist viral bedingte und selbstlimitierende Erkrankungen (9), dennoch erfordert der Ausschluss von schweren oder lebensbedrohlichen, immunologischen, infektiösen und malignen Erkrankungen ein sorgfältiges Vorgehen (10–15). Krebserkrankungen im Kindesalter kommen zwar mit einer Häufigkeit von weniger als 1 % vor, können sich aber mit bis zu 25 % im Kopf-Hals-Bereich manifestieren (7).
Lymphknotenschwellung/-vergrößerungUrsachenMögliche Ursachen sind nach ätiologischen Gesichtspunkten in › Tab. L13-1 dargestellt (2, 7, 9–11, 16–18).
Lymphknotenschwellung/-vergrößerungDifferenzialdiagnoseDifferenzialdiagnostisch abzuklären sind auch andere Ursachen zervikaler Schwellungen wie etwa Dermoidzysten, Thyreoglossuszysten, Bronchuszysten, verzweigte Spaltzysten, Gefäßmalformationen, Parotitis (z. B. Mumps), zystisches Hygrom, zervikale Rippe, Speicheldrüsentumoren, Lipome, Fibrome/Fibromatosis colli oder nicht lymphknotenassoziierte Abszesse (11, 19–22).
Aufgrund der Häufigkeit folgt die differenzialdiagnostische Analyse nicht dieser ätiologischen Auflistung, sondern kombiniert anamnestische Daten und klinische Untersuchungsbefunde mit Laborergebnissen, Bildgebung sowie der Reaktion auf therapeutische Interventionen (Diagnose ex juvantibus). Diese von pragmatischen Gesichtspunkten geprägte Vorgehensweise beinhaltet die Beantwortung einiger Kardinalfragen (› Tab. L13-2; › Abb. L 13-1 [11, 13, 23–25]).
Die Unterscheidung alterstypisch (postinfektiös) tastbarer Lymphknoten von eindeutigen Lymphadenopathien ist aufgrund äußerlicher Kennzeichen und Patientenalter (› Tab. L13-3) möglich, kann aber im Einzelfall schwierig sein (› Abb. L 13-2, › Tab. L13-3, › Abb. L 13-3). Die Größe normal eingeschätzter Lymphknoten variiert mit der Lymphknotenregion und dem Alter. Kinder im Alter zwischen 2 und 10 Jahren weisen häufig größere Lymphknoten (meist zervikal und inguinal) als im späteren Lebensalter auf.
Bei Vorhandensein einer eindeutig pathologischen Lymphknotenschwellung oder für den Fall, dass eine sichere Unterscheidung zu einem Normalbefund nicht möglich ist, sind unter Berücksichtigung anamnestischer und klinischer Daten in erster Linie Fragen nach infektiösen Ursachen zu stellen, da diese für die meisten der im Kindesalter vorkommenden pathologischen Lymphknotenschwellungen verantwortlich sind. Zur Klärung dienen Informationen zum zeitlichen Verlauf, infektiösen Erkrankungen in der Umgebung, zurückliegenden Reisen und gegebenenfalls Sexualkontakten (inguinale Lymphadenopathie).
Sowohl lokale wie auch systemische Infektionen können zu Lymphknotenschwellungen führen › Tab. L13-4. Bei Hinweisen auf eine bakterielle Infektion werden gezielt lokale Abstriche (z. B. Rachen, Anus, Hautläsionen), gegebenenfalls Blutkulturen entnommen und für mikrobiologische Kulturen asserviert.
Im Zweifelsfall ist eine probatorische Antibiotikatherapie bei V. a. Lymphadenitis colli für 7 bis maximal 14 Tage indiziert (z. B. Ampicillin/Sulbactam), sollte jedoch bei ungenügender Wirkung vorher beendet werden. Bei akuter pyogener unilateraler Lymphadenitis colli sollte eine antibiotische Therapie, die Streptokokken und Staphylokokken erfasst, z. B. mit Amoxicillin plus Betalaktamase-Inhibitor oder mit Clindamycin erfolgen. Die Therapiedauer beträgt 10–14 Tage. Cephalosporine sollten der Cefadroxil- oder Cefuroximgruppe entstammen und Sonderfällen vorbehalten bleiben. Bei ausgeprägtem Befund oder unsicherer oraler Aufnahme ist eine intravenöse Behandlung indiziert. Im Fall einer bilateralen Lymphadenitis colli mit Fieber, exsudativer Tonsillitis und McIsaac-Score ≥ 3 sollte im Sinne einer Infektion mit Streptokokken der Gruppe A (GAS) primär mit Penicillin (bei Allergie: Makrolide) über 7 Tage behandelt werden (cave: Amoxicillin-Exanthem bei EBV-Primärinfektion). Auch bei inguinaler Lymphknotenvergrößerung und Infektionsverdacht ist ein antibiotischer Therapieversuch gerechtfertigt.
Darüber hinaus müssen aber auch andere mögliche zugrunde liegende Erkrankungen z. B. maligne Systemerkrankungen, Autoimmun- und Autoinflammationserkrankungen, primäre Immundefekte und Speicherkrankheiten berücksichtigt werden. Wegweisend sind oft ana­mnes­tische Daten, Begleitsymptome, Lymphknotenschwellung/-vergrößerungklinische Zusatzbefundeklinische Zusatzbefunde (› Tab. L13-5) und/oder Lymphknotenschwellung/-vergrößerungLaborergebnisseLaborergebnisse (› Tab. L13-6).

Weiterführende Diagnostik

Lymphknotenschwellung/-vergrößerungweiterführende DiagnostikBei pathologischen Lymphknotenvergrößerungen, die nicht durch banale, meist virale Infektionen oder für das Kindesalter typische Infektionskrankheiten erklärt werden können, bzw. die nicht auf eine kalkulierte oder probatorische antibiotische Therapie angesprochen haben, muss eine weiterführende Diagnostik durchgeführt werden (› Tab. L13-6).
Die Ultraschalluntersuchung stellt die primäre bildgebende Diagnostik bei Lymphknotenvergrößerung im Kindesalter dar.
Falls zu diesem Zeitpunkt des Untersuchungsgangs keine Diagnose gestellt werden kann, hängt das weitere Vorgehen vom klinischen Verlauf (Progredienz?) der Lymphknotenschwellung ab. Bei Rückgang der Symptome ist eine abwartende Haltung nahe liegend. Bei Befundkonstanz oder Progression der Lymphknotenschwellung schließt sich eine erweiterte Dia­gnostik, falls vorher noch nicht erfolgt, an (› Tab. L 13-7). Lymphknotenschwellung/-vergrößerungerweiterte Diagnostik
Kann die Diagnose durch die aufgeführten Untersuchungen nicht gesichert werden, sind beispielsweise seltene Infektionen, immunologische Erkrankungen oder maligne Systemerkrankungen bzw. Tumoren in Betracht zu ziehen (› Tab. L13-1). Eine Lymphknotenentfernung in toto ist zu empfehlen, sollte es nicht zu einem Größenrückgang binnen 4–6 Wochen oder einer Größennormalisierung binnen 8–12 Wochen gekommen sein (26). Bis zur endgültigen Normalisierung des Befunds kann aber auch eine längere Zeit vergehen. Bei Progredienz der Lymphknotenschwellungen sowie Auftreten von B-Symptomen ist immer die baldmöglichste Entfernung eines verdächtigen und größtmöglichen Lymphknotens anzustreben, um durch mikrobiologische, immunhistologische, molekularbiologische (PCR-Untersuchung u. a. auf Mykobakterien, EBV, Bartonellen), molekular- und zytogenetische Untersuchungen die Dia­gnose zu sichern. Eine Feinnadelpunktion bei Kindern und Jugendlichen ist zur Abgrenzung eines Lymphoms nicht geeignet und daher kontraindiziert („sampling error“, unzureichende Materialgewinnung, hohe Rate falsch negativer Ergebnisse) (6, 7, 13).
Bei dringendem Verdacht auf eine maligne Erkrankung – entweder aufgrund des Lymphknotenbefunds und der Anamnese (› Tab. L 13-8), klinischer Zusatzbefunde oder der durchgeführten Basis-/Zusatzdiagnostik (27) – sind gezielte Staging-Untersuchungen erforderlich, die an einem hierfür spezialisierten, pädiatrisch-onkologischen Zentrum durchgeführt werden sollen, um repetitive oder nicht adäquate Untersuchungen zu vermeiden. Im Fall einer Lymphknotenexstirpation ist eine referenzpathologische Begutachtung anzustreben. Bei Verdacht auf das Vorliegen eines Lymphoms (Non-Hodgkin-Lymphome > Hodgkin-Lymphome) kann die Diagnosestellung abhängig von den Zusatzbefunden durch Knochenmark-, Pleura- oder Aszitespunktion anstelle einer Lymphknotenentfernung erfolgen. Bei Leukämieverdacht sollte grundsätzlich – falls klinisch vertretbar (cave: Hyperleukozytose mit ausgedehntem Mediastinaltumor) – eine Knochenmarkpunktion erfolgen.
Sonografische Kriterien erleichtern die Abgrenzung benigner von malignen Lymphknoten (› Tab. L 13-8), wenngleich hierdurch eine Histologie nicht ersetzt werden kann (28–30).
Bei malignen Erkrankungen ist neben immunhistologischen Untersuchungen auch die Asservierung von vitalem Tumorgewebe für durchflusszytometrische, zytogenetische und molekular-/zytogenetische Untersuchungen sowie für die Etablierung von Zelllinien wünschenswert (› Tab. L 13-9). Aus diesen Untersuchungen ergeben sich wichtige Zusatzinformationen für die exakte histologische und immunologische Klassifizierung maligner Lymphome, die Voraussetzung für eine sachgerechte Therapie ist. Die Durchflusszytometrie aus dem peripheren Blut bei Verdacht auf das Vorliegen maligner Lymphome hat vor allem im Erwachsenenalter eine Bedeutung, da bei entsprechenden Befunden eine Lymphknotenexstirpation entfallen kann.
Aus den genannten Gründen ist bei der Planung einer Lymphknotenentfernung eine vorherige interdisziplinäre Absprache zwischen den Disziplinen (pädiatrische Infektiologie und Onkologie, Pathologie sowie Mikrobiologie) dringend zu empfehlen (im Idealfall Materialteilung durch den Pathologen, falls möglich im Operationssaal, mit Anfertigung von Tupfpräparaten, Asservierung von sterilem Frisch- und Kryomaterial sowie Probenfixierung in Formalin).

Adressverzeichnis (Auswahl)

Referenzpathologen für Lymphome Prof. Dr. A. Rosenwald (Würzburg)
Prof. Dr. A. C. Feller (Lübeck)
Prof. Dr. F. Fend (Tübingen)
Prof. Dr. M.-L. Hansmann (Frankfurt)
Prof. Dr. W. Klapper (Kiel)
Prof. Dr. P. Möller (Ulm)
Prof. Dr. G. Ott (Stuttgart)
Prof. Dr. H. Stein (Berlin)
Prof. Dr. S. Gattenlöhner (Gießen)
Studienzentrale NHL-BFM-Studien Prof. Dr. Dr. B. Burkhardt (Universitätsklinikum Münster, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, Domagkstr. 24, 48149 Münster)
Prof. Dr. W. Wößmann (Universitätklinikum Eppendorf, Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, ­Gebäude O45, Martinistr. 52, 20246 Hamburg)
Studienzentrale GPOH-HD und EuroNet-PHL-Studien (Hodgkin-Lymphome) Prof. Dr. D. Körholz (Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, Standort Gießen, Feulgenstr. 12, 35392 Gießen)
Molekular- und Zytogenetik Prof. Dr. B. Schlegelberger (Institut für Zell- und Molekularpathologie der MHH, Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover)

Verfahren zur Konsensbildung

Informeller Konsensus. Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin erstellt durch die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH).
Autoren
Alexander Claviez (Kiel; Koordination), Uta Behrends (München), Thomas Grundmann (Hamburg), Ulrich Kaiser (Hildesheim), Hans-Jürgen Laws (Düsseldorf), Tim Niehues (Krefeld), Horst Schroten (Mannheim), Volker Schuster (Leipzig)
Mitglieder der Expertengruppe
A. Claviez, Kiel (GPOH, DGKJ), U. Behrends (GPOH, DGPI), T. Grundmann, Hamburg (DGHNO-KHC), U. Kaiser, Hildesheim (DGHO), H.-J. Laws, Düsseldorf (GPOH, API, DGPI), T. Niehues, Krefeld (GPOH, API, DGPI, DGKJ), H. Schroten, Mannheim (DGPI), V. Schuster, Leipzig (DGPI, GKJR)
Beratende wissenschaftliche medizinische Fachgesellschaften
  • Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Immunologie (API)

  • Deutsche Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC)

  • Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO)

  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)

  • Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

  • Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH)

  • Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR)

Aktualisierung 2020
Die Leitlinie wurde von den Leitlinienkoordinatoren den Mitgliedern der Expertengruppe vorgelegt, Änderungen und Ergänzungen wurden nach Rücksprache mit dem Leitlinienkoordinator eingearbeitet.
Leitlinienkoordination
Ursula Creutzig (Hannover), Stephan Lobitz (Koblenz)
Erste Fassung: 1997
Zweite Fassung: Dezember 2000
Dritte Fassung: März 2006
Vierte Fassung: Mai 2012
Fünfte Fassung: April 2020

Adressen

Autoren
PD Dr. med. Alexander Claviez
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Arnold-Heller-Str. 3
24105 Kiel
Prof. Dr. med. Uta Behrends
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Klinikum rechts der Isar
Technische Universität München
Kölner Platz 1
80804 München
Prof. Dr. med. Thomas Grundmann
Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Str. 1
22763 Hamburg
Prof. Dr. med. Ulrich Kaiser
Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie – Medizinische Klinik II
St. Bernward Krankenhaus
Treibestr. 9 D
31134 Hildesheim
PD Dr. med. Hans-Jürgen Laws
Klinik für Kinder-Onkologie, -Hämatologie und klinische Immunologie
Universitätsklinikum Düsseldorf
Moorenstr. 5
40225 Düsseldorf
Prof. Dr. med. Tim Niehues
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
HELIOS-Klinikum Krefeld
Lutherplatz 40
47805 Krefeld
Prof. Dr. med. Horst Schroten
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsmedizin Mannheim
Theodor-Kutzer-Ufer 1–3
68163 Mannheim
Prof. Dr. med. Volker Schuster
Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Leipzig
Liebigstr. 20a
04103 Leipzig

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Chiappini E, Camaioni A, Benazzo M, Biondi A, Bottero S, De MS, Di MG, Doria M, Esposito S, ­Felisati G, Felisati D, Festini F, Gaini RM, Galli L, Gambini C, Gianelli U, Landi M, Lucioni M, Mansi N, Mazzantini R, Marchisio P, Marseglia GL, Miniello VL, Nicola M, Novelli A, Paulli M, Picca M, Pillon M, Pisani P, Pipolo C, Principi N, Sardi I, Succo G, Toma P, Tortoli E, Tucci F, Varricchio A, de MM, Italian Guideline Panel For Management Of Cervical Lymphadenopathy In Children. Development of an algorithm for the management of cervical lymphadenopathy in children: consensus of the Italian Society of Preventive and Social Pediatrics, jointly with the Italian Society of Pediatric Infectious Diseases and the Italian Society of Pediatric Otorhinolaryngology. Expert Rev Anti Infect Ther 13(12): 1557–1567, 2015.

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